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Kopie von IHK_Butzbach_20101013.indd - Stadt Butzbach

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www.nh-projektstadt.de<br />

Soziale <strong>Stadt</strong><br />

<strong>Butzbach</strong> - Degerfeld<br />

Integriertes Handlungskonzept


www.nh-projektstadt.de<br />

AUFTRAGGEBER<br />

Magistrat der <strong>Stadt</strong><br />

<strong>Butzbach</strong><br />

Schlossplatz 1<br />

35510 <strong>Butzbach</strong><br />

AUFTRAGNEHMER<br />

NH | Projekt<strong>Stadt</strong><br />

Eine Marke der Unternehmensgruppe<br />

Nassauische Heimstätte/Wohnstadt GmbH<br />

Monika Fontaine-Kretschmer<br />

Fachbereichsleiterin<br />

Städtebauliche Maßnahmen<br />

Untermainkai 12-13<br />

60311 Frankfurt am Main<br />

Telefon 069 / 6069 1473<br />

Fax 069 / 6069 1446<br />

Mobil 0178 - 600 1473<br />

Email monika.fontainekretschmer@nhprojekt.de<br />

www.nh-projektstadt.de<br />

PROJEKTLEITUNG<br />

Dr. Jürgen Schmitt<br />

Dipl.-Ing. Raumplanung<br />

Telefon 069 / 6069 1168<br />

Fax 069 / 6069 51168<br />

Mobil 0178 - 600 1265<br />

Email juergen.schmitt@nhprojektstadt.de<br />

PROJEKTTEAM<br />

Susanne Radmann<br />

MA Architectural & Spatial Culture<br />

Julia Skultety<br />

Dipl.-Ing. Architektur (FH)<br />

Nathalie Werner<br />

Dipl.-Geografin<br />

Studentische Mitarbeiter:<br />

Till Felden<br />

Cand.-Geograf<br />

Jonathan Maus<br />

Cand.-Geograf<br />

Markus Menge<br />

Cand.-Geograf<br />

Georgios Hasekidis<br />

Cand.-Geograf<br />

Anil Paul<br />

Cand.-Geograf<br />

Tim Wirth<br />

Cand.-Geograf


Inhalt<br />

1. Einführung 4<br />

2. Fördergebiet 12<br />

3. Partizipative Konzepterstellung 17<br />

4. Bestandsaufnahme 21<br />

4.1 Teilgebiete 21<br />

4.2 Bewohner und Nachbarschaft 24<br />

4.3 Wohnen 36<br />

4.4 Nahversorgung 43<br />

4.5 Gemeinwesen 47<br />

4.6 (Halb-) öffentlicher Raum 54<br />

4.7 Mobilität 61<br />

5. Entwicklungsziele und Handlungsansätze 66<br />

6. Maßnahmenkatalog 71<br />

7. Kosten- und Finanzierungsübersicht 94<br />

8. Künftige Umsetzungsstrategien und Beteiligungsstruktur 97<br />

9. Evaluation 99<br />

Anhang 100<br />

A.1 Arbeitsgruppe Nahversorgung 101<br />

A.2 Auswertung der Befragung 107<br />

A.3 SWOT Analyse der <strong>Stadt</strong>teilrunde 124<br />

A.4 Poster Bürgerforum 126


4 Einführung<br />

1.<br />

Einführung<br />

Soziale <strong>Stadt</strong> trifft Konversion<br />

Für die <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> stellt sich in den nächsten<br />

Jahren im nordwestlichen Kernstadtbereich<br />

eine herausragende <strong>Stadt</strong>entwicklungsaufgabe.<br />

Hier befinden sich zwei Gebiete, die in jeweils<br />

spezifischer, aber gleichzeitig koordinierter Weise<br />

entwickelt werden müssen:<br />

An Rand der Kernstadt befindet sich das<br />

Quartier Degerfeld. Hier kommt es bereits<br />

seit einiger Zeit zu einer Kumulation <strong>von</strong><br />

städtebaulichen, wohnungswirtschaftlichen,<br />

sozialräumlichen und anderen Problemen,<br />

die nur mit einer Bündelung <strong>von</strong> Ressourcen,<br />

der Erarbeitung <strong>von</strong> strategischen und<br />

inhaltlichen Handlungsfeldern und einem<br />

Zusammenspiel öffentlicher und privater<br />

Akteure – insbesondere der Wohnungswirtschaft<br />

– bewältigt werden können.<br />

Dabei gibt es unmittelbare Zusammenhänge<br />

zwischen der weiteren Entwicklung des Degerfelds<br />

und jener der Housing Area: Bisher war<br />

das Degerfeld räumlich und funktional durch<br />

die Housing Area vom restlichen <strong>Stadt</strong>gebiet<br />

abgetrennt. Die Umnutzung der Housing Area<br />

birgt nun die Chance, auch das Degerfeld qualitativ<br />

aufzuwerten. Es besteht allerdings auch<br />

die Gefahr, dass die Umnutzung der Housing<br />

Area durch eine Verschärfung der Situation im<br />

Degerfeld stark negativ beeinträchtigt wird.<br />

Die Entwicklung des gesamten nordwestlichen<br />

Kernstadtbereichs mit Degerfeld und Housing<br />

Area kann daher nur als ein integriertes Entwicklungsprojekt<br />

verstanden werden.<br />

Vor diesem Hintergrund wurden schon vor Aufgabe<br />

der Housing Area durch die US-Armee konzeptionelle<br />

Überlegungen angestellt, wie eine<br />

koordinierte Entwicklung der beiden Bereiche<br />

<br />

In direkter Nachbarschaft zu dem Quartier<br />

liegt die Housing Area „Roman Way Village“.<br />

Es handelt sich hierbei um ein ehemaliges<br />

Wohngebiet der US Streitkräfte, in dem<br />

amerikanische Soldaten mit ihren Familien<br />

wohnten. Derzeit befinden sich dort in 35<br />

Wohnriegeln sowie in zwei freistehenden<br />

Einzelhäusern und vier Doppelhäusern insgesamt<br />

737 Wohnungen (ohne Wohnraum<br />

im Dachgeschoss: 667). Zudem stehen in<br />

der Housing Area ehemalige Infrastrukturgebäude,<br />

etwa ein Supermarkt, ein Krankenhaus<br />

und eine Schule. Nach Aufgabe des<br />

Militärstandortes wurde die Housing Area<br />

2008 an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben<br />

(BImA) übergeben. Nun steht die<br />

Entwicklung für eine zivile Nachnutzung an.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

5<br />

gestaltet werden könnte. So hat die NH-Projekt<strong>Stadt</strong><br />

im Auftrag der <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 2007<br />

ein Entwicklungskonzept für eine nachhaltige,<br />

zivile Nachnutzung der Housing Area unter Integration<br />

des Wohngebiets Degerfeld vorgelegt,<br />

das umfassend alle regionalen und lokalen Rahmenbedingungen<br />

analysiert, Entwicklungsziele<br />

definiert, Entwicklungsszenarien aufgezeigt und<br />

Empfehlungen für den weiteren Prozess darlegt.<br />

Die Erarbeitung der Studie erfolgte dabei unter<br />

einer Beteiligung <strong>von</strong> Experten aus Wirtschaft<br />

und Zivilgesellschaft im Rahmen <strong>von</strong> zwei thematischen<br />

Workshops („Handel, Gewerbe, Versorgung“<br />

und „Wohnen und Gemeinwesen“). Die<br />

Entwicklungsstudie der NH-Projekt<strong>Stadt</strong> wurde<br />

allerdings nach Abgabe den städtischen Gremien<br />

nicht zum Beschluss vorgelegt und konnte<br />

somit nicht als legitimierte Grundlage des<br />

weiteren Handelns wirken. Der Entwicklungsstudie<br />

folgte ein studentischer Wettbewerb,<br />

der im Rahmen der Verleihung des Ernst-May-<br />

Preises 2008 <strong>von</strong> der Nassauischen Heimstätte<br />

ausgelobt und an der Technischen Universität<br />

Darmstadt, Fachbereich Architektur, Fachgebiet<br />

Entwerfen und Regionalplanung, durchgeführt<br />

wurde. Wettbewerbsgebiet war hier die Housing<br />

Area, verlangt wurde jedoch ausdrücklich auch<br />

eine Auseinandersetzung mit dem benachbarten<br />

Quartier Degerfeld. Die <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> war<br />

mit Bürgermeister Michael Merle und dem Leiter<br />

des FD <strong>Stadt</strong>entwicklung Dipl. Ing. Otfried<br />

Herling in der Jury vertreten.<br />

Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus der Entwicklungsstudie<br />

wurden <strong>von</strong> Seiten der <strong>Stadt</strong><br />

<strong>Butzbach</strong> Gespräche mit dem Hessischen Ministerium<br />

für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung<br />

(HMfWVL) geführt, um gemeinsam die<br />

Möglichkeiten zur Unterstützung der Entwicklung<br />

durch Landesfördermittel zu diskutieren.<br />

In der Folge dieser Gespräche ergaben sich folgende<br />

Ansätze:<br />

Von der <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> wurde für das Degerfeld<br />

ein Antrag zur Aufnahme in das<br />

Städtebauförderprogramm „<strong>Stadt</strong>teile mit<br />

besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale<br />

<strong>Stadt</strong>“ gestellt und das Quartier wurde<br />

im Dezember 2009 in das Programm aufgenommen.<br />

Im ersten Bescheid wurden dabei<br />

Mittel für die Erarbeitung des hier vorliegenden<br />

Integrierten Handlungskonzepts bewilligt.<br />

Für die Housing Area wurden <strong>von</strong> der <strong>Stadt</strong><br />

gleichzeitig „Vorbereitenden Untersuchungen“<br />

gemäß § 141 BauGB beauftragt und<br />

vom HMfWVL hierfür Landesmittel aus dem<br />

Hessischen Konversionsprogramm nach<br />

den Richtlinien zur Förderung der regionalen<br />

Entwicklung zu Verfügung gestellt. Aus<br />

dem gleichen Programm war auch bereits<br />

eine Förderung der Entwicklungsstudie <strong>von</strong><br />

2007 erfolgt.<br />

Der Bericht zu den Vorbereitenden Untersuchungen<br />

liegt zwischenzeitlich vor und beinhaltet<br />

umfassende analytische und konzeptionelle<br />

Darstellungen zur Housing Area. Empfohlen<br />

werden dabei insbesondere folgende Entwicklungsziele:<br />

Deutliche Reduzierung des Geschosswohnungsbaus,<br />

statt dessen Schaffung <strong>von</strong><br />

Bauland für das zukunftsfähige Segment<br />

des Ein- und Zweifamilienhausbaus sowie<br />

ggf. in realisierbarem Umfang für hochwertige<br />

Wohngebäude mit Eigentumswohnungen.


6 Einführung<br />

<br />

Schaffung <strong>von</strong> Angeboten für hochwertiges<br />

Wohnen (etwa in Form <strong>von</strong> Eigenheimen mit<br />

einem hohen Standard oder <strong>Stadt</strong>villen),<br />

gleichzeitig aber auch die Schaffung <strong>von</strong><br />

Möglichkeit für Schwellenhaushalte, kostensparend<br />

zu bauen.<br />

Ehemalige Nutzung<br />

Wohnen<br />

Hospital<br />

Kindergarten<br />

Schule<br />

Einzelhandel


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

7<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Zielgruppenorientierte Aufwertung der erhaltenen<br />

Bestandsgebäude (z.B. flexibles<br />

Wohnen, seniorengerechtes Wohnen).<br />

Schaffung eines erweiterten Einzelhandelsangebots.<br />

Realisierung einer (Welt-)Kulturwiese im<br />

Eingangsbereich des Areals an der B3.<br />

Schaffung einer grünen Diagonalverbindung<br />

für den Fuß- und Radverkehr durch das Areal<br />

als Verbindung zwischen der Innenstadt<br />

und dem westlichen Degerfeld bzw. zum<br />

Waldrand.<br />

Weiternutzung des Schulareals vor allem für<br />

eine Gemeinbedarfsnutzung mit möglichst<br />

hoher Frequenz (z.B. mit dem Themenschwerpunkt<br />

Bildung oder Gesundheit).<br />

Realisierung einer Vielfalt bezüglich der<br />

künftigen Bewohnerschaft (sozio-ökonomische<br />

Situation, Alter, Lebensstil und –phase),<br />

bezüglich der Organisation der Bauherrenschaft<br />

(z.B. eine Beteiligung <strong>von</strong><br />

Trägern gemeinschaftlichen Wohnens wie<br />

Eigentümergemeinschaften, Bauherrengemeinschaften,<br />

Baugruppen etc.), bezüglich<br />

der Architektur und des Städtebaus sowie<br />

bezüglich der künftigen Nutzungen.<br />

Eine integrierte Entwicklung <strong>von</strong> Housing<br />

Area und Degerfeld unter dem Label „Alles<br />

unter einem Helm“.<br />

Auf die detaillierten Darstellungen der Problemlage<br />

und der Entwicklungsziele im Bericht zu<br />

den Vorbereitenden Untersuchungen sei hier<br />

verwiesen. Aktuell erfolgt die Markterkundung<br />

für den Verkauf der Housing Area durch die<br />

BImA, geplant ist ein Verkauf an einen Investor<br />

bis Mitte 2011.


8<br />

Einführung<br />

Für eine solche unmittelbare Verbindung <strong>von</strong><br />

„Sozialer <strong>Stadt</strong>“ und der Konversion eines zuvor<br />

militärisch genutzten Areals gibt es bundesweit<br />

nur wenige Beispiele, in Hessen findet sie sich<br />

bisher nur im Gebiet Silhöfer Aue/Westend in<br />

Wetzlar, bedingt auch noch in Hanau-Lamboy.<br />

Für <strong>Butzbach</strong> birgt sie die große Chance, tatsächlich<br />

eine integrierte Entwicklung <strong>von</strong> Degerfeld<br />

und Housing Area zu realisieren, bei der<br />

beide Gebiete <strong>von</strong>einander profitieren. Wohnungswirtschaftlich<br />

können gegenseitige Entwicklungsimpulse<br />

entstehen, die künftigen Bewohner<br />

der Housing Area können z.B. <strong>von</strong> der<br />

vorhandenen sozialen Infrastruktur profitieren,<br />

gleichzeitig können neue Bewohnergruppen stabilisierend<br />

für die sozio-ökonomische Struktur<br />

des nordwestlichen Kernstadtbereichs wirken<br />

und bringen Kaufkraft mit, was sich positiv auf<br />

die Nahversorgungssituation auswirken kann.<br />

Über nichtinvestive Maßnahmen und insbesondere<br />

ein Quartiersmanagement kann zudem<br />

<strong>von</strong> Anfang an daran gearbeitet werden, dass<br />

ein Miteinander <strong>von</strong> „Degerfeldern“ und Neuzuzüglern<br />

im Bereich der Housing Area entsteht.<br />

Für das vorliegende Handlungskonzept bringt<br />

der Ansatz einer integrierten Entwicklung <strong>von</strong><br />

Degerfeld und Housing Area allerdings auch einige<br />

Schwierigkeiten mit sich. Das Konzept muss<br />

nämlich zu einem Zeitpunkt erstellt werden, in<br />

dem bezüglich der künftigen Entwicklung der<br />

Housing Area noch viele Fragen offen sind. Die<br />

Frage, an wen die Housing Area verkauft wird<br />

und wie der Käufer die Entwicklungsziele der<br />

<strong>Stadt</strong> konkretisiert und umsetzt, ist eine zentrale<br />

Rahmenbedingung für die künftige Durchführung<br />

des Programms „Soziale <strong>Stadt</strong>“. Insofern<br />

ist das vorliegende Handlungskonzept nochmals<br />

neu zu diskutieren und ggf. zu verändern, wenn<br />

diese Frage beantwortet ist. Denkbar ist dabei<br />

z.B. eine Ergänzung des Maßnahmenkonzepts,<br />

unter bestimmten Umständen aber auch eine<br />

Veränderung des Fördergebiets.<br />

Von diesen Schwierigkeiten abgesehen ist aber<br />

der Zeitpunkt der Aufnahme in das Programm<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“ nahezu ideal: Das Programm<br />

hat eine Laufzeit <strong>von</strong> 10 Jahren, bis 2019 kann<br />

<strong>Butzbach</strong> somit <strong>von</strong> der Förderung profitieren.<br />

Für den Konversionsprozess ist erfahrungsgemäß<br />

ein ähnlicher Zeitraum anzusetzen. Insofern<br />

besteht nun tatsächlich die Chance einer<br />

gleichzeitigen Entwicklung, in dem vielfältige<br />

und nachhaltige Strukturen entstehen, die<br />

nicht nur gegenwärtigen, sondern auch künftigen<br />

Wohn- und Lebensbedürfnissen Rechnung<br />

tragen.<br />

Bausteine des Programms „Soziale <strong>Stadt</strong>“<br />

Im Sinne einer nachhaltigen <strong>Stadt</strong>entwicklung<br />

soll das Förderprogramm „Soziale <strong>Stadt</strong>“<br />

in <strong>Stadt</strong>teilen mit besonderem Entwicklungsbedarf<br />

helfen, die ökonomische Stabilität zu<br />

sichern, sozialen Ausgrenzungstendenzen entgegenzuwirken<br />

sowie die städtische Umwelt zu<br />

schützen oder zu verbessern. Das Programm<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“ hat fünf Zielbereiche formuliert,<br />

um darin Maßnahmen für eine zukünftig positive<br />

Quartiersentwicklung durchzuführen. Diese<br />

fünf Ziele nimmt die Hessische Gemeinschaftsinitiative<br />

Soziale <strong>Stadt</strong> (HEGISS) und formuliert<br />

daraus fünf Bausteine für eine nachhaltige Entwicklung:<br />

Der Aufgabenschwerpunkt des ersten Bausteins<br />

ist es, die Bewohner der <strong>Stadt</strong>teile<br />

für eine Mitarbeit an den stadtteilbezogenen<br />

Prozessen zu aktivieren, um darüber<br />

zu mehr Chancengleichheit innerhalb der<br />

Entscheidungsprozesse zu gelangen, was<br />

beispielsweise durch die Einrichtung eines


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 9<br />

<br />

<br />

<br />

Quartiersmanagements oder die Förderung<br />

<strong>von</strong> Gemeinweseninitiativen sowie selbstragenden<br />

Bewohnerorganisationen geschehen<br />

kann.<br />

Im Aufgabenfeld des zweiten Bausteins geht<br />

es neben der Stärkung der lokalen Wirtschaft<br />

auch darum, die Arbeitsmarktchancen<br />

der jüngeren ebenso wie die der älteren<br />

Bewohner zu verbessern.<br />

Die Verbesserung des sozialen und kulturellen<br />

Lebens beinhaltet unter anderem die<br />

Schaffung <strong>von</strong> Gemeinschaftseinrichtungen<br />

für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen<br />

oder die Einrichtung spezifischer Beratungsund<br />

Dienstleistungsangeboten.<br />

Bei der städtebaulichen Stabilisierung sollen<br />

z.B. die identitätsstiftenden städtebaulichen<br />

Strukturen gestärkt, das Wohnumfeld und<br />

die Umweltbedingungen verbessert sowie<br />

die Sicherheit im öffentlichen Raum stabilisiert<br />

werden.<br />

Der fünfte Baustein – die Verbesserung der<br />

Wohn- und Lebensbedingungen – beginnt<br />

bei der bestandsverbessernden und bedürfnisgerechten<br />

Sanierung und Modernisierung<br />

des Wohnraums, und setzt sich fort über die<br />

sozialverträgliche Wohnraumbelegung bis<br />

zur Identifizierungsstärkung der Bewohner<br />

mit ihrem Wohnumfeld.<br />

Diese Bausteine setzen zwar an verschiedenen<br />

Punkten an, sind aber auch eng miteinander<br />

verbunden, wobei es <strong>von</strong> den speziellen städtischen<br />

Gegebenheiten abhängt, welches Gewicht<br />

dem einzelnen Baustein zukommt.


10<br />

Einführung<br />

Fördergegenstände des Programms<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“<br />

Anders als bei anderen Städtebauförderprogrammen<br />

(Städtebauliche Sanierung, <strong>Stadt</strong>umbau)<br />

spielt beim Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ somit<br />

der integrierte Ansatz eine besondere Rolle.<br />

Die städtebauliche Stabilisierung und Stärkung<br />

soll hier verbunden werden mit Projekten zur<br />

Verbesserung des sozialen, kulturellen oder<br />

ökonomischen <strong>Stadt</strong>teillebens. Dennoch ist gemäß<br />

der Definition des Fördermittelgebers das<br />

Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ ein städtebauliches<br />

Investitionsprogramm und unterstützt direkt<br />

dringlich zu behebende bauliche bzw. städtebauliche<br />

Missstände. Die Förderung aus Mitteln<br />

des Programms „Soziale <strong>Stadt</strong>“ richtet sich<br />

daher überwiegend auf bauliche Investitionen.<br />

Gemäß den Richtlinien des Landes Hessen zur<br />

Förderung der nachhaltigen <strong>Stadt</strong>entwicklung<br />

(RiLiSe) sind folgende Maßnahmen als Fördergegenstände<br />

anerkannt:<br />

Planungen und Untersuchungen<br />

Integriertes Handlungskonzept, weitere<br />

Konzepte und Planungen, Einzeluntersuchungen,<br />

Wettbewerbe, partizipative Planungsprozesse<br />

etc.<br />

Steuerung<br />

Lokale Steuerungsstrukturen, z.B. <strong>Stadt</strong>teilrunden,<br />

HEGISS als landesweite Steuerungsstruktur,<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

Aktionen, die der Einbindung der Beteiligten<br />

vor Ort oder Identifizierung mit dem<br />

Prozess dienen<br />

Grunderwerb<br />

Für unrentierliche Maßnahmen beispielsweise<br />

im Zusammenhang mit der Schaffung<br />

<strong>von</strong> Gemeinbedarfseinrichtungen oder<br />

Wohnumfeldmaßnahmen<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Ordnungsmaßnahmen<br />

Abbruch und Abräumungen <strong>von</strong> Grundstükken<br />

für Gemeinbedarfseinrichtungen und<br />

Wohnumfeld; nachgewiesene unrentierliche<br />

Maßnahmen Privater und Sonstiger, die zur<br />

Zielerreichung notwendig sind<br />

Verbesserung der verkehrlichen Erschließung<br />

Änderung vorhandener und Herstellung<br />

neuer (Anteilsfinanzierung) Erschließungsanlagen<br />

Gestaltung <strong>von</strong> Freiflächen<br />

Gestaltung öffentlicher Plätze, Grünanlagen,<br />

Fuß- und Radwege, Umwelt-, Immissions-<br />

und Naturschutzmaßnahmen<br />

Neubauten<br />

Insbesondere für Gemeinbedarfs- und Folgeeinrichtungen,<br />

bei Privaten nur im Ausnahmefall<br />

Modernisierung und Instandsetzung <strong>von</strong><br />

Gebäuden<br />

Insbesondere für Gemeinbedarfs- und Folgeeinrichtungen;<br />

es sind nur Kosten förderfähig,<br />

die nicht vom Eigentümer durch<br />

nachhaltig erzielbare Erträge finanziert<br />

werden können<br />

Zwischennutzung<br />

Kosten der Zwischennutzung, soweit der<br />

Aufwand in einem angemessenen Verhältnis<br />

zur Zwischennutzung steht<br />

Verlagerung <strong>von</strong> Betrieben, Änderung baulicher<br />

Anlagen <strong>von</strong> Betrieben<br />

Nur bei Vorliegen eines erheblichen städtebaulichen<br />

Interesses<br />

Vergütung für Beauftragte<br />

Quartiersmanagement, Treuhänder als<br />

Dienstleister


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 11<br />

Für Modellvorhaben in Gebieten der „Sozialen<br />

<strong>Stadt</strong>“ sieht die RiLiSe zudem vor, dass Fördermittel<br />

auch für nichtinvestive Vorhaben in den<br />

Handlungsfeldern Bildung, Schule, Jugendliche,<br />

Beschäftigung, lokale Ökonomie und nachbarschaftliches<br />

Zusammenleben eingesetzt werden,<br />

soweit diese die Ziele des Integrierten<br />

Handlungskonzepts unterstützen und ohne die<br />

Förderung nicht oder nicht im vorgesehenen<br />

Umfang verwirklicht werden könnten.<br />

Partnerprogramme<br />

<br />

Eine weitere Möglichkeit der Förderung besteht<br />

durch das Bundesprogramm „XENOS“<br />

mit seinen verschiedenen Unterprogrammen.<br />

Beispielsweise unterstützt das Programm<br />

„XENOS – Integration und Vielfalt“<br />

Projekte, die es sich zum Ziel gemacht haben,<br />

Toleranz und Demokratiebewusstsein<br />

in der Bevölkerung zu verfestigen sowie<br />

präventiv gegen Ausgrenzung und Diskriminierung<br />

zu wirken. In diesem Programm<br />

besteht Anfang 2011 die Möglichkeit, sich<br />

für die zweite Förderrunde zu bewerben.<br />

Gerade für nichtinvestive Maßnahmen und Projekte,<br />

die sich im Verlauf der 10jährigen Durchführung<br />

des Programms entwickeln, sieht der<br />

Fördermittelgeber vor, dass weitere Fördermittel<br />

der EU, vor allem aber aus verschiedenen<br />

Bundes-, Landes- und kommunalen Ressorts<br />

akquiriert werden. Hierfür steht im Kontext<br />

der Sozialen <strong>Stadt</strong> eine Vielzahl <strong>von</strong> Partnerprogrammen<br />

zur Verfügung, die jeweils für bestimmte<br />

Projekte gezielt beantragt werden können.<br />

Die Aufnahme in das Programm erleichtert<br />

dabei häufig den Zugang zu entsprechenden<br />

Fördermitteln, das Quartiersmanagement im<br />

Rahmen des Programms „Soziale <strong>Stadt</strong>“ kann<br />

helfen, entsprechende Fördermittel zu akquirieren:<br />

Eine mit dem Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“<br />

verbundene Fördermöglichkeit besteht z.B.<br />

durch das ergänzende arbeitsmarktpolitische<br />

ESF-Bundesprogramm „Bildung, Wirtschaft,<br />

Arbeit im Quartier“ (BIWAQ), das<br />

eine Verbesserung der Qualifikation und der<br />

sozialen Situation der Bewohner anstrebt,<br />

um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu<br />

steigern.<br />

Ebenfalls in Betracht könnte das Programm<br />

„STÄRKEN vor Ort“ des Bundesministeriums<br />

für Familie, Senioren, Frauen und Jugend<br />

kommen. Der Fokus liegt auf niedrigschwelligen<br />

und wohnortnahen Mikroprojekten,<br />

die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die<br />

Integration <strong>von</strong> jungen Menschen auf verschiedenen<br />

Ebenen zu fördern sowie Frauen<br />

den Einstieg oder den Wiedereinstieg in das<br />

Erwerbsleben zu erleichtern.<br />

Eine zusätzliche Fördermöglichkeit besteht<br />

über den Aktionsplan „InForm“, der seit<br />

2009 in Hessen über den „Aktionsplan Ernährung,<br />

Bewegung und Entspannung“<br />

konkretisiert wurde und dessen Inhalt es<br />

ist, die Gesundheit sozial Benachteiligter zu<br />

fördern.<br />

Diese Aufzählung <strong>von</strong> weiteren Fördermöglichkeiten<br />

soll dabei nicht abschließend sein, sondern<br />

lediglich Möglichkeiten aufzeigen, an denen<br />

sowohl begleitend als auch weiterführend<br />

zu dem Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ angesetzt<br />

werden kann.


12 Fördergebiet<br />

2.<br />

Fördergebiet<br />

Die <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> befindet sich im Wetteraukreis<br />

und liegt als Mittelzentrum zwischen den<br />

nächstgelegenen Oberzentren Gießen (22km)<br />

und Frankfurt am Main (50km). Die <strong>Stadt</strong> ist<br />

insbesondere über die A5 sowie den Regionalexpress<br />

zwischen Gießen und Frankfurt regional<br />

gut angebunden. Gleichzeitig liegt <strong>Butzbach</strong><br />

im Spannungsfeld mehrerer Naturräume. Besonders<br />

prägend ist der östliche Hinter-Taunus<br />

mit seinen hügeligen Wäldern, der direkt an die<br />

westliche Kernstadt grenzt.<br />

getrennt. Während sich östlich der Bahnstrecke<br />

die Altstadt sowie die großen Gewerbegebiete<br />

befinden, liegen westlich der Strecke vor allem<br />

Wohngebiete.<br />

In diesem westlichen Teil <strong>Butzbach</strong>s befindet<br />

sich auch das Fördergebiet, nämlich am nordwestlichen<br />

Rand der Kernstadt. Im Westen<br />

grenzt es unmittelbar an den Naturpark Taunus,<br />

im Osten an die Bundesstraße 3. An der nördlichen<br />

Grenze des Fördergebietes liegen landwirtschaftliche<br />

Grundstücke.<br />

Innenstadt<br />

Quelle: Masterplan (2001), S. 12<br />

Das <strong>Stadt</strong>gebiet besteht aus einer Kernstadt<br />

und 13 weiteren Ortsteilen. Die Einwohnerzahl<br />

beträgt derzeit rund 25.000 Einwohner, wobei<br />

etwa die Hälfte in der Kernstadt wohnt. Die<br />

Kernstadt <strong>Butzbach</strong> ist eine gewachsene Kleinstadt,<br />

geprägt durch das historische Zentrum<br />

mit der sanierten Altstadt und dem „wieder erwachten“<br />

Schlossgelände rund um das Landgrafenschloss,<br />

in dem nach dem Abzug der<br />

amerikanischen Militärverwaltung die <strong>Stadt</strong>verwaltung<br />

untergebracht ist. Die Kernstadt<br />

wird durch die Bahnstrecke Frankfurt-Gießen<br />

Das Fördergebiet umfasst eine Größe <strong>von</strong> ca.<br />

40ha und beinhaltet das Wohngebiet Degerfeld,<br />

einen Teilbereich der benachbarten Housing<br />

Area sowie eine große Frei- und Freizeitfläche<br />

an der Ebergönser Straße.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

13<br />

Fördergebiet (grün markiert)<br />

Degerfeld<br />

Das Wohngebiet Degerfeld ist ab den 1950er<br />

Jahren am Rande der Kernstadt <strong>Butzbach</strong> entstanden.<br />

Im Gebiet finden sich einerseits private<br />

Ein- und Mehrfamilienhäuser, andererseits<br />

Mietwohnungsbestände im Geschosswohnungsbau,<br />

die sich vor allem im Eigentum der Butz-<br />

bacher Wohnungsgesellschaft (BWG) befinden.<br />

Im ursprünglichen Planungskonzept war als Degerfeld<br />

III eine weitere, verbindende Bebauung<br />

im nördlichen Teil des Gebiets vorgesehen, in<br />

der insbesondere zentrale Infrastruktur- und<br />

Versorgungseinrichtungen geschaffen werden<br />

sollten. Dieser letzte Abschnitt Degerfeld III<br />

wurde jedoch nie realisiert, was sich heute glei-


14 Fördergebiet<br />

chermaßen in einer schlechten Versorgungssituation<br />

wie in einer unvollständig wirkenden<br />

städtebaulichen Struktur niederschlägt. Das<br />

Degerfeld war seit Entstehung <strong>von</strong> seiner besonderen<br />

Lage geprägt. Das Quartier nimmt<br />

nicht nur eine Randlage im Kernstadtgebiet ein,<br />

sondern war durch die unmittelbare Nachbarschaft<br />

zu der Housing Area der US-Army im Süden<br />

und der B 3 im Osten bisher vom restlichen<br />

<strong>Stadt</strong>gebiet stark getrennt. Dies gilt vor allem,<br />

seit die Housing Area umzäunt wurde. Mit der<br />

Neuentwicklung der Housing Area verbindet<br />

sich nun eine große Entwicklungschance auch<br />

für das Degerfeld.<br />

Freifläche an der B 3<br />

Teile der Housing Area<br />

In das Fördergebiet wurden aus der Housing<br />

Zudem umfasst das Fördergebiet auch eine<br />

Freifläche an der B 3 im Eingangsbereich des<br />

Degerfelds. Diese bietet derzeit einen ungeordneten<br />

ersten Eindruck des Fördergebietes. Die<br />

einzige Zugangsstraße <strong>von</strong> der B 3 in das Fördergebiet<br />

geht hier ab, daher spielt das Gelände<br />

eine wichtige Rolle für das Image des Quartiers.<br />

Die Freifläche ist undefiniert und nicht eindeutig<br />

abgegrenzt und besitzt bis auf den angesiedelten<br />

Reithof keine klare Funktion. Obwohl<br />

die Freifläche an der B 3 als Festwiese angelegt<br />

ist, wird sie kaum entsprechend genutzt. Sie ist<br />

zur B 3 durch einen Vegetationsstreifen abgegrenzt.<br />

Area drei Teilbereiche aufgenommen, nämlich<br />

die nördlichen Wohnungsbestände, die direkt<br />

an den Geschoßwohnungsbau des Degerfelds<br />

anschließen, der soziale Infrastrukturbereich<br />

mit der ehemaligen Schule und dem ehemaligen<br />

Hospital sowie der weitgehend unbebaute<br />

Eingangsbereich zur B 3 hin, auf dem sich insbesondere<br />

Kleinsportfelder befinden.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

15<br />

Eine Besonderheit des Fördergebiets ist der<br />

Umstand, dass sich hier mehrere archäologische<br />

Fundstätten befinden. Am westlichen<br />

Rand des Gebiets befinden sich Überreste des<br />

obergermanischen Limes, die sich auch im Degerfeld<br />

fortsetzen. Innerhalb des Gebietes sind<br />

außerdem Überreste <strong>von</strong> zwei römischen Kastellen,<br />

dem Kleinkastell Degerfeld und dem<br />

Kastell Hunneburg, sowie eines römischen Lagerdorfs<br />

vorhanden. Während das Kastell Degerfeld<br />

überbaut ist, wird das Gebiet des Kastells<br />

Hunnenburg als Grünfläche bzw. Festwiese<br />

genutzt. Die Überreste der römischen Siedlung<br />

(„vicus“) erstrecken sich samt Gräberfeld in den<br />

südwestlichen Teil der Housing Area. Dort befinden<br />

sich auch die Sportstätten und Wiesen der<br />

ehemaligen Housing Area sowie einige kleinere<br />

Gebäude.<br />

Kastell Hunneburg<br />

Das Kohorten-Kastell Hunneburg beherbergte einst<br />

die römische Infanterieabteilung <strong>von</strong> ca. 500 Mann.<br />

Die ungewöhnliche Größe des Kastells weist auf<br />

eine wichtige strategische Rolle des Kastells hin.<br />

Seine Funktion bestand darin, die wenigen Grenzübergänge<br />

zu sichern. Mit vermutlich über vier<br />

Hektar war die Hunneburg sogar noch größer als<br />

die Saalburg bei Bad Homburg. Damit war es eines<br />

der größten seiner Art am Obergermanischen<br />

Limes. Im 17. Jahrhundert hielt man die steinernen<br />

Reste fälschlicherweise für eine Burg des Hunnenkönigs<br />

Attils, daher auch der Name.<br />

Im Juli 2005 wurde der Limes <strong>von</strong> der UNESCO<br />

in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.<br />

Zum Weltkulturerbe gehören dabei die beiden<br />

Kastelle sowie der Limesverlauf. Hier ist eine<br />

Bebauung aus Gründen des Weltkulturerbes<br />

kaum möglich. Die Funde im römischen Lagerdorf<br />

gehören nicht zum Weltkulturerbe. Aber dieser<br />

Bereich wird <strong>von</strong> Seiten der Archäologie als<br />

„Grabungszone“ klassifiziert. Er zählt zwar<br />

nicht zum Weltkulturerbe, bildet jedoch eine<br />

Zone, in der vor einer Bebauung oder sonstigen<br />

Eingriffen (v.a. Erd-/Tiefbauarbeiten) zunächst<br />

archäologische Grabungen durchgeführt werden<br />

müssten. Der Zustandsstörer hätte die dabei<br />

entstehenden Grabungskosten zu tragen.<br />

Quelle: Dieter Wolf (1996), Museum <strong>Butzbach</strong>


16 Fördergebiet<br />

Kleinkastell<br />

„Degerfeld“<br />

Limes<br />

Römisches<br />

Lagerdorf<br />

„vicus“<br />

Kastell<br />

„Hunneburg“<br />

Einzelfunde<br />

Grabungszone<br />

Weltkulturerbe


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 17<br />

3.<br />

Partizipative Konzepterstellung<br />

Als erster Schritt in Rahmen des Programms<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“ wurde <strong>von</strong> der <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

