ERSTE HILFE - Starke Pfoten

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ERSTE HILFE - Starke Pfoten

ERSTE HILFE

FÜR IHR HEIMTIER

Mehr Menschlichkeit für Tiere


Das Heimtier ist in einem Notfall ganz auf die Erstversorgung,

den Transport und die Umsicht seines Besitzers angewiesen.

Obwohl es schon zahlreiche Anbieter für Erste

Hilfe Kurse für Heimtiere gibt, wird dieser Service immer

noch viel zu selten in Anspruch genommen.

Der Besitzer ist in einem Notfall oft verunsichert oder

gestresst und weiß nicht, wie er mit einer Notsituation

umgehen soll. Mit dieser Broschüre sollen die notwendigen

Grundkenntnisse vermittelt werden, um in einer Notsituation

richtig zu handeln und dem Schützling vielleicht sogar

das Leben zu retten.

Bei der Ersten Hilfe geht es

darum, die bestmöglichen

Voraussetzungen für eine

anschließende tierärztliche

Behandlung zu schaffen.

Die beschriebenen

Maßnahmen dienen

ausschließlich der

Erstversorgung und

ersetzen in keinem

Fall den Besuch beim

Tierarzt!

Foto: creativecommons.org

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Vorbeugung

Viele Notfälle lassen sich vermeiden, indem man

Gefahrenquellen von vornherein ausschließt.

Gefährliche Substanzen im Haushalt wie diverse Reinigungsmittel und Medikamente

sollten gut verwahrt werden. Und bei Anwendung sollte besonders

vorsichtig damit umgegagen werden. Das Heimtier sollte niemals mit Kerzen,

Gasflammen oder anderem offenen Feuer alleinegelassen werden; ebenso sollte

man auf giftige Grün- oder Blütenpflanzen verzichten, an denen die tierischen

Hausgenossen kauen könnten. Düngemittel oder Schädlingsbekämpfungsmittel

für Balkon, Garten oder Haushalt sollten ohnehin danach ausgesucht werden,

ob die verwendeten Substanzen unbedenklich für Heim- und Wildtiere, etwa

Igel, sind. Auch Stromkabel sind für Tiere gefährlich.

Für Katzen stellen gekippte Fenster eine tödliche Gefahr dar, weil sie beim Versuch

hinauszuklettern stecken bleiben, der Brustkorb immer weiter in die Spalte

rutscht und die Katze langsam ersticken kann. Im Handel gibt es verschiedenste

Sicherungen, die verhindern, dass Katzen von einem ungesicherten Balkon oder

Fenster stürzen oder im Kippfenster stecken bleiben.

Selbst mit Halsbändern ohne Sollbruchstelle können Katzen sich verheddern und

strangulieren.

Hunde sollten im Straßenverkehr immer angeleint bleiben. Selbst der gehorsamste

Hund ist nicht davor gefeit, sich vor einem unvorhergesehenen Geräusch

zu erschrecken. Auch im Wald sollte der Hund an der Leine bleiben, um einem

ungestümen Jagdtrieb oder im schlimmsten Fall der Wilderei nicht Vorschub zu

leisten. Im Winter sollte darauf geachtet werden, dass Hunde nicht auf angefrorene

Seen oder Teiche laufen: Die Eisdecke könnte brechen. Im Sommer hat ein

Hund nichts in einem versperrten Fahrzeug zu suchen. Auch das etwas offen

gelassene Fenster gewährleistet in der prallen Sonne keine ausreichende Kühlung.

Vermeiden Sie an heißen Tagen lange Wandertouren, vor allem mit älteren

Tieren, und auch die darauf folgende extreme Abkühlung in einem z.B. 20°C

kälteren Bergsee.

Tiere, die in Terrarien, Käfigen oder ähnlichen Behausungen leben, müssen ausreichend

Wasser haben und vor der Sonne geschützt werden. Sogar ein beschatteter

Balkon kann in der Sommerhitze zur tödlichen Falle werden.

3


Gute Vorbereitung ist der erste Schritt

Wie auch beim Menschen zählen bei der Ersten Hilfe für Tiere oft Minuten.

Je besser man vorbereitet ist, desto schneller kann man im Notfall reagieren und

weiß, was zu tun ist.

Um auf eine Notsituation optimal vorbereitet zu sein, sollten Sie folgende Dinge

stets parat haben:

• Adresslisten: Adress- und Telefonlisten sollten immer notfallbereit in der

Nähe des Telefons, eingespeichert im Handy, im Erste Hilfe Kasten oder im

Notfallpaket für unterwegs verwahrt sein.

• Kontaktdaten des Heimtierarztes

››

Adresse, Telefonnummer, Sprechstundenzeiten

››

Notrufnummer (außerhalb der Sprechstundenzeiten)

• Daten anderer Tierärzte in der Nähe (auch des Urlaubsortes)

››

Für den Fall, dass Ihr Tierarzt nicht erreichbar ist

››

Wenn die Ordination des eigenen Tierarztes weiter entfernt ist und das

Tier im Notfall rasch versorgt werden muss.

››

Tierkliniken im Umkreis mit einem 24-Stunden-Bereitschaftsdienst

• Telefonnummer der örtlichen Tierrettung oder des Tierärztenotdienstes

• Telefonnummer der Vergiftungszentrale Österreich (sollte das Tier eine

Giftpflanze, ein Reinigungsmittel, Schokolade, Gift, Medikamente etc. verschluckt

haben) Tel.: 01/406 43 43

• Impfpass

• Liste mit Besonderheiten und der bisherigen Krankengeschichte

des Tieres (Erkrankungen, Operationen,

Einnahme von Medikamenten, Unverträglichkeiten

oder Allergien etc.)

• Erste Hilfe Kasten mit allen

Hilfsmitteln, die im Notfall zur

Hand sein müssen; erweitert

um individuelle Medikamente

bzw. speziellen Bedürfnissen

entsprechend.

• Transportbox: sauber und mit

einem Handtuch ausgelegt

Foto: creativecommons.org

4


Richtiges Verhalten im Notfall

Was ist ein Notfall?

Notsituationen können je nach Dringlichkeit einer Behandlung in drei Kategorien

eingeteilt werden.

