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Nathan der Weise - Stadttheater Minden

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<strong>Nathan</strong><br />

<strong>der</strong> <strong>Weise</strong><br />

Ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen von Gotthold Ephraim Lessing<br />

Regie: Sewan Latchinian<br />

Produktion: Neue Bühnen Senftenberg


Inhalt<br />

Einleitend 2<br />

Die Inszenierung <strong>der</strong> Neuen Bühnen Senftenberg 3<br />

Das Stück 3<br />

Es spielen 3<br />

Der Regisseur 3<br />

Informatives – Der Autor und seine Zeit 4<br />

Gotthold Ephraim Lessing 4<br />

Die Aufklärung 4<br />

Lessings „aufgeklärtes Drama“ 5<br />

Informatives – Zum Stück 6<br />

Historischer Hintergrund 8<br />

Die Figuren 9<br />

Die Ringparabel 10<br />

Praktisches – Anregungen für den Unterricht 13<br />

Rechercheaufträge 13<br />

Vorbereitende Übungen 15<br />

Nachbereitung 16<br />

Quellenverzeichnis 17<br />

Diese Materialmappe entstand mit <strong>der</strong> freundlicher Unterstützung von:<br />

2<br />

Viola Schnei<strong>der</strong>|<strong>Stadttheater</strong> <strong>Minden</strong>|Tonhallenstraße 3|32423 <strong>Minden</strong><br />

Viola.schnei<strong>der</strong>@stadttheater-minden.de| 0571-828 39 15


Einleitend<br />

Liebe Leserin, lieber Leser!<br />

Schön! Sie interessieren sich für das theaterpädagogische Begleitmaterial zur aktuellen Inszenierung<br />

am <strong>Stadttheater</strong> <strong>Minden</strong>. Dieses Materialheft richtet sich in erster Linie an Lehrerinnen und Lehrer,<br />

die ihre Schülerinnen und Schüler auf den Theaterbesuch vorbereiten möchten. Zur Lektüre sind<br />

selbstverständlich alle Interessierten eingeladen. Wir wüschen dabei viel Vergnügen!<br />

Das Heft liefert Ideen, wie Sie mit Ihrer Klasse den Theaterbesuch vor- und nachbereiten könnten –<br />

die Informationen und Übungen eignen sich für Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren. Es besteht<br />

aus zwei Hauptteilen. Im ersten Teil finden Sie nützliche Hintergrund-Informationen zu Lessing, seiner<br />

Zeit und dem Stück „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“. Dieser Teil dient zu Ihrer groben Orientierung. Im praktischen<br />

zweiten Teil sind Anregungen und Tipps für die Vor- und Nachbereitung des Theaterbesuchs<br />

im Unterricht aufgeführt.<br />

Haben Sie Fragen zu Aufgabenstellungen und Übungsanleitungen, so nehmen Sie bitte mit uns Kontakt<br />

auf. Gerne nehmen wir auch Ihre Feedbacks und Anregungen entgegen:<br />

E-Mail viola.schnei<strong>der</strong>@stadttheater-minden.de<br />

Telefon 0571 – 828 39 15<br />

Zusätzlich hinweisen möchten wir Sie auf die Homepage des <strong>Stadttheater</strong>s. Unter www.stadttheaterminden.de<br />

werden Sie mit den aktuellsten Informationen rund um das Programm des <strong>Stadttheater</strong>s<br />

<strong>Minden</strong> versorgt und finden dort seit Neuestem auch unter dem Punkt Service die Rubrik Theaterpädagogik.<br />

Zudem sind wir auf Facebook mit dem Forum „Sags Viola“ und dem Auftritt „<strong>Stadttheater</strong><br />

<strong>Minden</strong>“ vertreten. Wir freuen uns, wenn Sie in einen regen Austausch mit uns treten und möchten<br />

Sie herzlich dazu einladen, uns je<strong>der</strong>zeit anzusprechen.<br />

Wir heiβen Sie und Ihre Klasse herzlich willkommen im <strong>Stadttheater</strong> <strong>Minden</strong>!<br />

Theaterpädagogik <strong>Stadttheater</strong> <strong>Minden</strong>, Viola Schnei<strong>der</strong><br />

3<br />

Viola Schnei<strong>der</strong>|<strong>Stadttheater</strong> <strong>Minden</strong>|Tonhallenstraße 3|32423 <strong>Minden</strong><br />

Viola.schnei<strong>der</strong>@stadttheater-minden.de| 0571-828 39 15


<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>|Die Inszenierung <strong>der</strong> Neuen Bühnen Senftenberg<br />

Das Stück<br />

<strong>Nathan</strong> hat den Weg durch die Hölle hinter sich. In kriegerischen Auseinan<strong>der</strong>setzungen hat<br />

er das Kostbarste verloren. Christen haben seine Frau und sieben hoffnungsvolle Söhne ermordet.<br />

In Recha hat er eine Tochter wie<strong>der</strong>gefunden. Sie, das gebürtige Christenkind, hat<br />

er, <strong>der</strong> Jude, gemäß <strong>der</strong> Maxime „sind Christ und Jude eher Christ und Jude, als Mensch“<br />

erzogen. Diese Haltung setzt ihn, da sie öffentlich wird, größter Gefahr aus. Im Glaubenskrieg<br />

<strong>der</strong> Religionen ist die Kategorie „Mensch“ nicht vorgesehen. Deshalb soll er brennen,<br />

for<strong>der</strong>t <strong>der</strong> Patriarch. O<strong>der</strong> zahlen, for<strong>der</strong>t <strong>der</strong> Sultan. <strong>Nathan</strong> greift zu einer List und erzählt<br />

ein altes Märchen, die Parabel von den drei Ringen.<br />

In einer Zeit, in <strong>der</strong> Kriege und Terroranschläge im Namen <strong>der</strong> Religion befohlen werden,<br />

erscheint Lessings „<strong>Nathan</strong>“ als ein hoffnungsvoller Appell an die Überwindung von Unwissenheit,<br />

religiösen Vorurteilen und Ignoranz. Die Ringparabel im Zentrum des Stückes plädiert<br />

für mehr Toleranz und Vernunft im menschlichen Miteinan<strong>der</strong>.<br />

Regie: Sewan Latchinian<br />

Ausstattung: Tobias Wartenberg<br />

Dramaturgie: Jürgen Eick<br />

Es spielen:<br />

<strong>Nathan</strong>, ein reicher Jude in Jerusalem - Heinz Klevenow<br />

Recha, dessen angenommene Tochter - Inga Wolff<br />

Daja, Christin und Gesellschafterin <strong>der</strong> Recha - Catharina Struwe<br />

Sultan Saladin - Bernd Färber<br />

Sittah, dessen Schwester - Ana Kerezovic<br />

Tempelherr - Till Demuth<br />

Derwisch - Friedrich Rößiger<br />

Der Patriarch von Jerusalem - Wolfgang Schmitz<br />

Klosterbru<strong>der</strong> - Lutz Schnei<strong>der</strong><br />

Der Regisseur<br />

4<br />

Sewan Latchinian (*1961 in Leipzig) ist ein deutscher Theaterregisseur,<br />

Schauspieler und Autor. Seit 2004 ist er Intendant <strong>der</strong> NEUEN BÜHNE<br />