die Erarbeitung eines sogenannten „Integrierten<br />

Handlungskonzepts“ beauftragt.<br />

„Integriert“ ist das Konzept deswegen, weil es<br />

sozialräumliche, städtebauliche, wirtschaftliche,<br />

kulturelle und ökologische Aspekte der Gebietsentwicklung<br />

gleichzeitig einbezieht. Das Integrierte<br />

Handlungskonzept ist die Grundlage für<br />

die Durchführung des Programms im Fördergebiet.<br />

Es dient der Formulierung <strong>von</strong> Entwicklungszielen<br />

sowie der Darstellung der geplanten<br />

Maßnahmen und Projekte zur Erreichung dieser<br />

Entwicklungsziele. Dabei stellt es ein Arbeitsprogramm<br />

dar, das das Einverständnis zwischen<br />

den lokalen Akteuren, der Verwaltung, der Politik<br />

und dem Fördermittelgeber markiert.<br />

Mit der Erstellung des Konzeptes wurde die NH-<br />

Projekt<strong>Stadt</strong> der Nassauischen Heimstätte aus<br />

Frankfurt beauftragt - eine Gesellschaft, die seit<br />

über 30 Jahren Erfahrung in der konzeptionellen<br />

Vorbereitung und praktischen Durchführung <strong>von</strong><br />

Städtebaufördermaßnahmen in südhessischen<br />

Kommunen hat.<br />

Die partizipative Konzepterstellung erfolgte vom<br />

Januar 2010 bis zum August 2010. Der Arbeitsprozess<br />

gliederte sich dabei in folgende Arbeitsschritte:<br />

Zeitschiene<br />

Arbeitskonzept<br />

Januar<br />

Abstimmung<br />

2010<br />

<strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

Abstimmung<br />

<strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

10. Februar 2010<br />

Februar/<br />

März<br />

2010<br />

Betroffenen-<br />

Befragung<br />

Ende März 2010<br />

Bestandsaufnahme<br />

Februar/März 2010<br />

Arbeitsgruppe<br />

‚Nahversorgung‘,<br />

23. März 2010<br />

SWOT | Leitbild & Strategien<br />

April/Mai<br />

2010<br />

Abstimmung<br />

<strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

6. Mai 2010<br />

Bürgerforum<br />

13. Juni 2010<br />

Juni<br />

2010<br />

Maßnahmenkonzept<br />

Zeitablaufplanung<br />

Kosten- und<br />

Finanzierungsplanung<br />

Juli/<br />

August<br />

2010<br />

Abstimmung<br />

<strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

30. Juni 2010<br />

Bericht<br />

Ende August 2010<br />

Abstimmung<br />

<strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

02. August 2010


18<br />

Partizipative Konzepterstellung<br />

Für die Bestandaufnahme erfolgte eine Zusammenführung<br />

<strong>von</strong> aktuellen Informationen aus<br />

unterschiedlichen Quellen. Es wurden dabei<br />

nicht nur quantitative, sondern auch qualitative<br />

Befunde berücksichtigt. Insbesondere wurde<br />

eine örtliche, aktualisierende Bestandsaufnahme<br />

der räumlichen Gegebenheiten und eine<br />

Analyse demographischer Daten vor allem aus<br />

der Einwohnerstatistik vorgenommen. Zurückgegriffen<br />

werden konnte zudem auf bereits vorliegende<br />

Untersuchungen, insbesondere auf die<br />

<strong>von</strong> der NH-Projekt<strong>Stadt</strong> 2007 vorgelegte Entwicklungsstudie,<br />

in der eine umfängliche Gesamtschau<br />

auf die demographischen (Bevölkerungsentwicklung,<br />

Alterstruktur und ethnische<br />

Struktur der Bevölkerung, etc.), ökonomischen<br />

(Wirtschaftsstruktur, Erwerbstätigkeit, Tourismus),<br />

wohnungswirtschaftlichen (Angebot,<br />

Nachfrage, Trends), landschaftlichen, verkehrlichen<br />

und anderen Rahmenbedingungen sowohl<br />

auf regionaler als auch auf städtischer und teilräumlicher<br />

Ebene erfolgte.<br />

Die zentrale Aufgabe in der konzeptionellen Arbeit<br />

war es aber, die Sicht der Menschen vor<br />

Ort in die Überlegungen zu integrieren. Im Sinne<br />

einer integrativen Konzepterstellung wurden<br />

daher relevante Multiplikatoren, Akteure und<br />

Bürger vor Ort durch gezielte und öffentliche<br />

Beteiligung eingebunden und deren Überlegungen<br />

und Vorschläge in das vorliegende Konzept<br />

einbezogen. Hierfür wurden <strong>von</strong> der <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

und der NH-Projekt<strong>Stadt</strong> mehrere Wege<br />

eingeschlagen:<br />

<strong>Stadt</strong>teilrunden<br />

Prozess einzubringen, den Prozess in den <strong>Stadt</strong>teil<br />

zu kommunizieren und als Pool und Kontaktbörse<br />

für Projektpartnerschaften zu fungieren.<br />

Insgesamt traf sich die <strong>Stadt</strong>teilrunde viermal:<br />

Am 10. Februar 2010 fand eine erste <strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

im Kinderhaus Pusteblume statt.<br />

Es wurde das Projekt „Soziale <strong>Stadt</strong>“, die<br />

Hintergrundinformation und die geplante<br />

Vorgehensweise vorgestellt und diskutiert.<br />

Eine zweite <strong>Stadt</strong>teilrunde fand am 6. Mai<br />

2010 statt. In dieser Runde wurden die Ergebnisse<br />

der Befragung, der Bestandsaufnahme<br />

und der Arbeitsgruppe, gemeinsam<br />

nach Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken<br />

(SWOT) analysiert, diskutiert und bewertet<br />

(siehe Dokumentation im Anhang).<br />

Die <strong>Stadt</strong>teilrunde wurde außerdem angeregt,<br />

basierend auf der gemeinsam erarbeiteten<br />

SWOT Analyse erste Maßnahmenvorschläge<br />

bei dem Bürgerforum einzubringen.<br />

Der gesamte konzeptionelle Prozess wurde <strong>von</strong><br />

einer <strong>Stadt</strong>teilrunde begleitet. In dieser Runde<br />

waren Multiplikatoren und Vertreter der <strong>Stadt</strong><br />

eingeladen, ihre kritische Expertensicht in den<br />

<br />

Eine erste Diskussion <strong>von</strong> möglichen Maßnahmen<br />

fand in der dritten <strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

am 30. Juni 2010 statt, diesmal bereits im<br />

zwischenzeitlich eröffneten <strong>Stadt</strong>teilbüro.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

19<br />

<br />

Nach einer kritischen und kontroversen Diskussion<br />

wurde gewünscht, in einer vierten,<br />

zusätzlichen <strong>Stadt</strong>teilrunde die Abstimmung<br />

der Maßnahmen weiterzuführen.<br />

In der vierten Runde am 2. August 2010<br />

wurde schließlich das Gespräch zu möglichen<br />

Maßnahmen vertieft und gemeinsam<br />

getragene Ansätze insbesondere für die<br />

kontroversen Themen Versorgung, Quartiersmitte<br />

und Kommunikation gefunden.<br />

Um eine möglichst repräsentative Beteiligung<br />

<strong>von</strong> allen Anwohnergruppen zu erreichen, wurde<br />

der Fragebogen auf Deutsch, Russisch und<br />

Türkisch angeboten. Zusätzlich wurde in etwa<br />

50% der Haushalte der Fragebogen persönlich<br />

übergeben und eine Erläuterung angeboten. In<br />

den anderen 50% der Haushalte erfolgte die<br />

Verteilung der Fragebögen per Briefkastenverteilung.<br />

Die Fragebögen waren entsprechend<br />

den festgelegten Teilgebieten (siehe Kapitel 4.)<br />

vormarkiert, um Ergebnisse sozialraumspezifisch<br />

analysieren zu können.<br />

Der Rücklauf lag bei 26,2%, wobei eine starke<br />

Selektivität der Rückläufe festzustellen ist.<br />

Deutlich überrepräsentiert sind ältere Bewohner<br />

sowie deutsche Bewohner. Insofern sind die<br />

Ergebnisse nicht repräsentativ, vor allem die<br />

Meinungen vieler Migranten konnten mit der<br />

Befragung nicht erfasst werden. Es ist zu empfehlen,<br />

dass im weiteren Verlauf des Förderprogramms<br />

besondere Bemühungen angestellt<br />

werden, Anwohner der Minoritäten mit einzubeziehen.<br />

Dennoch gibt die Befragung wichtige<br />

Hinweise für die Befindlichkeiten im Gebiet, zudem<br />

konnte mit der Aktion umfassend über das<br />

Programm informiert werden. Die Ergebnisse<br />

der Befragung sind im Anhang dokumentiert.<br />

Befragung<br />

Im gesamten Degerfeld wurde Ende März 2010<br />

eine Fragebogenaktion als Haushaltsbefragung<br />

durchgeführt. Das Ziel war, einen vertiefenden<br />

Einblick in die Ansichten und das Empfinden der<br />

Anwohner bezüglich der Wohnqualität und dem<br />

Umfeld im Fördergebiet zu gewinnen. Spezifische<br />

Auskünfte wurden <strong>von</strong> Hauseigentümern<br />

erbeten, um Renovierungs- und Nutzungsabsichten<br />

einschätzen können.


20<br />

Partizipative Konzepterstellung<br />

Bürgerforum<br />

Am 13. Juni 2010 wurde im Zusammenhang<br />

mit dem <strong>Stadt</strong>teilfest „Ein Fest für Alle“, welches<br />

durch das lokale „frühstart“-Projekt initiiert<br />

wurde, ein öffentliches Bürgerforum durchgeführt.<br />

Ideen und Vorschläge aus dem Forum wurden<br />

notiert und in den weiteren konzeptionellen<br />

Prozess einbezogen.<br />

Arbeitsgruppe<br />

In der ersten <strong>Stadt</strong>teilrunde wurde <strong>von</strong> den Teilnehmern<br />

ein besonderes Interesse an einer Arbeitsgruppe<br />

mit dem Thema „Nahversorgung“<br />

ausgedrückt. Diese wurde am 23. März 2010<br />

durchgeführt und war durch eine partizipative<br />

Struktur geprägt. Die Teilnehmer erarbeiteten<br />

eine Darstellung ihrer Bedürfnisse und deren<br />

Umsetzung in mögliche Maßnahmen, welche<br />

im letzten Schritt durch die Teilnehmer selbst<br />

priorisiert wurden (siehe Dokumentation im Anhang).<br />

Eine bisherige Zwischenbilanz und SWOT Analyse<br />

wurde den Anwohnern auf Postern zur<br />

Diskussion vorgestellt (siehe Dokumentation<br />

im Anhang), Vertreter der <strong>Stadt</strong> und der NH-<br />

Projekt<strong>Stadt</strong> standen für Gespräche zur Verfügung.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 21<br />

4.<br />

Bestandsaufnahme<br />

4.1 Teilgebiete<br />

In der Bestandaufnahme soll aufgezeigt werden,<br />

welche Stärken und Schwächen als Ausgangsvoraussetzungen<br />

für die künftige Entwicklung<br />

des Degerfeld bestehen. Da die bewohnten<br />

Zonen im Fördergebiet durch erkennbare städtebauliche,<br />

demographische Unterschiede und<br />

verschiedenartige Eigentumsverhältnisse charakterisiert<br />

sind, wurden zur strategischen Untersuchung<br />

und Entwicklung des Projektes folgende<br />

Teilgebiete gebildet:<br />

<br />

<br />

<br />

Bei Gebiet 4 handelt es sich ebenfalls um<br />

Geschoßwohnungsbau der BWG, jedoch mit<br />

einem jüngeren Baualter als die Gebiete 2<br />

und 5. Es finden sich hier 76 Haushalte.<br />

Gebiet 5 besteht aus Geschoßwohnungsbau<br />

der BWG mit 192 Haushalten.<br />

Bei Gebiet 6 schließlich handelt es sich um<br />

Wohnungsbestand der Housing Area, der<br />

derzeit nicht bewohnt ist.<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Gebiet 1 besteht aus den drei städtebaulich<br />

prägnanten Wohnhochhäusern im Eigentum<br />

der <strong>Butzbach</strong>er Wohnungsgesellschaft<br />

(BWG) mit insgesamt 81 Haushalten. 1<br />

Gebiet 2 besteht aus Geschoßwohnungsbau<br />

der BWG mit 237 Haushalten.<br />

Bei den Gebieten 3a (ca. 100 Haushalte),<br />

3b (ca. 20 Haushalte) und 3d (ca. 40 Haushalte)<br />

handelt es sich um Teilgebiete mit<br />

überwiegender Ein- bis Zweifamilienhausbebauung,<br />

weitgehend in Privatbesitz.<br />

Gebiet 3c stellt ein gemischtes Gebiet dar.<br />

Die ca. 210 Haushalte finden sich teils in<br />

Geschoßwohnungsbau, teils in freistehenden<br />

Ein- bis Zweifamilienhäusern, teils in<br />

Reihenhäusern. Die Gebäude befinden sich<br />

teils im Eigentum der BWG (99 Haushalte),<br />

teils im Privatbesitz.<br />

1 Die Anzahl der Haushalte wurde für die BWG-<br />

Bestände <strong>von</strong> der BWG zugearbeitet, für die<br />

anderen Bestände auf Basis der Daten der ekom21<br />

geschätzt.


8<br />

6<br />

4<br />

9<br />

7<br />

2<br />

5<br />

2<br />

1<br />

4<br />

6<br />

5<br />

20<br />

22<br />

24<br />

57<br />

55<br />

53<br />

51<br />

1<br />

14<br />

16<br />

18<br />

4<br />

2<br />

15<br />

U<br />

13<br />

3<br />

1<br />

Weg<br />

14 a<br />

14 b<br />

9<br />

8<br />

6<br />

7<br />

4<br />

2<br />

5<br />

1<br />

2<br />

15<br />

a<br />

4<br />

17<br />

a<br />

a<br />

a<br />

Weg<br />

3<br />

7<br />

1<br />

5<br />

29<br />

1<br />

2<br />

8<br />

6<br />

4<br />

33<br />

1<br />

5<br />

3<br />

39<br />

41<br />

1-3<br />

6<br />

4<br />

3<br />

1<br />

5<br />

7<br />

31<br />

32<br />

5<br />

22<br />

Teilgebiete<br />

Bezeichnung der Teilgebiete<br />

/<br />

erberg<br />

/ /<br />

/<br />

5<br />

5 5<br />

5<br />

329<br />

6 /<br />

O / 6<br />

5 5 /<br />

O<br />

330<br />

/ / /<br />

/<br />

136/1<br />

136/2<br />

136/3<br />

6 / 5<br />

O/ 6 / 5 /<br />

O<br />

6 / 5 O<br />

6<br />

/ 5 / O<br />

23<br />

21<br />

14<br />

12<br />

6 /<br />

O<br />

6 5<br />

/ 5 /<br />

O<br />

/<br />

/ /<br />

/<br />

5/2<br />

U<br />

331<br />

10<br />

136/4<br />

136/5<br />

135/3<br />

16<br />

136/6<br />

135/2<br />

136/7<br />

1715<br />

5<br />

5 5<br />

5<br />

182<br />

134/1<br />

8/1<br />

332<br />

/ / /<br />

/<br />

a<br />

11<br />

13<br />

18<br />

9<br />

/<br />

/ /<br />

/<br />

Pfahlgraben<br />

135/1<br />

Weg<br />

20<br />

11<br />

Kinderspielplatz<br />

134/2 Kinderspielplatz<br />

134/6<br />

134/4<br />

a<br />

134/8<br />

136/10<br />

Merowinger Straße<br />

333<br />

337<br />

134/3<br />

6 / 5 O 6<br />

/ 5 / O<br />

137/27<br />

13/5<br />

126/2<br />

Weg<br />

136/9<br />

137/28<br />

8<br />

133/6<br />

.<br />

7<br />

30 28<br />

.<br />

.<br />

.<br />

22<br />

26<br />

6 /<br />

O 6/<br />

5<br />

/ 5 /<br />

O<br />

20 a<br />

6<br />

24<br />

8<br />

8<br />

5<br />

6 / 5<br />

O<br />

6 //<br />

/ 5<br />

O<br />

Weg<br />

13<br />

1 3<br />

6<br />

3<br />

6<br />

4<br />

15<br />

26<br />

An der Landwehr<br />

Max-Hessemer-Straße<br />

Andreas-Marguth-Straße<br />

137/29<br />

12/1<br />

133/5<br />

136/8<br />

137/53<br />

334<br />

126/3<br />

126/10<br />

Ebersgönser Weg<br />

134/7<br />

126/9<br />

188<br />

134/5<br />

126/4<br />

5<br />

3<br />

5<br />

4<br />

4<br />

7<br />

26<br />

28<br />

17<br />

28<br />

6 /<br />

O<br />

5 / 6 /<br />

5/<br />

O<br />

Gebrüder-Zeuner-Straße<br />

133/7<br />

137/49<br />

Weg<br />

335<br />

24<br />

2<br />

3<br />

9<br />

30<br />

2<br />

8<br />

6<br />

30<br />

Wendelin-Steinbach-Weg<br />

137/48<br />

137/54<br />

126/12<br />

126/11<br />

126/18<br />

137/18<br />

126/5<br />

Parkplatz<br />

133/8<br />

133/2<br />

137/50<br />

126/13<br />

126/24<br />

(5)<br />

(6)<br />

Hochbehälter<br />

2/5<br />

(2)<br />

177/4<br />

O 6/<br />

6 5<br />

/ 5 /<br />

O<br />

126/8<br />

1<br />

19<br />

32<br />

6/ /<br />

126/16<br />

O 6<br />

5 5 /<br />

O<br />

22 20 16<br />

8<br />

11<br />

34<br />

11<br />

17<br />

6/<br />

126/32O<br />

/ 6<br />

5 5 /<br />

O<br />

Zacharias-Rosbach-Straße<br />

11/3<br />

(5)<br />

126/23<br />

134/9 134/11 134/12<br />

133/4<br />

133/10<br />

S<br />

137/39<br />

133/3<br />

3/1<br />

S<br />

138/18<br />

138/17<br />

133/9<br />

133/1<br />

126/22<br />

137/52<br />

137/22<br />

137/23<br />

137/40<br />

126/6<br />

126/14<br />

137/51<br />

137/24<br />

Gerhart-Hauptmann-Straße<br />

138/12<br />

138/10<br />

126/17<br />

126/21<br />

126/25<br />

137/13<br />

126/7<br />

137/12<br />

137/20 137/25<br />

137/19 3a<br />

152/1<br />

152/3<br />

126/15<br />

138/5<br />

126/26<br />

138/22<br />

138/23<br />

126/42<br />

10<br />

9<br />

18<br />

12<br />

Kirchgönser Straße<br />

Weg<br />

Pohlgönser Straße<br />

Spielplatz<br />

138/21<br />

152/15<br />

152/16<br />

152/5<br />

183<br />

126/28<br />

126/27<br />

126/33<br />

137/11<br />

126/37 126/40<br />

137/8<br />

151/1<br />

137/21 137/10<br />

2<br />

126/34<br />

126/35<br />

47<br />

6<br />

Weg<br />

137/7<br />

6<br />

O / 6 /<br />

5<br />

/ 5<br />

O<br />

7<br />

4<br />

2<br />

137/6<br />

137/47 137/43<br />

137/46<br />

138/31<br />

138/33<br />

138/4<br />

126/41<br />

138/34<br />

137/34<br />

138/27<br />

138/26<br />

45<br />

137/35 149/107<br />

138/29<br />

138/13<br />

5<br />

138/8<br />

138/6<br />

138/32<br />

12<br />

43<br />

14<br />

120/2<br />

119<br />

118<br />

117<br />

116<br />

10<br />

3<br />

115<br />

149/112<br />

138/2<br />

114<br />

113<br />

137/37<br />

137/36<br />

112<br />

41<br />

111<br />

109/2<br />

109/1<br />

108<br />

106<br />

149/119<br />

149/62<br />

1<br />

105<br />

Pohlgönser Straße<br />

120/1<br />

1<br />

39<br />

104<br />

110/2<br />

149/113<br />

Limesstraße<br />

149/11<br />

149/10<br />

149/127<br />

110/1<br />

1<br />

107<br />

Degerfeldschule<br />

S<br />

149/48<br />

149/92<br />

4<br />

2<br />

3-5<br />

2<br />

149/75<br />

149/7<br />

Weg<br />

184<br />

Spielplatz<br />

7<br />

9<br />

1<br />

Bruckneweg<br />

1-3<br />

1<br />

2<br />

Chattenstraße<br />

149/86<br />

149/95<br />

149/105<br />

149/102 149/106<br />

149/96 149/104<br />

149/101<br />

149/103<br />

149/100<br />

149/98<br />

149/97<br />

149/4<br />

149/76<br />

149/99<br />

149/23<br />

Im Degerfeld<br />

149/120<br />

149/109<br />

4 6 8<br />

3<br />

14 16<br />

12<br />

10<br />

4<br />

13 11<br />

4-6<br />

4<br />

16<br />

10<br />

149/115<br />

149/116 6 /<br />

O<br />

6 5 //<br />

/ 5<br />

O<br />

152/7<br />

6 / 5<br />

150/2<br />

152/9<br />

O<br />

6 /<br />

/ 5<br />

O<br />

152/11<br />

190/1<br />

3b 6<br />

152/13<br />

152/12<br />

152/6<br />

152/14<br />

152/8<br />

152/10<br />

149/91<br />

Weg<br />

Parkplatz<br />

149/87<br />

149/88<br />

Texas Road<br />

Händelweg<br />

Weg<br />

149/27 149/114 149/43<br />

149/26<br />

149/25<br />

149/24<br />

149/132<br />

149/41<br />

149/40<br />

149/39<br />

5<br />

a<br />

a<br />

149/38<br />

149/14<br />

149/15<br />

149/90<br />

149/78<br />

149/89<br />

a<br />

149/133<br />

a<br />

a<br />

149/123<br />

149/54<br />

63<br />

149/122<br />

149/36<br />

149/37<br />

a<br />

a<br />

149/44<br />

64<br />

21 19<br />

65/1<br />

65/2<br />

66<br />

149/70<br />

2<br />

67<br />

Kindertagesstätte<br />

8<br />

149/55<br />

14<br />

20<br />

6<br />

7-9<br />

68/1<br />

a<br />

99/5<br />

100/11<br />

12<br />

18<br />

149/61<br />

88/4<br />

68/2<br />

149/81<br />

149/128<br />

25 23<br />

Texas Road<br />

103<br />

3c<br />

191/2<br />

102/2<br />

22<br />

102/1<br />

230<br />

232/2<br />

88/7<br />

185<br />

10-12<br />

177/6<br />

229<br />

224/2<br />

31 27<br />

100/8<br />

24<br />

224/1<br />

219<br />

Mozartstraße<br />

26<br />

Weg<br />

Haydnstraße<br />

222/1<br />

221<br />

220<br />

228<br />

223/2<br />

88/8<br />

101/1<br />

10<br />

37 35<br />

Lisztstraße<br />

236<br />

13-15<br />

227<br />

28<br />

46/3<br />

179/7<br />

77/9<br />

11<br />

88/9<br />

Texas Road<br />

30<br />

88/10<br />

226<br />

69/2<br />

231/3<br />

45/1<br />

Weg<br />

215<br />

216<br />

217<br />

218<br />

44/1<br />

42/1<br />

32<br />

43/1<br />

69/1<br />

225<br />

41/1<br />

16-18<br />

70/10<br />

Weg<br />

208<br />

207<br />

206<br />

40/1<br />

39/1<br />

209<br />

88/19<br />

6 / 5<br />

O<br />

6 /<br />

/ 5<br />

O<br />

88/18<br />

38/1<br />

34<br />

234<br />

214<br />

210/1<br />

37/1<br />

10<br />

2 8<br />

45 43<br />

35/6<br />

35/5<br />

Brahmsstraße<br />

36/1<br />

77/11<br />

77/12O 6 / 5 6 / 5 / O<br />

235<br />

35/3<br />

36<br />

213<br />

19-21<br />

69/3<br />

212<br />

204<br />

205<br />

Weg<br />

38<br />

203<br />

Texas Road<br />

69/4<br />

77/10<br />

202<br />

177/7<br />

Weg<br />

40<br />

1/27<br />

178/8<br />

211<br />

201<br />

200/1<br />

199/1<br />

26<br />

Weg<br />

22-24<br />

21-29<br />

15<br />

51<br />

233<br />

17<br />

198/1 198/3 198/4<br />

U<br />

25<br />

26<br />

2<br />

Weg<br />

21/13<br />

6/ 5<br />

O / 6<br />

5 /<br />

O<br />

Texas Road<br />

42<br />

B3<br />

27 28<br />

8<br />

4<br />

1<br />

6<br />

22<br />

16<br />

4<br />

3<br />

6<br />

Gluckstraße<br />

Johann-Sebastian-Bach-Straße<br />

21/6<br />

193/1<br />

260<br />

198/5<br />

196/42<br />

34/1<br />

261<br />

32/1<br />

239/1<br />

240/4<br />

Texas Road<br />

255<br />

4<br />

195/54<br />

30/1<br />

262<br />

240/5<br />

240/6<br />

20<br />

21/12<br />

14<br />

29 30<br />

256<br />

2<br />

2<br />

18<br />

239/4<br />

12<br />

Ebersgönser Weg<br />

254<br />

5<br />

8<br />

10<br />

1/28<br />

257<br />

263<br />

4<br />

259<br />

1<br />

136<br />

S<br />

7<br />

253<br />

258<br />

252<br />

3<br />

6<br />

Regerstraße<br />

248<br />

21/11 241/1<br />

1/18<br />

247<br />

2<br />

1/21<br />

1<br />

115<br />

S<br />

74/7<br />

6 / 5<br />

O 6/<br />

/ 5 / O<br />

264<br />

5<br />

113<br />

1/19<br />

Lagerplatz<br />

249 250<br />

246<br />

3d<br />

Wetzlarer Straße<br />

3<br />

4<br />

Schumannstraße<br />

242<br />

163/2<br />

164/2<br />

165/3<br />

251<br />

166/1<br />

1/25<br />

1/17<br />

243<br />

Mehr-<br />

zweck-<br />

S<br />

S<br />

14/5<br />

167/1<br />

U<br />

5<br />

platz<br />

74/14<br />

245<br />

244<br />

168/1<br />

1/20<br />

174/20<br />

140/2<br />

141<br />

74/6<br />

169/1<br />

1/23<br />

1/22<br />

AL<br />

74/10<br />

170/4<br />

74/15<br />

81<br />

S<br />

74/1<br />

1/34<br />

196/41<br />

1<br />

A<br />

AL<br />

8/2<br />

151/2<br />

174/8<br />

Ebersgönser Weg<br />

174/19<br />

1-3<br />

397/2


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 23


24 Bewohner und Nachbarschaft<br />

4.2 Bewohner und Nachbarschaft<br />

Im eigentlichen Fördergebiet leben rund 1912<br />

Einwohner (Stand 2010) in ca. 950 Haushalten.<br />

Die Struktur der Bevölkerung weist dabei einige<br />

Besonderheiten auf und ist verschiedenen<br />

Trends unterworfen.<br />

Bevölkerungsentwicklung<br />

Zunächst soll eine kurze Betrachtung der quantitativen<br />

Entwicklung der Bevölkerung erfolgen.<br />

Ausgehend <strong>von</strong> der gesamtstädtischen Entwicklung<br />

ergibt sich dabei folgendes Bild: Während<br />

die Bevölkerungsentwicklung <strong>Butzbach</strong>s über<br />

Jahrzehnte bis zur Jahrtausendwende <strong>von</strong> kontinuierlichem<br />

Wachstum geprägt war, so gehen<br />

Prognosen für die künftige Entwicklung da<strong>von</strong><br />

aus, dass die Bevölkerungsentwicklung eher<br />

rückläufig verlaufen wird. So hat die Bertelsmannstiftung<br />

2006 errechnet, dass <strong>Butzbach</strong><br />

bis 2025 ca. 1,6% seiner Bevölkerung verlieren<br />

wird. In den Prognosen der Bertelsmannstiftung<br />

folgt dabei <strong>Butzbach</strong> weitgehend dem<br />

hessischen Trend, unterscheidet sich aber <strong>von</strong><br />

den Erwartungen für den Landkreis.<br />

1<br />

Relative Bevölkerungsentwicklung<br />

Prognose im Vergleich zu 2006<br />

<strong>Butzbach</strong> Wetteraukreis (Landkreis) Hessen<br />

Landesamtes zur Wanderung und der natürlichen<br />

Bevölkerungsentwicklung in <strong>Butzbach</strong> in<br />

den Jahren 2006 - 2008:<br />

Personen<br />

100<br />

50<br />

0<br />

-50<br />

-100<br />

-150<br />

-200<br />

-250<br />

-300<br />

Wanderungssaldo und Natürliche<br />

Bevölkerungsbewegung in <strong>Butzbach</strong><br />

Wanderungssaldo<br />

-70<br />

-64<br />

Quelle: HSL (2009), eigene Darstellung<br />

Natürliche Bevölkerungsbewegung<br />

-245<br />

Sowohl 2006 als auch 2007 stellt sich die Entwicklung<br />

dabei deutlich rückläufig dar, nur im<br />

Jahr 2008 konnten die Rückläufe durch Zuwanderung<br />

ausgeglichen werden. Es ist aber<br />

kaum anzunehmen, dass dies eine Trendwende<br />

einläutet. Insgesamt wird die Bevölkerungsentwicklung<br />

in <strong>Butzbach</strong> wie in fast allen bundesdeutschen<br />

Kommunen angesichts einer<br />

niedrigen Fertilitätsrate auch künftig stark <strong>von</strong><br />

einem Sterbeüberschuss geprägt sein. Die Einwohnerzahlen<br />

werden sich daher nur dann halten<br />

oder gar erhöhen, wenn es zu einer starken<br />

Zuwanderung kommt und gleichzeitig Abwanderung<br />

verhindert wird.<br />

62<br />

-45 -38<br />

2006 2007 2008<br />

Jahr<br />

Veränderung in %<br />

0,5<br />

0<br />

-0,5<br />

-1<br />

-1,5<br />

-2<br />

Diese Tendenzen werden sich auch im Degerfeld<br />

widerspiegeln und somit ein Thema mit Handlungsbedarf<br />

darstellen.<br />

-2,5<br />

2005 2010 2015 2020 2025<br />

Jahr<br />

Quelle: Bertelsmannstiftung (2006): Wegweiser Kommune<br />

Der Trend zu einem Ende des Bevölkerungswachstums<br />

in <strong>Butzbach</strong> zeigt sich auch in den<br />

aktuellen Zahlen des Hessischen Statistischen<br />

Altersstruktur<br />

Weit stärker noch als die quantitative Entwicklung<br />

der Bevölkerung wird die Zukunft der <strong>Stadt</strong><br />

<strong>Butzbach</strong> und insbesondere des Degerfelds<br />

<strong>von</strong> der Veränderung der Alterstruktur geprägt<br />

sein.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 25<br />

Auch hier zeigt sich in <strong>Butzbach</strong> ein typisches<br />

Merkmal des demographischen Wandels in ganz<br />

Deutschland, nämlich die Alterung der Gesellschaft.<br />

So geht die Prognose der Bertelsmannstiftung<br />

aus dem Jahr 2006 für die <strong>Butzbach</strong>er<br />

Altersstruktur im Jahr 2025 da<strong>von</strong> aus, dass es<br />

bis dahin in allen Altersgruppen ab 45 Jahre zu<br />

Zuwächsen kommt, während sich alle Altersgruppen<br />

unter 45 Jahren rückläufig entwickeln.<br />

Diese Entwicklung hin zu einem höheren Anteil<br />

älterer Menschen an der Bevölkerung wird<br />

im Degerfeld gewissermaßen bereits vorweggenommen.<br />

Vergleicht man die aktuelle Altersstruktur<br />

im Degerfeld mit jener der gesamtstädtischen<br />

Bevölkerung, zeigt sich, dass<br />

überdurchschnittlich viele ältere Menschen im<br />

Degerfeld wohnen: Der Anteil an älteren Personen<br />

ab 64 Jahren liegt im Degerfeld bei 26%,<br />

während in der Gesamtstadt der Anteil der<br />

über 65-jährigen (wie auch im hessischen<br />

Durchschnitt) bei 20% liegt.<br />

Von großem Interesse für die weitere Entwicklung<br />

ist hierbei vor allem, dass es in<br />

den Teilräumen des Degerfelds (vgl. Kapitel<br />

4.1) deutliche Unterschiede in der Altersstrukturverteilung<br />

gibt: So sind insbesondere<br />

in den Gebieten der privaten Mehrund<br />

Einfamilienhäuser (Gebiete 3a, 3b und<br />

3d) im Durchschnitt mehr als 32% der Personen<br />

über 64 Jahre, während es nur sehr<br />

wenige Kinder und Jugendlichen gibt. In einigen<br />

Teilgebieten mit Mehrfamilienhäusern<br />

der BWG (Gebiet 2 und 4) gibt es dagegen<br />

einen überdurchschnittlich hohen Anteil an<br />

Kindern und Jugendlichen.<br />

Altersstruktur <strong>Butzbach</strong> Vergleich 2006 und 2025 (Prognose)<br />

