III. BILDENDE KUNST - J.A. Stargardt

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III. BILDENDE KUNST - J.A. Stargardt

III. BILDENDE KUNST


III. BILDENDE KUNST

„was sollen unsere künste in einer welt von banditen und tollhäuslern“

571* ARP, Hans, 1886 – 1966. 92 Autographen: 4 e. Br. m. U., 74 Br. m. U. (davon 3 maschinenschriftlich

unterschrieben), 13 Briefe in seinem Namen und 1 Postkarte m. U. (Unterschriftsformen:

„Hans Arp“, „Hans“, „Arp“ und „Jean“; jeweils Bleistift). Meudon, Cadaqués,

Nérac, Veyrier, Grasse, (Zürich,) Montreux, Lugano, Paris, Ascona und o. O. 22.III.1932 bis

25.IX.1959. 115 S. folio bis gr.8 o . Einige kleine Einrisse, zum Teil leicht gebräunt. Mit 26

Umschlägen. (12.000.—)

Umfangreiche Brieffolge an die mit ihm befreundete Kunstsammlerin Annie Müller-Widmann bzw. deren

Mann Oscar Müller in Basel. Die Briefe geben einen tiefen Einblick in Arps künstlerisches Schaffen für

die Zeit von 1932, als er sich der reinen Abstraktion zugewandt hatte, bis 1959, dem Jahr seiner Übersiedlung

in die Schweiz. Zudem zeugen sie von seinem persönlichen Schicksal, nachdem seine Werke von

den Nationalsozialisten als „Entartete Kunst“ verboten worden waren und er mit seiner Frau nach der

deutschen Besetzung Frankreichs in den unbesetzten Teil des Landes emigrieren musste.

Meudon 22.III.1932 (o. U.). „... ich habe mich wieder nach den basler aufregungen in das sanfte landleben

von paris eingewöhnt. ende letzter woche schickte ich ihnen zwei bücher das eine mit gedichten das

andere mit holzschnitten von mir ...“ (Wohl sein Gedichtband „weißt du schwarzt du“.) „da die berner

gerne die basler ausstellung haben möchten so wäre ich ihnen und ihrem manne sehr dankbar wenn sie

mir ihr relief für diese ausstellung leihen würden ... ich schicke ihnen in den nächsten tagen eine klebearbeit

von max e r n s t hoffentlich macht sie ihnen freude ...“

Cadaqués 7.IX.1932. „... cadaques ist eine alte schachtel die aus hundert schachteln um eine hauptschachtel

die kirche zusammengeschachtelt ist. der grätenlose himmel und das wolkenlose meer darüber

greifen mit millionen licht- und feuerhänden in diesen komischen haufen dreck aus dem mäulchen singen

und schwänzchen wedeln. die letzten tage waren so heiss dass einem die knochen im leibe zu leim zerflossen.

hier funktioniert die sonne noch in antiker grösse. wenn man um die mittagszeit den kopf zum

fenster raussteckt so ist er bevor man noch danke sagen kann eine geröstete kastanie. hier beisst jeden

das gewissen der nicht faul ist ...“

Meudon 10.XI.1932. „... ich habe ihnen ‘LEURS FIGURES’ schicken lassen. sie wollten doch die mappe

mit den karikaturen haben. es sind noch einige bücher erschienen die sie lesen sollten ...“

Meudon 19.XII.1932. „... ich habe ihnen also einen sehr schönen ernst erstanden. es ist ein bild aus dem

jahre 1925 einen wald darstellend ...“

Meudon 22.II.1933. „... es freut mich sehr dass ihre sammlung sie also labt. stetig besorgt ihnen diese quelle

der freude auf das beste zu speisen und auch weil ein böser notar mich qualvoll bedrängt ihm zinsen

zu zahlen schlage ich ihnen und herrn müller folgendes vor. bei durchsicht meiner tit. bücher sehe ich dass

ich herrn müller noch 500 französische franken schulde das heisst ich sollte für den fall dass die galerie

pierre den p i c a sso billiger lässt diesen rest als eine anzahlung an ein noch auszusuchendes werk

betrachten ...“

Meudon 27.III.1933. „... der wahnsinn der in deutschland ausgebrochen ist entmutigt mich so dass ich

mich am liebsten unter die erde verkriechen möchte. was in deutschland wert hat wird zerstört. auch für

mich sind die folgen davon sehr schwer. die ausstellungen die von meinen arbeiten geplant waren können

nun nicht stattfinden. der verkauf nach deutschland ist für jede lebendige kunst auf lange zeit unmöglich

...“

Meudon 17.III.1934. „... im juni findet eine plastikausstellung in zürich statt und damit meine arbeiten

zur ausstellung fertig werden muss ich von früh bis spät arbeiten. ich wähle mir auch immer den schwierigsten

weg. würde ich meiner plastik eine haut aus kleinen impressionistischen knöllchen anziehen wie

lipschitz und andere meister so wäre meine arbeit hundert mal leichter fertig zu machen. die glätte

die ich meinen plastiken geben will verlangt viel arbeit ...“

Meudon 29.V.1935. „... ich arbeite an der steinplastik für das zürcher kunsthaus. sie wird in einigen tagen

fertig werden ...“

(Meudon) 25.V.1937. „... wir leben und weben in meudon wie auf einem anderen stern. wenn ich an mich

denke erblasse ich über mein tun und treiben. wie bin ich doch beziehungslos zum allgemeinen weltschwindel.

unser alter freund zervelados wird in jeder nummer seines geschätzten blattes wütender über

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die sogenannte abstrakte kunst weil der gute verkauf auf der konstruktivistenausstellung in basel die hinter

ihm stehenden händler wütend gemacht hat ...“

o. O. 1.XI.1938. „... ja die letzte zeit war zum verzweifeln und ich bestaune den mut unseresgleichen. was

sollen unsere künste in einer welt von banditen und tollhäuslern ... der deutsche bildhauer b a r l a c h ist

letzte woche gestorben. die schneidigen deutschen schinder haben ihn zur strecke gebracht ...“

Meudon 10.III.1940. „... nous avons assisté au début de la première de H o n n eger dirigé par Sacher.

Malheureusement l’emission a été interompu par les informations. On m’a dit qu’il y a une grande exposition

de K l e e à Zurich. Peu tu m’envoyer le catalogue. J’aurais beaucoup aimé voir cette exposition.

Klee est un des plus grands artistes de notre temps. Nous voyons souvent K andinsky qui a fait les

derniers temps de très belles toiles ...“

Veyrier 10.IX.1940. „... Les artistes ont complètement disparus comme les ourses qu’on rencontrait autrefois

dans ces montagnes et qu’on ne retrouve que dans les guides. J’ai l’impression d’être le dernier artiste

qui vit en Europe. Jamais j’ai resanti un telle solitude. Sophie et moi nous travaillons mais probablement

pour la lune ...“

Grasse 6.V.1941. „... nous avons reçu du Departement d’Etat à Washington tout les facilités pour nous

rendre aux Etats Unis. Nos visas sont à notre disposition à Marseille ... Je vois bien que la situation en

Europe devient de plus en plus défavorable pour les artistes ... Le gouvernement allemand a autaurisé

les personnes domicilées dans la zone occupée et refugiées dans la zone libre à retourner ...“

(Zürich) 10.II.1943. „... ich fühle mich grauenhaft verstümmelt. wenn ich nicht meine freunde hätte so

wäre ich sicher schon sophie nachgereist. – ich sollte die glücklichen menschen nicht mit meinem jammer

behelligen. ich danke dir für deinen brief und den schönen vorschlag den torso in stein auszuführen. dies

ist eine rechte arbeit für mich. neue gestalten werde ich so schnell keine mehr schaffen ...“ – Am 10. Januar

war seine Frau, die Malerin, Bildhauerin und Tänzerin Sophie geb. Täuber gestorben.

Paris 20.VIII.1945. „... arp hat zwölf illustrationen für die neue ausgabe von t z a r a s ‘vingtcinq poèmes’

beendet. / nach ordnen der arbeiten von sophie taeuber ist arp von der grösse und dem reichtum ihres

lebenswerkes tief bewegt ... / marguerite täte besser daran statt endlosen miltärischen manövern und ballistischem

tiefsinn arp an die hand zu gehen denn das bittere leben hier macht den menschen elend ...“

Meudon 24.III.1946. „...schwitters schrieb mir einen erschütternden brief. es geht ihm sehr schlecht.

ich glaube nicht dass wir ihn wiedersehen werden.“ (Sein Freund und Dada-Kollege Kurt Schwitters hatte

einen körperlichen Zusammenbruch erlitten; er starb am 8. Januar 1948). „das leben hier gefällt mir gar

nicht mehr. es herrscht eine grauenhafte dämmerstimmung. es riecht nach verwesung ...“

Meudon 30.XI.1949. „... Sonntag Nachmittag war ich bei Francis P i c a b i a . Einen Aufsatz, den ich über

ihn geschrieben habe, werde ich Euch sofort nach der Veröffentlichung zuschicken. Ihr werdet daraus

meine grosse Wertschätzung für ihn lesen. Er ist einer der letzten Grossen, der, vielleicht durch sein

Wesen, seine Vereinsamung verschuldet hat ...“

Meudon 15.V.1957. „... Diese Erkrankung hat mich innerlich sehr gewandelt. Nicht dass mein Humor flöten

gegangen wäre, aber er flötet nicht mehr so schrill und bei dem Durchlesen der Korrekturbögen für

mein neues Buch die mir dieser Tage zugesandt wurden und Gedichte aus vergangenen Jahren enthielten

standen mir doch einige Haare zu Berge ...“

o. O. 24.IX.1957 (eigenh). „... Dein Brief ist so schön dass ich bisher verzagte Dir dafür gut danken zu

können. Ich müsste wenigstens einen Monat dichten und ein Dutzend Leiern zerschinden bis ich die rechte

Weise gefunden hätte. So lange will ich Dich aber nicht warten lassen. Darum sage ich Dir ganz kindlich:

Ich werde es nicht vergessen, dass ein Mensch so schön von mir denkt ...“

(Ascona) 25.IX.1959 (eigenh.), Dank für Glückwünsche zum Geburtstag. „... Vieles was Du mir schreibst

möchte ich als märchenhaftes Echo verwandelt Dir widerhallen. Ich habe schon lange die Absicht einige

Seiten über meine schweizer. Freunde zu schreiben, über ihr Vertrauen zu meiner und Sophie’s Arbeit und

ihre Freundschaft zu uns als noch wir und unsere Arbeit als Spinner und Spinnereien angesehen wurden

...“

Beiliegend eine mitunterzeichnete Ansichtskarte von Marguerite Hagenbach, Arps späterer zweiter Frau,

Venedig 18.VI.1954, an dieselben Adressaten.

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(Hans Arp)

572* — Typoskript. Titelblatt und 23 S. folio, Klammerspuren. Ein kleiner Einriß. In einem

Papp hefter (bestoßen) mit eigenh. Titel und Namenszug „Hans Arp“ (Bleistift). (1.200.—)

„MARGUERITE“. Mit jeweils einem Vers auf einer Seite. Beginnt:

„• / marguerite / kann / das / sternenküssen / nicht / erwarten / •

• / marguerite / liebt / unzählige / türme / aus / stille / und / einsamkeit / •

• / sternenschiffe / für / marguerite / •

• / marguerite / pflegt / das / sternen / •

• / marguerite / in / der / unendlichkeit / •

• / marguerite / pflegt / die / duftsprache / der / blumen / •

• / und / das / funkelnde / der / sterne / •

• / in / gestalt / von / sternen / in / gestalt / von / blumen / •

• / sternenschiffe / voller / sterne / sternenschiffe / die / von / sternen / überquellen

/ sternenschiffe / für / marguerite / •

• / auf / einen / gruss / von / marguerite / fängt / eine / wolkenglocke / zu / läuten / an ...“

Es folgen weitere dreizehn Verse (auf 13 Seiten). – Offenbar ungedruckt.

