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Bergsteiger Mont Blanc - Der weiße Riese im Porträt (Vorschau)

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08

Psychologie am Berg:

Glowacz über Motivation

K2-Jubiläum: Berg der Besten

D 5.90 €

A 6.50 €

CH 9.90 sFr

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| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

08 / August Juli 2014 2013

PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Sextener Dolomiten • Rofangebirge • Walliser Alpen • Karwendel

Der weiße Riese im Porträt

Mont Blanc

Ein Mythos gerät ins Wanken

Tannheimer Tal

Allgäuer Alpen: Hauben und Spitzen

Wetterstein

48 perfekte Leutasch-Stunden

+

50 Tourentipps

Almwandern im

Salzburger Land

Hohe Tauern

Im Wanderparadies stehen

die Dreitausender Spalier

Monte Rosa

Viertausender sammeln im

zweithöchsten Alpen-Massiv

IM TEST

Trekkingstöcke:

Was Sie vor dem

Kauf wissen

müssen!

Dolomiten

Auf Klettersteigen durch

die Kriegsgeschichte

Engadin

Der älteste Nationalpark der

Alpen feiert 100. Geburtstag


IN DEN DOLOMITEN DES TIZIANS

CADORE, DAS REICH DER SCHNEESCHUHE

Die stille Atmosphäre und Magie einer tief verschneiten Landschaft

ist ein Erlebnis, dass man lange nicht vergisst.

Die kristallklare kalte Luft, die über das Gesicht streift, das Knirschen

des Schnees unter Ihren Schritten, der Himmel in einem kompakten

Blau, tief und dicht wie das Meer. Und all dies umgeben von den

schönsten Gipfeln der Dolomiten - dem Pelmo, dem Antelao und

der Berggruppe Marmarole, der Gruppe Cadini di Misurina, den Drei

Zinnen und dem Peralba.

Es ist das Reich der Schneeschuhe mit 30 Winterwandertouren

durch die Dolomiten des Tizians. Der Ruf nach einer genussvollen

Erfahrung in einer der schönsten Ecken der Welt - ganz im Rhythmus

Ihrer Atmung.

INFO: Fremdenverkehrsbüros

AURONZO DI CADORE

auronzo@infodolomiti.it

tel. 0435.9359

CALALZO DI CADORE

calalzo@infodolomiti.it

tel. 0435.32348

SAN VITO DI CADORE

sanvito@infodolomiti.it

tel. 0436.9119

SAPPADA

sappada@infodolomiti.it

tel. 0435.469131

2 Bergsteiger 06⁄14

Iniziativa finanziata dal Programma di Sviluppo Rurale per il Veneto 2007 - 2013 - Asse 4 Leader

Organismo responsabile dell’informazione: Comune di Lozzo di Cadore

Autorità di gestione: Regione del Veneto - Direzione Piani e Programmi del Settore Primario


EDITORIAL

Zwei Seiten

der (fast)

gleichen

Geschichte

Wer professionelle Alpinisten angesichts manch

medialer Verrenkung kritisiert, dem sei ein Blick

zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts anempfohlen.

Die Alpen entwickelten sich zu dieser Zeit

zum touristischen Ziel. Daran hatte ein gewisser

Albert Smith einen beträchtlichen Anteil, ein viktorianischer Showman (und nur

mittelmäßiger Bergsteiger), dessen Sehnsucht dem Mont Blanc galt. Er machte ihn

zum Gegenstand eines – man würde heute sagen: Multivisionsvortrages. Die Show

schlug derart ein, dass so ziemlich jeder Brite von den Schönheiten der Alpen erfuhr.

1851 bestieg Smith den höchsten Berg der Alpen gemeinsam mit drei Studenten,

hochgezogen von zwölf Bergführern und begleitet von 20 Trägern, die so Unentbehrliches

wie 91 Flaschen Wein, 46 Hühner und drei Flaschen Cognac transportierten.

Den meisten Bergsteigern reichen heute Energieriegel für die

900 Höhenmeter Gipfelanstieg von der Goûterhütte – und

auch sonst hat sich viel getan am Mont Blanc. Der Andrang ist

groß, so groß, dass seit der Saison 2013 das Zeltverbot überwacht

wird. Wir haben dem »Weißen Riesen« unsere Titelstory (S. 20–28) gewidmet,

weil sich an ihm exemplarisch aufzeigen lässt, vor welche Probleme Bergführer

wie Behörden vor Ort gestellt sind, wenn der Gipfelwunsch derart viele umtreibt.

Wenn man so will, dann hat der älteste Nationalpark der Alpen eine gegenteilige

Entwicklung durchgemacht. Seit 1914 gibt es im Engadin ein Stück Bergnatur, das

sich ungestört vom Menschen entwickeln darf. Die Chance, auf Wanderungen Steinböcke,

Steinadler und Bartgeier zu sehen, ist umso größer. Im Porträt des Schweizer

Nationalparks zum 100. Geburtstag (S. 45–49) lesen Sie, wie das möglich war.

Eines hat sich, seit Albert Smith am 13. August 1851 mit tatkräftiger Hilfe der Bergführer

den Gipfel des Mont Blanc (übrigens kriechend) erreichte, kaum verändert:

der Ehrgeiz, als Bergsteiger Erfolge zu erlangen. Was motiviert uns, was macht uns

Angst? Woraus lernen wir, und wie lässt sich der Wille beeinflussen? In dieser Ausgabe

beginnen wir mit der Serie »Psychologie am Berg« (S. 72–75). Der Profi-Alpinist

Stefan Glowacz erklärt in der ersten Folge, warum er von manchen Projekten regelrecht

besessen ist. Viel Spannung beim Lesen wünscht Ihnen

Tour

Mont Blanc

Um den höchsten

Alpengipfel

□ Berühmtester Höhenweg der Alpen

□ Einmal um das Mont-Blanc-Massiv

□ Drei Länder, elf Pässe und grandiose Ausblicke

Bei dem nachfolgenden

Termin ist die Durchführung

schon garantiert!

03.08. – 09.08.2014

7 Tage ab € 795,–


Details anfordern unter

Telefon: 089 / 23 50 06 - 0

Hauser Exkursionen int. GmbH,

Spiegelstraße 9, 81241 München

Michael Ruhland, Chefredakteur

WandernTrekkingBergtourenweltweit

hauser-exkursionen.de


INHALT

20

Die Zähmung des Löwen

Am Mont Blanc sind Tausende unterwegs,

selbst Kontrollen können den Trubel nicht

bremsen. Über das Treiben am Normalweg

TITELTHEMA

20 Riese in Bedrängnis

Zelten ist verboten, der Andrang trotzdem

ungebrochen. Der Tourismus am Mont Blanc

steckt in einem tiefen Dilemma.

BERGSZENE

12 Neues aus der Welt der Berge

12 BERGSZENE Wie es nach der spektakulären

Rettung mit der Riesending-Höhle weitergeht

16 UMWELT Schweizer Bergführer kritisieren

Landschaftspflege: »Zu viel Schutz schadet!«

18 MEDIEN Aktuelle Bücher, Filme, Karten und

Webseiten zum Thema Berg

AUF TOUR

44

Gepflegte Wildnis

Kein anderes Gebiet in den Alpen

ist strenger geschützt als der

erste Nationalpark der Schweiz.

28 Spitzen und Hauben

Erst wandern und klettern, dann edel dinieren:

In kaum einem anderen Tal gibt es so viele

Haubenköche wie in den Tannheimern.

34 Zwischen Himmel und Hölle

Vor 100 Jahren herrschte Krieg in den

Dolomiten. Die Steiganlagen der Soldaten

sind heute in Klettersteige integriert.


34

Des Lebens Wert

Wo heute Ferratisten jubeln, kämpften

Soldaten früher um ihr Leben.

40

Alp-Träume

Das Leben auf den Almen im

Großarltal ist hart, aber schön.

Cover: Andreas Strauß, Blick zum Mont Blanc; weitere Fotos: T. Ebert, R. Dujmovits, K. Fengler, swiss-image.ch / Roland Gerth, Großarltal Tourismus, N. Eisele-Hein, Hersteller

TOURENKARTEN ZUM MITNEHMEN

12 Touren für den August

Rocciamelone

Capanna Margherita

Vincentpyramide

Dufourspitze

Ehrwalder Sonnenspitze

Haidachstellwand

Paternkofel

Toblinger Knoten

Sextener Rotwand

Hochgern

Mitterjoch – Roller

Wildangerspitze

54

40 Schönste Sackgasse der Welt

Im Großarltal haben die Einheimischen

ihr Stammtisch-Treffen nicht in der Kneipe,

sondern auf einer der zahlreichen Almen.

44 Der Stern am Berghimmel

Seit 1914 gibt es im Schweizer Kanton

Graubünden ein Stück Land, wo die Natur

ungestört ist: den Parc Naziunal Svizzer.

64 Wie am Schnürchen

Seit 121 Jahren thront die Capanna Margherita

auf der Signalkuppe, mit neun weiteren

Viertausendern in Reichweite.

76 Vorspeise für Bergsteiger

Der Hohe Tauern Wandermarathon führt

über 26 Kilometer entlang einer herrlichen

Bergkulisse. Das macht Appetit auf mehr.

80 Wallfahrt zum Gipfel

Im Jahr 1358 schleppte ein Mann ein Triptychon

auf den 3538 Meter hohen Rocciamelone.

Seither ist der Berg ein Pilgerziel.

84 Mit Drachen steigen

Ramsaurier Kali lotst Kinder mit Spaß

und Spannung auf Berge im Dachsteinmassiv.

Familien-TIPP

94

Stockeinsatz

Sie machen aus Zweibeinern

Vierfüßler

und schonen so die

Gelenke. Die neuesten

Wanderstöcke

im Test.

90 Serie: Aufs Dach der Alpen

Trailrunning ist wie keine andere Sportart

am Berg dafür geeignet, den Körper fit zu

machen für große Aufgaben.

110 Kleiner Grenzverkehr

Ein perfektes Bergwochenende im Leutaschtal

ist reich an Wald, Wild und Wegen

bis in die felsigen Gipfelregionen.

SERVICE

88 Huckepack

Da hilft keine Ausrede: Auch mit Kleinkind

kann man wandern. Wir erklären, was es

bei Kindertragen zu berücksichtigen gibt.

94 Stockwerke

Kaum mehr ein Wanderer geht ohne

sie auf Tour. Wir haben ermittelt, welche

Teleskopstöcke die besten sind.

ALPINISMUS

104

104 Der Berg der Besten

Er fasziniert alle, doch nur wenige erreichten

bisher seinen Gipfel. Vor 60 Jahren

stand erstmals ein Mensch auf dem K2.

Kalte

Schultern

Der K2 ist kein Mode-

Achttausender wie

sein großer Bruder.

50 Berge im

Kopf: Neue Psychologie-Serie

Zum Start der neuen

Psychologie-Serie im

BERGSTEIGER erzählt

Stefan Glowacz, wie

er sich für extreme

Abenteuer

motiviert

und ob man

Motivation

lernen

kann.

RUBRIKEN

Editorial 3

Bergbilder 6

TV-Programm 19

Davids Depeschen 74

Bergpredigt 112

Briefe/Impressum 113

Vorschau 114

08⁄14 Bergsteiger 5


BERGBILDER

Himmelspforte

Der Schafreiter bietet eine der besten Aussichten

auf die Karwendelketten von Norden. Auf der

Schulter am Südgrat steht seit einiger Zeit dieser

Steinbogen und wirkt wie ein Tor zum Himmel.

Schafreiter (2101 m)

Fotos: Heinz Zak

6 Bergsteiger 08⁄14


08⁄14 Bergsteiger 7


Die Zeit nach dem Regen ist oft intensiv.

Eine besondere Ruhe lag über dem Kleinen

Ahornboden. Die Moose und Farne waren vollgesogen

und leuchteten im frischesten Grün.

Kleiner Ahornboden, Eng

Enthüllungen

Die Kunst besteht darin, die Mondbahn genau

zu beobachten. Dann kann man an einem

oder zwei Tagen im Jahr den Vollmond

über dem Hohen Gleiersch aufgehen sehen.

Hoher Gleiersch (2492 m)


Luftikus

Heinz Zak baute im Karwendel die ersten

Highlines in Europa. Um die Gipfelstürmernadel

nahe der Erlspitze nicht umzureißen,

spannte Zak das Band über die ganze Schlucht.

Gipfelstürmernadel (2360 m)

08⁄14 Bergsteiger 9


Bei Sonnenuntergang auf der Birkkarspitze wabern

Nebelschwaden um die Gipfel. Der Blick wandert

auf den Hauptkamm mit der Kaltwasserkarspitze

(re.) bis zur Pyramide des Großvenedigers.

Birkkarspitze (2749 m)

Hochstimmung

10 Bergsteiger 08⁄14


Mein Karwendel

Heinz Zak, Extremkletterer, Fotograf

und Autor hat einen faszinierenden

Bildband über seine Heimat aufgelegt.

»Nach meinem ersten Buch über das

Karwendel 1990 war ich niedergeschlagen.

Ich dachte, ich würde keinen Grund mehr

finden, derart oft in meinen Lieblingsbergen

unterwegs zu sein. Jetzt mit meinem

neuen Buch habe ich diese Sorge nicht

mehr. Mir macht es nach wie vor großen

Spaß, in der Felswildnis unterwegs zu sein.

Mittlerweile war ich auf jedem Berg der vier

Hauptketten sowie auf den meisten anderen

Gipfeln und Kuppen des Karwendels,

biwakiere Sommer wie Winter immer wieder

mal auf einem Berg, klettere gerne am

Halleranger oder balanciere einfach entlang

eines brüchigen Karwendelgrates.«

Heinz Zaks persönliche Zeilen zu seinem

neuen Buch lesen sich locker. Doch wer den

monumentalen Band in Händen hält, ahnt

erst, wie viel akribische Arbeit in dem Porträt

des größten Naturschutzgebietes der

Ostalpen steckt. Eine Art Lebenswerk. –mr–

Heinz Zak »Karwendel«,

280 Seiten mit ca. 300

Farbfotos, 24 x 29 cm,

geb. mit Schutzumschlag,

Tyrolia-Verlag, Innsbruck-

Wien 2014, 39,95 €

Handsignierte Exemplare e

können direkt bei Heinz

Zak bestellt werden:

heinzzak@gmail.com


Bergsteiger

08/14 BERGSZENE

Foto: blog.summitsofmylife.com

Zitat des Monats

»Die Berge dulden

keine Maske, weil die

Maske irgendwann

beim Bergsteigen

garantiert herunterfällt.«

Kurt Diemberger (82), österreichischer Bergsteiger,

Filmemacher und Autor. Er ist der einzige noch

lebende Erstbesteiger von zwei Achttausendern.

Die nächsten

Ziele des Skyrunners:

Elbrus,

Aconcagua und

Mount Everest

Speedrekord am Denali

Kilian Jornet in 11:48 zum Gipfel und zurück

Nach zahllosen Speedrekorden in den Alpen

schlägt Kilian Jornet nun auch beim Höhenbergsteigen

zu. Am 7. Juni raste der Katalane

in 11:48 Stunden vom Kahiltna-Basislager

über den West Buttress zum höchsten Gipfel

Nordamerikas (6168 m) und zurück – fünf

Stunden schneller als die bisherige Bestzeit.

Zurück in Europa schnappte sich Jornet auch

noch einen Doppelsieg bei der Skyrunning-

Weltmeisterschaft, die Ende Juni in Chamonix

stattfand. Weder beim 42-km-Rennen (2486 Hm,

3:23:39 Std.) noch beim Vertical Race (1000 Hm

auf 3,8 km, 34:18 Min.) ließ Jornet seinen

Konkurrenten eine Chance.

–te–

Ein Riesending

DIE FOLGEN DER HÖHLENRETTUNG AM UNTERSBERG

Es war tatsächlich ein riesiges Ding: Nach zwölf Tagen wurde der

Forscher Johann Westhauser (Foto oben) aus der Riesending-Schachthöhle

am Untersberg gerettet. Doch nicht nur der Schwerverletzte

und die knapp 1000 Helfer haben bei den Strapazen gelitten, auch

das fragile Ökosystem der Höhle. Stahlstifte, Seile, Müll und Fäkalien

sind unter der Erde zurückgeblieben. Friedhart Knolle, Sprecher des

Verbandes deutscher Höhlen- und Karstforscher (VDHK) versichert:

»Wir haben bereits eine große Reinigungsaktion geplant.« Außerdem

wurde der Höhlen-Eingang nun mit einem Gitter versperrt, um Unfälle

mit neugierigen Wanderern zu vermeiden.

Wie teuer die Rettung war und wer dafür aufkommt, weiß auch Knolle

noch nicht. »Der VDHK hat vor Jahren einen Solidarfonds gegründet,

wohl wissend, dass das, was wir tun, gefährlich ist.« Dessen Inhalt,

37 000 Euro, könnte nun gefragt sein. Das grundsätzliche Problem der

Höhlenforscher ist damit aber nicht gelöst. »Die Kosten für das Material

und die Zeit, die wir für die Erforschung der Höhlen brauchen,

bringen wir selbst auf. Es gibt kein staatliches Institut für Höhlenforschung.«

Und das, obwohl diese laut Knolle eine interdisziplinäre

Wissenschaft ist, die wichtige Informationen zum Grundwasserschutz

wie zur Klima- und sogar zur Marsforschung beitrage. –dst–

Aus dem ganzen Alpenraum eilten Retter zur Riesending-Höhle.

Fotos: picture alliance (2)

12 Bergsteiger 08⁄14


Fünf Fragen an …


Foto: privat

Die Biologin Birgit Kantner

von der Abteilung Raumplanung

und Naturschutz des

Österreichischen Alpenvereins

(OeAV) beantwortet

Fragen von Bergsteigern zur

Tourenplanung.

… die Touren-Beraterin

Was ist momentan die meist gestellte Frage der Bergsteiger?

Was sich gerade auffallend häuft, sind die Anfragen zum Zelten im

Gebirge. Dazu bekomme ich schon zwei bis drei Anfragen pro Tag,

viele davon von tschechischen und polnischen Wanderern, die eine

Weitwanderung in den Ostalpen planen. Oder auch von Skandinaviern,

in deren Ländern das Kampieren im Gebirge viel lockerer

gehandhabt wird als bei uns.

PYTHON TOUCHTEC 10,0 MM

Mit allen Sinnen dabei! Spürbares Seilende

für mehr Sicherheit.


Erkennen Sie einen Trend zum Wandern mit Zelt in den Alpen?

Das kann ich nicht abschließend beantworten, dazu müsste man

sich die Anfragen der Vorjahre ansehen. Sicher haben die vielen

Fragen zum Zelten auch damit zu tun, dass die Sommerferien vor

der Tür stehen und das Wetter so schön ist.

Wie lauten die Regeln, an die ich mich beim Zelten in den

österreichischen Alpen zu halten habe?

Das ist ja das Problem, dass es keine allgemein gültige Regelung

gibt. Einheitlich geregelt ist in Österreich das Zelten im Wald: Das ist

gemäß Forstgesetz verboten! Was ebenfalls überall verboten ist, ist

das Kampieren in Schutzgebieten. Über der Baumgrenze gelten von

Bundesland zu Bundesland recht verschiedene Regelungen. Erlaubt

ist generell das alpine Biwakieren, also ein ungeplantes Notbiwak,

das man im Falle einer Verletzung, eines Schlechtwettereinbruchs,

einbrechender Dunkelheit oder ähnlichem machen muss.

Welches Bundesland ist am freundlichsten zu Campern?

In Oberösterreich, im Salzburger Land und in der Steiermark ist das

Kampieren eigentlich überall außerhalb von Schutzgebieten und

Sonderstandorten im alpinen Ödland möglich. Im Salzburger Land

beispielsweise kann es der jeweilige Bürgermeister für sein Gemeindegebiet

verbieten. Am strengsten sind die Regelungen für Camper

in Kärnten und Niederösterreich. Wir empfehlen jedoch, auch bei

den Bundesländern mit weniger restriktiver Regelung den jeweiligen

Grundeigentümer zu fragen.

Was, wenn man beim unerlaubten Zelten erwischt wird?

Die Bergwacht, der Grundeigentümer oder auch Förster sind zum

Beispiel im jeweiligen Wirkungsbereich dazu befugt, »Falsch-Zeltler«

anzuzeigen. Das kann von einer einfachen Abmahnung bis hin zu

einer satten Geldstrafe von 14 500 Euro gehen!

Detaillierte Infos zum Zelten in den österreichischen Bundesländern

unter www.bergsteiger.de Interview: Dagmar Steigenberger

08⁄14 Bergsteiger 13


Bergsteiger

12/11 08/14 AKTUELL

BERGSZENE

Notizen

Bärenstark:

Jan Hojer beim

Boulder-Weltcup

in Toronto

Alpenliebe am Glockner

Die frisch eröffnete Dauer-Ausstellung

»Alpenliebe« am Besucherzentrum der Großglockner-Hochalpenstraße

zeigt zeitgenössische

Arbeiten von Künstlern wie Hubert von Goisern

oder dem Münchner Duo GAEG und ist kostenlos.

Wer dort während des Sommers eine

aktuelle BERGSTEIGER-Ausgabe vorzeigt, erhält

außerdem einen Rabatt von vier Euro auf die

Mautgebühr der Hochalpenstraße. –dst–

BR-Radltour wird 25

Seit 1990 veranstaltet der Bayerische Rundfunk

jährlich eine Radltour quer durch Bayern. Die

Etappen haben Kultcharakter, es nehmen mehr

als tausend Radlbegeisterte teil. Sie werden per

Los bestimmt, denn der Andrang ist groß. Die

Jubiläumstour startet am 1. August in Kufstein.

Wer nicht dabei sein kann,

hat die Möglichkeit, die

schönsten Touren aus dem

jetzt erschienenen Bruckmann-Buch

(144 S.,

ca. 120 Abb., 16,5 x 23,5

cm, 17,99 €) nachzufahren

und spannende Anekdoten

dazu zu lesen. –mr–

Leserreise zu AKU nach Venetien

15 BERGSTEIGER-Leser haben zur Sonnwende

mit AKU die wilde Landschaft der Belluneser

Dolomiten kennengelernt und dabei auch die

Produktionsstätte von AKU besucht. Die Reportage

über die Reise nach Montebelluna lesen

Sie im BERGSTEIGER 09/14.

–kv–

Neues Climbing MOVE Festival

Vom 24. bis 27. Juli können Profi s wie Anfänger

das UNESCO-Welterbe Dolomiten kletternd

erleben: Sportklettern, Alpinklettern, Bouldern

und Slacklinen stehen in Gröden auf dem Programm.

Das Festival ist Teil des neuen Outdoorprogramms

»MOVE – feel the Dolomites«. –te–

Sir Chris Bonington wird 80

Am 6. August feiert der britische Bergsteiger

Chris Bonington seinen 80. Geburtstag. Ihm

gelangen diverse Erstbegehungen, darunter am

Frêneypfeiler und an den Bergen im Himalaya.

1996 wurde er für seine Verdienste zum Ritter

geschlagen und trägt seither den Titel »Sir«. –dst–

Foto: Heiko Wilhelm / DAV

Jan Hojer holt sich Gesamtweltcup

DEM BOULDERER GENÜGT IN LAVAL (FRA) EIN 4. PLATZ ZUM SIEG

Es ist das beste Ergebnis eines deutschen Kletterers in der Weltcup-Geschichte:

Jan Hojer hat am letzten Wettkampfwochenende den Boulder-Gesamtweltcup

der Herren gewonnen. Mit einem vierten Platz in Laval beendete Hojer eine

herausragende Saison: Viermal stand der 22-Jährige auf dem Podest, zweimal

ganz oben. Bei den Damen sicherte sich Juliane Wurm mit einem dritten Platz

in Laval Rang vier in der Gesamtwertung. Beide werden vom 21. bis 23. August

im Münchner Olympiastadion um den WM-Titel kämpfen.

–te–

Das andere Berglexikon

»Was Sie schon immer über die Welt der Berge wissen wollten…«

Ockergelbe Cordhosen

Reinhold Messner kaufte die langen, gelben Hosen für

die Zeit im Basislager bei einer Andenexpedition. Danach wollte

er sie in den Dolomiten auftragen. Zeitsprung: In den frühen

1970er-Jahren war es ein Muss, mit Kniebundhose, schweren

Schuhen und wuchtigem Rucksack

bei jedweder Bergsteigerei

unterwegs zu sein. Und da kam

ein Messner daher, ockergelb belanghost,

im Highspeed durch die

Wände eilend, in Schwierigkeitsbereichen,

die am Vorstellungsvermögen

rüttelten. Ein junger Wilder

brach mit den Konventionen, und

so steht die Hose durchaus als

Zufallssymbol für seinen Mut,

Neues zu wagen. Heute sind lange

Hosen in den Bergen kein Aufreger

mehr! –Uli Auffermann–

Foto: Luis Vonmetz; Archiv Reinhold Messner

14 Bergsteiger 08⁄14


Frei wie eine Fliege

MEGOS PUNKTET SCHÄLIS »FLY«

Eine Route, so schwer, dass sie bisher nie

geklettert, sondern nur von Basejumpern

besprungen und daher »Fly« getauft wurde?

Genau die richtige Herausforderung für die

Top-Geckos der Gegenwart. Schon 2006 hatte

Roger Schäli den 20-Seillängen-Hammer

im Lauterbrunnental eingebohrt, den freien

Durchstieg aber nie geschafft. Neun Längen

liegen im Bereich 7b bis 7c+, ehe es zum

Schluss knüppelhart kommt: 8b (17. SL), 8c

(19. SL) und 8b+ (20. SL). So holte sich der

Schweizer Alpinist Verstärkung in Person

von Alex Megos, dem fränkischen Kletter-Ass.

Der lief gleich in seiner ersten langen Mehrseillängentour

zu großer Form auf und

schaffte den Durchstieg am 4. Juni, bis auf

die schwersten Längen sogar onsight. –te–

Ganz entspannt: Roger Schäli (li.) und Alex Megos pausieren in »Fly«

Foto: Frank Kretschmann

Berg-Fundstück

Ungestört abhängen

In der Hängematte mit

Fliegennetz begegnet

man jedem Geschwader

mit Gelassenheit.

Therm-a-Rest Slacker, vorgestellt auf der Outdoor, ab 2015 im

Handel. Preise: ab 69,95 € (Single), Moskitonetz optional: 79,95 €

Die Bergpostboten

Im Juni hatte Bergschuhspezialist Hanwag

nach den »Alpinbriefträgern« seiner Bergpost

gesucht. Die Gewinner sind: Hilmar B.

und Thorsten W. (Berlin), German M. (Giengen)

und Werner K. (Steinheim) sowie Christian und

Tine K. (Saarland). Sie haben bis September

Zeit, die Post im Allgäu, im Karwendel und den

Berchtesgadener Alpen zu verteilen. Der BERG-

STEIGER begleitet die Auslieferung vor Ort. –te–

+++ OUTDOOR-NEWS +++

Fotos: Wikipedia, Sigg

+++ Noch bis zum

15. August läuft die

Bewerbung für die

Hanwag Alpine

Experience. Dabei

besteigen 36 Teilnehmer

Mitte September

die Zugspitze über vier verschiedene

Routen: über den Jubiläumsgrat, das

Höllental, den Stopselzieher und das

Reintal. Bewerbungen und weitere Infos

unter www.hanwag.de/events +++

+++ Vaude und Edelrid haben

ihre Partnerschaft mit dem DAV bis 2017

verlängert. Auch die Kooperation zwischen

dem Summit Club und Salewa

geht weiter – mit Fokus auf der Unterstützung

des Summit Club Expeditions-

Teams. Desweiteren stattet Ortovox

die Lehrteams des VDBS künftig nicht

mehr nur mit Lawinennotfall-Ausrüstung,

sondern auch mit funktioneller Merino-

Bekleidung aus. +++

+++ 39 Produkte wurden mit dem

Polartec Apex Award 2014 prämiert.

Insgesamt bewarben sich mehr als

hundert Produkte weltweit um den Preis,

den Polartec jährlich für herausragende

Funktions-Bekleidung mit Polartec-Stoffen

verleiht. +++

+++ Der Schweizer Trinkfl aschen-

Produzent Sigg unterstützt mit dem

Erlös aus dem Verkauf der sechs neuen

Flaschenmodelle den Umweltschutz.

Pro verkaufter Flasche wird ein Quadratmeter

Regenwald geschützt. +++

+++ Neben München und Beijing hat

ab 2015 auch Shanghai eine Internationale

Sportartikelmesse. Die erste ISPO

Shanghai fi ndet von 2. bis 4. Juli im

Shanghai New International Expo Center

statt. Die Messe München International

folgt damit dem Wunsch von Industrie

und Handel nach einer Sport-Messe im

asiatisch-pazifi schen Raum. +++

08⁄14 Bergsteiger 15


Bergsteiger

12/11 08/14 AKTUELL

BERGSZENE

Petition gegen

den Alpenschutz

SCHWEIZER INITIATOREN WOLLEN

»KÄSEGLOCKE« VERHINDERN

Fotos: swiss-image.ch/Bernard van Dierendonck, privat (2)

Während in den Bayerischen Alpen

um den Ausbau von Skigebieten gestritten

wird, hat der Schweizer Bergführerverband

(SBV) Mitte Mai gemeinsam mit

anderen Organisationen eine online-

Petition gestartet, die seitdem für Diskussionen

sorgt. Die Petition fordert, den

»Nutzen in Bergregionen ebenso hoch zu

gewichten wie das Schützen.« Ihre Verfasser

kritisieren, dass der Landschaftsschutz

Vorrang vor dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit

von ländlichen und alpinen

Regionen erhält: »Zu viel Schutz schadet.«

Konkret will die Petition eine Spaltung in eine »wirtschaftlich dynamische A-Schweiz

im Mittelland und eine zu Naturreservaten degradierte B-Schweiz» verhindern. Bei

Redaktionsschluss Anfang Juli hatte die Petition 2000 Unterstützer gefunden. Die Naturschutzorganisation

Mountain Wilderness sprach sich umgehend gegen die Petition aus:

»Das größte Kapital für den Tourismus ist unsere einzigartige Gebirgslandschaft.« –te–

Ihr Schutz steht nicht zur

Debatte. Dennoch fragt sich

die Schweiz: Wieviel Schutz

vertragen die Berge?

Schadet zuviel Schutz den Alpen?

Pro & Contra

Wolfgang »Der Zugang in die Berge wird in der Schweiz immer

Wörnhard ist weiter eingeschränkt. In Jagdbanngebieten sind Abfahrten,

die Tourenskifahrer seit Generationen machen,

Geschäftsführer

des Schweizer plötzlich verboten. In Naturschutzgebieten sollen

Bergführerverbands

(SBV) im Wallis sind 142 neue Wildruhezonen angekündigt.

geführte Wanderungen nicht mehr erlaubt sein. Allein

Seit Jahrzehnten ausgeübte Aktivitäten werden in Frage

gestellt. Die Gefahr besteht, dass immer größere Teile der Bergregionen

unter eine Käseglocke gestellt werden. Immer neue Schutzaufl agen

verhindern die wirtschaftliche Prosperität und fördern die Abwanderung

der Jungen. Die Petition will für den Erhalt und die Weiterentwicklung

der Arbeitsplätze sensibilisieren. Die Bevölkerung der Berggebiete braucht

wirtschaftliche Perspektiven. Sie muss von ihrem Kapital – der Schönheit

der Berge – auch einen Nutzen haben. Die Bergführer, Kletterlehrer

und Wanderleiter haben ein großes Interesse, eine intakte Natur als

Arbeitsumfeld zu bewahren. Sie sind sich des Werts und der Fragilität der

alpinen Flora und Fauna bewusst. Deshalb wollen sie mitreden, wenn

Schutzbestrebungen geplant werden und ihre Kenntnisse einbringen. Der

SBV setzt sich für den freien Zugang in die Berge ein. Einschränkungen

müssen verhältnismäßig und gut begründet sein.«

»Eigentlich klingt es gut: nachhaltiges Nutzen statt

einseitiger Schutz. Zu viel Schutz, so die Initiatoren,

benachteilige die Bergregionen und führe letztendlich

zur Entvölkerung ganzer Talschaften. Im Umkehrschluss

bedeutet dies: Weniger Schutz kurbelt

die Wirtschaft an und macht aus verlassenen Tälern

prosperierende Wirtschaftszentren.

Katharina

Conradin

ist Geschäftsleiterin

bei

mountain wilderness

Schweiz

Diese Sichtweise ist verkürzt: Es liegt kaum an ausufernden Restriktionen,

dass die Abwanderung in vielen Alpentälern eine Tatsache ist. Wäre dies

so, müssten die vielen ›ungeschützten‹ Täler im Piemont, Friaul oder den

französischen Seealpen wirtschaftlich geradezu boomen. Und das vielfach

gepriesene Gegenmittel – ein Ausbau des Intensivtourismus – trägt

oft herzlich wenig zur Trendwende bei. So werden nämlich vor allem

Billig-Arbeitsplätze in Gastronomie und Bauwirtschaft geschaffen und

keine Alternativen für gut ausgebildete einheimische Jugendliche.

Die Alpen sind ein wichtiger Lebensraum für Millionen von Menschen.

Dies soll auch so bleiben. Doch dazu müssen wir nicht am Ast sägen,

auf dem wir sitzen. Eine unverbaute Landschaft, frei fl ießende Gewässer

und eine weltweit einzigartige Natur sind das wichtigste Kapital der Alpen.

Bewahren wir dies so!«

16 Bergsteiger 08⁄14


Umwelt und Nachhaltigkeit

Flaschen am Berg

Trinkflaschen aus Aluminium gefährden die Gesundheit.

Eine neue Studie des österreichischen Bundesministeriums

für Gesundheit bestätigt diese bereits bekannte Tatsache

und rät dazu, den Kontakt mit Aluminium vorsorglich zu

vermeiden. Insbesondere beschichtete Aluminiumfl aschen

bergen demnach gewisse Gefahren für

den Konsumenten, da das Aluminium beim

Kontakt mit sauren Säften oder salzigen

Flüssigkeiten in geringen Mengen in die

Nahrung übergehen könne. Die Studie gibt

einen fundierten Überblick über die möglichen

gesundheitlichen Auswirkungen des

Metalls auf die Verbraucher und ist auf

der Webseite des Bundesministeriums

abrufbar: www.bmg.gv.at

–dst–

44 Mal schützenswert

ALPENVEREINE INFORMIEREN ÜBER

GESCHÜTZTE ALPENFPLANZEN

Einen Klassiker neu aufgelegt

haben DAV, OeAV und AVS mit

ihrem Plakat von 44 geschützten

Alpenpflanzen, das erstmals

1903 herausgegeben wurde. Ein

Münchner Kunstmaler hat Enzian,

Edelweiß und Co. nun nach

ihren Originalen nachgezeichnet.

Das Plakat ist aber nicht nur eine

Augenweide: »Es soll dazu anregen,

die Pflanzen zu schützen«,

erklärt Jörg Ruckriegel vom DAV.

Das Plakat ist für 9,95 Euro unter

www.dav-shop.de erhältlich. –te–

Fotos: DAV, Achensee Tourismus, Fotolia / remar

Umwelt-Ticker

+++ Ihre Siegerbäume haben Kristin Berglund

und Markus Stock im Juni am Kleinen Ahornboden

eingepfl anzt. Hintergrund ist

der jährliche »Karwendelmarsch«

von Scharnitz nach

Pertisau bzw. in die Eng. Wer

das Rennen gewinnt, hat im

Jahr darauf die Ehre, einen

jungen Ahorn zum »Karwendelmarsch-Wald«

hinzuzufügen. Am 30. August 2014

gibt es die nächste Chance!

+++ Reihenweise Protestaktionen gab es

im Frühsommer in den Alpen: In Österreich

formiert man sich gegen die drohende Zusammenlegung

zweier Skigebiete in den Kalkkögeln

(www.mountainwilderness.at), in der Schweiz wird

gegen eine Seilbahn vor der berühmten Eiger-

Nordwand protestiert (www.eiger-express-nein.ch)

und in Frankreich demonstrierten Aktivisten

gegen unnötige Freizeitfl üge am Mont Blanc

(www.pro-mont-blanc.org)

+++ Erstmals sind auch Bushaltestellen in

einer Wanderkarte des Deutschen Alpenvereins

verzeichnet. Die seit Juni erhältliche BY 14

(Chiemgauer Alpen West) weist nun den Weg

zu klimafreundlichem Bergsport, wie zukünftig

auch alle neu aufgelegten AV-Karten.

www.teva.tatonka.com

RIVA PEAK MID EVENT W‘S

Teva-Vertrieb Deutschland und Österreich:

TATONKA GmbH · Robert-Bosch-Str. 3 · D-86453 Dasing


Bergsteiger

12/11 AKTUELL

08/14 BERGSZENE

Medien

BergBücher …

Bernadette McDonald

»KLETTERN FÜR FREIHEIT«

368 Seiten, 95 Abbildungen,

13,5 × 21,5 cm, aus dem Englischen

von Robert Steiner. Hardcover mit

Schutzumschlag, AS-Verlag, Zürich 2013,

26,80 €

Manchmal braucht es ein Buch wie dieses, um zu erkennen,

wie alpenzentriert unsere Vorstellung vom Bergsteigen noch

immer ist. McDonalds mehrfach ausgezeichnetes Buch ist nicht

einfach nur das neue Standardwerk zur polnischen Alpinismusgeschichte.

Es führt vor Augen, wie die Generation um Jurek

Kukuczka, Wanda Rutkiewicz und Voytek Kurtyka es schaffte,

jenseits des Eisernen Vorhangs ein völlig neues bergsteigerisches

Niveau zu etablieren. Mit Improvisation und Willensstärke

prägte der polnische Stil das Himalayabergsteigen mehr als

drei Jahrzehnte lang. Oder, wie Rutkiewicz, erste Europäerin

am Everest, sagte: »Wir mussten beinahe die Enten und Gänse

selbst rupfen, um Daunen für die Jacken zu bekommen.« –te–

Ernst Vogt/Andrea Zinnecker/

Georg Bayerle/Manfred Wöll

»DIE LIEBLINGSTOUREN AUS DEM

BAYERN1 RUCKSACKRADIO«

144 Seiten, 16,5 × 23,5 cm,

Broschur mit Fadenheftung, J. Berg

Verlag, München 2014, 19,99 €

Das »Rucksackradio« hat

bei vielen Wanderern einen

festen Hör-Platz. Erstmals hat

die Redaktion nun eine Auswahl

ihrer liebsten Touren

von Bayern bis nach Südtirol

zu Papier gebracht und dabei

ein Leitmotiv walten lassen:

wandern und genießen.

Unter Genuss verstehen die

Autoren erfreulicherweise

eins: sich Zeit lassen. –mr–

Axel Jentzsch-Rabl/

Andreas Jentzsch

»KLETTERN IM LEICHTEN FELS«

384 Seiten, 15,4 × 22 cm, brosch.

Fadenbindung, Topos und zahlreiche

Abb., Alpinverlag Jentzsch-Rabl,

Bad Häring 2014, 34,95 €

Das Beste im Fels zwischen II

und IV: Die Sammlung von 91

Klettertouren zwischen Lechquellengebirge

und Wienerwald

berücksichtigt Plaisirrouten

ebenso wie lange, alpine

Anstiege in den Zentralalpen.

Exakte Beschreibungen in

Wort und Topo, garniert mit

Bildern, die Lust machen, aufzubrechen

und kleine Abenteuer

im Fels zu suchen. –ak–

BergApp …

BergFilm …

BergWeb …

Foto: P. Sibley

»METEOBLUE«

Wofür? Ortsgenaue Wetterprognosen im

Stundenintervall, inkl. Regenradar, Windstärke,

Temperaturkarten und Wolkenentwicklung.

Wie? Über Name, PLZ oder Koordinaten Ort

wählen. Auch einzelne Gipfel sind verfügbar.

Warum? Die Wetterdaten der Baseler Meteoblue

AG sind qualitativ top, was über das etwas

angestaubte Bedienkonzept der App hinwegtröstet.

Wieviel? Kostenlos (Android), 5,99$ (iOS) –te–

»VALLEY UPRISING«

Als die ersten Kletterer im Yosemite National

Park auftauchten, erklärte die amerikanische

Gesellschaft sie für verrückt.

»Valley Uprising« erzählt die Geschichte

dieser »Outlaws« in drei Akten: von den

50er-Jahren bis heute. Der Film läuft im

Rahmen der Reel Rock 9, die vom 18. September

bis 9. November durch Deutschland

tourt: www.reel-rock.eu –sz–

Von: Peter Mortimer / Josh Lowell (Reel Rock 9 /

Sender Film / Big Up Productions)

Mit: Kletterern und ihren Gegnern in den USA

Aus: USA

www.outdoordeals.de

Die Bergsteigerei ist für uns alle eine

Bereicherung – außer in pekuniärer Hinsicht.

Sicher, ist einmal alles beisammen,

kann man auf das Meiste des jährlich

ausgestoßenen Schnickschnacks gut verzichten.

Zerlöcherte Sohlen und zerrupfte

Seile zwingen aber auch die größten

Sparfüchse einmal ins Kaufhaus. Oder ins

Internet, wo die achtköpfige Redaktion

von Outdoordeals täglich hunderte Shops

nach reduzierter Bergsportware durchkämmt

und säuberlich aufbereitet.

Für alpine Schnäppchenjäger die erste

Adresse im Web.

–te–

18 Bergsteiger 08⁄14


TV-Programm Juli / August 2014

19.7. | 12.15 | N 3

Weltreisen

Englands Lake District

Dauer: 30 Min.

19.7. | 14.30 | 3sat

Reisewege Pyrenäen

Im Land der Dreitausender

Dauer: 45 Min.

19.7. | 15.50 | Servus TV

Naturparadies Britannien

Cairngorms

Dauer: 41 Min.

20.7. | 11.20 | Arte

Naturparadiese

in Lateinamerika

Die Anden

Dauer: 43 Min.

20.7. | 14.05 | Servus TV

Naturparadies

Australien:

Der Rote Kontinent

Dauer: 49 Min.

J20.7. | 15.25 | Servus TV

Terra Mater

Viktoriafälle – Naturwunder

im Herzen Afrikas

Dauer: 47 Min.

20.7. | 22.30 | Phoenix

Mystisches Venezuela

Von den Tafelbergen

ins Orinoco-Delta

Dauer: 45 Min.

21.7. | 8.15 | Phoenix

Reise ins Reich der Inka –

Spurensuche in

den Anden Perus

Von Machu Picchu ins

Hochland der Anden

Dauer: 45 Min.

21.7. | 17.00 | 3sat

Das Pantanal

Naturschützer im Paradies

Dauer: 45 Min.

22.7. | 7.20 | Arte

Ein Moped auf Reisen

Midi-Pyrenäen:

Die Farben des Landes

Dauer: 26 Min.

22.7. | 19.30 | Arte

Neuseeland von oben

Die Südalpen

Dauer: 43 Min.

23.7. | 17.00 | BR

Durch die wilden Alpen AH

Dauer: 30 Min.

23.7. | 21.05 | 3sat

Bergleben

Dauer: 55 Min.

24.7. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa

Großbritannien –

Die Highlands

Dauer: 42 Min.

J24.7. | 20.15 | N 3

Länder – Menschen – Abenteuer

Die Alpen – Deutschlands

Berge neu entdeckt

Dauer: 45 Min.

26.7. | 14.30 | 3sat

Reisewege Südtirol AH

Auf den Spuren

von Luis Trenker

Dauer: 45 Min.

26.7. | 18.45 | ZDF Neo

Auf Expeditionsreise

durch Tansania

Dauer: 45 Min.

27.7. | 20.15 | SWR

Die schönsten Naturparadiese

im Südwesten

Dauer: 90 Min.

28.7. | 19.30 | Arte

Wildes Italien

Von den Alpen zur Toskana

Dauer: 43 Min.

29.7. | 14.40 | 3sat

Die Entstehung der

Alpen – Rastlose Gipfel

Dauer: 45 Min.

30.7. | 12.20 | 3sat

Die Natur zum Greifen nah

Die Nationalparkwelten

in Mittersill

Dauer: 30 Min.

30.7. | 14.30 | Phoenix

Mont Saint-Michel

Heiliger Berg am Meer

Dauer: 45 Min.

30.7. | 21.15 | Servus TV

The Summit –

Gipfel des Todes

Dauer: 98 Min.

31.7. | 6.00 | ZDF Neo

Terra Xpress

Entdeckung in den Alpen

Dauer: 30 Min.

1.8. | 18.20 | WDR

Servicezeit Reportage

Unterwegs im

Bergischen Land

Dauer: 30 Min.

1.8. | 19.15 | Phoenix

Die Berge der Deutschen

Von Höhenrausch und

Hüttenzauber

Dauer: 45 Min.

1.8. | 21.15 | Servus TV

Retroalpin

Die Berge, Die Menschen,

Der Wahn

Dauer: 48 Min.

2.8. | 12.15 | N 3

Weltreisen

Schottland – stolz und schön

Dauer: 30 Min.

J3.8. | 20.15 | SWR

Wegweisend im Wandern

Der Schwarzwaldverein

Dauer: 45 Min.

3.8. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

5.8. | 17.00 | BR

Irene Epple-Waigel und AH

die Allgäuer Alpen

Dauer: 30 Min.

5.8. | 18.50 | HR

service: reisen

Zillertal

Dauer: 25 Min.

8.8. | 22.00 | alpha

alpha-Österreich

Klingendes Österreich:

Schöne Almen in Vorarlberg

Dauer: 45 Min.

J9.8. | 19.00 | BR

natur exclusiv

Wildes Deutschland:

Die Berchtesgadener Alpen

Dauer: 45 Min.

10.8. | 16.15 | BR

Fernweh

Reisereportage: Andalusien

Dauer: 25 Min.

11.8. | 14.00 | 3sat

Fernweh – In den Alpen

Von Monaco nach Chamonix

Reportagereihe

Dauer: 45 Min.

12.8. | 15.20 | Arte

Ein Moped auf Reisen

Der Canigou, heiliger

Berg der Pyrenäen

Dauer: 26 Min.

13.8. | 17.00 | BR

Schönes Mittelfranken

Seenland, Altmühlfranken

und Hesselberg

Dauer: 30 Min.

14.8. | 15.30 | 3sat

Grüne Inseln im

steinernen Meer –

Nationalpark Nockberge

Dokureihe

Dauer: 45 Min.

14.8. | 17.45 | 3sat

AH

Lechtal –

Lebensraum Berg

Dauer: 45 Min.

15.8. | 18.00 | BR

Gipfeltreffen

Werner Schmidbauer

trifft Claudia Koreck

Dauer: 45 Min.

