JB-2013

raphael12130

2 Inhaltsverzeichnis


1. Geschäftsbericht für das Jahr 2013

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Geschäftsbericht


Auf der Suche nach einer prägnanten Einleitung für

einen AIDS-Hilfe-Jahresbericht, die die Arbeit und die

Ereignisse des jeweiligen Berichtsjahres einigermaßen

treffend auf den Punkt bringen und Neugier wecken

könnte, hilft uns für das Jahr 2013 das 30-jährige Jubiläum

unseres Bundesverbandes. Aus diesem Anlass

hat die Deutsche AIDS-Hilfe eine sehr spannende Kampagne

gestartet, die mit zehn Thesen in provokanter

aber treffender Weise den aktuellen Wissenstand zum

Themenfeld HIV/AIDS aufgreift, den enormen Wandel

beschreibt und zugleich zum gesellschaftlichen Diskurs

anregt. Wir, die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel, fanden

diese Kampagne jedenfalls richtig gut und so wird

Sie, liebe Leser_innen, die ein oder andere These in

diesem Jahresbericht begleiten.

Selbstverständlich gibt der vorliegende Bericht vor allem

Auskunft über die konkrete Arbeit der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V.- Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung-

im Jahre 2013. Wir wünschen anregende

Lektüre!

„AIDS IST AUCH NICHT MEHR; WAS ES MAL WAR.“

Diese Eingangsthese zur DAH-Kampagne zum 30jährigen

Jubiläum ist alles andere als ein Ausdruck des

Bedauerns, wie es im Volksmund oft im Sinne von `Früher

war alles besser´ gemeint ist, sondern vielmehr die

Begrüßung einer neuen – im Wesentlichen besseren

– Zeit und Ausdruck des Wandels und der Veränderung

der Arbeitsgrundlagen und Themenfelder von AIDS-

Hilfen – zumindest in Deutschland. Im Vorwort des Jahrbuches

2012/2013 der DAH werden der Veränderungsprozess

und die alten und neuen Herausforderungen

auch für uns als lokale Mitgliedsorganisation so treffend

beschrieben, dass wir dies gerne zitieren möchten:

„Bei ihrer Gründung (1983) hatte die Deutsche AIDS-Hilfe

drei wesentliche Ziele: Betreuung der Kranken, die

damals unmittelbar den Tod vor Augen hatten. Die Unterstützung

der am stärksten von HIV betroffenen Gruppen,

denen massive Ausgrenzung drohte. Und die Suche

nach Wegen, sich und andere vor einer HIV-Infektion zu

schützen, ohne die Lust am Leben und die Freude an

der Sexualität zu verlieren.

Seitdem hat sich viel verändert. Dank der Fortschritte

der Medizin haben die meisten Menschen mit HIV eine

fast normale Lebenserwartung. Ein erfülltes Leben mit

Partnerschaft und Familie, Job und Freizeit –ganz nach

ihren persönlichen Wünschen – steht ihnen offen. Oft

wird dieses Leben jedoch durch Diskriminierung oder

Ausgrenzung schwer oder sogar unmöglich gemacht.

Noch immer verschlechtern Diskriminierung und Ausgrenzung

die Gesundheitschancen vieler Menschen.

Nachweislich wirksame Schutzmaßnahmen und wirksame

Therapien werden bestimmten stigmatisierten

Gruppen aus ideologischen Gründen vorenthalten, zum

Beispiel Menschen, die Drogen konsumieren oder sich

in Haft befinden oder die keine Papiere haben.

Wo die Gesellschaft und die Politik das Menschenrecht

auf den bestmöglichen erreichbaren Gesundheitszustand

einschränken, treten wir dafür ein, dass sich das

ändert. Wir nennen das „Strukturelle Prävention“. Aber

auch viel weniger sperrige Worte passen: Solidarität.

Mitgefühl. Respekt. Verantwortung.

Der Gründungsanspruch der Deutschen AIDS-Hilfe gilt

heute wie damals: Wir setzen uns ein für ein offenes

Miteinander von Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen.

Wir möchten sie alle darin bestärken,

eigenverantwortliche Entscheidungen zu fällen und sich

vor Gesundheitsrisiken zu schützen. Wir möchten dazu

beitragen, dass Menschen sich vor HIV schützen

können und dass Menschen mit HIV vor Diskriminierung

geschützt sind.“

(Jahrbuch 2012 I 2013 der DAH, S. 2-3, Berlin, September

2013)

Wir begreifen diesen Anspruch nicht nur als Selbstanspruch,

sondern auch als öffentlichen Auftrag und Verpflichtung,

denn darauf basieren zu einem wesentlichen

Teil die Präventionserfolge in Deutschland.

Strukturelle Prävention zielt nicht nur auf individuelle

Verhaltensänderungen, sondern eben auch auf die

Veränderung der Verhältnisse, in denen Menschen und

insbesondere Menschen in besonders riskierten Situationen

oder Umständen leben.

Zielgruppenspezifische Prävention

Die zielgruppenspezifische Prävention als Kernauftrag

für AIDS-Hilfen ist unerlässlich, damit die richtigen Menschen

mit passenden Botschaften und Maßnahmen

lebenswelt- und akzeptanzorientiert erreicht werden können

und die Ansätze nicht ins Leere greifen, denn: Nur

wer sich schätzt, schützt sich und andere!

Auch wenn in Deutschland eine vergleichsweise günstige

Situation erreicht werden konnte, dürfen wir in unserer

Arbeit nicht nachlassen, müssen die etablierten

Strukturen erhalten werden, um die Erfolgsgeschichte

weiter zu schreiben, um nicht zuletzt auch die wirtschaftlichen

Einspareffekte von preiswerter und wirksamer

Prävention gegenüber nach wie vor teurer Therapie zu

halten.

„Besonderes Augenmerk muss dabei auch auf Menschen

gerichtet werden, die aufgrund sozialer, kultureller

und persönlicher Faktoren ihre Gesundheit nicht

ausreichend schützen können. HIV/AIDS-Prävention

muss deshalb zukünftig stärker mit Maßnahmen der

Gesundheitsförderung verknüpft werden“ (Landeskonzept

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in

5


Nordrhein-Westfalen“, 2013, S. 10; Anm.: die Druckfassung

dieses sehr empfehlenswerten Konzeptes kann

bestellt oder heruntergeladen werden: im Internet unter

www.mgepa.nrw.de/ministerium/service unter Angabe

der Veröffentlichungsnummer 112))

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. – Fachstelle

für sexuelle Gesundheitsförderung - mit ihrem traditionellen

Auftrag der zielgruppenspezifischen Prävention

arbeitet schon immer nach diesem Grundsatz und bietet

–mit einer für die Größe des Zuständigkeitsgebietes und

der Einwohnerzahl vergleichsweise kleinen Mannschaft

von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter_innen - ein

umfassendes Projektspektrum dazu:

(s. 5.4.) oder bei der Versorgung von Suchterkrankten (s.

5.2.) und eindeutig im Bereich von homo- und bisexuellen

Männern, insbesondere in besonderen MSM-Netzwerken,

die bisher nur unzureichend erreicht wurden

(s. 5.1.). Eine weitere sehr wichtige Zielgruppe stellen

Menschen in Haft dar, wo wir leider immer noch höhere

Infektionsgefährdungspotentiale (besonders bzgl. der

Hepatitiden B und C, aber durchaus auch bezogen auf

HIV) konstatieren, die im Wesentlichen in den hygienisch

höchst bedenklichen (Drogen-) Konsumbedingungen

begründet sind (s. 5.3.).

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention

für Kinder und Jugendliche. Wichtig ist, HIV/

AIDS-Prävention als Teil von Gesundheitsförderung und

Sexualaufklärung zu verstehen und Jugendliche frühzeitig

zu Beginn ihrer sexuellen Aktivität zu erreichen“

(Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention

in Nordrhein-Westfalen“, 2013, S. 10; s. auch 5.6.

im vorliegenden Jahresbericht).

Die synergetische Koppelung der HIV-/AIDS-Präventions-

mit „Entdiskriminierungsstrategien“ war und ist

der richtige Weg zum großen Ziel der Minimierung von

Neuinfektionen, zum Kampf gegen HIV und AIDS. Die

Fokussierung der letzten Welt-AIDS-Tag`s-Kampagnen

(„HIV-POSITIV & MITTEN IM LEBEN!“, s. 4.4.) auf diesen

Aspekt ist nur konsequent. Wir brauchen ein Klima

der Akzeptanz und Toleranz, eines „offenen Miteinanders

von Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen“

(s.o.), denn:

Gegen Diskriminierung

helfen keine Pillen.

Gegen Diskriminierung

hilft vor allem seriöse

Information und Aufklärung

– auch zur Vorbeugung

vor nach wie vor

präsenten Ängsten. Und

die Argumente werden ja

auch immer besser.

Abb: Eingangsschild zur neuen Beratungsstelle auf der

Bismarckstr. 67 in Duisburg-Neudorf

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im

Kontext von Gesundheitsförderung hat sich ganz eindeutig

bewährt. Angesichts der epidemiologischen Daten

in Deutschland erweist sich die zielgruppenspezifische

Präventionsarbeit als immer bedeutungsvoller. Präventionsmittel

und –maßnahmen müssen demzufolge dort

zur Verfügung stehen, wo sie besonders benötigt werden

– z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-) Prostitution

Die Erfolge der Behandelbarkeit sind enorm und hinreichend

kommuniziert (s. Jahresberichte der letzten

Jahre), eine stabile Therapie schützt, schützt auch vor

Übertragung:

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Geschäftsbericht


Safer Sex geht auch

anders

„Jeder weiß: Kondome

schützen. Daran ändert

sich nichts. Doch auch

eine wirksame HIV-Therapie

verhindert die

Übetragung des Virus

zuverlässig.“ (Untertiteltext

zu diesem Claim,

DAH 2013)

„HIV POSITIV & MITTEN IM LEBEN!“ ist keine Utopie

mehr, sondern wird immer mehr zur Realität. Jedenfalls

wollen und müssen wir im Verbund mit vielen Verbündeten

und gut ausgebauten Netzwerken weiter dafür

kämpfen.

Gemeinsam gegen AIDS

Wir wollen, dürfen und werden nicht auf die klassischen

Präventionsbotschaften („Kondome schützen!“) verzichten,

aber wir können nur froh sein, dass sich der Köcher

der Präventionsmittel füllt. Wir sollten damit allerdings

verantwortlich umgehen und schauen, für wen welche

Botschaften passen. Einfacher wird der Job dadurch

nicht unbedingt, aber noch interessanter.

Das gesellschaftliche Klima muss „nachziehen“, um die

Effekte weiter zu steigern, denn Therapien können nur

bei bekanntem Status und entsprechender Beratung

greifen. Und dazu brauchen wir weiterhin eine Steigerung

des Risikobewusstseins und der Testbereitschaft.

Diese werden nur gedeihen, wenn das Diskriminierungsund

Stigmatisierungspotential schwindet und auch die

Rechtsprechung die Erkenntnisse konsequent berücksichtigt.

Mit HIV kann man fliegen.

„Menschen mit HIV können

neuerdings auch Pilot

werden. Damit steht ihnen

in Deutschland nun jeder

Beruf offen. Eine Gefahr für

Kollegen oder Kunden besteht

in keinem Job. Trotzdem

müssen HIV-Positive

mit Mobbing oder sogar

Kündigungen rechnen.“ (Untertiteltext

zu diesem Claim,

DAH 2013)

Ein vielfach betonter und wichtiger Faktor für den bisherigen

Erfolg ist das gelungene und gelingende Zusammenwirken

von Bund, Ländern und Kommunen

sowie von Öffentlichem Gesundheitsdienst und verschiedenen

nichtstaatlichen Trägerstrukturen wie den

AIDS-Hilfen und die abgestimmten Aufgabenverteilungen

– so auch im Kreis Wesel und in der Stadt Duisburg.

Wir möchten an dieser Stelle einmal mehr betonen, dass

wir diese synergetische Strategie in unserer Zusammenarbeit

im Wesentlichen umgesetzt sehen und dass wir

es für wichtig erachten, dass die partnerschaftliche und

partizipative Kooperation erhalten und günstigenfalls

gestärkt wird. Dieses wird beispielsweise im Arbeitsfeld

der Prostitution verstärkt erforderlich sein, angesichts

der Zuwanderung von Menschen aus Südosteuropa.

Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle

Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur

so können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden

und andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische

und soziodemographische Entwicklungen

insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen. Vor allem

auch, weil die Erfordernisse für Netzwerkarbeit stetig anwachsen,

diese allerdings nur dann auch effektiv wirken

können, wenn hier personelle Kontinuität gewährleistet

werden kann.

Nun ist dies nicht zum Nulltarif zu bekommen. Angesichts

der bekannten Haushaltssituationen der meisten

NRW-Kommunen, so auch bei „unseren“ kommunalen

Partnern, stehen die Beteiligten vor großen Herausforderungen.

Die seit einigen Jahren gedeckelten Landesund

kommunalen Fördermittel führen dazu, dass die

Schere zwischen öffentlicher Förderung und Haushaltsbedarfen

immer weiter auseinander driftet und darüber

allein schon die Aufrechterhaltung unseres Angebots-

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spektrums immer schwieriger wird. Zu betonen ist, dass

ein ganz überwiegender Teil dieser Angebote kommunale

Pflichtaufgaben abdeckt. Auskunft über das Leistungsspektrum

unserer strukturellen Präventionsarbeit geben

etwa unsere Controlling-Daten für das Berichtsjahr im

Anhang.

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst der

Eigenmittelanteil alleine durch tarifrechtliche Steigerungen

im Personalkostenetat sowie natürlich steigender

Sachkostenausgaben (Mehrwertsteuer, technische

Ausstattung durch z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten,

vom Land geforderte, aber nicht refinanzierte

Qualitätsmanagementmaßnahmen, Nebenkosten für

den Gebäudeunterhalt, Personalbeschaffungs- und Fortbildungskosten

und vieles mehr).

Im Berichtsjahr durften wir endlich mal wieder eine stabile

öffentliche Förderung (auf gedeckeltem Niveau!) und

eine zeitnahe Auszahlung der Mittel erfahren. Dies ist

auch unerlässlich, um unsere Personal- und Sachkosten

zu decken und nicht in Liquiditätsprobleme zu kommen.

Gerade angesichts der geschilderten Zusammenhänge

brauchen wir unbedingt eine möglichst stabile Planungssicherheit.

Die Aufgaben und Leistungsanforderungen

wachsen eher durch die Veränderungen im HIV-Geschehen

als dass sie geringer würden.

Vor dem Hintergrund der verbesserten Behandlungsoptionen

und der gestiegenen Lebenserwartung steigt

etwa die Zahl unserer Begleitungsverhältnisse kontinuierlich

an. Das geht leider nicht unbedingt mit adäquat

wachsender Lebensqualität oder gar schrumpfenden

sozialrechtlichen oder psychosozialen Problemlagen

unserer Klienten einher. Im Gegenteil wächst leider auch

die Zahl derjenigen Klient/innen, die aufgrund vielfältiger

lebenspraktischer Problemlagen eine besonders hohe

Begleitungs- und Betreuungsintensität benötigen. Hinzu

kommt, dass in der Bevölkerung insgesamt, aber in unserer

Klientel in besonderem Maße die Zahl und Vielfalt

der psychischen (Begleit-) Erkrankungen wächst. Hier

stoßen wir zunehmend an Kapazitäts- und Qualifikationsgrenzen

und werden uns in naher Zukunft intensiver

etwa mit Formen ambulant betreuten Wohnens beschäftigen

müssen.

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt

hinzubekommen, benötigen wir im Durchschnitt etwa

50.000 Euro per anno aus nicht-öffentlichen Drittmitteln,

das macht zwischen 15 und 20 % unseres Haushaltsvolumens

aus. Betriebswirtschaftlich betrachtet generiert

jeder aus öffentlichen Mitteln eingesetzte Euro wiederum

15 – 20 Cent aus Drittmitteln. Eigentlich doch eine richtig

gute Investition.

Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 3500 Stunden

ehrenamtlicher (honorarfreier, aber nicht kostenfreier!)

Arbeit per anno (entspricht ca. 3 Vollzeitäquivalenten!)

nicht eingerechnet!

Ohne Spenden- und Sponsoring durch verschiedene

zivilgesellschaftliche Gruppierungen und Einzelpersonen

wäre die Aufrechterhaltung unseres Angebotsund

Leistungsspektrums überhaupt nicht denkbar.

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt von

derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten wir

es gerne mit Erich Kästner und wollen über gutes Tun

reden (s. 4.).

Diese und weitere Aktivitäten, die neben öffentlichkeitswirksamen

Effekten zum Teil unerlässliche Spendenund

Sponsoringeinnahmen erbrachten, haben neben

einer erneut sehr umsichtigen Haushaltsführung, die

bei Werner Garbe in besten Händen liegt, erheblich

dazu beigetragen, dass wir das Haushaltsjahr 2013

trotz zusätzlicher Renovierungs- und Umzugskosten

voraussichtlich mit einem sehr überschaubaren Defizit

abschließen können – ein sehr gutes, weil wahrlich nicht

unbedingt zu erwartendes Ergebnis.

Unsere Arbeit ist

nicht umsonst.

„Die HIV-Prävention

wirkt. Die Infektionszahlen

sind im europäischen

Vergleich

niedrig. 120 Aidshilfen

klären auf und bieten

Menschen mit HIV

vielfältige Unterstützung.“

(Untertiteltext

zu diesem Claim, DAH

2013)

Der sanfte Anstieg von ca. drei Prozent bei den für das

Jahr 2012 vom RKI geschätzten Neuinfektionen (ca.

3400) in Deutschland ist ganz sicher eben auch auf eine

gestiegene Testbereitschaft zurückzuführen und insofern

in gewisser Weise durchaus auch als Ausdruck erfolgreicher

Präventionsarbeit zu sehen. Obgleich dieser leichte

Anstieg eine insgesamt stabile Lage dokumentiert, die

im internationalen Vergleich ein hervorragendes Ergebnis

darstellt, ist er doch auch Anlass und Herausforderung

zugleich, an dieser Erfolgsgeschichte intensiv

weiterzuarbeiten!

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Geschäftsbericht


Aufgrund einer Umstellung der Erfassung der HIV-Daten

beim Robert-Koch-Institut können wir noch keine ganz

belastbaren Daten für das Berichtsjahr 2013 liefern, es

zeichnet sich aber für Gesamtdeutschland eine gewisse

Kontinuität im Vergleich zu 2012 ab. So konstatiert das

RKI für 2013 2726 Neu-Diagnosen, was auf eine ähnlich

hohe Zahl von Neuinfektionen (ca. 3400) wie im Vorjahr

hindeutet.

In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2013 bei 4,71

(pro 100.000 Einwohnern = 23 Neudiagnosen (Stand

vom 01.02.2014; Vgl. 2012: 2,25), also ein recht deutlicher

Anstieg. Erwähnenswert ist sicher, dass von den

23 Neudiagnosen immerhin sieben Erstmanifestationen

bei heterosexuellen Menschen zu verzeichnen sind

(Sind das vielleicht schon Auswirkungen der veränderten

Situationen im Bereich der Prostitution?). Quelle:

Robert-Koch-Institut: SurvStat, http://www.3.rki.de/

SurvStat, Stand:01.02.2014)

Zu berücksichtigen ist hier insgesamt ein verschlechtertes

und recht hochschwelliges Testangebot. Hier besteht

u.E. ein deutlicher Verbesserungsbedarf.

Für den Kreis Wesel liegen noch keine wirklich belastbaren

Daten vor. Gehen wir von den Daten des

sogenannten „restlichen Regierungsbezirk Düsseldorf“

für 2013 aus, so wäre auch hier ein zarter Anstieg zu

verzeichnen. Wir können aber nur auf die Schätzwerte

des Vorjahres verweisen: Die Inzidenz lag realistisch

geschätzt bei 2,13 (Stand 01.11.12 (entspricht etwa 11

Fällen im Berichtsjahr; Vgl. 2011: 2,08).

In der Rubrik der „Neudiagnosen“ ist zu berücksichtigen,

dass es sich um Erstmanifestationen und nicht

zwingend um Neuinfektionen aus dem Erhebungsjahr

handelt. Zu berücksichtigen ist weiterhin eine nicht zu

beziffernde Quote von Menschen, die sich –z.T. aus Anonymitätsgründen-

an anderen Orten testen lassen und

auch keine exakten Angaben zu ihrem Wohnort machen.

Nach Interpretation des RKI betrifft der leichte Anstieg

der HIV-Neuinfektionen im Bundesgebiet vor allem (jüngere)

schwule Männer und als bedeutsamer Erklärungsansatz

gilt der deutliche Anstieg der Syphilis-Inzidenzen,

was wiederum die zwingende Verbindung von HIV- mit

STI-Prävention untermauert und eine Intensivierung der

Arbeit in der Zielgruppe schwuler Männer und Männern,

die Sex mit Männern haben (MSM) nach sich ziehen

sollte. Das RKI weist hier darauf hin, dass die Syphilis

die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit auch dann

erhöht, wenn sich am (insgesamt sehr guten) Risikoverhalten

(s. Daten der EMIS-Studie) nichts ändert.

Dazu sollten sich der Zugang und die Abrechnungsmöglichkeiten

für STI-Screenings deutlich verbessern.

Regelmäßige Checks auf STI`s sollten auch für sexuell

aktive Menschen ohne Symptome zur Kassenleistung

werden, denn dies ist eine wichtige Maßnahme im Rahmen

der HIV-Prävention und auch zur Vermeidung von

sehr hohen Folgekosten.

Auf Seiten der Ärzte wie auch der Patienten erfordert

dies allerdings einen tabufreieren, offenen Umgang mit

dem Thema Sexualität, denn nur wenn darüber kommuniziert

werden kann, können diagnostische und therapeutische

Maßnahmen zur Anwendung kommen. Let`s

talk about Sex!

Was die medizinische Versorgungslage für HIV-Infizierte

in unserer Region betrifft, so brachte das

Berichtsjahr einen erwähnenswerten Einschnitt. Seit

September diesen Jahres ist mit Dr. Kwirant nur noch ein

niedergelassener HIV-Schwerpunktbehandler verblieben.

Nach dem Ausscheiden von Dr. Becker-Boost zum

Jahreswechsel 2012/2013 gab es mit dem Essener Onkologen

und Virologen Dr. Rudolph zwar eine sehr gut

qualifizierte Nachfolge, die allerdings sehr suboptimal

nur an zwei Wochentagen in Duisburg und ohne eigene

Logistik vertreten war. Dies sah auch die Kassenärztliche

Vereinigung kritisch und mahnte diese Situation an.

In der Folge beendete Dr. Rudolph zu unserem Bedauern

im September seine Tätigkeit in Duisburg. Bisher

konnten die weit über 100 Patienten durch Dr. Kwirant

und umliegende Kliniken und Praxen recht gut aufgefangen

werden. Wir hegen die Hoffnung, dass dies erst mal

so bleiben kann und Dr. Kwirant nicht an Belastungsgrenzen

stoßen mag.

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie die

stete Weiterentwicklung dessen ist in erster Linie nur

deshalb noch möglich, weil wir trotz immer wiederkehrender

Konfrontation mit Kürzungsszenarien ein immer

noch hochmotiviertes ehren- und hauptamtliches Team

haben.

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die Aufrechterhaltung

unserer Angebotspalette sind und bleiben

unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, denen einmal

mehr ein riesiges „Danke schön!“ gilt.

Angefangen beim Vorstand über nahezu alle anderen

Arbeitsfelder können wir hier auf eine sehr stabile

„Mannschaft“ bauen. Allerdings gibt es leider auch nur

überschaubaren Andrang von neuen Interessent/innen.

Daher möchten wir Sie, verehrte Leserinnen und Leser,

bitten, potentiell interessierte Menschen auf uns aufmerksam

zu machen, denn: AIDS-Hilfe-Arbeit ist spannend,

kann intensiv und unter Umständen belastend

sein, aber auch dankbar und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung

gewinnbringend. Das gilt nach wie vor

auch für die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen.

Immerhin konnte es gelingen, die Telefonberatung (Montags

zwischen 19.00 und 21.00 Uhr) durch einen neuen

Ehrenamtler, der die entsprechenden Schulungen mit

Freude und Erfolg durchlief, wieder besser abzusichern.

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Auch die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeitsgruppe

freute sich über Nachwuchs. Im Bereich der Wochenendvergabe

für Substituierte musste dagegen das rein

ehrenamtliche Begleitmodell aus Interessentenmangel

umgestellt werden auf eine Honorarbasis. Die Aufwandsentschädigung

wird allerdings von den substituierenden

Ärzten getragen.

Bestätigung und Rückhalt für unsere Arbeit und Entwicklung

erfuhren wir auch auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung,

die infolge des Umzugsgeschehens

„erst“ am 10. Juni 2013 stattfinden konnte.

Der amtierende Vorstand wurde einstimmig entlastet

und für seine umfassende Arbeit gewürdigt. Ein ganz

besonderer Dank galt unserem langjährigen Vorständler

und DAH-Delegiertenratsmitglied, Rainer Wille, der für

die neue zweijährige Legislaturperiode nicht mehr kandidierte.

Rainer Wille wird allerdings im Rahmen seiner

zeitlichen Möglichkeiten weiterhin ehrenamtlich aktiv

bleiben, etwa im Beratung-und-Test-Projekt oder als

Mitorganisator der Positiven-Freizeit. Das freut uns sehr.

Die Vorstandswahlen für die nächsten zwei Jahre verliefen

dann sehr zügig und einvernehmlich. So konnte

der verbliebene „Kernvorstand“ einstimmig bestätigt

werden. In das nach dem Tode von Rolf Ringeler bis

hierhin vakante Amt des Vereinsvorsitzenden wurde

nunmehr Peter Külpmann (Duisburg) gewählt. Zu seiner

ersten Stellvertreterin wurde Silke Stützel (Moers) bestimmt

und als Kassenwart Thomas Hilgers (Sonsbeck)

gewählt. Als neuer Beisitzer wurde von den Mitgliedern

mit Karl-Heinz Lemke (Mülheim) ein mit der Vorstandsarbeit

vertrauter gewählt. Für ein weiterers Beisitzeramt

gab es keine Kandidatur, so dass unser neuer Vorstand

weiterhin aus vier Personen besteht. Hinzu kommt als

Stimm- und Vertretungsberechtigter der Geschäftsführer

als „besonderer Vertreter“ nach § 30 BGB.

Nach „wechselvollen“ Jahren, vor allem bei unserer

„Frauenstelle“, konnten wir im Berichtsjahr endlich mal

wieder mit einem stabilen hauptamtlichen Team agieren.

Und nicht nur das: seit Oktober gibt es sogar wieder

Verstärkung durch unsere „alte“, neue Kollegin, Anika

Walther, die seither auf Honorarbasis insbesondere im

Arbeitsfeld „Youthwork“ mitwirkt und uns darüber hinaus

durch ihre langjährige Erfahrung auch in einigen

anderen Arbeitsfeldern unterstützen und vertreten kann.

Herzlich willkommen! Das Honorar muss zunächst aus

Eigenmitteln bestritten werden, wird aber aus Veranstaltungsgebühren

und Projektmitteln aus dem Bereich der

Kinder- und Jugendhilfe zu einem guten Teil refinanziert.

Stete Fort- und Weiterentwicklung einer Organisation

kann nur da gut gedeihen, wo auch spezifische Kompetenzen

und Erfahrung vorhanden sind, wo Bewährtes

den erforderlichen Wandel konstruktiv, kritisch begleitet.

Von besonderer Erfahrung zeugen im personellen

Bereich gleich zwei Dienstjubiläen im Berichtsjahr. So

feierten wir mit Ralf Runniger sein 15-jähriges und mit

Werner Garbe sein zehnjähriges Dienstjubiläum in der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel. Darüber hinaus konnten

die befristeten Verträge mit Frank Funk und Rüdiger

Wächter verlängert werden.

Nicht nur personell konnten wir unser Angebot erweitern,

sondern auch inhaltlich. Seit Mai 2013 ist die

AIDS-Hilfe Träger eines neuen SchLAu-Projektes, der

SchLAu-Gruppe Duisburg, ein Angebot zur schwul-,

lesbischen-, bi- und Trans*-Aufklärung, das sich vorwiegend

an Schulen wendet. Dank seiner langjährigen

Projekterfahrung und der sehr guten Vernetzung auf

Landesebene, konnte unser Kollege Frank Funk die

Gründung dieses Projektes initiieren, das schon ab Juni

diesen Jahres rege Nachfrage von Schulen erfuhr. Im

Rahmen des Duisburger CSD´s am 28.07. wurde dann

durch die Übergabe der sog. SchLAuen Kiste an den

Duisburger Oberbürgermeister, Sören Link, der offizielle

Startschuss gegeben. Näheres dazu unter 5.1.6.

Ein herzlicher Dank der Geschäftsführung gilt einmal

mehr den ehren- und hauptamtlichen Kolleginnen und

Kollegen, die wieder einmal zusätzliche Belastung, die

in diesem Jahr in hohem Maße durch das Umzugsgeschehen

erwuchs, klaglos übernommen haben. Das

gemeinsame Entrümpeln, Reinigen, Streichen, Renovieren,

Planen und Gestalten hatte aber durchaus auch

so etwas wie einen Team-building-Charakter und die

„AIDS-Hilfe-Familie“ noch mehr zusammengeschweißt.

Und der erhebliche Aufwand hat sich gelohnt! Nach fast

einjähriger Suche und einigen Investitionen in ein Alternativobjekt,

haben wir im Januar konkrete Verhandlungen

mit dem Immobilienmanagement Duisburg für das

Objekt Bismarckstr. 67 in Duisburg-Neudorf aufnehmen

können, das für unsere Zwecke absolut geeignet war.

10

Geschäftsbericht


Unser Dank gilt hier dem Oberbürgermeister und der

Verwaltungsleitung des Gesundheitsamtes, die letztlich

für „Bewegung“ beim IMD gesorgt haben. Vor allem die

Verbesserung der Büroräume, ein größerer Mehrzweckraum

und ganz besonders eine weitest gehende Barrierefreiheit

sowie die uns wichtige Option der Fortführung

des Duisburger Substitutionsregelung gaben hier den

Ausschlag. Für den April war dann der Umzug vorgesehen

und neben der sehr umfänglichen Renovierung der

neuen Räume stand das Ausräumen der Friedenstraße

an, das natürlich nach 25 Jahren auch mit etwas Wehmut

verbunden war. Angesichts des enormen Aufwandes

aber und der Aussicht auf deutliche Verbesserung wurden

die „Projekte“ zielgerichtet ab Januar geplant und

sukzessive durchgeführt. Bei der Ausgestaltung der neuen

Räume mit Mobiliar half uns der Nachlass unseres

verstorbenen Vorsitzenden, Rolf Ringeler, der uns –nicht

nur deshalb- quasi weiterhin mitbegleitet. Darüber hinaus

sei erwähnt, dass die Firma Ostermann uns in außergewöhnlicher

Weise entgegengekommen ist. Danke!

Ganz besonderer Dank gilt natürlich den vielen Helferinnen

und Helfern, die in vielfältigster Weise dazu beigetragen

haben, dass ein neues „Zu Hause“ entstehen

konnte, in dem sich alle wohl fühlen können und in dem

deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen herrschen.

Sie alle zu erwähnen würde den Rahmen sprengen. Am

28.06. wurden die Räume dann inoffiziell durch eine Helferparty

in schönem Rahmen eingeweiht.

Die offizielle Eröffnung fand dann am 12.07. mit einem

Tag der offenen Tür statt, bei der wir illustre Gäste begrüßen

durften (s. 4.2.).

Dass wir trotz der umzugsbedingten Pause von nur einer

Woche im Regulärbetrieb und den schier endlosen Wochen

der Nichterreichbarkeit im online-Bereich unsere

angestammten Arbeitsbereiche und –angebote in gewohnter

Form und Qualität fast durchgehend vorhalten

und an der ein oder anderen Stelle sogar verstärken

konnten, darüber legt der vorliegende Jahresbericht

(und die Controlling-Daten im Anhang) Zeugnis ab.

