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Laudatio von Bischofsvikar Mittendorfer für Dr.in Erna Putz

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LAUDATIO

für Frau Dr.in ERNA PUTZ

anlässlich der Verleihung der päpstlichen Auszeichnung

Komturdame des Päpstlichen Ordens vom Hl. Papst Silvester

durch Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz am 23. Dez. 2013

Sehr geehrte Frau Dr. Putz, liebe Erna!

Es ist eine schöne Aufgabe für mich, heute die Laudatio für Dich zu halten.

Die Begründung, warum Dir diese hohe Päpstliche Auszeichnung zuteil

geworden ist, hat Bischof Ludwig bereits genannt: Ohne Dein umfangreiches

Engagement wäre es wohl noch nicht zur Seligsprechung von Franz Jägerstätter

gekommen. Das ist auch meine volle Überzeugung.

Dein Engagement in der Sache Franz Jägerstätter möchte ich mit dem Stichwort

„Beharrlichkeit“ charakterisieren.

Denn Informationen über Franz Jägerstätter sind nach dem Krieg unterdrückt

worden oder nur zögerlich an die Öffentlichkeit gekommen. Die

Auseinandersetzung mit dem Bauern und Mesner, der aus Gewissensgründen

den Kriegsdienst in Hitlers Armee verweigert hat, stieß und stößt bis heute auf

Widerstand. Das Buch des amerikanischen Soziologen Gordon Zahn, Er folgte

seinem Gewissen. Das einsame Zeugnis des Franz Jägerstätter, fand in den

1960er Jahren weite Verbreitung in Amerika und Europa. Es enthält aber auch

den Keim der Verzeichnung der Persönlichkeit Jägerstätters als „verrückt“ und

„sturer Sonderling“.

Ein Schlüsselerlebnis für Dich war es, als Dir bei einem Besuch im Jahr 1979

Franziska Jägerstätter die Gefängnisaufzeichnungen ihres Mannes zeigte.

Du schreibst selbst dazu: „Der Mann ist ja völlig anders als das Bild, das ich mir

von ihm gemacht habe“. Von da an bist Du beharrlich dran gegangen, dieses

Bild zu korrigieren und zu ergänzen. Du hast begonnen, seine Geschichte und

sein Umfeld im Spannungsfeld zwischen Kirche und Nationalsozialismus zu

erforschen. Das war auch im Sinne von Franziska, die ebenso beharrlich das

Andenken an ihren Mann bewahren wollte und Deine Arbeit unterstützte.

Im Jahr 1985 konntest Du die Dissertation als Ergebnis Deiner

wissenschaftlichen Arbeit im Veritas Verlag Linz publizieren: Franz


Jägerstätter. „… besser die Hände als der Wille gefesselt …“. Es folgten

weitere Auflagen.

Auf dieser wissenschaftlichen Grundlage aufbauend, hast Du begonnen, den

Todestag von Franz Jägerstätter am 9. August alljährlich zu begehen. Du hast in

Ostermiething Studientage veranstaltet, zu denen Du jeweils Referenten von

Rang gewinnen konntest. Friedensbewegte und andere interessierte Menschen

aus ganz Österreich, aus Deutschland, Italien und den USA nahmen daran teil.

Dem Studienteil folgte jeweils die Gedächtnisfeier zur Todesstunde um 16.oo

Uhr, die Fußwallfahrt nach St. Radegund und die Abendmesse in der dortigen

Pfarrkirche mit der abschließenden Lichterprozession zum Grab von Franz

Jägerstätter.

Ich selbst bin durch Spiritual Manfred Scheuer auf diese Gedenktage

aufmerksam geworden. Wir hatten 1996 die Seminarwallfahrt nach St.