Senftenberg.<br />

Von 1981 bis 1985 absolvierte Sewan Latchinian ein Schauspielstudium<br />

an <strong>der</strong> Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin, Abschluss<br />

als Diplomschauspieler. Anschließend erhielt er ein Engagement als<br />

Schauspieler am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Im Jahr<br />

1986 erfolgte sein Debüt als Dramatiker mit dem Theaterstück „Grabbes<br />

Grab“, das seine Uraufführung am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin erlebte.<br />

Sewan Latchinian erhielt 1987 den För<strong>der</strong>preis des Verlags <strong>der</strong> Autoren, Frankfurt am Main,<br />

für das Theaterstück „Berlin“, die Uraufführung war am Deutschen Theater Berlin 1990. Von<br />

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1988 bis 1997 hatte er ein Engagement als Schauspieler am Deutschen Theater Berlin. Eine<br />

seiner ersten Inszenierungen als Regisseur war die Deutsche Erstaufführung „Der Disneykiller“<br />

von Ph. Ridley am Deutschen Theater Berlin. Seit 1993 machte er Regiearbeiten an den<br />

Schauspielhäusern Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Leipzig, am Staatstheater Cottbus und am<br />

Münchner Volkstheater. Latchinian war zudem Schauspieldozent an <strong>der</strong> Hochschule für<br />

Schauspielkunst „Ernst Busch“ und an <strong>der</strong> „Folkwang Hochschule“ Essen. Von 1997 bis 2003<br />

wirkte Sewan Latchinian als Oberspielleiter am Rheinischen Landestheater Neuss. 2006 erhielt<br />

er den Internationalen Quirinuspreis <strong>der</strong> Stadt Neuss.<br />

Seit 2004 ist er Intendant <strong>der</strong> Neuen Bühne Senftenberg. Unter seiner Ägide wurde das Senftenberger<br />

Theater 2005 von <strong>der</strong> Zeitschrift Theater heute zum Theater des Jahres gewählt.<br />

Seit 2007 ist Sewan Latchinian Mitglied im Vorstand <strong>der</strong> Intendantengruppe des Deutschen<br />

Bühnenvereins sowie im Ausschuss für künstlerische Fragen. 2008 war Sewan Latchinian für<br />

die Inszenierung von FAUST I und II an <strong>der</strong> NEUEN BÜHNE Senftenberg in <strong>der</strong> Kategorie „Beste<br />

Regie“ neben Andreas Kriegenburg für „Das letzte Feuer“ (Thalia Theater Hamburg) und<br />

Johan Simons für „Hiob“ (Münchner Kammerspiele) für den Deutschen Theaterpreis nominiert.<br />

An<strong>der</strong>e Inszenierungen am Senftenberger Theater, die unter seiner Regie entstanden, sind<br />

„Kabale und Liebe“ (Friedrich Schiller), „Die heilige Johanna <strong>der</strong> Schlachthöfe“ (Bertolt<br />

Brecht), „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“ (Gotthold Ephraim Lessing), „Faust I und II“ (Goethe), die Inszenierung<br />

„Ein Sommernachtstraum“ (Shakespeare) sowie die Uraufführung „Was wollt ihr<br />

denn“ (Braun), „Sphericon – Schule <strong>der</strong> Arbeitslosen“ (Zelter), „Die Brücke von Varvarin“<br />

(nach Hans Wallow) o<strong>der</strong> die deutsche Erstaufführung „Der mo<strong>der</strong>ne Tod“ (Wijkmark), e-<br />

benso „Der Elektriker – Die Geschichte des David Salz“ (Schlen<strong>der</strong>, Rosh, Jakob, Lühning).<br />

Latchinians Stück „Eine verbotene Liebe“ hatte 2009 in Senftenberg Uraufführung, das eine<br />

Dramatisierung <strong>der</strong> Thesen von Ettore Ghibellino zur vermuteten Liebe von Johann Wolfgang<br />

von Goethe und <strong>der</strong> Fürstinmutter Anna Amalia ist und in bewusster Abgrenzung zu<br />

Peter Hacks´ Stücke Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe<br />

geschrieben wurde.<br />

Im Rahmen des Theaterspektakels 6. GlückAufFest GRAB(B)E! zweitinszenierte Sewan Latchinian<br />

2009 sein Theaterstück „Grabbes Grab“ sowie „Die Hermannsschlacht“ von Christian<br />

Dietrich Grabbe. Der Kritiker Martin Linzer wertete die Inszenierung „Die Hermannsschlacht“<br />

in Theater <strong>der</strong> Zeit 11/09 als Rehabilitierung des Stückes.<br />

Zur Spielzeiteröffnung kommt am 17.9.2010 seine Inszenierung "Die drei Schwestern" zur<br />

Premiere im 7. GlückAufFest DOSTOPRIMETSCHATELNOSTI.<br />

5<br />

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Informatives|Der Autor und seine Zeit<br />

Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781)<br />

Gotthold Ephraim Lessing wurde am 22.1.1729 als Sohn<br />

eines Pastors in Kamenz/Oberlausitz geboren. Er<br />

studierte Medizin und Theologie in Leipzig. Danach<br />

lebte er als freier Schriftsteller in Berlin, wo er für<br />

mehrere Zeitungen schrieb. Er hatte Verbindung zu<br />

verschiedenen Theatergruppen und schrieb für diese<br />

seine ersten Stücke.<br />

Dauernd in Geldnot nahm er in Breslau eine Stelle als<br />

Sekretär beim General Tauentzien an (1760-1765). 1767<br />

erhielt er eine Anstellung als Dramaturg und Kritiker am<br />

Deutschen Nationaltheater in Hamburg, 1770 eine<br />

Stelle als Bibliothekar in Wolfenbüttel. Am 15.2.1781<br />

starb <strong>der</strong> Schriftsteller in Braunschweig.<br />

Lessing setzte sich Zeit seines Lebens für eine Flexibilität<br />

des Denkens ein – dazu gehörte für ihn neben dem Kampf gegen Vorurteile und dem Eintreten<br />

für die Vernunft, die praktische Haltung <strong>der</strong> Toleranz: Verständnis für den An<strong>der</strong>sdenkenden,<br />

das Zugeständnis, dass auch an<strong>der</strong>e sich redlich um die Wahrheit bemühen. Er verabscheute<br />

nichts mehr als das starre Beharren auf dogmatischen Positionen.<br />

In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte sich Lessing zunehmend mit religiösen Fragestellungen.<br />

Es entstanden die gegen den orthodoxen Hamburger Hauptpastor J. M. Goeze gerichteten<br />

„Anti-Goeze-Schriften“, die das Recht <strong>der</strong> Vernunft verteidigen, auch die Religion<br />

ihrer prüfenden Kritik zu unterziehen. Als Fortsetzung dieser Auseinan<strong>der</strong>setzung ging 1779<br />

das dramatische Gedicht „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“ hervor.<br />

Werke (u. a.):<br />

1747 Der junge Gelehrte • 1749 Der Freigeist • 1755 Miß Sara Sampson (Tragödie) •<br />

1759 Philotas (Tragödie) • 1759 Fabeln • 1763 Minna von Barnhelm (Lustspiel) •<br />

1766 Laokoon • 1767-1769 Hamburgische Dramaturgie • 1772 Emilia Galotti •<br />

1779 <strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong><br />

Die Aufklärung<br />

Aufklärung steht im alltäglichen Sprachgebrauch für das Bestreben, durch den Erwerb neuen<br />

