Die Anästhesie zum Hüft- oder Kniegelenkersatz - St. Vincenz ...

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Die Anästhesie zum Hüft- oder Kniegelenkersatz - St. Vincenz ...

Joint Care

Die Narkose

Patienteninformation der

Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mbH

zum Hüft- oder

Kniegelenksersatz

Krankenhausgesellschaft

St. Vincenz mbH

St. Vincenz-Krankenhaus Limburg

65549 Limburg/Lahn, Auf dem Schafsberg

65536 Limburg/Lahn, Postfach 16 54

Tel.: (06431)292-0, Fax: (06431)292-4163

E-Mail: info@st-vincenz.de, www.st-vincenz.de

KONTAKT:

Joint Care Betreuerin:

Susanne Knapp

Telefon: 06431 / 292 1432

Ambulanz:

Frau Wolf, Frau Fend, Frau Süß

Telefon: 06431 / 292 5115

Sekretariat der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie:

Petra Seifert

Telefon: 06431 / 292 4421


Vorwort Inhalt

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Liebe Patientin,

lieber Patient,

da Sie demnächst einen Hüft- oder Kniegelenksersatz

in Narkose erhalten sollen, ist es verständlich, dass Sie

vor dem Eingriff viele Fragen haben und sich Gedanken

über den Ablauf der Anästhesie sowie mögliche Komplikationen

machen. Die folgende Broschüre soll Sie als

erste Orientierungshilfe informieren und auf ein gemeinsames

Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Anästhesisten

vorbereiten.

Inhaltsverzeichnis

02 Vorwort

03 Inhaltsangabe

04 Verhaltensregeln vor der Anästhesie

05 Ablauf vor der Anästhesie

Wir würden uns freuen, wenn Ihnen die nachfolgenden

Erläuterungen helfen, Ängste, Befürchtungen

und Vorbehalte abzubauen.

Am Untersuchungstag sprechen wir mit Ihnen

im Rahmen der Prämedikationsvisite ausführlich

über Ihren Gesundheitszustand, fassen alle wichtigen

Befunde zusammen und führen mit Ihnen das

Aufklärungsgespräch zur Narkose durch [bitte den

Aufklärungsbogen schon durcharbeiten und die

Fragen beantworten].

06

07

07

08

09

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Die meistgestellten Fragen zur Anästhesie

Die Regionalanästhesie

Blockade einzelner Nerven am Bein

Die Periduralanästhesie (PDA)

Die Allgemeinanästhesie/Narkose

Die Schmerzbehandlung nach der Operation

Dabei wird auch das Narkoseverfahren, in der Regel

eine Allgemeinnarkose [Vollnarkose] in Kombination

mit einer Regionalanästhesie [Teilnarkose], festgelegt.

Gerade die Kombination von Voll- und Teilnarkose bei

Hüft- und Kniegelenksersatz hat sich, nicht zu letzt

wegen der Schmerztherapie nach der Operation, als

vorteilhaft und für Sie besonders geeignet herausgestellt.

Am Abend vor der Operation und am OP-Tag

selbst bekommen Sie zur Beruhigung und Narkosevorbereitung

eine Tablette.


Regeln

Ablauf

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Verhaltensregeln

vor der Anästhesie

Um vermeidbare Zwischenfälle auszuschließen, sollten

Sie unbedingt folgende Verhaltensregeln berücksichtigen:

> 6 Stunden vor der Anästhesie nichts mehr essen und

keine trüben Flüssigkeiten [Milch, Kakao, Milchkaffee]

mehr trinken!

> Klare Flüssigkeiten [Tee, Wasser, klarer Saft] sind noch

bis 2 Stunden vor der Narkose gestattet [Ausnahme: Die

Narkosevorbereitungstabletten dürfen Sie auch kurz vor

der Operation noch mit etwas Wasser einnehmen].

> Am OP-Tag sollten Sie nicht mehr rauchen! Bitte schminken

Sie sich ab [Make-up, Nagellack etc.] und lassen Sie

alle leicht abnehmbaren Schmuckstücke [z.B. Ohrringe,

Fingerringe, Halsketten] auf der Station.

> Kontaktlinsen dürfen nicht mit in den OP genommen

werden, Brillen nur bei starker Fehlsichtigkeit.

Ablauf

vor der Anästhesie

Am Tag der Operation bekommen Sie in der Regel

Narkosevorbereitungsmedikamente verordnet, die

Sie noch auf der Station einnehmen und das Einleiten

der Anästhesie erleichtern. Diese Medikamente

wirken beruhigend oder können Bestandteil Ihrer

Dauermedikation sein.