Das tagesaktuelle

TV-Programm finden Sie

auf bergsteiger.de

08⁄14 Bergsteiger 19


TITELTHEMA

Kontrollen am Mont Blanc

Foto: Ralf Gantzhorn

Seine Erstbesteigung vor mehr als 200 Jahren

gilt als Geburt des modernen Alpinismus: frei,

selbstbestimmt, unreguliert. Nun droht der Andrang

am Mont Blanc auch sein Sargnagel zu werden.

Von Thomas Ebert

20 Bergsteiger 08⁄14


Solche Einsamkeit

findet man am

Normalweg zum Mont

Blanc nur selten.


Am Ende wird man ihm die Schuld

geben. Albert Smith, Sohn eines

englischen Arztes, wollte den

Mont Blanc besteigen. Er war

schlecht in Form. Die Bergführer

von Chamonix verweigerten ihm die

Tour, doch Smith blieb hartnäckig. »Mut

wird mir das Training ersetzen«, schrieb

er in die Heimat. Er schloss sich drei britischen

Studenten an und erreichte, als 37.

Mensch überhaupt, den Gipfel. Es war der

13. August 1851. Unterwegs hatten sie an

den Grands Mulets kampiert.

Auf diese Weise hätte Smith heute keine

Chance auf den Gipfel. Nicht wegen des

Andrangs, der ungleich höher ist als vor

150 Jahren. Sondern wegen der zwei Gendarmen,

die ihn beim Aufschlagen seines

Zeltes freundlich, aber bestimmt ins Tal

komplimentiert hätten. Denn Zelten ist

per Gesetz im gesamten Massiv verboten.

Eigentlich seit 1951, doch bisher wurde

geduldet, dass hinter der Goûterhütte und

unter der Aiguille du Midi teils ganze Basislager

aus dem Schnee wuchsen. Bis zum

30. April 2013, als Jean-Marc Peillex, Bürgermeister

der Gemeinde St. Gervais eine

Maßnahme bejubelte, die manchem wie

das Ende des Alpinismus erscheint. »Bis

jetzt hat jeder an diesem Berg gemacht,

was er wollte. Zahlreiche Pseudo-Bergstei-

ger haben unter dem Deckmantel der Freiheit

alle Regeln der Bergwelt gebrochen. Es

ist an der Zeit, dem Mont Blanc seine Ruhe

und seine mythischen Werte zurückzugeben«,

sagte Peillex. Seither wachen zwei Beamte

des Peloton de Gendarmerie de Haute

Montagne (PGHM) über das Verbot am Normalweg.

Lediglich 50 Zelte im Bereich der

Tête-Rousse-Hütte sind gestattet.

Personenkontrollen also am höchsten Alpenberg,

von dessen Erstbesteigung mancher

Chronist behauptet, sie sei für das

Bürgertum Europas wichtiger gewesen als

die Französische Revolution. Sie gilt gemeinhin

als Symbol für die Geburt des modernen

Alpinismus, dem selbstbestimmten

und vor allem unregulierten Bergsteigen,

das am Mont Blanc nun Vergangenheit ist.

Steht es tatsächlich so schlimm um den

weißen Riesen?

Die alpine Bildungslücke

Bis zu 20 000 Menschen versuchen jährlich,

den Mont Blanc über seine schwächste

Stelle, die »Voie Royale«, zu besteigen.

Etwa die Hälfte schafft es zum Gipfel und

wieder hinunter, schließt damit ihre »alpine

Bildungslücke« (Giusto Gervasutti) und

erfüllt sich einen Lebenstraum. Andere

kehren entkräftet um, manche davon zu

spät, um zu überleben. Auch 2014 werden

»Bis jetzt hat hier

jeder gemacht,

was er wollte.

Es ist Zeit, dem

Mont Blanc seine

Ruhe und seine

mythischen Werte

zurückzugeben.«

die Schlafplätze der Goûterhütte wieder

bis auf den 120. belegt sein. Das Vallotbiwak

wird weiter als Aufenthaltsraum

missbraucht werden, und wer sich im Tiefblick

zur Aiguille du Bionnassay verliert,

läuft auch wieder Gefahr, in einen gefrorenen

Haufen Exkremente zu treten. Wie

jedes Jahr werden etwa zehn Menschen im

Steinhagel des Grand Couloir ums Leben

kommen. Nur die Zeltstadt der Sparfüchse

und Zu-Spät-Gekommenen, der Führerlosen

und der Pseudo-Bergsteiger wird dann

nicht mehr zu sehen sein, vielleicht auch

weniger Batterien und Kekspackungen als

in den Vorjahren. Wird man so dem Mont

Blanc seine »mythischen Werte« zurückgegeben

haben, wie Peillex es voraussagt?

Eher nicht, sagt Jeff Mercier.

Fotos: Picture Alliance (3), Thomas Ebert

INFO

Die Wege auf den

Mont Blanc

Die meisten Aspiranten wählen die »Voie

Royale« von St. Gervais über Tête-Rousseund

Goûterhütte. Dort ist der Andrang im

Sommer am größten. Wieder zunehmender

Beliebtheit erfreut sich, besonders bei

Skitourengehern, der stark vergletscherte,

alte Normalweg über die Grands Mulets und

den Dôme du Goûter. Auch die Überschreitung

von Mont Blanc du Tacul und Mont

Maudit zum Mont Blanc, ausgehend von der

Aiguille du Midi, ist stark frequentiert (und

häufi g lawinengefährdet). Einsamer, aber

auch ernster ist der italienische Normalweg

von der Gonellahütte, der im oberen Teil auf

die »Voie Royale« trifft. Meist allein ist man

an den Himmelsleitern von Tournettesporn,

Peutereygrat und Frêneypfeiler, die freilich

auch weit außerhalb des durchschnittlichen

Könnens von Hobbybergsteigern liegen.

2]

3]

22 Bergsteiger 08⁄14


1]

4]

1 ] Früher geduldet, heute

geahndet: Zeltplatz

im Jahr 2011 an der

Goûterhütte (3835 m)

2] Bergführer Gilles

Imbert im Vallotbiwak

(4362 m), das eigentlich

Notfällen dient.

3] »Eispickel und Steigeisen

notwendig«:

Hinweis vor der Tête-

Rousse-Hütte (3167 m)

4] Die 2011 eröffnete,

nicht unumstrittene

neue Goûterhütte

bietet 120 Schlafplätze.

08⁄14 Bergsteiger 23


1 ]

2] 1 ] Allein auf der Autobahn:

Gegen Ende der

Saison leert sich auch

der Normalweg.

3]

2] Ein Bergsteiger quert

das Grand Couloir,

den gefährlichsten

Teil am Normalweg.

3] Gut erschlossen, gut

besucht: Skifahrer am

Ausgang der Seilbahn

zur Aiguille du Midi.

24 Bergsteiger 08⁄14


Fotos: Thomas Ebert (3)

»Das Problem ist

komplexer als

der Kampf gegen

ein paar Ausländer,

die ihr Zelt

auf 4000 Metern

aufschlagen.«

Mercier ist Ausbilder beim PGHM, seine

Kollegen sind es, die im Umfeld der Hütten

patrouillieren. Von der Überwachung des

Zeltverbots hält er nicht viel. »Die Gemeinde

hätte die Abfälle dort oben mit Toiletten

und Mülleimern in den Griff kriegen können

– und einer bezahlten Arbeitskraft,

die das überwacht.« Nur das Zelten zu

verbieten, findet Mercier ineffektiv: »Das

Problem ist größer und komplexer als der

Kampf gegen ein paar Ausländer, die ihr

Zelt auf 4000 Metern aufschlagen«, sagt er.

Zeltverbot und Führergebot?

Tatsächlich klagen Bergführer und Gebietskenner

seit Jahren über die Zustände

am Dach der Alpen, insbesondere seinem

Normalweg. »Keiner führt den Weg wirklich

gerne«, sagt Hartmut Eberlein, der seit

fast 50 Jahren nach Chamonix kommt und

den Alpenvereinsführer zum Mont-Blanc-

Massiv verantwortet. Das liege aber nicht

nur am Müll: »Den Führern ist dort oben

einfach zu viel los.« Und dort oben, oberhalb

von 4000 Metern, ist der Spielraum

für Fehler gering. Im vergangenen Juni erst

musste ein kerngesunder Bergsteiger von

der Goûterhütte ausgeflogen werden –

jemand hatte seine Bergstiefel gestohlen.

Zu solchen allgemeinen Begleiterscheinungen

des Massentourismus kommt laut

Eberlein eine falsche Abenteuerlust. »Am

Mont Blanc trifft man nicht selten eine

›Wir-kriegen-das-schon-hin-Stimmung‹

an, die blind macht für den eigentlich nötigen

Verzicht«. Der Berg werde schlichtweg

unterschätzt. Kein Wunder, dass in der

Vergangenheit nicht nur Zeltverbote diskutiert

wurden, sondern auch die Option,

Hüttenreservierungen nur Bergführerkunden

zu ermöglichen.

Malte Roeper hält davon nichts. »Das Schöne

am Bergsteigen ist ja, dass man auf die

Schnauze fallen kann«, sagt der Schriftsteller,

dem in den 80er- und 90er-Jahren

50 schwere Touren im Mont-Blanc-Gebiet

gelangen, so viele wie keinem anderen

Deutschen. Seine Idee vom Bergsteigen beruht

vielmehr auf alpiner Deregulierung:

»Am besten wäre es wohl, man würde

bestimmte Hütten abbauen, angefangen

bei der Hörnli und der Goûter. Wer dann

aufs Matterhorn oder den Mont Blanc will,

muss sich eben mit dem Zelt vorwagen.«

Erst 2006 wurde über den Bau der neuen,

2011 fertiggestellten Goûterhütte entschieden.

»Viele prominente Bergsteiger

waren damals dafür, die alte Hütte abzureißen

und nicht neu aufzubauen. Das

hätte die Ströme enorm eingeschränkt.

Aber der Bürgermeister und die Bergführer

von St. Gervais waren natürlich dagegen,

denn die Goûterhütte ist ihr Brotgeber«,

sagt Hartmut Eberlein.

Vielleicht muss man in die Berge der Welt

blicken, um zu verstehen, in welchem Dilemma

der Mont Blanc steckt. Ob in den

Anden, am Kilimandscharo oder den Weiten

des Himalaya: Überall braucht es Permits,

Guides, Gebühren, Begleitoffiziere

und Schreibkram, um überhaupt einen

Fuß auf den Berg setzen zu dürfen. Dass

so ein banaler Vorgang wie die Überwachung

eines Zeltverbots in den Alpen für

Verbitterung sorgt, rührt von der langen

Tradition des freien Zugangs, des führerlosen

Bergsteigens in den Alpen. Umgekehrt

gehören aber auch das enge Hüttennetz

und das Führerwesen zum Erbe des

KOMPAKT

Wo anklopfen?

Unterkunft: Das Leben in Chamonix ist

verhältnismäßig teuer. In preislich absteigender

Reihenfolge empfehlen sich: Hôtel

de l’Arve im Zentrum, Hotel Pointe Isabelle

am Bahnhof, sowie Hotel la Chaumière,

zehn Minuten vom Zentrum. Außerhalb

der diversen Campingplätze wohnt man in

der Auberge de Jeunesse am Eingang

des Mont-Blanc-Tunnels am günstigsten.

Infos: Offi ce de Tourisme, 85 place du

Triangle de l‘Amitié, 74400 Chamonix-

Mont-Blanc, Tel. 00 33/(0)4 50 53 00 24,

info@chamonix.com, www.chamonix.com.

Bergtouren: Das als Institution

einzigartige Offi ce de Haute Montagne

(»Hochgebirgsbüro«) ist erste Anlaufstelle

für Hochtouristen. Es liegt im ersten

Stock des Maison de la Montagne, direkt

am Kirchplatz. Place de l‘Eglise 190,

74400 Chamonix Mont-Blanc, Tel. 00 33/

(0)4 50 53 22 08, www.chamoniarde.com,

ohm-info@chamoniarde.com

WIE

GEZWICKTE

MACHART

HANWAG aus dem oberbayrischen

Vierkirchen (benannt nach Firmengründer

HANs WAGner) stellt seit

1921 Berg- und Trekking-Schuhe von

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Bei Hanwag fertigen wir auch alle

Halbschuhmodelle konsequent in

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Die Vorteile des klebegezwickten

Schuhwerks sind eine dauerhafte

Formstabilität, Langlebigkeit sowie

die Möglichkeit einer problemlosen

Wiederbesohlung.

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1 ]

1 ] Der Monarch wirft

seine Schatten

voraus: Bergsteiger

im ersten Morgenlicht

am Bossesgrat.

2]

2] Wenig los war am

Mont Blanc auch früher

nicht: Darstellung

einer Besteigung

aus dem Jahr 1855.

26 Bergsteiger 08⁄14


Fotos: Thomas Ebert (o.), Picture Alliance (u.)

»Am besten wäre

es, man würde

bestimmte Hütten

abbauen. Wer

dann hinauf will,

muss eben das

Zelt nehmen.«

Alpinismus. Und Hütten abreißen in einer

Stadt, die 3000 Einwohner hat und 600

Bergführer, die für den Normalweg 920 Euro

einfordern: Auch das wäre ein Ende der

Freiheit, wie europäische Bergsteiger sie

gewohnt sind. Franz Grillparzer hätte gesagt:

»Es muss was geschehen, aber es darf

nix passieren.«

Geheimtipp der Israelis: Steigeisen

So sieht es auch Jeff Mercier: »Chamonix

muss den Rest verteidigen, der von ihrem

Image als »Hauptstadt des Alpinismus«

übrig ist.« Weil Verbote und Regeln nicht

zum Alpinismus passen, wie man ihn in

Chamonix versteht, versucht man mit

Aufklärung und Information, den Zuständen

am Berg Herr zu werden. Zur Saison

2014 hat das Office de Haute Montagne

eine Website in sechs Sprachen online gestellt,

auf der man vieles zum Normalweg

erfährt – vielleicht zu viel.

Auf www.climbing-mont-blanc.com steht

etwa im Umgang mit dem Grand Couloir

der Ratschlag: »Wenn der Schnee guten

Halt bietet, können Sie auf das Stahlseil

verzichten. Überqueren Sie das Couloir zügig,

aber nicht zu hastig.« Mit Ratschlägen

für das Hochgebirge verhält es sich aber

dergestalt, dass auch häufiges Nachlesen

keine Erfahrung ersetzt. Die Warnhinweise

befördern eher den Mythos Mont Blanc,

als abzuschrecken. So wirken die Tipps

teils wie die Bemühungen eines Zoowärters,

der zwar unermüdlich vor den Löwen

warnt, aber vergessen hat, das Gehege abzusperren.

»Die Besteigung des Mont Blanc

ist kein Wanderausflug, sondern hochgradiger

ALPINISMUS!«, heißt es auf der Website.

Genau mit diesen Worten kamen vor

wenigen Jahren zwei junge Israelis nach

ihrem Erfolg (»unser erster Berg!«) zurück

in die Jugendherberge, ehe sie allen Ernstes,

rotbackig und mit glühenden Augen,

Steigeisen als Geheimtipp empfahlen.

Der Mont Blanc ist längst ein touristisches

perpetuum mobile, ein Ort, dessen Mythos

seinen Andrang selbst generiert.

Am Ende wird man Albert Smith dafür die

Schuld geben. Die kleinere sei ihm verziehen:

Dass er sich und den drei Studenten

je vier Bergführer zur Seite stellte, die von

20 Trägern mit 96 Flaschen Wein und 46

Hühnern versorgt wurden, war zwar very

british, aber nicht unbedingt Alpinstil.

Die größere Schuld ist, dass er von 1852

an eine Vortragsreihe in London über seine

Taten hielt. In »Die Besteigung des Mont

Blanc« besang Smith die Gefahren des

Berges, zeigte übertriebene Gemälde, ließ

Bernhardiner mit Schokolade um den Hals

durch das tobende Publikum tapsen. Sechs

Jahre lang war die Show ausverkauft. Sie

bescherte Chamonix so viele Touristen,

dass man Smith auf seinen jährlichen Reisen

mit Salutschüssen empfing und schon

1855 die Goûterhütte errichtete, die seither

den Gipfeltag auf massentaugliche 900

Höhenmeter verkürzt.

Ein Historiker schrieb später, Smith habe

»die Reputation des Mont Blanc zwar nicht

zerstört, aber ihm war das Zweitbeste gelungen:

nämlich sie zu untermauern.« ◀

Urform der heutigen Multivisionsshow:

Albert Smith lockt Briten auf den Mont Blanc.

BUCHTIPPS

Lesestoff für

den Mont Blanc

Der Führer: Hartmut Eberlein

»Alpenvereinsführer Mont-Blanc-Gruppe«,

10. Aufl age 2005, Bergverlag Rother

Der Roman: Malte Roeper »Westwand«

Panico Verlag, 250 Seiten

Der Bildband: Stefano Ardito »Abenteuer

Mont Blanc. Die Geschichte einer

Eroberung«, Bruckmann Verlag, 324 Seiten,

ca. 386 Abbildungen

Die Chronik: Fergus Fleming »Nach oben«

Unionsverlag, 480 Seiten

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BELORADO

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Der Trail-Halbschuh Belorado Low

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AUF TOUR

Hochgenüsse im Tannheimer Tal

Spitzen und

Hauben

Im Nordwesten Tirols liegt auf 1100 Metern ein Hochtal der Superlative

für Outdoor-Fans und Genießer. Denn neben mehr als

300 Kilometern Wanderwegen hat das Tannheimer Tal auf engstem

Raum gleich vier Hauben-Restaurants zu bieten. Eine kulinarische

Gipfeltour von Nina Hölmer

28 Bergsteiger 08⁄14


Fotos: Bernd Römmelt, Tannheimer Tal Tourismus

In den Waden stecken 1200 Höhenmeter.

In der Erinnerung die Bilder des

vergangenen Bergtags: klingende Kuhschellen

auf den Almen, Murmeltiere,

die neugierig aus ihren Bauten linsen,

ein Gipfelgrat mit schwindelerregenden

Tief- und Ausblicken, karibikblaue Seen.

Im Weinglas die Schlieren des schweren

»St. Laurent« aus Niederösterreich. Und

auf dem Teller? Saftig gebratenes Lamm,

dazu Saubohnen, Tomaten und Petersilienwurz.

Es ist eine etwas andere Brotzeit,

die nach dieser Tour im Restaurant »Tannheimer

Stuben« kredenzt wird …

Das besondere Tal

Überhaupt ist vieles etwas anders im Tannheimer

Tal. Zunächst mal verläuft es nicht

von Nord nach Süd, sondern von Ost nach

West, was es zu einem der wenigen Längstäler

im Nordalpenraum macht. Dann ist

es nur von Bayern aus zu erreichen, gehört

aber zu Österreich. Dank dieser Sondersituation

gibt es dort Gemeinden wie

Jungholz, das deutsches Zollanschlussgebiet

ist. Dies hat zur Folge, dass hier zwei

Postleitzahlen existieren (der Vorschlag

der österreichischen Post, die deutsche

Postleitzahl abzuschaffen, wurde von der

Bevölkerung lautstark abgelehnt) und die

höchste Bankendichte Österreichs. Letzteres

könnte sich allerdings bald ändern,

nachdem Ausländer keine Anonymität

mehr genießen. Dann wird wohl der ein

oder andere Euro der vier Milliarden, die

auf den Jungholzer Konten schlummern,

Schön übersichtlich: die delikaten Kreationen

der Haubenköche im Tannheimer Tal

abgezogen werden. Was sicher bleibt,

sind die prächtigen Berge. Aber auch die

unterscheiden sich vom Rest der Allgäuer

Alpen: Während »drüben«, also auf der

anderen Seite vom Oberjochpass, der bisweilen

überraschend brüchige Hauptdolomit

vorherrscht, bestehen die Felsen

08⁄14 Bergsteiger 29


»Unsere Lieblingstour beginnt direkt am Hotel und führt hinauf zur Grappenfeldalpe

– dort gibt’s die beste Brotzeit! – zum Lachensee und zur Steinkarspitze.

Vom Gipfel geht’s zum Kastenjoch und über den Jubiläumsweg

zum Schrecksee. Nach fünf bis sechs Stunden Wandern tut das etwa 15

Grad kalte Wasser gut. Über die Hintere Schafwanne geht’s zurück ins Tal.«

Wolfgang und Monika Radi, Hotel Hohenfels

KOMPAKT

Ins Tal der

Haubenköche

Anreise: Mit der Regionalbahn von

München über Garmisch-Partenkirchen bis

Reutte, weiter mit Bus 4262 ins Tannheimer

Tal. Mit dem Auto von München auf der A96

bis Buchloe und weiter auf der B12 bis zur

Autobahn-Umfahrung Kempten (A7), auf

B309 und später B310 am Grüntensee

vorbei bis ins Tannheimer Tal.

Information: Tourismusverband Tannheimer

Tal, Vilsalpseestraße 1, A-6675

Tannheim, Tel. 00 43/(0) 56 75/6 22 00

Karte: Kompass 1:35 000, Blatt 04 »Tannheimer

Tal«; AV-Karte 1:25 000, Blatt BY5

»Tannheimer Berge – Köllenspitze, Gaishorn«

Literatur: Markus und Janina Meier

»Bruckmanns Wanderführer Tannheimer Tal

mit Lechtal«, die 40 schönsten Wanderungen

mit Wanderkarte, Höhenprofi l und

kostenlosen GPS Download, Bruckmann

Verlag, 2013; Herbert Mayr »Tannheimer

Tal«, Wanderführer mit Tourenkarten und

Höhenprofi len, Kompass Verlag, 2013

von Gimpel, Rote Flüh und Gehrenspitze

aus knallhartem Wettersteinkalk – zum

Glück für die Kletterer. Zuguterletzt liegen

in diesem Tal vier Restaurants auf engstem

Raum beieinander, deren Küchenchefs die

begehrten Gault-Millau-Hauben tragen.

Eine Ungarin kocht Tiroler Spezialitäten

Einer davon ist Markus Pichler, der in der

»Tannheimer Stuben« im Hotel Hohenfels

kocht. Als Zwischengang wird gerade ein

unverschämt fruchtiges Sorbet serviert. Es

fühlt sich ungewohnt an, nach der Bergtour

nicht zu Spaghetti oder Kässpatzen

auf der Hütte Platz zu nehmen, sondern

die Bergstiefel gegen Pumps zu tauschen

und in einem Gourmet-Restaurant zu dinieren.

Ob man von den Portionen, die so

übersichtlich auf riesigen Tellern drapiert

sind, überhaupt satt wird? Die Sorge erübrigt

sich schon deutlich vor dem Dessert,

einer Komposition aus Marillen, Buchweizen,

Honig und Buttermilch. Aber weil es

einfach köstlich schmeckt, finden auch

noch die Pralinen, die zum Espresso gereicht

werden, Platz im Magen.

Tag zwei im »schönsten Hochtal Europas«,

wie der bayerische Schriftsteller Ludwig

Steub behauptete, startet mit einer Tour

von Zöblen auf das 2249 Meter hohe Gaishorn.

Damit eine schöne Runde daraus

wird, schließen sich dem Gipfel noch die

Aufstiege auf Kugel- und Rauhhorn an.

Auch wenn es im Tannheimer Tal meist

deutlich ruhiger zugeht als im benachbarten

Allgäu: Dass der Ausblick am futuristischen

Gipfelkreuz mit blauer Kristallkugel

überwältigend ist, scheint sich herumgesprochen

zu haben.

Nach dem Abstieg gibt’s in der urigen

Stube von Timi und Ralf Morent Köstliches

nach Slow Food-Prinzip und direkt

darüber zwei gemütliche Zimmer für die

Nacht. Timis Reich ist die winzige Küche.

Die gebürtige Ungarin kocht in gusseisernen

Pfannen auf dem Holzherd, schnippelt

Kräuter aus dem eigenen Garten und

bereitet das feine Wild, das ihr Mann Ralf

»Im Sommer fühle ich mich am wohlsten

beim Stand-up-Paddeln direkt

bei uns auf dem Haldensee. Herrlich!«

Gert Zimmermann, Hotel Engel

30 Bergsteiger 08⁄14


Wanderer genießen

die vielfältige Flora,

Kletterer finden an

den Kalkstein-Wänden

des Tannheimer

Tals alles, was

das Herz begehrt.

Fotos: Tannheimer Tal Tourismus (2), Hotel … liebes Rot Flüh, Gasthaus Morent

»Ich mag die Tour zur Stuiben Sennalpe. Von

Schattwald aus führt der Schotterweg durch das

Stuibenbachtal. Manchmal laufen wir von hier noch

weiter zum Bschießer, über dessen Gipfel die Grenze

zwischen Österreich und Deutschland verläuft.

Aber oft bleiben meine Frau, die Kinder und ich auch

einfach auf der Sennalpe hocken und genießen

eine kleine Jause.« Ralf Morent, Gasthaus Morent

Im Rot Flüh-Stüberl kommen Gerichte von Holger Eßer auf den edel gedeckten Tisch.

geschossen hat. »Die Qualität, die Herkunft,

die Tradition und letztlich die Menschen,

die diese reformierte Tiroler Küche

leben, sind wichtige Faktoren unserer

Gastronomie«, sagt Timi, während sie das

selbstgemachte Weinberg-Pfirsich-Eis fürs

Dessert bereit stellt.

Kletterrouten für Einsteiger

Eine gemütliche, kurze Tour führt von

Grän zur Bad Kissinger Hütte und weiter

bis zum Aggenstein. Der Gipfel, der knapp

unter der 2000-Meter-Marke bleibt, ist besonders

bei Kletterern beliebt. Seine Südwände

sind schon früh im Jahr schneefrei

und trocknen zügig. Besonders Einsteiger

finden hier zahlreiche Möglichkeiten, um

sich in Routen zwischen dem II. und VI.

Schwierigkeitsgrad auszutoben. Überhaupt

ist das Tannheimer Tal mit seinen

Kalkspitzen ringsum ein Traum für Freunde

der vertikalen Fortbewegung. Wanderer

haben bis zum Gipfelauf bau des Aggensteins

kaum Steigungen zu überwinden

– ein hübsches Ziel nach zu viel gutem

Wein am Vorabend.

Zum Dinner im »Pure Gourmet Restaurant«

im Hotel Engel kommt bei Bergseesaibling

mit Hanf und Spargel die Frage

auf, warum sich in diesem kleinen Tal so

viele feine Gourmet-Restaurants tum-

08⁄14 Bergsteiger 31


TOUREN

Fünf Touren in den Tannheimer Bergen

Im Tannheimer Tal kann man schlemmen und die Kalorien

auf Wanderungen und Gipfeltouren schnell wieder abtrainieren.

1 Rauhorn (2241 m)

▶ schwierig 5½ Std.

1080 Hm 16 km

Charakter: Knackige Bergwanderung, die

kurz vor dem Gipfel mit einem kleinen

Kamin und einer steilen Felsstufe (drahtseilgesichert,

II+) aufwartet

Ausgangspunkt: Parkplatz Vilsalpsee

(1165 m), Fahrverbot zum See 10–17 Uhr,

Ausfahrt jederzeit erlaubt

Route: Vilsalpsee – Vilsalpe – Vordere

Schafwanne – Jubiläumsweg – Rauhorn –

Abstieg wie Aufstieg

2 Drei-Seen-Panoramatour

▶ mittel 6 Std.

1400 Hm 16 km

Charakter: Rundtour mit prächtigen

Ausblicken auf Haldensee, Traualpsee und

Vilsalpsee; lässt sich durch Nutzung der

Bergbahn auf 660 Hm verkürzen

Ausgangspunkt: Talstation Neunerköpfl e-

bahn (1100 m) in Tannheim

Route: Talstation – Usseralpe – Neunerköpfl

e (größtes Gipfelbuch der Alpen)

– Strindenscharte (Saalfelder Höhenweg)

– Gappenfeldscharte – Schochenspitze

(2069 m) – Landsberger Hütte (1805 m)

– Gappenfeldbach – Tannheim

3 Schartschrofen (1968 m)

▶ mittel 5 Std.

710 Hm 8,5 km

Charakter: Bergwanderung mit kurzem Via

Ferrata-Kontakt und herrlichen Tiefblicken

zum Haldensee, auf Rote Flüh und Gimpel;

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich,

Klettersteigset empfehlenswert

Ausgangspunkt: Kapelle in Haller (1135 m)

Route: Haller – Berggasthaus Adlerhorst –

Gessewangalpe – Hallergernjoch – Friedberger

Klettersteig (drahtseilgesichert, K2,

könnte bis zur Roten Flüh weiter begangen

werden) – Schartschrofen – in einer Rundtour

zurück zum Hallergernjoch und ins Tal

4 Lachenspitze-Nordwand

▶ mittel (C/D) 6 Std.

1120 Hm 9 km

Charakter: Gut gesicherter Steig über 270

Hm mit Schlüsselstellen im C/D-Bereich;

landschaftlich sehr schön, tolle Ausblicke

Ausgangspunkt: Parkplatz Vilsalpsee

(1165 m) Fahrverbot zum See 10–17 Uhr,

Ausfahrt jederzeit erlaubt

Route: Vilsalpsee – Landsberger Hütte

(1805 m) – Lache – Richtung Nordwand

– roter Markierung zum Einstieg rechts

folgen – Abstieg südwestseitig, dann westseitig

– Landsberger Hütte – Vilsalpsee

5 Schneetalalm (1650 m)

▶ leicht 3 Std.

630 Hm 9,5 km

Charakter: Sehr einfacher Wanderweg zu

schöner Alm mit toller Aussicht, auf Holzofenherd

zubereiteten Köstlichkeiten und

legendären musikalischen Hüttenabenden;

von der Hütte verschiedene weitere Ziele

erreichbar (Schneidspitze 1 Std., Gehrenspitze

2 Std.)

Ausgangspunkt: Nesselwängle (1136 m),

Parkplatz östlich des Dorfes

Route: Nesselwängle – Wanderweg

416/418 (2011 komplett saniert, deshalb

mit dem MTB nicht mehr erreichbar;

bei Missachtung Anzeige) – Schneetalalm

– Gimpelhaus (1659 m) – Nesselwängle

Schroffe Felsen, sanftes Grün: Wandern

vor der Kulisse von Roter Flüh und Gimpel

meln. Liegt es an der guten Luft hier oben?

Hoteldirektor Gert Zimmermann antwortet:

»Zum einen stimmt die Qualität, wir

kennen die meisten unserer Produzenten

persönlich. Da können wir uns auf ein

dauerhaft hohes Niveau verlassen. Und

natürlich spielt auch die Umgebung, aus

der die Produkte kommen und in der wir

sie servieren, eine Rolle.«

Als Krönung steht am letzten Tourentag

die Rote Flüh auf dem Programm; zuerst

in Form einer Wanderung. Von Nesselwängle,

dem östlichsten Ort des Tales,

geht es zum Gimpelhaus und über die

Judenscharte zum Gipfel der Roten Flüh.

Von hier liegt es dem Betrachter noch ein

Mal zu Füßen, dieses herrliche Hochtal mit

dem türkisfarbenen Haldensee. Sich von

diesem Anblick loszureißen, fällt schwer.

Doch 1000 Meter tiefer lockt das »Rot Flüh-

Stüberl«, das Gourmet-Restaurant des Hotels

»… liebes Rot Flüh« und mit ihm und

den Kreationen von Küchenchef Holger

Eßer ein letzter Ausflug auf den Genuss-

Gipfel.

Das Experiment ist geglückt! Auf den Hütten

bleiben wir zwar Fans von Kässpatzen

und Schnitzel, aber einen kulinarisch-alpinistischen

Ausflug ins Tannheimer Tal,

den werden wir uns nun öfter gönnen. ◀

Fotos: Tannheimer Tal Tourismus, Hotel ... liebes Rot Flüh

»Das Gute liegt bei uns

ganz nah: Auf der Anhöhe

hinter dem Hotel blicke

ich auf den gleichnamigen

Berg und den ihm zu Füßen

liegenden Haldensee. Die absolute

Ruhe ist einmalig.«

Sonja Huber, … liebes Rot Flüh

32 Bergsteiger 08⁄14


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AUF TOUR

Klettersteige rund um den Kriegsschauplatz Sexten

Alte Steige und Stollen durch

das UNESCO-Weltnaturerbe

der Dolomiten dienen heute als

beliebte Wege der Ferratisten.

An gleicher Stelle erlebten

einst verfeindete Truppen das

Grauen des Ersten Weltkriegs.

Von Norbert Eisele-Hein

(Text und Fotos)

Zwischen Himmel

34 Bergsteiger 08⁄14


und Hölle

Der Leitersteig am

Toblinger Knoten ist

ein recht luftiges Unterfangen

– mit einem

grandiosen Ausblick.


Lichtblitze: die Bödenseen im Sonnenaufgang

Blitzlichter: Gewitterstimmung über den Drei Zinnen

Vor 100 Jahren – am 28. Juli 1914 – erklärte

Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Mehr

als zehn Millionen Menschen fielen dem Zusammenstoß

der Großmächte zum Opfer.

Im Geheimvertrag von London wurde Italien

von der Entente (Russland, Vereinigtes

Königreich, Frankreich) am 26. April 1915

das Trentino und Südtirol zugesichert. Italien

trat trotz der Mitgliedschaft im Dreibund

am 23. Mai 1915 gegen den Nachbarn Österreich

in den Krieg ein. Die neue Front verlief

600 Kilometer durch das Hochgebirge. In der

Folge wütete der Dolomitenkrieg vom Nordufer

des Gardasees bis hinauf ins Eis des Ortlers,

von der Grenze zur Schweiz bis hinüber

ins österreichisch-slowenische Grenzgebiet.

Das Südtiroler Bergsteigerdorf Sexten stand

somit über Nacht an der Front. Rings um die

Drei Zinnen entbrannte ein erbitterter Stellungskrieg.

Stacheldraht, Geschützstellungen

und durchbohrte Felsen zeugen noch immer

davon. Leitersteige und Stollen auf Gipfel wie

Rotwand, Paternkofel und Toblinger Knoten

sollten den verfeindeten Truppen von Österreich-Ungarn

und Italien strategische Vorteile

bringen. Heute werden diese »Klettersteige«

von Bergsteigern genutzt.

Schon zu Lebzeiten eine

Legende: Sepp Innerkofler

Und dann haben sie ihn doch

noch an der Ehre gepackt. Allen

voran Hauptmann von Wellean,

unerfahren im Gebirgskrieg

und ohne profunde Kenntnis

des Geländes. »Er getraue sich wohl nicht,

die Paternkofelaktion zu leiten«, fragte

dieser vor versammelter Mannschaft. Um

vor seinen Kameraden nicht als Feigling

dazustehen, willigte Sepp Innerkofler entgegen

seiner eigenen Überzeugung ein.

Sepp Innerkofler war schon zu Lebzeiten eine

Bergführerlegende. Bereits 1890 kletterte

er durch die Nordwand der Kleinen Zinne

zu alpinistischem Ruhm. Sein Ruf als Soldat

war ähnlich hervorragend. Die von ihm befehligte

»Fliegende Patrouille« tauchte wiederholt

in verschiedensten Frontabschnitten

der Hochpustertaler Dolomiten auf. Die

handverlesenen Bergsteiger absolvierten

ein unglaubliches Pensum an Höhenmetern.

Indem sie von Gipfel zu Gipfel eilten,

gaukelten sie dem Feind eine wesentlich

größere Truppenstärke vor. Gerade der Paternkofel

war von immenser strategischer

Bedeutung für die Kriegsparteien. Wer ihn

kontrollierte, beherrschte zugleich die Bödenknoten

und den Paternsattel, hatte Einblick

bis hinter ins Büllelejoch.

Der Hüttenwirt als Historiker

»Sepp Innerkofler wusste ganz genau,

dass die Rückeroberung des Paternkofels

im Juli 1915 einem Himmelfahrtskommando

gleichkam. Mit den Worten ›Es

genügt, wenn die Mutter um einen von

uns trauern muss‹, verbot er seinem Sohn

mitzumachen«, erzählt Hugo Reider, der

Hüttenwirt der Drei-Zinnen-Hütte. Er ist

ein profunder Kenner des Gebirgskrieges

um Sexten und hat zusammen mit Peter

Kübler das Buch »Kampf um die Drei Zinnen«

verfasst. Hugo, der schon als Baby

von seinem Vater in der Kraxe mit auf den

Paternkofel getragen wurde und seither

die Vorgänge dokumentiert, erklärt weiter:

»Bis heute ist unklar, ob Innerkofler

von den Alpini oder vom eigenen Maschinengewehr,

das den Gipfelauf bau vom

gegenüberliegenden Sextner Stein unter

Beschuss nahm, getötet wurde.«

Heute zählt eine Tour auf den Paternkofel

zu den Klettersteig-Klassikern der

Dolomiten. Gestartet wird von der Drei-

Zinnen-Hütte, wo eine Granate auf dem

Treppengeländer, eine ganze Reihe historischer

Schwarz-Weiß-Fotografien aus

Hugos Fundus und ein Gedenkstein mit

36 Bergsteiger 08⁄14


INFO

Orte gegen das Vergessen

Wer sich in den Dolomiten eingehend mit dem

Ersten Weltkrieg beschäftigen möchte, dem sei

das Weltkriegsmuseums auf dem 2325 Meter

hohen Monte Piana (www.montepiana.com),

der Soldatenfriedhof »Nasswand« bei Toblach

und die Ausstellung »Unvergessen – der 1.

Weltkrieg in den Sextener Dolomiten« in Sexten

empfohlen. Zudem bietet der Verein Bellum

Aquilarum (www.bellumaquilarum.it) mittwochs,

9.30 Uhr, eine Führung durch das Freiluftmuseum

Anderter Alpe an, und donnerstags,

9.00 Uhr, zur Stollenanlage auf der Elferscharte

(Alpinisteig). Treffpunkt ist jeweils an der Bergstation

der Seilbahn Rotwand.

Panoramabrücke: die Gamsscharte am Paternkofel

Bizepstest: der Leitersteig am Toblinger Knoten

Der Steig führt in

einen Stollen, den

die Italiener einst

gruben. Darin ist

es dunkel, niedrig

und muffig; der

Helm schrammt an

Felsvorsprünge.

einer Bronzeplakette immer noch an Sepp

Innerkofler erinnern.

Der Steig führt schon bald in einen Stollen,

den die Italiener einst gruben und erst im

Oktober 1917 fertigstellen konnten. Darin

ist es dunkel, niedrig und muffig. Der Helm

schrammt nicht selten an Felsvorsprünge.

Dafür bieten die Seitenstollen häufig spektakuläre

Ausblicke auf die Drei Zinnen.

Was für ein Wahnsinn, die Dolomiten zu

durchbohren wie Würmer einen Apfel! Es

ist schwer auszudenken, was die Soldaten

in diesen Stollen physisch und psychisch

erleiden mussten. Die Ausrüstung war aus

heutiger Sicht miserabel – Gore-Rex und

flauschige Kunstfaserschlafsäcke gab es damals

noch nicht – und kaum streckten sie

die Nase raus, wurden sie vom Feind aufs

Korn genommen.

Nach knapp 20 Minuten melden sich die

Wirbelkörper dank einer schönen Streckung

wieder lautstark an Ort und Stelle.

Der erste Blick mit offenen Augen in die

Freiheit ist eine einzige Lichtexplosion.

Der zweite Blick eine paradiesische Offenbarung.

Schimmern die Bödenseen doch

wie alpine Smaragde. Einzig der Stacheldrahtverhau

auf einer nahen Schrofe

08⁄14 Bergsteiger 37


Wo heute Bergsteiger am Gipfel

jubeln, standen die Kriegsparteien

früher nur 300 Meter auseinander.

Am Gipfel des Toblinger Knoten und der Weg zur Anderter Alpe

Die Drei Zinnen sind der Blickfang der Sextener Dolomiten.

erinnert an den Irrsinn des Krieges. Luftige

Drahtseile und Stahlklammern führen

kühn, aber ohne größere Schwierigkeiten

bergan. Die schmale Gamsscharte öffnet

die Südseite und den Abzweig zur Büllelejochhütte.

Der restliche Aufstieg über breite

Bänder und Schrofen zum Gipfel, wo

Sepp Innerkofler sein Leben ließ, gestaltet

sich einfach. Endlich oben, baut sich rundherum

die komplette Riege prominenter

KOMPAKT

Zwischen Hütten und Chalets

Anreise: Mit der Bahn über

den Brenner zum Bahnhof

Franzensfeste. Dort lokale

Bahnlinie Richtung Innichen.

Sexten und das Pragsertal

sind mittels der örtlichen

Busverbindungen von Innichen

und Niederdorf aus problemlos

erreichbar.

Info: Tourismusverband

Hochpustertal, Dolomitenstraße

29, I-39034 Toblach,

Tel. 00 39/04 74/91 31 56,

www.hochpustertal.info;

gratis Kartenmaterial mit Toureninfos

zu allen Klettersteigen.

Unterkünfte im Tal:

Dolomitenhof, am Talschluss

des Fischleinbodens gelegen,

ab 90 € pro Person und

Nacht mit HP, hier nächtigt

auch Kanzlerin Angela Merkel,

www.dolomitenhof.com,

Tel. 00 39/04 74/71 30 00;

Dolce Vita Family Chalet Post

Alpina, einzelne Chalets, mit

eigenem Whirlpool, ab 108 €

pro 2-Personen-Chalet (exkl.

Reinigung), Tel. 00 39/04 74/

91 31 33, www.posthotel.it

Hütten: Dreizinnenhütte

(2438 m), Hugo Reider, Ende

Juni bis Ende September,

Tel. 00 39/04 74/97 20 02,

www.dreizinnenhuette.com,

40 Betten, 100 Lager;

Büllelejochhütte (2528 m),

Fam. Rogger, klein und urig,

Hochpustertaler Dolomitengipfel auf –

allen voran natürlich die Drei Zinnen.

Auch der Feldkurat-Hosp-/Leitersteig auf

den 2617 Meter hohen Toblinger Knoten

startet an der Drei-Zinnen-Hütte, konditionsstarke

Bergsteiger schaffen beide Touren

an einem Tag. Und auch dieser Gipfel

galt als eine Schlüsselposition der österreichischen

Verteidigung. Der hochdekorierte

Feldkurat Hosp ließ im Frühjahr 1916 die

auf dem Übergang vom

Zwölferkofel zu den Drei Zinnen,

Mitte Juni bis Mitte Oktober,

Tel. Sommer: 00 39/

03 37/ 45 15 17, Tel. Winter:

00 39/ 04 74/71 02 58,

www.rogger.info;

Zsigmondy-Hütte (2224m),

Klaus Happacher, Mitte

Juni bis Ende September,

40 Betten, 40 Lager,

Tel. 00 39/04 74/71 03 58,

www.zsigmondyhuette.com

Literatur: Peter Kübler, Hugo

Reider »Kampf um die Drei

Zinnen«, Verlag Reider Touristik

Karten: Kompass-Wanderkarte

1:25 000, Blatt 625

»Sextener Dolomiten«

Nordkamine des Felsmonolithen mit Hilfe

von Dutzenden Lärchenholzleitern und einem

durchgehenden Drahtseil versichern.

Nach 60 Jahren Verfall benötigte ein Bautrupp

der Dolomitenfreunde e.V. unter der

Leitung von Peter Kübler im Jahre 1978

volle sieben Arbeitstage, um die 17 Eisenleitern

und ein neues Sicherungsseil am

Berg zu installieren. Der Bizeps strapazierende

und Handschuhe erfordernde neue

Leitersteig ist ein luftiges Unternehmen

mit einem 360-Grad-Gipfelpanorama. Gipfelsieger

strecken heute gerne die Hände in

die Höhe. Die Soldaten von einst duckten

sich gleich hinter die Schutzwälle aus Stein

oder verschwanden in den Kavernen. Hier

standen die Kriegsparteien nur 300 Meter

Luftlinie auseinander.

Perforierter Gipfelbereich

Auch an der Rotwand südlich von Sexten

verfolgt einen der Erste Weltkrieg auf

Schritt und Tritt. Die Route führt entlang

zahlreicher Überreste großer Stützpunkte.

Alte Telefonmasten ragen als stumm mahnende

Zeitzeugen in den Himmel. Der

Gipfelbereich auf knapp 3000 Metern, seinerzeit

auch »Polar« oder »Vinatzerturm«

genannt, wurde für ein komplexes System

aus Kavernen regelrecht perforiert.

Noch näher rückt das Grauen der »Grande

Guerra« im Freilichtmuseum des Vereins

»Bellum Aquilarum« (Krieg der Adler) auf

38 Bergsteiger 08⁄14


TOUREN

Auf den Spuren des Gebirgskrieges

Drei technisch nicht allzu fordernde Klettersteige in den Sextener

Dolomiten sind aus historischer Sicht besonders eindrucksvoll.

der Anderter Alpe. Von der Rotwandwiesenhütte

führt der vorbildlich beschilderte

Steig zu teils restaurierten Schützengräben,

Baracken und exponierten Maschinengewehrstellungen

unterhalb der Sentinellascharte.

Bildtafeln mit historischen

Aufnahmen zeigen, welche logistische

Leistung dieses Unterfangen bedeutete,

indem beispielsweise schwere Gebirgskanonen

mit Flaschenzügen über verschneite

Hänge transportiert wurden.

»Sie belegen aber auch schmerzhaft realistisch,

was der Mensch erdulden musste«,

erklärt Sigrid Wisthaler, promovierte

Historikerin in Sexten. Immer mittwochs

leitet sie eine Führung über die Anderter

Alpe. Sie reichert die ohnehin deprimierenden

Fakten mit den Tagebucheinträgen

ihres Urgroßvaters an – welches zum Thema

ihrer Dissertation wurde. »Nachdem ich

das gelesen hatte, war mir klar, warum am

Ende mehr Soldaten durch Kälte, Hunger,

Lawinen oder Abstürze starben, als durch

Kugeln oder Granten«, sagt sie.

Wer die historische Wanderung mit einer

Rotwand-Besteigung oder auch dem

Alpini-Steig zur Sentinellascharte kombiniert

und sich dabei entlang weiterer

Kriegsschauplätze bewegt, hat eine neue

Perspektive: Er blickt ganz anders auf die

Abgründe der Geschichte – und kann die

landschaftliche Schönheit noch viel mehr

schätzen.


1 Überschreitung des

Paternkofels (2744 m)

▶ leicht 3 Std.

450 Hm 450 Hm

Charakter: Konditionell und technisch

leichter Steig (A) mit überwältigender

Optik. Auch für Familien mit kleineren,

geübten Kindern machbar, Abenteuerfaktor:

Stollen des Ersten Weltkrieg.

Ausgangspunkt: Drei-Zinnen-Hütte

(2405 m)

Route: Von der Hütte Richtung »Frankfurter

Würstel« und bald danach durch einen

Kriegsstollen hoch, später luftig, aber gut

versichert, mit Blick auf die Bödenseen

hoch zur Gamsscharte, rechts hoch auf

Schrofen und Bändern zum Gipfel. Abstieg

bis zur Gamsscharte auf selbem Weg, dann

aber südlich über Schrofen (Achtung zum

Teil loses Geröll) hinunter zum Paternsattel

und auf Wanderweg zurück

zur Drei-Zinnen-Hütte

oder zur Auronzohütte.