8000<br />

7000<br />

2006 2025<br />

6.904<br />

7.280<br />

6.851<br />

6000<br />

5.590<br />

Einwohner<br />

5000<br />

4000<br />

3000<br />

2000<br />

1000<br />

623 568<br />

672 584<br />

1.037<br />

805<br />

1.820<br />

1.570<br />

1.301 1.435<br />

932<br />

686<br />

4.613<br />

3.596<br />

1.961<br />

1.214<br />

0<br />

0 bis 2-<br />

Jährige<br />

3 bis 5-<br />

Jährige<br />

6 bis 9-<br />

Jährige<br />

10 bis15-<br />

Jährige<br />

16 bis 18-<br />

Jährige<br />

19 bis 24-<br />

Jährige<br />

25 bis 44-<br />

Jährige<br />

45 bis 64-<br />

Jährige<br />

65 bis 79-<br />

Jährige<br />

ab 80-<br />

Jährige<br />

Altersgruppe<br />

Quelle: Bertelsmannstiftung (2006): Wegweiser Kommune, eigene Darstellung


26 Bewohner und Nachbarschaft<br />

Alterstruktur im Degerfeld nach Teilgebieten<br />

0 - 16 Jahre 64 und älter<br />

40%<br />

37%<br />

36%<br />

35%<br />

32%<br />

30%<br />

30%<br />

26%<br />

23%<br />

24%<br />

25%<br />

19%<br />

19%<br />

20%<br />

20%<br />

17%<br />

15%<br />

15%<br />

15%<br />

12%<br />

10%<br />

10%<br />

7%<br />

5%<br />

0%<br />

TG 1 TG 2 TG 3a TG 3b TG 3c TG 3d TG 4 TG 5<br />

Teilgebiet<br />

Quelle: ekom 21 (2010), eigene Darstellung<br />

Betrachtet man die Verteilung des Jugend- und<br />

Altenquotienten in den Teilgebieten ergibt sich<br />

ein ähnliches Bild: Auffällig ist hierbei aber auch,<br />

dass beide Quotienten im Schnitt auf einem insgesamt<br />

recht hohen Niveau liegen. Dies deutet<br />

auf eine relativ kleine Gruppe <strong>von</strong> Personen im<br />

erwerbsfähigen mittleren Alter hin, was sich negativ<br />

auf die zu erwartende Kaufkraft und das<br />

sozioökonomische Potential im Degerfeld auswirkt.<br />

Strategien und Maßnahmen gefunden werden<br />

müssen, um den <strong>Stadt</strong>teil für seine immer<br />

älter werdenden Bewohner attraktiv,<br />

nutzbar und barrierefrei zu gestalten.<br />

Gleichzeitig sollten aber auch Strategien<br />

und Maßnahmen entwickelt werden, wie das<br />

Degerfeld für junge Leute attraktiv gemacht<br />

werden kann, um junge Bewohner im Gebiet<br />

zu halten und den Zuzug neuer junger<br />

Familien anzuregen.<br />

Eine besondere Berücksichtigung der Bedürfnisse<br />

gerade der jüngeren und der älteren Generation<br />

ergibt sich auch aus der Befragung<br />

(vgl. Kapitel 3): So werden dort häufig bessere<br />

Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche gewünscht,<br />

aber auch die Unterstützung älterer<br />

Menschen im Degerfeld.<br />

Geschlecht<br />

Quotient<br />

80<br />

70<br />

60<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

10<br />

0<br />

42<br />

Jugend- und Altersquotient in den einzelnen Teilgebieten im Degerfeld<br />

Jugendquotient: Anzahl unter 24-Jährige<br />

je 100 24- bis unter 64-jährige<br />

61<br />

57<br />

46<br />

16<br />

70<br />

28<br />

61<br />

44 44<br />

Altersquotient: Anzahl 64-jährige und Ältere<br />

je 100 24- bis unter 64-jährige<br />

79<br />

38<br />

63<br />

42<br />

50 51<br />

44<br />

41<br />

TG 1 TG 2 TG 3a TG 3b TG 3c TG 3d TG 4 TG 5 gesamt<br />

Degerfeld<br />

Teilgebiet<br />

Quelle: ekom21 (2010), eigene Berechnung und Darstellung<br />

Aus dem Trend der Altersentwicklung im Gebiet<br />

ergeben sich Konsequenzen für die künftige<br />

Entwicklung:<br />

In <strong>Butzbach</strong> leben fast genauso viele Männer<br />

wie Frauen. Das Verhältnis <strong>von</strong> 1008 Frauen<br />

auf 1000 Männer liegt damit unter dem Durchschnitt<br />

des Wetteraukreises und des Landes<br />

Hessen. Die Werte für das Degerfeld weichen<br />

allerdings stark vom Durchschnitt der Gesamtstadt<br />

ab und lassen auch die regionalen Werte<br />

weit hinter sich.<br />

Anzahl weiblicher Einwohner auf 1000 männliche Einwohner<br />

1200<br />

1147<br />

1150<br />

1100<br />

1034 1042<br />

1050<br />

1008<br />

1000<br />

<br />

Es ist da<strong>von</strong> auszugehen, dass der Altenquotient<br />

insbesondere in den Eigenheimgebieten<br />

noch weiter steigen wird. Die Konsequenz<br />

daraus ist zunächst einmal, dass<br />

950<br />

900<br />

Degerfeld <strong>Butzbach</strong> Wetteraukreis Hessen<br />

Quelle: HSL, ekom21 (2010), eigene Berechnung,<br />

eigene Darstellung


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 27<br />

Ein Grund für den großen Überschuss an weiblichen<br />

Bewohnern im Degerfeld könnte das hohe<br />

Durchschnittsalter im <strong>Stadt</strong>teil im Zusammenhang<br />

mit der höheren Lebenserwartung <strong>von</strong><br />

Frauen sein. Es kann also <strong>von</strong> einer starken<br />

Präsenz weiblicher Senioren ausgegangen werden,<br />

welche im Zuge der Maßnahmenplanung<br />

besonders berücksichtigt werden sollte.<br />

Ausländeranteil<br />

Der Ausländeranteil im Degerfeld beträgt<br />

14,86% und liegt damit nicht nur deutlich über<br />

dem Ausländeranteil der Gesamtstadt <strong>von</strong><br />

8,36%, sondern auch über dem Durchschnitt<br />

des Wetteraukreises und des Landes Hessen.<br />

Ausländeranteil im Degerfeld und in <strong>Butzbach</strong><br />

16%<br />

14,86%<br />

12%<br />

8,36%<br />

8%<br />

4%<br />

Er wird dabei lokal umso stärker wahrgenommen,<br />

weil <strong>Butzbach</strong> und der Wetteraukreis insgesamt<br />

vergleichsweise niedrige Ausländeranteile<br />

ausweisen. In der Mehrzahl der Kommunen<br />

im Gebiet des Planungsverbandes Rhein-Main<br />

ist seit 1987 ein Anstieg der nichtdeutschen<br />

Bevölkerung zu beobachten. Die Kommunen<br />

mit hohen Anteilen nichtdeutscher Bevölkerung<br />

konzentrieren sich allerdings vor allem auf den<br />

Kern der Region Frankfurt, Offenbach und die<br />

v.a. südwestlich angrenzenden Teilräume, etwa<br />

Kelsterbach oder Raunheim mit rund 30%. Im<br />

Gegensatz dazu dominieren im nördlichen Verbandsgebiet<br />

die Mitgliedskommunen, welche<br />

einen weit unterdurchschnittlichen Ausländeranteil<br />

aufweisen.<br />

Ähnlich wie bei der Altersstruktur ergeben sich<br />

auch bezüglich des Ausländeranteils in der<br />

räumlichen Verteilung innerhalb des Degerfelds<br />

starke Unterschiede. So leben in den Teilgebieten<br />

mit einem hohen Anteil an älterer Bevölkerung<br />

(3a, 3b, 3d) kaum ausländische Bewohner,<br />

dagegen liegt ihr Anteil in den Teilgebieten<br />

der Mietwohnungen der BWG teilweise bei über<br />

20%.<br />

Ausländeranteil im Degerfeld<br />

25%<br />

23,8%<br />

20,8%<br />

20%<br />

14,6%<br />

15%<br />

12,8%<br />

10,6%<br />

10%<br />

5,9%<br />

5%<br />

2,9%<br />

2,7%<br />

0%<br />

TG 1 TG 2 TG 3a TG 3b TG 3c TG 3d TG 4 TG 5<br />

Teilgebiet<br />

0%<br />

Degerfeld<br />

<strong>Butzbach</strong><br />

Quelle: ekom 21 (2010), eigene Darstellung<br />

Quelle: ekom 21, HSL (2009/2010), eigene Darstellung<br />

Migrationsbevölkerung<br />

Bei den oben dargestellten Zahlen zum Ausländeranteil<br />

ist zu berücksichtigen, dass nur die<br />

Anteile der Bevölkerung mit einer ausländischen<br />

Nationalität betrachtet wurden. Nicht erfasst<br />

sind somit alle Menschen mit Migrationshintergrund,<br />

die die deutsche Nationalität besitzen,<br />

insbesondere Spätaussiedler, ehemalige Ausländer,<br />

die per Einbürgerung die deutsche Staatsangehörigkeit<br />

erlangt haben oder Kinder <strong>von</strong><br />

Ausländern, die unter den Voraussetzungen des<br />

§ 4 Abs. 3 StAG nach dem Optionsmodell des<br />

neuen Staatsangehörigkeitsrechts ab dem Jah-


28 Bewohner und Nachbarschaft<br />

re 2000 per Geburt (auch) die deutsche Staatsbürgerschaft<br />

erlangt haben. All diese Gruppen<br />

sind zwar keine Ausländer, wohl aber Menschen<br />

mit einem Migrationshintergrund 1 .<br />

Dem Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund<br />

im Degerfeld kann sich genähert werden,<br />

in dem zu den 15% Ausländern auch jene Menschen<br />

betrachtet werden, die eingebürgert wurden<br />

(4%) oder die neben der deutschen noch<br />

eine zweite Staatsbürgerschaft besitzen (23%).<br />

Daraus ergibt sich ein Anteil <strong>von</strong> Menschen mit<br />

einem entsprechenden Migrationshintergrund<br />

<strong>von</strong> 42% 2 .<br />

Bewohner nach Migrationshintergrund<br />

im Gesamtgebiet Degerfeld<br />

Deutsche ohne Migrationshintergrund<br />

Ausländer<br />

doppelte Staatsbürgerschaft<br />

Eingebürgerte<br />

23%<br />

15%<br />

4%<br />

58%<br />

Quelle: ekom21 (2010), eigene Darstellung<br />

Betrachtet man nun die Verteilung der Menschen<br />

mit Migrationshintergrund in den einzelnen<br />

Teilgebieten, so tritt die räumliche Konzentration<br />

noch deutlicher zu Tage: Der Anteil an<br />

Menschen mit Migrationshintergrund reicht dabei<br />

<strong>von</strong> etwa 8% im Teilgebiete 3d bis zu etwa<br />

55% im Teilgebiet 2.<br />

1 Im Mikrozensus 2005 des Statistischen Bundesamtes<br />

wurde die Bevölkerung mit Migrationshintergrund<br />

daher erstmals auch in diesem Sinne<br />

erfasst. Die Definition des Statistischen Bundesamtes<br />

umfasst dabei folgende Gruppen: Alle nach<br />

1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik<br />

Deutschland Zugewanderten sowie alle in Deutschland<br />

geborenen Ausländer und alle in Deutschland<br />

als Deutsche Geborenen mit zumindest einem<br />

zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland<br />

geborenen Elternteil. (Statistisches Bundesamt,<br />

2007).<br />

2 Vollständig ist diese Betrachtung selbstverständlich<br />

auch nicht, denn es fehlen immer noch eine<br />

Reihe <strong>von</strong> Menschen, die nach der o.g. Definition<br />

des Statistischen Bundesamt einen Migrationshintergrund<br />

besitzen, also z.B. Kinder <strong>von</strong> Migranten,<br />

die bei deren Geburt bereits eingebürgert waren.<br />

Dies haben zwar auch einen Migrationshintergrund,<br />

besitzen aber weder eine doppelte Staatsbürgerschaft<br />

noch sind sie eingebürgert worden.<br />

100%<br />

80%<br />

60%<br />

40%<br />

20%<br />

Bevölkerung nach Migrationshintergrund<br />

in den Teilgebieten<br />

Eingebürgerte<br />

doppelte Staatsbürgerschaft<br />

Ausländer<br />

Deutsche ohne Migrationshintergrund<br />

0%<br />

TG 1 TG 2 TG 3a TG 3b TG 3c TG 3d TG 4 TG 5<br />

Teilgebiet<br />

Quelle: ekom21 (2010), eigene Darstellung<br />

In der Betrachtung der Zusammensetzung der<br />

Bevölkerung mit Migrationshintergrund zeigt<br />

sich, dass insbesondere zwei Gruppen eine starke<br />

Bedeutung haben, nämlich türkische bzw.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 29<br />

türkischstämmige Menschen und Zuwanderer<br />

aus der ehemaligen Sowjetunion, insbesondere<br />

Aussiedler. Unter der ausländischen Bevölkerung<br />

stellen Bewohner mit türkischer Nationalität<br />

mit 51% knapp die Hälfte, Menschen aus<br />

GUS-Staaten stellen hier lediglich einen Anteil<br />

<strong>von</strong> 11% 3 . Da jedoch gerade die Aussiedler<br />

überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit<br />

besitzen, ist ihr Anteil an der Bevölkerung mit<br />

Migrationshintergrund wesentlich höher.<br />

die Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion<br />

darstellt.<br />

Dabei zeigen sich auch beim Anteil an Aussiedlern<br />

in der Mieterschaft der BWG wieder deutliche<br />

Unterschiede in den Teilräumen. Betrachtet<br />

man zudem Haushalte statt Einzelpersonen, so<br />

zeigt sich, dass z.B. im Teilgebiet 4 der Anteil an<br />

Aussiedlerhaushalten in den BWG-Beständen<br />

über 40% beträgt.<br />

Tatsächlich machen gerade Aussiedlerfamilien<br />

im Degerfeld einen starken Anteil der Bewohnerschaft<br />

aus. Dies verdeutlicht die Betrachtung<br />

des ethnischen Hintergrunds der Mieter<br />

im Wohnungsbestand der BWG im Degerfeld im<br />

Vergleich der Jahre 1988, 2006 und 2010: Hier<br />

lässt sich einerseits erkennen, dass insgesamt<br />

der Anteil an Mietern mit einem Migrationshintergrund<br />

aus der Türkei oder einem GUS-Staat<br />

zwischen 1988 und 2006 deutlich angestiegen<br />

ist, sich <strong>von</strong> 2006 bis 2010 jedoch leicht rückläufig<br />

darstellt. Gleichzeitig wird deutlich, dass<br />

die stärkste Gruppe unter den Mietern mit Migrationshintergrund<br />

sowohl 2006 als auch 2010<br />

Personen<br />

800<br />

600<br />

400<br />

200<br />

0<br />

Herkunft der Mieter in BWG-Wohnungen<br />

767<br />

1988 2006 2010<br />

495<br />

229<br />

177<br />

102 93<br />

21 25 19<br />

43<br />

k.A.<br />

k.A.<br />

Deutschland GUS/Aussiedler Türkei Sonstige<br />

Quelle: BWG (2010), eigene Darstellung<br />

Anteil Aussiedlerhaushalte in BWG-Teilgebieten<br />

45%<br />

40,8%<br />

30%<br />

28,4%<br />

21,5%<br />

26,3%<br />

24,0%<br />

25,8%<br />

15%<br />

0%<br />

TG 1 TG 2 TG 3c TG 4 TG 5 Total<br />

Quelle: BWG (2010), eigene Darstellung<br />

Altersstruktur und Migration<br />

Betrachtet man die beiden zentralen Themen<br />

in der Bevölkerungsstruktur des Degerfelds,<br />

nämlich Altersstruktur und Migration,<br />

so zeigt sich, dass es hier Überschneidungen<br />

gibt: Es besteht ein deutlicher Unterschied in<br />

der Altersstruktur zwischen Bewohnern mit<br />

und ohne Migrationshintergrund. Die Bevölkerungsteile<br />

mit Migrationshintergrund sind im<br />

Durchschnitt deutlich jünger.<br />

3 Weitere größere Gruppen sind Menschen mit einer<br />

Nationalität aus Staaten des ehemaligen Jugoslawien<br />

mit 10% sowie italienische Staatsbürger mit<br />

7%. Die verbleibenden 21% verteilen sich auf eine<br />

Vielzahl <strong>von</strong> unterschiedlichen Nationen


30 Bewohner und Nachbarschaft<br />

Altersstruktur Personen ohne Migrationshintergrund<br />

im Gesamtgebiet (1099 Personen)<br />

0 - 16 17 - 23 24 - 28 29 - 48 49 - 63 64 und älter<br />

137 (12,47%)<br />

80<br />

Jugend- und Altersquotient der Bewohner<br />

mit und ohne Migrationshintergrund<br />

Jugendquotient: Anzahl unter 24-Jährige je 100 24- bis unter 64-jährige<br />

Altersquotient: Anzahl 64-jährige und Ältere je 100 24- bis unter 64-jährige<br />

76,86<br />

402 (36,58%)<br />

37 (3,37%)<br />

45 (4,09%)<br />

60<br />

56,79<br />

Quotient<br />

40<br />

33,27<br />

211 (19,20%)<br />

20<br />

22,49<br />

267 (24,29%)<br />

0<br />

Bew. mit Migrationshintergrund<br />

Bew. ohne Migrationshintergrund<br />

Quelle: ekom21 (2010), eigene Berechnung, eigene Darstellung<br />

Altersstruktur Personen mit Migrationshintergrund<br />

im Gesamtgebiet (805 Personen)<br />

0 - 16 17 - 23 24 - 28 29 - 48 49 - 63 64 und älter<br />

149 (18,51%<br />

101 (12,55%)<br />

241 (29,94%)<br />

Quelle: ekom21 (2010), eigene Darstellung<br />

157 (19,50%)<br />

98 (12,17%)<br />

59 (7,33%)<br />

Gruppe jüngerer Bewohner mit Migrationshintergrund<br />

gegenüber. Während unter den Kindern<br />

klar diejenigen mit Migrationhintergrund<br />

dominieren, dominieren bei den Senioren klar<br />

jene ohne Migrationshintergrund. Diese Konstellation<br />

<strong>von</strong> „jungen Migranten“ und „alten<br />

Deutschen“ sorgt für ein spezifisches Konfliktpotential,<br />

bei dem sich generative Konflikte zwischen<br />

jung und alt mit interkulturellen Konflikten<br />

überlagern (s.u.).<br />

Einkommen und Arbeitslosigkeit<br />

Auch die Jugend- und Altersquotienten der beiden<br />

Bevölkerungsgruppen unterscheiden sich<br />

eklatant <strong>von</strong>einander. Bei den Bewohnern mit<br />

Migrationshintergrund kommen auf 100 Personen<br />

im Alter zwischen 24 und unter 64 nur 22<br />

Personen über 64 Jahre, während es bei denjenigen<br />

ohne Migrationshintergrund fast 77<br />

sind. Umgekehrt, wenn auch mit nicht ganz so<br />

großen Unterschieden, stellt sich die Situation<br />

beim Jugendquotient dar.<br />

Einer großen Gruppe älterer Personen ohne<br />

Migrationshintergrund steht somit eine große<br />

Durch den hohen Anteil an sozialgebundenen<br />

Wohnungen an den Beständen der BWG (vgl.<br />

Kapitel 4.3) ist das Degerfeld traditionell ein<br />

Quartier mit einem hohen Anteil einkommensschwacher<br />

Haushalte. Dabei ist die <strong>Butzbach</strong>er<br />

Bevölkerung im Schnitt insgesamt ohnehin etwas<br />

weniger einkommensstark als jene der<br />

meisten anderen Mittelzentren des Landkreises,<br />

was sich zum Beispiel an der unterdurchschnittlichen<br />

Realsteueraufbringungskraft je<br />

Einwohner oder an der durchschnittlich geringeren<br />

Kaufkraft zeigt. Das Kaufkraftniveau im<br />

Degerfeld liegt laut einer Wohnungsbedarfsana-


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 31<br />

Realsteueraufbringungskraft je Einwohner<br />

1.200 €<br />

1.104 €<br />

1.000 €<br />

828 €<br />

800 €<br />

666 €<br />

600 €<br />

474 €<br />

400 €<br />

360 € 358 €<br />

200 €<br />

0 €<br />

<strong>Butzbach</strong> Bad Nauheim Friedberg Bad Vilbel Wetteraukreis Hessen<br />

Quelle: HSL (2009), eigene Darstellung<br />

lyse des Insituts empirica <strong>von</strong> 2009 noch einmal<br />

5 bis 10% unter dem Durchschnittsniveau<br />

der <strong>Stadt</strong>. Auch bezüglich des Einkommens ist<br />

zudem da<strong>von</strong> auszugehen, dass es deutliche<br />

teilräumliche Unterschiede gibt, da sich in den<br />

verschiedenen Teilräumen in unterschiedlichem<br />

Maße sozialgebundene Mietwohnungen, freie<br />

Mietwohnungen sowie selbstgenutztes Eigentum<br />

vor allem in Eigenheimen findet.<br />

Auch bezüglich der Arbeitslosenquote stellt sich<br />

die Situation in <strong>Butzbach</strong> etwas negativer dar<br />

als im Umkreis. So lag die Arbeitslosenquote<br />

in <strong>Butzbach</strong> 2009 bei ca. 6,5% (Wetterau<br />

Wirtschaftsförderung 2009), etwas über dem<br />

Durchschnittswert des Wetteraukreises mit<br />

5,2% (Wetterau Wirtschaftsförderung 2009).<br />

Auch im laufenden Jahr 2010 haben sich die<br />

Verhältnisse diesbezüglich kaum geändert, was<br />

für eine schlechte Positionierung <strong>Butzbach</strong>s im<br />

Verhältnis zur Region spricht. Bezüglich der Arbeitslosenzahlen<br />

existieren keine Daten mit Gebietsbezug,<br />

nach Einschätzung der lokalen Akteure<br />

liegt aber auch hier der Wert im Degerfeld<br />

deutlich über dem städtischen Durchschnitt, das<br />

gilt insbesondere für die Arbeitslosigkeit unter<br />

jungen Leuten mit Migrationshintergrund.<br />

Segregation<br />

Bei der Betrachtung der bisherigen Daten zur<br />

Bevölkerung wird deutlich, dass sich im Degerfeld<br />

deutlich Tendenzen einer „Segregation“ der<br />

Bevölkerung zeigen. Unter Segregation versteht<br />

man die ungleiche Verteilung <strong>von</strong> Wohnstandorten<br />

unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen<br />

im <strong>Stadt</strong>raum. Sie kann sich an ganz<br />

vielfältigen Unterscheidungsmerkmalen festmachen<br />

(Konzentration bestimmter Nationalitäten,<br />

bestimmter Einkommensgruppen, bestimmter<br />

Altersgruppen, bestimmter Lebensstilmilieus,<br />

bestimmter Religionen etc.). Dabei sind Segregationen<br />

erstens sehr verbreitet und zweitens<br />

für die meisten Teilräume unproblematisch: Segregation<br />

zeigt sich z.B. auch in hochpreisigen<br />

Lagen, in denen sich Wohnstandorte <strong>von</strong> Besserverdienenden<br />

konzentrieren oder in solchen<br />

Eigenheimgebieten, in denen sich fast ausschließlich<br />

finanziell abgesicherte Familien mit<br />

Kindern finden. Die Tendenz, in der Nachbarschaft<br />

gerne <strong>von</strong> „Seinesgleichen“ umgeben zu<br />

sein, lässt sich allgemein beobachten. Schwierigkeiten<br />

erwachsen aus der Segregation erst<br />

dann, wenn sich in einem städtischen Teilraum<br />

die Wohnstandorte <strong>von</strong> sozial und/oder kulturell<br />

schwach integrierten Bevölkerungsgruppen<br />

konzentrieren.<br />

Wie dargestellt, zeigt sich im Degerfeld eine<br />

ausgeprägte „ethnische Segregation“ bezüglich<br />

der Konzentration <strong>von</strong> Menschen mit Migrationshintergrund<br />

insbesondere in bestimmten<br />

Teilbgebieten und in bestimmten Altersstufen.<br />

Diese alleine ist allerdings noch nicht problematisch.<br />

Problematisch wird die Situation einer<br />

ethnischen Segregation vor allem dann, wenn<br />

sie eng mit einer „sozio-ökonomischen Segregation“<br />

im Quartier verflochten ist, d.h. wenn sich<br />

insgesamt in einem Quartier eine Konzentration


32 Bewohner und Nachbarschaft<br />

<strong>von</strong> einkommensschwachen und bildungsfernen<br />

Bewohnern zeigt. Dann nämlich entsteht die<br />

Situation, dass sozial schlecht integrierte und<br />

bildungsferne Deutsche die Integrationsleistung<br />

für soziale schlecht integrierte und bildungsferne<br />

Migranten erbringen sollen. Diese sind dieser<br />

Aufgabe aber nicht gewachsen, es entwickeln<br />

sich „überforderte Nachbarschaften“. 4 Dabei<br />

wirkt sich insbesondere die Abwanderung sozial<br />

und gesellschaftlich integrierter Migranten<br />

aus dem Gebiet sehr negativ aus. Gerade sie<br />

könnten in der Lage sein, integrative Unterstützungsleistungen<br />

für ihre Landsleute zu leisten<br />

und konfliktmoderierend – und sei es nur als<br />

Dolmetscher - zwischen Bewohnern mit und<br />

ohne Migrationshintergrund zu wirken. Eine<br />

zunehmende Tendenz „überforderter Nachbarschaft“<br />

in der Innenwahrnehmung ebenso wie<br />

ein sich immer mehr verschlechterndes Image<br />

des Gebiets in der Außenwahrnehmung wirken<br />

dabei selbst verstärkend: Wer in einem solchen<br />

Quartier wohnt, möchte nicht zuletzt auch wegen<br />

den Überforderungstendenzen und den damit<br />

verbundenen Spannungen und Konflikten<br />

wegziehen, sobald er es sich leisten kann. Hat<br />

er diesen sozio-ökonomischen Status erreicht<br />

und zieht weg, nimmt er durch seinen Wegzug<br />

wieder etwas Integrationspotential aus dem<br />

Gebiet mit. Sein Platz wird ersetzt durch Neuzuzügler,<br />

die kaum Integrationspotential einbringen,<br />

weil sozial und gesellschaftlich integrierte<br />

Gruppen wegen des schlechten Images des Gebiets<br />

kaum zuziehen.<br />

Die grundsätzliche Ausrichtung sollte sich an<br />

den Empfehlungen zur stadträumlichen Integrationspolitik,<br />

die <strong>von</strong> den Verbundpartnern<br />

4 Vgl. GdW Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen<br />

(Hrsg.) (1998): Überforderte Nachbarschaften.<br />

„Zuwanderer in der <strong>Stadt</strong>“ entwickelt wurden,<br />

orientieren. Dort wird ausgeführt:<br />

„Auch in Deutschland findet eine räumliche<br />

Konzentration <strong>von</strong> Zuwanderern in den Städten<br />

statt und ist letztendlich nicht zu verhindern. Zu<br />

einem gewissen Teil sollte sie auch nicht verhindert<br />

oder behindert werden. Wir müssen uns<br />

<strong>von</strong> der Vorstellung lösen, dass die ‚Mischung’<br />

<strong>von</strong> Zuwanderern und Einheimischen in den<br />

Wohnquartieren der Städte ein handhabbares<br />

Instrument zur Integration der Zuwanderer in<br />

die Aufnahmegesellschaft ist. Freiwillige ethnische<br />

Segregation ist weder zu vermeiden noch<br />

ist sie <strong>von</strong> vornherein schädlich für eine erfolgreiche<br />

Integration <strong>von</strong> Zuwanderern. (…) Auch<br />

wenn wir in den Städten Segregation akzeptieren<br />

müssen: Die Städte müssen darauf hinarbeiten,<br />

dass die räumliche Segregation <strong>von</strong><br />

Zuwanderern – gleich welcher Ursache – nicht<br />

zu deren Ausschluss aus der Gesellschaft führt.<br />

Die örtliche Wohnungsgesellschaft soll die Städte<br />

dabei im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen.<br />

Räumliche Segregation in benachteiligten<br />

und benachteiligenden Quartieren darf<br />

nicht zum Integrationshemmnis werden. Sie zu<br />

akzeptieren darf nicht heißen, Abschottungstendenzen<br />

einzelner Zuwanderungsgruppen zu<br />

dulden“. 5<br />

Es zeigt sich, dass im Degerfeld diese Abwärtsspirale<br />

zwar noch nicht eingesetzt hat, aber<br />

durchaus die Gefahr besteht, dass entsprechende<br />

Entwicklungen zum Tragen kommen.<br />

In den letzten Jahren zeigen sich zunehmend<br />

Tendenzen, dass das Quartier an Attraktivität<br />

als Wohnstandort verliert. So mehren sich bei-<br />

5 Schader Stiftung et al. (2005): Zuwanderer in der<br />

<strong>Stadt</strong>. Empfehlung zur sozialräumlichen Integrationspolitik.<br />

Darmstadt.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 33<br />

spielweise bei der BWG die Wohnungssuchenden,<br />

die den Bezug einer Wohnung im Degerfeld<br />

explizit ausschließen. Hierfür spielen sicherlich<br />

einerseits Prozesse auf dem Wohnungsmarkt<br />

eine Rolle, aber auch eine Imageverschlechterung<br />

des Gebiets. Im Gebiet verbleiben neben<br />

den weniger mobilen älteren Bewohnern zunehmend<br />

auch sozial schwächere Mieter mit und<br />

ohne Migrationshintergrund. Diese sind häufig<br />

auf die günstigen Wohnungen der BWG bzw.<br />

die Sozialwohnungen angewiesen. Umgekehrt<br />

gibt es eine starke Bindung an das Quartier und<br />

eine hohe Identifikation gerade unter den älteren<br />

Bewohnern.<br />

Vor diesem Hintergrund bestehen auch starke<br />

Ängste bezüglich der künftigen Nutzung der<br />

Housing Area. So befürchten einige Einwohner<br />

des Degerfelds, dass sich durch eine Umnutzung<br />

der amerikanischen Bestände als Wohnraum<br />

im Niedrigpreis-Segment die soziale und<br />

ethnische Segregation noch verstärken könnte.<br />

Dementsprechend wird im Degerfeld, aber<br />

auch <strong>von</strong> der Gesamtstadt immer wieder die<br />

Angst vor einer „Ghettobildung“ geäußert. Auch<br />

hierbei wird wieder sichtbar, dass eine Konversion<br />

der Housing Area im Kontext eines Maßnahmenkatalogs<br />

für das Degerfeld entwickelt<br />

werden muss, um einem weiteren Imageverlust<br />

entgegenzuwirken.<br />

Wichtig ist daher, im Rahmen des Programms<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“ und auch im Kontext der Entwicklung<br />

der Housing Area daran zu arbeiten,<br />

das Entstehen <strong>von</strong> „überforderten Nachbarschaften“<br />

zu verhindern. Von Bedeutung sind<br />

hierfür ebenso Aktivitäten, die der Stabilisierung<br />

der bestehenden Bevölkerung dienen, als auch<br />

Aktivitäten, mit denen solide und bildungsnahe<br />

Milieus gehalten bzw. für einen Zuzug gewonnen<br />

werden können.<br />

Nachbarschaftskonflikte<br />

Die geschilderten Segregationstendenzen bezüglich<br />

der Herkunft, des Alters und der sozioökonomischen<br />

Situation schlagen sich auch auf<br />

die Qualität der Nachbarschaft nieder. In den<br />

verschiedenen Untersuchungen hat sich immer<br />

wieder verdeutlicht, dass sich kulturelle und generationsbedingte<br />

Spannungen negativ sowohl<br />

auf das Image als auch auf das Zusammenleben<br />

der Anwohner des Degerfelds auswirken.<br />

Mit der fortschreitenden Überalterung und dem<br />

hohen Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund<br />

ergeben sich mehrere Faktoren, welche<br />

zu Konflikten im Degerfeld führen können:<br />

Durch ethnische Segregationsprozesse innerhalb<br />

des <strong>Stadt</strong>teils und auch innerhalb <strong>von</strong><br />

einzelnen Wohneinheiten ist da<strong>von</strong> auszugehen,<br />

dass Konflikte durch mangelnde Sprachkenntnisse,<br />

eine verhinderte Bereitschaft zum<br />

Nachbarschaftskontakt und durch kulturelle<br />

Unterschiede entstehen können. Verschiedene<br />

kulturelle Bräuche und Verhaltensweisen einzelner<br />

Gruppen führen dabei zu Konflikten in<br />

alltäglichen Situationen, wie z. B. um das Einhalten<br />

der Hausordnung und Verhaltensweisen<br />

im Alltag in den verschiedenen Teilgebieten im<br />

Viertel. So entsteht Raum für Missverständnisse<br />

im täglichen Umgang zwischen den Einwohnern.<br />

Solche Konflikte existieren nicht nur zwischen<br />

deutschen Bewohnern und Migranten, es gibt<br />

auch Konfliktpotenzial zwischen unterschiedlichen<br />

Gruppen mit Migrationshintergrund, etwa<br />

zwischen türkischen Bewohnern und Spätaussiedlern.<br />

Es bestehen gleichzeitig Konflikte zwischen älteren<br />

Bewohnern und Jugendlichen bzw. Kindern,<br />

insbesondere um Themen wie Lautstärke,<br />

Verschmutzung, etc. Gerade die häufige Prä-


34 Bewohner und Nachbarschaft<br />

senz und das Verhalten <strong>von</strong> Jugendlichen im öffentlichen<br />

Raum, verstärkt durch den Umstand,<br />

dass sich im Degerfeld zur Zeit keine ausreichenden<br />

Einrichtungen für Jugendliche befinden<br />

(vgl. Kapitel 4.5 und 4.6), welche als Treffpunkte<br />

und Orte der Kommunikation dienen können,<br />

werden <strong>von</strong> den älteren, vorwiegend deutschen<br />

Mietern als auffällig, störend und häufig als Provokation<br />

empfunden. Konflikte und Barrieren<br />

könnten also zum Teil nicht nur auf Grund <strong>von</strong><br />

kulturellen und sprachlichen Unterschieden entstehen,<br />

sondern auch gleichzeitig <strong>von</strong> Misstrauen<br />

gegenüber der anderen Generation mit anderen<br />

Bedürfnissen genährt werden. Es besteht<br />

die Gefahr, dass sich beide Konflikte, kombiniert<br />

mit den Problemen, die aus sozioökonomischen<br />

Ungleichheiten entstehen, gegenseitig verstärken.<br />

In der Praxis vermischen sich häufig verschiedene<br />

Konfliktlinien: So sind die älteren Bewohner<br />

zum großen Teil Deutsche und viele wohnen<br />

schon seit langer Zeit im Viertel. Dies gilt für die<br />

älteren Bewohner der Eigenheime, aber auch<br />

der Mietwohnungen der BWG. Bei den jüngeren<br />

Bewohnern hingegen ist der Anteil an Personen<br />

mit Migrationshintergrund sehr hoch. In<br />

diesem Kontext überschneiden sich dann Konflikte<br />

zwischen den Generationen mit interkulturellen<br />

Konflikten und zudem noch mit sozialen<br />

Konflikten: Obwohl die Anzahl der vorrangig als<br />

problematisch empfundenen Jugendlichen nicht<br />

sehr groß ist, wirkt ihre Präsenz für ältere Mieter<br />

häufig als sichtbares Zeichen eines vermeintlichen<br />

„Niedergangs“ des Wohngebiets. Gerade<br />

die frühen Bezieher sind zu einem Zeitpunkt in<br />

das Degerfeld gezogen, als die Wohnungen gerade<br />

neu gebaut worden sind und somit zu dieser<br />

Zeit einen hohen Wohnstandard und damit<br />

auch ein sozialstrukturell solides Umfeld boten.<br />

Teilweise werden die Nachbarschaftsbeziehungen<br />

jedoch nicht einmal mehr durch Konflikte<br />

bestimmt – die immerhin noch eine Form der<br />

Auseinandersetzung darstellen würden – sondern<br />

vielmehr durch die gegenseitige Abschottung<br />

verschiedener Gruppen <strong>von</strong>einander. Hier<br />

gibt es zum Teil gar keine Berührungspunkte<br />

mehr, nicht einmal mehr konflikthafte, man<br />

bleibt vielmehr unter sich und lebt „nebeneinander<br />

her“. Dieses Abschottung hat einen<br />

selbstverstärkenden Effekt: Durch die begrenzte<br />

Kommunikation entstehen Missverständnisse<br />

und Misstrauen. Die einzelnen ethnischen<br />

Gruppen verschließen sich deshalb erst recht,<br />

um Konflikte zu vermeiden. In diesem Prozess<br />

der Abschottung wirken Sprachprobleme verstärkend,<br />

sie sind aber nicht der einzige oder<br />

zentrale Grund für die Isolierung, sondern hier<br />

spielt vielmehr auch der Wunsch eine Rolle,<br />

sich unter „Seinesgleichen“ auf kulturell gesichertem<br />

Terrain zu bewegen. Der starke Bezug<br />

auf die eigene „Community“ schafft ein Stück<br />

vertraute Umgebung in der Fremde und bietet<br />

Unterstützungsleistungen in vielerlei Hinsicht.<br />

Eine Reduzierung auf den Bezug zur eigenen<br />

Gruppe lässt sich im Gebiet insbesondere bei<br />

einigen Aussiedlerfamilien feststellen.<br />

Die hohe Bedeutung nachbarschaftlicher Themen<br />

zeigt sich dann auch in den Ergebnissen<br />

der Befragung (vgl. Kapitel 3). Zwar werden<br />

die nachbarschaftlichen Verhältnisse <strong>von</strong> 52%<br />

der Teilnehmer positiv beurteilt und nur <strong>von</strong><br />

12% der Teilnehmer als weniger positiv eingeschätzt,<br />

besonders Anwohner der Teilgebiete 1<br />

und 2 sind weniger zufrieden. Allerdings zeigen<br />

sich bei den dargestellten Wünschen, wo die<br />

Mankos gesehen werden: So wird bei 76% der<br />

Antworten ein größeres Engagement <strong>von</strong> Seiten<br />

der <strong>Stadt</strong> gewünscht, um das Zusammenleben<br />

zwischen Deutschen und Ausländern zu fördern.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

