DAS CHA DOCH JEDE!»? - Rudolf Steiner Schulen der Schweiz

steinerschule.ch

DAS CHA DOCH JEDE!»? - Rudolf Steiner Schulen der Schweiz

Der Schulkreis

die Zeitschrift der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz

Theaterpädagogik

Winter

4/10

«Das cha doch

Jede!»?

www.schulkreis.ch

www.steinerschule.ch

Bernhard Aeschlimann:

«Theaterpädagogik» an

unseren Schulen 4

Christof Wiechert:

Wann spielt man was?

Klassenspiele als

pädagogische Aufgabe 7

European Council:

Soziale Inklusion durch

interkulturelle Bildung 8

Komplementärpädagogik:

Lindenschule, fürs Leben –

gern Lernen 9

Forschung:

Wie Eurythmie auf das

Pflanzenwachstum wirkt 13

Haager Kreis:

Was geschieht mit

der Kindheit? 14

Kraftquellen für Lehrkräfte:

Gesamtschweizerische

LehrerInnen-Weiterbildungstage

16

Schulen aus aller Welt:

Shining Mountain Waldorf

School, Boulder Colorado 2

Jahresberichte (Beilage):

– Stiftung zur Förderung der

Rudolf Steiner Pädagogik

in der Schweiz

– Arbeitsgemeinschaft der

Rudolf Steiner Schulen in

der Schweiz und Liechtenstein

Herausgegeben

von der Arbeitsgemeinschaft

der

Rudolf Steiner

Schulen in der Schweiz

1


Schulen aus aller Welt

Shining Mountain Waldorf School, Boulder Colorado

Waldorf im Wilden Westen

Boulder, eine sehr schöne Universitätsstadt, liegt am

Fuss der Rocky Mountains inmitten einer immensen

Natur. Als 1983 die Schule ihre Türen öffnete, gab es

noch kein Angebot an alternativer, holistischer Pädagogik,

obwohl Boulder schon lange als ein Gebiet des

alternativen Denkens und Lebens bekannt war. Angefangen

mit etwa 80 Schülern damals, hat die Schule

heute über 300 und ist eine wichtige, wachsende und

stabile Schulgemeinschaft geworden.

Kreative Finanzierung

Die anfänglichen pädagogischen Unsicherheiten der

Schule wurden durch die tatkräftige Hilfe der bekannten

europäischen Waldorfpädagogen Werner Glas

und René Querido gut überwunden. Ab 1990 gab es

dann ein Lehrerkollegium und seither ist die Schule

sowohl von der Waldorf Schulbewegung in Nordamerika

(AWSNA) wie auch vom lokalen Verbund «Colorado

Independent Schools» (ACIS) annerkannt. Auch

der finanzielle Start wurde durch wichtige und innovative

Hilfe gefördert, etwa durch eine «Gates Family

Foundation»-Spende, wie auch durch eine weitsichtige

öffentliche Schuldverschreibung – die das Bauvorhaben

der Schule ermöglichte. Doch die Schulden brachten

auch eine Schulgelderhöhung mit sich, was eine

kreative Finanzierung erforderte, um die finanzielle

Diversität der Familien zu sichern. Durch grosszügige

Spenden der Elternschaft und von Ehemaligen stehen

heute über 350‘000 Dollar pro Jahr Familien der Schule

als Beihilfe zur Verfügung.

Natur, Soziales und Kunst

Am Anfang des Jahrtausends haben die Lehrer eine Vision

der Zukunft der Schule entworfen, um ihre Pädagogik

zu verbessern und ihr einmaliges Angebot klarer

darstellen zu können. Inzwischen waren in der Region

auch einige andere alternative Schulen entstanden mit

reichen Angeboten in Kunst-, Umwelt-, sozialer und

emotionaler Pädagogik. Einerseits wurden die speziellen

Seiten der Waldorfphilosophie hervorgehoben,

andererseits haben die Lehrer drei Gebiete identifiziert,

in denen die Schule sich entwickeln soll:

– Erfahrungspädagogik in der Natur: Gartenbau, Umweltbewusstsein

und Naturerlebnisse;

– das Gefühl der Verantwortung fördern in der Schulgemeinschaft

für die ganze, regionale Gemeinschaft;

– Die Künste fördern: Eurythmie, Spacial Dynamics

(Bothmer Gymnastik) und Zirkus-Kunst.