• Kategorie I

››

Sofortige Behandlung ist notwendig, akute Lebensgefahr!

››

Sehr starke Blutungen

››

Störung der wichtigsten Körperfunktionen (des Herzens und der Atmung)

• Kategorie II

››

Behandlung innerhalb von Minuten bis zu einer Stunde notwendig,

Lebensgefahr!

››

Beeinträchtigung der Atmung und des Kreislaufs (Schockgefahr!)

››

Kopf- und Wirbelsäulenverletzung

• Kategorie III

››

Behandlung innerhalb der ersten Stunden notwendig

››

Verletzungen oder Erkrankungen, die nicht immer sofort erkennbar sind

(z.B. Knochenbruch)

Erste Grundregel: Ruhe bewahren!

Aufregung führt oft zu Fehlverhalten. Vor allem übertragen Sie Ihre Stimmung

auf das Tier. Ein ruhiges Auftreten und beruhigendes Zusprechen gibt auch dem

Tier ein Gefühl der Sicherheit.

Gefahr einschätzen und vermeiden

Bringen Sie sich selbst und das Tier aus der Gefahrenzone (z.B. in einen sicheren

Abstand von der Straße, eventuell hinter die Leitplanke). Erst dann kann Erste

Hilfe geleistet werden.

In einer Notfallsituation steht auch das Tier unter Stress. Gefahr kann in dieser Situation

auch vom Tier selbst ausgehen. Auch ein vertrautes (d.h. das eigene!) Tier

kann in einer solchen Situation mit Abwehr und Flucht reagieren. Verhindern Sie,

dass das geschockte Tier wegläuft und sich verkriecht, was Erste Hilfe Maßnahmen

verhindern oder verzögern kann.

5


Hunde

Greifen Sie in einer Notsituation nicht direkt auf den Hund hin. Ist der Hund

angeleint, ergreifen Sie die Leine oder vorsichtig das Geschirr bzw. Halsband und

legen Sie ihm von hinten eine Maulschlinge oder einen Maulkorb an.

Foto: creativecommons.org

Vorsicht: Diese Tipps gelten nicht bei Tieren

mit Kopfverletzungen oder Atemnot!

Für eine Maulschlinge eignen sich Mullbinden aus herkömmlichen Auto- oder

Haushaltsapotheken, Schals oder Halstücher. Manche Erste Hilfe Packages für

Hunde beinhalten auch eine Maulschlinge.

Katzen und Kleintiere

Katzen und Kleintiere kann man mit einer Decke einfangen, sollten sie sehr

verschreckt, nervös und wehrhaft sein. Eventuell kann man auch eine Schachtel

oder einen Wäschekorb über das Tier stülpen und dann vorsichtig versuchen,

eine stabile Unterlage (z.B. ein Brett) unter das Tier zu schieben, um es aufzunehmen,

dabei Lärm und hastige Bewegungen vermeiden, ruhig zusprechen.

Am Besten trägt man Katzen und Kaninchen mit einem Nackengriff. Mit der

anderen Hand muss man unbedingt die Hinterbeine stützen. Das Kaninchen

dann in Rückenlage drehen und mit Nackengriff tragen, es wird nach wenigen

Minuten ruhiger.

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Das gesunde Tier

Erkennen – Verstehen – Handeln

Nur wer sein Tier im gesunden Zustand genau kennt, kann Krankheiten frühzeitig

erkennen und im Notfall die Situation richtig einschätzen.

Es ist von Vorteil bestimmte Handgriffe schon im Vorfeld einzuüben und das Tier

mit verschiedenen Berührungen vertraut zu machen. Das kann im Notfall entscheidend

sein. Außerdem ist es gut, den Verband einige Male angelegt zu haben,

damit er gut sitzt.

Üben Sie Berührung: Augenbereich, Ohren, Maul öffnen, Lefze anheben (zur

Begutachtung der Zähne oder zur Kreislaufkontrolle), Körper, Beine, Pfoten, einzelne

Zehen, Unterbauch und After.

Eventuell üben Sie das Verbandanlegen vorab, damit die ungewohnte Aufmerksamkeit

das Tier in einer Stresssituation nicht zusätzlich verunsichert.

Normalwerte beim Tier unterscheiden sich je nach Art und Alter des Tieres.

Kleinere Hunderassen können im Gegensatz zu größeren Hunden einen höheren

Puls und erhöhte Temperatur haben. Aufregung kann sich auf die Normalwerte

auswirken.

Normalwerte erwachsener Tiere im Ruhezustand

Tierart Temperatur °C Puls: Schläge/min Atmung: Atemzüge/min

Hund 38,0-39,0 80-120 10-30

Katze 38,0-39,3 100-120 20-30

Kaninchen 38,5-39,5 120-150 50-60

Meerschweinchen 37,5-39,5 230-380 45-150

Den Zustand des Tieres einschätzen

Um in einer Notsituation weitere Maßnahmen ergreifen zu können, müssen Sie

zunächst das Tier aus der unmittelbaren Gefahrenzone bringen und den Zustand

des Tieres abschätzen. Verhindern Sie, dass es im Schock davonläuft.

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Erste Hilfe MaSSnahmen

Die Überprüfung der Vitalfunktionen steht immer an erster Stelle. Eine Störung

der Vitalfunktionen bedeutet höchste Lebensgefahr für das Tier.

Achten Sie beim Ansprechen und Berühren auf die Reaktionen des Tieres. Diese

sagen viel darüber aus, ob es sich nur um eine kurze Kreislaufschwäche oder

aber um eine wirkliche Notsituation mit Bewusstseinsverlust handelt.

Überprüfung der Atmung

Atembewegungen lassen sich am Brustkorb des Tieres beobachten. Bei schwacher

Atmung legen Sie Ihr Ohr an die Nase des Tieres oder halten Sie eine spiegelnde

Fläche davor (z.B. einen kleinen Spiegel, das Display eines Smartphones

etc.). So können die Atemzüge gut wahrgenommen werden. Beobachten Sie 30

Sekunden lang ob und wie oft sich der Brustkorb auf und ab (= ein Atemzug) bewegt.

Multiplizieren Sie mit zwei, dann bekommen Sie die Atemzüge pro Minute.