573* — 2 e. Gedichte m. U. Je 2 ⁄3 S. folio, liniertes Papier. Leicht gebräunt. (1.600.—)

I)

II)

„Traumzecher

lachen und weinen vor Freude

wenn der Kuckuck

das Zahllose zählt

wenn sich die Luft

mit Licht befiedert

wenn ihnen Quellenworte

über die Lippen glitzern.“

„Auf Gottes Befehl

streuen Träume

süss klingende Sterne aus

für die Einsamen

ohne Wein und Haus.“

Offenbar ebenfalls ungedruckt.

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Aus Nr. 573 Hans Arp

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„Natürlich produziere ich ohne Veranlassung Sinn“

574 BEUYS, Joseph, 1921 –1986. 2 eigenh. Manuskripte mit Namen am Kopf. (1966.) Zusammen

7 S. folio. Klammerspuren; stellenweise leicht fleckig (Wischspuren); das zweite Manuskript

gelocht. (3.000.—)

I. „Fett und Filz“, 3 S. folio. – Replik auf Alexander Mitscherlichs Kritik an seinem Werk in Form

eines fiktiven Interviews; zu Beginn eine Beschreibung seines Ateliers.

„In einem grossen hohen Raum zu ebener Erde am Ende einer Tordurchfahrt empfängt uns Joseph Beuys.

Der Boden des Raumes ist mit Leder bedeckt. Ein überdimensionales Ledersofa bildet mit einer grossen

Zahl von lederbespannten Stahlrohrstühlen eine Sitzgruppe, ein riesiger Schrank aus Palisander und ein

leise surrender Kühlschrank vervollständigen das Mobiliar. Alle weiteren Gegenstände sind bekannte

Arbeiten von Beuys: Wir erkennen wieder: ‘Mein und meiner Lieben verlassener Schlaf’, ein hölzernes

Regal in dessen 5 Fächern einfach aufeinander geschichtete graue Filzdecken liegen. 3 90 Grad Filz winkel,

ein sog. ‘Hirschfuss’, ein Filzwinkel mit grau-grünlicher Ölfarbe bearbeitet. Ein 34 Grad Filzwinkelfarbwinkel,

eine Negativfilzecke, ein überzelteter Filzwinkel. Die bereits historisch gewordene ‘20th

July Aachen-Fettkiste’ neben einem ‘warmen Stuhl’ und Demonstrationsgeräten (Gemeinschaftsspaten,

Doppelspaten, sog. ‘Sender’, 2 Elche auf der Eisscholle. Weiterhin ein zweiflammiger Elektrokocher, eine

Bronzeplastik von 1951.

I[nterviewer]: Herr Beuys wir lesen in der Neuen Rundschau den Mitscherlichartikel“ („Happenings –

organisierter Unfug?“, 1966, Heft 1) „... M macht Ihnen zum Vorwurf, dass Sie sich das Wunder an maßen

ohne Veranlassung Sinn zu produzieren ...

Beuys: Natürlich produziere ich ohne Veranlassung Sinn, vielleicht Sinn den M nicht versteht. Es sollte

doch das hervorstechendste Merkmal des Menschen sein so Sinn zu produzieren. Mit Veranlassung und

ohne Veranlassung ... Viele moderne Psychologen betreiben gerade das ‘Geschäft der Vernebelung’, was

man uns in die Schuhe schieben möchte ...“

II. Autobiographische Notizen, 4 S. folio.

„1921 in Kleve geboren

1940 – 1945 Kriegsdienst / Das im Kriege begonnene Studium der Naturwissenschaften wird nach 1945

fortgesetzt aber schon 1946 abgebrochen.

Kunststudium: 1947– 1951 Kunstakademie Düsseldorf bei Enseling und Mataré / Freundschaft mit dem

Dichter A.R. Lynen und mit dem Ornithologen Heinz Sielmann. Mitarbeit an Filmen. 1955 Atelier Kurhaus

Kleve ...

1962 Beteiligung an FLUXUS ... Beuys gebraucht als Einziger in Deutschland den von George Maciunas

erfundenen Namen FLUXUS für seine Arbeit weiter, auch für seine weiterentwickelten Demonstrationen

die dem ursprünglichen Ideenkreis von FLUXUS fremd sind.

Ab 1963 Filzbilder und Fettecken ...“ – Am Schluss eine Liste seiner Ausstellungen (1 S.) und eine Bibliographie

(2 S.).

In dieser Form s e h r s e l t e n .

575* BÖCKLIN, Arnold, 1827– 1901. E. Br. m. U. Weimar 3.XII.1861. 1 1 ⁄4 S. gr.-8 o . Bläuliches

Papier. Kleine Randschäden. (350.—)

An „Euer Wohlgeboren“, dem er sein Gemälde „Panischer Schreck“ gesandt hatte.

„... Ich habe es wieder ganz übermalt und hoffe, es werde in diesem neuen Kleid eine gütige Aufnahme

in Ihrem Lokal finden. Der Preis des Bildes ist hundert Louis’d’or (550 Thlr).

Die Venus, die Sie bei mir gesehen, und die ich seitdem wegen anderer Beschäftigung stehen lassen mußte,

ist nun auch der Vollendung nahe und wird bei Ihnen zum Erstenmal auftreten. In einigen Wochen denke

ich sie vollendet zu haben ...“

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III. BILDENDE KUNST

Aus Nr. 574 Joseph Beuys

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576* CHODOWIECKI, Daniel, 1726 – 1801. E. Br. m. U. Berlin 4.IV.1788. 1 S. kl.-4 o . Mit Siegelrest

und Adresse. Leichte Randläsuren (durch Siegelöffnung). (350.—)

An die Weidmannsche Buchhandlung in Leipzig.

„... habe ich die Ehre dankbahrlich anzuzeigen, daß das Packet Bücher von Herrn Johann Frey aus

Regenspurg mir richtig eingegangen ist ...“

577 CORINTH, Lovis, 1858 – 1925. E. Br. m. U. Berlin 6.VI.1919. 1 S. gr.-8 o . Kariertes

Papier. Leicht gebräunt. (200.—)

An einen Zeitungsredakteur, eine Bildveröffentlichung betreffend.

„... Nach unsrer Vereinbarung habe ich heute die Zeichnung ‘Florian Geyer’ für Ihre Zeitung fertig

zum Abholen bereit gestellt. Sie kann durch Autotypie reproduzirt werden. Wegen der Eile, welche die

Arbeit bedurfte habe ich das Maaß Ihrer Zeitung nicht genau bemessen können, glaube aber dennoch, daß

es gut in den Raum hineinpassen wird ... PS Ich bitte einige Belegexemplare mir zukommen zu lassen“.

Der von Corinth bereits 1906 in einem Gemälde als „Florian Geyer“ dargestellte Schauspieler Rudolf Rittner

feierte am 30. Juni seinen 50. Geburtstag.

„J’etais souvent en opposition“

578* DAUBIGNY, Charles François, 1817– 1878. E. Br. m. U. O. O. u. D. 3 S. gr.-8 o . Kleiner

Einriss, etwas fleckig. (1.200.—)

An den Maler (Louis Augustin) Auguin (1824 – 1903), dem er seine „compliments pour ses deux tableaux“

ausspricht. Ferner über den Pariser Salon und dessen Jury, der er nicht mehr angehöre.

„... Je vis très en sauvage maintenant et ne suis plus du Jury depuis longtemps. J’etais souvent en opposition

avec les collègues et les coteries de l’institut et de l’ecole, ce qui fait que j’ai rompu ... avec le coté

artistique officiel. ils font des règlements absurdes qui châtrent les audacieux. il faut peindre d’une certaine

façon pour être reçu. ils en ont réfusé cette fois ... la masse des tableaux de l’exposition ... enfin il

y a encore quelques bonnes toiles mais elles sont rares. ne viendriez vous jamais à paris l’eté j’y suis ...

toujours en voyage mais à partir de la fin d’octobre, j’y suis tout l’hiver ...“

Daubigny war zum ersten Mal 1866 Mitglied der Jury des Pariser Salons geworden.

579* DORÉ, Gustave, 1832 – 1883. E. Br. m. U. London 5.VIII.(1878). 3 1 ⁄2 S. 8 o . Mit Briefkopf

„Bath Hotel“. (400.—)

An einen Freund, dem er für einen Artikel im „moniteur du 2 aout“ dankt.

„... C’est te dire le très immédiat et excellent effet qu’ont produit les belles et généreuses lignes que tu m’as

fait l’honneur de consacrer à la description de mon oeuvre. Merci, merci, et merci encore, tu es un brave

et un fidèle ami ... Enfin; cher ami, tant qu’un physique je serai debout sur mes deux jambes, mon moral

me défaillira pas, et tant que je trouverai comme aujourd’hui, la preuve que l’amitié est toujours vivante;

les déceptions ne me renverseront pas ...“

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„wegen Italien“

580 ERHARD, Johann Christoph, Maler und Radierer, 1795 – 1822. 4 e. Br. m. U. Wien und

Rom 28.X.1818 bis 21.XII.1821. 7 S. kl.-folio bis 4 o . Mit Siegelspur (2) bzw. Siegelmarke (1) und

Adresse (3). Zum Teil etwas braunfleckig bzw. gebräunt. (800.—)

An seinen Freund, den Maler und Radierer Johann Adam K l e i n (1792 – 1875) in München, Auftragsarbeiten

betreffend sowie mit persönlichen Nachrichten und Berichten über das K ü n s t l e r l e b e n i n R o m .

Wien 28.X.1818. „... Wie gefällts Dir in München? ... H Reichel“ (der kgl. bayrische Hoflieferant Benno

Reichl) „hat gewiß eine rechte Freude gehabt Dich zu sehn! u. unterhalten wirst Du Dich wahrscheinlich

auch gut ... Ender ist aus Brasilien zurük, hat an 500 Zeichnungen mitgebracht, worunter viele auf dem

Schiffe gezeichnete Matrosengruppen, Aussichten zwischen den Masten durch ... ganz allerliebst vorgetragen

sind. Die Landschafften sind sehr hübsch bis auf das was unsern Augen so anstößig ist, die Palmen

... Er ist in der lezten Zeit sehr krank geworden, u. so schwach daß er die Abzehrung befürchtete ...

Nun sieht er aber wieder so frisch aus wie immer ...“ – Thomas Ender (1793 – 1875) hatte 1817 an der

österreichischen naturhistorischen Expedition nach Brasilien als Landschaftsmaler teilgenommen. –

Erwähnt ferner u. a. den Kupferstecher Blasius Höfel und den Nürnberger Kunsthändler Johann Friedrich

Frauenholz.