35<br />

Zudem sagen 69% der Teilnehmer, dass ihnen<br />

ein Engagement <strong>von</strong> Seiten der Gemeinde zur<br />

Förderung der Gemeinschaft wichtig oder sehr<br />

wichtig sei. Und 59% halten die Entwicklung eines<br />

Quartierstreffs für wichtig oder sehr wichtig.<br />

Der starke Wunsch gerade nach der Schaffung<br />

<strong>von</strong> Möglichkeiten zur nachbarschaftlichen<br />

Begegnung und Kommunikation, z.B. in einem<br />

Quartierszentrum oder auch im öffentlichen<br />

Raum (vgl. Kapitel Kapitel 4.5 und 4.6), spielt<br />

auch in den Diskussionen der <strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

immer wieder eine Rolle.<br />

Stärken und Schwächen<br />

Stärken<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Relativ geringer Anteil an Personen im<br />

erwerbsfähigen Alter<br />

Konzentration <strong>von</strong> Migranten, vor allem in<br />

Teilbgebieten, kann Integrationsbemühungen<br />

erschweren<br />

Starke Unterschiede der Teilbgebiete<br />

bezüglich der sozialen Lagen<br />

Konflikte zwischen älteren Bewohnern<br />

und Jugendlichen bzw. Kindern<br />

Konflikte zwischen deutschen Bewohnern<br />

und Migranten<br />

Probleme durch Vorurteile, Sprachbarrieren<br />

und ungenügende Kenntnisse anderer<br />

Kulturen<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Internationalität als Chance für<br />

kulturelle Vielfalt<br />

Hoher Anteil an alteingessener Bevölkerung<br />

mit starker Ortsgebundenheit in Teilgebieten<br />

Hoher Anteil an Kindern und Jugendlichen<br />

Junge Migranten in bestimmten<br />

Teilgebieten<br />

Sozioökonomische Stabilisierung des<br />

Gebietes durch Eigenheimanteile<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Überschneiden <strong>von</strong> Konflikten zwischen<br />

den Generationen mit interkulturellen<br />

und sozialen Konflikten<br />

Tendenzen zu Imageverlust und Segregation<br />

vor allem in Teilbgebieten, Gefahr der<br />

Stigmatisierung<br />

Es fehlen Gelegenheiten und Orte der Begegnung<br />

und der Kommunikation<br />

Keine gezielte Attraktivierung des<br />

Gebietes für junge Familien<br />

(Projekt „junge Familien“)<br />

Schwächen<br />

<br />

<br />

Kein weiteres Bevölkerungswachstum<br />

zu erwarten<br />

Hoher Anteil an älteren Menschen, insbesondere<br />

in den Eigenheimbeständen,<br />

erhöht Anforderungen an die Wohnungsund<br />

Wohnumfeldgestaltung


36 Wohnen<br />

4.3 Wohnen<br />

Wie bereits in Kapitel 4.1 dargestellt wurde,<br />

stellt sich der Wohnungsbestand im Degerfeld<br />

sehr heterogen dar und besteht aus privaten<br />

Ein- und Mehrfamilienhäusern, Hochhäusern,<br />

Mehrfamilienmietshäusern und im betrachteten<br />

Teil der Housing Area aus Wohnriegeln, die bei<br />

entsprechender Planung für dieses Viertel eine<br />

vielseitige Nutzung ermöglichen könnten.<br />

Die <strong>Butzbach</strong>er Wohnungsgesellschaft (BWG)<br />

hält rund 600 Wohnungen im Degerfeld, <strong>von</strong><br />

denen die große Mehrzahl dem sozialen Wohnungsbau<br />

zugehörig ist. Damit besitzt die BWG<br />

den Großteil des Wohnungsbestandes im Deger-<br />

1 Mehrfamilienhäuser /BWG<br />

und andere Vermieter<br />

2<br />

3<br />

2<br />

1<br />

1<br />

2<br />

2<br />

2<br />

1<br />

4<br />

2 Private Ein- und<br />

Mehrfamilienhäuser<br />

4 Wohnriegel (Housing Area)<br />

3 Hochhäuser der BWG


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 37<br />

feld. Die Wohnungsgrößen variieren in diesen<br />

Gebäuden etwa zwischen 39 und 100 m². Ein<br />

typischer Grundrisstyp in Gebäuden der BWG<br />

ist der Dreispänner mit jeweils zwei 3-Zimmer-<br />

Wohnungen und einer 2-Zimmer-Wohnung.<br />

Hinzu kommen im Degerfeld rund 260 weitere<br />

Wohnungen in Geschosswohnungsbauten anderer<br />

Anbieter und rund 150 Ein- und Zweifamilienhäusern.<br />

Insgesamt finden sich im Degerfeld<br />

rund 950 Wohneinheiten.


38 Wohnen<br />

Bezüglich des Wohnens im Degerfeld zeigen die<br />

Ergebnisse der Befragung (vgl. Kapitel 3) einen<br />

erfreulich hohen Bleibewillen: 95% der Eigentümer<br />

und 83% der Mieter leben länger als 5<br />

Jahre im Degerfeld und haben nicht die Absicht<br />

wegzuziehen (77%) oder ihr Haus zu verkaufen<br />

(83%). Auch sind immerhin 12% sehr zufrieden<br />

mit der Wohnqualität und 34% zufrieden, nur<br />

10% sind weniger zufrieden und 4% sehr unzufrieden.<br />

Dieses Ergebnis reflektiert zum einen<br />

die Mischung der Baumasse und der Miet- bzw.<br />

Eigentumsverhältnisse, zum anderen steht zu<br />

befürchten, dass sich für die Zukunft die Situation<br />

ändern könnte. Insbesondere in den Teilgebieten<br />

1 und 2 sind schon jetzt Wegzugsabsichten<br />

zu vermerken und dies vor allem bei<br />

Bewohnern, die weniger als 5 Jahre im Degerfeld<br />

leben.<br />

„Ist ein Umzug in naher Zukunft geplant?“<br />

keine<br />

Angabe<br />

5%<br />

ja<br />

12%<br />

zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben<br />

(BImA) als Eigentümerin des Areals und<br />

der <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> wird derzeit da<strong>von</strong> ausgegangen,<br />

dass in der weiteren Entwicklung rund<br />

35% - 50% der Wohnungen in der Housing Area<br />

erhalten werden. Das heißt, dass möglicherweise<br />

bis zu 350 Wohnungen im Areal zivil nachgenutzt<br />

und somit auf dem lokalen Wohnungsmarkt<br />

wirksam werden. Gleichzeitig ist der<br />

<strong>Butzbach</strong>er Markt speziell für Mietwohnungen<br />

im Geschosswohnungsbau begrenzt. Das Institut<br />

Empirica geht in einer Wohnbedarfsanalyse<br />

vom September 2009, die im Auftrag der BIMA<br />

erarbeitet wurde, da<strong>von</strong> aus, dass bis 2020 in<br />

<strong>Butzbach</strong> lediglich eine zusätzliche Nachfrage<br />

nach rund 330 Geschosswohnungen wirksam<br />

wird. Legt man diese Prognose zu Grunde, so<br />

wäre bei einem Erhalt und einer Weiternutzung<br />

<strong>von</strong> 50% des Bestands der Housing Area bereits<br />

bis 2020 der gesamte Wohnungsbedarf im<br />

Geschosswohnungsbau gedeckt. In der Zukunft<br />

könnte sich somit eine direkte Konkurrenz zwischen<br />

frei werdenden Wohnungen im Degerfeld<br />

und Wohnungen in der Housing Area ergeben.<br />

nein<br />

83%<br />

Hinzu kommt eine zweite Herausforderung, die<br />

sich für den Mietwohnungsmarkt im Geschoßwohnungsbau<br />

durch eine zunehmende Ausdifferenzierung<br />

der Nachfrage ergibt. Hier lassen<br />

sich auch in <strong>Butzbach</strong> verschiedene allgemeine<br />

Trends in der Wohnungswirtschaft erkennen:<br />

Quelle: eigene Befragung (2010)<br />

Gerade die Bestände der BWG stehen künftig<br />

vor zwei großen Herausforderungen:<br />

Die erste große Herausforderung für die künftige<br />

Entwicklung des Geschoßwohnungsbaus im<br />

Degerfeld ergibt sich aus der Konversion der<br />

benachbarten Housing Area. In den Gesprächen<br />

<br />

Eine deutliche Verschiebung in der künftigen<br />

Nachfrage ergibt sich zunächst bezüglich<br />

der eigentumsrechtlichen Struktur des<br />

Wohnens. Weiterhin steigende Nachfrageanteile<br />

finden sich vor allem im Segment der<br />

selbst genutzten Eigentumswohnungen und<br />

Häuser. So geht die Wohnbedarfsanalyse<br />

des Insituts Empirica da<strong>von</strong> aus, dass sich<br />

der größte Teil des zusätzlichen Wohnungs-


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 39<br />

<br />

<br />

<br />

bedarfs in <strong>Butzbach</strong> in der Zukunft auf das<br />

Ein- und Zweifamilienhaussegment konzentrieren<br />

wird: Hier ist damit zu rechnen, dass<br />

in der Phase <strong>von</strong> 2006 bis 2020 mehr als<br />

700 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern<br />

nachfragewirksam werden.<br />

Eine Herausforderung für die Wohnungswirtschaft<br />

ergibt sich zudem aus der Veränderung<br />

der Altersstruktur der Bevölkerung.<br />

Mit der Zunahme des Anteils <strong>von</strong> Senioren<br />

an der Bevölkerung steigt die Nachfrage<br />

nach altengerechtem Wohnen, z.B. betreutem<br />

Wohnen, Wohnen mit bestimmten<br />

Serviceangeboten, aber auch bestimmten<br />

Wohnformen wie Altenwohngemeinschaften,<br />

Mehrgenerationenhaushalten o.ä.<br />

Die Internationalisierung der Gesellschaft<br />

und die kulturelle Differenzierung der Bevölkerung<br />

durch Zuzüge führen zu einem<br />

zunehmenden Bedarf nach Wohnraum, der<br />

den spezifischen Anforderungen <strong>von</strong> Migranten<br />

bzw. Menschen mit Migrationshintergrund<br />

entspricht. Da ausländische Haushalte<br />

bisher auf dem Wohnungsmarkt klar<br />

benachteiligt sind und insbesondere durchschnittlich<br />

über geringere Wohnflächen und<br />

schlechter ausgestattete Wohnungen verfügen,<br />

besteht hier ein Nachholbedarf.<br />

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für die<br />

Wohnungsnachfrage stellt die gesellschaftliche<br />

Veränderung der Haushaltsstrukturen<br />

dar: Die Kleinfamilie als einst vorherrschende<br />

Haushaltsstruktur verliert zunehmend an<br />

statistischer Dominanz. Die steigende Zahl<br />

„neuer Haushalte“ und v.a. <strong>von</strong> Einpersonenhaushalten<br />

führt zur verstärkten Nachfrage<br />

nach kleineren Wohnungen. Nach Untersuchungen<br />

<strong>von</strong> Empirica werden in <strong>Butzbach</strong><br />

Mietwohnungen insbesondere als kleinere<br />

Einheiten unter 65m 2 Wohnfläche für<br />

Ein- und Zwei-Personen-Haushalte auf dem<br />

freien Wohnungsmarkt nachgefragt. Größere<br />

Mietwohnungen (ab 80m² Wohnfläche)<br />

werden auf dem freien Wohnungsmarkt in<br />

geringerem Umfang nachgefragt - hier ist<br />

zu vermuten, dass die BWG die sehr preissensible<br />

Nachfrage u.a. <strong>von</strong> Familien auf<br />

ihren preisgebundenen und sehr günstigen<br />

Bestand konzentriert.<br />

Im Zuge der gesellschaftlichen Individualisierung<br />

und Pluralisierung <strong>von</strong> Lebensstilen<br />

kann zudem immer weniger <strong>von</strong> einer Abfolge<br />

verschiedener Familienzyklen ausgegangen<br />

werden. Aus dieser Dynamisierung<br />

<strong>von</strong> Lebens- und Wohnbiographien ergibt<br />

sich ein steigender Bedarf nach flexiblen<br />

Wohnstrukturen, die veränderten Lebensbedingungen<br />

angepasst werden können.<br />

Aus der Ausdifferenzierung der Bevölkerung<br />

in verschiedene Lebensstilmilieus, die<br />

nur bedingt mit den Zugehörigkeiten zu<br />

Altersgruppen und sozialen Schichten korrespondieren,<br />

ergibt sich schließlich eine<br />

zunehmende Ausdifferenzierung der Wohnorientierungen<br />

und Nachfragen etwa bezüglich<br />

der Lage <strong>von</strong> Wohnstandorten oder der<br />

Objektgestalt. Die Anbieter <strong>von</strong> Wohnraum<br />

müssen sich also künftig im Vorfeld eines<br />

Projektes Klarheit über die Fragen verschaffen:<br />

Für welches Milieu soll der Wohnraum<br />

gestaltet werden? Welche Präferenzen sind<br />

für das Milieu wichtig? Und welche Milieus<br />

schreckt man genau durch die Berücksichtigung<br />

dieser Präferenzen ab?<br />

Insgesamt ist zu erwarten, dass sich der <strong>Butzbach</strong>er<br />

Wohnungsmarkt immer mehr zu einem<br />

Mietermarkt entwickelt, auf dem die Nachfrage<br />

zudem durch eine starke Ausdifferenzierung<br />

geprägt ist. Im Zentrum steht dabei ein Kon-


40 Wohnen<br />

sument, der in seiner Wohnstandortwahl einerseits<br />

immer mehr Auswahl hat, gleichzeitig aber<br />

auch immer anspruchvoller wird. Die künftige<br />

Herausforderung für die Wohnungswirtschaft<br />

besteht darin, sich dieser veränderten Nachfragestruktur<br />

anzupassen.<br />

Die Bestände der BWG sind <strong>von</strong> dieser Herausforderung<br />

in besonderem Maße betroffen:<br />

stung mit Vorstellbalkonen. Bedarf besteht<br />

zudem nach einer energetischen Sanierung.<br />

Besonders hoher Modernisierungsbedarf besteht<br />

bei ca. 80 Wohneinheiten im Teilgebiet<br />

2, die noch nicht mit Zentralheizung ausgestattet<br />

sind. Das Thema der Modernisierung<br />

wird in der Befragung auch <strong>von</strong> 72% der<br />

Befragungsteilnehmer als sehr wichtig oder<br />

wichtig eingeschätzt.<br />

<br />

<br />

<br />

Der Trend zur Eigentumsbildung und insbesondere<br />

zum Eigenheim schwächt in besonderem<br />

Maße die Marktposition öffentlicher<br />

Wohnungsunternehmen. Derzeit gibt es<br />

zwar noch eine weitgehende Vollvermietung<br />

der BWG-Bestände, aber für die Zukunft<br />

besteht die Gefahr <strong>von</strong> Leerständen, wenn<br />

zunehmend Erstbezieher sterben bzw. die<br />

meist nicht altergerecht ausgestatteten<br />

Wohnungen verlassen.<br />

Aufgrund der Normierung und Standardisierung<br />

der Bestände in Bezug auf die städtebauliche<br />

Form und die Grundrisse ist die<br />

Herausforderung einer Anpassung an zunehmend<br />

ausdifferenzierte Wohnorientierungen<br />

besonders groß. Allerdings bestehen<br />

für bestimmte Segmente auch sehr gute<br />

Chancen auf eine zielgruppengerechte Anpassung<br />

des Bestands, etwa ein Umbau für<br />

seniorengerechtes Wohnen. Denkbar wäre<br />

z.B. die Umstrukturierung <strong>von</strong> Wohnhäusern<br />

zu reinem Seniorenwohnen mit erweiterten<br />

Serviceleistungen oder einer angehängten<br />

Sozialstation, ggf. in Kooperation mit der im<br />

Gebiet vorhandenen AWO-Sozialstation.<br />

Für einen Teil des Wohnungsbestands der<br />

BWG besteht Modernisierungsbedarf. So<br />

sind z.T. die Bäder noch nicht systematisch<br />

saniert worden, z.T. besteht Bedarf nach einem<br />

Fassadenanstrich und nach der Nachrü-<br />

„Wichtigkeit des Engagement der Gemeinde im<br />

Bereich Wohnungsmodernisierung“<br />

Prozent<br />

50<br />

43,4<br />

40<br />

29,3<br />

30<br />

22,1<br />

20<br />

10<br />

5,2<br />

0<br />

sehr wichtig wichtig eher unwichtig keine Angabe<br />

Quelle: eigene Befragung (2010)<br />

Gleichzeitig leben derzeit viele Senioren in<br />

für sie mittlerweile zu groß dimensionierten<br />

Wohnungen, da die einstige Haushaltsgröße<br />

sich mittlerweile verkleinert hat. Das bedeutet,<br />

dass die Mietwohnungen nicht optimal<br />

genutzt werden und so wertvoller Mietraum<br />

fehlt, der jungen Familien zu Gute kommen<br />

könnte. In einzelnen Fällen hat die BWG<br />

daher bereits den Umzug <strong>von</strong> Senioren in<br />

kleinere Wohnungen und die Weitervermietung<br />

der größeren Wohnungen an Familien<br />

arrangiert und gefördert.<br />

Schließlich besteht die Gefahr, dass die Ausdifferenzierung<br />

der Nachfrage, aber auch<br />

des Angebotes an Wohnraum zu einer zu-


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 41<br />

nehmenden Entmischung der relativ unflexiblen<br />

Bestände der BWG führen. Trotz der<br />

perspektivischen Abnahme der Nachfrage<br />

auf dem Wohnungsmarkt wird es auch<br />

künftig weiterhin Versorgungsengpässe für<br />

bestimmte einkommensschwache oder problemkumulierte<br />

Bevölkerungsgruppen geben.<br />

Die zunehmende Wahlfreiheit und Mobilität<br />

des Konsumenten könnte hier dazu<br />

führen, dass in den BWG-Beständen im Degerfeld<br />

vor allem jene verbleiben, die sich<br />

die vielfältigen Angebote andernorts nicht<br />

leisten können. Es besteht die bereits unter<br />

Kapitel 4.2 geschilderte Gefahr der Herausbildung<br />

„überforderter Nachbarschaften“.<br />

Insgesamt besteht daher nicht nur Bedarf nach<br />

Bestandsanpassung an neue Standards (insbesondere<br />

bezüglich der energetischen Effizienz)<br />

und Nachfragen (z.B. seniorengerechtes Wohnen,<br />

kleinere Wohnungen), sondern wichtig ist<br />

auch, das eigene Selbstverständnis als öffentliches<br />

Wohnungsunternehmen neu zu definieren.<br />

Standen in Zeiten der Wohnungsknappheit die<br />

gerechte Vergabe und Verwaltung <strong>von</strong> Wohnungen<br />

im Zentrum, so ist es nun die gezielte Pflege<br />

der bestehenden Mieterschaft, die zielgruppengerechte<br />

Vermarktung und Bewerbung der<br />

Bestände, die Herausbildung und Schaffung <strong>von</strong><br />

Alleinstellungsmerkmalen und die Realisierung<br />

<strong>von</strong> Projekte, die sich <strong>von</strong> Standardangeboten<br />

abheben. Dabei muss auch die Gratwanderung<br />

bewältigt werden, dem Auftrag zur Versorgung<br />

auch einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen<br />

mit Wohnraum gerecht zu werden,<br />

aber gleichzeitig der Herausbildung überforderter<br />

Nachbarschaften entgegenzuwirken.<br />

Allerdings sind <strong>von</strong> den künftigen Herausforderungen<br />

des Wohnungsmarkts im Gebiet nicht<br />

nur die Bestände der BWG betroffen, sondern<br />

perspektivisch ebenso die Ein- bis Zweifamilienhäuser:<br />

Schon jetzt werden gerade die Eigenheime<br />

häufig <strong>von</strong> Alleinstehenden bewohnt. In<br />

den Teilgebieten, die durch Eigenheime charakterisiert<br />

sind, stellt sich bereits jetzt die Frage,<br />

wie eine künftige Entwicklung aussehen wird.<br />

Im Verlauf der nächsten 20 Jahre ist hier mit<br />

zunehmenden Sterbeverlusten zu rechnen. Wie<br />

das Ergebnis der Befragung verdeutlicht hat, ist<br />

es sehr fraglich, ob die Erbengeneration die privaten<br />

Häuser selbst bewohnen wird. Angesichts<br />

der immer stärker werdenden Anforderungen<br />

an die berufliche Mobilität sowie angesichts der<br />

Qualität der Bestände, die häufig in ihrem technischen<br />

Zustand (z.B. Wärmedämmung), aber<br />

auch ihrer Ästhetik nicht mehr den aktuellen<br />

Ansprüchen entsprechen, wird ein beträchtlicher<br />

Teil dieser Bestände nach dem Tod der<br />

jetzigen Bewohner nicht <strong>von</strong> den Erben selbst<br />

genutzt werden, sondern dem Markt zufließen.<br />

Dabei besteht insbesondere die Gefahr, dass<br />

nicht alle Häuser wieder genutzt werden (Leerstände)<br />

bzw. nur einen sehr niedrigen Kaufoder<br />

Mietpreis erzielen, was sich wiederum auf<br />

die Sozialstruktur im Viertel auswirken wird.<br />

Insgesamt sollten also den künftigen Herausforderungen<br />

des Wohnungsmarktes in enger<br />

Abstimmung der Akteure begegnet werden.<br />

Wünschenswert wäre insbesondere eine enge<br />

Kooperation der BWG mit einem künftigen Investor<br />

im Areal der Housing Area. Idealerweise<br />

könnte hier eine gemeinsames, kooperatives<br />

Portfoliomanagement entwickelt und erprobt<br />

werden, z.B.<br />

gemeinsames Entdecken und Aufnehmen<br />

neuer Trends durch gemeinsame lokale<br />

Wohnungsmarktbeobachtung ,<br />

gemeinsame Zielgruppenprofilierung und<br />

bessere Befriedigung <strong>von</strong> differenzierten


42 Wohnen<br />

Kundenwünschen durch das größere Port-<br />

<br />

Hoher Bleibewille<br />

folio,<br />

<br />

Strukturelle Möglichkeiten, existierende<br />

<br />

gemeinsame Hebung <strong>von</strong> Effizienzpoten-<br />

Wohneinheiten an eine älter werdende<br />

zialen, Optimierung bei der Belegung <strong>von</strong><br />

Bevölkerung anzupassen<br />

<br />

Wohnungen (z.B. Hilfen beim Umzug <strong>von</strong><br />

Senioren aus zu großen Wohnungen) ,<br />

gemeinsames Lebenszyklusmanagement,<br />

um Kosten für Erstellung, Betrieb, Instandhaltung,<br />

Modernisierung, Umnutzung, Rückbau,<br />

Recycling zu minimieren, Optimierung<br />

<br />

<br />

<br />

Große Wohnungen<br />

Großer Bestandteil an<br />

Privatwohnungen/ -häusern<br />

Attrative Lage am Waldrand,<br />

viel Abstandsgrün, Ruhe<br />

der Aufwendungen für technische und soziale<br />

Infrastruktur,<br />

<br />

Günstiger Wohnraum<br />

gemeinsame Kommunikation mit den Kunden,<br />

gemeinsame Strukturen und Aktionen<br />

der Mieterbeteiligung und –partizipation,<br />

gemeinsame Schaffung <strong>von</strong> Netzwerken mit<br />

Dritten für lokale Partnerschaften im Quartier<br />

und die Einbeziehung bürgerschaftlichen<br />

Engagements,<br />

Koordination der Akquisition des Einsatzes<br />

<strong>von</strong> Fördermitteln (z.B. Wohnraumförderung,<br />

Städtebauförderung, insbesondere<br />

Mittel aus dem Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“),<br />

gemeinsame Imagekampagne und Öffentlichkeitsarbeit.<br />

Eine Abstimmung sollte aber auch mit den „kleinen“<br />

Akteuren des Wohnungsmarktes aus dem<br />

Bereich der Ein- bis Zweifamilienhäuser erfolgen.<br />

Hier sollte eine gemeinsame Strategie im<br />

Sinne eines Wohnraumentwicklungskonzepts<br />

erfolgen.<br />

Stärken und Schwächen<br />

Schwächen<br />

Perspektivisch ist Überangebot <strong>von</strong> Wohneinheiten<br />

zu erwarten, vor allen Dingen mit<br />

der Freigabe der Housing Area<br />

Baulicher und energetischer Sanierungsbedarf<br />

insbesondere bei einem Teil der BWG-<br />

Bestände<br />

Wohneinheiten z.T. nicht mehr<br />

marktgerecht<br />

Es fehlen alten- und behindertengerechte<br />

Wohnungen<br />

Zuteilungsprozess der Wohnungen fördert<br />

möglicherweise Segregation<br />

Image erschwert sozioökonomische<br />

Mischung<br />

Drohender Wertverlust bei Verkauf <strong>von</strong><br />

Eigenheimbeständen<br />

Wohnen ist bisher nicht mit Dienstleistungen<br />

koordiniert (z.B. Wohnen für Senioren<br />

mit gekoppelter Sozialstation)<br />

Stärken<br />

<br />

Kaum Leerstand<br />

<br />

<br />

Kein Stellraum für Fahrräder und kleinere<br />

Motorroller<br />

Unzureichende Müllstandorte


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 43<br />

4.4 Nahversorgung<br />

Eines der zentralen Probleme des Degerfeld besteht<br />

in der Unterversorgung mit Einzelhandel,<br />

Gastronomie und Dienstleistungen.<br />

im Bereich südwestlich des Bahnhofes (Tröster-<br />

Gelände) wird hier künftig noch ein neues Versorgungsangebot<br />

geschaffen. Dennoch entsteht<br />

für das Quartier Degerfeld damit keine direkte<br />

Verbesserung.<br />

Einzelhandel findet sich in <strong>Butzbach</strong> vor allem<br />

im <strong>Stadt</strong>zentrum sowie im östlichen Kernstadtbereich<br />

an der Philipp-Reis-Straße. Aufgrund der<br />

Entfernung sind diese insbesondere für weniger<br />

mobile Bevölkerungsgruppen im Degerfeld nur<br />

schlecht erreichbar. Durch die neue Entwicklung<br />

Im Fördergebiet selbst bestehen bezüglich der<br />

Nahversorgung im Einzelhandel nur wenige<br />

Angebote. Die durch kleine Verkaufsflächen<br />

gezeichneten<br />

Einzelhandelsbetriebe<br />

konzentrieren sich im Degerfeld an zwei<br />

Standorten: Ein EDEKA-Einkaufsmarkt mit einer<br />

Einzelhandelsstandorte im Degerfeld


44 Nahversorgung<br />

Verkaufsfläche <strong>von</strong> ca. 256m², am oberen Ende<br />

der Mozartstraße und eine kleine Einkaufzeile<br />

in der Mozart-/Haydnstraße. In Letzterer<br />

befinden sich ein kleiner Lebensmittelladen, der<br />

besonders durch Spätaussiedler frequentiert<br />

wird, eine Bäckerei und ein Tabakladen.<br />

Es existieren zudem eine Bankservicestelle, die<br />

nur morgens geöffnet ist und ansonsten noch<br />

einen Geldautomaten zur Verfügung stellt,<br />

außerdem ein Friseur und ein Nagelstudio.<br />

Die bestehenden Angebote werden eher <strong>von</strong> den<br />

weniger mobilen Bevölkerungsgruppen und <strong>von</strong><br />

Personen ohne die Möglichkeit der Autonutzung,<br />

insbesondere <strong>von</strong> Senioren, genutzt. Somit ist<br />

Fußläufigkeit ein Thema <strong>von</strong> großer Wichtigkeit<br />

und ist, gekoppelt mit Barrierefreiheit, als ein<br />

anzustrebendes Ziel für die Entwicklung <strong>von</strong><br />

einem adäquaten Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot<br />

anzusehen. Gastronomische<br />

Betriebe, etwa ein Café, existieren gar nicht.<br />

Zudem besteht – mit Ausnahme des Ladens mit<br />

einem Angebot für Aussiedler – kein Angebot,<br />

dass die spezifischen Nachfragen <strong>von</strong> bestimmten<br />

Migrantengruppen deckt.<br />

Das Thema der Nahversorgung war dementsprechend<br />

auch in allen Beteiligungsformen<br />

(<strong>Stadt</strong>teilrunden, Arbeitsgruppe, Befragung,<br />

Bürgerforum) <strong>von</strong> großer Bedeutung:<br />

<br />

<br />

So spiegeln die Ergebnisse aus der Bevölkerungsbefragung<br />

zum Thema Einkauf die<br />

Unzufriedenheit mit den existierenden Einkaufsmöglichkeiten<br />

wider (50% unzufrieden<br />

bis sehr unzufrieden). Besonders vermisst<br />

werden gewisse Waren und Dienstleistungen<br />

im Degerfeld, z.B. Apotheke, Ärzte,<br />

Gastronomie, Discounter, Blumengeschäfte<br />

etc. Zudem wurde <strong>von</strong> rd. 80% der Befragungsteilnehmer<br />

dargestellt, dass sie ihre<br />

Einkäufe außerhalb des Gebietes tätigen<br />

müssen.<br />

Nahversorgung war zudem auch mehrfach<br />

ein zentrales Thema der <strong>Stadt</strong>teilrunde und<br />

einer eigenen Arbeitsgruppe (vgl. Kapitel 3<br />

und die Dokumentation der Ergebnisse der<br />

Arbeitsgruppe im Anhang). Auch hier wurde<br />

sich eine vielseitige und zweckmäßige


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 45<br />

Nahversorgung gewünscht, die ein weites<br />

Spektrum <strong>von</strong> Bedürfnissen deckt und u.a.<br />

auch kulturell spezifische Lebensmittelangebote<br />

bietet. Gewünscht wurde auch, dass<br />

die Gemeinde sich für die Schaffung <strong>von</strong><br />

besseren Einkaufsmöglichkeiten engagiert.<br />

Besonders betont wurde dabei die Problematik<br />

der Versorgung für ältere Menschen,<br />

die angesichts der demographischen Entwicklung<br />

(vgl. Kapitel 4.2) zunehmend an<br />

Bedeutung gewinnt. Auch das Fehlen einer<br />

Apotheke sowie anderer medizinischer Einrichtungen<br />

(für Blutabnahmen, Medikamente,<br />

Massagen, u.s.w.) und eines Zahnarztes<br />

wurden gerade in diesem Zusammenhang<br />

stark problematisiert.<br />

Aufgrund der heutigen Anforderungen an den<br />

Einzelhandel sowie der großen Distanz zur Innenstadt<br />

und anderen Einkaufsmöglichkeiten,<br />

ist die Versorgung insgesamt als unzureichend<br />

zu bewerten. Hinzu kommt, dass auch im nahen<br />

Wohngebiet „Schrenzer“ südlich der Housing<br />

Area eine ausreichende Nahversorgung nicht<br />

gegeben ist. Diese unzureichende Versorgung<br />

der Bevölkerung mit Lebensmitteln besteht<br />

schon seit mehreren Jahren und sollte dringend<br />

verbessert werden. Zudem ist die Schaffung <strong>von</strong><br />

zusätzlichen Angeboten der Nahversorgung <strong>von</strong><br />

großer Bedeutung für die zivile Nachnutzung<br />

der Housing Area: Ein attraktives Einzelhandelsangebot<br />

in möglichst großer Nähe ist hier<br />

ein zentraler Faktor für eine hohe Wohnqualität<br />

und damit für die erfolgreiche Akquisition neuer<br />

Bewohnergruppen für eine Wohnnutzung.<br />

de Nahversorgung bietet. Die Aktivitäten der<br />

<strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> zur Akquisition einer größeren<br />

