Nutzenbilanz 2006 - SRG SSR

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Nutzenbilanz 2006 - SRG SSR

idée suisse

Nutzenbilanz

DER SERVICE PUBLIC DER SRG SSR IDÉE SUISSE


Inhalt

Einleitung 2

Vielfalt der Medien und Programme für alle 4

Programme von hoher Qualität 12

Nationaler Kommunikationsraum 18

Unabhängiges Radio und Fernsehen 24

Solidarität zwischen Mehrheiten und Minderheiten 30

Kultur thematisieren, fördern und bewahren 36

Wirtschaftlichkeit ohne Profitorientierung 44

Eine tragende Säule der schweizerischen Medienbranche 52

Attraktive Arbeitsplätze für rund 6000 Menschen 58

Literatur- und Quellenverzeichnis 64

Impressum 65


2 Einleitung

Einleitung 3

75 Jahre Service public

für die Schweiz

Ein Medienunternehmen, das einen öffentlichen Auftrag hat und zu

gut zwei Dritteln durch Gebührengelder finanziert wird, muss seiner

Rechenschaftspflicht mit besonderer Sorgfalt nachkommen. Die

SRG SSR idée suisse erfüllt diese Pflicht seit 75 Jahren im Rahmen

ihres jährlichen Geschäftsberichts und nun zum dritten Mal mit der

«Nutzenbilanz»: Sie zeigt die Unternehmensstrategie der SRG SSR auf,

definiert die gesellschaftliche Bedeutung ihrer Aktivitäten und belegt

ihren Service public mit einer Vielzahl von Daten und Beispielen.

möchte Transparenz herstellen, die weiter geht als jene im Geschäftsbericht. Die Nutzenbilanz

übernimmt damit eine Argumentations- und Legitimationsfunktion. Sie soll Akzeptanz

unterstützen und fördern bei jenen, die über das Dasein und über die Finanzierung der

SRG SSR bestimmen: bei den Politikerinnen und Politikern, bei andern Entscheidungsträgern

und – nicht zuletzt! – bei den Gebührenzahlenden der Schweiz. Die Nutzenbilanz richtet

sich primär an (medien-)politische, (medien-)kulturelle, (medien-)journalistische und (medien-)ökonomische

Fachleute. Aber auch an interessierte Gebührenzahlende, an die Trägerschaftsmitglieder

und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SRG SSR.

Am 24. Februar 1931 wurde die Schweizerische Rundspruchgesellschaft gegründet, um die

verschiedenen regionalen Radioorganisationen unter einem Dach zu vereinen. 75 Jahre

später blickt die SRG SSR idée suisse stolz und dankbar auf 75 Jahre Entwicklung ihres

Service public zurück. Sie nutzt das Jubiläumsjahr dazu, die Wertediskussion in den Vordergrund

zu stellen. Sie wird sich intensiv und auch öffentlich mit der Frage auseinander setzten,

welchen Service public die Schweiz braucht und welche SRG SSR das Publikum wünscht.

Dabei gilt es, sich in Erinnerung zu rufen, welche Ziele sich die SRG SSR gesetzt hat, was sie

unternommen hat, um diese Ziele zu erreichen und ob die Massnahmen zur Erreichung der

Ziele ausreichten. Die SRG SSR hat von Bundesrat und Parlament einen Programmauftrag.

Die Konzession schreibt ihr u.a. vor, wie viele Radio- und wie viele Fernsehprogramme sie

in den vier Landessprachen anzubieten hat. Inhaltlich wird von der SRG SSR eine Programmpalette

gefordert, welche den Bedürfnissen des Publikums nach Information, Bildung und

Unterhaltung entspricht. Die SRG SSR setzt sich aber auch eigene Ziele und hat diese in der

Gesamtstrategie 2003–2008 formuliert.

«Nutzenbilanz»

Der Titel «Nutzenbilanz» wurde gemeinsam mit Prof.Dr.Otfried Jarren vom Institut für

Publizistik- und Medienforschung der Universität Zürich erarbeitet. Der Begriff «Nutzen»

ist am offensten und konkretesten und reduziert die Aktivitäten nicht auf eine einzige

Dimension. Die Nutzenbilanz gehört zum Bereich der Nachhaltigkeitsberichte, der Sustainability

Reports, Responsibility Reports und der Corporate Citizenship.

Interne und externe Daten als Basis

Für die Nutzenbilanz wurden SRG-SSR-interne Daten und Studien verwendet, aber auch

Berichte von unabhängigen Forschungsinstituten und aus der (Medien-)Wissenschaft. Die

Nutzenbilanz 2006 untersucht die Jahre 2004 und 2005 und zeigt Entwicklungen der letzten

fünf bis zehn Jahre auf. Zwar verlieren die genannten Zahlen und Beispiele mit der Zeit

ihre Aktualität, die Argumente für einen starken Service public der SRG SSR hingegen bleiben

zeitlos.

Eine solche Fülle von Informationen ist das Resultat eines langwierigen internen Prozesses.

Viele Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen in der Generaldirektion, bei Media

Services und aus den Unternehmenseinheiten und Tochtergesellschaften der SRG SSR trugen

zur Datenvielfalt und damit zum Gelingen dieser Publikation bei. Die Nutzenbilanz ist deshalb

auch ein Instrument der internen Kommunikation der SRG SSR. Sie hat bestehende, aber

auch fehlende oder fehlerhafte Daten bewusst gemacht und dadurch Prozesse zur Verbesserung

der Datenaufbereitung ausgelöst resp. vorangetrieben.

Nutzenbilanz im Geschäftsbericht integriert

Bis 2006 ergänzte die Nutzenbilanz den Geschäftsbericht und das Unternehmensporträt

der SRG SSR als eigenständige Publikation. Ab 2007 wird es keine solche Nutzenbilanz mehr

geben. Die SRG SSR wird in Zukunft innerhalb des Geschäftsberichts Rechenschaft ablegen

über ihren Service public resp. über ihren Nutzen für Gesellschaft und Individuum. Im Internet

stellt die SRG SSR eine multimediale Plattform mit aktuellen Daten und Beispielen

bereit.

Transparenz gegen innen und aussen

Die Nutzenbilanz zeigt Ziele und Leistungen der SRG SSR auf und dokumentiert sie mit

nationalen und regionalen Daten und Beispielen. Mit dieser Publikation will die SRG SSR

Rechenschaft ablegen über ihren gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Nutzen. Sie

Rechenschaftsberichte der Unternehmenseinheiten der SRG SSR

• Bilancio sociale 2003 von Radiotelevisione svizzera di lingua italiana (RTSI)

• Bilancio di sostenibilità 2002 von RTSI

• Leistungsbilanz 2005 von Schweizer Radio DRS

• Leistungsbilanz 2005 von Schweizer Fernsehen.


Vielfalt der Medien

und Programme für alle

Die SRG SSR idée suisse hat ihr Programmangebot seit der Gründung

1931 laufend ausgebaut. Heute beinhaltet es 16 Radio- und sieben Fernsehprogramme

in den vier Landessprachen, Websites in zehn Sprachen

sowie Teletext auf Deutsch, Französisch und Italienisch. Die Inhalte

der SRG-SSR-Programme sind vielfältig und berücksichtigen die Ansprüche

des Publikums. Mit ihren Radioprogrammen ist die SRG SSR

in allen vier Sprachregionen marktführend. Ihre Fernsehprogramme

behaupten sich erfolgreich gegen eine Vielzahl von Angeboten aus dem

gleichsprachigen Ausland.

Das Programmangebot und der Programmauftrag der SRG SSR idée suisse beruhen auf der

Konzession SRG SSR. Artikel 2 regelt die Anzahl der Programme, das Teletextangebot und

die Beteiligungen an internationalen Radio- und Fernsehangeboten. Artikel 3 schreibt vor,

dass die SRG SSR ihren Auftrag durch die Gesamtheit ihrer Radio- und Fernsehprogramme

erfüllt, in allen Amtssprachen und mit gleichwertigen Programmen für alle Landesteile. Die

SRG SSR soll in ihren Programmen insbesondere durch eine allgemeine, vielfältige und

sachgerechte Information zur freien Meinungsbildung des Publikums beitragen und die

kulturellen Werte des Landes stärken. Sie soll die Ausländerinnen in der Schweiz berücksichtigen,

den Kontakt zu den Auslandschweizern unterstützen und die Präsenz der Schweiz

im Ausland fördern. Die Programme der SRG-SSR-Medien sollen das Kulturschaffen anregen

und einen Beitrag zur kulturellen Entfaltung des Publikums leisten. Des Weiteren soll die

SRG SSR sowohl bildende Inhalte vermitteln als auch Unterhaltung anbieten.

Vielfalt der Sprachen und der Programme

In den 30er-Jahren bot die neu gegründete Schweizerische Rundspruchgesellschaft (SRG)

drei Radioprogramme an: das deutschsprachige Radio Beromünster für die Deutschschweiz

(das heutige DRS 1), das französischsprachige Radio Sottens für die Suisse romande (heute:

La Première) und das italienischsprachige Radio Monte Ceneri für die Svizzera italiana (heute:

Rete Uno). 1938 anerkannten die Schweizer Stimmberechtigten Rätoromanisch als vierte

Landessprache. Von da an waren in den Radioprogrammen der SRG SSR auch rätoromanische

Sendungen zu hören (seit 1992 als eigenständiges Vollprogramm: Radio Rumantsch).

Den ersten offiziellen Fernsehversuch führte die SRG SSR 1953 durch, 1958 startete sie den

definitiven Fernsehbetrieb mit deutsch- und französischsprachigen Sendungen aus Zürich

bzw. Genf. Für die Bevölkerung im Tessin wurden diese Sendungen mit italienischem Kommentar

ausgestrahlt. Seit 1961 hat die italienischsprachige Schweiz ein eigenes Fernsehen.

Rätoromanische Sendungen sind seit 1963 Bestandteil des Programms.

Gesellschaft, Medien, Wirtschaft und Politik sind in einem ständigen Wandel begriffen. Auch

die SRG SSR geht mit der Zeit. Sie hat ihr Medien-, Programm- und Sprachenangebot laufend

angepasst und ausgebaut. Heute produziert sie als einzige Schweizer Anbieterin Radio- und


6 Vielfalt der Medien

Vielfalt der Medien 7

Fernsehprogramme für alle vier Sprachregionen der Schweiz. Aus der Anbieterin von drei Radioprogrammen

ist ein Medienunternehmen geworden, das rund um die Uhr Radio-, Fernseh-,

Teletext- und Internetangebote produziert, für jeden Geschmack und jedes Bedürfnis.

Radio und Fernsehen für alle

Die Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR sind primär auf die Bedürfnisse des Publikums

in den Sprachregionen ausgerichtet. Sie berücksichtigen die unterschiedlichen Interessen

der Publika und sind vom jeweiligen regionalen Medienumfeld geprägt. Die Programme

der SRG SSR bieten regionale, nationale und internationale Informationen,

Reportagen und Hintergrundberichte aus Politik, Kultur, Gesellschaft und Sport, aber auch

Unterhaltung und Musik. Je nach Sender bzw. je nach Zielpublikum liegt der Schwerpunkt

eher bei Information oder Unterhaltung. An das Publikum im Ausland richten sich die Internetangebote

von Swissinfo/Schweizer Radio International (SRI) und die Programmfenster

bei ausländischen Fernsehsendern.

Radioprogramme

Die Radioprogramme der SRG SSR sind frei von Werbung und unterscheiden sich dadurch

wesentlich von den Programmen der inländischen und der meisten ausländischen Konkurrenzradios.

Die ersten Radioprogramme der Deutschschweiz, der Suisse romande und der

Svizzera italiana richten sich an ein breites Publikum. Den Schwerpunkt bilden aktuelle Informationen,

ergänzt durch Ratgeber- und Konsumentensendungen und populäre Unterhaltungsmusik.

Die zweiten Programme sind Kulturprogramme. Hier werden aktuelle Informationen

vertieft und in einen grösseren Zusammenhang gestellt. Musikalisch dominieren

Klassik und Jazz, ergänzt durch Konzertübertragungen und Hörspiele. Bei den dritten Programmen

überwiegt Musik, umrahmt von Wort- und Informationsbeiträgen. Die vierten

Programme der Deutschschweiz und der Suisse romande, DRS Musigwälle und Option

Musique, bevorzugen traditionelle Unterhaltungsmusik. Sie übernehmen Informationssendungen

der ersten Programme. Als fünftes Programm der Deutschschweiz bietet Schweizer

Radio DRS (SR DRS) mit Virus ein Jugendprogramm an, dessen Wort- und Musikbeiträge

sich an junge Hörerinnen und Hörer richten. Der Sender setzt auf Multimedia und Interaktivität

mit dem Publikum. Radio Rumantsch (RR) legt den Fokus auf Sendungen über und

für die Svizra rumantscha. Das Musikprogramm reicht von rätoromanischer Volksmusik bis

hin zu Rock und Rap. Den Musikliebhaberinnen und -liebhabern aus der ganzen Schweiz

bietet Swiss Satellite Radio Musikprogramme aus den Sparten Jazz, Pop und Klassik. Das

Kurzwellenradio von Swissinfo/SRI, dessen Zielpublikum Auslandschweizerinnen und –

schweizer sowie alle an der Schweiz Interessierte waren, wurde Ende Oktober 2004 einge-

stellt. Swissinfo/SRI konzentriert sich nun auf die multimediale, neunsprachige Internet-

Plattform www.swissinfo.org.

Die Radioprogramme der SRG SSR sind – wie alle vergleichbaren Radioprogramme im In- und

Ausland – musikdominiert. 2004 waren in den Radioprogrammen der SRG SSR insgesamt

68 Prozent Musik zu hören, je nach Sender eher U-Musik oder E-Musik. Die Kürzel «U» und

«E» stehen für Unterhaltung bzw. für ein ernsteres Minderheitenangebot. Die Kategorie

Information machte 11 Prozent des Programmangebots aus. Zu dieser Kategorie gehören

Nachrichten, aktuelle und vertiefende Informationssendungen und Serviceinformationen wie

z.B. Wetterberichte. 14 Prozent des Radioprogramms bestanden aus Unterhaltungs- und

Begleitsendungen, 7 Prozent waren Kultursendungen mit Dokumentationen und Features

zu Kultur, Literatur, Religion etc. oder Hörspielen und Sendungen, die sich an ein Spartenpublikum

richten. Sportsendungen machten ein Prozent des Programmangebots aus. Seit 1995

ist die Zusammensetzung des «Radiomenüs» der SRG SSR mehr oder weniger konstant.

Fernsehprogramme

Die Programme der SRG SSR bieten Fernsehen von internationalem Standard, mit nationaler

Ausrichtung und regionalem Bezug. Jedes Programm berücksichtigt die sprachkulturellen

Besonderheiten seiner Region. Die ersten Fernsehprogramme der Deutschschweiz, der

Suisse romande und der Svizzera italiana sind Generalistenprogramme – sie erfüllen die

Bedürfnisse eines breiten Publikums. Die zweiten Programme sind für speziell interessierte

Teilpublika gemacht. Je nach Sendezeit dominieren hier Kinder- und Kultursendungen, Spielfilme

oder Sportübertragungen. Der Svizra rumantscha bietet die SRG SSR fünf rätoromanische

Sendungen, die auf SF1 ausgestrahlt werden. Drei davon sind regelmässig auf TSI 1

und TSI 2, TSR2 und SFinfo als Wiederholungen zu sehen. Damit auch ein anderssprachiges

Publikum die rätoromanischen Sendungen versteht, sind sie im Teletext entsprechend untertitelt.

Mit dem Wiederholungskanal SFinfo geht die SRG SSR auf individuelle Sehgewohnheiten

des Publikums ein. Das Wiederholungsprogramm besteht aus Informationssendungen

von SF1 , TVR und des privaten Fernsehanbieters Presse TV. Neben dem nationalen Angebot

pflegt die SRG SSR Partnerschaften mit ausländischen Sendern: Als Programm-Mitgestalterin

bei 3sat (dem deutschsprachigen Gemeinschaftsprogramm von SF DRS, ARD und ZDF in

Deutschland sowie ORF in Österreich), bei TV 5 (dem französischsprachigen Gemeinschaftsprogramm

von TSR mit France 2 und France 3 in Frankreich, RTBF in Belgien und CBC in

Kanada) und bei Arte (dem europäischen Kulturkanal). Darüber hinaus liefert die SRG SSR

Beiträge an spezialisierte TV-Stationen, wie CNN, Eurosport oder Euronews.

2004 bestand das Angebot des SRG-SSR-Fernsehens zu 28 Prozent aus Information, zu

24 Prozent aus Film/Unterhaltung, zu je 11 Prozent aus Kultur und Sport, zu sechs Prozent

Radioangebot der SRG SSR nach Inhaltssparten: Anzahl und Anteile Programmstunden

Total

Fernsehangebot der SRG SSR nach Inhaltssparten: Anzahl und Anteile Programmstunden

Total

2004

13124 1063 7939 16953 81929 121008

2004

16596 6724 6253 14415 3827 11564 59380

2003

13096 1130 7672 15561 83260 120719

2003

19517 6438 6453 13632 4312 9193 59546

2002

12779 1123 7464 14312 85040 120718

2002

16592 6880 6051 13368 4346 10381 57618

2001

12294 1129 7477 13589 86140 120629

2001

15801 5710 5519 14166 4112 9932 55240

2000

12182 1172 7046 12947 85643 118990

2000

12570 5247 5663 13288 3925 18239 58932

1999

11149 1388 6241 12619 77804 109201

1999

11864 4632 5354 12239 5251 16402 55742

1998

12659 1298 6528 12087 69758 102330

1998

9711 5379 5831 11388 4806 12807 49922

1997

10261 1279 6538 11237 63552 92867

1997

7368 3811 5130 10196 2859 15600 44964

1996

10093 1264 6293 10855 58764 87269

1996

6220 4384 4366 9638 1365 15050 41023

1995

10150 1228 6180 10226 55684 83468

1995

5655 3014 4078 9738 1244 15038 38767

0 20 000 40 000 60 000 80 000 100 000 120 000 140000

0 10 000 20 000 30 000 40 000 50 000 60 000

Information Sport Kultur, Zielgruppen Wort-Unterhaltung Musik

Information Sport Kultur Film, Unterhaltung Kinder-/Jugendsendungen Diverse: Programmhinweise, Trailer etc.


8 Vielfalt der Medien

Vielfalt der Medien 9

aus Kinder- und Jugendsendungen und zu 19 Prozent aus Programmhinweisen und Servicesendungen.

Der Anteil der Informationssendungen in den Fernsehprogrammen der SRG

SSR hat sich seit 1995 fast verdoppelt. Vor allem ausgebaut wurde die Regional- und Inlandberichterstattung.

Die SRG SSR trug damit der Tatsache Rechnung, dass es vor allem

die Informationen aus und über die Schweiz sind, welche ihre Programme gegenüber der

ausländischen Konkurrenz einzigartig und unverzichtbar machen. Zugenommen hat auch

der Anteil Kinder- und Jugendsendungen. Stabil geblieben sind die Anteile der Programmsparten

Kultur, Sport und Unterhaltung.

Laufend mehr Programmstunden

Zwischen 1995 und 2004 hat die SRG SSR ihr Radio- und Fernsehangebot kontinuierlich

ausgebaut, die Anzahl der Programmstunden ist gestiegen. Den stetigen Ausbau erreichte

die SRG SSR durch die Einführung neuer Programme, die Schliessung von Nachtlücken und

die Ausstrahlung von Wiederholungen.

Programmstunden Radio

Die sprachregionalen Radios der SRG SSR sendeten im Jahr 2004 insgesamt 121 008 Stunden,

1995 waren es 83 468 Stunden. Diese Zunahme um das 1,5-fache ist auf die Einführung

neuer Programme und auf die Ausdehnung der Sendezeiten der bestehenden Programme

zurückzuführen: auf die Einführung der DRS Musigwälle und von Virus und auf den Ausbau

der Regionaljournale von SR DRS. Alle Radios der SRG SSR senden rund um die Uhr. DRS 2,

Espace 2 und Rete Due übernehmen nachts das Programm von Radio Swiss Classic, Radio

Rumantsch übernimmt das Programm von DRS 1 und DRS 3 und Option Musique übernimmt

jenes von La Première. Die übrigen Radiosender haben ein eigenes Nachtprogramm. In

diesen Zahlen sind die Sendestunden von Swiss Satellite Radio nicht enthalten: Die Programme

Radio Swiss Jazz, -Pop und -Classic senden rund um die Uhr ein Musikprogramm,

dass über Kabel, Satellit, Internet und DAB empfangbar ist.

Die Anzahl eigenproduzierter Programmstunden bei den Radios der SRG SSR nahm zwischen

1995 und 2004 um 16 Prozent zu, von 25 325 auf 29 419 Stunden. Zugenommen hat auch

die Anzahl fremdproduzierter Programmstunden: von 52 091 Stunden im Jahr 1995 auf

70 449 Stunden im 2004 (+35 Prozent). Die Wiederholungen in den Radioprogrammen der

SRG SSR haben seit 1995 um das Dreieinhalbfache zugenommen: von 6053 Stunden im

Jahr 1995 auf 21 141 Stunden im Jahr 2004.

2004 waren 24 Prozent der ausgestrahlten Radioprogrammstunden Eigenproduktionen,

58 Prozent waren Fremdproduktionen, 18 Prozent waren Wiederholungen. Der Anteil

Fremdproduktionen in den Radioprogrammen der SRG SSR ist seit 1995 mit rund 60 Prozent

konstant. Abgenommen hat der Anteil Eigenproduktionen (– 6 Prozent). Bei den Wiederholungen,

deren Anteil sich mehr als verdoppelt hat, handelt es sich vor allem um Sendungen,

welche die verschiedenen Programme einer Sprachregion untereinander austauschten (z.B.

wiederholt DRS 3 Sendungen von DRS 1, oder Espace 2 Sendungen von La Première).

Programmstunden Fernsehen

Zwischen 1995 und 2004 baute die SRG SSR ihr Angebot an Fernsehprogrammstunden um

das 1,5-fache aus. 2004 sendeten ihre sieben Fernsehprogramme insgesamt 59 380 Stunden.

1995 waren es noch 38 767 Programmstunden gewesen. Diese Zunahme hängt primär

zusammen mit der Einführung der zweiten Fernsehprogramme und des Wiederholungskanals

SFinfo, aber auch mit der kontinuierlichen Ausdehnung der Sendezeit auf ein 24-

Stunden-Programm.

Die Anzahl eigenproduzierter Programmstunden stieg zwischen 1995 und 2004 von 6552

auf 8826 Stunden (+35 Prozent), die Wiederholungen nahmen deutlich zu, von 8572 auf

34 963 Stunden (+308 Prozent). Die Fremdproduktionen hingegen sanken von 23 643 auf

15 591 Stunden (– 34 Prozent).

2004 bestand das Fernsehangebot der SRG SSR zu 15 Prozent aus Eigenproduktionen.

26 Prozent der ausgestrahlten Sendungen waren Fremdproduktionen und 59 Prozent Wiederholungen.

Während der Anteil Eigenproduktionen seit 1995 etwa konstant ist, nahmen

die Fremdproduktionen um 35 Prozent zu Gunsten der Wiederholungen ab. Eigenproduzierte

Informations- und Unterhaltungssendungen machen die Fernsehprogramme der

SRG SSR unverwechselbar gegenüber den Programmen der ausländischen Konkurrenz. Nicht

zuletzt deshalb werden sie zur besten Sendezeit ausgestrahlt. Wiederholungen dagegen

werden vor allem im Nachtprogramm und zu andern publikumsschwachen Zeiten gesendet.

Am günstigsten ist die Zweitausstrahlung von Eigenproduktionen, und das gilt nicht nur in

finanzieller Hinsicht: Durch die Zweitausstrahlung erhalten Zuschauerinnen und Zuschauer

die Chance, eine verpasste Sendung doch noch zu sehen (second chance viewing), für den

Anbieter verringern sich die Produktionskosten der Sendung pro Sendezeit bzw. erhöht sich

der Produktivitätsgewinn.

2004

Radioangebot der SRG SSR nach Produktionsarten: Anzahl und Anteile Programmstunden

Total

29419 70449 21141 121008

2004

Fernsehangebot der SRG SSR nach Produktionsarten: Anzahl und Anteile Programmstunden

Total

8826 15591 34963 59380

2003

29034 72203 19482 120719

2003

10601 14693 34252 59546

2002

30410 71203 19105 120718

2002

8892 17402 31324 57618

2001

27939 73322 19368 120629

2001

8358 18019 28709 55086

2000

27810 74369 16811 118990

2000

7849 19681 20179 47709

1999

28077 66197 14927 109201

1999

8276 19204 19969 47449

1998

27548 64269 10513 102330

1998

8302 20820 18349 47471

1997

26308 59630 6929 92867

1997

9138 22446 13380 44964

1996

25697 54753 6819 87269

1996

6868 25205 8950 41023

1995

25324 52091 6053 83468

1995

6552 23643 8572 38767

0 20 000 40 000 60 000 80 000 100 000 120 000 140000

0 10 000 20 000 30 000 40 000 50 000 60 000

Eigenproduktionen Fremdproduktionen Wiederholungen

Eigenproduktionen Fremdproduktionen Wiederholungen


10 Vielfalt der Medien

Vielfalt der Medien 11

Marktanteile Radio 2004

(Mo–So, 24h, gerundet)

SRG-SSR-Programme 66%

Kommerzielle

CH-Programme 25%

Ausländische Programme 10%

Der Sprung ins Internet-Zeitalter

Die Radio- und Fernsehunternehmen der SRG SSR bieten Websites an, die ihr Programmangebot

ergänzen und vertiefen (Added value). Neben aktuellen News, Programmhinweisen,

Hintergrundberichten zu Sendungen oder Dienstleistungen wie Wetterinformationen beinhalten

die Sites auch Audio-on-demand-Plattformen bzw. Video-on-demand-Plattformen.