Wien 5.XII.1818. „... Hier schike ich Dir einen Brief von Artaria“ (dem Wiener Kunsthändler Matthias

A., 1793 – 1835) „den ich mir die Freyheit genommen habe zu erbrechen weil ich wieder einen Auftrag vermuthete,

was auch der Fall ist, allein ehe ich ihn erfülle muß ich Dich doch fragen, ob Du die verlangten

Abdrüke vielleicht vor Deiner Abreise an Fries abgegeben hast ...“

Wien 17.II.1819, mit der Nachricht vom Tod des Kupferstechers und Radierers Ludwig Friedrich Kaiser

(am 3. Februar). „... Der gute kleine Kaiser ist ... seiner sauren Arbeit des Athemholens erlößt; er ist nach

einem kurzen Krankenlager eigentlich eingeschlafen, weil seyn Bruder sein Sterben gar nicht bemerkt

hatte. Diesem ist es sehr leid wie Du Dir denken kannst da sie einander würklich herzlich geliebt haben

... Nun läßt Dich sein Bruder recht herzlich bitten ob Du ihn denn nicht solltest Du einmal Zeit haben des

Verstorbenen Portrait copiren möchtest ... Nun noch Wichtiges, wovon Dich Welker“ (der Maler Ernst W.,

1788 – 1857) „schon benachrichtigt hat; nämlich wegen Italien. Er hat mir schon fürchterlich zugesezt mitzugehen,

u. hat Gründe gebracht die mich würklich schon schwanken gemacht haben ... u. ich möchte

Deine Meynung darüber hören ...“

Rom 21.XII.1821. „... Ich habe bald 2 Platten von Olevano radirt, u. Prof. Wagner“ (der Maler und Bildhauer

Johann Martin W., 1777– 1858) „mit dem ich neulich sprach gab mir den Rath ich sollte Ansichten

aus Rom radiren u. sie auf Subscription herausgeben, er wollte mir dazu behülflich seyn ... Ich habe mich

wohl seit längerer Zeit mit dem Gedanken getragen nach Nürnberg zu gehen u. dort ohne alle anderen

Rüksichten um Geld zu arbeiten, aber seit kurzem ist mir dieß wieder vergangen wenn ich bedenke daß

ich so von meinem Aufenthalte hier gar keinen Nuzen ziehen würde als die etlichen Zeichnungen die ich

bisher gemacht habe ... Welker ist voll froher Erinnerungen an die genußreichen Jahre seines Aufenthaltes

... zu uns gekommen, u. besucht uns sehr oft ... Vor etlichen Tagen sagte mir Reinhold“ (der Maler und

Kupferstecher Heinrich R., 1790 – 1825) „daß Jemand aus Wien ... nach mir gefragt hätte ... Graf Esterhazy

ist ... hier, überhaupt ziehen Fremde in Schaaren ein ...“ – Erwähnt u. a. den Bildhauer und Maler

Franz Ludwig Catel. – In einer Nachschrift: „... Hörst Du nichts von Metternich? – Hier ist die Nachricht

eingetroffen daß in Oesterreich alle ausländischen Lehrer abgesezt sind! Das wäre ja wieder ungeheuer

gewaltsam ...“

Autographen des jung verstorbenen Malers sind s e h r s e l t e n .

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„haarschweinlicher Weise“

581* FEUERBACH, Anselm, 1829 – 1880. E. Br. m. U. Wien 30.IV.1874. 2 S. 8 o . Mit geprägtem

Monogramm am Kopf. Leicht fleckig. (400.—)

An „Lieber Friedrich“, dem er seine Ankunft in Berlin bekanntgibt.

„... Habe ein paar Tage in Berlin zu thun & komme haarschweinlicher Weise nächsten Donnerstag.

Würde mich sehr freuen einen Abend mit Ihnen zusammen sein zu können, werde deshalb den Portier des

Hotel mit meiner Karte schicken, worauf Sie ihm irgend ein Lokal aufschreiben mögen. Ich war immer

am Ecke der Französischen Straße und Gendarmenmarkt in einer kleinen Kneipe, wo man bairisches Bier

Krebse & Muscheln und sonstiges Geflügel bekam ...“

582 FÜSSLI, Johann Heinrich, in England Henry Fuseli, 1741 – 1825. E. Br. m. U.

„H. Fuseli“. O. O. 7.VII.(1809). Leicht gebräunt. Verso Montagereste. (600.—)

An einen befreundeten Herrn mit einer Einladung.

„Dear Sir. / I expect Mr. James Moore“ (sein Gönner) „to go to St. Pauls with me, about the time You usually

favour me on a friday, will You be so kind & join us? ...“

583* GULBRANSSON, Olaf, 1873 – 1958. E. Br. mit einer Selbstkarikatur (Kopf) anstelle der

Unterschrift. O. O. u. D. 1 S. gr.-4 o . Versalien. Grüne Tinte. (400.—)

An Kerstin (Strindberg), die Tochter des Schriftstellers.

„Aber liebe Kjerstin / Was ist den das für eine Comödie der Irrrungen / Komme doch schnell / wier müssen

doch über den armen lieben Albert reden ...“

584* HOFER, Karl, 1878 – 1955. E. Br. m. U. Winterthur 4.XII.1917. 1 3 ⁄4 S. gr.-4 o . Gelocht.

(200.—)

Nach der Entlassung aus der Internierung in der Bretagne an den Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe

wegen der Mitarbeit an der von ihm vorbereiteten Graphikmappe „Shakespeare-Visionen“ (München 1918).

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„... Ja endlich sind die Fesseln gefallen ... Jetzt ist Wirklichkeit was ich als Gefangener in vielen Träumen

schaute. Sehnsüchtige Träume die das ganze trostlose Morgenlicht das alle Gefangenen erleben müssen,

stets grausam zerstörte. Der freie Mensch fühlt die Zeit nicht. Der Gefangene empfindet sie körperlich

wie kalt und warm. Ich kann noch nicht mit beiden Füssen in’s Leben und in die Kunst springen. Ich

will versuchen ob ich mich in das hineindenken kann was Sie von mir verlangen. In Shakespeare geschehen

grausige Dinge und ich habe Grausiges erlebt ...“

Hofer hatte den Sommer 1914 in dem französischen Badeort Ambleteuse verbracht und war nach Kriegsausbruch

interniert worden.

585 INGRES, Jean-Auguste-Dominique, 1780 – 1867. E. Br. m. U. O. O. 27.V. o. J. 1 S. kl.-4 o .

Mit Adresse und Blindsiegel. Leicht gebräunt, etwas (staub-)fleckig. (600.—)

An seinen Schüler, den Landschaftsmaler Alexandre D e s g o f f e , den er bittet, ein geplantes Treffen zu

verschieben.

„... attendu que je suis encore très occupé de mon interminable tableau et de beaucoup de fatigue, je vous

prie de remettre de quelques jours seulement notre entrevue ... que je desire tout vrai! / à vous de Coeur

/ Ingres“.

„und die Frauen besonders“

586 JAWLENSKY, Alexej von, 1864 – 1941. 1 e. Br. m. U. „Alexej“ und 1 e. Postkarte m. U.

„A. Jawlensky“. O. O. (Piestany?) „Dienstag“ (von fremder Hand: 2.IX.1930) und Wiesbaden

26.VII.1935. 4 S. 4 o und die Karte. (1.600.—)

An die mit ihm befreundete Kunsthistorikerin Mela Escherich (1877– 1956) in Wiesbaden-Rambach. –

Mela Escherich war Mitglied in der „Vereinigung der Freunde der Kunst Alexej von Jawlenskys“.

o. J. (Brief), von einem Kuraufenthalt. „Mela mein Liebling! / Montag früh habe ich Ihren Kuss bekommen.

Er war sehr süss. Ich kamm vom Bad ganz erschöpft und dieser Kuss hat mir Muht gegeben ... Jetzt

sind die letzten Tage der Kur. Ich bin erschöpft, ich bin zerbrochen. Oft scheint mir, dass ich nicht weiter

leben kann – keine Kraft. Noch einige heisse Packungen, aber nur aushalten, aushalten. Ich mache

alles um zu aushalten: ich phantasiere .... ich esse mehr, aber meine Nerven sind oft so herunter, dass ich

weinen möchte ... Frau K. versteht meine Briefe nicht. Sie möchte nur liebe Worte höhren, sonst nichts.

Und meine Briefe zu Ihr sind so tief, so voll Liebe – – aber Sie versteht nicht, Sie braucht nur äusserliche

Worte, Schmeicheleien – – und ob das Lüge ist – ist ihr einerlei. So verschieden sind die Menschen und

die Frauen besonders. Sie, Mela, verstehen zwischen Zeilen lesen und Frau K. will immer das bekommen,

was man nicht sagen will ... Jetzt muss ich mich anziehen. Frau Lubosch wollte kommen. Sie ist sehr lieb

und so rein und klug und schön. Was will man noch mehr. Wir sind gute Freunde, wie das zwischen Russen

existier[t] und selten zwischen Deutschen ...“

1935 (Postkarte). „... Was ist mit Ihnen? Man sieht Sie so lange nicht! Sind Ihre Augen schlechter geworden?

Ich bin beunruhigt. Lassen Sie doch von Sich hören ...“

Siehe die Abbildung auf Seite 283.

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(Jawlensky)

„ich lebe in Kunst“

587 — E. Br. m. U. (Wiesbaden) 5.V.1933. 3 1 ⁄2 S. 4 o . (600.—)

An eine befreundete Dame.

„... Die ganze Zeit habe ich sehr viel zu tun gehabt, wegen Sendung meiner Bilder nach Amerika. Morgen

60 Bilder gehen weg, Got sei dank ... Montag fahre ich mit Frau Henkel nach Hofheim ... S c h m i d

Rottluf wird auch morgen nach Hofheim kommen. Das ist alles was ich hier habe ... Aber ich lebe in

Kunst und, wenn nicht meine Krankheit wäre, müsste ich ... zufrieden sein ...“ – Erwähnt die Malerin

Galka Scheyer, die nach Amerika abgereist sei – „sie hat hier, in Europa, kein Glück gehabt“.

In Deutschland hatte Jawlensky seit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten Ausstellungsverbot.

588 KHNOPFF, Fernand, 1858 – 1921. E. Br. m. U. und einer kleinen graphischen Darstellung

im Text. Brüssel o. D. 2 S. quer-kl.-8 o (Briefkarte). Mit Trauerrand. (300.—)

An einen Herrn.

„... Le dessin en question n’est pas un ‘ex-libris’; c’est une ‘marque d’editeur’“ (hierzu eine schematische

Darstellung).

„... Il represente: le flambeau repris par une main plus forte pour éclairer la nuit. C’est le symbole du

livre dont les editions traversent les ages ...“

Erwähnt das Kunstmagazin „The Studio“.

589 KIRCHNER, Ernst Ludwig, 1880 – 1938. E. Br. m. U. (Davos) 5.V.1924. 1 1 ⁄2 S. gr.-4 o . Dünnes

gelbes Papier. (1.200.—)

An Friedrich Schreiber-Weigand, den Leiter der „Kunsthütte“ in Chemnitz.

„... Ich ... wäre Ihnen dankbar, wenn Sie bitte über das 2te Bild von mir, das in der Kunsthütte ist ausser

der ‘ P f e r d e w e i d e ’ etwas genauer ausdrücken wollten. Das heisst von wem haben Sie es und was

stellt es dar, da es von 1908 oder 07 sein soll wird es wohl auch Dreck sein. Herr Thiele hat ja keine

Ahnung von meiner Arbeit, er hat ausser dem einen Bilde nichts gesehen und hatte auch kein Interesse,

dass er das Bild nicht umtauschen lässt ist so eine Chemnitzer Dickköpfigkeit unter der man ja zur Genüge

früher gelitten hat. Wenn ich wegen des Bildes des kranken Mädchens geirrt habe so bitte ich selbstverständlich

um Verzeihung wegen des falschen Verdachtes ...“

Das 1907 entstandene Bild „Pferde auf der Weide“ wurde von Kirchner 1926 überarbeitet.