Einzelhandelseinrichtung im Degerfeld konnten<br />

jedoch bisher nicht zum Erfolg führen. Nach<br />

Aussage des zuständigen Fachamts wurde im<br />

Kontakt mit verschiedenen ansiedlungsinteressierten<br />

Anbietern mit Vollsortiment deutlich,<br />

dass der Betrieb einer solchen Einrichtung aus<br />

Sicht der Unternehmen im Degerfeld nicht interessant<br />

ist. Für einen rentablen Betrieb muss<br />

aus Sicht der Marktakteure neben dem direkten<br />

Einzugsgebiet des Degerfelds, des Schrenzers<br />

und der künftigen Wohnbevölkerung der<br />

Housing Area auch Kundschaft aus anderen<br />

<strong>Stadt</strong>gebieten akquiriert werden. Eine deutliche<br />

Sichtbarkeit <strong>von</strong> der B 3 aus ist somit Voraussetzung<br />

für einen rentablen Betrieb. Ein möglicher<br />

Standort könnte hier das städtische Grundstück<br />

zwischen B 3, Schumannstraße und Ebergönser<br />

Weg darstellen.<br />

Speziell in der <strong>Stadt</strong>teilrunde und der Arbeitsgruppe<br />

wurde aber deutlich, dass ein Nahversorgungszentrum<br />

an der B 3 nur für einige<br />

Bewohner eine Verbesserung der Nahversorgungssituation<br />

bedeutet, nämlich nur für solche<br />

in unmittelbarer Nähe zu diesem Standort bzw.<br />

für mobile Bewohner. Für weniger mobile, insbesondere<br />

ältere Bewohnerinnen und Bewohner<br />

des Degerfelds bedeutet ein Nahversorgungsangebot<br />

an der B 3 jedoch keine Verbesserung.<br />

Von daher sollten unabhängig <strong>von</strong> einem möglichen<br />

Entstehen <strong>von</strong> Einzelhandel an der B 3 im<br />

Rahmen der „Sozialen <strong>Stadt</strong>“ folgende Handlungsschwerpunkte<br />

gesetzt werden:<br />

Hierbei sollte man über die Errichtung eines<br />

neuen Einzelhandels nachdenken, der über eine<br />

größere Verkaufsfläche verfügt und für die Gebiete<br />

Degerfeld, Schrenzer, Heinrich-Schneider-<br />

Siedlung und die Housing Area eine ausreichen-<br />

<br />

Für die weitere Entwicklung des Degerfelds<br />

ist es zum Einen wichtig, auch weiterhin<br />

den bestehenden Einzelhandel im zentralen<br />

Bereich des Degerfelds zu erhalten und<br />

zu optimieren. Neben dem klassischen Ein-


46 Nahversorgung<br />

<br />

zelhandel sollte hier insbesondere versucht<br />

werden, Ärzte und Apotheken zu einer Ansiedlung<br />

zu bewegen.<br />

Zum Anderen sollte intensiv an der Schaffung<br />

alternativer Angebote zur Nahversorgung<br />

im Degerfeld gearbeitet werden, etwa<br />

an der Idee eines Nachbarschaftsladens<br />

oder einer genossenschaftliche Nahversorgung.<br />

Speziell in der Arbeitsgruppe Nahversorgung<br />

wurde hier ein großes Potential<br />

auch in der zukünftigen Mobilisierung<br />

und dem bewussten Berücksichtigung der<br />

Prinzipien der Selbstverantwortung und<br />

Selbstverwirklichung der Anwohner gesehen.<br />

Es wurden dabei Ideen entwickelt, die<br />

kommerziellen Einzelhandelsangebote mit<br />

komplementären Angeboten im zentralen<br />

Bereich des Degerfelds zu ergänzen, welche<br />

insbesondere durch ältere Bewohner in Anspruch<br />

genommen werden könnten. Angesichts<br />

der Zurückhaltung kommerzieller Anbieter<br />

sollten diese Angebote vor allem im<br />

Bereich des Gemeinwesens angesiedelt werden,<br />

z.B. ein Bring- und Holdienst oder ein<br />

<strong>Stadt</strong>teilcafé als nichtinvestive Maßnahmen<br />

im Bereich Nachbarschaftshilfe. Angesichts<br />

dessen, dass aufgrund der Arbeitslosenzahlen<br />

in <strong>Butzbach</strong> ein hoher Handlungsbedarf<br />

zur Schaffung <strong>von</strong> Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen<br />

im Fördergebiet besteht,<br />

könnten solche Projekte auch den Charakter<br />

<strong>von</strong> Trainings – und Qualifikationsmaßnahmen<br />

haben. Ebenso könnte im Kontext<br />

solcher Projekte auch das Miteinander der<br />

verschiedenen Generationen im Degerfeld<br />

gefördert werden. So könnten ortsansässige<br />

junge Leute im Rahmen eines sozialen<br />

Projektes als „Einkaufshelfer“ tätig werden<br />

und älteren Menschen ihre Einkäufe nach<br />

Hause bringen, damit diese möglichst lange<br />

alleine/ selbstständig wohnen können.<br />

Um die verschiedenen Ansätze koordinieren zu<br />

können und realistische Perspektiven insbesondere<br />

für die Akquisition kommerzieller Angebote<br />

zu erhalten, sollte hierfür ein Einzelhandelskonzept<br />

spezifisch für den Bereich Degerfeld<br />

erarbeitet werden.<br />

Stärken und Schwächen<br />

Stärken<br />

Existierender lokaler Lebensmittelhandel,<br />

der die Bedürfnisse <strong>von</strong> Anwohnern mit<br />

beschränkter Mobilität deckt<br />

Entwicklung der Housing Area bringt weitere<br />

Kaufkraft mit sich und erhöht die Chance<br />

für die Ansiedlung weiterer Anbieter<br />

Schwächen<br />

Nahversorgungsangebot ist unzureichend,<br />

Einkäufe werden überwiegend außerhalb<br />

des Quartiers getätigt<br />

Lange Wege zu Einzelhandelsangeboten im<br />

<strong>Stadt</strong>zentrum und im östlichen Kernstadtbereich<br />

Grundbedürfnisse sind nicht gedeckt,<br />

z.B. Apotheke, Arzt, Bank, Café<br />

Kein adäquater Einzelhandel in der Laufnähe<br />

insbesondere für ältere Anwohner und<br />

Menschen mit Behinderungen<br />

Wenig spezifisches Angebot für Migranten<br />

Kein Ansiedlungsinteresse <strong>von</strong> kommerziellen<br />

Einzelhandelunternehmen im zentralen<br />

Bereich des Degerfelds<br />

Zukünftiger Bedarf durch die ausstehende<br />

Entwicklung der Housing Area schwer abzuschätzen


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 47<br />

4.5 Gemeinwesen<br />

Unter „Gemeinwesen“ werden hier Aspekte der<br />

sozialen Infrastruktur, der Bildung, der Freizeit<br />

und der Kultur verstanden. Das Thema des Gemeinwesens<br />

hat einen besonderen Stellenwert in<br />

Bezug auf das Degerfeld. Wie bereits im Kapitel<br />

4.2 dargestellt wurde, ist das Profil der Anwohnerschaft<br />

unter verschiedenen Gesichtspunkten<br />

sehr divers und weist zusätzlich auf eine soziale<br />

Problematik mit herausfordernden Tendenzen<br />

hin. Das Handlungsfeld Gemeinwesen ist deshalb<br />

so wichtig, weil es sich mit Prozessen auseinandersetzt,<br />

die auf individueller und kollektiver Basis<br />

durch Identitätsbildung, Selbstbestimmung<br />

und Wissensbildung geprägt sind. Somit wirkt<br />

dieses Handlungsfeld unterstützend für das Prinzip<br />

der Nachhaltigkeit.<br />

Dem Thema Gemeinwesen kommt gerade aufgrund<br />

der Schwerpunkte Qualifizierung und Ausbildung<br />

und damit dem Schaffen <strong>von</strong> Lebensperspektiven<br />

für die Bewohner eine besondere<br />

Bedeutung zu. Ebenfalls <strong>von</strong> großer Wichtigkeit<br />

sind jedoch auch soziale und kulturelle Angebote<br />

und Aktivitäten, durch welche das Gemeinschaftsleben<br />

gefördert werden kann, sowie<br />

Infrastruktur zur Unterstützung <strong>von</strong> älteren Menschen,<br />

Hilfsbedürftigen und anderer Gruppen mit<br />

besonderen Bedürfnissen. Im Degerfeld gibt es<br />

in all diesen Bereichen trotz schon existierender,<br />

positiver Ansätze deutlichen Handlungsbedarf.<br />

Insgesamt gibt es derzeit bereits eine Reihe <strong>von</strong><br />

Einrichtungen des Gemeinwesens, die allerdings<br />

nicht zentral liegen:<br />

Am nördlichen Rand des Degerfelds befindet<br />

sich die Degerfeldgrundschule. Sie hat Kapazitäten,<br />

um weitere Kinder aufzunehmen,<br />

was bei einer Entwicklung des Gebietes und<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

dem Zuzug <strong>von</strong> Familien zu beachten ist.<br />

Neben dem normalen Unterricht bietet die<br />

Schule zahlreiche Zusatzangebote an (z.B.<br />

Arbeitsgruppen, Sprachkurse für ausländische<br />

Kinder, nachmittägliches Förderprogramm<br />

mit Mittagsessen).<br />

Weitere Schulen im näheren Umfeld des<br />

Untersuchungsgebiets sind das Weidig-<br />

Gymnasium, die Schrenzerschule sowie die<br />

Berufs- und Technikschule <strong>Butzbach</strong>.<br />

Das Kinderhaus „Pusteblume“ in direkter<br />

Nachbarschaft zur Degerfeldgrundschule<br />

bietet sowohl Kindergartenplätze für 3<br />

bis 5-Jährige als auch Hortplätze für 5 bis<br />

12-Jährige.<br />

Das dort schon bestehende Projekt „frühstart“<br />

setzt bei den Punkten Sprachförderung,<br />

interkulturelle Bildung und Elternarbeit<br />

an.<br />

Angebote für Kinder, Jugendliche, Erwachsene<br />

und Senioren bietet das Haus Degerfeld<br />

der evangelischen Gemeinde. Für Senioren<br />

gibt es einen Seniorentreff sowie<br />

sich wiederholende Spielstunden. Darüber<br />

hinaus werden Gottesdienste angeboten.<br />

Für Jugendliche und Kinder wird im Haus<br />

Degerfeld das „Café Kanne“ angeboten. Die<br />

Kirche finanziert hierfür zusammen mit der<br />

<strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> einen Sozialpädagogen.<br />

Ebenfalls im nördlichen Degerfeld findet sich<br />

das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt<br />

(AWO). Die AWO-Sozialstation bietet für ältere<br />

Anwohner insbesondere Angebote zur<br />

Lang- und Kurzzeitzeitpflege, spezielle Betreuungsangebote<br />

für Demenzkranke, die<br />

Vermittlung der Teilnahme am Dementen-<br />

Café, ambulante Leistungen sowie einen offenen<br />

Mittagstisch. Hier könnten Potentiale<br />

vorhanden sein, um z.B. einen erweiterten


48 Gemeinwesen<br />

<br />

Service für mögliches Seniorenwohnen im<br />

Viertel anzubieten.<br />

Weiterhin arbeiten im Degerfeld auch andere<br />

Vereine und Einrichtungen, wie z.B. die<br />

Musikschule <strong>Butzbach</strong> oder die VHS. Von<br />

besonderer Bedeutung sind zudem die Aktivitäten<br />

der Nachbarschaftshilfe <strong>Butzbach</strong>.<br />

<br />

<br />

Ebenso ist darauf hinzuweisen, dass auch<br />

die kleinen Läden im Gebiet, z.B. der EDEKA<br />

-Laden, als Begegnungs- und Kommunikationsstätten<br />

eine gewisse soziale und kulturelle<br />

Funktion erfüllen.<br />

Schließlich hat bereits im Rahmen des Programms<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“ ein lokales <strong>Stadt</strong>-<br />

Infrastruktur<br />

Spielplatz<br />

Reithalle<br />

Einzelhandel<br />

Bank<br />

Schule<br />

Kindergarten<br />

Seniorenzentrum


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 49<br />

teilbüro seine Arbeit aufgenommen, das<br />

künftig Zentrum der <strong>Stadt</strong>teilarbeit und Sitz<br />

des Quartiersmanagements sein soll.<br />

Für die künftige Entwicklung ergeben sich insbesondere<br />

folgende weitere Handlungsfelder:<br />

Kinderbetreuung<br />

In der Befragung schätzen 67,8% der Befragungsteilnehmer<br />

ein Engagement der Gemeinde<br />

für verbesserte Kinderbetreuungsangebote<br />

als wichtig oder sehr wichtig ein. Gewünscht<br />

werden insbesondere zusätzliche Lern- und<br />

Spielangebote für Kinder. In Anbetracht der<br />

Tatsache, dass ein sehr großer Teil der Familien<br />

mit Kindern und Jugendlichen im Degerfeld einen<br />

Migrationshintergrund besitzt und/oder bildungsfernen<br />

Milieus entstammt, werden zudem<br />

Angebote benötigt, die in den Bereichen Erziehungshilfe<br />

fungieren und Unterstützung bei Integrationsbemühungen<br />

leisten können. Gleichzeitig<br />

erfordert die Situation die Schaffung <strong>von</strong><br />

Einstiegsorten zur Teilhabe am sozialen Leben<br />

im Viertel und zur Knüpfung <strong>von</strong> Kontakten.<br />

Unter anderem wurde in der <strong>Stadt</strong>teilrunde der<br />

Vorschlag unterstützt, die Kindertagesstätte zu<br />

erweitern und zu einem Kinder- und Familienzentrum<br />

auszubauen.<br />

Senioren<br />

Im sozialen Bereich wird vor allem eine Verbesserung<br />

der Versorgungssituation für ältere und<br />

behinderte Menschen gefordert. Nur 10% der<br />

Befragungsteilnehmer gaben an, mit der Situation<br />

für Senioren im Degerfeld zufrieden oder<br />

sehr zufrieden zu sein. Angesichts des sehr hohen<br />

Seniorenanteils an der Degerfelder Bevölkerung<br />

(siehe Kapitel 4.1), wiegt es besonders<br />

schwer, dass es keine Apotheke oder sonstige<br />

medizinische Einrichtungen gibt. Auch soziale<br />

Dienste wie Tagespflege oder eine Einkaufshilfe,<br />

die es Senioren ermöglichen, möglichst lange<br />

selbstständig in der eigenen Wohnung zu leben,<br />

sind gewünscht. Hier könnte, ebenso wie bei<br />

der Schaffung <strong>von</strong> speziellen Projekten etwa für<br />

Behinderte, mit der AWO zusammengearbeitet<br />

werden, die schon ein Senioren- und Sozialzentrum<br />

im Degerfeld betreibt. Vorgeschlagen<br />

wurde auch, beim Angebot <strong>von</strong> bestimmten<br />

sozialen Diensten, wie etwa einer Einkaufshilfe,<br />

ortsansässige (jugendliche) Bewohner mit<br />

einzubeziehen und so gleichzeitig neue Qualifizierungsmöglichkeiten<br />

zu schaffen (vgl. Kapitel<br />

4.4). Angesichts der zunehmenden Anzahl an<br />

älteren und hilfsbedürftigen Menschen mit verschiedenen<br />

Migrationshintergründen sollte auch<br />

ein Angebot entwickelt werden, das auf die kulturell<br />

bedingten unterschiedlichen Bedürfnisse,<br />

etwa im Hinblick auf Essgewohnheiten, eingehen<br />

kann.<br />

Behinderte<br />

Für behinderte Menschen gibt es im Degerfeld<br />

momentan wenige Angebote. So gibt es keine<br />

behindertengerechten Spielgeräte, was bei zukünftigen<br />

Aufwertungen der Spielplätze geändert<br />

werden sollte. Spezielle Aktivitäten oder<br />

Kurse für Behinderte oder andere Minderhei-


50 Gemeinwesen<br />

tengruppen könnten etwa in Zusammenarbeit<br />

mit der AWO, dem künftigen Kinder- und Familienzentrum<br />

oder in den Räumlichkeiten eines<br />

Quartierszentrums stattfinden.<br />

Bildungs- und Weiterbildungsangebot<br />

Für ältere Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene<br />

und Senioren ist das vorhandene Bildungs-<br />

und Weiterbildungsangebot im Degerfeld<br />

dürftig, es muss derzeit auf den <strong>Stadt</strong>kern<br />

oder andere <strong>Stadt</strong>teile ausgewichen werden.<br />

Besonders für Jugendliche sollten verschiedene<br />

Qualifizierungs- und Bildungsangebote vor Ort<br />

angeboten werden, diese könnten etwa in ein<br />

künftiges Quartierszentrum integriert werden.<br />

Angebote in einer solchen Einrichtung, die <strong>von</strong><br />

pädagogischen Fachkräften betreut werden sollte,<br />

können gleichzeitig die Funktion einer Kontakt-<br />

und Begegnungsmöglichkeit für Jugendliche<br />

mit verschiedenem kulturellem Hintergrund<br />

sein und dadurch den einzelnen Gruppen ein<br />

Zugehörigkeitsgefühl vermitteln.<br />

zu Bildungsaktivitäten im Degerfeld zu ermöglichen,<br />

wurde z.B. die Einrichtung einer Lesestube<br />

oder eines Bücherkreises vorgeschlagen.<br />

Freizeit- und Kulturangebot<br />

Die Ergebnisse der Haushaltsbefragung zeigen,<br />

dass die große Mehrheit der Teilnehmer das<br />

Freizeitangebot im Degerfeld für unzureichend<br />

hält. So geben 25,3% der Befragungsteilnehmer<br />

an, dass sie mit dem Freizeit- und Kulturangebot<br />

unzufrieden sind. 41,4% sind sogar<br />

sehr unzufrieden.<br />

Zielgruppenspezifische Angebote zur Beratung<br />

und Unterstützung bei der Arbeitssuche wurden<br />

ebenfalls durch die Ergebnisse der Befragung<br />

angeregt. Um auch älteren Menschen Zugang<br />

Nur 3,6% der Teilnehmer zeigen sich mit der<br />

Situation zufrieden oder sehr zufrieden. Hier<br />

besteht also auch ein deutlicher Handlungsbedarf.<br />

<br />

<br />

Gerade eine Verbesserung des Freizeitangebots<br />

für Kinder und Jugendliche wird als<br />

dringend nötig empfunden (71,5% wichtig/<br />

sehr wichtig). So wird z.B. ein eigener Raum<br />

gewünscht, der als Treffpunkt für Jugendliche<br />

dient und für verschiedene Aktivitäten<br />

genutzt werden kann.<br />

Aber auch die fehlenden Freizeitangebote<br />

für ältere Menschen werden bemängelt.<br />

Dies gewinnt gerade vor dem Hintergrund<br />

der demographischen Situation im Degerfeld<br />

mit einem hohen und auch weiterhin


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 51<br />

<br />

<br />

wachsenden Anteil an Senioren an Bedeutung.<br />

Es wäre wünschenswert ein gewisses Kulturangebot<br />

im Degerfeld zu schaffen. Möglichkeiten<br />

hierzu wären Lesestube/ Bücherkreis,<br />

Sprachkurse und sonstige Bildungsaktivitäten.<br />

Dabei stellt die kulturelle Vielfalt der<br />

Degerfelder Bevölkerung ein Potential dar,<br />

womit in vielfältiger Weise gearbeitet werden<br />

könnte. Kulturabende der jeweiligen Bevölkerungsgruppen<br />

beispielsweise könnten<br />

gleichzeitig dazu beitragen, das Misstrauen<br />

gegenüber den anderen Gruppen abzubauen,<br />

während die eigene kulturelle Identität<br />

dennoch gepflegt wird.<br />

Begrenzt ist auch das Sportangebot. Zum<br />

Beispiel sind keine öffentlichen Sportplätze<br />

im Degerfeld vorhanden. Allerdings befinden<br />

sich innerhalb der ehemaligen Housing<br />

Area Kleinsportfelder, die derzeit <strong>von</strong> Jugendlichen<br />

aus der Siedlung genutzt werden,<br />

die aber keine Umkleide- oder Unterstellmöglichkeiten<br />

bieten. Ein weiterer<br />

Bolzplatz befindet sich auf einem kleinen<br />

Platz zwischen den Hochhäusern und der<br />

Degerfeldschule, der extra dafür designiert<br />

wurde. Dieser ist allerdings ohne Tore und<br />

Zuschauerbänke und bietet Spielern keine<br />

Umkleidemöglichkeiten oder Unterstand bei<br />

schlechtem Wetter. Hat es geregnet, wird<br />

dieser Platz schnell unbespielbar. Die Kleinsportfelder<br />

der benachbarten ehemaligen<br />

Housing Area könnten wieder hergestellt<br />

und für umfangreiche Sportangebote, welche<br />

Jugendliche aus dem Degerfeld ansprechen,<br />

genutzt werden. Auf den integrativen<br />

Effekt, den gemeinsame sportliche Aktivitäten<br />

zwischen deutschen und ausländischen<br />

Bewohnern haben können, sei hier besonders<br />

hingewiesen (vgl. Kapitel 4.2).<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Die Möglichkeit für Freizeitaktivitäten darf<br />

sich allerdings nicht nur auf den Außenbereich<br />

beschränken. Derzeit gibt es im<br />

Degerfeld so gut wie keine Angebote zur<br />

sportlichen Freizeitgestaltung innerhalb <strong>von</strong><br />

Gebäuden. Betroffen sind hier gerade auch<br />

ältere und behinderte Bewohner, aus deren<br />

Reihen etwa der Wunsch nach einem Gymnastikraum<br />

vorgetragen wurde.<br />

Ebenfalls ausbaufähig ist die Nutzung des<br />

heute recht trostlos und chaotisch wirkenden<br />

Festwiesenareals als Freizeitstätte. Mittels<br />

einer ansprechenden Grüngestaltung,<br />

welche die Formen des dort befindlichen<br />

alten Römerkastells Hunneburg aufgreift<br />

und erlebbar macht, könnte hier ein Ort für<br />

vielfältige Nutzungen im Bereich Naherholung<br />

und Outdooraktivitäten entstehen, der<br />

gleichzeitig auch als Ausflugsziel für kulturell<br />

Interessierte oder Schulklassen anziehend<br />

ist.<br />

Ein beträchtliches Freizeitpotential ergibt<br />

sich für das Degerfeld aus dessen landschaftlicher<br />

Einbindung. Die unmittelbare<br />

Nähe zum Waldrand und damit dem Erholungsgebiet<br />

des Taunus, welches mit seinen<br />

Wegen zum Wandern, Spazierengehen,<br />

Joggen oder Radfahren einlädt, müsste lediglich<br />

mittels einer besseren Anbindung<br />

durch Rad- und Fußwege mit entsprechender<br />

Beschilderung stärker ins Bewusstsein<br />

der Einwohner gerückt werden.<br />

Insgesamt wäre es wünschenswert, wenn<br />

sich die verschiedenen <strong>Butzbach</strong>er Vereine<br />

und Interessengruppen stärker im Degerfeld<br />

engagieren und vernetzen würden. Auch die<br />

Gründung <strong>von</strong> speziell im Degerfeld beheimateten<br />

Vereinen würde zur Bereicherung<br />

des lokalen öffentlichen Lebens beitragen.


52 Gemeinwesen<br />

Begegnung und Kommunikation<br />

Viele Degerfelder haben ein starkes Bedürfnis<br />

nach einem intensiveren Gemeinschaftsleben,<br />

an dem sich alle Bevölkerungsgruppen beteiligen.<br />

So nennen über 76% der Teilnehmer der<br />

Haushaltsbefragung eine Förderung des Zusammenlebens<br />

zwischen allen Einwohnern,<br />

auch denen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen,<br />

als ein Thema mit wichtiger oder<br />

sehr wichtiger Priorität.<br />

Generell ist die Zusammenarbeit mit den bereits<br />

vorhandenen Institutionen, etwa der Degerfeldschule,<br />

dem Kinderhaus „Pusteblume“,<br />

der Jugendsozialarbeit mit dem „Café Kanne“<br />

oder dem Sozialzentrum/Begegnungsstätte der<br />

AWO <strong>von</strong> Vorteil, um bestehende Strukturen<br />

besser zu nutzen und Neues auf diesem Grundstock<br />

aufzubauen.<br />

Wichtig sind daher Angebote zur Integration<br />

und generationenübergreifende Maßnahmen,<br />

um das Zusammenleben im Degerfeld zu stärken<br />

und weiterer sozialer, altersbedingter und<br />

ethnischer Segregation entgegenzuwirken. Die<br />

bereits erfolgte Eröffnung des <strong>Stadt</strong>teilbüros ist<br />

dabei ein wichtiger Schritt. Ein Quartierszentrum,<br />

in dem den kulturellen Hintergründen ein<br />

Forum zur Repräsentation und Austausch gegeben<br />

wird, könnte hier einen weiteren Beitrag<br />

leisten, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl<br />

und eine Identifikation der Anwohner als Degerfelder<br />

entstehen zu lassen. Ein solches Zentrum<br />

könnte den verschiedenen angedachten<br />

kulturellen Aktivitäten einen festen Ort geben,<br />

in dem Veranstaltungen stattfinden und Vereine<br />

sich niederlassen können. Diese Räumlichkeiten<br />

könnten für <strong>Stadt</strong>teilrunden, Information<br />

und auch für Sprechstunden des Bürgermeisters<br />

oder der BWG genutzt werden. Wichtigste<br />

Funktion des Quartierszentrums ist aber die einer<br />

<strong>von</strong> allen Bevölkerungsteilen akzeptierten<br />

Begegnungsstätte, die als <strong>Stadt</strong>teiltreff ein Ort<br />

der Kommunikation sein soll. Hier wäre insbesondere<br />

der Anlaufpunkt für ein Quartiermanagement<br />

zu verorten.<br />

Stärken und Schwächen<br />

Stärken<br />

Durch vorhandene Strukturen der Degerfeldschule,<br />

der „Pusteblume“, des Café<br />

Kanne, des Sozialzentrums/Begegnungsstätte<br />

der AWO oder der Nachbarschaftshilfe<br />

<strong>Butzbach</strong> ist bereits ein breites und<br />

vielfältiges Angebot vorhanden<br />

Durch einen relativ hohen Anteil <strong>von</strong> Migranten<br />

und Ausländern ergibt sich eine<br />

kulturelle Vielfalt<br />

Sehr gute Bildungseinrichtungen für Kinder<br />

bis zur 4. Klasse<br />

<br />

Vorhandene Sportfelder der Housing Area


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 53<br />

Schwächen<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Keine Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten<br />

für Erwachsene, besonders Erwachsene mit<br />

Migrationshintergrund, im Degerfeld vorhanden<br />

Bedarf nach niederschwelligem Angebot<br />

für Familienberatung<br />

Viele Beratungs- und Freizeitangebote<br />

werden <strong>von</strong> den Bewohnern nicht angenommen<br />

oder sind nicht bekannt<br />

Keine allgemein akzeptierte Begegnungsstätte<br />

vorhanden<br />

Keine spezifischen Spielmöglichkeiten für<br />

behinderte Kinder<br />

Keine der Altersstruktur in der Bevölkerung<br />

angemessene Infrastruktur<br />

Keine ausreichenden Einrichtungen<br />

für Jugendliche<br />

Wenige Freizeitangebote für Kinder<br />

(3-13 Jahre) vorhanden<br />

Angebote für 8-14jährige, z.B. Tischtennis,<br />

Skateboard, Ballkörbe kaum vorhanden<br />

Sportangebote spezifisch für ältere<br />

Menschen nicht vorhanden<br />

Keine Indooraktivitäten<br />

Wenig spezifische Bildungs- und Betreungsangebote<br />

z.B. für ältere, ausländische und<br />

arbeitslose Anwohner


54 (Halb-)öffentlicher Raum<br />

4.6 (Halb-)öffentlicher Raum<br />

Freiraum<br />

Das Quartier ist in unterschiedliche Freiräume<br />

eingebettet: Im Westen grenzt die hügelige<br />

Waldlandschaft des Taunus direkt an das Degerfeld.<br />

Im Norden finden sich große landwirtschaftlich<br />

genutzte Flächen. Im Südosten findet<br />

sich die bereits erwähnte Freifläche der Festwiese.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 55<br />