Wissens Unklarheiten zu beseitigen, Fragen zu beantworten, Irrtümer zu beheben. Historisch<br />

versteht man darunter vor allem politische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen<br />

in Europa und Nordamerika seit den Religionskriegen, <strong>der</strong>en Errungenschaften bereits<br />

im 18. Jahrhun<strong>der</strong>t als epochal gewürdigt wurden – man sprach und spricht in verschiedenen<br />

Bereichen <strong>der</strong> Geschichtsschreibung von einem Zeitalter <strong>der</strong> Aufklärung. Einschlägig<br />

6<br />

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im deutschen Kulturraum ist auch die Begriffsbestimmung durch Immanuel Kant geworden:<br />

„Aufklärung ist <strong>der</strong> Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“.<br />

Zum Programm <strong>der</strong> historischen europäisch-nordamerikanischen Aufklärung im 17. und 18.<br />

Jahrhun<strong>der</strong>t gehört die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, eine Hinwendung<br />

zu den Naturwissenschaften in <strong>der</strong> philosophischen Erkenntnistheorie, in Religionsfragen<br />

das Plädoyer für Toleranz gegenüber an<strong>der</strong>em Glauben, in Moral- und Rechtsphilosophie<br />

die Orientierung am Naturrecht. Gesellschaftspolitisch zielte Aufklärung auf die<br />

Ausdehnung <strong>der</strong> persönlichen Handlungsfreiheit (Emanzipation), auf eine neue Pädagogik,<br />

die Schaffung von Pressefreiheit und die Garantie bürgerlicher Rechte unter Zugrundlegung<br />

allgemeiner Menschenrechte sowie die Verpflichtung mo<strong>der</strong>ner Staaten auf das Gemeinwohl.<br />

Gemeinsam war den Aufklärern das Vertrauen auf die Macht <strong>der</strong> kritischen Öffentlichkeit<br />

als einer Institution, die den Prozess <strong>der</strong> Aufklärung vorantreibt. Mit den Strömungen<br />

des Sturm und Drang und <strong>der</strong> Romantik wurden Grundpositionen <strong>der</strong> Aufklärung wie ihr<br />

„Vernunftglaube“ Gegenstand einer breiteren Kritik. Aufklärerische Impulse entfalteten eine<br />

breite Wirkung im öffentlichen Leben, die heute vor allem sichtbar in den Fel<strong>der</strong>n ist, die<br />

Ende des 18. Jahrhun<strong>der</strong>ts mit <strong>der</strong> Literatur und den schönen Künsten neu zusammengefasst<br />

wurden. Ein neues bürgerliches Selbstverständnis brach sich Bahn auf den Gebieten des Romans<br />

und des Dramas wie im öffentlichen städtischen Konzertbetrieb o<strong>der</strong> bei privat veranstalteter<br />

Instrumentalmusik.<br />

Lessing ist einer <strong>der</strong> bedeutendsten Autoren und Literaturkritiker seiner Zeit, <strong>der</strong> Aufklärung.<br />

Aufgrund neuer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse werden Verstand und Vernunft zu den<br />

Richtlinien in allen Bereichen.<br />

Der Wahlspruch <strong>der</strong> Aufklärung lautet: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“<br />

(Immanuel Kant). Der aufgeklärte Mensch soll nicht mehr den Vorgaben <strong>der</strong> Obrigkeiten<br />

o<strong>der</strong> des Zeitgeists vertrauen, son<strong>der</strong>n sein Leben und Denken selbst bestimmen.<br />

Die Literatur dieser Zeit hat vor allem eine erzieherische Funktion. Sie soll die Welt verbessern<br />

und nicht das Elend beklagen. Ein wichtiger Ausspruch Lessings die Aufklärung betreffend:<br />

„An die Stelle <strong>der</strong> Religion muss die Überzeugung treten.“<br />

Lessings „aufgeklärtes“ Drama<br />

Lessing for<strong>der</strong>t, dass die erste Wirkung <strong>der</strong> Tragödie auf den Zuschauer das Mitleiden sein<br />

müsse. Der von Aristoteles formulierte „Schrecken“ müsse als Furcht und mitfühlende Angst<br />

interpretiert werden. Durch das Mitfühlen solle im Zuschauer eine Wandlung vor sich gehen,<br />

die ihn tugendhafter mache. Die Furcht sei also „das auf uns selbst bezogene Mitleid“.<br />

Außerdem ist für Lessing nicht mehr die Einhaltung <strong>der</strong> „Drei Einheiten“ (Ort, Zeit und Handlung)<br />

wichtig, son<strong>der</strong>n nur noch die Einheit <strong>der</strong> Handlung bedeutend.<br />

Wenn das Theater einen moralisch bessernden, erzieherischen Zweck verfolgen wolle, müsse<br />

sich für die entscheidende Zuschauergruppe, nämlich die Bürger, etwas än<strong>der</strong>n. Bisher<br />

war <strong>der</strong> Stand <strong>der</strong> Bürger nur in Komödien dargestellt worden, während <strong>der</strong> Tragödie die<br />

Probleme von adeligen Personen vorbehalten waren. Da sich <strong>der</strong> Zuschauer nur mit seinesgleichen<br />

wirklich identifizieren kann, wird mit Lessings Miss Sara Sampson 1755 das bürgerliche<br />

Trauerspiel geboren: Der Bürgerstand wird in den Bereich <strong>der</strong> Tragödie eingeführt.<br />

7<br />

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Informatives|Zum Stück<br />

„<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“ ist ein fünfaktiges Ideendrama, das 1779 veröffentlicht und am 14. April<br />

1783 in Berlin uraufgeführt worden ist. Themenschwerpunkt des Werkes ist <strong>der</strong> Humanismus.<br />

Beson<strong>der</strong>s wichtig dabei ist die Ringparabel im dritten Aufzug des Dramas. Diese Parabel<br />

findet sich allerdings bereits in <strong>der</strong> dritten Geschichte von Giovanni Boccaccios „Decamerone“.<br />

Die Geschichte von den drei ununterscheidbaren Ringen lässt sich bis zum Jahr 1100<br />

zurückverfolgen. Sie wurde wahrscheinlich auf <strong>der</strong> Iberischen Halbinsel von sephardischen<br />

Juden erfunden.<br />

„<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“ ist Lessings letztes Werk. Hintergrund ist <strong>der</strong> Fragmentenstreit, eine<br />

Auseinan<strong>der</strong>setzung mit dem Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze, die soweit<br />

reichte, dass ein Teilpublikationsverbot gegen Lessing verhängt wurde. Infolgedessen implizierte<br />

Lessing seine Idee des Deismus in dieses Drama.<br />

Unmittelbar vor <strong>der</strong> Fertigstellung seines Dramas hatte sich Lessing mit seinem philosophischen<br />

Hauptwerk Die Erziehung des Menschengeschlechts befasst. Seine Beschäftigung mit<br />

dem Stoff reicht jedoch nachweislich bis ca. 1750 zurück.<br />

In <strong>der</strong> Figur <strong>Nathan</strong>s des <strong>Weise</strong>n setzte Lessing seinem Freund Moses Mendelssohn, dem<br />

Begrün<strong>der</strong> <strong>der</strong> jüdischen Aufklärung, ein literarisches Denkmal. Lessing hat das Drama im<br />