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III. BILDENDE KUNST

Nr. 589 Ernst Ludwig Kirchner

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III. BILDENDE KUNST

„wo ich am Bauhaus lehre“

590 KLEE, Paul, 1879 – 1940. E. Br. m. U. Bern 2.IX.1926. 3 ⁄4 S. kl.-folio. (2.000.—)

An den Ingenieur Hans Fischer vom „Stammtisch zum Dornbusch“, einem Freundeskreis in Hamburg.

„... Ich danke Ihnen herzlich für Ihre guten Grüsse aus Hamburg, die mich in sinniger Weise gerade auf

Schweizerboden erreichten, wo ich vorübergehend weile. Ihre Zeilen machten eine grössere Reise und

berührten sämtliche Stationen meines Wirkens: München, Weimar, Dessau, wo ich am Bauhaus lehre, und

endlich Bern, von wo ich herstamme ...“

591 KOLLWITZ, Käthe, 1867– 1945. E. Postkarte m. U. Poststempel: Berlin 28.XI.1906.

(150.—)

An den Lyriker und sozialdemokratischen Journalisten Ludwig Lessen (1873 – 1943).

„... Es tut mir sehr leid, Sie verfehlt zu haben, ich war zu der verabredeten Zeit ... zu Hause. Paßt es

Ihnen, morgen zwischen 1 u. 3 zu kommen? ...“

592* — E. Br. m. U. Berlin 30.VI.1919. 3 1 ⁄2 S. kl.-4 o . Mit frankiertem Umschlag. (400.—)

An den Kunsthistoriker Hans Wolfgang Singer (1867– 1957) in Dresden wegen ihrer Mitarbeit am „Jahrbuch

der Originalgraphik“ (Berlin, Wohlgemuth & Lissner 1919 – 1923).

„... Es ist mir nicht möglich gewesen mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Eine Ablenkung folgte der

andern, seit Wochen komme ich nicht zu ruhiger Arbeit. Infolgedessen mußte ich Wohlgemuth u. Lissner

absagen. Es ist mir außerordentlich unangenehm, daß ich Sie so im Stich lasse und ich bedauere jetzt sehr

nicht gleich zu Beginn abgelehnt zu haben. Ich hätte Ihnen u. dem Verlag diesen Verdruß erspart. Ich

kann Sie jetzt auch nicht darum bitten mich für das nächste Jahr auf die Liste der Mitarbeiter zu setzen,

weil ich nach der Erfahrung dieser Wochen nichts versprechen kann ... Arbeitskraft, Zeit, alle möglichen

äußeren Umstände sind ... jetzt so unübersehbar u. unberechenbar für mich, daß ich in keiner Weise mehr

mich zu dem Fertigstellen einer Arbeit verpflichten kann ...“

593 — E. Postkarte m. U. (Berlin) 5.III.(1924). Leichte Wischspuren. (200.—)

An Heinrich Zille.

„... Ich danke, daß Sie mir von der Dame schrieben, vielleicht kann ich ihr hie u. da Jemand zuführen.

– Ich hörte Sie seien lange u. böse krank gewesen, hoffentlich ist jetzt alles vorüber. Ist es Ihnen ganz

unlieb Akademiemitglied geworden zu sein? mir war es als wir Sie wählten, als ob wir Gaul noch unter

uns hätten. Der hat immer dafür gesprochen ...“ – Der Bildhauer August Gaul war 1921 gestorben.

Beiliegend ein e. Billett m. U. des Bildhauers Wilhelm L e hmbruck an Zille auf einem Zahlkartenabschnitt

(1915) – „... die Sache betrifft eine alte Schuld, ich hatte immer gehofft, Sie einmal wiederzusehen

...“ – Ferner beiliegend Zilles Exlibris für Adolf Beene (d. i. der Architekt und Kunstkritiker Adolf

Behne).

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III. BILDENDE KUNST

Nr. 590 Paul Klee

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III. BILDENDE KUNST

„Fatalismus mystischer Observanz“

594 KUBIN, Alfred, 1877– 1959. E. Br. m. U. Wernstein 18.XII.1927. 1 S. gr.-4 o . Minimale

Randläsuren. (500.—)

Inhaltsreicher Brief an (den Schriftsteller Karl Wache in Wien), der sich für sein literarisches Schaffen

interessierte.

„... Aus der beiliegenden Skizze meines Lebenslaufes ersehen Sie daß mein Roman ‘ D i e a n d r e S e i t e ’

... keinen Nachfolger mehr erhalten hat weil mich die bildkünstlerischen Studien so voll und ganz beschäftigten,

daß die literarische Arbeit ... brachliegen blieb.

Zudem – trotz der mancherlei Unbehülflichkeiten habe ich auch heute – nach 20 Jahren das Gefühl in diesem

‘Weltanschauungsroman’ das meiste – wenigstens im Grundzuge – von dem gegeben zu haben was

mich bewegt und nicht in bildhafte Form eingeht – Philosophisch huldige ich nach wie vor einem Fatalismus

– doch mystischer Observanz – anders ausgedrückt: alles ‘äussere’ / dieses immer und in jedem Fall

als Illusorisches, Untatsächliches, Scheinhaftes zu denken – ein gespenstisches Phantom bis in die letzte

Sinnesempfindung hinein / wird geschoben von einem unerkennbaren Innern das man sich bei aller Wandlung

doch identisch am besten vorstellt ...“ – Die erwähnte autobiographische Skizze liegt nicht mehr bei.

„Götterdämmerung“

595 — 26 Autographen: 20 e. Br. m. U. und 6 e. Postkarten m. U. („Alfred Kubin“, „Kubin“

und „A. K.“). Zwickledt und Tusset 26.VII.1939 bis 11.XII.1943. 41 S. folio bis gr.-8 o und die

Karten. Mit 3 Umschlägen. Zum Teil stärker lädiert, einzelne Briefe gebräunt (Kriegspapier).

(8.000.—)

Außerordentlich inhaltsreiche Brieffolge an seinen Jugendfreund, den Rechtsanwalt Roderich Huch in

Kleinwanzleben bei Magdeburg. Mit ausführlichen Berichten über sein Leben und sein künstlerisches

Schaffen unter den Bedingungen des Zweiten Weltkrieges.

Zwickledt 26.VII.1939. Dank für eine „Nachricht“. „... Mit dem innern Auge sehe ich gleichsam ‘Rudi

Huch’ auf dem Rad um irgendeine Ecke der Leopoldstrasse flitzen –, und ... schon sind so scheint es –

wir beide fast auch die Einzigen die aus damaliger Zeit her noch im Lichte wandeln ... Die Anhänglichkeit

welche Sie dem Buch ‘Die andere Seite’ bewahren – zeigt, dass Sie ‘den Geheimschlüssel’ haben

– und wirklich: mit dem Besitz eines solchen vermag jeder Leser dann zu prüfen an dieser nie endenden

Substanz weiter zu formen, leben, dichten, erfinden! Davon losgelöst wäre es als ‘Welt’ sehr zu kritisieren!

Es ist allerdings die 1 Auflage – und ganz besonders die Büttenausgabe hiervon, welche die gültigere

Gestalt enthält aber wieder nicht die Autobiographie, welche im Band ‘Dämonen und Nachtgesichte’

bei Carl Reißner Dresden 1931 erschien ...“ Kubins Roman „Die andere Seite“ war mit 52 eigenen Illustrationen

1909 im Verlag Georg Müller in München erschienen.

Zwickledt 14.IX.1939. Kurz nach Ausbruch des Krieges. „... Es geht mir ... leidlich. Freilich muss man

die letzten Reserven innersten Humors schon bereithalten und damit recht knausern um nicht allzuschlaff

bei der hereingebrochenen Götterdämmerung zu werden ... Wie gut wenn die Nacht einen Vorhang ... herablässt

und einen andern aufzieht der nichts von der Tageslandschaft enthält sondern ein freies Wagen

in der Seltsamkeit des Lebens selber ohne Hemmung eines ‘Verstandes’ ist.Was Sie sehr richtig am K l a -

ges’schen Groll scheußlich und unschöpferisch finden ist mir recht begreiflich. Jedenfalls hatte er noch

ein recht markantes und schönes Aussehen als ich ihn 1928 im Herbst in Kilchberg besuchte – er schrieb

mir später dann noch ein paarmale, doch wie mir einer seiner wahren Freunde mitteilte war er aber recht

enttäuscht darüber dass man ihn nicht mehr bei den Nazi’s als Gelehrten estimierte. im Gegenteil!!

Wo l f s k e h l ? – ob dieser Ahasver der mich öfters auch hier besuchte in Neuseeland noch lebt ahne ich

nicht – er muss ja Anfang der 70 schon sein – mit George war ich vor dem Krieg im Hause Wolfskehl

noch einmal zusammen, wir waren beide Logiergäste v[on] W[olfskehl] und da sagte er mir sehr Freundliches

über die ‘andere Seite’ ...“

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III. BILDENDE KUNST

Aus Nr. 595 Alfred Kubin

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III. BILDENDE KUNST

(Kubin)

Tusset 1.VIII.1940. Von seinem Ferienaufenthalt im Böhmerwald. „... Inzwischen findet in Zw[ickledt]

der große Hausputz statt – und es ist meiner Frau nur zu gönnen einmal einen Monat ohne meine Gegenwart

zu verleben während ich die Stille unbedingt als eine Restaurierung des alten Adonis benötige –

möchte ich doch in meinem Werke einen guten Abschluss hinein noch bringen bevor der große Vorhang

fällt ... Ich bin allein trotz Kindergebrüll und Tellerklirren, und in dieser gänzlich formlosen Einsamkeit

ist das schöpferische Geheimnis gänzlich verborgen – vor den neugierigsten Menschenblicken ‘für ewig’

versteckt. Dem Klages ist seine Schreibetätigkeit im III. Reich nun verboten worden ...“

Zwickledt 19.I.1942. „... Ich lebe wie ein alter Steinkauz in mich hinein lauschend und erfreue mich an

der seltsamen Wirrheit meiner Zeichnungen – welche in unseren Tagen (o Conjunktur!!) wieder einmal

gewaltig Rumohr machen. Soch ‘Erfolge’ berühren mich ironisch – was kann man schon mit ‘Geld’

machen. heute? ‘spart eisern und äussere dich sparsam!’ schrieb mir letzthin ein Freund ...“

Zwickledt 7.IV.1942. „... mich freut es, dass Sie wieder ein paar Funde aus meinem Werk gemacht haben

... u[nd] so müssen Sie ... auch ein Buch wie ‘gerade dies’ ansehen. Peter S c h e r leidet schwer an depressiver

mania. Die letzten monatelang andauernden Anfälle waren noch ärger als frühere u[nd] auch

gefährlicher ... Ich habe für einen jungen Dichter Horst Lange im letzten Winter eine Folge von Blätter

gemacht zu einer Novelle ‘Irrlicht’ ... H[orst] L[ange] wird wahrscheinlich sein linkes Auge verlieren

infolge Bombensplitterverletzung in Russland ...“

Zwickledt 10.X.1942. „... Was Du über Deinen Aufenthalt in P. mitteilst ergänzt sich mit manchem was

ich aus andern Schreiben mir zusammen scharrte zu einer Art Panoramareise heutiger Verhältnisse. Ich

verlebte 5 Wochen im Böhmerwald herrliche Stille, wundervolle Eintönigkeit dunkler Baummeere – die

mir wieder infolge der Kriegsverpflegung in dem armen Lande gebrochen wurde. Der Fettmangel und das

schwere Brot bes[onders] setzte mir zu ... Als ich ... mit dem Gefühl richtiger Erholung wieder hierher

kam stellte sich allerdings ein seltsames Phänomen ein – hier erschien es mir fremd, verzaubert wie eine

Kaleidoskopwelt lauter Culissen, Hintergründe ein richtiges befremdendes Naturtheater die ersten Tage

ja eine seltsame Reaktion! Bis ich mich wieder in eine Art von Geleise fand vergingen beinahe 3 Wochen.