Kurz vor Beginn der Operation werden Sie in den OP-

Vorbereitungsraum gebracht, wo Sie vom Anästhesiefachpflegepersonal

und vom Anästhesisten bereits

erwartet werden. Zur Vorbereitung auf die Anästhesie

beginnen wir mit der Überwachung Ihrer Herztätigkeit

durch das Anlegen des EKG’s. Wir messen Ihren Blutdruck

und befestigen einen Fühler an Ihren Finger,

der uns anzeigt, wie viel Sauerstoff sich in Ihrem Blut

befindet. Als nächstes legen wir eine Infusion, den

so genannten Venentropf, in eine Ihrer Arm- oder

Handrückenvenen (siehe Abbildung unten).

> Lassen Sie gegebenenfalls auch Zahnteile (Zahnprothesen),

künstliche Haarteile (Perücken) sowie andere

Prothesen auf der Station zurück. Ausnahmen sind

nur nach Rücksprache mit dem Anästhesisten bzw.

der Anästhesistin möglich.

É

Å

> Wenn Sie morgens Medikamente einnehmen, besprechen

Sie bitte mit Ihren Anästhesisten, welche

Medikamente Sie vor der Anästhesie noch einnehmen

sollten.

Ç

Ñ

Å – Überwachung der Herztätigkeit

Ç – Blutdruckmessung

É – Venentropf

Ñ – Messung des Sauerstoffs im Blut


Antworten

Die meistgestellten

Fragen zur Anästhesie

Warum darf ich vor der Operation nichts essen und trinken?

Durch die Allgemeinanästhesie werden neben dem Bewusstsein

und der Schmerzempfindung auch die Schutzreflexe

(z.B. Schluck- und Hustenreflex) ausgeschaltet. Es

besteht daher die Gefahr, dass Mageninhalt, bei nicht einhalten

des Nüchternheitsgebots, in den Rachen gelangt,

eingeatmet wird und eine Lungenentzündung hervorruft.

Wie stark werden meine Schmerzen nach der Operation sein?

Schmerzen nach einer Operation sind nicht vollständig

zu vermeiden, sie können aber heute, vor allem unter

ergänzender Regionalanästhesie, auf ein erträgliches

Maß begrenzt werden.

Kann mir nach der Operation übel werden?

Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit der Narkose

treten heute, Dank moderner Narkosemedikament,

wesentlich seltener als früher auf. Dennoch können wir

leider auch heute noch keine Gewähr für ein Aufwachen

ohne Übelkeit geben. Das Auftreten von Übelkeit hängt

von der persönlichen Veranlagung und der durchgeführten

Narkose sowie Operation ab. Bei bekannter Veranlagung

[bekannte Reisekrankheit, Übelkeit und Erbrechen bei vorhergehenden

Narkosen] wenden wir routinemäßig

vorbeugende Maßnahmen an.

Die Regionalanästhesie

Die Regionalanästhesie ermöglicht Schmerzfreiheit in

einem größeren Abschnitt des Körpers. Sie ist besonders

geeignet für Eingriffe, bei denen eine wirksame

Schmerzbehandlung nicht nur während, sondern auch

nach der Operation gewünscht ist. Auch die Erholung

nach großen Operationen kann hierdurch verbessert

werden. Durch diese regionalanästhesiologischen

Verfahren wird nicht nur der gesamte Heilungsverlauf,

sondern auch die Krankenhausverweildauer erwiesenermaßen

günstig beeinflusst.

Blockade einzelner

Nerven am Bein

Das Bein wird von zwei großen Nerven, dem Femoralis-

Nerv und dem Ischias-Nerv, versorgt. Für Operationen

im Bereich des Kniegelenks, wie z.B. dem Kniegelenk

sersatz, besteht die Möglichkeit, nur diese Nerven

des betroffenen Beines zu betäuben. Dafür wird unterhalb

der Leiste in die Nähe der Nerven ein örtliches

Betäubungsmittel eingespritzt und zwei sehr dünne

Katheter in die Nähe der Nerven platziert. Das Bein

ist danach vom Oberschenkel abwärts, entsprechend

dem hellblau gefärbten Bereich, gefühllos und

Operationen können schmerzfrei durchgeführt

werden (Siehe Abbildungen unten und nächste Seite).

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Wann kann ich wieder essen und trinken?

Wenn Sie ausreichend wach sind, dürfen Sie bereits im

Aufwachraum klare Flüssigkeiten [Wasser] trinken. Mit

der Aufnahme fester Nahrung sollten Sie warten, bis Sie

Appetit haben und auf Ihre Station zurückgekehrt sind.

Å

Ç

Å – Femoralis-Nerv

Ç – Ischias-Nerv


Nerven

8/9

É

Å

Ç

Å – Hohlnadel

Ç – Periduralkatheter

É – Periduralraum

Um die beiden Nerven des Beins im Gewebe zu finden,

verwendet der Anästhesist einen so genannten

Nervenstimulator. Er wird mit der Injektionsnadel verbunden

und sendet schwache elektrische Impulse aus.

