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SPRACHROHR 6/2005

Zeitung des ver.di-Landesfachbereichs Medien, Kunst und Industrie Berlin-Brandenburg.

SPRACHROHR

SPR 06_2005_Final 02.12.2005 10:37 Uhr Seite 1 SPRACHROHR Zeitung für Medien, Kunst und Kultur, Druck und Papier, 15. Jahrgang Nr. 06 industrielle Dienstleistungen und Produktion Berlin - Brandenburg 12. Dezember 2005 Foto: transit/v. Polentz Aus dem Inhalt Seite 4 Soziale Kälte in der Lausitz Seite 6 Stillschweigend akzeptiert? Ein-Euro-Jobber im Kulturbetrieb Mittelseiten Alarmierend: Studie zu Gewerkschaften und Rechtsextremismus Seite 10 Spekulationsobjekt Funkhaus Nalepastraße Seite 11 Endlich RBB-Freienvertretung Wir wünschen allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Schöne Bescherung: Berliner Verlag verkauft Das Bundeskartellamt hat am 25. November den Verkauf des Berliner Verlages an ein britisch- US-amerikanisches branchenfremdes Konsortium genehmigt. Die Investoren um David Montgomery wollen mit dem Verlag erklärtermaßen Renditen von 20 Prozent erwirtschaften. Damit sehen einige Hundert Beschäftigte einer ungewissen Zukunft entgegen. Zwar teilen sie dieses Schicksal mit zahlreichen anderen Betroffenen – bei Telekom, Samsung, Baumaschinen- oder Produzenten von Videozubehör, womöglich auch der Deutschen Bahn. Doch Trost bietet das wenig. Jeder Arbeitsplatz, der in der Region gefährdet ist oder wegfällt, bedeutet in der momentanen wirtschaftlichen Situation einen Schicksalsschlag. Auch beim Berliner Verlag wäre das so, wo nunmehr erstmals Finanzinvestoren in den deutschen Drum prüfe die Rechnung … Zeitungsmarkt eingedrungen sind. „Wir befürchten, dass die Beschäftigten die Rechnung für den Kauf bezahlen müssen“, meint Andreas Köhn, stellv. ver.di-Landesleiter Berlin-Brandenburg. Er warnt davor, „Gewinnsteigerungen mit einem weiteren Stellenabbau erreichen zu wollen; dies würde die journalistische Qualität der Publikationen in Frage stellen.“ Auch der Konzernbetriebsrat der Berliner Verlagsgruppe (Berliner Zeitung, Berliner Kurier, TIP, Druckerei und G+J-Anzeigenzeitungen) macht sich keine Illusionen: „Bereits in der Vergangenheit wurde unter G+J und Holtzbrinck optimiert, und Beschäftigte der Berliner Verlagsgruppe haben ihre Arbeit verloren“, heißt es in einer Information an die Beschäftigten. Besondere Sorgen machen sich die Betriebsräte um die Einheit der bisherigen Geschäftsfelder: „Nur in der Gesamtheit von Zeitungen, Anzeigenblättern, TIP und Druckerei ist die gemeinsame Zukunft zu gestalten“, halten sie entgegen. Man sei einem Dialog mit den neuen Besitzern gegenüber offen. Die Grundsätze seien jedoch klar: „Wer die Einheit des Verlages und der Arbeitsplätze bedroht, muss davon ausgehen, dass wir uns dagegen wehren. Wer investiert, wird in uns einen konstruktiven und kritischen Partner finden.“ (siehe Seiten 2 und 5)