Seither wechselt mein Befinden – und öfters komme ich zum Schluss: wie muss man doch balanzieren Aug’

und Ohr’ auftun, den Schädel hoch halten um nicht alles zu verdammen. – Gottlob gelingt mir das Schweben

so und ich lasse mich dann in der lauen seeligen Atmosphäre dahintreiben – wohin? Das ahnt kein

noch so großer Profete – und ein Stück Humor soll man ja auch immer noch im Gepäck mitnehmen eben

um – nicht zu verzweifeln ... Es ist lächerlich wie nun da man für den Papierhaufen nichts Richtiges –

(Reisen, Fressen, Saufen ... erhält – wie da immer wieder das rennen nach meinen Originalen anhält ...“

Zwickledt 23.I.1943. Über sein Schaffen. „... 12 Tafeln für Münchhausengeschichten – ich bin mitten in

den Entwürfen. Ist die Arbeit im zeitigen Frühjahr ... fertig, dann fängt ja erst ihr ‘Verlegerschicksal’

an ...“ Kubins Illustrationen zu „Des Freiherrn von Münchhausen wunderbare Reisen und Abenteuer zu

Waser und zu Lande“ erschienen 1947 im Winkler-Verlag in Coburg.

Zwickledt 2.V.1943. Mit dem Dank für ein – wohl biographisches – Werk Huchs, das er als „ungewöhnlich

echt u[nd] aufrichtig“ einschätzt.

596 KÜNSTLER des 19. Jahrhunderts. – 35 Autographen, meist e. Br. m. U. (600.—)

Georg Bleibtreu, Eugen Bracht, Franz Defregger (Fragment), Konrad Dielitz (Billett), Eduard v. Grützner

(1886 an Franz Lipperheide), Ferdinand Hartzer, Rudolf Henneberg, Paul Hoecker, Leopold Kalckreuth

(1905 an Andreas Dirks), Max Kuschel (Postkarte 1892, an Ismail Gentz), F.A. Kaulbach (2), Max

Klein, Ludwig Knaus, Ernst Körner, F.v. Lenbach (Namenszug), Hans Makart (ebenso), Adolph v. Menzel

(e. Nachschrift m. U. zu einem Brief, 1859), J.G. Meyer von Bremen, Paul Meyerheim (mit Zeichnung),

Otto Modersohn (Worpswede 1898), Friedrich Preller, Heinrich Rettig (1897 an Otto Heichert, dazu ein

mehrseit. Fragment), Carl Röchling (Postkarte 1888, an Ismael Gentz), Fritz Schaper, Teutwart Schmitson,

Georg Schoebel, Franz Skarbina, Paul Thumann (1883 an Franz Lipperheide), Hugo Vogel, Heinrich

Vogeler (Dresden 1899), Anton v. Werner (2; 1 e. Br. m. U., o. J., und e. Billett auf s. Visitenkarte) und

Oskar Wisnieski.

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III. BILDENDE KUNST

Nr. 586 Alexej von Jawlensky

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III. BILDENDE KUNST

597 LEIBL, Wilhelm, 1844 – 1900. E. Postkarte m. U. Kutterling 7.XII.1899. (120.—)

An (den Schriftsteller Franz) Servaes, der sich in München aufhielt und ihn besuchen wollte.

„... Wenn Sie um 9 Uhr von München über Holzkirchen fahren sind Sie um 11 Uhr 3 in Aibling u. mit der

elektrischen Bahn um 12 Uhr 40 in Feilnbach, wo ich Sie abholen werde ...“

598 LENBACH, Franz von, 1836 – 1904. E. Br. m. U. München 8.XI.1888. 2 S. gr.-8 o .

Schwach gebräunt. (200.—)

An den Physiologen und Physiker Hermann von H e lmholtz in Berlin, dem ein falsches Bild geliefert

worden war – das für ihn bestimmte Bild hatte die Spedition versehentlich an den Fürsten Hermann von

Hatzfeldt geliefert.

„... Verzeihen Sie die Confusion! ... habe an Hatzfeldt nach Trachenberg telegraphirt, daß er Ihnen gleich

Ihr Bild nach Berlin spediren soll. Und Sie haben vielleicht die Güte die Skizze vom ‘Kaiser’ nach Trachenberg

(Schlesien) schicken zu lassen. Die Spesen muß der hiesige Spediteur tragen ...“

Lenbach portraitierte Helmholtz mehrfach.

Beiliegend Autographen der Bildhauer Adolf v. Donndorf (e. Br. m. U., Dresden 1868, mit autobiographischen

Notizen) und Ferdinand Hartzer (e. Br. m. U., Berlin 1895) sowie des Malers Hans v. Volkmann

(e. Zusatz auf Visitenkarte).

599* LIEBERMANN, Max, 1847– 1935. E. Br. m. U. (Berlin-)Wannsee 23.VIII.1927. 1 2 ⁄3 S. 4 o .

Gelbliches Papier. (250.—)

An (den Literaturwissenschaftler Georg Witkowski) wegen einer Portrait-Zeichnung von den Töchtern des

Verlegers Gustav Kirstein von E. A. Seemann.

„... ich habe mit Ihren Zeilen ... die beiden mir übersandten Photos erhalten: die jungen Damen scheinen

in der That sehr nett u hübsch zu sein u man kann dem Herrn K. dazu gratulieren.

Um so mehr bedaure ich, sie nicht zeichnen zu können, wenigstens so lange ich in Wannsee bin. Denn wie

ich Ihnen schon sagte, beschäftigen mich augenblicklich so heterogene Probleme, daß ich für Porträtzeichnungen

nicht die nöthige Muße d. h. die nöthige Geistesfreiheit habe. Aber von Mitte Oktober an stehe

ich zur Disposition der jungen Damen u dann will ich diese allerdings sehr schwierige Aufgabe zu lösen

versprechen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben ...“

600* MAGRITTE, René, 1898 – 1967. E. Br. m. U. Brüssel 30.III.1967. 3 ⁄4 S. gr.-8 o . Mit Namensstempel

am Kopf. Klammerspur. (2.500.—)

Aus dem Todesjahr an einen „Cher ami“ wegen Lithographien von „8 tableaux du ‘Domaine enchanté’“.

– Magritte hatte 1953 für das Casinos von Knokke ein 72 Meter langes Gemälde geschaffen, dem er den

genannten Titel gab.

„... J’ai reçu la visite d’un éditeur, Mr Matarasso, qui désire reproduire – entre autres oeuvres de moi –

les 8 tableaux du ‘Domaine enchanté’. Ces reproductions seraient effectuées par un imprimeur de lithographies,

à Paris et réunies, en partie, dans des albums comportant, en outre, un poème de Soutenaire.

Pour ce travail, il faudrait que les tableaux du ‘Domaine enchanté’ soient photographiés par un spécialiste

qui se rendrait soit à Knokke, ou à Bruxelles, où les tableaux se trouvent.

Acceptez vous que Mr Matarasso puisse inclure, dans son projet, les reproductions du ‘Domaine enchanté’?

En ce cas, l’attention du public serait augmenté pour les tableaux de votre collection et, d’autre part,

pour le Casino de Knokke ...“

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III. BILDENDE KUNST

Nr. 600 René Magritte

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III. BILDENDE KUNST

601* MALER. – 3 Autographen. (400.—)

Oskar Kokoschka (sign. Portraitphotographie, 1966), Erich Landgrebe (e. Br. m. U., Salzburg 1975, und

großer farbiger Zeichnung: Landgrebe, auf einem Hocker sitzend, gleichzeitig Schreibmaschine schreibend

und mit dem rechten Fuß zeichnend) und Franz von Lenbach (e. Br. m. U., München 1902).

602* MENZEL, Adolph von, 1815 – 1905. E. Br. m. U. Berlin 2.XI.1875. 2 S. kl.-8 o . Leicht

fleckig und gebräunt. (250.—)

An einen Kollegen, wohl wegen einer Sitzung des Senats der Akademie der Künste, dessen Mitglied Menzel

seit Juli war.

„Verzeihen Sie ... die Verspätung, wir werden die Freude haben zu erscheinen. D. h. mir wollen Sie gestatten

etwas später zu kommen da mich schon eine Zusage bei Richter auch zu morgen bindet ...“

„Der Proceß Graef und die deutsche Kunst“

603 — Br. m. U. Berlin 20.X.1885. 3 ⁄4 S. folio (Doppelblatt). Kleine Faltenschäden, ein wenig

fleckig. Mit gesiegeltem Umschlag (Briefmarke ausgeschnitten). (3.000.—)

An den Staatsanwalt Max Heinemann vom Kgl. Landgericht zu Berlin, der die Schrift „Der Proceß Graef

und die deutsche Kunst“ veröffentlicht hatte als „Antwort auf Dr. Karl Frenzel’s Abhandlung in der Nationalzeitung:

‘Die Kunst und das Strafgesetz’“.

„... In Ihrer Druckschrift vom 12. d. Mts. wenden Sie sich gegen die s. Z. in der Nationalzeitung veröffentlichten

Ausführungen des Herrn Dr. Frenzel, welche für den Künstler gegenüber den Forderungen der

Moral in gewissen Beziehungen eine Ausnahmestellung beanspruchen.

Die unterzeichneten Künstler halten es im Hinblik auf die Öffentlichkeit des Streites sowie auf die eigene

bürgerliche und gesellschaftliche Stellung für geboten, zu erklären, daß sie sich in diesem Punkte mit

Ihnen in aller Übereinstimmung befinden; sie verzichten gern auf jene, wenig ehrenvolle Auszeichnung,

– wünschen nicht anders angesehen zu werden, als jeder anständige Mann, sei er reich oder arm, in

bevorzugter Stellung oder nicht, – und sind der Ueberzeugung, daß es weder die Kunst noch die Künstler

schädigt, den Geboten des Rechtes und der Sitte zu genügen.“

Mit den Gegenzeichnungen von m e h r a l s 170 Malern, Architekten und anderen Künstlern (auf 6 1 ⁄4S.

folio), darunter Carl Becker (von dessen Hand der Brief stammt), Ferdinand Bellermann, Georg Bleibtreu,

Carl Emil Doepler, Louis Douzette, Wilhelm Gentz, Friedrich Geselschap, August von Heyden, Ernst

Hildebrand, Otto von Kameke, Ludwig Knaus, Paul Wilhelm Meyerheim, Felix Possart, Carl Röchling,

Ferdinand Schauss, Julius Schrader, Franz Skarbina und Anton von Werner.

Im März des Jahres war der Maler Gustav Graef verhaftet und in einem auch international vielbeachteten

Künstlerprozess vor dem Moabiter Schwurgericht angeklagt, jedoch vom Vorwurf des Meineids und

des Missbrauchs eines minderjährigen Modells freigesprochen worden.