Tourenkarte 7

Heftmitte

2 Sextener Rotwand (2965 m)

▶ mittel 5½ Std.

1025 Hm 1025 Hm

Charakteristik: Nur gelegentlich exponierter

Steig (B), der auch tolle Ausblicke auf

den Karnischen Hauptkamm offenbart.

Ausgangspunkt: Bergstation Rotwand-

Gondelbahn (1920 m)

Route: Von der Bergstation auf Steig 100

an den Rotwandköpfen entlang in einen

Schuttkessel. Über eine 40 Meter hohe

Leiter, schmalen Kamin und später leichteres

Gelände zu einer breiten Scharte, über

Band zum sog. Prater mit alten Kriegsstellungen,

über Holzleiter auf Felskamm

und zu einem mit Drahtseilen versicherten

Felsriegel, Gehgelände bis zum Gipfel, der

über wenige Meter Ier- oder IIer-Kletterei

erreicht wird. Auf gleichem Weg zurück bis

zum Höhenweg Kreuzbergpass-Rotwandwiese

und

zur Rotwandbahn.

3 Auf dem Alpini-Steig zur

Sentinellascharte (2717 m)

Tourenkarte 9

Heftmitte

▶ mittel 8 Std.

750 Hm 1520 Hm

Charakteristik: Der große, lange und

wilde Klassiker offenbart spektakuläre

Eindrücke und Ausblicke entlang

der Elfer-Nordwand, dem Inneren und

Äußeren Loch.

Technisch an sich bis auf wenige Stellen

nicht zu schwierig (C), erfordert dieser

einzigartige Kriegssteig aber Erfahrung und

eine sehr gute Kondition.

Ausgangspunkt: Zsigmondyhütte (2224 m)

Endpunkt: Fischleinbodenhütte (1450 m)

Route: Auf Weg 103 quer über riesigen

Geröllhang, später auf Weg 101 über den

Karstriegel der Hohen Leist zum Inneren

Loch und den ersten Seilversicherungen.

Über das Salvezzaband zum Äußeren

Loch und zur Elferscharte, in einer steinschlaggefährdeten

Rinne zur Schlüsselstelle

und hoch zur Sentinellascharte.

Über Geröllhang auf Weg 124 hinunter zur

Fischleinbodenhütte.

08⁄14 Bergsteiger 39


AUF TOUR

Almwanderungen im Großarltal

Schönste Sackgasse

der Welt

Im Großarltal sind die Almen für die Talbewohner das,

was für Großstädter die Stammkneipen sind. Käse,

Speck und andere österreichische Spezialitäten werden

hier auf altbewährte Weise hergestellt, was überzeugt,

selbst die Lebensmittel-Kontrolleure der EU.

Von Uli Ertle

Blumenoase

am Eingang zum

Großarltal:

die Maurachalm

40 Bergsteiger 08⁄14


hat drei Ohren, zwei

Schädel, sechs Beine und

geht spazieren?« – »Eh

»Was

klar: der Steinpatz mit

seinem Hund.« Johlendes Gelächter, die

Runde hebt die Gläser und trinkt auf das

Wohl ihres ehemaligen Volksschullehrers,

den Steinpatz Karl, der im Zweiten Weltkrieg

das rechte Ohr verlor und der so gern

mit seinem Hund durch die Berge lief. Erinnerungen

werden beschworen an eine

Zeit, als die Mittsechziger noch junge Burschen

waren und so manchen Unfug ausheckten.

»Oft ham wir eh keine g’fangen.

Aber wenn, dann ham wir’s verdient gehabt.«

Und so wird an dem schweren Holztisch

vor der Hütte geschimpft, politisiert

und gelacht.

Die 40 bewirtschafteten Almen an den

Hängen des Großarltals sind für die Einheimischen

das, was für Stadtmenschen

ihr Stammlokal ist: Man geht hin und trifft

seine Freunde. Herrlich gelegen und bis zu

400 Jahre alt prägen sie das Landschaftsbild

der »schönsten Sackgasse der Welt«,

wie Tourismusdirektor Tom Wirnsperger

seine Region nennt: das Großarltal, das Tal

der Almen. Annähernd jeder Bauer im Tal

hat seine Alm, auf der früher das Jungvieh

den Sommer verbrachte und auf der heute

die Gäste den Zuschuss in die Kassen spülen,

den die Landwirte im Salzburger Land

zum Überleben brauchen.

Feuer auf der Loosbühelalm

Dieses engmaschige Netz an Almen offeriert

für Wanderer eine Vielzahl an Touren,

die sich mit Besuchen auf bewirtschafteten

Hütten verbinden lassen. Auf den meisten

Almen kann man übernachten, sodass sich

auch mehrtägige Touren ohne Abstieg ins

Tal realisieren lassen. Die Möglichkeiten im

Großarltal sind vielfältig und bieten vom

Auf der Karseggalm

funktioniert

das Käsen noch wie

vor 400 Jahren.

KOMPAKT

Im Tal der Almen

Anreise: Über die Salzburger Autobahn

(A8) nach Österreich, dann weiter auf der

A1 bis Autobahnkreuz Knoten Salzburg.

Hier rechts halten und den Schildern A10/

E55 in Richtung Villach/Salzburg Süd/

Italien/Ljubljana/Slowenien folgen.

Am Autobahnkreuz 47 – Knoten Pongau/

Bischofshofen rechts halten und den

Schildern B311 in Richtung Bischofshofen/

Pongau folgen. Nach Sankt Johann die erste

Ausfahrt Richtung Großarl nehmen und an

der T-Kreuzung scharf links. Dem Straßenverlauf

weiter bis Großarl folgen.

Informationen: Tourismusverband

Großarltal, A-5611 Großarl 1,

Tel. 00 43/(0)64 14/ 281,

www.grossarltal.at, info@grossarl.co.at

Karten: Kompass 1:50 000, Blatt 80

»St. Johann/Salzburger Land, Großarltal –

Kleinarltal, Hochkönig – Tennengebirge«

Literatur: Mark Zahel »Hüttenwandern

Salzburger und Berchtesgadener Land: 55

Tourenziele zwischen Watzmann, Dachstein

und Großvenediger«, Bruckmann Verlag, 2009

Familienwanderweg bis zur zwölfstündigen

Hochgebirgstour für jeden Geschmack

das richtige Ziel. Wer Panoramablicke zu

schätzen weiß und auch die österreichischen

Spezialitäten nicht verachtet, ist zum

Beispiel mit der Tour auf den 2168 Meter

hohen Gründegg gut beraten.

Vom Parkplatz Grund am Talschluss des

Ellmautals führt ein schmaler Weg durch

den Wald bergauf bis zur ersten Hütte,

der Loosbühelalm, die – frisch renoviert

und neu eröffnet – im Jahr 2010 einer

verheerenden Feuersbrunst zum Opfer

fiel. Heute steht die neu errichtete Alm

auf der Anhöhe wie ein gewaltiges hölzernes

Fort und lädt zum ersten Kaffee des

Tages ein. Von der Alm aus windet sich

ein Steig über Wiesenhänge hinauf zum

Bergkamm, wo sich die Hohen Tauern, der

Hochkönig sowie das Tennen- und Hagengebirge

zeigen. Auf der Anhöhe geht es in

angenehmer Steigung hinauf zum Gründegg,

dem höchsten Punkt der Tagestour.

Albino-Enzian am Wegrand

Auf dem Weg zur Ellmaualm passiert man

eine geologische Besonderheit, eine so genannte

Bergzerreißung. Zwischen zwei

etwa 30 Meter hohen Kämmen haben sich

kleine Moorseen gebildet, die mit ihrer

dunklen Wasserfarbe und der Spiege-

Fotos: Tourismusverband Großarltal, Uli Ertle

08⁄14 Bergsteiger 41


Dessert aus der Almküche: Resi präsentiert

ihren frisch gebackenen Apfelstrudel.

Botanische Besonderheit am Weg

zur Ellmaualm: der Albino-Enzian

TIPP

Leben wie früher

Seit 400 Jahren trotzt die Karseggalm auf

1603 Metern zwischen Kitzstein, Penkkopf

und Sonntagskogel Wind und Wetter: dicke

Holzbohlen, ein Schindeldach, die Fensterchen

gleichen Schießscharten. Drinnen ist

die Luft schwer vom Geruch nach Holzfeuer

und Speck. Über der Feuerstelle hängen

zwei rußschwarze Kupferkessel. Im einen

köchelt heißes Wasser, im anderen wird

Käse gemacht. Einen Kamin gibt es nicht,

der Rauch breitet sich unter den Schindeln

aus und zieht durch die Spalten zwischen

den Holzbohlen nach draußen.

Die urige Küchenausstattung hat auch die

Lebensmittelkontrolleure der EU auf den

Plan gerufen. Die Hygienevorschriften zwingen

die Bauern, ihre alten Almen um sterile,

weiße Räume zu erweitern, in denen der

Käse fortan EU-konform hergestellt werden

kann. Willi Gruber, der seit 31 Sommern auf

der Alm arbeitet, hatte darauf wenig Lust

und setzte den Kontrolleuren »erst mal a

schneidige Jaus’n« vor, dazu gab’s Schnaps,

dann Bier und nochmal Schnaps. In sehr

entspannter Atmosphäre kam man ins Gespräch.

Die Kontrolleure waren angetan und

nahmen von allen Lebensmitteln Proben mit

– »ich weiß nicht, ob fürs Labor oder für die

Frauen daheim«.

Das Ergebnis

jedenfalls war

hervorragend:

Nachdem

Grubers Hütte

aufgrund ihrer

Bauweise als

Einraum-Alm

gilt, ist er auch

künftig von der

EU-Aufl age befreit.

Es scheint,

als hätte die

Alm auch den

Sturm aus Brüssel

unbeschadet

überstanden.

Dieses schlichte

Dasein wusste auch

der Einsiedler zu

schätzen, der fast

20 Jahre lang auf

der Weißalm hauste.

lung des Himmels eine geradezu mystische

Stimmung entfalten. In dieser Region

wächst auch eine botanische Ausnahme:

der seltene Albino-Enzian. Die gewöhnlich

tief blaue Blume, die dem Almenweg im

Übrigen als Logo dient, kommt hier ohne

blauen Farbstoff vor.

Resi Ganitzer (54), die Sennerin der Ellmaualm,

lehnt an der Tür ihrer Hütte

und lacht mit den Einheimischen, die an

diesem Nachmittag wieder einmal heraufgekommen

sind, um die erste Wärme des

Bergsommers zu tanken, ein Schnapserl zu

trinken und den Strudel zu genießen, den

Resi gerade frisch aus dem Rohr geholt hat.

Sie bewirtschaftet die Alm bereits seit 33

Sommern für »den Bauern«, dem die Alm

gehört. Der Bauer, das ist ihr Bruder. Doch

das Wort spricht sie in diesem Zusammenhang

nicht aus. Elf Geschwister waren sie

auf dem Groß Ellmauhof, der Vater, heute

93 und im Austrag, kommt noch immer

gern das eine oder andere Mal herauf.

»Ich würde niemals tauschen wollen«

»Leicht ist das Leben hier nicht«, sagt Resi.

Um fünf Uhr früh beim ersten Tageslicht

die Kühe melken, Käse und Butter machen,

das Frühstück für die Gäste bereiten,

putzen, dann die ersten Wanderer bewir-

Fotos: Tourismusverband Großarltal, Uli Ertle (3)

Ein Hoch auf die Bergwelt:

Kammwanderung am Gründegg.

ten. Danach das Abendessen für die Übernachtungsgäste

richten und so manchen

langen Abend mit Freunden in der Stube

verbringen. Trotz der harten Arbeit sagt

Resi: »Ich würde niemals tauschen wollen

– die Ruhe, die Berge, man ist dem Himmel

so nahe. Das gibt es sonst nirgendwo.«

Dieses Dasein wusste auch der Einsiedler

zu schätzen, der fast 20 Jahre lang auf der

Weißalm hauste. Der ehemalige Bahnvorstand

aus Sankt Johann hatte sich das

Wohnrecht auf der Alm erbeten; seine

Frau und die sieben Kinder hatten gefälligst

im Tal zu bleiben. »Er hat immer

draußen auf dem Balkon geschlafen«, sagt

Michi Hettegger, der Besitzer der Alm. Egal

bei welchem Wetter, nie habe er etwas anderes

getragen als seine kurze Lederhose.

Als die Bergbauern gegen Ende der 1990er-

Jahre nach und nach begannen, ihre Almen

aufzuhübschen und für die Wanderer

zu öffnen, zogen auch die Hetteggers

nach und renovierten die mehrere 100

Jahre alte Weißalm: Aus dem Stall wurde

die Gaststube und aus dem Refugium des

Einsiedlers ein beliebter Anlaufpunkt für

Wanderer. Und aus dem Einsiedler, dem

das alles »wegen der Hektik gar nicht gepasst

hat«, wurde wieder ein – vermutlich

ziemlich mürrischer – Familienvater. ◀

42 Bergsteiger 08⁄14


TOUREN

Wanderungen für Groß und Klein

Die Möglichkeiten im Großarltal sind vielfältig.

Vom Familienwanderweg bis zur zwölfstündigen Hochgebirgstour

bieten sie für jeden Geschmack das richtige Ziel.

1 Gurenstein (2219 m)

▶ leicht 5 Std.

920 Hm 11,5 km

Charakter: Schöne Panorama-Rundtour,

streckenweise am Grat entlang,

mit beeindruckendem Blick auf den

Tappenkarsee

Ausgangspunkt: Parkplatz der

Hallmoosalm (1300 m), über L108,

Abzweigung Karteis

Einkehr: Draugsteinalmen

Route: Parkplatz Halmoosalm –

Karteisalm (1661 m, nicht bewirtschaftet)

– Karteistörl (2145 m)

– Gurenstein – Draugsteintörl – Draugsteinalmen

(1779 m) – Halmoosalm

(nicht bewirtschaftet) – Parkplatz

2 Gründegg (2168 m)

▶ mittel 5½ Std.

850 Hm 9,4 km

3 Gamskarkogel (2467 m)

▶ schwierig 8 Std.

1670 Hm 21 km

Charakter: Anspruchsvolle, schöne

Tagestour auf den Gamskarkogel, den

höchsten Grasberg Europas. Direkt

am Gipfel steht die Bad Gasteiner

Hütte (auch Gamskarkogelhütte

genannt) und garantiert wunderbare

Ausblicke bei Sonnenaufgang

Ausgangspunkt: Ortsteil Bach

(898 m) an der L109 südlich von

Mandldörfl

Einkehr: Bad Gasteiner Hütte

(2467 m); Harbachalm (1621 m),

berühmt für ihr Apfelbrot)

Route: Bach – Bachalm (1536 m) –

Frauenkar – Frauenkogel (2424 m)

– Gamskarkogel mit Bad Gasteiner

Hütte – Toferscharte (2091 m) –

Tofernalm – Harbachalm (1621 m)

– Bach

Ausgangspunkt: Parkplatz Aualm

(1795 m), mit dem Auto von Unterberg

über die Bauernhöfe Lainholz

und Pointgrün

Einkehr: Aualm

Route: Aualm – Liechtensteinkopf –

Wetterkreuz am Aukopf – Schuhfl icker

– Aualm

5 Schödersee (1440 m)

▶ leicht 3 Std.

485 Hm 11 km

Charakter: Wanderung zum einzigen

periodischen See im Großarltal, der

sich nur während der Schneeschmelze

und nach besonders starken

Regengüssen füllt.

Ausgangspunkt: Parkplatz beim

Gasthof Talwirt (1038 m) an der

L109 südlich von Kree

Einkehr: Gasthof Talwirt

Route: Talwirt – Stockham – Hüttschlag/See

– Ötzlhütte (nicht bewirtschaftet)

– Schödersee – zurück auf

demselben Weg

6 Weinschnabel (2754 m)

▶ schwierig 12 Std.

2150 Hm 23 km

Charakter: Anspruchsvolle, lange

Hochgebirgstour im Talschluss;

zwischen dem oberen und dem

unteren Schwarzsee gibt es eine

kurze Kletterpassage. Trittsicherheit,

Schwindelfreiheit und Bergerfahrung

sind hier unbedingt erforderlich!

Ausgangspunkt: Parkplatz beim

Gasthof Talwirt (1038 m) an der

L109 südlich von Kree

Einkehr: Kaum Einkehrmöglichkeiten

unterwegs, Proviant mitnehmen!

Route: Talwirt – Schödersee – entlang

des Kolmbaches zur Jagdhütte und

weiter über mehrere Steilstufen

durch das karge Almgebiet bis zum

Pfringersee – Arlscharte (2252 m)

– Tohernhöhenweg – Weinschnabel

– Schwarzseen (2339 und 2221 m)

– Schmalzscharte (2444 m) – Murtörl

(2260 m) – Kreealmen (1482 m) –

Talwirt

Charakter: Sehr schöne Almenrunde

über schmale Waldsteige und weite

Almwiesen mit tollen Ausblicken über

das Großarltal und äußerst empfehlenswerten

Einkehrmöglichkeiten

Ausgangspunkt: Parkplatz Grund

(1342 m) im Talschluss des Ellmautals

Einkehr: Ellmaualm, Loosbühelalm

Route: Parkplatz Grund – Ellmaualm

(1794 m) – Gründegg – Loosbühelalm

(1767 m) – Parkplatz Grund

4 Schuhflicker (2214 m)

▶ mittel 3 Std.

480 Hm 4,6 km

Charakter: Schöne Halbtagstour

über einen der zwei Kalkberge im

Großarltal mit herrlichem Panorama;

seine vorgelagerte Spitze (Arlspitze)

ist vor allem unter Kletterern beliebt,

mehrere Routen in verschiedenen

Schwierigkeitsgraden führen hinauf

08⁄14 Bergsteiger 43


AUF TOUR

Typisch Nationalpark:

Etwa die Hälfte

des Gebiets ist

vegetationsfrei.

Foto: swiss-image.ch / Robert Bösch

44 Bergsteiger 08⁄14


100 Jahre Nationalpark Schweiz

Der Stern

am Berghimmel

Seit 1914 gibt es in Graubünden ein Stück Land,

auf dem sich Natur ungestört entwickeln kann.

Aber selbst hier ist die Wildnis noch nicht wieder

zu 100 Prozent hergestellt. Von Dominik Prantl


Guter Einstieg für

einen ersten Eindruck:

der Naturlehrpfad über

Margunet (2328 m)

Der Mensch wird nur geduldet

– das ist der Grundgedanke

im streng geschützen

Nationalpark-Gebiet.

46 Bergsteiger 08⁄14


Foto: swiss-image.ch / Roland Gerth, swiss-image.ch / Andrea Badrutt, Archiv Nationalpark

Die Wahl fiel ausgerechnet auf

den Tannenhäher. Dabei ist es

nicht etwa so, dass es keine Alternative

im Schweizerischen

Nationalpark gegeben hätte:

den stolzen Rothirsch beispielsweise mit

seinem imposanten Geweih, den Steinbock

mit seinen Furcht einflößenden Hörnern

oder auch den Bartgeier mit seinen

gewaltigen Schwingen. Selbst das Murmeltier

bringt ein gewisses Kampfgewicht

als Konkurrent auf die Waage, zumindest

gegen den kleinen Piepmatz. Aber ausgerechnet

dieser dunkelbraune und Arvensamen

verbuddelnde Vogel mit seinen weißen

Tupfen auf der Brust schaffte es zum

Wappentier des Schweizerischen Nationalparks.

»Dank seiner Ernährungsstrategie

ist er zum Sinnbild für das Zusammenleben

in der Natur geworden«, steht als Begründung

für das Tannenhäher-Signet auf

der Webseite des Nationalparks.

Zusammenleben in der Natur. Längst ist

das keine Selbstverständlichkeit mehr,

nicht einmal in den Alpen, wo Natur zu einem

reinem Gegenstand degeneriert, der

nach wirtschaftlichem Belieben geformt,

verdrahtet und zurechtgestutzt wird. Dass

der Schweizerische Nationalpark am 1.

August sein 100-jähriges Bestehen feiert,

ist Menschen wie Paul Sarasin zu verdanken,

der bereits 1910 bemerkte: »Da nun

die Welt erobert ist, gilt es jetzt, diese Welt

zu erhalten.«

Kleines Areal der Superlative

Vielleicht, besser: hoffentlich, wäre Sarasin

als Mitbegründer des Schweizerischen Nationalparks

auch ein wenig stolz, für welches

Juwel er sich da vor hundert Jahren

stark gemacht hat. Ziel war, ein Stück Land

zu sichern, das sich vom Menschen ungestört

entwickeln kann. Nachdem die Fläche

immer wieder in Nuancen verändert wurde,

zuletzt 2000 durch die Erweiterung der

3,6 Quadratkilometer großen Seenplatte

von Macun, umfasst der Park im südöstlichen

Graubünden heute 170 Quadratkilometer.

Alleine das Münchner Stadtgebiet

ist mit 310 Quadratkilometern fast doppelt

so groß. Im Vergleich dazu, welche Flächen

der Mensch in seinem Expansionshunger

in sich hineinfrisst, wurde die Natur quasi

mit Brotkrumen zum ungestörten Entwickeln

abgespeist. Noch dazu in einem

Gebiet, wo die landschaftlichen wie kulturellen

Attraktionen – nach heutigem

Verständnis – eher rar sind: Ungefähr die

Hälfte der Fläche besteht aus Geröll, Fels,

Stein, Eis. Der höchste Berg misst 3165 Meter

und ist – alpinistisch gesehen – eher

etwas für ambitionierte Wanderer.

Interessanterweise reicht es dennoch zum

Areal der Superlative, und zwar locker:

Erster Nationalpark der Alpen, erster Nationalpark

in Mitteleuropa, größtes Totalgebiet

der Schweiz, seit 1979 Unesco-

Biosphärenreservat, und dann eben dieser

alpenweit unerreichte Status der Weltnaturschutzunion

IUCN: Reservat der Kategorie

1a. Das heißt unter anderem: keine

Hunde, keine Wintersportarten, keine

Mountainbikes, und erst recht keine Liftanlagen

oder Jagd. Der Mensch hat auf den

von ihm angelegten Wegen zu bleiben.

»Diese Kategoriezugehörigkeit 1a war in

einer Gunstsituation möglich«, sagt Heinrich

Haller, Leiter des Nationalparks. »Das

wäre heute nicht mehr einrichtbar.«

150 000 Besucher pro Jahr

Trotz all der Verbote ist der 1a-Park weit

mehr als nur jenes Naturexperiment und

Forschungsareal, als den ihn seine Hüter

von der Nationalparkverwaltung vorrangig

interpretieren. Schon den Gründern

war offenbar ziemlich klar, dass sich der

Mensch nicht aussperren lässt. So schrieb

Johann Wilhelm Coaz, einer der Parkinitiatoren,

noch in der Entstehungsphase

des großen Naturschutzgebiets: »Mit Gründung

des Nationalparks wird zu den vielen

bestehenden ein neuer Anziehungspunkt

edelster Art geschaffen.« Dabei gab es damals

keine Rothirsche, keine Steinböcke,

keine Bartgeier; zwei Jäger hatten hier

1904 den letzten Bären der Schweiz erlegt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das

Gebiet um den Ofenpass eine in die wirtschaftliche

Bedeutungslosigkeit abgedriftete

ehemalige Bergbauregion, der auch

noch die brach liegende Holzwirtschaft

und die Maul- und Klauenseuche zusetzte.

Kurzum: die perfekte Peripherie, um der

Wildnis ohne allzu großen Widerstand ein

bisschen Raum zu gewähren.

Inzwischen ist der Nationalpark ein natürlicher

Star am touristischen Firmament

der Schweizer Alpen. 150 000 Besucher

lassen sich jährlich auch ohne Ballermannisierung

der hiesigen Berge locken.

Paul Sarasin, einer

der Mitbegründer

des Schweizerischen

Nationalparks, bemerkte

schon 1910:

»Da nun die Welt

erobert ist, gilt

es jetzt, diese Welt

zu erhalten.«

INFO

Zahlen, Fakten

und Termine

Fläche: 170,3 km²

Höhenlage: 1400 m (Clemgia/Scuol) bis

3174 (Piz Pisoc)

Wegenetz: 80 km, davon zwei alpine Routen

Vegetation: 28 % Wald, 21 % alpine Matte,

51 % vegetationsfrei (Geröll, Fels, Firn,

Wasser)

Nationalparkzentrum: Mitten in Zernez

liegt das Besucherzentrum Schweizerischer

Nationalpark, Eintritt Erwachsene 7 CHF,

7530 Zernez , Tel. 0049/81/851 41 41,

www.nationalpark.ch

Exkursionen: Geführte Wanderungen fi nden

jeweils am Dienstag und Donnerstag statt.

Privatführungen auf Anfrage.

Freilichtspektakel: Von 11. Juli bis 16.

August fi ndet in Zernez jeweils donnerstags,

freitags und samstags um 20.30 Uhr das

Freilichtspektakel Laina Viva über die Gründung

des Nationalparks statt.

Die Parlamentarische Delegation 1913 in

der Val Cluozza

08⁄14 Bergsteiger 47


Die Wanderung über die Alp la Schera bietet für jeden etwas.

Zum Jubiläum gibt

es Münzen und

Briefmarken. Die

Feier am 1. August

überträgt das

Schweizer Fernsehen

live – zur

besten Sendezeit.

KOMPAKT

Zug fahren, schlafen, orientieren

Anreise: Die Region des

Schweizerischen Nationalparks

ist sehr gut mit öffentlichen

Verkehrsmitteln zu

bereisen. Die am Nationalpark

angrenzenden Orte

wie S-chanf, Zernez, Lavin

oder Scuol werden von der

Rhätischen Bahn angefahren,

an der quer durch den

Nationalpark führenden Ofenpassstraße

hält der regelmäßig

verkehrende Postbus

an sechs Wanderparkplätzen.

Wanderhotel: Direkt im

Nationalpark gibt es nur wenige

Unterkünfte. Auf Wanderer

ausgerichtet ist das Hotel Parc

Naziunal Il Fuorn direkt an

der Ofenpassstraße, CH-7530

Zernez, Tel. 00 41/81/

8 56 12 26, www.ilfuorn.ch,

auch im Winter geöffnet,

Ü mit Frühstück ab 50 CHF

pro Person

Hütte: Nur zu Fuß – von

Zernez in etwas mehr als drei

Stunden – ist die Chamanna

Wer heute dem Naturlehrpfad über Margunet

folgt, trifft häufig auf Wanderer mit

dermaßen großen Kameraobjektiven und

Fernrohren, dass selbst Heinz Sielmann

neidisch geworden wäre. Domenic Godly,

einer der Parkwärter, meint angesichts

der enormen Huftierkonzentration: »Der

Bartgeier lebt hier in Saus und Braus«. Er

hofft, dass sich Bär und Wolf demnächst

nicht mehr nur auf Stippvisite blicken lassen.

Aber natürlich hätten es die Raubtiere

leichter, anderswo ein paar träge Schafe

zu reißen als an Hängen mühsam den gut

trainierten Hirschen hinterher zu hecheln.

Fast 2000 Stück Rotwild treiben sich heute

zur Sommerzeit im Nationalparkgebiet

herum. Im Herbst lassen sich an Spitzentagen

bis zu 1000 Touristen vom inbrünstigen

Geröhre der Hirsche ins Val Trupchun,

dem Hirschbrunft-Tal der Alpen schlechthin,

locken. »Es wurde schon darüber gesprochen,

das zu begrenzen und mit Tickets

zu regulieren«, meint Godly.

Menschen und Motoren

Manchmal entsteht der Eindruck, dass den

Verantwortlichen der eigene Erfolg fast etwas

unheimlich ist. Denn auch wenn Haller,

der Nationalparkleiter, glaubwürdig

versichert: »Es geht bei all unseren Kampagnen

nicht darum, dass möglichst viele

Leute kommen«, so treibt es die Menschen

scharenweise auf manche der für den

Wildwuchs streng regulierten 80 Wanderkilometer.

Das Jubiläumsjahr wird den Promistatus

des Parks noch stärker festigen.

Schon im März erreichte die Gesamtauflage

der Artikel über das Schutzgebiet sechs

Millionen. Eine Jubiläums-Sondermünze

aus Gold gibt es mittlerweile ebenso wie

Cluozza (1882 m) zu erreichen,

Tel. 00 41/81/8 56 12 35,

www.cluozza.ch, geöffnet von

Mitte Juni bis Mitte Oktober, Ü

pro Person (ohne Ermäßigung)

ab 30 CHF, mit HP ab 66 CHF

Unterkunftssuche:

Graubünden Ferien,

www.graubuenden.ch

Karte: Die Wanderkarte

Nationalpark 1:50 000 ist mit

entsprechendem Wanderführer

für 20 CHF im Nationalparkzentrum

in Zernez erhältlich.

eine Jubiläums-Briefmarke. Die am 1. August

stattfindende Feier zum 100-jährigen

Bestehen überträgt das Schweizer Fernsehen

von 21 Uhr an live. Auf der Webseite

lautet der Werbeslogan seit einiger Zeit:

»100 Jahre echt wild«.

Allerdings hat sich die Wildnis selbst in

einem Jahrhundert noch immer nicht das

gesamte Gebiet zurück erobern können. In

dem trockenen, niederschlagsarmen Gebiet

bleiben die Zeugen menschlichen Wirtschaftens

besonders lange erhalten. Die

Spuren von Kahlschlägen, Alpwirtschaft

und Kalkbrennerei sind vielerorts weiterhin

zu sehen. Zudem wurde noch 1957 ein

Wasserkraftwerk im Nationalparkgebiet genehmigt.

Auf der Ofenpassstraße, der großen

Verkehrsader der Region, fahren, nein,

donnern Motorräder weithin hörbar durch

die sonst per Regeln und Gesetze penibel

gepflegte – und damit letztlich künstlich

aufrecht erhaltene – Naturlandschaft.

Nicht einmal hier lässt sich bislang die

Hundert-Prozent-Wildnis garantieren. So

sagt Haller auch: »Ich bin guter Dinge, dass

der Nationalpark als zeitlose Einrichtung

seiner Bestimmung gerecht werden kann.«

Er meint die ungestörte Entwicklung der

Natur, oder in Sarasins Worten: Dass ein

bisschen von der Welt so erhalten bleibt.

Was den Tannenhäher betrifft, so hilft er bei

dieser Bestimmung mit: Seine Vorratslager

an Arvensamen für den Winter findet er in

etwa einem von fünf Fällen nicht wieder –

damit trägt er zum Aufforsten des Waldes

bei. Hinter seiner Wahl zum Wappentier

versteckt sich vielleicht aber noch eine andere

Botschaft: Kein Lebewesen ist zu klein,

als dass es nicht zu Höherem taugt. ◀

Fotos: swiss-image.ch/Roland Gerth, swiss-image.ch/Nico Schaerer, Nationalpark/Hans Lozza, swiss-image.ch/Nico Schaerer

48 Bergsteiger 08⁄14


TOUREN

Die Big Five des Schweizerischen Nationalparks

An kaum einem anderen Ort gibt es die Möglichkeit, so einfach Gämse, Steinbock, Steinadler, Bartgeier

und Murmeltier zu beobachten. Postbusse fahren von sechs Parkplätzen zurück zum Ausgangspunkt.

1 Die Murmeltiere der Alp

Grimmels (2050 m)

▶ leicht 2 Std.

330 Hm 330 Hm

Charakter: Einfache Rundwanderung,

auch für Kinder geeignet

– schon allein wegen der zahlreichen

fetten Murmeltiere, die auf der von

Bauten unterhöhlten Alp Grimmels

bereits im Juni rekordverdächtige

Werte auf die Waage bringen.

Start-/Endpunkt: Champlönch/P1

(1838 m)

Route: Champlönch (P1) – Alp

Grimmels (2050 m) – Bügliets – P2 –

Champlönch (P1)

Heinrich Haller (laut Eigenaussage).

Geboten ist dabei für jedes Gemüt

etwas: Bergwerkstollen, alte Zirben,

geologische Phänomene, jede Menge

Edelweiß, das Gackern der Schneehühner,

ein grandioses Panorama

am Horizont, Steinadler über dem

Himmel. Am Ende lohnt eine Einkehr

im Nationalparkhotel Il Fuorn (viele

Biker, aber gute Küche).

Startpunkt: Buffalora (1968 m)

Endpunkt: Hotel Parc Naziunal Il

Fuorn/P6 (1794 m)

Route: Buffalora – Alp Marangun –

Nationalparkgrenze – Munt la Schera

(2586 m) – Alp la Schera – Parkplatz

am Hotel Parc Naziunal Il Fuorn.

Alternativen: Wer nicht genug hat,

kann von der Alp la Schera statt

nach Il Fuorn auch links zum Vallun

Chafuol (P3) abbiegen und über

den Sattel Murter (2545 m) zur

Chamanna Cluozza (1882 m) oder

Zernez wandern. Das verlängert die

Unternehmung locker um vier bzw.

sechs Stunden (Zernez).

4 Die Hirsche unter der

Fuorcla Trupchun (2782 m)

▶ mittel 8 Std.

1110 Hm 1110 Hm

Charakter: Auf dem ersten Abschnitt

bis zur extrem wildreichen

Alp Trupchun vor allem während der

Hirschbrunft im späten September

unglaublich viel begangene Route mit

extrem hoher Teleobjektivdichte. Mit

zunehmender Steilheit des schottrigen

Weges hinauf zum Pass (Fuorcla)

dünnt der Strom der Wanderer aus

– während an vielen Tagen dafür die

Zahl der Steinböcke merklich zunimmt.

Start-Endpunkt: S-chanf (1662 m),

mit dem Auto bei Prasüras parken

Route: S-chanf – Prasüras – Punt

da Scrings – Val Mela – Alp Trupchun

(2040 m) – Fuorcla Trupchun (2782

m) – und zurück nach S-chanf.

5 Die Seenplatte von Macun

▶ schwierig 7–8 Std.

1500 Hm 1560 Hm

Charakter: Lange und alpine

Wanderung zu den 23 Seen von

Macun, die trotz ihrer Lage zwischen

2600 und 2700 Metern verschiedene

Fischarten wie die Bachforelle

beherbergen. Felsblöcke und Schutt

erfordern in Auf- und Abstieg Kondition

und Trittsicherheit.

Startpunkt: Bahnhof Zernez (1471)

Endpunkt: Bahnhof Lavin (1412 m)

Route: Zernez – Plan Sech – Munt

Baselgia (2945 m) – Fuorcletta da

Barcli – Macun – Alp Zeznina – Lavin.

2 Die Gämsen von Margunet

(2328 m)

▶ leicht 3 Std.

460 Hm 460 Hm

Charakter: Kurzer, wenn auch

teilweise steiler Rundweg entlang

eines fünfsprachigen Nationalpark-

Lehrpfades, vorbei an Edelweißhängen,

Gämsenrudeln und dem Ort

der Bartgeieraussetzungen zwischen

1991 und 2007. Oft sind auf den

vielen freien Flächen auch Hirsche

und Murmeltiere zu sehen. Perfekt für

all jene, die einen kurzen Überblick

gewinnen wollen.

Start-/Endpunkt: P7 (1878 m)

Route: P7 – Val dal Botsch – Margunet

(2328 m) – Val da Stabelchod

– Stabelchod – P8 – P7

3 Steine und Steinadler am

Munt la Schera (2586 m)

▶ mittel 4 Std.

630 Hm 800 Hm

Charakter: Eine der Lieblingswanderungen

des Parkdirektors

6 Der höchste Punkt Piz

Quattervals (3165 m)

▶ schwierig 8 Std.

1360 Hm 1360 Hm

Charakter: Ausgesetzte und

anspruchsvolle Tour zum höchsten,

vollständig im Nationalpark gelegenen

Gipfel. Auf der zweiten Weghälfte

ist wegen der schwierigen, von der

Schneelage abhängigen Wegfi ndung

(Nordexposition) gutes Orientierungsvermögen

notwendig, zudem herrscht

teilweise Steinschlaggefahr. Wer die

Tour direkt von Zernez aus angeht,

benötigt bis zur Chamanna Cluozza

drei Stunden Gehzeit. Eine Hütten-

Übernachtung ist daher ratsam.

Start- Endpunkt: Chamanna Cluozza

(1862 m, siehe Bild)

Route: Chamanna Cluozza – Valletta

– Piz Quattervals – und retour.

08⁄14 Bergsteiger 49


ALPINISMUS

Psychologie-Serie: Berge im Kopf

Beste Voraussetzung

für hohe Motivation:

ein selbst gewähltes

Ziel, wie beispielsweise

der Murallòn für

Stefan Glowacz

50 Bergsteiger 08⁄14


Teil 1: Motivation

Die Wahl der Qual

Bergsteigen ist mühsam, hin und

wieder auch gefährlich. Trotzdem

machen es viele. Was motiviert sie?

Mit dieser Frage startet die neue

Serie des BERGSTEIGER: In zehn

Folgen dreht sie sich um all die

psychischen Herausforderungen,

denen man am Berg begegnet.

Von Dagmar Steigenberger

Warten auf gutes Wetter zermürbt nur Unvorbereitete, sagt Glowacz.

Fotos: Klaus Fengler (2)

Der Sturm peitscht ihnen harte

Eiskristalle in die Gesichter.

Kein noch so kleiner Strauch,

der ihnen Deckung bieten könnte,

keine noch so einfache Hütte,

in der sie Zuflucht finden würden. Es

ist das dritte Jahr in Folge, in dem die beiden

deutschen Extrembergsteiger Stefan

Glowacz und Robert Jasper zum Murallòn

aufgebrochen sind. Im Jahr zuvor hatte

sie ein Sturm 250 Meter unter dem Gipfel

zur Umkehr gezwungen, ihre Seile und

Zelte zerfetzt. Auch dieses Mal beginnen

ihre Tage frühmorgens mit stundenlanger

Schaufelarbeit, um die Zelte von der meterhohen

Schneeschicht zu befreien. Danach

harren sie im spartanischen Basislager aus,

mit Trockennahrung und kaum Möglichkeiten

zur Ablenkung. Wann kommt ein

Schönwetterfenster? Kommt es überhaupt?

Es kommt: In 48 Stunden klettern Glowacz

und Jasper im November 2005 durch die

1000 Meter hohe Nordwand des Murallòn

und erreichen nach einer Biwaknacht auf

einem schmalen Felsband den Gipfel.

Und das alles aus Neugierde. Sagt zumindest

Stefan Glowacz. Auf die Frage, warum

er auf Berge klettert, antwortet er: »Ich

bin einfach ein neugieriger Mensch. Ich

möchte Neues entdecken und Dinge tun,

die mich herausfordern.«

Der Nomade in mir

Die Frage nach dem Warum hat auch den

Sozialwissenschaftler Ulrich Aufmuth umgetrieben,

der mit seinem bekanntesten

Ulrich Aufmuth

glaubt, in der

Leidenschaft fürs

Bergsteigen den

Wunsch nach der

verlorenen Wildnis

wiederzuerkennen.

Buch »Zur Psychologie des Bergsteigens«

in den 1980er-Jahren als einer der Experten

auf diesem Gebiet galt. Er glaubt, im

Bergsteigen den Wunsch nach der verlorenen

Wildnis wieder zu erkennen, den vor

allem die Menschen in westlichen Zivilisationen

verspüren. »Vieles von dem, was

uns im Alltag an grundlegenden und zu einem

vollständigen Menschsein notwendigen

Erfahrungsmöglichkeiten genommen

ist, gibt uns das Leben in der Wüstenlandschaft

der Berge in einer geballten Form

zurück«, erklärt Aufmuth. Der Menschheit

liege das Nomadentum, das neun Zehntel

ihrer Geschichte bestimmt habe, nach

wie vor im Blut. So führt der Soziologe die

Sehnsüchte nach Freiheit, Weite und Regellosigkeit

– kurz: nach dem Bergsteigen

– letztlich auf die Gene zurück.

Seine jüngeren Kollegen stehen einer

allgemeinen Theorie, die die Motivation

fürs Bergsteigen erklären soll, skeptisch

gegenüber. Der Diplom-Psychologe und

Erlebnispädagoge Martin Schwiersch sagt:

»Es gibt viele unterschiedliche Motive:

08⁄14 Bergsteiger 51


Eines ist bei allen

Bergsteigern gleich:

Am Anfang ihrer

Leidenschaft

steht zwangsläufig

der Erfolg.

Zum Rückzug gezwungen: Robert Jasper und Stefan Glowacz im zweiten Jahr am Murallòn

Bergsteigen schafft Identität, verleiht einen

Status, es verhilft einem zu Anerkennung.«

Nur das Motiv der Todessehnsucht,

die Extrembergsteigern bisweilen attestiert

wird, bezeichnet er als »reinen Quatsch.

Wir können den Menschen durchaus trauen,

wenn sie das Gefühl von Lebendigkeit

als Grund für ihr Handeln angeben.«

Eines jedoch sei bei allen Bergsteigern

gleich: Am Anfang ihrer Leidenschaft steht

der Erfolg. Das Unterwegs-Sein im Gebirge

befriedige ihre Motive, sei es nun die

Sehnsucht nach Anerkennung, nach Kontrolle

über den Körper, nach Gruppenzu-

Leserumfrage

Wir wollten von

unseren Lesern wissen,

was ihre hauptsächliche

Motivation

beim Wandern und

Bergsteigen ist.

Hier das Ergebnis:

10%

15%

4%

4%

Leidenschaft ist, was Leiden schafft: Stefan

Glowacz’ Hände nach aufreibendem Einsatz

4%

Einkehr

Freunde

Gipfel sammeln

Sportl. Betätigung

Naturerlebnis

67% %

gehörigkeit oder anderes. »Der Erfolg führt

dazu, dass man es weiter macht«, sagt

Schwiersch, »auch wenn sich die Motive

fürs Bergsteigen mit der Zeit verändern«.

Selbst wenn jemand keine Antwort auf die

Frage nach dem Warum weiß, hat das für

Schwiersch nichts mit Gedankenlosigkeit

zu tun: »Wenn jemand voll motiviert ist,

dann ist es ihm egal, warum das so ist.

Man muss das Motiv nicht kennen, um

Motivation zu spüren.« Meist werde nach

dem Motiv ohnehin erst gefragt, wenn die

Motivation zu Schwierigkeiten führt.

Nur selbst gewählte Ziele motivieren

Wenn Stefan Glowacz mehrere unmotivierte

Phasen erlebt, »Phasen, wo ich nicht

an das Projekt glaube«, dann weiß er, »da

stimmt was mit dem Ziel nicht«. Beim Murallòn

gab es diese Phasen nie. Tatsächlich

war der Extrembergsteiger »besessen von

dem Projekt«, wie er selbst sagt. Und das,

obwohl er wusste, was ihn an Strapazen

erwarten würde. »Das war part of the

game«, stellt Glowacz achselzuckend fest.

»So etwas überrascht dich nur, wenn du

dich zuvor nicht ausreichend mit deinem

Projekt auseinander gesetzt hast.«

Oft genug müssen sich Extrembergsteiger

nach solchen Abenteuern den Vorwurf gefallen

lassen, Egoisten zu sein. Sie machen,

was sie wollen, und nehmen dabei keine

Rücksicht – nicht einmal auf ihren eigenen

Körper. Genau das scheint aber der

Schlüssel zur hohen Kunst der Motivation

zu sein: Wer ein schwieriges Ziel bewusst

und aus freiem Willen wählt, nimmt da-

52 Bergsteiger 08⁄14


INFO

Theorien zur Motivationspsychologie

Fotos: Klaus Fengler (3)

Schneestürme stellen die Motivation für den Gipfel auf eine harte Probe.

für auch harte Entbehrungen in Kauf.

Glowacz ist deshalb überzeugt davon, dass

man niemand anderen außer sich selbst

motivieren kann: »Wenn ich mich von außen

motivieren lasse, dann kommt irgendwann

der Zeitpunkt, wo ich feststelle: Das

will ich ja gar nicht selbst.« Wenn er Vorträge

für Unternehmen hält, beschränkt

sich der Extremkletterer darauf, die Menschen

zu inspirieren. »Motivieren müssen

sie sich schon selbst«, sagt er. »Ich bin ja

keine Motivations-Tankstelle.«

Auch Psychologe Schwiersch ist skeptisch,

was die Fremd-Motivation fürs Bergsteigen

anbelangt. Für Kinder hat er dennoch

TIPP

Zur Psychologie

des Bergsteigens

Der Soziologe und Psychotherapeut Ulrich

Aufmuth hat mehrere Bücher zu den psychologischen

Hintergründen des Bergsteigens

geschrieben. Sein berühmtestes trägt

den Titel »Zur Psychologie des Bergsteigens«

und befasst sich auf unterhaltsame

Weise mit der Frage,

warum man als

Breitensportler wie

auch als Extremer

auf Berge steigt. Erschienen

im Fischer

Taschenbuch Verlag,

Frankfurt am

Main 1988; nur

noch gebraucht

erhältlich.

ein Rezept parat: »Wichtig ist, dass andere

Kinder bei der Wanderung dabei sind und

dass es spielerisch bleibt. Kinder denken

nicht vorrangig in Zielen.« Davon, den

eigenen Partner motivieren zu wollen,

rät Schwiersch allerdings ab. »Da läuft

man Gefahr, Beziehungskonflikte übers

Bergsteigen auszutragen. Oder der eine

marschiert anfangs nur dem anderen zuliebe

mit, zieht sich aber mit den Jahren

zurück, weil ihm langfristig das eigene

Motiv fehlt.«

Disziplin macht glücklich

Denjenigen, denen die Motivation schwer

fällt, rät Schwiersch zu einem einfachen

Trick: »Machen Sie Ihr Vorhaben öffentlich.«

Wochenprotokolle helfen bei der

Selbstkontrolle, Verabredungen mit Trainingspartnern

sorgen für Regelmäßigkeit.

Denn Disziplin funktioniert ähnlich einem

Muskel: Sie wird stärker durch Training.

Angeblich macht sie sogar glücklich.

Deutsche und US-amerikanische Psychologen

um Wilhelm Hofmann von der University

of Chicago fanden kürzlich in einer

Studienreihe heraus: Menschen sind zufriedener

mit ihrem Leben, wenn sie sich

in Disziplin üben oder anstrengen mussten,

um ein Ziel zu erreichen.

Wir wussten es ja schon immer: Bergsteigen

macht einfach glücklich!


VORSCHAU: Nehmen Sie an der nächsten Leserumfrage

Mitte Juli auf www.bergsteiger.de teil und

lesen Sie anschließend in Ausgabe 10/2014 alles

über Teamgeist, Gruppendynamik und Verantwortung.