Vergleichen Sie diese mit den Normalwerten in der Tabelle.

Überprüfen des Herzschlages

Ob das Herz schlägt, fühlt man beim Hund am besten durch den sogenannten

„Herzspitzenstoß“ (das wahrnehmbare Schlagen des Herzens) links hinter dem

Ellenbogen oberhalb des Brustbeines.

Den Puls erfühlen Sie an der Oberschenkelarterie an der Innenseite des Oberschenkels.

Verwenden Sie dazu Ihren Zeige- und Mittelfinger.

Achtung: Verwenden Sie Zeige- und Mittelfinger. Nicht aber

den Daumen, um nicht den eigenen Puls zu fühlen!

Schleimhäute

Über die Maulschleimhaut kann man die Schleimhaut am einfachsten beurteilen.

Ziehen Sie dazu die Lefze ein wenig nach oben und üben Sie mit dem Finger

Druck auf eine nicht pigmentierte Stelle der Maulschleimhaut aus. Am besten

über dem oberen Fangzahn. Bei einem gesunden Tier sollte die Farbe nach zwei

Sekunden wieder zurückgekehrt sein.

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Foto: creativecommons.org

Augen

Auch die Pupillenweite gibt Aufschluss über den Zustand des Tieres. Sie kann im

Schock oder bei Vergiftungen sehr weit oder eng sein, bei Schädigung des Sehnervs

oder Schädeltrauma unterschiedlich weit. Vor dem Tod sind die Pupillen

extrem weit geöffnet.

Erste Hilfe bei offenen Verletzungen

Leichtere Wunden und Wundversorgung

Auch leichtere Wunden unterscheiden sich durch Ausdehnung, Tiefe und Wundrand.

Kleine, oberflächliche Schürfwunden kann man selbst behandeln, während

größere und tiefere Wunden nach einer Erstversorgung unbedingt vom Tierarzt

behandelt werden sollten und eventuell genäht werden müssen.

Auch wenn man für kleinere Abschürfungen durchaus ein Desinfektionsmittel

auftragen kann, gilt generell: Tierbesitzer sollten die Wunden keimfrei verbinden

aber keine Reinigung oder Desinfektion vornehmen. Eine nicht sachgemäße Reinigung

oder die Verwendung falscher Mittel (Hausmittelchen, Salben, Sprays etc.)

könnte zu einer stärkeren Verunreinigung führen und den Schmutz noch tiefer in

die Wunde spülen.

Achtung: Fremdkörper sollten auf jeden Fall in der

Wunde belassen werden. Sehr lange oder sperrige

Fremdkörper können eventuell gekürzt werden!

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Notfall Erste Hilfe Anmerkungen

Schürfwunde

Größere,

tiefere

Wunden

Bisswunden

Reinigung bzw.

Desinfektion

Stillen der Blutung, Anlegen

eines Verbandes mit sterilen

Wundauflagen, Versorgung

durch den Tierarzt

Desinfektion, fachgerechte

Versorgung durch den Tierarzt

Blutstillung am Unfallort

offen lassen, um den Heilungsprozess

zu beschleunigen!

Keine Salben verwenden!

Die Wunde nicht belecken lassen!

(Übertragung von Keimen, Reizung

durch raue Zunge)

Bissverletzungen sind oberflächlich

oft kaum sichtbar, dafür aber sehr tief;

Gefahr: Übertragung von Infektionen

durch bakterienhaltigen Speichel,

sehr schmerzhaft

• Leichte Blutungen: Normale Wunden hören spätestens nach fünf Minuten

von selbst auf zu bluten. Am einfachsten übt man bei kleinen Verletzungen

mindestens fünf Minuten lang direkt gleichmäßigen Druck mit dem Finger auf

die blutende Stelle aus. Natürlich kann man dazu auch einen Verband oder

ein sauberes Tuch verwenden.

Starke Blutungen: Erfordern lebensrettende Sofortmaßnahmen um den Kreislauf

der Tiere zu stabilisieren, wie sie im Folgenden erläutert werden.

Achtung: Da die Blutversorgung zur Gänze abgeschnitten

wird, muss das Band mind. alle 15 Minuten gelockert

werden, um das Absterben des Gewebes (Nekrosen) zu

verhindern! Nach der Erstversorgung muss mit dem Tier so

schnell wie möglich der Tierarzt aufgesucht werden!

Druckverband

Im Idealfall legt man einen Druckverband aus der Auto- oder Haushaltsapotheke,

zur Not auch mit Hilfe eines sauberen Tuchs oder eines Schals, an. Dazu wird eine

sterile Wundauflage (z.B. eine Kompresse) direkt auf die Wunde gedrückt, mit

einem Druckpolster (z.B. einer Rolle Mullbinde, einer Packung Taschentücher etc.)

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versehen und mit einer elastischen Binde umwickelt, um die Blutung zu stoppen

und den Körper zur Blutgerinnung anzuregen. An Körperstellen, die das Anlegen

eines Druckverbands nicht erlauben (z.B. Kopf, Hals oder in der Nähe der Gelenke),

kann stattdessen eine sterile Kompresse aufgedrückt werden.

Achtung: Ein Druckverband ist keine Dauerlösung und

darf nicht über einen längeren Zeitraum angelegt bleiben.

Das Abbinden einer Körperstelle

Das Abbinden einer Gliedmaße ist die letzte Möglichkeit eine Blutung zu stillen.

Diese Vorgehensweise birgt immer die Gefahr, dass Gewebe abstirbt. Daher sollte

nur bei äußerster Lebensgefahr und hohem Blutverlust (z.B. beim Verlust des

ganz hellen, arteriellen Blutes) auf diese Maßnahme zurückgegriffen werden.

Das verwendete Material sollte mindestens 6 cm breit sein (z.B. das Dreieckstuch

oder ein Stück Stoff), damit das Gewebe nicht gequetscht wird. Das Tuch wird einmal

um die Gliedmaße gelegt und verknotet. Darauf knotet man ein Stück Holz,

einen Kugelschreiber, eine kleine Taschenlampe etc. Durch das Eindrehen des

Stücks zieht sich das Band zusammen.

Verbände

Verbände spielen in der Erstversorgung einer Wunde eine große Rolle.