So ist etwa von einem wichtigen Primärpräventionsbereich,

der Duisburger Substitutionsregelung, welche

nicht unbedingt zum Kernbereich zählt, erfreuliches zu

berichten. Diese Regelung ist nicht nur für die Klient/

innen von hohem gesundheitlichen und psychosozialen

Nutzen ist, sondern auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller

Segen. Dieses Angebot konnte völlig bruchlos auch

in den neuen Räumen fortgesetzt werden. Hier gilt den

Ärzten Dr. Hander, Herrn Harzem, Dr. El Khaled, Dr.

Sondag, Dr. Paul (bis zu seinem Rückzug im Mai) und

ab August dem neu eingestiegenen Dr. Stark sowie unseren

begleitenden Ehrenamtler/innen ein ganz großes

Dankeschön! (s. 5.2.2.).

Das zarte Pflänzchen Hoffnung, im Bereich der Drogenarbeit,

in Duisburg wieder eine JES- (Junkies, Ehemalige

und Substituierte) Selbsthilfegruppe zu etablieren,

ist im Berichtsjahr gelungen. Dies ist insbesondere

eine Folge der intensiven Streetworkarbeit durch Ralf

Runniger, der sich inzwischen als fester und gern gesehener

Ansprechpartner der zu erreichenden Gruppe

drogengebrauchender Duisburger/innen etabliert hat.

Ein ganz wichtiges Angebot, welches leider nicht durch

den Suchthilfeverbund oder andere Träger (mit-) begleitet

wird. Umso mehr ist es unser erklärtes Ziel, im Sinne

eines partizipativen Ansatzes, Selbsthilfestrukturen anzuschieben

und so gut es geht zu fördern (s. 5.2.).

Im Bereich der Präventions-, Beratungs- und Begleitungsarbeit

in den Justizvollzugsanstalten konnte die

erfreuliche Kooperation im Berichtsjahr wieder in vollem

Umfang durchgeführt werden. Hier ist die Anstaltsleitung

mit der Arbeit von Rüdiger Wächter offensichtlich so

zufrieden, dass wir bereits zum Jahresende den Vertrag

für das Jahr 2014 unterzeichnen konnten, worüber auch

Fördermittel des Justizministeriums NRW abgerufen

werden können. Indiz für die hohe Wertschätzung unserer

Arbeit in diesem Bereich ist die Benennung als

best-practice- Beispiel in Publikationen der Deutschen

AIDS-Hilfe sowie die Wiederwahl von Rüdiger Wächter

als Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft „Drogen &

Haft“ der AIDS-Hilfe NRW (s. 5.3).

Es freut uns ganz besonders, dass im Bereich der

Frauenarbeit mit Janina Boers nunmehr personale

Stabilität eingekehrt ist und die wichtige Arbeit (XXelle

Kampagne, PSB bei Frauen mit HIV u.a.m) mit einer

festen Ansprechpartnerin fortgeführt werden kann. Ist

es doch die einzige fachspezifische Stelle in unserem

großen Zuständigkeitsgebiet. Die Frauenquote in unserer

AIDS-Hilfe wächst – und das ist gut so. Nicht nur

die Frauengruppe für HIV-Positive und Zugehörige läuft

stabil (ein besonderes Dankeschön gilt hier auch den

äußerst engagierten Ehrenamtlerinnen Annette F. und

Bettina K.), sondern etwa auch das Mittwochs-Café

zeichnet sich durch eine stabil hohe Besucher/innenzahl

aus (s. 5.4.).

Zudem waren und sind wir auf dem Sektor der (Beschaffungs-)

Prostitution angesichts erheblicher Zuwanderung

–v.a. von Frauen aus südosteuropäischen

Regionen) im Praktischen und Konzeptionellen zunehmend

gefordert. Auch für die dabei unerlässliche Netzwerkarbeit

und im Besonderen die Zusammenarbeit mit

den ÖGD-Strukturen ist eine stabile personelle Struktur

besonders wichtig.

Im Arbeitsbereich der Prävention bei Männern, die Sex

mit Männern haben (MSM), gab es nicht zuletzt durch

die Fortführung unseres „Leuchtturmprojektes“ Beratung

11


und Test auf zwei Autobahnrastplätzen, durch reichlich

– leider negative, weil sehr rückläufige - „Bewegung“ bei

den organisierten schwul-lesbischen Parties in Duisburg

und Moers sowie die konzentrierte Präventionsoffensive

beim diesjährigen CSD in Duisburg ebenfalls wieder viel

„Action“ für die Abteilung Herzenslust (Frank Funk und

Uwe Altenschmidt und „ihre“ ehrenamtlichen Mitstreiter)

– und auch hier viel Anerkennung für das Geleistete (s.

5.1.).

Im Sektor Youthwork / Prävention in der

Allgemeinbevölkerung (s. 5.6.) können wir über weitgehend

stabile Nachfragen mit nach wie vor hervorragenden

Rückmeldungen berichten. Seit Oktober –durch

das „Comeback“ von Anika Walther, können wir auch

hier mehr anbieten. Erwähnenswert ist dabei sicher das

Pilotprojekt einer „Sexualpädagogischen Stadtrallye“ für

Schüler/innen einer neunten Hauptschulklasse, dass

in Kooperation mit SchLAu-Duisburg und der profamilia

Duisburg erfolgreich durchgeführt wurde und im nächsten

Jahr regelmäßig ausgeschrieben werden soll.

Die Öffentlichkeitsarbeit (s. 4.) lief auf Hochtouren, war

über weite Strecken des Jahres mit dem Umzugsgeschehen

befaßt, in dessen Folge die Arbeiten an einem

neuen „corporate design“ begannen. Dieses mündete

in neue Printmedien und Beschilderungen und soll im

kommenden Jahr mit einem neuen Homepage-Auftritt

fortgesetzt werden. Ein besonderer Dank gilt an dieser

Stelle der Grafikdesignerin, Britta Plien, und unserem

Ex-Zivi Raphael Diaz Fernandez, für die professionelle

Unterstützung.

Und natürlich waren wir auch in diesem Jahr wieder „auf

der Straße“ mit Infoständen und Aktionen im Sommer

und boten ein umfangreiches Programm zum Welt-AIDS-

Tag 2013 (s. 4.4.).

„Klappern gehört zum Handwerk“.

Unsere Arbeit und unsere Aktionen werden wahrgenommen

– wir können nicht behaupten, dass wir keine

Lobby hätten. So sind wir auch das Jahr 2013 betreffend

insgesamt zufrieden über den politischen Rückhalt für

unsere Arbeit – und zwar auf allen föderalen Ebenen.

12

Geschäftsbericht


Das haben uns einmal mehr viele Gespräche, Besuche

und Signale mit Verantwortlichen gezeigt. Aber – wie

schon beschrieben: Unterstützung durch Politik und Verwaltungen

allein reicht nicht aus.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch

und nicht nur vor dem Hintergrund rückläufiger öffentlicher

Förderung immer mehr gefragt. Diesbezüglich können

wir einmal mehr auf ein Jahr mit wirklich großartiger

Unterstützung zurückblicken (s. 4.). Insbesondere im

Zusammenhang mit dem diesjährigen Welt-AIDS-Tags-

Geschehen erlebten wir viel Engagement von verschiedensten

Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend

verweisen wir hier schon mal auf die treue Unterstützung

des Centermanagements der City-Mall FORUM

Duisburg, das trotz erheblichen Veränderungsdruckes

von Seiten der Konzern-Mutter noch vieles möglich gemacht

hat .

DANKE!

Wir bedanken uns bei den Sparkassen aus unserer

Region für ebenso treue Unterstützung und besonders

beim GudsO-Team der Targobank Duisburg, die einmal

mehr eine unglaublich kreative Soli-Bären-Verkaufsaktion

durchgeführt und erneut ein neues Rekordergebnis

beim „Bärenvertrieb“ erzielt haben. Unglaublich ist auch

das stabile Engagement unseres Ehrenmitgliedes, Thomas

Seven, der zum WAT bereits zum 17ten Male (!)

sein Grünkohlessen durchführte – nicht mehr wegzudenken

als gesellschaftliches Ereignis in Duisburg.

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle

bei all jenen treuen Freund/innen und Förderern, Zuwendungsgebern

und Sympathisant/innen sowie bei den

Vertreter/innen aus Politik, Verwaltungen und Gesundheitsämtern,

medizinischen und Beratungseinrichtungen,

den vielen Netzwerkpartnern, Schulen und sonstigen

Kooperationspartnern und unseren Dachverbänden,

dem „Paritätischen“, der Deutschen AIDS-Hilfe und der

AIDS-Hilfe NRW für ihre Wertschätzungen, unterstützenden

Aktionen und guten Wünsche im Berichtsjahr aufs

Herzlichste bedanken.

13


2. Beratung

2.1 Einleitung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. wurde wie in den vorangegangenen

Jahren als ein Hauptschwerpunkt unserer

Arbeit durchgeführt.

Die Angebote im Sektor Beratung:

Unsere Beratungsangebote konnten von den

Ratsuchenden wie folgt genutzt werden:

1. persönliche Beratung in unseren

Büroräumen;

2. telefonische Beratung durch

HauptamtlerInnen während der

Öffnungszeiten in Duisburg und

Wesel sowie für die Bundesweite

Telefonberatung Donnerstags von 11.00-

14.00Uhr;

3. telefonische und E-Mail Beratung durch

die ehrenamtlichen Telefonberater in der

Zeit von 19.00-21.00 Uhr am Montag in

Duisburg.

2.1.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach

telefonischer Absprache auch außerhalb

der Öffnungszeiten, konnten Ratsuchende

sich persönlich durch hauptamtliche

MitarbeiterInnen in unseren Büros in

Duisburg und Wesel beraten lassen. Bei

diesen Beratungsgesprächen wurde auf

eine ruhige und entspannte Atmosphäre

geachtet. Bei Bedarf konnten Ratsuchende,

die anonym bleiben wollten, sich auch Termine

außerhalb der Öffnungszeiten und dem damit

verbundenen Publikumsverkehr geben lassen.

Bei Beratungen von Personen, die kürzlich ihr

HIV-positives Testergebnis erhalten haben,

wurde im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe immer

das Angebot unterbreitet, mit einem HIV-

Positiven zu sprechen, der schon länger mit

der Infektion lebt. Dieses Angebot wurde häufig

14

Beratung


in Anspruch genommen.

Die Zahl der persönlichen Beratungen in

unserer Einrichtung ist in den letzten Jahren

allerdings leicht rückläufig. Als mögliche

Begründungen sind hier die anonymen

Möglichkeiten durch das world wide web (www)

zu nennen (z.B. durch die Onlineberatung der

Deutschen AIDS-Hilfe www.aidshilfe-beratung.de

oder für schwule und bisexuelle Männer bei

www.gayromeo.com der healthsupport). Immer

mehr Menschen nutzen das www, und haben

gelernt, sich dort zu Informieren und diesem

neuen Medium zu vertrauen. Allerdings zeigen

unsere Erfahrungen aus der Telefonberatung,

dass es für viele Ratsuchende immer

schwieriger wird, im Internet seriöse Quellen

von unseriösen zu unterscheiden. Nicht selten

wird eine vorhandene Unsicherheit dadurch

eher verstärkt als gemildert.

2.1.2 Telefonische Beratung

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl

der Telefonberatungen während der

Öffnungszeiten sehr hoch. Die Ratsuchenden

wurden nach eingehender Erörterung

der Risikosituationen aufgeklärt. Falls

erwünscht, wurden die Ratsuchenden

zwecks HIV-Antikörper-Test an das örtliche

Gesundheitsamt verwiesen.

2.1.3 Die Bundesweite Telefonberatung

An 62 Stunden pro Woche können sich

Ratsuchende unter der Rufnummer 0180

33 19411 (9 ct./min. aus dem deutschen

Festnetz maximal 42 ct./min. aus deutschen

Mobilfunknetzen) mit ihren Fragen rund um

HIV/AIDS telefonisch an die Berater der AIDS-

Hilfen wenden. Die Hotline ist erreichbar in den

Zeiten: Montags bis Freitags von 9.00-21.00

Uhr und am Samstag und Sonntag von 12.00-

14.00 Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.

V. beteiligt sich als eine von bundesweit

26 Einrichtungen an diesem nunmehr

fest etablierten Angebot. Die haupt- und

ehrenamtlichen Mitarbeiter der AIDS-

Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bedienen

Ratsuchende aus dem ganzen Bundesgebiet

15


am Montagabend von 19.00-21.00 Uhr

und am Donnerstag von 11.00-14.00 Uhr.

Die regionalen Angebote bleiben im vollen

Umfang bestehen. So können sich Menschen

telefonisch, persönlich und per E-Mail zu den

gewohnten Zeiten an die MitarbeiterInnen

der AIDS-Hilfe wenden. Das überregionale

Angebot wird zusätzlich zu dem bestehenden

Angebot geleistet und bietet den BeraterInnen

fortwährende Praxis.

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung

zu HIV nach wie vor eine große Rolle.

Sie ist das Medium zur Beantwortung

persönlicher Fragen und zur Abklärung eines

individuellen HIV-Übertragungsrisikos. Mit

der neuen Rufnummer werden bestehende

Angebote unter einer bundesweiten Nummer

zusammengeführt und damit die Erreichbarkeit

für Ratsuchende weiter verbessert. Durch

die Intensivierung der Weiterbildung und

die Einrichtung eines Online-Portals für

BeraterInnen wird die Qualität der Beratung

langfristig gesichert.

Um die Wichtigkeit der Bundesweiten

Telefonberatung aufzuzeigen, sind hier die

Zahlen der Beratungskontakte (Monitorings)

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

und die Art der Anfragen für das Jahr 2013

aufgelistet:

16

Beratung


18 Beratung


Im Rahmen der Bundesweiten Telefonberatung

werden für die ehrenamtlichen Berater

regelmäßige Treffen zum Zwecke der

Qualitätssicherung vom hauptamtlichen

Koordinator angeboten. Ziel ist einerseits der

Austausch und die Terminvergabe (wer ist an

welchen Tagen für die Beratung zuständig) und

andererseits werden Beratungsgespräche als

Fallbeispiele bearbeitet sowie supervisorische

Unterstützung nach belastenden Gesprächen

angeboten.

2.1.4 Die Telefonberatervernetzung im

Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist

mit anderen Kooperationspartnern aus dem

Ruhrgebiet in einer Telefonberatervernetzung

zusammengeschlossen. Ziel dieser Vernetzung

ist es, die Beratung zu HIV-AIDS an jedem

Wochentag abends im Ruhrgebiet anzubieten.

Bei den Treffen in der Ruhrgebietsvernetzung

2013 war ein Hauptthema „Freier in der

Telefonberatung“.

Ein weiterer Schwerpunkt bei den

Vernetzungstreffen ist die Fortbildung der

BeraterInnen.

2.1.5 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde

weiterhin angeboten. Die E-Mail-Beratung ist

unter der folgenden Adresse zu erreichen: www.

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de sowie über die

E-Mailadresse: info@aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.

de .

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu

klären, wurden auf unserer Homepage die

acht am häufigsten gestellten Fragen (FAQ

[frequently asked questions]) eingestellt. Der

Ratsuchende konnte beim Anklicken einer

Frage gleich die Antwort lesen. Durch dieses

Beratungsangebot konnten Ratsuchende,

ohne dass sie an uns eine E-Mail schreiben

mussten, bedient werden. Detailliertere Fragen

konnten dann per E-Mail an uns gesendet

werden. Bei diesen E-Mails wurde im Betreff

automatisch „E-Mailberatung“ eingegeben,

sodass die E-Mails nicht von den Mitarbeitern

gelesen wurden, sondern direkt an die Telefon-

/E-Mail- Berater weitergeleitet werden konnten.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im

Internet angeboten:

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr

2013 allerdings kaum genutzt. Als Grund ist

hierfür sicherlich die ebenfalls bundesweite

E-Mailberatung der AIDS-Hilfen zu nennen.

2.2 Danksagung:

Wir danken unseren ehrenamtlichen

Mitarbeitern, namentlich K. Gürke und T.

Hilgers für die telefonische Beratung sowie

T. Schachten für die Onlineberatung, die

diese hoch qualifizierte und zuweilen sehr

belastende Tätigkeit ausüben und sich

konsequent weiterbilden um den hohen

Qualitätsstandards in der Beratung zu

entsprechen.

19


3. Begleitung

Unsere Einrichtung begleitet weiterhin HIV-Infizierte

/ an AIDS-Erkrankte, die aus den unterschiedlichsten

Bevölkerungsgruppen mit verschiedenen sozialen

Hintergründen stammen. So begleiten wir auch die HIVpositiven

Menschen in der JVA Duisburg-Hamborn mit

ihrer Zweiganstalt Dinslaken (siehe Kapitel 5.3) und

auch im Niederrhein Therapie Zentrum (Forensik) in

Duisburg.

Die einzelnen Begleitungsfälle befinden sich in

unterschiedlichen Lebens- und Behandlungssituationen.

Einige Begleitete nehmen keine Medikamente, weil

sie nach den Leitlinien noch keine Medikamente

benötigen, sich bewusst dagegen entschieden haben

oder derzeit nicht dazu in der Lage sind. Die Gründe

für die Ablehnung der Medikamente sind vielfältig. Es

kann die Folge von gravierenden Ereignissen sein

(z. Bsp. Tod eines nahen Angehörigen), die dann

zunächst bearbeitet werden müssen und der eigene

Lebenswille zunächst wieder gestärkt werden muss.

Ein Grund ist auch die Angst vor den Nebenwirkungen

und evtl. einhergehenden körperlichen Veränderungen

und die lebenslange Einnahme von Medikamenten

oder aber auch die Verdrängung der Infektion. Bei

anderen Begleiteten sind aber auch finanzielle Gründe

der Anlass für das Weglassen der Antiretroviralen

Therapie. Zwar sind die Zuzahlungen zu den

Medikamenten prozentual beschränkt (1vH bzw. 2 vH

vom Bruttoeinkommen), es kann allerdings doch zu

Geldknappheit kommen wenn für einen Arztbesuch mit

anschließender Medikamentenverordnung 40 – 50 € auf

einen Schlag anfallen. Hinzu kommt, dass ein Teil der

Begleit-Medikamente von den Patienten selbst bezahlt

werden muss (nicht erstattungsfähig) und somit sich die

Zuzahlung erhöht.

Hier versuchen wir die Begleiteten zu unterstützen,

indem wir mit unserem Positivenfonds die Zuzahlung

am Anfang des Jahres übernehmen, damit diese die

Befreiungskarte erhalten und somit lückenlos ihre

Arztbesuche wahrnehmen und ihre HIV-Medikamente

einnehmen können. Dies erfolgt entweder über eine

außergewöhnliche oder rückzahlbare Zuwendung, je

nach Einschätzung der Lebenssituation.

HIV ist heute eine chronische Erkrankung, allerdings

mit einigen Besonderheiten. Ein großer Teil der

Infizierten verträgt die Medikamente gut und hat auch

eine gute Adhärenz. Während aufgrund der Vielzahl

der Medikamente die akuten Nebenwirkungen weniger

werden, treten häufiger Langzeitnebenwirkungen auf

wie zum Beispiel im Herz-Kreislaufbereich. Hier gilt

es, andere Risiken wie Rauchen oder ungesunde

Ernährung zu minimieren. Des Weiteren werden

unsere Begleiteten auch älter und es gilt, sie für

bestimmte Vorsorgeuntersuchungen zu sensibilisieren

und altersbedingte Erkrankungen mit in den Fokus zu

nehmen.

Ein weiteres Themenfeld unserer Beratung von

Begleiteten liegt in der Koinfektion mit Hepatitis C. Einige

von Ihnen haben neben ihrer HIV-Infektion zusätzlich

noch eine Hepatitis C-Infektion. Da es derzeit rasante

Entwicklungen im Bereich der Optionen für die HCV-

Therapie gibt, gilt es für uns, die wissenschaftliche

Entwicklung zu verfolgen, um die Begleiteten mit

Doppelinfektion entsprechend informieren und beraten

zu können.

Viele von unserer langfristig Begleiteten waren

bereits an AIDS erkrankt, sind verrentet und leben

auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II, der

Grundsicherung oder leicht darüber. Hierbei handelt

es sich um Leistungen, die ihrem Ursprung nach zur

Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren.

Letztendlich verharren diese Begleiteten nicht selten

in einer Lebenssituation, die Ihnen finanziell keinen

Spielraum lässt und wenig Perspektiven für die Zukunft

bietet. Neben fehlenden Mitteln für existentielle Dinge

wie Stromnachzahlung oder Ersatzanschaffungen

von Haushaltsgeräten, fehlt es aufgrund der

nicht vorhandenen materiellen Ressourcen an

Lebensqualität, da die Teilhabe am gesellschaftlichten

Leben wie Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten

einen Faktor für Lebensqualität darstellen kann. Dadurch

kommt es oft zu Vereinsamung und Depressionen,

so dass auch von Einzelnen suizidale Gedanken

geäußert werden, denen es zu begegnen gilt. Um der

Vereinzelung vorzubeugen, haben wir einige Angebote,

die weiter unten beschrieben sind, auch im Berichtsjahr

vorgehalten bzw. freuen uns, dass Angebote in

Selbsthilfe ausgestaltet werden. Des Weiteren bieten

wir Unterstützung bei sozialrechtlichen und finanziellen

Schwierigkeiten.

Teile unserer Begleiteten bringen sich aktiv ein und

gestalten unter anderem die Freizeit für HIV-Positive mit,

nehmen an der Kochgruppe teil, die selbstorganisiert

ist oder engagieren sich auf landes- und bundesweiter

Ebene in Landesarbeitsgemeinschaften und

Netzwerken.

Andere HIV-Infizierte gehen einer geregelten Arbeit

nach und nehmen die AIDS-Hilfe nur punktuell zu

bestimmten Fragen in Anspruch oder besuchen

unser Mittwochs-Café oder von uns durchgeführte

Fortbildungsveranstaltungen.

Immer öfter tauchen bei uns sogenannte „Late-

Presenter“ auf, dass bedeutet, dass bei diesen Personen

die Infektion erst festgestellt wurde, als sie sich

20

Begleitung


schon im Stadium AIDS befanden. Hier ist besonders

psychosoziale Unterstützung gefordert, da in diesen

Fällen bereits eine lebensbedrohende Situation vorlag.

Auch betreuen wir Ehepaare, wo sich der Mann durch

mann-männliche Kontakte infiziert hat und die Frau

erst durch das positive Testergebnis von den sexuellen

Neigungen ihres Partners erfahren hat.

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere

Ressourcen übersteigen, und wo die entsprechenden

Voraussetzungen gegeben sind, vermitteln wir Begleitete

in Formen ambulant betreuten Wohnens.

Unsere Öffnungszeiten für persönliche Beratung -

montags 11- 14 Uhr, mittwochs 14 – 19 Uhr, freitags

11 – 16 Uhr – haben sich bewährt. In dieser Zeit

haben wir eine offene Sprechstunde und man kann

uns ohne Termin aufsuchen. Selbstverständlich ist es

auch weiterhin möglich, außerhalb der Öffnungszeiten

einen Beratungstermin zu vereinbaren. Des Weiteren

ist unser Büro in Wesel dienstags von 14 – 17 Uhr

und donnerstags von 9 – 12 Uhr besetzt, so dass von

montags bis freitags die Möglichkeit zur persönlichen

unterminierten Beratung besteht.

Neben dem Beratungsangebot in der AIDS-Hilfe bieten

wir in Einzelfällen auch aufsuchende Arbeit und somit

Treffpunkte außerhalb der AIDS-Hilfe an. Dies kann bei

dem Begleiteten zuhause oder einem neutralen Ort

außerhalb von AIDS-Hilfe und Wohnung sein.

Leider wurde der Arbeitskreis Sozialberatung

auf Landesebene, der nicht über die AIDS-Hilfe

NRW sondern von den einzelnen Mitarbeitern

aus den AIDS-Hilfen selbst organisiert wurde, aus

Zeitressourcenmangel eingestellt. Hierbei handelte es

sich um ein gutes Angebot zur Reflektion der Arbeit,

zum Erfahrungsaustausch und zu Fallbesprechungen.

3.1. Einzelbegleitung

Die Einzelbegleitung wird von drei hauptamtlichen

MitarbeiterInnen mit unterschiedlichem Zeitanteil

ihrer Voll- bzw. Teilzeitstellen neben ihren anderen

Aufgabenbereichen durchgeführt. Nach langer Zeit

konnten wir in diesem Bereich auf einen kontinuierlichen

Mitarbeiterstamm blicken, so dass sich durch den

Beziehungsaufbau bei allen drei MitarbeiterInnen

zu den von Ihnen Begleiteten sich insgesamt die

Begleitungsarbeit qualitativ verbessert hat.

In der Begleitungsarbeit bieten wir Beratungen

zu Nebenwirkungen der Medikamente, zu

Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und

finanziellen Problemen an. Wir unterstützen bei

Rentenanträgen wegen Erwerbsminderung. Bei weiter

gehenden und komplexeren Problematiken stellen wir

Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen her (wie

zum Beispiel der Schuldnerberatung). Bei Menschen

mit Migrationshintergrund stellt die Passverlängerung ein

großes finanzielles und logistisches Problem dar, für die

sich keiner zuständig fühlt. Die Gebühren sind exorbitant

hoch und meistens müssen die Pässe bei der Botschaft

persönlich abgeholt werden, welches wiederum hohe

Fahrtkosten verursacht.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem

Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir

Anträge an die Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die

Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung erfüllen.

Die Bearbeitungszeiten haben sich aufgrund von

Personaleinsparungen bei der Deutschen AIDS-Stiftung

jedoch auf ca. 10 – 12 Wochen je Antrag ausgeweitet.

Krankenhausaufenthalte waren bei sieben Begleiteten

zu verzeichnen, ein stationärer Aufenthalt war fast

über das gesamte Berichtsjahr. Hier ist es weiterhin

Tradition, dass - wenn irgendwie möglich – wir einmal

die Woche im Krankenhaus einen Besuch abstatten.

Da die Aufenthalte in den Krankenhäusern in den

unterschiedlichsten Orten stattfinden, da unsere

Begleiteten aus einem großen Einzugsgebiet kommen

und teilweise stationäre Versorgung in den Unikliniken

Essen und Düsseldorf erfolgt, ist der Besuch mit hohem

Zeitaufwand verbunden.

Weiterhin sind auch sechs Jahre nach dem EKAF-

Statement dessen Inhalte

in der Begleitungsarbeit. Durch die Studie HPTN 052

hat sich herausgestellt, dass auch sexuell übertragbare

Krankheiten auf die Infektiösität keine Auswirkung

haben. Andererseits gilt es für uns in der Beratung,

darauf hinzuweisen, dass ein HIV-Infizierter für sich

entscheiden muss, wann er mit seiner Therapie beginnt

und dieses nicht von den EKAF Bedingungen abhängig

macht. Letztendlich soll der Patient entscheiden, wann

und womit er seine ART (antiretrovirale Therapie)

beginnt und hierfür muss er auch gut informiert sein.

Insgesamt begleiteten wir 207 Personen einschließlich

der im Knast und in der Forensik Niederrhein-Therapie-

Zentrum (NTZ) begleiteten Personen.

Intensive Begleitung bedeutet mindestens 1 Kontakt pro

Woche, welches aber durchaus auch bis zu tägliche

Kontakte beinhalten kann. Intensiv bedeutet aber auch,

einmaliger monatlicher Kontakt mit anschließendem

hohem Regelungsbedarf.

In der Rubrik „Regelmäßig“ erfassen wir Begleitete

mit mindestens einmal monatlichem Kontakt und

„Sporadisch“ einmal jährlichen Beratungskontakt.

21


Im Berichtsjahr wird weiterhin eine Betroffene durch

einen ehrenamtlichen Mitarbeiter begleitet. Die übrigen

werden durch das hauptamtliche Team versorgt und

halten sich auf stabilem Niveau.

3.2. Begleitergruppe

Wie im vorherigen Abschnitt schon erwähnt, wird derzeit

nur noch eine Person ehrenamtlich begleitet.

Die Aufgabe der ehrenamtlichen Begleitung bestand

überwiegend darin, als Gesprächspartner –zum Teil

auch in Krisensituationen - zur Verfügung zu stehen.

Eigentlich besteht noch die Gruppe „Du darfst, die Frau,

der Mann für kurze Fälle“. Hierüber sollten zum Beispiel

Fahrten zu Ärzten organisiert werden. Da jedoch viele

ehrenamtliche MitarbeiterInnen berufstätig, andere

ohne Führerschein sind, müssen Fahrten zu Ärzten und

Ämtern durch die hauptamtlichen Mitarbeiter der AIDS-

Hilfe durchgeführt werden.

Für den Einsatz des ehrenamtlichen Begleiters möchten

wir uns herzlich bedanken.

3.3. Positivenfond

Der Positivenfond wird von der AIDS-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel e. V. mit dem Ziel verwaltet, HIV-positive / an

AIDS-Erkrankte Menschen in finanziellen Notlagen zu

unterstützen.

Die Verteilung der Fondgelder übernahm im

Berichtsjahr 2013 ein Gremium, das aus zwei HIVpositiven

Menschen, einem Ehrenamtler aus dem

Begleitungsbereich, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter,

der früher im Begleitungsbereich tätig war (und nur als

Ersatz und in Einzelfällen hinzugezogen wird) und einem

Hauptamtler besteht. Diese Zusammensetzung schafft

innerhalb des Gremiums eine Perspektivenvielfalt,

die für die Entscheidungsfindung bei Anträgen

bereichernd ist. Mindestens drei Personen dieses

Gremiums entscheiden mit einfacher Mehrheit über

außergewöhnliche und rückzahlbare Zuwendungen.

Die Soforthilfe wird primär von den drei im

Begleitungsbereich tätigen hauptamtlichen Mitarbeitern

ausgezahlt. In die Entscheidungsfindung fließt zum

einen die finanzielle Situation des Antragsstellers

ein und zum anderen die Gründe für sein spezielles

Anliegen. Die Verwaltung des Fonds obliegt einem

hauptamtlichen Mitarbeiter.

Wie in den Vorjahren stellte der Vorstand aus

Spendengeldern insgesamt eine Summe in Höhe von

3.850 € zur Verfügung. Unser besonderer Dank gilt

allen Spendern, die uns damit diese Form der Hilfe in

diesem Umfang ermöglicht haben. Die Summe wurde im

Berichtsjahr nicht ausgeschöpft.

Bei einem Krankhausaufenthalt ist die Beantragung

für die dort anfallenden „Telefonkosten“ möglich,

wenn diese nicht selbst übernommen werden können.

Hierdurch soll der Kontakt nach außen aufrechterhalten

und die Möglichkeit gegeben werden, sich bei

Schwierigkeiten mit jemandem zu bereden. Hier fielen

im Berichtsjahr für einen längerfristigen stationären

Aufenthalt einer Person Kosten an.

Für den Bereich „Knast“ haben wir in 2013 152,60

€ für sogenannte Knastpakete aufgewandt. Da diese

nicht mehr über die Deutsche AIDS-Stiftung finanziert

werden, werden sie vom Positivenfond getragen. Die

Summe liegt ungefähr auf Vorjahreshöhe.

22

Begleitung


Der Bereich „Soforthilfe“ lag mit 1.900,85 € etwas

niedriger als die Ausgaben in diesem Bereich im Jahr

2012. Dies ist auf unseren Umzug zurückzuführen,

da einige Begleitete erst mal den Weg in die neue

Einrichtung finden mußten. Die „Soforthilfe“ stellt

weiterhin den höchsten Ausgabenposten des

Positivenfonds dar. Bei der Soforthilfe handelt es

sich um eine finanzielle Hilfe am Ende des Monats,

um Engpässe zu überbrücken. Diese Hilfe wird

gewährt, wenn sich die Einkünfte auf dem Niveau des

Arbeitslosengeldes II belaufen. Die Soforthilfe wurde im

Durchschnitt von den Personen, die die Kriterien des

Positivenfond erfüllen, in der Regel fünfmal jährlich in

Anspruch genommen.

Die „Außergewöhnlichen Zuwendungen“ blieben

im Berichtsjahr um 140 € niedriger als im Vorjahr.

Außergewöhnliche Zuwendungen werden für besondere

Notlagen gewährt.

„Rückzahlbare Zuwendungen“ sind für Ausgaben

gedacht, die die Begleiteten dringend benötigen, für

die sie aber aktuell kein Geld haben. Das gewährte

Darlehen muss in angemessenen Raten zurückgezahlt

werden. Um den Begleiteten dies zu ermöglichen und

das Begleitungsverhältnis durch offene Beträge nicht

zu belasten, muss der Einkommenssatz bei diesen

Zuwendungen die Sozialhilfe bzw. das Arbeitslosengeld

II übersteigen.