Blankvers verfasst, <strong>der</strong> in England seinen Ursprung hat und sich erst durch ihn in Deutschland<br />

durchsetzen konnte. Dieser aus dem Englischen entlehnte Begriff (blank = ungereimt)<br />

bezeichnet reimlose Verszeilen mit alternierendem jambischen Metrum von zehn Silben bei<br />

männlichem (<strong>der</strong> Vers schließt mit einer Hebung) o<strong>der</strong> elf bei weiblichem (<strong>der</strong> Vers schließt<br />

mit Hebung und Senkung) Ausgang. Dieser Vers beruht auf dem fünfhebigen Jambus.<br />

Die Handlung ist geteilt in 5 Aufzüge, die wie<strong>der</strong>um in Auftritte geglie<strong>der</strong>t sind. „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong><br />

<strong>Weise</strong>“ enthält sowohl tragische als auch komische Elemente, ist aber trotz des versöhnlichen<br />

Ausgangs we<strong>der</strong> eine Komödie noch eine Tragödie. Im Mittelpunkt <strong>der</strong> Handlung steht<br />

die Ringparabel, somit im Kern die Frage nach <strong>der</strong> „wahren“ Religion. Lessing hatte längst<br />

erkannt, dass die strenge Trennung von Tragödie und Komödie we<strong>der</strong> <strong>der</strong> dramatischen Gattung<br />

wesentlich noch dem zeitgenössischen Theater angemessen sei. Während er mit Miß<br />

Sara Sampson (1755) die neue Gattung des bürgerlichen Trauerspiels ausprobierte, mit <strong>der</strong><br />

Minna von Barnhelm(1767) die Möglichkeiten des ernsten Lustspiels voll ausschöpfte und in<br />

<strong>der</strong> Emilia Galotti (1772) die Tragödie dem Geschmack und <strong>der</strong> Weltanschauung des 18. Jh.s<br />

anzupassen versuchte, trieb er im <strong>Nathan</strong> (1779) die Mischung des ernsten und komischen<br />

Dramas weiter. Das aus rührenden, ernsten und komischen Elementen bestehende historische<br />

Familienstück erfüllt noch am ehesten Lessings Bedingungen <strong>der</strong> ernsten Komödie.<br />

Historischer Hintergrund<br />

Geschichtlicher Hintergrund ist bei Lessing <strong>der</strong> dritte Kreuzzug <strong>der</strong> Jahre 1189 bis 1192. Seit<br />

1187 hatten muslimische Truppen unter Führung von Sultan Saladin Jerusalem zurückerobert,<br />

woran auch ein neues Kreuzfahrerheer nichts än<strong>der</strong>n kann, das unter <strong>der</strong> Führung des<br />

englischen Königs Richard Löwenherz und des französischen Königs Philipps II. (<strong>der</strong> deutsche<br />

König Friedrich Schaubild zur Figurenkonstellation: Barbarossa stirbt auf dem Weg nach Jerusalem)<br />

in Palästina auf den Plan tritt. 1192 kommt es zum Waffenstillstand Saladins mit<br />

8<br />

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seinen christlichen Kontrahenten. Und genau zu diesem Zeitpunkt lässt Lessing seine erfundene<br />

Geschichte spielen.<br />

Die Figuren<br />

<strong>Nathan</strong>: ist ein wohlhaben<strong>der</strong>, jüdischer Kaufmann, vom Volk nicht ohne Grund „<strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“<br />

genannt. Er besticht durch Scharfsinn und Güte gleichermaßen. Als er vom Sultan nach <strong>der</strong><br />

wahren Religion gefragt wird, antwortet er mit einer bekannten Geschichte, <strong>der</strong> Ringparabel.<br />

Was niemand weiß: Seine Tochter Recha ist gar nicht seine leibliche Tochter. Er nahm sie<br />

von christlichen Eltern als Säugling in Pflege, nachdem seine eigene Familie von Christen ermordet<br />

worden war.<br />

Recha: ist <strong>Nathan</strong>s Tochter. Sie hat keine Ahnung davon, dass <strong>Nathan</strong> nicht ihr leiblicher Vater<br />

und sie selbst keine Jüdin ist. Bei einem Hausbrand – <strong>Nathan</strong> ist gerade verreist – wird sie<br />

von einem Tempelherrn aus den Flammen gerettet.<br />

Daja: ist <strong>Nathan</strong>s Haushälterin bzw. Rechas Gesellschafterin, eine Christin. Sie kennt sein<br />

Geheimnis und empfindet es als große Sünde, ein Christenmädchen als Jüdin heranzuziehen.<br />

Ansonsten allerdings empfindet sie ihren Herrn als ausgesprochen guten Menschen.<br />

Der Tempelherr: ist als Kreuzritter nach Jerusalem gekommen. Er lehnt jeden Dank für seine<br />

Heldentat ab, denn von Juden will er nichts annehmen. Dies än<strong>der</strong>t sich jedoch schlagartig,<br />

als er <strong>Nathan</strong> und Recha persönlich kennenlernt. Von Recha ist er so angetan, dass er sofort<br />

um ihre Hand anhält.<br />

Der Derwisch Al Hafi: ist ein alter Freund <strong>Nathan</strong>s und momentan eigentlich gar nicht Derwisch,<br />

son<strong>der</strong>n des Sultans Schatzmeister. Diese Aufgabe erweist sich für ihn allerdings<br />

schwieriger als gedacht und er träumt heimlich davon, auszusteigen und sich nach Indien<br />

davonzumachen.<br />

Saladin: ist <strong>der</strong> Sultan Jerusalems, <strong>der</strong> für seine Großzügigkeit bekannt ist. Dies macht sich<br />

nur lei<strong>der</strong> auch in seiner Schatzkammer bemerkbar. In <strong>der</strong> Hoffnung, sich von <strong>Nathan</strong> Geld<br />

borgen zu können, stellt er ihm eine knifflige Aufgabe: Er soll ihm sagen, welche <strong>der</strong> drei<br />

Religionen die einzig wahre sei.<br />

Sittah: ist des Sultans Schwester und eine kluge Strategin. Mehr als einmal hat sie ihren Bru<strong>der</strong><br />

im Schach besiegt und es wird gemunkelt, dass sie es ist, die im Palast die Fäden in <strong>der</strong><br />

Hand hält. Es ist ihre Idee, von <strong>Nathan</strong> mit Hilfe einer List Geld zu borgen.<br />

Der Klosterbru<strong>der</strong>: arbeitet für den Patriarchen, macht sich aber durchaus seine eigenen<br />

Gedanken. Im Laufe des Stückes gibt er sich als <strong>der</strong>jenige zu erkennen, <strong>der</strong> einst die kleine<br />

Recha im Namen seines damaligen Herrn an <strong>Nathan</strong> übergeben hat.<br />

Der Patriarch: ist das Oberhaupt <strong>der</strong> christlichen Gemeinde Jerusalems und ein grausamer<br />

Mann. Seiner Meinung nach gehört ein Jude, <strong>der</strong> ein Christenkind nicht als ebensolches erzieht,<br />

auf den Scheiterhaufen.<br />

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Ringparabel<br />

Die Toleranzidee wurde schon im 14. Jahrhun<strong>der</strong>t im Decamerone von Boccaccio ähnlich wie<br />

von Lessing veranschaulicht. Boccaccio erzählt die Geschichte vom Vater, <strong>der</strong> einen Ring, <strong>der</strong><br />

seinen Träger vor den Menschen und vor Gott „angenehm“ macht, traditionell an denjenigen<br />

unter seinen Söhnen weitergibt, den er am meisten liebt. Dieses finden wir auch in leicht<br />

verän<strong>der</strong>ter Form in <strong>der</strong> Schlüsselszene Lessings, <strong>der</strong> Ringparabel:<br />