Alles, was wir tun, wird von Bedürfnissen

angetrieben. Diese Bedürfnisse können einen

biologischen Ursprung haben wie Hunger und

Durst; sie können aber auch psychologisch

und sozial bedingt sein, wie beispielsweise

das Streben nach Erfolg. Das Zusammenspiel

von Bedürfnissen und Situationen

schafft die Motivation für ein bestimmtes

Verhalten. Je ausgeprägter diese Motivation

ist, desto stärker werden wir angetrieben, das

entsprechende Verhalten zu zeigen.

Das erste Modell zur Motivationspsychologie

entwickelte Abraham H. Maslow ab 1943

auf der Grundlage einer hierarchischen

Anordnung von Bedürfnissen. Körperliche

Grundbedürfnisse erschienen ihm am wichtigsten,

gefolgt von sozialen Grundbedürfnissen

wie jene nach Liebe, Zugehörigkeit

und Geborgenheit. Erst wenn diese erfüllt

sind, folgen die sogenannten Wachstums-

Bedürfnisse nach sozialer Anerkennung,

nach Selbstverwirklichung und schließlich

das Bedürfnis nach Transzendenz. Maslow

geht davon aus, dass zuerst die jeweils

untere Ebene der Bedürfnishierarchie befriedigt

sein muss, bevor man sich anderen

Bedürfnissen zuwendet. Das Bedürfnis, auf

Berge zu steigen, gehört in die Kategorie

der Wachstums-Bedürfnisse. Allerdings ist

das Maslow’sche Modell mittlerweile unter

Psychologen umstritten, da die Aufteilung

der Bedürfnisklassen empirisch nicht

bestätigt ist.

Heutzutage gehen Motivationspsychologen

von drei gleichwertigen sozialen Grundmotiven

aus: von den Bedürfnissen nach Macht bzw.

Kontrolle, Anschluss und Leistung. Wie groß

das Bedürfnis nach Leistung ist, hängt von

früheren Erfolgs- und Misserfolgs-Erfahrungen

ab – und davon, wie sehr man die mögliche

Belohnung schätzt. Belohnung kann von

außen kommen (extrinsische Motivation)

oder aus einem selbst

heraus (intrinsische

Motivation); letztere

wirkt langfristiger.

Selbstverwirklichung

Wachstumsbedürfnisse

Defizitbedürfnisse

Transzendenz

Soziale Anerkennung

Soziale Beziehungen

Sicherheit

Körperliche Grundbedürfnisse

08⁄14 Bergsteiger 53


TIPP

12 Tourenkarten zum Mitnehmen

Die besten Touren aus Bergsteiger 08/14

Dolomiten, Walliser, Zillertaler,

Chiemgauer Alpen, Rofan, Karwendel

Abtrennen

Falten

Einstecken

2 Cap. Margherita,

3 Vincentpyramide, 5 Ehrwalder Sonnenspitze,

6 Haidachstellwand, 10 Hochgern, leichte

7 Paternkofel, technisch

wenig schwierige Hochtour

auf die Signalkuppe

unschwierige Hochtour

mit toller Aussicht

anspruchsvoll,

mit leichter Kletterei

Teil des Achenseer

5-Gipfel-Klettersteigs

Bergwanderung, auch

für Kinder ab 12 Jahren leichter Kletter-

steig für Einsteiger

1 Rocciamelone,

4 Dufourspitze,

12 Wildangerspitze, 11 Roller, leichte

9 Sextener Rotwand,

schwierige, teils exponierte

Zwei-Tage-Tour

schwierige Überschreitung

mit Gratkletterei

lange, aber unschwierige

Wanderung

Wanderung mit kühlem

Aufstieg im Schatten

leichter, aber konditionell

fordernder Steig

8 Toblinger Knoten,

mittelschwierig und

luftig über viele Leitern

GPS-Daten als Download unter www.bergsteiger.de, falls vorhanden

Tourenart

Schwierigkeit

Wandern Klettern Klettersteig Hochtour Skitour

Blau: leicht Rot: mittel Schwarz: schwierig


TIPP

Grajische Alpen Rocciamelone (3538 m)

1

Überschreitung von Europas höchstem Wallfahrtsberg

Der erste Teil der Route auf diesen genialen Aussichtsberg führt unschwierig über einen Teilabschnitt

der GTA. Ein Problem stellt immer die Wettersituation dar: Sind Anzeichen von Wolkenbildung schon

vom Gipfel aus sichtbar, besser auf dem Hinweg zurück gehen und nicht die Überschreitung wagen.

aus Bergsteiger 8/2014 – Seite 80

1980 Hm | 2 Tage

normale

Bergwanderausrüstung

Talorte: Susa (503 m), La Riposa (2205 m)

Ausgangspunkt/Endpunkt: Rifugio Vulpot (1805 m)

am Malciaussia-Stausee im Talschluss des Valle di Viù,

40 km von Lanzo

Öffentliche Verkehrsmittel: Zug bis Lanzo/

Germagnano, dann weiter per Bus bis Usseglio

Beste Jahreszeit: Juni bis September

Karte: Fraternali, Carta dei Sentieri, 1:25 000 »Val Susa,

Val Cenischia, Rocciamelone, Val Chisone«

Fremdenverkehrsamt: Turismo Torino e Provincia, Tel. 00 39/

0 11/53 51 81, www.turismotorino.org; lokales Tourismusbüro in

Lanzo, Via Umberto I, Tel. 00 39/01 23/2 80 80

Hütten: Rif. Vulpot, Tel. 00 39/01 23/8 37 71 oder 3 20/

8 40 70 78, www.rifugiovulpot.com. Cap. Sociale Aurelio Ravetto,

Tel. 00 39/0 11/6 27 04 41 oder 3 38/9 00 78 13. Rif. Cà d’Asti,

Tel. 00 39/01 22/3 31 92. Rif. Tazzetti, Tel. 00 39/01 23/8 37 30

Charakter/Schwierigkeiten: Die Querung auf der Alta Via

Val di Susa zum Rifugio Cà d’Asti kann bei Nebel Orientierungsprobleme

bereiten, da die Markierung ausgeblichen und der Pfad

wenig ausgeprägt ist. Zum Gipfel steiles, teils exponiertes Gehgelände,

der Gipfelaufbau ist mit Seil gesichert. Der Abstieg zum

Rifugio Tazzetti ist der anspruchsvollste Part. Die Überquerung

des fl achen Gletscherplateaus ist bei guten Bedingungen ohne

Steigeisen möglich. Am Col di Resta trifft man dann auf einen gut

markierten Abstiegspfad, exponiert, aber ohne Kletterei begehbar.

TIPP

Walliser Alpen Capanna Margherita (4554 m)

2

Schlafen zwischen Himmel und Erde

Die Capanna Margherita steht auf dem Gipfel der Signalkuppe und ist damit die höchst gelegene

Hütte der Alpen. Hier zu übernachten ist ein einmaliges Erlebnis. Allerdings ist die Akklimatisierung

wichtig, um sich anschließend an die Aussicht und nicht bloß ans Kopfweh zu erinnern.

aus Bergsteiger 8/2014– Seite 64

↑ 1150/↓ 2000 Hm |

normale

Hochtourenausrüstung

10 Std.

Talorte: Gressoney (1385/1624 m), Zermatt (1616 m)

Ausgangspunkt: Punta Indren (3275 m)

Endpunkt: Rotenboden (2815 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Martigny,

Bus über den Großen Sankt Bernhard nach Aosta, Zug

bis Pont-Saint-Martin und wieder Bus nach Gressoney;

Seilbahn zur Punta Indren. Vom Rotenboden mit der

Gornergratbahn nach Zermatt und mit der Bahn via Visp

zurück nach Martigny

Gehzeiten: Aufstieg 5 Std., Abstieg 5 Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Karten/Führer: Swisstopo-Karte 1:25 000, Blatt 1348

»Zermatt«; Swisstopo-Wanderkarte 1:50 000,

Blatt 284 T »Mischabel« (inkl. Gressoney auf der Rückseite)

Caroline Fink »Höhenwege im Wallis. Panoramawanderungen,

Hüttenwege und leichte 4000er-Touren«, Bruckmann Verlag,

2014

Informationen: Gressoney/Monte Rosa, Tel. 00 39/01 25/

35 66 70, www.gressoneymonterosa.it; Zermatt Tourismus,

Tel. 00 41/ 27/9 66 81 00, www.zermatt.ch

Hütten: Rifugio Mantova, Tel. 00 39/1 63/7 81 50,

www.rifugiomantova.it;

Capanna Margherita, Tel. 00 39/1 63/9 10 39,

www.rifugimonterosa.it

Schwierigkeit: WS (wenig schwierig)

TIPP

Walliser Alpen Vincentpyramide (4215 m)

3

Auf einen wuchtigen Gipfel des Monte Rosa

Die Vincentpyramide erhebt sich im südlichen Gebiet des Monte-Rosa-Massivs als vergletscherte

Kuppe. Neben ihren höheren Nachbarn wirkt sie eher klein, ist im Grunde aber ein stolzer Viertausender,

der fantastische Ausblicke bietet.

aus Bergsteiger 8/2014 – Seite 64

800 Hm | 5 Std.

normale

Hochtourenausrüstung

Talort: Gressoney (1385/1624 m)

Ausgangspunkt: Punta Indren (3275 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Martigny,

Bus über den Großen Sankt Bernhard nach Aosta, Zug bis

Pont-Saint-Martin und wieder Bus nach Gressoney;

Seilbahn zur Punta Indren

Gehzeiten: Aufstieg 3 Std., Abstieg 2 Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Karten/Führer: Swisstopo-Karte 1:25 000, Blatt 1348

»Zermatt«; Swisstopo-Wanderkarte 1:50 000, Blatt 284 T

»Mischabel« (inkl. Gressoney auf der Rückseite)

Caroline Fink »Höhenwege im Wallis. Panoramawanderungen,

Hüttenwege und leichte 4000er-Touren«, Bruckmann Verlag,

2014

Informationen: Gressoney/Monte Rosa, Tel. 00 39/01 25/

35 66 70, www.gressoneymonterosa.it

Hütte: Rifugio Mantova, Tel. 00 39/1 63/7 81 50,

www.rifugiomantova.it

Schwierigkeit: WS (wenig schwierig)


TIPP

Grajische Alpen Rocciamelone (3538 m)

TIPP

1. Tag: Rifugio Vulpot (1805 m) – Rifugio Cà d’Asti (2854

m); 4½ Std., 1210 Hm Aufstieg, 160 Hm Abstieg

Vom Rifugio Vulpot auf der Schotterpiste am Seeufer entlang,

über seinen Zufl uss und nach links der weiß-rot-weiß

markierten GTA südlich bergwärts folgen. In angenehmer

Steigung auf einer schönen Mulattiera zum Colle Croce

di Ferro (2558 m, 2 Std.). Etwas unterhalb der Passhöhe

liegt die Capanna Sociale Aurelio Ravetto (2545 m). Die

ehemalige Kaserne ist seit ein paar Jahren als Unterkunft

hergerichtet worden. Auch wenn Wanderer nur auf einen

Kaffee bleiben, freut sich Hüttenwirt Franco Vigna. Die

GTA-Route quert dann fl ach durch die Ostseite des Monte

Palon auf seine Südseite. Nach einem kurzen Abstieg die

GTA verlassen und nach rechts der weiß-rot markierten

Alta Via Val di Susa folgen. Die Markierungen sind nicht

immer gut ersichtlich. In kurzem Auf und Ab mehr oder

weniger auf gleicher Höhe und durch mehrere Bachgräben

(teilweise rutschiges Gestein) westlich gegen das Rifugio

Cà d’Asti (2854 m, 2½ Std.).

2.Tag: Rifugio Cà d’Asti – Rifugio Vulpot; 6 Std., 770 Hm

Aufstieg, 1820 Hm Abstieg

Walliser Alpen Capanna Margherita (4554 m)

Route: Von der Punta Indren oberhalb von Gressoney gelangt

man in einer knappen Stunde zum Rifugio Mantova.

Zwecks Akklimatisierung eignet sich ein Abstecher auf die

4046 Meter hohe Punta Giordani direkt über der Punta

Indren. Ihren Gipfel erreicht man in gut 2½ Stunden, zwei

Stunden später sitzt man auf der Sonnenterrasse des

Rifugio Mantova. Diese Hütte liegt 200 Meter tiefer als

die benachbarte Capanna Gnifetti, ist jedoch moderner

und weniger überlaufen. Vom Rifugio führt der Weg tags

darauf an der Capanna Gnifetti vorbei und am östlichen

Rand des mächtigen Lysgletschers hoch zu den Gipfeln

des Monte Rosa.

Wer mag, kann unterwegs Vincentpyramide, Balmenhorn,

Schwarzhorn, Ludwigshöhe, Parrotspitze und Zumsteinspitze

besteigen, um schließlich den Gipfel der Signalkuppe

und damit die Capanna Margherita zu erreichen.

Am nächsten Tag führt die Route über den Grenzgletscher

hinab. Dieser Gletscher weist größere Spaltenzonen auf

und sollte früh am Tag und mindestens in Dreierseilschaft

begangen werden. Die Route folgt dem Verlauf der Gletscherzunge

und ist abhängig von den Verhältnissen. Auf

Bei guter Wetterprognose ist meist eine Menge los auf der Hütte

und es empfi ehlt sich, noch vor dem offi ziellen Frühstück zur Gipfelbesteigung

aufzubrechen. Wer es schafft, vor Sonnenaufgang

oben zu sein, darf ein wunderbares Erlebnis mit nach Hause nehmen.

Bis zum Vorgipfel La Crocetta (3306 m) ist der Weg einfach

nur sehr steil, dann kommt Exponiertheit hinzu, doch man darf

sich nun an Seilen festhalten und kann so leicht über den Südgrat

den Gipfel des Rocciamelone (2 Std.), erreichen. Abgesehen

von besonderen Festivitäten ist die Gipfelkapelle geschlossen

(Schlüssel beim Hüttenwirt Fulgido Tabone), das Biwak ist jedoch

stets geöffnet. Für den Abstieg zum Rifugio Tazetti auf dem Pfad

unterhalb der Madonnenstatue den Nordwestgrat abwärts. Die

Pfadspuren und Steinmännchen leiten nach ca. 10 Minuten

rechts durch den Hang auf das Gletscherplateau hinunter; dieses

nordöstlich überqueren. Am letzten ins Val di Viù überlappende

Eiscouloir befi ndet sich der Col di Resta (3183 m, 1¼ Std.); dort

auf einen rot-weiß markierten Weg. Im Zickzack durch einen felsigen

Steilhang auf den Kamm, der zum Rifugio Tazzetti (2642 m,

1 Std.) leitet. Auf dem Hüttenweg zunächst steil, dann zunehmend

fl acher über Alpwiesen zurück um Ausgangspunkt (1¾ Std.

Iris Kürschner

einer Höhe von rund 2920 Metern verlässt man den Gletscher,

steigt auf den Sporn von Plattje und folgt Wegmarkierungen bis

zur Neuen Monte-Rosa-Hütte (2883 m); von dieser gelangt man

auf dem Hüttenweg zur Bahnstation Rotenboden oberhalb von

Zermatt.

Caroline Fink

Die höchste Hütte der Alpen

Blick auf Susa beim Gipfel-Aufstieg

Foto: Caroline Fink Foto: Iris Kürschner

TIPP

Walliser Alpen Vincentpyramide (4215 m)

Route: Von der Punta Indren oberhalb von Gressoney gelangt

man in einer knappen Stunde zum Rifugio Mantova.

Zwecks Akklimatisierung eignet sich ein Abstecher auf die

4046 Meter hohe Punta Giordani direkt über der Punta Indren.

Ihren Gipfel erreicht man in gut 2½ Stunden, zwei

Stunden später sitzt man auf der Sonnenterrasse des Rifugio

Mantova. Diese Hütte liegt 200 Meter tiefer als die

benachbarte Capanna Gnifetti, ist jedoch moderner und

weniger überlaufen. Vom Rifugio führt der Weg tags darauf

an der Capanna Gnifetti vorbei und am östlichen Rand

des mächtigen Lysgletschers gemächlich und ziemlich

fl ach bis in eine weite Senke, in der man nach rechts

schwenkt. Linkerhand führt die Route hoch zum kleinen

Felszapfen des Balmenhorns (4167 m). Dieses gilt nicht

als eigenständiger Viertausender, erfreut Besucher indes

mit einer immensen Christusstatue und einer Biwakschachtel.

Vom Balmenhorn aus ist zudem die Spur bestens

einsehbar, die technisch einfach auf die etwas weiter

südlich gelegene Vincentpyramide (4215 m) führt. Der

Abstieg erfolgt auf derselben Route.

Caroline Fink

Der Gipfel wurde nach dem Erstbesteiger Johann Nikolaus Vincent benannt (5. August 1819).

Foto: Caroline Fink


TIPP

Walliser Alpen Dufourspitze (4634 m)

4

Auf den höchsten Schweizer Gipfel

Eine Tour, die angesichts der langen Gletscherzustiege von Zermatt her oft als Skihochtour im

Frühjahr unternommen wird. Eine interessante Variante im Sommer ist jedoch die Überschreitung

des Berges vom italienischen Gressoney nach Zermatt mit Übernachtung in der Capanna Margherita.

aus Bergsteiger 8/2014 – Seite 64

↑ 400/↓ 2100 Hm |

2 Tage

normale Hochtourenausrüstung

inkl. Material für

Gratkletterei

Talorte: Gressoney (1385/1624 m), Zermatt (1616 m)

Ausgangspunkt: Punta Indren (3275 m)

Endpunkt: Rotenboden (2815 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Martigny,

Bus über den Großen Sankt Bernhard nach Aosta, Zug

bis Pont-Saint-Martin und wieder Bus nach Gressoney;

Seilbahn zur Punta Indren. Vom Rotenboden mit der

Gornergratbahn nach Zermatt und mit der Bahn via Visp

zurück nach Martigny

Gehzeiten: Aufstieg 4 Std., Abstieg 6 Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Karten/Führer: Swisstopo-Karte 1:25 000, Blatt 1348

»Zermatt«; Swisstopo-Wanderkarte 1:50 000,

Blatt 284 T »Mischabel« (inkl. Gressoney auf der Rückseite)

Caroline Fink »Höhenwege im Wallis. Panoramawanderungen,

Hüttenwege und leichte 4000er-Touren«, Bruckmann Verlag,

2014

Informationen: Gressoney/Monte Rosa, Tel. 00 39/01 25/

35 66 70, www.gressoneymonterosa.it; Zermatt Tourismus,

Tel. 00 41/ 27/9 66 81 00, www.zermatt.ch

Hütten: Rifugio Mantova, Tel. 00 39/1 63/7 81 50,

www.rifugiomantova.it; Capanna Margherita, Tel. 00 39/1 63/

9 10 39, www.rifugimonterosa.it

Schwierigkeit: ZS (ziemlich schwierig); Fixseile im Abstieg

vom Grenzgipfel zum Silbersattel

TIPP

Mieminger Gebirge Ehrwalder Sonnenspitze (2417 m)

5

Der formschönste Gipfel der Mieminger Kette

Im Umkreis der Coburger Hütte befinden sich eine Reihe attraktiver Gipfelziele für ambitionierte

Berggeher. Aufgrund ihrer Form und der fantastischen Aussicht ist die Sonnenspitze seit jeher

besonders beliebt. Freilich muss man dort schon ein wenig zupacken.

aus Bergsteiger 8/2014

1420 Hm | 7½ Std.

normale Bergwanderausrüstung,

Helm

Talort: Ehrwald (1000 m)

Ausgangspunkt: Talstation der Ehrwalder Almbahn

(1108 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Ehrwald liegt an der

Außerfernbahn von Garmisch über Reutte nach Kempten;

zur Seilbahnstation Busverkehr

Gehzeiten: 3 Std. Zustieg zur Coburger Hütte, 1¾ Std.

Gipfelaufstieg, 2¾ Std. Abstieg

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis Mitte Oktober

Karten/Führer: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt 4/2

»Wetterstein- und Mieminger Gebirge Mitte«; Mark Zahel »Alpine

Bergtouren Wetterstein und Karwendel«, Bruckmann Verlag, 2014

Fremdenverkehrsamt: Tiroler Zugspitzarena, Tourismusbüro,

Kirchplatz 1, A-6632 Ehrwald, Tel. 00 43/(0)56 73/20 00 02 08,

Fax 00 43/(0)56 73/20 00 02 10

Hütte: Coburger Hütte (1917 m), DAV, Anfang Juni bis Mitte

Oktober, Tel. 00 43/(0)6 64/3 25 47 14

Charakter/Schwierigkeiten: Trotz Markierung anspruchsvolle

Bergtour mit recht anhaltender Kletterei (schwierigste

Stellen II, sonst überwiegend I, ganz wenige Sicherungen) in

der Südfl anke. Beim nordostseitigen Abstieg nur im oberen Teil

einige kurze Kletterstellen (I–II), sonst meist steiles Gehgelände.

Absolute Trittsicherheit, grundlegende Kletterfähigkeiten und

Routengespür notwendig, daher nur für Erfahrene.

TIPP

Rofangebirge Haidachstellwand (2192 m)

6

aus Bergsteiger 8/2014

Schnuppertour am 5-Gipfel-Klettersteig

Die Haidachstellwand war trotz Seilbahnnähe lange Zeit kein überlaufener Gipfel. Seitdem sie

Teil des Achenseer 5-Gipfel-Klettersteigs geworden ist, herrscht dort regesTreiben. Freilich wird

bergsteigerisch nun auch mehr Spannung geboten – eine Ferrata-Spritztour zum Ausprobieren.

450 Hm | 2½ Std.

K2–3; Klettersteigausrüstung

mit Helm

Talort: Maurach (974 m)

Ausgangspunkt: Bergstation der Rofanseilbahn bei der

Erfurter Hütte (1831 m); Betriebszeiten 8.30 bis 17 Uhr

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung vom

Bahnhof Jenbach nach Maurach

Gehzeiten: Aufstieg 1½ Std., Abstieg 1 Std.

Beste Jahreszeit: Ende Mai bis Ende Oktober

Karten/Führer: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt 6

»Rofan«. Eugen E. Hüsler »Ran ans Eisen«, Bruckmann

Verlag, 2014; Mark Zahel »Alpine Klettersteige Ostalpen«,

Bergverlag Rother, 2012.

Fremdenverkehrsamt: Tourismus Informationsbüro, Achenseestraße

5, A-6212 Maurach, Tel. 00 43/(0)52 43/53 55-0,

Fax 00 43/(0)52 43/53 55-25

Hütten: Erfurter Hütte (1834 m), DAV, Mitte Mai bis Ende

Oktober, Tel. 00 43/(0)52 43/55 17

Charakter/Schwierigkeiten: Kurze Klettersteig-Überschreitung

im mittleren Schwierigkeitsbereich (K2–3) und damit gute

Testtour, aber schon etwas Geschick erforderlich. Die konditionellen

Anforderungen sind gering.


TIPP

Walliser Alpen Dufourspitze (4634 m)

TIPP

Route: Von der Punta Indren oberhalb von Gressoney gelangt

man in einer knappen Stunde zum Rifugio Mantova.

Zwecks Akklimatisierung eignet sich jedoch ein Abstecher

auf die 4046 Meter hohe Punta Giordani, die direkt über

der Punta Indren liegt. Ihren Gipfel erreicht man in gut 2½

Stunden, zwei Stunden später sitzt man auf der Sonnenterrasse

des Rifugio Mantova. Diese Hütte liegt 200 Meter

tiefer als die benachbarte Capanna Gnifetti, ist jedoch

moderner und weniger überlaufen. Vom Rifugio führt der

Weg tags darauf an der Capanna Gnifetti vorbei und am

östlichen Rand des mächtigen Lysgletschers hoch zu den

Gipfeln des Monte Rosa.

Wer mag, kann unterwegs Vincentpyramide, Balmenhorn,

Schwarzhorn, Ludwigshöhe und/oder Parrotspitze besteigen,

um schließlich den Gipfel der Signalkuppe und damit

die Capanna Margherita zu erreichen.

Am nächsten Tag führt die Route wenige Meter hinab

zum Colle Gnifetti, dann hoch auf die Zumsteinspitze und

von dieser in nördlicher Richtung zum Felsgrat der Dufourspitze.

Über den Grat gelangt man mit Kletterstellen

bis III zuerst auf den Grenzgipfel und über einen kurzen

Mieminger Gebirge Ehrwalder Sonnenspitze (2417 m)

Verbindungsgrat zum Hauptgipfel. Abstieg vom Grenzgipfel den

Fixseilen entlang in den Silbersattel mit anschließendem Gletscherwackel

zur Neuen Monte-Rosa-Hütte und dem Hüttenweg

folgend zur Bahnstation Rotenboden oberhalb von Zermatt.

Caroline Fink

Mit leichter Gratkletterei zum Gipfel

Aufstieg: Von der Talstation anfangs ein Stück am

Mühlenweg talauswärts, bis der eigentliche Aufstieg links

abzweigt (hierher auch direkt von Ehrwald). Im Wald zunächst

sachte, später steiler aufwärts und in Kehren an

die Seebenmauer heran, die nachfolgend auf einer gesicherten

Steiganlage (»Hoher Gang«) überwunden wird.

Nach dem Ausstieg auf das Plateau (ca. 1670 m) durch

lichte Lärchenbestände leicht abwärts zum Ufer des

Seebensees, links an diesem vorbei und über eine Reihe

von Serpentinen südwärts über die nächste Karstufe zur

Coburger Hütte (1917 m).

Gipfelaufstieg: Man folgt dem Weg westwärts unter

dem Nordabbruch des Vorderen Drachenkopfes Richtung

Biberwierer Scharte, zweigt aber noch vor dieser nach

rechts auf eine Geröllhalde am Fuß der Südfl anke ab. Über den

schrofi gen Vorbau in eine steile Rinne, die links von einer glatten

Wand begrenzt wird. Bei ihrer Verzweigung in den rechten Ast

(Pfeil) und weiter über typische Schrofen aufwärts. Unterhalb

von schroffen Felsen hält man sich rechts, quert eine Kante

sowie die auffällige vom Südgrat herabziehende Schluchtrinne.

Es folgt die Schlüsselpassage in einem Kamin (II, einige Tritthilfen),

der nach links in eine ausgesetzte Traverse mit Drahtseil

übergeht. An deren Ende wieder gerade entlang einer Felsrippe

sowie links daneben aufwärts. Im oberen Teil nochmals deutlich

nach rechts, dabei die Rippe und eine Rinne queren, schließlich

im Bereich der nächsten Rippe mit abnehmenden Schwierigkei-

ten zum Südgipfel (2417 m) hinauf. Durch eine ausgesetzte

Scharte zum nur wenig niedrigeren Nordgipfel mit Kreuz.

Abstieg: Zuerst einige Meter am Nordwestgrat hinab (I–II).

Dann quert man in die schuttbedeckte Flanke hinein und allmählich

hinüber zu jener Rippe, die sich als Nordostgrat ausprägt.

Im Wesentlichen geht es über diesen abwärts (anfangs

noch vereinzelt I, danach unschwierig). Neben Steigspuren

helfen deutliche rot-weiße Markierungen. Der Grat verbreitert

sich zum Rücken und taucht dabei in die Vegetationszone

ein. Zwischen den Latschen mehr nach rechts und durch lichten

Wald zum Seebensee, den man unweit einer Jagdhütte

erreicht. Schließlich wieder über den Hohen Gang talwärts.

Mark Zahel

West

Panorama: www.peakfinder.org Foto: Caroline Fink

TIPP

Rofangebirge Haidachstellwand (2192 m)

Aufstieg: Von der Erfurter Hütte geht es auf dem viel begangenen

Weg Nr. 401 durch die Senke beim Mauritzalm-

Hochleger, über eine steilere Passage (Grubasteig) in

die Gruba-Hochmulden und rechts haltend Richtung

Krahnsattel. Hier dreht man markant nach Süden ab und

gelangt in Kürze zum Einstieg (ca. 2020 m). Am plattigen

Auslauf eines Grätchens aufwärts und allmählich über steilere

Stufen (C) zu einem Köpfl . In seinem Rücken folgt eine Gehpassage,

ehe weitere Grataufschwünge (K2–3) zu meistern sind. Kurz

vor dem Ausstieg auf die grasig-schrofi ge Gipfelabdachung ist als

Gag eine Seilbrücke installiert. Schließlich noch rund 10 Minuten

weiter bis zum Kreuz auf der Haidachstellwand (2192 m).

Abstieg: Man überschreitet das Gipfelplateau und steigt südwestwärts

über kurze Klettersteigpassagen (B) ab. Es folgen

einige Schleifen am steilen Wiesenhang, ehe der Weg markant

nach rechts abknickt und durch leicht verkarstetes Gelände

zurück ins Seilbahngebiet quert.

Mark Zahel

Süd

Panorama: www.peakfinder.org


TIPP

Sextener Dolomiten Paternkofel (2746 m), Überschreitung

7

Genussklettersteig mit Abenteuerfaktor

Eine Tour, die auch in den Berg hinein führt. Kurz nach der markanten Felsnadel des »Frankfurter

Würstls« leitet die Route durch einen alten Kriegsstollen, die »Galleria Paterna«, in der es naturgemäß

finster ist. Also Lampe nicht vergessen!

aus Bergsteiger 8/2014 – Seite 34

1376 Hm | 6½ Std.

K2; komplette

Klettersteigausrüstung

Talort: Fischleinboden (1454 m)

Ausgangspunkt: Drei-Zinnen-Hütte (2438 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bus von Sexten oder Taxi

zum Parkplatz »Fischleinboden«

Gehzeiten: Aufstieg 2 Std., Abstieg 1½ Std. über

Paternsattel zurück zur Drei-Zinnen-Hütte

Beste Jahreszeit: Ende Juni – Ende September

Karten: Tabacco Topografi sche Wanderkarten 1:25 000,

»Sextener Dolomiten«, Nrn. 010, 03, 031 oder Tabacco,

Wanderwege »Dolomiti Live«, 1:75 000 für alle Touren

Information: Tourismusverband Hochpustertal, Dolomitenstraße

29, I-39034 Toblach, Tel. 00 39/04 74/91 31 56,

Fax 00 39/04 74/91 43 61, www.hochpustertal.info, versendet

gratis Kartenmaterial mit Toureninfos zu allen Klettersteigen.

Hütte/Einkehr: Drei-Zinnen-Hütte (2438 m), geöffnet 28. 06.–

28. 09, 40 Betten, 100 Lager, spartanischer Winterraum, CAI,

Pächter: Hugo Reider, Tel. 00 39/04 74/972 0 02, Fax 00 39/04

74/71 24 56, mobil 00 39/3 29/6 69 03 35, dreizinnenhuette@

rolmail.net; ausgezeichnete Küche, Panorama unschlagbar

Charakter/Schwierigkeit: Konditionell und technisch leichter

Steig mit überwältigender Optik. Auch für Familien mit kleineren,

geübten Kindern machbar. Führt durch Stollen aus dem

Ersten Weltkrieg, deshalb Taschen- oder Stirnlampe mitnehmen.

TIPP

Sextener Dolomiten Toblinger Knoten (2617 m), Leiternsteig/Feldkurat-Hosp-Steig

8

Klettersteig-Highlight in alpiner Traumregion

Der Leiternsteig macht seinem Namen alle Ehre: Die Drei Zinnen immer im Blick turnt man luftig

über 17 Leitern durch mehrere steile Kamine. Der Feldkurat-Hosp-Steig ist dann im Abstieg technisch

leichter.

aus Bergsteiger 8/2014 – Seite 34

1163 Hm | 6 Std.

K3/2; komplette

Klettersteigausrüstung

Talort: Fischleinboden (1454 m)

Ausgangspunkt: Drei-Zinnen-Hütte (2438 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bus von Sexten oder Taxi

zum Parkplatz »Fischleinboden«

Gehzeiten: Aufstieg 2 Std., Abstieg 1 Std. zurück zur

Drei-Zinnen-Hütte

Beste Jahreszeit: Ende Juni – Ende September

Karten: Tabacco Topografi sche Wanderkarten 1:25 000,

»Sextener Dolomiten«, Nrn. 010, 03, 031 oder Tabacco,

Wanderwege »Dolomiti Live«, 1:75 000 für alle Touren

Information: Tourismusverband Hochpustertal, Dolomitenstraße

29, I-39034 Toblach, Tel. 00 39/04 74/91 31 56,

Fax 00 39/04 74/91 43 61, www.hochpustertal.info, versendet

gratis Kartenmaterial mit Toureninfos zu allen Klettersteigen.

Hütte/Einkehr: Drei-Zinnen-Hütte (2438 m), geöffnet 28. 06.–

28. 09, 40 Betten, 100 Lager, spartanischer Winterraum, CAI,

Pächter: Hugo Reider, Tel. 00 39/04 74/972 0 02, Fax 00 39/04

74/71 24 56, mobil 00 39/3 29/6 69 03 35, dreizinnenhuette@

rolmail.net; ausgezeichnete Küche, Panorama unschlagbar

Charakter/Schwierigkeit: Konditionell und technisch mittelschwieriger,

häufi g stark exponierter Steig mit überwältigender

Optik.

TIPP

Sextener Dolomiten Sextener Rotwand (2936 m)

9

Auf den »Zehner« der Sextener Sonnenuhr

Die Klettersteig-Tour auf die Sextener Rotwand wird angenehm durch den Rotwandwiesen-

Gondellift verkürzt, ist aber mit 1000 Höhenmetern zum Gipfel konditionell immer noch recht

fordernd. Ein Zuckerl beim Abstieg ist der Besuch des Feilicht-Museums auf der Anderter Alpe.

aus Bergsteiger 8/2014 – Seite 34

1089 Hm | 5½ Std.

K2; komplette

Klettersteigausrüstung

Talort: Sexten, Ortsteil Bad Moos, Parkplatz der Gondelbahn

(1353 m)

Ausgangspunkt: Rotwandwiesen-Hütte (1924 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bus von Sexten oder Taxi

zum Parkplatz der Gondelbahn

Gehzeiten: Aufstieg 3 Std., Abstieg 2 Std., Achtung:

Fahrt der letzten Gondel talwärts vorab eruieren (meist

17.00 Uhr), evtl. Museumssteig mit einkalkulieren

Beste Jahreszeit: Ende Juni – Ende September

Karten: Tabacco Topografi sche Wanderkarten 1:25 000,

»Sextener Dolomiten«, Nrn. 010, 03, 031 oder Tabacco,

Wanderwege »Dolomiti Live«, 1:75 000 für alle Touren

Information: Tourismusverband Hochpustertal, Dolomitenstraße

29, I-39034 Toblach, Tel. 00 39/04 74/91 31 56,

Fax 00 39/04 74/91 43 61, www.hochpustertal.info, versendet

gratis Kartenmaterial mit Toureninfos zu allen Klettersteigen.

Einkehr/Übernachtung: Rotwandwiesen-Hütte (1924 m),

privat, Norbert Tschurtschenthaler, Juni – Mitte Oktober (unweit

der Rotwand-Gondelbahn), Tel. 00 39/04 74/71 06 51,

mobil 00 39/3 48/4 43 98 34, www.rotwandwiesenhuette.it

Charakter/Schwierigkeit: Technisch leichter, aber konditionell

fordernder Steig mit herrlichen Ausblicken und viel Einblick

in die Geschichte und Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs.

Tipp: Zusatzrunde über den Freilicht-Museumssteig Bellum

Aquilarum auf der Anderter Alpe (mit Führung plus 4 bis 5 Std.)


TIPP

Sextener Dolomiten Paternkofel (2746 m), Überschreitung

TIPP

Aufstieg: Von Sexten/Moos südlich zum Fischleinboden,

vorbei an der Talschlusshütte und durch das Altensteiner

Tal hoch zur Drei-Zinnen-Hütte (2438 m). Am besten dort

eine Übernachtung einplanen, weil das Panorama seinesgleichen

sucht. Weiter auf schmalem Pfad bergan Richtung

»Frankfurter Würstel«, einer markanten Felsnadel. Schon

bald danach ca. 20 Minuten durch einen Kriegsstollen hinauf

(Stirnlampe nicht vergessen. Stöcke, die aus dem Rucksack

ragen, stören in dem niederen Gang und schrammen

ständig an der Decke). Luftig, aber gut versichert, mit tollem

Blick auf die Bödenseen hoch zur Gamsscharte. Links Abzweig

zur Büllelejoch-Hütte, rechts über ein paar senkrechte

und kraftraubende Seil- und Trittkombinationen auf den

Gipfelblock des Paternkofels und weiter gut markiert mit

Steinmännern über Schrofen und Bänder zum Gipfel mit

dem Gedenkkreuz für Sepp Innerkofl er. Hier bieten sich

grandiose Einblicke in die Wände der Drei Zinnen und die

umliegenden Gipfel.

Abstieg: bis zur Gamsscharte auf demselben Weg; danach

aber südlich über Schrofen (Achtung: zum Teil loses

Geröll) hinunter Richtung Lavaredo- und Auronzo-Hütte

Gesicherte Passage beim Aufstieg

zum Paternkofel

Sextener Dolomiten Toblinger Knoten (2617 m), Leiternsteig/Feldkurat-Hosp-Steig

Aufstieg: Von Sexten/Moos südlich zum Fischleinboden,

vorbei an der Talschlusshütte und durch das Altensteiner

Tal hoch zur Drei-Zinnen-Hütte (2438 m). Wer

oben übernachtet, kann die Paternkofel-Überschreitung

(siehe vorherige Tour) und den Toblinger Knoten ohne

Zeitdruck und ein umwerfendes Panorama mit Sonnenuntergangsstimmung

genießen.

Von der Drei-Zinnen-Hütte mit Blick auf die Bödenseen

der Beschilderung Richtung Toblinger Knoten folgen.

Dem schmalen Pfad in den Sattel zwischen dem südlich

vorgelagerten Sextener Stein und der Südwand des Toblinger

Knotens folgen. Entlang des Wandfußes leicht ansteigend

zur schmalen Westkante. Dem schmalen, ausgesetzten

Pfad bis zur Mitte der Nordwand folgen, wo

eine kaminähnliche Schlucht den Einstieg des Leiternsteigs

markiert.

Über einen Riss senkrecht hinauf zur ersten Leiter. Die

ersten Felstufen werden mit Leitern überwunden,

Schuttbänder und Felspartien sind mit Seilen versichert.

Zum Teil überhängende Leitern führen rasch und

luftig bergauf. Kurze Querungen führen zur jeweils

zum Paternsattel. Auf dem Sattel rechts, dann bergab Richtung

Nordabstürze der Drei Zinnen und der Beschilderung auf schönem

Panoramaweg zurück zur Drei-Zinnen-Hütte folgen; ein kleiner Gegenanstieg

fordert zum Schluss nochmal die Beinmuskeln.

Zurück zum Fischleinboden und nach Sexten wie beim Aufstieg

durch das Altensteiner Tal.

Norbert Eisele-Hein

nächsten Leiter. Die Route verläuft selbsterklärend und führt

steil auf den Nordostgrat. Über Blockwerk und zwei letzte Leitern

erreicht man den Gipfel.

Abstieg: Der Abstieg über den Feldkurat-Hosp-Steig verläuft

meist seilversichert, stets exponiert, aber ohne größere Schwierigkeiten

über Felsbänder und Felsstufen durch die Ostwand und

zum Sattel vor dem Sextener Stein. Auf schönem Wanderweg zurück

zur Drei-Zinnen-Hütte.

Norbert Eisele-Hein

Luftig am Leiternsteig

Foto: Norbert Eisele-Hein Foto: Norbert Eisele-Hein

TIPP

Sextener Dolomiten Sextener Rotwand (2936 m)

Aufstieg: Von der Bergstation der Rotwandwiesen-Bahn

links an der Rudi-Hütte vorbei. Auf breitem Weg bergab in

eine grüne Senke, halbrechts auf Steig 100 steiler bergan,

durch Almrausch-Felder um eine Felsnase herum bis zur

Gabelung am Fuß der Rotwandköpfe. Dann Richtung »Via

ferrata« steil rechts nach oben, um die Zacken der Rotwandköpfe

herum und zu einem Schuttkessel (Klettersteiggurt

anlegen). Über 40 m hohe Leitern und schmalen

Kamin steil zu leichterem Gehgelände und vorbei am Abzweig

zum Burgstall (der sich später für den leichteren Abstieg

nutzen lässt). Über viele Schotterserpentinen zu einer

breiten Scharte und weiter zum »Prater« (Reste einer

alten Kriegsstellung). Weiter über erodierte Bänder und

über eine Holzleiter auf Felskamm und zu einem mit

Drahtseilen versicherten Felsriegel. Über Gehgelände bis

zum Gipfel, dazwischen immer wieder Überbleibsel von alten

Schützenstellungen, Materialseilbahnen und hölzernen

Telegrafenmasten. Nach einem weiteren Geröllkessel

im Zickzack bis direkt an die Gipfelwand. Markierte Schrofen

leiten durch den letzten Steilaufschwung mit guten Tritten,

Griffen und Sicherungen. Ein paar wenige Meter im

Ier- oder IIer-Gelände und das Gipfelkreuz mit dem hölzernen

Heiland und ein paar Gebetsfahnen ist erreicht. Oben reicht der

Blick hinüber zum völlig von Kavernen durchlöcherten Vinatzerturm

(2965), der auch »Polar« genannt wurde.

Abstieg: Zurück auf gleichem Weg bis zum Abzweig »Burgstall«.

Eine Geröllrinne und eine Mischung aus versicherten Felsen und

Schrofen führt bergab bis zu einfachem Gehgelände und direkt

zur Bergstation der Rotwandwiesen-Bahn.

Die Tour lässt sich kongenial (in einem Tag allerdings nur für konditionsstarke

Bergsteiger) mit dem Museumssteig Bellum Aquilarum

auf der Anderter Alpe der Rotwand verbinden (Führung immer

mittwochs um 9.30 Uhr).

Norbert Eisele-Hein

Relikte aus dem Ersten Weltkrieg beim

Aufstieg zur Sextener Rotwand

Foto: Norbert Eisele-Hein


TIPP

Chiemgauer Alpen Hochgern (1744 m)

10

Über das Hochgernhaus

Über der Waldgrenze wird diese beliebte Wanderung landschaftlich

sehr eindrucksvoll, und am Gipfel brilliert der Berg mit einer

Rundumsicht, die ihresgleichen sucht. Vor allem das Kaisergebirge

schiebt sich imposant ins Panorama.

1120 Hm | 5 Std.

normale Wanderausrüstung;

Stöcke empfehlenswert

aus Bergsteiger 8/2014

Talort: Unterwössen (620 m)

Ausgangspunkt: Unterwössen, Wanderparkplatz in

Au (647 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 47.73534°, Länge E 012.474072°

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung ab

Bahnhof Prien

Entfernung: 15,00 km

Gehzeiten: Aufstieg 3 Std.; Abstieg 2 Std.

Beste Jahreszeit: Frühsommer bis später Herbst

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt BY 18 »Chiemgau –

Mitte«; Kompass Wanderkarte 1:50 000, Blatt 10 »Chiemsee

– Simssee«

Informationen: Tourist Information Unterwössen, Rathausplatz 1,

D-83246 Unterwössen, Tel. 00 49/(0) 86 41/82 05,

www.unterwoessen.de

Hütte/Einkehr: Agergschwendalm (1040 m), Tel. 00 49/

(0)86 41/84 81. Enzianhütte (1420 m), Tel. 00 49/(0)86 41/

6 15 66. Hochgernhaus (1461 m), privat, ganzjährig

geöffnet, 15 Betten, 20 Lager, Tel. 00 49/(0)86 41/6 19 19

Schwierigkeiten: leichte Wanderung; für Kinder ab 12 J.

TIPP

Zillertaler Alpen Mitterjoch (1847 m) und Roller (1949 m)

11

Waldwanderung für heiße Sommertage

Bis zum Roller sehr leichte, nordseitige Wanderung im Schatten, deshalb für heiße Sommertage gut

geeignet. Erst kurz unter dem schönen Gipfel gibt es freie Ausblicke. Wer wirklich trittsicher und

erfahren ist, kann die Tour bis zum Schafkogel verlängern.

aus Bergsteiger 8/2014

850 Hm | 4 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Gerlos (1245 m)

Ausgangspunkt: Gerlos-Gmünd (1204 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 47.210655°, Länge E 012.003185°

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung ab Zell

am Ziller

Entfernung: 6,63 km

Gehzeiten: Aufstieg 2¼ Std.; Abstieg 1¾ Std.

Beste Jahreszeit: Sommer und Herbst

Karte: Freytag & Berndt Wanderkarte1:50 000,

Blatt 151 »Zillertal – Tuxer Alpen – Jenbach – Schwaz«

Informationen: Tourismusverband Zell-Gerlos, A-6281 Gerlos

141, Tel. 00 43/(0) 52 84/52 44-0, www.zillertalarena.com

Einkehr: keine

Schwierigkeiten: Bis zum Roller sehr einfache Waldwanderung;

für Kinder ab 11 Jahren. Der nicht empfohlene Weiterweg

zum Schafkogel ist in grasigen Steilhängen ziemlich riskant.

Die Namen der beiden Ziele stiften etwas Verwirrung: In den

aktuellen Kartenwerken steht für den ersten, 1847 m hohen

Gipfel Mitterjoch und für den zweiten Roller. Im Gipfelbuch steht

es anders herum.

TIPP

Karwendelgebirge Wildangerspitze (2153 m)

12

Gipfelrunde über dem Halltal

Wer den langen Straßenanmarsch von Absam hinter sich gebracht

hat, den erwarten kühne Felsen, weite Blumenwiesen und eine Fernsicht

vom Feinsten, was diese Rundtour im Herzen des Karwendels

zum tiefgreifenden Erlebnis werden lässt.

1300 Hm | 5¾ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

aus Bergsteiger 8/2014

Talort: Hall in Tirol (560 m)

Ausgangspunkt: Hall, St. Magdalena(1244 m). Die

Salzbergstraße ist für den privaten Verkehr gesperrt worden.

Man muss also zuerst einmal vom Parkplatz Absam-

Eichat zu Fuß, mit dem MTB oder einem teuren Taxi zum

Ausgangspunkt hinauf gelangen.

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 47.328433°, Länge E 011.491061°

Öffentliche Verkehrsmittel: keine

Entfernung: 10,04 km

Gehzeiten: Aufstieg 3¾ Std.; Abstieg 2 Std.

Beste Jahreszeit: Sommer und Herbst

Karte: Kompass Wanderkarte1:50 000, Blatt 26 »Karwendelgebirge«

Informationen: Tourismusverband Region Hall-Wattens,

Wallpachstr. 5, A-6060 Hall in Tirol, Tel. 00 43/(0)52 23/

45 54 40, www.hall-wattens.at

Einkehr: Gasthaus St. Magdalena und Knappenstube neben

den nach Lawinenschaden geschlossenen Herrenhäusern

Schwierigkeiten: Lange, doch grundsätzlich einfache Wanderung.