Diese Impulse stimulieren die zu betäubenden Nerven

und lösen so unwillkürliche Muskelzuckungen aus, die

die richtige Lage der Injektionsnadel anzeigen.

Für länger dauernde Eingriffe, wie z.B. der Hüftgelenksersatz,

und zur anschließenden postoperativen Schmerzbehandlung

können über diesen Periduralkatheter fortlaufend

Medikamente gegeben werden.

Die Periduralanästhesie

(PDA)

Die Periduralanästhesie ermöglicht Schmerzfreiheit

für Operationen im Bereich des Beckens und der Hüfte,

wie z.B. dem Hüftgelenksersatz.

Unter örtlicher Betäubung wird zunächst mittels

einer Hohlnadel ein sehr dünner Kunststoffschlauch

(Periduralkatheter) zwischen zwei Wirbel bis in

die Nähe der Rückenmarkshaut (Dura) eingeführt

(Periduralraum). Danach wird die Hohlnadel wieder

entfernt. Über diesen dünnen Katheter wird dann

das örtliche Betäubungsmittel verabreicht, dessen

Wirkung nach ca. 15 Minuten im hellblau gefärbten

Bereich einsetzt (Siehe Abbildung rechts oben).

Die Allgemeinanästhesie

/Narkose

Die Allgemeinanästhesie/Narkose schaltet Ihr Bewusstsein

und Schmerzempfinden im ganzen Körper aus.

Zur Narkose wird meist eine Kombination von Medikamenten

eingesetzt. Abhängig vom Einzelfall werden

Schlafmittel, Mittel gegen Schmerzen, zur Muskelerschlaffung

sowie zur Beeinflussung des vegetativen

Nervensystems gegeben. Diese Medikamente werden

entweder in die Vene eingespritzt oder der Atemluft

beigemischt. Sie schlafen etwa nach einer halben bis

einer Minute ein. Wird die Narkose mit einer Regionalanästhesie

kombiniert, so wird durch den reduzierten

Bedarf an Schmerzmittel und Narkotika die Allgemeinanästhesie

deutlich verträglicher. Sie werden dann nach

der Operation schneller und angenehmer wach werden.


Schmerzbehandlung

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Die Schmerzbehandlung

nach der Operation

Nach großen Operationen, wie dem Hüft- oder Kniegelenksersatz,

setzen wir ein besonders modernes

und wirkungsvolles Behandlungsverfahren ein: Die

so genannte „Patienten kontrollierte

Analgesie“.

Hierfür werden spezielle

Infusionspumpen entweder

an den Periduralkatheter oder

an die Katheter im Bereich

des Beins angeschlossen.

Über einen Schalter können

Sie sich selbst in vorher festgelegten Zeitabständen eine

bestimmte Dosis des Schmerzmittels verabreichen (siehe

Abbildung).

Dies ermöglicht Ihnen rund um die Uhr die bestmögliche

Eigenkontrolle über die Schmerzbehandlung. Vor

möglicherweise schmerzhafter Mobilisierung, z.B.

Krankengymnastik, Bewegungsschiene] können Sie sich

zusätzlich Schmerzmittel über die Pumpe verabreichen,

so dass bereits am ersten Tag nach der Operation Ihr Bein

auf einer Bewegungsschiene durch bewegt wird und Sie

in Begleitung eines Physiotherapeuten aufstehen und

laufen können.

Innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Operation

werden die vor Operation verabreichten Medikamente

für eine Schmerzfreiheit und evtl. Lähmung des Beins/

der Beine sorgen. Auf eine spannungs- und druckfreie

Lagerung der in der Empfindung eingeschränkten

Extremität/-en sollte geachtet werden. Sie sollten am

ersten Tag nach der OP beim ersten Versuch aufzustehen

nicht alleine sein. Eine Begleitperson sollte anwesend

sein, da die volle Kraft des Beines/der Beine möglicherweise

noch eingeschränkt ist.

Durch unseren 24-h-Akutschmerzdienst werden Sie in

den nächsten Tagen zwei- bis dreimal täglich, entweder

von der Schmerzschwester oder vom diensthabenden

Anästhesisten, besucht. Gemeinsam mit Ihnen wird

entschieden, ob eine Dosisreduktion erfolgt oder ob die

Katheter entfernt werden. Erfahrungsgemäß benötigen

Sie die Schmerzkatheter die ersten 4 bis 6 Tage. Danach

wird die herkömmliche Schmerztherapie [Infusion/

Tabletten] wieder für Sie ausreichen. Mit der Umsetzung

dieses Konzepts hoffen wir der Vision des schmerzfreien

Krankenhauses ein stückweit näher gekommen zu sein.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Hinweisen hilfreich

gewesen zu sein und dass Sie sich mit Ihren Fragen

und Wünschen an uns wenden.

Wir wünschen Ihnen alles Gute!

Ihr Anästhesieteam

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