lesen Sie hierzu die Presseinfo! - Stadt Butzbach

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Sonntag, 8. September 2013 – Tag des offenen Denkmals

Zahlreiche Aktivitäten im Raum Butzbach

Alljährlich am 2. Sonntag im September findet der Tag des offenen Denkmals statt. In diesem Jahr steht die

Veranstaltung unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen – unbequeme Denkmäler?“ Der Begriff

des unbequemen Denkmals wurde in den 1990er Jahren unter dem Eindruck der Wiedervereinigung

geprägt, und bezeichnet Denkmäler mit „unbequemer“ d. h. unangenehmer Geschichte, die aber gerade

wegen ihrer Vergangenheit als Denk- und Mahnmal schützenswert sind. Dieses „unbequeme“ Erbe erinnert

an den DDR-Sozialismus, aber auch Relikte der NS-Zeit zählen dazu.

Während viele dieser ungeliebten Überbleibsel – Konzentrationslager, Gefängnisse, Bunker, Kasernen,

Wachttürme, Grenzanlagen, Verwaltungs- und-Kommandozentralen – kurzerhand beseitigt wurden und

inzwischen dem Vergessen anheim gefallen sind, haben einige nach kontroverser Diskussion um

Bewahrung oder Abriss überdauert. Sie zwingen zur Auseinandersetzung mit dem unbequemen Teil

unserer Geschichte und konfrontieren uns mit Menschenverachtung, Rassenhass, Verfolgung, Folter, Mord.

Inzwischen wird der Begriff des „unbequemen“ Denkmals auch auf Gebäude angewendet, die nicht als

„schön“ empfunden werden oder die den Anforderungen an Funktion und Wirtschaftlichkeit nicht

standhalten. Insbesondere Gebäude der 50er, 60er, 70er und noch der 80er Jahre sind hiervon betroffen.

Aber auch Gebäude und Baulichkeiten, deren Erhaltung unrentabel, wenn nicht – unter

denkmalpflegerischen Gesichtspunkten – unfinanzierbar ist, werden als „unbequem“ empfunden. Hohe –

und kostspielige – Auflagen der Denkmalschützer schrecken manchen Immobilienbesitzer ab, so dass

Altbauten still verrotten. Anders die Besitzer des Einhausgehöftes in Butzbach am Kirchplatz 4. Seit drei

Jahren arbeiten sie unermüdlich und mit großem Elan an ihrem „Sanierungsfall“. Die Ergebnisse können

sich sehen lassen und dürfen am 8. September von 11 – 17 Uhr von der Öffentlichkeit in Augenschein

genommen werden. Auch das Nachbargebäude, Kirchplatz Nr. 6 – das Reineck’sche Haus – wird am Tag des

offenen Denkmals zur Besichtigung geöffnet sein.

Die mittelalterliche Stadtmauer mit einem über Schwibbögen führenden Wehrgang war Teil einer

Befestigungsanlage mit vorgelegten Wassergräben und Wällen, erbaut etwa ab 1321 bis 1368. Rund 1300

Meter lang umschloss die Ringmauer eine Fläche von etwa 14,5 ha, sie besaß drei Stadttore und neun

Türme. Wohl im 15. Jahrhundert erfolgte der Ausbau von Zwingeranlagen, Vortürmen und Warttürmen im

Feld, um die Verteidigungsfunktion weiter zu stärken. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Teile der

Stadtbefestigung beseitigt, bedeutende Teile der Anlage sind zwischen 1810 und 1860 abgerissen worden.

Seit 1903 steht die Stadtmauer – als erstes Bauwerk der Stadt Butzbachs – unter Denkmalschutz. Dennoch

sind seitdem weitere Teile der Mauer verloren gegangen – und noch immer nagt der Zahn der Zeit. Die

Mitglieder des Butzbacher Geschichtsvereins wollen auf die Problematik aufmerksam machen und die

Geschichte des Abbruchs erläutern. Von 13 – 17 Uhr besteht die Möglichkeit, sich an der Stadtmauer

eingehend zu informieren. Treffpunkt ist im Küchengartenweg beim Hexenturm an der ehem. Druckerei

Lembeck (Außenseite der Mauer). Um 14 Uhr bietet Stadtführer Günther Bidmon eine Führung zum Thema

an, der Treffpunkt hierfür ist an der Griedeler Straße/Küchengartenweg (gegenüber Friedhof).

Im Rahmen des Projekts „Ab in die Mitte“ informieren „Geschichts-Banner“ über die Vergangenheit der

Häuser in der Griedeler Straße und der Nachbargassen. Jahrzehntelang führten diese Straße und die einst

stattlichen Fachwerkgebäude hier ein Schattendasein. Initiiert von der Projektgruppe Griedeler Tor (PGGT)

soll die Griedeler Straße – das Entree zur Innenstadt – zum Tag des offenen Denkmals stärker in den Fokus

der Öffentlichkeit gerückt werden. Beteiligt an dieser Aktion sind die Altstadtfreunde, das

Museum/Stadtarchiv Butzbach und Schüler der Butzbacher Schulen.

Vor dem Hintergrund schrumpfender Bevölkerung sind Sakralbauten in ihrer Bedeutung als

Versammlungsraum für die Gemeinschaft gefährdet. Durch Abwanderung in ländlichen Gebieten und

Leerstand von Gebäuden in historischen Ortskernen drohen Kirchengemeinden ihre Mitglieder“ und


Kirchen damit ihre Funktion zu verlieren. Dies allein erhebt eine Kirche noch nicht zum „unbequemen

Denkmal“, wohl aber ihre kostspielige Unterhaltung. Erst kürzlich wurde der barocke Turm der

Markuskirche mit großem Aufwand saniert, seit wenigen Wochen schlägt wieder die vertraute Glocke.

Stadtführerin Gertrud Ebner von Eschenbach steht in der Zeit von 11 – 13 Uhr in der Markuskirche für

Erläuterungen zur Baugeschichte des im Kern spätromanischen Sakralbaues bereit. Auch die gotische

Wendelinskapelle – die älteste Fachwerkkirche Hessens – ist für interessierte Besucher geöffnet. Von 11 –

17 Uhr hält sich Museumsleiter Dr. Dieter Wolf zur Verfügung, um fachkundig Auskünfte zur Geschichte des

kleinen Gotteshauses zu erteilen.

Das Museum der Stadt Butzbach, Färbgasse 16, ist am Tag des offenen Denkmals von 10 – 17 Uhr

durchgehend bei freiem Eintritt zu besichtigen. Am Stadtmodell im Zustand 1832 lassen sich alle geöffneten

Baudenkmäler „en miniature“ studieren.

In Butzbach / Kirch-Göns sind folgende Gebäude geöffnet: Kirche, ehemalige Schule, ehemalige

Bürgermeisterei, Backhaus sowie angrenzende Privathäuser. Sie spiegeln die vielfältige Geschichte des

Dorfes wider. Führungen des Heimat- und Backhausvereins Kirch-Göns finden statt in der Zeit von 11 – 18

Uhr, Treffpunkt: Altes Gemeindebackhaus, Ecke Am Kornmarkt / Hauptstraße. Nähere Informationen sind

zu erhalten unter: 06033/970773.

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