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SPRACHROHR 2/2012

Zeitung des ver.di-Landesfachbereichs Medien, Kunst und Industrie Berlin-Brandenburg.

SPRACHROHR

SPRACHROHR mitgliederzeitung des fachbereiches Medien, 22. jahrgang nr. 2 Kunst und Industrie berlin-brandenburg April 2012 Das sauer verdiente Stück vom Kuchen Gerechte Entlohnung – die schwer durchsetzbare Forderung der Stunde Equal Pay« – gleicher Lohn oder: gerechte Bezahlung, das sind Forderungen, die in diesem Frühjahr vielerorts erhoben wurden. Laut genug? Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit gibt es in diesem reichen Lande allerorten: Leiharbeiter sind als Entgeltbezieher zweiter oder dritter Klasse nicht nur selbst »gekniffen«, sondern müssen als Dumpinglöhner, Frauen beträchtlich schlechter bezahlt flexible Verschiebemasse und Drohpotenzial dafür herhalten, dass die deutsche Wirtschaft trotz Krise boomt und Reiche immer reicher werden. Auch auf Kosten der Steuerzahler, die der kraftstrotzenden Großindustrie die Aufstockerbeträge für die Leiharbeiter sponsern. Frauen sind nach wie vor beträchtlich schlechter bezahlt als Männer. Termine auf Seite 15 200 000 Beschäftigte bewiesen Kampeswillen »Wir sind mehr wert!« Mehr als nur eine ver.di-Bekundung. Foto: Chr. v. Polentz / transitfoto.de Bis zum 23. März 2012 musste die imaginäre weibliche Beschäftigtenschar der Bundesrepublik arbeiten, um insgesamt das Einkommensvolumen zu erzielen, das die männlichen Kollegen bereits als Jahresentgelt 2011 eingesteckt hatten. Deshalb der »Equal-Pay-Day« – mit etwas mehr Medienpräsenz als in den Vorjahren und demonstrativ getragenen roten Taschen. Auch in Tarifrunden, voran der des öffentlichen Dienstes, ging es dieser Tage um ein angemessenes Stück vom Kuchen – darum, dass Leistung mehr Wert ist, als sie bisher honoriert wird. Das betrifft speziell die »kleinen Einkommen«, mit denen nicht nur Putzfrauen oder Verwaltungsangestellte, sondern auch Erzieherinnen und Pflegekräfte nach Hause gehen. Die »soziale Komponente«, die ver.di in der Tarifrunde gefordert hat, ließ sich dennoch nicht durchsetzen. Die Mindestanhebung um 200 Euro, die Beschäftigten der unteren Lohngruppen prozentual mehr Steigerung gebracht hätte, wurde von Arbeitgeberseite absolut blockiert. Im Ergebnis zementiert das im öffentlichen Sektor den Niedriglohnbereich und führt dazu, dass sich auch Bund, Länder und Kommunen untere Entgeltgruppen durch das Arbeitslosengeld- II-System subventionieren lassen. Andererseits: Die 6,3-Prozent-Steigerung in drei Stufen bis Sommer 2013 ist das Beste, was in den Tarifrunden der vergangenen Monate erreicht wurde. Auch Übernahmeregelungen für Azubis sind ein Erfolg. Allein bei den Warnstreiks vor der letzten Verhandlung bewiesen bundesweit 200 000 Beschäftigte ihren Kampfeswillen. Doch herrscht längst nicht eitel Sonnenschein. Auch die Forderung der Fachgruppe Theater und Bühnen, technisches Personal aus dem unsäglichen NV Bühne heraus in den Geltungsbereich des TVÖD zu bekommen, konnte innerhalb dieser Tarifrunde nicht umgesetzt werden. Immerhin wird es Separatverhandlungen dazu geben (siehe S. 11). Ob das Ergebnis insgesamt akzeptiert wird, entscheiden die Mitglieder nun bis zum 24. April. neh Aus dem Inhalt Seiten 5/6 12. Lesemarathon gab Auskünfte zu Sinn und Form Mittelseiten ver.di beteiligt sich an der Griechenland-Debatte: Erst der Beginn des Experiments Seite 10 Senatspapier empört Musikschullehrer