An einigen Stellen kann Trittsicherheit nicht schaden.


TIPP

Chiemgauer Alpen Hochgern (1744 m)

Aufstieg: Vom Wanderparkplatz auf einer Asphaltstraße

zur Straßengabelung in Wiesen hinauf. Hinter der

Asphaltdecke knickt die Route scharf links ab. Sie steigt

auf einem Kiessträßchen gegen Norden zu einem breiten

Fahrweg an. Auf ihn biegt man rechts ein und folgt ihm zur

Agergschwendalm.

Hinter der Bergwirtschaft in Kehren zur Enzianhütte und

gleich darauf zum Hochgernhaus, wo die Straße endet.

Ein guter Bergweg bringt uns nun über freie Wiesenhänge

nach Osten und erreicht einen Rücken, von wo es mehrere

Aufstiegsvarianten gibt. Es empfi ehlt sich, dem beschilderten

Weg zu folgen, der über Wiesenhänge entweder

direkt zum Kreuz ansteigt oder links des Gipfels zuerst den

höchsten Punkt mit der kleinen Blechkapelle erreicht und

dann in einen Sattel abfällt, um gleich darauf zum Gipfelkreuz

anzusteigen.

Abstieg: Im Wesentlichen entlang der Aufstiegsroute mit

mehreren Abkürzungsmöglichkeiten.

Siegfried Garnweidner

Foto: Siegfried Garnweidner

Das Hochgernhaus, von dem man einen fantastischen Blick zum Kaisergebirge hat

TIPP

Zillertaler Alpen Mitterjoch (1847 m) und Roller (1949 m)

Aufstieg: Vom Parkplatz der Jausenstation Wimmertal

unter der Wimmertalbachbrücke durch, dann nach

rechts und bei den Wohnhäusern wieder links und zur

Passstraße. Auf ihr kurz talaus und dann links auf ein

Sträßchen einbiegen. Es knickt rechts ab, und ein Pfad

zweigt an bezeichneter Stelle rechts ab. Dieser quert einen

Graben, steigt im Wald nach Süden an und stößt zu einer

Forststraße, der man ein paar Meter nach links folgt. In der

ersten Straßenkehre geht man geradeaus zum Wanderweg,

der sich wieder zur Forststraße hinaufschlängelt. Die

Straße queren und im Wald zu einer Wegverzweigung kurz

unter dem Jöchl hinauf.

Aus dem Jöchl geht es über den Gratrücken nach Südosten

weiter, zur Lichtung des Mitterjochs hinauf und in der

gleichen Richtung dahin, bis sich die Route auf die letzten

Meter im freien Hang zum Rollergipfel aufschwingt. Damit

ist der Anstieg normalerweise zu Ende.

Wer vom Berg noch nicht genug hat und Mut und Gottvertrauen

besitzt, kann vom Gipfel nach Süden weitergehen

und auf einem aufgelassenen Steig einen langen, enorm

abbrechenden Grashang querend zum Schafkogel

aufsteigen. Harmlos ist das nicht und deshalb nur trittsicheren,

erfahrenen Berggehern zu empfehlen.

Abstieg: Im Wesentlichen entlang der Aufstiegsroute.

Siegfried Garnweidner

Ausblick vom Roller auf das Gerlostaljoch

Foto: Siegfried Garnweidner

TIPP

Karwendelgebirge Wildangerspitze (2153 m)

Aufstieg: Die Salzbergstraße unter dem Gasthaus

St. Magdalena verlassen und auf einem Sträßchen bis

unmittelbar vor das Wirtshaus und die Kapelle St. Magdalena

hinauf. Dort rechts abbiegen und zum markierten

Wanderweg, der links abdreht und im Wald kräftig ansteigt.

Ihm folgt man im Wesentlichen durch den Wald bis zum

gemütlichen Rastplatz auf dem Hochmahdkopf.

Vom ersten Gipfelziel auf dem Kamm nach Westen weiter,

unter dem Haller Zunterkopf ein wenig ausgesetzt luftig

und am Drahtseil zum zweiten Gipfel hinauf. Auch der

Abstieg vom Haller Zunterkopf verläuft kurz am Seil, ehe

es in einem weiten Linksbogen zum Thaurer Zunterkopf

hinauf geht.

Von ihm nach Südwesten hinab, bei der Verzweigung rechts

weiter und ins Törl hinein. Aus dem Törl nach Nordwesten

aufsteigen, an einem alten Bergwerksstollen vorbei, unter

dem Wiesengipfel der Wildangerspitze rechts abdrehen

und zu dem im Jahr 2008 aufgestellten Gipfelkreuz und

dem Bankerl auf dem höchsten Punkt hinauf.

Abstieg: Bis zum Törl steigt man auf der Aufstiegsroute

ab. Im Törl links abbiegen und auf bezeichnetem Steig im

Zickzack zu den Herrenhäusern hinab. Von dort kurz auf der Straße,

später rechts daneben und dann wieder auf dem Fahrweg zum

Ausgangspunkt zurück.

Siegfried Garnweidner

Beim Anstieg zur Wildangerspitze

Foto: Siegfried Garnweidner


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Fernweh.

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Berg814


AUF TOUR

Viertausender sammeln im Monte-Rosa-Massiv

Wie am

Schnürchen

Das Monte-Rosa-Massiv birgt neun

offizielle Viertausender. In einer

großen Traversierung von Gressoney

nach Zermatt lassen sich einige

davon aneinander reihen. Wobei einer

noch ein Extra bietet: eine Nacht

in der höchsten Hütte Europas.

Von Caroline Fink (Text und Fotos)

64 Bergsteiger 08⁄14


Ich stehe auf dem Gipfel der 4554 Meter

hohen Signalkuppe und stelle den

Rucksack ab. Dann ziehe ich die schweren

Bergstiefel aus, schlüpfe in meine

Turnschuhe und trete ein: in die Stube.

Auf Viertausendern rastet man gewöhnlich

kurz und steigt rasch wieder ab. Doch

auf der Signalkuppe – auf Italienisch:

Punta Gnifetti – ist alles anders, denn hier

steht die Capanna Margherita, die höchstgelegene

Hütte der Alpen.

Dank diesem Bau lässt es sich im zweithöchsten

Massiv der Alpen gemütlich

Viertausender sammeln. Was besonders

gut klappt, da sich hier neun dieser Gipfel

aneinander reihen: Punta Giordani, Vincentpyramide,

Corno Nero, Ludwigshöhe,

Parrotspitze, Signalkuppe, Zumsteinspitze,

Dufourspitze und Nordend. Wird der

Felskopf des Balmenhorns ebenfalls als eigenständiger

Gipfel gezählt, kommt man

auf Viertausender Nummer zehn.

Ein Teil der Gipfel steht dabei in Italien, der

andere in der Schweiz, denn das Grenzmassiv

erhebt sich genau zwischen Zermatt

und den italienischen Bergdörfern Macugnaga,

Alagna und Gressoney. Obwohl das

höchste Grenzmassiv der Schweiz, fällt es

von Zermatter Seite her weniger auf, da

sich hier die langen Eisströme des Grenzgletschers

und des Gornergletschers stetig

hinab wälzen. Von der italienischen Seite

her gehört der Monte Rosa indes zu den

eindrücklichsten Anblicken der Alpen:

Ganze 2400 Meter hoch ragt dessen Ostwand

– die höchste Wand des Alpenbogens

– über Macugnaga in den Himmel.

Von Nordwesten und Süden her sind diese

Gipfel denn auch auf technisch einfachen

Routen erreichbar; von Osten her führen

anspruchsvolle Routen durch die Wand,

– durch das Marinelli-Couloir führt

Hinter der Parrotspitze

erhebt sich als nächstes

die Signalkuppe, an deren

Gipfel sich die Capanna

Margherita klammert.

08⁄14 Bergsteiger 65


1 Wenig oberhalb

des Rifugio Gnifetti

geht es auf dem

mächtigen Lysgletscher

bergwärts.

2 Die Morgensonne

lässt den Mont

Blanc leuchten, das

einzige Massiv der

Alpen, das höher ist

als der Monte Rosa.

3 Eine Marienstatue

begrüsst die

Bergsteiger auf

dem Corno Nero.

1

2

3

TIPP

Zum Weiterlesen

Caroline Fink »Höhenwege im Wallis«

Panoramawanderungen, Hüttenwege und

leichte 4000er-Touren, Bruckmann Verlag,

München 2014, 144 S., 19,90 €

In diesem Frühjahr erschien die komplett

überarbeitete und neu bebilderte Ausgabe

des Klassikers »Höhenwege im Wallis«.

Dieser bietet 36 faszinierende

Touren für

Wanderer und Bergsteiger

in den Walliser

Alpen. Ausführlich

beschrieben ist auch

die Traversierung des

Monte Rosa.

eine Nacht auf 2600 in der Oresteshütte, eine

Nacht auf 3400 Metern Höhe im Rifugio

Città di Mantova. Die Gipfel des Monte Rosa

sind wie eine Königin: Eine Audienz bei ihnen

nimmt Zeit und Geduld in Anspruch.

Am vierten Tag in der Früh sind wir da,

wohin wir wollen: auf dem Weg zu den

Gipfeln des Monte Rosa. Wir treten in

der Morgendämmerung hinaus auf die

Terrasse des Rifugio Mantova. Die Täler

Norditaliens und ihre Gipfel liegen noch

im grauen Dunst des nahenden Tages. Nur

ein Berg leuchtet in der Morgensonne: der

Mont Blanc. Wie ein erleuchteter Buddha

ruht sein eisiges Haupt in der Ferne.

Ein kühler Wind streicht über die Tereine

der bekanntesten extremen Skiabfahrten

der Alpen. Wir indes haben nichts

Extremes im Sinn. Wir erkunden die Gipfel

des Monte Rosa gemächlich. Dennoch

gleicht diese Bergtour einer kleinen Expedition,

nicht zuletzt, da wir in der dünnen

Luft der Capanna Margherita übernachten

und dabei eine akute Höhenkrankheit unbedingt

vermeiden wollen.

Vier Tage ist es her, seit wir in Zürich losgefahren

sind. Eine Busfahrt über den

Großen Sankt Bernhard, ein Cappuccino

in Aosta, ein italienischer Regionalzug

und das dreisprachige Walser Dorf Gressoney

gehörten zu den ersten Stationen der

Bergfahrt. Dann folgten Gondelbahnen,

66 Bergsteiger 08⁄14


asse, als wir die Riemen der Steigeisen

festzurren, die Rucksäcke schultern und

losgehen. Jenem Tag entgegen, an dem

wir Viertausender sammeln werden wie

nie zuvor auf einer Tour. Doch während

der ersten zwei Stunden bleibt Zeit, die Gedanken

schweifen zu lassen. Zu versinken

im Rhythmus der bedächtigen Schritte,

während die Steigeisen auf dem Gletscher

knirschen, die Karabiner am Gurt tingeln,

das Seil zum Vorderen mal in der Luft

schwingt, mal als grüne Schlange durch

den Schnee schleicht.

Mein Blick wird zu einem Äffchen, das

sich von Punkt zu Punkt schwingt: zum

mächtigen Lysgletscher, der weiß in der

Sonne leuchtet, zu anderen Seilschaften

vor uns und zur Vincentpyramide, deren

vergletscherte Kuppe in einen tief blauen

Morgenhimmel ragt. Unterbrochen wird

der Rhythmus nur vom Blick auf den Höhenmesser.

Er zeigt 3800, 3900, 3950… bis

wir die unsichtbare Schranke überschreiten,

die in den Alpen bis heute Abenteuer

verspricht: 4000. Als diese Zahl auf meinem

Zifferblatt leuchtet, fühle ich mich,

als hätten wir eine magische Pforte durchschritten,

die in ein neues Reich führt: das

Reich des Monte Rosa. Ein Reich aus Fels,

Eis und Wind, in dem die Täler unter uns

zu einer flüchtigen Erinnerung werden.

Doch auf einmal, nach rund zwei Stunden,

ist es vorbei mit der Ruhe. Wir stehen

vor dem ersten Gipfel: dem Balmenhorn.

Wenn auch die UIAA den Felsknubbel im

Lysgletscher in ihrer Liste offizieller Viertausender

verschmäht, kraxeln wir am fixen

Tau entlang zum höchsten Punkt, wo

der riesige »Cristo delle Vette«, der Christus

der Gipfel, seit bald sechzig Jahren Wind

und Wetter trotzt. Als wären wir kleine

Schulkinder, blicken wir von seinem Fuß

hoch zu ihm, der seine Hände schützend

über uns hält. Es ist morgens um neun Uhr,

als wir uns trotz der UIAA hier zum ersten

Viertausender des Tages gratulieren. Um

danach bald abzusteigen und weiterzuziehen

– Richtung nächstem Viertausender.

Wie ein Äffchen

schwingt sich der

Blick von Punkt zu

Punkt: Lysgletscher,

Vincentpyramide,

Dufourspitze

INFO

Capanna Margherita (4554 m)

Sie ist die am höchsten gelegene Hütte im

Alpenraum und damit einer der verrücktesten

Orte, eine Nacht zu verbringen. Im Grunde wäre

sie eine ganz normale Berghütte, stünde sie

nicht wie ein Stecknadelkopf auf dem Gipfel

der Signalkuppe. Durch ihre Fenster auf der

Westseite blickt man hinunter auf den Gipfel

des Matterhorns, von ihrer Terrasse auf der

Ostseite aus sieht man abends die Lichter von

Mailand glimmen. Viele Besucher haben jedoch

kaum Augen für die Aussicht, den glühenden

Sonnenuntergang oder die Pasta mit Zucchini

und Parmesan, die vom Küchenteam unter

einfachsten Bedingungen zubereitet werden.

Stündlich ein neuer Viertausender

Wir reihen die Gipfel des Massivs aneinander,

als wären wir Riesen geworden, die

mit wenigen Schritten von einem Berg zum

nächsten gelangen, und mit jedem Gipfel

geht es etwas höher hinauf ins Reich des

Monte Rosa. Gerade so, als wollte dieses

Massiv seinen Besuchern Zeit lassen, sich an

seine schwindligen Höhen heranzutasten.

Um zehn Uhr stehen wir neben der – deutlich

kleineren – Marienstatue auf dem Corno

Nero, um elf Uhr auf der Ludwigshöhe,

um zwölf Uhr auf der Parrotspitze. Auf deren

Schneekuppe bleiben wir lange stehen

und blicken lange um uns. In diese Welt

aus Fels und Eis, die der Schweizer Gelehrte

Gottlieb Sigmund Gruner 1778 als »schweizerisches

Grönland« bezeichnete. Wogegen

der Pfarrer von Alagna, Giovanni Gnifetti,

einige Jahrzehnte später schmeichelhaftere

Worte fand: »La Regina delle Montagne

d’Europa« – die Königin der Berge Europas

– war für ihn der Monte Rosa.

Giovanni Gnifetti selbst war der Erstbesteiger

der Signalkuppe im Jahr 1842 und

ist bis heute im italienischen Namen des

Berges, Punta Gnifetti, verewigt. Womit er

sich im Monte-Rosa-Massiv in illustrer Gesellschaft

befindet, was die Namen dieser

Gipfel angeht: Der Topograf und Botaniker

Ludwig Freiherr von Welden (1780–1853),

der Naturwissenschafter Johann Parrot

(1791–1841), der Geologe Joseph Zumstein

(1783–1861), der General, Kartograf und

Mitbegründer des IKRK Guillaume-Henri

Dufour (1787–1875) – sie alle forschten

hier, erklommen in der Pionierzeit des Alpinismus

diese Gipfel und zieren seither mit

ihren Namen das Monte-Rosa-Massiv.

Nur eine Dame sehen wir, während wir

von Herrn Parrots Spitze in die Runde der

ehrwürdigen Herren blicken. Eine

Denn viele befassen sich spätestens zwei, drei

Stunden nach Ankunft in der Hütte nur noch mit

einem: Kopfschmerzen. Die Höhe ist gnadenlos,

und wer sich nicht mehrere Tage Zeit genommen

hat, um sich zu akklimatisieren, wird die Margherita

kaum in guter Erinnerung behalten. Wer

sich gut fühlt, wird sie indes nie mehr vergessen.

Und dabei vielleicht auch über die Geschichte

dieser Hütte staunen: Bereits 1893 wurde ihre

Vorgängerin, ein simpler Holzbau, eingeweiht; seit

1980 klammert sich die heutige Hütte an den

Gipfel. Beide Hütten trotzten bis heute Blitzen,

Höhenstürmen, Kälte, Schnee und Eis wie kaum

ein anderes Haus im Alpenraum.

08⁄14 Bergsteiger 67


Der Abstieg über

den Grenzgletscher

führt an der Monte-

Rosa-Hütte vorbei.

KOMPAKT

Über die Gipfel des Monte-Rosa-Massivs

Anreise: Von Martigny im

Rhonetal mit dem Bus über

den Gr.-Sankt-Bernhard-Pass

nach Aosta. Mit dem Zug

nach Pont-Saint-Martin und

weiter mit dem Bus nach

Gressoney. Mit den Seilbahnen

zur Bergstation Punta

Indren.

Rückreise: Von der Station

Rotenboden mit der Gornergratbahn

nach Zermatt und

weiter mit der Matterhorn-

Gotthard-Bahn zurück nach

Visp im Rhonetal und weiter

per Schnellzug nach Martigny.

Ausgangspunkt:

Punta Indren (3275 m)

oberhalb vom italienischen

Gressoney respektive Alagna

Endpunkt: Station Rotenboden

(2815 m) oberhalb von

Zermatt

Informationen:

Gressoney Monte Rosa,

Tel. 00 39/01 25/35 66 70,

www.gressoneymonterosa.it;

Info Alagna, Tel. 00 39/

01 63/92 29 93,

www.alagna.it;

Zermatt Tourismus,

Tel. 00 41/27/9 66 81 00,

www.zermatt.ch

Hütten: Rif. Mantova,

Tel. 00 39/1 63/7 81 50,

www.rifugiomantova.it;

Cap. Margherita,

Tel. 00 39/1 63/9 10 39,

www.rifugimonterosa.it

Literatur: Fink »Höhenwege

im Wallis«, Bruckmann Verlag,

München 2014;

Anker/ Volken »Monte Rosa –

Königin der Alpen«,

AS Verlag, Zürich 2009.

Karten: Swisstopo-Karte

1:25 000, Blatt 1348 »Zermatt«;

Swisstopo-Wanderkarte

1:50 000, Blatt 284 T

»Mischabel« (inkl. Gressoney

auf Rückseite)

Beste Jahreszeit: Juli bis

September

Schwierigkeit: Mit Ausnahme

von Dufourspitze und

Nordend, sind die Routen

auf die Gipfel des Monte Rosa

technisch einfach, führen

jedoch in große Höhen. Besonders

wer in der Cap. Margherita

übernachtet, sollte solide

akklimatisiert sein. Der Abstieg

Tourenkarten 2,

3, 4, Heftmitte

über den Grenzgletscher ist

spaltenreich, sollte vormittags

und nur in Seilschaften von

mindestens drei Personen

unternommen werden.

Route: Die Gipfel liegen

nah beisammen und können

unterschiedlich kombiniert

werden. Eine Variante ist,

am ersten Tag von der Punta

Indren auf die Punta Giordani

zu steigen mit Abstieg ins

Rifugio Mantova; am zweiten

Tag auf das Balmenhorn

und die Vincentpyramide mit

Rückkehr ins Rifugio Mantova,

um am dritten Tag über das

Schwarzhorn (Corno Nero),

die Ludwigshöhe und die Parrotspitze

auf die Signalkuppe

(Punta Gnifetti) zu gelangen

und in der Cap. Margherita

zu übernachten. Wer weniger

Zeit hat, lässt z. B. die

Vincentpyramide aus und

steigt am zweiten Tag über

Balmenhorn, Schwarzhorn,

Ludwigshöhe und

Parrotspitze auf zur Cap.

Margherita. Am letzten

Tag wird nach dem Abstecher

auf die Zumsteinspitze

über den Grenzgletscher

via Neue Monte-Rosa-

Hütte abgestiegen. Ausdauernde

können von der Cap.

Margherita die Dufourspitze

und evtl. das Nordend

besteigen.

Dame indes, die als Würdenträgerin allen

anderen überlegen ist: Margherita Maria

Teresa Giovanna di Savoia. Kurz: La Regina

Margherita, Königin von Italien. Die

passionierte Bergsteigerin steht mit ihrem

Namen bis heute nicht nur für eine Pizza,

sondern auch für die Hütte auf der Signalkuppe,

in der sie anlässlich der Einweihung

im August 1893 selbst übernachtete.

Sehnsüchtig blicken wir von der Parrotspitze

aus zum modernen Osservatorio

Capanna Regina Margherita, kurz Capanna

Margherita genannt, das am selben Ort

steht wie ihre Vorgängerin: zuoberst auf

dem Gipfel der Signalkuppe. Ein Metallbau,

der seit 1980 Höhenstürmen trotzt

und im Winter aussieht wie eine Eisskulptur.

So nah sie uns jetzt scheint, so weit

ist sie noch weg: In der Mittagssonne eines

Sommertages die letzten 250 Höhenmeter

vom Seserjoch zur Signalkuppe hochzusteigen,

zehrt an den Kräften. Im Zeitlupentempo

trotten wir im schweren Schnee

dem Gipfel entgegen, gleichmäßig, Schritt

für Schritt. Bis sie auf einmal vor uns steht:

die höchste Hütte Europas. Eine Bastion

der Menschen, um sich eine Nacht herauszustehlen

in einer Welt, die wir sonst nur

für wenige Minuten besuchen.

Eine gestohlene Nacht im Hochgebirge

Als ich eine halbe Stunde später in Turnschuhen

in der warmen Stube sitze, eine

Minestrone esse und durch das Fenster hinab

auf den Gipfel des Matterhorns blicke,

fühle ich mich wie in einer Raumkapsel,

irgendwo zwischen Himmel und Erde.

Wenn auch eine Nacht auf 4554 Metern

Höhe kaum Erholung bringen wird, freuen

wir uns darauf, während des Nachtessens

zwischen Pasta und »Secondo Piatto«

auf der Terrasse zu stehen, um den Sonnenuntergang

zu betrachten. Und vor dem

Einschlafen auf der Südseite aus einem

der Fenster zu blicken und die Lichter der

Städte Norditaliens glimmen zu sehen.

Bloß am nächsten Morgen werden wir uns

fühlen, als hätten wir uns nur zwei Stunden

hingelegt. Doch das macht nichts: Wir

werden einzig Herrn Zumstein auf seiner

Spitze noch einen Besuch abstatten und

danach absteigen – über den langen, langen

Grenzgletscher Richtung Zermatt. ◀

68 Bergsteiger 08⁄14


Leseprobe

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Leseprobe

Lieber -Leser,

geht es Ihnen auch so: Renovieren, etwas selbst bauen und schaffen

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Ulrich Weiß

Chefredakteur

Viel Erfolg beim Heimwerken wünscht Ihnen Ihr

BAUEN Stauraum

Neuer

Platz im

Winkel

Unter den Stufen entsteht für

kleines Geld großer Stauraum.

D

ass der Raum unter Treppen kostbar ist,

wissen vor allem Bewohner von Häusern

ohne Keller. Richtig ausgenutzt

und herausgeputzt wird er jedoch selten. Stattdessen

mutiert der Boden dort meist zur ungeliebten

Abstellfläche, die nur schlecht zu erreichen

ist aber dafür umso besser einzusehen.

Nicht ohne Grund, denn Möbel gibt es für diese

Flächen nicht passend zu kaufen.

Dabei kann man auch schräge Sachen einfach

und günstig selbst bauen. So zieht eine neue

Ordnung mit viel Stauraum unter der Treppe

ein, die – aus Spanplatten konstruiert – kein

Konto in Schieflage bringt. Ungewohnt aber

kinderleicht ist die Ermittlung des Steigwinkels

der Treppe, der auf einige Bauteile übertragen

werden muss. Wie es geht, zeigen wir auf

den folgenden Seiten.

Teil 1:

UNTERBAU

TREPPE

vorher

In jeder Ausgabe

100 Seiten

Bauen

gestalten

renovieren

Im Inneren des Ecks passen keine Einbauten mehr hinein.

Die Lösung: eine Klappe. Die drei Schub laden elemente

werden dank Rollen und Sitzbezügen zu fahrbaren Hockern.

10

Praktische Stauraum-

Lösungen – einfach

nachzubauen!

Alles, was Sie brauchen, um

jeden Winkel optimal zu

nutzen: mit übersichtlicher

Bauskizze, Materialliste,

detaillierter Schritt-für-Schritt-

Anleitung inklusive Fotos und

vielen Tipps und Tricks.

BAUEN Stauraum

Richtig verbunden

Für die Verbindungen zwischen Böden, Seitenteilen und

Abschlussplatte sind geleimte Verbindungen mit Holzdübeln

vollkommen ausreichend. Dübel, Marker, Bohrer und

Tiefenanschlag gibt es oft im Set zu kaufen.

selber machen 8 | 2014

Den Steigungswinkel ermitteln

Materialliste

Werkzeug

Wasserwaage/Lot, Winkelmesser

(Geodreieck), Kreissäge mit Führungsschiene

und abwinkelbarem Schlitten,

Bügeleisen, Cuttermesser/Kantentrimmer,

Dübelmarker, Bohrer, Bohrmaschine,

Tiefenanschlag.

Verbrauchsstoffe

Schleifpapier, Holzleim, Umleimer.

Baustoffe

Die jeweiligen Holzbretter (hier sind es

Spanplatten) für die (vier) Senkrechten,

die Einlegeböden (mit Blenden) und für

die Deckenplatte.

Um zu wissen, wie stark die Oberseiten der Bretter angeschrägt werden müssen, wird der

Steigungswinkel der Treppe ermittelt – mit Lot oder Wasserwaage ist das leicht gemacht.

1

2

3

Eine dünne Sperrholzplatte senkrecht auf Mit dem Bleistift anschließend am Rand der Mit dem Geodreieck kann auf dem

die Treppenwange setzen, sodass eine Ecke auf Wange entlangfahren (auf der Rückseite des Sperrholzbrett der Steigungswinkel abgelesen

der Wangenkante zum Liegen kommt. Brettes) und den Strich aufs Sperrholz setzen. werden. Er liegt hier bei circa 45 Grad.

4

5

6

Mit dem Lot: Brettkante parallel zur

Der Steigungswinkel ist hier der Winkel Zum Übertragen aller Maße von oben nach

Treppenwange halten. Das Lot genau über der zwischen der schmalen, rechten Seite des Brettes unten immer mit dem Lot arbeiten. Zum

Brettecke befestigen. Linie am Lot ziehen. und der gezogenen Linie.

Anzeichnen kommt Malerkrepp auf die Flächen.

11

Die vier senkrechten Teile erhalten auf ihrer Ober seite einen

Schnitt, welcher der Steigung der Treppe entspricht

1

2 3

4

Mit der Winkel-Arretierung Um 45 Grad haben wir die Mit dem Anschlagwinkel wird Die Oberseite des Brettes ist nun

des Maschinenschlittens kann die Maschine gekippt. Das entspricht die Führungsschiene der Säge auf im selben Winkel wie die Treppen -

Kreissäge gekippt werden. dem Steigungswinkel der Treppe. dem Bauteil ausgerichtet.

steigung angeschrägt.

Umleimer aufkleben und schneiden

Führen Sie das Bügeleisen nicht zu schnell über den Umleimer, damit der Schmelzkleber genug Zeit hat, sich

zu verflüssigen. Das Schneiden der Kanten sorgt bei Anfängern oft für Ärger – ein Kantentrimmer hilft.

1

2

3

Der Umleimer muss in seiner Breite so Bei mittlerer Temperatur wird der Kunst -

gewählt werden, dass er beidseitig übersteht. stoff umleimer aufgeklebt. Eisen langsam führen.

4

5

Den Eckenüberstand trennt das Cuttermes-

Das Cuttermesser in einer gleichmäßigen

ser ab. Vorher Brett auf den Umleimer stellen. Bewegung und parallel zum Brett führen.

6

7

Besser geeignet sind Kantentrimmer, die beim Mit feinem Schleifpapier (mind. 180er)

Schneiden den Umleimer weiter andrücken. werden die Kanten abschließend gebrochen.

Die Schmalseiten abwinkeln

Der aufgedrückte Holzklotz sorgt

anschließend für die flächige Verklebung.

gut zu wissen

Kantentrimmer

Die Kanten von Kunststoff-Umleimern

können mit (sauberen!) Stechbeiteln,

Cuttermessern oder am besten mit

Kantentrimmern (Foto) abgeschnitten

werden. Ihre zwei Vorteile: Sie führen

die Klinge im richtigen Winkel und

drücken dabei den Umleimer ans Holz.

(Das Gegenbeispiel sehen Sie zur

Veranschaulichung in Foto 5). Im

Gegensatz dazu sollten Echtholz-Umleimer

nur mit einer Flachfeile

gebrochen werden (wegen der

Maserung im Umleimer).

12

selber machen 8 |

2014

13


Leseprobe

Maßschneider

TECHNIK Werkzeugtest

Heckenscheren gibt es mit drei verschiedenen Antriebssystemen:

Benzin, Akku oder mit Netzstrom. Wir haben

kabelbetriebenen Scheren mit 500 bis 600 Watt getestet.

Großer

PRAXIS-

TEST

H

eckenscheren, die sich mit Netzstrom betreiben

lassen, haben gegenüber ihren akkubetriebenen

Verwandten einen entscheidenden

Vorteil: Sie werden nie müde! Zwar ist die Betriebsdauer

von benzinbetriebenen Geräten Hch auch recht hoch und die Flexibilität ebenso, doch das gilt

auch für

das Gewicht! Für Besitzer von großen und lan-

gen Hecken, ist daher eben eher die mit Elektrokabel betriebene

Heckeneschere die esret Wahl.

Gehen en Sie bei der Auswahl Ihrer neuen Heckenschere sys-

tematisch

vor. Art und Größe der Hecke sind ausschlag-

gebend für die Wahl des richtigen Modells. Die Länge des

Messerbalkens erba sollte am besten der Heckenbreite entsprechen.

Bei sehr hohen Hecken hilft ein langes Messer

Zeit zu sparen. Andererseits sind Maschinen mit zu langem

Messerbalken nur unnötig schwer und zudem auch

unhandlich.

Die Schnittdicke der Maschine sollte so groß wie die

dicksten Ästen der Hecke sein, damit sich die Schere

auch für einen radikalen Rückschnitt eignet. Je größer die

Schnittdicke ist, desto kräftiger muss natürlich auch der

Motor der Heckenschere sein. 400 Watt reichen für 1,6 cm

Schnittdicke, bei 2,5 cm sind mindestens 500 Watt empfehlenswert.

Unser Test beschäftigt sich daher mit Geräten

mit einer Leistung von 500 bis 600 Watt, denn damit

ist man im Gärtneralltag gut gerüstet!

TECHNIK Werkzeugtest

Sieger mit besten Noten

Abschlussnote 1,4 – damit fährt die Stihl HSE61 den

Sieg in einem starken Testfeld ein, gefolgt von der

Bosch AHS55-26, einem 3500-Gramm-Leichtgewicht.

Anbieter

Modell

Ausstattungsmerkmale

Abmessungen: Länge x Höhe x Breite [cm]

Gewicht [kg]

Kabellänge [cm]/-farbe

Leistung (Angabe) [W]

Schnittlänge [cm]

Schneiden: Anzahl/Öffnung/Tiefe [mm]

Messerstärke unten + oben [mm]

Schwertbreite [mm]

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Direktanschluss /-

600

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2,0 + 1,8

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3,5

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600

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16 / 26 / 21

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vorne 60; hinten 75

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99 x 21 x 20

3,45

37 / Schwarz

550

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16 / 25 / 15

1,5 + 1,7

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vorne 55; hinten 70

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500

55

17 / 24 /15

2,0 + 2,0

70

Praxistest Schneiden

Schneiden frischer Austriebe

Schneiden mehrjähriger Triebe

Blockier-, Klemmneigung

Note Praxistest Schneiden (45%)

+++

++

gering

Gut (2,1)

+++

+++

gering

Sehr gut (1,3)

71

+++

++

gering

g

Gut (2,1)

+++

+++

gering

Sehr gut (1,3)

+++

+++

gering

Sehr gut (1,3)

+++

++

gering

Gut (2,1)

70

Handhabung

Gebrauchshinweise

Erstmontage

Handgriff mit Ein-/Aus-Schalter

Bügelgriff mit Sicherheitsschalter

Manövrieren beim Schneiden, Schneiden im Überkopfbereich

Schnittführung vertikal und horizontal

Ausbalancieren

Reinigung

Messerschutz

Note Handhabung (40%)

selber machen 7 | 2014

++

+++

++

o

+

++

o

+

o

Befriedigend (3,0)

+

+++

+++

+++

++

+++

++

++

++

Gut (1,9)

++

++

+++

++

+

++

++

++

+

Befriedigend (2,5)

+

+++

++

+

++

++

+

++

++

Gut (2,4)

+++

+++

+++

+++

+++

+++

+++

++

++

Sehr gut (1,3)

+

+++

+++

++

+

+++

++

++

++

Gut (2,1)

Werkzeuge und

Maschinen im Test

Wir haben in dieser Ausgabe sechs

Heckenscheren für Sie getestet:

Lesen Sie, welche besonders

leistungsstark, praktisch in der

Handhabung und geräuscharm ist.

Technik und Sicherheit (Laborprüfung)

Hubzahl [min-1]

1740

Geräusch: Schalldruckpegel am Ohr ohne Last [dB(A)]

95

Wirksamkeit und Bedienung der Zugentlastungseinrichtung

+

Elektrische Sicherheit

Ok

Stoppostion der Messer

zufällig

Selbsttätiges Abschalten nach Blockierung

nein

Note Technik und Sicherheit (15%)

Ausreichend (4,0)

Gesamtnote

Befriedigend (2,8)

So haben wir getestet

Schnitt Buchenhecke

Schnitt Weidenholz

Das Schneiden der Buchenhecke ist eine

Neben Heckenschnitt wurde auch geprüft

der größeren Herausforderungen. Die

wie die Testgeräte Hölzer schneiden.

frischen Austriebe schaffen alle Geräte

Weidenstöcke mit ihren dichten Fasern sind

mühelos. Mehrjährige Triebe lassen sich

ein bestens geeignetes Material.

am besten mit den Gerätenvon Bosch,

Metabo und Stihl schneiden.

3080

95

+

Ok

zufällig (sichtbarer Messernachlauf)

ja

Befriedigend (3,4)

Gut (1,9)

Geräuschentwicklung

Das Geräusch einer Heckenschere ist

subjektiv weniger laut, doch die

Messungen in der Akustikhalle zeigen

Schalldruckpegel ähnlich denen von

Bohrhämmern (Schallschutz tragen!),

Ausnahme: Metabo.

3380

2960

3510

94

86

95

++

+

++

Ok

Ok

Ok

zufällig

zufällig

verdeckt *

nein

nein

nein

Befriedigend (3,3)

Befriedigend (3,2)

Befriedigend (2,5)

Befriedigend (2,5)

Gut (2,1)

Sehr gut (1,4)

Hubgeschwindigkeit

Elektrische Sicherheit

Mit einem Drehzahlmessgerät wurde

Mit einem Hochspannungstestgerät

die Hubzahl der Messerzähne pro

wird die Isolationsfestigkeit der per

Minute gemessen. Eine hohe Hubzahl

Netzstrom betriebenen Geräte geprüft.

ist vorteilhaft für

das Schneiden von

Diesen Abschnitt absolvieren alle ohne

„anspruchsvollem“ Gehölz.

Beanstandungen.

1780

92

++

Ok

verdeckt *

nein

Befriedigend (3,0)

Gut (2,3)

* Schneiden maximal geöffnet

!

Das Benotungssystem

Die wichtigsten Kriterien bei der

Beurteilung der Geräte waren der Praxis -

test Schneiden und die Handhabung –

zunächst wurden die „klassischen“ Hölzer

wie Buche und Weide geschnitten. Da

lagen alle noch dicht beieinander. Bei den

Anforderungen an die Handhabung lagen

die Testteilnehmer dann weiter aus ein -

ander, entscheidend waren hier die

Praxisanforderungen wie das Ausbalancieren

und das Handling beim Schneiden.

72

selbermachen 8 | 2014

73

Alles im (Zu-)Griff!

Mit diesem Aufbewahrungssystem

schaffen Sie Ordnung in Ihrer Werkstatt.

GUTSCHEIN

TECHNIK

46

Innovationspreis

Ordnungshüter

Das modulare Aufbewahrungs- und Werkzeug-system

Blucave sorgt für Übersicht – und das zu fairen Preisen.

Wenn alles seinen festen Platz hat, dann findet man es leicht

wieder. Diesen Grundsatz setzt die niederländische Firma Batavia

mit Blucave perfekt um: Ein aufeinander abgestimmtes

Ablage- und Werkzeugsystem, das in Modulbauweise funktioniert.

Ob Lampe, Ladestation oder 6er-Steinbohrer – alles hat

seinen festen, passgenauen Platz. Wer mit Blucave Ordnung schaffen will, beginnt

mit Koffern (je 34 Euro) und der Wandschiene mit vier Halterungen

(29 Euro). Je nach Bedarf können Stück für Stück weitere Module und Geräte

folgen. Zurzeit umfasst das System unter anderem sechs kabel- und zwei

akkubetriebene Tools (Akkubohrer, Schwingschleifer, etc.). Dabei handelt es

sich um Aufsätze, die jeweils auf einen stromgebenden Controller (Akku/

Netz) gesteckt werden. Die Zubehörliste reicht vom Wandregal (99 Euro) bis

zur Schublade (5 Euro).

Erhältlich bei www.blucave-shop.de oder www.westfalia.de

Höhenverstellbar

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Regal mit inneren Werten

Jedes Bord verfügt über vier integrierte Schubladen, in die alle Zubehörsets

des Systems passen (z. B. für Bohrer, Stichsägenblätter, etc.). An

der Regalunterseite nehmen Halterungen diverse Systemwerkzeuge,

-steckdosen und -leuchten auf (Foto r.).

INNOVATION DES MONATS

BATAVIA BLUCAVE

WERKSTATT-SYSTEM

Modulbauweise

Ob Arbeitsleuchte (Foto)

oder Akkubohrer: Alle

Zubehörteile und Werkzeuge

des Systems

passen perfekt in die Aufbewahrungseinheiten.

Strom und

Licht

Das Powermodul o liefert

Strom und Licht: Die

Vierfach-Steckdose ist an

eine ausziehbare 6-Meter-

Zuleitung gekoppelt. Im

Fach nebenann

steckt eine

flache Arbeitsleuchte,

die auch unter dem Bord

befestigt werden kann.

selber machen 8 | 2014

Wandschiene

Die Wandschienen nehmen in

ihren Halterungen die Koffer

auf. Durch eine abschließbare

Haube auf der Schiene kann

man die Koffer-Reihe vor

unerlaubtem Zugriff schützen.

Die kriterien

Revolutionäre Idee

Eine Innovation ist erst einmal

„nur“ eine Neuheit. Benutzen

wir dieses Wort in der Redaktion,

meinen wir: nicht nur

neu, sondern ein einzigartiger

Ansatz – eine unerwartete

Idee, die revolutionär sein

kann oder mit bekannten

Techniken etwas völlig Neues

schafft – und diese Produkte

werden von der Redaktion

als „Innovation des Monats“

ausgezeichnet.

Koffer mit Durchblick

Die Koffer bilden das Herzstück des Systems.

Sie können durch Trenn-Elemente nach Belieben

unterteilt werden, nehmen wahlweise auch

Systemschubladen auf. Alle Werkzeuge aus der

Blucave-Reihe sind so bemessen, dass sie mit

ihren spezifischen Halterungen in den Koffern

untergebracht werden können. Durch die transparenten

Deckel kann der Heimwerker mit

einem Blick den Inhalt des Koffers überblicken.


Fotos: Christian Bordes; Text: Malte Betz

Jetzt für nur € 2,–

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Sie schnell und einfach unter www.mykiosk.com!

47

Einfach ausschneiden und bei Ihrem Zeitschriftenhändler*

bis spätestens 13. August 2014 einlösen!


Leseprobe

BAUEN Biefkasten

Gut geschützt

vor den Wetter -

einflüssen sind

nicht nur die

Briefe. Im oberen

Fach lassen sich

Zeitungen und

Zeit schriften gut

unterbringen,

ohne dass ihre

Umschlag blätter

zerreissen. Auch

Päckchen finden

dort trockenen

Unterschlupf.

Post ist da!

Da wird sich Ihr Zusteller freuen: Der neue

Briefkasten bietet viel Platz und zusätz -

lich ein Fach für Zeitungen und Päckchen.

Der Hingucker für jede Haustür.

D

er Briefkasten ist – ähnlich wie das Gartentor, eine

Art Aushängeschild für ein Haus. Umso erstaunlicher,

dass die meisten Hausbesitzer deutschlandweit

auf die eher einfallslosen Postkästen in Edelstahl-

Optik zurückgreifen. In jedem Baumarkt stehen anscheinend

immer nur dieselben zehn Modelle.

Unsere kleine Briefkastensäule unterscheidet sich da

wohltuend vom Einheitslook. Dass Sie damit erfreulichere

Post erhalten, können wir leider nicht garantieren.

Aber zumindest das: Der Bau aus wasserfest verleimtem

Sperrholz und Aluminium-Leisten ist ganz einfach.

30

Originelle i Ideen für Ihr

Zuhause, für's Haus …

Dieser Briefkasten bietet nicht

nur viel Platz für Briefe und

Päckchen, sondern ist auch eine

Zierde für Ihr Haus.

BAUEN Biefkasten

Große

Klappe –

viel

dahinter

Materialliste

Baustoffe

Wasserfest verleimtes Sperrholz,

Aluminium-Winkelprofile (Maße siehe

Riss-Zeichnung auf der folgenden

Seite), 4 Scharniere, Briefkastenschloss

Die Alu-Leisten

ermöglichen eine

einfache Verbindung

auf Stoß. Über dem

schrägen Innenbrett

findet bei Bedarf noch

eine zusätzliche Geh -

weg-Leuchte Platz.

Verbrauchsstoffe

Malerkrepp, wasserfester Holzleim,

Metallkleber, Holzgrund, Wetterschutz-

farbe

Werkzeug

Aluminiumsäge, Hammer, Körner, Ahle,

Forstnerbohrer, Schraubendreher,

Bohrmaschine, Maulschlüssel, Senker,

Raspel, Holzsäge, Schlüsselfeile, Pinsel,

Farbrolle

selber machen 8 | 2014

Die Alu-Leisten zusägen

Die Leisten dienen als Eckverbinder und schützen dabei die Schnittkanten aller

vier Außenbretter – dabei verpassen sie der Holzkonstruktion die feine Note.

1

Die Stirnseite eines großen Vierkantholzes dient als

Führung beim Zuschneiden der Alu-Leisten. Die Säge

entlang der Schnittfläche führen, dann wird’s gerade.

Als Baumaterial dienen

wasserfest verleimtes Sperr -

holz und 20 x 20-mm

Aluminium-Winkelprofile

3

Mit dem Körner werden circa sechs Markierungen für

Bohrlöcher auf der angezeichneten Mittellinie eingeschlagen.

Immer auf sauberer Unterlage arbeiten. Alu zerkratzt leicht.

2

31

Eine Mittellinie in nur eine der Innenseiten

anzeichnen. Für den Parallelstrich den Bleistift

auf den (führenden) Mittelfinger drücken.

4

Die Bohrlöcher für die Schrauben folgen anschließend.

Die Arbeitsschritte an den Alu-Leisten führen Sie auf allen vier

Leisten identisch aus. Löcher jeweils nur auf eine Profilseite.

Der Senker verpasst

Mit einer Schlüsselfeile wird

den Löchern eine

der Grat an den Schnittkanten

Senkung, den Schrau -

der Aluminium-Leisten entfernt.

ben ent sprech end.

Werkzeug immer mit viel Über -

Deren Köpfe dürfen

stand ansetzen, die Feilenecken

keinesfalls über -

verursachen sonst Kratzer.

stehen, sonst liegen

die Außenbretter

nach her nicht sauber

im Winkel.

5

6

7

8

Die Lage des Schlosses in Bezug auf die Ober kante Ein 18er-Forstnerbohrer setzt das Loch zur Aufnahme

hängt von der jeweiligen Bauform des Schlosses ab. des Schlosses (kann abweichen, je nach Schlosswahl). Achten

Min destens ein Drittel des Riegels sollte überstehen. Sie auf einen exakt mittigen Sitz zwischen den Seiten.

SCHWEBE-

Die Überwurfmutter des Schlosses wird

von innen nen durch

die Bohrung geführt und mit

dem Riegel-Gegenstück verschraubt. Um

dabei das Mitdrehen zu verhindern, wird die

Schloss-Rückseite mit einem Schraubendreher

gekontert. ert.

PROFI-tipp

Messing macht’s

Das Schloss eines Briefkastens ist im -

mer der Witterung ausgesetzt, darum

sollten Sie hier nicht an der Qualität

sparen. Einfache Möbelschlösser sind

schon für drei bis vier Euro erhältlich.

Doch die werden nach spätestens

einem Winter lädiert sein und nicht

mehr richtig funktionieren.

Achten Sie darauf, ein Schloss aus

Messing mit verchromter Oberfläche

einzusetzen – das hält lange vor.

Die Öffnung für den Briefeinwurf und der Kastendeckel

Die Lage der Scharniere

sollte bei der Klappe für den

Briefeinwurf (Foto) und beim

Briefkastenfach identisch sein. In

den Klappen und den Gegen -

stücken wird jeweils nur die

1

halbe Tiefe der gesamten

Scharnierstärke

zum Aussägen

Das Fingerloch für die Briefeinwurf-Klappe

angezeichnet.

wird mit dem Forstnerbohrer (30 mm) seitlich

versetzt in die Unterkante gebohrt.

2

Die Raspel trägt überstehende Teile an den

Flanken der Bohrung ab, damit dort saubere

90-Grad-Kanten entstehen. Danach: schleifen. 3

4

5

6

Die Holzsäge

markiert mit zwei Einschnitten Mit der Raspel wird anschließend der Raum Das Dach wird mit Holzleim (umlaufend an

die Ränder des

Ausschnitts. Lieber nachsägen zwischen den feinen Schnitten abgetragen. der Kante) und Schrauben aus einer größeren

anstatt übereilt zu tief zu sägen.

Je breiter die Raspel, desto einfacher gelingt es. und einer kleineren Platte zusammengesetzt.

32

selbermachen 8 |

2014

33


Selbermachen Media GmbH, Neumann-Reichardt-Straße 27-33, 22041 Hamburg

GUTSCHEIN

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Händlerstempel

... und für den

Garten!

Nicht nur das Selbermachen

macht Spaß:

An diesen Gartenspielen

hat danach

die ganze Familie

Freude!