Da es bei rückzahlbaren Zuwendungen immer

wieder vorkam, dass es zu Schwierigkeiten bei den

Rückzahlungen kam, werden diese sehr restriktiv

vergeben und in 2013 haben wir nur 40 € in dieser

Rubrik zur Verfügung gestellt.

Die „Einnahmen“ (s. Abb. u.) des Positivenfonds

resultieren aus den Rückzahlungen der rückzahlbaren

Zuwendungen. Da die Darlehen nicht unbedingt in dem

Jahr der Auszahlung zurückgezahlt werden, kommt

es zu Differenzen in den Bereichen Auszahlung und

Einnahme.

Auch im Berichtsjahr konnten wir durch Anträge bei der

Deutschen AIDS-Stiftung und für HIV-positive Kinder

und Jugendliche bei der Michael-Stich-Stiftung unseren

Begleiteten mit größeren Beträgen aushelfen. Hier

besteht weiterhin eine gute Zusammenarbeit, für die wir

uns recht herzlich bedanken.

23


3.4. Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern bleibt für

unsere AIDS-Hilfe wichtig. Im Einzelnen handelt es sich

um folgende Partner:

HIV-Schwerpunktpraxen

Im September hat Dr. Rudolph seine Tätigkeit im

Gesundheitszentrum Sittardsberg eingestellt. Er

erhielt von der Kassenärztlichen Vereinigung keine

Zweigpraxiserlaubnis. Als wir hiervon Kenntnis erhielten,

haben wir im August die KV angeschrieben und um

Erteilung der Zweigpraxiserlaubnis gebeten. In ihrem

Antwortschreiben sieht die KV die medizinische

Versorgung bei HIV-Infizierten und AIDS-Erkrankten

durch die Schwerpunktpraxis Dr. Kwirant gewährleistet

und führte weiter aus, dass eine Zweigpraxis, die nur

wenige Wochenstunden besetzt ist, die Sicherstellung

der speziellen Behandlung und Betreuung nach Vorgabe

der Leitlinien der AIDS-Vereinbarung nicht erbringen

kann.

Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten in Bezug auf HIV/AIDS

werden unsere Begleiteten in die umliegenden Uni-

Kliniken Essen, Bochum und Düsseldorf eingewiesen.

Insbesondere zur Uniklinik Essen bestehen gute

Kontakte zu dem medizinischen und auch zum

sozialarbeiterischen Personal. In Duisburg hat sich

bezüglich der stationären Versorgung keine Veränderung

ergeben.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir

bisher zusammen gearbeitet haben, wurde erfolgreich

fortgeführt.

Hospize

Im Berichtsjahr benötigten wir nicht die Unterstützung

eines Hospizes.

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten läuft im

migrationsrechtlichen Bereich - soweit von Nöten - ohne

Probleme.

Flüchtlingsberatung

Gerade aufgrund der häufigen Vakanz im Bereich

der Stelle Frauen und Migration war eine enge

Zusammenarbeit in Fragen des Aufenthaltrechts mit

der Flüchtlingsberatung des Deutschen Roten Kreuzes

erfreulicherweise gegeben.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern und der AIDS-

Hilfe Essen zusammen.

3.5 Angebote für HIV-Positive und an AIDS-Erkrankte

Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-Erleben-

Ansatzes die Kochgruppe fortgeführt. Die Kochgruppe

ist ein monatliches Angebot, bei dem überwiegend

HIV-Positive zusammen kommen und den Abend in

Selbsthilfe organisieren. Dieses dient zum einen dazu,

Abwechslung in den Alltag zu bringen bietet aber

gleichzeitig Raum zum Austausch von Sorgen und

Nöten. Es handelt sich um ein kostenloses Angebot,

da der Vorstand die Kochgruppe mit einem Budget

ausgestattet hat. An der Kochgruppe nehmen im

Durchschnitt 4 – 6 Personen teil.

Seit Anfang 2007 trifft sich regelmäßig einmal

monatlich eine Positivengruppe. Zugang haben die

unterschiedlichen sexuellen Präferenzen, auch der

Ansteckungsweg spielt keine Rolle. Es ist eine sehr bunt

gemischte Gruppe, welche in Selbsthilfe eigenständig

durchgeführt wird.

Frauenspezifische Angebote wurden wie in den

Vorjahren in Kooperation mit den benachbarten AIDS-

Hilfen angeboten. Im Berichtsjahr wurde auch das

Angebot einer Frauengruppe erfolgreich weiter geführt.

Die Gruppe erfreut sich großer Beliebtheit und stabilem

Zuspruch. Hierbei gilt es besonders zu erwähnen, dass

es hier eine Kooperation mit der niedergelassenen HIV-

Schwerpunktpraxis gibt und die AIDS-Hilfe mit diesem

Angebot HIV-positive Frauen erreicht, die bisher keinen

Zugang zur AIDS-Hilfe hatten. Weitere Einzelheiten

werden in Kapitel 5.4 näher beschrieben.

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin

das bestbesuchte Angebot. Dieses ist ein beliebter

Treffpunkt zwischen HIV-Infizierten / an AIDS

Erkrankten, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und der

AIDS-Hilfe Sympathie entgegenbringender Menschen.

Darüber hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle

für an ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.

Das Café haben wir mit hauptsächlich mit

Aufbackkuchen und Spenden der Duisburger Tafel

bzw. Bürger für Bürger bestückt. Im Café ist ein

Austausch zwischen Betroffenen, hauptamtlichen und

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen möglich. Hier kann man

sich auch über Neuigkeiten in der AIDS-Hilfe informieren

und die Angebote an der Infotafel zur Kenntnis nehmen.

Zum einen ist es eine willkommene Abwechselung für

die Betroffenen, zum anderen ist es das Treffen in der

„Wahl-Familie“.

Weiterhin fährt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin jeweils

vor dem Café bei Bürger für Bürger vorbei und holt

dort Lebensmittel, die dann im Mittwochs-Café verteilt

werden.

24

Begleitung


Das Café startet um 15 Uhr, wobei einige Besucher

schon vor 15 Uhr eintreffen und endet um 18 Uhr.

Unser neues Café erfreut sich großer Beliebtheit und

wird von durchschnittlich ca. 14 - 20 Personen besucht.

Damit hat sich die durchschnittliche Besucherzahl in

unserem Café erhöht. Während der Café-Zeit ist immer

ein hauptamtlicher Ansprechpartner präsent, da diese

Treffen von vielen Betroffenen dazu genutzt werden,

Anliegen an die BeraterInnen und BegleiterInnen

heranzutragen. Über die Cafézeit hinaus hat die

AIDS-Hilfe mittwochs bis 19 Uhr für persönliche und

telefonische Beratung geöffnet.

Die Weihnachtsfeier fand nach langer Zeit wieder

in den Räumlichkeiten, unserem gemütlichen Café

statt. Knapp 30 TeilnehmerInnen verbrachten einen

schönen Nachmittag mit anschließendem Festessen

und erhielten jeder eine Weihnachtstüte mit Süßigkeiten,

Obst, Kaffee und teilweise Zigaretten. Die Vorbereitung

und die Durchführung der Weihnachtsfeier liegen

schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher Hand.

Die Weihnachtsfeier konnte wieder mit Spenden aus den

Kirchengemeinden durchgeführt werden, wofür wir recht

herzlichen Dank sagen.

Auch im Berichtsjahr gab es wieder eine

Positivenfreizeit. Sie führte im Berichtsjahr nach

Altefähr auf Rügen und es nahmen 7 Personen teil.

Die Gruppe war wiederum heterogen zusammengesetzt,

mit verschiedenen sexuellen Orientierungen und

Infektionswegen.

Bewährt hat sich hier, durch gemeinsame

Unternehmungen und Aktivitäten im vertrauensvollen

Gespräch Probleme anzusprechen, sich mit anderen

auszutauschen und Lösungsmöglichkeiten kennen

zu lernen. Dieses Mal wurde eine Schiffstour

unternommen, es gab Ausflüge zur Seebrück in Sellin,

nach Göhren und Prora und es wurde eine Fahrt mit

dem „Rasenden Roland“ unternommen.

Für die Gruppe ist das gemeinsame Kochen und Essen

wichtig, da zuhause aufgrund des Alleinseins dieses

meistens zu kurz kommt.

3.6 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr ist keiner unserer Begleiteten verstorben.

Wir gedenken der Verstorbenen in der

Mitgliederversammlung und mit unserer Trauerecke,

die sich im Café befindet. Hier befinden sich unser

Trauerbuch und weitere Informationen zu Verstorbenen.

Eine weitere Möglichkeit des Gedenkens besteht bei

dem Candle-Light-Walk. (s. 4.4.)

25


4. Öffentlichkeitsarbeit

HIV / AIDS-Prävention bleibt Herausforderung

„Aufklärung, Information und Prävention statt Repression

ist seit (über) 25 Jahren der Leitgedanke der HIV/

AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen. Seitdem

sehen sich das Land Nordrhein-Westfalen, die

Kommunen und die freien Träger in der Verantwortung,

die weitere Verbreitung von HIV-Infektionen (…) zu

minimieren, HIV-Infizierte und an AIDS erkrankte

Menschen zu unterstützen und sie vor Ausgrenzung und

Diskriminierung zu bewahren.

Diese grundsätzliche Ausrichtung war und ist die

Basis des großen Erfolges der HIV/AIDS-Prävention

in Nordrhein-Westfalen und hat deshalb auch heute

noch Bestand. Dabei haben sich als besondere

Qualitätsmerkmale das Zusammenspiel staatlicher,

kommunaler und nichtstaatlicher Akteurinnen und

Akteure, die Orientierung der Angebote an der

Lebenswirklichkeit der Betroffenen und die Einbeziehung

der Menschen, die von HIV und AIDS bedroht oder

betroffen sind, bewährt. Diese Qualitätsmerkmale sind

auch für die zukünftige Entwicklung und Umsetzung der

Präventionskonzepte unverzichtbar.

Einem Wandel unterworfen sind jedoch die

Rahmenbedingungen der Prävention in sehr

unterschiedlichen Feldern: Die wissenschaftlichen

Erkenntnisse über die Übertragbarkeit des HI-Virus

werden immer detaillierter.

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppen

der HIV-Prävention verändern sich. Das Internet bietet

neue Möglichkeiten der Information und Beratung. Die

26

Öffentlichkeitsarbeit


Lebenserwartung von Menschen mit HIV nimmt zu.

Die Präventionsbotschaften und die Methoden der

Vermittlung an die Zielgruppen müssen sich diesem

Wandel anpassen. Deshalb bleibt die HIV/AIDS-

Prävention auch in Zukunft eine Herausforderung.“

(Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit,

Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW,

Vorwort zum Landeskonzept …, a.a.O., Düsseldorf

2013, S. 5 f)

Von tiefer Überzeugung, Erkenntnis und Erfahrung

geleitet, führt die NRW-Gesundheitsministerin, Barbara

Steffens, in das schon mehrfach hervorgehobene

Landeskonzept ein.

Der Leitgedanke der Präventionsarbeit hat sich

in Deutschland tatsächlich sehr bewährt, denn

bezogen auf HIV gilt in den allermeisten denkbaren

Lebenssituationen nach wie vor, dass jeder

vernunftbegabte Mensch sich selbst und andere

davor schützen kann, wenn er über die notwendigen

Informationen und Mittel verfügt und seine Verhältnisse,

in denen er lebt, keine Hindernisse bieten.

Der darauf aufbauende Ansatz der „Strukturellen HIV-/

AIDS-Prävention“ war und ist in Deutschland die Basis

für einen großen Erfolg, den die beteiligten Akteure

fortschreiben wollen und müssen. Das Ziel bleibt, die

Zahl der Neuinfektionen auf niedrigem Niveau zu halten

und nachhaltig zu minimieren. Das ist ein ambitioniertes

Ziel, für das Lösungsansätze und -strategien vor

dem Hintergrund vieler neuer Erkenntnisse und

gesellschaftlicher Entwicklungen einer steten

Weiterentwicklung bedürfen.

27


Prävention darf und muss Spaß machen – auch den Präventionisten!

Information und Aufklärung zielgruppenadäquat und

seriös zu transportieren ist die zentrale Aufgabe der

Öffentlichkeitsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel.

Diese Aufgabe umzusetzen, wird nicht leichter

angesichts der langen Zeit, in der es darum geht, das

Thema im Bewusstsein der Bevölkerung wach und

bewusst zu halten, die Menschen zu erreichen, denn:

schon der gute Freiherr von Knigge wusste:

„Die Menschen wollen lieber unterhalten als belehrt

werden.“

Und getreu dieser Erkenntnis ist auch unsere

Öffentlichkeitsarbeit nicht von Zeigefingerpädagogik

geprägt, sondern sehr darum bemüht, Information &

Aufklärung so zu gestalten, dass sie die Menschen

erreichen kann.

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die

neue, alte Botschaft – nicht nur zum Welt-AIDS-Tag, die

unsere Öffentlichkeitsarbeit von Beginn an prägt.

Und es gibt mehr Anlass als je zuvor, dass diese

Botschaft gesellschaftlich flächendeckend ankommt und

gelebt wird, denn immer mehr Menschen mit HIV und

AIDS leben in unserer Gesellschaft – und leben länger

in unserer Mitte. In Deutschland geht man für das Jahr

2013 von einer Prävalenz von etwa 80.000 Menschen

mit HIV aus, wovon circa 50.000 unter antiretroviraler

Therapie stehen – eine gute Quote, die es aber

aufgrund der heutigen Optionen und Erkenntnisse zu

verbessern gilt.

„Menschen mit HIV und AIDS können heute bei

rechtzeitiger Diagnose und Behandlung oft mit einer

fast normalen Lebenserwartung rechnen. In den Medien

werden HIV-Positive aber häufig auf ihre Infektion

reduziert und nicht als Menschen mit einer Krankheit

gesehen. Wer HIV hat oder erkrankt ist, fühlt sich oft

sozial isoliert und wagt vielleicht nicht, mit anderen

28

Öffentlichkeitsarbeit


darüber zu sprechen. Hinzu kommt: Wohl kaum eine

Krankheit ist so eng mit Tabuthemen verknüpft wie

eine HIV-Infektion und AIDS. Unbewusst oder bewusst

schieben viele den Betroffenen die Schuld an ihrer

Situation zu. Verantwortung für den Schutz vor HIV

tragen beim Sex aber beide Partner. (…)

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und

Stigmatisierung von Menschen mit HIV abgebaut

werden: indem wir Betroffenen unvoreingenommen

begegnen und ihnen so erleichtern, offen und

verantwortungsvoll mit ihrer Infektion oder Krankheit

umzugehen.“ (Broschüre zur Welt-AIDS-Tag`s-

Kampagne 2010, hrsgg. von der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung, BZgA, im Auftrag

vom Bundesministerium für Gesundheit, BMG, in

Partnerschaft mit der Deutschen AIDS-Hilfe und der

Deutschen AIDS-Stiftung, S.3)

Die offene Kommunikation benötigt allerdings

ein adäquates soziales Klima und sie braucht

gewissermaßen den Geist der Aufklärung. Wer informiert

ist, ist –nicht nur- beim Thema HIV und anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten klar im Vorteil – hinsichtlich

des Umganges mit Menschen mit HIV, aber eben auch

hinsichtlich des Schutzes vor einer Infektion und ihren

Folgen.

Auch wenn ein positives Testergebnis heute und

hierzulande dank der modernen Therapiemöglichkeiten

kein mittelbares Todesurteil mehr ist, so erleben es

viele doch zurecht als ganz tiefen Einschnitt ins Leben

mit all seinen Facetten – eben nicht nur den physischgesundheitlichen

Seiten.

Der `präventive Spagat´ zwischen

Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIVpositiven

und an AIDS erkrankten Menschen und der

Mahnung vor einer keineswegs „normalen chronischen

Erkrankung“, die noch dazu letztlich immer noch

lebensbedrohlich ist, bleibt eine große Herausforderung

für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Und angesichts der skizzierten vielfältigen

Veränderungen sind wir stetig gefordert, unsere

Arbeitsweisen zu überdenken und hier und da zu

reformieren.

Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung

auch und gerade gegenüber den Schwächeren in

unserer Leistungsgesellschaft. Nicht nur im HIV-

Infektionsgeschehen sind Menschen überproportional

vertreten, die ökonomisch, bildungsmäßig und

sozial benachteiligt sind. Somit bleibt AIDS-

Präventionsarbeit zu einem großen Teil weiterhin

Arbeit in gesellschaftlichen Konfliktbereichen. Es

geht weiter um Aspekte von sozialer Diskriminierung

von Homo- und Bisexuellen, um die Kriminalisierung

von Drogengebraucher/innen, um die Ausgrenzung

von Menschen mit Migrationshintergrund, um

Marginalisierungstendenzen von Prostituierten

und Menschen in Haft und um die Defizite in

der Um- und Durchsetzung von (sexuellen -)

Selbstbestimmungsrechten von Frauen in besonderen

Lebenslagen.

Von wachsender Bedeutung ist dabei die konsequente

Einbeziehung und Thematisierung anderer sexuell

übertragbarer Infektionen (STI`s, wie Syphilis,

Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz

für die HIV-Inzidenzen besitzen, denn STI`s erhöhen das

HIV-Übertragungsrisiko auf das Doppelte bis Fünffache

(vgl. 1.).

Während wir nach 27 Jahren AIDS-Prävention in

der Region sicherlich behaupten können, dass

das Aufklärungsniveau bezüglich HIV/AIDS in der

Bevölkerung vergleichsweise gut ist, gilt dies hinsichtlich

der STI`s keineswegs in gleicher Weise. Hier muss ein

Schwerpunkt in der künftigen Präventionsarbeit gesetzt

werden.

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten

unserer AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen

stabil hoch. Das spezifische Know-how, die

Vermittlungskompetenzen unserer ehren- und

hauptamtlichen Mitarbeiter/innen und die Flexibilität

eines kleinen, freien Trägers in der Wohlfahrtspflege

werden offensichtlich sehr geschätzt. Das zeigen uns

die vielen positiven Rückmeldungen, die aus sehr

unterschiedlichen Gruppierungen kommen.

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die

Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen

und der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren

Förderung angenommen werden. Dies ist nicht

zuletzt auch für die Arbeit und die Motivation unserer

ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen sehr wichtig.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer

Arbeitsqualitäten sind die Qualitätsstandards für die

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, die Teil unseres

Leitbildes (s. www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de )

sind.

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der

entsprechenden Informations- und Aufklärungsarbeit

befasste Arbeitsgruppe trifft sich jeden dritten

Donnerstag im Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe,

um Veranstaltungen, Informationsstände u.a. Aktionen

zu konzipieren und zu organisieren. Die Gruppe ist mit

stabil sechs bis acht Mitgliedern besetzt. Um diesen

29


Kern von Mitarbeiter/innen herum finden sich immer

wieder neue Interessent/innen über mehr oder minder

lange Zeiträume. Der Zugang zur Gruppe setzt nicht

das Durchlaufen der Grundausbildung für Ehrenamtler/

innen voraus, wie dies für die Bereiche der Beratung

und Begleitung zwingend ist. Es kann also jede/r

Interessierte unverbindlich hereinschnuppern.

Ohne das intensive

Engagement der

ehrenamtlichen Mitarbeiter/

innen wäre die Menge an

Veranstaltungen und Aktionen,

die wir auch im Berichtsjahr

wieder durchführen konnten,

nicht denkbar. Allen beteiligten

Ehrenamtler/innen gilt dafür

unser herzlichster Dank!

Weiterhin aber suchen

wir gerade für das Feld

der Präventions- und

Öffentlichkeitsarbeit neue

ehrenamtliche Mitarbeiter/innen. Wer hier aktiv

werden möchte oder Interessenten kennt … bitte

melden! Ansprechpartner sind Dietmar Heyde für die

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit oder Ralf Runniger

als Ehrenamtskoordinator.

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört

die Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ).

Ein Medium, das immer mehr an Bedeutung gewinnt

und auf die Schnelle nicht nur Informationen zum

Verein und seinen Angeboten bietet, sondern auch zu

Beratungszwecken gerne genutzt wird. Im Berichtsjahr

nahm nach mehreren Anläufen dann auch die

Arbeitsgruppe zur Modernisierung unserer Homepage

die Arbeit auf. Mit Umsetzung ist im Jahr 2014 zu

rechnen. Weiterhin sind dafür insbesondere IT-begabte

und thematisch Interessierte herzlich willkommen.

Natürlich gilt dies auch für die klassischen Printmedien,

wie unsere Hausbroschüre. Wegen unseres Umzugs

wurden Neuauflagen dieser im Jahr 2013 mit Priorität

versehen. Darüber hinaus sind die Beschilderungen

unserer Beratungsstellen in Duisburg und Wesel neu

gestaltet worden und erstrahlen nunmehr im neuen

„corporate design“ (Abb. u.: Folie der Beratungsstelle in

Wesel, Pastor-Bölitz-Str. 29).

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

ist immer bemüht, ihr Angebot einer breiten

Öffentlichkeit transparent zu machen und nutzt dazu

verschiedene Orte und Anlässe. Wie könnte man auf

Enttabuisierung, Entdiskriminierung und Emanzipation

ausgelegte Präventionsarbeit leisten, ohne die sog.

Allgemeinbevölkerung über den Sinn und Zweck

zielgruppenspezifischer Arbeit zu informieren?

Neben der Herausforderung, das sehr breite

Spektrum an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und

AIDS, Hepatitiden und andere sexuell übertragbare

Krankheiten, Homosexualität, Drogengebrauch, Frauen/

Mädchen und AIDS, Migration und AIDS u.a.m.) über

öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen abzubilden,

ist es alljährlich aufs Neue schwierig, halbwegs

flächendeckend in unserer großen Region Präsenz zu

zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine

Fülle an Präventionsveranstaltungen im Bereich

„Youthwork“ (s. 5.6.) sowie durch intensive Berichts- und

Dokumentationsarbeit zum Vorjahr.

Hinzu kam seit Jahresbeginn die intensive

Umzugsphase in Duisburg (s. 1.), die viele Kapazitäten

gebunden hat. Die Präsentation unseres neuen

„Zuhauses“ wurde dann im Sommer des Berichtsjahres

öffentlichkeitswirksam durchgeführt.

Am 05. Juli machte der Besuch der Duisburger SPD-

Landtagsabgeordneten, Sarah Philipp und Rainer

Bischoff den Auftakt, der natürlich nicht nur zur

Vorstellung der neuen Räume, sondern auch zum

Austausch über die geleistete und geplante Arbeit

diente.

Am Freitag, dem 12. Juli öffneten wir dann die Türen

für die Allgemeinheit offiziell und starteten den „Tag

der offenen Tür“ mit illustren Gästen aus Politik und

Verwaltung.

Auch hier müssen wir konstatieren, dass die

SPD am stärksten vertreten war, so durch unsere

Vereinsmitglieder und Duisburger und Moerser

Vertreter_innen im Deutschen Bundestages, Bärbel

Bas und Siegmund Ehrmann, unterstützt vom

damaligen Kandidaten und nunmehr jüngsten MdB,

Mahmut Özdemir. Für die Stadt Duisburg überbrachte

Bürgermeister Manfred Osenger (SPD) beste Grüße

und auch der neue Gesundheitsdezernent, Dr. Ralf

Krumpholz (GRÜNE) zeigte reges Interesse an unserem

Angebotsspektrum.

Mit Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen AIDS-

Hilfe und Arne Kayser, Landesvorsitzender der AIDS-

Hilfe NRW, entsandten unsere Dachverbände „intime

Kenner“ unserer AIDS-Hilfe und ihrer Arbeit, die unser

Angebotsspektrum sowie die Schwerpunkte in sehr

wohltuender Weise würdigten.

30

Öffentlichkeitsarbeit


„Tag der offenen Tür“

der

am Freitag, dem 12. Juli 2013

11.00 – 16.00 Uhr

Zur Eröffnung unseres neuen Domizils auf der

Bismarckstr. 67 in 47057 Duisburg-Neudorf

laden wir Sie herzlich ein!!

Alles unter einem neuen Dach:

Seien Sie unser Gast und lernen Sie uns und unsere Angebote kennen!

31


Neben Vertreter_innen unserer Nachbar-AIDS-Hilfen

sowie Kooperationspartner_innen konnten wir im Laufe

dieses schönen Tages Haus- und Umfeldnachbarn

sowie einige Interessierte begrüßen, sie durch die

Räume führen und unsere Projekte vorstellen. Leider

sind Fotos zu diesem schönen Tag im Nirwana

verschwunden.

Ein besonders gutes „up date“ zum Themenfeld der HIV-

Infektion für unsere aktiven Mitarbeiter_innen erfuhren

wir über das Angebot der Medizinischen Rundreise

der DAH am 07.09.13 in unseren Räumen. Dem

Medizinreferenten, Siggi Schwarze (Herausgeber von

Projekt Information), gelang es, alle Fragen und Bedarfe

in verständlicher und prägnanter Weise zu bedienen.

Auch das „klassische“ Geschäft der Öffentlichkeitsarbeit

wurde nicht vernachlässigt, wozu die fachliche

Fort- und Weiterbildung, die angesichts der schon

mehrfach beschriebenen Dynamik im Themenfeld

unerlässlich ist und eine wichtige Grundlage bildet, um

auf dem aktuellen Stand zu sein. So sind sowohl im

hauptamtlichen Team wie auch bei den Ehrenamtlichen

im Berichtsjahr jeweils über 400 Stunden in Fort- und

Weiterbildung gut investiert worden.

Aus dem diesjährigen Kongressgeschehen haben

wir uns zur Teilnahme am Deutsch-österreichischen

AIDS-Kongress (DÖAK) in Innsbruck entschieden. Ralf

Runniger sorgte für den entsprechenden Roll out in die

Vereinsgremien. Daneben gab es eine Reihe an Tagesoder

Mehrtagesfortbildungen für unsere ehren- und

hauptamtlichen Mitarbeiter_innen, wie beispielsweise

die Fortbildungsseminare zur Telefonberatung, die zum

Standard der Qualitätssicherung gehören.

Diese Fortbildungen sind besonders für unsere

hauptamtlichen Mitarbeiter_innen wichtig, die wiederum

als Trainer_innen in der Grundlagenausbildung für

Interessierte Ehrenamtliche tätig sind, die in Vernetzung

mit den Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen angeboten wird. Über

die diesjährige Seminarreihe konnten immerhin drei

neue Ehrenamtliche für die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel qualifiziert werden (s. 6.2.).

Für den Arbeitskreis Suchtmedizin Duisburg konnten

wir am 20.06. mit freundlicher Unterstützung der

Fa. Janssen Pharmaceuticals eine Fortbildung zum

speziellen Thema „Hepatitis C – was gibt es Neues?“

mit dem Experten, Dr. Jochum von der Uniklinik Essen,

anbieten.

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe

Oberhausen haben wir auch in diesem Jahr ein

Fachgespräch zur HIV-Therapie veranstaltet, das

insbesondere von Klient/innen sehr gut besucht und

genutzt wurde. Im Rahmen des Welt-AIDS-Tags-

Veranstaltungsprogrammes fand dies am 26.11.13

erstmals in den eigenen Räumen unter dem Titel

„HIV positiv – nicht infektiös. (Wie) Kann das

gehen?“ statt. Unser verbliebener Duisburger HIV-

Schwerpunktbehandler, Dr. Friedhelm Kwirant gab

dazu den fachlichen Input. Wie immer schloss sich eine

offene Frage- und Diskussionsrunde an, die diesmal

besonders intensiv genutzt wurde für sehr kontroverse

Diskussionen.

Ganz in unserem Sinne waren die Botschaften dieses

Abends, nämlich insbesondere, dass immer klarer wird,

dass die Infektiösität eines HIV-positiven Menschen

unter stabiler antiretroviraler Therapie und einigen

weiteren Bedingungen gegen Null geht! Ein ungemein

entlastender Aspekt für die Betroffenen und

eine wichtige

Botschaft zur

weiteren Bearbeitung

des Stigmatisierungspotentials.

Zum Auftakt der

Infostand-Saison

waren wir am

09.06.13 beim

großen Walsumer

Sommerfest, das

mit viel Aufwand

und Engagement

veranstaltet wird und

gute Resonanzen

über Walsum hinaus

erzielt.

Patrizia Helten, AH Oberhausen u. Dietmar Heyde begrüßen unseren Referenten, Dr. Friedhelm Kwirant

32

Öffentlichkeitsarbeit


Bei der klassischen

Stadt(teil-)-Fest-

Zielgruppe macht es

unserer Erfahrung

nach immer noch,

oder besser:

immer mehr Sinn,

sich inhaltlich auf

„Klassisches“ zu

konzentrieren,

nämlich auf die

Übertragungswege

von HIV –

insbesondere die

Tatsache, dass

im alltäglichen

Miteinander keinerlei

Gefahr droht. Dazu

haben wir als gesprächsöffnende Methoden unsere

Tastboxen, um mit Hilfe der darin befindlichen

symbolischen Materialien (Seife, Kondome,

Taschentücher, Zahnbürste, etc.) gleichsam

gegenständliches und kognitives Begreifen zu initiieren,

oder wahlweise kommt auch das gute alte Glücksrad

zum Einsatz, das immer noch Neugier und Gewinnlust

weckt. Und bei uns gewinnt jede/r – neben kleinen giveaways

vor allem eine gute Portion Erkenntnisgewinn.

und freuen sich über das interessierte und diskussionsfreudige Publikum

Ministeriums (MGEPA), Frau Elke Slawski-Haun, sich

sehr emotional verabschiedete.

Um auch unsere Drogenpräventionsarbeit und die

dahinter stehende Haltung der Öffentlichkeit zu

präsentieren, gehört für uns ein Info- und Aktionsstand

zum Tag des Gedenkens an die Drogentoten (21.07.)

zum Standardprogramm, den wir 2013 allerdings auf den

Samstag, 20.07. vorgezogen haben, um Publikum zu

erreichen. Näheres dazu findet sich unter 5.2. Erfreulich

ist hier hervorzuheben, dass es gelingen konnte, die

JES-Ortsgruppe in Planung und Durchführung aktiv

Hinter den Wolken scheint die Sonne – diese alte

Weisheit haben wir beim Duisburger Umweltmarkt

erfahren können. Nach heftigen Regengüssen am

Vormittag, tauchten später mit der Sonne auch

zahlreiche Marktbesucher auf, die an unserem Stande

ihr Wissen über HIV und andere sexuell übertragbare

Krankheiten testen konnten.

Am 19.07.14 konnte unser Youthworker, Dietmar Heyde,

mit seinen knapp 60 Kolleginnen und Kollegen aus

NRW eine wunderbare Veranstaltung zum 25-jährigen

Jubiläum des „Youthworker-Programmes“ erleben,

in der die Wichtigkeit und die Erfolge der Youthwork-

Arbeit gewürdigt wurden und in dessen Rahmen unter

anderem die langjährig zuständige Referatsleiterin des

Vielen Dank!, Elke Slawski-Haun (MGEPA NRW)

mit einzubeziehen. Da zahlt sich der lange Atem des

Kollegen Ralf Runniger immer mehr aus.

33


Beim diesjährigen CSD am 27.07.13 gab es gleich

mehrere Premieren. Zum einen einen neuen Standort

mit der neuen Bahnhofsvorplatte, auf der deutlich mehr

Stände den schönen Eindruck einer kleinen Zeltstadt

vermittelten. Zum anderen wurde der CSD_Rahmen

zum offiziellen Startschuss für unser neues Projekt

SchLAu Duisburg genutzt. Oberbürgermeister Sören

Link empfing symbolisch die SchLAue Kiste aus den

Händen von Vetreter_innen von SchLAu NRW. Darüber

hinaus konnte unser Herzenslust-Team als „cruising

sailors“ gekleidet nicht nur einen eyecatcher bieten,

sondern auch sehr gezielt interessiertes Publikum zu

Präventionsgesprächen „ins Boot“ holen. Und noch dazu

zeigten unsere „BuT-Projektbegleiter“ Präsenz und boten

Information und spezifische Beratung. Mehr dazu unter

5.1.4. und 5.7.