Interessant ist auch, dass die Schule die Erfahrung

machte, dass Kinder der 6., 7. und 8. Klasse ganz andere

Bedürfnisse haben als die der 1.-5. Klassen. Ebenso

wurde bemerkt, dass auch die Lehrer oft entweder

mit den 1.-5. Klassen sich verbunden fühlten oder mit

den 6.-8. Klassen. Damit begann das «Experiment» einer

Mittelstufe, wobei die Lehrer der 1.-5. Klassen nach

der 5. Klasse wieder mit einer ersten anfangen und

ebenso die Lehrer der 6.-8. Klassen: Sie bleiben in der

Mittelstufe. In der Mittelstufe werden auch besonders

die drei oben erwähnten Gebiete (Naturverantwortung,

Soziales und Kunst) altersgerecht ausgebaut. Bislang

sind die Erfahrungen sehr positiv und wertvoll.

Wachstum und Reife

Die Schule erlebt Wachstum und entwickelt pädagogische

Reife und damit erweckt sie viel Interesse. Über

50% der neu interessieren Familien stammen von aussserhalb

von Boulder: aus ganz Nordamerika und sogar

aus Übersee. Die Schulgemeinschaft ist zuversichtlich

und dankbar.

Thom Schaefer/rt

«Sinnenvoll» mit «Landhof»

Der Verein «Sinnenvoll» in Pratteln erweitert sein Angebot. Seit

2008 bietet der Verein Jugendlichen ohne Chance auf eine Lehrstelle

eine Anlehre oder Attestausbildung an, um deren Chancen

auf dem «Arbeitsmarkt» zu verbessern. Die jungen Menschen

arbeiten in der Küche, Hauswirtschaft und Werkstatt der Rudolf

Steiner Schule Mayenfels. 2011 soll in der Hertnerstrasse 19

mit dem «Landhof» eine Kindertagesstätte mit Kindergarten,

Café und Restaurant entstehen. Dort werden die «Sinnenvoll»-

Jugendlichen von Profis begleitet, um Kochen, Reinigen und

Servieren zu lernen. Neben ihrer praktischen Tätigkeit besuchen

sie einen Tag in der Woche die öffentliche Berufsschule. Einen

weiteren Tag in der Woche werden in der «Bildungswerkstatt»

von «Sinnenvoll» schulische Lücken geschlossen, das aktuelle

Weltgeschehen besprochen und im Kunstunterricht kreative

Lösungsmöglichkeiten entwickelt.

(Johannes Marhenke/jö)

20 Jahre «Prattelino»

Der Jugendzirkus Prattelino feiert 2011 seinen 20. Geburtstag. Vor

zwanzig Jahren war es eine kleine Initiative an der Rudolf Steiner

Schule Mayenfels. Was mit ein paar Jonglierbällen, einigen Einrädern

und Purzelbäumen angefangen hat, ist für viele Kinder

und Jugendliche zu einer «ersthaften Beschäftigung» geworden,

die ganz im Trend der Gesellschaft liegt, wo das Thema Zirkus

in der letzten Zeit immer mehr Aufwind erhalten hat. Seit Mai

2001 ist der Zirkus Prattelino ein eigenständiger Verein mit drei

Sektionen. Sektion A: Der Zirkus für Schülerinnen und Schüler

der Rudolf Steiner Schule Mayenfels ab der 5. Klasse, die jeden

Samstagnachmittag Künste ausprobieren, eine Saison lang üben

und die Ergebnisse an deren Ende präsentieren. Sektion B: Kurse

im Bereich Zirkuskünste. Sektion C: Kurse im polysportiven Bereich.