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III. BILDENDE KUNST

Nr. 603 Adolph von Menzel

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III. BILDENDE KUNST

(Menzel)

604 — E. Br. m. U. B(erlin) 20.II.1888. 2 S. 8 o . Gelocht. (200.—)

An ein Graphisches Atelier, das der Senat der Akademie der Künste mit der Gestaltung eines Ehrendiploms

beauftragt hatte.

„Soeben erfahre ich daß die Sitzung des Senats bis Freitag verschoben ist, also für Ihr Atelier ein Tag länger

Zeit ist. Wenn dann aber das Diplom bis Freitag Mittag zur Akademie: ins Bureau Universitäts-Str.

No. 6, I zurückgeliefert wird, so kommt es noch richtig an ...“

605 MUCHA, Alfons, 1860 – 1939. Portraitphotographie mit e. Namenszug „Mucha“ auf dem

Untersatzkarton. 21,9 27,9 cm; Größe der Aufnahme: 11,616,9 cm. Karton mit minimalen

Schabstellen an den Kanten, Ränder ein wenig angestaubt. (300.—)

Aufnahme aus mittleren Jahren: Mucha bei der Arbeit an einem Deckengemälde.

606 MÜNTER, Gabriele, 1877– 1962. 10 Autographen: 9 e. Br. m. U. und 1 e. Postkarte

m. U. Murnau 3.III.1950 bis 7.III.1957. 22 S. meist folio und die Karte. Gelocht. (1.200.—)

An den Kunsthändler Alex Vömel in Düsseldorf wegen Ausstellungen ihrer Werke.

3.III.1950. „... Soeben bekomme ich überraschend nett einen Brief von Herrn u. Frau Vogts. Sie kennen

Frau Vogts von früher als Frau Dr. Walter Cohen. Er, der Regierungsrat hat in Basel mich auf der Ausstell[un]g

‘Der Bl[aue] Reiter’ wiederentdeckt u. beide fragen interessiert ... nach dem Verbleib

des Bildnisses, das ich 1932 von Fr. C. malte. Die beiden werden verblüfft sein, wenn ich Ihnen jetzt meinen

Katalog schicke, in dem das Bild steht, u. wenn sie erfahren, daß es gerade jetzt in ihrer alten Stadt

ausgestellt ist. Sie wollen das Bild gern erwerben ...“

29.VII.1950. „... Es war sehr schade, daß die ‘Straße in’s Gebirge’ auch bei der Ausstellung in Krefeld

gefehlt hat. Wir hatten doch verabredet, daß das Bild dorthin käme u. Sie hatten es dort auch schon angekündigt.

Was können es für Schwierigkeiten gewesen sein, daß es schliesslich doch nicht abgegangen ist?

Der Verkauf ist nicht zustande gekommen, u. wie ich aus Aachen höre, hat der Interessent die Kaufabsicht

aufgegeben ...“

10.VI.1951. „... Holzschnitte von den Nabis haben wir nicht, wohl aber einige von K andinsky, von

denen wir aber nichts zu veräußern beabsichtigten. Immerhin wäre es interessant zu erfahren, wie hoch

solche vorabstrakten Arbeiten bewertet werden ...“

3.VII.1952. „... Ich habe jetzt viele Bilder in meiner Kollektion, die nach der Münchner Ausstellung

soeben auf weitere Turnee geht, u. habe verschiedene Bilder auf andren Ausstellungen, so daß mein

disponibler Vorrat schon knapper wird. Trotzdem kann ich Ihnen ein paar voll repräsentable Bilder

schicken: 1. Mädchen mit Zöpfen, 1909 / 2. Sie und Weiher, 1932 / 3. Heiteres Blumenbild, 1949. 4. Rosa

Zinerarie 1952 ...“

7.III.1957. „... Wenn Sie nichts verkauft haben, will ich Ihnen gern eine Zuwendung machen, u. bin damit

einverstanden, daß Sie den ‘Brunnen in Stockholm’ bekommen ...“

Beiliegend ein gedrucktes Billett m. U.; Dank für Glückwünsche zu ihrem 80. Geburtstag (ebenfalls

gelocht).

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III. BILDENDE KUNST

607* PICASSO, Pablo, 1881 – 1973. E. Vermerk m. U. (Blaustift) auf der Rückseite einer Photographie.

Paris 15.XII.1932. Ca. 2822,5 cm. Voll beschrieben. Kleine Randschäden und

Knitterspuren. (1.600.—)

Auf der Rückseite einer Photographie seines Gemäldes „Le verre d’absinthe“ (von fremder Hand bezeichnet)

vermerkt Picasso eigenhändig: „Ce tableau est de moi / Picasso / PARIS le 15 Decembre 1932 / 23

R[ue] La Boétie / PARIS (8e.. Ar..)“.

608 — E. Namenszug unter einem auf Karton gezogenen Druck eines Portraits. (1956.) Kl.-

4 o . Montiert. (200.—)

Picasso in seinem Atelier, in einem Sessel sitzend, Profil nach links (Ausschnitt aus einer Zeitschrift). Nach

Angabe eines Vorbesitzers auf der Unterlage „signiert 1956 (75. Geburtstag)“.

609 PREETORIUS, Emil, 1883 – 1973. 2 e. Br. m. U. München 4.XII. und Berlin 12.II. o. J.

1 S. gr.-4 o und 1 1 ⁄2 S. 4 o . Leicht gebräunt. (300.—)

An den Autor und Herausgeber Friedrich Freksa, dessen 1913 erschienen Erfolgsroman „Phosphor“ er

illustriert hatte.

München 4.XII. o. J. Wegen eines Aufsatzes, den Freksa über ihn verfassen wollte. „.. Daß das, was mir

als Illustrator speziell, bei meinem zarten Alter eine so – verzeihen Sie! – einzigartige Stellung gegeben

hat, ist glaube ich weniger, daß ich mehr kann oder mehr originelle Eigentümlichkeit habe, was freilich

auch dazugehört, als daß ich etwas mehr Intelligenz: bildungs: u. psychologische besitze als die meisten

illustrierenden Kunstmaler ...“ Erwähnt den Graphiker Paul Renner, mit dem er 1909 in München die

„Schule für Illustration und Buchgewerbe“ gegründet hatte.

Berlin 12.II. o. J. „... Oh über die Unbestechlichkeit der deutschen Beamtenwelt! Ansonsten ich bei meinem

letzten Münchener Aufenthalt Ihre Telefon Nr. erkundet u. das Vergnügen gehabt hätte, mit Ihnen

wenigstens einige Worte zu sprechen. Z.B. mit zartem Rippenstoß über den mir liebenswürdig in Aussicht

gestellten Preetorius-Aufsatz ... Wie gehts mit den verschiedenen operibus, bei denen ich mittun soll, und

den Reiseplänen und überhaupts? – Ich bin inzwischen M[ün]chen zu drei Vierteln untreu geworden,

indem ich nur 2x pro mense à 3 Tage dorten bin sonsten aber hier, wo mir mehr Chancen u. Anerbietungen

winken, als ich irgend bewältigen kann: von Cassirer bis Michalski! ...“

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III. BILDENDE KUNST

„Dem Genie ist keine Bahn vorzuschreiben“

610* RAMDOHR, Friedrich Wilhelm Basilius von, Jurist, Diplomat und Kunstschriftsteller,

1757– 1822. E. Br. m. U. Neapel 26.XII.1818. 3 S. gr.-4 o . Mit Blindsiegel und Adresse. Schwach

gebräunt, Tinte etwas durchschlagend. (300.—)

Inhaltsreicher Brief an die Maler und Kupferstecher Franz und Johannes R i e p e n h a u s e n in Rom, für

die er wegen eines Portraits verhandelt hatte.

„... Mit Miss Mellish bin ich in Richtigkeit ... Der Preiß machte sie zwar Anfangs stutzen, doch da sie weiter

keine Einwendungen dazu, bei der Approbation der Maaße ein Paar Tage darauf, gemacht hat, so

glaube ich in diesem Stillschweigen eine unbedingte Einwilligung zu finden. Zu viel Ehre für meine Frau,

daß Sie ihr Bildniß in Ihr Gemählde aufnehmen wollen, so kömmt sie per Contrebande durch Ihren Pinsel

in die Unsterblichkeit. Für Ihren Umriß von dem für Koller“ (den österreichischen General Franz von

K.) „bestimmten Gemählde bin ich Ihnen recht sehr verbunden ... Alles wird auf den Ausdruk ankommen,

und besonders auf denjenigen, den Sie dem Coriolan geben wollen ... So etwas von dem Ausdruke den

Thorwaldsen seinem Achill geliehen hat ...“

Im Folgenden über einen die in Rom lebenden Künstler behandelnden Artikel in der „Allgemeinen Zeitung“,

in dem „besonders S c h a d o w, der Mahler, schlecht wegkomme ... Ich bitte Sie ... wo Sie können

zu erklären, daß ich durchaus in keiner Beziehung mit irgend einem periodischen Blatte stehe, und durchaus

über lebende Künstler mir kein gedruktes, oder zu drukendes Urtheil erlaube ...

Was Kestners Schrift anlangt, so bleibe ich bei meiner alten Meynung. Dem Genie ist keine Bahn vorzuschreiben:

das Talent thut zu seiner Bildung am Besten, Natur und die Antiken zusammen zu studieren,

und die erste mit der Grosheit aufzufassen, worin sie die Alten und die classischen Mahler unter den Neuern

gesehen haben ...“ – Ferner über einen Besuch Pompejis („Jetzt sind nur 20 Arbeiter bei dem Ausgraben

beschäftigt“); erwähnt u. a. Wilhelm v. Humboldt und den Chemiker Humphry Davy, der „Versuche

mit dem Aufrollen der Herculanischen Manuscripte“ anstellen wolle.

Bei der portraitierten Miss Melish handelt es sich vermutlich um eine Tochter des mit Goethe befreundeten

englischen Diplomaten und weimarischen Kammerherrn Joseph Charles Mellish of Blith (1769 – 1823).

611 RICHTER, Ludwig, 1803 – 1884. E. Br. m. U. Dresden 18.IX.1862. 4 S. gr.-8 o . Falten risse,

etwas braunfleckig. (400.—)

An den Maler Johannes T h o m a s (1793 – 1863), seinen Freund aus ihrer gemeinsamen Zeit in Rom, den

er in Frankfurt besucht hatte.

„... Die bei Euch verlebten Tage waren für mein Herz Festtage, ich werde sie nie vergessen! Ohne mich

unter Weges aufzuhalten ... eile ich nach Solothurn, in der Meinung, Freund C.“ (der Dürer-Sammler

Heinrich Anton Cornill aus Frankfurt a. M.) „warte schon ungeduldig, u. finde statt dessen das Nest

leer ... Ich belagere Solothurn 3 Tage lang, u. da am 25ten August noch kein Brief angekommen war,

schüttle ich den Staub von meinen Schuhen, u. wandre fürbaß. Aber das Alleinseyn behagte mir ... ganz

u. gar nicht, zumal das Wetter ungünstig war. Ich wurde ganz hipochondrisch, u. entschloß mich endlich

zur Rückreiße. Ueber Frankfurth? Ich dachte daran, denn das Herz zog mich wohl dahin, aber

zugleich schien es mir bedenklich, so glücklich verlebte Stunden so bald zum zweitenmal herauf beschwören

zu wollen. Also über den Bodensee, Augsburg u. nach Hauße! ... Zur Arbeit bin ich hier noch nicht

gekommen; ich hatte viel zu schreiben (mein Leiden!!) u. viel Besuche auszuhalten. Indeß ist nun der

Druck meines letzten Heftes – Fürs Haus – in Angriff genommen ...“

290


III. BILDENDE KUNST

„Le jubilé prend des proportions monstres“

612* SARGENT, John Singer, 1856 – 1925. E. Br. m. U. Chelsea, „Dimanche“ o. J. (wohl Juni

1897). 4 S. 8 o . Mit gedruckter Adresse am Kopf. (500.—)

An eine Dame, der er von einer Reise nach London während der Feierlichkeiten zum 60. Thronjubiläum

von Königin Victoria abrät.