An Seilen sind unsere beiden Spielkonstruktionen in ihrem Mittelpunkt aufgehangen. Das erfordert Sorgfalt beim Messen.

Balanceakt

Es muss nicht immer Fußball oder Frisbee sein! Diese kurzweiligen

Outdoor-Spiele verlangen Köpfchen und Fingerspitzengefühl.

Sie sind kinderleicht zu bauen und begeistern auch die Großen.

Entweder entspannen wir im Garten

oder wir arbeiten in ihm. Aber warum

wird das eigene Grün so selten zum

Platz für unterhaltsame und spannende

Spiele? Der Garten als Spielplatz: Damit

meinen wir an dieser Stelle keine Flächen für die

sportlichen Varianten mit Fuß- oder Federball,

sondern die mit Köpfchen und Fingerspitzengefühl.

Ein kleiner Platz unter dem starken Ast eines

Baumes genügt, um Raum für unsere hier gezeigten

Konstruktionen zu bieten.

Die sind nicht nur schnell und kinderleicht gebaut,

sie machen – und das ist ja entscheidend –

extrem viel Spaß. Und das gilt nicht nur für jede

Altersklasse!

Das erste Spiel: Beim ‘schwebenden Teller’

kämpfen die Spieler gegeneinander und gegen

die Erdanziehungskraft. Es gilt, die im Mittelpunkt

aufgehängte Platte im Gleichgewicht zu

halten – oder das Gegenteil herbeizuführen.

Unsere zweite Spiel-Idee, das Kugel-Labyrinth

mit den Lochfallen, kennen viele sicherlich als

Physik zum Anfassen bietet die schwebende Platte.

Indoor-Variante. Unsere Version in XXL ist

Das Hebelprinzip, das Gleichgewicht der Kräfte und die

schwebend aufgehängt und kommt dementsprechnd

ohne hakeliges Gestänge aus (Bauan-

Erdanziehungskraft spielen in jeder Spiel-Variante mit.

leitung ab Seite 80).

Egal für was Sie sich entscheiden: außergewöhnlicher

Spielspaß im Garten ist garantiert.

TELLER

Weitere

Themen in dieser Ausgabe:

Neuer Glanz für Fassaden und Fenster, Welche Farbe eignet sich

für welche Wand, Basiswissen Holz- und Zinken-Verbindungen

und vieles mehr!

77


ElektroRad

Erleben Sie unsere Vielfalt!

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KOLUMNE

Der Schatten des

Chimborazo auf den

umliegenden Wolken

Am Gipfel

der Gefühle

Treffpunkt unten am Parkplatz. Mein Gast

wartet schon. Für ihn ist es heute ein besonderer

Tag, für mich dagegen Routine:

der gut bekannte Weg übers Höllental

hoch auf die Zugspitze. Es ist noch sehr

dunkel, aber wir haben einen langen Weg

vor uns. Wir gehen die Ausrüstung durch,

besprechen die einzelnen Abschnitte der

Tour. Ich spüre, wie nervös er ist, weiß um

seine Sorge, dass es auch diesmal nicht

klappen könnte. Immerhin hatte er es

schon zwei Mal probiert und war beide

Male umgedreht. Ich kann ihn gut verstehen.

So ähnlich geht es mir, wenn ich in

der Nacht vor einem Aufstieg an einem

Achttausender nicht schlafen kann, mich

nur von der einen auf die andere Seite drehe,

nervös jede Stunde auf die Uhr schaue,

wann ich endlich aufstehen kann. Zugspitze

oder Achttausender: Für jeden gibt es

den passenden Gipfel.

Wir starten unseren Aufstieg. Langsam

bricht der Tag an, das Wetter scheint auf

unserer Seite zu sein. Wir erreichen die

Höllentalangerhütte, machen eine kurze

Pause und setzen unseren Aufstieg fort.

Die Randkluft zwischen den Resten des

schwindenden Höllentalferners und dem

Start des Klettersteiges ist schnell überwunden.

Hier spielen sich manchmal Dramen

ab, wenn die Spalte zu groß ist und

die Zugspitzaspiranten nicht die nötige

Erfahrung haben. Das letzte und schönste

Stück des Aufstiegs klettern wir. Unter

dem goldenen Kreuz umarmen wir uns,

und seine Augen werden ein wenig glasig.

Ein gestandenes Mannsbild, ein Manager

einer großen Firma hat plötzlich mit seinen

Freudentränen zu kämpfen.

Was gibt es Schöneres?

Der Gipfel an sich, der höchste Punkt am

Berg. Der Punkt, wo wir Bergsteiger erst

einmal hin wollen, bevor es wieder runter

geht. Manchmal bietet er gerade genug

Platz für einen schmalen Menschen oder

ist so groß, dass sich ganze Massen darauf

tummeln. Mit viel oder mit wenig Sauerstoff.

Nur über schwierige Kletterei oder

Die Bergspitze ist einer der

wenigen Plätze, wo wir

unseren Emotionen wenigstens

für einen kurzen

Moment freien Lauf lassen.

Manchmal sogar mit

dem BH der eigenen Frau.

Von David Göttler

durch gemütliches Wandern erreichbar.

Spitz, breit, luftig oder flach. Manchmal

einfach das Ende einer Route inmitten einer

Wand.

Wir wissen um die Magie dort oben und

die Besonderheit, hier wenigstens für einen

Moment unseren Emotionen freien

Lauf lassen zu können. Der Gipfel gestattet,

nein, er fördert den selten gewordenen

Rückzug ins eigene Ich. Er ist ein Ort, an

dem ich von der sensiblen Bergdame bis

zum Testosteron strotzenden Bergabenteurer

viele Freudentränen und die vielfältigsten

Gefühlsausbrüche erlebt habe.

Mich eingeschlossen.

Fotos: David Göttler

74 Bergsteiger 08⁄14


Spitzen an der Spitze

Einmal stieg ich mit zwei Gästen aus

England auf den Mont Blanc. Nach der

Goutierhütte erreichte unser Tempo eine

rekordverdächtigte Langsamkeit, dass ich

die Befürchtung hegte, wir würden bald

anfangen, rückwärts zu laufen. Aber: Wir

kamen oben an! Und der Glücksrausch

setzte offenbar noch einmal ungeahnte

Energiereserven frei. Einer der beiden Gäste

fing voller Freude an, in seinem Rucksack

zu wühlen. Ich tippte auf eine englische

Fahne oder sonst eine Art Wimpel

für das obligatorische Gipfelfoto. Es kam

dann auch etwas Wimpelartiges zum Vorschein,

nur irgendwie mit Spitzen verziert

und zwei so … der BH seiner Frau! Einige

der umliegenden Bergsteiger mussten aufpassen,

vor Lachen nicht von dem breiten

Gipfel zu kullern. Es sei die Bedingung

seiner Frau gewesen, etwas von ihr mitzunehmen.

Stolz und mit einem gewaltigen

Grinsen erfüllte er ihr nun diesen Wunsch.

Der BH bekam das volle 360-Grad-Panorama.

Für mich war es ein unvergesslicher

Moment. Ob es seine Frau genauso lustig

fand, ist nicht überliefert.

Auf dem Gipfel! Es ist das, wovon manche

Menschen jahrzehntelang träumen.

Wahrscheinlich ist der Moment dort oben

umso besser, je länger der Traum in einem

schlummerte. Manfred, einer meiner Gäste,

hatte mit 18 Jahren Humboldt gelesen

und war fasziniert von der Idee, den Chimborazo

in Ecuador zu besteigen. Mit 58 Jahren

war er schließlich mit mir auf seiner

Mission Traumerfüllung unterwegs. Nach

einer wunderbaren Akklimatisation vereitelte

ein Sturm zwei Nächte lang unseren

Start. Als wir schließlich auf brachen,

mussten wir im Stockdunklen unsere

Schneebrillen aufsetzen – wegen des San-

des, den uns der stärker werdende Wind in

die Augen blies. Ich weiß nicht, wie sehr

Manfred den Sonnenaufgang genießen

konnte. Denn immer dünner wurde die

Luft, immer schwerer jeder Schritt. Der

Schatten des Chimborazo erschien als eine

wunderbare Pyramide auf den umliegenden

Weiten Ecuadors und versprach uns,

bald in die wärmenden Sonnenstrahlen

zu kommen. Mit vielen Verschnaufpausen

schafften wir es bis nach ganz oben.

Welch ein Gefühl das für ihn gewesen sein

muss! In diesem Moment beneidete ich ihn

darum.

Er wird mich immer daran erinnern, Träume

nie aufzugeben.


David Göttler, Jahrgang 1978, teilte sein

Zelt an den Steilwänden und Achttausen -

dern dieser Welt unter anderem schon

mit Gerlinde Kaltenbrunner, Stefan

Glowacz und Simone Moro. Der staatlich

geprüfte Berg- und Skiführer sowie

Trainer des DAV-Expedkaders schreibt

exklusiv für den BERGSTEIGER über

seine Erlebnisse auf Expedition.

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08⁄14 Bergsteiger 75

Tel. 089/29 07 09-725 oder 089/55 17 00-0


EVENT

3. Hohe Tauern Wandermarathon

Vorspeise

Zwischen den Grasbergen

der Kitzbüheler Alpen

und den Felsriegeln der

Hohen Tauern gelegen,

ist die Region Mittersill-

Hollersbach-Stuhlfelden

idealer Ausgangspunkt

für zahllose Touren. Der

Wandermarathon ist willkommener

Anlass, sich

den Appetit anregen zu

lassen. Von Sandra Zistl

Die Füße leicht versetzt in Startposition,

die Hände in den

Schlingen der Walking-Stöcke,

den Blick konzentriert nach vorne:

Diese sechs Frauen sind wild

entschlossen, die 25,6 Kilometer Wanderwettbewerb,

die vor ihnen liegen, in Rekordzeit

zu absolvieren. Das Wetter macht

es ihnen und den 150 weiteren Teilnehmern

des zweiten »Hohe Tauern Wandermarathon«

an diesem Augustmorgen 2013

nicht ganz leicht. Schwere Regenwolken

hängen über Mittersill, Hollersbach und

Stuhlfelden, den drei Orten im Salzachtal,

die auch 2014 wieder einen Wanderwettkampf

veranstalten. »Ach geh, des bisserl

Regen«, sagt Mariella, die Anführerin der

Truppe, und zuckt mit den Schultern. »Davon

lassen wir uns jetzt nicht abhalten, wir

haben schließlich auch bei jedem Wetter

trainiert.« In vielen Regionen gebe es nur

Laufwettbewerbe, für ihre Gruppe sei der

Wandermarathon wie geschaffen.

5444 Kilometer Wanderwege

Die sechs Damen zwischen 23 und 43 Jahren

kennen sich vom Step-Aerobic. Im Sommer

flitzen sie einmal pro Woche gemeinsam

auf die Berge, die sich an diesem Tag

hinter grauen Vorhängen verstecken. Wer

Glücksgefühle: Ein Teilnehmer des

Wandermarathons kommt im Ziel an.

76 Bergsteiger 08⁄14


für Bergsteiger

nur für einen Tag kommt, könnte einen falschen

Eindruck gewinnen. Aber so ist das ja

auch gar nicht gedacht. »Der Wandermarathon

ist ein Appetitanreger, deshalb bieten

wir ja auch verschiedene Distanzen an« (siehe

Kasten Bergsteiger KOMPAKT), formuliert

es Mittersills Bürgermeister

Wolfgang Viertler, selbst

ambitionierter Teilnehmer des

Wettbewerbs. »Rundherum gibt

es eine Unmenge an Touren, da

lohnt es sich schon, für eine

Woche Urlaub zu bleiben.«

Die Region Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden

liegt zwischen

den Dreitausendern des

Nationalparks Hohe Tauern

und den sanften Grasbergen

der Kitzbüheler Alpen. Eingebettet

in die beiden Gebirgsgruppen,

ist die Region mit

5444 Kilometern Wanderwegen

und 200 Hütten und

KOMPAKT

Auf zum 3. Hohe Tauern Wandermarathon!

Am 24. August fi ndet zum

dritten Mal der Hohe Tauern

Wandermarathon in der

Region Mittersill-Hollersbach-

Stuhlfelden statt. Einzeln oder

in der Staffel müssen 25,6

Kilometer und 851 Höhenmeter

zurückgelegt werden. Für

Kinder (8–13 Jahre) gibt es die

Distanzen 7,4 und knapp drei

Kilometer (4–7 Jahre).

Auch zwei Laufwettbewerbe

werden abgehalten, ein

Einzelwettbewerb über die

gesamte Strecke (25,6 km)

sowie ein Lauf über 16 km,

den man einzeln oder in einer

2er-Staffel bewältigen kann.

Streckenverlauf: Die Strecke

führt vom Startpunkt im

Nationalparkzentrum Mittersill

(750 m) auf den ersten vier

Kilometern erst kurz Richtung

Süden, dann gen Westen

kontinuierlich bergauf bis auf

etwa 1100 Meter, anschließend

in ähnlichem Gefälle

wieder bergab nach Hollersbach.

Nach den ersten zehn

Kilometern sind die meisten

Höhenmeter also bereits bewältigt.

Weiter geht es auf der

anderen Seite des Salzachtals

leicht ansteigend, dann auf

der Höhenlinie nach Osten

und zurück nach Mittersill. Von

dort führt das Schlosswegerl

mit bis zu 30 Prozent Steigung

wieder bergan, danach geht es

auf einem weichen Wald- und

Wiesenweg allmählich abwärts

nach Stuhlfelden und von dort

an der Salzach entlang zurück

zum Nationalparkzentrum.

(siehe Karte).

Informationen und Anmeldung:

Mittersill Plus Tourismus

GmbH, www.wandermarathon.

info, Tel. 00 43/(0)65 62/42 92,

allgemeine Infos unter

www.mittersill-tourismus.at

Karten: Kompass 1:50 000,

Blatt 29 »Kitzbüheler Alpen«,

Blatt 39 »Glocknergruppe,

NP Hohe Tauern«, Blatt 38

»Venedigergruppe Oberpinzgau«

Wandermarathon Wochenendpackage:

im Zeitraum

22. bis 24. August 2014:

drei Nächte mit Frühstück oder

Halbpension in einem zertifi -

zierten Wanderhotel, Warm up

– geführte Wanderung (Freitag),

Pasta Party und Registrierung

(Samstag), Teilnahme am 3.

Hohe Tauern Wandermarathon

am 24. 08. 2014

Angebote: 4*-Hotel:

ab € 239,-/Person,

3*-Hotel: ab € 189,-/Person

Fotos: Franz Reifmüller, TVB Mittersill


INFO

Unterkünfte mit

Zertifikat

15 Wanderhotels in der Region haben

sich auf die Wünsche von Bergsteigern

spezialisiert.

Zwischen den Dreitausendern des Nationalparks

Hohe Tauern und den sanften Grasbergen

der Kitzbüheler Alpen liegt Mittersill-

Hollersbach-Stuhlfelden. Die Region mit

einem Wanderwegenetz von 5444 Kilometern

sowie 200 Hütten und Gasthöfen ist

Ausgangspunkt für die ganze Bandbreite

an Touren: von gemütlich bis hochalpin.

Insgesamt 15 als Wanderhotels zertifi zierte

Betriebe bieten Touren direkt vom Hotel aus

an, beraten ihre Gäste und verfügen über

eine spezielle Wander-Infrastruktur: Kartenmaterial,

Wanderbücher, Wasch- und Trockenraum,

aber auch Rucksäcke und Wanderstöcke

zum Ausleihen. Bei Bedarf steht den

Gästen ein kostenloser Shuttle-Service zum

Ausgangspunkt ihrer Wanderung zur Verfügung.

Die Wanderhotels bieten im Sommer (Ende

Juni bis Ende September) jede Woche

sechs geführte Touren mit Bergführer und

Nationalpark-Ranger an und im Frühling und

Herbst (Mitte Mai bis Ende Juni, Ende September

bis Ende Oktober) drei pro Woche.

Der von der Region herausgegebene »Wanderguide«

beschreibt 65 Touren inklusive

Höhenprofi l und kann kostenlos angefordert

werden unter welcome@mittersill.info.

Zwischen dem 5. Juli und dem 27. September

bieten die Wanderhotels Wochenpakete

(ab 249 Euro pro Person) an. Diese enthalten

sieben Übernachtungen mit Frühstück,

sechs geführte Touren im Nationalpark

Hohe Tauern und in den Kitzbüheler Alpen,

kostenlose Nutzung des Wandershuttles

und eine Wanderkarte inklusive.

Kontakt: www.mittersill.info, welcome@

mittersill.info, Tel. 00 43/(0)65 62/42 92

Auch Läufer messen sich auf

25,6 oder 16 Kilometern.

Im Nationalpark Hohe Tauern ist die landschaftliche Vielfalt ein Markenzeichen.

»Ich werde in meinem Leben nicht alle Touren

schaffen«, sagt Wanderführer Stefan Leppert.

Gasthöfen ein idealer Ausgangspunkt für

Wanderer und Bergsteiger. Die klangvollsten

Gipfelnamen sind natürlich Großglockner

(3798 m) und Großvenediger

(3662 m) – zwei der mehr als 350 Dreitausender,

die sich hier am Alpenhauptkamm

innerhalb des Nationalparks gruppieren.

Von lieblich bis eisig

Aber auch der Mittersiller Hausberg Pihapper

(2513 m), der Gaisstein (2363 m) oder

der Große Rettenstein (2366 m) sind lohnende

Ziele. Und die Hohen Tauern eine

der bekanntesten Gebirgsregionen der

Ostalpen. Aufgrund der bis zu 2000 Meter

Höhenunterschied zwischen Tälern und

Gipfeln können Touren zu einer Expedition

durch mehrere Vegetationszonen werden.

Von Blumenwiesen geht es hinauf bis

in Gletscherregionen. Rund geschwungene

Grashügel kontrastieren mit hochalpinen

Strukturen aus Fels und Eis, wuchtige

Rücken mit lieblichen Almlandschaften,

durchsetzt von Bergseen. Nach Süden, in

die langen Riegel der Hohen Tauern hinein,

öffnet sich von Mittersill aus alle paar

Kilometer ein neues Tal Richtung Venediger-

und Granatspitzgruppe. Und wenn das

Wetter im Salzach-Tal nicht passt, können

Bergsteiger dank des Felbertauerntunnels

innerhalb von 20 Minuten Autofahrt auf

die Sonnenseite wechseln. Was den einen

der Brenner, ist den anderen der Felbertauerntunnel.

»Ein Wahnsinnsgebiet«

Weniger erfahrene Wanderer finden im

Wanderguide der Region 65 beschriebene

Touren. Wer lieber alleine unterwegs ist,

kann sich jedoch auch austoben. »Der Nationalpark

bietet unglaublich viele Möglichkeiten«,

schwärmt Stefan Leppert, Mit-

Gründer einer Alpinschule, Wanderführer

und Betreiber des Alphotel »Kuhstadl«. Seit

fünf Jahren lebt der 35-Jährige in Mittersill.

Er blickt also nicht aus lokalpatriotischer

Perspektive auf die Hügel und Gipfel rundherum,

dennoch ist er schwer begeistert:

»Ein Wahnsinnsgebiet.« Mit seinen Gästen

ist er 150 Tage im Jahr in seinen Hausbergen

unterwegs, und weiß dennoch: »Ich

werde es in meinem Leben nicht schaffen,

alle Touren hier zu machen.«


Fotos: Christian Berauer, TVB Mittersill

78 Bergsteiger 08⁄14


TOUREN

Perfektes Pinzgauer Potpourri

Das Tourenreservoir der Region Mittersill, Hollersbach und Stuhlfelden ist unerschöpflich.

Stefan Leppert hat sechs besonders schöne Wanderungen für Sie ausgesucht – von leicht bis anspruchsvoll.

1 Hollersbachtal (1132 m)

▶ leicht 3 Std.

429 Hm 429 Hm

Charakter: Familienwanderung

für Jung & Alt – ein Mindestmaß an

Trittsicherheit ist erforderlich.

Ausgangspunkt: Hollersbach

Route: Wanderung über den Bachlehrweg

(Nr. 16) ins Hollersbachtal

– danach mündet der Bachlehrweg

in den Forstweg (Nr. 916) und führt

zur schön gelegenen Senninger Alm

(1132 m), die auch Gästezimmer

hat. Die Alm ist Ausgangspunkt für

zahlreiche Touren, beschrieben im

»Wanderguide« (s. Kasten auf S. 77).

2 Pihapper (2513 m)

▶ mittel 7 Std.

1315 Hm 1315 Hm

Charakter: Aussichtsreiche und

konditionell anspruchsvolle Rundtour

ohne technische Schwierigkeiten auf

den Hausberg Mittersills. Wechselndes

Gelände von Waldsteigen, Almfl

ächen bis hin zu Blockgeröll. Kurze

Leiterpassage beim Gipfelanstieg.

Ausgangspunkt: Gasthof Berghof

(1200 m) am Hollersbacher

Schattberg

Route: Auf dem Lachalm-Höhenweg

steil durch den Wald bis zur Vorderlachalm.

Weiter bis zur Rossalm. Etwa

500 m nach der Rossalm am Bachlauf

links hinauf ins Rossalmkar (weglos).

Zwischen Pfl ugsberg (2414 m) und

Pihapper am günstigsten Punkt hinauf

zum Grat (Weg Nr. 935) und weiter

zum Pihapper-Gipfel. Zurück über den

»Normalweg«, also Pfl ugsberg und

die Pölsneralm (Wege 935 und 934)

zum Gasthof Berghof.

Einkehr: Gasthof Berghof

3 Hoher Herd (2824 m)

▶ schwierig 11 Std.

1940 Hm 1940 Hm

Charakter: Idealtour für einsamkeitsliebende

Alpinisten in großteils

weglosem Gelände! Hier sind Durchhaltevermögen

und alpine Erfahrung

gefragt. Zum Lohn gibt’s eine fantastische

Aussicht auf die Glockner-,

Granatspitz- und Venedigergruppe!

Ausgangspunkt: Parkplatz (Schranken)

am Eingang zum Hollersbachtal

(Gasthof Seestube, 884 m)

Route: Vom Schranken taleinwärts

vorbei an der Wirtsalm und der

Materialseilbahn bis zur Lahneralm.

Nach der Alm über freie Hänge weiter

zur Lach-Grundalm und oberhalb ins

Steinkarl. Von hier weiter zum gut

sichtbaren Sattel zwischen Pembachkogel

und Leitachkogel (2678 m).

Den Leitachkogel überschreiten und

auf dem Grat weiter bis zum Gipfel

des Hohen Herd (2824 m). Abstieg

entlang des Aufstiegsweges.

Einkehr: Gasthof Seestube (Ausgangs-

und Endpunkt), Senninger Alm

(ab Abzweig Materialseilbahn

ca. 10 min taleinwärts)

4 Auf alten Pfaden über den

Felbertauern (Säumerweg /

alte Salzhandelsroute)

▶ mittel 7 Std.

1168 Hm 969 Hm

Charakter: Landschaftlich reizvolle

Tauernüberquerung auf den Spuren

der Kelten und Römer entlang der

alten Salzhandelsroute von Salzburg

nach Osttirol.

Ausgangspunkt: Parkplatz am Hintersee

(1313 m) – Zufahrt ab Mittersill

über die Felbertauernstraße

Route: Vom Hintersee vorbei an

der Gamsblickhütte entlang des

Felberbaches zum Trassensteig (Weg

917A) und über diesen steil weiter

zum Plattachsee und zur St. Pöltner

Hütte (2481 m). Von hier weiter

über den Alten Tauern zum Grausee,

Schwarzsee und Grünsee – vorbei an

der Grünseehütte hinunter zum Matreier

Tauernhaus (1512 m). Von hier

mit dem Taxi zurück nach Mittersill

(eventuell zweiten Pkw vor Beginn der

Tour hier abstellen).

Einkehr: Gamsblickhütte am

Hintersee, St. Pöltner Hütte, Matreier

Tauernhaus

Tipps: Bei nassen Verhältnissen empfi

ehlt sich als Alternative zum Aufstieg

über den Trassensteig (rutschig)

der Aufstieg durch das Trudental (Weg

917). Von der St. Pöltner Hütte kann

man den Tauernkogel (2989 m/

Hüttengipfel) in ca. 3 bis 3½ Std.

besteigen (Auf- und Abstieg); toller

und anspruchsvoller Aussichtsgipfel!

5 Hüttentour mit 3000er-

Gipfelerlebnis

▶ mittel 3 Tage

2500 Hm 2300 Hm

Charakter: Anspruchsvolle und landschaftlich

beeindruckende 3-Tage-

Tour durch die Hochgebirgswelt des

Nationalparks Hohe Tauern.

Ausgangspunkt: Parkplatz am Hintersee

(1313 m) – Zufahrt ab Mittersill

über die Felbertauernstraße

Endpunkt: Parkplatz Habachklause

am Eingang des Habachtales

Route: Tag 1 Vorbei an der Gamsblickhütte,

entlang des Felberbaches

zum Trassensteig (Weg 917A),

steil weiter zum Plattachsee und zur

St. Pöltner Hütte (2481 m);

Tag 2 Entlang des St. Pöltner Westweges

bis zum Zeigerpalfen (2506 m).

Von hier Anstieg zum Sandebentörl

(2751 m) – traumhafter Ausblick auf

den Großvenediger. Über das Sandebentörl

hinunter zur Neuen Fürther

Hütte (2201 m) am malerischen

Kratzenbergsee; dort Übernachtung

Tag 3 Hinauf zur Larmkogelscharte

(2933 m), weiter zum Larmkogel-

Gipfel (3017 m) – dem höchsten

Punkt der Tour. Abstieg ins Habachtal

über die Larmkogelscharte zur Neuen

Thüringer Hütte (2212 m), weiter

bis zur Moa-Alm (1410 m). Mit dem

Tälertaxi bis zum Parkplatz Habachklause

(oder 2 Stunden zu Fuß).

6 Auf das Hörndl (2852 m)

▶ schwierig 7–8 Std.

1500 Hm 1500 Hm

Charakter: Konditionell fordernde

Bergtour auf den wohl schönsten

Aussichtsgipfel im Felbertal

Ausgangspunkt: Hintersee (1313 m)

Route: Vorbei an der Gamsblickhütte

entlang des Felberbaches zum Trassensteig

(Weg 917A) steil weiter zum

Plattachsee und zur St. Pöltner Hütte

(2481 m). Von hier weiter über den

Alten Tauern (2493 m) zum Hörndl

(2852 m). Abstieg über Schrankeckscharte

und über den Weg 917 durch

das Trudental zurück zum Hintersee.

08⁄14 Bergsteiger 79


AUF TOUR

Überschreitung des Rocciamelone

Wallfahrt zum

Am Col di Resta

hat man die Hauptschwierigkeiten

bei

der Überschreitung

des Rocciamelone

geschafft.

80 Bergsteiger 08⁄14


Gipfel

Im

Piemont ist der Rocciamelone der Berg mit

der vielleicht besten Rundschau. Zur jährlichen

Wallfahrt am 5. August machen sich viele Pilger

über den Normalweg zum Gipfel auf. Einsam

und abenteuerlich aber ist seine Überschreitung.

Von Iris Kürschner (Text und Fotos)

Bonifacio Rotario d’Asti hätte keine

bessere Wahl für seine Kultstelle

treffen können. Vom Lago

di Malciaussia im Osten wirkt

der Rocciamelone unscheinbar.

Ganz anders von der Susa-Seite im Westen,

wo er mehr als 3000 Meter ins Tal abfällt.

Bonifacio soll am 1. September 1358 von

Susa aus ein Triptychon auf den Rocciamelone

getragen haben. Was muss in diesem

Mann vorgegangen sein, der sich so

hoch hinauf wagte und damit die in der

Geschichte erste Besteigung eines Alpengipfels

verbucht? Einmal abgesehen von

Francesco Petrarca, der im Jahre 1336 nur

einen provenzalischen Voralpengipfel

bestieg, den Mont Ventoux mit einer bescheidenen

Höhe von 1912 Metern. Lufti-

ge 3538 Meter hingegen stand Bonifacio

Rotario d’Asti über dem Land, eine eigens

in Brügge angefertigte kunstvoll gestaltete

dreiteilige Relieftafel in seinem Rucksack,

die er sorgsam zwischen den Steinen verankerte

und zurückließ. Legenden ranken

sich um den Wagemutigen. Ein Kreuzfahrer

soll er gewesen sein. In die Hände

von Muselmanen sei er geraten und habe

gelobt, im Falle seiner Befreiung eine Kultstelle

auf dem Gipfel mit der besten Rundschau

zu errichten. Historiker bezweifeln

dies, denn zu jener Zeit lagen die Kreuzzüge

schon weit zurück. Doch wie das mit

Legenden so ist, sie schüren den Mythos,

machen den Wallfahrtsberg noch anziehender.

Davon erzählen unzählige Votivtafeln

in der Gipfelkapelle.

Der Verrückte von Novaretto

Aber wer war er nun wirklich, jener Mann?

Kein Kreuzfahrer, sondern ein Banker aus

einer einflussreichen Familie von Asti, der

aus Dank für einen geschlichteten Streit

das »Trittico« auf den Rocciamelone trug,

weiß Don Gianluca Popolla, Direktor des

Museo Diocesano di Arte Sacra in Susa. Gerne

erzählt er auch die Geschichte, warum

das Kunstwerk 1673 vom Gipfel entwendet

wurde. »Jedes Dorf hat bekanntlich einen

Dorftrottel«, sagt Don Popolla mit einem

Schmunzeln im Gesicht. So auch Novaretto

am Eingang des Susatals. »Il matto« nannte

man dort den Bauern Giacomo Gagnor.

Dem Herzog Carlo Emanuele II. habe dieser

etwas Gutes tun wollen. So brachte »il

matto«, der Verrückte, das Heiligtum

08⁄14 Bergsteiger 81


Der Lago di Malciaussia

im Talschluss des Val di Viù;

hinten der Rocciamelone

ins Tal und zum Castello di Rivoli, dem

Sommersitz der Königsfamilie, um den erlauchten

Herrschaften den beschwerlichen

Pilgergang zu ersparen. Seit diesem Vorfall

ruht das Kunstwerk in einer gläsernen Vitrine

unter besonderer Aufsicht, zuerst in

der Kathedrale San Giusto, später im Diözesanmuseum,

das in der Kirche der Madonna

del Ponte untergebracht ist. Selbst zur wichtigsten

Wallfahrt am 5. August darf nur eine

Kopie an der Prozession teilnehmen.

Schon am Vortag pilgern Scharen von

Gläubigen und der Pfarrer zum Rifugio

Cà d’Asti unterhalb des Gipfels hinauf, wo

ordentlich gefeiert wird. Der Padre muss

aufpassen, dass er zur Bergmesse am Tag

der Madonna vom Schnee, dem 5. August,

wieder nüchtern ist.

Um neun Uhr morgens, wenn alles gut

geht, wird ein kleiner Altar neben der

Gipfelkapelle aufgebaut sein, der Geistliche

seinen Segen verkünden, Oblaten

brechen und die Kommunion verteilen.

Franzosen und Italiener in trauter Einigkeit,

steht der Berg doch mit seiner Nordseite

in der Maurienne und wird von den

Savoyarden als Rochemelon nicht minder

verehrt. Nur weitaus beschwerlicher ist

deren Pilgergang. Um ein Uhr nachts brechen

die Einheimischen von Bessans auf,

um pünktlich zur Gipfelmesse oben sein

zu können. Mehr als 1800 Höhenmeter

stecken dann in ihren Knochen – und der

heikle Marsch über einen Gletscher.

Freilich herrscht nicht immer so ein buntes

Treiben am höchsten Wallfahrtsberg

Europas. Je nachdem, wie man sich dem

Berg annähert, zeigt er sich einsam und

wild. Ein Höhepunkt ist seine Überschreitung

ausgehend vom Lago di Malciaussia

im Talschluss des Val di Viù, das zu den

Lanzo-Tälern gehört. Gerne als die Wiege

1 Das Rifugio

Cà d’Asti unter

dem Gipfel ist

der Stützpunkt

der Pilger.

2 Statt des alten

Triptychons steht

nun eine bronzene

Marienstatue

am Gipfel

3 Der Rocciamelone

über dem

Susatal vom

Bivacco Orsiera

aus gesehen

1

des italienischen Alpinismus bezeichnet,

konzentrierten sich doch die ersten Alpenvereinsaktivitäten

des 1863 gegründeten

Club Alpino Italiano (CAI) auf die Gebirgsregion

der drei Lanzo-Täler. Zwar nicht

auf dem Rocciamelone, sondern auf dem

Monviso – der markanten Pyramide, die

vom Rocciamelone ins Auge sticht – ist

Quintino Sella, dem damals 36-jährigen

Geologen und Politiker, die zündende Idee

zur Gründung eines italienischen Alpen-

82 Bergsteiger 08⁄14


vereins gekommen, als mit ihm die erste

italienische Expedition am 12. August

1863 den Gipfel erreichte. Aber selbst bis

zur Besteigung des Mont Blanc 1786 glaubten

die Italiener noch, der Rocciamelone

sei der höchste Berg der Alpen.

Überraschungen im August

Es kann durchaus passieren, dass am Lago

di Malciaussia beim Auf bruch eitel Sonnenschein

herrscht, doch schon am Colle

Seit 1899 erhöht die »Madonna im

Schnee« als gewaltige Bronzestatue

den Rocciamelone um drei Meter.

Croce di Ferro, dem Übergang ins Susatal,

ein Wintereinbruch überrascht. Mitten

im August. Gut, wenn man es rechtzeitig

zur Capanna Aurelio Ravetto schafft, einer

ehemaligen Militärunterkunft und während

der Resistenza auch Partisanenversteck,

bevor Graupelschauer losbrechen.

Der Blick aus dem Fenster zeigt zehn Minuten

später eine weiß verschneite Welt,

dass selbst Franco, der Hüttenwirt, ganz

aus dem Häuschen ist. Übernachtungsgäste

sind hier rar. Mitunter ist Franco

tagelang allein und freut sich über jeden

Zuhörer, den er dann in seine Küche bittet,

wo es am wärmsten ist, weil nur dort

ein Ofen bullert. Sein Nachname Vigna

scheint zufällig, doch Franco ist tatsächlich

stolzer Eigentümer von 3500 Weinstöcken

im Asti-Land, wo er mundigen

Barbera keltert, der uns jetzt den Gaumen

hinunter perlt. Auch die Destillation von

Grappa gehört zum Hobby des Pensionärs.

Wenigstens innerlich gut gewärmt,

kriecht man schließlich ins eisgekühlte

Lager. Minus-Temperaturen am nächsten

Morgen, dafür ein Klarblick bis zum Apennin.

Ein spannender, nur wenig genutzter

Pfad, ein Abschnitt der Alta Via Val di Susa,

leitet zum Rifugio Cà d’Asti, benannt zu

Ehren des Erstbesteigers. Etwas unterhalb

steht die 1798 erbaute Kapelle, in der die

Wallfahrtsmessen stattgefunden haben,

bevor der exponierte

Gipfelweg 1895 besser

ausgebaut wurde.

Noch vor dem

offiziellen Frühstück

bricht man am besten

zum Gipfel auf, um

in aller Einsamkeit

den Sonnenaufgang am höchsten Punkt

erleben zu dürfen. Seit 1899 erhöht die

»Madonna im Schnee« als gewaltige Bronzestatue

den Rocciamelone um drei Meter

und strahlt ihr gütiges Lächeln über das

endlose Gipfelmeer. Mont Blanc, Grand

Combin, Matterhorn, die Écrins-Gipfel, der

Monviso, die Seealpen: fürwahr ein Gipfel

mit großartiger Rundschau. Rotario d’Asti

hätte keine bessere Wahl für seine Kultstelle

treffen können. Die Überschreitung ist

abenteuerlich, doch bei guten Verhältnissen

für alpin Erfahrene kein Problem. Abgesehen

vom Gipfel wird einem kaum ein

Mensch begegnen. Munteres Treiben wartet

erst wieder am Lago di Malciaussia, wo

Italiener gerne ihr Picknick zelebrieren.

Der Rocciamelone wirkt wieder unscheinbar.

Vielleicht hätte Rotario d‘Asti den Berg

von hier aus niemals bestiegen. Dann wäre

die Historie um eine Legende ärmer. ◀

KOMPAKT

Vom Susatal auf

den Rocciamelone

Anreise: Autobahn bis Turin und auf der

Tangenziale Nord Ausfahrt Venario Reale.

Richtung Valli di Lanzo bis Germagnano und

ins Valle di Viù abbiegen. Mit öffentlichen

Verkehrsmitteln: Zug bis Lanzo/Germagnano,

dann weiter per Bus bis Usseglio.

(Fahrplan: http://www.comune.torino.it/

gtt/intercomunale/percorari.shtml).

Übernachtungsgäste des Rifugio Vulpot

werden auf Wunsch von Usseglio abgeholt.

Hütten: Rifugio Vulpot, 1. Juli bis 15. Sept.,

Tel. 00 39/01 23/8 37 71 oder 3 20/

8 40 70 78, www.rifugiovulpot.com. Capanna

Sociale Aurelio Ravetto, Mitte Juli bis

Ende Aug., im Sept. bei schönem Wetter an

Wochenenden, Tel. 00 39/0 11/6 27 04 41

oder 3 38/9 00 78 13. Rifugio Cà d’Asti,

CAI, Juli bis 20. Sept., Tel. 00 39/01 22/

3 31 92. Rifugio Tazzetti, CAI, Mitte Juni bis

Ende Aug., Tel. 00 39/01 23/8 37 30

Information: Turismo Torino e Provincia,

Tel. 00 39/0 11/53 51 81, www.turismotorino.org;

lokales Tourismusbüro in Lanzo,

Via Umberto I, Tel. 00 39/01 23/2 80 80

Karte: Fraternali, Carta dei Sentieri,

1:25 000 »Val Susa, Val Cenischia,

Rocciamelone, Val Chisone«

Literatur: Iris Kürschner »Piemont Nord«,

Bergverlag Rother

Tourentipp: Die Überschreitung des Rocciamelone

(3538 m) in zwei Tagen ist bei

guten Verhältnissen für Wanderer mit alpiner

Erfahrung kein Problem. Nach einem kurzen

Abstieg über den Nordwestkamm wird

über spaltenfreies Blankeis zum Col di Resta

gequert. Dann lässt sich wieder ein Weg

ausmachen, der bis zum Rifugio Tazzetti

geschickt das exponierte

Felsgelände bewältigt.

Tourenkarte 1

Heftmitte

2 3

08⁄14 Bergsteiger 83


AUF TOUR

Natur- und Umwelterlebnispfad am Sattelberg

Familien-TIPP

Mit Drachen

Kali ist ein Allround-Talent. Er erklärt Kindern die Natur, motiviert

sie zum Wandern und macht ihnen das Essen schmackhaft.

Eine der Touren mit dem drachenhaften Begleiter führt auf den

Sattelberg bei Ramsau. Von Uli Wittmann (Text und Fotos)

84 Bergsteiger 08⁄14


steigen

Lilli und Franka entdecken

Überreste

aus der Zeit von

Kalis Artgenossen.

Kali ist überall. Auf Infotafeln, in

Büchern, sogar auf Speisekarten

in der Gegend rund um Ramsau

am Dachstein. Auch beim Natur-

und Umwelterlebnispfad

auf den 1253 Meter hohen Sattelberg treffen

wir den grünen Ramsaurier mit dem

rosa Bauch, dem Stachelschwanz und dem

Hörnchen auf der dicken Nase. Die Kinder

lieben ihn.

Die Tour von Ramsau zur Sattelberghütte

ist für die ganze Familie eine Premiere,

denn erstmals ist unser Baby Josephine

dabei. Sie verschläft die gesamte Wanderung

im Kinderwagen und im Tragetuch.

Ihre beiden großen Schwestern Lilli (8)

und Franka (4) hingegen sind wie immer

mit ganzem Einsatz dabei.

Es regnet, als wir losgehen. Den ganzen

Tag bleibt es so. An der Sattelberghütte

angekommen, bemerken Lilli und Franka

die Ponys, Zwergschafe und Hasen.

Franka entdeckt ein Kaninchen und streichelt

es. Sie spricht mit gurrender Stimme:

»Hallo Hasenschatz, musst keine

Angst nicht haben, Tante Franki ist da!«

Ihr neuer Liebling lässt sie gewähren. Auf

der Sattelberghütte gibt es für die Kinder

einen Spielbauernhof. Auch hier ist Kali

als Drehpuzzle allgegenwärtig. Mit größter

Mühe gelingt es, die Kinder von ihm

loszureißen und sie zum Weiterwandern

zu bewegen.

Papa kommt in Verlegenheit

Kaum sind wir am Natur- und Umwelterlebnispfad

angekommen, wartet das

nächste Hindernis: Ein Pony! »Kinder,

schaut mal! Das ist doch interessant!«

Mein Versuch, die Aufmerksamkeit der

Kinder auf eine Schautafel zu lenken,

ist nur allzu durchschaubar. »Papa, du

kannst das schon«, ermuntert mich Lilli

und marschiert mit Franka zum Pony, das

erschreckt davontrabt. Wie dankbar ich

dafür bin! Wir steigen weiter auf.

Begeistert laufen die Schwestern voraus,

um als Erste an der nächsten Station zu

sein. Auf einer Infotafel erklärt Kali kindgerecht

die Jahresringe der Bäume. Lilli

und Franka vergessen den Regen und sogar,

dass sie sich gerade erst gezankt

hatten. Doch lange währt der Frieden

nicht. Beim Baumhaus ist ein Fernglas

befestigt, um die Landschaft rund um

Begeistert laufen die

Schwestern voraus,

um als Erste an

der nächsten Station

anzukommen. Dort

erklärt Kali auf einer

Infotafel kindgerecht

das Geheimnis

der Jahresringe

von Baumstämmen.

Der putzige Ramsaurier

vermittelt den

Kindern sein Wissen

auf Schautafeln.

08⁄14 Bergsteiger 85


Trittsicherheit

trainieren am

Spielplatz an der

Sattelberghütte

An einer der Stationen betrachten Lilli und

Franka unter Lupen, was sie im Wald gefunden

haben: Farne, Fichtenzapfen und Schnecken.

KOMPAKT

Mit dem Ramsaurier die Natur entdecken

Anreise: Mit dem Zug

über Salzburg und Bischofshofen

nach Schladming.

Vom Bahnhof fahren regelmäßig

Busse nach Ramsau

am Dachstein. Mit dem Auto

von München über Salzburg

auf die Tauernautobahn

A10, bis zur Abfahrt »Knoten

Ennstal«. Im Ennstal weiter

bis nach Schladming, dort ist

Ramsau ausgeschildert.

Beste Jahreszeit:

April bis Oktober. Der Eintritt

zum Natur- und Umwelterlebnispfad

am Sattelberg

ist kostenlos.

Kindereignung: Die

Wanderung auf dem Naturund

Umwelterlebnispfad am

Sattelberg ist 4 Kilometer

lang und dauert 2½ bis 3 Std.

Start ist am Wanderparkplatz

Natur- und Umwelterlebnispfad.

Auf einem von Wurzeln

durchzogenen Waldweg

geht es gemäßigt bergauf

(180 Hm). Für Kinderwagen

oder Rollstühle ist der Weg

ungeeignet.

Karte: Kompass 1:50 000,

WK 031 »Dachstein-Süd-

Filzmoos«

Einkehr: Auf der Sattelberghütte

werden sogar spezielle

Kali-Kindergerichte serviert.

In Ramsau gibt es eine gute

Auswahl an Gaststätten und

Jausenstuben.

Weitere Infos:

www.ramsau.com,

www.wanderdoerfer.at

die Planai auf der anderen Talseite zu beobachten.

Lilli und Franka balgen sich darum.

»Dann guckt eben der Papa«, sage ich

kurz entschlossen. Beide laufen voraus.

Schon von weitem höre ich ihre Schreie.

Was ist denn jetzt wieder los? Bei ihnen angelangt,

finde ich die zwei über Lupen gebeugt.

Was sie im Wald gefunden haben,

legen sie darunter: Farne, Fichtenzapfen

und Schnecken.

Dann entdeckt Franka einen Computer:

Der Rechner aus Holz ist doppelt so hoch

wie die Vierjährige. Begeistert drückt sie

die Tastatur und verfolgt, was am Bildschirm

passiert. Lilli erwischt mich auf

dem falschen Fuß. An einem grauen Kästchen

fragt sie: »Papa, hast du unsere Wanderbücher

dabei?« Ich erröte. Am Morgen

hatte Lilli mich noch daran erinnert, die

Bücher einzupacken, in denen die Wanderblätter

für die Stempelstationen enthalten

sind. Für diejenigen, die genügend

Stempel gesammelt haben, gibt es eine

Überraschung. Hektisch durchwühle ich

den Rucksack. Das Hauptfach ist leer.

86 Bergsteiger 08⁄14


Meine letzte Hoffnung ist das Deckelfach.

Zum Glück tauchen die beiden Bücher dort

auf. Kali grinst mir vom Einband entgegen.

Mit feierlichem Ernst stempelt Lilli für

sich und ihre mittlere Schwester die Wanderblätter.

Beide sind mächtig stolz darauf.

Weiter geht es zum Gipfel. An einer

Station müssen die Kinder Begriffe wie

Grat, Gipfel, Turm und Kar einer Zeichnung

von einem Bergmassiv zuordnen.

Ein vorbeikommender Wanderer will ihnen

helfen. Franka entgegnet: »Das können

wir selber, denn Lilli ist schon acht!«

Beeindruckt von soviel Selbstbewusstsein

zieht der Bergsteiger ab.

Eine geheimnisvolle Katze

Bald ist der Gipfel erreicht. Auf den wunderbaren

Blick, den man für gewöhnlich

von hier aus zum Dachstein hat, müssen

wir an diesem Tag verzichten: Er versteckt

sich hinter einer grauen Wolkenwand.

Josephine, unser Baby, verschläft wohlig

ihren ersten Gipfel. Beim Abstieg zur Sattelberghütte

kommen wir an Versteinerungen

vorbei. Und auf einer Tafel erklärt

– wer wohl? – Kali, wie aus Urmeeren

die Alpen entstanden. Lilli und Franka betrachten

ihre heutige Mission als erfüllt.

Kaum sind wir an der Sattelberghütte

angekommen, erwacht Josephine. »Oh

Seppi«, meint Franka zu ihr, »haben wir

dein Wanderbuch vergessen?« Das Baby

betrachtet die Vierjährige mit großen Augen.