Der Verein und seine Sektionen sind Mitglied des Bezirksturnverbandes

Liestal des Baselbieter Turnverbandes (BLTV) und

damit auch Mitglied des Schweizerischen Turnverbandes (STV).

Der «Schulkreis» widmet die Ausgabe Sommer 2011 dem Thema

«Zirkuspädagogik» – unter anderem mit einem ausführlicheren

Beitrag über den «Prattelino».

(jö)

www.prattelino.ch

Projektförderung

Kinder und Jugendliche, die ein Projekt starten möchten, sind oft

auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Infoklick.ch und die

Stiftung Mercator Schweiz haben deshalb den «My Project Fund»

initiiert, der Jugendlichen einen schnellen, unkomplizierten Zugang

zu finanziellen Mitteln verschafft. Infoklick.ch bietet Projektberatung,

Unterstützung bei der Beschaffung von zusätzlichen

Finanzen, Personal, Material und Wissen, einen Mikrokredit von

bis zu 1500 Franken und nach Bedarf die Begleitung des Projekts

bis zum Schluss. Der Kredit muss zurückgezahlt werden; wenn

das nicht möglich ist, wird stattdessen eine gemeinnützige Leistung

für die Gesellschaft vereinbart. Voraussetzung ist, dass

mindestens 80 Prozent der Gruppe, die das Projekt auf die Beine

stellt, zwischen 12 und 26 Jahren alt ist. www.infoklick.ch (jö)

Durchblick

In den zwölf Jahren als Leiter des Kohlenberggymnasiums in

Basel nahm Luzius Gessler über 40 SchülerInnen und Schüler

der Rudolf Steiner Schule auf und führte sie nach deren Zwölftklassabschluss

zur Matur. «Was das Gymnasium an diesen

Schülern schätzte», schrieb er 2010 in einem Kursheft des Freien

Pädagogischen Arbeitskreises fpa, «war ihre Interessiertheit, ihre

Lust am Lernen, ihre Fähigkeit, erworbenes Wissen selbstständig

zu ergänzen und miteinander zu verbinden, ihr Durchblick, ihre

Kritikfähigkeit, ihr soziales Engagement, ihr Verantwortungsbewusstsein

und endlich ihre Vertrauenswürdigkeit und die davon

ausgehende beruhigende Ausstrahlung auf ihre Umgebung.»

– Ein gutes Zeugnis! (fpa/jö)

Intensivierte

Spracharbeit

Liebe Leserin, lieber Leser

Es gibt ja Menschen, die sagen: Die Rudolf Steiner

Schule wäre ganz nett – wenn nur die Eurythmie nicht

wäre. Ich habe das nie verstanden. Gerade letzthin ist mir

im Rahmen einer Weiterbildung die Eurythmie wieder einmal

begegnet – und wieder durfte ich erleben: Sie bewegt

weit mehr als das äusserlich Sichtbare. Dafür liefert auch

ein Beitrag von Jens Heisterkamp in dieser Schulkreis-

Ausgabe neue Indizien, den wir – stark gekürzt und mit

grossem Dank – aus «Info3» übernehmen: Eurythmie

beeinflusst offenbar das Wachstum von Pflanzen.

Den Schwerpunktbeitrag steuert dieses Mal Bernhard

Aeschlimann bei, über «Theaterpädagogik». Der Beitrag

erscheint im Rahmen unserer Serie über ergänzende Pädagogik,

womit der Autor nicht ganz einverstanden ist. Für

ihn stellt sich das Theaterspielen in Rudolf Steiner Schulen

als intensivierte Spracharbeit dar – und zielt damit ins

Zentrum dessen, was Schule bewegen kann. Denn es ist

die Sprache, die den Menschen als geistiges Wesen auszeichnet.

Theaterspielen ist jedenfalls weitaus mehr als ein

«Event» oder ergänzendes «Theäterle».