Dank diesen kann das Publikum ganze Sendungen oder einzelne Beiträge zeitlich versetzt

übers Internet abrufen. Seit 1999 bietet Swissinfo/SRI auf der Internet-Informationsplattform

www.swissinfo.org Nachrichten über die Schweiz in Form von Text-, Bild-, Ton- und Videobeiträgen

in neun Sprachen: auf Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch,

Arabisch, Chinesisch und Japanisch. Inhaltlich stehen Informationen zur Schweiz

im Zentrum. Erste Priorität haben Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur,

Wissenschaft und Bildung, Tourismus und Sport. Die Website www.swissinfo.org bietet

ferner Zugang zu den wichtigsten Zeitungen und Informationssendungen der Radio- und

Fernsehsender der SRG SSR. Schweizerinnen und Schweizern im Ausland steht ein spezieller

Bereich zur Verfügung. Darin finden sich zum Beispiel umfassende Abstimmungsdossiers,

eine Linksammlung zu Websites, die für die «Fünfte Schweiz» von Interesse sind, und ein

Diskussionsforum, in dem vor allem im Ausland wohnhafte Schweizerinnen und Schweizer

zu Wort kommen.

Das Angebot der SRG SSR ist beliebt

Mit ihren Radioprogrammen ist die SRG SSR in allen vier Sprachregionen marktführend. Ihre

Fernsehprogramme behaupten sich erfolgreich gegen eine Vielzahl von Angeboten aus dem

gleichsprachigen Ausland, die ersten Programme erreichen die grössten Marktanteile in

allen Sprachregionen.

Marktanteile Radio 2004

In der Schweiz hören rund 5,5 Millionen Menschen oder 92% der Bevölkerung ab 15 Jahren

täglich Radio. Die durchschnittliche Hördauer beträgt eindreiviertel Stunden. Am häufigsten

und am längsten kommt die SRG SSR mit ihren Programmen zum Zug. Sie ist in

allen Sprachregionen deutlich marktführend. Je nach Region steht die SRG SSR vor allem

mit inländischen oder vor allem mit ausländischen Radioanbietern im Wettbewerb: Eine

dominante Position hat die SRG SSR in der Svizzera italiana mit einem Marktanteil von

83 Prozent. Wenn sie hier konkurrenziert wird, dann durch ausländische Programme. In der

Deutschschweiz beträgt der Marktanteil der SRG-SSR-Programme 65 Prozent; sie werden

vor allem durch inländische Privatradios konkurrenziert. In der Suisse romande, wo der

Marktanteil der SRG-SSR-Programme 62 Prozent beträgt, steht die SRG SSR sowohl mit

inländischen Privatradios als auch mit Auslandradios im Wettbewerb. In der Svizra rumantscha

sind die Programme der SRG SSR mit einem Marktanteil von 78 Prozent gut verankert.

Marktanteile machen ihr vor allem die inländischen Privatradios streitig.

Nutzung der Websites 2004

Die Websites der Radios und Fernsehen der SRG SSR gehören zu den meistgenutzten Medienportalen

der Schweiz. In der Deutschschweiz ist die Website von SF Schweizer Fernsehen

mit 175 000 Besuchern pro Monat (Unique Visitors) die Nummer zwei unter den Websites

der Schweizer Medienunternehmen (www.sf.tv). Die Website von Schweizer Radio DRS wird

monatlich von 91 000 Interessierten besucht und erreicht damit Platz fünf (www.drs.ch). In

der Suisse romande ist die Website von Télévision Suisse Romande mit 63 000 Besucherinnen

pro Monat die mit Abstand am meisten genutzte Medien-Website der Region (www.tsr.ch).

Die Website von Radio Suisse Romande ist mit 32 000 Besuchern an dritter Stelle (www.rsr.ch).

In der Svizzera italiana positioniert sich die Website von Radiotelevisione svizzera di lingua

italiana auf Platz zwei, mit 10 600 Besucherinnen pro Monat (www.rtsi.ch). Näheres zur Internetnutzung

in der Schweiz siehe www.forschungsdienst.ch (Downloads).

In Kontakt mit dem Publikum

Die SRG SSR tritt vor allem mit ihren Programmen in Kontakt mit dem Publikum. Mit offenen

Mikrofonen lässt sie Hörerinnen und Zuschauer zu Wort kommen. Moderatorinnen der

Ratgebersendungen sind ganz Ohr für die Sorgen und Fragen der Hörer. Musik-Wünsche

fliessen in die Wunschkonzerte ein. Radio- und Fernsehquiz-Sendungen wären sinnlos ohne

engagierte Hörerinnen und Zuschauer, die ins Studio anrufen. Die Präsenz eines Studio-

Publikums gehört bei vielen Fernsehsendungen zum Konzept.

Die SRG SSR lässt das Publikum hinter die Kulissen blicken: Die Fernsehstudios in Zürich,

Genf und Comano veranstalten Führungen für Besuchergruppen. Auch die Radios gewähren

Einblick in Welt der Worte und Töne, mit Führungen durch die Studios und mit Tagen

der offenen Tür. Begegnungen werden ebenfalls dank Livesendungen an Veranstaltungen

möglich oder durch Stände an Messen und Ausstellungen sowie in Reportagewagen vor

Ort. Die Radiosender der SRG SSR haben den Publikumskontakt institutionalisiert: Von Montag

bis Samstag 8 Uhr bis 20 Uhr beantwortet das Radiofon Fragen und nimmt Anregungen

und Reklamationen von Hörerinnen und Hörern entgegen mit dem Ziel, schneller und professioneller

auf deren Anliegen eingehen zu können. Beim Contact Center von Schweizer

Fernsehen DRS sind Mitarbeiterinnen von Sendebeginn bis zum Tagesschau-Nachtbulletin

für die Zuschauer im Einsatz. Die Kontakte werden inhaltlich erfasst und statistisch ausgewertet.

SF DRS erhält so wertvolle Informationen über die Wünsche seines Publikums. Die

Dienstleistungen für das Publikum werden immer vielfältiger. So können sich beispielsweise

Interessierte per SMS über die Erstausstrahlung von Filmen auf TSI 1 und die Übertragung

von Sportereignissen auf TSI 2 informieren. Die SMS werden einige Stunden vor der Ausstrahlung

kostenlos verschickt.

Marktanteile TV 2004

(Mo–So, Primetime, gerundet)

SRG-SSR-Programme 43%

Kommerzielle

CH-Programme 3%

Ausländische Programme 54%

Marktanteile Fernsehen 2004

Die Fernsehprogramme der SRG SSR stehen in Konkurrenz mit zahlreichen Programmen aus

dem gleichsprachigen Ausland. Gegenüber den ausländischen Veranstaltern hat die SRG

SSR jedoch den Vorteil, dass sie Programme anbietet, welche das Schweizerische ins Zentrum

rücken. Schweizerinnen und Schweizer – ob deutscher, französischer, italienischer oder

rätoromanischer Sprache – sind denn auch treue Anhänger der heimischen Programme. Vor

allem, wenn es um Informationen und Magazine, um Sport und um Spielfilme geht. Für

Soaps, Talks und Serien gehen sie eher mal zur ausländischen Konkurrenz. Der Marktanteil

der SRG-SSR-Fernsehprogramme beträgt in allen Sprachregionen in der Primetime – zwischen

18 und 23 Uhr – rund 40 Prozent. Vergleicht man die einzelnen Programme, dann

erzielen die ersten Programme in allen Sprachregionen mit Abstand den grössten Marktanteil.

Details zur Radio- und Fernsehnutzung in der Schweiz siehe www.forschungsdienst.ch

(Rubrik Dowloads).


Programme

von hoher Qualität

Die SRG SSR idée suisse macht Programme, die sich durch inhaltliche

und formale Qualität auszeichnen. Als Service-public-Anbieterin ist sie

sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und setzt sich

hohe Standards. Ihre Programme und Sendungen werden an einem

besonders strengen Massstab gemessen. Die Qualität ihres Angebots

entscheidet über die Glaubwürdigkeit und Daseinsberechtigung der

SRG SSR. Deshalb vertraut die SRG SSR nicht nur auf Fremdkontrolle,

sie setzt auch verschiedene Instrumente der Selbstkontrolle ein.

Zum Kerngehalt der Idée suisse gehört die publizistische Qualität und damit die Glaubwürdigkeit

der Programme. Die SRG SSR ist ethischen Prinzipien und der Menschenwürde

verpflichtet. Weil die Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR von den regionalen Unternehmenseinheiten

realisiert werden, hat sich jede von ihnen eigene Qualitätsziele gesteckt,

hat eigene Leitlinien entwickelt und Massnahmen formuliert. Denn Qualität ist keine absolute

Grösse. Die Massstäbe, mit denen Individuen und Interessengruppen aus Gesellschaft,

Wirtschaft, Kultur, Sport und Politik Programmqualität messen, sind unterschiedlich. Die

SRG SSR berücksichtigt diese Tatsache, indem sie bei der Beurteilung und Kontrolle ihrer

Programme mehrere Arten von Fremd- und Selbstkontrolle einsetzt. Im Vordergrund steht

die Selbstkontrolle, sie ist die beste Garantie für Unabhängigkeit. Alles in allem sind die

SRG-SSR-Medien die meistkontrollierten und -beobachteten Medien in der Schweiz.

Verschiedene externe Kontrollinstanzen

Die Tätigkeit der SRG SSR stützt sich auf eine Reihe rechtlicher Grundlagen (siehe Kapitel «Unabhängigkeit»).

Die Qualität ihres Medienangebots steht deshalb unter der Kontrolle des Gesetzgebers

resp. der zuständigen Behörden, aber auch der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) und

der Ombudsstellen. Diese Kontrollinstanzen kommen aber erst zum Einsatz, wenn die Qualität des

Angebots der SRG SSR – aus der Sicht von Interessengruppen oder Beschwerdeführenden – nicht

stimmt. Deshalb haben alle Radio- und Fernsehsender der SRG SSR zusätzliche externe Kontrollinstanzen.

Sie haben das Feedback des Publikums auf zwei Arten institutionalisiert: mit den

Publikumsräten und mit einer professionellen Publikumsforschung. Die Angebote der SRG SSR

sind zudem immer auch Thema der Medienwissenschaft und der (Konkurrenz-)Medien.

Sechs Ombudsstellen für Reklamationen aus dem Publikum

Die SRG SSR hat sechs Ombudsstellen: je eine für die Radio- und Fernsehprogramme der

vier Sprachregionen, eine für Swissinfo/SRI und eine für Teletext. Sie vermitteln zwischen

den Beschwerdeführenden und den Programmverantwortlichen. Da die meistbeachteten

Sendungen der SRG SSR die Nachrichten und die Tagesschauen sind, sind diese am häufigsten

von Reklamationen betroffen. Fernsehbeiträge wurden bisher immer häufiger beanstandet

als Radiobeiträge. Jedes Jahr hat es unter den Beschwerdeführenden Stammgäste, die

sich mehrmals beschweren. Die meisten Beschwerden zwischen 2000 und 2004 wurden

von den Ombudsstellen als unbegründet abgewiesen.


14 Programme von hoher Qualität

Programme von hoher Qualität 15

Anzahl Sendungen der SRG SSR, die bei den Ombudsstellen beanstandet wurden

Programm 2000 2001 2002 2003 2004

SF DRS 191 96 88 70 146

SR DRS 54 33 69 25 21

RSR 7 6 6 4 5

TSR 22 20 17 9 4

RSR+TSR 3 0 0 0 3

RSI 11 3 4 1 2

TSI 23 15 6 15 14

RR 0 0 1 0 0

TvR 0 0 0 0 0

Swissinfo/SRI 0 0 0 0 0

Teletext (DS, SR, SI) 27 12 2 4 0

Total SRG SSR 338 185 193 128 195

Quelle: Jahresberichte der Ombudsstellen SRG SSR

Die UBI als zweite Beschwerdeinstanz

Die Anzahl Beschwerden, die von den Ombudsstellen der SRG SSR an die Unabhängige

Beschwerdeinstanz (UBI) weitergezogen werden, ist in den letzten 10 Jahren mehr oder

weniger konstant geblieben. In der Regel sind es rund 20 pro Jahr. Gegen die SRG SSR

werden bei der UBI mehr Beschwerden eingereicht als gegen kommerzielle Anbieter. Angesichts

der Vielzahl und Vielfalt ihres Angebots und ihrer Exponiertheit als Service-public-

Unternehmen ist dies aber nur natürlich. Auch bei der UBI werden vor allem die viel beachteten

Informationssendungen der SRG-SSR-Fernsehprogramme beanstandet. Sendungen,

die «einen erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung haben», wie UBI-Präsident Denis

Barrelet präzisiert (NZZ, 21.1.2005). In den meisten Beschwerdefällen stellt die UBI fest, dass

die SRG SSR ihre Programmvorschriften eingehalten hat.

Urteile der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) seit 1995

Total UBI Urteile

Total UBI Urteile

betr. SRG SSR Gutgeheissen Abgewiesen

Nicht eingetreten/

Rückzug/Schlichtung

1995 24 23 4 10 9

1996 25 24 0 12 12

1997 23 21 2 13 6

1998 15 15 4 9 2

1999 29 26 7 13 6

2000 24 18 3 12 3

2001 24 20 3 13 4

2002 15 13 3 9 1

2003 17 15 1 11 3

2004 21 20 4 12 4

Total 217 195 31 114 50

%-Anteile 100 16 58 26

Quelle: UBI-Statistik unter www.ubi.admin.ch/entschei/x/query_de.php (24.3.2005)

Qualitätsmassstab des Schweizer Presserates als Grundlage

Der Schweizer Presserat ist eine Milizorganisation, welche über die Qualität des schweizerischen

Journalismus wacht. Er formulierte die «Erklärung der Pflichten und Rechte der

Journalistinnen und Journalisten» und machte diese zum Massstab für Qualität im Journalismus.

Die konkreten journalistischen «Richtlinien» des Presserates werden von allen Unter-

nehmenseinheiten der SRG SSR als bindende Grundlage anerkannt. Sie gehören zum

Basiswissen ihrer Journalistinnen und Redaktoren. Bei den meisten Radio- und Fernsehsendern

der SRG SSR sind die «Richtlinien» sogar expliziter Bestandteil des publizistischen

Leitbilds. Nach einer Umfrage in Redaktionen von Schweizer Medien kommt der Medienwissenschafter

Vinzenz Wyss zum Schluss: «Beim öffentlichen Rundfunk finden die Standesregeln

am meisten Beachtung» (Wyss, Vinzenz 2002: 374).

Heute gehen beim Presserat pro Jahr rund 70 Beschwerden ein. Die meisten richten sich gegen

Printmedien, unzufriedene Radiohörerinnen und Fernsehzuschauer wenden sich vor allem an

die Ombudsstellen der SRG SSR und an die UBI. Seit 1995 hat der Presserat 387 Stellungnahmen

veröffentlicht, 10 davon zu Berichten aus den Programmen der SRG SSR.

Stellungnahmen des Presserates seit 1995

Jahr Anzahl Stellungnahmen total Stellungnahmen betr. SRG SSR

1995 5 2

1996 8 0

1997 14 0

1998 17 0

1999 23 0

2000 44 0

2001 53 2

2002 66 0

2003 62 0

2004 67 4

Total 359 8

Quelle: http://www.presserat.ch/positions.htm

Publikumsforschung zur Überprüfung des Service public

Nur wer die Bedürfnisse seines Publikums kennt, kann diesen gerecht werden. Deshalb

betreibt die SRG SSR einen eigenen Forschungsdienst. Dieser ermittelt Marktanteile und

Reichweiten der Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR, aber auch anderer Rundfunkanbieter.

Die Daten zeigen die Stellung der SRG SSR auf dem Radio- und Fernsehmarkt (siehe

Kapitel «Angebot für alle»). Ausserdem zeigen sie – und das ist wichtig zur Kontrolle des

Service public –, ob die Sendungen ihr anvisiertes Zielpublikum tatsächlich erreichen resp.

ob alle Bevölkerungsgruppen mit Sendungen der SRG SSR bedient werden.

Fester Bestandteil der Publikumsforschung der SRG SSR sind auch qualitative Studien zu den

Urteilen und Bedürfnissen der Hörer und Zuschauerinnen. Die detaillierten Resultate der

Publikumsforschung dienen der SRG SSR zur Erfolgskontrolle und als Grundlage für die

Programmplanung.

Auch die UNIVOX-Befragung zur Langzeitbeobachtung der Schweizer Gesellschaft widmet

sich der Zufriedenheit der Bevölkerung mit den Medien. Der Bericht von 2004 zeigt, dass

die Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR seit 1996 als immer besser beurteilt werden.

2004 waren 84 Prozent der Befragten «sehr» oder «eher» zufrieden mit dem Fernsehen der

SRG SSR (1996: 66 Prozent), beim Radio der SRG SSR waren es 88 Prozent (1990: 80 Prozent).

Informationen zum Forschungsdienst der SRG SSR siehe www.forschungsdienst.ch.

Publikumsräte als Vermittler zwischen Publikum und Programm

Die Publikumsräte und Programmkommissionen der SRG-SSR-Trägerschaft sind Schnittstellen

zwischen den Programmschaffenden und dem Publikum. Alle vier Sprachregionen und Swissinfo

/ SRI haben je einen eigenen Publikumsrat, in der Deutschschweiz und der Suisse romande

gibt es zudem mehrere regionale Programmkommissionen. Als Vertreter verschiedener Bevölkerungskreise

beurteilen ihre Mitglieder die Leistungen der SRG SSR aus der Sicht der Zuschauerinnen

und Hörer. Für die Programmverantwortlichen sind sie wichtige Diskussionspartner. Die


16 Programme von hoher Qualität

Programme von hoher Qualität 17

Publikumsräte informieren regelmässig über ihre Meinungen zu Sendungen und Aktivitäten

der SRG SSR. Mit Medienmitteilungen, die von den Zeitungen häufig aufgenommen werden,

wenden sie sich an die breite Öffentlichkeit. In ihren jährlichen Berichten halten die Publikumsräte

ihre Beobachtungen und Urteile fest und machen konkrete Verbesserungsvorschläge.

alle Programmschaffenden und publizistisch tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der

SRG SSR verbindlich. Sie ist Basis der internen Aus- und Weiterbildung und wird Teil der

internen Qualitätskontrolle der SRG SSR.

Die SRG SSR im Fokus der Wissenschaft

Die SRG SSR und besonders ihre Radio- und Fernsehsendungen sind immer wieder Untersuchungsgegenstand

der Medienwissenschaft und anderer Wissenschaftsbereiche. Besonders

zu erwähnen sind zwei Studien, die SRG-SSR-intern grosse Beachtung fanden: die Studie zum

Qualitätsmanagement in Medienunternehmen, welche aufgrund von Umfragen in Schweizer

Redaktionen zum Schluss kommt, «dass vor allem beim öffentlichen Rundfunk und insbesondere

beim öffentlichen Radio viel mehr Anstrengungen unternommen werden, die vom Total

Quality Management propagierten Organisationsprinzipien anzuwenden» (Wyss, Vinzenz

2002: 398). Und die Studie von Sonja Stalder zur Medienpräsenz von Frauen und Männern

im Radio und Fernsehen bei den Eidgenössischen Wahlen 2003 zieht folgende Bilanz: Verglichen

mit den Wahlen 1999 hat die Präsenz von Kandidatinnen und Journalistinnen in den Programmen

der SRG SSR deutlich zugenommen. Die Chefredaktoren der SRG SSR diskutierten die

Resultate an einer nationalen Sitzung. Sie waren sich einig, dass man sich in der Berichterstattung

weiterhin um eine angemessene Präsenz beider Geschlechter bemühen muss. Informationen

zur Studie siehe Medienmitteilung vom 16.3.2005 unter www.srgssrideesuisse.ch.

Die SRG SSR will ihren Service-public-Auftrag erfolgreich erfüllen, indem sie ihren Publika

allgemein zugängliche Programme anbietet, die sich durch inhaltliche und formale Qualität

auszeichnen [...] Die Unternehmenseinheiten definieren quantitative und qualitative

Zielvorgaben, welche die von der Geschäftsleitung SRG SSR vorgegebenen Grundanforderungen

an den Service public konkret umsetzen. Zur Beurteilung des Erfolgs wird in

allen Unternehmenseinheiten ein Programm-Controlling eingeführt, welches die vorgegebenen

quantitativen und qualitativen Erfolgskriterien abbildet. (Aus: Gesamtstrategie

der SRG SSR idée suisse 2003 – 2008)

Das Feedback von anderen Medien und aus dem Publikum

In der Schweiz gehört es zum Pflichtstoff jeder Medienjournalistin und jedes Medienredaktors,

die SRG SSR und ihre Arbeit aufmerksam zu verfolgen. Jede neue Fernsehsendung

wird kommentiert, jede Programmänderung kritisch hinterfragt und jedes Rumoren im Unternehmen

thematisiert. Medienkritik kann als Mittel der Qualitätssicherung durchaus funktionieren,

das haben verschiedene Fälle bewiesen. Die Kritik der Medien an den Medien darf

aber nicht überschätzt werden.

Nicht nur Medienjournalisten schreiben über das Tun und Lassen der SRG SSR. Auch zahlreiche

Hörerinnen und Zuschauer melden sich zu Wort, telefonisch, per Brief oder per E-Mail.

Die SRG SSR geht auf sämtliche Reaktionen aus dem Publikum ein, beantwortet die Fragen

und leitet Anregungen und Kritik an die betroffenen Redaktionen weiter.

Eine nationale Programmcharta und regionale publizistische Leitlinien

Die Erhaltung und Stärkung der publizistischen Qualität ist eines der wichtigsten Ziele der

Unternehmensstrategie 2003 – 2008 der SRG SSR. Eine nationale Arbeitsgruppe unter der

Leitung von Marco Färber, Chefredaktor Schweizer Radio DRS, hat 2005 eine Programmcharta

entwickelt, welche zentrale publizistische Grundsätze der SRG SSR beinhaltet. Die

Programmcharta ist das Resultat einer unternehmensweiten Vernehmlassung bei allen Programm-

und Chefredaktorinnen und -redaktoren. Sie trat am 24. Februar 2006 in Kraft.

Auf der Ebene der Unternehmenseinheiten soll sie mittels geeigneter Massnahmen sichergestellt

und im Programm gelebt werden. Voraussetzung dafür ist die stetige Auseinandersetzung

mit ihrem Inhalt und deren Umsetzung in die Praxis. Die Programmcharta ist für

Programmcharta und publizistische Leitlinien im Internet abrufbar

Die Programmcharta nennt die publizistischen Grundsätze der SRG SSR und ist im Wortlaut

zu finden unter www.srgssrideesuisse.ch (Unternehmen: Führung).

Unabhängigkeit, Sachgerechtigkeit, kritische Distanz, Offenheit und Unbestechlichkeit

– das sind Stichworte aus den Strategien und den publizistischen Leitlinien der Unternehmenseinheiten

der SRG SSR. Sie sind abrufbar unter www.srgssrideesuisse.ch (Radio

resp. Fernsehen: Programme resp. Multimedia).

Die Programmcharta der SRG SSR gibt die Grundsätze vor, die in den Radio- und Fernsehprogrammen

der SRG SSR gelten sollen. Auf Stufe der Unternehmenseinheiten geben Strategiepapiere,

publizistische Leitbilder und redaktionelle Richtlinien vor, wie Interessenskollisionen,

Gefälligkeitsjournalismus oder der Einfluss von Public Relations (PR) verhindert werden

können. Sie sollen eine «glaubwürdige, unabhängige und pluralistische Berichterstattung»

gewährleisten (Strategia aziendale RTSI 2002–2006). Zugleich sind solche Bestimmungen

auch eine Art «professioneller und moralischer Verhaltenskodex», an dem sich die Mitarbeitenden

der SRG-SSR-Medien zu orientieren haben (Charte d’éthique TSR). Die redaktionellen

Leitlinien entsprechen weitgehend der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen

und Journalisten» des schweizerischen Presserates. Sie legen zum Beispiel fest,

dass Programmmitarbeitende sämtliche Interessenbindungen (Parteimitgliedschaften, Beteiligungen,

Aktienbesitz etc.) offen legen und gegebenenfalls in Ausstand treten müssen.

Ferner haben sie auf Mandate in politischen oder wirtschaftlichen Vereinigungen zu verzichten,

dürfen nicht in Werbespots mitwirken und müssen öffentliche Auftritte bewilligen

lassen. Sie dürfen weder Scheckbuch-Journalismus betreiben noch Geschenke und Zuwendungen

annehmen oder privaten Nutzen aus Informationen ziehen, zu denen sie im Rahmen

ihrer beruflichen Tätigkeit gelangen (vgl. etwa Publizistische Leitlinien SF).

Mitarbeiterorientierte Instrumente zur Qualitätssicherung

Die Qualität der Sendungen steht und fällt mit den Menschen, die sie realisieren. Deshalb setzt

die SRG SSR mitarbeiterorientierte Instrumente ein, die zur Selbstreflexion, zur Unterstützung

und zur Förderung der Programmschaffenden dienen sollen: Qualifikations- und Zielvereinbarungsgespräche

und Aus- und Weiterbildung. Die SRG SSR stuft die Relevanz von Aus- und

Weiterbildung überdurchschnittlich hoch ein. Ihre Medienschaffenden können denn auch

mehr von Aus- und Weiterbildungsangeboten profitieren als ihre Kolleginnen und Kollegen

bei andern Medien, fasst der Medienwissenschaftler Vinzenz Wyss die Resultate seiner gesamtschweizerischen

Umfrage in Redaktionen zusammen (Wyss, Vinzenz 2002: 376).

Nationale und internationale Preisauszeichnungen

Das Medienangebot und die Medienschaffenden der SRG SSR werden regelmässig mit Preisen

geehrt. Ausgezeichnet wurden bisher besondere journalistische Leistungen, (Sonder-) Sendungen

und Sendereihen, Hörspiele, Dokumentations- und Fernsehfilme und die Gestaltung von

Medienangeboten. Es sind internationale oder europäische Preise, Preise von Schweizer Organisationen

und Unternehmen, Schweizer Medienpreise und Preise der regionalen Mitgliedgesellschaften

der SRG SSR. Auch die SRG SSR will ihre Medienschaffenden mit einem Preisausschreiben

zu Höchstleistungen motivieren. Mit dem Medienpreis idée suisse prämiert sie jedes

Jahr tages- und wochenaktuelle Sendungen aus ihren Programmen. Die SRG-SSR-unabhängige

Jury wird von Presseratspräsident Peter Studer geleitet und besteht aus zwei Fachfrauen und –

männern aus der Medienpraxis. SRG-SSR-Generaldirektor Armin Walpen hat diesen Preis initiiert

mit dem Ziel, die Auseinandersetzung mit Qualität und Ethik im Journalismus zu fördern.


