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SPRACHROHR 2/2003

Zeitung des ver.di-Landesfachbereichs Medien, Kunst und Industrie Berlin-Brandenburg.

2|03 sprachrohr Selbst

2|03 sprachrohr Selbst aktiv sein und andere dazu ermuntern Gespräch mit Erika Volkmann vom ver.di-Seniorenbeirat Cottbus Wie geht es den Cottbuser Gewerkschaftssenior(inn)en? Meistens gut, denn wenn wir uns treffen, geht‘s auch fröhlich zu. Das weiß ich allerdings nur von denen, die unsere Veranstaltungen besuchen. Als Du aus dem Arbeitsleben ausschiedest, was hielt Dich in der Gewerkschaft? Ich war 30 Jahre lang in Verlag und Druckerei der „Lausitzer Rundschau“ in Cottbus tätig. Die Gewerkschaft war für mich stets hilfreiche Partnerin, ob das Auseinandersetzungen mit staatlichen Leitern, Gesundheitsbetreuung, Frauenförderung oder Ferienplätze betraf. Als ich ausschied, dachte ich: Dein Verhältnis zur Gewerkschaft hängt doch nicht vom Rentnerstatus ab. Die Organisation, die Dich ein Leben lang begleitete und unterstützte, die wirst DU nun ein wenig unterstützen. Ich habe mich also bemüht, die Gewerkschaftssenioren meines Betriebes und meiner Branche beisammen zu halten. Konntest Du es? Man kann. Wenn man viel mit den Kolleginnen und Kollegen spricht, sie ermuntert, weiter am Leserbriefe Leserbriefe geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Sinnwahrende Kürzungen sind vorbehalten. Die Arbeit geht aus Auf der Rentnercouch sitzend, nehme ich Anteil am politischen Geschehen. Von gesamtgesellschaftlicher Problematik scheint mir die Arbeitslosigkeit zu sein. Es fehlt an Arbeitsplätzen. Die Arbeit geht aus. Die Binnennachfrage an Ge- und Verbrauchsgütern wird befriedigt. Sie läßt sich durch wirtschaftspolitische Eingriffe nur unwesentlich steigern. Die Exportnachfrage ist nur sehr bedingt zu beeinflussen. Warum wird die vorhandene Arbeit eigentlich nicht 10 Aktive Senioren Arbeitskreis Gewerkschaftsleben teilzunehmen. Natürlich klappte das nur in engem Kontakt mit Gewerkschaftssekretärin Waltraud Gerisch, die die Fäden in der Hand hielt und jetzt selbst zu den Seniorinnen gehört. Oft wissen wir allerdings nicht, wer wieder aus dem Arbeitsleben ausgeschieden ist, die Personalbüros sind da nicht sehr auskunftsfreudig. Wie viele Seniorinnen und Senioren betreut Euer Beirat im Bezirk Cottbus? Wir haben im Bezirk 750 Gewerkschaftsmitglieder, davon sind etwa 190 ältere. Also jedes vierte Mitglied gehört zu den „alten Barden“ – von denen viele gern noch weitergearbeitet hätten. auf mehr Menschen verteilt? Das wäre Solidarität. In der Druckindustrie kann mit einem Bruchteil an Personal eine höhere Produktivität und wirtschaftlicher Erfolg erreicht werden als noch vor wenigen Jahrzehnten. Viele Berufe der Jünger Gutenbergs sind ausgestorben. In allen Branchen lassen sich mit immer weniger Personal immer mehr Güter und Dienstleistungen erbringen und verteilen. Das ist die wahre Ursache für den Verlust von Arbeitsplätzen. Politiker jeglicher Couleur scheinen das nicht erkennen zu wollen... Als wir gegen die 45-Stunden-Woche und die Samstagsarbeit mit dem Slogan antraten „Am Samstag gehört Vati mir“, stand die wir über uns Wie interessiert Ihr diese Mitglieder für die Gewerkschaftsarbeit? Außer den allen bekannten und von allen geschätzten Sozialleistungen von ver.di halten die meisten ein reges Gemeinschaftsleben für erstrebenswert. Wir haben schon in Vor-ver.di-Zeiten mit anderen Gewerkschaften kooperiert. Der Vorsitzende der Seniorenkommission Dietrich Rolle und ich erarbeiten in der Koordinierungsgruppe jährlich ein Programm, das von den Wünschen der Mitglieder getragen wird. Wir bereiten Bildungs- und Informationsnachmittage vor, wie mit Elke Krause vom ver.di-Fachbereich Gesundheitswesen, oder eine Veranstaltung über die Hartz-Pläne. Wir laden zu Vorträgen oder Lesungen ein, wie demnächst mit der Schriftstellerin Dorothea Kleine zu ihrem jüngsten Buch über Kriminalfälle aus der Region. Wir machen Betriebsbesuche wie kürzlich in der Druckerei der „Lausitzer