Ich wünsche Ihnen eine ruhige, konsumarme Weihnachtszeit

und die nötige Musse, in den «zwölf heiligen Nächten»

ein wenig auf das zu lauschen, was sich im kommenden

Jahr um Sie und in Ihnen ausbreiten möchte.

Alles Gute und Frohe Weihnachten!

Jörg Undeutsch

Impressum

Der Schulkreis Zeitschrift der Rudolf Steiner Schulen von: Adliswil,

Avrona, Basel, Bern/Ittigen/Langnau, Biel, Birseck, Genève, Ins, Kreuzlingen,

Langenthal, Lausanne, Luzern, Münchenstein, Muttenz, Pratteln,

St. Gallen, Schaan, Schaffhausen, Schafisheim, Scuol, Solothurn, Steffisburg,

Wetzikon, Wil, Winterthur und Zürich

www.schulkreis.ch www.steinerschule.ch Auflage: 7200 Exemplare

Redaktion: Robert Thomas, Carmenstr. 49, 8032 Zürich,

Tel. 044 262 25 01, Fax 044 262 25 02, rthomas@access.ch

Jörg Undeutsch, Weissenbühlweg 14, 3007 Bern, Tel. 031 312 04 52,

undeutsch@sunrise.ch

Abos: Marianne Thomas, Carmenstr. 49, 8032 Zürich,

Tel. 044 262 25 01, Fax 044 262 25 02, rthomas@access.ch

Einzelabos: Inland Fr. 36.–, Ausland 30 Euro

Produktion/inserate: PUBLIFORM Text & Gestaltung Hp. Buholzer,

Postfach 630, 3550 Langnau, 034 402 61 60, publiform@spectraweb.ch

erscheint

Redaktionsschluss

Ostern Ende März 10. Februar

Johanni Ende Juni 10. Mai

Michaeli Ende September 10. August

Weihnachten Ende Dezember 10. November

editorial

2 Der Schulkreis 4/10

Der Schulkreis 4/10 3


schwerpunkt

«Theaterpädagogik» an unseren Schulen

«THEATERE?

DAS CHA

DOCH JEDE

«Man kann der

Seele das, was

sie haben soll,

nur geben, wenn

man durch eine

wirkliche Geist-

Erkenntnis der

Sprache ihre

Schwungkraft

wieder gibt, so dass

sie wiederum hinführen

kann zu dem

Sprachgenius.»

Rudolf Steiner;

GA 222/11.3.1923

BERNHARD AESCHLIMANN

Was dem Kind im Gehen, Sprechen und Denken noch ganz

elementar und naturhaft geschenkt war, muss der Jugendliche

in einem Neuaufbau sich «individuell-massgeschneider

erarbeiten. Hier setzt unsere eigentliche Theateraufgabe

an. Die Hauptarbeit besteht für den Spieler darin, ein

von der Rolle Gefordertes und innerlich Mitempfundenes

äusserlich stimmig sichtbar und hörbar zu machen. Mit

künstlerischem Rüstzeug über sich selbst hinaus spielen

und wachsen zu können, ist befreiende Hilfe auf dem Weg

zur eigenen Persönlichkeit!

«Theaterpädagogik»? Ein vielschichtiger und heute

auch etwas schillernder Begriff; er reicht vom Theaterspektakel

bis zur Psychodramatik. Theaterarbeit

an unseren Schulen sollte in keiner Weise wie ein

Zusätzliches und dadurch als Fremdes von aussen

hereingesetzt wirken oder durch Gewohnheitsdruck

veranlasst sein – was es mitunter eben doch

ist. Sie müsste aus dem Leben mit der Sprache, wie

wir sie vom Schulbeginn an auch künstlerisch zu

pflegen versuchen, als eine Frucht herauswachsen.

In diesem Sinne beschränke ich mich hier auf einen

theater-pädagogischen Aspekt, der wenig beachtet

wird. Manch anderes muss darum weg bleiben.