Nationaler

Kommunikationsraum

Zwei Merkmale prägen die Schweiz: Vielfalt und Föderalismus einerseits,

eine politisch gewollte, nationale Einheit andererseits. Mit dem

breiten Spektrum der Programme und der nationalen Ausrichtung des

Unternehmens widerspiegelt die SRG SSR idée suisse die multikulturelle

Schweiz. Sie fördert den Dialog zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen

Gruppierungen und trägt wesentlich dazu bei, dass

Hörerinnen und Zuschauer im ganzen Land Zugang zu denselben Informationen

haben. Dies ist die wichtigste Voraussetzung für gemeinsames

Nachdenken, Entscheiden und Handeln.

Die Schweiz ist durchzogen von Grenzen: Geografische, politische, kulturelle, religiöse Grenzen

und Sprachgrenzen bilden ein unsichtbares Netz auf der Schweizer Landkarte. Schulwesen

oder Steuersystem beispielsweise unterscheiden sich von Kanton zu Kanton, manchmal

auch schon von Gemeinde zu Gemeinde. Sprachgrenzen verlaufen anders als politische

Grenzen, zuweilen sogar mitten durch Städte. Oft zeigen sich weniger Unterschiede zwischen

Sprachregionen als zwischen städtischen und ländlichen Gegenden. Nochmals andere

Grenzen stehen bei Abstimmungen im Vordergrund: Beim Thema Schwangerschaftsabbruch

beispielsweise solidarisiert sich die katholische Bevölkerung aus dem Tessin, der Westschweiz

und der Deutschschweiz. Dass sich verschiedene Grenzen und Interessen überschneiden,

dass ein dauernder Dialog zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen stattfindet,

hält die Schweiz zusammen.

Kommunikation über Grenzen hinweg

Die Medien der SRG SSR fördern den Zusammenhalt des Landes über Grenzen hinweg. Mit

hohem technischem und finanziellem Aufwand sorgt sie dafür, dass ihre sprachregionalen

Radio- und Fernsehprogramme auch in den jeweils anderen Sprachregionen empfangen

werden können. Sie begünstigt so eine eigenständige öffentliche Kommunikation im audiovisuellen

Bereich. Die SRG-SSR-Medien machen aus regionalen sprachregionale Ereignisse:

Wenn etwa in Zürich der Böögg brennt, verfolgen rund 800 000 Personen das Spektakel

live über Schweizer Fernsehen (SF). Auch andere regionale Begebenheiten, wie zum Beispiel

die Basler Fasnacht, begeistern Zuschauerinnen über die Kantonsgrenzen hinaus. Die Zuschauerzahlen

des ersten Programms von Televisione svizzera di lingua italiana (TSI) sind

ausserhalb des Kantons Tessin höher als im Kanton selber, wenn man die Region nördlich

der Alpen und Norditalien zusammennimmt. Es kommt also nicht von ungefähr, dass sich

der italienischsprachige Sender der SRG SSR «Schweizer Fernsehen in italienischer Sprache»

nennt.

Die Überwindung von Sprachgrenzen ist eine zusätzliche Herausforderung. Einerseits weil

sich die einzelnen Sprachgebiete kulturell an den jeweiligen Nachbarländern ausrichten,

anderseits weil Sprachgrenzen zugleich Mediengrenzen sind. Obwohl die Schweizerinnen


20 Kommunikationsraum

Kommunikationsraum 21

und Schweizer Zugang zu Informationsquellen der anderen Sprachregionen haben, sehen

Deutschschweizer selten Westschweizer Fernsehprogramme, und nur wenige Tessinerinnen

hören Deutschschweizer Radio. Je nach Sendung erreichen die SRG-SSR-Programme in den

jeweils anderen Sprachregionen Reichweiten bis zu 12 Prozent.

Nutzung der Programme jenseits der Sprachgrenzen

Deutschschweiz

Tagesreichweite

(2004, Mo–So)

Marktanteil

(2004, Mo–So)

TSR1 4.0% 0.3%

RSR La Première 1.7% 0.4%

TSI 1 3.2% 0.1%

RSI Rete Uno 3.1% 0.4%

Suisse romande

SF1 8.1% 1.3%

SR DRS 1 7.0% 2.5%

TSI 1 6.8% 0.2%

RSI Rete Uno 3.2% 0.5%

Svizzera italiana

SF1 12.3% 1.6%

SR DRS 1 12.0% 8.1%

TSR 1 10.8% 0.8%

RSR La Première 3.0% 0.9%

Verständnis und gemeinsames Wissen fördern den Zusammenhalt

Der Programmauftrag der SRG SSR verlangt die Förderung des gegenseitigen Verständnisses

und den Austausch zwischen den Landesteilen, Sprachgemeinschaften und Kulturen. Jede

Radio- und Fernseh-Unternehmenseinheit hat deshalb in verschiedenen Teilen der Schweiz

Korrespondentinnen und Korrespondenten stationiert, die über ihre Standortregion berichten.

Sie beleuchten das Fremde aus einem vertrauten Blickwinkel, konfrontieren das Vertraute

mit dem Fremden und schaffen dadurch ein Bewusstsein für das Gemeinsame. Dass

die SRG SSR der nationalen Berichterstattung einen hohen Stellenwert einräumt, belegen

die Zahlen: Während das Netz der Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten seit

dem Jahr 2001 von 69 auf 49 reduziert wurde, hat die Zahl der Inlandkorrespondentinnen

und -korrespondenten von 77 auf 95 zugenommen.

Dadurch, dass die Menschen in den Regionen über die Eigenarten, Interessen und Probleme

der anderen Schweizer Regionen informiert sind und Zugang zu den selben Informationen

haben, entsteht nationaler Kommunikationsraum. Beispiele dafür sind Sendungen wie

«Himmelreichschweiz» von Schweizer Fernsehen, welche die Zuschauerinnen unterschiedlichste

Lebenswelten der heutigen Schweiz erleben lassen. Oder Sendungen wie «Bsuech

in», die mit Liveberichten aus Gemeinden verschiedener Schweizer Regionen im Jahr 2005

durchschnittlich 612 000 Zuschauerinnen und Zuschauer erreichte. Die Eigenarten und Unterschiede

der Sprachen und Kulturen kommen auch in Sendegefässen anderer Fernseh- und

Radioprogramme der SRG SSR zum Ausdruck, zum Beispiel in den grenzüberschreitenden

Betrachtungen der TSI, den «Cronache della svizzera italiana» oder mit täglichen nationalen

Presseschauen in allen Radioprogrammen der SRG SSR. Hier erfahren Hörerinnen und Hörer

einerseits, wie dieselben nationalen und internationalen Themen in den anderen Sprachregionen

dargestellt und kommentiert werden, anderseits aber auch, welche Thematiken

die Regionen speziell beschäftigen.

Interregionale Programme: nationale Produktionen national ausgestrahlt

Seit 1997 leistet die SRG SSR mit interregionalen Programmen einen weiteren Beitrag zur

Verständigung zwischen den Sprach- und Kulturgemeinschaften der Schweiz. Diese Integrationsbestrebungen

werden national koordiniert: Eine Fachgruppe, die CIDP (Conférence interrégionale

des directeurs des programmes) analysiert und evaluiert Projekte, die den gemeinsamen

Bedürfnissen der Radio- und Fernsehunternehmen und dem Auftrag der SRG SSR

entsprechen. Die realisierten interregionalen Projekte stammen aus den unterschiedlichsten

Bereichen wie Information, Unterhaltung oder Kultur.

Im Sommer 2005 beispielsweise sendeten die ersten Radioprogramme der SRG SSR im

Rahmen des Sommerprojekts «Gletscherblick» abwechslungsweise in allen vier Landessprachen

live vom Jungfraujoch. Die Radiomacherinnen und -macher recherchierten in allen

Landesteilen: auf dem Titlis, dem Zinalgletscher, dem Adula und dem Morteratsch. So entstanden

vielfältige Beiträge für und über die Schweiz. Auch die Fernsehsender der SRG SSR

beleuchten mit gemeinsamen Produktionen die Schweiz aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Zum Beispiel mit der 2004 und 2005 gesendeten Reihe «PHOTOsuisse», die mit 28 Kurzfilmen

das zeitgenössische Fotoschaffen in der Schweiz illustrierte. «PHOTOsuisse» ist bereits

die vierte Produktion, die sich der Kreativität und der kulturellen Vielfalt der Schweiz widmet.

Zuvor waren die viel beachteten Fernsehreihen «LiteraTour de Suisse», «ArchitecTour de

Suisse» und zehn Porträts über Schweizer Komponisten auf allen Schweizer Bildschirmen

zu sehen. Die interregionalen Produktionen bieten nicht nur dem Publikum grenzüberschreitende

Erlebnisse, sondern ermöglichen auch den Medienschaffenden der SRG SSR einen

Erfahrungsaustausch über die Grenzen ihrer Unternehmenseinheit hinaus.

Die Schweiz sei eine Willens- aber keine Fernsehnation, stellte die Neue Zürcher Zeitung

einmal fest. Das gegenseitige Fremdsein liege, einmal abgesehen von der Sprachbarriere,

im unterschiedlichen Verständnis von (Fernseh-) Unterhaltung begründet, in der sich

unterschiedliche Kulturen und Mentalitäten manifestieren. Trotzdem, oder gerade deshalb:

Integration ist und bleibt eine schwierige gesellschaftliche Aufgabe, zu deren Erfüllung

die SRG SSR täglich einen Beitrag leisten will und muss.

Grenzen der Integration

Dass die SRG SSR bei der Erfüllung des Integrationsauftrags an Grenzen stösst, zeigt das

grösste interregionale Programm, die Fernsehserie «Lüthi & Blanc». Erste Folgen der Serie

wurden von SF produziert, französisch und italienisch synchronisiert und auf TSR und TSI

ausgestrahlt. «Lüthi & Blanc» sollte tagesaktuelle, national relevante sowie sprachregional

übergreifende Themen aufarbeiten und mehrsprachige Figuren zum Einsatz kommen lassen.

Die Serie sollte so einen Beitrag zur Stärkung der schweizerischen Identität leisten. Im Zentrum

der Geschichte von «Lüthi & Blanc» steht eine schweizerische Schokoladendynastie,

deren Mitglieder in allen Landesteilen leben.

In der Deutschschweiz war und ist die Serie ein Erfolg. Seit dem 28. August 2005 läuft die

siebte Staffel sonntags zur besten Sendezeit (20 Uhr) auf SF1. Rund 590 000 Menschen

verbringen ihren Sonntagabend mit «Lüthi & Blanc», die Sendung erreicht hier einen Marktanteil

von 33 Prozent (Stand September 2005). In der Suisse romande und in der Svizzera

italiana hingegen interessierte sich von Anfang an fast niemand für die Seifenoper. TSR und

TSI strahlten die Sendung je länger je mehr zu Randzeiten aus. Mittlerweile haben beide

Sender die Serie abgesetzt. Der erhoffte Integrationseffekt dieses interregionalen Programms

wurde überschätzt. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsbericht der Universität Freiburg

(Bosshart/Steinmann 2002). Die Autorinnen der Studie sind der Ansicht, dass nicht die

Serie als solche für den gescheiterten Integrationsanspruch verantwortlich ist, sondern dass

dieser Anspruch selbst allzu hoch angesetzt war.


22 Kommunikationsraum

Kommunikationsraum 23

Hoher Stellenwert politischer Themen

In den Informationssendungen der SRG SSR spielen politische Themen eine wesentliche

Rolle. Besondere Bedeutung haben politische Ereignisse von nationaler Tragweite. Damit

eine kontinuierliche und unmittelbare Information aus dem Bundesrat, den Departementen

und dem Parlament möglich ist, hat die SRG SSR im Bundeshaus ein Fernseh- und mehrere

Radiostudios eingerichtet. Die Nachrichtensendungen der SRG SSR ermöglichen den Hörern

und Zuschauerinnen eine schweizerisch geprägte Sicht auf das Geschehen im In- und Ausland.

Die Konstanz, mit der die SRG SSR die wesentlichen Fragen thematisiert, ist für das

Publikum eine Orientierungshilfe, die angesichts der rasch wechselnden Modeströmungen

immer wichtiger wird. Auch die Nachrichtensendungen spiegeln die Mentalitätsunterschiede

der Sprachregionen: Stehen beispielsweise bei der «Tagesschau» Bundeshausthemen und

parteipolitisches Geplänkel hoch im Kurs, übt das «Téléjournal» bei diesen Themen Zurückhaltung.

Wenn die welschen Bundeshausjournalisten zu Kamera und Mikrofon greifen,

suchen sie eher emotionale Zugänge.

Die verschiedenen Nachrichtensendungen der SRG SSR markieren zeitliche Fixpunkte im

Tagesablauf der Zuschauer und Hörerinnen, am Morgen und Mittag mit den Radionachrichten

und am Abend mit der «Tagesschau», dem «Téléjournal» oder dem «Telegiornale». Die

Hauptnachrichten der Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR versammeln jeden Tag

die absolut und anteilsmässig grösste Zahl von Menschen in der Schweiz. Mittags zwischen

12.30 und 13.00 Uhr hören rund 1,5 Millionen Personen die Nachrichtensendungen der

ersten Radioprogramme. Das sind 16 Prozent des Deutschschweizer Publikums, 11 Prozent

aller Romands und 19 Prozent der Hörerinnen und Hörer im Tessin. Abends um halb acht

verfolgen sechs von zehn Zuschauerinnen und Zuschauern die «Tagesschau» in der Deutschschweiz.

In der Suisse romande schauen durchschnittlich 293 000 Personen das «19:30»,

also 56 Prozent aller Zuschauer um diese Zeit. In der Svizzera italiana sind es beim «Telegiornale

sera» um 20 Uhr 67 000 Personen bzw. 58 Prozent aller Zuschauerinnen und Zuschauer.

Das deutsch untertitelte rätoromanische «Telesguard» auf SF1 um 18.45 Uhr erreicht

im Schnitt 143 000 Menschen pro Ausstrahlung.

Zu den Aufgaben der SRG SSR gehört es, über eidgenössische Urnengänge gründlich zu informieren

und die Meinungsbildung des Stimmvolks zu fördern. Die Parlamentsberichterstattung

hat einen festen Platz in den Radio- und Fernsehprogrammen der SRG SSR. Die Wahltage

der Vereinigten Bundesversammlung und die Bundesratswahlen werden stets live übertragen

und von Sachverständigen kommentiert. Bei den letzten nationalen Wahlen im Jahr 2003

lancierte die SRG SSR eine Wahlwebsite. Neben einem Zugriff auf die Sendungen der Unternehmenseinheiten

bot diese Plattform in allen vier Landessprachen Informationen und Analysen

rund um die in der Bundesversammlung vertretenen Parteien und deren Exponenten.

Image-Studie Schweizer Fernsehen (SF) 2005

Auf die Frage nach der Wichtigkeit bekannter Schweizer Institutionen für das Schweizer

Selbstbewusstsein kommt SF bei den 15- bis 24-jährigen Deutschschweizerinnen und

Deutschschweizern auf Rang 5. Bei allen Altersgruppen zusammen kommt SF auf Rang

8. Platz 1 belegen jeweils die SBB, gefolgt vom Bundesrat auf Platz 2. An 3. Stelle kommt

punkto Bedeutung für das Schweizer Selbstbewusstsein in allen Altersgruppen das Parlament

und an 4. Stelle die Post.

Information in Krisensituationen

Besonders ausgeprägt ist das Bedürfnis nach nationaler Information, wenn Orte oder ganze

Regionen von Katastrophen heimgesucht werden. Dann versammelt sich die Schweizer

Bevölkerung vor den Radio- und Fernsehapparaten, um sich anhand der Sendungen der

SRG SSR über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Beispielsweise während der Tsunami-Katastrophe

2005 in Südasien: Zahlreiche Sonderkorrespondenten und Kameraleute

waren rund um den Indischen Ozean im Einsatz, um mit Sondersendungen und Live-Ein-

schaltungen über Aktuelles zu berichten. Oder während den Unwettern in der Schweiz im

August 2005. Im Stundentakt und über mehrere Tage wurde die Bevölkerung übers Fernsehen

auf dem Laufenden gehalten, über das Radio wurden Verhaltensanweisungen erteilt.

Gerade in Krisen- und Katastrophensituationen schätzen die Menschen in der Schweiz die

unaufgeregte und sachliche Art der Berichterstattung der SRG-SSR-Medien. Dank ihrer

Struktur als nationales Unternehmen ist die SRG SSR in der Lage, die Information der

Bevölkerung bei ausserordentlichen Ereignissen jederzeit sicherzustellen. Wenn über ein

solches Ereignis informiert werden muss oder konkrete Verhaltensanweisungen nötig sind,

können die zuständigen Behörden national oder bei der für ihre Region zuständigen

SRG-SSR-Radiostation eine Durchsage von Alarmmeldungen in die Wege leiten. Das Radioprogramm

wird in diesen Fällen sofort vom Informationsangebot «ICARO» unterbrochen.

Bei schweren Krisen oder landesweiten Katastrophen ist die SRG SSR das offizielle Informationsorgan

des Bundesrates. Leistungsvereinbarungen mit der SRG SSR und der Schweizerischen

Depeschenagentur stellen sicher, dass der Bundesrat sich in jeder Lage und zu jeder

Zeit an die Bevölkerung wenden kann. Falls die SRG SSR nicht mehr in der Lage sein sollte,

Programme herzustellen und zu verbreiten, produzieren Journalisten und Technikerinnen

der SRG SSR ein dreisprachiges Radio-Notprogramm unter der direkten Verantwortung des

Bundes. Zur Verbreitung dieses Programms steht ein Notsendernetz zur Verfügung.

Kerngehalt der Idée suisse ist...

• die Darstellung und die Auseinandersetzung mit der schweizerischen Wirklichkeit in all

ihren Ausprägungen und damit die Erhaltung und Förderung einer eigenständigen

öffentlichen Kommunikation im audiovisuellen Bereich (espace audiovisuel national

plurilingue); insbesondere durch die nationale Verbreitung der ersten sprachregionalen

Programme;

• die Integrationsfunktion innerhalb der Sprachregionen;

• die Solidarität der vier Sprach- und Kulturräume untereinander sowie der grossen mit

den kleinen Publika;

• die publizistische Qualität und damit die Glaubwürdigkeit der Programme.

(Gesamtstrategie SRG SSR 2003 – 2008)

SRG SSR idée suisse: ein nationales Unternehmen

Mit ihrer Organisationsstruktur widerspiegelt die SRG SSR die föderalistische Schweiz. Als

Gesellschaft ist sie ein Verband von Vereinen, denen alle in der Schweiz lebenden Personen

beitreten können. So ist die weibliche und die männliche Schweiz, die junge und die alte,

die ländliche und die städtische, die bodenständige und die weltoffene, die lateinische und

die alemannische, die reformierte und die katholische, die fortschrittliche und die bewahrende

Schweiz in den Gesellschaften vertreten. Das Prinzip der Willensnation findet seinen

Ausdruck auch in der föderalistischen Struktur des Unternehmens mit regionalen Unternehmenseinheiten

unter einem zentralen Dach. Der politische Wille zum toleranten Miteinander

spiegelt sich in der Einbindung der Unternehmenseinheiten in die gemeinsame Geschäftsleitung

der SRG SSR unter dem Vorsitz des Generaldirektors.

Nationale Organisationseinheiten der SRG SSR (Generaldirektion, Media Services (MSC), Production

Services (PROD), Business Unit Sport (BUS)) erbringen zentrale Dienstleistungen im

Gesamtunternehmen SRG SSR und schaffen so wichtige Synergien. Die Generaldirektion

beispielsweise pflegt Kontakte mit Behörden, Politik, mit Film-, Sport- und Kulturverbänden

und betreut unterschiedliche Koordinationsgremien und Netzwerke der SRG SSR. BUS koordiniert

unter anderem Sportrechteverträge und organisiert Grossproduktionen für alle Sender

der SRG SSR. MSC erbringt u.a. Broadcasting-Dienstleistungen bei der Erstellung und Distribution

der Programme sowie der Medien-Forschung. PROD koordiniert die Zusammenarbeit

der Unternehmenseinheiten im technischen Bereich, ermöglicht so eine qualitativ hoch

stehende Fernsehproduktion und garantiert einen wirtschaftlichen Einsatz der Mittel.


Unabhängiges

Radio und Fernsehen

In der Schweiz garantieren Verfassung und Gesetz die Unabhängigkeit

von Radio und Fernsehen. Es gibt keine Staatsmedien. Voraussetzung

für Programmautonomie ist unternehmerische Unabhängigkeit: Die

SRG SSR idée suisse ist ein privatrechtlich organisiertes Unternehmen,

das im Auftrag der Öffentlichkeit Radio- und Fernsehprogramme produziert.

Dieser Service public wird vor allem durch Gebühren, aber

auch durch kommerzielle Einnahmen finanziert. Dank dieser Mischfinanzierung

hängt die SRG SSR nicht von Wirtschaft und Konjunktur

ab. Ihre Leitbilder und publizistischen Richtlinien fordern und fördern

die redaktionelle Unabhängigkeit. Dadurch geniesst die SRG SSR in der

Schweizer Bevölkerung eine hohe Glaubwürdigkeit.

Staatsunabhängige Medien sind für eine Demokratie überlebenswichtig. Sie stellen Öffentlichkeit

her und reflektieren Ereignisse und Entwicklungen. Damit ermöglichen sie einen

hohen Informationsstand der Bevölkerung und erfüllen eine zentrale Funktion im Prozess

der politischen Meinungsbildung. Den audiovisuellen Medien kommt dabei aufgrund ihrer

Beliebtheit und Unmittelbarkeit eine besondere Bedeutung zu. Vor allem dem Fernsehen

wird ein grosser Einfluss zugeschrieben: Es hat «erwiesenermassen eine grössere Wirkung

auf das Publikum als die andern Kommunikationsmittel», schrieb der Bundesrat 2002 in

seiner Botschaft zum neuen Mediengesetz (S.1614).

Die SRG SSR ist das grösste Rundfunkunternehmen der Schweiz. Von Anfang an hat sie als

Motor der technischen und programmlichen Entwicklung im Radio- und Fernsehbereich

gewirkt. Eine wesentliche Voraussetzung dazu war ihre Unabhängigkeit von Staat, Wirtschaft

und gesellschaftlichen Gruppierungen. Rechtliche Vorgaben verlangen und garantieren

diese Autonomie noch heute. Mit zahlreichen Massnahmen der SRG SSR auf unternehmerischer,

organisatorischer und publizistischer Ebene werden die rechtlichen Vorgaben

umgesetzt.

Verfassung und Gesetz garantieren Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen

Die schweizerische Rechtssprechung trägt der Tatsache Rechnung, dass die elektronischen

Medien ihre demokratische Funktion nur wahrnehmen können, wenn sie frei von staatlichen

und anderen Einflüssen sind. Deshalb fordert und garantiert sie in Artikel 93 der schweizerischen

Bundesverfassung explizit: «Die Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen sowie

die Autonomie in der Programmgestaltung sind gewährleistet.» Das Radio- und Fernsehgesetz

(RTVG) präzisiert den verfassungsmässigen Auftrag und unterstellt die Veranstalter

einer Konzessionspflicht. Es hält fest, dass die Veranstalter in der Gestaltung ihrer Programme

frei und selbstverantwortlich sind. Es fordert aber auch, dass das Gesamtangebot an Programmen

in einem Versorgungsgebiet nicht einseitig bestimmten Parteien, Interessen oder

Weltanschauungen dienen darf und niemand «einen Anspruch auf die Verbreitung bestimmter

Darbietungen und Informationen durch einen Veranstalter» hat (Art. 4 und 5 RTVG).


26 Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit

Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit 27

Staatliche Eingriffe in die Programme sind damit ausgeschlossen. Einzige Ausnahme bilden

«behördliche Alarmmeldungen» und «dringliche polizeiliche Bekanntmachungen», deren

Ausstrahlung der Staat in Krisensituationen allen Radio- und Fernsehveranstaltern vorschreiben

kann (Art. 18 und 19 RTVV).

Von Anfang an wollte der Gesetzgeber Radio und Fernsehen nicht dem Kräftespiel des freien

Marktes überlassen. Er befürchtete eine Kommerzialisierung des Rundfunks mit negativen

Folgen für Staat, Kultur und Gesellschaft. Da die Zahl der verfügbaren Sendefrequenzen

begrenzt war, knüpfte er an deren Nutzung rechtliche Vorgaben. Die Schweizer Rundfunkmedien

wurden nach demokratisch kontrollierten Regeln institutionalisiert. Der gesetzliche

Programmauftrag sollte sicherstellen, dass Radio und Fernsehen vor allem dem Gemeinwohl

und nicht nur kommerziellen Interessen dienen. Ein solcher Service public hatte die Meinungsvielfalt

sowie die Grundversorgung der Bevölkerung mit Radio- und Fernsehprogrammen

sicherzustellen.

Daran hat sich bis heute nichts geändert: «Radio und Fernsehen sind als Medien politischer

Information [...] für das Funktionieren der heutigen demokratischen Gesellschaften von

herausragender Bedeutung. Gerade die direkte Demokratie ist auf eine kommunikative

Infrastruktur angewiesen, die nicht ausschliesslich wirtschaftlichen Gesetzmässigkeiten

folgt», schrieb der Bundesrat 2002 in seiner Botschaft zum neuen RTVG (S.1574). Die

rechtlichen Massnahmen zur Regulierung des Rundfunks sollen sicherstellen, dass Radio

und Fernsehen diese zentrale Funktion weiterhin erfüllen können.

«Die SRG SSR ist von politischen und von Einzelinteressen unabhängig. Ich setze alles

daran, dass wir diese Unabhängigkeit auch für die Zukunft erhalten können. Sobald wir

in Abhängigkeit geraten, sei dies vom Staat, sei dies von einzelnen Parteien oder gesellschaftlichen

Gruppierungen, gibt es keine Daseinsberechtigung mehr für die SRG SSR

idée suisse. Ich werde alles daran setzen, dass parteipolitische Überlegungen innerhalb

der professionellen Organisation keine Rolle spielen. Für die Radio- und Fernsehprogramme

gibt es für mich nur ein einziges Kriterium, das ist die journalistische Qualität.»