Auf der Speisekarte gibt es Kali-Getränke

und Kali-Speisen. Als wir zurück

zu unserer Unterkunft gehen, entdeckt

TIPP

Blasenlos wandern

Blasen oder offene Stellen an den Füßen

tun beim Wandern richtig weh. Jeder

Schritt ist dann schmerzhaft. Ein paar Tipps,

wie es gar nicht erst dazu kommt:

• Blasen entstehen durch mechanische

Reibung, deshalb die Wanderschuhe nicht

zu groß oder zu klein kaufen

• Spezielle Wandersocken sind nahtlos

gewebt und an den Problemstellen verstärkt

• Vor dem Wandern die Füße mit Hirschtalg

oder einer Creme behandeln und Problemstellen

mit Blasenpfl astern abkleben

Lilli ein Tier, das über eine Weide läuft.

»Schau mal Papa, die große Katze«, macht

sie mich stolz darauf aufmerksam. Es ist

ein Dachs. Franka will über den Weidezaun

steigen und den scheuen Waldbewohner

streicheln. Mit vereinten Kräften

halten wir sie davon ab. Beim

Abendessen bestimmt

Franka: »Papa, morgen

gehen wir noch

einmal auf den Berg!«

Als ich nachfrage,

warum, meint sie

grinsend: »Dann

kann Lilli wieder

stempeln und ich

den Dachs streicheln!«


Wer genug Stempel

sammelt, bekommt an

der Sattelberghütte

eine Überraschung.

Carbonstöcke sind leichter, steifer & korrosionsbeständiger als herkömmliche Aluminiumstöcke.

Deshalb sind heute bereits mehr als die Hälfte unserer Stöcke aus Carbon. Finden Sie das für

Sie optimale Modell auf www.komperdell.com


SERVICE

Sobald Kinder

selbstständig

sitzen, dürfen sie

in die Kraxe.

TIPP

Das sorgt beim Ausflug

für gute Laune

• Beim Kauf einer Kindertrage auf Gewicht,

gut gepolstertes Tragesystem inklusive

stabilem Hüftgurt und einen belüfteten

Rücken achten

• Für das kleine und große Malheur:

Windeln, Feuchttücher und eine Wickelunterlage

dürfen im Gepäck nicht fehlen.

• Gegen Langeweile: Ein Bilderbuch oder

Stofftier hält die Kinder in der Kraxe bei

Laune. Damit die Dinge nicht verloren gehen,

befestigt man sie am besten mit Kordeln.

• Keine Touren mit Kindertrage im Winter!

Den Kleinen drohen aufgrund der mangelnden

Bewegung und der hängenden Beine

Auskühlung und Erfrierungen.

• Wer die Kindertrage nur selten braucht,

kann unter www.kinderoutdoor.de ein

Modell für 30 €/Woche mieten

(inkl. Trekkingstöcke und Versandgebühr).

Fotos: Uli Wittmann (2), Hersteller (3)

Bergtaugliche Kindertragen

Huckepack

Nur weil man Nachwuchs bekommt, muss man nicht

gleich zum Stubenhocker werden. Mit Kinderkraxen

und Bauchtragen lassen sich auch die Kleinsten

schon auf Wanderungen mitnehmen. Wir erklären,

worauf es dabei ankommt. Von Uli Wittmann

Nichts geht mehr. Ratlos steht die

junge Familie mit Kinderwagen

vor einem Felsabsatz auf dem

Wanderweg. Mit Kindertrage

oder Tragetuch wäre diese Passage kein

Problem – weder für Eltern noch für Kinder.

Säuglinge fühlen sich im Tragetuch

mit engem Körperkontakt zu Mama oder

Papa ohnehin am wohlsten. In den ersten

neun Monaten ist die Bauchtrage das

ideale Transportmittel für sie. Beim Wandern

sollte man allerdings bedenken, dass

Baby und Trage den Blick auf den Weg einschränken.

Später können die Babys auch

bequem mit Tuch am Rücken getragen

werden.

Viele Eltern fragen sich, wann der Nachwuchs

in die Kindertrage darf. Chris

Semmel, Bergführer und Sprecher beim

Verband Deutscher Berg- und Skiführer

(VDBS) rät: »Kinder müssen selbständig

sitzen können, damit sie ihren Kopf und

Rumpf selber halten und stabilisieren.«

Alles Einstellungssache

Das Tragen einer Kraxe unterscheidet sich

wesentlich von dem eines Rucksacks. »Ein

Kind zu tragen ist deutlich anspruchsvoller,

als das gleiche Gewicht im Rucksack zu haben.

Der Schwerpunkt ist höher, das Kind

bewegt sich«, erklärt Christoph Centmayer

vom skandinavischen Bergsport-Ausrüster

Bergans. Zusätzliches Gewicht bringen Verpflegung

und Ausrüstung für das Baby.

Nicht nur den Eltern sollte die Kraxe gut

passen, auch den Kindern. »Um Sitz, Kom-

88 Bergsteiger 08⁄14


fort und Sicherheit zu gewährleisten, gilt

es, die Kindertrage den physiologischen

Voraussetzungen des Kindes haargenau

anzupassen«, erklärt Andreas Kübler vom

US-Rucksackspezialisten Osprey. »In der

Idealposition befindet sich das Kinn des

Kindes knapp oberhalb des Rahmens.«

Außerdem sollte die Trage verstellbare

Schultergurte besitzen, die das Kind vor

dem Herausfallen schützen.

Vor dem ersten Berg-Abenteuer ist es sinnvoll,

den Knilch zuhause an die Kraxe zu

gewöhnen. Heidi Demler vom Ausrüstungs-

Experten Deuter ist selbst Mutter. Sie weiß:

»Wenn das Kind das erste Mal in die Kraxe

gesetzt wird, kann es sein, dass es sich etwas

sträubt und weint. Nicht gleich aufgeben –

spätestens beim Gehen, wenn es schaukelt,

sitzt der Nachwuchs gerne darin.«

Zum Anlegen der Kraxe ist eine gewisse

Technik nötig. Schließlich sitzt ein Kind

darin, mit zu viel Schwung holt sich der

Träger außerdem üble Rückenschmerzen.

Dazu rät VDBS-Sprecher Semmel: »Am

besten zu zweit die Kindertrage aufsetzen.

Ist man allein, so kann man die Trage auf

einem Tisch positionieren – dabei nie loslassen!

– und dann dort aufnehmen.«

Empfindlich bei Sonne und Höhe

Trekkingstöcke unterstützen den Träger

bei der Wanderung und geben Sicherheit.

Genuss pur ist garantiert, wenn dann auch

noch die Sonne scheint. Für die Kinder in

Schönwetter-Frust: Kindern kann es

in der Kraxe leicht zu heiß werden.

der Kraxe kann sie jedoch zur Gefahr werden:

»Ein Kind leidet in der Trage schneller

unter den Wetterbedingungen und Temperaturen«,

warnt Dennie Wagner von der

Bergsportfirma Salewa. »Freiliegende Metallteile

können sich so stark erhitzen, dass

sich das Kind daran verbrennt. Eltern sollten

auf jeden Fall immer auf ausreichend

Sonnenschutz achten.« Auch regelmäßige

Pausen sind wichtig. Es sei denn, der kleine

Passagier schläft. Nach einem Zeitraum von

45 bis 60 Minuten ist es sinnvoll zu rasten,

um das Kind krabbeln oder gehen zu lassen.

Manche Eltern sind ehrgeizig, was die Berge

betrifft. Fachleute raten davon ab, mit

Kleinkindern über 2000 Meter zu steigen

und sich dort lange aufzuhalten. Almtouren

oder weniger hohe Gipfel haben

schließlich auch ihre Reize.


Drei tragende Elemente für eine gelungene Familienwanderung:

Deuter

Kid Komfort 3

Info: www.deuter.com

Preis: 269,95 €

Gewicht: 3500 g

Der Mercedes unter den Kindertragen

mit hohem Tragekomfort

dank höhenverstellbarer Schultergurte

und beweglicher Hüftfl ossen.

Gepolsterter 5-Punkt-Sicherheitsgurt,

variable Sitzhöhe, Kinnpolster

und höhenverstellbare Fußstützen

fürs Kind; integriertes Sonnendach,

diverse Fächer (Stauraum 18 L)

Osprey

Poco

Info: www.osprey.com

Preis: 169,95 €

Gewicht: 2700 g

Leichte Kindertrage mit Netzrücken

und höhenvariablen Schultergurten;

höhenverstellbarer und gepolsterter

Kindersitz mit Anschnallgurten und

höhenverstellbaren Steigbügeln,

abnehmbare Kopf- und Kinnkissen,

Premium-Variante mit abnehmbarem

Daypack, Sonnendach und

Wickelunterlage (3500 g) für 250 €

Cybex

Babytrage 2.GO

Info: cybex-online.com

Preis: 114,95 €

Gewicht: 600 g

Außergewöhnlich fl exible Trage, von

Orthopäden und Hebammen entwickelt

für Babys ab drei Monaten

bis hin zu Fünfjährigen: mehrere

Tragevarianten am Bauch und am

Rücken, umklappbare Kopfstütze,

diverse Verstellmöglichkeiten, Brustund

Bauchgurt, aus pfl egeleichtem

Polyester (bei Hitze schweißtreibend)


AUF TOUR

SERIE:

Von Null aufs Dach der Alpen

Schneller! Fitter!

Der Weg auf das Dach Europas erfordert eine gute Kondition. Trailrunning ist

zwar anfangs sehr fordernd, macht den Körper aber wie keine zweite Spielart des

Bergsports fit für große Aufgaben. Von Moritz Baumstieger

90 Bergsteiger 08⁄14


EINE INITIATIVE VON

+

Höher!

Laufend auf Tour:

im Val Roseg zwischen

Piz Bernina

und Piz Roseg

Foto: Robert Bösch / Archiv Mammut

»

Langsam, aber sicher: Es geht aufwärts!«

Wer auf ein Ziel hintrainiert, spricht diesen

Satz sehr gerne aus. Für einen Bergsportler,

der den Gipfel des Mont Blanc erreichen

will, gilt das mit dem »aufwärts« im Besonderen.

Das Adjektiv »langsam« sollte er hingegen

noch einmal überdenken. Wäre der

Satz nicht viel schöner, wenn sein erstes

Wörtchen »schnell« hieße?

Geschwindigkeit ist das Mantra unserer

Zeit. Und der »need for speed« hat inzwischen

auch den Bergsport erreicht: Die

ersten Verrückten, die leicht bekleidet

und hechelnd Bergpfade im Laufschritt

hoch rannten, haben viele noch belächelt.

Dann sah man mehr und mehr Alpinjogger,

plötzlich hatte der Sport seine eigenen

Magazine, seine eigenen Seiten in

den Katalogen der Ausrüster und auch einen

eigenen Namen. Besser gesagt, gleich

mehrere: »Trailrunning«, »Speedhiking«

oder – manchmal geht es anscheinend

auch noch auf deutsch – schlicht »Berglauf«.

Der boomt auch als Event, allein an

der Zugspitze werden heuer drei verschiedene

Berglauf-Wettkämpfe mit insgesamt

fünfstelligen Teilnehmerzahlen über die

Bühne gehen.

»Einerseits haben Läufer aus der Ebene

neue Herausforderungen gesucht«, erzählt

Thomas Bucher, Pressesprecher des

Deutschen Alpenvereins und Autor des

Buches »Speedhiking: Münchner Hausberge«,

das im Bruckmann-Verlag erschienen

ist. »Andererseits waren da Bergsteiger wie

ich, die entdeckt haben, dass sich so völlig

neue Touren mit völlig neuen Erlebnissen

realisieren lassen.« Forststraßen etwa, die

früher nur lästige Zustiege waren, wur-

Teil 1 – Gehschule

Teil 2 – Leichter Klettersteig

Teil 3 – Berglauf

Teil 4 – Erste leichte Hochtour

Teil 5 – Erster »Zweier«

Teil 6 – Ausrüstung

Teil 7 – Ernährung

Teil 8 – Schneeschuhtour

Teil 9 – Erst Halle, dann Fels

Teil 10 – Hochtourentechnik

Teil 11 – Wetterkunde

Teil 12 – Hochtourentaktik

08⁄14 Bergsteiger 91


TRAININGSPLAN

von der Mammut Alpine School

1 Die innere Pulsuhr

Ziel: Den Körper kennenlernen

Umsetzung: Laufen Sie eine Steigung mit

Pulsuhr zunächst ein paar Minuten in dem

Tempo, das Ihnen angemessen erscheint, nach

oben – und kontrollieren Sie erst anschließend.

Der Wert ist viel zu hoch? Gehen Sie zur Erholung

langsam wieder hinunter. Wenn Sie den

Ruhepuls erreicht haben, starten Sie erneut

– aber langsamer, kontrolliert wird erst wieder

oben. Wiederholen Sie das Spiel so lange, bis

Sie ein Tempo gefunden haben, bei dem Ihr

Puls bei 150–160 liegt.

Besonders beachten: Versuchen Sie, Atemund

Trittfrequenz zu synchronisieren – und

achten Sie darauf, möglichst viel und tief

auszuatmen.

Ob »Speedhiking»

oder »Trailrunning«:

Was für Thomas

Bucher zählt, ist

der Rausch der

Geschwindigkeit.

2 Richtig Aufsetzen

Ziel: Die Lauftechnik optimieren

Umsetzung: Berglaufen erfordert eine andere

Technik als Berggehen – und der Weg nach

oben eine andere als der hinunter. Vor dem Rodelberg

starten Sie im Flachen. Setzen Sie den

Fuß mit der gesamten Sohle auf. Je steiler der

Hang wird, desto stärker heben Sie die Ferse

an, bis Sie fast nur noch auf den Ballen laufen.

Runter geht es auf dem Weg: Ihre Schritte werden

größer, aber Sie versuchen, die Hangabtriebskraft

mit den Oberschenkeln abzufedern.

Achten Sie darauf, dass Ihr Knie nicht durchgedrückt

ist, wenn Sie den Fuß aufsetzen.

Besonders beachten: Wer beim Bergablaufen

den Fuß zunächst mit der Ferse aufsetzt, riskiert

umzuknicken, wenn das Tempo hoch ist.

Deshalb: Die ganze Sohle benutzen.

3 Stopp! Und links!

Ziel: Schnell reagieren lernen

Umsetzung: Ganz einfach: Laufen Sie mit

einem Partner auf einer (gemähten) Wiese,

einem freien Feld, den Hang des Rodelbergs

hinab. Geben Sie sich gegenseitig willkürlich

Kommandos (oder geben Sie sie sich selbst):

»Links!« »Rechts!« »Stopp!« Versuchen Sie, bei

»links« und »rechts« Ihre Richtung um fast 90

Grad zu ändern.

Besonders beachten: Schaffen Sie es,

beim Kommando »Stopp« Ihren Bremsweg

auf maximal einen weiteren

Schritt zu minimieren – ohne

vornüber zu kippen oder die

Kontrolle zu verlieren?

COUPON 3

den nun zu interessanten Prüfungen, die

sogar Spaß machten. Kritiker führen oft an,

Trailrunner hätten in ihrem Geschwindigkeitsrausch

eine sehr verengte Wahrnehmung

des Gesamterlebnisses Berg. Bucher

hingegen sieht in seinen Bergausflügen im

Sauseschritt eine zusätzliche Option, den

eigenen Körper und die Landschaft, in der

man sich bewegt, neu kennenzulernen.

▶ Erst einmal brutal anstrengend

Zumindest nach einer kurzen Eingewöhnungszeit:

»Anfangs hat man sicher keinen

Blick für die Natur – da ist das Laufen

am Berg erst einmal brutal anstrengend«.

Dennoch lohnt es sich: Gerade weil es so

fordernd ist, gibt es kaum ein besseres

Training, um den Körper für lange und

belastende Touren in Schwung zu bekommen.

Obwohl Geschwindigkeit das Ziel ist,

sollte man die am Anfang nicht so wichtig

nehmen. »Bei den ersten Malen sollte man

wirklich superlangsam loslaufen«, sagt

Bucher. Wer seine Trittfrequenz aus der

Ebene eins zu eins in die Schräge übertragen

will, dem schnellt der Puls nach oben.

Bucher empfiehlt, zunächst in sehr kleinen

Schritten zu laufen und weniger die

Zeit als die Pulsuhr im Blick zu behalten.

»Meist wird empfohlen, dass der Puls bei

Belastung 130, 140 nicht überschreiten

sollte – aber das ist bei vielen Anfängern

utopisch. Wer zu nahe an die 170 kommt,

ist sicher zu schnell unterwegs.« Es empfiehlt

sich in jedem Fall, einmal seinen

Maximalpuls festzustellen, an dem man

sich fortan orientieren kann. Denn der

kann beim einen bei 190, beim anderen

bei 205 Schlägen pro Minute liegen, und

lässt mit zunehmendem Alter nach.

Generell gilt: Alles kann, nichts muss. Abschnitte,

in denen nicht gelaufen, sondern

nur schnell gegangen wird, sind nicht nur

erlaubt, sondern die Regel. Auch die allerfittesten

Trailrunner schalten beim letzten

steilen Gipfelstück in den Gehmodus

und stoßen sich tief gebeugt von ihren

Oberschenkeln ab. »Im Prinzip kann sich

zunächst einmal jeder als Speedhiker zählen,

der eine Strecke schneller bewältigt,

als es die Zeitangabe auf den Schildern anzeigt«,

sagt Bucher. Wer es schaffe, die Zeiten

zu halbieren, sei schon sehr sportlich

unterwegs. Bucher wehrt sich gegen jede

Orthodoxie: »Ein Reiz des Speedhikens ist

ja, seinen Körper völlig neu zu erleben.«

Dazu gehöre auch, seine Grenzen kennenzulernen

und zu respektieren. »Wer es anfangs

übertreibt, kann den Tag schnell abhaken:

Weil er dann völlig erschöpft ist.«

Fotos: Thomas Bucher (2)

Das große 4000er-Gewinnspiel

Ausschneiden, sammeln und mit

allen 12 Coupons eine Besteigung

des Mont Blanc mit der Mammut

Alpine School gewinnen.


AUSRÜSTUNG

Berglauf-Rucksack

Mammut MTR 201 7l

UVP: 80,- €

Gewicht: 215 g

Volumen: 7 Liter

auch als 10+2 Liter

Version mit Stockhalterung

erhältlich

Schnelles Gipfelglück:

Auf den

letzten Metern zum

höchsten Punkt

des Heimgarten

Laufjacke

Mammut MTR 201

Micro Jacket Men

UVP: 140,- €

Gewicht: 100 g

Winddicht und wasserabweisend,

lässt sich in

der eigenen Brusttasche

verstauen

Berglaufschuhe

Mammut MTR 201

Pro Low Men

UVP: 140,- €

Gewicht: 676 g/Paar

(UK 8,5)

Meshmaterial mit Zehenschutz

aus Gummi

Berglaufschuhe

Mammut MTR 141

GTX Women

UVP: 150,- €

Gewicht: 512 g/Paar

(UK 5,5)

Meshmaterial mit

Goretex Innenfutter

▶ Laufen ohne Seitenstechen

Anfängern empfiehlt Bucher, besonders

auf die Atmung zu achten: Bei Anstrengung

neigen viele Menschen dazu, nicht

stark genug auszuatmen, was langfristig

zu Seitenstechen führt. Wer es schafft, sollte

versuchen, Tritt- und Atemfrequenz zu

synchronisieren – und auf jedes normale

Ausatmen noch eine Art Keucher draufsetzen,

der das übrige Kohlenmonoxid aus

der Lunge presst.

Der Oberkörper sollte beim Laufen möglichst

ruhig gehalten werden, manchem

helfen Stöcke dabei. »Wenn man nicht

über die Stöcke stolpert, sind die völlig in

Ordnung«, meint Bucher. Im Gegensatz

zum normalen Berggehen, wo man möglichst

die ganze Sohle aufsetzt, läuft man

beim Trailrunning eher auf den Ballen. »So

belastet man auch die Waden, dann müssen

die Oberschenkel nicht alle Höhenmeter

alleine machen.«

Wer es so zum höchsten Punkt der Tour

geschafft hat, sollte sich kritisch prüfen:

Bin ich noch konzentriert genug, um auch

den Abstieg im Laufschritt zu bewältigen?

Und machen das meine Knie mit? Passt

beides, erwartet den Läufer laut Bucher

»ein Wahnsinnserlebnis, anspruchsvoll,

aber intensiv: Plötzlich geht es irrsinnig

schnell und wie von selbst dahin – man

fliegt praktisch über die Wanderwege«.

Ausrüstung braucht es nicht viel: Leichte

Schuhe mit festen Sohlen. Die meisten

Ausrüster haben inzwischen spezielle

Trailrunningschuhe im Programm. Eine

kurze Laufhose oder Leggings, einen kleinen

Rucksack mit etwa zehn Litern Fassungsvermögen,

in dem ein Ersatz-Shirt

und eine dünne Windjacke Platz haben.

Außerdem empfiehlt Bucher, immer ein

paar Energieriegel für Zwischentiefs und

eine Trinkflasche dabeizuhaben. Dann

kann es losgehen. Und schon heißt es:

»Schnell, aber sicher: Es geht aufwärts«. ◀

TOUR

TOURENTIPP zum Nachlaufen

Heimgarten (1790 m),

Estergebirge

▶ mittel (K3)

1070 Hm

2¼ Std.

Länge: 10km

Charakter: Berglauf-Klassiker in den

Münchner Hausbergen (mit eigenem

Rennen) ohne lange Flachpassagen.

Abwechslungs- und aussichtsreich, gut

erreichbar und damit auch als Feierabendtour

machbar.

Anfahrt: Von München über die A95,

Ausfahrt Murnau/Kochel. Von München

Züge in 1¼ Std. nach Ohlstadt.

Ausgangspunkt: Parkplatz am oberen

Ortsende von Ohlstadt (720 m)

Verlauf: Den Forstweg in der ersten

Linkskurve Richtung Kiesweg verlassen

(Schild: Heimgarten), der in Kehren

zum Kleinen Illing (930 m) führt. An der

nächsten Gabelung links halten, bei

einer Bachüberquerung wird es kurz

fl acher. An der Bärenfl eckhütte (privat)

ist Halbzeit (30 Min.). Nun steil, in vielen

Kehren und Stufen zum Grat hinauf.

Wer hier unter 50 Minuten bleibt, kann den

Gipfel in knapp einer Stunde erreichen.

Abstieg: wie Aufstieg. Wer noch Kraft

hat, kann den Grat zum Herzogstand

laufend unter die Füße nehmen

(+1¼ Std., ca. 200 Hm).

Karte: AV-Karte BY 9 »Estergebirge«,

1:25 000

Einkehr: Heimgartenhütte, am Gipfel

08⁄14 Bergsteiger 93


KAUFBERATUNG

ZUPACKEN

Der Griff sollte der Hand

schmeicheln und evtl. eine

tiefergehende Manschette

besitzen. Die leicht einstellbare

Handschlaufe sollte

breit aufliegen.

VERSTELLEN

Egal ob externe oder interne

Fixierung: Die Längenverstellung

sollte unkompliziert,

schnell und zuverlässig sein,

die Längenmarkierungen gut

zu sehen.

Leichte Wanderstöcke im Test

Stockwerke

Sie schonen die Knie und geben auch auf holprigem Untergrund

das Gefühl von Stabilität. Wanderstöcke sind in

der Bergausrüstung längst selbstverständlich geworden.

Wir haben zwölf leichte Trekking-Modelle für Sie unter

die Lupe genommen. Von Christian Schneeweiß

94 Bergsteiger 08⁄14


FEDERN

Leichtwanderstöcke besitzen

statt einer Federung

eine Aluminiumlegierung,

deren Flexibilität für

optimale Stoßdämpfung

sorgt.

HALTEN

Die Kunststoffspitze mit

einer ultraharten Karbidkrone

sollte leicht wechselbare

Trekkingteller für

Ersatz- oder Winterteller

besitzen.

DIE ZWÖLF TESTMODELLE

IM ÜBERBLICK

TRAIL Black Diamond

COMPACT 135 Exped

LITE 125 Exped

ARIA 3 Fizan

COMPACT 4 Fizan

X-LIGHT APEX Kohla

X-LIGHT PEAK Kohla

C3 CARBON POWERLOCK Komperdell

CARBON UL VARIO4 COMPACT Komperdell

CARBON TITANIUM Leki

MICRO VARIO CARBON Leki

FLIGHT 3 MSR

Foto: Dagmar Steigenberger

Als vor 30 Jahren die ersten, zumeist

älteren Wanderer mit Stöcken

in den Bergen unterwegs

waren, ernteten sie oft Stirnrunzeln.

Mittlerweile sind

auch viele jüngere Sportler im Gebirge

damit anzutreffen. Es hat sich herumgesprochen,

dass der Einsatz von Stöcken im

unwegsamen Gelände mehr Stabilität ver-

leiht und vor allem beim Bergab-Gehen die

Knie entlastet. Ein Wanderer erspart seinen

Gelenken bei einer dreistündigen Bergwanderung

im Idealfall etwa 70 Tonnen

Gewicht, wenn er mit Stöcken unterwegs

ist. Das entspricht zehn Prozent der Gesamtbelastung.

Damit die Stöcke tatsächlich

eine Hilfe sind, sollte man beim Kauf

und auch beim Gebrauch einiges beachten.

▶ Stocklänge

Zum Bergwandern auf angelegten Wegen

brauchen Teleskopstöcke nicht besonders

robust zu sein, sondern vor allem leicht.

Drei- oder vierteilige Teleskopstöcke lassen

sich auf ein Packmaß von 60 bis 70 Zentimetern

zusammenschieben, sodass sie

gut am Rucksack zu befestigen sind, ohne

zu behindern. Wer ultrakurze Stöcke

08⁄14 Bergsteiger 95


als Zu- und Abstiegshilfe am Klettersteig

sucht, findet sogar welche, die mit 38 bis 57

Zentimeter Packmaß in den Rucksack passen.

Für den Einsatz zieht man die Stöcke

so weit auseinander, dass die Ellenbogen

beim Gehen in der Ebene einen 90°-Winkel

bilden. Beim Aufstieg sollten die Stöcke entsprechend

kürzer, beim Abstieg länger sein.

135 bis 140 Zentimeter maximale Stocklänge

sind für größere Personen ideal, für

kleinere BergsteigerInnen und Kinder (bis

180 cm) reichen 130 Zentimeter aus. Einige

der von uns getesteten Modelle gibt es in

beiden Größen (v. a. Exped). Bei klassischen

dreiteiligen Teleskopstöcken kann die Länge

um 70 Zentimeter variiert werden.

»Verschlüsse per Knopfdruck

im unteren Segment des

Stocks haben Zukunft.«

niumlegierung zur Entlastung der Handund

Armgelenke im Abstieg; allerdings

können diese Ultraleicht-Modelle mit

einem Gewicht zwischen 375 und 440

Gramm leichter brechen. Das leichteste

Modell in unserer Testserie ist ein relativ

steifer Faltstock: der Komperdell Ultralight

Vario4 Compact mit 350 Gramm. Auch die

robusteren Leichtstöcke bis 500 Gramm

sind stabil genug für den Allroundeinsatz

im Gebirge (mit Wechselteller; bei Skitou-

Christian Schneeweiß, Tester

▶ Gewicht und Material

Reine Leichtwanderstöcke wie beispielsweise

der Komperdell C3 Karbon besitzen

statt einer Federung eine flexible Alumiren

evtl. Bruchgefahr). Obwohl Karbonstöcke

immer stabiler werden, bleiben sie

schlaganfälliger als Aluminiumstöcke, die

sich eher verbiegen als brechen – weshalb

das unterste Segment einiger robuster Karbonmodelle

aus Alu besteht.

▶ Interne und externe Fixierungen

Der klassische Teleskopstock besitzt eine

interne Fixierung mit einem Kunststoffdübel,

der beim Drehen über einem

▶ Die Stöcke im Vergleich …

BLACK DIAMOND

Trail

Info: www.blackdiamondequipment.com

Preis: 74,90 €

Gewicht/Paar: 495 g

Verstellbereich: 64–140 cm

Komfort: Schmaler Griff mit Hartgummi-Knauf

und schweißsaugender Komfortschlaufe

Variabilität: Klassische externe Flick-Lock-

Verstellung, zuverlässig verstellbare Schlaufe

und Wechselsysteme an der Spitze

Stabilität: Die Segmentfi xierungen des

Dreiteilers halten zuverlässig, der Stock ist recht

steif, aber bei hoher Belastung sehr biegsam.

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

TIPP

Preis/Lstg.

EXPED

Compact 135

Info: www.exped.com

Preis: 139,95 €

Gewicht/Paar: 480 g

Verstellbereich: 53,5 bzw. 108,5–134

Komfort: Die trikot-gefütterte Schlaufe und der

ideal ergonomisch geformte Griff erlauben

perfekten Halt auch mit feuchten Händen.

Variabilität: Trotz mittlerer Länge ist der Stock

mit Bajonettfi xierungen und Drehverstellung

weniger variabel (25 cm).

Stabilität: Ungewöhnlich steifer Vierteiler, der

nur oben stückweise zusammenrutschen kann

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

TIPP

Komfort

EXPED

Lite 125

Info: www.exped.com

Preis: 114,95 €

Gewicht/Paar: 435 g

Verstellbereich: 57 bzw. 94,5–124

Komfort: Die trikot-gefütterte Schlaufe und der

ideal ergonomisch geformte Griff erlauben

perfekten Halt auch mit nassen Händen.

Variabilität: Genial ist die Kombination aus Bajonettraste

unten und Drehverstellung oben (30

cm Verstellweg). Wechselteller mit Drehgewinde.

Stabilität: Stabiler Stock trotz geringer Steifi g-

keit, rutscht unbeabsichtigt kaum zusammen.

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

▶ FAZIT: Vielseitiger Bergtouren-Begleiter

Der sehr fl exible Komfortstock besitzt einen

hautfreundlichen Griff v. a. für kleinere Hände

mit weicher Handschlaufe. Am raffi nierten

Spitzenteil lassen sich Miniteller und Ringkrone

(Schneeteller/Gummiaufsatz im

Lieferumfang) schnell wechseln. Dank langer

Spitze auch für Schneeschuhgehen geeignet,

aber keinesfalls für Skitour.

▶ FAZIT: Stabiler Mini

Der rundum gelungene, in den Rucksack

passende, relativ steife Vierteiler ist ideal

für Personen bis 190 cm (gibt’s auch in

Kurzgröße). Griff und Schlaufe bilden eine

funktionelle Einheit. Die leichtgängige interne

Fixierung ist rutschresistent, der Stock fl ugs

zusammenschiebbar. Inklusive Drehgewinde

für Schneeteller im Winter.

▶ FAZIT: Durchdachtes Multitalent

Kürze, schmaler Griff und hohe Flexibilität

machen diesen Dreiteiler ideal für kleinere

Personen bis 180 cm. Die leichtgängige

interne Fixierung ist rutschresistent, der Stock

ist blitzschnell auf geringes Packmaß

zusammenschiebbar, super Griff und beste

Schlaufe bilden eine optimale Einheit. Auch

als Langgröße/mit Federung.

96 Bergsteiger 08⁄14


MATERIAL

Ein leichter Wanderstock

besteht aus gehärtetem,

schlagfestem Aluminium

oder aus steifem, sprödem

Karbon.

Foto: Dagmar Steigenberger

FIZAN

Aria 3

Info: www.krah.com, www.fi zan.it

Preis: 99,95 €

Gewicht/Paar: 475 g

Verstellbereich: 69,5–140 cm

Komfort: Schmaler Griff mit Neoprenschlaufe

und rundlichem Stützknauf, bei Hitze optimal

Variabilität: Die externen Klemmen sind leicht

verstellbar, der Verstellkeil an den Schlaufen

kann beim Zuziehen rausrutschen.

Stabilität: Steif und sicher ist der Karbonstock,

wenn das untere Segment an der Stop-Markierung

fi xiert ist.

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

FIZAN

Compact 4

Info: www.krah.com, www.fi zan.it

Preis: 79,95 €

Gewicht/Paar: 375 g

Verstellbereich: 50,5–126 cm

Komfort: Am schmalen Griff mit Stützknauf

hängt eine Neopren-Schlaufe, die kniffelig zu

verstellen, aber bei Schwitzen komfortabel ist.

Variabilität: Die interne Klemme der

Drehverstellung des Teleskopstocks mit 75 cm

Längenvariation ist erstaunlich zuverlässig.

Stabilität: Federt beim Abstieg sehr fl exibel und

kann bei mangelnder Pfl ege zusammenrutschen

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

KOHLA

X-Light Apex

Info: www.kohla.at

Preis: 99,90 €

Gewicht/Paar: 495 g

Verstellbereich: 70–141 cm

Komfort: Auch für kleinere Hände eignet sich

der Griff mit Stützknauf, schweißabweisenden

Schlaufen und griffi ger Manschette.

Variabilität: Bei dem Allrounder mit externen

Klemmen und langem Packmaß sind die

Längenmarkierungen perfekt erkennbar.

Stabilität: Relativ steifer Dreiteiler, Fixierung

ebenso zuverlässig wie Handschlaufen

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

▶ FAZIT: Universeller Schraub-Stock

Die ergonomische Drehfi xierung des

Allrounders auch für Winteraktivitäten kann

leicht verrutschen, aber nicht durchrutschen,

die Längenangaben sind nur einseitig.

Bei feuchten Händen hält der Griff gut, die

Schlaufe kühlt. Inklusive Trekking- und

Schneeteller, Gummiaufsatz für Straßen.

▶ FAZIT: Kurzes Leichtgewicht

Der extrem klein verpackbare Vierteiler mit

Ultralight Aluminium-Legierung ist ideal für

kleinere Personen unter 180 cm. Der fl exible

Stock mit Längenangaben ist nicht für

Schwere oder Große geeignet, aber für

Klettersteig-Touren. Inklusive Gummiaufsatz

für die Spitze. Auch als längerer, steiferer

Dreiteiler erhältlich.

▶ FAZIT: Zuverlässiger Allrounder

Die exotischen Zeigefi nger-Klemmen rasten

sicher ein, lassen sich aber nur schwer, mit

Handschuhen gar nicht öffnen. Die Handschlaufen

sind schwergängig, aber 100 %

zuverlässig verstellbar (kein Schlupf).

Der steifere, tourentaugliche Stock wird bei

Volllast sehr fl exibel. Komplettes Spitzenaustausch-Set

für Wintereinsatz.

08⁄14 Bergsteiger 97


Das rechte Maß hat ein Stock, wenn der Arm im rechten

Winkel gebeugt ist, während die Spitze den Boden berührt.

TIPP

Stöcke richtig

verwendet

• Bei der Lagerung von Stöcken mit externer

Fixierung sollten die Klemmen zur Entspannung

geöffnet sein (außer bei Leki).

• Stöcke mit internem Klemm-Mechanismus

sollten hin und wieder auseinandergenommen

und Innenrohre sowie Dübel gereinigt

werden; auf keinen Fall ölen!

• Bei interner Fixierung sollte man die Teleskopstöcke

nach 20 Minuten Gehzeit nachdrehen;

bei externer Fixierung Schraube vor

der ersten Saisontour etwas nachziehen.

• Beim Gehen mit den Handgelenken in die

Handschlaufen stützen! Die Griffe ohne

Schlaufe zu umfassen erfordert Kraft, der

Stock kann aus der Hand gleiten.

• Bei Tellerwechsel nach dem klassischen

Abstreifsystem den Teller wärmen und beidseitig

mit Bergschuhen herunterdrücken.

Foto: Andreas Strauß

KOHLA

X-Light Peak

Info: www.kohla.at

Preis: 79,90 €

Gewicht/Paar: 375 g

Verstellbereich: 65,5–135 cm

Komfort: Griff mit Stützknauf und Neoprenschlaufe,

ideal für kleine Hände und heiße Tage

Variabilität: 70 Zentimeter Verstellweg mit

leichtgängigem Doppelkonus bieten mittelgroßen

Wanderern optimale Längenanpassung.

Stabilität: Sehr fl exibler Wanderstock mit

einstellbarer Klemmkraft (kann verstärkt werden,

falls Segmente durchzurutschen drohen)

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

KOMPERDELL

C3 Carbon Powerlock

Info: www.komperdell.com

Preis: 99,90 €

Gewicht/Paar: 440 g

Verstellbereich: 70–140,5 cm

Komfort: Weiche Schlaufe und dicker, weicher

Griff schmeicheln den Händen, die Längenmarkierungen

sind perfekt.

Variabilität: Dreiteiler mit zuverlässiger,

externer Verstell-Fixierung (70 cm Verstellweg)

Stabilität: Der mittelsteife, bei voller Länge

sehr fl exible Stock besitzt verstärkte Verstellfi

xierungen und drei Jahre Vollgarantie.

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

KOMPERDELL

Carbon Ultralight

Vario4 Compact

Komfort: Weiche Schlaufe und dicker, weicher

Griff mit Stützknauf und Kurzmanschette

Variabilität: Minimales Packmaß und 20 cm

Verstellweg, auch in Langgröße erhältlich

Stabilität: Der steife Ultraleichtstock kann

nicht unbeabsichtigt zusammenrutschen und

besitzt drei Jahre Vollgarantie.

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

TIPP

Gewicht

Info: www.komperdell.com

Preis: 189,90 €

Gewicht/Paar: 350 g

Verstellbereich: 40,5 cm bzw. 104–125 cm

▶ FAZIT: Ultraleichter Trekkingbegleiter

Der leichteste Teleskopstock dieser

Kaufberatung ist sehr fl exibel, top verarbeitet

und besitzt interne Klemmen, deren Härte

sich einstellen lässt. Die Handschlaufen sind

schwergängig, aber sehr zuverlässig verstellbar.

Die spielfreien Rohrsegmente mit

einer Stärke von 0,5 mm sind nicht für

Schwere geeignet.

▶ FAZIT: Günstiger Karbon-Wanderfreund

Das günstige Modell erfüllt alle Anforderungen

an einen Wanderstock wie komfortabler Griff,

geringes Gewicht und schnelle externe Verstellung

mit doppelter Zuverlässigkeit. Zum

Verlängern der Handschlaufe evtl. den Keil

halten! Leicht wechselbare Schneeteller für

Wintereinsatz (nicht für Skitouren geeignet)

zukaufbar.

▶ FAZIT: Leichte Spitzenreiter

Der vierteilige Karbon-Faltstock mit externer

Längenverstellung für kleinere Personen (bis

180 cm) hat ein winziges Packmaß und hält

100 % zuverlässig. Das Zusammendrehen der

Segmente dauert etwas, zum Verlängern der

Handschlaufe muss man evtl. den Keil halten.

Auch für Klettersteige und Hochtouren

geeignet.

98 Bergsteiger 08⁄14


Obwohl Karbonstöcke immer

stabiler werden, bleiben sie im

Vergleich zu Aluminiumstöcken

schlaganfälliger.

Konus aufgespreizt wird und sich so im

Rohr verklemmt.

Vorteil: Der Verschluss ist sehr leicht

und trägt kaum auf. Nachteil: Gelangen

Schmutz oder Wasser ins Rohr, reduziert

das die letztlich auf Reibung basierende

Klemmung (auch bei Vereisung oder

Aluminium-Korrosion) und der ausgefahrene

Stock kann sich bei Belastung unbeabsichtigt

zusammenschieben. Umgekehrt

kann sich der Spreizdübel auch so

»festfressen«, dass das Segment sich nur

noch mit einer Zange lösen lässt. Spätestens

dann ist ein Auseinandernehmen des

Stocks mit anschließender Reinigung von

Innenrohren und Dübeln angesagt. Nach

dem Trocknen sollte man die Rohre auf

keinen Fall ölen!

Aufgrund dieser Nachteile werden die internen

Fixierungen zunehmend von externen

Klemmen abgelöst. Sie sind weniger

anfällig und können mit Schraubenzieher

oder Kleingeld am Verschluss härter eingestellt

werden (bei Leki höchste Klemmkraft).

Bei Vereisung können aber auch sie

sich zusammenschieben.

Die externe

Klemmfixierung

mit Hebel ist

leicht zu bedienen

und hat sich

bei den meisten

Herstellern

durchgesetzt.

Teleskopstöcke

mit klassischer

Schraubfixierung

funktionieren

mit einem internen

Klemm-

Mechanismus,

der regelmäßige

Wartung fordert.

LEKI

Carbon Titanium

Info: www.leki.de

Preis: 129,95 €

Gewicht/Paar: 460 g

Verstellbereich: 66,5–136 cm

Komfort: Die kantige Griffform mit ovalem

Multiknauf, geriffelter Manschette und

neuartiger Textilschlaufe ist perfekt.

Variabilität: Die externe Verstellfi xierung mit 70

cm Verstelllänge funktioniert extrem zuverlässig.

Stabilität: Der mittelsteife Karbonstock kann

sich kaum zusammenschieben, die Handschlaufe

nicht lockern.

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

LEKI

Micro Vario Carbon

Info: www.leki.de

Preis: 149,95 €

Gewicht/Paar: 460 g

Verstellbereich: 38 cm bzw. 110–130 cm

Komfort: Der ergonomische Griff, der

universelle Stützknauf und die luftige, breite

Schlaufe verbinden Komfort mit Funktion.

Variabilität: Kombination aus kleinstem

Packmaß, 20 cm Längenvariabilität und

Manschette zum Tiefergreifen.

Stabilität: Zuverlässiger Karbon-Faltstock mit

Knopfraste und externer Längenverstellung

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

MSR

Flight 3

Info: www.cascadedesigns.com

Preis: 109,95 €

Gewicht/Paar: 480 g

Verstellbereich: 62,5 cm bzw. 110–140,5 cm

Komfort: Der dicke Griff mit Manschette und

leicht verstellbarer Schlaufe fühlt sich v. a. bei

Hitze sehr angenehm an.

Variabilität: Sechseckiger Teleskopstock mit

zuverlässigen Fixierungen – Knopf unten und

Bajonett in 5-cm-Rasten oben

Stabilität: Relativ steifer Stock, Bajonettverstellung

funktioniert naturgemäß etwas kniffelig.

GRIFF

SCHLAUFENEINST.

VERSTELLSYSTEM

SEGMENTFIXIERUNG

STEIFIGKEIT

▶ FAZIT: Ausgewogener Komfortstock

Der Stock für Bergtouren punktet mit extrem

zuverlässigen Klemmen, die bei Aufbewahrung

keine Entspannung benötigen. Die breite,

dampfdurchlässige Schlaufe mit zuverlässiger

Einstellung am ergonomischen Griff schmiegt

sich optimal um die Hand, der Teller lässt sich

per Gewinde wechseln (keine Skitour!).

▶ FAZIT: Robustes Faltwunder

Der robuste und steife Allrounder mit

Alu-Schutzkappen ist in einem Zug zusammengesetzt

und mittels Federknopf fi xiert bzw.

entriegelt, die Verstellung mit Auszieh-Stopp

extrem zuverlässig. Der funktionelle Griff

erlaubt viele Greifmöglichkeiten und besitzt

eine Sicherheitslösung. Inklusive Staubeutel

und Wechselteller.

▶ FAZIT: Stabiler Allrounder

Der Allround-Telekopstock mit Bajonettverstellung

und Handschlaufe mit Sicherheitslösung

ist relativ klein verpackbar. Er kann

nicht unbeabsichtigt zusammenrutschen,

ist mit einmal Drücken zusammengeschoben,

beim Verstellen aber kniffelig (Schub von

Raste zu Raste). Auch für Wintereinsatz

geeignet.

08⁄14 Bergsteiger 99


▶ So testet der Bergsteiger

Bei der Beurteilung der Leichtstöcke haben wir

bei dem zentralen Merkmal, der Verstellbarkeit

des Teleskop-Systems begonnen. Entscheidend

war, wie schnell sich der mindestens dreiteilige

Stock auseinanderziehen und fi xieren ließ.

Vierteiler, reine Bajonettsysteme und Faltstöcke

(Zeit für Zusammensetzen) fallen hier naturgemäß

etwas ab.

Die Zuverlässigkeit der Fixierung der Segmente

wurde durch Aufstützen auf einem Stock

(Simulierung eines Stolperschrittes) sowie durch

das System bestimmt. Keiner der verwendeten

Stöcke rutschte durch, was sich bei längerem

Gebrauchszeitraum ändern kann.

Mit abrupten Stützschüben wurde die Steifigkeit

der Stöcke getestet, um die Dämpfung

beim Absteigen, aber auch die Stabilität für

Touren- oder Winterbedingungen festzustellen:

Für letztere ist ein fl exibler Wanderstock kaum

geeignet.

Das Gefühl der Griffe auf der Haut, die in

dieser Übersicht durchwegs aus EVA-Schaum

des Typs »Moosgummi« bestanden, aber

unterschiedlich geformt waren, wurde letztlich

subjektiv ermittelt und mit dem Gefühl der

Handschlaufe nach den Kriterien Breite und

Futter kombiniert. Funktion ist nicht identisch

mit Komfort!

Zudem wurden die verschiedenen Systeme der

Schlaufeneinstellung auf Funktionalität und

Schlupfsicherheit überprüft.

So sah ein Funktionstest aus, der die

Festigkeit der Segmente-Fixierung überprüfte.

Tatsächlich wurde hier ein Teleskopstock

nach Lockerung der Fixierung mit einem

Druck komplett zusammengeschoben (Exped

mit Senkknopf am unteren Segment).

Hundertprozentige Verlässlichkeit bieten

prinzipiell nur Faltstöcke oder Bajonett-

Verschlüsse, bei denen Senkknöpfe in Löcher

einrasten. MSR präsentiert erstmals

ein funktionsfähiges System mit Verstell-

Lochrasten im Fünf-Zentimeter-Abstand

am mittleren Segment. Potenzieller Nachteil:

Beim Bruch eines Senkknopfs würde

der Stock unbrauchbar. Faltstöcke funktionieren

nach dem Prinzip der Lawinensonde

oder der Zeltstange: Die Segmente

sind durch Kabel bzw. Gummischnur

verbunden und durch Senkknopf oder

Schraubverschluss (Komperdell) fixierbar.

Der Faltstock punktet zwar mit winzigem

Packmaß, ist aber zusammengesteckt

nicht längenverstellbar. Daher besitzen

die meisten Modelle ein zusätzliches viertes

Segment, das sich per externer Klemme

verschieben lässt.

▶ Griffe und Schlaufen

Stockgriffe aus geschlossenzelligem EVA-

Schaumstoff schmeicheln der Hand und

haben sich für Trekkingmodelle durchgesetzt.

Allerdings sind sie etwas defektanfällig

und an heißen, schweißtreibenden

Tagen unangenehm rutschig. Bei kleineren

Händen empfehlen sich Modelle mit

kleineren Griffen (Exped; auch Fizan, Kohla).

Bei den meisten Modellen kann man sich

Fotos: Christian Schneeweiß (4)

Daumen-Clip: Verbesserte »Flic Lock«-Verstellsysteme

mit externer Klemme und Fixierung/Öffnung

per Daumen sind inzwischen

so zuverlässig wie ihr Ruf, zumal sie sich

bei Durchrutschen härter einstellen lassen

(Komperdell mit verdoppelter Stärke).

