Text Stadtbahnwagen Typ S-DT 8.12 Stuttgarts Zwölfte - SSB

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Text Stadtbahnwagen Typ S-DT 8.12 Stuttgarts Zwölfte - SSB

Ein nagelneuer GT 6 anno 1958.

Betriebsausweiche Beiberg vor Plieningen.

Foto | Joachim von Rohr

Künftiger Klassiker?

Somit ist der S-DT 8 nicht nur von seinem technischen

Aufbau her ein Januskopf, weil er als so genannter

Zwei-Richtungs-Wagen zwei Köpfe hat. Auch die Philosophie

seiner Gestaltung verfolgt wenigstens zwei sehr gegensätzlich

erscheinende, grundsätzliche Werte gleichzeitig. Und die

Vereinigung des Schlichten mit dem Hochwertigen erinnert

sehr an eine schwäbische Tugend: mehr Sein als Scheinen.

Die Formensprache des S-DT 8.12 erinnert sinngemäß an

eine Stuttgarter Weltneuheit der Nachkriegszeit: den damals

ersten sechsachsigen Gelenktriebwagen GT 6 der Straßenbahnbranche,

1953 für die SSB entworfen von Stuttgarts

legendärem Straßenbahntechniker Alfred Bockemühl — einem

Anhänger Rudolf Steiners. Das typische „Stuttgarter Gelb“,

das schon Bockemühl zu Erforschungen der Wirkung auf die

schwäbische Volksseele veranlasste, kommt übrigens nicht

von ungefähr: Es repräsentiert die Farbe des Stadtwappens

von Stuttgart — eine seit rund neunzig Jahren von der SSB

gepflegte Tradition.

So oder so speziell für Stuttgart entwickelt, darf der

S-DT 8.12 daher vielleicht schon bald als schwäbischer

Charakterkopf gelten. Mit seinen zahlreichen ausgerundeten

Übergängen statt Kanten, innen wie außen, können

auch Antroposophen zufrieden sein, und Stuttgart ist

bekanntlich eine Hochburg von ihnen.

Nebenbei sorgt die markante Ganzfarbe auch für mehr

Sicherheit im Straßenverkehr: Auffälliger geht es kaum. So

könnte der S-DT 8.12 das Zeug haben, sich zu einem neuen

„Gelben Klassiker“ Stuttgarts zu entwickeln.

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