1/2013 - St. Michael Weingarten

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1/2013 - St. Michael Weingarten

ökumenisch

Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser,

Und wieder halten Sie einen

Oekumenischen Pfarrbrief in der Hand. Alle

Jahre wieder einen Osterbrief. Und wenn

Sie ihn tatsächlich in der Hand halten, heißt das, dass er Sie auch

interessiert. Das freut uns, die Autoren dieses Briefes natürlich.

Denn wir wollen mit diesem Brief Verbindung aufnehmen zu

Ihnen. Das ist der uralte Weg der Christen, die Botschaft Jesu

weiterzugeben. Einer soll es dem andern sagen. „CHRISTOS

ANESTI – Christus ist auferstanden! Habt Ihr es schon gehört?“

Sagen Sie jetzt nicht: „Aber natürlich, ja!“ Vielleicht sollte man

heute eher fragen: „Habt Ihr es noch nicht vergessen?“ Denn

wenn man sich die rauhe Wirklichkeit besieht, dann ist das

Christentum, bezogen auf das öffentliche Interesse, schlecht

aufgestellt. Jeder hat irgendwie davon gehört, weiß sogar noch,

ob er selber getauft ist oder nicht, aber viel mehr ist da nicht.

Trösten Sie sich. Das kommt dem ersten Ostern schon sehr nah.

Auch damals wurde die Botschaft von der Auferstehung mehr

unter der Hand verbreitet. Nur so konnte sie zum Geheimtipp

werden. Und dann, dann brauchte nur noch ein marodes

Gesellschaftssystem zusammenfallen, und schon hat man die

Fühler nach echten Werten ausgestreckt. Ich glaube, da dürfen

wir auch heute hoffen. Aber wir sollten dazu auch noch beten,

dass es, wenn es soweit ist, Christen auch noch gibt.

Frohe Ostern! Und angenehme Lektüre!

Ihr Pfarrer Jürgen Olf

lesen Sie einmal aufmerksam die

Erzählung von den Emmausjüngern,

ein Osterevangelium ganz besonderer Art,

in Lukas 24, 13-35:

Zwei Freunde Jesu sind am Ostermorgen unterwegs von Jerusalem

nach Emmaus. Ja, es war der Ostermorgen! Der Tag, an dem

Jesus auferstanden ist. Aber sie wussten nichts davon. Im Gegenteil!

Todtraurig waren sie, verzweifelt und erschüttert. Ohnmächtig

hatten sie miterleben müssen, wie man ihren Herrn und

Meister zum Tode am Kreuz verurteilt hatte. Die Angehörigen

seines eigenen Volkes hatten ihn nicht verstanden, ja, sie hatten

ihn sogar für einen gefährlichen Gotteslästerer gehalten – und

auch die Staatsgewalt hatte sich als stärker erwiesen, als das

Vertrauen in Gott und die Liebe. Nun war alles zusammengebrochen,

woran sie geglaubt hatten.

Aber es war doch der Ostermorgen! Jesus war doch schon von

den Toten auferstanden! Das Leben hatte doch schon gesiegt!

Niemand brauchte doch mehr daran zu zweifeln, dass die Liebe

Gottes stärker ist als der Tod! Erkennen wir darin nicht auch

unsere eigene Situation? Wir stecken mitten drin in der Verlorenheit,

wir sind unfähig, eine Lösung für unsere persönlichen Probleme

zu sehen, geschweige denn für die brennenden Konflikte

auf unserer Erde. Wir sind verzweifelt, und Gott ist uns sehr fern!

Aber mitten in der Enttäuschung, mitten in Zorn und Resignation,

in Angst und Verzweiflung, da ist das Wunder schon geschehen!

Wir wissen es noch nicht und können es noch nicht spüren, da hat

Gott das Leben schon zum Sieg geführt!

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