• Zur Blutstillung

• Zum Schutz vor Verunreinigung

• Zur Vermeidung des Beleckens der Wunde

• Zur Ruhigstellung und Schmerzlinderung

Ein Verband besteht immer aus mehreren Schichten

• Einer sterilen Auflage, die zur Abdeckung der Wunde dient

• Einer Polsterung

• Einer Bindeschicht zur Fixierung

• Einem Heftpflaster zur Sicherung / zum Schutz des Verbandes

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Beim Anlegen eines Verbandes muss immer darauf geachtet werden, dass er fest

genug sitzt und nicht abgestreift werden kann, aber gleichzeitig auch nicht die

Blutzirkulation beeinflusst (indem er z.B. Falten wirft).

Foto: creativecommons.org

Spezialfall Pfotenverband

Das Tier wird auf jeden Fall immer versuchen, den Verband abzustreifen. Daher

sollte hier immer auch das Hand- bzw. Sprunggelenk mitverbunden werden.

• Reinigen der Wunde.

• Die Wunde mit einer sterilen Wundabdeckung abdecken (Tupfer oder beschichtete

Wundgaze, die nicht anklebt).

• In den Verband muss die gesamte Extremität mit einbezogen werden, die sich

unterhalb der Wunde befindet, um Nekrosen (das Absterben von Gewebe) zu

verhindern.

• Die Zehenzwischenräume mit Watte auspolstern.

• Darüber eine Polsterung aus Verbandswatte legen.

• Gewickelt wird von unten nach oben in Schlingen, die sich etwa um die Hälfte

der Bandagenbreite überlappen.

• Über die Polsterung wickeln Sie die Wundbinde. Wieder von unten nach

oben. Etwas fester als die Polsterung.

• Am oberen Rand die Wundbinde nicht über die Polsterung wickeln um eine

freie Blutzirkulation zu gewährleisten.

• Der Verband darf nicht zu fest sitzen. Je sorgfältiger die beiden ersten Schichten

gewickelt sind, desto fester kann die dritte Verbandschicht sein.

• Lose Enden sollten nun mit Klebeband verklebt werden, damit das Tier sich

den Verband nicht abzupfen kann.

• Eventuell kann man auch noch einen Pfotenschuh oder eine Socke anziehen,

um zu verhindern, dass der Verband nass oder verschmutzt wird.

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Erste Hilfe bei geschlossenen,

„stumpfen“ Verletzungen

Bei geschlossenen Verletzungen wie Prellungen, Quetschungen, Verstauchungen

oder Verrenkungen steht die Stabilisierung des verletzten Körperteils

im Vordergrund.

Wichtigste Sofortmaßnahme ist eine Ruhigstellung und dauerhafte, längere Kühlung

der betroffenen Stelle. Durch vorangegangene Kühlung wird der Schmerz

gelindert und die Ausbreitung eines Blutergusses vermindert.

Knochenbrüche

Knochenbrüche sind höchst schmerzhaft. Dem Hund unbedingt die Maulschlinge

oder den Maulkorb vor jeder Handlung anlegen. Auch hier ist der erste und

wichtigste Schritt die Ruhigstellung des betroffenen Körperteils.

Erste Hilfe bei Vergiftungen

Vergiftungen erfolgen in den meisten Fällen durch Chemikalien, Medikamente

oder Insekten- und Rattengifte. Anzeichen für eine Vergiftung sind abnorme

Verhaltensweisen wie starke Erregungszustände, aber auch Teilnahmslosigkeit,

Erbrechen, Durchfall, Koordinationsstörungen etc.

• Sofortige Maßnahmen: Neben der Sicherung der Vitalfunktionen muss der

Ersthelfer unbedingt darauf achten, dass es nicht zu einer weiteren Aufnahme

des Giftes kommt.

• Transport zum Tierarzt: Jede weitere Behandlung sollte unbedingt so rasch

wie möglich dem Tierarzt überlassen werden, da man als Laie durch eine

falsche Vorgehensweise manchmal mehr Schaden als Nutzen erzielt.

• Jede Kontamination der Haut mit Schmierölen, Altöl oder Farben muss direkt

vom Tierarzt versorgt werden, auch wenn das scheinbar nur ein „kosmetisches“

Problem ist.

• Die Verpackung oder eine Probe des Giftes zum Tierarzt mitbringen: Je mehr

man über die eingenommene Substanz weiß, desto schneller und erfolgreicher

ist die Behandlung. Zumindest den Namen mit dem Handy fotografieren.

Im Notfall kann die Vergiftungszentrale für Österreich

unter Tel.: 01-406 43 43 angerufen werden.

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Verschlucken von Gegenständen

Im Spiel können Tiere Gegenstände verschlucken oder sich im Maul- oder

Rachenraum verletzen.

Verschluckte Hölzer

Gerade bei Hölzern sollte auf jeden Fall der Tierarzt aufgesucht werden. Bei

Schmerzen lassen die Hunde die Hölzer in der Regel los. Sollte ein Fremdkörper

im Maul oder Rachenraum verbleiben, ist dies für den Hund sehr schmerzhaft

und eine Untersuchung durch den Halter kaum möglich. Vermehrter, manchmal

auch blutiger Speichelfluss ist ein Indiz für eine solche Verletzung. Um einer

Schwellung entgegen zu wirken mit kalten Kompressen den Halsbereich kühlen

und sofort zum Tierarzt fahren.

Verschlucktes Spielzeug

In der Regel wird der Gegenstand vollständig eingespeichelt und kaum zu fassen

sein. Ist das Spielzeug noch gut sichtbar, kann man versuchen, mit kräftigen,

massierenden Bewegungen den Gegenstand wieder in die Maulhöhle zurück zu

schieben und zu entfernen. Der Hund wird in einer solchen Situation keine Luft

mehr bekommen. Panik ist die Folge. Die Zunge wird blau. Rasches Handeln ist

notwendig, um den Hund vor dem Ersticken zu bewahren. Falls dies nicht gelingt,

sofort zum Tierarzt.

Foto: creativecommons.org

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Hat der Gegenstand bereits den Kehlkopf passiert und hängt in der Speiseröhre

fest, sind Würgen, starker Speichelfluss und Unruhe Symptome dafür. Sofort den

Tierarzt aufsuchen und ihm vorher diesen Notfall ankündigen!