„Zurück“ zu den Jugendlichen im Kreis

Wesel ging es am 31. August im Rahmen

der Jugend-DIN-Tage in Dinslaken

an der Burghofbühne. Im Kreise der kooperierenden

Einrichtungen des ehemaligen AK ProVer (Prophylaxe-

Vernetzung für die Region um Dinslaken, s. 5.6.)

gestalteten wir einen zielgruppenorientierten

Informationsstand mit Aktionsmöglichkeiten. Das

Konzept von einer kleinen, zielgruppenspezifischen

Info-, Beratungs- und Mitmachmeile ging wieder gut auf.

Darüber hinaus konnten hier die Vernetzungskontakte

gepflegt werden.

Am 10.10.13 konnten wir uns mit einem Arbeitsfrühstück

bei unserem treuen Unterstützer und immer

ansprechbaren Landtagsabgeordneten der FDP,

Herrn Holger Ellerbrock und seinen Mitarbeiter_innen

revanchieren, der uns in den letzten Jahren zu diesem

Zweck immer in den Landtag eingeladen hatte.

Ab Sommer starteten dann auch parallel die Planungen

und Vorbereitungen für das Veranstaltungsprogramm

zum diesjährigen Welt-AIDS-Tages (s. 4.4.)

Unser „Herzenslust“-Team als „Cruising Sailors“ beim CSD in Duisburg

34

Öffentlichkeitsarbeit


4.3. Benefiz-Veranstaltungen

Nicht nur in finanzieller Hinsicht sind Benefiz-Aktionen

für uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern

oder anderen Prominenten doch meist die Möglichkeit,

unser Thema auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit

öffentlichkeitswirksam zu platzieren.

Im Berichtsjahr 2013 gab es erneut viele

„zivilgesellschaftliche“ Gruppen und Einzelpersonen,

die für uns und unsere Arbeit sehr Gutes getan

haben und wir wollen darüber reden und schreiben.

Ein riesengroßes Dankeschön gilt einmal mehr dem

Duisburger Gastronomen und Ehrennadelträger der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel, Thomas Seven,

der im Berichtsjahr passend zum Welt-AIDS-Tag am 01.

Dezember Freunde und Bekannte aus dem Duisburger

Raum zum nunmehr 17. Mal (!) zum Grünkohlessen

einlud. Bei diesem vergnüglichen Ereignis standen

nicht nur interessante Gespräche, sondern auch die

Spendenfreudigkeit der Gäste im Vordergrund, um

darüber Aktionen und Projekte der AIDS-Hilfe zu

unterstützen. Wer sich darüber näher informieren wollte,

konnte dies bei den Vertreter_innen der AIDS-Hilfe im

Eingangsbereich gleich tun. Über 6.700 Euro kamen hier

zusammen – eine Summe, die in bedeutender Weise

dazu beiträgt, das Angebotsspektrum der Einrichtung zu

erhalten. Herzlichen Dank, lieber Thomas Seven!

Ganz treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr

acht Jahren durch das „GudsO-Netzwerk“

(Gleichberechtigung unabhängig von der sexuellen

Orientierung) der Duisburger „Targobank“, die weiß, „wie

Bank geht“. Aber nicht nur das – sie wissen auch, wie

soziales Engagement sinnvoll funktioniert und dass dies

auch einen nicht zu unterschätzenden Benefit für das

Image der Institution sowie das soziale Betriebsklima

bringt. Unter Federführung von Frau Corinna Voigt und

Herrn Guido Kuhl, hat diese Projektgruppe zum Welt-

AIDS-Tag wieder eine äußerst starke „Bärenaktion“

entwickelt, mit erfrischender Promotion umgesetzt und

so auch zu einem erneuten Rekordvertrieb von über

750 Solibären geführt. Ganz viel Kreativität wird hier

freigesetzt. So hat eine Mitarbeiterin der Bank in vielen,

vielen Stunden Heimarbeit eine eigene Mützen- und

Schalkollektion erstellt, die reißenden Absatz fand. Eine

Aktion, die aus dem Jahresprogramm des Duisburger

Sitzes der Bank nicht mehr wegzudenken ist und dazu

führt, dass immer mehr Anfragen schon deutlich vor

dem Welt-AIDS-Tag eingehen. Wir bedanken uns aufs

Herzlichste für soviel Engagement mit „Herzenslust“!

Solidarität mit dem Solibären – mit Freude und Riesenerfolg –

Targobank: Das war GudsO!!!

35


Unermüdliche Kämpfer im

Kampf gegen AIDS sind

schon lange Dr. Günther

Bittel, seine Frau Ingrid

und ihr Mitstreiter-Team in

Duisburg-Rheinhausen,

die unter anderem zum

neunten Male das Benefiz-

Konzert „Treatment for all,

pt.9“ im Haus der Jugend

in Rheinhausen am 30.11.

durchführten und nicht nur

inhaltlich wachrüttelten,

sondern darüber hinaus

auch den Erlös für unsere Arbeit vorsahen. Ein

besonderer Dank gilt den gagenfrei auftretenden

Bands (s. Plakat) sowie den Mitarbeiter_innen des

Jugendzentrums „Haus der Jugend“ an der Friedrich-

Alfred-Str.14.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen

Schülerinnen und Schülern und engagierten

Lehrkräften zu danken, die uns mit hoher Motivation,

Überzeugung und zum Teil sehr kreativen Aktionsideen

nicht nur bei der Spendensammlung, sondern auch

bei der Thematisierung von HIV und AIDS in zweifellos

wichtigsten Zielgruppen fantastisch unterstützen.

Stellvertretend möchten wir hier die Projektgruppen am

Gymnasium Adolfinum in Moers, dem Sophie-Scholl-

Berufskolleg in Duisburg-Marxloh und die Projektgruppe

am Gymnasium Moers-Rheinkamp erwähnen.

Im Nachhinein überschattet wurde diese tolle Aktion

durch den plötzlichen Tod des ganz besonders

engagierten Mitstreiters und Musikers der Treatment-

Reihe, „Dusty Stony“, Detlef Stein-Sondermann,

nur wenige Tage dem

Benefizkonzert.

Wir waren und sind tief bestürzt

und möchten „Dusty“ auch an

dieser Stelle gedenken und

Dank sagen. Wir kämpfen

weiter in seinem Sinne und bei der zehnten Auflage

von „Treatment for all“ wird er sicher wieder eine Rolle

spielen.

Aus Solidarität, Überzeugung oder aus Einsicht in

die Notwendigkeit der Unterstützung unserer Arbeit

erfahren wir Jahr für Jahr viel Wertschätzung, aber

eben auch finanzielle Hilfen von zivilgesellschaftlichen

Einzelpersonen, Gruppen und Institutionen, ohne die

vieles nicht machbar wäre.

Es ist schön, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr

stabile Unterstützungsaktivitäten berichten zu können.

Da sind zum einen die Spendensammlungen und

thematischen Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden

zu nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage

hin für unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen

mit HIV und AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank

dafür – und zum anderen die Spendenausschüttung

einer Reihe von Sparkassen. Ganz besonders bedanken

wir uns hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue

hinsichtlich der Teilfinanzierung unserer aufsuchenden

Arbeitsangebote.

WAT-Projektgruppe vom Sophie-Scholl-Berufskolleg,

Duisburg-Marxloh

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die AIDS-

Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Der „Soli-Bär“ 2013

36

Öffentlichkeitsarbeit


4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2013

In sehr optimistischer, aber konsequenter Weise hat

man sich bei der deutschen Kampagne zum Welt-AIDS-

Tag 2013 mit dem Slogan „HIV-POSITIV & MITTEN

IM LEBEN!“ dazu entschlossen, das Fragezeichen,

welches noch 2011 hinter dem Slogan stand, 2012

in einen Punkt zu wandeln und nunmehr gar ein

Ausrufezeichen zu setzen, um einen steten Fortschritt

zu dokumentieren. Die Kriterien zur Überprüfung

dessen und die Fragen dazu aber sind geblieben:

Können HIV-Positive sich heute angstfrei outen, ohne

immer noch Formen von Diskriminierung erleben zu

müssen? Sind sie mitten im Leben angekommen?

Können sie im besten Sinne des Inklusionsgedankens

teilhaben am gesellschaftlichen Leben und sich

gleichberechtigt einbringen? Wir schließen uns den

Kampagnengestaltern an und meinen – es ist an der

Zeit, in die Offensive zu gehen. Doch es braucht immer

noch die Mutigen, die „Eisbrecher“, die Vorbilder und

die Mut machenden Erfahrungen. Umso mehr gilt den

Botschaftern der Kampagne(n) unser tiefer Respekt.

Menschen mit HIV – Menschen wie Du und ich.

HIV-positiv & mitten im Leben!“ – die

konsequente Fortführung des in 2010 vollzogenen

Paradigmenwechsel in der Ausrichtung der

bundesweiten Kampagne, die mit einem wichtigen und

zugleich mutigen Impuls verstärkt wurde, wurde auch

im Rahmen unseres Veranstaltungsprogrammes in den

Fokus gesetzt. Insbesondere die Schwerpunktthemen

„HIV & Freundschaft“, „HIV & Familie“, „HIV &

Beschäftigung“ (Erwerbsarbeit) und „HIV & Behandlung“,

die zentrale Bereiche des gesellschaftlichen Lebens

und der damit verbundenen Werteorientierung

berühren, verdeutlichen sehr anschaulich, worum es

heute gehen (darf): um gleichberechtigte Teilhabe am

gesellschaftlichen Leben unter der Bedingung, dass der

Status „HIV-positiv“ bekannt sein darf!

setzen hier geduldig auf eine „positive“ Entwicklung,

die wir aktiv begleiten und mitgestalten

wollen und werden.

Ziel der übergeordneten Kampagne

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“, ist es,

Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen und

eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung über

HIV und AIDS zu initiieren. Sie ist auf mehrere Jahre

angelegt und in dieser Form immer noch europaweit

einzigartig.

Sie ruft dazu auf, Betroffene nicht weiter auszugrenzen,

Menschen mit HIV mit Respekt zu begegnen, denn

nur so kann ein verantwortungsvoller Umgang und ein

„positives Zusammenleben“ wirklich gelingen.

Mit sechs eigenen Veranstaltungen und weiteren mit

und von Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen

konnte auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches

Angebot vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel im

Anhang) und viele Menschen darüber erreicht werden.

Fachliche Einstimmung gewährte uns das

Fachgespräch zur HIV-Therapie am 26. November

mit dem provokanten Titel „HIV positiv – nicht infektiös.

(Wie) Kann das gehen?“. Näheres dazu s.o. (4.2.).

Traditionell am Mittwoch vor dem Welt-AIDS-Tag, in

diesem Jahr am 27.11. starteten wir unseren Candle-

Light-Walk über den Weihnachtsmarkt der Duisburger

City, um zum einen den an den Folgen von HIV und

AIDS Verstorbenen zu gedenken und daran zu erinnern,

dass wir es immer noch mit einer lebensbedrohlichen

Erkrankung zu tun haben und um zum anderen die

Bevölkerung auf den bevorstehenden Welt-AIDS-

Tag aufmerksam zu machen. Leider wird die Zahl

der „Mitläufer“ Jahr für Jahr kleiner – vielleicht auch

ein Ausdruck dafür, dass die früher oft unmittelbare

Verbindung mit dem Sterben heute glücklicherweise

nicht mehr der Realität entspricht. Dennoch wollen wir

die Erinnerung bewahren. Und in diesem Jahr hatten

wir alle den Eindruck, dass wir von den Passanten mehr

als sonst wahrgenommen wurden. Darüber hinaus

gab es wirklich schöne Bilder vom Candle-Light-Walk

in der „Lokalzeit – Schaufenster Duisburg“ des WDR-

Fernsehens.

Umso besser, dass man dazu nicht mehr nur auf

prominente „Zugpferde“ setzt, sondern authentische

HIV-positive Botschafter in den Vordergrund stellt, die

wissen wovon und worüber sie sprechen. Noch ist

es sicherlich so, dass dies eine gehörige Portion Mut

benötigt (s.o.), das Eis allmählich zu brechen. Aber wir

37


Candle-Light-Walk 2013

Eine der schönsten und effektivsten Kooperationen in

unserem Netzwerksystem ist sicher das Duisburger

„Aktionsbündnis gegen AIDS“, bestehend

aus folgenden Institutionen: UNICEF Duisburg,

Kindernothilfe, AIDS- und STD-Beratungsstelle des

Gesundheitsamtes der Stadt Duisburg, Infostelle

Dritte Welt des ev. Kirchenkreises Duisburg, dem

evangelischen Kirchenkreis Duisburg, die evangelische

Kirchengemeinde Alt-Duissern, der AIDS-Hilfe und seit

dem letzten Jahr die katholische Gemeinde City Pastoral

in der Liebfrauenkirche. Nachdem wir im Letzten

Jahr erstmals unsere Gedenkveranstaltung mit dem

„Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ verbunden haben

und die Veranstaltergemeinschaft Aufnahme in der

Liebfrauenkirche im Herzen der Stadt erfuhr, konnten wir

in diesem Jahr schon besser und konkreter planen.

Die gewohnt schöne und sehr informative Veranstaltung

wurde vom wunderbaren und großen Unichor „Salto

Chorale“ unter der Leitung von Klaus Andrees ganz

fantastisch musikalisch umrahmt. Erfreulicherweise

verzeichneten wir einen deutlich höheren

Publikumszuspruch als in den Vorjahren.

Der wunderbare Uni-Chor „Salto Chorale“ unter der Leitung von Klaus Andrees

38

Öffentlichkeitsarbeit


Abendgebet zum WAT im Zeichen der Solidarität

Weil in diesem Jahr der WAT auf einen Sonntag fiel,

haben wir uns der logistischen Herausforderung gestellt,

dieses Wochenende intensiv zu nutzen. So fanden

alleine am Samstag, dem 30.11. vier Aktionen und

Veranstaltungen mit unserer Beteiligung statt.

Der Altmarkt in der schönen Moerser Altstadt hat sich

einmal mehr als guter Standort für einen Infostand

mit Roter-Schleifen-Aktion zum WAT am Samstag,

den 30.11.13 erwiesen. Die unmittelbare Nähe zum 01.

Dezember ist einfach gut, um die Menschen auf die

Kampagne aufmerksam zu machen, zumal die Medien

diesen Tag dann zwar immer weniger, aber doch

noch intensiver als sonst im Jahr aufgreifen. Zudem

kam uns in diesem Jahr entgegen, dass der Moerser

Weihnachtsmarkt schon geöffnet war und wir somit

mehr Publikumsverkehr bis in die frühen Abendstunden

verzeichnen konnten als im letzten Jahr. So haben

wir sehr viele gute Gespräche führen und von vielen

Bürgerinnen und Bürgern finanziellen (Spenden) und

ideellen Zuspruch bekommen können – DANKE Moers!

Impressionen vom Infostand am 30.11.13 auf dem Moerser Altmarkt - … selbst Spendensammeln macht Spaß!

39


Am Abend des 30.11.

begleiteten wir das traditionelle

Benefizkonzert „treatment for

all, part IX“ im Haus der Jugend

in Rheinhausen, das neben

musikalischen Genüssen auch

jede Menge Informationen zur

lokalen, nationalen und weltweiten

Situation rund um HIV und AIDS,

etwa in einer Diskussionsrunde

bot, siehe dazu 4.3.

Ein besonderer Dank für viel Herzblut, Engagement und

langen Atem gilt dem Team um Dr. Günther Bittel!

Ein besonderer Genuss für die über 100 Gäste war

sicher das Benefizkonzert des ersten schwulen Chores

im Ruhrgebiet, der „Vielhomonie“ an diesem Samstag

Abend im „Grammatikoff“ am Duisburger Dellplatz.

Dabei nahmen die Vielhomoniker die Besucher_innen

mit auf „große Fahrt“ mit einer „Passage ins Glück“, ein

Konzert im Rahmen der HoKuDu-Veranstaltungsreihe

„queer life Duisburg“, die auch in diesem Jahr einige

Synergieeffekte erbrachte.

Neben bester Unterhaltung erbrachte das Konzert noch

einen finanziellen Benefit in Höhe von 250 Euro sowie

einen guten Absatz der diesjährigen Solibären.

Vielhomonie Ruhr – eine Truppe mit Esprit, die einfach gute Laune

produziert – eine Passage ins Glück.

01. Dezember 2013, der nicht nur auch der erste Advent,

sondern glücklicherweise auch ein verkaufsoffener

Sonntag war.

Der Aktionstag zum Welt-AIDS-Tag konnte somit –

wenn auch nur in der Zeit zwischen 13.00 und 18.00

Uhr- bereits zum fünften Male in Kooperation und

Partnerschaft mit dem FORUM Duisburg stattfinden.

Diese –aus unserer Sicht- wirklich glorreiche und

konstruktive Partnerschaft mit dem Centermanagement

und den Werbegemeinschaften ermöglicht uns schon

lange einen besonders öffentlichkeitswirksamen Auftritt

am 01.12. Nicht nur die Chance, viele Menschen

erreichen zu können ist für uns natürlich ganz wichtig,

sondern auch die menpower, das Engagement

und die Ressourcen, die das Centermanagement

bereitstellen, macht dies zu einem echten Gewinn

und sicher zu einem best-practice-Beispiel für „private

public partnership“. Dafür gilt unser großer Dank an die

beteiligten Akteurinnen und Akteure der Einkaufsmall

und der Konzernmutter Cório.

Allerdings musste die Aktion in diesem Jahr nicht nur

zeitlich, sondern auch inhaltlich deutlich abgespeckt

werden, da wegen einiger Umstrukturierungen weniger

menpower und Mittel beim Centermanagement zur

Verfügung standen. Zudem gab es einen personellen

Wechsel mit Folgen. Der langjährige Centermanager

und Förderer der Welt-AIDS-Tags-Aktion, Lutz Müller,

schied just in der heißen Phase aus dem CM des

FORUMs aus. Wir möchten uns an dieser Stelle für sein

enormes Engagement und seine tolle Unterstützung in

den letzten Jahren herzlich bedanken!

Der sehr herausragende Aktionstag des letzten Jahres

konnte aus unserer Sicht eh kaum getoppt werden und

darf durchaus auch noch länger nachwirken. Insofern

waren wir –auch angesichts der Veranstaltungsdichtenicht

„böse“.

Gemeinsam mit unseren weiteren WAT Partnern,

den Kolleginnen von der profamila Duisburg und der

Kindernothilfe ist dann dennoch ein Aktionstag in und

um das FORUM am 01.12. entstanden, der sich sehen

lassen konnte. Eine kleine Auswahl an Bildern:

im

Nach dem Warmlaufen in Moers wanderte unser

Herzenslust-Team am 30.11. noch weiter in das

Szenelokal „Harlekin“ im Duisburger Dellviertel und

erfreute das Publikum dort mit der Kombination von

Spiel, Spaß und Aufklärung über ein interaktives Quiz,

welches über einen Tablet PC flexibel einsetzbar war (s.

5.1.)

Schon sehr intensiv eingestimmt gingen wir dann in den

„Großkampftag“, den Welt-AIDS-Tag am Sonntag, dem

„HIV-positiv und mitten im FORUM“, Teile unserer

„HIV-positiv und

Ausstellung mit authentischen Aussagen schmückten

mitten im FORUM“,

das Forum und weckten Aufmerksamkeit und Neugier …

Teile unserer Ausstellung

mit authentischen

… und Aussagen zeigten die ups and downs im „Fahrstuhl des

schmückten das Lebens mit HIV“

Forum und weckten

Aufmerksamkeit

Die „Aktionszentrale“ – der Stand der AIDS-Hilfe

und Neugier … Duisburg / Kreis Wesel e.V.

40

Öffentlichkeitsarbeit


… und zeigten die ups and downs im „Fahrstuhl des Lebens mit HIV“

Die „Aktionszentrale“ – der Stand der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Spenden sammeln, gute Gespräche, Mitmachaktionen, Ausstellungen und vieles mehr – WAT 2013 im FORUM Duisburg

Bedauerlicherweise fehlen uns Fotos einmal mehr vom

schönen Info- und Aktionsstand der Kolleg/innen von der

profamilia. Wir bitten um Nachsicht, wollen es aber nicht

versäumen, das Team auch per Bild (aus 2011 – aber

die Kolleg/innen sind jung geblieben) zu präsentieren.

Das „profamilia-Team“ in freudiger Erwartung (Gina Bieberich,

Marlene Lang-Mielke u. Peter Rüttgers, v. li.)

41


Die „Cherry girls“ aus dem Duisburger Norden verzückten einmal mehr das begeisterte Publikum im FORUM

Zu dem tollen Aktionsprogramm im FORUM gab

es ab 15.00 Uhr aber auch noch ein gut bekanntes

Bühnenprogramm. Unsere treuen Unterstützerinnen

der „Cherry girls“ gaben einmal mehr Himmlisches

zum Besten mit Auszügen aus ihrem „Sister Act“-

Showprogramm, das erneut viele Besucher fesselte und

in richtig gute Stimmung versetzte.

Den erhöhten Publikumsandrang an der Bühne

nutzten wir dann für die Preisverleihungen zu den

Mitmachaktionen, insbesondere dem Wettbewerb zum

„Rote-Schleifen-Tannenbaum“, bei dem die Besucher die

Anzahl der roten Schleifen schätzen sollten.

Gewinner der „Schleifen-Baum-Aktion“ nahmen Gutscheine und Solibären in Empfang

Und auch die „Glücksfeen“, Sandra Kohlhase und Thomas Hilgers hatten ihre Freude daran.

42

Öffentlichkeitsarbeit


Und ab dem 02. Dezember 2013 begannen die

Auswertungen des diesjährigen WAT-Geschehens und

damit auch die Vorbereitungen für das nächste Jahr.

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2013 durch viel

Engagement und Kreativität unterstützt haben, gilt an

dieser Stelle noch einmal unser ganz herzlicher Dank !!!

– Ein Engel hat Euch / Sie geschickt.

Und: … nach dem Welt-AIDS-

Tag ist vor dem Welt-AIDS-Tag!

Interessierte, die 2014 dabei sein

wollen, können sich jederzeit gerne

bei uns melden.

43


4.5. Berichterstattung in den Medien

Die Nachfragen von Seiten der Print-, Funk- und TV-

Medien, die unsere Arbeit zum Teil sehr aufmerksam

begleiten, stimmten uns bisher zuversichtlich. Im

Berichtsjahr gab es allerdings einen sehr deutlichen

Einbruch bei der Resonanz von Seiten der Printmedien.

Trotz diverser Einladungen und Pressemitteilungen zu

verschiedenen Anlässen (Tag der offenen Tür, Welt-

AIDS-Tag, Projektvorstellungen) haben wir leider keine

Zeitungsredakteure und auch kaum Berichterstattung

gesehen. Ist HIV/AIDS kein Thema mehr? Wir meinen:

unbedingt doch! Und nur gemeinsam bewirken wir

mehr, um das Thema im Bewusstsein der Bevölkerung

zu halten und so dem Ziel der Minimierung von

Neuinfektionen sowie der Verbesserung der Akzeptanz

und Toleranz gegenüber HIV-Positiven näher zu

kommen.

Der dem Sparzwang in den Verlagen folgende

Personalabbau in den Redaktionen scheint immer

mehr zur Folge zu haben, dass insbesondere die

Lokalredaktionen sich nur noch auf vermeintlich

quotenträchtige Themen stürzen müssen und eine

Informationspflicht vernachlässigt wird. Boulevard-

Journalismus können andere Medien allerdings besser!

Von dieser kleinen Schelte ausnehmen möchten wir

unsererseits den Lokalfunk und das Lokalfernsehen,

mit deren Resonanz wir über das Berichtsjahr verteilt

insgesamt sehr zufrieden sind.

Insbesondere das schon mehrmals zitierte

Stadtfernsehen „Studio 47“ ist ein ungemein

treues Begleiter- und Unterstützermedium, das uns

im Berichtsjahr wieder einmal mehrmals in den

Nachrichtenfokus gerückt hat – dafür herzlichen Dank!

Dank gilt genau so den Lokalradios von Radio DU inkl.

dem Bürgerfunk und Radio KW.

Um das vergleichsweise niedrige Niveau der

Neuinfektionen im Berichtsjahr weiterhin halten zu

können und die neu ausgerichteten Kampagnenziele

der weiteren Akzeptanz und Toleranz gegenüber

Menschen mit HIV und AIDS umsetzen zu

können, müssen aus unserer Sicht aber auch

weitere Kommunikationsoffensiven folgen, um die

Präventionserfolge der vergangenen Jahre nicht wieder

zu gefährden. Aufklärung, sachliche Information und

Erinnerung müssen wahrnehmbar bleiben.

44

Öffentlichkeitsarbeit


4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen:

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. in verschiedenen Gremien und

Arbeitskreisen in Duisburg, dem Kreis Wesel

und auf Landesebene

• Vorbereitung, Organisation, und Durchführung

von Informationsständen, Aktionsformen sowie

Seminar- und Vortragsangeboten,

• Organisatorische Begleitung und Pressearbeit

für Benefiz- und Kooperationsveranstaltungen,

• Akquise von finanziellen Mitteln und personellen

Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung),

• Kontaktpflege zu Förderern, Kooperations- und

Netzwerkpartnern,

• Telefonische und persönliche Beratung,

• Geschäftsführung,

• U.a.m.

Abbildung :

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2013 – Veranstaltungen insgesamt

45


5. Zielgruppenspezifische Prävention

5.1. HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die

Sex mit Männern haben sowie bisexuellen Männern

Das Projekt homosexuelle und bisexuelle Männer

sowie MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) im

Kontext von HIV / STI´s der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e.V. ist durch Zielgruppenspezifische Mittel des

Landes NRW gefördert worden. Durch diese Förderung

konnte eine ½ Personalstelle finanziert werden, mit

der die strukturelle Prävention im Arbeitsbereich

„homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM im

Kontext HIV / STI´s“ auf der lokalen, regionalen und

landesweiten Ebene umgesetzt wurde. Zusätzlich hat

das Projekt auf der lokalen Ebene das Ziel, HIV-positive

Männer niedrigschwellig zu erreichen und ihnen die

möglichen Angebote in der Region zu vermitteln bzw. die

Begleitung durch die AIDS-Hilfe anzubieten (Streetwork

/ personalkommunikative, strukturelle Prävention).

Auf der landesweiten Ebene erfolgte die Arbeit

ausschließlich in Gremien, die sich überregional mit dem

Thema „homosexuelle Männer sowie MSM im Kontext

HIV / STI´s“ befassen.

Auf der regionalen Ebene wurden in der Vernetzung

mit anderen Institutionen Kampagnen und

Präventionsaktionen erarbeitet und durchgeführt. Durch

diese Kooperationen konnten größere Veranstaltungen

geplant, koordiniert und umgesetzt werden. Die in

diesen Gremien vorhandenen Ressourcen konnten

so gebündelt werden und es ergaben sich sinnvolle

Synergieeffekte. Beispielsweise unterstützten sich die

Teams der Herzenslustprojekte gegenseitig bei den

Straßenfesten.

Auf der lokalen Ebene wurden gemeinsam mit

Kooperationspartnern, durch die Einbeziehung von

ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie HIV-positiven

schwulen Männern die ausdifferenzierten Angebote/

Präventionsaktionen erfolgreich umgesetzt. Durch diese

46

Zielgruppenspezifische Prävention


Kooperationen konnten die begrenzten personellen

Ressourcen optimal genutzt werden. So wurde mit

DU-Gay e.V. ein Partner für Großveranstaltungen und

Vernetzung der lokalen Gruppen des schwulen Lebens

in Duisburg gefunden.

5.1.1 Vorwort

Auch im Jahr 2013 wurde ein Großteil unserer

Ressourcen für den Bereich der Prävention im Sektor

schwule und bisexuelle Männer sowie MSM genutzt.

Die kompetente und qualifizierte Arbeit von

„Herzenslust“ hat ihren Ursprung in dem Ansatz der

strukturellen Prävention (hier vor allem die Primär- und

Sekundärprävention) sowie der regelmäßigen Ausund

Fortbildungsarbeit der haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeiter auf der landesweiten Ebene. Herzenslust

steht für die Arbeit von schwulen Männern für schwule

Männern. Die Feldkompetenzen der einzelnen

Mitarbeiter können so für die Präventionsarbeit im

Rahmen der niedrigschwelligen Präventionsarbeit

genutzt werden. Weiterhin steht Herzenslust für

lustvolle und lebensstilakzeptierende Präventionsarbeit.

Auch der Schwerpunkt, die Zielgruppe ausreichend

zu informieren, damit jeder einzelne selbst bestimmt

entscheiden kann, welches Risiko er eingehen möchte

oder welches eben nicht, hat sich bewährt. Ebenso

hat sich die Einbeziehung von HIV-positiven schwulen

Männern in die Präventionsarbeit (z.B. bei Beratung und

Test) sehr bewährt und sollte weiterhin unterstützt und

forciert werden. Ebenfalls zur Risikogruppe gehören

schwule Männer aus sozial schwachen Verhältnissen;

ein Grund, warum die Testangebote auf dem Rastplatz

niederschwellig und kostenlos gestaltet werden müßen.

Die Arbeitsfelder im Berichtszeitraum können wie folgt

umrissen werden:

Die zielgruppenspezifische Präventionsarbeit der AIDS-

Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. im Bereich MSM hatte im

Berichtszeitraum mehrere Arbeitsschwerpunkte.

47


Ein großer Schwerpunkt im Jahr 2013 war die Teilnahme

bei der Entwicklung, Koordinierung und Umsetzung des

schwul lesbischen Straßenfestes Duisburg (CSD) am

27.07.2013. Veranstaltet wurde das Fest durch den Verein

DU-Gay e.V., bei dem die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. Mitglied ist und sich Herzenlust Mitarbeiter

engagieren. Der Wunsch, dass sich die Community in

Duisburg präsentieren konnte, war für die Mitglieder

unseres Vereins von großer Wichtigkeit. Daraus

erklärt sich sicherlich auch die hohe Teilnahmerzahl

unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter_Innen bei der

Umsetzung des Festes. Bei der Umsetzung wurde das

Motto „cruising sailors – junge komm‘ bald wieder“

der landesweiten Kampagne Herzenslust umgesetzt

und Material und ein Quiz zum Thema Ehrenamt

der „Ich weiß was ich tu“-Kampagne genutzt. Das

jährlich wechselnde Motto spielt mit Vorurteilen und

Zuschreibungen. Matrosen gelten dabei als Männer

mit idealtypscher Rollenzuschreibung des männlichen,

harten, abenteuersuchenden Kerls, der in jedem Hafen

eine Frau oder gleich mehrere erobert. Die Wahl, über

dieses Klischee schwule Präventionsbotschaften zu

vermitteln erwies sich als erfolgreich. Die dem Motto

entsprechend gestaltete Broschüre fand viele Abnehmer.

Besonders zu loben ist dabei die Idee, die Broschüre

zugleich als Kalender zu gestalten, so dass diese

über den Zeitraum eines Jahres in Sicht und somit

im Bewusstsein verbleibt. Auch die weiteren Giveaways

wie Taschentücher, Brause und Cruisingpacks

sorgten für Aufmerksamkeit und führten erfolgreich

zu dem Ziel der Schaffung von Gesprächsanlässen,

personalkommunikativ am Stand ebenso wie auf

Bühne und dem Festplatz. Mit der Teilnahme und

Organisation des Straßenfestes wird gemäß des

Zieles „Männergesundheit“ Selbstbewusstsein und

Sichtbarkeit geschaffen. Ferner bietet eine solche

Großveranstaltung einen guten Rahmen, eine große

Masse an schwulen Männern und MSM zu erreichen

und Präventionsbotschaften zu platzieren.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt war die Umsetzung

des HIV-Schnelltestsangebotes im niedrigschwelligen

Bereich, welcher unter dem Label „BuT“ (Beratung und

Test) angeboten wurde. Durchgeführt wurde das Projekt

in den Sommermonaten von Mai bis Oktober an jeweils

zwei Mittwochabenden. Die Vorarbeit (Schulung der

ehrenamtlichen Mitarbeiter, konzeptionelle Planung

der Umsetzung lokal und in Arbeitskreisen landesweit,

Absprache mit Kooperationspartnern) nahm einen

Großteil der zeitlichen Ressourcen in Anspruch.