Armin Walpen, Generaldirektor SRG SSR idée suisse

Privatrechtliche Organisationsform ermöglicht unternehmerische Selbstständigkeit

Die SRG SSR nimmt im Prozess der Rundfunkregulierung eine Sonderstellung ein. Sie war

von Anfang an als Institution darin eingebunden und hat sich dabei als Service-public-Unternehmen

etabliert. Sie hat – gemeinsam mit der damaligen PTT – den schweizerischen

Rundfunk aufgebaut sowie die technologischen und programmlichen Entwicklungen vorangetrieben

und getragen. Angesichts der staatspolitischen Bedeutung von Radio und Fernsehen

sah sich der Bundesrat «verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Verantwortung für das

Programm einer erfahrenen und qualifizierten Körperschaft anvertraut wird» (Botschaft des

Bundesrates 1951: S.321). Doch trotz aller anders lautenden Behauptungen, die auf diese

Zeit zurückgehen: Die SRG SSR war nie ein Staatsradio und auch nie ein Staatsfernsehen.

Sie hat ihre Eigenständigkeit sowohl publizistisch als auch organisatorisch stets bewahrt.

Von Anfang an war sie als privatrechtlicher Verein organisiert und nie als öffentlich-rechtliche

Anstalt wie zum Beispiel die BBC.

Entstanden ist die SRG SSR 1931 als nationaler Zusammenschluss der lokalen Radiogesellschaften,

die in der Schweiz das Radio einführten. Heute ist die SRG SSR ein nach betriebswirtschaftlichen

Kriterien geführtes Service-public-Unternehmen. Die Struktur der SRG SSR

ist historisch gewachsen und entspricht den regionalen Besonderheiten der Schweiz. Die

SRG SSR ist als nationale Gruppe organisiert, ihre sieben Unternehmenseinheiten sind selbstständig

und in den Sprachregionen der Schweiz verankert. Die föderalistische Trägerschaftsstruktur

der SRG SSR bildet eine Pufferzone zwischen Behörden und Programmschaffenden.

Damit entspricht die SRG SSR den gesetzlichen Vorgaben: Diese fordern von ihr explizit eine

Organisationsform, welche Unabhängigkeit gewährleistet. Ausserdem soll die SRG SSR so

organisiert sein, dass sie wirtschaftlich geführt werden kann. Das Unternehmen muss national

koordiniert und geleitet werden, und das Publikum muss in der Organisation vertreten

sein (Art. 29 RTVG). Das RTVG wurde überarbeitet und tritt frühestens Anfang 2007 in Kraft.

Das neue Gesetz präzisiert unter anderem auch die Rahmenbedingungen der SRG-SSR-

Organisationsform. Danach hat diese «ihre Autonomie und Unabhängigkeit vom Staat und

von einzelnen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Gruppierungen» zu gewährleisten

(Art. 35 E-RTVG).

Mischfinanzierung sichert wirtschaftliche Unabhängigkeit der SRG SSR

Auch die wirtschaftliche Unabhängigkeit der SRG SSR ist eine Bedingung für eine zuverlässige

und kontinuierliche Umsetzung des Programmauftrags. Sie wird durch eine Mischfinanzierung

aus Gebühren- und kommerziellen Einnahmen gewährleistet. Dank diesem

Finanzierungsmodell ist die SRG SSR weitgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen

und von Werbeflauten. Denn die Empfangsgebühren, die jeder Schweizer Haushalt

mit einem Radio- und/oder Fernsehgerät zu entrichten hat, sichern konstant und stabil den

grössten Teil ihrer jährlichen Einnahmen: 2004 betrug der Anteil der Gebühreneinnahmen

am Betriebsertrag der SRG SSR 71 Prozent, jener der kommerziellen Erträge 23 Prozent, die

übrigen Erträge machten 6 Prozent aus.

Betriebsertrag der SRG SSR 2000–2004

2000 2001 2002 2003 2004

in Mio. SFr. in % in Mio. SFr. in % in Mio. SFr. in % in Mio. SFr. in % in Mio. SFr. in %

Empfangsgebühren 1060766439 70 1059528760 71 1047416762 70 1101307610 73 1096940892 71

Kommerzielle Erträge 370869419 24 332382940 22 326731529 22 321783488 21 345094776 22

Übr. Erträge/Erlösmind. 88046643 6 99428146 7 123576982 8 80462736 5 92591570 6

Total Betriebsertrag 1519682501 100 1491339846 100 1497725273 100 1503553834 100 1534627238 100

Ihre Gebühren- und Werbeeinnahmen verteilt die SRG SSR nach einem bestimmten Finanzierungsschlüssel

an die Radio- und Fernsehunternehmenseinheiten in den vier Sprachregionen.

So stellt sie ein gleichwertiges Programmangebot in allen Landessprachen sicher. Die

Empfangsgebühren verwendet die SRG SSR ausschliesslich für ihr Kerngeschäft, zu dem sie

gemäss dem Leistungsauftrag verpflichtet ist.

Die SRG SSR ist ein Non-Profit-Unternehmen im Dienst der Allgemeinheit. Sie hat aber auch

kommerzielle Interessen und Ziele, die sie aus den Kundenbedürfnissen sowie aus dem

Gesetz und ihrem Auftrag ableitet. Deshalb erbringt die SRG SSR ebenfalls Leistungen, die

nicht unmittelbar zu ihrem Programmauftrag gehören. Solche Aktivitäten dürfen nicht aus

Gebührengeldern querfinanziert werden, kommen aber den Gebührenzahlenden zugute:

Erwirtschaftet die SRG SSR dabei Gewinne, investiert sie diese in den Service public.

Aktivitäten, die nicht unmittelbar zum Leistungsauftrag gehören, werden nicht aus

Gebührengeldern querfinanziert. Leistungen der Tochtergesellschaften sowie die Entwicklung

von Beteiligungen werden ausschliesslich zu Marktkonditionen abgegolten und

finanziert. Ausgeschüttete Gewinne werden in den Service public reinvestiert.

Aus: Gesamtstrategie SRG SSR 2003–2008

Die kommerziellen Möglichkeiten der SRG SSR sind gesetzlich limitiert. Im Vergleich zu den

privaten Anbietern oder ausländischen Konkurrenzsendern muss sich die SRG SSR an grössere

Beschränkungen halten: Werbung ist in den Radioprogrammen der SRG SSR gänzlich

untersagt. Beim Sponsoring sind der SRG SSR Grenzen gesetzt, wie auch bei den Werbeinhalten

und Werbezeiten im Fernsehen. Diese Bestimmungen schränken zwar ein, kommen


28 Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit

Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit 29

aber der Unabhängigkeit der SRG SSR zugute. Sie haben dasselbe Ziel wie das Modell der

Mischfinanzierung: Die Gefahr einer kommerziellen Abhängigkeit soll auf ein Minimum

reduziert und der SRG SSR eine stabile, krisenunabhängige Finanzierung gesichert werden.

Diese Sicherheit erlaubt es der SRG SSR, das Interesse ihrer Redaktionen und ihres Publikums

höher zu gewichten als rein wirtschaftliche Überlegungen. Deshalb kann sie es sich beispielsweise

leisten, bei bestimmten Programmen weniger Werbung auszustrahlen als es die

rechtlichen Vorgaben erlauben.

Sachgerechtigkeit, Ausgewogenheit, Offenheit, kritische Distanz und Unbestechlichkeit

– so lauten die wichtigsten Stichworte zum Thema Unabhängigkeit in den Strategiepapieren

und den publizistischen Leitlinien der Unternehmenseinheiten der

SRG SSR idée suisse. Sie sind im Wortlaut zu finden unter www.srgssrideesuisse.ch,

Rubrik Radio resp. Fernsehen – Programme, für Swissinfo/SRI unter der Rubrik Radio

resp. TV – Multimedia.

Publizistische Unabhängigkeit als oberstes Kriterium

Medien können ihre öffentliche Funktion nur wahrnehmen, wenn sie in der Öffentlichkeit

Glaubwürdigkeit geniessen. Dafür müssen sie nicht nur organisatorisch und wirtschaftlich,

sondern auch publizistisch unabhängig sein. Das Publikum muss darauf vertrauen können,

dass die Berichterstattung und Programmgestaltung unabhängig ist von staatlichen, politischen,

wirtschaftlichen oder anderen Interessen und dass sie allein nach professionellen und

gesellschaftlich anerkannten Kriterien erfolgt. Aufgrund ihrer rechtlichen Sonderstellung,

ihres öffentlichen Auftrags und ihrer Gebührenfinanzierung ist die SRG SSR besonders verpflichtet,

auch in dieser Beziehung über alle Zweifel erhaben zu sein. Sie stellt deshalb hohe

Anforderungen an eine von Interessenkonflikten losgelöste, neutrale Haltung in der Berichterstattung

und Unternehmensführung. Die Erhaltung und Stärkung der publizistischen

Qualität ist denn auch eines der vorrangigen Ziele ihrer Unternehmensstrategie 2003–2008:

«Kerngehalt der idée suisse ist [...] die publizistische Qualität und damit die Glaubwürdigkeit

der Programme.»

Mit zahlreichen Massnahmen auf allen Stufen ermöglicht und stärkt die SRG SSR die Unabhängigkeit

ihrer Mitarbeitenden und ihrer Programme. Sie gilt deshalb heute dank ihrer

hohen Standards in der Schweiz als «Flaggschiff des Journalismus» (Amtl. Bulletin 2005:

79). Die Mitarbeitenden werden laufend aus- und weitergebildet, ihre (redaktionellen) Kompetenzen

gefördert. Der Gesamtarbeitsvertrag der SRG SSR regelt, dass Nebenbeschäftigungen

und öffentliche Ämter aller Mitarbeitenden bewilligungspflichtig und nur zulässig

sind, wenn sie mit der beruflichen Tätigkeit vereinbar sind (Art. 14 und 15 GAV 2004). Für

Kadermitglieder sind sie grundsätzlich untersagt, potenzielle Interessenskonflikte sind somit

von vornherein ausgeschlossen.

Auf Stufe der Unternehmenseinheiten geben zusätzlich Strategiepapiere, publizistische Leitbilder

und redaktionelle Richtlinien vor, wie Interessenskollisionen, Gefälligkeitsjournalismus

oder der Einfluss von Public Relations (PR) verhindert werden können. Sie sollen eine «glaubwürdige,

unabhängige und pluralistische Berichterstattung» gewährleisten (Strategia aziendale

RTSI 2002 – 2006). Zugleich sind solche Bestimmungen auch eine Art «professioneller

und moralischer Verhaltenskodex», an dem sich die Mitarbeitenden der SRG-SSR-Medien zu

orientieren haben (Charte d’éthique TSR). Sie entsprechen weitgehend der «Erklärung der

Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» des schweizerischen Presserates

(siehe auch Kapitel «Programme von hoher Qualität»). Die redaktionellen Leitlinien der einzelnen

SRG-SSR-Sender sind aber konkreter und verbindlicher formuliert. Sie legen zum

Beispiel fest, dass Programmmitarbeitende sämtliche Interessenbindungen (Parteimitgliedschaften,

Beteiligungen, Aktienbesitz etc.) offen legen und gegebenenfalls in Ausstand tre-

ten müssen. Ferner haben sie auf Mandate in politischen oder wirtschaftlichen Vereinigungen

zu verzichten, dürfen nicht in Werbespots mitwirken und müssen öffentliche Auftritte bewilligen

lassen. Sie dürfen weder Scheckbuch-Journalismus betreiben noch Geschenke und

Zuwendungen annehmen oder privaten Nutzen aus Informationen ziehen, zu denen sie im

Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit gelangen (vgl. etwa Publizistische Leitlinien SF DRS).

Neben den ethischen sind auch die professionellen Regeln und Standards der journalistischen

Arbeit detailliert festgehalten. Dazu zählt die Achtung der Menschenwürde und der Privatsphäre,

die ausgewogene Auswahl und sachgerechte Darstellung gesellschaftlich relevanter

Themen, die unvoreingenommene Recherche sowie die sorgfältige Bearbeitung der Informationen.

Dazu gehört aber auch, dass die Quellen wahrheitsgetreu angegeben und ihre

Zuverlässigkeit überprüft wird und dass Nachricht und Meinung sowie redaktionelle und

kommerzielle Aussagen klar getrennt werden. Dem Service public bzw. der Idée suisse

entsprechend verpflichten die redaktionellen Leitlinien die Mitarbeitenden darüber hinaus

zur Pflege und zu einem sorgfältigen Gebrauch der jeweiligen Landessprache (vgl. etwa

Charte d’éthiques RSR). Festgehalten sind auch ganz konkrete Anforderungen an bestimmte

Beitragsformen und an die Bearbeitung von Sachthemen (vgl. etwa Handbuch Informationsjournalismus

bei Schweizer Radio DRS).

Die Télévision Suisse Romande ist in redaktioneller und programmlicher Hinsicht völlig

unabhängig. Diese Unabhängigkeit ehrt uns und ist für uns gleichzeitig eine Verpflichtung.

Sie ehrt uns, weil sie ein konkreter Ausdruck des Vertrauensverhältnisses ist, das

uns mit unseren Zuschauerinnen und Zuschauern sowie mit unseren institutionellen

Partnern verbindet. Diese Unabhängigkeit verpflichtet uns auch, die Qualität, die Glaubwürdigkeit

und die Ausgewogenheit der von uns ausgestrahlten Inhalte jederzeit zu

gewährleisten. Aus: Charte d’éthique der Télévision Suisse Romande.

Glaubwürdigkeit und Akzeptanz dank Unabhängigkeit

Redaktionelle Richtlinien sind wichtige Instrumente der Qualitätssicherung. Sie gehören zur

Selbstverpflichtung der Mitarbeitenden und setzen ein hohes Mass an Eigenverantwortung

voraus. Sie dienen aber auch als Massstab für zahlreiche Massnahmen qualitativer Selbstkontrolle

auf allen Ebenen der SRG SSR. Wissenschaftliche Studien bestätigen denn auch,

dass in der Schweiz «die Nachrichtenformate der öffentlichen Anbieter die gewichtigsten

Service-public-Leistungen» erbringen (Kamber/Schranz/Imhof 2002: 54). Damit verschafft

sich die SRG SSR eine hohe Glaubwürdigkeit beim Publikum, wie repräsentative Befragungen

immer wieder belegen. So zeigen etwa die «Image-Studien» der SRG SSR eine zunehmend

gute Beurteilung ihrer Programme und eine grosse Akzeptanz in der Bevölkerung.

Der Stellenwert und die Service-public-Leistung der SRG SSR sind demnach unbestritten.

Die Leistungen ihrer Medienschaffenden gelten als seriös und kompetent. Im Bereich «Information»

sind die SRG-SSR-Radio- und Fernsehsender führend (vgl. Image-Studie SRG SSR

2001). Jüngste Umfragen zu SF Schweizer Fernsehen attestieren diesem Sender eine besonders

hohe Glaubwürdigkeit, die meisten der Befragten stufen es als wichtig für die Schweiz

sowie als vertrauenswürdig und verantwortungsvoll ein. Bei der Information erhält SF vor

allem punkto Aktualität, Professionalität, Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit gute Noten

(vgl. Demoscope 2004; Konso 2004). Auch die regelmässig durchgeführten Repräsentativbefragungen

im Rahmen der Univox-Studien «Kommunikation» bescheinigen die grosse

Bedeutung der Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR als Informationsmedien. Sie

belegen aber auch die zunehmende Zufriedenheit der Schweizerinnen und Schweizer mit

den SRG-SSR-Programmen generell (vgl. Univox 2004/05).


Solidarität zwischen

Mehrheiten und Minderheiten

Ein zentraler Aspekt des Service public ist für die SRG SSR idée suisse,

die vier Sprachräume der Schweiz mit qualitativ gleichwertigen Programmen

zu versorgen. Einerseits leistet sie damit einen wichtigen

Beitrag zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses, des Zusammenhalts

und Austauschs zwischen den Landesteilen. Andererseits

muss sie mit ihren Radioprogrammen der inländischen und mit ihren

Fernsehprogrammen der grossen ausländischen Konkurrenz die Stirn

bieten können, um ihre Existenz zu sichern. Dies ist nur dank der

Solidarität zwischen Minderheiten und Mehrheiten möglich, die bei der

Finanzierung, dem Programm und dem Publikum zum Tragen kommt.

In der Gesamtstrategie 2003 – 2008 der SRG SSR formuliert die Geschäftsleitung den Kerngehalt

der Idée suisse wie folgt: Neben der Auseinandersetzung mit der schweizerischen

Wirklichkeit in all ihren Ausprägungen und der Glaubwürdigkeit der Programme durch

publizistische Qualität soll das Unternehmen «die Integrationsfunktion innerhalb der Sprachregionen»

wahrnehmen und «die Solidarität der vier Sprach- und Kulturräume untereinander

sowie der grossen mit den kleinen Publika» fördern. Dadurch wird klar, dass die SRG SSR

die Solidarität zwischen den Minderheiten und Mehrheiten als wichtigen Pfeiler zur bestmöglichen

Erfüllung ihres Auftrags betrachtet.

Finanzausgleich ermöglicht gleichwertige Programme für alle

In der Schweiz wohnhafte Personen, die Radio- oder Fernsehprogramme empfangen, sind

aufgrund des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) verpflichtet, Empfangsgebühren zu bezahlen,

unabhängig davon, welche Programme sie sich anschauen oder anhören. Von den

Gebühren befreit sind lediglich Personen, die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen-

oder Invalidenversicherung beziehen. Der Grossteil der rund 1,2 Milliarden Franken

Gebühren, die in der Schweiz jährlich eingenommen werden, dient der Finanzierung der

Radio- und Fernsehprogramme der SRG SSR, aber auch die privaten Veranstalter erhalten

einen Anteil. Die Höhe der Gebühren wird vom Bundesrat festgelegt und betrug im Jahr

2004 für den Radioempfang inklusive Mehrwertsteuer 169.20 Franken und für den Fernsehempfang

281.40 Franken pro Haushalt. Die Gebührenzahlenden in der Deutschschweiz,

der Romandie, der Svizzera italiana oder der Svizra rumantscha bezahlen alle denselben

Betrag und haben deshalb von Gesetzes wegen Anrecht auf gleichwertige Programme. Wie

dieses Angebot in den Regionen konkret auszusehen hat, liegt in der Verantwortung der

SRG SSR und ihrer Unternehmenseinheiten.

Die Suisse Romande, die Svizzera italiana und die Svizra rumantscha wären mit den Gebühreneinnahmen

aus ihrer Sprachregion allein nicht in der Lage, gleichwertige Radio- und

Fernsehprogramme anzubieten. Deshalb kommt die finanzielle Idée suisse zum Zug: Alle

Gebühren- und Werbeeinnahmen der ganzen Schweiz kommen in einen nationalen Topf

und werden den regionalen Unternehmenseinheiten nach einem von der SRG SSR bestimm-


32 Mehrheiten und Minderheiten

Mehrheiten und Minderheiten 33

ten «Helvetia-Schlüssel» zugewiesen. So generieren die Deutschschweizer und Rätoromanen

gemeinsam 71,4 Prozent der Einnahmen der SRG SSR, erhalten jedoch nur 44,7 Prozent

des Topfs. Das Tessin trägt zu 3,9 Prozent der Einnahmen bei und erhält 22,6 Prozent des

Topfs, in der Westschweiz sind es 24,7 Prozent der Einnahmen und 32,7 Prozent des Topfs.

Dank diesem Finanzausgleich zwischen den Sprachregionen erhalten die Unternehmenseinheiten

Radio Suisse Romande (RSR), Télévision Suisse Romande (TSR), Radiotelevisione

svizzera di lingua italiana (RTSI) und Radio e Televisiun Rumantscha (RTR) einen überproportional

grossen Anteil der Mittel und sind deshalb in der Lage, konkurrenzfähige Programme

in Französisch, Italienisch und Rumantsch anzubieten. Insbesondere beim Fernsehen würden

ansonsten die Veranstalter aus Frankreich und Italien, die über ein Vielfaches an Ressourcen

verfügen, den Westschweizer und Tessiner Markt beherrschen.

Das Prinzip des Finanzausgleichs geniesst weit herum hohe Akzeptanz, wenn auch immer

wieder die Höhe der zugewiesenen Mittel kritisch hinterfragt und diskutiert wird – nicht nur

in der Öffentlichkeit, sondern auch innerhalb der SRG SSR selbst. Doch Jean-Bernard Münch,

Präsident der SRG SSR, ist vom heutigen Verteilschlüssel und seiner Bedeutung für den

Zusammenhalt zwischen den Sprach- und Kulturräumen überzeugt, wie er im Sonntagsblick

vom 27. Februar 2005 betonte: «Am heutigen Verteilschlüssel möchte ich nicht rütteln. Wir

müssen die Solidarität unter den Sprachregionen pflegen. Schauen Sie, was in Belgien und

Kanada geschehen ist – diese Rivalitäten zwischen den Sprachen. Belgien ist heute ein Land,

das aus zwei Ländern besteht.» Der Finanzausgleich ist ein kultur- und staatspolitischer

Beitrag der SRG SSR an das friedliche Zusammenleben der Sprach- und Kulturgemeinschaften

der Schweiz.

Radiosendungen für grosse und kleine Publika

Programm

Schweizer Radio DRS

Radio Suisse Romande

Sendungen für grosse

und kleine Publika

Rendez-vous

(DRS 1, DRS 2, MW 531,

Mo–Fr 12.30)

Treffpunkt

(DRS 1, Mo–Fr 10.03)

Musik unserer Zeit

(DRS 2, Mi 21.00)

Jazz live

(DRS 2, Fr 22.35)

La soupe

(La Première, So 11.00)

Forums

(La Première, täglich 18.00)

Republik Kalakuta

(Couleur 3, So 10.00)

Musique aujourd’hui

(Espace 2, So 21.00)

Inhalt

Berichte und Analysen zu Ereignissen und Entwicklungen

in Wirtschaft und Politik. Einblicke in Specialinterest-Bereiche.

Prominente Persönlichkeiten aus allen Bereichen und

Fachpersonen geben Auskunft, das Publikum kann

mitdiskutieren.

Klassische und experimentelle Musik, Konzertübertragungen,

Porträts von Musikschaffenden,

CD- Neuerscheinungen.

Übertragungen von Konzerten an den grossen

Schweizer Jazz Festivals und in Jazzclubs der ganzen

Schweiz.

Eine vorwitzige Schar trifft sich mit Gästen am runden

Tisch zum Tagesgespräch.

Diskussionssendung mit scharfzüngigem Moderator,

der seine Gäste in die Zange nimmt.

Musik aus aller Welt mit Neuerscheinungen auf dem

Plattenmarkt, Interviews und Porträts.

Gegenwartsmusik, Konzerte, Gespräche mit modernen

Komponisten aus der Schweiz und von anderswo.

Reichweite in der

Sprachregion (2004)

829 100

530 900

36 000

20 300

231 000

177 000

31 000

13 000

Finanzausgleich 2004

Deutschschweiz und

Svizra rumantscha Suisse romande Svizzera italiana

Bevölkerung (in Prozent)

Anteil Gesamtbevölkerung 72,0 23,6 4,4

Anteil SRG-SSR-Einnahmen 71,4 24,7 3,9

Anteil zugewiesene Mittel 44,7 32,7 22,6

Radio svizzera

di lingua italiana

T.I.P.I.

(Rete Uno, Mo–Fr 11.05)

Modem

(Rete Uno, Mo–Fr 8.30)

Millevoci nella notte

(Rete Uno, Mo, Di, Do, Fr 22.45)

Prima Fila – Campi sonori

(Rete Due, Di 20.00)

Programm über die verschiedensten Themen von

allgemeinem Interesse

Informationsmagazin mit Hintergrundbeiträgen,

Diskussionen und Umfragen zu aktuellen Ereignissen.

Treffen im nächtlichen Salon zum Austausch von

Lebenserfahrungen.

62 000

45 000

10 400

Sendung über Gegenwartsmusik. 2 100

Anzahl Gebührenzahlende

Radio 2012685 617396 98107

Fernsehen 1955748 618372 105610

Programmleistung SRG SSR (in Stunden pro Tag)

Radio 50728 43920 26361

Fernsehen 20015 22294 17071

Radio Rumantsch

Gratulaziuns

(täglich 13.00)

Oz a las 12

(täglich 12.00)

Simsalabim

(täglich 16.45)

Battaporta

(täglich 20.00)

Persönliche Gratulationswünsche mit

musikalischem Gruss

Regionale, kantonale, nationale und internationale

Informationen

5 100

8 100

Kurzgeschichte für Kinder 2 700

Jugendsendung mit Schwergewicht Musik 2 000

Sport für die einen, Philosophie für die andern

Solidarität wird nicht nur im finanziellen Bereich, sondern auch im Programm gelebt. Die

SRG SSR hat den Auftrag, für alle Hörerinnen und Zuschauer Sendungen zu produzieren

und ein umfassendes Angebot an Information, Unterhaltung, Sport, Wissen, Kultur und

Service zu bieten. Aus diesem Grund kann sie ihre Aktivitäten nicht an rein betriebswirtschaftlichen

Kriterien ausrichten. Sie darf sich nicht ausschliesslich der Produktion von

Sendungen widmen, die möglichst hohe Marktanteile erzielen. Sie muss auch Sendungen

anbieten, die für kleine Publika von Interesse sind. Täglich geht es darum, die unterschiedlichen

und teilweise widersprüchlichen Bedürfnisse des Publikums unter einen Hut zu bringen.

Das ist nicht immer einfach: Die SRG SSR erhält regelmässig Briefe, in denen sich Gebührenzahlende

beschweren, dass zur Primetime zwischen 18 und 23 Uhr «dürftige» und

«anspruchslose» Sendungen ausgestrahlt würden. Die Fernsehforschung zeigt aber, dass

insbesondere Unterhaltungsshows und Quizsendungen zur Primetime ein grosses Publikum

haben. Diese Sendungen sind deshalb auch für die Werbung attraktiv und ermöglichen

indirekt die Finanzierung und Ausstrahlung von Philosophie-, Kultur- und Politiksendungen,

die ein kleineres Publikum ansprechen.