Wenn das Tier den Gegenstand tatsächlich ganz verschluckt haben sollte, auf

jeden Fall mit dem Tierarzt weiterführende Maßnahmen besprechen.

Verschluckte Fäden

Katzen und junge Hunde können im Spiel auch Fäden verschlucken, z.B. beim

Spiel mit Lametta oder Wollknäuel. Der Faden wird im Darm weiter transportiert.

Hängt ein Fadenende aus dem After des Tieres, auf keinen Fall den Faden herausziehen!

Dies könnte sonst schwere innere Verletzungen zur Folge haben und zum

Tod führen. Den Tierarzt aufsuchen!

Kreislaufversagen Und Schock vorbeugen

Schockbekämpfung muss immer an erster Stelle stehen. Das Tier muss so schnell

wie möglich zur Schockbekämpfung zu einem Tierarzt gebracht werden. Schockzustände

können tödlich sein!

Unter Schock versteht man ein komplexes Kreislaufversagen. Als Sicherheitsmaßnahme

für die Durchblutung lebenswichtiger Organe wie Herz, Gehirn,

Lunge, Leber, Nieren kommt es zur Zentralisation des Kreislaufes, d.h. periphere

Gliedmaßen (z.B. Pfoten und Beine) werden weniger gut durchblutet.

Kann der Körper die Ausfälle der Kreislauffunktion durch Mobilisierung seiner

Reserven und Steigerung der Gegenmaßnahmen nicht kompensieren, kommt es

zum völligen Zusammenbruch und zum Tod des Tieres. Um das zu verhindern,

muss durch frühzeitiges, therapeutisches Eingreifen durch den Tierarzt eine Stabilisierung

des Kreislaufes erreicht werden.

Symptome

• Teilnahmslosigkeit oder auffallende Unruhe

• Frösteln, Zittern

• Blässe der Schleimhäute (nahezu weiß)

• Kühle Haut- und Gliedmaßentemperatur

• Beschleunigter, aber zunehmend schlecht tastbarer Puls

• Bewusstlosigkeit

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Schockbekämpfung

• Ruhig mit dem Tier sprechen, um Sicherheit zu geben

• Das Tier in Seitenlage bringen, Atemwege freilegen, Erbrochenes entfernen

• Blutstillen und Wundversorgung

• Das Tier auf eine weiche Unterlage legen, an einen ruhigen und warmen Platz

• Das Tier zudecken (z.B. mit der Rettungsdecke aus dem Auto)

So rasch wie möglich den Tierarzt aufsuchen.

Reanimation

Beatmung

Zunächst das Tier auf die rechte Seite drehen. Das Maul öffnen und die Zunge

nach vorne ziehen. Erbrochenes oder Fremdkörper entfernen und die Atemwege

freilegen.

Katzen und auch kleinere Hunde können zu diesem Zweck an den Hinterbeinen

hochgehoben werden.

Foto: creativecommons.org

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Achtung: Keine Umlagerung des Tieres vornehmen, wenn

der Verdacht einer Wirbelsäulenverletzung besteht!

Zur Beatmung:

• Die Zunge nach vorne ziehen

• Die Schnauze schließen

• Den Hals nach hinten strecken

• Das Tier über die Nase beatmen, ev. ein Beatmungstuch verwenden

• Beatmungsrhythmus: 1 x alle 3 Sekunden

• Der Brustkorb sollte sich bei der Beatmung heben, aber nicht übermäßig aufwölben.

Vorsicht bei Welpen!

Herzmassage

Nachdem Sie sich durch Kontrolle von Herzschlag (an der Brustseite) und Puls

(an der Oberschenkelinnenseite) überzeugt haben, dass ein Herzstillstand vorliegt,

nehmen Sie eine Herzmassage vor.

• Legen Sie das Tier auf eine stabile Unterlage.

• Unter den Druckpunkt, d.h. den Brustkorb, ein Gegendruckpolster legen

(z.B. eine zusammengelegte Decke, ein Handtuch, eine Jacke etc.). Bei

kleineren Tieren kann auch die eigene Hand den Gegendruck erzeugen.

• Ihre übereinandergelegten Hände legen Sie flach auf den Brustkorb des

Tieres, etwa in der Höhe des Ellenbogens.

• Bei Katzen, kleineren Hunden und Kleintieren auf jeden Fall vorsichtiger,

vielleicht nur mit Fingerdruck vorgehen oder den Brustkorb umfassen.

• Das Tier 2 x beatmen und 30 x das Herz massieren (1 x pro Sekunde

andrücken).

• Danach den Herzschlag kontrollieren.

• Gegebenenfalls erneut massieren.

Bei einer erfolgreichen Reanimation ist ein Puls wieder fühlbar und die Schleimhautfarbe

des Tieres verbessert sich.

Ist das Tier stabilisiert, muss sofort der Transport zum Tierarzt erfolgen!

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Transport

Verletzte oder erkrankte Tiere müssen möglichst schonend transportiert werden.

Generell gilt: Die Tiere sollten in der Position fahren, die ihnen am angenehmsten

ist. Wenn nötig, müssen Beatmung und Herzmassage auf der Fahrt fortgesetzt

werden. Den Tierarzt vor Abfahrt noch über die Art des Notfalls verständigen.

Hunde

Hunden ist es meist am angenehmsten, wenn man sie selbst zum Auto gehen

bzw. humpeln lässt.

Kleine oder mittelgroße Hunde, die nicht gehen können, kann man tragen, indem

man mit einer Hand um den Brustkorb des Hundes greift und mit der anderen

Hand um die Hinterbeine. Bei großen Hunden kann beim Transport eine Decke

verwendet werden, mit der sich das Tier gut heben und tragen lässt. Ev. jemanden

um Hilfe bitten, etwa einen Nachbarn, einen Passanten oder Begleiter.

Am besten ist es, wenn man zu zweit fahren kann. Dann kann sich eine Person

um den Hund kümmern und dafür sorgen, dass der Fahrer nicht abgelenkt wird.