Die ausdifferenzierte Arbeit im Bereich der

Primärprävention bei MSM (z.B. GAY ROMEO health

support, Vor-Ort Arbeit, Beratung und Test) fordert immer

mehr eine detaillierte fachlich qualifizierte Schulung der

Mitarbeiter. Diese neuen Anforderungen gehen mit einer

hohen zeitlichen Kapazität an Schulungsanteilen für die

haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter einher. Dieser

Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Hier gilt es,

einerseits die Mitarbeiter fachlich gut auf die Arbeit

vorzubereiten und andererseits die Schulungsanteile für

die einzelnen Trainer / Referenten in einem „gesunden

Maß“ zu halten. Hier konnte durch die erstmalige

Nutzung des neuen E-Learnings von Herzenslust NRW

eine zukunftsfähige Lösung gefunden werden. Durch

die geforderten Qualitätssicherungsmaßnahmen und

damit einhergehenden Verpflichtungen (Teilnahme

an (Schulungs-) Veranstaltungen, Berichtswesen,

Datenerhebung) wurden zeitliche Ressourcen ebenfalls

gebunden.

5.1.2 Landesweite Vernetzung

Teilnahme an Arbeitskreisen

Arbeitskreis schwule Prävention

Unter dem Namen „Herzenslust“ wird strukturelle HIV-

Prävention im Bereich „homosexuelle und bisexuelle

Männer sowie MSM“ in ganz NRW durchgeführt.

Herzenslust ist eine Kampagne der AIDS-Hilfe NRW

e.V. Auf der landesweiten Ebene finden regelmäßige

Arbeitskreise unter dem Namen „Landesarbeitskreis

schwule Prävention“ statt, wo die Herzenslustgruppen

sich inhaltlich austauschen können. Der Projektnehmer

hat regelmäßig an diesen Arbeitskreisen teilgenommen.

In diesem Gremium wurden neu entwickelte Aktionen

vorgestellt, Tendenzen in der schwulen Community

erörtert sowie zu bestimmten Themenfeldern Referenten

eingeladen. Auf diesen landesweiten Arbeitskreisen

konnten so Ideen für Präventionsaktionen ausgetauscht,

Kampagnen entwickelt und nicht erfolgreiche

Projekte analysiert werden. So wurde durch den

Erfahrungsaustausch und die fachliche Unterstützung

der unterschiedlichen lokalen Herzenslustgruppen die

regionale und lokale Arbeit sinnvoll modifiziert.

GAY Romeo / health support

Herzenslust hat auf der landesweiten Ebene die

Onlinepräventionsarbeitet konzipiert und umgesetzt.

Bei Gay Romeo, einem Onlineportal für schwule und

bisexuelle Männer, wurde ein health support geschaltet.

Hier werden Fragen von Ratsuchenden zu HIV/

AIDS, Hepatitiden und anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten, schwuler Gesundheit und Szeneorten

in der Region von örtlichen Herzenslustmitarbeitern

beantwortet. Der Projektnehmer hat für die lokale

Herzenslustgruppe ein Profil erstellt und Chatberatung

durchgeführt. An diesem Projekt sind neben dem

Projektnehmer ehrenamtliche Onlinepräventionisten

beteiligt. Das lokale Gay Romeo-Projekt war regelmäßig

bei den bundesweiten Austauschtreffen vertreten. Diese

Treffen dienen als Plattform, sich zu Themenfeldern

48

Zielgruppenspezifische Prävention


der Online-Beratung auszutauschen sowie der

Erarbeitung und Erhaltung von Präventions- und

Beratungsstandards.

Beratung und Test (BuT)

Das Projekt der AIDS-Hilfe NRW e.V. hat das Ziel,

bestimmte Subgruppen aus dem Bereich der MSM

(Männer die Sex mit Männern haben) mit Hilfe eines

HIV-Schnelltest-Angebotes im Zusammenhang mit einer

davor durchgeführten intensiven Beratung zu erreichen.

Solche Subgruppen (oder auch „Netzwerke“) sind von

den bestehenden, aufzusuchenden HIV-Test-Angeboten

nicht erreicht worden.

Der Projektnehmer hat an den Steuerungskreisen

von BuT auf der landesweiten Ebene teilgenommen.

Erkenntnis ist, dass aufsuchenden Präventionsarbeit

wichtiger und in Bedeutung zunehmender Teil des

Angebotes von Herzenslust ist.

Teilnahme an Landesweiten Präventionsaktionen

Herzenslustteam Duisburg beteiligte sich bei der Aktion

(näheres siehe Sachbericht Herzenslust NRW bzw.

Herzenslust Köln).

5.1.3 Projektarbeit auf der regionalen Ebene

Auf der regionalen Vernetzungsebene arbeitete

der Projektnehmer eng mit den regionalen

Herzenslustgruppen im Ruhrgebiet zusammen.

Im Ruhrgebiet wurden aus dieser Vernetzung

heraus Aktionen entwickelt, koordiniert und

durchgeführt, welche einen überregionalen Charakter

besaßen. Gerade bei größeren Events können die

einzelnen Herzenslustgruppen nur schwer alleine

öffentlichkeitswirksame Aktionen durchführen. So

beteiligte sich das Team aus Duisburg an dem CSD in

Essen.

5.1.3.1 Herzenslust „WIRklich…“

Aus der Landesarbeitsgemeinschaft erwuchs eine

weitere Vernetzung zwischen Gruppen in Städten

mit vergleichbaren Entwicklungen in der schwulen

Community. Methodisch angeleitet sollen dabei

die jeweiligen lokalen Akteure der Community

zusammengebracht werden um Austausch und

Synergien zu fördern. Das zunächst „Community

building“ genannte Projekt wurde in Bochum und Bonn

verwirklicht. Im Rahmen der Landesarbeitsgemeinschaft

wurde Mitte des Jahres 2013 vereinbart, das Duisburg

ab 2014 teilnimmt und sich zuvor schon in die

Vernetzung der bisherigen Anbieter einbindet. Dies

geschah mit Erfolg durch Aufnahme der Duisburger

Idee zum Projektnamen „WIRklich…“ und dem damit

verbundenem Konzeptansatz.

5.1.4 Projektarbeit auf der lokalen

Ebene

Kooperation mit lokalen Einrichtungen/

Selbsthilfegruppen

Auf der lokalen Ebene wurde mit

verschiedenen Einrichtungen, Vereinen

und Selbsthilfegruppen kooperiert. Hier

wird beispielhaft die Zusammenarbeit mit

DU-Gay näher vorgestellt.

DU-GAY e.V.

CSD in Köln

Unter dem Motto „cruising sailors“ organisierte

Herzenslust NRW und die Herzenslustgruppe aus

Köln eine Fußtruppenaktion beim CSD in Köln. Das

Der Projektnehmer hat an den

regelmäßig stattfindenden Arbeitstreffen des regional

ansässigen schwul-lesbischen Vereins „DU-Gay e.V.“

teilgenommen. DU-Gay e.V. zielt auf die Vernetzung der

in Duisburg und Umgebung ansässigen schwulen und

lesbischen Vereine und Gruppen, der gemeinsamen

Präsentation im Rahmen von Veranstaltungen wie der

49


des Straßenfestes. Die Kooperation ist wertvoll, um

schwules Selbstbewusstsein zu stärken, sichtbar zu

machen und Orte und Situationen der Begegnung zu

schaffen.

Primärpräventive Aktionen auf der lokalen Ebene

Beratung und Test – Rastplatz Sommeraktion

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe NRW e.V., dem

Fachbereich Gesundheitswesen des Kreises Wesel

sowie mit der Unterstützung des Kommissariats

Vorbeugung des Polizeipräsidiums Duisburg wurde

Beratung und Test von dem Projektnehmer umgesetzt.

Ziel der Beratung und Test - Rastplatz Sommeraktion

war die niedrigschwellige Beratung von MSM (hier

vor allem Männer, die durch die bestehenden

Beratungs- und Testangebote nicht erreicht werden),

intensiv vor Ort zu HIV-Übertragungsrisiken und

dem Schnelltestverfahren zu beraten und ggf. einen

Schnelltest anzubieten.

In dem Zeitraum Mai-September 2013 wurde die

„Rastplatzsommeraktion“ jeweils am 1. und 3. Mittwoch

im Monat in der Zeit von 18.00-21.00 Uhr auf zwei im

Einzugsgebiet liegenden Rastplätzen umgesetzt.

Neu im Jahr 2013 war die Einbeziehung eines weiteren

Rastplatzes um die Reichweite des Angebotes zu

erhöhen. Leider war ab Juli kein Schnelltestangebot

mehr möglich, da keine Vorgehensweise zu den

verpflichtend eingeführten Ringversuchen mit den

weiteren Beteiligten gefunden werden konnte. In

einem Reflektions- und Ausblicks-Gespräch wurde

für das Folgejahr jedoch wieder die Verwendung

50

Zielgruppenspezifische Prävention

der Schnelltests beschlossen, der öffentliche

Gesundheitsdienst gewährleistet dabei die Teilnahme an

den Ringversuchen.

CSD Duisburg

Die Projektnehmer haben an den regelmäßig

stattfindenden Arbeitskreisen des Vereins „DU-Gay

e.V.“ teilgenommen und beteiligten sich dort an der

Entwicklung und Durchführung von schwul lesbischen

Angeboten für den Raum Duisburg. Der Verein

„DU-Gay e.V.“ hat maßgeblich die Organisation des

schwul-lesbischen Straßenfestes in Duisburg 2013

übernommen.

Der Verein „DU-Gay e.V.“ hat in Kooperation mit

lokalen Organisationen, Personen aus der schwulen

Community sowie schwulen Gastwirten, das

Sommerfest veranstaltet. Herzenslust, als das schwule

Präventionsteam hat mit 14 haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeitern prägend an dem Fest teilgenommen. Mit

Aktionen und einem großen Informationsstand, nebst

Beratung- und Testmobil, sowie Quiz der Kampagne

„IWWIT – Ich weiß was ich tu“ der Deutschen Aids-Hilfe

e.V., wurden viele Menschen erreicht.

Zur besonderen Wahrnehmung trug die Übernahme

der Landesweiten CSD – Aktion von Herzenslust NRW

„cruising sailors“ bei. Die Haupt- und Ehrenamtlichen

trugen von der Landesebene bereitgestellte Matrosen

Uniformen und nutzten das dazu stimmig produzierte

Infomaterial sowie Giveaways (Kuverts mit Cruisingpack,

Motto-gemäßer Broschüre (Junge, komm‘ bald wieder),

Brausepulver, Taschentücher). Das Sommerfest fand am

27.07.2013 statt.

Neben 10 lokalen schwul-lesbischen Selbsthilfegruppen


und fünf Parteien, die sich auf dem Fest präsentieren

konnten, gab es Getränke- und Essstände, kommerzielle

Stände sowie eine Bühne mit einem Show-Programm.

Es konnten weit über 5.000 Menschen erreicht werden,

davon waren ca. 80% schwule und bisexuelle Männer.

Der Projektnehmer hat sich hauptsächlich um die

Koordinierung der ehrenamtlichen Mitarbeiter beim

Herzenslust-Stand sowie dem Beratung- und Testmobil

und dem Stand mit dem Quiz und SchLAu (schwullesbisch-bi-inter-trans*-Aufklärung

an Schulen), die

Teilnahme an den regelmäßigen Vorbereitungstreffen

der externen Kooperationspartner sowie dem Aufund

Abbau beim Straßenfest gekümmert. Zudem

koordinierte er die zeitnahe Bereitstellung von Material

der Kampagnen-Partner IWWIT und „cruising sailors“

von Herzenslust NRW.

Das Beratungs und Test-Team war ebenfalls samt Mobil

vor Ort und gewährte Einblick in die Arbeitsweise mit

dem Mobil und beantwortete Fragen zum Geschehen

rund um die Beratung.

Fachliche Anleitung der lokalen Herzenslustgruppe

Duisburg/Kreis Wesel

Der Projektnehmer hat regelmäßig mit der

Herzenslustteilzeitkraft die inhaltliche Arbeit der

lokalen Herzenslustgruppe erörtert und bei Bedarf

angeleitet. Neben der fachlichen Aufsicht des lokalen

Projektes Herzenslust wurden die ehrenamtlichen

Herzenslustmitarbeiter in den Bereichen HIV und andere

sexuell übertragbare Krankheiten ergänzend zum

bestehenden Schulungsangebot der AIDS-Hilfe NRW

geschult.

5.1.4.1 Die Herzenslustgruppe Duisburg / Kreis

Wesel

Der Projektnehmer für den Bereich MSM hat regelmäßig

mit der Herzenslustteilzeitkraft die inhaltliche Arbeit

der lokalen Herzenslustgruppe erörtert und bei Bedarf

angeleitet. Neben der fachlichen Aufsicht des lokalen

Projektes Herzenslust wurden die ehrenamtlichen

Herzenslustmitarbeiter in den Bereichen HIV und

anderen sexuell übertragbare Krankheiten ergänzend

zum bestehenden Schulungsangebot der AIDS-Hilfe

NRW, qualifiziert.

Das Herzenslustteam hat im Jahr 2013 wie in den

vorangegangenen Jahren zielgruppenspezifische

Prävention im Bereich schwule und bisexuelle Männer

sowie Männer, die Sex mit Männern haben entwickelt

und durchgeführt. Hierbei ist die konstante Begleitung

der umgesetzten Präventionsaktionen sowie die

Begleitung der lokalen Herzenslustgruppen durch die

aus Eigenmitteln der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. finanzierte Teilzeitkraft von sehr hohem Stellenwert.

Durch die Teilzeitkraft wurden folgende Aufgaben erfüllt:

Fachliche Begleitung der ehrenamtlichen

Herzenslustmitarbeiter

Die Teilzeitkraft sowie punktuell der Projektnehmer

waren bei den primärpräventiven Vor-Ort-Aktionen

von Herzenslust anwesend. So konnten Ratsuchende

bei Bedarf von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des

Herzenslustteams an die hauptamtlichen Mitarbeiter

weiter verwiesen werden.

Begleitung der Gruppentreffen des Herzenslustteams

Durch die regelmäßigen Gruppentreffen, die durch die

Teilzeitkraft angeleitet wurden, wurde die beständige

ehrenamtliche Herzenslustarbeit sichergestellt. Neben

diesem Aspekt wurden mit dem Herzenslustteam

Veranstaltungen abgesprochen und deren Umsetzung

diskutiert und konzipiert.

Auf der lokalen Ebene wurden diverse primärpräventive

Aktionen in Duisburg durchgeführt. Der CSD ist bereits

oben beschrieben, weitere Beispiele:

WAT

Zum Welt-AIDS-Tag wurde in der schwulen Kneipe

Harlekin in Duisburg eine Infoaktion mit verschiedenen

interaktiven Tablet-PC-Spielen umgesetzt. Hierzu wurde

einer der Tablet-PCs von Herzenslust NRW ausgeliehen

und die auf ihm befindlichen Präventionsspiele der

Reihe „Wir woll’n doch nur spielen“ genutzt. Die Aktion

fand in enger Kooperation mit dem Wirt statt. Es gab

mehrere Vorbereitungsgespräche und eine auf den

Tag und das Angebot ausgerichtete Bewerbung. Vier

Mitwirkende des Herzenslust-Duisburg-Teams waren in

entsprechender Kleidung (T-Shirt in Pink mit Schriftzug

und Sweater in Schwarz mit Schriftzug, bereitgestellt

durch Herzenslust NRW) vor Ort und sprachen

verschiedene Gäste an. Das Angebot zur Teilnahme

an den Spielen mit Preisen traf auf Neugierde. Durch

die Aktion konnte das Ziel der Kontaktaufnahme in

niedrigschwelliger und aufsuchender Art voll erreicht

werden. Die Dauer von drei Stunden war im Vorfeld

lange erwogen und erwies sich als richtige Balance

zwischen Zeit zum Gespräch und Erweckung eines

bleibenden Eindrucks und der Wahrung des Freiraums

Kneipe.

51


Parties: Orte schwuler Begegnung

Im Projektjahr 2013 fand dreimalig die Party „Euphoria“

(einmal im Anschluss an das CSD Straßenfest)

statt. Bei den Parties war das Präventionsteam in

unterschiedlichen Besetzungen vertreten und bot

Informationen sowie cruising-packs an. Genutzt wurde

dabei ein Tablet-PC mit dem Präventionsspiel „Wir

woll’n doch nur spielen“, welches von Herzenslust

NRW entwickelt und zur Verfügung gestellt wurde.

So konnten zahlreiche, besonders junge Menschen

personalkommunikativ erreicht werden.

queer life Festival

Die jährlich stattfindenden schwul-lesbischen Kulturtage

mit einer Vielzahl an Veranstaltungen wurden soweit

thematisch zusammenhängend besucht und zur

Kontaktaufnahme, Beratung und Prävention genutzt.

Szenerundgänge

Regelmäßig führte das Herzenslustteam Duisburg /

Kreis Wesel einen Rundgang durch die Duisburger

Szene durch. Ziel der Rundgänge war die

Kontaktpflege mit den Szenewirten, Verteilung von

Informationsmaterialien zu HIV und andere STIs in den

Lokalen sowie die Befüllung des Kondomautomaten.

Rastplätze

In regelmäßigen Abständen wurden Aktionen

auf Rastplätzen im Kreis Wesel durchgeführt, wo

Männer Sex mit Männern haben. Hier wurden

Informationsmaterialien und Kondompackungen auf

einem Informationsstand den Besuchern angeboten.

Da viele der dort verkehrenden Männer sich nicht

eindeutig als schwul oder bisexuell definieren, wurde

auf allgemeine Informationsbroschüren der DAH / BZgA

zurückgegriffen.

5.1.5 Projektkritik / Projektausblick

Das Projekt der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V.

setzte die strukturelle Prävention im Arbeitsbereich

homosexuelle und bisexuelle Männer sowie MSM auf

52

Zielgruppenspezifische Prävention


den unterschiedlichen Ebenen (landes-, regionaler- und

lokaler Ebene) um.

Die Arbeit konnte auf den jeweiligen Ebenen

mit verschiedenen Aspekten und Zielsetzungen

ausdifferenziert und mit angemessenen Methoden

verfolgt werden. Die im Projektantrag formulierten Ziele

wurden realisiert und innovative Aktionen / Projektideen

umgesetzt.

Mittels der Kampagne „Herzenslust“ konnte der

Projektnehmer ressourcenorientiert und zeitsparend

seine Projektziele umsetzen. Die Unterstützung und

Wirkung der Kampagne zeigte sich zum einen durch

die professionelle Öffentlichkeitsarbeit der AIDS-Hilfe

NRW (Homepage der Kampagne Herzenslust mit der

Verlinkung zu den regionalen Herzenslusthomepages,

Bewerbung der Kampagne durch schwule Medien) und

durch den fachlichen Austausch bei den landesweiten

Arbeitskreisen. Ebenso sind die zentral eingekauften

Give-aways für eine professionelle Außendarstellung in

der Vor-Ort-Arbeit unabkömmlich (z.B. Cruisingpacks in

einer Herzenslust-Umverpackung).

Um eine kontinuierliche und nachhaltige

Präventionsarbeit in dem Bereich homosexuelle und

bisexuelle Männer sowie MSM gewährleisten zu können,

müssen immer wieder neue Präventionsstrategien

entwickelt und umgesetzt werden, damit die

Präventionsbotschaften die Zielgruppe, welche sich

immer stärker ausdifferenziert, auf angepassten

und unterschiedlichen Wegen (Internet, Rastplätze,

Teilszenen innerhalb der Szene (Bspw. Fetische /

Kinks)) erreichen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das

auf der überregionalen Ebene entwickelte Pilotprojekt

„Community Building“, welches erfolgreich unter Mitarbeit

von Herzenslust Duisburg weiterentwickelt wurde und

hier ab 2014 als „WIRklich…“umgesetzt wird.

Die Teilnahme am Straßenfest band zeitliche

Ressourcen. Dank externen und internen Unterstützern

konnte das Fest umgesetzt werden, besonders ist hier

das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter zu

nennen.

Ein großer Dank gilt den ehrenamtlichen Mitarbeitern

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. (vor allem

die große Resonanz bei dem Straßenfest und die

kontinuierliche Begleitung von dem Projekt „Beratung

und Test“) ohne deren Engagement das Projekt

strukturelle HIV-/STI-Prävention für „homosexuelle und

bisexuelle Männer sowie MSM“ nicht in diesem Umfang

hätte realisiert werden können.

Weil Präventionsarbeit Spaß macht, kommen nicht nur

Jungen bald wieder!

Auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link zeigte sich interessiert

Herzenslust auf der Bühne

53


5.2 Drogen und Substitution

Im Arbeitsbereich Drogen haben wir im Jahr 2013 unsere

Angebote fortgeführt, aufgrund unseres Umzuges

jedoch zum Teil eingeschränkt. JES Duisburg boten wir

weiterhin für ihre Gruppentreffen unsere Räumlichkeiten

an und begleiteten und unterstützten sie, soweit es

unsere Ressourcen zu lassen. Wie schon im Vorjahr

haben wir mit JES Duisburg gemeinsam den nationalen

Gedenktag für verstorbene Drogenbraucherinnen und

Drogengebraucher erfolgreich geplant, vorbereitet und

durchgeführt.

Des Weiteren hat JES Duisburg ab dem Herbst an zwei

Tagen in der Woche das Streetwork aufgenommen mit

Care-Packs, die vom Land finanziert werden und Spritzen,

die die AIDS-Hilfe Duisburg aus Eigenmitteln finanziert.

Als Urlaubs- und Krankheitsvertretung hatte JES

Duisburg auch den Streetworktag des hauptamtlichen

Mitarbeiters übernommen.

Zusammen mit JES Duisburg hat der hauptamtliche Mitarbeiter

für den Drogenbereich am Westschienen-Treffen

von JES, welches in unseren Räumen stattfand und am

zweitägigen Gruppentreffen auf NRW-Landesebene in

Wuppertal teilgenommen. Hierdurch wird der partizipative

Ansatz der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel im

Bereich Drogen umgesetzt, da wir im direkten Austausch

mit der Zielgruppe sind.

Schwerpunktthemen der Treffen in 2013 waren „Behandlung

von Hepatitis C“ und „Ausweitung der Diamorphinvergabe“.

Im Bereich der Diamorphinvergabe sind in

Nordrhein-Westfalen leider noch keine Fortschritte zu

verzeichnen, weiterhin findet die Diamorphinvergabe nur

in den Städten Köln und Bonn statt, die an der Arzneimittelstudie

teilgenommen hatten.

Im Oktober fand unter der Schirmherrschaft von Barbara

Steffens, Ministerin für Emanzipation, Gesundheit, Pflege

und Alter in NRW der 10. Internationale Akzept-Kon-

54

Zielgruppenspezifische Prävention


gress in Bielefeld statt, an dem JES Duisburg und die

AIDS-Hilfe teilnahmen. Hier lag der Schwerpunkt darin,

dass die Prohibition größeren Schaden verursacht als

dass sie Nutzen für die Gesellschaft bringt und es wurde

aus anderen Ländern berichtet, die mutig Modelle zur

Legalisierung einzelner Substanzen umgesetzt und damit

gute Erfahrungen gemacht haben. In einzelnen Ländern,

auch in Südamerika zeichnet sich die Erkenntnis

ab, dass der sogenannte „Drogenkrieg“ zu sehr vielen

Todesopfern geführt hat, den Handel nicht ausbremsen

konnte und eher mafiöse Strukturen gefördert und unterstützt

hat. Interessant war es auch, im Drogenhilfezentrum

Bielefeld den Druckraum und das niedrigschwellige

Café zu besichtigen, da es Angebote dieser Art in Duisburg

leider nicht gibt.

Politisch fanden im Jahr 2012 sowohl auf Bundes- als

auch auf Landesebene Anhörungen zur Fortentwicklung

der Substitutionsbehandlung statt, da von Seiten

der Politik mittlerweile erkannt wurde, dass hier Modifizierungen

stattfinden müssen. Eine Forderung von der

Selbsthilfe und uns ist, bei stabil Substituierten das Substitut

für einen längeren Zeitraum (4 Wochen statt einer

Woche nach den derzeitigen Regeln) als take home zur

Verfügung zu stellen.

Weiterhin wurde die Substitution an Wochenenden und

Feiertagen in der AIDS-Hilfe durchgeführt, auch in unseren

neuen Räumlichkeiten konnte dies problemlos

erfolgen. Allerdings ist unser niedrigschwelliges Angebot

mit Kaffeeversorgung im Rahmen unseres Cafés eingeschränkt.

Von unserer Seite gibt es weiterhin kostenlosen

Kaffee, da aber von den substituierenden Ärzten ein

Rauchverbot durchgesetzt wurde, hat dieses die Atmosphäre

und Aufenthaltsdauer im Café verändert.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel nimmt weiterhin mit

den von ihr betreuten Spritzenautomaten am Projekt der

AIDS-Hilfe NRW e. V. teil. Die Standorte befinden sich in

Wesel und Duisburg. In Duisburg befindet sich der Spritzenautomat

an der AIDS-Hilfe, nach dem Umzug in die

neuen Räumlichkeiten auf der Bismarckstr. direkt im Eingangsbereich.

Für die Mitnahme des Automaten zu den

neuen Räumlichkeiten hat sich die Befürwortung des

Dezernenten für Gesundheit und Umwelt beim „Runden

Tisch Kantpark“ positiv ausgewirkt. So erhielten wir

mühelos die Genehmigung unseres Vermieters an der

neuen Örtlichkeit. Trotz Änderung des Standortes wird

der Spritzenautomat in Duisburg gut angenommen und

muss wöchentlich aufgefüllt werden. Der Spritzenautomat

in Wesel wird im zwei- bis dreiwöchigem Rhythmus

neu bestückt.

Weitere Spritzenautomaten wurden von uns im Jahr

2013 nicht betrieben.

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

@drugthive

Aufgrund des Umzuges der AIDS-Hilfe, der doch zeitlich

mehr Ressourcen als geplant in Anspruch genommen

hatte, wurden in diesem Projekt im Berichtsjahr keine

Aktionen durchgeführt.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2013 haben wir über das komplette Jahr

an allen Sams-, Sonn- und Feiertagen also insgesamt

118 Tagen die Vergabe von Methadon in der AIDS-Hilfe

in Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten

lag im Durchschnitt bei 92 Personen, wobei die geringste

Teilnehmerzahl 60 und die höchste Klientenzahl 115

betrug, die die Vergabe besuchten. Die Vergabezeit

beträgt 1,5 Stunden. Seit August haben wir unsere Ressourcen

von ehrenamtlichen Kräften auf Honorarkräfte

umstellen müssen, da wir für dieses Angebot leider

nicht mehr genügend ehrenamtliche Kräfte akquirieren

konnten. Zur Vergabe entsenden insgesamt sieben Ärzte

ihre Patienten, die Vergabe in der AIDS-Hilfe führen fünf

Ärzte durch.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten und unseren

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen (bis Juli) und den Honorarkräften

(ab August), den Apotheken und der Polizei

verlief weiterhin reibungslos. An dieser Stelle einen

Dank an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen für ihr

Engagement und ihre Mithilfe.

Weiterhin wird bei jeder Vergabe den Substituierten

Kaffee angeboten. Das Frühstück am letzten Sonntag

im Monat musste aufgrund von Erkrankung im ehrenamtlichen

Bereich zunächst ausfallen und ist zum Jah-

55


esende wieder aufgenommen worden. Wie oben schon

beschrieben, ist durch das Rauchverbot das Angebot

hochschwelliger geworden und die Gelegenheit, sich

über Sorgen und Nöte auszutauschen, wird weniger

genutzt.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter

(PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an

AIDS erkrankten Substituierten ist ein weiterer Bestandteil

der Drogenarbeit innerhalb der AIDS-Hilfe.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der

Klienten, die in ihrer Lebenssituation gestärkt und unterstützt

werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt dabei im

Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klienten. Das

bedeutet in erster Linie, dass das subjektive Wohlbefinden

der jeweiligen Person und die Lebensverhältnisse

verbessert werden sollen. Entsprechend dieser Zielsetzung

steht bei einigen Substituierten die Verbesserung

des Gesundheitsstatus im Mittelpunkt, während bei anderen

die Sicherung der materiellen Grundversorgung

oder der Aufbau sozialer Netze im Vordergrund stehen

kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir

in eine Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um

wenige Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte zu den

substituierenden Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel

problemlos. Des Weiteren stellen wir den Kontakt zu

dem HIV-Schwerpunkt-Arzt oder den Ambulanzen her

und unterstützen die DrogengebraucherInnen, die zum

Teil starke Berührungsängste mit Ärzten dieser Fachrichtung

haben, sich in eine adäquate Behandlung zu

begeben. Teilweise ist es jedoch schwierig, neue Klienten

in ein relativ schematisches Korsett zu bringen, welches

für eine HIV Behandlung notwendig ist (regelmäßige

Überwachung der HIV/AIDS-Parameter, regelmäßige

Tabletteneinnahme, Compliance/Adhärenz). Allerdings

haben Kohortenstudien festgestellt, dass die Compliance

bei Drogenbrauchern im Vergleich mit heterosexuell

Infizierten nicht schlechter ist und sogar besser als bei

Menschen mit Migrationshintergrund.

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen

der Begleiteten zu wecken. Durch die eigene Bewältigung

von Problemen und Aufgaben erfahren sie eine

Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten DrogengebraucherInnen

Im Berichtsjahr führten wir das Streetwork auf der „Platte“

mit Ausnahme von Urlaub und Krankheit wöchentlich

durch, wobei es sich hierbei um das einzige derartige

Angebot in Duisburg handelt. Neben einer kleinen Szene

auf der Königstraße trifft sich der größte Teil der drogengebrauchenden

Menschen im Kantpark.

Beim Streetwork werden Spritzen, Kondome und Care

Sets verteilt, Fragen zu HIV/AIDS und Hepatitiden

beantwortet. Zum Thema Hepatitis C werden fast wöchentlich

Fragen gestellt, denn auch in der Szene hat

sich herumgesprochen, dass es in naher Zukunft eine

interferonfreie Behandlung geben wird. JES Duisburg

hat montags und freitags und ztw. mittwochs als Vertretung

das Streetwork übernommen. Die Gruppe besteht

aus zwei Männern und einer Frau. Die JES-Gruppe traf

sich im Verlauf des Jahres 2012 teilweise regelmäßig,

aber zeitweilig auch nur spontan. JES Duisburg nahm

an den Westschienentreffen und dem zweitägigen Austauschtreffen

in Wuppertal teil und besuchte den Akzept

Kongress in Bielefeld. Zum Gedenktag für verstorbene

DorgengebraucherInnen wurde eine erfolgreiche

gemeinsame Aktion mit der AIDS-Hilfe durchgeführt

(siehe unten). JES Duisburg stand in Verbindung mit

der Selbsthilfe-Kontaktstelle und war auf einigen Wochemärkten

mit einem Infostand vertreten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Hepatitis–C-Beratung,

da in den meisten Fällen bisher die Hepatitis-Behandlung

bei DrogengebraucherInnen nicht

durchgeführt wurde und die Behandlung auch bei den

Betroffenen große Ängste auslöst. Im Krankheitsbild Hepatitis

C gilt es für die Mitarbeiter, sich auf dem aktuellen

Wissensstand zu halten, da in diesem Bereich vieles in

der Pipeline ist und von den HCV-Infizierten auch erfragt

wird.

56

Zielgruppenspezifische Prävention


Ein Teil des Streetworks beinhaltet sekundärpräventive

Arbeit, da auf der Platte auch einige HIV-infizierte Drogengebraucher

bzw. Subsituierte erreicht werden, die

ansonsten die AIDS-Hilfe selten aufsuchen.

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. gedenkt in

Kooperation mit JES Duisburg anlässlich des 21. Juli

– dem nationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucherinnen

und Drogengebraucher – der

in Duisburg im Jahr 2012 an Drogen Verstorbenen

und setzen sich für eine bessere Gesundheitsversorgung

in Haft ein.

Erfreulicherweise sank die Zahl der verstorbenen DrogengebraucherInnen

im Jahr 2012 landes- und bundesweit,

auch in Duisburg verringerte sich die Zahl der

verstorbenen DrogengebraucherInnen auf 5.