„... il me semble que je devrais plutot vous conseiller de le remettre à moins que votre chambre ne soit déja

retenue. Car je suis persuadé que la semaine prochaine il sera impossible d’en trouver à Londres. Le jubilé

prend des proportions monstres. Cela sera un 14 Juillet qui durera plusieurs jours, une foule enorme, pas

de voitures, dix livres pour une place à une fenêtre et vingt cinq livres une chaise dans Westminster Abbey.

Enfin un endroit à prier. Puis le 25 je devrais être chez des gens à la campagne faisant un portrait. De

sorte que pour vous voir il ne reste que cette horrible semaine de tohu bohu où il faudra se boucher les

oreilles et se barricader chez soi, et mettre des bougies dans toutes les fenêtres sans quoi selon l’habitant

d’ici on vous casse les vitres ...“

613 SCHADOW, Johann Gottfried, 1764 – 1850. E. Schriftstück m. U. Berlin 13.I.1817. 1 S.

folio. Leicht gebräunt. Kleine Papier- und Randläsuren. (200.—)

Als Direktor der „koenigl. Academie der Künste ... / an die Eleven Neumann / Heine / Herd.“

„In der Conferenz vom 12ten d. M. ist erinnert worden: wie nötig es sei, daß die verpflichteten Eleven der

Academie, die Anfertigung von Vorbilder wieder beginnen, welches ihnen so lange nachgesehen worden.

Selbige haben zu dem Ende sich einzufinden in der Academie Mittwoch den 15 Januar Morgens um 9 Uhr

wo Herr Henne“ (der Kupferstecher Eberhard Siegfried H., Inspektor der Akademie) „ihnen die nähere

Anweisung geben wird; um nachher jeden Mittwoch und Sonnabend für den Unterricht in der Academie

zu zeichnen ...“

614 — E. Br. m. U. O. O. (10.VIII.)1825. 2 S. gr.-4 o . Mit Lacksiegel und Adresse. (350.—)

Launiger Brief an den mit ihm befreundeten Landschaftsmaler Gottlob Samuel R ö s e l , Professor an der

Zeichenakademie in Berlin, der ihm wiederholt größere Sendungen mit Kunstwerken hatte zukommen lassen.

– Rösel, ein Künstler-Junggeselle, war ein bekanntes und beliebtes Mitglied der Berliner Gesellschaft.

„Das letzte Geschenk übertraf die Vorhergehenden an Liebreitz u. hohen Werth ... Der rothe Lacher, der

die Zähne zeigt, gefällt mir, wird einen schicklichen Stuck Deckel machen; für Einen, der getruncken hat.

Der kleine Palmenstiel, ist pour le Moment, mein Favorit ... Das Danckgefühl dabei, ist, auch von der

kleineren Sorte, aber doch merklich: weniger, u. von kälterer Art, ist dasjenigte wegen den knöchernen

Filosofenprofil, muß aber doch eine Stuck Platte werden; an Sanct Donat werd ich zu Zeiten denken, weil

es mir obwol Director, doch mitunter wiederfährt, das ich einen Bleistift Strich ziehe, welcher nicht, der

Allerschönste ist! Begreifen Sie das? ...

Die Zigarren, in Rauch aufsteigen zu lassen, dazu erwarte: eine friedliche Veranlassung; da soll sich mein

Danck, in den Wolken verlieren! Dagegen wird bei jeder kleinen Wunde, wo mein kostbares Blut fliesset,

selbiges erwachen; weil, des englischen Pflasters ohnfehlbare Heilkräfte, an den klugen Spender, erinnern

wird ...

Portez Vous bien Monsieur! ...“

291


III. BILDENDE KUNST

(Schadow)

615 — E. Br. m. U. Berlin 31.V.1844. 1 S. 8 o . Minimal fleckig. (200.—)

An einen Freund mit einer Empfehlung.

„Der Schlosser M[ei]st[er] Weigel [?] den Sie schon kennen, ersucht mich: Ihn wieder bei Ihnen in Erinnerung

zu bringen vielleicht haben Sie Veranlassung Ihn mit Arbeit zu begünstigen / Mich selbst bring ich

auch in Erinnerung ...“

Beiliegend ein Brief des Lithographien-Händlers Louis Sachse (1835) mit 4 e. Zeilen m. U. von Schadow,

eine Verabredung betreffend. Schadow fügt an: „Herrn J[ustitz] R[at] Bunsen zur Durchsicht u. bitte ich

einen andern Tag zu bestimmen / Dr. G Schadow. Director ...“

„Bilder zu verkaufen ist schwer“

616 SCHARL, Josef, 1896 – 1954. 23 e. Br. m. U. „Sepp“ und 1 e. Postkarte m. U. Die Briefe:

New York 6.VII.1946 bis 5.III.1952. 42 S. gr.-4 o . Luftpostpapier. Ganz vereinzelt kleine

Randläsuren. Die Postkarte: Amityville 6.III.1940 (mit Prüfstempel „Oberkommando der

Wehrmacht“). Mit den Umschlägen. (2.000.—)

Inhaltsreiche Brieffolge des expressionistischen Malers und Illustrators an seinen Freund Heinrich Lechleitner,

zu dem er, nach seiner Emigration 1938 in die USA, erstmals nach 1940 wieder Kontakt aufgenommen

hatte. – Scharl, sowohl von deutschen als auch von amerikanischen Zeitgenossen isoliert arbeitend,

offenbart seinem Freund, den er mit Care-Paketen versorgt, seine schöpferischen und persönlichen

Nöte.

Die Postkarte: Amityville 5.III.1940. „... ich bin seit Monaten ohne Post. Es ist ein Jammer mit der Postkutsche

heute! ... Ich habe viel Neues gemalt u. gezeichnet. Im Spätsommer habe ich eine Ausstellung in

Louisville (Kentucky) und dann in New-York ...“

6.VII.1946. Nach Kriegsende; der eigentliche Beginn der Korrespondenz. „... Ich freue mich närrisch daß

Du durchgekommen bist und daß Dir meine Arbeiten Freude machen ... Ja, es wäre gut wenn Franke

meine Arbeiten zeigen würde. Ich bin sicher, Du und viele andere würden sich sehr freuen darüber. Im

nächsten Brief werde ich Dir mehr über meine Malereien hier erzählen. Die Zeilen heute sollen nur ein

Lebenszeichen von mir sein, sollen Dir sagen daß ich mich so freue daß Du da bist ...“

20.IX.1946. Über eine Beckmann-Ausstellung in New York. „... Es wurden viele verkauft und so sahen

sie auch aus. Die tragisch sein sollenden Bilder waren gar nicht tragisch, sondern eher das Gegenteil und

Beckmann hielt viele Löcher bereit wo die Herren Dekadenzen und Stink und Fress-Bürger dankbar

durchschlüpfen ... Die Bilder sind sehr salonfähig. Ich könnte so etwas nicht malen, denn ich liebe es den

Kreaturen die uns so eine traurige Welt bereiten, wirklich in die Fresse zu schlagen ...“

9.III.1948. „... Ich arbeite viel zur Zeit und bald werde ich wenigstens die Bibel-Zeichnungen nach München

schicken können ... Die Zeiten sind hier auch harte geworden, wenigstens was das Geld verdienen

betrifft. Bilder zu verkaufen ist schwer, besonders was meine anbelangt – So muss ich manchmal Bilder

restaurieren um die Mittel herzubringen weiter zu malen und nach drüben Pakete schicken zu können.

Die meisten drüben machen sich ja immer noch Illusionen über die Verhältnisse hier und lassen sich dies

auch gar nicht ausreden ...“

26.VIII.1949. Über seine Vereinsamung im Exil. „... Herr Pichelmann, ein Bekannter von Frl. Dr. Schneider

hat mir über meine Zeichnungen in München geschrieben. Und Du und er, Ihr seid die einzigen die

mir etwas darüber geschrieben haben. Allen anderen scheint es die Rede verschlagen zu haben. Elf Jahre

sind eine lange Zeit und so bin ich ihnen fremd geworden. Die erklärenden Gründe sind von der mannigfaltigsten

Art und haben teilweise ihre Berechtigung ...“

22.VI.1950. Über eine geplante Ausstellung von „44 Bildern“ in München . „... Es wäre ja nicht das erstemal

daß man von mir eine Ausstellung verhindert – wer mich und meine Geschichte nicht kennt, könnte

292


III. BILDENDE KUNST

Aus Nr. 616 Josef Scharl

293


III. BILDENDE KUNST

(Josef Scharl)

von Einbildung meinerseits sprechen. Die Tatsachen sprechen, eine lange Kette bildend, dagegen. Die

Museumsdirektoren ... die Kunsthändler und die Herren Kritikaster sind meine Gegner ... Manchmal tut

es mir leid, daß ich meine Aussagen nicht zeigen kann wie es sein sollte, aber ich denke ich kann doch nicht

mehr tun als wie gute Bilder malen ...“

4.I.1952. Über seine Freundschaft mit Albert E i n s t e i n . „... Den Artikel im Kunstwerk habe ich, überhaupt

noch nicht zu Gesicht bekommen ... Von dem Einstein-Foto bin ich nicht in Kenntnis gesetzt worden.

Das ist mir gar nicht recht, denn ich werde nie meine Freundschaft mit dem Professor für Publikationszwecke

ausnützen ... Ich schrieb dem Professor darüber weil ich in dieser Hinsicht nichts ohne ihn

tue. Er weiss, daß ich nichts dafür kann und schrieb mir zurück daß sich in 1000 Jahren niemand mehr

den Kopf darüber zerbrechen wird ...“

Erwähnt zahlreiche Werke sowie Ausstellungsprojekte. – Ein Brief als selbständige Nachschrift auf einem

Br. m. U. seines Freundes Pieter Prytek, von dem ein weiterer Brief beiliegt.

617 SCHIELE, Egon, 1890 – 1918. E. Postkarte (dünner rosafarbener Karton) m. U. und

nochmaligem e. Namenszug in der Absenderangabe. (Wien) 24.VII.1918. Leichte Knickspuren

(war 2mal gefaltet). Schwach staubfleckig. (3.000.—)

An seinen Schwager, den Maler und Graphiker Anton Peschka in Wien.

„Lieber A.P. ich fahre Samstag oder Montag auf einige Tage nach Ungarn, bin also Donnerstag und Freitag

noch nach 6 ab[en]ds sicher zu treffen, – wann ich zurückkomme weiß ich noch nicht.

Euch beste herzliche Grüße / EGON / SCHIELE“.

Als Absender gibt Schiele an: „Egon Schiele Wien XIII / Wattmanngasse 6.“ – Sein letztes Atelier; erst

knapp drei Wochen zuvor waren Schiele und seine Frau Edith in das Haus, in dem auch ihre Wohnung

lag, umgezogen.

