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Ein treuer Diener der Kunst - Stadttheater Minden

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126<br />

<strong>Ein</strong> <strong>treuer</strong> <strong>Diener</strong> <strong>der</strong> <strong>Kunst</strong><br />

Ich heiße Niemand, bin Augenarzt<br />

Und steche den Star den Riesen.<br />

(Heinrich Heine, >Deutschland,<br />

ein WintermärchenCarmina<br />

Burana< und an die bei <strong>der</strong> >Missa solemnis


127<br />

Robert Werther<br />

Werner Schmack<br />

diaten des Richard Wagner Verbandes<br />

gehörte und er denkt noch heute dankbar<br />

an diesen Aufenthalt in Bayreuth, bei dem<br />

er sowohl den >Parsifal< wie auch die<br />

>Meistersinger< hörte, inszeniert noch von<br />

dem Enkel Wieland Wagner und dem<br />

Regisseur Rudolf Otto Hartmann; dirigiert<br />

jeweils von dem noch blutjungen Herbert<br />

von Karajan wie auch von dem längst<br />

renommierten Hans Knappertsbusch.<br />

Inzwischen for<strong>der</strong>te den 16jährigen das<br />

noch vollkommen von Bielefeld bespielte<br />

Theater, o<strong>der</strong> besser doch: das Musiktheater<br />

ganz und gar. 15 Mal war er in seiner<br />

ersten Spielzeit 48/49 im <strong>Stadttheater</strong>,<br />

fünfmal in <strong>der</strong> Oper, darunter Mozart und<br />

Puccini, Richard Strauß und Smetana,<br />

3 Mal war es Operette (die Schmack auch<br />

heute nicht verschmäht), 2 Opernkonzerte<br />

und ein Symphoniekonzert des Musikvereins<br />

<strong>Minden</strong>, am 8. Februar 1949 ausgeführt<br />

von <strong>der</strong> >Orchestergemeinschaft<br />

<strong>Minden</strong>


128<br />

Robert Werther<br />

und Werner Schmack<br />

Programm und <strong>der</strong> junge Mann ist Zuhörer<br />

– fast möchte man sagen, selbstverständlich<br />

– bei <strong>der</strong> Uraufführung von Bernhardts<br />

„Missa urbana“. Und noch eine kleine<br />

Verän<strong>der</strong>ung zeigt den selbstbewusster<br />

gewordenen jungen Mann; von nun an<br />

sammelt er Autogramme, wo immer er sie<br />

nur bekommen kann – allerdings vornehmlich<br />

bei Musikveranstaltungen.<br />

Die Spielzeit 50/51 lässt nun eindeutig die<br />

Vorliebe für Musik erkennen: 24 Mal war<br />

Werner Schmack im <strong>Stadttheater</strong> und<br />

hörte allein 10 Konzerte, meist vom Musikverein.<br />

Am 19. April 51 gastiert jedoch erstmals<br />

auch die NWD, allerdings noch unter<br />

dem Namen >Städtebund-SymphonikerGesang im Feuerofen< – nur<br />

3 Monate nach seiner Uraufführung in<br />

Göttingen. Immerhin – Göttingens Intendant<br />

Heinz Hilpert inszeniert den unverwüstlichen<br />

Schwank >Mein Freund HarveySchnei<strong>der</strong> Wibbel< und Heinz Erhardt<br />