Drogentote 2010-2012

Das Frühstück für DrogengebraucherInnen und Interessierte

fand in der AIDS-Hilfe im Berichtsjahr umzugsbedingt

nur im September und Oktober statt. Falls der

letzte Freitag im Monat der Zahltag ist, wird dieses Frühstück

einen Freitag früher durchgeführt. Das Frühstück

wird überwiegend von zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern

vorbereitet und mit Lebensmittelspenden vom Verein

„Bürger für Bürger“ unterstützt. Hierfür sagen wir recht

herzlichen Dank. Das Frühstücksangebot wurde unterschiedlich

frequentiert. Nach dem Umzug und dem längeren

Ausfall des Frühstücks muss dieses Angebot erst

wieder bekannt gemacht werden.

Dies ist bundesweit der niedrigste Stand seit 1988. Dennoch

gilt es, die Lebensumstände der drogengebrauchenden

Menschen zu verbessern.

Der Gedenktag steht unter der Schirmherrschaft von Dr.

Joe Bausch, Schauspieler und Anstaltsarzt in der Justizvollzugsanstalt

Werl und hat die Gesundheitsversorgung

in Haft im Focus.

Der Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende

Drogenarbeit e. V., der Landesverband der

Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen“

am 21. Juli

Unsere Presseerklärung in diesem Jahr lautete wie folgt:

Gesundheitsversorgung in Haft – Gefangene haben

das Recht auf bestmögliche Gesundheitsversorgung

Drogenarbeit NRW e. V.. der JES Bundesverband e. V.

(Junkies – Ehemalige – Substituierte), der Landesverband

JES NRW e. V.. die DAH Deutsche AIDS-Hilfe e.

V., die DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin e.

V. und akzept e. V. – Bundesverband für akzeptierende

Drogenarbeit und humane Drogenpolitik fordern für Haftanstalten,

im Polizeigewahrsam und im Maßregelvollzug

folgende Mindeststandards:

57


1. Eine in Freiheit begonnene medizinische Behandlung

(Substitution u. a.) muss übergangslos

fortgeführt werden.

2. Heroinkonsumenten müssen (ggf. im Vollzugskrankenhaus)

Zugang zu allen aktuell zur Substitutionstherapie

zugelassenen Medikamenten

wie z. B. Methadon, Buprenorphin, Diamorphin

erhalten.

3. Drogenkonsumenten müssen anonymen Zugang

zu sterilem Drogenkonsumzubehör wie z.

B. Spritzen, Nadeln, Filtern sowie Kondomen

erhalten.

4. Maßnahmen der Behandlung und Prävention

wie z. B. HIV-Test, Hepatitis A/B Impfung müssen

angeboten werden und dürfen nur auf freiwilliger

Basis erfolgen

5. Im Strafvollzug tätige Mediziner müssen im Besitz

der Fachkunde „suchtmedizinische Grundversorgung“

sein.

6. In Haft durchgeführte antiretrovirale Therapien

(z. B. HIV und Hepatitis C) müssen dem aktuellen

Stand der Wissenschaft entsprechen

7. Der zusätzliche Konsum nicht ärztlich verschriebener

Substanzen ist ein Symptom der Abhängigkeitserkrankung

vieler Inhaftierter. Er darf

keine Disziplinarmaßnahmen nach sich ziehen

8. Auf Wunsch des Inhaftierten muss zur Entlassungsvorbereitung

eine Substitutionsbehandlung

aufgenommen werden.

Diesem Forderungskatalog schließen sich die AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e. V. und JES Duisburg in vollem

Umfang an.

Ein Viertel der in Deutschland Inhaftierten konsumiert

illegale Substanzen und wurde wegen Vergehen gegen

das Betäubungsmittelgesetz verurteilt. „In den Gefängnissen

teilen sich teilweise bis zu dreißig Personen eine

Spritze“, führt Ralf Runniger, Mitarbeiter der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e. V. für den Drogenbereich aus. „

Dies sind unhaltbare Zustände und wer ohne Infektion

in den Knast gelangt ist, setzt sich einem großen Risiko

aus, sich mit dem HIV- oder Hepatitis C-Virus zu infizieren“,

fährt Ralf Runniger weiter fort.

Auch in Duisburg will die Stadt keine kostenlosen Spritzen

für das Streetwork mehr bereitstellen. „Wir wollen

hoffen, dass sich hier nicht griechische Verhältnisse

auftun“, sagt Deniz Zentner von JES Duisburg. „In Griechenland

haben sich die HIV-Infektionsraten bei i. V.

Drogenkosumenten um 40 v. H. erhöht“, ergänzt Marco

Stegmann, ebenfalls JES Duisburg.

Weiterhin gibt es für die drogengebrauchenden Menschen

in Duisburg keine Möglichkeit einer niedrigschwelligen

Anlaufstelle. Diese könnte - bei Bereitstellung von

Räumlichkeiten - in Selbsthilfe von JES geführt betrieben

werden.

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. und JES

Duisburg führen am 20.7.von 11 bis 16 Uhr auf der Königstraße

gegenüber dem Eingang vom Forum einen

Infostand durch. Hier wird der fünf verstorbenen DrogenbraucherInnen

des letzten Jahres mit Kreuzen und

Kerzen gedacht.

Gleichzeitig unterstützen wir die bundesweite Aktion der

weltweiten Aktion „Support, don´t punish (unterstützen

nicht bestrafen). Hierbei handelt es sich um eine Kampagne

zur Erhöhung der Sensibilität für Schäden, die

durch die Kriminalisierung von DrogengebraucherInnen

entstehen. An unserem Infostand kann man sich mit

dem Logo der Kampagne fotografieren lassen und somit

die Kampagne unterstützen. Die Fotos werden zentral

gesammelt und an die weltweite Kampagne weitergeleitet.

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. und JES Duisburg

laden zu Ihrem Infostand ein. Bitte beteiligen Sie

sich an der o. a. Aktion bzw. informieren sich zu den Bedingungen

in Haft, hier haben wir am Stand Personen,

die über die Situation in Haft berichten können. Diskutieren

Sie mit uns.

58

Zielgruppenspezifische Prävention


Da der 21.07 auf einen Sonntag fiel, führten wir unseren

Infostand mit Aktion mit drei JESlern am Samstag dem,

20.07. durch.

Es gab einen Infostand direkt vor dem Haupteingang

des größten Duisburger Einkaufszentrums Forum. Wir

stellten fünf Kreuze für die im Jahr 2012 verstorbenen

DrogengebraucherInnen auf. Es wurden weiße Rosen

an die Passantinnen und Passanten verteilt und gleichzeitig

ein Folder überreicht. In diesem Folder befanden

sich die Presseerklärung der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e. V., die Presseerklärung der akzeptierenden

Eltern, ein Aufruf zur Unterstützung der Aktion „Support,

don´t punish“, der bundesweite JES-Flyer und Infos zur

JES-Gruppe in Duisburg.

Durch die gemeinsame Aktion wurde 220 Passanten

erreicht und es fand ein Austausch über die richtigen

Wege der Drogenpolitik statt. Des Weiteren war es eine

gute Möglichkeit für JES, auf ihre Arbeit aufmerksam zu

machen.

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch den

hauptamtlichen Mitarbeiter für den vorgenannten Bereich

in dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel

der substituierenden Ärzte) und an der PSAG Basisarbeitsgruppe

„Suchtkrankenhilfe“ vertreten.

Am 20.6. organisierten wir mit Unterstützung der forschenden

Pharma-Industrie für den Arbeitskreis Suchtmedizin

in unseren Räumen eine Infoveranstaltung zum

Thema Hepatitis C. „HCV-Therapie: Gestern – Heute

– Morgen“ lautete der Titel des Fachgesprächs und wir

freuten uns, mit Herrn PD Dr. ochum von der Universitätsklinik

Essen einen in diesem Bereich erfahrenen

Referenten gewinnen zu können. Die Veranstaltung kam

bei den substituierenden Ärzten und Kooperationspartnern

gut an, da hier doch viele neue Informationen vermittelt

wurden.

5.2.6 Teilnahme an JES-Mitgliederversammlung

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist Mitglied im

Landesverband JES NRW e. V. und ist dort auf der Mitgliederversammlung

durch den hauptamtlichen Mitarbeiter

vertreten gewesen.

Das WDR Fernsehen „Lokalzeit Duisburg“ war vor Ort

und im Nachgang waren wir im Studio 47 eingeladen.

Die Aktion „Support, don´t punish“ ließ sich bei uns leider

nicht umsetzen. Hierbei sollten sich Menschen mit

dem Schild „Support, don´t punish“ fotografieren lassen

und somit ihre Solidarität kund tun. Wir waren jedoch

schon froh, mit Hilfe der zu verschenkenden Rosen mit

den Besuchern der Stadt Kontakt aufnehmen zu können

und unsere Arbeit und den Anlass unseres Infostandeshinweisen

zu können.

Ralf Runniger (AIDS-Hilfe), Petra, Marco u. Deniz von JES

von links nach rechts

59


weise weiterhin über das Justizministerium NRW zum

Teil refinanziert. Wir sehen dies als ein Zeichen, dass

unser Ansatz über die Region Duisburg hinaus anerkannt

und gewürdigt wird. Ausdruck dessen ist sicherlich

auch die Aufführung unserer (Modell-) Projektarbeit als

„best practice“-Beispiel im Forumsband der Deutschen

AIDS-Hilfe, Modelle guter Praxis, s. Abbildung.

5.3 HIV und Strafvollzug

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ wurde auch 2013 durch die

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. auf der lokalen und

landesweiten Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten

Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in Vernetzung

und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich „HIV

und Strafvollzug“ tätig sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis

Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.).

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten,

dem offenen Vollzug sowie

den Gerichten und Staatsanwaltschaften der Region

kooperiert, um die Präventionsarbeit für Bedienstete

und Inhaftierte im Bereich Strafvollzug zu platzieren.

Ziel war die Wissensvermittlung von Übertragungswegen

und Schutzmöglichkeiten im Themenfeld STI´s, vor

allem im Hinblick auf HIV und die Hepatitiden. Weitere

Arbeitsschwerpunkte waren die Begleitung HIV-positiver

Inhaftierter sowie die Einzelberatung von Inhaftierten im

Rahmen von Sprechstunden.

5.3.1 Einführung

Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten wurde,

den Gegebenheiten des Vollzugsalltages angepasst,

umgesetzt. Hierbei ist eine beständige und regelmäßige

Arbeit unabdingbar, da der Vollzug eher durch einen

strukturierten Alltag und durch ein hohes Maß an Regelmäßigkeit

geprägt ist.

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicher

5.3.2 Überregionale Aktivitäten

Teilnahme an Arbeitskreisen

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem

Landesarbeitskreis „Drogen und Haft“ der AIDS-Hilfe

NRW e.V. teilgenommen. Durch den regelmäßig

stattfindenden fachlichen Austausch wurde die Arbeit

kontinuierlich modifiziert, einheitliche Standards erarbeitet

und somit die lokale Arbeit weiter professionalisiert.

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der landesweiten

Vernetzung an verschiedenen Arbeitskreisen

und Tagungen teil.

Seit mehreren Jahren ist der hauptamtliche Mitarbeiter

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Sprecher des

Landesarbeitskreises Drogen und Haft. Mit dieser Tätigkeit

ist ein erhöhter zeitlicher Aufwand verbunden, da die

Funktion des Sprechers unter anderem die regelmäßige

Absprache mit der zuständigen

Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle zu Themenschwerpunkten

für Landesarbeitskreise „Drogen

und Haft“ sowie die Vertretung bei landesweiten Gremien

beinhaltet.

Informationsveranstaltungen

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe NRW e.V. war der Mitarbeiter

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. mit

einem Informationsstand beim Gesundheitstag der Justizvollzugsakademie

in Recklinghausen vertreten. Neben

aktuellen Informationsbroschüren für Menschen in Haft

konnten Interessenten an Hand von sterilen Spritzen

sowie Safer Use-Utensilien Risikosituationen bezüglich

einer Infektion mit HIV sowie Hepatitiden anschaulich erklärt

bekommen. Des Weiteren wurden Lösungswege zu

einem risikominimierenden Umgang aufgezeigt.

Teilnahme an Fachtagungen

Der zuständige Mitarbeiter war bei der Fachtagung

60

Zielgruppenspezifische Prävention


„Spritzenvergabe in Haft“ der Deutschen AIDS-Hilfe in

Berlin am 10.12.2013 vertreten. Ziel der Fachtagung

war der Austausch von Mitarbeitern unterschiedlichster

Fachrichtungen (Medizin, Wissenschaft, Politik, Gesundheitswesen)

zu den Möglichkeiten, Spritzenaustausch-Programme

in Haft zu installieren. Hierzu wurden

unter anderem Spritzenaustauschprojekte aus Spanien

sowie das einzige Projekt in Deutschland (Frauenhaftanstalt

Berlin-Lichtenberg) vorgestellt.

Die Mogelpackung

Dazu hat der Projektnehmer der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. (Rüdiger Wächter) die Idee einer „Mogelpackung“

entwickelt, die auf großes, bundesweites

Interesse stieß.

Um den politischen und gesellschaftlichen Diskurs zum

Themenfeld „Spritzenvergabe im Strafvollzug“ zu intensivieren

und dabei an die „Rechte-Forderung“ der WHO

zu erinnern, die von der Deutschen AIDS-Hilfe sehr

schön aufgegriffen wurde mit dem provokanten Claim:

„Menschenrechte gehören hinter Gittern!“

In Kooperation mit der Deutschen AIDS-Hilfe hat die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. eine Faltschachtel

mit Beipackzettel konzipiert, entwickelt und umgesetzt.

Sowohl auf der Schachtel als auch im Beipackzettel wird

einerseits darauf hingewiesen, dass in den meisten Haftanstalten

keine sterilen Spritzen an Inhaftierte vergeben

werden (politische Forderung) und andererseits werden

Möglichkeiten der Infektionsvermeidung aufgezeigt

(Prävention). Daher ist die Mogelpackung sowohl für die

politische Arbeit als auch für die zielgruppenspezifische

Prävention geeignet. Die Mogelpackung ist über die Bestellliste

der Deutsche AIDS-Hilfe kostenlos zu erwerben

oder kann in unserem Büro begutachtet werden.

61


7. Konferenz zur Gesundheitsförderung in Haft / Bonn

2014

Der Zuständige Mitarbeiter hat ein Abstract bei der

Konferenzleitung eingereicht, welches in Form eines

Workshopbeitrages angenommen wurde. So wird der

Mitarbeiter das Pilotprojekt der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. ( Männergesundheit in Haft: „Gesunder

Körper, gesunde Seele“) einem breiten Fachpublikum

vorstellen können.

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen

in Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt Duisburg-Hamborn

sowie deren Zweiganstalt in Dinslaken.

Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

- Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld

HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten

- Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver

Inhaftierter

- Einzelberatung von Inhaftierten

- Mitarbeiterschulungen

- Verschiedene Veranstaltungen

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind

das gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien

beim i.v. Drogenkonsum, sexuelle Kontakte und Tätowieren

/ Piercen. Daher hat die Präventionsarbeit der

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. eine starke Fokussierung

auf diese Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer

Forschungsergebnisse:

Drogenkonsum

I.v. Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen

zwar weniger verbreitet als außerhalb, aber die Inhaftierten,

die ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun dies unter

hoch riskanten Bedingungen und in der Regel in Form

eines gemeinsamen Gebrauches von Spritzen, Nadeln

und Spritzutensilien. Wedershoven (s. Wedershoven C.

Katamnese der HIV-Infektion bei drogenabhängigen

und nicht-drogenabhängigen Inhaftierten im Vergleich

im Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen. 1998)

bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle

der von ihr untersuchten Gefangenen darstellt.

Knapp fand, dass bei den von ihm befragten Inhaftierten

positiven Strafgefangenen bis zu neun Personen eine

Spritze zusammen benutzten (s. Knapp R., AIDS im

62

Zielgruppenspezifische Prävention


Strafvollzug. Zur Situation HIV-Infizierter und AIDS-Kranker

Strafgefangener unter besonderer Berücksichtigung

der Problematik intramuralen Drogenkonsums: Ergebnisse

einer empirischen Erhebung und rechtliche Konsequenzen.

Bonn (Unveröff. Diss.) 1996).

Sexuelle Beziehungen

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie

der illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung von

gleichgeschlechtlicher Sexualität ist jedoch so gut wie

unmöglich. Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten

heterosexuelle Kontakte im Rahmen der Besuchszeit

von (Ehe-) PartnerInnen (z.B. JVA Werl, JVA

für Frauen Vechta) oder bei Haftlockerungen der Inhaftierten

sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von

Sexualität als Teil der Strafe angesehen wird. Dies wird

nicht zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen.

Der Drang nach sexuellen Handlungen führt zu einer

Abspaltung der Sexualität von der allgemeinen sozialen

Haltung der Inhaftierten. Es werden gleichgeschlechtliche

Handlungen praktiziert, die konträr zur Haltung und

allgemeinen Aussage der Inhaftierten stehen. Durch

diese abgetrennte, nicht akzeptierte Sexualität wird teilweise

bzw. vollständig auf Kondomgebrauch verzichtet.

Die Prävention steht hier vor einem Dilemma. Der Thematisierung

von gleichgeschlechtlicher Sexualität in Präventionsveranstaltungen

wird mit Ablehnung begegnet.

Um Inhaftierten die Möglichkeit eines Beratungsgespräches

zu ermöglichen, wo Fragen zu Übertragungswegen

vertrauensvoll beantwortet werden, bietet die AIDS-Hilfe

daher seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-Sprechstunde in

den Haftanstalten Hamborn und Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler

Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit

für Hepatitis C und, in geringerem Ausmaß, von HIV.

Leider wurden bis dato keine Studien in Haftanstalten

durchgeführt, um hier eine Aussage in Richtung Risiko,

Gebrauch und Infektionszahlen von Inhaftierten über

Tätowieren und Piercen zu treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden

Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit

und bietet den Rahmenbedingungen entsprechende

Lösungsansätze an.

Darüber hinaus hat der Projektnehmer die Idee entwickelt,

durch eine Plakataktion bundesweit öffentlichkeitswirksam

auf das Thema „Sexualität in Haft“ hinzuweisen.

Diese Idee wurde von der Deutschen AIDS-Hilfe aufgegriffen

und umgesetzt.

63


5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen

in den Justizvollzugsanstalten

durchgeführt. Neben den Übertragungswegen von HIV

und Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten

und mögliche Schutzmaßnahmen angesprochen

(Desinfektion von gebrauchten Spritzen, Förderung des

„Blutbewusstseins“, Vorgehen bei Nadelstichverletzungen

und Safer-Sex-Praktiken {bei Männern, die Sex mit

Männern haben sowie Frauen, die Sex mit Frauen haben}).

5.3.4.2 Begleitung

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten Frauen

und Männern die Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel

alle zwei Wochen) mit einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. zu sprechen. Hier werden folgende

Aspekte erörtert: Bedarf des Inhaftierten, Stadium

der HIV-Infektion, medizinische Behandlung sowie die

Angebote der AIDS-Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung,

Resozialisierung nach der Haftentlassung etc.).

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde

Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-Hamborn

bietet die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. seit 2006

in der Zweiganstalt Dinslaken eine HIV- und Hepatitissprechstunde

an und seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn.

Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten

Rahmen Fragen an den Mitarbeiter der AIDS-Hilfe stellen

zu können, die bei einer Informationsveranstaltung

im größeren Rahmen durch Scham, gesellschaftliche

Tabuisierung bzw. Sanktionsgefahr von Seiten der Anstalten

nicht thematisiert werden (Needlesharing [das

gemeinsame Benutzen von Spritzen], Drogenkonsum,

Mann-Männliche Sexualität sowie die Thematik „Frauen,

die Sex mit Frauen haben“). Die Sprechstunde wird

durch Plakate und den Ausschreibungsflyer beworben

und Interessierte können sich durch einen Antrag an den

Sozialdienst für die Sprechstunde anmelden.

Abb.: Außenansicht des Ausschreibungsflyers

64

Zielgruppenspezifische Prävention


5.3.4.4 Mitarbeiterschulung

Durch den Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI-

Präventionsarbeit im Strafvollzug“ werden für die Bediensteten

der Justizvollzugsanstalten, den Gerichten

sowie den Staatsanwaltschaften Informationsveranstaltungen

angeboten (siehe hierzu: Infektionsschutz

„Gemeinsamer Runderlass des Ministeriums für Inneres

und Justiz (4550 – IV B. 65) und des Ministeriums für

Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit (V A 4 –

0392.3)“). Inhalte der Veranstaltungen sind vornehmlich

die Einhaltung der Hygienestandards, Vorgehen nach

einer Nadelstichverletzung und die Wissensvermittlung

von Übertragungswegen, Behandlungsmöglichkeiten in

Bezug auf HIV und Hepatitiden und darüber hinaus die

Impfmöglichkeiten bei einigen Hepatitiden.

Neben diesen Veranstaltungen wurde 2013 eine Tagesveranstaltung

für JustizvollzugsanwärterInnen in den

Räumlichkeiten der AIDS-Hilfe durchgeführt. Im ersten

Teil der Veranstaltung wurden die Übertragungswege,

Schutzmöglichkeiten und Behandlungsmöglichkeiten

von HIV und Hepatitiden vermittelt. Im zweiten Teil konnten

die AnwärterInnen einen Ex-Inhaftierten HIV-positiven

Menschen zu Aspekten rund um HIV in Haft gleichsam

aus der Innenansicht befragen.

5.3.4.5 Veranstaltungen

Der hauptamtliche Mitarbeiter war bei mehreren Veranstaltungen

in den Justizvollzugsanstalten präsent,

um als Ansprechpartner bekannt zu werden. Darüber

hinaus wurden medienwirksame Veranstaltungen selbst

organisiert, um das Thema „HIV und Strafvollzug“ in die

JVA-Öffentlichkeit zu transportieren.

Zu diesen Veranstaltungen zählte unter anderem die

Teilnahme am Sommerfest der Frauenhaftanstalt Dinslaken.

5.3.4.6 Frauengruppe

In der Haftanstalt Dinslaken wurde ein neues Angebot

eingerichtet. Dabei können interessierte Frauen alle zwei

Wochen bei Kaffee und Plätzchen in einer ungezwungenen

Atmosphäre mit dem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe

über relevante Themen ihrer (sexuellen) Gesundheit

sprechen.

5.3.5 Resümee

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ kann auf ein erfolgreiches

Jahr zurückschauen. Die Kooperation mit den Anstalten

ist konstant, kontinuierlich und produktiv. Die Angebote

der AIDS-Hilfe wurden sehr gut angenommen.

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten

konnte eine regelmäßige und kontinuierliche

Arbeit sichergestellt werden.

Abb.: Innenansicht des Ausschreibungsflyers

65


5.4. Frauen und HIV / AIDS – Prävention bei Frauen in

besonderen Lebenslagen

XXelle Standort Duisburg/Kreis Wesel

Für das Berichtsjahr 2013 können wir konstatieren,

dass die Arbeit im Bereich Frauen und HIV/AIDS sowie

für Frauen in STI relevanten Lebenslagen mit Hilfe der

Bereitstellung der Fördermittel für die zielgruppenspezifische

Prävention (ZSP) des Landes NRW und der kommunalen

Projektfördermittel umgesetzt werden konnte

und mittlerweile fester Bestandteil unserer Angebote ist.

Dies gilt insbesondere für den Bereich der psychosozialen

Begleitung von Frauen mit HIV und AIDS aus

unserer Region Duisburg / Kreis Wesel mit ca.1 Mio.

Einwohnern.

Im Jahre 2013 konnten die angestrebten Projektziele

aufgrund einer kontinuierlichen Besetzung dieses Arbeitsbereiches

durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin,

erreicht und in dem Maße umgesetzt werden, wie diese

geplant wurden.

Beratung und Begleitung von Frauen mit HIV und AIDS

ist anders, denn nicht selten tragen Frauen nicht nur

Verantwortung für sich selbst, sondern zudem noch für

Kinder und andere Familienmitglieder, was die Intensität

der psychosozialen Begleitungsarbeit deutlich erhö

hen kann. Umso mehr ist die Besetzung der für unsere

Region einzigen auf HIV spezialisierten strukturellen

Präventionsstelle mit einer qualifizierten hauptamtlichen

Projektnehmerin unerlässlich.

Die Projektinhalte umfassen Beratung / Begleitung von

Frauen mit HIV/ Aids, die Gestaltung bedarfsgerechter

Versorgungsstrukturen, den Abbau von gesellschaftlichen

Diskriminierungen und die Primärprävention bei

spezifischen Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.

Besonders im Jahr 2013 wurde deutlich, dass für eine

erfolgreiche Arbeit auf den unterschiedlichen Ebenen

die Vernetzung ein wesentlicher Bestandteil ist. Vernetzungen

fanden auf der überregionalen Ebene mit den

benachbarten AIDS-Hilfen Dortmund, Essen, Oberhausen,

Bochum und Unna sowie auf landesweiter Ebene

innerhalb der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und

AIDS und auf lokaler Ebene insbesondere mit dem Gesundheitsamt

Duisburg und dem FB Gesundheitswesen

des Kreises Wesel statt.

So konnten vorhandene personelle Ressourcen gebün-

66

Zielgruppenspezifische Prävention


delt werden, was eine effiziente Planung und Durchführung

der Projekte gewährleistete. Darüber hinaus ist die

Auseinandersetzung auf der kollegialen - ebenso wie die

auf der Selbsthilfeebene - unverzichtbar, um das Projekt

adäquat weiterzuentwickeln.

Das Projekt XXelle in Duisburg und dem Kreis Wesel

wurde auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt, der

landesweiten, ruhrgebietsweiten und der kommunalen

Ebene.

Projektziele

Auf der landesweiten Ebene bestanden die Ziele 2013

darin, durch die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft

„Frauen und Aids“ den fachlichen

Austausch fortzuführen und die Marke XXelle weiter politisch

zu positionieren.

Durch die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Fachfrauen

auf der Landesebene entwickeln sich neue Projektideen,

die sich auf der lokalen und regionalen Ebene

umsetzen lassen. So konnten gemeinsame Veranstaltungen

geplant und durchgeführt werden.

In Dortmund fand zum dritten Mal die XXelle Live Fachtagung

statt. Mehr als 50 Frauen und einige interessierte

Männer besuchten die Workshops zu HIV und Partner

schaft, strafrechtliche Aspekte von HIV und Sex, Bilder

und Haltungen innerhalb der Beratungsarbeit, Selbsthilfe

und Professionalität sowie die Rolle der Frauen in den

Aidshilfen. Darüber hinaus bietet diese Fachtagung eine

wichtige Informations- und Austauschmöglichkeit für

XXelle Plus, Positive Aktivistinnen in NRW.

XXelle Live Fachtagung Frauen und HIV 2013

67


Auf der Hebammen - Fachtagung in Mühlheim an der

Ruhr waren auch in diesem Jahr wieder die XXelle

Frauen und HIV / Aids in NRW vertreten. Hier wurden

Informationen zum aktuellen Wissenstand mit Akteurinnen

des Gesundheitswesens an einem Infostand

ausgetauscht. Diese Fachtagung dient insbesondere der

Auseinandersetzung mit dem Themen: HIV und Kinderwunsch

/ Schwangerschaft / „natürliche“ Geburt und ist

für die Gewinnung von Multiplikatorinnen von Bedeutung.

Aus dem gesamten Bundesland waren ca. 800

Hebammen vertreten.

XXelle Ruhrgebiet

So konnte zum nunmehr zehnten Mal in Folge ein Vernetzungstreffen

für Frauen mit HIV / Aids aus dem Ruhrgebiet

angeboten werden.

Für die teilnehmenden Frauen stellt dieses Angebot eine

wichtige, weil oftmals einzige Möglichkeit dar, Erfahrungen

mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Die Schaffung dieser Plattform in einem geschützten

Rahmen hat einen hohen Stellenwert, da in den jeweiligen

AIDS-Hilfen das Angebot für HIV-positive Frauen

aus der Angst heraus, unwillentlich als HIV-positiv erkannt

zu werden, nur partiell genutzt wird.

Hebammen – Fachtagung 16. Oktober 2013

Die kontinuierliche Beteiligung der Projektnehmerin an

der „Arbeitsgemeinschaft Öffentlichkeitsarbeit“ der LAG

konnte in diesem Jahr sichergestellt werden.

Die Nutzung neuer Medien zur Vernetzung und die Implementierung

in den entsprechenden Arbeitsbereichen

war ein wesentlicher Bestandteil der regelmäßig stattfindenden

Arbeitstreffen.

Auf der ruhrgebietsweiten Ebene konnte die sehr gute

Zusammenarbeit der Ruhrgebiets-Aidshilfen Dortmund,

Bochum, Essen und Duisburg /Kreis Wesel weiter fortgeführt

werden. Durch die vorhandenen Vernetzungsstrukturen

konnten im Jahr 2013 gemeinsame Aktionen

geplant und durchgeführt werden. Hierbei handelte es

sich sowohl um Angebote für Klientinnen als auch um

öffentlichkeitswirksame Aktionen. Es fanden regelmäßige

Arbeitstreffen statt. Darüber hinaus erfolgten weitere

Vernetzungstreffen des Runden Tisches Ruhrgebiet an

dem alle Ruhrgebiets –Aidshilfen und andere Träger mit

XXelle-Standorten teilnehmen.

In Zusammenarbeit mit den AIDS-Hilfen Dortmund, Bochum,

Essen und Duisburg / Kreis Wesel wurde dieses

Angebot koordiniert, organisiert und umgesetzt. Neben

der Erfahrung, aus der durch die Infektion oft hervorgerufenen

sozialen Isolation ausbrechen zu können,

konnten die teilnehmenden Frauen vor allem Strategien

der individuellen Gesundheitsförderung und Alltagsgestaltung

erlangen.

Das mitlerweile10. Frauenvernetzungstreffen an dem

u.a. die Möglichkeit geboten wurde, sich professionell

an Tanz- und Bewegungsübungen sowie Massagen und

Gesprächen zu beteiligen, wurde auch in diesem Jahr

von zahlreichen Frauen mi HIV /Aids und ihren Kindern

genutzt.

Insbesondere diese Veranstaltung hat gezeigt, wie effektiv

die Vernetzung von XXelle Ruhrgebiet ist. Durch die

Bündelung von personellen und finanziellen Ressourcen

konnten die geplanten Ziele umgesetzt werden.

Bei einzelnen der zum Teil geplanten oder beabsichtigten

Veranstaltungen auf Ruhrgebietsebene konnte die

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel wegen Umzug im

Frühjahr nicht im angedachten Umfang mitwirken, z.B.

68

Zielgruppenspezifische Prävention


Veranstaltungen zum internationalen Frauentag. Es wurden

jedoch Kontakte zu lokalen Akteurinnen innerhalb

der frauenspezifischen Arbeit, z.B. Frauengleichstellung,

Frauennetzwerk Agenda 21, hergestellt.

Im Jahr 2013 konnten neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen

innerhalb der Ruhrgebietsvernetzung fachlich

geschult und für verschiedene Aufgabenbereiche eingesetzt

werden.

Auf der lokalen Ebene konnte die bestehende HIV-positive

Frauengruppe stabil fortgeführt werden.

Die Frauen treffen sich einmal im Monat, wobei der

Ablauf der Nachmittage von den Frauen nach eigenen

Wünschen geplant und durch die hauptamtliche Mitarbeiterin

unterstützend begleitet wird. Neben gemeinsamen

Aktionen, wie z.B. ein Ausflug in den Duisburger

Innenhafen, Erkundung des neuen Stadtteils nach dem

Umzug oder auf den Weihnachtsmarkt, steht vor allem

der gegenseitige Austausch im Vordergrund.

Oft sind diese Treffen die einzige Möglichkeit für die betroffenen

Frauen, sich über ihre Infektion zu unterhalten

und in einer geschützten Atmosphäre den Umgang mit

der Erkrankung zu erleichtern. Erfreulicherweise ist es

im Jahre 2013 gelungen, eine höchst heterogene Gruppe

zu etablieren, die sowohl aufgrund der Altersstruktur,

als auch bzgl. der Nationalitäten sehr unterschiedlich ist.

Die Frauengruppe wird neben der hauptamtlichen Mitarbeiterin

durch zwei ehrenamtlich tätige Frauen tatkräftig

unterstützt.

Im Jahr 2013 konnte durch die Projektnehmerin für den

Bereich Duisburg und den Kreis Wesel eine Ansprechperson

für Frauen zu den Themen HIV und AIDS sichergestellt

werden.