In ihr lässt Saladin <strong>Nathan</strong> zu sich rufen und legt ihm die Frage vor, welche <strong>der</strong> drei monotheistischen<br />

Religionen er für die wahre halte. <strong>Nathan</strong> erkennt sofort die ihm gestellte Falle:<br />

Erklärt er seine Religion zur „einzig wahren“, muss Saladin das als Majestätsbeleidigung auffassen,<br />

schmeichelt er hingegen dem Sultan, muss er sich fragen lassen, warum er noch Jude<br />

sei. In beiden Fällen muss <strong>Nathan</strong> zahlen.<br />

Um einer klaren Antwort auszuweichen („Nicht die Kin<strong>der</strong> bloß, speist man mit Märchen<br />

ab“) antwortet er mit einem Gleichnis. Darin besitzt ein Mann ein wertvolles Familienerbstück:<br />

einen Ring, <strong>der</strong> über die Eigenschaft verfügt, seinen Träger „vor Gott und den Menschen<br />

angenehm“ zu machen, wenn <strong>der</strong>selbe Träger ihn „in dieser Zuversicht trug“. Dieser<br />

Ring wurde über viele Generationen hinweg vom Vater an jenen Sohn vererbt, den <strong>der</strong> Vater<br />

am meisten liebte.<br />

Doch nun tritt <strong>der</strong> Fall ein, dass <strong>der</strong> Vater drei Söhne hat und von ihnen keinen bevorzugen<br />

kann und möchte, sodass er von einem Künstler Duplikate des Ringes herstellen lässt. Er hinterlässt<br />

jedem Sohn einen Ring, wobei er jedem versichert, sein Ring sei <strong>der</strong> echte. Nach<br />

dem Tode des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um klären zu lassen, welcher von den<br />

drei Ringen <strong>der</strong> echte sei.<br />

Der Richter aber ist außerstande, dies zu ermitteln. So erinnert er die drei Männer daran,<br />

dass <strong>der</strong> echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei allen an<strong>der</strong>en Menschen beliebt zu<br />

machen; wenn aber dieser Effekt bei keinem <strong>der</strong> drei eingetreten sei, dann könne das wohl<br />

nur heißen, dass <strong>der</strong> echte Ring verloren gegangen sein müsse (auf die Frage, wann dies geschehen<br />

sein könnte, geht <strong>der</strong> Richter nicht explizit ein; theoretisch kann also auch <strong>der</strong> Ring<br />

des Vaters schon unecht gewesen sein). Daraufhin gibt <strong>der</strong> Richter den Söhnen den Rat, je<strong>der</strong><br />

von ihnen solle glauben, dass sein Ring <strong>der</strong> echte sei, dass sein Vater alle drei gleich geliebt<br />

habe und es deshalb nicht habe ertragen können, einen begünstigen und die beiden<br />

an<strong>der</strong>en kränken zu sollen, wie es die Tradition eigentlich erfor<strong>der</strong>t hätte. Wenn einer <strong>der</strong><br />

Ringe <strong>der</strong> echte sei, dann werde sich das in <strong>der</strong> Zukunft an <strong>der</strong> ihm nachgesagten Wirkung<br />

zeigen; je<strong>der</strong> Ringträger solle sich bemühen, diese Wirkung herbeizuführen.<br />

Die Ringparabel gilt als ein Schlüsseltext <strong>der</strong> Aufklärung und als pointierte Formulierung <strong>der</strong><br />

Toleranzidee.<br />

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Die Ringparabel aus dem Stück zum Nachlesen:<br />

<strong>Nathan</strong>.<br />

Vor grauen Jahren lebt' ein Mann in Osten,<br />

Der einen Ring von unschätzbarem Wert<br />

Aus lieber Hand besaß. Der Stein war ein<br />

Opal, <strong>der</strong> hun<strong>der</strong>t schöne Farben spielte,<br />

Und hatte die geheime Kraft, vor Gott<br />

Und Menschen angenehm zu machen, wer<br />

www.nextliberty.com 6<br />

In dieser Zuversicht ihn trug. Was Wun<strong>der</strong>,<br />

Dass ihn <strong>der</strong> Mann in Osten darum nie<br />

Vom Finger ließ; und die Verfügung traf,<br />

Auf ewig ihn bei seinem Hause zu<br />

Erhalten? Nämlich so. Er ließ den Ring<br />

Von seinen Söhnen dem Geliebtesten;<br />

Und setzte fest, dass dieser wie<strong>der</strong>um<br />

Den Ring von seinen Söhnen dem vermache,<br />

Der ihm <strong>der</strong> liebste sei und Kraft allein<br />

Des Rings <strong>der</strong> Fürst des Hauses werde. -<br />

Versteh mich, Sultan.<br />

Saladin. Ich versteh dich. Weiter!<br />

<strong>Nathan</strong>.<br />

So kam nun dieser Ring, von Sohn zu Sohn,<br />

Auf einen Vater endlich von drei Söhnen;<br />

Die alle drei ihm gleich gehorsam waren,<br />

Die alle drei er folglich gleich zu lieben<br />

Sich nicht entbrechen konnte. Nur von Zeit<br />

Zu Zeit schien ihm bald <strong>der</strong>, bald dieser,<br />

bald <strong>der</strong> dritte<br />

Würdiger des Ringes;<br />

Den er denn auch einem jeden<br />

Die fromme Schwachheit hatte, zu versprechen.<br />

Das ging nun so, solang es ging. - Allein<br />

Es kam zum Sterben, und <strong>der</strong> gute Vater<br />

Kömmt in Verlegenheit. Es schmerzt ihn,<br />

zwei<br />

Von seinen Söhnen, die sich auf sein Wort<br />

Verlassen, so zu kränken. - Was zu tun? -<br />

Er sendet in geheim zu einem Künstler,<br />

Bei dem er, nach dem Muster seines Ringes,<br />

Zwei an<strong>der</strong>e bestellt, und we<strong>der</strong> Kosten<br />

Noch Mühe sparen heißt, sie jenem gleich,<br />

Vollkommen gleich zu machen. Das gelingt<br />

Dem Künstler. Da er ihm die Ringe bringt,<br />

Kann selbst <strong>der</strong> Vater seinen Musterring<br />

Nicht unterscheiden. Froh und freudig ruft<br />

Er seine Söhne, jeden insbesondre;<br />

Gibt jedem insbesondre seinen Segen, -<br />

Und seinen Ring, - und stirbt. - Du hörst<br />

doch, Sultan?<br />

Saladin. (<strong>der</strong> sich betroffen von ihm gewandt):<br />

Ich hör, ich höre! - Komm mit deinem Märchen<br />

Nur bald zu Ende.<br />

<strong>Nathan</strong>. Ich bin zu Ende.<br />

Denn was noch folgt, versteht sich ja von<br />

selbst. -<br />

Kaum war <strong>der</strong> Vater tot, so kömmt ein<br />

je<strong>der</strong><br />

Mit seinem Ring, und je<strong>der</strong> will <strong>der</strong> Fürst<br />