In der Sprache, die den Menschen erst zum Menschen

macht, pflegen wir Umgang mit einem Geistig-Übergeordneten:

mit dem Sprachgeist, den wir

in aller Pädagogik als freundschaftlich-kollegialen

Haupthelfer zur Seite haben, ob wir’s merken oder

nicht. Die Sprache in diesem Sinne zu schulen, kann

vom Lehrer als pädagogische Grundforderung empfunden

werden. Sie hat an unseren Schulen grosses

Gewicht und ist, da wir vergleichsweise wenig technische

Mittel benutzen, nach wie vor unser Haupt-

Unterrichtsmedium: vom Morgenspruch über den

rhythmischen Teil – aus dem gelegentlich kleine

Spielchen hervorgehen – über den gewichtigen Teil

des Erzählens, die Gedichtarbeit, über Sprachunterricht

und Sprechpflege, bis hin zu Schilderungen

und Darstellungen eigentlich in allen Fächern – alles

läuft über die Sprache, mitunter auch bis hin

zur negativen Erscheinung des Dozierens – nicht

nur auf der Oberstufe.

Ein dramatisches Arbeiten kann als eine Art Steigerung

empfunden werden. Es ist die wohl intensivste

Auseinandersetzung mit der Sprache, weil hier der

Sprachmensch den Bewegungsmenschen ergreift.

In einer Pädagogik, die wir gerne als Erziehungskunst

bezeichnen, muss und kann auch die Sprache

zum Kunstmittel werden; Steiner bezeichnet

sie sogar als «Urkunst».

Vor der Geschlechtsreife

Vor der Geschlechtsreife ist Theaterarbeit und

Aufführungsfreude noch nicht Dramatik, sondern

reines Spiel im wahrsten Sinne des Wortes, wollen

doch just die Kleinen alles aufführen! Im Kindergarten

und in den ersten zwei Schuljahren lebt das

Spiel noch ganz aus den leibimmanenten Phantasie-

und Bewegungskräften des Kindes, die diejenigen

der Erwachsenen oft weit übersteigen, so dass

der Lehrer wach lauschen muss auf das, was ihm

aus dem Kind entgegenkommt, um nicht etwas zuzudecken.

So berichtete Jörgen Smit, wie er in einer

zweiten Klasse eine Fabel um zwei Ziegen, die im

Streit in einen Bach gefallen waren, am folgenden

Tag darstellen lassen wollte und selbstverständlich

davon ausging, dass es dazu zwei Kinder brauche;

da habe sich ein drittes Mädchen gemeldet mit dem

Ausruf: Und ich bin der Bach! Was dem Lehrer eben

alles nicht einfällt!

Hier liegt auch der künstlerische Ansatz; die Sprache

folgt der Phantasie-getragenen Bewegung

gleichsam im Schlepptau. Ob das Kind im Reigen

stampft, trippelt, schleicht, klatscht – die Sprache

schmiegt sich dem jeweiligen Geschehen an. Auf

dieser Stufe stellt das Kind eine Rolle auch nicht

dar – es ist die Prinzessin, der Baum, die Ziege; es

identifiziert sich mit der Rolle. Das wird sich im Jugendalter

von Grund auf ändern.

In den mittleren Schuljahren

Im Kind der mittleren Schuljahre (3.-5./ 6.Klasse)

zündet in der Tat die Mitte, von kräftigem Erleben

und inneren Bildern aufgerufen; es ist hier noch

kaum ein seelisch-persönliches Gestimmtsein.

Man wird an typischen Beispielen aus dem aktuellen

Spielgeschehen eindeutige und allgemein

gültige Seelen-Gesten in Haltung, Bewegung und

Gang üben, individuell noch in keiner Weise differenziert:

Ehrfurcht, Stolz, Begrüssung, Verneinung;

den Alten, den Frechdachs; Humpeln… Auch in diesem

Alter schlüpft der Schüler mit erstaunlichen

Spontankräften und geschmeidig in eine Rolle.