Die Erarbeitung des Programmrasters, das Konzept von Sendungen sowie die Gestaltung

einzelner Beiträge liegen allein in der Kompetenz und Verantwortung der einzelnen Unternehmenseinheiten

und erfolgen nach professionellen Grundsätzen. Es ist die Aufgabe der

Programmverantwortlichen, eine ausgewogene Palette an Sendungen zusammenzustellen,

die nicht nur alle Gebührenzahlenden befriedigt, sondern auch in den Märkten konkurrenzfähig

ist. Dies ist aber nicht alles: Damit die einen den Sport und die andern die Philosophie

geniessen können, braucht es Solidarität und Verständnis auf beiden Seiten.


34 Mehrheiten und Minderheiten

Mehrheiten und Minderheiten 35

Fernsehsendungen für grosse und kleine Publika

Programm

Schweizer Fernsehen

Télévision Suisse

Romande

Televisione svizzera

di lingua italiana

Sendungen für grosse

und kleine Publika

Benissimo

(SF1, Sa 20.00)

Hauptausgabe der Tagesschau

(SF1, Mo – So 19.30)

Literaturclub

(SF1, Di 22.20)

In Concert

(SF2, Sa 22.35)

Mise au point

(TSR 1, So 20.00)

A bon entendeur

(TSR 1, Di 20.05)

Racines

(TSR 1, So 12.20)

Grands entretiens

(TSR 2, So 19.00)

Falò

(TSI 1, Do 21.00)

Uno, nessuno centomila

(TSI 1, Mo –Fr 20.40)

Paganini

(TSI 1, So 11.00)

MicroMACRO

(TSI 1, Mo 23.00)

Inhalt

Millionenspiel mit Showacts

(Moderation: Bernard Thurnheer)

Ratings in der

Sprachregion (2004)

1 022 000

Aktuelle Nachrichten aus dem In- und Ausland. 945 000

Diskussion über neu erschienene Literatur unter

der Leitung von Roger Willemsen.

Rock-, Pop-, Country- und Jazzkonzerte mit News

aus der Musikszene.

Newsmagazin mit drei Reportagen, einem Interview

und diversen Rubriken.

Von Isabelle Moncada moderiertes Konsumentenmagazin

mit Recherchen und Reportagen.

Die religiöse Welt von heute aus unterschiedlichen

Blickwinkeln. Begegnungen mit bekannten und

weniger bekannten Persönlichkeiten.

Schweizer Persönlichkeiten kommen zu Wort:

Politikerinnen, Künstler, Sportlerinnen, Industrielle

und Personen aus der Wirtschaft.

Umfragen und Filmreportagen über aktuelle Themen

mit Studiointerviews.

Ratespiel: Ein Kandidat muss ein geheimnisvolles

Wort erraten.

Klassische Musik, Jazz und Gegenwartsmusik,

Filmaufnahmen und Aufführungen.

Blick auf die Gesellschaft, v.a. von einem

wirtschaftlichen Standpunkt aus.

64 000

32 000

287 000

263 000

49 000

8 000

33 500

53 800

3 100

5 700

für das Geschehen in der Schweiz interessieren. 89 Prozent finden es praktisch, via Internet

einen raschen Zugriff auf Informationen über die Schweiz zu haben. 62 Prozent der Swissinfo-Nutzerinnen

und -Nutzer würden die Internet-Plattform «sehr» oder «eher» vermissen,

wenn diese nicht mehr zur Verfügung stehen würde.

Untertitelung für Hörbehinderte und humanitäres Engagement

Unter den Dienstleistungen für Minderheiten dürfen die Untertitelungen nicht vergessen

werden, welche die SRG-SSR-Tochtergesellschaft Swiss TXT seit 1987 auf Deutsch, Französisch

und Italienisch erbringt. Dieser Dienst kommt vor allem den Gehörlosen und Hörgeschädigten

zugute, aber auch jenen, welche die Sprache der Sendung (noch) nicht so gut

kennen. Seit 1989 subventioniert das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) über den

Schweizerischen Verband für Gehörlosen- und Hörgeschädigten-Organisationen Sonos

einen Teil des Dienstes von Swiss TXT. Jährlich wird zwischen Swiss TXT und Sonos ein

Leistungsplan vereinbart, den Swiss TXT bisher stets übertreffen konnte. Das Volumen der

untertitelten Sendungen steigt seit Jahren kontinuierlich an. 2004 wurden über 3100 Sendestunden

in deutscher, französischer und italienischer Sprache untertitelt. Das sind rund

8,5 Sendestunden pro Tag. Über 500 000 Menschen mit Hörbehinderung können dank

dieser Zusatzleistung Sendungen wie die Tagesschau, Dokumentar- und Spielfilme sowie

Sportveranstaltungen mitverfolgen.

Mit Teletext untertitelte Sendungen von 1995 bis 2004

1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004

SF 679 758 773 860 910 970 1077 1239 1265 1414

TSR 515 559 662 658 746 828 750 685 798 979

TSI 182 203 270 318 481 492 527 553 608 755

Total 1376 1520 1705 1836 2137 2290 2354 2477 2671 3148

Televisiun Rumantscha

Telesguard

(SF1, Mo –Sa 17.45)

Cuntrasts

(SF1, So 17.30)

Regionale und kantonale Informationen in

rätoromanischer Sprache mit deutschen Untertiteln.

Magazinsendung mit Dokumentarfilmen zu Kultur,

Natur, Gesellschaft und Geschichte. In rätoromanischer

Sprache mit deutschen Untertiteln.

142 000

44 000

Im Auftrag der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer

Neben den kleineren Sprachregionen und den Spartenpublika profitieren auch die Auslandschweizerinnen

und Auslandschweizer vom Angebot der SRG SSR. Das Radio- und

Fernsehgesetz schreibt vor, ihre Verbindung zur Schweiz sowie die Präsenz der Schweiz

im Ausland zu fördern. Swissinfo/Schweizer Radio International (SRI) bietet diesen

623 000 Schweizerinnen und Schweizern auf seiner neunsprachigen Internet-Plattform

www.swissinfo.org Aktuelles über die Schweiz in Form von Text-, Bild-, Ton- und Videobeiträgen.

Priorität haben Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft

und Bildung sowie Sport. Diese Themen werden gezielt für ein internationales Publikum

aufbereitet. Für die Auslandschweizerinnen und -schweizer gibt es zudem eine spezielle

Website, «Swissinfo für Auslandschweizer», mit Schwerpunkt Abstimmungs- und Wahlinformationen.

Diese Informationsplattform richtet sich vor allem an die über 95 000 Auslandschweizerinnen

und -schweizer, die sich in einem Stimmregister eingetragen haben. Schliesslich

ermöglicht ihnen das Forum, miteinander in Kontakt zu treten.

Eine Umfrage, welche 2004 im Auftrag von Swissinfo/SRI mit dem Eidgenössischen Departement

für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) und dem Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt

wurde, zeigt, dass sich 92 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Schliesslich zeigt die SRG SSR Solidarität, wenn es um humanitäre Belange geht. So sammelt

die von der SRG SSR gegründete Stiftung Glückskette seit 1946 Spenden für Menschen

in Notlage. Da die Glückskette selbst kein Hilfswerk ist, werden die operationellen Arbeiten

von rund 30 zertifizierten Schweizer Partner-Hilfswerken ausgeführt. Die bisher grösste

Spendenaktion fand zu Beginn des Jahres 2005 zugunsten der Opfer des Seebebens

in Südostasien statt und brachte rund 200 Mio. Franken ein. Seit Januar 2005 sendet

Schweizer Radio DRS auf DRS 1 jeweils sonntags um 9.45 Uhr eine fünfminütige Sendung

über laufende Projekte der Glückskette.

Eine weitere karitative Sammelaktion führt die SRG SSR jeweils gegen Jahresende in Zusammenarbeit

mit dem Schweizerischen Roten Kreuz und der Post unter dem Titel «2Weihnachten»

durch. Schweizerinnen und Schweizer werden aufgerufen, Benachteiligten im

In- und Ausland mit einem Geschenkpaket eine Freude zu machen. «2Weihnachten» wurde

2004 bereits zum achten Mal durchgeführt und verzeichnete mit 72 000 Geschenkpaketen

erneut einen Rekord. Schweizer Radio DRS und Radio Suisse Romande berichten jeweils

über diese Aktion.


Kultur thematisieren,

fördern und bewahren

Der Service public von Radio und Fernsehen spielt eine wichtige Rolle

für die kulturelle Vielfalt. Die SRG SSR idée suisse kommt ihrem Kulturauftrag

mit verschiedenen Angeboten und Aktivitäten nach. Dank

ihres Pflichtenhefts und dem Finanzierungsmodus, der sie weitgehend

von kommerziellen Zwängen befreit, ist sie in der Lage, das

Kulturschaffen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen,

indem sie Kultur thematisiert, fördert und bewahrt.

«Die kulturelle Vielfalt ist für die Menschheit genauso notwendig wie die Biodiversität für

die Natur», heisst es in der Unesco-Deklaration über die kulturelle Vielfalt (Paris, 2001). Im

Aktionsplan für die Umsetzung der Deklaration wird unter Punkt 12 dem Service public von

Radio und Fernsehen eine wichtige Rolle zugeschrieben. Der Beitrag der SRG SSR idée suisse

zur kulturellen Entfaltung ist auch gesetzlich verankert. So lautet der Auftrag von Artikel 3

des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen (RTVG) an die SRG SSR, «das schweizerische

Kulturschaffen [zu] fördern und die Zuhörer und Zuschauer zur Teilnahme am kulturellen

Leben [anzuregen]». Weiter hält das RTVG fest, dass die «schweizerische audiovisuelle

Produktion, insbesondere [der] Film» sowie «die europäischen Eigenleistungen möglichst

breit [zu] berücksichtigen» seien. Auch in Artikel 26 zu Konzession und Auftrag ist festgeschrieben,

dass die SRG SSR «in der Gesamtheit ihrer Programme die Eigenheiten des

Landes und die Bedürfnisse der Kantone» zu berücksichtigen habe und durch «ausgewogene

Programmgestaltung insbesondere [...] zur kulturellen Entfaltung, namentlich durch die

möglichst breite Berücksichtigung schweizerischer Eigenleistungen» beitragen müsse. Der

Kulturauftrag im Entwurf zum neuen RTVG unterscheidet sich nicht wesentlich von den

heute geltenden Bestimmungen (Art. 26 des Entwurfs). Für die Ausstrahlung schweizerischer

und europäischer audiovisueller Werke und für die Verpflichtung zu unabhängiger Produktion

wird künftig die Quotenregelung der Europäischen Union gelten (Art. 7).

Wichtigste Filmförderin neben dem Bund

Dem Kulturauftrag kommt die SRG SSR mit verschiedenen Massnahmen nach. Ein wichtiger

Pfeiler der Kulturförderung – jedenfalls der finanziell gewichtigste – ist die Filmförderung.

Nachdem die gesetzliche Verpflichtung zur Filmförderung jahrelang sowohl von Seiten der

SRG SSR wie auch der Filmschaffenden mehr als Pflicht denn als Chance betrachtet wurde,

konnte die Barriere 1996 mit dem Pacte de l’audiovisuel beseitigt werden. Die SRG SSR und

fünf Partner der Filmbranche (heute sechs) schufen eine Plattform mit dem Ziel, die Präsenz

und Qualität des Schweizer Films zu fördern. Im Rahmen des Pacte de l’audiovisuel unterstützte

die SRG SSR das schweizerische Filmschaffen 2003 bis 2005 mit jährlich 16,8 Mio. Franken.

Für die nächsten drei Jahre hat sie ihren Jahresbeitrag auf 19,3 Mio. erhöht (siehe auch Kapitel

Säule der Schweizer Medienbranche). Der Pacte hat vor allem die Zusammenarbeit von

Film und Fernsehen verbessert. Es konnten mehr Dokumentar- und Fernsehfilme, aber auch


38 Kultur

Kultur 39

mehr Kinofilme realisiert werden. Dank der Kontinuität des Pacte werden immer wieder

Schweizer Themen filmisch umgesetzt und an die Öffentlichkeit gebracht. Für diese zum Teil

langjährigen Projekte werden jeweils Schweizer Filmschaffende und Schweizer Schauspielerinnen

und Schauspieler herangezogen, die sonst ins Ausland ausweichen müssten.

Pacte de l’audiovisuel: Partner der SRG SSR 2006–2008

• Schweizerischer Verband der Filmproduzenten (SFP)

• Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz (FDS)

• Schweizer Trickfilmgruppe (STFG)

• Association Romande du Cinéma (ARC)

• Swissfilm Association (SFA)

• Gruppe Autoren, Regisseure, Produzenten (GARP)

Im Jahr 2004 investierte die SRG SSR insgesamt rund 27,6 Mio. Franken in die unabhängige

Produktion von Fernseh-, Dokumentar- und Spielfilmen. Diese Investition hat sich gelohnt:

«Mais im Bundeshuus oder Le génie helvétique» wurde an den Solothurner Filmtagen als

bester Dokumentarfilm 2004 ausgezeichnet, «Tout un hiver sans feu» gewann an der Verleihung

des Schweizer Filmpreises 2005 den Preis für den besten Spielfilm und «Les Choristes»

feierte grosse Kinoerfolge. Alle diese Filme wurden von Télévision Suisse Romande (TSR)

koproduziert.

Auch bei den Fernsehfilmproduktionen können mehrere Highlights verzeichnet werden.

«Sternenberg» wurde am Fernsehen von über 800 000 Zuschauerinnen und Zuschauern

verfolgt und stiess auch im Kino auf Begeisterung. Ebenfalls erfolgreich waren die von

SF Schweizer Fernsehen (SF) produzierten Fernsehfilme «Das Paar im Kahn», «Lous Waschsalon»,

«Alles wegen Hulk», «Oeschenen», «Fremde im Paradies», «Anjas Engel» und «Tod

einer Ärztin». Während der letzten fünf Jahre wurden 31 Fernsehfilme in deutscher Sprache

produziert und jeweils am Sonntagabend zur besten Sendezeit auf SF1 ausgestrahlt.

Aktives Filmschaffen findet auch in der italienischen Schweiz statt. Im Rahmen des Pacte de

l’audiovisuel koproduzierte Televisione svizzera di lingua italiana (TSI) den Film «Agata e la

tempesta» und in Zusammenarbeit mit Italien «Fame chimica» und «La felicità non costa

niente», die es zu grossem Kinoerfolg brachten.

Festivals und Preisverleihungen für Filme diverser Sparten

Die SRG SSR fördert das schweizerische Filmschaffen nicht nur durch den Pacte de

l’audiovisuel, sondern auch durch die Unterstützung von Filmanlässen und durch Preisverleihungen

in diversen Sparten. Sie unterstützt die Solothurner Filmtage, das Filmfestival

Locarno – insbesondere das Festival Semaine de la critique –, die Visions du Réel in Nyon,

das Festival Cinéma Tout Ecran in Genf sowie die Kurzfilmtage Winterthur. Im Rahmen der

Solothurner Filmtage wird seit 1998 der Schweizer Filmpreis verliehen. Das Bundesamt für

Kultur (BAK) schreibt diesen Preis aus, die SRG SSR, das Filmfestival von Locarno, Nyon und

Solothurn sowie Swiss Films unterstützen die Preisvergabe.

Im Bereich Dokumentarfilme verlieh TSR am Festival International du Film de Fribourg bereits

zum dritten Mal einen Dokumentarfilmpreis, zusammen mit der Tageszeitung La Liberté.

Für Videofilme existiert der von der SRG-SSR-Tochtergesellschaft TV Productioncenter Zürich

AG (TPC) und den Schweizer Hochschulen für Gestaltung und Kunst ins Leben gerufene

TPC creaTVty Award. Diese Auszeichnung dient der Förderung junger, talentierter Schweizer

Film- und Medienkünstler, die das Studium an einer Fachhochschule für Gestaltung und

Kunst abgeschlossen haben.

Charta zur Förderung der Schweizer Musik am Radio

Was der Film für das Fernsehen, ist die Musik für das Radio. Hörerinnen und Hörer wählen

ihr Lieblingsprogramm hauptsächlich nach seiner Musik. Sie trägt wesentlich dazu bei, das

Programm gegenüber den Konkurrenzprogrammen unverwechselbar zu machen. Ähnlich

wie beim Film verankerte die SRG SSR ihre Zusammenarbeit mit elf Musikverbänden. Nach

langem und intensivem Dialog unterzeichneten die Beteiligten 2004 die Charta der Schweizer

Musik. Sie hat zum Ziel, das Ansehen der Schweizer Musik sowie talentierte Musikerinnen

und Musiker zu fördern. Die SRG SSR verpflichtet sich, in ihren Radioprogrammen einen

angemessenen Anteil an Schweizer Produktionen auszustrahlen. Als Schweizer Musik gelten

Aufnahmen oder Live-Ausstrahlungen mit Schweizer Komponisten, Interpretinnen oder

Produzenten sowie Aufnahmen mit massgeblicher Schweizer Beteiligung. Die Präsenz von

Schweizer Musik in den Service-public-Programmen wird von den Partnern jährlich mit

Richtwerten festgelegt. In den letzten Jahren hat die SRG SSR diese Richtwerte in den meisten

ihrer Radioprogramme nicht nur erreicht, sondern übertroffen.

Ausserdem hat sich die SRG SSR zum Ziel gesetzt, vermehrt und noch stärker über das

Musikgeschehen in der Schweiz zu informieren und sich an Aktivitäten und Produktionen

zu beteiligen, die sich zur Förderung der Schweizer Musik eignen. Regelmässig finden deshalb

Kontakte auf nationaler und sprachregionaler Ebene, aber auch zwischen den Senderketten

statt.

Anteile und Richtwerte für Schweizer Musik am Radio 2004

Unternehmenseinheit Programm Anteil Schweizer Musik (in Prozent)

Westschweizer Initiative «Label Suisse»

Bei Radio Suisse Romande (RSR) laufen die Bemühungen zur Förderung der Schweizer

Musik unter dem «Label Suisse». Verschiedene Sendungen sorgen dafür, dass die Schweizer

Musikszene mit all ihren Stilrichtungen im Programm präsent ist. Ebenfalls unter dem Titel

«Label Suisse» fand 2004 in den Lokalitäten von RSR ein Fest der Schweizer Musik statt:

Mit rund 60 für die Öffentlichkeit kostenlosen Konzerten, die in den vier RSR-Programmen

ausgestrahlt wurden. Mehr als 400 Schweizer Musikerinnen und Musiker machten mit. Das

nächste Festival findet im September 2006 statt.

Richtwerte

(in Prozent)

2003 2004 2005 2004/05

Schweizer Radio DRS (SR DRS) DRS 1 23,6 21,4 21,2 20

DRS 2 21,5 14,5 17,9 14

DRS 3 8,8 11,3 13,0 12

DRS Musigwälle 36,9 35,0 34,1 30

Virus 20,2 14,2 12,9 20

Radio Suisse Romande (RSR) La Première 9,3 10,5 10,97 8–10

Espace 2 12,5 20,7 25,59 12–15

Couleur 3 9,3 10,0 21,27 6–8

Option Musique 8,0 8,6 9,32 8–10

Radio svizzera di lingua italiana (RSI) Rete Uno 5,0 5,0 6,1 7

Rete Due 12,4 19,0 11 1 /17,5 2 10

Rete Tre 3,5 6,2 6,6 6

Radio e Televisiun Rumantscha (RTR) Radio Rumantsch – 24 24 18

Swiss Satellite Radio (S Sat R) Radio Swiss Classic 21 21 20,86 20

Radio Swiss Jazz 24,2 25,5 24,83 30

Radio Swiss Pop 15,6 20 20,86 25

1

Tagesprogramm

2

Nachtprogramm (Radio Swiss Classic)


40 Kultur

Kultur 41

Ausgewählte Sendungen über Schweizer Musik am Radio 2005

Die klassische Musik kommt jedes zweite Jahr in der «Schubertiade» besonders intensiv zum

Zug. Dann führt Espace 2 während zwei Tagen an 15 Schauplätzen gleichzeitig 180 Konzerte

mit rund 1700 Musikerinnen und Musikern durch. Die letzte Schubertiade fand 2005 in

Neuenburg statt. Zu hören gibt es alles: vom Symphonieorchester über das Saxofonquartett

bis zum Panflöten-Gitarren-Duo oder dem gemischten Chor. Espace 2 überträgt die Darbietungen

jeweils fast rund um die Uhr. Zur Förderung von Nachwuchstalenten schuf RSR auch

eine Plattform: Jährlich können junge Musikerinnen und Musiker am Concours Nouvelles

Scènes ihr Können präsentieren.

Musik ist Information bei Schweizer Radio DRS

In der Deutschschweiz hat die Ausstrahlung von Schweizer Musik bei DRS 1 und DRS Musigwälle

eine lange Tradition. Auch die Musikredaktionen von DRS 3 und Virus engagieren sich

heute stark für die Förderung des Schweizer Musikschaffens. Ihre Aktivitäten laufen unter

dem Leitmotiv «Musik ist Information». DRS 3 spielt stündlich zwei Schweizer Titel, legt bei

CD-Neuvorstellungen das Schwergewicht auf Schweizer Bands, überträgt viele Schweizer

Bands an Openair-Festivals, sendet bei «Uf dr Gass»-Produktionen ausschliesslich Schweizer

Musik und fördert mit dem SwissTop-Wettbewerb Schweizer Künstlerinnen und Künstler.

Das Jugendradio Virus unterstützt mit seinem im Februar 2005 eingeführten Sendegefäss

«Beats» neue und unbekannte Schweizer Musik, indem es über die Schweizer Clubszene

berichtet. Ausserdem stellt Virus regelmässig Schweizer Newcomerbands vor.

Seit Februar 2005 bieten die beiden Musikredaktionen eine weitere Dienstleistung an: Unter

dem Titel «CH-Musiknews by DRS3&Virus» liefern sie den Printmedien, Verlagen, Musikorganisationen

und Musikproduzenten täglich per Mail die wichtigsten Meldungen aus

der Schweizer Musikszene. DRS 3 gibt allen Künstlerinnen und Künstlern ein ausführliches

Programm Sendungen Inhalt

Schweizer Radio DRS

Schwiizer Musig

Schweizer Volksmusik, volkstümliche Schlager,

(DRS 1, Sa 14.05)

Musik von Dixie bis Swing.

Radio Suisse Romande

Radio svizzera di lingua italiana

Radio Rumantsch

CH-Musik

(DRS 2, Do 22.35)

CH Special

(DRS 3, Sa 20.03)

Le kiosque à musiques

(La Première, Sa 11.00)

Pavillon Suisse

(Espace 2, Fr 20.00)

Soirée chanson

(Option Musique, Fr 20.00)

Concerto Bandistico

(Rete Uno, Do 12.05)

Voci in coro

(Rete Due, Do 19.35)

Concerto OSI

(Rete Due, Mo–Fr 14.35)

Prima Fila

(Rete Due Mo–Sa 20.00, Do 20.30)

Taca Banda

(Rete Due, Sa 19.20)

Bandzonair

(Rete Due, Di 21.00)

Musica da qua e da la

(Do 14.00)

Artg musical

(So 14.00)

Klassische Musik aller Sparten von Schweizer

Komponisten, Schweizer Musikschaffen.

Schweizer Pop- und Rock-Neuheiten sowie Oldies

und Hits der Schweizer Musikgeschichte.

Schweizerische und ausländische Volksmusik,

mit Chören, Fanfaren, Big Bands und Akkordeon.

Konzerte aus den vier Schweizer Landesteilen,

Hintergrundberichte und Interviews.

Konzerte zur Förderung regionaler Talente,

in Partnerschaft mit grenznahen ausländischen

Lokalradios.

Musik und Porträts von Bands aus

der italienischen Schweiz.

Aufnahmen von Chören der italienischen Schweiz.

Aufnahmen von Konzerten des Orchestra

della Svizzera italiana (OSI).

Aufnahmen der Konzertsaisons des Orchestra

della Svizzera italiana.

Aufnahmen von Bands der italienischen Schweiz.

Musik und Porträts von Gruppen und jungen

Musikern der italienischen Schweiz.

Volkstümliche Musik zu 80 Prozent aus

der Schweiz.

Musik und Beiträge aus der rätoromanischen

Schweiz (vor allem Chorgesang und Brass).

Feedback auf die CDs, welche diese der Redaktion zugestellt haben. Und Virus organisierte

2005 eine Demotape Clinic, in der sich ambitionierte Bands von Profis aus der Musikbranche

beurteilen lassen konnten.

Schweizer Musik auch auf RR, RSI und S Sat R

Vielfältig ist das Engagement für die Schweizer Musik auch bei Radio Rumantsch (RR). Seit

20 Jahren verfolgt RR den Chorgesang und besitzt mittlerweile 4000 Aufnahmen und

70 Tonträger. 2005 fand zum ersten Mal ein Festival da chors statt, ein Chorwettbewerb

nach dem Vorbild der Fernseh-Castingsendungen. 26 Chöre mit rund 860 Sängerinnen und

Sängern massen sich in 10 Qualifikationsrunden. Tradition haben auch die Openair-Festivals

im Kanton Graubünden. Seit 20 Jahren ist RR Medienpartner des Open Air Val Lumnezia.

Noch weiter zurück reichen die Beziehungen zum Open Air Chapella. Die Konzerte werden

von RR aufgenommen oder live ausgestrahlt. Nachwuchsmusikerinnen und -musiker finden

dank dem Förderprojekt Top pop rumantsch eine Plattform: RR begleitet die Künstlerinnen

und Künstler und vermittelt ihnen Kontakte und Know-how. So werden jährlich einige Songs

produziert, die exklusiv auf RR zu hören sind.

Seit jeher ist auch Radio svizzera di lingua italiana (RSI) mit der Schweizer Musik verbunden,

insbesondere mit derjenigen im Tessin. Rete Tre unterstützt und fördert junge Bands mit

speziellen Sendungen, Showcases und der Internetsite Bandzonair. Rete Due macht regelmässig

Aufnahmen von Orchester- und Choraufführungen, bringt das volksmusikalische Erbe

zur Geltung und schenkt insbesondere den alten Orgeln Beachtung, von denen es in der

Svizzera italiana noch rund fünfzig gibt. Ausserdem unterstützt RSI das Orchestra della

Svizzera italiana, überträgt seine Konzerte und zeichnet sie auf CD auf. Der bedeutendste

Berufschor der Schweiz und der einzige Radiochor wird vollständig von Rete Due unterstützt.