Des Hauses sein. Man untersucht, man<br />

zankt,<br />

Man klagt. Umsonst; <strong>der</strong> rechte Ring war<br />

nicht<br />

Erweislich; -<br />

(nach einer Pause, in welcher er des Sultans<br />

Antwort<br />

erwartet)<br />

Fast so unerweislich, als<br />

Uns itzt - <strong>der</strong> rechte Glaube.<br />

Saladin. Wie? Das soll<br />

Die Antwort sein auf meine Frage? -<br />

<strong>Nathan</strong>.<br />

Soll Mich bloß entschuldigen, wenn ich die<br />

Ringe<br />

Mir nicht getrau zu unterscheiden, die<br />

Der Vater in <strong>der</strong> Absicht machen ließ,<br />

Damit sie nicht zu unterscheiden wären.<br />

Saladin.<br />

Die Ringe! - Spiele nicht mit mir! - Ich<br />

dächte,<br />

Dass die Religionen, die ich dir<br />

Genannt, doch wohl zu unterscheiden wären.<br />

<strong>Nathan</strong>.<br />

Doch gründen alle sich nicht auf Geschichte?<br />

- Und<br />

Geschichte muss doch wohl allein auf Treu<br />

Und Glauben angenommen werden? -<br />

Nicht? -<br />

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Nun, wessen Treu und Glauben zieht man<br />

denn<br />

Am wenigsten in Zweifel? Doch <strong>der</strong> Seinen?<br />

Wie kann ich meinen Vätern weniger<br />

Als du den deinen glauben? O<strong>der</strong> umgekehrt.<br />

-<br />

Das Nämliche gilt von den Christen. Nicht?<br />

-<br />

Saladin.<br />

Der Mann hat recht. Ich muss verstummen.<br />

<strong>Nathan</strong>. Wie gesagt: die Söhne<br />

Verklagten sich; und je<strong>der</strong> schwur dem<br />

Richter,<br />

Unmittelbar aus seines Vaters Hand<br />

Den Ring zu haben. - Wie auch wahr! - Der<br />

Vater,<br />

Beteurt' je<strong>der</strong>, könne gegen ihn<br />

Nicht falsch gewesen sein; eh' müss' er<br />

seine Brü<strong>der</strong><br />

Des falschen Spiels bezeihen; und er wolle<br />

die Verräter<br />

Schon auszufinden wissen; sich schon rächen.<br />

Saladin.<br />

Und nun, <strong>der</strong> Richter? - Mich verlangt zu<br />

hören,<br />

Was du den Richter sagen lässest. Sprich!<br />

<strong>Nathan</strong>.<br />

Der Richter sprach: Ich höre ja, <strong>der</strong> rechte<br />

Ring<br />

Besitzt die Wun<strong>der</strong>kraft beliebt zu machen;<br />

Vor Gott und Menschen angenehm. Das<br />

muss<br />

Entscheiden! Denn die falschen Ringe werden<br />

Doch das nicht können! - Nun; wen lieben<br />

zwei<br />

Von Euch am meisten? - Macht, sagt an!<br />

Ihr schweigt?<br />

Je<strong>der</strong> liebt sich selber nur<br />

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Am meisten? - So seid ihr alle drei<br />

Betrogene Betrüger! Eure Ringe<br />

Sind alle drei nicht echt. Der echte Ring<br />

Vermutlich ging verloren. Den Verlust<br />

Zu bergen, zu ersetzen, ließ <strong>der</strong> Vater<br />

Die drei für einen machen.<br />

Saladin. Herrlich! herrlich!<br />

<strong>Nathan</strong>.<br />

Und, fuhr <strong>der</strong> Richter fort, mein Rat ist <strong>der</strong>:<br />

Ihr nehmt die Sache völlig wie sie liegt.<br />

Es eifre je<strong>der</strong> seiner unbestochnen<br />

Von Vorurteilen freien Liebe nach!<br />

Es strebe von euch je<strong>der</strong> um die Wette,<br />

Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag<br />

Zu legen! Und wenn sich dann <strong>der</strong> Steine<br />

Kräfte<br />

Bei euern Kindes-Kindeskin<strong>der</strong>n äußern:<br />

So lad ich über tausend tausend Jahre<br />

Sie wie<strong>der</strong>um vor diesen Stuhl. Da wird<br />

Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen<br />

Als ich; und sprechen. Geht! - So sagte <strong>der</strong><br />

Bescheidne Richter.<br />

Saladin. Gott! Gott!<br />

<strong>Nathan</strong>. Saladin,<br />

Wenn du dich fühlest, dieser weisere<br />

Mann zu sein: ...<br />

Saladin. (<strong>der</strong> auf ihn zustürzt und seine<br />

Hand ergreift,<br />

die er bis zu<br />

Ende nicht wie<strong>der</strong> fahren lässt).<br />

Ich Staub? Ich Nichts? O Gott!<br />

<strong>Nathan</strong>. Was ist dir, Sultan?<br />

Saladin. <strong>Nathan</strong>, lieber <strong>Nathan</strong>! -<br />

Sein Richterstuhl ist nicht <strong>der</strong> meine. -<br />

Geh! - Geh! - Aber sei mein Freund.<br />

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Praktisches| ANREGUNGEN FÜR DEN UNTERRICHT<br />

Rechercheaufträge zum historischen Hintergrund:<br />

1. Thema: Tempelherr<br />

Was ist ein Tempelherr (an<strong>der</strong>e Ausdrücke sind Tempelritter o<strong>der</strong> Templer)?<br />

Beschreiben Sie die Organisation <strong>der</strong> Tempelritter damals. Welche Grundsätze und Ziele hatten sie?<br />

Mit welchen Mitteln versuchten sie, ihre Ziele zu erreichen?<br />

Beschreiben Sie ihr Verhältnis zu an<strong>der</strong>en Religionen (Judentum, Islam).<br />

Welche Bedeutung hat <strong>der</strong> Patriarch für einen Tempelherrn?<br />

Benutzen Sie z. B. folgende Links, um die Aufgaben zu lösen:<br />

http://de.wikipedia.org/wiki/Templerorden<br />

www.tempelritter.at<br />

www. h e i l igenlexikon.de/index.htm?Glossar /Kreuzzug.htm<br />

http://mitglied.lycos.de/thwjf/ (mit Bil<strong>der</strong>n)<br />

Zusatzaufgabe<br />

Die Organisation, <strong>der</strong> <strong>der</strong> Tempelherr angehört, gibt es heute noch. Wie sehen heute ihre Grundsätze<br />

und Ziele aus?<br />

www.tempelritterorden.de/start.html<br />

2. Thema: Die Kreuzzüge<br />

Beschreiben Sie Ursachen und Anlässe für die Kreuzzüge.<br />

Wer waren die Teilnehmer und was waren ihre Beweggründe?<br />

Welchen Verlauf nahmen die ersten drei Kreuzzüge und wie endeten sie?<br />

Benutzen Sie z. B. folgende Links, um die Aufgaben zu lösen.<br />

www. h e i l igenlexikon.de/index.htm?Glossar /Kreuzzug.htm<br />

http://de.wikipedia.org (Suche nach „Kreuzzüge“)<br />

http://www.michaelmaxwolf.de/mittelalter/kreuzzuege/kreuzzuege.htm<br />

Bezug zum Drama<br />

Stellen Sie den Bezug her zwischen den Kreuzzügen und dem Drama „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“. Belegen Sie<br />

den Zusammenhang durch Textinhalte.<br />

3. Thema: Der historische Saladin<br />

Wie wurde Saladin Herrscher von Jerusalem?<br />

Charakterisieren Sie den historischen Saladin. Welche Eigenschaften und Haltungen werden ihm in<br />