Rundschau“. Wir reisen auch: vor Wochen zum Bundestag nach Berlin oder zu Gesprächen mit Ruhrpottgewerkschaftern, verbunden mit Betriebs- und Schaubergwerksbesuchen. Wir vergessen die Gewerkschaftsjubiläen unserer Mitglieder nicht. Und wir haben viel Spaß bei Bowlingabenden, Skat und Canasta. Im September werden wir uns am großen ver.di-Sommerfest im Cottbuser Spreeauenpark beteiligen. Interview: Hans-Hermann Krönert deutsche Wirtschaft vor dem endgültigen Untergang. Das sagten die Unternehmer. Was kam, war wirtschaftlicher Aufschwung. Nicht mehr oder weniger Steuern, höhere oder niedrigere Staatsquote, statistische Korrekturen bei der Erfassung der Arbeitslosigkeit werden zum Problemlöser, sondern zwei vorrangige Maßnahmen: 1) Konsequente Arbeitszeitverkürzung führt zwangsläufig zu verstärkten Einstellungen. Diese bedeuten höhere Steuereinnahmen und Sozialabgaben. Gleichzeitig reduzieren sich Arbeitslosengeld, Arbeitslosen- und Sozialhilfe. 2) Rigorose Verhinderung von Schwarzarbeit, dazu gehören entsprechende Gesetze. Egon Bannehr Nachruf Hans Jacobus Fünf Monate vor seinem achtzigsten Geburtstag starb Hans Jacobus, fünf Monate vor seinem Tod veröffentlichte er seine Lebensgeschichte „Beim Betreten des Hauses. Erinnerungen an Momente und Jahrzehnte“. Er war einer der bekanntesten Journalisten der DDR, und blieb es auch nach 1990 mit Artikeln in Zeitungen und einer Reihe von Büchern. Wie selten einer war er in allen Medien tätig, er begann beim „Sportecho“ und der „Jungen Welt“, gestaltete bei Rundfunk und Fernsehen Foto: edition ost Serien, Kommentare und Gesprächsrunden. Er übernahm 1976 die Chefredaktion der Kulturzeitschrift „Sonntag“, steuerte sie durch die Klippen, bis er 1985 selbst zurücktrat. Wenn wir „bekannt“ sagen, so vor allem deshalb, weil er die Gesprächssendungen im Rundfunk moderierte und fast 27 Jahre hindurch Woche für Woche das „Professorenkollegium“ leitete, mit lebhaften Debatten über hochaktuelle Themen. Durch sein letztes Buch wird Jacobus noch bekannter werden, vor allem mit unbekannten Abschnitten seines Lebens. Wir wussten, dass er als 15-jähriger Sohn einer jüdischen Familie nach England und Australien ging, dass er in England der FDJ beitrat und von 1945 bis 1947 jüdische Kinder unterrichtete, die aus KZs befreit waren, und dass er nach Berlin zurückkam. Was wir nicht wussten: wie schwer sein Anfang in der DDR war. Er blieb bis zu seinem Tode in Berlin. Nachdenkend, warum? – fand ich in seinem Buch: „Beim Betreten des Hauses sucht man die Freunde, umarmt man seinesgleichen. Umarmt die, die einem besonders nahe sind...und ferne Freunde in Gedanken. Man denkt über das Sich-zuhause- Fühlen nach. Immer aufs neue.“ Erich Selbmann

Diskussionsstoff war am 23. März zur Mitgliederversammlung der Fachgruppe Druckindustrie und Zeitungsverlage genügend vorhanden. Nach Berichten von der Bundeskonferenz aus Halle ergaben sich drei Schwerpunkte. Punkt 1: Flächentarifvertrag bundesweit und auf Landesbezirksebene. Der Bericht dazu löste eine lebhafte Debatte aus. Hat der Flächentarif Zukunft und ist er noch zu halten? Fazit der Diskussion: Nur wenn die Klein- und Mittelbetriebe in der Tarifauseinandersetzung eine größere Rolle übernehmen, ist ein Auseinanderbrechen langfristig zu verhindern. Einzelne Unternehmen sind schon seit geraumer Zeit an Branchentarifverträgen interessiert. Setzt sich diese Richtung durch, wäre das das Ende des Flächentarifvertrages. Auch bei den Belegschaften in Großbetrieben bleibt das Thema Branchen-TV nicht immer ohne Resonanz, leider. Eine Branchen-Segmentierung kann nur Er habe es nicht übers Herz gebracht, die Maschinen einfach zu verschrotten oder die alten Bleischriften ins Altmetall zu geben. „Alles Werte, die unwiederbringlich verloren wären.” Deshalb bot Gerd Schneider, der die 1928 gegründete „Buchdruckerei Otto Schneider” in Berlin-Kreuzberg bis 2001 betrieb, dem Kreuzberg- Museum an, einen Teil der Druckerei-Ausstattung zu übernehmen. Daraus entstand die Idee einer kompletten