Systematische Förderung von Schweizer Musik betreiben auch die drei Musikprogramme

von Swiss Satellite Radio (S Sat R). Deshalb ist der Anteil Schweizer Musik im Programm von

Radio Swiss Classic, Radio Swiss Jazz und Radio Swiss Pop seit 2001 auf über 20 Prozent

gestiegen. Auf den Websites seiner drei Programme bietet S Sat R Schweizer Musikerinnen

und Musikern einen direkten, passwortgeschützten Zugriff auf die sendereigene Musikerdatenbank.

Dort können sie das Feedback der Hörerinnen und Hörer auf ihre Musiktitel

konsultieren sowie Informationen und Fotomaterial zu ihrer Person und Musik platzieren.

Mehr als 200 Musikerinnen und Musiker machen von dieser interaktiven Möglichkeit bereits

Gebrauch. Die Hörerinnen und Hörer profitieren von einem einmaligen Musikinformationsund

Musikbestellservice. Allein im Jahr 2004 wurde diese Internet-Dienstleistung 1,3 Mio.

Mal genutzt.

Der kleine Amadeus, Prix des auditeurs und vieles mehr

Die grossen Förderungsinitiativen Pacte de l’audiovisuel und Charta der Schweizer Musik

sind nicht alles, was die SRG SSR unter Kulturengagement versteht. Daneben finden zahlreiche,

sehr unterschiedliche Aktivitäten statt, welche die Kultur in der Schweiz mitbestimmen

und prägen. Hier einige Beispiele:

• Die zweiten Radioprogramme – DRS 2, Espace 2 und Rete Due – sind die eigentlichen

Kulturprogramme der SRG SSR. Ihr Anliegen ist es, gesellschaftliche Vorgänge zu thematisieren

und kulturelle Phänomene verstehbar zu machen, indem sie Hintergründe

und Zusammenhänge aufzeigen sowie Wissen und Bildung vermitteln. Ausserdem beteiligen

sich die zweiten Programme aktiv am Kulturleben der Schweiz mit Konzertübertragungen,

Musik-Eigenaufnahmen und der Produktion von Hörspielen.

• Zusammenarbeit mit den ausländischen Fernsehsendern 3sat, TV5 und Arte:

1984 schlossen sich Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen und schufen

mit dem Satellitenfernsehen 3sat ein komplementäres Qualitätsprogramm, das die regionale

Vielfalt betont und die kulturellen Leistungen der drei beteiligten Länder spiegelt.

Im Jahr 2005 standen Schwerpunkte zu Albert Einstein und Friedrich Schiller auf dem

Programm. Die Schweiz leistet jährlich einen Beitrag von 700 Programmstunden an das

deutschsprachige Kulturfernsehen.


42 Kultur

Kultur 43

Kultursendungen in den Fernsehprogrammen der SRG SSR 2005

Programm Kultursendungen Inhalt

Schweizer Fernsehen

Kulturplatz

(SF1, Mi 22.20)

Reportagen zum nationalen und internationalen

Kulturschaffen.

Télévision Suisse Romande

Televisione svizzera

di lingua italiana

Televisiun Rumantscha

Sternstunde Philosophie

(SF1, So 11.00)

Klanghotel

(SF1, So 23.10)

Sang d’encre

(TSR 2, So 18.45)

Cadences

(TSR 2, So 21.20)

La tête ailleurs

(TSR 1, Di 22.00)

Storie

(TSI 1, So 20.40)

Martedì notte

(TSI 1, Di 23.30)

Festival da chors

(SF1, 29.3.05 16.00)

Cuntrasts: Play! Don’t play! La savur dil palc

(SF1, 26.6.05 17.30)

Cuntrasts: Maton, er ed oz

(SF1, 6.3.05 17.00)

Philosophische Gespräche zum Zeitgeschehen

mit einem profilierten Gast.

Dokumentationen, Konzerte und Aufführungen

zum heutigen Musikschaffen.

Literatursendung: Begegnungen mit in- und

ausländischen Autorinnen und Autoren.

Klassische Musik und Tanz: Konzertaufnahmen,

Porträts von Musikern und Dirigenten,

Dokumentarfilme.

Kino, Literatur, Theater, Musik und Trickfilm:

Reportagen und Interviews.

Moderatorin mit Gästen, dazu themenspezifische

Dokumentarfilme und Filmsequenzen.

Best of der internationalen Filmproduktion.

Grosse Autoren des Dokumentarfilms erzählen.

Finalsendung des Chorwettbewerbs von Radio e

Televisiun Rumantscha.

Porträt des Schauspielers Bruno Cathomas aus

Laax und des Musikers Jürg Kienberger aus Sils.

Porträt des Dorfes Maton auf dem Schamserberg

und seiner Bevölkerung heute und gestern.

Ebenfalls seit 1984 besteht eine Zusammenarbeit mit dem Fernsehkanal TV5, der Programme

in französischer Sprache in die ganze Welt ausstrahlt.

Seit zehn Jahren existiert zwischen der SRG SSR und dem Kulturkanal Arte ein Zusammenarbeitsvertrag.

Dadurch erhalten Schweizer Produktionen einen Platz im prestigeträchtigen

Fernsehprogramm, das in ganz Europa Dokumentarfilme, Spielfilme und

Themenabende ausstrahlt sowie Musik- und Theaterveranstaltungen überträgt.

• Mit der Partnerschaft von SF, TSR und TSI mit Young Musicians findet die Förderung von

Musikerinnen und Musikern auch am Fernsehen statt. Seit 1982 messen sich alle zwei

Jahre Solistinnen und Solisten zwischen 14 und 19 Jahren im Rahmen dieser Klassik-

Eurovisionsveranstaltung. Der von der SRG SSR organisierte Wettbewerb gilt für junge

Musiktalente in Europa als wichtiger Karriereschritt, da die europaweite Ausstrahlung

die Aufmerksamkeit von Konzertveranstaltern und Plattenfirmen garantiert.

• Eine Reihe von Fernsehsendungen über Philosophie, Literatur und andere kulturelle Themen

richtet sich an ein erwachsenes Publikum. Die von SF koproduzierte Trickfilmserie

«Little Amadeus» ist jedoch für Kinder bestimmt. In 26 Folgen werden lustige und spannende

Geschichten aus Kindheit und Jugend von Wolfgang Amadeus Mozart erzählt,

die zum Teil auf wahren Begebenheiten beruhen. Die kleinen Zuschauer erfahren viel

über sein musikalisches Können und seine Lausbubenstreiche.

• Das Jahr 2004 stand im Zeichen der Fotografie. Nach den viel beachteten Fernsehreihen

LiteraTour de Suisse, ArchitecTour de Suisse und zehn Porträts über Schweizer Komponisten

ist Photosuisse die vierte Koproduktion von SF, TSR, TSI und Televisiun Rumantscha

(TvR), welche sich der kulturellen Vielfalt der Schweiz widmet. In 28 Porträtfilmen und

einem umfassenden Buch gibt Photosuisse einen Überblick über das zeitgenössische

Fotoschaffen in der Schweiz.

• Die SRG SSR ist auch in der Literatur aktiv. Seit den Achtzigerjahren vergibt RSR jährlich

anlässlich des Salon international du livre in Genf den Prix des auditeurs de la Radio

Suisse Romande für Romane und Novellensammlungen. Der Prix des auditeurs ist mit

10 000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden Schweizer Autorinnen und Autoren, die

entweder auf Französisch schreiben oder deren Buch auf Französisch übersetzt wurde.

• Ebenfalls im Bereich Literatur lancierte TSR im Mai 2004 die wöchentliche Sendung «Sang

d’encre». Das Publikum lernt neue Bücher und Autoren kennen und kommt selbst zu

Wort. Im Zusammenhang mit dieser Sendung wurde am Salon international du livre zum

ersten Mal der Prix TSR du roman für französischsprachige Romane verliehen. Dieser Preis

beinhaltet auch einen Prix du public und einen Prix littérature jeunesse 13/18 ans, mit

dem vor allem junge Leserinnen und Leser angesprochen werden sollen.

• Kultur umfasst auch Volkskultur. Mit dem eidgenössischen Schwing- und Älplerfest beispielsweise

stand 2004 ein sportliches Grossereignis auf dem Programm von SF. Insgesamt

16 Stunden dauerte die Übertragung aus Luzern. Mit grossem Erfolg: Die Krönung des

Schwingerkönigs erreichte in der Deutschschweiz einen Marktanteil von rund 58 Prozent.

Live von diesem Anlass berichtete auch DRS 1.

Archive gegen das Vergessen

Produktion und Förderung von Kultur sind nur halb soviel wert, wenn nicht Möglichkeiten

vorgesehen sind, sie zu bewahren. Dabei geht es nicht nur um eine systematische Ablage

zur Wiederauffindbarkeit von Dokumenten, sondern auch um die Digitalisierung alter Tonbänder

und Filme. Dies verlangt auch Artikel 15 der Konzession SRG von 1992. Eine Initiative

gegen den drohenden Verlust des audiovisuellen Gedächtnisses der Schweiz ist der 1995

gegründete Verein Memoriav. Die SRG SSR, die Landesbibliothek, das Bundesarchiv, das

Bundesamt für Kommunikation, das Schweizer Filmarchiv, die Landesphonothek und das

Institut zur Erhaltung der Fotografie wollen mit diesem Verein das audiovisuelle Kulturgut

der Schweiz erhalten. Allein bei der SRG SSR müssen rund eine halbe Million Tonbänder und

Filmrollen aus der Zeit zwischen 1950 und 2002 digitalisiert werden. Weiter hat die Fondation

pour la sauvegarde des archives de la Télévision Suisse Romande zum Ziel, durch Fundraising

und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit einen Beitrag zu leisten zur Rettung des wertvollen,

durch das Essigsyndrom gefährdeten Kulturerbes insbesondere der Westschweiz.

Seit ihrer Gründung 1954 hat Télévision Suisse Romande (TSR) mehr als 70 000 Stunden

Filmmaterial aufbewahrt. Seit Anfang 2005 ist TSR daran, diese Filmbänder und Videos

zu restaurieren und zu digitalisieren. Unter www.archives.tsr.ch sind diese Fernsehdokumente

einem breiten Publikum zugänglich.

Nicht nur Filme, Video- und Tonbänder sind es wert, erhalten zu werden, sondern auch

technische Errungenschaften. Die SRG SSR hat deshalb, vertreten durch TSR und RSR, seit

über zwei Jahren einen Leistungsvertrag mit dem Audiorama in Montreux. Zwei weitere

Initiativen, die der Öffentlichkeit direkt zugute kommen, sind die Partnerschaften mit dem

Museum für Kommunikation in Bern und dem Verkehrshaus der Schweiz in Luzern. Im

Museum für Kommunikation kann das technische Erbe der SRG SSR in der Dauerausstellung

und in Sonderausstellungen besichtigt werden. Das Verkehrshaus der Schweiz betreibt ein

Radio- und Fernsehstudio, das den Besucherinnen und Besuchern erlaubt, spielerisch mit

den Medien zu experimentieren.

Dass Archive wahre Fundgruben sind, zeigen verschiedene Beispiele. Radio Suisse Romande

sendet jeden Morgen einen Ausschnitt aus seinem Archiv. Navigastoria auf der Website von

Radiotelevisione svizzera di lingua italiana (RTSI) gibt einen Überblick über die Geschichte

der Südschweiz von 1800 bis 2000. Ein weiteres Produkt aus den SRG-SSR-Archiven ist die

anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Solothurner Filmtage von SF DRS, TSR und TSI erstellte

DVD «40 Jahre Solothurner Filmtage Im Spiegel der Fernsehberichterstattung». Ebenfalls

aus den Archiven der drei Sender wurden Beiträge zum fünfzigjährigen Jubiläum des Fernsehens

ausgestrahlt und auf DVD festgehalten. Auch für die 21 Dokumentarfilme unter

dem Titel «L’histoire c’est moi» über die Mobilmachung zum Zweiten Weltkrieg wurde

Archivmaterial verwendet. Wertvolle historische Filmausschnitte konnten dem TSR-Archiv

für den Film «Vietnam, ces Suisses qui ont filmé la guerre» entnommen werden.


Wirtschaftlichkeit

ohne Profitorientierung

In der Schweiz müssen Radiohörerinnen und Fernsehzuschauer Empfangsgebühren

bezahlen. Die Gebühren sind politisch gewollt und

mehrheitlich akzeptiert. Der grösste Teil davon kommt der SRG SSR

idée suisse zugute. Sie verpflichtet sich dafür, ihren Programmauftrag

zu erfüllen und die Gelder wirtschaftlich einzusetzen: Qualität und

Quantität ihres Angebots müssen in einem vernünftigen Verhältnis zum

finanziellen Aufwand stehen. Die Wirtschaftlichkeit der SRG SSR ist

insgesamt gut: Den Vergleich mit den Kosten anderer in- und ausländischer

Medienangebote braucht sie nicht zu scheuen.

Der Jahresumsatz 2004 der SRG SSR idée suisse betrug rund 1,5 Milliarden Franken. Gut

zwei Drittel der Einnahmen stammen aus den Empfangsgebühren, knapp ein Drittel aus

kommerziellen und anderen Erträgen. Die Gebühreneinnahmen sind das wichtigste finanzielle

Standbein der SRG SSR. Die Höhe der Gebühren wird vom Bundesrat bestimmt. Jeder

Haushalt mit einem Radio- und/oder einem Fernsehgerät ist von Gesetzes wegen verpflichtet,

Empfangsgebühren zu bezahlen. Die SRG SSR erhält den Gesamtertrag der Empfangsgebühren

abzüglich der Kosten für die Frequenzverwaltung und Sendernetzplanung, für

das Inkasso der Empfangsgebühren und abzüglich der Beiträge für private Rundfunkveranstalter.

Die Gebührenfinanzierung der SRG SSR geht auf einen demokratischen Entscheidungsprozess

zurück und entspricht dem politischen Willen in der Schweiz. Die Gebühreneinnahmen

ermöglichen konkurrenzfähige, qualitativ hoch stehende Programme in allen Landessprachen

und einen Service public, der unabhängig ist von Konjunktur und Politik. Nebst den

Gebühreneinnahmen stärken die kommerziellen Einnahmen der SRG SSR die Finanzierung

des Service public zusätzlich (mehr zur Mischfinanzierung siehe Kapitel «Unabhängigkeit

und Glaubwürdigkeit»).

Die SRG SSR muss widersprüchlichen gesetzlichen Anforderungen und gesellschaftlichen

Erwartungen genügen: dem ‹idealistischen› Programmauftrag einerseits und der Verpflichtung

zur Eigenwirtschaftlichkeit andererseits. Sie muss für die Schweiz einen Service public

erbringen und sich gleichzeitig gegen die starke Konkurrenz aus dem Ausland behaupten.

Sie muss nach wirtschaftlichen Kriterien geführt werden, aber darf kein Gewinnziel verfolgen.

Öffentliche Finanzierung schliesst die Gewinnabsicht aus. Kommerzielle Tätigkeiten

der SRG SSR dürfen nur zugunsten des Programms erfolgen. Das bedeutet: Die SRG SSR

kann nicht wie ein Privatunternehmen nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien entscheiden

und funktionieren. Denn der Programmauftrag fordert von der SRG SSR, allen etwas

zu bieten, den Mehrheiten und den Minderheiten, und nicht nur den werberelevanten

Zielgruppen (siehe auch Kapitel «Mehrheiten und Minderheiten»). Gleichzeitig verpflichtet

Service public auch zum Erfolg. Denn wenn es der SRG SSR nicht mehr gelingt, auch die

Bedürfnisse der Mehrheit der Gebührenzahlenden zu befriedigen, wird diese Mehrheit nicht

mehr bereit sein, ihre Gebührenrechnung zu bezahlen. Wenn sie ihre Gebühren nicht mehr


46 Wirtschaftlichkeit ohne Profitorientierung

Wirtschaftlichkeit ohne Profitorientierung 47

entrichten wird, werden der SRG SSR die finanziellen Mittel fehlen, um jene Sendungen

anzubieten, die nicht mehrheitsfähig sind.

Die Schweizer Bevölkerung akzeptiert die Gebühren. Umfragen zeigen, dass drei Viertel der

Schweizer Bevölkerung hinter dem Konzept von gebührenfinanzierten Radio- und Fernsehprogrammen

stehen. Mehr als die Hälfte der Befragten ist zudem der Ansicht, dass die Höhe

der Gebühren angemessen ist, wie eine Umfrage im Jahr 2001 ergeben hat. Eine neuere

Umfrage zur Gebührenakzeptanz wurde im Dezember 2005 durchgeführt, die Resultate

sind erst nach Redaktionsschluss bekannt.

Im europäischen Vergleich hat die Schweiz denn auch wenig Schwarzseher resp. -hörer. Der

Anteil der Gebührenzahlenden ist sehr hoch, beim Fernsehen um die 95 Prozent der Haushalte,

beim Radio 92 Prozent. 2004 wurden 3800 Strafverfahren eingeleitet, 893 wegen

schwarzsehen, 2423 wegen schwarzhören und 305 wegen beidem. 264 Fälle sind noch

nicht abgeschlossen und konnten deshalb keiner Kategorie zugeordnet werden.

Drei Gebührenanpassungen in zehn Jahren

Die SRG SSR hat ihren Programmauftrag mit den Mitteln zu erfüllen, die ihr vom Konzessionsgeber

zugesprochen werden. De jure hat die SRG SSR das Recht, alle zwei Jahre eine

Gebührenanpassung zu verlangen. Dabei muss sie jeweils beweisen, dass sie mit den Einnahmen

verantwortungsvoll umgeht und diese effizient einsetzt. Bisher erfolgte die Anpassung

der Gebühren in mehrjährigen Perioden. In den letzten zehn Jahren hat der Bundesrat

die Empfangsgebühren dreimal erhöht. Die Gebührenbelastung der einzelnen Haushalte ist

trotzdem praktisch stabil geblieben: Die Beiträge für die Radio- und Fernsehkonzession

machen seit Jahren rund 0.4 Prozent der Ausgaben eines Schweizer Haushaltes aus, wie die

Einkommens- und Verbrauchserhebung des Bundesamtes für Statistik zeigt.

Seit 1995 sind die Radiogebühren in drei Etappen von 160.80 Franken auf heute 169.00 Franken

angehoben worden. Dies entspricht einer nominalen Erhöhung von 5.1 Prozent in zehn

Jahren. Teuerungsbereinigt ergibt sich eine Reduktion von 3.2 Prozent (Radiogebühr von 2005

zu Preisen gemäss Landesindex der Konsumentenpreise von 1995 gerechnet). Beim Fernsehen

sind die Gebühren im selben Zeitraum von 248.40 Franken auf 281.40 Franken gestiegen, was

einer nominalen Erhöhung von 13.3 Prozent und einer realen von 5 Prozent entspricht.

Nur zwei dieser drei Anpassungen hatten Mehreinnahmen für die SRG SSR zur Folge. Eine

erste Gebührenanpassung erfolgte 1995 mit 4.7 Prozent für den Radioempfang und

2.0 Prozent für den Fernsehempfang und kam vor allem der damaligen PTT zugute. Auf den

1.1.2000 erfolgte eine Anpassung von 0.9 Prozent für das Radio und von 8.9 Prozent für das

Fernsehen. Die Anpassung vom 1.1.2003 um 4.2 Prozent beim Radio bzw. um 4.1 Prozent

beim Fernsehen brachte der SRG SSR im Vergleich zum Jahr 2000 keine effektiven Mehreinnahmen,

sie kompensierte nur die Gebührenbefreiung von Personen, die Ergänzungsleistungen

zur AHV/IV beziehen.

Die SRG SSR organisiert sich so, dass sie wirtschaftlich geführt werden kann.

(RTVG 1991, Art. 29 / Konzession SRG SSR 2003, Art. 7)

Die SRG SSR unterbreitet dem Departement zur Genehmigung jährlich die Jahresrechnung

und den Voranschlag für die Finanzplanung. (Konzession SRG SSR 2003, Art. 13)

Der Verwaltungsrat sorgt mit seiner Finanzpolitik für eine angemessene und ausgewogene

Finanzierung des Gesamtunternehmens und der Regionalgesellschaften.

(Statuten SRG SSR 2003, Art. 21)

Gebührenanpassungen in der Schweiz seit 1995 (inkl. Mehrwertsteuer)

Datum

der Anpassung

Radio

Gebühren in SFR. Anpassung in %

Fernsehen

Gebühren in SFR. Anpassung in %

Seit 2000 sind die Gesamteinnahmen der SRG SSR real gesunken, also unter der Teuerung

geblieben. Trotzdem hat sie ihr Programm quantitativ und qualitativ weiterentwickelt und stets

auf den neuesten Stand der Technik gebracht (zur Entwicklung des Angebots der SRG SSR

siehe Kapitel «Vielfalt der Medien»).

1995 1.01. 160.80 4.7% 248.40 2%

2000 1.01.* 162.20 0.9% 270.40 8.9%

2003 1.01. 169.00 4.2% 281.40 4.1%

* Inbegriffen Erhöhung der Mehrwertsteuer von 2.3% auf 2.4% im Jahr 2001

Monatl. Ausgaben

pro Haushalt,

Durchschnitt in Fr.

Monatl. Ausgaben/Haushalt

für Radio- und Fernsehkonzession

in Fr.

Anteil Radio- und Fernsehkonzession

an Gesamtausgaben

privater Haushalte in Prozent

1998 7418 33 0.44

2000 7392 33 0.45

2001 7664 34 0.44

2002 7649 32 0.42

2003 7752 33 0.43

Quelle: Einkommens- und Verbrauchserhebung (EVE) des Bundesamtes für Statistik.

SRG SSR steht im internationalen Vergleich gut da

Die Höhe der Empfangsgebühren ist immer wieder Gegenstand öffentlicher Diskussionen.

Dabei werden die Gebühren in der Schweiz gerne mit jenen im Ausland verglichen. Diese

Vergleiche zeigen, dass die grössten Länder – nebst gewissen einsprachigen Kleinstaaten

– die niedrigsten Gebühren haben. Das kommt daher, dass die Höhe der Fixkosten (Personalund

Infrastrukturkosten) für die Produktion von Radio und Fernsehen unabhängig sind von

der Grösse des Landes resp. des Sendegebiets. Bei länderübergreifenden Vergleichen müssen

noch weitere Faktoren berücksichtigt werden, die für die Höhe der Empfangsgebühren

verantwortlich sind:

• das Programmangebot in quantitativer und qualitativer Hinsicht (Anzahl Ketten, Sendestunden

resp. Programmformate, eigenproduzierte Erstausstrahlungen),

• die Grösse der Bevölkerung sowie der Bedarf für eine Dezentralisierung der Programmproduktion

aufgrund deren Struktur nach Sprachgemeinschaften,

• die Finanzierungsmöglichkeiten über kommerzielle Einnahmen unter Berücksichtigung von

Werbeeinschränkungen sowie Grösse und Struktur des Werbemarktes. Vielen öffentlichrechtlichen

Rundfunkveranstaltern im Ausland ist Werbung im Radio erlaubt, der SRG SSR

nicht,

• staatliche Direktbeiträge resp. Subventionen, welche zusätzlich zu den Einnahmen aus der

Empfangsgebühr geleistet werden sowie die Erschliessung anderer Abgabequellen,

• das nationale Lohnniveau und die Teuerung, die sich insbesondere auf die Personalkosten

auswirken sowie die Distributionskosten.


48 Wirtschaftlichkeit ohne Profitorientierung

Wirtschaftlichkeit ohne Profitorientierung 49

Region SF

ZDF

RTL

Pro7 Sat1 Media AG

ORF

WDR

SWR

NDR

BR

SF

Region TSR

TF1 S.A.

Canal+

France 2

France 3

Canal Satellite SNC

Métropole Télévision (M6)

TSR

Region TSI

RAI

Reti Televisive Italiane R.T.I.

Europa TV

Stream

TSI

Betriebseinnahmen europäischer Fernsehsender 2003 (in Mio. Euro)

0 500 1000 1500 2000 2500 3000

Ohne Anteil Radio; R.T.I. Einnahmen 2001

Quelle: European Audiovisual Observatory, Strassburg

1763

1670

1463

667

659

545

533

467

320

1596

1585

1573

1416

905

659

203

2484

2008

229

184

135

Unter Berücksichtigung dieser Aspekte braucht die Schweiz einen Gebührenvergleich mit

anderen europäischen Service-public-Veranstaltern nicht zu scheuen. Die SRG SSR verfügt

über insgesamt rund 1,5 Milliarden Franken Einnahmen pro Jahr. Diese für schweizerische

Verhältnisse grosszügige Finanzausstattung ist im internationalen Vergleich eher bescheiden.

Denn mit diesen 1,5 Milliarden Franken produziert die SRG SSR 7 Fernseh- und 16 Radioprogramme.

In keinem Land ähnlicher Grösse wird eine vergleichbare Palette von Radio- und

Fernsehprogrammen angeboten.

Interne und externe Kontrolle der Wirtschaftlichkeit

Die SRG SSR verwaltet ihre Mittel in Selbstverantwortung. Ihre Leistungen lassen sich messen,

überprüfen und belegen. Strukturen und Instrumente der unternehmerischen Selbstkontrolle

der SRG SSR entsprechen den Anforderungen der Corporate Governance. Sie

entsprechen betriebswirtschaftlichen Standards und werden laufend neuen Erkenntnissen

und wachsenden Anforderungen angepasst.

Die SRG SSR kontrolliert sich nicht nur selbst, sie wird auch umfassend beaufsichtigt. Die

externe Kontrolle erfolgt durch das Parlament, den Bundesrat, durch das Departement für

Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und andere Departemente, durch

das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) und diverse andere Bundesämter, durch die

Eidgenössische Finanzkontrolle, den Preisüberwacher, die externe Revisionsstelle KPMG/

Fides und die Wettbewerbskommission.

Die interne Selbstkontrolle erfolgt unter anderem durch ihren nationalen Verwaltungsrat

und die regionalen Verwaltungsräte, durch die interne Revision sowie durch ein ausgebautes

Controllingsystem. Weitere betriebswirtschaftliche Instrumente wie Balanced Scorecard

und MBO-Prozesse kommen dazu. Kontinuierliche Basis der Selbst- und der Fremdkontrolle

ist die jährliche Berichterstattung der SRG SSR an das UVEK (Voranschlag, Rechnung, Finanzplan).