<strong>der</strong> Geschichtsschreibung zugeschrieben? Gibt es Wi<strong>der</strong>sprüche?<br />

Benutzen Sie folgende Links, um die Aufgaben zu bearbeiten.<br />

http://de.wikipedia.org<br />

www.moschee-schluechtern.de/texte/raddatz/toleranzmythos.htm<br />

www.teachsam.de/deutsch/d_literatur/d_aut/les/les_dram/les_nathan/les_nathan_5_ub.htm<br />

Bezug zum Drama<br />

Welche Stellen in „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“ zeigen eine Übereinstimmung zwischen dem historischen Saladin<br />

und Lessings Dramenfigur? Gibt es Bereiche, in denen sich die Dramenfigur vom historischen<br />

Saladin unterscheidet?<br />

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4. Thema: Situation <strong>der</strong> Juden im Mittelalter<br />

Stellen Sie die Rechtsstellung <strong>der</strong> Juden im Mittelalter dar, z.B. in Bezug auf Bürgerrechte und Berufsausübung.<br />

Schil<strong>der</strong>n Sie das Schicksal <strong>der</strong> Juden während <strong>der</strong> Kreuzzüge.<br />

Benutzen Sie folgende Links, um die Aufgaben zu lösen,<br />

http://www.judentum-projekt.de/<br />

http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/projekt12-02/deutsch/zensur.htm<br />

Bezug zum Drama<br />

Inwiefern ist das Verhalten des Tempelherrn gegenüber <strong>Nathan</strong> typisch für das Verhältnis zwischen<br />

Christentum und Judentum im Mittelalter?<br />

Zusatzaufgabe<br />

Vergleichen Sie die Situation <strong>der</strong> Juden im Mittelalter mit <strong>der</strong> zur Zeit <strong>der</strong> Aufklärung.<br />

Welche Wirkung hatte in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Lessing einen Juden zur positiven<br />

Hauptfigur seines Dramas machte?<br />

http://www.judentum-projekt.de/<br />

http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/projekt12-02/deutsch/zensur.htm<br />

Kreative Aufgaben:<br />

Verfassen eines Textes:<br />

Charakterisieren Sie in Form eines Briefs, Tagebucheintrags o<strong>der</strong> Monologs eine <strong>der</strong> folgenden Personen<br />

aus dem Stück aus unterschiedlichen Perspektiven. Diese Charakterisierungen werden im Anschluss<br />

verglichen.<br />

• <strong>Nathan</strong> aus <strong>der</strong> Sicht von Recha, Daja, Tempelherr, Saladin, Derwisch<br />

• Tempelherr aus <strong>der</strong> Sicht von <strong>Nathan</strong>, Recha, Daja, Saladin<br />

• Saladin aus <strong>der</strong> Sicht von Sittah, <strong>Nathan</strong>, Tempelherr, Derwisch<br />

Darstellendes Spiel:<br />

Lesen Sie folgende Szenenabschnitte und üben Sie unterschiedliche Möglichkeiten des Sprachausdrucks<br />

(Betonung, Tonhöhe, Sprechgeschwindigkeit, Mimik, …):<br />

• Monolog <strong>Nathan</strong>s (III, 4)<br />

• Gespräch Tempelherr – Patriarch (IV, 2)<br />

• Gespräch Tempelherr – <strong>Nathan</strong> (V, 5)<br />

Welche Religion ist „die wahre“?<br />

In III, 5 wird <strong>Nathan</strong> von Saladin aufgefor<strong>der</strong>t, ihm zu sagen, welcher Glaube ihm am meisten einleuchtet.<br />

Nehmen Sie bitte an, dass <strong>Nathan</strong> sich für eine <strong>der</strong> drei Glaubensrichtungen entscheidet,<br />

und führen Sie in Gruppen Argumente für eine dieser Möglichkeiten an. (Dazu müssen Sie sich im<br />

Vorfeld mit den Religionen beschäftigen und geeignete Informationen sammeln. ) Führen Sie dann<br />

den Dialog mit Saladin fort.<br />

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Praktisches|Vorbereitende Übungen<br />

Diese Vorbereitung ist vor allem eine thematische, inhaltliche Einführung. Anhand von Textfragmenten<br />

aus <strong>Nathan</strong> sollen sich die Schüler spielerisch mit Figuren und ihren Beziehungen beschäftigen.<br />

Ansatzweise lernen sie einige wichtige Figuren kennen und gewinnen einen groben Überblick Üer das<br />

Beziehungsgeflecht. Den Schülern wird auβerdem die Handlung von „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“ bekannt<br />

gemacht.<br />

Hoch- und Tiefstatus<br />

Absicht Ankommen. Einstimmung in das Thema.<br />

Material -<br />

Dauer 15 Minuten<br />

Ablauf TN gehen kreuz und quer durch den Raum, ohne miteinan<strong>der</strong> Kontakt aufzunehmen. Während<br />

des Gehens sollen sie sich folgende Fragen stellen: Wie fühle ich mich im Moment? – Groβ und<br />

stark? O<strong>der</strong> klein und schwach? – Wie ist meine momentane Stimmung? – Bin ich zufrieden o<strong>der</strong><br />

missgestimmt? Und so weiter.<br />

TN stellen sich vor, eine mutige Person zu seine, die über allem steht und alles bestimmen kann. Sie<br />

bewegen sich entsprechend. – Allmählich nehmen sie beim Vorbeigehen Blickkontakt zu den An<strong>der</strong>n<br />

auf.<br />

TN werden aufgefor<strong>der</strong>t, wie<strong>der</strong> in ihrer gewohnten Art zu gehen. Dann stellen sich die TN vor, eine<br />

unbedeutende Person, ohne Recht und Einfluss zu sein. Jemand, <strong>der</strong> kaum wahrgenommen wird. TN<br />

sollen entsprechend gehen. – Allmählich nehmen sie beim Vorbeigehen wie<strong>der</strong> Blickkontakt zu den<br />

An<strong>der</strong>n auf.<br />

Abschlieβend sollen die TN die Schwäche abschütteln und wie<strong>der</strong> in ihrer gewohnten Art gehen. E-<br />

ventuell kurzer Austausch darüber, wie sie sich in den zwei gegensätzlichen Positionen gefühlt haben,<br />

sowie Auswirkung auf Körper und Stimmung.<br />

Einführung <strong>der</strong> Theater-Begriffe „Hochstatus“ (Verkörperung von Stärke, Macht usw.) und „Tiefstatus“<br />

(Schwäche, Einflusslosigkeit usw.). Diskutieren Sie, was Status mit dem Stück „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“<br />

zu tun hat und welche Bedeutung dem Statusgedanken in <strong>der</strong> Inszenierung zukommen könnte.<br />