Insbesondere für die betroffenen Frauen mit Migrationshintergrund

ist diese Form der geschlechtsspezifischen

Arbeit unabdingbar. Neben verschiedenen sozialrechtlichen

Fragen stand vor allem die Reflektion der eigenen

Situation und Schaffung der Möglichkeit des konstruktiven

Umgangs mit dieser im Vordergrund.

Die Bedeutung der Möglichkeit, bei akuten Beratungsanfragen

von Frauen an eine Fachfrau weiterleiten zu können,

haben wir in diesem Jahr erfahren. Dies ist einfach

alternativlos.

Die Präventionsarbeit auf dem Duisburger Straßenstrich

in Kooperation mit einer Kollegin des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg konnte im Berichtsjahr 2013 leider

nur eingeschränkt erfolgen, da diese Kollegin über einige

Monate ausfiel. Dennoch ist dieses Angebot mittlerweile

so etabliert, dass die Frauen nicht nur aufgesucht

werden müssen, sondern von sich aus auf die Kooperationspartnerinnen

zukommen. Zeitlich wird darauf

geachtet, die Frauen möglichst noch vor Aufnahme ihrer

Tätigkeit zu erreichen, um die Möglichkeit für individuelle

Fragestellungen zu geben. Thematisch geht es vor allem

darum, sich über sexuell übertragbare Krankheiten zu

informieren, sich zu schützen und ausstiegsorientierte

Problemstellungen zu bewältigen.

Im Rahmen einer RKI Studie (Selbstabstriche) konnten

einige Frauen auf diverse STI´s untersucht werden. Zudem

besteht die Möglichkeit, dass sich die Sexarbeiterinnen

kostengünstig mit Kondomen versorgen können,

die über das Gesundheitsamt erworben werden. Die

regelmäßige aufsuchende Arbeit ermöglicht einen langfristigen

Beziehungsaufbau zu den einzelnen Sexarbei-

69


terinnen. Darüber hinaus gewährleistet die Kontinuität,

dass die Projektarbeit den sich ändernden Verhältnissen

der Arbeit vor Ort angepasst wird. Hierbei steht vor allem

die Verbesserung der Arbeitssituation der Frauen im

Fokus.

In der Adventszeit wurde leider aus erwähnten krankheitsbedingten

Gründen keine Nikolausaktion in den

Bordellen durchgeführt.

Zu erwähnen ist für diesen Bereich, dass sich auch hier

der Zielpersonenkreis erweitert bzw. verändert. Der Zuzug

von Sexanbieterinnen aus dem südosteuropäischen

Raum (v.a. Rumänien und Bulgarien) ist in Duisburg, wie

auch im Kreis Wesel (dort allerdings mehr im Clubbereich)

enorm und stellt für die Projektnehmerinnen eine

wachsende Herausforderung, in sprachlicher, kultureller

und sozialrechtlicher Hinsicht dar.

Darüber hinaus hat sich die „Wettbewerbssituation“

verschärft, ein Preisverfall sowie in der Konsequenz eine

Erosion von Safer Sex ist zu beobachten. Ein deutlicher

Handlungsbedarf ist gewachsen. Hier hat sich unsere

Fachstelle bei der Erstellung eines Handlungskonzeptes

der Stadt Duisburg mit eingebracht, dessen konsequente

Umsetzung ein Ziel der folgenden Jahre sein muss,

bei dem auch die strukturelle HIV- und STI-Prävention

für Frauen eine wichtige Rolle spielen sollte.

Aufgrund der guten Kooperation mit dem ÖGD im Kreis

Wesel konnten im Jahr 2013 im Rahmen der aufsuchenden

Arbeit in Bordellen, Clubs etc. in Moers, Dinslaken

und Voerde, ebenfalls Aktionen zur zielgruppenspezifischen

Prävention stattfinden.

In einer Reihe von Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag

2013 konnte auch das mit dem XXelle-Standort Duisburg

/ Kreis Wesel verbundene spezifische Angebot und die

neue feste Ansprechpartnerin wieder öffentlichkeitswirksam

präsentiert werden.

70

Zielgruppenspezifische Prävention


Projektkritik

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die frauenspezifische

Arbeit von XXelle Duisburg/ Kreis Wesel

wieder kontinuierlich und erfolgreich umgesetzt werden

konnte.

Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung der bestehenden

Vernetzungsstrukturen von XXelle –Ruhrgebiet

und die Präsentation in der (Fach-) Öffentlichkeit

Sehr erfreulich ist die weitere Stabilisierung einer eigenen

Frauengruppe und die damit verbundene kontinuierliche

Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlerinnen vor

Ort.

Mit Hilfe der neuen personellen Ressourcen konnten

die Beratung und Begleitung von Frauen mit HIV/ Aids

sichergestellt und umgesetzt werden.

Aufgrund der komplexen Problemlagen und sehr heterogenen

Ausgangslagen der betroffenen Frauen beansprucht

die Begleitungsarbeit die größten Zeitkapazitäten.

Dem entsprechend sehen und setzen wir hier auch

die Priorität.

Vor allem auf dem Sektor der Sexarbeit werden gerade

in Duisburg die Bedarfe noch wachsen und höchstwahrscheinlich

weitere Ressourcen erfordern.

Der Standort XXelle Duisburg/ Kreis Wesel ist ein wichtiger

Teil der Ruhrgebietsvernetzung und mittlerweile

fester Bestandteil der Angebote für Frauen mit HIV/Aids

der AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel e.V.

Auf der regionalen und landesweiten Ebene hat sich das

etablierte Netzwerk hier äußerst bewährt und hervorragende

kollegiale Unterstützung geleistet.

71


5.5. HIV/ AIDS und Migration

5.5.1. Begleitung

Von den HIV-positiven / an AIDS-erkrankten Menschen,

die im Jahr 2013 von der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. begleitet wurden, hatten ca. ein Drittel einen

Migrationshintergrund. Insbesondere bei den Frauen

zeigte sich erneut, dass Migrantinnen unsere Institution

für sich nutzten.

Besonders Menschen aus Subsahara-Afrika suchten

2013 die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. auf. Sie

waren, wie auch in vorangegangenen Berichtsjahren die

zahlenmäßig größte Gruppe der Migrant/innen. Als Herkunftsländer

ragten dabei schwerpunktmäßig Togo und

Kamerun heraus.

Darüber hinaus begleitete die AIDS-Hilfe Menschen

mit italienischem, polnischem, serbokroatischem und

türkischem Migrationshintergrund.

Im Gegensatz zu der Gruppe aus Subsahara-Afrika war

diese jedoch zahlenmäßig deutlich kleiner.

In der Begleitung zeigt sich, dass viele Thematiken, die

in der Beratungs- und Versorgungssituation eine Rolle

spielen, kulturell geprägt sind. Dieses führt in Beratungssituationen

leicht zu Missverständnissen, Fehlentscheidungen

und kontraproduktiven Unterstützungs- und Behandlungsangeboten.

Oft wird die Verständigung durch

die sprachlichen Barrieren erschwert. Zusätzlich zu den

sprachlichen und kulturellen Barrieren ist die Begleitung

72

Zielgruppenspezifische Prävention


der HIV-Infizierten / an AIDS-erkrankten Migrant/innen

durch deren spezifische Lebenssituation gekennzeichnet.

So sind die Regelung des Aufenthaltsstatus und der

Umgang mit dem fremden Aufenthaltsland existentielle

Themen.

Darüber hinaus gilt für viele Migrant/innen, dass sie ihre

Familien in den Herkunftsländern zurück lassen. Besonders

in der Begleitung der Menschen aus Subsahara-Afrika

ist die Trennung von Eltern, Geschwistern, Kindern

und Ehepartner/innen Thema. Die Einsamkeit und Isolation

verstärkt sich mit der Diagnose: ‚HIV-positiv’. In der

Begleitung der Schwarzafrikaner/innen stellten wir in

diesem Berichtsjahr erneut fest, dass die HIV-Infektion

in der Community der Schwarzafrikaner/innen nicht Thema

werden darf. Selbst die eigene Familie wird in der

Regel nicht informiert.

Diese spezifische Lebenssituation führt dazu, dass die

HIV/AIDS-Erkrankung gegenüber den psychischen und

existentiellen Belastungen in den Hintergrund treten

kann.

Die aufgeführten Faktoren zeigen, dass die Begleitung

der Migrant/innen oftmals einen anderen inhaltlichen

Rahmen einnimmt. Die Problematik, dass ein großer Teil

der Migrant/innen kein Deutsch verstehen bzw. lesen

73


kann, nimmt darüber hinaus größere zeitliche Ressourcen

in Anspruch. Da es keine Stelle gibt, die dafür

zuständig ist, Briefe (u. a. von den jeweiligen Ämtern)

zu übersetzen, geschieht dieses meist innerhalb der

AIDS-Hilfe.

Sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch im Hinblick auf

die Zeitressourcen ist die Kooperation mit anderen Institutionen

bei der Begleitung von Migrant/innen dringend

notwendig.

Der Zuzug von Neu-EU – Bürgern und Bürgerinneninnen

aus Südosteuropa ist eine Bevölkerungsgruppe, der

man sich in den hiesigen Sozial- und Gesundheitssystemen

fortan intensiv widmen muss. Nicht nur wegen

gesundheitlicher Problemlagen, die zum Teil durch katastrophale

Wohn- und Lebenssituationen noch verstärkt

werden, sondern eben bei nicht wenigen auch wegen

ihrer „Arbeitsmöglichkeiten“, die hinsichtlich eines (vielfältigen)

Infektionsgeschehens eine Rolle spielen können

rsp. werden. Problematisch ist hier nicht nur der Umstand

der Sprachbarrieren, sondern nicht zuletzt auch,

dass viele über keinen Krankenversicherungsschutz

verfügen. Im Januar 2014 werden die letzten Freizügigkeitsgrenzen

auf dem Arbeitsmarkt für Bulgarien und

Rumänien in der EU aufgehoben und diese Populationen

somit ein uneingeschränktes Arbeits- und Niederlassungsrecht

in Deutschland haben.

Es zeigt sich auf der lokalen Ebene der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel, dass die Begleitungszahlen

der Menschen mit HIV / AIDS, die einen Migrationshintergrund

haben, die deutschlandweiten Zahlen widerspiegeln.

Die Begleitungsarbeit bei dieser Zielgruppe

erfordert spezifische sprachliche, interkulturelle und

fachliche Kompetenzen. Da sich die Präventions- und

Öffentlichkeitsarbeit in der Zielgruppe der Migranten oftmals

problematisch darstellt, weil das Thema ‚HIV/AIDS’

weitestgehend tabuisiert wird, ist hier ein langer Atem

erforderlich und sind immer wieder die Gelegenheiten

zu nutzen, um die Thematik auch öffentlichkeitswirksam

wach zu halten.

Im Rahmen der aufsuchenden Arbeit, insbesondere im

Arbeitsfeld der Sexarbeit,

stehen weiterhin in wachsendem Maße Kontaktaufnahmen

mit Frauen aus Bulgarien und Rumänien auf dem

Plan.

Sowohl im Kreis Wesel als auch in der Stadt Duisburg

ist ein sehr nennenswerter Zuzug von EU-Bürger und

Bürgerinnen zu beobachten. Allein in Duisburg wurden

im Berichtsjahr zum Stichtag 01.10.2013 insgesamt

8.760 Personen aus Südosteuropa registriert. Davon

besitzen 4.761 eine bulgarische und 3.999 die rumänische

Staatsangehörigkeit. Von den bulgarischen Neu-

EU -Bürgern und Bürgerinnen sind 45,8 % weiblich und

dementsprechend 54,2 % männlich. Der Anteil männlicher

und weiblicher rumänischer Neu-EU Bürger und

Bürgerinnen ist in etwa ausgeglichen. (Angaben des

Einwohnermeldeamtes Duisburg, Stand:11.2013)

74

Zielgruppenspezifische Prävention


5.5.2. Arbeitskreis Migration

Ebenfalls auf landesweiter Ebene nahm die Projektnehmerin

an verschiedenen Arbeitskreisen teil, in denen die

Frauenarbeit im Kontext von HIV / AIDS platziert werden

konnte. Im Jahr 2013 organisierte der Arbeitskreis Migration

eine Fachtagung zu Aspekten der Gesundheitsförderung

mit Schwerpunkt HIV / AIDS bei Migrantinnen

und Migranten aus Südosteuropa.

Der Arbeitskreis Migration ist ein Zusammenschluss von

Organisationen, die regional im Bereich Migrant/innen

mit HIV / AIDS tätig sind (AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e. V., Gesundheitsamt der Stadt Duisburg - Beratungsstelle

zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten, AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V., AIDS-Hilfe

Oberhausen e. V., AIDS-Hilfe Krefeld e.V., AIDS-Hilfe

Essen e.V., AIDS-Hilfe Paderborn e.V., Projekt Aids +

Kinder, Köln, Deutsche AIDS-Stiftung, Bonn).

Ziel ist der fachliche Austausch, die Vernetzung regionaler

Angebote und die Durchführung gemeinsamer Projekte

und Veranstaltungen.

Ebenso fanden in regelmäßigem Turnus Treffen der beteiligten

Fachfrauen im Ruhrgebiet statt, in denen unter

anderem die Planung und Durchführung öffentlichkeitswirksamer

Aktionen erfolgte, z.B. im Rahmen des Afro

- Ruhr Festivals.

Die Zielgruppen Migrantinnen und Frauen mit

Kindern konnten ebenfalls durch verschiedene

ruhrgebietsweite Veranstaltungen erreicht werden.

Diese Aktion wurde von der hauptamtlichen Mitarbeiterin

vor Ort mit vorbereitet und von den Kolleginnen aus der

Vernetzung unterstützend flankiert.

Afro - Ruhr Festival 29. Juni 2013

75


5.6 Youthwork / Prävention

in der Allgemeinbevölkerung

Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in

sexualpädagogischem Kontext) ein fester und

wichtiger Bestandteil der Angebotspalette der AIDS-

Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. Und wenn auch das

alte richtliniengestützte Förderprogramm (1988 vom

damaligen MAGS NRW eingeführt, s. www.youthworknrw.de

) im Zuge des Kommunalisierungsprozesses seit

2007 grundsätzlich nicht mehr landesgesteuert ist, so

ist aufgrund der unzweifelhaften Sinnhaftigkeit nicht nur

die Landesförderung erhalten geblieben, sondern auch

die kommunalen Ergänzungsfinanzierungen (wenn auch

gedeckelt, s.o.). Und so untermauert auch das im Juli

2013 veröffentlichte Landeskonzept „Weiterentwicklung

der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen.

Schwerpunkt „Neuinfektionen minimieren“; Juli 2013)

den spezifischen Arbeitsansatz auch sehr eindeutig:

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders

gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang

ihrer sexuellen Aktivität stehen, sind sie jedoch

eine wichtige Zielgruppe für die Primärprävention.

Jugendliche stehen vor der Herausforderung, zu Beginn

ihrer partnerschaftlich ausgerichteten Sexualität sich

sowohl mit Fragen der Verhütung und des Schutzes

vor sexuell übertragbaren Infektionen als auch

mit physischen und psychischen Veränderungen

auseinanderzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen

haben gezeigt, dass personalkommunikative Ansätze

in der Sexualaufklärung und Prävention diese

Lernprozesse besonders fördern und unterstützen.

Sie müssen jedoch frühzeitig einsetzen, kontinuierlich

weitergeführt werden und sich an dem jeweiligen

Entwicklungsstand, der sexuellen Orientierung und den

sozialen, kulturellen und ethischen Hintergründen der

Jugendlichen ausrichten. (…)

Da andere sexuell übertragbare Infektionen,

insbesondere Syphilis, Tripper und Chlamydien auch

Jugendliche betreffen und sich damit das Risiko einer

HIV-Infektion erhöht, müssen die Inhalte der HIV/AIDS-

Prävention und Sexualaufklärung mit den Informationen

zur Verhinderung der o.g. Infektionen verknüpft werden.

76

Zielgruppenspezifische Prävention


(…)

Die Angebote der Schule und der außerschulischen

Jugendarbeit werden durch HIV- und STI-

Präventionsmaßnahmen der AIDS-, Sexual- und

Jugendberatungsstellen unterstützt und ergänzt.

Notwendig sind kontinuierliche und strukturierte

Kooperationen und gemeinsame Projekte zwischen

AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen, Jugendhilfe,

Suchthilfe, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen

in öffentlicher und freier Trägerschaft.“ (Landeskonzept

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention in

NRW“ vom Juli 2013; S. 21 f; Die Druckfassung

kann bestellt oder heruntergeladen werden: www.

mgepa.nrw.de/ministerium/service, unter Angabe der

Veröffentlichungsnummer 112)

Weiter heißt es ebenda (S. 22): „Besonders zu

berücksichtigen sind männliche Jugendliche im

„coming out“, Jugendliche, die Drogen konsumieren,

und Jugendliche in schwierigen sozialen Verhältnissen,

da das Infektionsrisiko in diesen Gruppen erhöht ist.

Sie benötigen einen niedrigschwelligen Zugang zu den

vorhandenen Angeboten der Information, Beratung und

Untersuchung“.

So gilt der Landes-Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention

unter Federführung des Referates „AIDS, Organspende,

Psychoonkologie“ des Ministeriums für Gesundheit,

Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) (s. www.aidsnrw.de)

ein Kompliment für die Analyse und die daraus

resultierenden Handlungsempfehlungen. Diese sind

auf der Höhe der Zeit. Und - aufmerksame Leser/innen

unserer Jahresberichte haben es längst bemerkt – sie

bestätigen unsere Youthwork-Arbeit und ihre Ansätze

in eindrucksvoller Weise. Darüber hinaus haben wir mit

unseren Projekten „SchLAu-Duisburg“ und „@drugtHiv“

adäquate Präventionsangebote für die o.a. besonders

zu berücksichtigenden Jugendlichen etabliert.

Zielgruppenspezifische Prävention ist unser Geschäft.

Die Zielgruppenanalyse erklärt auch die besondere

Eignung des Youthwork-Angebotes einer AIDS-

77


Hilfe, die seit nunmehr 27 Jahren Erfahrung in der

strukturellen und vor allem zielgruppenspezifischen

Präventionsarbeit besitzt. Somit sind spezifische

Kenntnisse und Feldkompetenzen in den

Themenfeldern Homosexualität, Drogengebrauch

und diversen Formen sozialer Benachteiligung bis

hin zu Stigmatisierungsproblematiken gegeben,

wodurch jeweils flexibel auf Bedarfe in Gruppen

oder auf Einzelpersonen reagiert werden kann.

Wie bei allen Adressaten, so gilt auch und vielleicht

besonders für Jugendliche der didaktische Grundsatz,

dass (Präventions-) Angebote an der jeweiligen

Lebenswelt (akzeptierend) orientiert werden sollten.

„Die Berücksichtigung von sozialen, ethnischen,

kulturellen und geschlechtsspezifischen Besonderheiten

ist Voraussetzung, um Jugendliche emotional und

kognitiv zu erreichen“ (Landeskonzept, a.a.O., S.

37). Darüber hinaus können Themen durchaus

auch in Präventionsveranstaltungen in heterogenen

Gruppen (wie Schulklassen) integriert oder exponiert

platziert werden. Die Bedarfe werden jeweils in

Planungsgesprächen erhoben.

Das Kompliment für das Landeskonzept gilt auch für

die Forderung nach kooperativen Projektformen, die wir

seit je her propagieren, initiieren und umsetzen und die

in besonderer Weise für nachhaltige Synergieeffekte

prädestiniert sind.

Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht

unerheblichen Teil, dass Jugendliche in Deutschland und

in unserer Region tatsächlich nicht zu den besonders

riskierten Zielgruppen zählen – Prävention im Kontext

von Gesundheitsförderung wirkt und ist zielführend im

Hinblick auf eine Verankerung von Präventionswissen

und die Stärkung der Handlungskompetenzen für die

individuelle Gesunderhaltung sowie die Förderung

eines nachhaltigen Schutzverhaltens und dessen

Implementierung im persönlichen Lebensstil.

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-

Prävention in sexualpädagogischem Kontext mit dem

vorrangigen Ziel der Vermeidung von Primärinfektionen

hat also nichts an Bedeutung verloren – und dass sie

wirkt beweisen nicht zuletzt die Infektions-Diagnose-

Zahlen und Inzidenzannahmen des RKI (s. www.rki.

de ) für das Jahr 2012, wonach ein nur sehr leichter

Anstieg der Neuinfektionen (ca. 3.400 = + 3% vgl. 1.)

auf weitgehend stabil niedrigem Niveau zu konstatieren

ist. Dabei spielen Jugendliche generell keine exponierte

Rolle. Zu beachten ist allerdings die Gruppe der

20-39-jährigen MSM, insbesondere in Großstädten und

gerade hier ist auch ein signifikanter Zusammenhang mit

den Syphilis-Inzidenzen bemerkenswert. Also bestätigt

sich, dass HIV-Prävention zwingend STI-Prävention

beinhalten sollte.

Als Hauptgrund für den Anstieg bei jüngeren Schwulen

gibt das Robert-Koch-Institut den Umstand aus,

dass unter jüngeren Männern mit HIV ein höherer

Anteil noch nicht unter antiretroviraler Therapie

steht, so dass in dieser Gruppe eine höhere

Übertragungswahrscheinlichkeit besteht. Dies wiederum

korrespondiert mit der Annahme, dass um die 50 % der

Neuinfektionen von frisch Infizierten stammen, die zum

Teil ihren Status noch gar nicht kennen (können – weil

noch im diagnostischen Fenster).

Die Berücksichtigung von anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten ist allerdings auch für Jugendliche anderer

sexueller Orientierungen zunehmend bedeutungsvoll,

da sich nach RKI-Angaben die Diagnosen insgesamt

mehren. Auf die Erwähnung wirklich belastbarer Daten

für das Berichtsjahr 2013 müssen wir zwar noch etwas

warten, aber die bisherigen Hinweise scheinen sich zu

verifizieren.

Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten müssen

eindeutig weiter enttabuisiert werden. Darüber reden zu

können ist eine entscheidende Voraussetzung für Schutz

und Diagnostik. Hier kommt der schulischen Arbeit eine

besondere Bedeutung zu, denn über den Rahmen der

Schulpflicht kann es eigentlich besser als in weiteren

Lebensphasen gelingen, möglichst viele Jugendliche die

Erfahrung machen zu lassen, dass dies gelingen kann

– dazu bedarf es guter Unterrichtsprozesse, geschulter

Lehrkräfte (oder noch besser: sexualpädagogischer

Fachkräfte) und am besten gezielter Projektformen in

adäquaten Settings.

Bei Jugendlichen tragen die Schulen (gemäß ihrem

Auftrag, s. Richtlinien zur Sexualerziehung in NRW vom

30.09.1999, BASS 15 – 04 Nr. 1) zudem entscheidend

zur spezifischen (Sach-) Informationsvermittlung bei.

Sie sollen damit allerdings nicht allein gelassen werden.

So wird ihnen über den –im Juli 2012- aktualisierten

Runderlass zur „HIV/AIDS-Aufklärung in den Schulen

explizit die „Zusammenarbeit mit außerschulischen

Einrichtungen und Fachkräften“ anempfohlen: „Die

Behandlung des Themas HIV und AIDS legt eine

enge Zusammenarbeit der Schule mit den unteren

Gesundheitsbehörden sowie anderen außerschulischen

Einrichtungen und Fachkräften nahe. Hierzu zählen

neben der Ärzteschaft vor allem die bei den Kommunen,

AIDS-Hilfen und anderen freien Trägern angesiedelten

sog. Youth-Workerinnen und Youth-Worker, die

insbesondere sexualpädagogisch orientierte HIV/

AIDS-Aufklärung für Jugendliche durchführen. Ihre

Fachkompetenz sollte sowohl in den Unterricht als

auch in Beratungs- und Entscheidungsprozesse

einbezogen werden.“ (aus: BASS, 18 – 12 Nr. 4; RdErl.

D. Kultusministeriums vom 01.07.1987, GABI. NW. S. 416;

geänderte Fassung vom 01.07.2012)

78

Geschäftsbericht


Wer HIV- und STI-Prävention ernst nimmt, muss sich

auch gegen Diskriminierung und Stigmatisierung

von Menschen mit HIV und den von HIV besonders

betroffenen Gruppen –wie eben homosexuellen Jungs

und Männern (s.o.)- stark machen. Dies berücksichtigen

wir in unserer Youthwork-Arbeit –soweit es die zeitlichen

und personellen Möglichkeiten zulassen – schon immer.

Im Berichtsjahr haben wir diesbezüglich – wie im letzten

Jahr schon angekündigt – unser Angebotsspektrum

erweitern können, in dem wir im Mai das Projekt

SchLAu-Duisburg (s. 5.1.6.) in die Trägerschaft der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. übernommen

haben.

Darüber hinaus konnten wir mit Anika Walther unser

Youthwork-Team im Oktober endlich wieder um

eine weibliche Fachkraft erweitern (s. 1.). Damit

können wir auch wieder geschlechtsspezifische

Angebote unterbreiten und neue Projektformen `aus

der Wiedervorlage´ holen und perspektivisch auch

umsetzen.

So konnten wir, auch wegen der neuen räumlichen

Nähe zu unserem Netzwerkpartner, der profamilia

Duisburg, ein schon länger geplantes Pilotprojekt mit

der sog. „Sexualpädagogischen Stadt-Rallye“ für

Jugendliche der 9. Klassen starten. Der Probelauf mit

der Hauptschule Geneisenaustraße gelang so gut, dass

wir dieses Angebot im Jahr 2014 weiter ausbauen und

etablieren wollen. Dieses Projekt wird für den Youthwork-

Bereich federführend von Frau Walther begleitet und

durch die Beteiligung von SchLAu unter Federführung

von Frank Funk sowie dem sexualpädagogischen

Angebot der profamilia inhaltlich abgerundet.

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und

akzeptanzorientierte Ansatz ist richtig. Repressive

Ansätze sind eindeutig kontraproduktiv. Die

besondere Akzeptanz dieses Ansatzes wird uns auch

vor Ort durch Rückmeldungen, Resonanzen und

Evaluationserfahrungen zu unseren Veranstaltungen in

diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung nach

Arbeitsfeldern) bestätigt.

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere HIV-

Prävention in sexualpädagogischem Kontext und zielen

auf einen Dialog in offener und angstfreier Atmosphäre

und ohne pädagogischen Zeigefinger.

Nähere Informationen zum Youthwork-Angebot finden

sich auch auf der Internetseite www.youthwork-nrw.de

. Dieses Programm feierte im Übrigen im Berichtsjahr

am 19.07. ein vielbeachtetes 25-jähriges Jubiläum. Die

ca. 60 Youthworker/innen in NRW sind gut vernetzt und

pflegen den fachlichen Austausch sowie die stete Fortund

Weiterentwicklung über eine jährliche, dreitägige

Fachfortbildung und durch quartalsweise Treffen der

Gruppen der fünf Regierungsbezirke. Diese stellen

jeweils zwei Sprecher/innen für den sog. Sprecherkreis

Youthwork ab, der den Kontakt mit dem Ministerium

(MGEPA NRW) pflegt und die Fachtagungen organisiert.

Seit dem Berichtsjahr ist der Youthworker der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel Mitglied dieses Sprecherkreises.

Das landesweite Logo von Youthwork-NRW.

79


5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen

massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings

auch eine jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate

und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um

diese Reduktion pädagogisch verantwortungsvoll

vornehmen zu können, finden entsprechende Vor- und

Nachgespräche mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen

und Rahmenbedingungen können u.a. folgende

Themenfelder behandelt werden :

• Medizinisch, biologische Grundlagen zu

HIV und AIDS und anderen STI`s (Virologie,

Immunologie, ...)

• Verlaufsformen der HIV-Infektion

• Aktueller Forschungsstand und

Therapieansätze

• Übertragungswege und –risiken

• Infektionsschutzmöglichkeiten

• Testverfahren und ihre Problematiken

• Epidemiologische Entwicklung und daraus

resultierende Präventionserfordernisse und

–strategien

• Lebenssituation von Betroffenen und Anoder

Zugehörigen

• Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS

erkrankten Menschen

• Vorurteile gegenüber sog.

Hauptbetroffenengruppen

• Drogen- und Substitutionsproblematik

• HIV und AIDS als gesellschaftliches

Phänomen

• Juristische und ethische Fragestellungen

• HIV in der Arbeitswelt

• Sekundärpräventive Aspekte für Menschen

mit HIV

• Liebe, Sexualität und Partnerschaft

• Probleme im Umgang mit der eigenen

Sexualität

• Homosexualität (Schwul-lesbische

Aufklärungsarbeit)

• Geschlechterrollen und ihre Problematiken

• Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld

der Sexualität

• u.a.m.

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

80

Geschäftsbericht


AIDS-präventive Veranstaltungen in

sexualpädagogischem Kontext wurden von der AIDS-

Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. für Schülerinnen und

Schüler aller Regelschulformen sowie Kollegschulen

durchgeführt. In der Regel werden unsere Angebote

in den Jahrgängen ab der Klasse 9, in einzelnen

begründeten Ausnahmen auch in jüngeren Jahrgängen

platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und

lebensweltorientiert konzipiert. Das Angebotsspektrum

reicht hier von Formen eines „Expertengespräches“ im

Rahmen von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem

Fachhintergrund bis hin zu Projekttagen und – wochen,

die günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens

durchgeführt werden. Um darüber hinaus eine

zumindest grobe Übersicht über das „Produkt

Youthwork“, über Zielebenen, Methoden und Ansätze

bekommen zu können, sei an dieser Stelle noch mal auf

die Internetseite www.youthwork-nrw.de verwiesen.

Mit dem Berichtsjahr 2013 blicken wir im Bereich

Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

auf ein aktives Jahr mit wieder sehr stabiler Nachfrage

zurück.

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der

wachsenden Bedarfe, der zunehmenden Notwendigkeit,

auch andere sexuell übertragbare Krankheiten

einzubeziehen und der Einzigartigkeit des Youthwork-

Angebotes in der Region haben wir in den letzten

Jahren immer wieder die Sinnhaftigkeit bekräftigt, eine

weitere Fachkraft zu gewinnen. Wünschenswert wäre

insbesondere eine Youthworkerin, die sich verstärkt der

Mädchenarbeit widmen könnte. Zumindest phasenweise

und themenabhängig sind geschlechtsspezifische

Angebote und Arbeitsweisen im Bereich der

Sexualpädagogik wichtig. Wie berichtet (s.o.) ist hier

unsere Suche von Erfolg gekrönt worden.

Die `Sinnhaftigkeit´ beginnt gewissermaßen bei

dem Eindruck, dass Defizite bzgl. des individuellen

Körperbewusstseins und –verständnisses aus Sicht

des Verfassers eher zunehmen und Basiskenntnisse

zu Körperbau und –funktionen, die zum Verstehen

von sexuellen Vorgängen unentbehrlich sind, oft nur

rudimentär vorhanden sind. Dies gilt allerdings durchaus

für beide Geschlechter.

Darüber hinaus können wir uns mit unseren

Kapazitäten leider nicht im gewünschten Maße um

sozial benachteiligte Schüler/innen kümmern, die

nicht nur, aber gewiss mit höherer Quote in Hauptund

Förderschulen anzutreffen sind, für die die

beschriebenen Defizite in besonderem Maße gelten

und die bei den STI-Inzidenzen eine Rolle spielen. Hier

können wir nunmehr gezielter für Youthwork in unserer

Region werben.

Grundsätzlich konstatieren wir für den Arbeitsbereich

weiterhin knappe personelle Ressourcen und somit

bleibt die Einbindung und entsprechende Qualifizierung

von ehrenamtlichen Kräften und Multiplikator/innen ein

zentrales Anliegen der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V.

Unser Dank gilt hier insbesondere den aktiven HIVpositiven

Ehrenamtlern, die sich immer wieder bereit

erklären, in authentischer Weise zur Frage „HIV-positiv

sein – was heißt das?“ Rede und Antwort zu stehen.

Die Einbeziehung dieser Selbsthilfeaktivisten ist hier,

wie bei Bedarf auch zum Thema „Homosexualität“

fester Bestandteil vieler Präventionsveranstaltungen.

Der besondere Wert dieser Authentizität wird uns

auch immer wieder rückgemeldet. Hier gilt vor allem

unserem Ehrenamtler, Thomas Hilgers, ein herzliches

Dankeschön.