Der Vorsteher des UVEK hat die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) im Frühling 2005

beauftragt, die Wirtschaftlichkeit der Unternehmensführung sowie die finanzielle Lage der

SRG SSR im Lichte einer allfälligen Gebührenanpassung, der Onlineaktivitäten und der Anforderungen

des neuen RTVG näher anzusehen. Der Bericht der EFK erscheint im Frühling

2006, also nach Redaktionsschluss dieser Nutzenbilanz. Verwaltungsrat und Generaldirektion

der SRG SSR begrüssen und unterstützen die vom UVEK beschlossene Überprüfung.

Der Staat kontrolliert die Finanzen der SRG SSR seit rund fünfzig Jahren. Das UVEK ist zur

Finanzaufsicht verpflichtet, weil die SRG SSR Gebühren bezieht und einen öffentlichen

Auftrag wahrnimmt. Eingehende Untersuchungen der Wirtschaftlichkeit der SRG SSR wurden

schon in den 70er- und 80er-Jahren durchgeführt. Die letzte grössere Kontrolle liess

das UVEK 1998 durchführen.

Die SRG SSR versteht sich als betriebswirtschaftlich geführtes Unternehmen ohne Gewinnstreben

und leitet ihre kommerziellen Zielsetzungen aus den Kundenbedürfnissen

sowie aus Gesetz und Auftrag ab.

Die SRG SSR finanziert sich nach dem System der Mischfinanzierung über Gebühren und

kommerzielle Einnahmen (...). Aktivitäten, die nicht unmittelbar zum Leistungsauftrag

gehören, werden nicht aus Gebühren querfinanziert. (...) Ausgeschüttete Gewinne werden

in den Service public reinvestiert. Aus: Gesamtstrategie der SRG SSR idée suisse

2003 – 2008


50 Wirtschaftlichkeit ohne Profitorientierung

Wirtschaftlichkeit ohne Profitorientierung 51

Abonnementspreise im Vergleich (in SFr., inkl. MWSt.)

2003 2004 2005

1 Jahr Radio-Empfang in der Schweiz 169 169 169

1 Jahr TV-Empfang in der Schweiz 281 281 281

Jahresabo NZZ 375 398 406

Jahresabo Le Temps 335 375 375

Jahresabo La Regione Ticino 270 280 280

Jahresabo La Quotidiana 160 163 163

Durchschnittliche Abonnementspreise Schweizer Zeitungen

(6 × / Woche) 303 311 315

Stagnierende Einnahmen und steigende Produktionskosten

Dank fortgesetzter Rationalisierung und Produktionssteigerung ist es der SRG SSR gelungen,

ihre Entwicklung voranzutreiben und das Angebot laufend zu verbessern. Die stabile Finanzierungsgrundlage

in Form von Empfangsgebühren hat wesentlich dazu beigetragen, dass

die SRG SSR im Gegensatz zu den meisten Privatveranstaltern ihr Angebot nicht reduzieren

musste. Doch in den kommenden Jahren wird die SRG SSR mit real weniger finanziellen

Mitteln auskommen müssen. Die Finanzplanung geht von einer Reduktion des Budgets der

SRG SSR aus. Verantwortlich dafür sind vor allem Faktoren, die nicht im Einflussbereich der

SRG SSR liegen: Die Auswirkungen der Teuerung, die im Jahr 2000 zum letzten Mal durch

eine Gebührenanpassung aufgefangen werden konnte, die vom neuen RTVG ausgelösten

Mindereinnahmen und Mehrausgaben, die nicht vollständige Kompensation der sozial motivierten

Gebührenbefreiungen sowie die nur langsam sich verbessernde Konjunkturlage.

Den stagnierenden oder rückläufigen Einnahmen stehen steigende Kosten gegenüber.

Kostentreibend wirkt sich vor allem die überdurchschnittliche Teuerung in den Medien aus.

Seit den Neunzigerjahren sind Einkauf und Produktion von Qualitäts-Inhalten deutlich teurer

geworden. Zugenommen haben insbesondere die Kosten für Sportübertragungsrechte

und für die Ausstrahlungsrechte von Filmen. Ausserdem hat die SRG SSR ihr Angebot nicht

nur quantitativ, sondern auch qualitativ ausgebaut. Professionalität und Technik haben zugenommen.

Die Radio- und Fernsehproduktion und -verbreitung ist dadurch komplexer und

kostenintensiver geworden.

Sparmassnahmen zur Vorbeugung einer Finanzierungslücke

Die Ressourcen der SRG SSR werden knapper, Kostensenkungen und Produktivitätsfortschritte

sind notwendig. Die SRG SSR muss stärker als bisher die Möglichkeiten der

Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe nutzen. Sie kann auch den Infrastruktur- und Administrativbereich

optimieren. Zur Zeit laufen entsprechende Überprüfungen im ganzen Unternehmen.

Im Juni 2005 hat der Verwaltungsrat der SRG SSR ein Sparpaket verabschiedet.

Mit diesem Sparprogramm deckt die SRG SSR den teuerungsbedingten und strukturell

anwachsenden Finanzbedarf von ca. 80 Mio. Franken aus eigener Kraft. Zur Kompensation

der direkten finanziellen Folgen des neuen RTVG wird die SRG SSR ein zusätzliches Massnahmenpaket

schnüren müssen.

Die Geschäftsleitung der SRG SSR hat eine Sparhierarchie beschlossen. Oberstes Ziel ist es,

Einsparungen zu erreichen, ohne das Angebot signifikant zu tangieren. Die notwendigen

Einsparungen sollen in erster Linie über nationale Sparmassnahmen in Bereichen erfolgen,

die sich nicht unmittelbar auf das Programm auswirken.

Die SRG SSR hat deshalb 2005 die Reorganisation des Multimedia-Bereichs an die Hand

genommen. Doppelspurigkeiten bei der Produktion von multimedialen Inhalten sollen eliminiert

werden. Dabei geht es um die Dezentralisierung der Teletext-Redaktionen in neue

regionale Multimediazentren, die Reorganisation von Swissinfo / SRI sowie die Analyse des

heutigen und künftigen Bedarfs und Einsatzes von multimedialen Kernsystemen wie CMS,

Streaming- und Hosting-Aktivitäten.

Ausserdem hat im März 2005 die neue Business Unit Production Services (PROD) ihre Tätigkeit

aufgenommen. Mit dieser Unit im Bereich der Fernsehproduktion kann die SRG SSR

Synergien nutzen und die Organisation optimieren. PROD umfasst die Fernseh-Produktionsbetriebe

von TSR, TSI und TvR, das Produktionszentrum Bundeshausstudio, die zentralen

Einheiten der SRG SSR für die Übertragung der Bild- und Tonsignale sowie die TPC AG und

verfügt über eine eigene Geschäftsstelle. PROD hat zum Ziel, bis zum Jahr 2009 den jährlichen

Betriebsaufwand um 7.7 Mio. Franken zu reduzieren. 2005 konnten bereits Rationalisierungen

von einer halben Mio. Franken erzielt werden, indem Produktionsmittel gemeinsam

eingekauft und die interne Infrastruktur besser genutzt wurden.

Bei den Sparmassnahmen im Programmbereich will die SRG SSR das Schwergewicht auf die

Wiederverwertung ihrer aufwändigen und teuren Eigenproduktionen legen. Sie muss den

Gebührenzahlenden mehr Möglichkeiten einräumen, solche Sendungen zu sehen und zu

hören. Deshalb will sie die Ausstrahlungszeiten vervielfachen. Es ist sinnvoll, teure Sendungen

zu wiederholen, da man dadurch ein grösseres Publikum erreicht.

Unternehmensrechnung der SRG SSR (in Mio. SFr.)

2000 2001 2002 2003 2004

Empfangsgebühren 1060.8 1059.5 1047.4 1101.3 1096.9

Kommerzieller Ertrag 370.8 332.4 326.7 321.8 345.1

Übriger Ertrag (inkl. Erlösminderungen) 88.1 99.4 123.6 80.5 92.6

Total Betriebsertrag 1519.7 1491.3 1497.7 1503.6 1534.6

Personalaufwand 625.5 623.3 619.1 639.1 641.4

Programm- und Produktionsaufwand 662.1 659.5 658.9 622 645.1

Übriger Betriebsaufwand, Abschreibungen, Wertberichtigungen 211.8 231.9 228.1 225.3 245.1

Total Betriebsaufwand 1499.4 1514.7 1506.1 1486.4 1531.6

Betriebsergebnis 20.3 – 23.4 – 8.4 17.2 3

Finanzergebnis 4.2 5.1 4 – 1.1 – 2.6

Unternehmensergebnis 24.5 – 18.3 – 4.4 16.1 0.4

Programmangebot und Anzahl Mitarbeitende

Anzahl produzierter Programmstunden Radio und Fernsehen 166699 175715 178336 180265 180389

– davon eigenproduzierte Programmstunden Radio und Fernsehen 35659 36297 39302 39635 38245

Anzahl Mitarbeitende (umgerechnet in Vollzeitstellen) 4491 4583 4598 4621 4624


Eine tragende Säule der

Schweizer Medienbranche

Die SRG SSR idée suisse ist das grösste Rundfunk- und das zweitgrösste

Medienunternehmen der Schweiz. Für die verschiedensten Branchen

sind ihre Aktivitäten umsatzrelevant. Die Medienbranche profitiert von

der Stärke der SRG SSR. Die Schweizer Filmbranche stützt sich finanziell

und personell massgeblich auf sie. Auch für die schweizerische

Werbeindustrie ist die SRG SSR wichtig: Ihre Radio- und Fernsehprogramme

bieten eine attraktive nationale Plattform für Sponsoren bzw.

Werbetreibende. Bei der Einführung neuer Produktions- und Verbreitungstechnologien

übernimmt die SRG SSR in der Schweiz eine Lokomotivfunktion.

Mit 5824 Beschäftigten, einem Jahresumsatz von rund 1,5 Mrd. Franken sowie sechzehn

Radio- und sieben Fernsehprogrammen ist die SRG SSR das grösste Unternehmen im Bereich

elektronischer Medien der Schweiz. Auch in der Schweizer Medienbranche insgesamt belegt

die SRG SSR die vordersten Plätze, egal nach welchen Kriterien die Einordnung stattfindet:

Zählt man die Mitarbeitenden, ist die SRG SSR das zweitgrösste Schweizer Medienunternehmen,

nach der Ringier AG Zürich. Gilt der Umsatz als Kriterium, ist die SRG SSR nach

der PubliGroupe SA Lausanne auf Platz zwei. Wobei die SRG SSR – im Gegensatz zu anderen

Medienunternehmen – ausschliesslich in der Schweiz aktiv ist. Die Aktivitäten, Löhne,

Aufträge und Dienstleistungen der SRG SSR wirken sich auf allen Ebenen der schweizerischen

Volkswirtschaft aus, nicht nur in den Wirtschaftszentren und Grossagglomerationen, sondern

auch in den Randregionen. An ihren verschiedenen Standorten bezieht die SRG SSR

in grossem Umfang öffentliche und private Dienstleistungen, Produkte und Materialien. Die

SRG SSR vergibt Aufträge an die schweizerische audiovisuelle Industrie in substanziellem

Umfang.

Den fünf Schweizer Verwertungsgesellschaften bezahlt die SRG SSR jährlich rund 40 Mio.

Franken für Urheberrechte: an die SUISA für musikalische Werke, an ProLitteris für Literatur

und bildende Kunst, an die Société suisse des auteurs (SSA) für audiovisuelle und dramatische

Werke, an Swissimage für Filme, Fernsehfilme und Drehbücher und an die Swissperform

für verwandte Schutzrechte. Die Beiträge an die Schweizer Verwertungsgesellschaften wurden

in den letzten Jahren – insbesondere nach der Revision des Urheberrechts 1993 – sukzessive

erhöht. Hinzu kommen die Abgeltungen an Verleger, Filmproduzenten und an verschiedene

Nachrichtenagenturen.

Die nationale Nachrichtenagentur der Schweiz, die Schweizerische Depeschenagentur, kann

nicht zuletzt dank der SRG SSR bestehen: Die SRG SSR ist mit 10 Prozent an der SDA beteiligt,

ausserdem gehört sie zu den grössten Kunden der SDA. Medienschaffende aus der

ganzen Schweiz profitieren vom Engagement der SRG SSR bei der Ausbildung. Die SRG SSR

unterstützt das Medienausbildungszentrum Luzern (MAZ) finanziell und mit Knowhow:

Erfahrene SRG-SSR-Mitarbeitende geben ihr Wissen an MAZ-Kursen weiter. Ausserdem führt


54 Säule der Medienbranche

Säule der Medienbranche 55

Leistungen der SRG SSR an die Verwertungsgesellschaften im Zusammenhang mit den

Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (in Mio. SFr.)

2000 2001 2002 2003 2004

Suisa 26 26 26 26 26

ProLitteris 2.1 2.3 2.3 2.3 2.3

SSA (Société suisse des auteurs) 5.2 5 5 5.4 5.3

Swissimage 0 0 0.4 0.3 0.5

Swissperform (1993 gegründet) 4 4 4 8.1 6.3

Total 37.3 37.3 37.7 42.1 40.4

das MAZ gemeinsame Kurse durch mit den Ausbildungsabteilungen von Schweizer Fernsehen

und von Schweizer Radio DRS. Die SRG SSR ist Gründungsmitglied der Fondation des

médias romands pour la formation des journalistes, welche das Centre Romand de Formation

des Journalistes unterstützt. Auch hier können (zukünftige) Radio- und Fernsehschaffende

in Kursen von SRG-SSR-Mitarbeitenden profitieren.

Private Schweizer Medienveranstalter beziehen Bilder von den Ratsdebatten, Pressekonferenzen

und Staatsempfängen im Bundeshaus. Diese werden vom Radio TV Zentrum Bundeshaus

der SRG SSR produziert und als Service-public-Leistung unentgeltlich zur Verfügung

gestellt.

Private und öffentliche Rundfunkveranstalter aus dem In- und Ausland nutzen das Angebot

der SRG SSR bei grossen Sportanlässen. Als gastgebende Fernsehproduzentin (Hostbroadcaster)

sorgt die SRG SSR bei solchen Anlässen für die Produktion und weltweite Verbreitung

der Radio- und Fernsehsignale. Für das Hostbroadcasting bei der FIS Alpinen Ski-Weltmeisterschaft

2003 in St. Moritz erhielt die SRG SSR vom Internationalen Ski-Verband FIS den

FIS TV Award für qualitativ hoch stehende Fernsehproduktionen. Für diverse Schweizer

Sportveranstaltungen ist die SRG SSR Rechteinhaberin sowohl in der nationalen Verbreitung

wie auch für die Produktion. Hierzu gehören die Tennisturniere Swiss Indoors und Zürich

Open, Weltklasse Zürich, Ski Weltcup-Rennen und viele mehr.

Private Unternehmen aus der Medien- und Werbebranche arbeiten mit dem SRG-SSR-

Tochterunternehmen Publica Data AG (PDAG) zusammen. Die PDAG verkauft ihnen die

Daten der quantitativen Nutzungsforschung des SRG-SSR-Forschungsdienstes. Diese Daten

zur Radio-, Fernseh- und Internetnutzung dienen als Grundlage für die Programmplanung

und als Basis für die Gestaltung der Werbepreise. Auch die SRG-SSR-Tochter Publisuisse

verwendet die Daten des Forschungsdienstes für ihren Werbezeitverkauf. 2004 lancierte

die PDAG zusammen mit der Interessengemeinschaft Elektronische Medien (IGEM) die

KommTech04. Diese Studie erfasst die Vielfalt und den Wandel alter und neuer Kommunikationstechnologien

sowie deren Verbreitung und Nutzung in der Schweiz. Die KommTech

wurde 2005 weitergeführt und zeigt, dass und wie die Digitalisierung rasant voranschreitet

(www.igem.ch/wws_komtech.php).

Vertreterinnen und Vertreter der Radiobranche können seit 2003 alljährlich am RadioDay

teilnehmen, welcher die RadioEvents GmbH durchführt. Am RadioDay 2005 nahmen mehrere

Hundert Interessierte teil und erfuhren von Experten und an Workshops die neuesten Trends

im Bereich Radio. Die RadioEvents GmbH wurde 2003 von der SRG SSR, der Publica Data AG,

dem Verband Schweizer Privatradios und der Union romande de radios régionales gegründet

und hat zum Ziel, Anlässe im Interesse der Radiobranche durchzuführen (www.radioday.ch).

Fernsehveranstalter und Unternehmen verschiedenster Branchen nehmen die Dienstleistungen

des TV Productioncenters (TPC) in Anspruch. Das SRG-SSR-Tochterunternehmen ist der

grösste Schweizer Produzent für audiovisuelle Medien und bietet Leistungen und Infrastruktur

zur Herstellung von Fernsehsendungen an: Kameraequipen, Studios, Reportagewagen,

Studiodekor, Requisiten, usw. Zu den Kunden des TPC gehören nebst dem Schweizer Fernsehen

auch Unternehmen aus der privaten (Medien-)Branche. 2004 bezogen externe Unternehmen

beim TPC Leistungen in der Höhe von rund 23 Mio. Franken. Rund die Hälfte

von ihnen waren private Fernsehstationen und Fernsehproduzenten aus der Schweiz.

Substanzielle Unterstützung der Schweizer Filmbranche

Im August 2005 unterzeichneten Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Filmverbände

und der SRG SSR den Pacte de l’audiovisuel für die Jahre 2006–2008. Die SRG SSR verpflichtet

sich, in diesen drei Jahren Schweizer Kino- und Fernsehproduktionen mit einem

Beitrag von insgesamt 57,9 Millionen Franken zu unterstützen, also mit rund 19,3 Millionen

Franken pro Jahr. Der Pacte ist eine Vereinbarung zwischen der SRG SSR und der Schweizer

Filmbranche und wurde 1996 zum ersten Mal unterzeichnet. Seither hat die SRG SSR ihre

jährlichen Beiträge bei jeder Vertragserneuerung erhöht. Trotz des schwierigen finanziellen

Umfeldes setzt die SRG SSR also auf die Stabilisierung des Erreichten und auf eine weiterhin

gute Zusammenarbeit mit der einheimischen audiovisuellen Produktion. Die jährlich 19,3 Mio.

Franken des Pacte 2006 – 2008 werden wie folgt aufgeteilt: Für Kinoproduktionen 7,8 Mio.

Franken, für Animationsfilme 0,3 Mio. Franken, für Fernsehproduktionen 7,9 Mio. Franken

und für die Prämien Succès passage antenne 3,3 Mio. Franken. Für SRG-SSR-Generaldirektor

Armin Walpen steht fest: «Dieser Pacte zeigt, dass die SRG SSR idée suisse den Schweizer

Film braucht, genau so wie der Schweizer Film auf uns angewiesen ist.» (Mehr zum

Pacte de l’audiovisuel siehe Kapitel Kultur.)

Beiträge der SRG SSR an die Schweizer Filmbranche im Rahmen

des Pacte de l’audiovisuel (in Mio. CHF)

1996–1999 2000–2002 2003–2005 2006–2008

Kinoproduktionen 18 16.5 18 23.4

Animationsfilme – – 0.9 0.9

Fernsehproduktionen 10 22.2 22.2 23.7

Succès passage antenne 5.2 7.8 9.3 9.9

Succès Cinéma 4 3 – –

Total 37.2 49.5 50.4 57.9

Das Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG) von 1991 verlangt, dass Radio und

Fernsehen «das schweizerische Kulturschaffen fördern», «die schweizerische audiovisuelle

Produktion, insbesondere den Film, berücksichtigen» und «die europäische[n] Eigenleistungen

möglichst breit berücksichtigen». Von der SRG SSR fordert das Gesetz insbesondere

einen Beitrag zur kulturellen Entfaltung, «namentlich durch die möglichst breite Berücksichtigung

schweizerischer Eigenleistungen» und die «Berücksichtigung der schweizerischen

audiovisuellen Produktion» (Artikel 3 und 26 RTVG). Die Aktivitäten der SRG SSR betreffend

Herstellung, Einkauf und Ausstrahlung von Filmen sind für die Schweizer Filmbranche von

wesentlicher Bedeutung. So lautet auch das Ergebnis einer Studie zur Schweizer Filmbranche

und Filmförderung (Rütter / Vouets 2000). Die schweizerische Filmindustrie baut auf den

Produktionen und Koproduktionen der SRG SSR auf. Nur wenige Filme können ohne Beteiligung

der SRG SSR realisiert werden. Im Jahr 2004 unterstützte die SRG SSR insgesamt

157 Produktionen und investierte dafür 27 Millionen Franken.

Ein wichtiger Teil der Schweizer Werbebranche

Der SRG SSR ist es von Gesetzes wegen erlaubt, in ihren Fernsehprogrammen Werbung und

Sponsoring zu betreiben. In den Radioprogrammen ist ihr nur Sponsoring gestattet. Ihre

Internet-Angebote will die SRG SSR werbefrei halten, um nicht die Verlage zu konkurrenzieren.

Ein gesamtschweizerischer Werbe- oder Sponsoring-Auftritt ist nur in den Programmen

der SRG SSR möglich. Wer eine nationale Kampagne machen will, kommt um die

SRG SSR nicht herum. Ihre Programme sind national empfangbar, aber primär für die jeweilige

Sprachregion gemacht. Die regionale Verankerung der SRG-SSR-Medien garantiert eine

grosse Nähe zum Publikum und macht sie zu attraktiven Plattformen für Fernsehwerbung

und für Sponsoring. Mit den Vollprogrammen der SRG SSR kann die Werbebranche sämtliche

Zielgruppen erreichen.


56 Säule der Medienbranche

Säule der Medienbranche 57

In den Radioprogrammen tritt der Name der Sponsoren in einem werbefreien Umfeld auf.

Beim Fernsehen profitieren Werbetreibende von einem Programmumfeld, das ihr Image glaubwürdig

unterstützt. 40 000 Werbeblöcke stehen in den Fernsehprogrammen der SRG SSR pro

Jahr zur Verfügung, darunter reichweitenstarke Blöcke vor oder nach der Hauptausgabe der

Tagesschau, aber auch Werbeblöcke, die spezifische Zielgruppen ansprechen, wie beispielsweise

jener vor «Kulturplatz» auf SF1. In den Fernsehprogrammen der SRG SSR ist weit

weniger Werbung zu sehen als in den kommerziellen (ausländischen) Programmen und ihre

Werbeblöcke sind bedeutend kürzer. Das erhöht die Aufmerksamkeit des Publikums und

verstärkt die Wirkung der Spots. Der Erinnerungswert der Werbung in den Fernsehprogrammen

der SRG SSR ist besonders hoch, das haben Studien der unabhängigen Institute htp

St.Gallen und Isopublic ergeben.

Führende Vermarkterin elektronischer Medien in der Schweiz ist die Publisuisse. Als Tochtergesellschaft

der SRG SSR akquiriert sie exklusiv Fernsehwerbung und Radiosponsoring

für die Programme der SRG SSR und sorgt für eine wunschgemässe Ausstrahlung der Werbebotschaften

und Sponsornennungen. Für die Schweizer Wirtschaft ist sie eine effiziente

Partnerin. Die Publisuisse unterstützt die Wirtschaft dabei, die Vorteile der verschiedenen

Medien der SRG SSR optimal auszunützen. Publisuisse wurde bereits zweimal für Bestleistungen

ausgezeichnet: Die SRG-SSR-Tochter erhielt 2004 und 2005 den Media Trend Award,

eine Auszeichnung für die wichtigsten Medienunternehmen der Schweiz, die von führenden

Werbe- und Mediaagenturen verliehen wird.

Fernseh-Werbeausgaben in der Schweiz 2004 (in Prozent der TV-Werbeausgaben total)

SF1, SF2

TSR1, TSR2

TSI1, TSI2

RTL Werbefenster (1+2)

Sat.1

ProSieben

Andere Private

Lokale

0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45%

Quelle: Geschäftsbericht Publisuisse 2004: 7

Der grösste Teil des Werbebudgets fliesst in der Schweiz – nach wie vor – in die Presse. Doch

Prognosen zeigen, dass der Fernseh-Werbemarkt in der Schweiz überproportional steigt.

2004 entfielen von 3736 Millionen Franken Werbeaufwand 2327 Millionen auf die Printmedien

(62 Prozent). Die Ausgaben für das Fernsehen machten als zweitgrösster Werbeaufwandposten

mit 753 Millionen Franken 20 Prozent aller Werbeaufwendungen in der

Schweiz aus. Im Jahr 2000 waren es 695 Mio. Franken resp. 16 Prozent gewesen.

Von den 753 Mio. Franken Fernseh-Werbeausgaben in der Schweiz im Jahr 2004 entfielen

auf die sieben Fernsehprogramme der SRG SSR 458 Mio. Fr. (60 Prozent) und auf die Vielzahl

der ausländischen, privaten Konkurrenten 260 Mio. Franken (35 Prozent). Der Anteil der

inländischen, lokalen Konkurrenten betrug 35 Mio. Franken (5 Prozent).

Förderung neuer Produktions- und Verbreitungstechnologien

Die technischen Entwicklungen der SRG SSR geniessen international einen guten Ruf. Die

SRG SSR hat im Bereich elektronischer Medien in der Schweiz immer eine Pionierrolle gespielt

und wirkt dadurch für andere Medien oft als Zugpferd. Der Bundesrat erteilte der SRG SSR

im Februar 1999 die Konzession zum Aufbau eines DAB-Netzes (Digital Audio Broadcasting)

in der Schweiz. Damit wies er der SRG SSR explizit eine Lokomotivfunktion für die Einführung

dieser neuen Technologie zu. Mit DAB führt die SRG SSR in der Schweiz eine Distributionstechnologie

ein, die den störungsfreien Empfang von Radioprogrammen erlaubt und

dem Medium Radio neue Möglichkeiten eröffnet. In Zusammenarbeit mit kommerziellen

Veranstaltern plant die SRG SSR, das Programmangebot über DAB laufend zu erweitern.

Die SRG SSR hat ebenfalls entschieden, mit dem Projekt DVB-T (Digital Video Broadcasting

– Terrestrial) die drahtlose terrestrische Verbreitung der Fernsehprogramme zu digitalisieren.