Sollten Sie alleine sein, können Sie die Leine so in die Türe klemmen, dass der

Hund Sie nicht beim Lenken des Fahrzeugs behindert und dennoch den Freiraum

hat, den er braucht. Durch die Leine kann man den Hund auch schnell zurückhalten,

sollte dieser versuchen wegzulaufen, sobald man die Türe öffnet. Achtung:

Verletzte und geschockte Tiere reagieren oft ganz plötzlich anders als gewohnt!

Bei Verdacht auf Verletzungen der Wirbelsäule sollte das Tier unbedingt auf

einer festen Unterlage transportiert werden (Brett, Trage), ebenso bei schweren

Verletzungen, Kollaps mit Atemnot oder Bewusstlosigkeit. Als stabile Unterlage

kann man einen alten Hartkarton verwenden oder auch die Heckabdeckung des

eigenen Autos.

Mit einer Decke vor dem Auskühlen schützen. Eventuell zusätzlich Kleidungsstücke

des Halters verwenden. Der Geruch gibt dem Tier zusätzliche Sicherheit.

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Katzen

Für den Transport gibt man die Katze am besten in eine verschließbare Transportbox.

Das kann eine Katzenbox, aber auch ein Karton oder ein Wäschekorb (mit

sicherer Abdeckung) sein. Keine Weidekörbe verwenden!

Verletzte und geschockte Tiere versuchen oft plötzlich

zu fliehen – daher die Transportbox unbedingt sicher

verschliessen.

Nager, Kaninchen und Kleintiere

Sollten in einer Kiste, Schachtel oder Box transportiert werden. Um zusätzliche

Kontaminationen bei offenen Wunden etc. zu verhindern, ausnahmsweise auf

Heu und Gräser als Unterlage verzichten und lieber auf ein Handtuch oder eine

Decke legen.

Achtung: Bei offenen Bauchwunden müssen Organe mit

sauberen und am besten warmen und feuchten Tüchern

abgedeckt werden! Hervorstehende Fremdkörper niemals

selbst entfernen, eventuell nur etwas kürzen!

Die Fahrt zum Tierarzt

Vor dem Antritt der Fahrt zum Tierarzt auf jeden Fall zuerst in der Praxis anrufen.

Sollte der Tierarzt nicht erreichbar sein, wird Ihnen i.d.R. eine Vertretung über

einen Anrufbeantworter genannt.

Der Anruf vor der Abfahrt gibt dem Tierarzt Zeit, sich ein Bild zu machen und

Vorbereitungen für die Notfallbehandlung zu treffen, um sofort nach dem Eintreffen

agieren zu können.

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Erste Hilfe auf einen Blick

Die in der Tabelle erklärten Maßnahmen dienen nur der Erstversorgung.

Zur weiteren Behandlung ist ein rascher Besuch beim Tierarzt notwendig.

(Ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Notfall Symptom Erste Hilfe

Magendrehung

Futterverweigerung

seit

mehreren

Stunden

Erbrechen

Augenverletzung

Brandverletzungen

Durchfall

„Aufstoßen“, plötzliches

Anschwellen des Bauches,

Schnellatmigkeit durch

Kreislaufbeeinträchtigung

Pferd, Kaninchen, Meerschweinchen

verweigert

sogar das Lieblingsleckerli

Entleeren von Futter oder

Schleim, Pumpbewegungen

im Bauchbereich

Augenausfluss, Lichtscheue,

Blinzeln, Schwellung des

Lides, Rötung des Auges,

Fremdkörper im Auge

je nach Grad der Verbrennung

Rötung, Schwellung, Blasenbildung,

nässende Wunden

wässriger Kot, vermehrter

Kotabsatz mit gelblicher

Färbung

Lebensbedrohend. Sofort

zum Tierarzt!

Lebensbedrohend, sofort den Tierarzt

kontaktieren (Kolik,

drohendes Kreislaufversagen)

Nahrungsentzug; hält das

Erbrechen zwei bis drei Stunden

an, bzw. besteht Verdacht auf

Vergiftung sofort zum Tierarzt

Das Tier daran hindern, sich

am Auge zu kratzen; Spülung

mit klarem Wasser; Augensalbe;

freiliegende Fremdkörper

wenn möglich entfernen;

Aufsuchen eines Tierarztes

sofortige Kühlung des betroffenen

Bereichs mit kaltem Wasser für

ca. 20 Minuten; lockere, sterile

Abdeckung; Überwachung der

Vitalfunktionen; unverzüglicher

Transport zum Tierarzt

12 Stunden Nahrungsentzug;

viel Flüssigkeit (abgekochtes

Wasser); warm halten; Tierkohle;

bei blutigem Durchfall sofort

zum Tierarzt

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Erfrierungen

Hitzestau,

Hitzschlag

Insektenstich

Krämpfe,

Anfälle

Ohrenschmerzen

Unterkühlung

Zeckenstiche

(Borreliose,

FSME)

Haut verfärbt sich an den

Körperspitzen blaurot,

Blasenbildung

Körpertemperatur 41 °C,

Hecheln, erhöhte Pulsfrequenz,

Benommenheit

bis Bewusstlosigkeit, Erbrechen,

Durchfall

Schwellung, Rötung,

Juckreiz, Kratzen

kurze Kontraktionen der

Muskulatur, gekrümmte Körperhaltung,

evtl. Speichelfluss

Schütteln des Kopfes, Kratzen

am Ohr, Kopfschiefhaltung,

evtl. Gleichgewichtsstörungen

Zittern, gesträubtes Fell,

messbarer Abfall der

Körpertemperatur

Rötung der Stichstelle, leichtes

Fieber, Abgeschlagenheit

(auch erst längere Zeit nach

dem Stich). Ungewöhnlich

dicke Gelenke an den Beinen

Kältezufuhr abstellen; keine Massagen!

Warmwasserbad (lauwarm!)

Wärmezufuhr unterbinden, für

Abkühlung sorgen (langsam

bei den Gliedmaßen beginnen,

dann Nacken und Kopf). Bei

Kleintieren ev. ein nasses Tuch

über den Körper legen oder die

Ohren außen feucht machen

Stachel mit der Pinzette entfernen;

Kühlkompresse auflegen; Belecken

der Stelle vermeiden; bei Stichen

im Maul- und Rachenraum besteht

Erstickungsgefahr - umgehend

einen Tierarzt aufsuchen (Atemnot

kann bis zu 2 Stunden nach

dem Stich erfolgen)! Vorab mit

abschwellenden Mitteln versorgen;

Achtung bei Allergie: Schockgefahr!