Auch das Gebiet selbst ist großzügig mit Freiflächen<br />

durchsetzt, wobei es sich dabei fast<br />

ausschließlich um halböffentliche Flächen im<br />

Abstandsgrün zwischen dem Geschoßwohnungsbau<br />

handelt. Hier hat das Degerfeld durch<br />

seine lockere Bebauung viel Freiraum und somit<br />

Potenzial für eine nachbarschaftliche Nutzung,<br />

etwa für kleine Grünflächen, Parkbänke, Grillplätze<br />

oder ähnliches, um Räume der Kommunikation<br />

zu schaffen. Allerdings wird dieses Potential<br />

bisher kaum ausgeschöpft. Die Ursachen<br />

hierfür sind insbesondere in einer unzureichenden<br />

Differenzierung in private oder öffentliche<br />

Räume zu suchen.<br />

Ein positiver Ansatz findet sich bereits im Engagement<br />

vereinzelter Mieter der BWG Wohnungen,<br />

die in Eigeninitiative kleine Blumenbeete<br />

in den grünen Gemeinschaftszonen angelegt<br />

haben.<br />

Zur Zeit werden zudem viele dieser Flächen<br />

nur dafür verwendet, um Leinen zum Trocknen<br />

der Wäsche aufzuspannen. Diese Leinen sind<br />

wichtig, weil sie den Anwohnern, die nicht im<br />

Besitz eines Wäschetrockners sind oder nicht<br />

den nötigen Raum dafür haben, die einfache<br />

Möglichkeit zum Trocknen ihrer Wäsche geben.<br />

Zudem schaffen solche Orte auch Gelegenheit<br />

für eine unverbindliche Kommunikation. Allerdings<br />

sollte geprüft werden, ob die Anzahl der<br />

Wäscheleinen für die Bedürfnisse der Bewohner<br />

tatsächlich notwendig ist oder ob hier ein Teil<br />

der Fläche besser für explizite Kommunikationsund<br />

Erholungsräume genutzt werden sollte.<br />

Es ist zu überlegen, wie entsprechende Aktivitäten<br />

zur Verbesserung des Wohnumfeldes<br />

unterstützt und auch im Sinne einer Förderung<br />

der interkulturellen Beziehungen in der Gemeinschaft<br />

genutzt werden könnten. Als Beispiel sei<br />

hier ein interkultureller Kleingarten aufgeführt,<br />

welcher nicht nur Austausch <strong>von</strong> Erfahrungen<br />

und Methoden sowie Zusammenarbeit fördert,<br />

sondern zusätzlich eine Rolle in der Versorgung<br />

einkommensschwacher Familien spielen könnte.<br />

Vorstellbar wäre etwa die Gründung eines<br />

interkulturellen Kleingartenprojektes, bei dem<br />

idealerweise Menschen aus möglichst vielen<br />

unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zusammenarbeiten<br />

und gegenseitig Erfahrungen<br />

und Methoden austauschen. Als Vorbild könnten<br />

hier die interkulturellen Gärten in Marburg<br />

dienen.<br />

Im Bereich der Housing Area findet sich bezüglich<br />

der Grünflächen eine ähnliche Situation wie<br />

im Geschoßwohnungsbau im Degerfeld: Die Bebauung<br />

ist hier nicht sehr dicht, so dass zwischen<br />

den Wohnriegeln Platz für Grünflächen,


56 (Halb-)öffentlicher Raum<br />

Grillplätze und Spielmöglichkeiten wäre. Wie im<br />

Degerfeld ist aber auch hier privater und öffentlicher<br />

Raum nicht klar differenziert.<br />

Im Gegensatz dazu sind in den Teilen des Viertels<br />

mit den Ein- und Zweifamilienhäusern keine<br />

öffentlichen oder halböffentlichen Freiräume<br />

vorhanden, die Grundstücke sind klar abgegrenzt.<br />

Hauseingangsbereiche<br />

Auch in der Gestaltung der Eingangsbereiche<br />

sind die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse<br />

widergespiegelt. Somit sind im Allgemeinen<br />

die Eingangsbereiche zu den Eigentumshäusern<br />

in einem gepflegten Zustand. Problematisch<br />

hingegen ist die Wirkung der Eingangsbereiche<br />

im Bestand der BWG. Diese sind insbesondere<br />

da<strong>von</strong> betroffen, dass die Fußwege zu den Mietshäusern<br />

optisch durch große Hausmüllcontainer<br />

dominiert sind. Es wurde auch <strong>von</strong> Anwohnern<br />

kritisiert, dass diese oftmals übervoll sind und<br />

Müllsäcke daneben abgestellt werden müssen.<br />

Dieses Bild der scheinbar zu klein gewordenen<br />

Müllstellplätze spielt eine wichtige Rolle in der<br />

Prägung des allgemeinen Empfindens der Anwohner<br />

und Besucher des Degerfelds. Obwohl<br />

bereits sanierte Gebäude einen geordneten<br />

und sauberen ersten Eindruck bieten, sind die<br />

Eingangsbereiche zu den noch nicht sanierten<br />

Wohnblöcken besonders unattraktiv und wirken<br />

wenig einladend.<br />

Es ist zu bedenken, dass sich Hauseingänge<br />

gerade bei großen Mietshäusern als Orte der<br />

Kommunikation und des nachbarschaftlichen


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 57<br />

Austausches anbieten und somit als wichtiges<br />

Potenzial zu sehen sind.<br />

Die Frage der Müllentsorgung ist auch Thema<br />

nachbarschaftlicher Konflikte (vgl. Kapitel 4.2):<br />

So wurde <strong>von</strong> Teilnehmern der Befragung berichtet,<br />

dass die Einhaltung der Hausordnung<br />

und somit auch der Müllentsorgung <strong>von</strong> Anwohnern<br />

unterschiedlich aufgefasst wird. Einige der<br />

Befragten sehen die Gründe in den kulturellen<br />

Unterschieden der Anwohner. Da diese Bemerkungen<br />

zum größten Teil in Bezug auf die Bestände<br />

der BWG gemacht wurden, ist absehbar,<br />

dass die BWG als Vermieter, die <strong>Stadt</strong> und ggf.<br />

der AWB eine besondere Rolle spielen werden,<br />

in gezielten Aktionen miteinander zu kooperieren,<br />

um diese Missstände weitgehend zu beseitigen<br />

(z.B. Informationen über Müllentsorgung<br />

in verschiedenen Sprachen veröffentlichen).<br />

Spielplätze<br />

Speziell in den Bereichen der BWG besteht<br />

ein hoher Bedarf nach Spielplätzen, da gerade<br />

in diesen Gebieten viele Familien mit Kindern<br />

wohnen. Im Gebiet gibt es auch zahlreiche<br />

Spielplätze, welche über das Gelände verteilt<br />

sind. Die Spielplätze im gesamten Degerfeld<br />

sind allerdings im Allgemeinen in einem äußerst<br />

schlechten Zustand, da sie in der Vergangenheit<br />

stark vernachlässigt oder zum Teil durch<br />

Vandalismus zerstört worden sind.<br />

So gibt es an den Spielplätzen oftmals keine<br />

Sitzgelegenheiten und Abfallkörbe, Sandkisten<br />

werden z.T. als Hundetoilette benutzt.<br />

Tischtennisplatten sind vorhanden, aber<br />

beschädigt und als Unfallgefahr zu kategorisieren.<br />

Auch ein kleiner Bolzplatz ist vorhanden,<br />

aber schwer zugänglich. Basketballfelder,<br />

Rutschen, Wippen und anderes<br />

Spielgerät sind ebenso vorhanden, aber sie<br />

sind oftmals in keinem guten Zustand und<br />

umzäunt oder schwer zugänglich.<br />

Für verschiedene Aktivitäten – etwa das<br />

Skateboardfahren – gibt es keine Möglichkeiten.<br />

Diese Aktivitäten werden dann an<br />

dafür ungeeigneten Stellen ausgeübt, was<br />

zu Konflikten und zum Teil auch zu Zerstörungen<br />

des vorhandenen Mobiliars führt.<br />

Hier sollten entsprechende Möglichkeiten<br />

geschaffen werden.<br />

Es ist auch nicht zu erkennen, dass die existierenden<br />

Spielmöglichkeiten bewusst für<br />

Kinder eines breiten Alterspektrums konzipiert<br />

worden sind. Naturbezogene Spielmöglichkeiten<br />

oder angepasste Spielgeräte<br />

für behinderte Kinder sind keine zu finden.<br />

Eine Aufwertung der Spielplätze mit interessanten<br />

Spielgeräten sowie eine darauffolgende<br />

Instandhaltung und Pflege der Areale - eventuell<br />

durch direktes Engagement der Anwohner<br />

- würde die Freiraumqualität für Kinder deutlich<br />

erhöhen. Für Kinder der Altersgruppe zwischen<br />

8 und 14 Jahren sind die Kinderspielplätze oft<br />

nicht mehr altersgemäß. Hier könnten mehr Angebote<br />

wie Tischtennisplatten, Basketballkörbe<br />

oder Skateboardrampen interessante Alternativen<br />

darstellen.<br />

<br />

Die Spielgeräte sind zum Großteil veraltet<br />

oder defekt und sind somit teilweise auch<br />

als gefährlich einzustufen. Auf einigen Spielplätzen<br />

sind Spielgeräte schlichtweg nicht<br />

vorhanden.<br />

Orte der Kommunikation<br />

Wie bereits in Kapitel 4.2 dargelegt, ergibt<br />

sich aus der Befragung und den anderen Beteiligungsansätzen,<br />

dass unter den Bewoh-


58 (Halb-)öffentlicher Raum<br />

nern im Gebiet ein ausgeprägter Wunsch nach<br />

Maßnahmen und Gelegenheiten zur Förderung<br />

der nachbarschaftlichen Gemeinschaft besteht.<br />

Von daher ist es besonders schwierig,<br />

dass im Degerfeld kaum Orte der Kommunikation<br />

im öffentlichen Raum zu finden sind. Für<br />

die Kommunikation im Gebiet wirkt sich dabei<br />

insbesondere das Fehlen einer städtebaulichen<br />

und funktionalen Mitte negativ aus. Das Gebiet<br />

wirkt undifferenziert, nirgends entsteht der Eindruck<br />

<strong>von</strong> Zentralität, so etwas wie ein zentraler<br />

„Quartiersplatz“ existiert nicht.<br />

Dezentrale Orte zum Aufenthalt und zur Kommunikation<br />

wären aufgrund der zahlreichen<br />

Frei- und Grünflächen leicht zu realisieren. Es<br />

gibt auch vereinzelte Bänke und Möglichkeiten<br />

draußen zu verweilen. Diese Möglichkeiten<br />

wirken aber nicht sehr einladend, das Mobiliar<br />

bietet nicht immer einen optimalen Aufenthaltswert.<br />

Zusätzlich sind unzureichende Müllkörbe aufgestellt,<br />

die oftmals ungeleert zu bleiben scheinen<br />

und überfüllt sind. Ebenso sind keine Möglichkeiten<br />

für Grillplätze gegeben, obwohl genug<br />

Freiflächen vorhanden sind. Eine durchdachte<br />

Gestaltung der Sitzmöblierung bietet die Möglichkeit,<br />

durch Kreativität und intelligente Platzierung<br />

das Wohnumfeld aufzuwerten und soziale<br />

Interaktionen zu fördern.<br />

Die Sitzbänke, die meistens aus Holz beschaffen<br />

sind, befinden sich in höchst unterschiedlichem<br />

Zustand, der <strong>von</strong> gut bis schlecht reicht.<br />

Wenn sie nicht aufgrund ihres Zustandes zum<br />

Verweilen ungeeignet sind, dann schreckt eine<br />

direkte Lage direkt an der Straße oder an wenig<br />

belebten und schlecht ausgeleuchteten Plätzen<br />

ab.<br />

Der schlechte Zustand der Wohnumfeldstruktur<br />

lässt gerade im Bereich der BWG-Wohnungen<br />

auch auf eine fehlende Identifikation vieler Bewohner<br />

mit ihrem Viertel schließen. Es fehlt<br />

durch die weiträumige Verteilung der Strukturen<br />

ein Identifikationsmittelpunkt, wo sich<br />

verschiedene Bewohner und Bewohnergruppen<br />

treffen können. Hier bedarf es einer Umstruk-


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 59<br />

turierung, um einen Ort der Identifikation sowie<br />

geeignete Spiel- und Kommunikationsorte<br />

zu schaffen. Es bestehen der Wunsch und der<br />

Bedarf nach einem zentral gelegenen Quartiersmittelpunkt,<br />

wo sich die Bewohner treffen und<br />

austauschen können.<br />

Treffpunkte für Jugendliche<br />

Spezifische Aufenthaltsorte, welche Jugendliche<br />

regelmäßig zu benutzen scheinen, existieren<br />

kaum. Ein Treffpunkt findet sich am Ende des<br />

Spielplatzes zwischen dem Kinderhort „Pusteblume“<br />

und der Degerfeldschule. Die Attraktivität<br />

für die Jugendlichen scheint in der relativen<br />

räumlichen Abgeschiedenheit und dem Vorhandensein<br />

einer Unterstellmöglichkeit begründet<br />

zu sein. Einen weiteren Ort des Treffens stellen<br />

die Kleinsportfelder in der Housing Area dar, die<br />

<strong>von</strong> vielen Jugendlichen genutzt werden (vgl.<br />

Kapitel 4.5).<br />

Hier sollten dringend weitere Flächen geschaffen<br />

werden, die Jugendlichen als Treffpunkt dienen<br />

können. Bei der Auswahl dieser Orte muss<br />

beachtet werden, dass der Aufenthalt <strong>von</strong> Jugendlichen<br />

im öffentlichen Raum auch Konfliktstoff<br />

birgt. So wurden im Gebiet Beschwerden<br />

über nächtliche Ruhestörungen durch Jugendliche<br />

geäußert. Nutzungskonflikte gibt es hier<br />

insbesondere mit Nachbarn in höherem Alter.<br />

Angesichts der unterschiedlichen Altersstruktur<br />

innerhalb der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund<br />

besteht hierbei die Gefahr,<br />

dass sich dabei intergenerative mit interkulturellen<br />

Konflikten überlagern (vgl. Kapitel 4.2).<br />

Wichtig ist daher, die Planung <strong>von</strong> Treffpunkten<br />

für Jugendlichen nicht nur mit diesen gemeinsam<br />

zu entwickeln, sondern diesen Prozess in<br />

eine Kommunikation mit – insbesondere älteren<br />

- Anwohnern einzubinden.<br />

Sicherheit und Sauberkeit<br />

Mehrere Aussagen <strong>von</strong> Seiten der Anwohner<br />

wurden bezüglich Hundekot auf Rasen- und<br />

Spielflächen gesammelt. Somit ist es nicht verwunderlich,<br />

dass 31% (wichtig/sehr wichtig)<br />

der Teilnehmer der Befragung ausgesagt haben,<br />

dass sich die Gemeinde besonders mit Sauberkeit<br />

im Quartier engagieren soll. Auch die Sicherheit<br />

im Degerfeld ist zudem ein Themengebiet,<br />

in dem verschiedene Anwohner (28%)<br />

Handlungsbedarf sehen. So wird <strong>von</strong> einzelnen<br />

Stimmen sogar mehr Polizeipräsenz auf den<br />

Straßen des Degerfelds gewünscht.<br />

Konflikte um Sicherheit und Sauberkeit sind<br />

sehr typisch gerade für Gebiete, bei denen die<br />

Anwohner einen drohenden „Niedergang“ befürchten.<br />

Um die Identifikation zu erhöhen und<br />

Zuversicht in die künftige Entwicklung zu schaffen,<br />

sind diese Themen daher zentrale Handlungsfelder.


60 (Halb-)öffentlicher Raum<br />

Stärken und Schwächen<br />

Schwächen<br />

Stärken<br />

Ausreichend Freiflächen vorhanden,<br />

die für eine Neuentwicklung benutzt<br />

werden können<br />

Attraktive Naherholungsräume,<br />

z.B. Wald in Fußlaufnähe<br />

Naturräumliche Einbindung<br />

Großer Freiflächenanteil um<br />

BWG-Häuser<br />

Vereinzelte Eigeninitiative <strong>von</strong> Mietern zur<br />

Aufwertung der grünen Gemeinschaftszonen<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Grünflächen nicht klar definiert und<br />

abgegrenzt<br />

Keine Möglichkeiten vorhanden, einen<br />

Kleingarten zu führen<br />

Spielplätze z.T. in desolatem Zustand<br />

Interessenkonflikte über Freiflächen<br />

durch konkurrierende Nutzer<br />

Wenig funktionale Aufenthaltsmöglichkeiten<br />

für alle Alters- und Kulturgruppen<br />

Keine speziellen Treffpunkte für<br />

Jugendliche<br />

Abfallentsorgung unbefriedigend gelöst<br />

Funktional und gestalterisch<br />

unbefriedigende Hauseingangsbereiche<br />

Grünanlagen sind vernachlässigt und<br />

haben wenig Aufenthaltsqualität


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 61<br />

4.7 Mobilität<br />

Fuß- und Radwege<br />

Die Auswertung der Befragung zeigt, dass<br />

53% der Teilnehmer einen Ausbau der Rad- und<br />

Fußwege für wichtig oder sehr wichtig halten.<br />

Im Viertel selbst sind zahlreiche Fußwege vorhanden.<br />

Diese Wege weisen jedoch eine Reihe<br />

<strong>von</strong> Mankos auf:<br />

Zum Großteil sind sie gepflastert oder mit<br />

Platten angelegt. Gerade die Platten sind<br />

oftmals in einem desolaten Zustand. Häufig<br />

sind sie gebrochen, liegen schief und stellen<br />

somit eine ausgesprochene Stolpergefahr<br />

dar.<br />

Darüber hinaus sind die Zugänge zu vielen<br />

Wohnungen nur durch Treppenstufen zu erreichen,<br />

was im Kontext der älter werdenden<br />

Bewohnerschaft zu einem Problem werden<br />

könnte. Hier wären barrierefreie, gut<br />

ausgeleuchtete Wegenetze wünschenswert.<br />

In vereinzelten Straßen sind zudem die Fußwege<br />

relativ schmal angelegt (vor allem im<br />

Teilgebiet der Einfamilienhäuser) und bieten<br />

wenig Raum für Behinderte oder Menschen<br />

mit Kinderwagen. Diese Gruppe <strong>von</strong> Anwohnern<br />

ist auch <strong>von</strong> der fehlenden barrierefreien<br />

Wegeführung in den Außenanlagen<br />

der Geschosswohnungsbauten stark betroffen.<br />

Eine Umgestaltung sollte unbedingt in<br />

Zusammenarbeit mit den Betroffenen entwickelt<br />

werden.<br />

anhand der schon vorhandenen Trampelpfade<br />

wäre erforderlich, um den ohnehin<br />

schon durch die Bewohnerschaft gewählten<br />

Wegen Rechnung zu tragen.<br />

Der direkteste Fußweg in das <strong>Stadt</strong>zentrum<br />

führt vom Südosten der Housing Area an<br />

der Seite der JVA entlang, dieser ist aber<br />

nicht ausgeschildert, beleuchtet oder befestigt.<br />

Obwohl dieser Bereich außerhalb des<br />

eigentlichen Fördergebietes liegt, sollte sich<br />

hier überlegt werden, wie Anwohner motiviert<br />

werden können, sich ohne PKW fortzubewegen<br />

und wie das Degerfeld durch eine<br />

verbesserte Wegeverbindung an <strong>Butzbach</strong><br />

angeschlossen werden kann. Das Fehlen einer<br />

entsprechend kurzen, sicheren und attraktiven<br />

Wegeverbindung ist insbesondere<br />

für ältere Menschen alltagserschwerend.<br />

Innerhalb des Fördergebiets gibt es lediglich einen<br />

explizit ausgewiesenen Fahrradweg, der an<br />

der Pohlgönser Straße entlang führt. Aufgrund<br />

der anderweitig relativ ruhigen Verkehrssituation<br />

besteht jedoch ein weitgehend ungefährliches<br />

Nebeneinander <strong>von</strong> Auto und Fahrrad im<br />

Fördergebiet.<br />

<br />

Viele Ziele sind nur durch lange Umwege zu<br />

erreichen. Aus diesem Grund und durch die<br />

weitläufige Bebauung sind viele Trampelwege<br />

entstanden, die schlecht beleuchtet und<br />

befestigt sind. Ein Ausbau der Wegenetze


62 Mobilität<br />

Dennoch wäre die Ausweisung <strong>von</strong> Fahrradwegen<br />

sinnvoll, da die allgemeine Fahrradnutzung<br />

die Erhöhung der Attraktivität des <strong>Stadt</strong>teils<br />

fördern würde und auch aus umweltschonenden<br />

und gesundheitsfördernden Gründen begünstigt<br />

werden sollte. Auch der <strong>von</strong> den Anwohnern geschätzte<br />

Naherholungswert des angrenzenden<br />

Waldes ist ein Potential zur Aufbesserung der<br />

Lebensbedingungen der Anwohner und könnte<br />

durch eine lokale und überregionale fahr-<br />

Verkehr<br />

Eisenbahn<br />

Bundesstraße B3<br />

Sammelstraßen<br />

Bushaltestellen<br />

Anliegerstraßen<br />

Buslinie


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 63<br />

radfreundliche Verbindung und Ausschilderung<br />

besser genutzt werden.<br />

Handlungsbedarf besteht zudem bezüglich der<br />

funktionellen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.<br />

Mit diesen ist das Degerfeld nur spärlich<br />

ausgestattet. Lediglich ein paar desolate, nicht<br />

mehr zum Abstellen geeignete Fahrradständer<br />

befinden sich vor den Häusern der BWG.<br />

Selbst wenn diese wieder hergestellt würden,<br />

könnte eine tatsächliche Nutzung sich zudem<br />

negativ auf die Gestaltung der Eingangsbereiche<br />

auswirken, die bereits durch die Hausmüllcontainer<br />

belastet sind. Dieses Thema sollte<br />

also im Zuge einer möglichen Neugestaltung<br />

der (halb-)öffentlichen Bereiche mitbehandelt<br />

werden.<br />

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)<br />

Zweimal in der Stunde fährt ein Bus der Linie<br />

500 sowohl ins Degerfeld hinein als auch aus<br />

dem Degerfeld heraus und verbindet den <strong>Stadt</strong>teil<br />

mit der inneren Kernstadt und dem Bahnhof.<br />

Jedoch nimmt der Bus für diese beiden<br />

Fahrten innerhalb einer Stunde unterschiedliche<br />

Routen. Die letzte Verbindung vom Degerfeld in<br />

die <strong>Stadt</strong> besteht um 21:00. Der ÖPNV deckt<br />

somit für das Degerfeld nur den nötigsten Bedarf.<br />

Keine ÖPNV-Verbindung existiert z.B. für<br />

Anwohner, die spät arbeiten oder an kulturellen<br />

Angeboten teilnehmen möchten, die abends<br />

stattfinden. Zusätzliche Fahrten werden morgens<br />

und nachmittags eingesetzt, hauptsächlich<br />

um Schulkinder zur Degerfeld-Schule zu<br />

bringen. Hierfür weicht der Bus etwas <strong>von</strong> der<br />

normalen Route ab, indem er in die Astrid-Lindgren<br />

Straße fährt und dort im Wendehammer<br />

wendet. Es werden derzeit ausreichend Haltestellen<br />

angefahren, welche allerdings teilweise<br />

umgestaltet werden müssten, um gerade für<br />

ältere Anwohner komfortablere und sicherere<br />

Wartestellen bieten zu können. Lediglich bei der<br />

Entwicklung der Housing Area sollte man darauf<br />

achten, zusätzliche Haltestellen einzurichten.<br />

Motorisierter Individualverkehr (MIV)<br />

Die Straßen im gesamten Plangebiet sind in einem<br />

guten Zustand, obwohl vereinzelt Schäden<br />

festzustellen sind.<br />

Problematisch ist allerdings die Verkehrsführung.<br />

Zum einen ist die Verkehrsführung im Degerfeld<br />

durch die fehlende Entwicklung des<br />

Gebiets Degerfeld III geprägt (siehe Kapitel<br />

2). Es existieren zwei bogenartige Straßen,<br />

die abrupt am Rande eines Feldes enden und<br />

die ursprünglich das Degerfeld III anbinden<br />

sollten. Durch die nie beendete Bebauung<br />

ist die bogenartige Struktur der Straße gestört,<br />

so dass hier beim Durchqueren Probleme<br />

entstehen und größere Fahrzeuge<br />

schlecht wenden können. Hier bedarf es Lösungsansätzen.<br />

Weiter ist die Verkehrsführung im Degerfeld<br />

dadurch geprägt, dass nur eine Zufahrtsstrasse<br />

<strong>von</strong> der B 3 über den Ebergönser Weg<br />

existiert. Hier könnte eine zweite Zufahrt<br />

eine Erleichterung des Knotenpunkts bringen.<br />

Allerdings hat das Thema einer zweiten<br />

Straßenanbindung im Gebiet keine hohe<br />

Priorität, so sind in der Befragung mit dem<br />

aktuellen Zustand 43% der Teilnehmer zufrieden<br />

und 17% sogar sehr zufrieden.<br />

Problematisch ist jedoch in jedem Fall, dass<br />

die einzige Zufahrt am Ebergönser Weg nicht<br />

besonders attraktiv ist, da sie durch unentwickelte<br />

beziehungsweise ungenutzte Freiflächen<br />

eingerahmt ist. Dieser Bereich sollte


64 Mobilität<br />

zu einem prägnanten Merkpunkt entwickelt<br />

werden, um die Attraktivität des Fördergebietes<br />

zu erhöhen. An der Kreuzung mit der<br />

B 3 befinden sich zudem keine Hinweisschilder,<br />

die das Degerfeld kennzeichnen.<br />

Geschwindigkeitsüberschreitungen,<br />

und Lärmbelastung<br />

Luft-<br />

Bis auf die Haydnstraße, die Teil der Route für<br />

den ÖPNV ist, weisen die meisten anderen öffentlichen<br />

Straßen keine nennenswerten Verkehrsbelastungen<br />

auf. Allerdings wurde in der<br />

Mozart Straße und der Pohlgönser Straße Personenwagenverkehr<br />

beobachtet, der sich einem<br />

Wohngebiet entsprechend zu schnell bewegt<br />

und unter Umständen eine Gefahr für Kinder<br />

oder ältere und behinderte Menschen darstellt.<br />

Dieses wurde durch Kommentare in der Befragung<br />

und auf den <strong>Stadt</strong>teilrunden bestärkt. An<br />

diesen Stellen sollte an Verkehrsberuhigungsmaßnahmen<br />

gedacht werden.<br />

Die Wohnqualität ist besonders für die Anwohner<br />

in den Häusern, die direkt an der B 3 liegen,<br />

durch Luft- und Lärmbelastung vermindert.<br />

Diese Häuser sind lediglich durch einen<br />

mit Büschen bepflanzten Grünstreifen <strong>von</strong> der<br />

B 3 getrennt und man kann da<strong>von</strong> ausgehen,<br />

dass diese Haushalte zu Verkehrsstoßzeiten beträchtlich<br />

belastet werden.<br />

Ruhender Verkehr<br />

Die Parksituation ist als entspannt zu charakterisieren.<br />

Es sind ausreichend Parkplätze und<br />

zusätzliche Parkmöglichkeiten in allen Straßen<br />

vorhanden, entweder parallel zur Straße oder<br />

in einem 90°-Winkel zur Straße angeordneten<br />

Parkboxen.<br />

Darüber hinaus befinden sich im Degerfeld<br />

mehrere Garagenstellplätze und offene Parkplätze<br />

für Anwohner und Besucher. Im Bereich<br />

der Ein- bis Zweifamilienhäuser besitzen die<br />

meisten Anwohner eine private Garage oder<br />

Parkmöglichkeit auf ihrem Grundstück. Die<br />

BWG besitzt 51 Garagenstellplätze im Fördergebiet.<br />

Von 1980 bis August 2010 konnten die<br />

Mieten hierfür konstant gehalten werden und<br />

lagen bei 20 € im Monat. Da die Stellplätze <strong>von</strong><br />

unterschiedlichem Alter und unterschiedlicher<br />

Größe sind, wurden die Mieten jetzt dementsprechend<br />

gestaffelt. Für die ältesten und auch<br />

kleinsten Garagen, die sich in der Kirchgönser<br />

Strasse befinden, wird eine Miete <strong>von</strong> 30 € im


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 65<br />

Monat erhoben, für die in der Mozartstrasse und<br />

Haydnstrasse 40 € im Monat und für die in der<br />

Johann-Sebastian-Bach-Straße 50 € im Monat.<br />

Besondere Nachfrage besteht für die Garagen in<br />

der Mozartstrasse, hier können Wartezeiten bis<br />

zu 9 Jahren betragen. Auf der anderen Seite besteht<br />

für die Garagenstellplätze in der Johann-<br />

Sebastian-Bach-Straße so gut wie keine Nachfrage<br />

und derzeit (Sommer 2010) stehen sogar<br />

zwei Garagenplätze leer.<br />

Die Anwohner einiger BWG-Wohnhäuser können<br />

auch kostenfreie Parkplätze nutzen, welche vorgelagert<br />

zu den Blöcken situiert sind, wie zum<br />

Beispiel in der Johann-Sebastian-Bach-Straße.<br />

Bei der räumlichen Bestandsaufnahme wurde<br />

allerdings bemerkt, dass diese mehr oder weniger<br />

alle renovierungsbedürftig sind, veranschaulicht<br />

durch beobachtete Risse und Löcher<br />

im Asphalt oder undeutliche Beschriftungen.<br />

Im direkten Umfeld der drei Hochhäuser wurde<br />

wildes Parken auf den Grünflächen beobachtet,<br />

welches nicht nur die Bepflanzung zerstört,<br />

sondern auch Bewohner, die in Erdgeschosswohnungen<br />

leben, sporadisch durch Lärm und<br />

Abgase stört. Im Umfeld der Hochhäuser wurden<br />

in Hinsicht auf den ruhenden Verkehr weitere<br />

Schwächen beobachtet. Die eigentlichen<br />

Parkplätze der Hochhäuser sind so angelegt,<br />

dass keine direkten, bequemen Fußwegverbindungen<br />

zu den Eingängen existieren. Ihre<br />

Benutzer haben daher kleine Pfade durch Hecken<br />

und über Grünflächen zu den Häusern hin<br />

geschaffen. Diese räumliche Situation hat vor<br />

allen Dingen für behinderte Fahrer, die in den<br />

Hochhäusern wohnen, negative Auswirkungen.<br />

Stärken und Schwächen<br />

Stärken<br />

ÖPNV-Anschluß<br />

(gute Erreichbarkeit der Innenstadt)<br />

Ruhige Anliegerstraßen<br />

Ausreichendes Parkplatzangebot<br />

Gute Anbindung an die Region<br />

Schwächen<br />

Unzureichende Erschließung mit<br />

Fuß- und Radwegen (insb. Barrierefreiheit)<br />

Fehlende Beschilderung für Radfahrer<br />

Schlechte Fuß-/Radwegeverbindung<br />

in die Innenstadt<br />

ÖPNV nur bis 21:00 Uhr<br />

Mangelhafte Haltestellen<br />

Geschwindigkeitsüberschreitender Verkehr<br />

in der Mozart Straße und der Pohlgönser<br />

Strasse<br />

Wenig funktionale Verkehrsführung insbesondere<br />

durch Siedlungslücke Degerfeld III<br />

Lärmbelastung B 3<br />

Fehlende Beschilderung an der Zufahrt B 3<br />

Strasse zur Schule und zum Parkplatz<br />

nicht kindgerecht und sicher


66 Entwicklungsziele und Handlungsansätze<br />

5.<br />

Entwicklungsziele und Handlungsansätze<br />

Angesichts der in Kapitel 4 dargestellten Stärken<br />

und Schwächen des Degerfelds stellt sich<br />

nun die Frage, welche realistischen Ziele sich<br />

für die künftige Entwicklung des Quartiers und<br />

für die Durchführung des Programms „Soziale<br />

<strong>Stadt</strong>“ im Quartier definieren lassen. Es wird<br />

empfohlen, hier die vorhandenen Potenziale zu<br />

nutzen und folgende drei Ziele zu verfolgen:<br />

Vielfältige Nachbarschaft: Stärkung des<br />

nachbarschaftlichen Miteinanders bei Erhalt<br />

der Vielfalt der Kulturen und Lebensstile<br />

Gutes Wohnen und Leben: Stärkung <strong>von</strong><br />

Quartiersidentität und Quartiersimage durch<br />

eine hohe Wohnqualität<br />

Teilhabe für alle: Stärkung der Chancengleichheit<br />

zur Teilhabe am gesellschaftlichen<br />

Leben sowie an Entscheidungsprozessen<br />

Vielfältige Nachbarschaft<br />

Wie in Kapitel 4.2 dargestellt, ist die Bevölkerung<br />

des Degerfelds sehr vielfältig und weist<br />

dabei eine besondere Mischung auf, die sie <strong>von</strong><br />

anderen <strong>Stadt</strong>teilen <strong>Butzbach</strong>s unterscheidet,<br />

insbesondere leben hier mehr Menschen mit einem<br />

anderen kulturellen Hintergrund und mehr<br />

ältere Menschen als in anderen <strong>Stadt</strong>teilen. Wie<br />

ebenfalls bereits in Kapitel 4.2 dargestellt, bleiben<br />

bei einer solchen Vielfalt Konflikte nicht aus.<br />

Aus der Intergationsforschung weiß man, dass<br />

eine hohe Vielfalt in einem Quartier zunächst<br />

einmal die Tendenz zum Rückzug des Einzelnen<br />

in das vertraute Terrain der eigenen Gruppe fördert.<br />

Aufgabe des Programms „Soziale <strong>Stadt</strong>“<br />

im Degerfeld sollte es sein, diesen Rückzugstendenzen<br />

entgegenzuwirken. Potenzial hierfür<br />

ist vorhanden, so wird erfreulicherweise in<br />

der durchgeführten Befragung auf breiter Basis<br />

der Wunsch geäußert, das gemeinschaftliche<br />

Zusammenleben besser zu organisieren und zu<br />

fördern.<br />

Ziel kann dabei nicht sein, dass sich alle immer<br />

ähnlicher werden. Vielmehr sollten sich die Aktivitäten<br />

darauf richten, dass sich Menschen mit<br />

unterschiedlichen Perspektiven und Bedürfnissen<br />

kennen und respektieren lernen: Konflikte<br />

zwischen verschiedenen Interessen sind in einem<br />

vielfältigen Quartier selbstverständlich und<br />

können sogar belebend sein, wenn es gelingt,<br />

die Diskussionen zwischen alt und jung, zwischen<br />

Kulturen und zwischen ökonomisch Etablierten<br />

und Außenseitern <strong>von</strong> Ressentiments<br />

und Vorurteilen zu lösen und auf die tatsächlichen<br />

Konfliktthemen zu richten. Dies bedeutet<br />

zunächst einmal, Ängste abzubauen und Vertrauen<br />

aufzubauen. Im Idealfall können dabei<br />

nicht nur das Verständnis für die Position des<br />

Anderen geweckt und ggf. Kompromisse gefunden<br />

werden, sondern sogar Ansätze dafür gelegt<br />

werden, dass man <strong>von</strong> der Unterschiedlichkeit<br />

und Vielfalt profitiert, indem man das einbringt,<br />

was man hat und das erhält, was einem fehlt:<br />

Zeit gegen Mobilität, Lebenserfahrung gegen<br />

Medienkompetenz, Bildungswissen gegen soziale<br />

Anerkennung usw. Dabei kann die Vielfalt<br />

als Potenzial wirken, die das Quartier stärkt und<br />

ein positives Alleinstellungsmerkmal ausbildet.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 67<br />

Handlungsansätze<br />

Einrichtung einer professionellen Gemeinwesenarbeit<br />

als Teil eines Quartiersmanagements<br />

Schaffung <strong>von</strong> Angeboten der Konfliktvermittlung<br />

und Mediation<br />

Vernetzung bestehender Angebote der Kommunikation<br />

Förderung des Zusammenlebens verschiedener<br />

Bevölkerungsgruppen durch gemeinsam<br />

nutzbare (Vereins-)Angebote<br />

Förderung der Kooperation bestehender<br />

Vereine, Initiativen, Gemeinden, etc. mit<br />

unterschiedlichen Zielgruppen<br />

Motivation und Begleitung <strong>von</strong> intergenerativen<br />

und interkulturellen Gemeinwesenprojekten<br />

Schaffung eines Quartierszentrums als Mittelpunkt<br />

des <strong>Stadt</strong>teillebens<br />

zum einen die Wohnzufriedenheit der jetzigen<br />

Bewohner stärken und ein positives Quartiersbewusstein<br />

schaffen, das nicht zuletzt auch<br />

wieder Verantwortung für die Entwicklung des<br />

eigenen <strong>Stadt</strong>teils mit sich bringt. Gleichzeitig<br />

kann es auch neue, solide Zielgruppen für eine<br />

Wohnstandortwahl im Degerfeld motivieren.<br />

Dies ist umso wichtiger, weil aktuell gerade die<br />

ältere Bevölkerung häufig aus ökonomisch und<br />

gesellschaftlich etablierten Milieus stammt und<br />

somit für die Stabilisierung des Quartiers eine<br />

wichtige Funktion hat. Es gilt bereits jetzt, hier<br />

entsprechende „Nachfolger“ für das Gebiet zu<br />

interessieren. Dabei sollte insbesondere auch<br />

versucht werden, sozial aufgestiegene Migrantenhaushalte<br />

im Quartier zu halten oder für einen<br />

Zuzug zu motivieren. Gerade sie könnten<br />

in der Lage sein, integrative Unterstützungsleistungen<br />

für ihre Landsleute zu leisten und<br />

konfliktmoderierend – und sei es nur als Dolmetscher<br />

- zwischen Bewohnern mit und ohne<br />

Migrationshintergrund zu wirken.<br />

<br />

Schaffung <strong>von</strong> Treffpunkten und Orte der<br />

Kommunikation insbesondere im öffentlichen<br />

Raum<br />

Handlungsansätze<br />

Schaffung <strong>von</strong> zukunftsfähigen Wohnungsangeboten<br />

Gutes Wohnen und Leben<br />

Wie ebenfalls in Kapitel 4.2 dargestellt, besteht<br />

eine Gefahr für die künftige Entwicklung<br />

in Tendenzen einer sozioökonomischen Segregation<br />

durch eine Abwärtsspirale aus sinkender<br />

Identifikation mit dem Gebiet, einer Imageverschlechterung<br />

in der Außenwahrnehmung<br />

und selektiven Zu- und Wegzügen. Um dies zu<br />

verhindern, muss versucht werden, das Gebiet<br />

zu attraktivieren, in dem die in Kapitel 4 geschilderten<br />

Stärken bezüglich Wohnen, Freiraum,<br />

Einzelhandel, Mobilität, etc. betont und<br />

die Schwächen reduziert werden. Dies kann<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Schaffung eines nachfragegerechten Wohnungsangebots,<br />

um Bewohner zu halten<br />

und neue Wohnmilieus für einen Zuzug zu<br />

motivieren<br />

Erhöhung der Vielfalt und der Flexibilität<br />

des Wohnungsangebots<br />

Schaffung eines Angebots für seniorengerechtes<br />

Wohnen<br />

Qualifizierung der Wohnungen, Modernisierung,<br />

energetische Sanierung


68 Entwicklungsziele und Handlungsansätze<br />

<br />

Erhalt einer tragfähigen sozialen Mischung<br />

insbesondere in den BWG-Beständen (Belegungskonzeption)<br />

Erhöhung der Wohnstandortqualität durch gestalterische<br />

und funktionale Aufwertung des<br />

Quartiers<br />

Entwicklung <strong>von</strong> Konzepten für die Zukunft<br />

der bestehenden Ein- bis Zweifamilienhäusern<br />

Koordinierung der künftigen Entwicklung<br />

der BWG-Bestände und der Ein- bis Zweifamilienhäuser<br />

mit der zivilen Nachnutzung<br />

der Housing Area<br />

Erhöhung der Wohnstandortqualität durch attraktive<br />

Nahversorgung<br />

Stabilisierung der lokalen Grundversorgung<br />

Verbesserung des Einzelhandelsangebots<br />

(<strong>Stadt</strong> der kurzen Wege)<br />

Verbesserung der ärztlichen und medizinischen<br />

Versorgung, Erhöhung des Angebots<br />

an Pflegeleistungen<br />

Akquisition zur Ansiedlung <strong>von</strong> Gastronomie,<br />

insbesondere eines Cafés<br />

Verbesserung des Angebots für spezielle<br />

Bedarfe, insbesondere <strong>von</strong> ethnischen<br />

Gruppen<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Schaffung <strong>von</strong> Merkpunkten (stadtbildprägende<br />

Ensembles und Räume)<br />

Eingangsbereiche der BWG-Häuser aufwerten,<br />

neue Lösungsansätze für Müllentsorgung<br />

erarbeiten, gestalterisch und organisatorisch<br />

neu regeln<br />

Entree an der B 3 neu gestalten, Aufwertung<br />

der Festwiese als attraktives Freizeitareal<br />

mit Bezug zum alten Römerkastell<br />

Bessere Ausnutzung und Aufwertung der<br />

(halb-)öffentlichen Freiflächen und Räume<br />

als Orte der Kommunikation, des Austausches<br />

und der Erholung<br />

Ankauf und Herstellung der Kleinsportfelder<br />

der Housing Area<br />

Spielplätze funktional gestalten, Attraktivierung<br />

der Spielplätze für verschiedene Altersgruppen<br />

Vernetzung Grünflächen und Landschaft<br />

Schaffung <strong>von</strong> Spiel- und Bewegungsflächen<br />

<br />

Entwicklung eines komplementären Einzel-<br />

<br />

Schaffung öffentlicher Toiletten<br />

handelskonzepts für das Degerfeld, insbesondere<br />

zusätzlich zu kommerziellen Angeboten<br />

<br />

Stärkung des Sicherheitsempfinden und der<br />

Sauberkeit im Quartier (z.B. Behälter für<br />

Hundekot)<br />

<br />

Verknüpfung <strong>von</strong> Degerfeld, Schrenzer und<br />

Housing Area durch eine neue Nahversorgung


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 69<br />

Erhöhung der Wohnstandortqualität durch hohe<br />

Mobilität<br />

Schaffung barrierefreier Wege<br />

Schulwegsicherung<br />

Verkehrsberuhigung in der Mozartstraße/<br />

Pohlgöhnser Straße<br />

Arbeitsleben durch die Förderung <strong>von</strong> Bildung<br />

und Qualifikation, auf die Teilhabe am sozialen<br />

und kulturellen Leben durch entsprechende Angebote,<br />

aber auch auf die Teilnahmen am Alltagsleben<br />

etwa durch eine entsprechende Gestaltung<br />

der Umwelt. Zudem bezieht es sich auf<br />

die Teilhabe an Entscheidungsprozessen.<br />

<br />

<br />

Förderung des Radverkehrs<br />

Verbesserte Verkehrsführung, Anbindung<br />

an B3 optimieren<br />

Handlungsansätze<br />

Teilhabe an der Arbeitswelt<br />

<br />

Optimierung ÖPNV (Verbesserung der Haltestellen,<br />

auch spätere Verbindungen am<br />

Abend ermöglichen)<br />

<br />

Passgenaue (Weiter-)Bildungsangebote für<br />

bestimmte Zielgruppen in allen Altersstufen<br />

<br />

Ggf. Alternativen entwickeln für öffentlichen<br />

Transport am späten Abend<br />

<br />

Beratung und Qualifizierung <strong>von</strong> Jugendlichen,<br />

Übergänge Schule/Beruf begleiten<br />

<br />

Erschließung des Waldes mittels Fuß- und<br />

Radwegen<br />

<br />

Schaffung <strong>von</strong> Ausbildungs- und Beschäftigungsangeboten<br />

<br />

Beschilderungskonzept entwickeln für alle<br />

Verkehrsteilnehmer<br />

<br />

Netzwerke (Wirtschaft, Qualifizierung und<br />

Arbeit), Vernetzung bestehender Einrichtungen<br />

und Angebote<br />

Kommunikation der Wohnstandortqualität<br />

Klares Image entwickeln<br />

Kommunikationsstrategisches Konzept für<br />

Gebietsimage entwickeln und in entsprechenden<br />

Medien (Internet, Presse, usw.)<br />

umsetzen.<br />

Existenzgründungen unterstützen, Eigeninitiative<br />

<strong>von</strong> Arbeitssuchenden unterstützen<br />

Social Enterprise und andere selbstbestimmte<br />

Arbeitsplatzschaffung und Qualifizierung/Ausbildung<br />

Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben<br />

Chancengleichheit und Teilhabe<br />

Gerade im Hinblick auf den überdurchschnittlich<br />

hohen Anteil an Migrantenhaushalten, aber<br />

auch an Senioren, sollte das dritte Ziel der Entwicklung<br />

sein, möglichst allen die Chance zur<br />

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu geben.<br />

Dies bezieht sich auf verschiedene Facetten des<br />

gesellschaftlichen Lebens: Auf die Teilhabe am<br />

<br />

<br />

<br />

Integrationsmaßnahmen für Migranten,<br />

muttersprachliche Beratungsangebote<br />

Vernetzung und Erweiterung der bestehenden<br />

Angebote, Zusammenarbeit mit vorhandenen<br />

Akteuren<br />

Sprachförderung für Kinder und Eltern intensivieren


70 Entwicklungsziele und Handlungsansätze<br />

<br />

Optimierung <strong>von</strong> bestehenden Angeboten<br />

für junge Leute (niederschwelliger Treffpunkt,<br />

Raum für Kreativität) und Umgestaltung<br />

des Umfelds in Hinsicht auf deren<br />

Bedürfnisse<br />

Teilhabe an Entscheidungsprozessen<br />

Etablierung einer Beteiligungskultur<br />

Weiterführung und Ausweitung der <strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

