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SPRACHROHR 3/2005

Zeitung des ver.di-Landesfachbereichs Medien, Kunst und Industrie Berlin-Brandenburg.

SPRACHROHR

SPRACHROHR Zeitung für Medien, Kunst und Kultur, Druck und Papier, 15. Jahrgang Nr. 03 industrielle Dienstleistungen und Produktion Berlin - Brandenburg 20. Juni 2005 Foto: transit/Polentz Aus dem Inhalt Seite 3 Solidaritätsbasar diesmal auf dem Potsdamer Platz Seite 4 Hundert,6-Frösche sitzen auf dem Trockenen Seite 5 Zehn Jahre Medien Galerie Foto: transit Seite 7 Kampagne HIER GEBLIEBEN! kreist die Innenminister ein Mittelseiten Drucker machen Druck Seite 10 Endlich Tarifvertrag beim RBB Nach Warnstreiks bei Springer und in der Bundesdruckerei sind in der Tarifrunde Druck auch die kleinen Betriebe gefragt. Neben Flugblättern gab es Tüten mit Apfel und Ei und der Aufforderung, sich für Flächentarife stark zu machen (siehe Mittelseiten). Seite 14 Zwei Schöneberger Traditionsbetriebe vor dem Aus Kürzer macht Sinn ver.di-Tarifkonferenz fordert: Keine Arbeitszeitverlängerung! Um Perspektiven der gewerkschaftlichen Arbeitszeitpolitik ging es bei der tarifpolitischen Konferenz des ver.di-Landesbezirks Berlin-Brandenburg am 31. Mai. Die aktuelle Strategie der Arbeitgeber, die Arbeitszeiten zu verlängern, dadurch Reallohnsenkungen herbeizuführen und Flexibilisierung auf die Spitze zu treiben, laufe auf „Arbeit ohne Maß“ hinaus. Dem setzten die Referenten und Teilnehmer die Forderung nach einer menschengerechten Arbeitszeitstrategie der Gewerkschaften entgegen. Perspektivisch mache nur eine generelle Arbeitszeitverkürzung Sinn, wurde in einer Resolution angeregt. Vor den Perspektiven, die manchem Teilnehmer der Tagung noch zu vage blieben, stand jedoch Analyse. Und die war eindeutig: Es geht ums Ganze. Selbst in Branchen, wo zuerst die 35-Stunden-Woche erkämpft wurde, wie Mitte der 90er Jahre in der Druckindustrie, wurde die Visionen für mehr Lebensqualität Arbeitszeitverkürzung im Interesse der Unternehmen und technologischer Abläufe ausgestaltet. Heute steht die kurze Arbeitswoche hier und in vielen anderen Branchen wieder zur Disposition. Oft mit ökonomischen Zwängen begründet, nicht selten mit Erpressungsstrategien gegenüber Belegschaften durchgefochten, soll längere, flexible Arbeitszeit kurzfristige Wettbewerbsvorteile sichern. „Die Betriebsräte stehen hier oft mit dem Rücken zur Wand“, meinte Margret Mönig- Raane, stellv. ver.di-Bundesvorsitzende. Den von Arbeitgeberseite beschworenen Zwang, Lohnnebenkosten zu senken, bezweifelte sie. Die Grundfrage: Verringern wir die Arbeitslosigkeit, wenn wir die Arbeitszeit verlängern, müsse volkswirtschaftlich beantwortet werden. „Tatsache ist, der Wert der Arbeitsleistung sinkt, weitere Arbeitslosigkeit wird produziert.“ Die deutsche Debatte um längere Arbeitszeiten schaffe Druck auch auf Gewerkschaften in europäischen Nachbarländern wie Frankreich. Der ver.di-Standpunkt könne deshalb nur sein: „Arbeitszeitverlängerung löst keine Probleme, sondern schafft neue“, meinte die Gewerkschafterin. Es gelte, gerade über die Arbeitszeitfrage die „Hoheit über die Köpfe“ wieder zu gewinnen und mit Arbeitszeitverkürzung „Visionen für mehr Lebensqualität in Arbeit und Privatleben“ zu entwickeln. Kolleginnen und Kollegen aus Unternehmen und Branchen, die gegenwärtig in Tarifauseinandersetzung stehen, forderten die sinnvolle Vernetzung von Aktionen. Im Herbst, so ein Beschluss der Teilnehmer, soll sich eine weitere Tarifkonferenz mit der Frage beschäftigen, wie die Gewerkschaft in Arbeitszeitfragen in die Offensive kommen kann. neh