Dafür hat der Bundesrat der SRG SSR im Juni 2003 die Erlaubnis für die Einführung von

DVB-T in der Schweiz erteilt. Bis 2008 sollen auf einem ersten Sendernetz landesweit vier

SRG-SSR-Programme digital ausgestrahlt werden. Der Bundesrat geht davon aus, dass die

Schweiz eine effiziente und dem neuesten Stand der Technologie entsprechende terrestrische

Versorgung braucht. DVB-T wird bereits im Engadin, im Kanton Tessin und im Genferseebecken

ausgestrahlt. 2006 soll die gesamte Nordschweiz mit DVB-T versorgt werden.

Das hochauflösende Fernsehen – High Definition Television (HDTV) – zeichnet sich in der

Schweiz erst am Horizont ab. Der Zeitpunkt für die Ausstrahlung von HDTV-Programmen

ist noch nicht definiert. Die SRG SSR produziert aber bereits in HDTV, einerseits um die Archive

zu äuffnen, anderseits um bei internationalen Koproduktionen mitmachen zu können.

Als grösste Schweizer Produktionsfirma im audiovisuellen Bereich will sich auch die SRG-

SSR-Tochter TPC rechtzeitig auf HDTV vorbereiten. In einem ersten Schritt hat das TPC einen

HD-Übertragungswagen für bis zu 24 Kameras bestellt. Dieser wird bei den Olympischen

Winterspielen 2006 in Turin zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Danach strebt das TPC

eine kontinuierliche Zunahme von Aufzeichnungen im HD-Format an.

Seine Bewährungsprobe in der Praxis bereits bestanden hat das Messsystem Radiocontrol

zur elektronischen Erfassung der Radionutzung. Radiocontrol wurde vom Forschungsdienst

der SRG SSR in Zusammenarbeit mit Universitäten, Fachhochschulen und verschiedenen

Schweizer Unternehmen entwickelt und im Jahr 2001 in der Schweiz als Weltpremiere

eingeführt. Wie beim Telecontrol-System zur Messung der Fernsehnutzung handelt es sich

um eine schweizerische Eigenentwicklung, die von der SRG SSR initiiert wurde. Mehr Informationen

zu Radiocontrol und Telecontrol siehe www.forschungsdienst.ch (Radioforschung:

Quantitative Forschung). Im Laufe des Jahres 2005 schloss sich der SRG SSR Forschungsdienst

mit der WEMF zusammen, um gemeinsam mit den Kunden eine Internetforschung aufzubauen,

die dem Markt eine einheitliche Währung bieten kann. Der geplante Methodenmix

entspricht den neuesten Erkenntnissen, wie man die Nutzung dieses komplexen Mediums

erfassen kann. Alle drei Systeme zur Messung der Radio-, Fernseh- resp. Internetnutzung

werden vom Forschungsdienst laufend weiterentwickelt und den Bedürfnissen der Medienbranche

angepasst.

Wirtschaftliche Folgen der Sportberichterstattung

Grosse (Sport-)Anlässe sind auf Medien angewiesen: Werbetreibende, Sponsoren, involvierte

Regionen und deren Wirtschaft benötigen eine starke Medienpräsenz, um von einer Veranstaltung

wirtschaftlich profitieren zu können. Eine Region, die einen Sportgrossanlass

veranstaltet, hat dank den Medien die Möglichkeit, sich einer nationalen und internationalen

Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Fernsehberichterstattung, insbesondere jene der

SRG SSR, spielt eine starke Rolle für die Präsentation des Anlasses an sich, aber auch für die

Region und die Landschaft, in der dieser stattfindet. Fallstudien zeigen einen grossen Zusammenhang

zwischen der Fernsehberichterstattung und den wirtschaftlichen Auswirkungen

eines sportlichen Grossanlasses. Die Präsenz und die Leistungen des Fernsehens beeinflussen

den Umsatz, die Wertschöpfung und den Arbeitsmarkt der entsprechenden Region

positiv. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, welche sieben Sportanlässe untersuchte (Rütter

et. al. 2002abc). Auch die Studie Wirtschaftliche Auswirkungen der UEFA EURO2008 TM

in der Schweiz stellt diesen Zusammenhang her und prognostiziert positive wirtschaftliche

Auswirkungen durch die Medien, insbesondere durch das Fernsehen der SRG SSR (Vgl.

Rütter 2004).


Attraktive Arbeitsplätze

für rund 6000 Menschen

Die SRG SSR idée suisse bietet attraktive Anstellungs- und Arbeitsbedingungen,

faire Löhne und überdurchschnittliche Sozialleistungen.

In der Schweiz ist sie im Bereich elektronischer Medien die einzige

Arbeitgeberin mit Gesamtarbeitsvertrag. Das Feedback der Mitarbeitenden

ist entsprechend positiv. Für die Entstehung hoch stehender

Radio- und Fernsehprogramme und für die Leistung des Service public

sind dies wichtige Voraussetzungen.

Als wichtigste Arbeitgeberin im Radio- und Fernsehbereich leistet die SRG SSR einen wesentlichen

Beitrag zur Entwicklung des Arbeitsmarktes für Medienschaffende in der Schweiz.

Ende 2004 arbeiteten 5824 Personen 1 in einem Voll- oder Teilzeitpensum bei der SRG SSR.

Der Grossteil von ihnen ist in der Programmgestaltung oder in der Produktion und Technik

tätig, ein wesentlich kleinerer Teil ist für die Administration zuständig.

Die Mitarbeitenden der SRG SSR haben – je nach Beschäftigungsgrad und Funktion – unterschiedliche

Verträge: 79 Prozent unterstehen dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV), 11 Prozent

arbeiten weniger als 30 Stellenprozente und haben deshalb einen Honorarvertrag und 2 Prozent

absolvieren ein Stage oder eine Lehre. 8 Prozent der Mitarbeitenden gehören dem Kader an.

Der Frauenanteil im Unternehmen beträgt 43 Prozent. Beim GAV- und beim Lernpersonal

beträgt der Frauenanteil je 43 Prozent, bei den Mitarbeitenden mit Honorarvertrag 52 Prozent.

Von den 466 Kaderpersonen sind 23 Prozent weiblich. Teilzeitarbeit ist in der SRG SSR stark

verbreitet: Fast die Hälfte aller GAV-Mitarbeitenden sind nicht in einem Vollzeitpensum angestellt.

58 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen, 42 Prozent sind Männer. Auf der SRG-

SSR-Kaderebene liegt dieser Anteil deutlich tiefer: 24 Prozent der Kaderfrauen und 4 Prozent

der Kadermänner arbeiten Teilzeit.

Was das Dienstalter anbelangt, sind die Mitarbeitenden (ohne Kader) durchschnittlich seit

9,5 Jahren für die SRG SSR tätig. Kaderpersonen sind im Schnitt seit 14 Jahren bei der SRG

SSR angestellt. Im Durchschnitt sind die Mitarbeitenden 43-jährig. Das Personal der SRG SSR

stammt aus 39 verschiedenen Ländern. 44 Prozent sprechen (Schweizer-)Deutsch, 33 Prozent

französisch, 20 Prozent italienisch und 2 Prozent der Mitarbeitenden sind rätoromanischer

Muttersprache. Neben den vier Landessprachen sind 18 weitere Muttersprachen vertreten.

2004 sah sich die Unternehmenseinheit Swissinfo/SRI gezwungen, 26 Vollzeitstellen abzubauen.

Aufgrund des eidgenössischen Entlastungsprogramms haben die Subventionen des

Bundes für Swissinfo/SRI abgenommen, ab 2006 werden sie ganz wegfallen. Obwohl die

SRG SSR finanzielle Mittel innerhalb des Unternehmens umlenkte, konnte sie den Personalabbau

nicht verhindern. Für die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeitenden kam ein

fairer Sozialplan zur Anwendung.

1 Alle Angaben in diesem Kapitel gelten für das Unternehmen SRG SSR idée suisse (ohne Tochtergesellschaften);

Stand nach Köpfen am 31.12.2004; ohne Mitarbeitende mit Comédiens- und Engagement-

Verträgen (Werkverträgen).


60 Attraktive Arbeitsplätze

Attraktive Arbeitsplätze 61

RTSI

RSR

TSR

RTR

SR DRS

SF

Swissinfo/

SRI

BUS

MSC

GD

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SRG SSR nach Unternehmensbereichen

398, 748, Total 1146

283, 347, Total 630

551, 752, Total 1303

59, 69, Total 128

399, 509, Total 908

551, 569, Total 1120

92, 114, Total 206

4, 6, Total 10

122, 201, Total 323

34, 37, Total 71

Klares Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft

In der Schweizer Radio- und Fernsehbranche ist die SRG SSR die einzige Arbeitgeberin mit

einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV). In ihrer Gesamtstrategie 2003-2008 bekennt sich die

SRG SSR klar zur Sozialpartnerschaft. Ihr Sozialpartner ist das Schweizer Syndikat Medienschaffender

(SSM), das 2004 sein 30-jähriges Bestehen feierte. Anfang 2004 trat bei der

SRG SSR ein revidierter GAV in Kraft. Dieses Vertragswerk wird zwar nicht als grosse Reform

in die Geschichte der SRG SSR eingehen, belegt aber den Willen der Sozialpartner, gemeinsam

und im Sinne der Mitarbeitenden Lösungen zu diskutieren und zu finden.

Neu im Vergleich zum GAV 2001 ist, dass jährlich über einen Teuerungsausgleich verhandelt

wird. Geändert hat auch, dass der GAV erstmals eine fixe Geltungsdauer bis Ende 2007 hat.

Vorher verlängerte sich der GAV automatisch um ein Jahr, falls keine der beiden Parteien

das Vertragswerk kündigte oder sich die Sozialpartner nicht auf einen neuen GAV einigen

Total

0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 1100 1200 1300

Frauen

Männer

2486, 3338, Total 5824

Quelle: Statistik HR SRG SSR, Stand: 31.12.2004, Anzahl Mitarbeitende nach Köpfen, SRG SSR (ohne Tochtergesellschaften) / GD: Generaldirektion/MSC:

Media Services/BUS: Business Unit Sport. / Nicht berücksichtigt sind Comédiens-Verträge und Engagement-Verträge.

Faire Löhne für insgesamt 641 Millionen Franken

Der Personalaufwand von Medienunternehmen ist naturgemäss hoch. Die überdurchschnittlich

hohen Personalkosten entsprechen der qualifizierten Ausbildung und der grossen

Bedeutung der Mitarbeitenden. Ihr Wissen und ihre Kreativität sind das Kapital der Medienunternehmen.

2004 betrugen die Ausgaben der SRG SSR für Löhne, Zulagen, Sozialleistungen

und den übrigen Personalaufwand 641 Mio. Franken, durchschnittlich 138 713 Franken

pro Vollzeitstelle. Zwischen 2003 und 2004 nahmen die Löhne dank Teuerungsausgleich

und individuellen Lohnerhöhungen um 0,6 Prozent zu. 2005 erhielten die GAV-Mitarbeitenden

eine generelle, teuerungsorientierte Lohnerhöhung von 0,5 Prozent sowie einen

unversicherten Einmalbetrag in der Höhe von maximal 400 Franken. Zusätzliche finanzielle

Mittel in der Höhe von 1,4 Prozent der SRG-SSR-Lohnsumme waren bestimmt für individuelle

Lohnerhöhungen und die einmalige Honorierung überdurchschnittlicher Leistungen.

Weiterhin im Fokus des öffentlichen Interesses stehen die Löhne des Topmanagements in

der Schweiz. Obwohl die Bezüge des SRG-SSR-Topkaders im Vergleich mit andern bundesnahen

Betrieben oder andern Medienunternehmen moderat ausfallen, werden sie in der

Presse immer wieder thematisiert. Die SRG SSR informiert offen und transparent über die

Löhne ihres Topmanagements. Die Bezüge von Verwaltungsrat, Generaldirektor und Geschäftsleitungsmitgliedern

werden jährlich im Geschäftsbericht publiziert, neu nach den

Grundsätzen der Kaderlohnverordnung des Bundes.

Personalaufwand 2004

Für 5824 Mitarbeitende (umgerechnet 4624 Vollzeitstellen) Total SRG SSR Pro Vollzeitstelle

Gehälter 482663000 104382

Zulagen 29524000 6385

Sozialleistungen 104678000 22638

Übriger Personalaufwand 24548000 5309

Total 641413000 138714

Die SRG SSR ist eine soziale, verantwortungsbewusste und fortschrittliche Arbeitgeberin.

Sie setzt sich für die pragmatische Weiterentwicklung der Sozialpartnerschaft ein.

(Gesamtstrategie SRG SSR idée suisse 2003–2008)

konnten. Weitere GAV-Artikel wurden leicht modifiziert oder nur redaktionell angepasst.

Der Sozialpartnerschaft wird in den nächsten Jahren besonderes Gewicht zukommen. Die

SRG SSR steht vor einer Finanzierungslücke, die nach heutigem Erkenntnisstand ab 2007

bis 2010 schrittweise auf rund 160 Mio. Franken pro Jahr anwachsen könnte. Mindererträge

und Mehrbelastungen sind die Gründe dafür. Die nun eingeleiteten Sparmassnahmen

werden auch die Mitarbeitenden betreffen, ein Personalabbau scheint aus heutiger Sicht

unvermeidbar. In solch schwierigen Zeiten sind die Sozialpartner besonders gefragt: Die

Interessen der Mitarbeitenden müssen ebenso gewahrt werden wie diejenigen des Unternehmens.

Aus- und Weiterbildung als Wettbewerbsvorteil

Durch leistungsorientierte Führung und gezielte Personalentwicklung sollen Wissen und

Motivation der Mitarbeitenden gefördert werden. So schreibt es die Gesamtstrategie SRG

SSR 2003–2008 vor. Konkreter formuliert es der Gesamtarbeitsvertrag SRG SSR in Artikel

12: «Die SRG SSR sorgt für die permanente berufliche Aus- und Fortbildung und kommt

für alle daraus entstehenden Kosten auf. Die Mitarbeitenden sind verpflichtet, die zur Ausübung

ihrer Aufgaben notwendigen Aus- und Fortbildungsmassnahmen zu nutzen.»

In den Radio- und Fernsehunternehmenseinheiten liegt das Schwergewicht klar bei den

internen Journalismus-Kursen. Die Ausbildnerinnen und Ausbildner sind grösstenteils erfahrene

SRG-SSR-Medienschaffende, die Theorie und Praxis optimal verbinden können. Angeboten

werden Grundlagenausbildungen für Stagiaires und eine Vielzahl von Kursen für die

Programmschaffenden wie Sprechtechnik, Video-Handwerk oder Medienrecht. Ende 2004

waren insgesamt 66 Stagiaires bei der SRG SSR angestellt. Die Stages dauern je nach Unternehmenseinheit

zwischen 15 und 18 Monaten.

Wissen, Können und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die

SRG SSR entscheidende Wettbewerbsvorteile. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden

durch leistungsorientierte Führung und gezielte Personalentwicklung gefördert.

(Gesamtstrategie SRG SSR idée suisse 2003–2008)


62 Attraktive Arbeitsplätze

Attraktive Arbeitsplätze 63

Nebst den journalistischen Lehrgängen bieten die Ausbildungsabteilungen aber auch Führungskurse

an, Kurse zur «Work-Life-Balance» oder zur Vorbereitung auf die Zeit nach der

Pensionierung. Die Ausbildungsverantwortlichen der SRG SSR sind sich einig, dass das Gewicht

der Aus- und Weiterbildung zukünftig weiter zunehmen wird. Die technischen Entwicklungen

vollziehen sich in rasantem Tempo und stellen immer höhere und zusätzliche

Anforderungen an die Mitarbeitenden.

Thema Gleichstellung ins Bewusstsein gerückt

«Die SRG SSR verpflichtet sich, die Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Ebenen

zu verwirklichen. [...] Sie setzt sich dafür ein, Frauen den Zugang zu allen Berufssparten und

Hierarchiestufen des Unternehmens zu sichern. Damit wird der Anteil der Frauen auf allen

Stufen und in allen Funktionen, wo sie untervertreten sind, erhöht.» So steht es in der

Präambel des Gesamtarbeitsvertrags SRG SSR. Ein erster Schritt zur Gleichstellung ist die

Formulierung entsprechender Ziele. Diesen Schritt hat die SRG SSR getan. Nun folgt der

Schritt der konkreten Massnahmen und deren Überprüfung.

Massnahmen zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben

Die einzelnen Unternehmens- und Organisationseinheiten der SRG SSR unterstützen die

Gleichstellung von Frauen und Männern durch konkrete Massnahmen, welche die Vereinbarkeit

von Berufs- und Privatleben erhöhen. Einige Beispiele:

• Teilzeitarbeit (auch auf Kaderebene);

• flexible Arbeitszeiten (Entgegenkommen bei der Festlegung der individuellen

Arbeitszeit);

• Telearbeit (je nach familiären, persönlichen und betrieblichen Bedürfnissen);

• Unterstützung bei der ausserfamiliären Kinderbetreuung (je nach UE eigene Kinderkrippen,

«gekaufte» Krippenplätze in externen Krippen, finanzielle Beiträge an die

familienergänzende Kinderbetreuung etc.);

• Langzeitkonto (LAZ) mit der Möglichkeit, einen kürzeren oder längeren bezahlten Urlaub

(Sabbatical) zu beziehen oder temporär das Arbeitspensum zu reduzieren.

Ein Beispiel dazu ist das Projekt «Gleichstellungscontrolling» des Schweizer Syndikats Medienschaffender

(SSM) und des Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD). Dieses

Pilotprojekt startete 2001 mit dem Ziel, ein Instrument zur Umsetzung der Gleichstellung in

der Arbeitswelt zu entwickeln. Neben andern Unternehmen nahmen auch Schweizer Radio

DRS (SR DRS), Swissinfo/SRI und Media Services (MSC) daran teil. Sie setzten sich das strategische

Ziel, den Anteil Frauen in Führungsfunktionen bis 2005 zu erhöhen.

Im Juni 2005 lief das Pilotprojekt aus, der Abschlussbericht liegt vor. Die Verantwortlichen

bei MSC, SR DRS und Swissinfo / SRI ziehen eine positive Bilanz: Die Unternehmens- und

Organisationseinheiten der SRG SSR haben ihre Ziele grösstenteils erreicht. Gleichstellungscontrolling

hat sich als taugliches und anpassungsfähiges Instrument erwiesen und wird

weiterhin angewandt. Erfolgreich war das Projekt aber vor allem, weil es das Bewusstsein

für die Chancengleichheit im Unternehmen belebt hat. Durch die Erfassung von gleichstellungsrelevanten

Kennzahlen und durch die laufende Dokumentation wurden insbesondere

die Personalverantwortlichen und Vorgesetzten sensibilisiert.

Vergleich Frauenanteil SRG SSR mit andern Medien- und Service-public-Unternehmen

Anzahl Mitarbeitende

(umgerechnet in Vollzeitstellen)

Anteil Frauen in %

der Vollzeitstellen

SRG SSR 4 624 39 %

Ringier Verlag 1 060 41 %

Swisscom 15 477 34 %

SBB 26 548 10 %

Bundesverwaltung 34 566 25 %

Die Post 38 972 48 %

Beschäftigte Bevölkerung 3 045 500 37 %

Quellen: Geschäftsberichte 2004 und Angaben der Unternehmen; Bundesamt für Statistik (BESTA; 4Q.04)

Personalbefragung: Motivierendes Feedback der Mitarbeitenden

Im Herbst 2003 führte die SRG SSR eine nationale Personalbefragung durch. Alle Mitarbeitenden

der SRG SSR erhielten einen Fragebogen, 59 Prozent von ihnen schickten ihn ausgefüllt

zurück. Der Fragebogen umfasste rund 80 Fragen und bot Platz für persönliche

Bemerkungen. Über 10 000 individuelle Bemerkungen wurden erfasst und ausgewertet.

82 Prozent der Mitarbeitenden bezeichneten sich als grösstenteils zufrieden bis sehr zufrieden.

Durchwegs positiv beurteilten die Mitarbeitenden den Arbeitsinhalt, die Zusammenarbeit

im Team sowie die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Gute Noten erhielt die

SRG SSR auch bezüglich ihrer Attraktivität als Arbeitgeberin. Kritisch zeigte sich das Personal

hinsichtlich der Arbeitsbelastung, der Entwicklungsperspektiven sowie der Distanz zwischen

Geschäftsleitung und Mitarbeitenden. Weitere Kritikpunkte waren die Transparenz

des Entlöhnungssystems, das Mitarbeitendengespräch sowie die interne Kommunikation.

Seither gilt es, sich mit den gewonnenen Erkenntnissen auseinander zu setzen, in den kritisierten

Bereichen Verbesserungsvorschläge einzuholen und die gut bewerteten Themen als

Stärke wahrzunehmen und zu pflegen.

Auf die bemängelte Transparenz im Lohnsystem reagierten die Personalabteilungen – beispielsweise

– mit einer Informationsbroschüre, die sie im Herbst 2004 allen Mitarbeitenden

zustellten. Darin war anschaulich erklärt, aus welchen Elementen sich ein Lohn zusammensetzt,

wer den effektiven Frankenbetrag bestimmt und welche Voraussetzungen zu einer

möglichen Lohnerhöhung führen.

Auf der Ebene der Organisations- und Unternehmenseinheiten sowie in einzelnen Abteilungen

und Teams wurden weitere, spezifische Themen konkret angegangen. Die Ergebnisse

der Personalbefragung werden immer noch regelmässig eingesehen. Sie dienen vor allem

dazu, den kritisierten Bereichen in neuen Projekten besondere Beachtung zu schenken.

Gelungener Start für die Pensionskasse SRG SSR idée suisse

Die SRG SSR setzt sich nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft ihrer

Mitarbeitenden ein. Seit 2003 hat sie eine eigene Pensionskasse, die ihren Mitgliedern

individuelle Vorteile bietet.

Die Pensionskasse SRG SSR idée suisse (PKS) schloss 2004 mit einem guten Ergebnis ab

und erreichte einen Deckungsgrad von 100,6 Prozent. Die Bilanzsumme betrug rund

eine Mrd. Franken, die Jahresperformance 5,32 Prozent.


64

Literatur- und Quellenverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

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Bericht des Bundesrates betr. die gegenwärtige Ordnung des Radiorundspruches in der Schweiz,

27.11.1931, in BBl. 1931/2: 676–704.

Bilancio sociale 2002 und 2003 von Radiotelevisione svizzera di lingua italiana (TSI).

Bosshart, Louis / Steinmann, Matthias (Hrsg. 2002): Lüthi und Blanc. Das Integrationspotenzial einer

«Seifenoper». Mit Beiträgen von Anne Yammine, Sabine Zaugg, Ursula Ganz-Blättler. Freiburg i. Ü.

Botschaft des Bundesrates über die Finanzierung des schweizerischen Fernseh-Versuchsbetriebes,

4.6.1951, in BBl. 1951: 317–331.

Botschaft des Bundesrates zur Totalrevision des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen,

18.12.2002, in BBl. 2003: 1569–1779.

FÖG Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (2002):

(Service) Public Eye on Political Communication. Eine Analyse der Informationsleistungen öffentlicher

und privater Nachrichtenformate im Radio und Fernsehen der Deutschschweiz, 1. November 1999

bis 31. Dezember 2000. Zürich.

Gesellschaft für praktische Sozialforschung (gfs) (2004/05): Univox Teil I, Trendbericht Kommunikation

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Kamber, Esther/Schranz, Mario/Imhof, Kurt (2002): Qualitätsmerkmale von Nachrichtenformaten

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Rütter, Heinz et al. (2004): Wirtschaftliche Auswirkungen der UEFA EURO2008TM in der Schweiz.

Rüschlikon, Luzern.

Rütter, Heinz et al. (2002a): Volkswirtschaftliche Bedeutung von Sportgrossanlässen in der Schweiz.

Schlussbericht. Rüschlikon, Luzern.

Rütter, Heinz et al. (2002b): Volkswirtschaftliche Bedeutung von Sportgrossanlässen in der Schweiz.

Fallstudie Internationale Lauberhornrennen in der Schweiz. Rüschlikon, Luzern.

Rütter, Heinz et al. (2002c): Volkswirtschaftliche Bedeutung von Sportgrossanlässen in der Schweiz.

Fallstudie FIS Ski Weltcup St. Moritz 2000. Rüschlikon, Luzern.

Rütter, Heinz/Vouets, Vinciane (2000): Schweizer Filmbranche und Filmförderung: Volkswirtschaftliche

Bedeutung und europäischer Vergleich. Rüschlikon, Luzern.

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Basel. www.sarasin.ch/nachhaltigkeit (Rubrik Veröffentlichungen)

Stalder, Sonja (2005): Eidgenössische Wahlen 2003: Medien, Politik und Geschlecht. Eine geschlechtsspezifische

Analyse des Informationsangebots von Schweizer TV- und Radio-Stationen im Vorfeld der

eidgenössischen Wahlen 2003. Bern. www.frauenkommission.ch (Publikationen)

Steinmann, Matthias/Zaugg, Sabine (2001): Das Image der SRG SSR idée suisse und ihrer Programme,

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Wyss, Vinzenz (2002): Redaktionelles Qualitätsmanagement. Ziele, Normen, Ressourcen. Hrsg.

Von Hömberg, Walter/Pürer, Heinz/Saxer, Ulrich. Konstanz.

Impressum

Herausgeberin

SRG SSR idée suisse

Unternehmenskommunikation

Giacomettistrasse 3; 3000 Bern 15

Telefon 031 350 92 31

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Produktion, Redaktion

Katrin Hemmer

Autorinnen und Autoren

Aleksandra Gnach

Sven Guggenheim

Katrin Hemmer

Imelda Lütolf

Peter Meier

Barbara Sommer

Übersetzungen, Korrektorat

Sprachdienst Media Services SRG SSR

Markus Arm

Illustrationen

Tino Roellin, Luzern

Gestaltung

Lang Gysi Knoll, Werbeagentur BSW AG, Bern

Druck

Stämpfli Publikationen AG, Bern

Auflage

Deutsch: 3500

Französisch: 1500

Italienisch: 500

Publikationsdatum

Bern, 1. Mai 2006

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