<br />

Bedürfnisse älterer Menschen berücksichti-<br />

<br />

Durchführung <strong>von</strong> zielgruppenorientierten<br />

gen (z.B. Barrierefreiheit, kurze Wege, Se-<br />

und situationsangepassten Beteiligungsver-<br />

niorentreff, Schaffung <strong>von</strong> In- und Outdo-<br />

fahren und aktivierender Planungsverfahren<br />

orangeboten auch für Senioren)<br />

für Maßnahmen und Themen<br />

<br />

Gezielte soziale Dienste und andere soziale<br />

<br />

Einsatz <strong>von</strong> Verfahren zur Beteiligung und<br />

Angebote für ältere Migranten gestalten,<br />

Aktivierung <strong>von</strong> bisher im Prozess schwach<br />

insbesondere für Spätaussiedler<br />

repräsentierten Gruppen, insbesondere Aus-<br />

<br />

Gezielte Angebote für ältere, weibliche Be-<br />

siedlerfamilien und Jugendlichen.<br />

wohner optimieren oder schaffen<br />

<br />

Lokale Initiativen fördern, vernetzen und<br />

<br />

Niederschwellige Angebote für Familien-<br />

unterstützen<br />

und Lebensberatung schaffen, insbesondere<br />

Schule und KiTa nutzen, bestehende Angebote<br />

zum Familienzentrum erweitern<br />

<br />

Frühkindliche Bildung, Ausbau der Betreu-<br />

ungsangebote<br />

<br />

Ausbau der Infrastruktur im Gesundheits-<br />

und Pflegebereich


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 71<br />

6.<br />

Maßnahmenkatalog<br />

M_01_Integriertes Handlungskonzept<br />

Den Richtlinien des Fördermittelprogramms<br />

„<strong>Stadt</strong>teile mit besonderem Entwicklungsbedarf<br />

– Soziale <strong>Stadt</strong>“ zufolge ist die Erstellung eines<br />

Integrierten Handlungskonzeptes erforderlich,<br />

welches die Rahmenplanung der Ziele und assoziierte<br />

Maßnahmen auslegt. Dieses Konzept<br />

muss unter Mitwirkung und Beteiligung <strong>von</strong><br />

Bürgern und anderen relevanten Akteuren entwickelt<br />

und auf die strategische Erzielung des<br />

Gemeinwohls abgestimmt sein.<br />

Das Konzept wird hiermit vorgelegt.<br />

Verfahren<br />

Erstellung Integriertes Handlungskonzept<br />

Durchgeführt<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Kosten Konzepterstellung I. Vorbereitung der Maßnahmen 35.700 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 35.700 €<br />

Für die Kosten werden bereits bewilligte Mittel aus dem Fördermittelbescheid 2009 eingesetzt.<br />

Förderpriorität: Erste Priorität


72 Maßnahmenkatalog<br />

M_02_Quartiersmanagement und<br />

nichtinvestive Projekte<br />

Quartiersmanagement<br />

Für die erfolgreiche und nachhaltig wirksame<br />

Umsetzung des Handlungskonzeptes im Degerfeld<br />

soll eine koordinierende Quartiersmanagementstruktur<br />

mit folgenden Arbeitsschwerpunkten<br />

eingerichtet werden:<br />

<strong>Stadt</strong>teilarbeit<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Aufstellen und Überwachen <strong>von</strong> Organisations-<br />

und Terminplänen<br />

Steuerung der öffentlichen Bau- und Ordnungsmaßnahmen<br />

(Vergabe, Koordination<br />

der Durchführung, Kostenmanagement)<br />

Finanz- und Fördermittelmanagement,<br />

Kosten- und Finanzierungsplanung<br />

Öffentlichkeitsarbeit nach innen und außen,<br />

intensive Zusammenarbeit mit dem<br />

<strong>Stadt</strong>marketing bei der Imagearbeit für das<br />

Quartier<br />

<br />

<strong>Stadt</strong>teilbezogene Sozialarbeit/Gemeinwe-<br />

<br />

Vorbereitung politischer Entscheidungen<br />

senarbeit<br />

<br />

Monitoring und Evaluation<br />

„Community Organizing“<br />

Ansprechpartner für Ideen, Kritik, Information<br />

vor Ort für die Bewohner<br />

Betreuung des <strong>Stadt</strong>teilbüros (perspektivisch<br />

des Quartierszentrums) als Anlaufstelle<br />

mit umfangreichen Nutzungsmöglichkeiten<br />

für Begegnung, Kommunikation,<br />

Information und kulturelle Aktivitäten<br />

Aufbau eines lokalen Netzwerks im Quartier,<br />

Bündelung und Vernetzung <strong>von</strong> Kompetenzen,<br />

Erfahrungen und Engagement<br />

Funktion als „<strong>Stadt</strong>teilagentur“ für Aktivitäten<br />

und Projektideen im Gebiet<br />

Prozesssteuerung<br />

Kommunikation und Moderation<br />

Durchführung <strong>von</strong> Beteiligungs- und Aktivierungsprojekten<br />

auf allen Akteursebenen<br />

durch zielgruppenspezifische Formen und<br />

Methoden<br />

Förderung und Beratung <strong>von</strong> lokalen Projekten<br />

zur sozialen, ökonomischen und baulichen<br />

Stabilisierung des Quartiers (insb.<br />

konzeptionelle und methodische Beratung<br />

der Projektinitiatoren, Prozessmoderation,<br />

Akquisition <strong>von</strong> öffentlichen und privaten<br />

Mitteln, Beschaffung und Bereitstellen <strong>von</strong><br />

Informationen, Schnittstellenkommunikation<br />

zwischen Verwaltung, Politik und lokalen<br />

Akteuren)<br />

<br />

<br />

<br />

Management und Koordination des Gesamtprogramms<br />

Fortschreibung und Überwachung der Ziele<br />

des Integrierten Handlungskonzepts<br />

Strukturierung, Moderation und Betreuung<br />

integrierter Arbeitsgruppen und <strong>Stadt</strong>teil-<br />

<br />

<br />

Initiierung und Aufbau <strong>von</strong> projektbezogenen<br />

und dauerhaften Kooperationen zwischen<br />

Institutionen, Initiativen, Unternehmen<br />

und anderen lokalen Akteuren<br />

Konfliktmanagement zwischen den beteiligten<br />

öffentlichen und privaten Akteuren<br />

gremien


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 73<br />

Intensive Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung<br />

bei der Stärkung der lokalen<br />

Ökonomie<br />

Intensive Zusammenarbeit mit den Wohnungseigentümern<br />

bei der städtebaulichen<br />

Aufwertung und der damit verbundenen<br />

Verbesserung der städtebaulichen Qualität<br />

des öffentlichen Raumes, der Verbesserung<br />

des Wohnumfeldes sowie der Verbesserung<br />

der Wohnqualität im Gebiet<br />

Es werden hier Kosten <strong>von</strong> 100.000 € pro Förderjahr<br />

kalkuliert, somit insgesamt 1.000.000 €.<br />

Nichtinvestive Projekte<br />

Eine der zentralen Aufgaben des Quartiersmanagements<br />

ist zudem die Förderung und Beratung<br />

<strong>von</strong> lokalen Projekten zur sozialen, ökonomischen<br />

und baulichen Stabilisierung des<br />

Quartiers (insb. konzeptionelle und methodische<br />

Beratung der Projektinitiatoren, Prozessmoderation,<br />

Akquisition <strong>von</strong> öffentlichen und<br />

privaten Mitteln, Beschaffung und Bereitstellen<br />

<strong>von</strong> Informationen, Schnittstellenkommunikation<br />

zwischen Verwaltung, Politik und lokalen<br />

Akteuren). Solche Projekte könnten z.B. beinhalten:<br />

Workshops<br />

Netzwerk, das <strong>Stadt</strong>teilrunde, Bewohner<br />

und anderen Gruppen und Vereinen verbindet<br />

Durch Bürger gesteuerte Projekte, wie z.B.<br />

ein <strong>Stadt</strong>teil-Café<br />

Die Finanzierung solcher Projekte in den Themenfeldern<br />

Bildung, Beschäftigung, Integration,<br />

Nachbarschaft etc. kann nur zum Teil aus<br />

Mitteln des Programms „Soziale <strong>Stadt</strong>“ erfolgen.<br />

Vielmehr steht im Kontext der Sozialen <strong>Stadt</strong><br />

hier eine Vielzahl <strong>von</strong> Partnerprogrammen (z.B.<br />

ESF-Bundesprogramm „Soziale <strong>Stadt</strong> – Bildung,<br />

Wirtschaft, Arbeit im Quartier (BIWAQ)“, NEUE<br />

PARTNERSCHAFTEN Modellvorhaben für die Soziale<br />

<strong>Stadt</strong> HEGISS–Innovationen) sowie anderen<br />

Förderprogrammen zur Verfügung, die jeweils<br />

für bestimmte Projekte gezielt beantragt<br />

werden können.<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Qualifizierung, Ausbildung, Weiterbildung<br />

Intergenerative Arbeit<br />

Interkulturelle Projekte<br />

Projekte, die der Erhaltung der Unabhängigkeit<br />

und sozialer Kontakte besonders <strong>von</strong><br />

älteren und behinderten Menschen dienen<br />

Projekte für die positive Weiterentwicklung<br />

<strong>von</strong> nachbarschaftlichen Beziehungen, z.B.<br />

Mediationsprojekte <strong>von</strong> und für Anwohner


74 Maßnahmenkatalog<br />

Verfahren<br />

Quartiersmanagement<br />

Nichtinvestive Projekte<br />

2011 – Ende<br />

2011 – Ende<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Steuerungsleistungen in der Konzeptionsphase<br />

II. Steuerung 14.300 €<br />

Quartiersmanagement II. Steuerung 1.000.000 €<br />

Soziale Projekte III. Vergütung für Beauftragte 1.000.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 2.014.300 €<br />

Für Steuerungsleistungen in der Konzeptionsphase stehen bereits Mittel aus<br />

dem Fördermittelbescheid 2009 zur Verfügung. Für das Quartiersmanagement<br />

wurden 2010 bereits 100.000 € Fördermittel beantragt.<br />

Weitere Fördermittel für die Maßnahmen sind jeweils zu beantragen (siehe<br />

Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Erste Priorität


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 75<br />

M_03_HEGISS-Begleitforschung<br />

Die HEGISS-Begleitforschung ist ein strategischer<br />

Bestandteil des Programms „Soziale<br />

<strong>Stadt</strong>“ und begleitet die Evaluation des gesamten<br />

Förderprogramms an sich. Sie spielt auch<br />

eine wesentliche Rolle im kontinuierlichen Erfahrungsaustausch<br />

und Wissenstransfer zwischen<br />

den beteiligten Städten/Gemeinden, den<br />

Ländern und dem Bund. Die Zahlung des Beitrags<br />

für die HEGISS-Begleitforschung ist daher<br />

für alle Standorte im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“<br />

obligatorisch.<br />

Verfahren<br />

HEGISS-Begleitforschung<br />

2010 - Ende<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

HEGISS-Begleitforschung II. Steuerung 100.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 100.000 €<br />

Für die HEGISS-Begleitforschung wurden 2010 bereits 10.000 € Fördermittel beantragt.<br />

Weitere Fördermittel für die Maßnahme sind jährlich neu zu beantragen<br />

(siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Erste Priorität


76 Maßnahmenkatalog<br />

M_04_Quartierszentrum<br />

Derzeit existiert im Gebiet eine Reihe <strong>von</strong> sozialen,<br />

pädagogischen und kulturellen Angeboten<br />

und Einrichtungen (Haus Degerfeld der evangelischen<br />

Gemeinde, Jugendtreff „Café Kanne“,<br />

Angebote der Degerfeldgrundschule, der Kindertagesstätte<br />

„Pusteblume“ und des Seniorenzentrums<br />

der AWO, Angebote <strong>von</strong> Vereinen).<br />

Für die Vernetzung, Bündelung und Erweiterung<br />

zur Optimierung dieser Angebote soll ein Quartierszentrum<br />

entstehen, dessen Schwerpunkt<br />

unter anderem darin liegt, das intergenerative<br />

und multiethnische Zusammenleben im Degerfeld<br />

zu stärken.<br />

Als Standort für das Quartierszentrum wird die<br />

Umnutzung eines ehemaligen Offiziershauses<br />

(Doppelhaushälfte) in der Housing Area vorgeschlagen.<br />

Der Vorschlag basiert dabei einerseits<br />

auf der Möglichkeit, eine Verbindung zwischen<br />

den Bewohnern des Degerfelds und der künftigen<br />

Bevölkerung der ehemaligen Housing Area<br />

herzustellen, andererseits auf der hochfrequentierten<br />

und sichtbaren Lage im zentralen Eingangsbereich<br />

des Quartiers sowie der Nähe zu<br />

den bereits jetzt genutzten Kleinsportfeldern<br />

und damit der Möglichkeit, eine Verbindung mit<br />

einer Einrichtung für Jugendliche herzustellen<br />

(siehe M_05).<br />

Das Gebäude verfügt über rund 155 m² auf zwei<br />

Etagen. Konkret soll im Erdgeschoß das <strong>Stadt</strong>teilbüro<br />

als Sitz und öffentlicher Anlaufpunkt<br />

für das Quartiersmanagement verortet werden,<br />

die oberen Räume sollen lokalen Vereinen und<br />

Initiativen zur Verfügung stehen. Ein konkretes<br />

Raum- und Nutzungskonzept für das Quartierszentrum<br />

soll durch das Quartiersmanagement<br />

gemeinsam mit den Bewohnern und der <strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

entwickelt werden. Insbesondere soll<br />

eine Abstimmung mit anderen Interessierten,<br />

etwa dem Haus Degerfeld und der Spiel- und<br />

Lernstube, stattfinden, um auch den Bedarf<br />

nach einer baulichen Expansion des Quartierszentrums<br />

zu ermitteln.<br />

Mögliche Nutzungen:<br />

Kulturell spezifische Aktivitäten<br />

Lern- und Spielmöglichkeiten für<br />

verhaltensauffällige Kinder<br />

<strong>Stadt</strong>teilrunden<br />

Bürgermeister / BWG Sprechstunden<br />

Training und Workshops zur Unterstützung<br />

ehrenamtlichen Engagements<br />

Für die Umnutzung eines ehemaligen Offiziershauses<br />

als Quartierszentrum sind die bestehenden<br />

Grundrisse grundsätzlich geeignet.<br />

Dennoch sind in einem gewissen Umfang Umbau-<br />

und Modernisierungsarbeiten notwendig.<br />

Zudem werden in der Maßnahmenplanung Mittel<br />

für eine mögliche Erweiterung des Quartierszentrums<br />

vorgesehen. Schon jetzt haben<br />

mehrere Organisationen ein starkes Interesse<br />

ausgesprochen, sich in einem Quartierszentrum<br />

ansiedeln zu können, da ihre Zielgruppen<br />

Anwohner des Degerfelds sind. Hier könnten<br />

daher perspektivisch erweiterte Kapazitäten<br />

notwendig sein. Als Option wird daher auch<br />

eine räumliche Expansion des Quartierszentrums<br />

durch eine bauliche Erweiterung vorgesehen.<br />

Sollte sich dieser Standort als nicht funktional<br />

erweisen, sollten in Zusammenarbeit mit der<br />

<strong>Stadt</strong>teilrunde gemeinsam Alternativen erarbeitet<br />

und abgesprochen werden.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 77<br />

<strong>Stadt</strong>teilbüro – Zwischennutzung<br />

Perspektivisch soll das <strong>Stadt</strong>teilbüro seinen<br />

Standort im Erdgeschoß des Quartierszentrums<br />

haben. Mit der Eröffnung eines <strong>Stadt</strong>teilbüros<br />

soll jedoch nicht bis zu Fertigstellung des Quartierszentrums<br />

gewartet werden. Für den Zeitraum<br />

der Modernisierungs- und Umbauarbeiten<br />

soll daher ein leerstehendes Ladenlokal in der<br />

Haydnstraße zwischengenutzt werden. Dieses<br />

wurde bereits angemietet und ist seit Ende Juni<br />

2010 in Betrieb. Die Finanzierung erfolgt derzeit<br />

aus Haushaltsmitteln. Perspektivisch soll<br />

hier eine Förderung aus dem Programm „Soziale<br />

<strong>Stadt</strong>“ erfolgen.<br />

Verfahren<br />

<strong>Stadt</strong>teilbüro – Zwischennutzung (Miet- und Nebenkosten) 2011 – 2012<br />

Entwicklung eines Raum- und Nutzungskonzepts 2011<br />

Erwerb Grundstück und Gebäude 2011<br />

Umbau- und Modernisierungsarbeiten 2011 – 2012<br />

Erweiterung Quartierszentrum (optional) 2013<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

<strong>Stadt</strong>teilbüro – Zwischennutzung<br />

(Miet- und Nebenkosten)<br />

XI. Zwischennutzung 10.000 €<br />

Erwerb Grundstück und Gebäude V. Grunderwerb 50.000 €<br />

Umbau- und Modernisierungsarbeiten X. Modernisierung und Instandsetzung<br />

<strong>von</strong> Gebäuden<br />

100.000 €<br />

Erweiterung Quartierszentrum (optional) IX. Neubau <strong>von</strong> Gebäuden 200.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 360.000 €<br />

Für den Erwerb des Offiziershauses wurden 2010 bereits 50.000 € Fördermittel beantragt.<br />

Für den Umbau- und Modernisierungsarbeiten des Offiziershauses wurden 2010 bereits 100.000 €<br />

Fördermittel beantragt.<br />

Für eine mögliche Erweiterung des Quartierszentrums wären Fördermittel neu zu beantragen<br />

(siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Für die Zwischennutzung des <strong>Stadt</strong>teilbüros wurden 2010 bereits 10.000 € Fördermittel beantragt.<br />

Förderpriorität: Erste Priorität


78 Maßnahmenkatalog<br />

M_05_Entwicklung räumlicher Möglichkeiten<br />

für Jugendarbeit<br />

<br />

<br />

Fehlende Zukunftsperspektiven<br />

Fehlender Schulabschluss<br />

Fehlende Angebote für Jugendliche wurden in<br />

allen Beteiligungsformen (<strong>Stadt</strong>teilrunde, Befragung,<br />

Bürgerforum) als dringliches Handlungsfeld<br />

benannt. Insbesondere gibt es im Degerfeld<br />

einen großen Bedarf nach einem eigenen<br />

Raum, der als Treffpunkt für Jugendliche dient<br />

und für verschiedene Aktivitäten genutzt werden<br />

kann. In Ergänzung des Quartierszentrums<br />

wird für die zweite Doppelhaushälfte des Offiziersgebäudes<br />

daher die Nutzung für Jugendarbeit<br />

vorgeschlagen. Der Vorschlag basiert dabei<br />

insbesondere auf der Nähe zu den Kleinsportfeldern,<br />

die bereits jetzt <strong>von</strong> Jugendlichen genutzt<br />

werden und als Treffpunkt dienen. Gleichzeitig<br />

bietet die räumliche Nähe zum Quartierszentrum<br />

aber auch die Möglichkeit, die Aktivitäten<br />

der beiden Einrichtungen zu vernetzen. Insbesondere<br />

könnte sich hier die Option für ein unverbindliches<br />

Kennerlernen zwischen Jugendlichen<br />

und z.B. älteren Bewohner des Degerfelds<br />

ergeben, aus der eine gegenseitige Akzeptanz<br />

erwachsen könnte. Um die Unverbindlichkeit als<br />

wichtige Voraussetzung für dieses „Beschnuppern“<br />

zu erhalten, sollten die Einrichtungen<br />

jedoch räumlich klar getrennt bleiben. Weiter<br />

würde eine solche räumliche Verbindung auch<br />

die Partizipation <strong>von</strong> Jugendlichen am Gemeinwesen<br />

unterstützen (siehe M_12).<br />

Arbeitslosigkeit<br />

Fehlende Ausbildungsmöglichkeiten<br />

Vermehrt psychische und körperliche<br />

Krankheiten oder Behinderungen<br />

Solche gravierende Hindernisse können zu sekundären<br />

Schwierigkeiten führen, wie z.B.:<br />

Vandalismus<br />

Körperliche Gewalt<br />

Drogen- und Alkoholmissbrauch<br />

Ruhestörungen / öffentliche Ärgernisse<br />

Es gilt also, diesen negativen und potentiell<br />

destruktiven Tendenzen pädagogisch entgegenzuwirken.<br />

Mögliche Maßnahmen sind hier:<br />

Förderung <strong>von</strong> persönlichen und beruflichen<br />

Potentialen, z.B. durch Partnerschaften<br />

mit der Agentur für Arbeit, Mentoring<br />

durch Geschäftsleute, IT-Training<br />

Kreative Talente aufbauen, z.B. Filmprojekte<br />

<strong>von</strong> Künstlern geleitet<br />

Soziales Engagement fördern, z.B. ehrenamtlicher<br />

Einsatz in der Gemeinschaft<br />

Gleichzeitig sollten auch die bestehenden Ansätze<br />

weiterverfolgt werden, um den besonderen<br />

Problemen <strong>von</strong> Jugendlichen aus sozial und<br />

ökonomisch schwachen Familien zu begegnen.<br />

Es ist abzusehen, dass sich viele Jugendliche<br />

verstärkt mit den folgenden Herausforderungen<br />

auseinandersetzen müssen:<br />

<br />

<br />

<br />

Zugehörigkeitsgefühl<br />

Motivation<br />

Intergenerative Arbeit, z.B. gemeinsam<br />

mit älteren Anwohnern lernen, Projekte<br />

über persönliche Lebenswege


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

79<br />

<br />

<br />

Sportangebote zur Förderung der Gesundheit<br />

und zwischenmenschlichen Fähigkeiten<br />

Vernetzung und Erfahrungsaustausch mit<br />

anderen Jugendorganisationen, auch internationalen<br />

Verfahren<br />

Ankauf zweite Offiziershaushälfte 2012<br />

Umbau zweite Offiziershaushälfte 2012<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Ankauf zweite Offiziershaushälfte V. Grunderwerb 50.000 €<br />

Umbau zweite Offiziershaushälfte X. Modernisierung und Instandsetzung<br />

<strong>von</strong> Gebäuden<br />

150.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 200.000 €<br />

Fördermittel für die Maßnahme sind neu zu beantragen<br />

(siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Zweite Priorität


80 Maßnahmenkatalog<br />

M_06_Kinder u. Familienzentrum<br />

Aus den Gesprächen im bisherigen Prozess geht<br />

hervor, dass viele Familien im Quartier Degerfeld<br />

mit den Anforderungen, die durch ihre Kinder<br />

an sie gestellt werden, sehr gefordert oder<br />

gar überfordert sind. Sie benötigen Hilfe und<br />

Beratung in besonderen Lebenssituationen. Vor<br />

dem Hintergrund, dass die „Schwellenängste“<br />

in Kindertageseinrichtungen am geringsten<br />

sind, sollen daher Bildung, Erziehung und Betreuung<br />

als Aufgabe des Kinderhaus „Pusteblume“<br />

(kommunale Kindertagesstätte mit angeschlossener<br />

Hortgruppe) unter einem Dach mit<br />

Angeboten der Beratung und Hilfe für Familien<br />

im Sinne eines Familienzentrums kombiniert<br />

werden. Das Familienzentrum soll dabei für<br />

Kinder und Familien Angebote einer leicht zugänglichen<br />

Unterstützung und Förderung machen.<br />

Damit soll die ganze Familie in die Lage<br />

versetzt werden gesellschaftlichen Anforderungen<br />

zu genügen. Aufgrund dieses Leitprinzips<br />

ist ein Familienzentrum das ideale Mittel für die<br />

Umsetzung der Grundgedanken des Programms<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“: Es ist ein Bildungs- und Erziehungsort,<br />

der an nachbarschaftliche Lebenszusammenhänge<br />

anknüpft und die Selbsthilfepotentiale<br />

der Eltern nutzt. So entstehen soziale<br />

Netzwerke <strong>von</strong> Kooperation, Integration und<br />

Information, deren Knotenpunkt das Familienzentrum<br />

ist. Das Familienzentrum wiederum ist<br />

ein Bestandteil der kommunalen Kinder– und<br />

Jugendarbeit der <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> und in das<br />

dortige Netzwerk eingebunden.<br />

Konkret soll das Familienzentrum unter anderem<br />

folgende Leistungen bieten:<br />

Hilfe bei der Herstellung der Balance zwischen<br />

Familie und Beruf<br />

Unterstützung bei Integrationsbemühungen<br />

in Migrantenfamilien<br />

Orientierungshilfe für verunsicherte Eltern<br />

Angebote zur Eingliederung in eine soziale<br />

Gemeinschaft<br />

Leicht zugängliche Möglichkeiten zu Teilhabe<br />

und Bildung<br />

Schaffung <strong>von</strong> Einsatzmöglichkeiten für<br />

Langzeitarbeitslose<br />

Chancen zur Wiedereingliederung und Qualifizierung<br />

Schon bestehende Förder- und Integrationsprojekte<br />

wie die bereits seit 2008 laufenden<br />

Aktivitäten im Rahmen des Projekts „frühstart“<br />

(Sprachförderung, interkulturelle Bildung und<br />

Elternarbeit) sollen dabei fortgeführt werden.<br />

Synergien ergeben sich für das Familienzentrum<br />

aus der unmittelbaren Nachbarschaft der<br />

„Pusteblume“ zur Grundschule im Degerfeld.<br />

Hier soll eine Verknüpfung beider Einrichtungen<br />

im Sinne eines Campus – Gedankens erfolgen,<br />

der dem Zentrum ein Alleinstellungsmerkmal<br />

verleiht und es zu einem Modellprojekt werden<br />

lässt. Gleichzeitig soll die Schaffung eines Familienzentrums<br />

mit einer Verbesserung der U3-<br />

Betreuung einhergehen, für die angesichts der<br />

Bevölkerungsstruktur im Degerfeld und auch<br />

darüber hinaus dringender Bedarf besteht.<br />

Baulich umfasst das Gesamtprojekt dabei folgende<br />

Aspekte:<br />

Die bestehende kommunale Kinderbetreuungseinrichtung,<br />

das Kinderhaus „Pusteblume“,<br />

soll energetisch saniert werden.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

81<br />

<br />

In unmittelbarer Nachbarschaft ist der Neu-<br />

<br />

Die Turnhalle der Grundschule ist nicht nur<br />

bau des Kinder- und Familienzentrums ge-<br />

ein Ort für Schul– und Vereinssport, son-<br />

plant, der multifunktionale Räume für ein<br />

dern bietet auch den Kindergruppen des Fa-<br />

Familienzentrum sowie Platz für eine vier-<br />

milienzentrums zu bestimmten Zeiten Raum<br />

gruppige U3-Betreuung (40 Kinder im Alter<br />

für große Bewegungsangebote oder Feiern.<br />

<strong>von</strong> 1 – 3 Jahren) bietet. Für die Erweiterung<br />

der U3-Betreuung sollen in das Projekt<br />

auch Mittel des Investitionsprogramms<br />

„Kinderbetreuungsfinanzierung“ eingesetzt<br />

werden.<br />

<br />

Viele Räume des Familienzentrums sind<br />

multifunktional nutzbar. Wo während der<br />

Kinderbetreuungszeit z.B. Elterngespräche<br />

geführt werden, kann außerhalb dieser Zeiten<br />

ein Kursangebot stattfinden.<br />

<br />

Damit aus dem bestehenden Gebäude und<br />

dem Neubau ein Familienzentrum entsteht,<br />

soll eine bauliche Verbindung beider Gebäude<br />

hergestellt werden.<br />

<br />

Gleichzeitig finden viele Angebote für Eltern<br />

während der Betreuungszeiten statt, z.B.<br />

das Eltern-Café, Sprachkurse für Migranten,<br />

Beratungen unterschiedlichster Art, etc.<br />

Einige der neu geschaffenen Räume sollen vielseitige<br />

Synergieeffekte bieten:<br />

So bietet ein Mehrzweckraum tagsüber einen<br />

Ort für Bewegungsangebote für Kinder,<br />

er kann außerhalb der Kinderbetreuungszeiten<br />

beispielsweise für Gruppenangebote<br />

(z.B. interkulturelles Tanzen), Versammlungen<br />

oder Vorträge oder sogar für Familienfeiern<br />

genutzt werden.<br />

Ein Medienraum steht den älteren Kindern<br />

aus Familienzentrum und Schule zur Verfügung,<br />

aber auch anderen Gruppen (z.B.<br />

Computerkurse, Projektgruppen).<br />

In der neuen Küche können nicht nur die<br />

Mahlzeiten für die Kinder des Familienzentrums<br />

zubereitet werden, sondern auch die<br />

Mittagessen der Ganztagsschüler und evtl.<br />

Essensangebote für ältere Bewohner des<br />

Degerfelds. Die schon vorhandene Küche<br />

des Kinderhauses kann für Kochveranstaltungen<br />

für Kinder, aber auch für Kochkurse<br />

und Veranstaltungen zur gesunden Ernährung<br />

genutzt werden.<br />

Ein ganz anderer, bisher noch nicht erwähnter<br />

Vorteil ergibt sich zwangsläufig durch die gegenseitige<br />

Bereitstellung <strong>von</strong> Räumen und den<br />

Campus-Charakter. Da sich Kinder <strong>von</strong> einem<br />

Jahr bis zum Ende des Grundschulalters mehr<br />

oder weniger unter einem Dach aufhalten,<br />

Räumlichkeiten gemeinsam nutzen, entsteht<br />

eine Durchlässigkeit zwischen den einzelnen<br />

Bildungsstufen. Keine Altersgruppe ist mehr für<br />

sich isoliert, es können gruppenübergreifende<br />

Angebote gemacht werden. Dadurch werden<br />

früher bestehende Brüche zwischen den Bildungsstufen<br />

abgebaut und gleichzeitig ein Lernen<br />

der Altersstufen mit– und <strong>von</strong>einander ermöglicht.<br />

Insgesamt bedeutet das Familienzentrum neben<br />

der Durchlässigkeit der verschiedenen Bildungsstufen<br />

der Kinder (was als Kern des Familienzentrums<br />

angesehen werden kann) eine<br />

Verbindung zu den Familien und darüber hinaus<br />

in den ganzen <strong>Stadt</strong>teil und umgekehrt. Die Angebote<br />

des Familienzentrum mit dem Schwerpunkt<br />

auf Bildung und Lebensberatung sollen


82 Maßnahmenkatalog<br />

dabei die Angebote des geplanten Quartierszentrums<br />

(siehe M_04) mit dem Schwerpunkt<br />

auf nachbarschaftliches Zusammenleben und<br />

die Arbeit des Quartiersmanagements (siehe<br />

M_02) ergänzen und eng mit diesen verknüpft<br />

werden. Es ist daher ein wichtiges Projekt für<br />

die integrierte Entwicklung des Quartiers Degerfeld<br />

und hilft einem funktionalen Mangel im<br />

Quartier ab. Träger der Einrichtung ist die <strong>Stadt</strong><br />

<strong>Butzbach</strong>.<br />

Das Kinderhaus „Pusteblume“ wird ausschließlich<br />

<strong>von</strong> Kindern aus dem Fördergebiet besucht,<br />

insofern richtet sich das Angebt des Familienzentrums<br />

auch ausschließlich an Familien aus<br />

dem Gebiet. Das Projekt dient somit den Zielen<br />

der nachhaltigen <strong>Stadt</strong>entwicklung im Gebiet.<br />

Erschließung Kinder und Familienzentrum:<br />

Bustrasse + Umgestaltung Wendehammer<br />

Da der vorgeschlagene Standort in Nachbarschaft<br />

des Kinderhauses „Pusteblume“ derzeit<br />

nicht erschlossen ist, sollte eine Erschließung<br />

geschaffen werden, die das Zentrum direkt mit<br />

der B3 verbindet.<br />

Dabei wird empfohlen, im Zuge dieser Maßnahme<br />

die Verbindung auch bis in den Wendehammer<br />

am Kinderhaus zu verlängern, um das obere<br />

Degerfeld via den Bildungsstätten direkt mit<br />

der B3 zu verbinden. Der Wendehammer wird<br />

derzeit morgens und nachmittags vom öffentlichen<br />

Busverkehr frequentiert, um Schulkinder<br />

zu bringen bzw. zu holen und fungiert ansonsten<br />

nur als Parkplatz für Besucher und Anwohner.<br />

Um jedoch Durchgangsverkehr im Bereich <strong>von</strong><br />

Schule und Kindergarten zu vermeiden, sollte<br />

diese Verlängerung exklusiv für die Benutzung<br />

<strong>von</strong> öffentlichen Verkehrsmitteln geöffnet sein.<br />

Damit könnte gleichzeitig der Buswendeverkehr<br />

aus dem Kreisel gezogen werden und die Effektivität<br />

der Linienführung erhöht werden.<br />

Zudem könnte der bestehende Wendehammer<br />

in einen kinderfreundlichen, sozialräumlich vielseitig<br />

nutzbaren Platz umgewandelt werden, der<br />

nicht nur als Haltestelle funktionieren würde,<br />

sondern auch den angestrebten Campus-Charakter<br />

der beiden Einrichtungen hervorheben<br />

würde und grundsätzlich auch als öffentlicher<br />

Platz dem Gebiet eine positive Bedeutung verleihen<br />

könnte.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

83<br />

Verfahren<br />

Neubau Kinder u. Familienzentrum 2011 – 2012<br />

Planung Bustrasse + Umgestaltung Wendehamme 2012<br />

Bau Bustrasse + Umgestaltung Wendehammer 2012<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Baukosten Kinder u. Familienzentrum IX. Neubau <strong>von</strong> Gebäuden 2.200.000 €<br />

Planung / Bau<br />

VII. Verbesserung der<br />

Bustrasse + Umgestaltung Wendehammer Verkehrsverhältnisse<br />

400.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Kinderbetreuungsfinanzierung 580.000 €<br />

Gesamtkosten 3.180.000 €<br />

Für den Neubau des Kinder- und Familienzentrums wurden 2010 bereits 2.200.000 € Fördermittel<br />

beantragt. Von den Gesamtkosten sollen 580.000 € aus Mitteln des Bundesinvestitionsprogramms<br />

„Kinderbetreuungsfinanzierung“ gedeckt werden.<br />

Die Fördermittel für die Planung und den Bau der Bustrasse mit Umgestaltung des Wendehammers<br />

sind neu zu beantragen (siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Erste Priorität