kommt und spielt sich selbst. Von ihm hat<br />

sich Jung-Schmack denn auch ein Autogramm<br />

geholt.<br />

Und endlich holt er sich einmal ein<br />

Autogramm von Franz Bernhardt, so dass<br />

wir uns das erhalten geblieben ist. Ansonsten<br />

ist die nächste Spielzeit eher „mau“.<br />

In seiner Unterprima ist Werner Schmack<br />

„nur“ 16mal im Theater, hört 7 Konzerte,<br />

4 Opern - davon allerdings gleich drei von<br />

dem verehrten Meister Richard Wagner:<br />

„Tannhäuser“, „Lohengrin“ und „Meistersinger“<br />

(was gut und machbar war, das<br />

war also schon einmal in <strong>Minden</strong>!!) sowie<br />

3 Operetten; nur zweimal drängt es ihn ins<br />

Schauspiel, wo er sich denn auch die<br />

Klassiker anschaut, Ibsen und Kleist. Dafür<br />

schreibt <strong>der</strong> Musikdirektor im Programmheft<br />

zu einem Lie<strong>der</strong>abend mit Erna Berger<br />

– gerade bei dieser Gelegenheit! Wie hintersinnig!<br />

– ein paar grundsätzliche<br />

Gedanken zum Anspruchsdenken seines<br />

Konzertpublikums, das zu oft nur bekannte<br />

Namen zu hören wünscht.<br />

In <strong>der</strong> Abi-Klasse nun nimmt sich Werner<br />

Schmack deutlich zurück: ganze 12 Mal ist<br />

er noch im Theater, fünfmal im Konzert,<br />

fünfmal im Schauspiel, einmal in <strong>der</strong> Oper<br />

und einmal in <strong>der</strong> Operette. Immerhin tritt<br />

er im Dezember 52 im Chor eines Abonnement-Konzerts<br />

des Musikvereins mit auf.<br />

Das war‘s dann aber auch. Interessant:<br />

am 16. Januar 53 gastiert die NWD unter<br />

ihrem noch heute bestehenden Namen<br />

Nordwestdeutsche Philharmonie. Und <strong>der</strong><br />

Musikverein – sprich: Franz Bernhardt –<br />

engagiert für eines seiner Abonnement-<br />

Konzerte die kompletten Bamberger<br />

Symphoniker unter <strong>der</strong> Leitung von Josef<br />

Keilberth. Alle Achtung!<br />

Der neugebackene Student <strong>der</strong> Medizin<br />

besucht in <strong>der</strong> Spielzeit 53/54 noch<br />

immerhin 15 Mal das <strong>Minden</strong>er <strong>Stadttheater</strong>,<br />

fast ausschließlich für Opern, Operetten<br />

und Konzerte. Immerhin interessieren<br />

ihn die beiden Stücke „Faust II“ und <strong>der</strong><br />

„König Lear“, dessen Programmheft denn<br />

auch mit Autogrammen übersät ist. Sein<br />

größtes Interesse fand auch Hindemiths<br />

Oper „Cardillac“ und das Gastspiel <strong>der</strong><br />

Dresdner Philharmoniker bei einem Abo-<br />

Konzert des Musikvereins. Immerhin findet<br />

<strong>der</strong> Student noch Zeit für vier Operetten<br />

und für d‘Alberts „Tiefland“, eine Oper, die<br />

er ja schon zwei Spielzeiten zuvor gesehen<br />

hatte.<br />

Die nächste Spielzeit sieht Werner<br />

Schmack zwar 12 Mal im Theater – er<br />

scheint jetzt aber nur noch ein wenig<br />

seine Kenntnis <strong>der</strong> Musikliteratur erweitern<br />

zu wollen. Dass er sich darüber hinaus<br />

Goethes „Tasso“ anschaut und<br />

Shakespeares „Wintermärchen“; das<br />

klingt ein bisschen nach lustlos betriebenem<br />

bildungsbürgerlichem Ehrgeiz. Warum<br />

die „Nibelungen“ von Hebbel dabei sein<br />

müssen, ist nicht ganz einsichtig und<br />

sicher nur mit den Zufälligkeiten des Programms<br />

zu erklären. Dass er aber im März<br />

55 sich ein Konzert des >Royal Sussex<br />

Programmheft von 1949<br />

Regiment< anhört, kann wohl nur ein<br />

erleichtertes Aufatmen sein: Kurze Zeit<br />

später geben die Briten die Hoheit über<br />

das Theater endgültig ab.<br />

Wie es mit dem von <strong>der</strong> Muse so herzlich<br />

geküssten jungen Mann weiterging, das<br />

wissen wir dann sehr genau: Er hat fröhlich<br />

studiert, ist in Innsbruck, München,<br />

Wien und Zürich fleißig ins Theater gegangen,<br />

hat 59, wie<strong>der</strong> in München, promoviert,<br />

hat sich in Basel zum Augenarzt<br />

ausbilden lassen und ist 66 schließlich<br />

nach <strong>Minden</strong> zurück gegangen. Und sich<br />

danach – nicht nur in puncto Theater –<br />

nicht mehr auf Halbheiten eingelassen:<br />

Seit 1967 hat er zusammen mit seiner Frau<br />

ein Abonnement <strong>der</strong> Pro Musica - Konzerte<br />

in Hannover. Und genießt es immer mehr,<br />

Hausmusik bei sich zu zelebrieren und<br />

dabei am Flügel seine Gäste zu kurzweiligen<br />

Gängen durch die <strong>Minden</strong>er Theatergeschichte<br />

einzuladen.<br />

Robert Werther

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