Und der Dramatiker im Lehrer wird mit Begeisterung,

Schwung und Humor – was im Griechischen

soviel heisst wie «Saft»! – dem Schüler zur Seite

stehen! Einer Wortgestaltung kann man im Ausdruck

übend auch phantasievoll etwas nachhelfen:

Jetzt sprichst du stolz wie ein Held; wie ein altes

Mütterchen; freudig, gemütlich; tröste, schimpfe,

flüstere… Sprache, die das kleinere Kind noch physisch-rhythmisch

bewegt hat, wird hier vom Bilderleben

ergriffen.

Auf beiden Stufen ist es sinnvoll, nur Stoffe aus

dem Unterricht oder zum Festeskreis in szenisches

Darstellen zu bringen, sozusagen als erlebnismässige

Intensivierung von Unterrichtsinhalten. Das

ist im Grunde auch für Spiele zum Abschluss der

Klassenlehrerzeit das Richtige. Es herrscht aber auf

Das eigentliche Dramatisieren setzt mit dem Anbruch

der Geschlechtsreife ein, wo der Jugendliche sein Eigenseelisches

energisch aus der Umwelt herauslöst

und durch emanzipatorischen Ruck in ein Gegenüber

gerät.

dieser Stufe von verschiedenen Seiten her eine Art

«Spiel-Druck», der hinterfragt werden muss. Gesichtspunkte

für ein dramatisches Arbeiten bleiben

pädagogisch-menschenkundliche. Das gilt sogar

für eine Stückwahl bis in die obersten Klassen. So

sah ich auf der Oberstufe nie einen Grund, z.B. die

«Dreigroschenoper» oder den «Besuch der alten

Dame» zu wählen. Das sind zwar gewichtige Werke

für den Literaturunterricht; aber sich mit Leib und

Seele damit selber tätig wochenlang tief zu verbinden,

habe ich nie als stimmig und hilfreich für einen

Reifeprozess des jungen Menschen empfunden.

Nach der Geschlechtsreife

Das eigentliche Dramatisieren setzt mit dem Anbruch

der Geschlechtsreife ein, wo der Jugendliche

sein Eigenseelisches energisch aus der Umwelt

herauslöst und durch emanzipatorischen Ruck in

ein Gegenüber gerät. Das urdramatische Element

im alten griechischen Drama ist denn auch das Gespräch,

das «Wortgefecht» mit einem Gegenüber

(die Stichomythie) oder, wenn’s schlimm wird, der

verbale «Schlagabtausch» – bis sich durch Argumentieren

ein Sieger oder Konsens ergibt.

Zudem ergreift beim Eintritt ins Reifealter ein typisches

Reduktionsgeschehen Sprache und Bewegungsabläufe

des jungen Menschen. Ein ehemals

so Leichtes und Harmonisches in Schritt und Bewegung

wird erfasst von träger Schwere; die Sprache,

vor allem die der Burschen, wird wortkarger bis zum

Einsilben-Satz. Ein Gespräch unter Neuntklässlern

vor Schulbeginn kann wie verbales Pingpong tönen:

«Hoi! – Zäme! – Bisch gsy? – `türlech! – Und?

– Mega!» Aber sie verstehen sich. Der Verlust ist Voraussetzung

für einen Neubeginn. Ein Neues individueller

Prägung bahnt sich an in Wort und Gestik;

aber es stellt sich nicht mehr, wie das mitbekommene

Alte, von selber ein. Es beginnt ein Übungs-

Weg und eine Schulung – Training heisst das im

Sport. Was dem Kind im Gehen, Sprechen und Denken

noch ganz elementar und naturhaft geschenkt

war, muss der Jugendliche in einem Neuaufbau sich

nun «individuell-massgeschneidert» erarbeiten.