Erhaltung. Zudem ist die frühere Akzidenz- Druckerei ein Relikt im ehemaligen „Exportviertel Ritterstraße”, das 1943 fast vollständig ausgebombt wurde.Das KreuzbergMuseum etablierte die Druckerei als seine Außenstelle. Ein Beschluss des Bezirksamtes sicherte die mietfreie Nutzung. Eine umfangreiche Ausstattung mit historischen Bleischriften, Ornamenten und Messing- bzw. Schmucklinien, Maschinen wie ein Original Heidelberger Tiegel und wir über uns sprachrohr 2|03 Fachgruppe Druckindustrie & Zeitungsverlage Nur die Stärksten überleben? Mitgliederversammlung der Fachgruppe 4 diskutierte Tarifsituation dann verhindert werden, wenn auch die Kolleginnen und Kollegen in den Klein- und Mittelbetrieben den Flächen-TV als ihre Sache begreifen, denn sie hätten am meisten unter einer Regionalisierung zu leiden. Die Gefahr ist groß, das nur die Stärksten am Markt überleben. Für unseren Landesbezirk ist diese Erkenntnis Alles wäre verloren Museumsdruckerei sucht Förderer Der Vorstand der Fachgruppe 4: (v.l.n.r.) Heinz Poetschlack, Klaus- Dieter Körper, Gunar Wagner, Dieter Körner, Lutz Kreisel, Holger Kollonitsch (Vorsitzender), Antoneta Werbelow, Andreas Meißner. eine Automatic-Frontex-Schnellpresse sind funktionstüchtig und werden auch praktisch genutzt. Ehrenamtlich tätige Buchdrucker und Maschinensetzer betreuen gemeinsam mit Gerd Schneider die Werkstatt. „All das wäre noch ausbaufähig”, ist sich Bettina Eisbrenner vom KreuzbergMuseum sicher, „etwa für die Ausbildung künftiger Mediengestalter oder für Azubis anderer grafischer Berufe.“ Ihr Appell, die Werkstatt zu nutzen und zu erhalten, ist um so dringlicher, seit der Gewerbehof in der Ritterstraße dem Liegenschaftsfonds Berlin übertragen wurde und sich niemand mehr an die Zusage mietfreier Nutzung gebunden fühlt. Der Freundeskreis der Museumsdruckerei sucht deshalb weitere Mitglieder und Förderer. neh Museumsdruckerei, Ritterstraße 12 - 14, 10969 Berlin, Tel. 030 / 614 71 77, freitags von 11-16 Uhr u. nach Vereinbarung. Oder: KreuzbergMuseum, Tel. 030 / 50 58 52 33, info@kreuzbergmuseum.de Foto: transit im besonderen Maße zutreffend. Deshalb wird sich die Landesbezirks-Fachgruppe mit diesem Thema schwerpunktmäßig beschäftigen müssen. Wir rufen hiermit alle Beschäftigten aus den Klein- und Mittelbetrieben auf, sich mit dem zuständigen Gewerkschaftssekretär, Manfred Föllmer (Tel. 86 31-24 07), in Verbindung zu setzen, wenn sie in Arbeitsgruppen oder an Veranstaltungen zu diesem Thema mitarbeiten wollen. Punkt 2: Es wurde das so genannte „Angebot“ der Arbeitge- anzeige ber in der laufenden Tarifrunde diskutiert. Es spricht nichts dafür, dass die Arbeitgeber die moderate, zeitgemäße Lohnforderung honorieren. Das alte Spiel, wenig anzubieten und sich dann in der Mitte zu treffen, ist weiterhin ihre Verhandlungstaktik. Hätten wir doch eine höhere Forderung aufstellen müssen? Ich denke nein, denn die Außenwirkung ist für die Gewerkschaft heute sehr wichtig. Hier werden wir mehr Verständnis für das Durchsetzen von 3 Prozent bekommen als für eine 7-Prozent-Forderung. Außerdem wollen wir den beschäftigungswirksamen Aspekt der niedrigen Forderung in den Vordergrund gestellt wissen. Punkt 3: Personalabbau bei ver.di. Bis 2005 sollen innerhalb der Gewerkschaft 1400 Stellen abgebaut werden. Manfred Föllmer berichtet über die Schwierigkeiten bei diesem Vorhaben. Ich entschuldige mich im Namen des Vorstandes bei allen Mitgliedern, die nicht rechtzeitig über den Wechsel des Versammlungsortes informiert werden konnten. Unser Versammlungsraum in der Dudenstraße wurde baupolizeilich gesperrt. Holger Kollonitsch Vom Urlaub zurück in alter Frische und bester Laune Zahnärztin Dr. Swantja Bielski Hauptstr. 19, 1. Stock , am Kaiser-Wilhelm-Platz, Ecke Akazienstraße. Eingang in der Passage neben Fitnesscenter. 10827 Berlin-Schöneberg , Tel: 788 11 42 Öffnungszeiten: Mo 13-18 , Di 9-12 und 13-18, Mi 13-19, Do 9-12 und 14-18, Fr 9-13 Uhr. U-Bahn, Bus. Parkplätze in der Nähe. 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