Schlaufenzug: Das europäische Schlaufenverstellsystem

funktioniert mit einem im

Knauf steckenden Keil. Hier die traditionelle

Variante, bei welcher der Keil beim Zuziehen

herausrutschen kann (Fizan beim Erweitern

der Schlaufe).

Spitze: Winzig ist die extrem harte Spitze

des Kunststoff-Spitzenaufsatzes von

Trekkingstöcken. Der Trekkingteller lässt

sich normalerweise gegen einen größeren

Schneeteller auswechseln (bei Kohla mit

gesamter Spitze).

100 Bergsteiger 08⁄14


Foto: Outdoor Research

dank gerundetem Knauf mehr oder weniger

bequem aufstützen (Leki, Fizan; Komperdell

geschäumt), doch wirklich ergonomisch

geformt sind nur wenige Griffe: Hier

punkten vor allem Exped und Leki.

Die im Knauf befestigten Schlaufen lassen

sich durch Zug nach oben verlängern

bzw. am Schlaufenende verkürzen. Im

Falle von ruckartigen Belastungen haben

die Modelle von MSR und Leki sogar eine

Sicherheitsauslösung mit Schlaufenlösung

oder -verlängerung vorgesehen. Die Nylonschlaufen

sollten mit weichen, schweißabsorbierenden

Materialien gepolstert sein.

Bei Leki ist der Stoff dampfdurchlässig,

Kohla und Fizan haben schweißabweisende

Materialien verwendet. Breite Komfortschlaufen,

wie bei Komperdell ideal umgesetzt,

verteilen den Druck beim Aufstützen

optimal.

Allroundstöcke sind immer auch für den

Einsatz im Winter gerüstet und besitzen

Manschetten am Rohr unterhalb des

Griffs. Sie ermöglichen ein Tiefergreifen

während steiler Aufstiege oder Querungen,

ohne dass die Hände am kalten Metall

frieren oder abgleiten.

▶ Spitzen und Stockteller

Trekkingstock-Spitzen sind Kunststoffrohre

mit Hartmetallspitze unten und Stockteller

oben, die sich bei hoher Querbelastung

verbiegen sollten wie beispielsweise

die Flexspitzen, die Leki und Komperdell

verwenden. Sie sind kürzer als bei Winterstöcken.

Die eigentliche, winzige Spitze

besteht aus extrem hartem Karbid, wobei

▶ Resümee

Im nächsten Heft: Windjacken

Ultraleichte Windjacken bis 200 Gramm

Gewicht sind nicht mehr bloß ein

Not-Windschutz für die Übergangszeiten.

Sie können auch wasserdicht sein

und sogar atmungsaktiv, eine Kapuze

besitzen oder Wind bedingt zur

Kühlung bei Aktivität durchlassen.

Ring- und Blütenkrone besser halten als

die Bohrkronenform. Fizan und Black Diamond

besitzen einen Spitzenschutz zum

Gehen auf Asphalt.

Wer vom Trekkingteller zum Schneeteller

wechseln will, ist bei Exped immer,

bei Leki, Komperdell und Kohla (komplette

Spitze) meistens gut bedient. Das simple

Abstreif-System funktioniert jedoch nur

mit Gewalt.


Die Zukunft der hochwertigen Leichtstöcke

gehört dem Material Karbon, das bei

gleichem Gewicht steifer und bruchfester

als Aluminium ist und ständig verbessert

wird. Komperdell will sogar ganz darauf

umstellen. Allerdings ist Aluminium schlagfester,

verbiegt sich eher als zu brechen

und ist in fl exibler Konstruktion ein idealer

Wanderstock. Die meisten Markenhersteller

greifen bei den Teleskop-Elementen zunehmend

auf verbesserte externe Fixierungen

zurück. Nur noch bei Ultraleicht- und Einsteigermodellen

werden interne Fixierungen

verwendet, die zumindest bei den von uns

getesteten Modellen besser sind als ihr

Ruf. Komfortschlaufen mit schweißabsorbierendem

oder – ganz neu bei Leki – sogar

dampfdurchlässigem Material und Griffe

aus hautfreundlichem Hartschaumstoff haben

sich durchgesetzt; immer mehr Knäufe

erlauben ein ergonomisches Aufstützen.

Bajonettverschlüsse im unteren Segment

der Stöcke könnten sich durchsetzen.

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08⁄14 Bergsteiger 103


ALPINISMUS

60 Jahre Erstbesteigung K2

Der Berg

der Besten

Bei seiner Erstbesteigung diente der zweithöchste

Berg der Erde als Ziel im Wettlauf der Nationen.

Heute trennt sich an ihm die Spreu vom Weizen im

Alpinismus. Von Uli Auffermann

Für viele zählt der K2

wegen seiner klaren

Pyramidenform

zu den schönsten

Bergen der Erde.

104 Bergsteiger 08⁄14


Foto: Ralf Dujmovits

Und dann stand Gerlinde Kaltenbrunner

auf einmal doch ganz

oben. 2011 packte sie mit dem

K2 den letzten der 14 Achttausender,

aber was hatte ihr dieser

Berg nicht alles an Kraft und Hartnäckigkeit

abverlangt! Vier Mal war sie ins

Karakorum gereist, um insgesamt sieben

Besteigungsversuche zu unternehmen. Sie

war unter anderem an ungünstigen Wetterbedingungen

und an Schwimmschnee

auf 8200 Metern gescheitert. Einmal, 2010,

war ihr Begleiter Fredrik Ericsson etwa 300

Höhenmeter unter dem Gipfel an der Österreicherin

vorbei in den Tod gestürzt.

»Ich habe schon damit gehadert, dass

der Berg mich nicht will!«, sagt Gerlinde

Kaltenbrunner im Rückblick auf ihre vergeblichen

Versuche, den K2 zu besteigen.

Doch sie hat sich offenbar versöhnt: »Für

mich persönlich war es der schwerste, aber

auch der allerschönste Achttausender. Ich

bin nur einmal auf den K2 hinaufgekommen

und sehe es als großes Geschenk an.«

Die zweithöchste Erhebung der Erde, 8611

Meter hoch, ist ein Wertmaßstab an sich.

Er trennt die Spreu vom Weizen. Wer sich

an seinen Flanken und Pfeilern be-


Willi Bauer überlebte zusammen mit

Kurt Diemberger das Drama von 1986.

Blick vom Lager 2 der Gruppe um Ralf

Dujmovits und Michi Wärthl auf 6700 m

hauptet, ist im wahrsten Sinne auf dem

Gipfel. Auf dem K2, dem Chogori, dem

vollkommenen Berg der Alpinisten.

»Der Berg der Berge« wird er genannt, oft

als der Schönste der Welt bezeichnet. Alle

sind von ihm fasziniert, und die besten

Alpinisten weltweit, deren Tourenlisten

gespickt sind mit Erstbegehungen und

bergsteigerischen Superlativen, sahen und

sehen im K2 eine ganz besondere Herausforderung.

»Ich zog mir damals schwere

Erfrierungen zu. Seitdem fehlen mir am

rechten Fuß die Zehen, so dass mich der

K2 in gewissem Sinne immer begleitet«,

meint auch der Schweizer Bergführer Norbert

Joos.

So geht es vielen. Schon wegen der imposanten

Erscheinung. Wie ein Alleinherrscher

thront der K2 über dem unendlich

wirkenden Gletschermeer des Karakorum.

Eine Pyramide aus dunklem Fels, gleißendem

Eis und Schnee, Graten und Pfeilern,

die dem Auge klare, abgegrenzte Linien

bescheren. Technisch schwer ist er, hat keinen

leichten Weg und damit auch keine

Touristenschneise wie der Mount Everest.

Es wundert daher nicht, dass er schon früh

in den Fokus des bergsteigerischen Interesses

rückte.

Bereits 1902 machte sich eine internationale

Expedition unter der Leitung des gebürtigen

Österreichers Oscar Eckenstein

dorthin auf. Damaliges Fazit: Der K2 ist

unersteigbar. Diese Aussage widerlegte

– bis auf wenige Meter – schon 1939

Fritz Wiessner auf beeindruckende Weise.

Nachdem schon ein Jahr zuvor Amerikaner

auf 7925 Meter Höhe gekommen

waren, erreichte der aus Sachsen stammende

Alpinist beinahe den Gipfel. Er

tat das mit dürftigster Ausrüstung, dazu

ohne Flaschensauerstoff. Auch ohne den

höchsten Punkt zu betreten, vollbrachte er

eine Leistung, die alpinistisch gesehen bedeutungsvoller

erscheint als etliches, was

sich später noch mit großem technischen

Aufwand vollzog. Wiessner eilte in Einstellung

und Können der alpinen Entwicklung

weit voraus.

Jeder Nation ihren Berg

Die fünfziger Jahre: Nach dem alles erschütternden

Zweiten Weltkrieg ging es

um Neuordnung, wirtschaftliche Expansion

und Wiederauf bau. Zur Identifikation

mit dem eigenen Land oder zur Demonstration

der nationalen Leistungsfähigkeit

sollten nun Erfolge jenseits militärischer

Vergleiche bei vielen Menschen die Wunden

heilen. Errungenschaften der Technik,

der Sport und die Besteigung der höchsten

Berge der Welt waren begehrte Spielfelder

im Wettkampf der Nationen. Die Franzosen

erreichten 1950 erstmals einen Achttausender,

die Annapurna. Hermann

Buhls legendärer Alleingang bescherte

Österreich unter deutscher Leitung den

Nanga Parbat. Die Briten bestürmten den

Höchsten, den Mount Everest, und hoben

schließlich einen Neuseeländer in den

Adelsstand des britischen Königreichs.

Die Ereignisse machten Schlagzeilen auf

den Titelseiten der Weltpresse und lösten

in den jeweiligen Ländern Begeisterungsstürme

aus.

So wie in Deutschland 1954 der Gewinn

des Fußball-Weltmeistertitels das Land in

Verzückung brachte, sorgte in Italien eine

alpinistische Pionierleistung für Euphorie.

Der K2, der Kappa Due, wurde zum

»italienischen« Berg der Berge. Professor

Ardito Desio war geistiger Vater des Unternehmens,

organisierte und leitete die

erfolgreiche Expedition. Am 31. Juli 1954

standen Lino Lacedelli und Achille Compagnoni

auf 8611 Metern, auf dem höchsten

Punkt des K2, auf dem zweithöchsten Gipfel

der Erde (siehe Kasten).

Vom Herzog bis Kaltenbrunner

Die Geschichte des K2 (8611 m), Karakorum

1902 Keine Chance

Eine internationale Expedition,

geleitet von dem in

Österreich geborenen und

nach England übergesiedelten

Oscar Eckenstein,

hält eine Besteigung für

unmöglich.

1909 Doch eine Chance

Bei seiner Großexpedition entdeckt

Luigi Amedeo von Savoyen, Herzog

der Abruzzen, den »Abruzzensporn«,

den heutigen »Normalweg«.

Foto: Archiv Auffermann-Heckmair

1939 Verpasste Chance

Der gebürtige Sachse Fritz Wiessner

erreicht als Leiter einer amerikanischen

Expedition fast den Gipfel (ca. 8400

m), und das ohne Sauerstoffausrüstung.

Womöglich hätte er damals schon den

Gipfel erreicht, wenn sein Begleiter nicht

den Weiterweg verweigert hätte.

1900

1910

1920

1930

1940


Fotos: Archiv Willi Bauer, Michi Wärthl, Kurt Diemberger

Seit diesem Tag übt der Berg eine starke

Anziehungskraft auf die fähigsten Bergsteiger

aus. Kein Mode-Achttausender,

nein, der K2 verlangt nach wie vor großen

Respekt. Anders als beim Mount Everest etwa

konnten von seinem Gipfel bislang nur

gut 300 Menschen hinab blicken. 20 Jahre

vergingen bis zur zweiten erfolgreichen

Besteigung. 1977 waren es Japaner, mit

einem Riesenaufgebot, 1978 Teilnehmer

einer amerikanischen Expedition, die den

Chogori über eine schwierige neue Route

am Nordostgrat und im oberen Teilabschnitt

über den Abruzzengrat erreichten.

Sie schafften damit auch die erste Besteigung

ohne zusätzlichen Sauerstoff.

Die Zeit war reif für einen Auf bruch, für

einen Wertewandel im Alpinismus. Es begann

die Zeit der neuen Linien am Berg,

statt übertriebener Technisierung und gewaltigen

Materialschlachten zählte jetzt

die Reduktion auf das Wesentliche. Starke

Impulse gingen damals von Reinhold

Messner aus. Vehement forderte er, an den

Achttausendern »by fair means« zu Werke

zu gehen. An diesem Ideal orientierte er

sich auch am K2, und es gelang ihm bereits

1979, eine von ihm organisierte Kleinexpedition

zum Erfolg zu führen. Mit Michel

Dacher erreichte er über den Abruzzengrat

den Gipfel, nachdem er zuvor sein Vorhaben,

den Südwestpfeiler (Magic Line)

erstzubegehen, der Sicherheit wegen verworfen

hatte. Zügig, souverän und ohne

Sauerstoffausrüstung, mit wenigen Lagern

auskommend und auf Hochträger verzichtend,

nahm das Duo diesen Achttausender.

Wie Russisch-Roulette

Aber nicht alle sollten heil vom K2 zurückkehren.

Er ist gefährlich, allein wegen seiner

immensen Höhe, mit einer »Todeszone«,

die nur noch vom Everest übertroffen

wird. Stürme erreichen den Berg häu-

»Man spürt die unheimliche Macht des großen

Berges … Man fürchtet sie und kann ihr nicht

entrinnen. Und gleichzeitig vertraut man auf ihn.«

Kurt Diemberger

Foto: Archiv Ardito Desio

1954 Nostro Monte!

Die Erstbesteigung des K2 durch die

italienische Großexpedition unter Ardito

Desio gelingt über den Abruzzengrat:

Lino Lacedelli (Foto) und Achille

Compagnoni erreichen den Gipfel.

Einen Tag zuvor hatten Walter Bonatti

und ein Träger Sauerstofffl aschen

bis auf über 8100 m transportiert.

Sie konnten jedoch das kurzfristig verlegte Lager 9

nicht fi nden, mussten die Nacht unvorbereitet am Berg

verbringen und überlebten nur knapp (siehe: 2004).

1977 Fleißige Japaner I

23 Jahre nach der Erstbesteigung

gelingt einer

japanischen Großexpedition

die 2. Begehung

1978 K2 ohne O 2

Die amerikanische Expedition

unter Leitung von James

Whittaker erreicht erstmals

ohne Flaschensauerstoff

den Gipfel über Nordostgrat

und Abruzzengrat.

1979 Im kleinen Rahmen

Besteigung durch Reinhold Messner

und Michel Dacher, organisiert

als Kleinexpedition, ebenfalls ohne

künstlichen Sauerstoff und unter

Verzicht von Hochträgern.

Von der Schulter des Abruzzengrates

gelingt Jean-Marc Boivin mit

seinem Deltasegler der Flug bis

hinab auf den Baltorogletscher.

1950 1960 1970

1980


»Ich finde es ganz wichtig, dass es die Natur und

der Berg sind, die jene Rahmenbedingungen vorgeben,

die wir akzeptieren müssen, und ich hoffe,

dass der K2 nie überrannt werden wird!«

Gerlinde Kaltenbrunner

Fotos: Ralf Dujmovits, Archiv Ardito Desio

fig und mit voller Wucht. Nebel, Schneetreiben

und mächtige Lawinen gehören zu

seinem Angesicht. »Es ist ein Glücksspiel,

wie Russisch-Roulette«, meint Christian

Stangl, den nach seinem gefälschten Gipfelbild

am K2 eine Art Hassliebe mit dem

Koloss verbindet. »Wenn man ihn von weitem

– vom Concordiaplatz – sieht, ist

es ein toller Berg. Wenn man dann näher

kommt, erkennt man die gefährlichen Seracs

und die anderen gefährlichen Details.

Man kann das Bergsteigen am K2 nicht genießen.«

So ist der Mythos dieses Berges auch gekennzeichnet

von dem kaum kalkulierbaren

Risiko und vor allem von den ganz

großen Tragödien. Wie im Jahr 1986, als

insgesamt dreizehn Menschen umkamen,

darunter Tadeusz Pietrowski aus Polen,

der Brite Alan Rouse und seine Landsmännin

Julie Tullis, kongeniale Partnerin von

Kurt Diemberger im »höchsten Filmteam

der Welt«. Diemberger und Willi Bauer

konnten sich als einzige einer siebenköpfigen

Gruppe ins Leben retten. Heute mahnt

Kurt Diemberger: »Der K2 ist wie ein riesiger,

gewaltiger, wunderbarer Kristall. Er

hypnotisiert. Er zwingt einen fast, seinen

Gipfel zu versuchen, aber nur jeder vierte,

der den Gipfel erreicht hat, kommt auch

wieder herunter.« Noch 2008 gab es erneut

ein Drama. Im Gipfelbereich starben elf

Bergsteiger. In die Betroffenheit mischten

1982 Fleißige Japaner II

Die Besteigung des K2 von

Norden aus verwirklicht

eine japanische Expedition,

geleitet von Isao Shinkai:

Aufstieg über den Nordgrat,

der in der Folge häufi ger als

Route genutzt wird.

1986 Polen und Rekorde

Neue und extrem schwierige Route in der Südwand (Zentraler Pfeiler

und Sichelcouloir) durch die Polen Jerzy Kukuczka und Tadeusz Pietrowski

(stirbt beim Abstieg) bei einer internationalen Expedition

Der SSW-Grat wird durch die Polen Wroz (stirbt beim Abstieg) und Piasecki

sowie den Slowaken Bozik als neue Route zum Gipfel erstiegen.

Erste Frau auf dem K2 ist die Polin Wanda Rutkiewicz.

Tomo Cesen legt im Alleingang eine Route durch die Südwand, die auf

ca. 7800 m auf den Abruzzengrat trifft; auf den Gipfelgang verzichtet er.

Rekordzeit zum Gipfel: Dem Franzosen Benoît Chamoux, Teilnehmer

einer italienischen Expedition, gelingt der Aufstieg vom Basislager über

den Abruzzensporn bis zum Gipfel innerhalb von 24 Stunden.

1991 Guter Stil

Die Franzosen

Pierre Béghin und

Christophe Profi t

eröffnen eine neue

Route durch die

NW- und Westwand

im reinen Alpinstil.

1994 Jüngster!

Gipfelerfolg für Michi

Wärthl (Jg. 1970),

als wohl bis heute

jüngster Bergsteiger,

damals sein erster

Achttausender.

Foto: Michi Wärthl

Spanier steigen

über den

Südsporn (Scott-

Weg) erstmals

bis zum Gipfel,

dieser SSO-Grat

wird als neue

Route auch

von anderen

Expeditionen

wiederholt.

1980

1990


sich seinerzeit auch kritische Stimmen,

die Alpinisten wären ein zu großes Risiko

eingegangen, hätten den Fehler gemacht,

den Berg durch die Verheißungen des Massenalpinismus

von der Stange erreichen

zu wollen.

Lernen zu verzichten

Um die hohe Todesrate am K2 nicht noch

zu erhöhen, scheint neben großer Erfahrung

ein Verzicht im richtigen Moment das

probate Mittel zu sein. »Beim Achttausender-Bergsteigen

muss man lernen, nein zu

sagen«, meint Dieter Porsche. Der Tübinger

bestieg acht Achttausender ohne Flaschensauerstoff

– und ließ trotz bester Akklimatisation

und voller Auftrieb vom K2 ab.

»Ich gehe immer nur los mit der Einstellung:

›Ich habe alles im Griff‹. Ansonsten

drehe ich um!« Damals habe die Vernunft

gesiegt. »Als wir hörten, dass Hans Kammerlander,

in dessen Expedition wir uns

eingekauft hatten, im Flaschenhals nicht

weiterkam und kehrtmachte, gingen wir

kein weiteres Risiko ein und verzichteten!«

Kammerlander selbst kam wieder, schaffte

den Gipfel 2001 im dritten Anlauf. Zu

seinem Vorhaben, mit Ski vom Berg abzufahren,

sagte allerdings seine innere Stimme:

Stopp! Andere feierten Sternstunden

ihres Alpinistenlebens an jenem Berg.

Wanda Rutkiewicz stand als erste Frau

ganz oben, Michi Wärthl erreichte als bis

dato vermutlich Jüngster den Gipfel, oder

eben Gerlinde Kaltenbrunner. Sie sagt:

»Beim letzten Versuch über den Nordpfeiler

habe ich gespürt, dass ich ein positives

Ergebnis will, und es dabei – auch wenn

es komisch klingt – egal war, ob ich den

Gipfel erreiche.«


INFO

Der erste Streich am Kappa Due

Leitung und Organisation der italienischen

Expedition liegen damals in den Händen von

Professor Ardito Desio, Geologe und Bergsteiger,

einem Forschertyp klassischer Prägung. Bereits

1953 konnte er mit Riccardo Cassin eine

Erkundungsfahrt zum K2 durchführen. »Mein

Vater war so vielseitig interessiert und begeisterungsfähig«,

sagt Maria Emanuela Desio,

Tochter des inzwischen verstorbenen Professors,

und in der Tat begeistert er sich für die Idee,

die Erstbesteigung des K2 zu managen. Desio

geht dabei überaus akademisch vor, auch weil

die Expedition unter Aufsicht des nationalen

Forschungsrates steht, der neben der bergsteigerischen

Leistung vor allem geografi sche

und geologische Untersuchungen erwartet. Mit

Unterstützung des italienischen Alpenclubs

formiert Desio die Expeditionsmannschaft,

selektiert nach medizinischen und physiologischen

Tests ein erfolgversprechendes Team, in

dem sich klingende Namen einfi nden wie etwa

Erich Abram, Walter Bonatti, Lino Lacedelli und

Gino Solda. Eine riesige Expeditionskarawane

bricht am 30. April in Skardu auf, mit üppiger

Ausstattung. Alles ist bis ins Letzte geplant und

durchorganisiert. Doch von Anfang an haben

Leiter und Team mit erheblichen Widrigkeiten

zu kämpfen. Für die Jahreszeit untypisch lange

anhaltendes Schlechtwetter setzt allen zu und

bringt Probleme mit den Trägern. Gewaltige

Schneestürme bremsen ein Vorankommen am

Abruzzengrat, der vorgesehenen Aufstiegsroute.

Von mehr als 60 Tagen am Berg herrscht

an mehr als 40 Tagen schlechte, stürmische

Witterung, die auch die Alpinisten auszehrt

und der Mannschaft aufs Gemüt drückt. Dann

erkrankt Mario Puchoz schwer und stirbt. Doch

trotz Trauer und widriger Verhältnisse erreichen

am 31. Juli 1954 Lino Lacedelli und Achille

Compagnoni den Gipfel des K2 und bescheren

Italien einen stürmisch gefeierten Erfolg.

Ardito Desio, Leiter der ersten erfolgreichen

K2-Expedition im Jahr 1954

Foto: Archiv Kammerlander

2001 Abfahrtspech

1997 Fleißige Japaner III

Japaner ersteigen die Westwand des

K2 mit neuer Variante.

Hans Kammerlander

erreicht über

die Cesen-Route

den Gipfel des

K2, eine geplante

Abfahrt mit Ski ist

nicht möglich.

2007 Noch eine Route

Anfang Oktober ersteigen Denis Urubko und Serguey Samoilov

aus Kasachstan den K2 von der Nordseite – zum bisher spätesten

Besteigungszeitpunkt. Russische Alpinisten fi nden ohne

Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff eine neue Route durch

die Westwand.

2004 Bonattis Rolle

Der italienische Alpenverein CAI beauftragt eine

Historikerkommission mit der Untersuchung der

Vorkommnisse unmittelbar vor dem Gipfelerfolg

im Jahr 1954 und weist Bonatti eine Schlüsselrolle

bei der Erstbesteigung des K2 zu.

2008 Drama am K2

Elf Menschen sterben

im Gipfelbereich;

sie kommen durch

Absturz, Erfrierungen

bzw. durch eine

Eislawine im Flaschenhals

ums Leben.

2011 Frauenpower

Gerlinde Kaltenbrunner

erreicht von Norden den

Gipfel – sie ist damit die

erste Frau, die alle Achttausender

ohne Flaschensauerstoff

besteigen konnte.

Foto: Daniel Bartsch

2000

2010


AUSFLUGSTIPP

Das perfekte Bergwochenende I Leutasch, Tirol

Perfekte Kombination:

Blumenpracht im

Leutaschtal, felsige

Gipfel darüber

Kleiner Grenzverkehr

Wo anklopfen?

Olympiaregion Seefeld

Informationsbüro Leutasch

Weidach 320, A-6105 Leutasch

Tel. 00 43/(0)5 08/80 10

info.leutasch@seefeld.com

www.seefeld.com

Schmal ist der Durchschlupf, den

die Leutascher Ache auf ihrem

Weg zur Isar gegraben hat. Das

eisblaue Wasser brodelt zwischen

den Felswänden und stürzt über eine

Stufe mehr als 20 Meter in die Tiefe. Ein

Klammgeist soll diese natürliche Schwelle

schon seit Jahrtausenden beaufsichtigen:

Der einzige verbliebene Wachposten an

der deutsch-österreichischen Grenze zwischen

Mittenwald und Leutasch gehört der

Sagenwelt an.

Inzwischen passieren Radler und Autofahrer

die Leutascher Schanz ganz ungehindert.

Von der Barriere, die die Tiroler

während des Spanischen Erbfolgekrieges

gegen Napoleon und die Bayern errichteten,

sind nur noch Mauerreste übrig – im

Gegensatz zum Alten Zollhaus. Nachdem

es ausgedient hatte, wurde es umgebaut

zu einem Restaurant mit ausgezeichneter

Bio-Küche samt zwei Ferienwohnungen.

Von hier aus streckt sich das Leutaschtal

über 16 Kilometer nach Südwesten. Auf

den Wiesen blühen weiße Margeriten

zwischen purpurfarbenem Klee und goldgelbem

Hahnenfuß. Wälder reichen vom

Tal bis in die steilen Felsregionen, die Leutascher

Ache plätschert seicht über rund

geschliffene Steine und die schmale Straße

parallel zum Bach säumen nur wenige verstreute

Häuser.

Es gibt jedoch noch Barrieren im Leutaschtal,

die nach wie vor nicht leicht zu überwinden

sind: die riesigen Kalkmauern des

Wettersteins im Nordwesten, die der Mieminger

Kette im Süden und die der Arnspitzgruppe

im Osten. Die Namen von Klassikern

wie Hohe Munde, Leutascher und

Partenkirchner Dreitorspitze sowie Arnspitze

kennt man in Bergsteiger-Kreisen – und

zwar bis weit über die Grenzen hinaus. ◀

110 Bergsteiger 08⁄14


Emil (60) hat

keinen Zweifel:

In der Umgebung

des Alten Zollhauses

schwirren Geister früherer

Zeiten herum. Er kann das empirisch belegen.

Einmal pro Woche kommen Schamanen und

halten »mitten in der Pampa« Sitzungen ab.

Zudem gesellten sich zu den Gästen seiner

Wirtschaft immer wieder »esoterische Menschen,

um sich neu aufzuladen«, erzählt Emil.

Ihn selbst hat es vor zehn Jahren ins Alte

Zollhaus gezogen. »Ich bin ein Grenzgänger«,

sagt er über sich. Dass er sich im »Gasthaus

Klammgeist« wohlfühlt, spürt man an seiner

Küche: Er hat zehn Knödelsorten in seinem

Repertoire, und seine Fischsuppe (die Zutaten

holt er frisch vom Markt in Innsbruck)

ist legendär (Tel. 00 43/66 45 68 33 22).

Was essen?

Delikatessen vom Wild

Die waldreichen Jagdgründe rund um Leutasch

nährten nicht nur die Inspiration des Heimatschriftstellers

Ludwig Ganghofer, sondern auch die

Mägen der Leutascher. Die hauseigene Metzgerei

des Gutes Leutasch veredelt Hirsch, Reh und Gams

aus eigener Jagd zu Delikatessen, die man – neben

Spezialitäten von Schaf, Rind und Schwein aus der

Region – im geschmackvoll eingerichteten Laden

im Ortsteil Klamm kaufen kann. Wen die Fleischeslust

kalt lässt, der fi ndet im Angebot auch noch

weitere nachhaltige

Produkte aus der

Region sowie süffi -

gen Südtiroler Wein

und Apfelsaft (www.

gutleutasch.at).

Wo wohnen?

Leutascherhof

Wandern und Bio-Essen sind nicht die

schlechteste Kombination für ein perfektes

Bergwochenende. Das Biohotel Leutascherhof

ist für beide »Disziplinen« zertifi ziert.

Das Haus bietet pro Woche fünf geführte

Wanderungen an. Das Essen stammt zu 100

Prozent aus biologischer Produktion. Zudem

achtet man auf die regionale Herkunft der

Lebensmittel. »Das Rind- und Kalbfl eisch

kommt ausschließlich aus der Leutasch«,

sagt Hotelchef Christian Wandl. Wer das

Vier-Sterne-Hotel testen will, kann zum

Beispiel ein »Schnupperangebot« (3 Ü/HP

inkl. 2 geführte Wanderungen) für 199 Euro

pro Person nutzen (www.leutascherhof.at).

Basiswissen

Ankommen: Mit der Bahn nach

Mittenwald oder Seefeld und weiter

mit dem Bus nach Leutasch. Mit

dem Auto über die A95 bis Sindelsdorf

und weiter über Kochel- und

Walchensee bis Mittenwald, dort

abzweigen nach Leutasch.

Sich orientieren: Kompass

1:25 000, Blatt 026 »Seefeld in

Tirol – Leutasch«

Mehr erfahren: App iSeefeld mit

Infos zu Unterkünften und Touren,

kostenlos unter www.seefeld.com

Nicht versäumen!

Marathon zum Genießen

Ein Marathon, bei dem es nicht um Wettkampf

geht, sondern um gemeinsamen Genuss? Klingt

komisch, ist aber so: In der Region Seefeld fi ndet

der IML-Einhornmarsch nun schon zum 15. Mal

statt. Dieses Jahr wurde erstmals Leutasch zum

Austragungsort gewählt. Am Wochenende von 19.

bis 21. September führen jeden Tag vier Touren mit

unterschiedlichen Streckenlängen zu den schönsten

Plätzen in der Region: rund um die Ahrnspitze,

durch die Geisterklamm oder auch durch das Gaistal

mit seinen zahlreichen,

urigen Almen. Die

International Marching

League (IML) veranstaltet derartige Festivals für

Wanderwütige bereits seit 1909. Nach dem Motto

»Nos iungat ambulare – das Wandern eint uns«

marschieren Gruppen aus ganz Europa gemeinsam

pro Tag bis zu 42 Kilometer. Die Zeit spielt dabei

eine nebensächliche Rolle; was zählt, ist die Freude

an der Bewegung in der Natur.

Fotos: Olympiaregion Seefeld (2), Gut Leutasch, Dagmar Steigenberger

Übers Leutascher Platt zu den Dreitorspitzen

Tourentipps: Kalkgipfel über Leutasch

1 Leutascher Dreitorspitze

Charakter: Teils wegloses Gelände,

Kletterei (I+) in der steinschlaggefährdeten

»Eisrinne« und 1600 Höhenmeter

Aufstieg machen diesen Klassiker

im Wetterstein anspruchsvoll.

Start- und Endpunkt: Campingplatz

Reindlau (gebührenpfl ichtig)

Route: Reindlau – Bergleintal – Mustersteinhütte

– Meilerhütte (2375 m)

–Hermann-von-Barth-Weg – Eisrinne

– Gipfel (2682 m, 6 Std.) – zurück

übers Leutascher Platt nach Reindlau

2 Hohe Munde (2662 m)

Charakter: Kombinierte Rad- und

Bergtour mit kurzen Klettersteig-Passagen

am Gipfelgrat und einer fabelhaften

Aussicht übers Inntal. An heißen

Tagen ist der nordseitige Aufstieg von

Vorteil, kürzer kommt man von Moos

über die Rauthhütte zum Gipfel.

Start- und Endpunkt: Parkplatz

Salzbach am Eingang zum Gaistal

Route: Per Rad 6 km bis Tillfussalm

(1350 m) – zu Fuß zu Niederer Munde

(2059 m) und Hoher Munde (4 Std.)

08⁄14 Bergsteiger 111


KOLUMNE

Paarung

Nein, man will nicht Zeuge sein beim Streit wildfremder

Paare. Nicht im Zug und schon gleich gar nicht am Berg.

Obwohl, manchmal kann man auch etwas lernen.

Foto: privat; Illustration: Max Baitinger

Sandra Zistl

ist im bayerischen Oberland

an und mit den Bergen

aufgewachsen. Sie arbeitet als

freie Journalistin und Autorin

für verschiedene Zeitungen

und Magazine. Die 34-Jährige

schreibt im Wechsel mit Axel

Klemmer, Caroline Fink und

Eugen E. Hüsler über das aktuelle

Geschehen in den Bergen.

Die Frau Anfang Zwanzig hat offen

hörbar ein Problem. Mit ihrer Beziehung.

Deshalb haben mindestens

zehn weitere Menschen, die

mit ihr in einem ICE-Großraum auf dem

Weg von Berlin nach München sitzen,

ebenfalls eines. Mit ihrer Ruhe. Bereits seit

einer halben Stunde debattiert die Dame

via Handy mit ihrem Partner, der ziemlich

uneinsichtig zu sein scheint.

Nein, man will intime Dinge von anderen

Menschen eigentlich nicht hören. Man versucht

dann, nicht zuzuhören. Das funktioniert

aber nicht. Dann denkt man sich: Es

kann ja nicht ewig dauern. Kann es aber

manchmal doch. Irgendwann tauschen

Reisende, die sich nicht kennen, Blicke aus.

Alle haben wohl ähnliche Gedanken. Soll

man jetzt was sagen? Oder besser einfach

hingehen, das Telefon nehmen und den

Menschen am anderen Ende der Leitung

bitten: »Könnten Sie sich bitte sofort bei

Ihrer Freundin entschuldigen? Damit würden

Sie nicht nur ihr einen Gefallen tun.«

Und dann das Ding einfach ausschalten.

Warten auf das Funkloch

Aber vielleicht kommt ja gleich ein

Funkloch? »Hallo, hörst du mich noch«,

fragt sie da auch schon. Zu früh gefreut: »Ja,

jetzt hör ich dich wieder. Was ich gerade gesagt

habe, war…« Wie sehr wünscht man

sich dann an einen anderen Ort. Einen Ort

der Ruhe, in der Natur, mit keinem anderen

Menschen oder wenn, dann nur friedlichen.

Irgendwo am Berg zum Beispiel.

Wobei, da kann man auch ungefragt Zeuge

von Paarproblemen werden. Im Kar-

wendel zum Beispiel, gemeinsam mit dem

Partner. Wir sind glücklich, bei schönem

Wetter zum Risser Falk unterwegs zu sein.

Und dann nähern wir uns zwei anderen

Bergsteigern; einem Paar von recht unterschiedlicher

körperlicher Konstitution. Sie

hat sichtlich Probleme, den steilen Steig

durch die Latschen hinaufzukommen,

schnauft, schwitzt und schimpft vor sich

hin. Er weiß sich nicht anders zu helfen,

als sie von hinten anzuschieben. Als wir,

peinlich berührt, an ihnen vorbeigehen

und grüßen, presst er ein »Servus« hervor.

Amore!!! Basta!!!!

Doch es geht noch besser; erlebt im Frühjahr,

oberhalb von Trento. Ein schmaler

Pfad führt zur Via ferrata Giordano Bertotti,

einem einfachen Klettersteig, über

den man von Süden auf den Aussichtsberg

Monte Chegul gelangt. Die Luft ist mild,

der Bergwald duftet in der Sonne, im Tal

fließt friedlich die Etsch dahin. Und dann

dringt, erst leise, dann immer lauter, von

oben eine zeternde Frauenstimme an unsere

Ohren. Wie in einer Partitur hebt und

senkt sich die Stimme in Wellen, Dramatik

pur. Die Bäume verdecken die Sicht auf

das Schauspiel, als plötzlich ein lautes,

sehr männliches Organ wie ein Beil die Litanei

kappt: »AMORE!!! BASTA!!!!«

Stille.

Als wir die beiden erreichen, hält er sie im

Arm und lächelt uns freundlich zu. Der

Italiener weiß halt, wie man’s macht.

Ob das auch im Zug funktioniert? Als ich

überlege, das auszuprobieren, kommt die

Rettung: ein langer Tunnel ohne Netz. ◀

112 Bergsteiger 08⁄14


Jul Juli 2013 2013

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D 5.90 €

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LESERBRIEFE/IMPRESSUM

07

07 / Juli 2014

Allgäu: Himmlische Touren im »Herrgottsbeton«

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

Das Leservotum

PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Chiemgauer Alpen • Ötztaler Alpen • Albula-Alpen • Karwendel

Der Watzmann ist

der schönste Berg!

Bayerns

Zauberberg

Der Untersberg im Porträt

Dolomiten

Traumrunde in der Pala

Kletterlegende

+

Destivelle

im Interview

Isarwinkel

Klettersteige ters

teig

| Alpinismus

nn ist

e Berg!

60 Tourentipps

Großes Transalp-Special

Alpen

Über die

rns

berberg

Großes Transalp-Special

Alpen

Vorarlberg

Über die

IM TEST

▶ Chiemgau–Venezien

▶ Oberstdorf–Meran

▶ Tegernsee–Sterzing

Kärnten

Was gute

Trekkingschuhe

ausmacht

Neue Serie

Mit dem Zug

ins Gebirge

Von Wilderern und Jagdherren: Sie kamen aus dem Wa lis: Karibisch schön: Am Faaker

Sti le Routen für Entdecker Wandern auf Walserwegen See sind Touren erfrischend

▶ Chiemga

▶ Oberstd

▶ Tegerns

bs_2014_07_u1_u1.in d 1 04.06.14 08:03

04.06.14 08:03

BERGSTEIGER 07/2014

DIN-genormte Natur

Betrifft: Bergpredigt

bs_2014_07_u1_u1.indd 1 04.06.14 08:03

Sehr geehrte Redaktion,

Die Berge sind ein Risikoraum,

»unheimlich, gefährlich, wunderbar

unfassbar, mit keiner

DIN-Norm zu zähmen. Das

macht ihre Seele aus, deshalb

BERGSTEIGER unter der Lupe: Leserbrief des Monats

lieben wir sie«, schreibt Eugen

E. Hüsler in seiner Kolumne.

Und paradoxerweise denkt er

dabei an die Welt der Klettersteige,

die »Felsen über Ramsau«,

wo »mittlerweile mehr

Drahtseile hängen, als es in

den Wirtschaften vor Ort Bierkrüge

gibt«. Wenn es einen Ort

gibt, wo die Berge eben nicht

mehr »wunderbar unfassbar«

und ein »Gegenentwurf zu unserem

Alltag« sind, dann auf

einem Klettersteig. Denn gerade

dort ist die Bergwelt DINgenormt.

Dank meines Klettersteig-Sets

fühle ich mich sicher

wie zuhause auf dem Sofa.

Nichts gegen Klettersteige. Sie

bieten Menschen, die nicht bereit

sind, höhere Risiken auf

sich zu nehmen, ein relativ

gefahrloses Bergvergnügen.

Aber sie machen bestimmt

nicht die Seele der Berge aus.

Diese orte ich eher in der ursprünglichen

Wildnis, ohne

Wege und Drahtseile. 50 neue

Klettersteige entstehen pro

Jahr, 1500 sollen es mittlerweile

sein. Wir sollten kurz

innehalten und über diese

Zahlen nachdenken.

Bernhard Grenacher, Zürich

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum BERGSTEIGER, wir freuen uns über jede Zuschrift!

Je kürzer ein Leserbrief, desto größer die Chance auf Veröffentlichung. Alle Zuschriften bitte an

BERGSTEIGER, Postfach 40 02 09, D-80702 München oder E-Mail: bergsteiger@bruckmann.de

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die abgedruckten Leserbriefe nicht die Meinung der Redaktion,

sondern die der Unterzeichnenden wiedergeben. Wir behalten uns vor, Briefe vor Abdruck zu kürzen.

08/14 | 81. Jahrgang

Internet: www.bergsteiger.de

Redaktionsanschrift

BERGSTEIGER

Postfach 40 02 09, 80702 München

Tel. +49 (0) 89.13 06 99.658

Fax +49 (0) 89.13 06 99.690

bergsteiger@bruckmann.de

Chefredakteur Michael Ruhland

Redaktion Thomas Ebert, Petra Gössl-Kubin,

Dominik Prantl, Dagmar Steigenberger

Assistenz Thomas Ebert

Layout Tanja Beyerle, Susanne Bukvic

Kartographie Heidi Schmalfuß, München

Illustrationen Max Baitinger

Aboservice/Leserservice

BERGSTEIGER-Aboservice, Postfach 1280,

82197 Gilching, DEUTSCHLAND

Tel. 01 80-5 32 16 17*

Fax 01 80-5 32 16 20*

(* 14 Cent pro Minute)

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90 59 75, medienservice@schachtl.de

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Anzeigendisposition

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Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 50, ab

1. Januar 2014, www.verlagshaus-media.de

Repro ludwig:media, Zell am See

Druck Stürtz, Würzburg

Fotos: privat, Youtube, Wikipedia



MITARBEITER DES MONATS

AUFSTEIGER DES MONATS

ABSTEIGER DES MONATS

Hundling

Leihen ist eine tolle Sache, spenden aber sollte man freiwillig. BERGSTEIGER-

Mitarbeiter Dominik Prantl hatte dazu an der Tajakante in der Mieminger Kette

ein Hundling-Erlebnis. Als er zum wiederholten Male mit seinem Kurzseil aushalf,

lieh er einem Bergsteiger selbiges samt Karabinern – im festen Glauben, es

später wieder zu bekommen. Hundsgemein: Herr und Seil blieben verschollen.

Flug-Hündin

Gratulation! »Whisper« ist weltweit der erste Basejump-Dog. Die Fachwelt rätselt,

warum sich Dean Potters tierische Geliebte am Eiger per Rucksack »andoggen«

ließ und sich gemeinsam mit dem Herrchen in die Tiefe stürzte. Tat sie es aus

Liebe zu Dean? Ist sie adrenalinsüchtig, gar suizidgefährdet? Für eine Stellungnahme

war die vierjährige Heldin bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Sau-Hund

Dean Potter liebt Whisper. Der Extremsportler, sonst alles andere als Durchschnitt,

verhält sich in diesem Fall so durchschnittlich verrückt, wie es Verliebte eben

tun: Er will die besonderen Momente des Lebens mit Whisper teilen. Dazu gehört

eben auch mal ein Sturz aus knapp 4000 Metern Höhe. Whisper ist ein Hund.

Ein menschlicher Partner würde diese Liebe gar nicht zu schätzen wissen.

Verlag Bruckmann Verlag GmbH,

Infanteriestraße 11a, 80797 München

www.bruckmann.de

Geschäftsführer Clemens Schüssler

Herstellungsleitung Sandra Kho

Leitung Marketing und Sales Zeitschriften

Andreas Thorey

Vertriebsleitung Dr. Regine Hahn

Vertrieb/Auslieferung

Bahnhofsbuchhandel, Zeitschriftenhandel

MZV, Unterschleißheim

Preise Einzelheft ¤ 5,90 (D), ¤ 6,50 (A),

sfr 9,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Versandkosten;

Jahresabonnement (12 Hefte) ¤ 63,72 (D)

inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten.

Für Studenten mit Bescheinigung ¤ 49,56 inkl.

Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten.

Die Abogebühren werden unter der Gläubiger-

Identifi kationsnummer DE63ZZZ00000314764

des GeraNova Bruckmann Verlagshauses eingezogen.

Der Einzug erfolgt jeweils zum Erscheinungstermin

der Ausgabe, der mit der Vorausgabe

ankündigt wird. Der aktuelle Abopreis ist hier im

Impressum angegeben. Die Mandatsreferenznummer

ist die auf dem Adressetikett eingedruckte

Kundennummer.

ISSN 1435–8905 • 1681

Erscheinen und Bezug BERGSTEIGER erscheint

monatlich. Erhältlich in Deutschland, Österreich

und in der Schweiz im Bahnhofsbuchhandel,

an gut sortierten Zeitschriftenkiosken, im Fachhandel

sowie direkt beim Verlag.

© 2014 by Bruckmann Verlag GmbH

Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge

und Abbildungen sind urheberrechtlich

geschützt. Durch Annahme eines Manuskripts

erwirbt der Verlag das ausschließliche Recht

zur Veröffentlichung. Für unverlangt eingesandte

Fotos und Manuskripte wird keine Haftung

übernommen. Gerichtstand ist München.

Verantwort lich für den redak tionellen Inhalt

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80797 München.

Verantwort lich für Anzeigen

Rudolf Gruber, Infanteriestraße

11a, 80797 München

08⁄14 Bergsteiger 113


VORSCHAU SEPTEMBER 2014

AUF TOUR

Saumwege am Samerberg

Im Mittelalter transportierten Säumer

Salz aus Berchtesgaden, Traunstein und

Reichenhall über das Chiemgauer Hochtal.

Heute lassen sich auf den alten Wegen

wunderbare Genusstouren machen.

&

HÜTTENPORTRÄT

Zwei Täler,

Dreitausender

Die Ötztaler Alpen bieten jede

Menge einfacher Hochtouren.

Noch dazu lassen sie sich von

Nord- und Südtirol angehen. Ein

Gipfeltreffen der besonderen Art.

INTERVIEW

Urgesteine und Berg-Deuter

Zusammengezählt feiern sie im September

den 140. Geburtstag. Gemeinsam

ist Reinhold Messner und Eugen E. Hüsler

ihr Leben für die Berge. Im Interview

deuten sie die Zukunft der Bergliteratur.

Oberaletschhütte: Stützpunkt am Gletscher

ALPINISMUS Marmolada – 150 Jahre nach ihrer Erstbesteigung

REPORTAGE Die geheimnisvolle Welt der Höhlenforscher

Der nächste Bergsteiger erscheint am 16. August 2014

KAUFBERATUNG

Ultraleichter Windschutz

Sie sind Fliegengewichte und zugleich

Alleskönner: Ultraleichte

Windjacken taugen neuerdings

sogar als atmungsaktiver

Nässeschutz. Wir haben

zwölf aktuelle Modelle

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SERVICE

Gefühlsecht wandern

Barfußlaufen ist in. Weil unsere

Sohlen aber nicht mehr an spitze

Steine gewohnt sind, gibt’s einen

Kompromiss: Barfuß-Schuhe!

SERIE

Die erste leichte Hochtour

Teil 4 der Serie »Von Null aufs Dach

der Alpen« zeigt, wie man erste

Ausflüge ins vergletscherte Gelände

gefahrlos meistert.

Fotos: Robert Bösch / Archiv Mammut, Ötztal Tourismus / Bernd Ritschel, Outdoor Research

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Foto: Andreas Strauß


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