Erst am 3. August erhielt Schiele die Erlaubnis des Heeresmuseums, seine schwangere Frau im Sanatorium

Dr. Bischitz in Ungarn zu besuchen. Am 28. Oktober starb er an der Spanischen Grippe, wenige Tage nach

seiner Frau.

Bei Nebehay unter Nr. 1650 verzeichnet.

618* SCHWIND, Moritz von, 1804 – 1871. E. Br. m. U. München 16.II.1865. 4 S. gr.-8 o .

(400.—)

An einen Freund wegen der Entwürfe zu Mozarts „Zauberflöte“ für das Wiener Opernhaus.

„... Ihre Wünsche bezüglich der Zauberflöte würde ich sehr gern erfüllen, es hat aber einen Hacken. Die

fertigen ersten Entwürfe sind alle collorirt, kommen also, aus den Händen der gesegneten Photographie,

so verkehrt als möglich zu Tag. Was soll da ein Holzschneider daraus machen? als wieder schwarze

Batzen?

Das lustigste an der ganzen TheaterGeschichte bleibt aber doch, daß der große Meister Rahl, dem sie lieber

alles angehängt hätten – die Zauberflöte gar nicht kennt! Das ist doch die entschiedenste Qualification

zum Maler eines Opernhauses. Ich wünschte nur, ich hätte ... mit der ganzen Wirthschaft nichts mehr

zu thun. Das gemeine, und alles in der Kunst was nicht auf Schönheit hinaus geht, ist gemein, nimmt dermaßen

über Hand, daß mir ganz übel wird.

Ganz absonderlich ist der Allerhöchste Auftrag an Echter, 30 (ganz gleich große!) Bilder nach dem Wagnerischen

Operntext zum Niebelungen Ring zu malen ...“

294


III. BILDENDE KUNST

Nr. 617 Egon Schiele

295


III. BILDENDE KUNST

619 SLEVOGT, Max, 1868-1932. Eigenh., von fremder Hand ergänzte Aufzeichnungen

(Tinte, Blei- bzw. Kopierstift und Rötel) mit einer F e d erzeichnung (Selbstkarikatur) auf

dem Vorsatzblatt. 1910 bis1920. 62 (+ 82 leere) S. + Registeranhang. Schmal-folio. Paginiertes

Rechnungsbuch der Zeit (Halbleinen). Einband leicht berieben, Titelschildchen („Professor

Max Slevogt“) mit Randläsuren. (2.000.–)

Umfassende Aufzeichnungen über „Production“ und „Verkauf“ von Gemälden, Skizzen, Graphiken und

Buchillustrationen mit Hunderten von Werktiteln (bei Graphiken Mehrfachnennung) und Angaben zu

Angaben zu Preisen und Käufern.

Einige Beispiele:

„Chiemsee verk. an Br. Cassirer 1600“, „1 Aquarell ‚Saul u. David’ 4 Zchngen aus Ali Baba 300 M / an

Herrn Paul Ephraim (durch H. Struck) 14 Dez. 1910“, „Blumenstilleben mit Fischer / 2700 M. Bank Mendelsohn

25. Febr. 11“, „Kleistbildnis für die Jugend (Steinbart) / 700 M. Steinbart laut Bruder bezahlt

22 April 11“, „Assessor Dr. K. Lippert Magdeburg Emilienstr. 12a / alter Studienkopf ‚Italienerin’ 1891

150 M. / durch Posteinzahlung 29. Mai 11“, „Marine ‚Nordwijk … mit altem Schund zusammen an H Senger

1250 / Chek auf d. Deutsche Bank erhalten 21. Juni 11“, „Bruno Cassirer: … Mai ‘12 Selbstbildnis

v. Staffelei 4000 M“, „nach Bremen geschickt an Pauli ‚Urwaldszene’ 7000 M / ? zurück Juli 12“, „Skizze

Andrade mit Degen ... April Kirchhofszene begonnen“, „Mai 14 an Gutbier verkauft 1) Novembernebel

2200 / 2) Gellenberg 1400 / 3) 2 Probedr. Ilias 280 ...“, etc., etc.

Auf den Seiten 66 f. sind Verkäufe an den Sammler Eduard F u c h s in den Jahren 1911-14 verzeichnet;

Verkäufe an Paul C a s s i r e r wollte Slevogt wohl ursprünglich ebenfalls separat erfassen, die „Conto Paul

Cassierer“ überschriebenen Seiten 140 f. sind jedoch leer geblieben. Der Registeranhang enthält nur vier

Eintragungen.

Die Zeichnung (Feder über Blei, ca. 1311,5 cm): Slevogt bei der Fütterung eines Dukatenscheißers.

Beiliegend eine Halbleinen-Kladde mit Aufzeichnungen aus Slevogts Druckwerkstatt in Neukastel über die

dort entstandene Druckgraphik, 1922 bis 1930, vereinzelte Nachträge bis 1942. 92 (+ etliche leere) S.

schmal-folio, Bleistift; einige Blätter entfernt. – „Badebilder Sommer 1922“, „Passion Nov. 22“, „Macbeth“

(„Dez. 24 Platte Br. Cassirer mitgegeben“), „Selbstbildnis auf Zinkplatte (Dachblech) geätzt mit

Eisenchlorid“, „Nov. 24 Zu Faust II Theil“, u.v.a.; vielfach mit Angaben zur Technik, zur Anfertigung

von (Probe-)Drucken, teils mit Angaben der Empfänger. Mit einer Liste „Im November 1932 vorhandene

radierte Kupfer /u. Zink/ platten“. (Im November 1932, zwei Monate nach Slevogt, starb seine Witwe

Antonie geb. Finkler.)

296


III. BILDENDE KUNST

Für diese Aufzeichnungen wurde das Arbeitsbuch eines Handwerkers weiter verwendet, der zwischen

März 1920 und Juli 1922 Tischler- und andere Arbeiten auf dem Slevogt-Finklerschen Hofgut Neukastel

ausgeführt hatte (62 S.; erste Eintragungen: „Eine Wiege für Slevogt“ und „Einen Malapparat für H.

Dokt. Finkler“), wofür er 2186 Mark berechnete; am Schluss der Zahlungsvermerk von Slevogts Schwiegervater

Peter Finkler und die Quittung des Handwerkers. – Slevogt hatte das Hofgut Neukastel aus der

Konkursmasse des Schwiegervaters übernommen und dort auch eine Druckwerkstatt eingerichtet.

Ferner beiliegend etliche lose Blätter und Zettel, darunter einige eigenh. Notizen und ein Briefentwurf, 2

an Slevogt gerichtete Briefe, Notizen von fremder Hand, Zahlkarten-Abschnitte, Visitenkarten, u.a.

„un Concours de monde inombrable”

620 SPAENDONCK, Gerard van, 1746 – 1822. E. Br. m. U. O. O. u. D. (wohl Paris, Ende

1813). 2 S. 4 o , eng beschrieben. Minimal fleckig. Oberrand scharf beschnitten. 2. Seite mit Montagerest.

(600.—)

An einen Freund (wohl Louis van Dael) mit einem ausführlichen Augenzeugenbericht über die Beerdigung

von André-Ernest-Modeste Grétry auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise.

„... arrivé au Boulevard des italiens ... j’y trouvais un Concours de monde inombrable qui obstruait tous

les Boulevards j’y trouvais ressemblés et arrivant outre les membres de l’institut, tous les auteurs dramatiques

et Comiques, tous les membres, et tous les Eleves du Conservatoire de musique, de plus, tous les

artistes des theatres, de l’opera, Comedie Francaise, Feydeau[,] Odeon, Vaudeville &ca &ca un grand

nombre d’artistes et autres personnes distinguées nous partimes avec le char funebre entouré de la

musique de l’opera et du conservatoire qui entourrait les restes inanimés du celebre artiste et exécutait

pendant la route qui se fit lentement et avec un triste receuillement la celebre marche funebre que Gossec

composa pour les funerailles des Mirabeau ...“

621 STUCK, Franz von, 1863 – 1928. E. Br. m. U. München 8.I.1911. 1 S. kl.-4 o . Mit Eingangsstempel.

Heftspuren. (150.—)

An einen Herrn, eine Ausstellung betreffend.

„... Anbei beehre ich mich, Ihnen die abgeänderte richtige Anmeldung für mein an die Ausstellung der

Akademie geschicktes Bild ‘Die Familie des Künstlers’ zu senden ...“

Beiliegend ein e. Br. m. U. (Rom 1887) von Franz von L e n b a c h .

622* TOYEN, Pseudonym für Marie Čermínová, 1902 – 1980. E. Namenszug unter einer

schwarz-rot gedruckten Zeichnung. Ca. 1912,5 cm. Leicht gebräunt. (400.—)

Darstellung des Kopfes eines jungen Rehbocks, der von einer großen geöffneten Hand im Vordergrund

leicht berührt wird.

Die Surrealistin gilt als die bedeutendste tschechische Künstlerin des 20. Jahrhunderts. – Beiliegend ein

weiterer e. Namenszug auf einer Ansichtspostkarte (Prag, wohl 1938), zusammen u. a. mit den Namenszügen

der tschechischen Surrealisten Jindrich S t yrský und Karel Teige; Text („Nos poignées de main

chaleureuses“) und Anschrift (an Georges Huguet in Paris) jeweils von fremder Hand.

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III. BILDENDE KUNST

623 VOGEL VON VOGELSTEIN, Karl Christian, 1788 – 1868. E. Br. m. U. „C. Vogel“. (Dresden)

3.IV.1837. 1 S. gr.-8 o . Bräunliches Papier. Leicht knittrig, minimale Randeinrisse.

(150.—)

An den Dresdner Philologen Karl Förster (1784 – 1841) mit Glückwünschen zum Geburtstag.

„... erlauben Sie mir daß ich bei dieser Gelegenheit einen alten Herrn bei Ihnen einführen darf dessen

nähere Bekanntschaft vielleicht nicht ganz uninteressant für Sie sein dürfte da Sie die Werke seines Schülers

so treflich besungen haben, und von dessen frühern Werken er Ihnen noch manches erzählen kann ...“

Beiliegend ein Stich (in der Platte sign., Wildenfels 1799) mit Widmung u. U. (Dresden 1850, 2718 cm,

Bleistift) für Luise Förster, die Ehefrau von Karl F.

„send you a butterfly“

624* WHISTLER, James MacNeill, 1834 – 1903. E. Br. m. U. (seine „Schmetterlings“-Unterschrift).

O. O. u. D. 2 S. quer-8 o . Leicht fleckig. (400.—)

An seinen Freund, den Maler Edmund (Henry Wuerpel).

„Edmund mon cher – we all talked of you last night at the great George’s – and all were most affectionate

about you.

You should not take this occasion to forget us altogether – So I, for one, knowing from tradition, that others,

distinguished under the same conditions of isolation, made for themselves pet companions, in their

retirement, of plants and inferior animals, – notably in the case of P..., when even a spider was his chosen

– send you a butterfly that you shall cherish as an emblem of hope and joy ...“

625* ZILLE, Heinrich, 1858 – 1929. E. Br. m. U. O. O. 26.IV.1917. 1 S. 4 o . Beschnitten. (150.—)

An die „Redaktion des ‘Ulk“‘, seine berühmten „ Va dding in Frankreich“- Zeichnungen betreffend.

„... In dieser Woche konnte ich keine Vaddingzeichnung senden, oder, ich durfte mal pausiren, da ja noch

2 Zeichnungen vorhanden sind, Kohldampf / u. Essen holen. Nächste Woche kommen 2 Stück. Denke

nicht, dass der Betrieb gestört ist ...“

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