Sonntag, 9. September 2012 - St. Michael Weingarten

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Sonntag, 9. September 2012 - St. Michael Weingarten

PD - 23. So. im Jahreskreis - 09.09.2012

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Jes 35, 4-7a; // Mk 7, 31-37;

Die Heilung eines Taubstummen gehört für mich zu den

ganz besonders eindringlichen Geschichten. Was muß das für

ein Gefühl sein, wenn ich mit einem Mal wieder zugänglich

werde für die Welt um mich herum. – Alles ist wieder gut. –

Es klingt wie ein Märchen.

[nur am Samstag:

Zugegeben, heute abend haben wir im Blick auf dieses Evangelium

eine außergewöhnliche Situation. Wir denken an drei

Menschen, die vor kurzem von uns gegangen sind. Und wir

schließen die Menschen ein in unser Gebet, die ihren Verstorbenen

ins Grab nachschauen mußten. Und eine von den

Dreien ging auch noch viel zu früh. – Und wir beten besonders

intensiv für die Schwerkranken in unserer Gemeinde.

Auf der anderen Seite feiern heute zwei von uns 25 Jahre ihrer

gemeinsamen Lebensgeschichte. 25 Jahre sind zwar, in der

Rückschau, beängstigend schnell vergangen, und doch wollen

sie gemeinsam gemeistert werden. Herzlichen Glückwunsch!

Was Sie geschafft haben, ist viel zu vielen leider

nicht gelungen. Um so mehr gebührt Gott für diese gelungene

Lebensgeschichte großer Dank. Und schließlich ist heute

das Fest der Geburt Mariens, jener Frau, die in ganz besonderer

Weise von Gott zur Auserwählten gemacht wurde und deren

Leistung darin bestanden hat, in einer ganz entscheidenden

Minute zu Gott Ja gesagt zu haben. – Wie bringt man das

alles unter einen Hut: Trauer – Freude - Glaubensmut

Ich glaube, für all das steht im heutigen Evangelium ein einziges

Wort. - ]

Und dieses Zauberwort heißt „Effata!“ - „Öffne dich!“

Mit anderen Worten: Verschließ dich nicht! Schließ dich nicht

ein. Mach den Kreis nicht zu um dich. Glaub nicht, daß du

schon alles weißt, alles kannst, niemand mehr brauchst. Laß

dich auch vom Tod nicht vor eine Wand stellen. Wende dein

Jürgen Olf Seite 1 09.09.2012


PD - 23. So. im Jahreskreis - 09.09.2012

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Gesicht immer wieder dem Himmel, der Sonne zu. Dann fallen

die Schatten hinter dich. Dann entdeckst Du die Sterne,

oder auch nur eine Kerze in der Nacht. Dann siehst du die

Hände wieder, die man dir hinhält. Dann siehst du im Wald

wieder die Bäume und neben den Irrwegen die Auswege.

Dann bekommst du das Gespür wieder, wo das „Nein“ und

wo das „Ja“ wirklich hingehört. Dann lachen dir Gesichter

wieder zu, dann schauen dich Augen wieder an, dann geht

dein Blick nicht mehr ins Leere. Dann reichen sich Hände

wieder zur Freundschaft und zur Versöhnung. Dann bleibt

das Leben erträglich und Dein Leben für Dich ertragbar. Und

wenn Du jetzt sagst: „Ach, wenn das nicht so schwer wäre“

dann wird es für Dich Zeit, den Kindern zuzuschauen. Denn

was ich da gesagt habe ist tatsächlich kinderleicht. Kinder

nämlich können das. Also: Werde Kind! Und werde leicht!

So gelingt Leben in allen Altersstufen, und Zusammenleben

lebenslang.

„Effata“ – das klingt wie ein Seufzer Gottes – das ist seine

größte Sorge – nämlich die, daß mir mein Leben gelingt. –

Jürgen Olf, 2012

Jürgen Olf Seite 2 09.09.2012

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