Variante A: Begegnungen (wie z.B. Begrüßungen) zwischen den TN zulassen.<br />

Variante B: Klasse halbieren. Die eine Hälfte ist „mutig“ bzw. im Hochstatus, die an<strong>der</strong>e „schwach“<br />

bzw. im Tiefstatus.<br />

Standbild: Figuren und ihre Beziehungen<br />

Absicht Beziehungsgeflecht vom Papier in die 3. Dimension bringen<br />

Material Im Vorfeld <strong>der</strong> Übung sollte das Beziehungsgeflecht <strong>der</strong> Figuren aus „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“<br />

besprochen worden sein. Dazu ein Plakat mit Beziehungsgeflecht erstellen, das die TN vor Augen<br />

haben.<br />

Dauer 15 Minuten<br />

Ablauf Klasse dritteln in Spieler, Bildhauer und Zuschauer. Ein Bildhauer nennt eine Figur aus „<strong>Nathan</strong><br />

<strong>der</strong> <strong>Weise</strong>. Er positioniert einen Spieler auf <strong>der</strong> Spielfläche und bringt ihn in eine für die genannte<br />

Figur typische Körperhaltung. Der Spieler verharrt in <strong>der</strong> Position. Ein an<strong>der</strong>er Bildhauer nennt<br />

eine 2. Figur und positioniert einen 2. Spieler in Bezug zum ersten, usw.<br />

Die erarbeitete Darstellung des Beziehungsgeflechts (Plakat) dient zur Orientierung. Die Distanz zwischen<br />

den Figuren und die Blickrichtungen sollten möglichst beachtet werden. (Je nach Klassengröße<br />

können die 7 Figuren mit einer weiteren ergänzt werden.)<br />

Ist das Standbild mit den 7 Figuren fertig, stellt sich neben jeden Spieler ein Bildhauer. Dieser merkt<br />

sich Position und Körperhaltung „seines“ Spielers. Dann bittet er den Spieler den Platz zu verlassen<br />

und nimmt dessen Position ein. Die ehemaligen Spieler können das Standbild nun auch betrachten.<br />

Rollenwechsel: Zuschauer werden zu Bildhauern, Bildhauer zu Spielern und Spieler zu Zuschauern.<br />

Nochmals gleicher Ablauf wie oben, wobei die Bildhauer aber ein neues Standbild kreieren. Letzter<br />

Rollenwechsel und Durchgang.<br />

Ev. die drei Standbil<strong>der</strong> fotografieren.<br />

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Praktisches|Nachbereitung<br />

Folgende Übungssequenzen eignen sich für eine Nachbereitende Reflektion <strong>der</strong> gesehenen Inszenierung.<br />

Kugellager-Diskussion zur Inszenierung<br />

Absicht Stückfabel und Inszenierung in Erinnerung rufen<br />

Material -<br />

Dauer 15 Minuten<br />

Ablauf Klasse halbieren. Stehend zwei konzentrische Kreise bilden. Der innere Kreis schaut nach<br />

auβen, <strong>der</strong> äuβere Kreis schaut nach innen, so dass sich immer zwei Personen gegenüberstehen. Der<br />

Spielleiter nennt ein Stichwort zur besuchten <strong>Nathan</strong>- Inszenierung. TN sagen darauf ihrem Gegenüber,<br />

was ihnen spontan dazu einfällt und diskutieren kurz. Nach jedem Stichwort-Gespräch (ca. 90<br />

Sekunden) rotiert <strong>der</strong> innere Kreis um eine Person weiter, so dass neue Diskussions-Paare entstehen.<br />

Beispiele:<br />

• Story von „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“ Schluss des Stücks, die Sprache, das Bühnenbild und die Kostüme<br />

• Mein Lieblingsdarsteller/meine Lieblingsfigur<br />

• Das hat mir an <strong>der</strong> Inszenierung beson<strong>der</strong>s gut gefallen<br />

• Das hat mir überhaupt nicht gefallen.<br />

• Das habe ich nicht verstanden/das frage ich mich<br />

• Das fand ich beson<strong>der</strong>s merkwürdig/bemerkenswert<br />

Diskutieren Sie folgende Aussagen – beson<strong>der</strong>s unter Berücksichtigung <strong>der</strong> Kernaussagen des Stückes:<br />

• „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“ ist deswegen noch aktuell, weil die Toleranz, für die <strong>der</strong> Text plädiert,<br />

immer noch nicht allgemein verbreitet ist.<br />

• Die friedliche Koexistenz verschiedener Völker und Religionen ist ein utopisches Ziel.<br />

• Toleranz ist für uns heute zu einer Norm, einem unhintergehbaren Teil unserer kulturellen<br />

Identität geworden.<br />

Beobachtungsaufgabe: Während dem Aufführungsbesuch haben Sie sich beson<strong>der</strong>s mit einer Figur<br />

und einem Dialogpartner befasst. Besprechen Sie folgende Fragen und ergänzen Sie Ihre Notizen.<br />

Anschlieβend stellen Sie die Resultate <strong>der</strong> Klasse vor.<br />

• Um welche beiden Figuren handelt es sich? Wie wurden diese Figuren dargestellt? (Aussehen,<br />

Charakter, Handlungen, Bewegungen, …)<br />

• Wie wurde die Beziehung zwischen den beiden Figuren dargestellt? (Nähe-Distanz, Beziehungsqualität<br />

usw.)<br />

• In je<strong>der</strong> Inszenierung wird eine Figur (z.B. <strong>Nathan</strong>) an<strong>der</strong>s dargestellt. Was macht „Ihre“ Figur<br />

in dieser Inszenierung einzigartig/beson<strong>der</strong>s?<br />

Zeitungsbericht<br />

Schreiben Sie einen Zeitungsbericht über die <strong>Nathan</strong>-Inszenierung, die Sie mit Ihrer Klasse besucht<br />

haben. Dieser Bericht soll sowohl positive als auch kritische Momente <strong>der</strong> Inszenierung beleuchten.<br />

Die Frauenfiguren<br />

In <strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong> gibt es drei Frauenfiguren (Recha, Daja, Sittah). Charakterisieren Sie diese, ziehen<br />

Sie Vergleiche und beschreiben Sie, wie die drei Frauen in dieser Inszenierung dargestellt werden.<br />

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Quellen:<br />

Zur Erstellung <strong>der</strong> vorliegenden Materialmappe wurden folgende Quellen benutz:<br />

Gotthold Ephraim Lessing: <strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>. Ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen. Stuttgart:<br />

Reclam 1994, 2000. (= Reclams Universalbibliothek. 3.)<br />

Düffel, Peter: Anmerkungen. In: Gotthold Ephraim Lessing: <strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>. Ein dramatisches Gedicht<br />

in fünf Aufzügen. Stuttgart: Reclam 1994, 2000. (= Reclams Universalbibliothek. 3.)<br />

Kuschel, Karl-Josef: „Jud, Christ und Muselmann vereinigt?“ Lessings „<strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>“. Düsseldorf:<br />

Patmos 2004.<br />

Rinnert, Andrea: Gotthold Ephraim Lessing. <strong>Nathan</strong> <strong>der</strong> <strong>Weise</strong>. Interpretiert von Andrea Remmert.<br />

Stark-Verlag 2010<br />

http://gutenberg.spiegel.de<br />

http:// www.landestheater-linz.at/<br />

http://www.philipphauer.de/info/d/nathan-<strong>der</strong>-weise-szenarium/<br />

http://www.theater-senftenberg.de/<br />

http://wikipedia.org/wiki/<strong>Nathan</strong>_<strong>der</strong>_<strong>Weise</strong><br />

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