Und hier setzt, neben manch anderem, der Zauber

des Dramatisierens als begleitender Helfer und damit

unsere eigentliche Theateraufgabe an! Was vorher

Spiel war, wird zur Kunst. Jede Kunst gründet

auf einem gewissen Können und damit auf Technik

(griech. «Handhabung», «Kunsthandwerk»!) – ein

erster Haken: Wer das Schulorchester leitet, muss

das «Metier» verstehen; und mitspielen kann nur,

wer durch Üben auf seinem Instrument technisch

einen gewissen Stand erreicht hat – Theater leiten

und spielen? «Das kann doch jeder»! Darum lebt

hier manches aus Improvisation und Dilettantismus.

Tröstlicherweise heisst dilettare = erfreuen!

Und das ist immerhin ein Element, das zwar eine

Technik nicht erübrigt, aber ohne das auch nichts

lebt, schwingt und trägt.

Die Technik erarbeiten

Der zweite Haken: Wir müssen uns eine Technik

auch wirklich erarbeiten! Für den Regisseur ist vor

allem der erste Teil des Dramatischen Kurses von

Steiner (GA 282) eine Fundgrube, eigentlich eine

Voraussetzung; nicht als Rezept-, aber als Schu-

Reginald Rose

«Die zwölf Geschworenen»,

10. Klasse

4 Der Schulkreis 4/10

Der Schulkreis 4/10 5

schwerpunkt


schwerpunkt

lungsbuch, in das man sich einarbeiten

kann. Und Sprachgestaltung tut jedem

gut! Zudem wird man sich nicht scheuen,

Kollegen mit viel Erfahrung um Rat und

Hilfe anzugehen. Aus Unsicherheit werden

heute vermehrt auch Theaterfachleute

(nicht nur Theaterpädagogen) beigezogen.

Als Lehrer kann man da manches lernen;

aber pädagogische Gesichtspunkte

zur Menschenbildung auch im Reifealter

bleiben dabei nur zu oft auf der Strecke;

manches gerät zwar auf der Bühne in

verblüffend wirksame Selbstdarstellung

und Pose; mit unserer Aufgabe hat das

nichts zu tun.

Beflügelnder «Chrampf»

Die Hauptarbeit besteht nun für den Spieler

darin, ein von der Rolle Gefordertes

und innerlich Mitempfundenes äusserlich

stimmig sichtbar und hörbar zu machen,

also für ein Gedankliches einen

gleichsam Seelen-kongruenten Ausdruck

in Wort und Geste zu finden – ein umgekehrter

Weg zum frühkindlichen Gehen-,

Sprechen- und Denken-Lernen. An diesem

Zusammenhang zu arbeiten war für mich

stets ein Hauptanliegen, weil wir damit einen

Entwicklungsprozess künstlerisch begleiten

können. Den Schüler beflügelt und

befreit es ganz offensichtlich; und wenn

es gelingt, ermutigt und stärkt es, wie anstrengend

ein solch minutiöses Arbeiten

auch sein mag. So schrieb ein Mädchen

am Schluss einer intensiven Probenzeit:

«Ich fühle mich viel sicherer; jetzt habe

ich Selbstvertrauen.» Und ein gemütlicher

Junge hat nach einer ausgiebigen Probe

lächelnd geseufzt: «I ha gar nid gwüsst,

dass Theatere e settige Chrampf isch!

Aber i bi nach dr Prob geng e chly weniger

müed als vorhär.»

Rollenverteilungsfragen und anderes

müssen wir überspringen; nur so viel: Die

Rolle darf erst auswendig gelernt werden,

wenn sie gründlich durchcharakterisiert

ist und die ersten Einzelproben zur Charaktererfassung

stattgefunden haben. Es

bleibt sonst gerne «Text» und tönt «auswendig».

Für die so ausschlaggebende

«Detailpflege», die eigentliche Hauptarbeit,

müssen zwei kleine Arbeits-Beispiele

genügen.

Dazu eine Vorbemerkung: Wenn die Spieler

schon etwas können, gebe ich gerne

leise «Kommentare», während sie spielen,

und sie dürfen dabei nicht aus der Rolle

fallen! (Für 8.-Klässler oft noch schwierig.)