Radegund gemacht. Von da an fuhr ich auch am 9. August öfters nach

Ostermiething. Einmal, nachdem ich frisch ins Domkapitel gekommen war,

fragtest Du mich, ob ich in Vertretung des Bischofs (also von ihm geschickt)

gekommen sei. Als ich sagte: „Nein, ich bin einfach so hier“, kam prompt Deine

Antwort: „Du bist der erste (von der Diözesanleitung), der freiwillig kommt.“

Ich verstand es als Kompliment. - Auch hier zeigt sich Deine Beharrlichkeit,

Überzeugungsarbeit zu leisten.

Im Hinblick auf eine mögliche Seligsprechung Franz Jägerstätters hast Du, liebe

Erna, wichtige Voraussetzungen geschaffen. Du hast wissenschaftliche

Grundlagenarbeit geleistet. Du hast die öffentliche Auseinandersetzung mit den

Themen, zu denen Franz Jägerstätter herausforderte, initiiert, und Du hast eine

Kultur der Verehrung Franz Jägerstätters entwickelt. Es ist Dir gelungen, ein

internationales Netz von Jägerstätterfreunden zu knüpfen. Von Deinen vielen

Publikationen möchte ich noch die Herausgabe des gesamten Briefwechsels

zwischen Franz und Franziska Jägerstätter im Jahr 2007 erwähnen, das so

persönliche Glaubens- und Lebenszeugnis dieses Ehepaares, das Dir von

Franziska anvertraut wurde.

Bischof Maximilian hat das Seligsprechungsverfahren eingeleitet, das 2007 zu

einem erfolgreichen Abschluss geführt werden konnte. Aber Dein Engagement

ging beharrlich weiter. Die Familie Jägerstätter hast Du immer wieder

unterstützt, wenn Presseleute, Filmemacher oder Künstler anfragten. Ich

erinnere mich, wie Felix Mitterer bei der Pressekonferenz vor dem

Theatersommer in Stadt Haag sagte: „Ohne die biographischen Arbeiten von

Erna Putz hätte ich dieses Stück nicht schreiben können“. Für Studenten, die zu

Franz Jägerstätter wissenschaftlich arbeiten wollen, nimmst Du Dir nach wie vor

bereitwillig Zeit. Du begleitest Schülerprojekte, wie heuer wieder zusammen mit

Thomas Schlager-Weidinger. Du wirst zu Vorträgen und Symposien im In- und


Ausland eingeladen oder veranstaltest selbst welche. Der Gedenktag des Seligen

am 21. Mai bietet dafür den Anlass (z.B. heuer im Ursulinenhof u.a. mit Bischof

Manfred Scheuer und Superintendent Gerold Lehner) oder der Tag der

Seligsprechung am 26. Oktober mit Wallfahrt zum Richtbergtaferl.

Im Wissen, dass es viele Glaubenszeugen gibt, die im NS-Terror Widerstand

geleistet haben, sprichst Du seit einigen Jahren von der „Wolke der Zeugen“ und

arbeitest daran, sie bekannt zu machen; auch indem Du etwa

Ordensgemeinschaften animierst, dies in ihren eigenen Reihen zu tun; nicht

immer mit dem gewünschten Erfolg.

Dankbar bin ich auch, dass Du im Jägerstätter-Beirat der Diözese mitarbeitest,

der die verschiedensten Aktivitäten im Umfeld von Franz und Franziska

Jägerstätter koordiniert.

Zum Schluss erlaube ich mir eine sehr persönliche Bemerkung. Ich glaube, dass

Du durch Dein beharrliches Engagement nicht nur vielen anderen Menschen zu

einem umfassenderen Bild von Franz und Franziska Jägerstätter verholfen hast.

Du hast dabei auch Deinen eigenen Glauben vertieft, der Dir zu einer Quelle der

Kraft geworden ist.

Danke, liebe Erna! Und herzliche Gratulation zu Deiner Auszeichnung als

Komturdame des Päpstlichen Ordens vom Hl. Papst Silvester.

Max Mittendorfer, Leiter des Jägerstätter-Beirates der Diözese Linz

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