Schockbehandlung s. Seite 16.

Ruhe bewahren und Lärm vermeiden;

Transport zum Tierarzt!

Tierärztliche Versorgung! Bei Blutergüssen

Kühlkompressen auflegen

Aufsuchen eines warmen Ortes,

aber Vorsicht vor zu starker und

schneller Erwärmung! Erst den

Körper, dann Extremitäten wärmen!

Überprüfung der Vitalfunktionen

Komplette Entfernung der Zecke

mit einer Zeckenzange durch kurzen

Zug und geringe Drehung, Richtung

der Drehung unwichtig.

Tierarzt aufsuchen

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Erste Hilfe mit TTouch

Die von Linda Tellington Jones entwickelte TTouch-Massagetechnik kann dem

Tier in einer besonders stressigen Situation Linderung verschaffen. Durch einen

„ungewohnten“ Körperkontakt (den „TTouch“) werden psychische und körperliche

Anspannungen gelöst.

Der Basis-TTouch (Grundgriff)

Die nebeneinander relativ steif zusammengehaltenen Finger (vier Finger ohne

Daumen) werden an eine Stelle des Körpers mit den Fingerspitzen aufgesetzt und

sollen nur die Haut im Uhrzeigersinn für 1 ¼ Umdrehungen sanft verschieben.

Diese kreisenden Bewegungen können am ganzen Körper durchgeführt werden

und helfen dem Tier, Stress abzubauen und Vertrauen zu fassen. Auf ruhige

Atmung achten!

Foto: Michaela Heintz

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Erste Hilfe Bachblüten – „Rescue-Tropfen“

„Rescue“ ist ein Kombinationsmittel aus fünf Bachblütenkonzentraten, das

schon seit Jahrzehnten beim Mensch wie auch beim Tier in Notfallsituationen

oder auch präventiv angewendet wird.

Rescue kann in vielen Stresssituationen (z.B. bei Unfall, Rauferei, Besuch beim

Tierarzt etc.) eine seelisch-körperliche Entspannung bewirken. Deshalb empfiehlt

es sich, ein Fläschchen mit Tropfen immer bei sich zu haben (gibt es bereits fertig

abgemischt und alkoholfrei in der Apotheke zu kaufen).

In Notfällen bzw. kurz vor sehr unangenehmen Ereignissen verabreicht man dem

Tier die Tropfen in kurzen Abständen (10 bis 15 Minuten). Bei Bewußtlosigkeit

träufelt man die Tropfen auf die Zunge oder auf das Zahnfleisch.

Eingabe von Medikamenten

Die Eingabe von Tabletten, Augentropfen, Zäpfchen oder anderen Medikamenten

ist selbst beim sanftesten Tier oft schwierig.

Eine Taktik, die bei einem Halter funktioniert, kann bei einem anderen fehlschlagen.

Medikamente, die von einem Tier gerne angenommen werden (da sie gut

oder interessant schmecken), können von einem anderen verweigert werden. Mit

etwas Übung gelingt es aber jedem, sein Tier zur Einnahme der Medikamente zu

bewegen.

Gerade bei in Gruppen gehaltenen Tieren ist es oft schwierig, die Medikamenteneingabe

über das Futter zu kontrollieren. Wenn möglich, kann man versuchen,

das Tier für die Medikamentengabe zu separieren.

Tabletten

Zunächst kann man versuchen, die Tabletten im Futter/Leckerlis zu verstecken

bzw. die Tablette in Streichkäse, Butter oder Pastete zu verpacken.

Bei Hund und Katze das Maul öffnen und über den Zungenrücken so weit wie

möglich in den Rachen schieben; das Massieren der Kehle fördert den Schluckreflex;

die Schnauze so lange zuhalten, bis die Tablette geschluckt ist. Mit Bedacht

vorgehen, damit sich das Tier nicht verschluckt.

Bei Kaninchen und Nagern empfiehlt es sich nach Absprache mit dem Tierarzt,

Tabletten zu pulverisieren und sie mit etwas Wasser über eine nadellose Einweg-

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spritze einzugeben. Eventuell kann man auch versuchen, das Medikament unter

eine Gemüsepaste (geschabtes Gemüse) zu mischen.

Flüssigkeiten und Tropfen

Mit einer nadellosen Einwegspritze seitlich bei der Lefze langsam eingeben/tröpfeln.

Nie in das offene Maul gießen (kann in die Lunge gelangen)!

Manche Medikamente lassen sich auch gut mit Wasser, Tee, Gemüsesaft etc.

verabreichen.

Für Kaninchen und Nager lassen sich Flüssigkeiten auch gut auf steinhartes (d.h.

gut durchgetrocknetes) Brot tropfen (immer nur nach Absprache mit dem Arzt).

Der Erste Hilfe Kasten für das Tier

Mit nur wenigen zusätzlichen Gegenständen kann eine herkömmliche Autoapotheke

zu einer tiergerechten Apotheke adaptiert werden.

Foto: VIER PFOTEN

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Bestandteile der Apotheke für Tiere

Pinzette

Schere mit

abgerundeter Spitze

Zeckenzange

oder -karte

Einwegspritzen (evtl.

mit unterschiedlichem

Fassungsvermögen)

Digitalthermometer

mit flexibler Spitze

Einweghandschuhe

zur Entfernung von Schmutz, Fremdkörpern etc. aus

Wunden

zum Schneiden von Verbandsmaterial

zur hygienischen und sicheren Zeckenentfernung

zur Eingabe von Medikamenten oder

zur Spülung der Augen

zur Messung der Temperatur

für hygienisches und sicheres Arbeiten

Beißkorb oder

Maulschlinge

Rettungsdecke

oder Alufolie

Kühlkompresse

Kompressen

Gazetupfer

elastische Mullbinden

Heftpflasterrolle

elastische Fixierbinde

Verbandswatte

Desinfektionsmittel

„Rescue-Tropfen“,

Bachblüten

„Erste Hilfe

für Ihr Heimtier“

Telefonnummern-Liste

um sie dem verschreckten oder verletzten Hund anzulegen

und sich so selbst in einem Notfall zu schützen

gegen Unterkühlung, bei Schock

bei Prellungen, Blutergüssen, Insektenstichen

als sterile Wundauflage

zwischen 7,5 und 10 cm

zur Verbandsfixierung

zur Fixierung von Verbänden

zur schnellen Fixierung von Verbänden

zur Abpolsterung von Verbänden

zur Desinfektion verschmutzter, oberflächlicher

Hautwunden und Abschürfungen

präventiv vor/in Stress- und Notfallsituationen,

auch für den Mensch!