84 Maßnahmenkatalog<br />

M_07_Aufwertung (halb-)öffentlicher<br />

Raum<br />

Der öffentliche Raum im Degerfeld wird weitgehend<br />

als positiv empfunden. Insbesondere werden<br />

die direkte Nähe zum Wald und die relative<br />

Abgeschiedenheit des Viertels als spezielle<br />

Merkmale genannt.<br />

Dennoch sind im Degerfeld im gewissen Umfang<br />

Attraktivierungen des öffentlichen Raums<br />

notwendig, insbesondere im Hinblick auf folgende<br />

Aspekte:<br />

Diese Umgestaltungen sind nicht als Maßnahme<br />

„in einem Rutsch“ und nach einem Konzept zu<br />

verstehen. Sie sollten eher als Prozess insbesondere<br />

gemeinsam mit der <strong>Stadt</strong>teilrunde und<br />

anderen Bürgern verstanden werden, dessen<br />

Planung durch das Quartiersmanagement geleitet<br />

wird. Die unten genannten Kosten sind daher<br />

vielmehr als ein „Budget“ für entsprechende<br />

Maßnahmen zu verstehen, die nach und nach<br />

umgesetzt werden.<br />

Da ein großer Anteil der betroffenen (halb-)<br />

öffentlichen Räume im Besitz der <strong>Butzbach</strong>er<br />

Wohnungsesellschaft ist, wird insofern eine aktive<br />

Kooperation erwartet, um diese Maßnahme<br />

realistisch umsetzen zu können.<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

Erneuerung Möblierung (Sitzgruppen, Fahrradständer)<br />

und gestalterische Akzente<br />

(z.B. Skulpturen, die durch Kunstprojekte<br />

mit Jugendlichen entstanden sind)<br />

Differenzierung der Grünflachen und Aufwertung<br />

der Bepflanzung<br />

Attraktivierung der Aufenthaltsqualität für<br />

Eltern mit Kindern durch Schaffung <strong>von</strong><br />

neuen und Verbesserung <strong>von</strong> existierenden<br />

Spielangeboten<br />

Verstärkt Maßnahmen zur Herstellung <strong>von</strong><br />

Barrierefreiheit<br />

Gestaltung <strong>von</strong> diskreten Standorten für<br />

Mülltonnen und öffentlichen Abfallbehältern<br />

Schaffung <strong>von</strong> besseren Verbindungen für<br />

Fuß- und Radverkehr zum Wald und zur<br />

Kernstadt (Durchgängigkeit der Fahrradwege,<br />

Beschilderung, Beleuchtung, etc.)<br />

Spezielle Projekte, wie z.B. die Schaffung<br />

eines interkulturellen Kleingartens


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong><br />

85<br />

Verfahren<br />

Planung und Umsetzung<br />

2014 - Ende<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Planung und Umsetzung VIII. Wohnumfeldmaßnahmen 600.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 600.000 €<br />

Fördermittel für die Maßnahme sind neu zu beantragen (siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Zweite Priorität


86 Maßnahmenkatalog<br />

M_08_ (Welt-)Kulturwiese<br />

Mögliche Bausteine könnten z.B. sein:<br />

Im Eingangsbereich des Quartiers an der B3 befindet<br />

sich eine Freifläche, die eine sehr unbefriedigende<br />

Gestaltung aufweist. Eine Besonderheit<br />

der Fläche ist, dass sich dort unterirdisch Überreste<br />

des römischen Kastells Hunneburg finden,<br />

die seit 2005 als Teil des obergermanisch-rätischen<br />

Limes in die UNESCO-Weltkulturerbeliste<br />

aufgenommen sind.<br />

<br />

<br />

Nachvollzug der Umwehrung des Kastells<br />

bzw. der Eckpunkte durch Bepflanzungen,<br />

ggf. auch die Anlage <strong>von</strong> Winkelelementen<br />

an den Eckpunkten.<br />

Rekonstruktionen <strong>von</strong> bestimmten Elementen<br />

als sozialpädagogisches Projekt in<br />

Kooperation z.B. mit der Degerfeldschule<br />

und / oder anderen Einrichtungen.<br />

Angrenzend an die Festwiese und in unmittelbarer<br />

Nähe zu dem geplanten Quartierszentrum<br />

(siehe M_04), befindet sich ein weiteres, weitgehend<br />

unbebautes Areal, auf dem insbesondere<br />

Kleinsportfelder der ehemaligen Housing<br />

Area liegen. Die Sportfelder stellen bereits jetzt<br />

einen wichtigen Aktionsraum und Treffpunkt für<br />

Jugendliche aus dem Degerfeld dar.<br />

Durch eine entsprechende Gestaltung der Fläche<br />

soll hier der integrierte und partizipative<br />

Ansatz einer <strong>Stadt</strong>entwicklung im Rahmen des<br />

Programms „Soziale <strong>Stadt</strong>“ mit den Managementzielen<br />

für den obergermanisch-rätischen Limes<br />

verbunden werden. Dieser sieht vor, das<br />

Erscheinungsbild des Limes und damit seine<br />

Erfahrbarkeit durch geeignete Pflege und Entwicklungsmaßnahmen<br />

langfristig zu verbessern.<br />

Mit der Maßnahme soll dabei gleichzeitig<br />

die Identifikation der Bewohner des Degerfelds<br />

mit dem Bereich verbessert, die Erfahrbarkeit<br />

des Weltkulturerbes erhöht und über ein attraktives<br />

Entree mit Alleinstellungsmerkmal<br />

an der B3 positive Impulse für das Image des<br />

Degerfelds gesetzt werden. Mit den Vertretern<br />

der Bodendenkmalpflege besteht bezüglich des<br />

Projekts bereits eine enge Abstimmung.<br />

Herstellung <strong>von</strong> Bezügen zwischen dem<br />

Römischen Reich und der interkulturellen<br />

Bevölkerungsstruktur des Degerfeldes im<br />

Kontext eines soziokulturellen Projektes<br />

(„Wir alle waren Teil des Römerreichs“).<br />

Schaffung <strong>von</strong> themenbezogenen Anlaufpunkten<br />

für den Nahtourismus, z.B. Angebote<br />

zum Reiten als „Römer“ oder „Germane“<br />

in Kooperation mit dem benachbarten<br />

Reitplatz.<br />

Im Rahmen des Programms „Soziale <strong>Stadt</strong>“<br />

sollen dabei auch die Flächen und die Sportfelder<br />

erworben werden. Perspektivisch soll dort<br />

eine Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten<br />

erfolgen, z.B. Sportmöglichkeiten für jüngere<br />

und ältere Anwohner, interkulturelle Grillplätze.<br />

Hierfür ist ein partizipatives Verfahren im<br />

Zuge des Quartiersmanagements (siehe M_02)<br />

in Kooperation mit der Jugendsozialarbeit der<br />

Einrichtung „Cafe Kanne“ und im Kontext des<br />

künftigen Quartierszentrums (siehe M_04) sowie<br />

des künftigen Jugendtreffs (siehe M_05)<br />

geplant.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 87<br />

Verfahren<br />

Erstellung Freiflächenkonzept 2011<br />

Erwerb Kleinsportfelder und Freifläche Housing Area 2011<br />

Umsetzung des Freiflächenkonzepts (Welt-)Kulturwiese 2013<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Freiflächenkonzepterstellung I. Vorbereitung <strong>von</strong> Maßnahmen 20.000 €<br />

Erwerb Kleinsportfelder und Freifläche V. Grunderwerb 30.000 €<br />

Umsetzungskosten VIII. Wohnumfeldmaßnahmen 200.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 250.000 €<br />

Freiflächenkonzepterstellung und Erwerb Kleinsportfelder und Freifläche in 2010 beantragt. Fördermittel<br />

für die Umsetzungskosten sind neu zu beantragen (siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Für die Umsetzungskosten wurde 2010 eine Förderung aus dem „Investitionsprogramm nationale<br />

UNESCO-Welterbestätten“ beantragt. Dem Antrag wurde jedoch nicht entsprochen.<br />

Förderpriorität: Erste Priorität<br />

Gestaltungsbeispiel


88 Maßnahmenkatalog<br />

M_09_Verkehrsplanerische Maßnahmen<br />

Die allgemeine Verkehrssituation im Degerfeld<br />

wurde in den bisherigen Beteiligungsformen<br />

eher als unproblematisch beschrieben. Dennoch<br />

haben sich aus den Untersuchungen wichtige<br />

Handlungsfelder herauskristallisiert.<br />

Verkehrsberuhigung<br />

In der Pohlgönser Straße und der Mozart Straße<br />

wurde ein zu schneller und lärmbelastender<br />

Verkehr festgestellt. Anwohner haben auf bestehende<br />

Gefahren hingewiesen, die besonders für<br />

Verkehrsteilnehmer wie Klein- oder Schulkinder,<br />

ältere und behinderte Menschen eine reelle Gefahr<br />

darstellen. Die Einführung verkehrsberuhigender<br />

Maßnahmen würde die Wohnqualität<br />

verbessern und das allgemeine Wohlbefinden<br />

im Wohnumfeld fördern.<br />

Für die Vorbereitung einer verkehrsberuhigenden<br />

Umgestaltung dieser Straßen wird vorgeschlagen,<br />

eine verkehrsbezogene Bestandsaufnahme<br />

aus Sicht der Bürger, z.B. durch<br />

gemeinsame <strong>Stadt</strong>teilspaziergänge, durchzuführen,<br />

um unsichere Querungen und ähnliche<br />

Probleme zu identifizieren und Ideen für mögliche<br />

Lösungen zu artikulieren.<br />

Die Umsetzung der verkehrsplanerischen Maßnahmen<br />

sollte in gestaffelten Phasen angesetzt<br />

werden.<br />

Erschließungsplanung Verbindung der<br />

nördlichen Quartiersbereiche<br />

Gleichzeitig wird vorgeschlagen, im Zuge der<br />

Schaffung einer Erschließung für das Kinderund<br />

Familienzentrum (siehe M_06) auch verkehrplanerische<br />

Überlegungen über eine Verbindung<br />

der nördlichen Quartiersbereiche über<br />

den bisher unbebauten Bereich zwischen der<br />

Straße „An der Landwehr“ und dem nördlichen<br />

Ende der Johann-Sebastian-Bach-Straße anzustellen.<br />

Hier besteht im Degerfeld ein funktionales Manko<br />

durch die fehlende Straßen- bzw. Fußwegeverbindung<br />

zwischen dem nordwestlichen Teil<br />

des Quartiers und dem nordöstlichen Teil bzw.<br />

der B3. Ebenso ist problematisch, dass die Straßenanbindung<br />

des Quartiers in Richtung Innenstadt<br />

und Autobahnanschluss derzeit vor allem<br />

über den Ebersgönser Weg und die B3 erfolgt,<br />

was den Kreuzungsbereich überlastet. In einem<br />

Erschließungskonzept sollten Lösungen zur besseren<br />

Anbindung aller Quartiersbereiche an die<br />

B3 über die vorhandene Siedlungslücke hinweg<br />

entwickelt und zudem Perspektiven für eine<br />

zukünftige Arrondierung der Siedlungsstruktur<br />

aufgezeigt werden. Dabei ist zu beachten,<br />

dass auch auf der Siedlungslücke linienhaft der<br />

Limes als Weltkulturerbe verläuft. Für die notwendigen<br />

Querungen sind gemeinsam mit der<br />

Bodendenkmalpflege entsprechende Lösungen<br />

zu entwickeln.<br />

Diese sollten jedoch nicht auf eine Ausführung<br />

in naher Zukunft gerichtet sein, sondern<br />

vielmehr eine langfristige Perspektive für eine<br />

mögliche Siedlungserweiterung darstellen. Vorgeschlagen<br />

wird daher nur die Förderung einer<br />

entsprechenden Planung, nicht aber eine Förderung<br />

entsprechender Straßenbauinvestitionen.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 89<br />

Verfahren<br />

Erstellung Verkehrsberuhigungskonzept unter starker<br />

2013<br />

Beteiligung der Öffentlichkeit<br />

Ausführung verkehrsberuhigender Maßnahmen 2014 - 2016<br />

Erschließungsplanung Verbindung 2011<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Verkehrsberuhigung - Umsetzung VII. Verbesserung der Verkehrsverhältnisse 150.000 €<br />

Erschließungsplanung Verbindung I. Vorbereitung der Maßnahme 25.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 175.000 €<br />

Kosten für die Erschließungsplanung Verbindung wurden in 2010 beantragt.<br />

Weitere Fördermittel für die Maßnahme sind neu zu beantragen<br />

(siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Zweite Priorität


90 Maßnahmenkatalog<br />

M_10_Wohnraumentwicklung<br />

Aus den Erhebungen zu Wohnstandards und<br />

demographischer Struktur im Quartier zeigt<br />

sich, dass hier in der Zukunft mit einem zunehmenden<br />

Auseinanderklaffen zwischen Wohnbedürfnissen<br />

und Wohnungsangebot zu rechnen<br />

ist. Dies betrifft die Mietwohnungsbestände der<br />

<strong>Butzbach</strong>er Wohnungsgesellschaft ebenso wie<br />

die Eigenheime im Quartier. Es wird daher vorgeschlagen,<br />

in enger Kooperation mit den öffentlichen<br />

und privaten Wohnungseigentümern<br />

ein Wohnraumentwicklungskonzept zu erstellen,<br />

das zukünftige Trends abbildet und Maßnahmen<br />

zur Anpassung des Bestands an neue Anforderungen<br />

und Zielgruppen, etwa im Segment<br />

seniorengerechten Wohnens, definiert. Eingebunden<br />

werden sollten dabei auch die künftigen<br />

Eigentümer der Bestände in der Housing Area.<br />

Das Wohnraumentwicklunskonzept sollte beinhalten:<br />

Situationsanalyse: Recherche, Zusammenstellung<br />

und Bewertung der zentralen Informationen<br />

zu wirtschaftlichen Rahmenbedingungen,<br />

der Wohnungsnachfrage und des<br />

Wohnungsangebots (quantitativ und qualitativ)<br />

Prognostische Aussagen zur künftigen Entwicklung<br />

<strong>von</strong> Angebot und Nachfrage.<br />

Ziele und Strategien für die relevanten<br />

Handlungsfelder<br />

Maßnahmen und Instrumente zur Umsetzung<br />

der Ziele und Strategien<br />

Struktur für das Monitoring und die Evaluation<br />

des Konzepts<br />

Vorgeschlagen wird dabei nur die Förderung einer<br />

entsprechenden Konzeption, die Umsetzung<br />

der Maßnahmen sollte durch die Eigentümer erfolgen.<br />

Verfahren<br />

Erstellung Wohnraumentwicklungskonzept 2014<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Kosten Konzepterstellung I. Vorbereitung der Maßnahme 50.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 50.000 €<br />

Fördermittel für die Maßnahme sind neu zu beantragen (siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Zweite Priorität


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 91<br />

M_11_Konzept Einzelhandel und Gastronomie<br />

Aus den Beteiligungsrunden (<strong>Stadt</strong>teilrunden,<br />

Arbeitsgruppe, Befragung, Bürgerforum) geht<br />

hervor, dass die unzureichende Nahversorgung<br />

eines der zentralen Handlungsfelder im<br />

Degerfeld darstellt. Zum Thema Einzelhandel<br />

und Gastronomie existieren für die Bewohner<br />

im Degerfeld insbesondere folgende Schwachpunkte:<br />

Eine erhebliche Mehrheit der Anwohner<br />

muss ihre Einkäufe außerhalb des Degerfelds<br />

tätigen. Die Hauptgründe hierfür sind,<br />

dass in Fußläufigkeit kein günstiges und<br />

ausreichendes Warenangebot zu finden ist.<br />

Problematisch ist dies vor allem für weniger<br />

mobile Gruppen.<br />

Es existieren für die Anwohner keine ausreichenden<br />

Möglichkeiten sich informell zu<br />

treffen. Es wird sich besonders eine kleine<br />

Gastronomie gewünscht, wie zum Beispiel<br />

ein Café.<br />

Zudem wird vorgeschlagen, die kommerziellen<br />

Angebote eines solchen Nahversorgungszentrums<br />

mit komplementären Angeboten<br />

im zentralen Bereich des Degerfelds<br />

zu ergänzen, welche insbesondere durch<br />

ältere Bewohner in Anspruch genommen<br />

werden könnten. Angesichts der bisherigen<br />

Zurückhaltung kommerzieller Anbieter sollten<br />

diese Angebote vor allem im Bereich des<br />

Gemeinwesens angesiedelt werden, z.B. ein<br />

Bring- und Holdienst als nichtinvestive Maßnahme<br />

im Bereich Nachbarschaftshilfe und/<br />

oder Qualifikation (siehe M_02).<br />

Es sollte daher für den Bereich Degerfeld ein<br />

Einzelhandelskonzept erstellt werden, um die<br />

Möglichkeiten für Entwicklungen und alternative<br />

Lösungen umfassend und realistisch einschätzen<br />

sowie die verschiedenen Ansätze koordinieren<br />

zu können.<br />

<br />

Ältere Anwohner und Familien mit jungen<br />

Kindern, aber auch behinderte Menschen<br />

haben einen besonderen Bedarf für ärztliche<br />

Dienstleistungen, die vor Ort angesiedelt<br />

sind.<br />

Wie bereits in der Bestandaufnahme dargestellt,<br />

sollten hierbei verschiedene Aktivitäten<br />

gebündelt werden:<br />

<br />

Es wird hier einerseits vorgeschlagen, intensiv<br />

an der Akquisition <strong>von</strong> neuem Einzelhandel<br />

zu arbeiten, aber gleichzeitig den<br />

bestehenden Einzelhandel im zentralen Bereich<br />

zu erhalten und zu optimieren.


92 Maßnahmenkatalog<br />

Verfahren<br />

Konzepterstellung Einzelhandel und Gastronomie 2012<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Konzepterstellung Einzelhandel und<br />

I. Vorbereitung <strong>von</strong> Maßnahmen 20.000 €<br />

Gastronomie<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 20.000 €<br />

Fördermittel für die Maßnahme sind neu zu beantragen<br />

(siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Erste Priorität


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 93<br />

M_12_Öffentlichkeitsarbeit<br />

Um einer Imageverschlechterung in der Außenwahrnehmung<br />

und einer sinkender Identifikation<br />

mit dem Gebiet in der Innenwahrnehmung<br />

entgegenzuwirken, sollte für die allgemeine,<br />

projektbezogene Öffentlichkeitsarbeit eine professionelle<br />

Werbeagentur beauftragt werden,<br />

um in den nächsten Jahren eine Image-Kampagne<br />

für das Gebiet durchzuführen (z.B. Logo,<br />

Flyer, Homepage, Quartierszeitung, etc.). Dabei<br />

sollen die Bürger und die <strong>Stadt</strong>teilrunde intensiv<br />

eingebunden werden und die Möglichkeit<br />

bekommen, ihre Gedanken und ihr Gebietsverständnis<br />

einzubringen. Ebenso als Teil der Öffentlichkeitsarbeit<br />

werden besondere Aktionen,<br />

etwa Kunstaktionen im öffentlichen Raum, vorgeschlagen.<br />

Ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit<br />

sollten zudem Veranstaltungen zur Förderung<br />

der Nachbarschaft sein. 2010 fand erstmals<br />

ein interkulturelles <strong>Stadt</strong>teilfest mit dem<br />

Titel „Ein Fest für Alle“ statt, welches im Rahmen<br />

des Projekts „frühstart“ initiiert wurde. In<br />

den kommenden Jahren soll es erweitert werden,<br />

insbesondere sollen weitere lokale Projektträger<br />

und Initiativen in die Organisation eingebunden<br />

werden.<br />

Verfahren<br />

Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere Erstellung<br />

eines Imagekonzepts und Strategie<br />

2010 - Ende<br />

Finanzierung<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ förderfähige Kosten:<br />

Öffentlichkeitsarbeit IV. Öffentlichkeitsarbeit 100.000 €<br />

Im Programm „Soziale <strong>Stadt</strong>“ nicht förderfähige Kosten:<br />

Gesamtkosten 100.000 €<br />

Fördermittelantrag 2010: 10.000 €. Weitere Fördermittel für die Maßnahme sind jeweils neu zu<br />

beantragen (siehe Kosten- und Finanzierungsübersicht).<br />

Förderpriorität: Erste Priorität


94 Kosten- und Finanzierungsübersicht<br />

7.<br />

Kosten- und Finanzierungsübersicht<br />

Nr. Maßnahmenbezeichnung 2009 2010 2011 2012 2013<br />

I. Vorbereitung<br />

M 01 Integriertes Handlungskonzept 35.700<br />

M 08 Freiflächenkonzept Kulturwiese (Festwiese/Hunneburg) 20.000<br />

M 09 Erschließungsplanung Verbindung Teilbereiche 25.000<br />

M 10 Wohnraumentwicklungskonzept 50.000<br />

M 11 Konzept Einzelhandel und Gastronomie 20.000<br />

II.<br />

Steuerung<br />

M 02 Steuerungsleistungen in der Konzeptionsphase 14.300<br />

M 02 Quartiersmanagement 100.000 200.000 200.000<br />

M 03 HEGISS-Begleitforschung 10.000 10.000 10.000 10.000<br />

III.<br />

Vergütung für Beauftragte (ohne <strong>Stadt</strong>teilmanagement)<br />

M 02 Nichtinvestive Projekte 100.000 100.000 100.000<br />

IV.<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

M 12 Öffentlichkeitsarbeit 10.000 10.000 20.000 10.000<br />

V. Grunderwerb<br />

M 04 Quartierszentrum - Erwerb Grundstück und Gebäude 50.000<br />

M 05 Jugendzentrum - Ankauf Gebäude 50.000<br />

M 08 Erwerb Kleinsportfelder und Freifläche 30.000<br />

VII.<br />

Vebesserung der Verkehrsverhältnisse<br />

M 06 Entwicklung/Bau Bustrasse + Umgestaltung Wendehammer 400.000<br />

M 09 Verkehrsplanerische Maßnahmen - Verkehrsberuhigung 50.000<br />

VIII.<br />

Wohnumfeldmaßnahmen<br />

M 07 Aufwertung öffentlicher Raum - Planung und Umsetzung 100.000<br />

M 08 Umgestaltung Kulturwiese (Festwiese/Hunneburg) 200.000<br />

IX.<br />

Neubau <strong>von</strong> Gebauden<br />

M 04 Erweiterung Quartierszentrum 200.000<br />

M 06 Baukosten Kinder und Familienzentrum 2.200.000<br />

X. Modernisierung und Instandsetzung <strong>von</strong> Gebäuden<br />

M 04 Umbau Quartierszentrum 100.000<br />

M 05 Jugendzentrum - Umbau 150.000<br />

XI.<br />

Zwischennutztung<br />

M 04 <strong>Stadt</strong>teilbüro 10.000<br />

Summe 50.000 2.555.000 940.000 530.000 520.000


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 95<br />

2014 2015 2016 2017 2018 2019<br />

Gesamt förderfähige<br />

Kosten<br />

Nicht förderfähige<br />

Kosten<br />

Gesamt<br />

kosten<br />

35.700 35.700<br />

20.000 20.000<br />

25.000 25.000<br />

50.000 50.000<br />

20.000 20.000<br />

14.300 14.300<br />

200.000 200.000 100.000 1.000.000 1.000.000<br />

10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 100.000 100.000<br />

100.000 100.000 100.000 100.000 100.000 200.000 1.000.000 1.000.000<br />

10.000 10.000 10.000 10.000 5.000 5.000 100.000 100.000<br />

50.000 50.000<br />

50.000 50.000<br />

30.000 30.000<br />

400.000 400.000<br />

50.000 50.000 150.000 150.000<br />

100.000 100.000 100.000 100.000 100.000 600.000 600.000<br />

200.000 200.000<br />

200.000 200.000<br />

2.200.000 580.000 2.780.000<br />

100.000 100.000<br />

150.000 150.000<br />

10.000 10.000<br />

270.000 470.000 220.000 420.000 215.000 315.000 6.505.000 580.000 7.085.000


96 Kosten- und Finanzierungsübersicht<br />

Nr. Maßnahmenbezeichnung 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Kosten Summe<br />

I. Vorbereitung<br />

M 01 Integriertes Handlungskonzept 35.700<br />

M 08 Freiflächenkonzept Kulturwiese (Festwiese/Hunneburg) 20.000<br />

M 09 Erschließungsplanung Verbindung Teilbereiche 25.000<br />

M 10 Wohnraumentwicklungskonzept 50.000<br />

M 11 Konzept Einzelhandel und Gastronomie 20.000<br />

150.700<br />

II.<br />

Steuerung<br />

M 02 Steuerungsleistungen in der Konzeptionsphase 14.300<br />

M 02 Quartiersmanagement 1.000.000<br />

M 03 HEGISS-Begleitforschung 100.000<br />

1.114.300<br />

III.<br />

Vergütung für Beauftragte (ohne <strong>Stadt</strong>teilmanagement)<br />

M 02 Nichtinvestive Projekte 1.000.000<br />

1.000.000<br />

IV.<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

M 12 Öffentlichkeitsarbeit 100.000<br />

100.000<br />

V. Grunderwerb<br />

M 04 Quartierszentrum - Erwerb Grundstück und Gebäude 50.000<br />

M 05 Jugendzentrum - Ankauf Gebäude 50.000<br />

M 08 Erwerb Kleinsportfelder und Freifläche 30.000<br />

130.000<br />

VII.<br />

Vebesserung der Verkehrsverhältnisse<br />

M 06 Entwicklung/Bau Bustrasse + Umgestaltung Wendehammer 400.000<br />

M 09 Verkehrsplanerische Maßnahmen - Verkehrsberuhigung 150.000<br />

550.000<br />

VIII.<br />

Wohnumfeldmaßnahmen<br />

M 07 Aufwertung öffentlicher Raum - Planung und Umsetzung 600.000<br />

M 08 Umgestaltung Kulturwiese (Festwiese/Hunneburg) 200.000<br />

800.000<br />

IX.<br />

Neubau <strong>von</strong> Gebauden<br />

M 04 Erweiterung Quartierszentrum 200.000<br />

M 06 Baukosten Kinder und Familienzentrum 2.200.000<br />

2.400.000<br />

X. Modernisierung und Instandsetzung <strong>von</strong> Gebäuden<br />

M 04 Umbau Quartierszentrum 100.000<br />

M 05 Jugendzentrum - Umbau 150.000<br />

250.000<br />

XI.<br />

Zwischennutztung<br />

M 04 <strong>Stadt</strong>teilbüro 10.000<br />

10.000<br />

Summe 6.505.000 6.505.000


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 97<br />

8.<br />

Künftige Umsetzungsstrategien und Beteiligungsstruktur<br />

Nach der Vorlage des Integrierten Handlungskonzeptes<br />

müssen im nächsten Schritt geeignete<br />

Strukturen für die Umsetzung der Maßnahmen<br />

geschaffen werden. Die Strukturierung<br />

des weiteren Prozesses ist dabei eine zentrale<br />

Aufgabe des Quartiersmanagements. Berücksichtigt<br />

werden müssen insbesondere folgende<br />

Aspekte:<br />

Die <strong>Stadt</strong>teilrunde soll auch weiterhin als<br />

regelmäßig tagendes Gremium die Entwicklung<br />

des Fördergebietes begleiten. Hier<br />

sollten für den weiteren Prozess bestimmte<br />

Regeln und Routinen ausgebildet werden<br />

(z.B. Vertretungsregelungen für die Mitglieder,<br />

Strukturen der Entscheidungsfindung,<br />

möglicherweise Definition eines Sprechers<br />

bzw. einer Sprecherin, Organisation des Informationsflusses<br />

zwischen <strong>Stadt</strong>teilrunde<br />

und den politischen Entscheidungsgremien,<br />

etc.).<br />

In der Befragung sagen 67,8% der Befragungsteilnehmer<br />

aus, dass für sie Bürgerbeteiligung<br />

ein wichtiger bzw. sehr wichtiger<br />

Aspekt ist, für den sich die Gemeinde<br />

einsetzen sollte. Die Beteiligung <strong>von</strong> Bürgerinnen<br />

und Bürgern auf der Maßnahmenebene<br />

wurde bereits zum Teil im Maßnahmenkatalog<br />

explizit aufgeführt, z.B. für die<br />

Aufwertung des (halb-)öffentlichen Raumes<br />

oder die Entwicklung und Ausführung verkehrsplanerischer<br />

Maßnahmen. Aber auch<br />

für alle anderen Maßnahmen sind geeignete<br />

Formen der Bürgerbeteiligung zu definieren.<br />

Dabei sollten maßnahmenbezogen passende<br />

Methoden eingesetzt und ggf. spezielle Zielgruppen<br />

angesprochen und eingebunden<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

werden (z.B. Kinder über die Schule, Senioren<br />

über das Seniorenzentrum, Migranten<br />

über Kulturvereine). Wichtig ist, dabei über<br />

geeignete Methoden auch Gruppen zu erreichen,<br />

die bisher in den Prozess kaum eingebunden<br />

waren, etwa Aussiedlerfamilien und<br />

Jugendliche.<br />

Über die <strong>Stadt</strong>teilrunde hinaus ist es wichtig,<br />

auch Kommunikations- und Kooperationsstrukturen<br />

mit anderen Schlüsselpersonen<br />

und Institutionen zu verstetigen, insbesondere<br />

solchen aus dem Sozial-, Kulturund<br />

Bildungsbereich, etwa dem türkischen<br />

Kulturverein oder der ARGE. Weiterhin sollte<br />

die Verbindung mit den Akteuren, welche<br />

verantwortlich in die Entwicklung der<br />

Housing Area eingebunden sind, verfestigt<br />

werden.<br />

Eine weitere Struktur muss für die Einbindung<br />

der <strong>Stadt</strong>öffentlichkeit in das Programm<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“ geschaffen werden.<br />

Dies beinhaltet die Durchführung <strong>von</strong> öffentlichen<br />

Diskussionsveranstaltungen, die<br />

Information der lokalen Medien, ggf. den<br />

Aufbau eines eigenen Internetauftritts, etc.<br />

Eine besondere Rolle für die Kooperationsprozesse<br />

spielt das Quartiersbüro als zentrale<br />

Anlaufstelle. Hier sind geeignete Strukturen<br />

über die Trägerschaft, die Öffnungszeiten,<br />

die Nutzungen, die Funktionen, etc. zu<br />

definieren.<br />

Aus der Integrationsforschung weiß man,<br />

dass gerade in Klein- und Mittelstädten der<br />

Erfolg <strong>von</strong> Integrationsmaßnahmen stark<br />

da<strong>von</strong> abhängt, in welchem Maße sie öffentliche<br />

und politische Anerkennung bekom-


98 Künftige Umsetzungsstrategien und Beteiligungsstruktur<br />

men, d.h. insbesondere <strong>von</strong> der Frage, ob<br />

sie vom Bürgermeister zur „Chefsache“ gemacht<br />

werden. Dem Prozess der „Sozialen<br />

<strong>Stadt</strong>“ sollte daher ein hoher Stellenwert in<br />

der Politik eingeräumt werden.<br />

Wie bereits mehrfach erwähnt, kann die Umsetzung<br />

des Programms nur als gemeinsame<br />

Anstrengung aller relevanten Akteure erfolgen.<br />

Die öffentlichen Maßnahmen setzen letztendlich<br />

vor allem Impulse, die Entwicklung muss jedoch<br />

im Wesentlichen durch zivilgesellschaftliches<br />

Engagement und private Investitionen vorangetrieben<br />

werden. Dafür ist es wichtig, auch im<br />

weiteren Prozess geeignete Formen der Kooperation<br />

mit den privaten und karitativen Akteuren<br />

zu schaffen. Der Erfolg des Programms „Soziale<br />

<strong>Stadt</strong>“ in <strong>Butzbach</strong> wird daher maßgeblich <strong>von</strong><br />

einer kompetenten und geschickten Strukturierung<br />

und Moderation der Organisations- und<br />

Beteiligungsprozesse abhängen.


Soziale <strong>Stadt</strong> <strong>Butzbach</strong> 99<br />

9.<br />

Evaluation<br />

Aufgabe und Ziel der Evaluation<br />

Im „Leitfaden zur Ausgestaltung der Gemeinschaftsinitiative<br />

„Soziale <strong>Stadt</strong>“ wird unter<br />

Punkt 7.2 „Evaluation des integrierten Handlungsprogramms<br />

für <strong>Stadt</strong>teile mit besonderem<br />

Entwicklungsbedarf – Die Soziale <strong>Stadt</strong>“ eine<br />

prozessbegleitende Evaluation als unabdingbarer<br />

Bestandteil des Programms beschrieben.<br />

Der Hauptzweck dieses Teils ist die Überprüfung<br />

der Zielerreichung, aber auch die Sicherung<br />

der wirksamen Steuerung und Umsetzung<br />

des Handlungskonzeptes. Eine frühzeitige Einbindung<br />

eines Evaluationselementes bewirkt<br />

die effektive Vorbereitung und Setzung <strong>von</strong><br />

Erfolgsindikatoren. Es ist hilfreich, um steuerungsrelevante<br />

Informationen zu sammeln, die<br />

Wirksamkeit der eingesetzten Mittel und Strategien<br />

erkennen zu können und einzuschätzen,<br />

inwiefern z.B. eine Aktivierung der Bevölkerung<br />

durch städtebauliche Interventionen im Fördergebiet<br />

positiv beeinflusst worden ist.<br />

Prozessbegleitender Ansatz und Ablauf<br />

der Evaluation<br />

Es wird der Kommune empfohlen, in Zusammenarbeit<br />

mit dem Quartiersmanagement eine<br />

jährliche Evaluation der quantitativen Fakten<br />

und qualitativen Prozesse durchzuführen. Der<br />

Ansatz sollte sich an der Zielsetzung des Handlungskonzeptes<br />

und der Zeitrahmenplanung orientieren,<br />

um u. a. feststellen zu können, welche<br />

vereinbarten Ziele erreicht worden sind, welche<br />

nicht und warum nicht, ob die Zielsetzung tatsächlich<br />

noch realistisch ist, was gelernt wurde,<br />

etc.<br />

Die genauen Erfolgsindikatoren und der Prozess<br />

sollten durch das Quartiersmanagement, wenn<br />

möglich mit Beteiligung der <strong>Stadt</strong>teilrunde und<br />

Anwohnern, entwickelt werden. Die Partizipation<br />

der Anwohner lässt deren Einschätzung der Ergebnisse<br />

und Wirkungen des Förderprogramms<br />

als Betroffene in die Evaluation einfließen. Auch<br />

sollte überlegt werden, wie ein Sozialraum-Monitoring<br />

durchgeführt werden könnte, ohne mit<br />

dem Datenschutzgesetz in Konflikt zu geraten.<br />

Sozialraum-Monitoring ist ein Werkzeug, um<br />

feststellen zu können, ob durchgeführte Aktivitäten<br />

allen Bevölkerungsgruppen zugute gekommen<br />

sind. Dies ist gerade in einem Gebiet<br />

wie dem Degerfeld wichtig, da seine Bevölkerung<br />

stark durch Minderheiten geprägt ist.


100 Anhang<br />

Anhang<br />

A1. Arbeitsgruppe Nahversorgung 101<br />

A2. Auswertung der Befragung 107<br />

Ergebnisse 108<br />

Allgemeiner Teil 108<br />

Betrachtung der Eigentümerstruktur 109<br />

Betrachtung der Mieterstruktur 110<br />

Betrachtung beider Strukturen 112<br />

A3. SWOT Analyse der <strong>Stadt</strong>teilrunde 124<br />

A4. Poster Bürgerforum 126


NH | Projekt<strong>Stadt</strong><br />

Eine Marke der Unternehmensgruppe<br />

Nassauische Heimstätte/Wohnstadt GmbH<br />

Fachbereich Städtebauliche Maßnahmen<br />

Monika Fontaine-Kretschmer<br />

(Fachbereichsleiterin)<br />

Untermainkai 12-13<br />

60311 Frankfurt am Main<br />

Nachdruck - auch auszugsweise -<br />

nur mit Quellenangaben gestattet.


www.nh-projektstadt.de

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