Den von uns (mit-) initiierten Präventions-

Vernetzungen in Duisburg und im Kreis Wesel

kommen ebenfalls besondere Bedeutungen zu. Dabei

geht es uns vor allem darum, über Multiplikator/innen

eine kontinuierliche Präsenz der Präventionsthemen

in den Institutionen zu schaffen und von `nur´

punktuellen Veranstaltungen wegzukommen. Durch

die Vernetzung und die damit verbesserte Kooperation

und Koordinierung werden Synergieeffekte erzielt.

Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird für

die potentiellen Kunden mehr Transparenz zu den

Präventionsangeboten geschaffen und den Schülerinnen

und Schülern die Beratungseinrichtungen und ihre

Mitarbeiter/innen bekannt gemacht. Leider ist – wie

im letzten Jahresbericht schon befürchtet – der AK

ProVer in Dinslaken im vorletzten Berichtsjahr formal

aufgelöst worden. Aber immerhin bleiben die guten

Vernetzungskontakte und –effekte weiterhin noch

erhalten.

„Lernvoraussetzungsanalyse – und didaktische

Konsequenzen“

Wir konstatieren weiterhin insbesondere Defizite

im Bereich von sprachlichen und kommunikativen

Kompetenzen im Feld von Liebe, Sexualität und

Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz mag in der

neuartigen Nutzung von virtuellen Medien und den damit

verbundenen spezifischen Kommunikationsmustern zu

finden sein (SMS, Messenger- und Chat-Plattformen,

soziale Netzwerke, wie facebook, twitter, …). Ein

anderer Ansatz ist uralt, nämlich dass auch heute der

Eintritt in das Abenteuer „Liebe, Sex und Partnerschaft“

immer noch mit ganz viel Aufregung, Nervositäten

und auch Ängsten und Sorgen verbunden ist, trotz

oder gerade wegen der vermeintlichen Banalisierung

81


der Thematik durch vielfältige einschlägige Medien,

die den Jugendlichen vermeintliche Realitäten und /

oder Normalitäten vorspiegeln. Hier ist einfühlsame

Sexualpädagogik gefordert.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die

Informations- und Vermittlungsmethoden und der

Zeitpunkt der thematischen Auseinandersetzung von

entscheidender Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht

neu, dass HIV/AIDS-Prävention mit Jugendlichen

im Kontext von Sexualpädagogik anzusiedeln

ist, dass personalkommunikative Methoden (d.h.

„Veranstaltungen von Mensch zu Mensch“, vgl. BzgA-

Ansatz), die an der Lebenswelt der Schüler/innen

orientiert und hinsichtlich der ersten Erfahrungen

zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder

eindimensionalen Vermittlungsformen vorzuziehen

sind, bzw. diese unbedingt ergänzen sollten (vgl.

Landespräventionskonzept o.).

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint

uns zudem eine – zumindest phasenweise und

themenabhängige – geschlechtergetrennte Bearbeitung

sinnvoll (vgl. o.). Hier müssen einfach die nicht

selten durchaus großen Unterschiede im Reife- und

Erfahrungsgrad zwischen Mädchen und Jungen einer

Jahrgangsstufe Berücksichtigung finden. In Anwesenheit

des anderen Geschlechtes fällt es manchmal schwerer,

in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse

hineinzufinden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfindung (Wer

bin ich? Was mag ich? Was mag ich nicht? …)

noch in vollem Gange ist. Dennoch sind angesichts

der mehrheitlich heterosexuellen Orientierungen,

Erfahrungen gelingender Kommunikation zwischen

den Geschlechtern unentbehrlich und nicht

zuletzt besonders wichtig für die Verabredung von

Verhütungsmethoden, für die Durchsetzung individueller

Schutzbedürfnisse.

Einbeziehung des Spezialthemas „Homosexualität“,

welches durch die Richtlinien zur Sexualerziehung

zum verbindlichen Thema aufgewertet wurde,

wichtig. Darüber hinaus gilt dies auch vor dem

Hintergrund der epidemiologischen Daten zum

HIV-Infektionsgeschehen (vgl. o.), wonach mannmännliche

Sexualität weiterhin der mit Abstand

größte Infektionshintergrund ist. Die nach wie vor

stark klischeegeprägte Vorstellung vom „Schwul-

Sein“ gilt sehr häufig geradezu als das Antivorbild

für Jungen. Trotz aller gesamtgesellschaftlichen

Fortschritte im Feld der Akzeptanz und Toleranz

gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen,

gilt es hier aus Sicht des Verfassers sehr genau

zu beobachten und frühzeitig den Anfängen neuer

Diskriminierungstendenzen zu wehren.

Wir sind sehr froh, dass wir nunmehr auch ein SchLAu-

Angebot vermitteln können, das genau da ansetzt.

Prävention in Zahlen:

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

konnten wir im Berichtsjahr 2013 3.603 Personen mit

personalkommunikativen Formen erreichen, davon

325 sog. Multiplikator/innen (Lehrkräfte und sonstige

Pädagog/innen sowie ehrenamtliche Mitarbeiter/

innen). Allein im schulischen Bereich (-> Youthwork-

Angebote) erreichten wir in zehn Schulen des

Kreises Wesel und elf Schulen der Stadt Duisburg

1266 Jugendliche aus allen Schulformen, über

450 in außerschulischen Zusammenhängen wie

offener Jugendarbeit u.a. und 1.830 Jugendliche im

Rahmen von personalkommunikativen Formen bei

Großveranstaltungen (wie z.B. bei den Jugend-DIN-

Tagen in Dinslaken). 37 % der Jugendlichen kamen aus

dem Alterssegment zwischen 14 und 17 Jahren, 19 %

der Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund (s.

auch Controlling-Daten für 2013 im Anhang).

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw.

nicht erfolgreicher Face-to-face-Kommunikation

durch die rasante Nutzung der neuen Medien zur

Kontaktanbahnung oder für Verabredungen. Die

anfängliche Anonymität wird einerseits sehr geschätzt,

aber andererseits auch zunehmend missbraucht. Der

Ansatz, kommunikative Kompetenzen zu fördern wird

aus unserer Sicht immer wichtiger (vgl. o.).

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein

und –bestimmung mit sozialer Verantwortung und

solidarischem Handeln in Einklang zu bringen, ist eine

zentrale Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und

Präventionsarbeit.

Auch vor diesem Hintergrund ist eine optionale

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche

und Multiplikatoren

Erfreulich war auch in diesem Berichtszeitraum erneut

die Nachfrage nach Präventionsberatungen von

82

Geschäftsbericht


Schüler/innen, die für Fach- oder Projektarbeiten

unseren Rat suchten. Dies ist gewiss auch als

Zeichen zu deuten, dass die AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. bei vielen Schulen als gute und

wichtige Anlaufstelle bekannt ist. Über das direkte

Aufsuchen lassen sich im Übrigen leicht denkbare

Schwellenprobleme abbauen. Zudem können wir

hierüber natürlich auch unsere Youthwork-Angebote

bekannt machen.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen

(z.B. Berufskollegs, insbesondere der Sektor der

sog. Berufsgrundschuljahre) gab es im Berichtsjahr

stabil hohe Anfragen zu vermerken. Hier finden

wir in der Regel wichtige Zielgruppen; Jugendliche

im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, die oftmals

problembehaftete Sozialisationen und einen

geringen Grad an Aufklärungsniveau (z.T. auch

migrationsbedingt) aufweisen.

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im

Zusammenhang mit schulischen Projekttagen und

im Umfeld des Welt-AIDS-Tages – sind direkte

Kooperationen mit Einrichtungen der offenen

Jugendarbeit eher selten. Dass wir hier allerdings

auch keine Offensiven starten konnten, hat

unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen zu tun.

Auf einen besonderen Erfolg, der mit unserem

Wirken in Zusammenhang steht, sei an dieser

Stelle erneut hingewiesen. Bei dem Vom MGEPA

ausgeschriebenen „Kondomverpackungs-

Gestaltungs-Wettbewerb“ hat sich gezeigt, dass

Moers die künstlerische Kreativ-Hauptstadt des

Landes NRW ist. Gleich drei von Schülerinnen

und Schülern der Moerser Gymnasien „Adolfinum“

und „Grafschafter“ eingereichte Entwürfe für

die Umverpackungen von Kondome wurden

preisgekrönt (von sieben Preisen)! Seit Frühjahr

2013 sind diese Kunstprodukte nunmehr im Umlauf.

Herzlichen Glückwunsch nach Moers!

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. viel in die Aus- und Weiterbildung

ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, ohne die

einfach die Vielzahl an Anfragen auch aus diesem

Präventionsfeld nicht befriedigt werden könnten. Dies

ist und bleibt eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne

widmen. Dazu führen wir u.a. alljährlich intensive

Grundlagenausbildungen (s. 6.) im Verbund mit drei

anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen durch, um darüber

einerseits den Ehrenamtler/innen eine Möglichkeit

zu bieten, ein Einsatzfeld zu finden, dass Ihren

Ressourcen, Fähigkeiten und Neigungen entspricht und

andererseits sie gemäß unserer Qualitätsstandards

auszubilden und zu rüsten sowie die vorhandene

Motivation zu stärken. Es spricht vieles dafür,

ehrenamtliche Ressourcen gerade auch im Bereich

der (Primär-) Präventionsarbeit weiter zu mobilisieren

und zu qualifizieren, z.B. für den peer-to peer-Ansatz.

Die aktiven Ehrenamtler/innen sind unsere wichtigste

Ressource und die wichtigsten Multiplikator/innen.

83


Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen

MultiplikatorInnen sind in diesem Präventionsfeld

natürlich die Lehrenden in schulischen und

außerschulischen Einrichtungen. Die Anfragen nach

Lehrerfortbildungen im Hinblick auf und im Vorfeld

von Projektformen stagnieren auf sehr niedrigem

Niveau. Dies hat unter anderem mit den vielfältigen

Veränderungen im Schulbereich mit erheblichen

Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte zu tun.

Fortbildungen, die mit Unterrichtsausfall verbunden

sind, sind nicht leicht zu installieren. Dies hat auch

damit zu tun, dass wir überwiegend bei z.T. schon

sehr lange etablierten Projekten agieren und hier nicht

mehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Darüber

hinaus wirkt hier in sehr positivem Sinne die alljährliche

Fachtagung des AK Prävention Duisburg in genau diese

Richtung (s.u.). Natürlich wäre eine Ausweitung des

Angebotes (s.o.) wünschenswert, aber wir sind nach wie

vor froh, wenn wir mit unseren begrenzten Ressourcen

die Nachfragen weitestgehend bedienen können.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation

des aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS

über die epidemiologische Entwicklung und daraus

resultierender Präventionskonsequenzen und –

strategien bis hin zu Aspekten spezieller Fortbildung im

Feld der Kommunikation, wie Gesprächsführung und

Moderation.

Auch vor diesem Hintergrund erweisen sich die

erwähnten Präventionsvernetzungsaktivitäten als höchst

sinnvoll. Darüber lassen sich Synergieeffekte erzielen,

mittelfristig gesehen Ressourcen zusammenführen

und nicht zuletzt Chancen eines ökonomischeren

Haushaltens mit den vorhandenen Kapazitäten

entwickeln.

menschenrechtsbasierten Sexualpädagogik oder einem

Konzept zur Verhinderung von Jugendkriminalität.

Zudem konnte in einem workshop der SchLAu-

Ansatz vorgestellt und erfahren werden. Abgerundet

wurde die Tagung durch einen lebendigen Vortrag

des TV-erprobten Psychologen, Dr. Christian Lüdke,

der der Frage nachging, welche Werte sollen denn

unserer Jugend vermittelt werden? Neben inhaltlichen

Anregungen und methodischen Zugangsformen

dient die Fachtagung immer auch dem Ziel, die

Präventionsinfrastruktur in Duisburg und die Angebote

der beteiligten Institutionen kennen lernen zu können.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen

in Krankenpflegeschulen, bei sonstigen Pflegeanbietern

und im medizinischen Versorgungssystem verortet. In

diesem Bereich verzeichnen wir sehr stabile Nachfragen

und hocherfreuliche Rückmeldungen. Insbesondere

wird geschätzt, dass wir von der medizinischen Seite

bis zu den Tiefen im psychosozialen Bereich die ganze

Bandbreite des komplexen Themenfeldes rund um das

Phänomen „HIV / AIDS und andere sexuell übertragbare

Krankheiten“ abdecken können. Nicht zuletzt auch

in diesem Tätigkeitsfeld bewährt sich das „3-Säulen-

Modell AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von Selbsthilfe-,

Interessen- und Fachverband sowie der Ansatz der

Strukturellen Prävention immer wieder aufs Neue.

Umso mehr gewinnt das Feld der

Multiplikatorenausbildung an Bedeutung. Ein zentrales

Anliegen ist es, die Präventionsthemen und die damit

verbundenen Ziele an Schulen und in außerschulischen

(Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig zu

platzieren. Geschulte Pädagog/innen, Erzieher/

innen oder Sozialarbeiter/innen und –pädagog/

innen sollten diese repräsentieren, zumindest mit

Verweisungskompetenzen ausgestattet sein und als

AnsprechpartnerInnen für die Jugendlichen bekannt

sein / werden.

Einmal mehr gut angenommen wurde hier wieder

die im Berichtsjahr angebotene 13. Fachtagung

des Präventions-Vernetzungskreises Duisburg am

20.Juni. Unter dem Titel „Respekt! Ich bin anders

und Du auch!“ befassten sich über 70 Teilnehmer/

innen mit Aspekten der konfrontativen Pädagogik, der

84

Geschäftsbericht


5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :

• Beteiligung an der

Grundlagenausbildung für

EhrenamtlerInnen in der

Ruhrgebietsvernetzung der AIDS-Hilfen

• Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis

Wesel und Duisburg

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. bei den NRW-

Youthworker-Arbeitskreisen und dem

Youthwork-Qualitätszirkel sowie im

Sprecherkreis der NRW Youthworker/

innen

• Evaluation und Qualitätssicherung

– Fortführung des Verfahrens beim

Youthwork-Förderprogramm-Controlling

MGEPA, NRW – seit 2013 der

landesweiten Datenerhebung über die

AG Aidsprävention

• Beratung / Information für Zeitungs-

TV- und Radio-Redaktionen sowie für

politische Entscheidungsträger

• Koordinierung von haupt- und

ehrenamtlichen Einsätzen bei

Informations- und Präventionsprojekten

• Einarbeitung in und Bereitstellung

von Materialien für Lehrende und

Multiplikator/innen

• Beratung von pädagogischen

Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder

Projektgestaltung zum Thema HIV /

AIDS und anderer STI`s

• Telefonische und persönliche

Informations- und Beratungsgespräche

• E-mail Beratung

• Unterstützung von Jugendvertretungsund

SchülerzeitungsredakteurInnen

• Geschäftsführung

• u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

Abb.:

Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

85


5.7. SchLAu Duisburg

Seit 2013 ist die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e.V.

Träger des ehrenamtlichen Projektes SchLAu. SchLAu

steht für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung

durch welche wir nachhaltige Antidiskriminierung in Duisburg

erreichen wollen.

Beschreibung

SchLAu steht für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung

durch lokale Aufklärungsgruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen.

Die SchLAu Duisburg Gruppe besucht

ehrenamtlich Schulen, Jugendzentren und andere Bildungseinrichtungen

in Duisburg und Umgebung.

Im Zentrum von SchLAu steht die Begegnung zwischen

Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Lesben,

Schwulen, Bi- , Intersexuellen und Trans*. Die dahinterstehende

Idee ist, dass Vorurteile und Klischees durch

die direkte Begegnung wirkungsvoll hinterfragt und abgebaut

werden können. Wir möchten die Jugendlichen

mit Lesben, Schwulen, Bi-, Intersexuellen und Trans* ins

Gespräch bringen:

„Damit nicht mehr über uns geredet wird, sondern

mit uns!“

Denn noch immer zeigen Studien in trauriger Regelmäßigkeit,

dass Homo- und Transphobie feste Bestandteile

in Klassenräumen, Freizeiteinrichtungen und auf Schulhöfen

sind. Manchmal entsteht so ein Klima gegenseitiger

Feindseligkeit, unter dem nicht nur homo- und bisexuelle

sowie inter- und transgeschlechtliche Jugendliche

leiden, sondern das alle betrifft. SchLAu-Workshops

thematisieren diese Diskriminierungsmechanismen,

geben authentische Einblicke in gleichgeschlechtliche

Lebensweisen und vermitteln Akzeptanz gegenüber der

Vielfalt menschlicher Lebensentwürfe.

SchLAu Duisburg leistet damit ein grundlegenden

Beitrag zu nachhaltiger Antidiskriminierung, effektiver

Gewaltprävention und demokratischer Menschenrechtsbildung.

Denn unsere Vision ist eine Gesellschaft ohne

Ausgrenzung, Homophobie und Transphobie.

Gründung

Nach fachlicher Beratung mit SchLAu NRW sowie weiteren

organisatorischen Vorarbeiten gründete sich im Mai

2013 SchLAu Duisburg. Offiziell wurde der Gründungsakt

im Rahmen des CSD Duisburg begangen (siehe dazu

Bericht Herzenslust). Die Methoden- und Materialsammlung

genannt SchLAue Kiste wurde von Vertreter_innen

von SchLAu NRW an Duisburgs Oberbürgermeister Sören

Link und von diesem an das Team von SchLAu Duisburg

übergeben. Herr Link äußerte sich sehr erfreut und

stolz, dieses wichtige Projekt nun auch in Duisburg zu

wissen. Er unterstützt SchLAu Duisburg auf politischer

und ideeller Ebene.

86

SchLAu Duisburg


Vertreter_innen von SchLAu

Nrw mit Oberbürgermeister

Sören Link bei der Übergabe

der SchLAuen Kiste im Rahmen

des CSD Duisburg am

27.07.2013

Startphase

Einsätze

Dank einer Gründungsförderung konnte für drei Monate

eine Projektstelle geschaffen werden, deren Aufgaben

in der Initiierung des Teams, dessen Schulung bzw.

Vermittlung an die auf Landesebene begebenen Schulungen

und Koordinierung lagen. Für diese Stelle konnte

mit Michelle Pfeiffer eine sehr engagierte und versierte

Mitarbeiterin gewonnen werden.

In ersten Teamsitzungen wurde die Gewinnung weiterer

ehrenamtlicher Teammitglieder priorisiert. Hierzu verfügt

SchLAu Duisburg nunmehr über Profile in sozialen Netzwerken

und wird insbesondere für seine stets aktuelle

Präsenz bei Facebook gelobt. Facebook ist zudem das

Kommunikationsmedium der Wahl für das Team. Termine,

Anfragen oder reiner Wissens- und Erfahrungsaustausch

finden dort schnell und effizient statt.

Michelle Pfeiffer führte mit Interessierten die Erstgespräche

und lud sie bei bestehendem Interesse mit zu den

Teamsitzungen. Alle bei SchLAu engagierten werden auf

ihre Arbeit vorbereitet. Hierzu finden auf Landesebene

dreimal jährlich Einsteiger_innenschulungen statt. Diese

wurden sukzessive von allen Teammitgliedern besucht

und weiterhin den neuen Interessierten angeboten. Das

Team bildete sich zudem intern durch gegenseitige Einweisung

in zuvor erarbeitete Methoden fort.

Bereits kurz nach seinem Start begann das Team von

SchLAu Duisburg Aufklärungseinsätze an Schulen

durchzuführen. Dies war durch einen bereits länger in

der SchLAu-Arbeit tätiges Teammitglied möglich und bot

den Übrigen Gelegenheit erste Hospitationserfahrungen

zu sammeln.

SchLAu Duisburg kann so im Jahr seiner Gründung

schon auf knapp 300 erreichte Personen Stolz sein.

Kooperation mit dem Träger

SchLAu Duisburg agiert weitgehend eigenständig, bedarf

aber eines Trägers. Die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis

Wesel e.V. stellt sich dazu gern zur Verfügung. SchLAu

erhält administrative Unterstützung sowie Sach-Unterstützung

z.B. einen Arbeitsplatz, Zugriff auf Materialien

und Personelle Unterstützung durch einen Mitarbeiter.

Die Zusammenarbeit und das Verhältnis der beiden

Institutionen wird durch eine Kooperationsvereinbarung

geregelt.

SchLAu Duisburg arbeitet vornehmlich eng mit dem

Youthwork Bereich der AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel

e.V. zusammen. Gemeinsam wurde bereits zusammen

mit Profamilia Duisburg ein Projekt auf den Weg gebracht,

welches ein innovatives Angebot an Duisburger

Schulen darstellt: Die sexualpädagogische Stadtralley.

87


6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

Im Berichtsjahr waren als Kern 18 Personen

ehrenamtlich für die AIDS-Hilfe tätig. Punktuell, im

Berichtsjahr auch bei der Renovierung unserer neuen

Räumlichkeiten und beim Umzug, beim CSD in Duisburg

oder beim WAT beteiligen sich weitere interessierte

Menschen an unserer Arbeit und unterstützen uns

tatkräftig.

Das ehrenamtliche Engagement ist für das Angebot

der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. weiterhin

überaus wichtig. Ohne die freiwilligen MitarbeiterInnen

könnten wir unser umfangreiches Angebot nicht

aufrechterhalten. Daher an dieser Stelle unser großer

Dank für den unermüdlichen Einsatz und die vielen

unentgeltlich geleisteten Stunden der ehrenamtlichen

MitarbeiterInnen.

Aufgrund unseres Umzuges, der doch mehr zeitliche

Ressourcen als gedacht gebunden hat, konnte die

Weiterentwicklung unseres Ehrenamtlerkonzeptes nicht

fortgeführt werden.

Die AIDS-Hilfe bietet vielfältige Aufgabengebiete,

in denen sich die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

engagieren können. Diese umfassen die Begleitung,

Knastarbeit, Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit,

Herzenslust, Substitutionsvergabe, Telefon- und

E-Mail-Beratung, Chat-Beratung, Vorstandsarbeit,

Freitagsfrühstück, Substitionsfrühstück und

Weihnachtsfeier. Einige ehrenamtliche MitarbeiterInnen

arbeiten in mehreren Bereichen, andere haben sich

spezielle Aufgabengebiete gesucht, so zum Beispiel das

Freitagsfrühstück.

Die ehrenamtlichen MitarbeiterInnnen sind in den

unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind HIV-negativ

oder HIV-positiv, setzen sich aus Frauen und Männern

aus allen sozialen Lebensbereichen zusammen und

stammen aus den unterschiedlichsten politischen

Richtungen. Dies bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe

einen enormen Erfahrungsschatz, der in unsere Arbeit

mit einfließt.

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser

Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der

zentrale Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen

oder sich untereinander oder mit den hauptamtlich

Tätigen auszutauschen.

Im Berichtsjahr fand nur ein Aktiventreffen im Oktober

statt.

Das Oktober-Treffen hatte traditionell als Haupt-

Schwerpunkt die WAT-Planung und diente als Austausch

über die Geschehnisse des Jahres.

Unser traditionelles Dezember-Aktiventreffen fand

in diesem Jahr im modifizierten Rahmen statt. Da

unsere Küche ein Werkeln von mehreren Personen

gleichzeitig nicht zulässt, wurde in diesem Jahr vom

Verein eingeladen und das Essen von auswärts

bestellt. Von hauptamtlicher Seite wurde das

Dessert kreiert und unser Gruppenraum gemütlich

hergerichtet. In sehr schöner Atmosphäre und

geselliger Runde fand in unserem neuen Café der

Abend statt. Wie in den Vorjahren konnten wir uns

bei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

für ihre Tätigkeit im abgelaufenen Jahr und auch bei

den Veranstaltungen zum WAT bedanken und ein

erstes finanzielles Ergebnis zum WAT verkünden. Des

Weiteren gratulierte der Vorstand und der Verein zwei

hauptamtlichen Mitarbeitern zu ihrem zehnjährigen und

fünfzehnjährigem Dienstjubiläum (Werner Garbe und

Ralf Runniger).

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche

MitarbeiterInnen

Im Berichtsjahr fand wieder eine Schulung für

88

Ehrenamtliche Mitarbeit


ehrenamtliche MitarberInnen vernetzt mit den AIDS-

Hilfen Bochum, Essen und Oberhausen statt. Die

Schulung startete mit 21 TeilnehmerInnen und von

unserer AIDS-Hilfe stammten zwei Teilnehmer und

eine Teilnehmerin. Zwei Teilnehmer besuchten nur die

ersten Termine, vierzehn erfüllten die Kriterien für die

Aushändigung eines Zertifikates.

Von unserem Ehrenamtlerkoordinator wurden

Mappen für die zukünftigen EhrenamtlerInnen mit

Wegbeschreibungen zu den einzelnen AIDS-Hilfen

und Evaluationsbögen zu den Schulungseinheiten

zusammengestellt. Die Anwesenheit wurde von ihm

nachgehalten, da die TeilnehmerInnen, die an 80 vH der

Schulung teilgenommen hatten, am Ende ein Zertifikat

erhielten. Dieses wurde auch von unserer AIDS-

Hilfe erstellt und am letzten Abend bei Erfüllung der

vorgenannten Kriterien den TeilnehmerInnen überreicht.

Des Weiteren wurden vom Ehrenamtlerkoordinator die

Evaluationsbögen ausgewertet.

Die Schulung umfasste sieben Abendtermine mit

zweieinhalb Stunden Zeitumfang und zwei ganztägige

Termine mit folgenden Inhalten:

An sechs Schulungsterminen waren wir mit Referenten

beteiligt. In der Regel wird jede Einheit von zwei

Referenten gestaltet, aufgrund der personellen Situation

in der AIDS-Hilfe Oberhausen und unser räumlichen

Situation während unseres Umzuges, konnten wir die

Räume in der AIDS-Hilfe Oberhausen nutzen, haben

aber die ersten beiden Schulungseinheiten und den Tag

zu „Liebe, Sexualität und Partnerschaft“ nur mit einem

Referenten aus unserer AIDS-Hilfe ausgerichtet.

6. 3 Externe Fortbildungen

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein

Fortbildungsetat für ehrenamtliche und hauptamtliche

MitarbeiterInnen. Nicht nur im eigentlichen HIV/

AIDS-Bereich, sondern auch bei anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten und in der

Sozialgesetzgebung ergeben sich immer schneller

Veränderungen. Fortwährende Weiterbildungen

garantieren somit eine kompetente und aktuelle

Beratung und daraus resultierend entsprechende

Qualitätssicherung.

Im September fand bei uns die Medizinische Rundreise

der Deutschen AIDS-Hilfe zum Thema „HIV-Therapie

2013“ statt. Mit fünfzehn Personen war diese sehr gut

besucht und aufgrund einer guten Moderation und

einem mit Fachwissen breit aufgestellten Referenten

waren am Ende alle Fragen beantwortet, die am

Anfang gesammelt wurden, auch wenn diese Themen

außerhalb der Ausschreibung angesiedelt waren.

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen führten

wir ein Fachgespräch in Duisburg durch (näheres

im Kapitel Öffentlichkeitsarbeit). Hier referierte der

Duisburger HIV-Schwerpunktarzt Dr. Kwirant zum Thema

„HIV positiv – nicht infektiös. (wie) kann das gehen?“

89


Controlling-Daten für das Kalenderjahr 2013 -

Verteilung nach Arbeitsfeldern

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2013 durch Maßnahmen primärpräventiver Zielsetzung

(personalkommunikativ) :

Gesamt 11.403

Davon im Arbeitsbereich :

1.1. Youthwork u. Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Gesamt: 3603 (31,6 %)

Davon männlich 1755

Davon weiblich 1848

Mit erkennbarem Migrationshintergrund 694

Ohne erkennbaren Migr.hintergrund 2909

Bis 21 Jahre 2015

Über 21 Jahre 1588

1.2. Beratung (persönlich, telefonisch, inkl. bundesweite Telefonberatung

Gesamt : 871 (7,6 %)

Davon männlich 623

Davon weiblich 248

Mit Migrationshintergrund 219

Ohne Migrationshintergrund 652

Bis 21 Jahre 100

Ab 22 Jahre 771

1.3 Frauen (inkl. überregionale Aktionen i. R. der Landesarbeitsgemeinschaft; AG XXelle-Ruhrgebiet , …)

Gesamt : (100% weiblich) 521 (4,6 %)

Mit Migrationshintergrund 130

Ohne Migrationshintergrund 391

Bis 21 Jahre 110

Ab 22 Jahre 411

1.4 Migration (in 2013 subsumiert in Beratung 1.2, Frauen 1.3 u. YW 1.1)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.5 Herzenslust regional (inkl. Beratung & Test, CSD Duisburg, Parties, …)

Gesamt : (100% männlich) 1360 (11,9 %)

Mit Migrationshintergrund 401

90

Anhang / Pressespiegel


Ohne Migrationshintergrund 959

Bis 21 Jahre 204

Ab 22 Jahre 1156

1.6 Herzenslust (Knotenpunktarbeit im Ruhrgebiet, anteilig über ZSP-Landesmittel gefördert)

(inkl. Gay-online-Beratung über Health-Support-Profile, CSDs Köln und Essen)

Gesamt : (100% männlich) 800 (7,0 %)

Mit Migrationshintergrund 200

Ohne Migrationshintergrund 600

Bis 21 Jahre 120

Ab 22 Jahre 680

1.7. SchLAu Duisburg (seit 06/2013 in Trägerschaft der AIDS-Hilfe)

Gesamt: 423 (3,7 %)

Davon männlich: 179

Davon weiblich: 244

Mit Migrationshintergrund: 126

Ohne Migrationshintergrund: 297

Bis 21 Jahre: 350

Ab 22 Jahre: 73

1.8. Justizvollzug („Knastarbeit“)

Gesamt : (alle über 21 Jahre!) 305 (2,7 %)

Davon männlich 71

Davon weiblich 234

Mit Migrationshintergrund 20

Ohne Migrationshintergrund 285

1.9. Drogen (allgemeine Präventionsarbeit d. AH)

Gesamt : 720 (6,3%)

Davon männlich 568

Davon weiblich 152

Mit Migrationshintergrund 212

Ohne Migrationshintergrund 508

Bis 21 Jahre 70

Ab 22 Jahre 650

1.10. Spritzentausch

Gesamt : 200 (1,8 %)

Davon männlich 130

Davon weiblich 70

91


Mit Migrationshintergrund 35

Ohne Migrationshintergrund 165

Bis 21 Jahre 20

Ab 22 Jahre 180

1.11. Substitution (an Wochenenden und Feiertagen in Duisburg)

Gesamt : 2600 (22,8 %)

Davon männlich 1740

Davon weiblich 860

Mit Migrationshintergrund 258

Ohne Migrationshintergrund 1342

Bis 21 Jahre 160

Ab 22 Jahre 2440

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2013 durch Maßnahmen sekundär- und tertiärer Zielsetzung

(personalkommunikativ)

Gesamt : 7174

1.1 (Psychosoziale-) Begleitung

Gesamt : 7006 (97,7 %)

Davon männlich 5044

Davon weiblich 1962

Mit Migrationshintergrund 2100

Ohne Migrationshintergrund 4906

Bis 21 Jahre 19

Ab 22 Jahre 6987

1.2 Beratung (für 2012 in 2.1. PSB integriert)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Mit Migrationshintergrund

Ohne Migrationshintergrund

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

1.3 Justizvollzug

Gesamt : 19 (0,3 %)

Davon männlich 11

Davon weiblich 8

Mit Migrationshintergrund 10

Ohne Migrationshintergrund 9

Ab 22 Jahre (alle!) 19

92

Anhang / Pressespiegel


1.4 Frauen

Gesamt : 132 (1,8 %)

Mit Migrationshintergrund 33

Ohne Migrationshintergrund 99

Bis 21 Jahre 6

Ab 22 Jahre 126

1.5 Migration (s. 2.1. Begleitung und 2.4. Frauen)

1.6 Drogen

Gesamt: 10 (0,1 %)

Davon männlich 7

Davon weiblich 3

Mit Migrationshintergrund 0

Ohne Migrationshintergrund 10

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre (alle!) 10

1.7 Youthwork (hier nur Personen! mit i.d.R. mehreren Kontakten!)

Gesamt : 7 (0,1 %)

Davon männlich 5

Davon weiblich 2

Mit Migrationshintergrund 1

Ohne Migrationshintergrund 6

Bis 21 Jahre 2

Ab 22 Jahre

…..5

93


94 Anhang / Pressespiegel


96 Anhang / Pressespiegel


98 Anhang / Pressespiegel


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