VIER PFOTEN Broschüre mit Tipps für den Notfall

Familie, Tierärzte, Tierrettung etc.

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Tiere im Urlaub

Möchte man seinen Liebling auch im Urlaub gut versorgt wissen, empfiehlt es

sich, ein paar zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Gerade bei Unfällen im Urlaub, fernab von zu Hause und weit entfernt von seinem

eigenen Heimtierarzt, sollte man gut gerüstet sein. Nicht immer ist Hilfe in

erreichbarer Nähe (Wanderungen etc.). Daher möchten wir noch einmal darauf

hinweisen, wie wichtig die richtige Vorbereitung ist und raten dringend zum

Besuch eines Erste Hilfe Kurses.

Egal welche Reisevariante Sie wählen, vor dem Antritt der Reise sollten Sie

(vor allem wenn es ins Ausland geht) das Gespräch mit Ihrem Tierarzt suchen.

Er kann Ihnen helfen, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, um bei uns weniger

übliche Erkrankungen zu vermeiden (z.B. ein Spot-on oder Halsband gegen

Stechmücken, die in Österreich nicht vorkommen, aber bereits in südlichen

Ländern Europas heimisch sind; Sandmücken z.B. gelten als Überträger

der Leishmaniose).

Falls Vorerkrankungen oder auch Unverträglichkeiten/Allergien bestehen, die

eine regelmäßige medikamentöse Behandlung erforderlich machen, sollte man

sich zur Sicherheit mit den notwendigen Medikamenten für die Reise eindecken.

Oft ist dasselbe Medikament im Ausland nicht zu bekommen.

Versichern Sie sich immer, ob ihr Tier über die

notwendigen Impfungen für die Reise in das

Zielland verfügt, und erkundigen Sie sich

vorab über die gesetzlichen Einreisebestimmungen,

auch die der Durchreiseländer.

Sollte eine längere Flugreise für Sie und Ihr

Tier unumgänglich sein, klären Sie unbedingt

vorab mit dem Tierarzt, ob Ihr Tier fit für

eine solche Reise ist und ob medikamentöse

Unterstützung notwendig oder ratsam ist (z.B.

für einen lange andauernden Flug in einer

Box).

Es empfiehlt sich auch immer, möglichst vor

der Abreise oder gleich nach der Ankunft am

Urlaubsort herauszufinden, ob es in der Nähe einen

Foto: creativecommons.org

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Tierarzt gibt, der Ihnen im Notfall helfen kann. Derartige Informationen erhalten

Sie in der Regel aus dem Internet, bei einem lokalen Tierschutzverein, ihrem Reiseveranstalter

vor Ort, der Touristeninformation, im Hotel, einer Apotheke etc.

Sprachliche Barrieren können leicht überwunden werden, indem man sich vorab

ein paar Basisvokabel notiert (betreffend Allergien, Vorerkrankungen, Unfallszenarien,

etc…).

In der Broschüre „VIER PFOTEN auf Urlaub“ finden Sie

weitere Tipps, wie Sie den Urlaub für sich und Ihr Heimtier

am Besten vorbereiten, gestalten und genießen können.

Diese Broschüre können Sie auf www.vier-pfoten.at oder

telefonisch unter 01/895 02 02-0 bestellen.

Zur Vertiefung der gewonnenen Kenntnisse rät VIER PFOTEN zum Besuch eines

Erste Hilfe Kurses, wie er zum Beispiel in der Kleintierklinik Breitensee von Mag.

Daniela Slavik-Malleczek nun schon seit Jahren für vorsorgende Tierbesitzer angeboten

wird. Unter veranstaltungen@kleintierklinik-breitensee.at ist es auch für

individuelle Gruppen, Hundeschulen und Vereine möglich, einen Erste Hilfe Kurs

in nächster Umgebung (Vereinshaus, Seminarräume, Hundeschulen) zu buchen.

Wir danken Mag. Daniela Slavik-Malleczek für Ihre

Unterstützung bei der Überarbeitung dieser Broschüre.

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VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz

in Wien. Die 1988 von Helmut Dungler gegründete Organisation setzt sich mit

nachhaltigen Kampagnen und Projekten für den Tierschutz ein. Grundlagen

dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives

nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter

direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunde und -katzen, Labor-,

Nutz-, Wild- und Heimtiere sowie auf Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus

nicht artgemäßer Haltung. Mit Niederlassungen in Österreich, Belgien, Bulgarien,

Deutschland, Großbritannien, Niederlande, Rumänien, Schweiz, Südafrika,

Ungarn und den USA sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere

in Not. 2013 feiert die Organisation ihr 25-jähriges Jubiläum.

VIER PFOTEN –

Stiftung für Tierschutz

Linke Wienzeile 236, 1150 Wien

Tel.: +43-1-895 02 02-0, Fax: -99

Mail: office@vier-pfoten.at

www.facebook.com/4Pfoten

www.twitter.com/vierpfoten

Spenden:

IBAN: AT50 6000 0000 0754 4590

BIC: OPSKATWW

Cover-Foto: creativecommons.org; Gestaltung: Dino Kunkel | 05/2013; 100 % Recyclingpapier

Mit der VIER PFOTEN App können Sie

an unseren Online-Petitionen teilnehmen,

aktuelle Tierschutz-Nachrichten lesen oder uns

mit einer Spende unterstützen; wir erweitern

das Programm laufend um neue Funktionen zu

aktuellen Tierschutz-Themen.

Zum Download der App scannen

Sie bitte einfach den QR-Code!

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