So wird versucht,

– die um den Text herum herrschende

Stimmung für den Moment lebendig zu

machen, so dass der Spieler nicht «dran

denken» muss;

– Pausen, in denen vorbereitend und

nachklingend Wesentliches geschieht,

zu halten;

– Gebärden, auch Sprachgebärden zu finden;

den Gang zu gestalten usw.

«Achtung vor dem Wort ist die

erste Forderung in der Disziplin,

durch welche ein Mensch zur Reife

erzogen werden kann – intellektuell,

im Gefühl und sittlich.»

Dag Hammerskjöld 1955

nen andern? (Um Gotteswillen!) Einen andern

Mann? (Hat sie nicht gesagt!) Mehr

als Admetos? (Jetzt gib ihr! Wirksam!)

Dann geh, Prinzessin, (nachdoppeln!)

und geh schleunigst! (Enttäuschung! Wegwenden!

Abschliessen!) Wir haben uns in

dir getäuscht. (Dazu fand die Spielerin

eine wunderbare Armgebärde, als würde

sie frösteln und einen Mantel vornüber

schliessen).

So treiben nicht Unterbrüche mit langen

Erklärungen den Spieler immer wieder aus

dem gestalterischen Prozess reflektierend

heraus, zudem entstehen stimmige Pausen.

Was sich zunächst als starke Führung

vom Regisseur her ausnimmt, erweist sich

bei fortschreitender Arbeit als Hilfe zur

Eigenständigkeit im Ertasten und Finden

einer künstlerisch stimmigen und befriedigenden

Gestaltung von Sprache und

Gestik. Denn irgendwie müssen wir die

angedeutete Problematik mit der künstlerisch-technischen

Handhabung, die

der Musiker voraussetzt, mitlaufend halt

üben. Künstlerische Führung heisst noch

lange nicht: Rückfall ins Autoritätsalter!

Mehr und mehr wird sich der Regisseur zurücknehmen

können bis auf ermunternde

Zurufe. Seelisch engagiert begleiten wird

er bis «äne use»!

Stimmungsqualitäten

Beispiel «Lautstimmung» (aus «Alpenkönig

und Menschenfeind» von Raimund;

8.Klasse):

Der Spieler des Menschenfeindes Rappelkopf

bringt einen Satz, der das grämlichsaure

Wesen der Rolle deutlich machen

sollte, kaum über eine nette Mitteilung

hinaus.

RAPPELKOPF: «Die Welt ist nichts als eine

giftige Belladonna, ich habe sie gekostet

und bin toll davon geworden.»

Statt grosser Erklärungen kam uns ein

Lautstimmungs-Trick zu Hilfe: Der Spieler

intonierte den Satz immer wieder auf den

Vokalstand «ä». So aufgeschrieben, ist er

kaum zu lesen, man muss ihn sprechen:

«Dä Wält äst nächts äls änä gäftägä Bällädännä,

äch häbe sä gäkästät änd bän täll

dävän gäwärdän.»

Die Galle läuft über und der feindselige

Griesgram stellt sich gründlich ein. Andere

Lautstände ergeben völlig andere Stimmungsqualitäten.

Sogar bei einer solchen

spielerisch-lapidaren Übung zeigt sich

Grösse und Macht eines Lautes; die Spieler

erfahren es staunend-lachend.

Über sich hinaus…

So differenziert wird man selbstverständlich

nicht das ganze Stück üben können.

Es kommt ja meist der beglückende Moment,

wo aus der Saat im Spieler Eigenes

aufspriesst. Jedenfalls ist es gut investierte

Zeit nach innen, die einem gelegentlich

ausufernden «multikulturellen

Betrieb» nach aussen sinnvolle Grenzen

setzen kann.

Solche Feinarbeit befähigt die jungen

Menschen auch, Charaktereigenschaften

darzustellen und auszuprobieren, die

sie selber gar nicht oder noch nicht haben

und vielleicht gar nie haben wollen:

gerade darum das beste Übgelände in

einem Alter individueller Neugestaltung

und Selbstfindung! Den einmal schriftlich

von einem etwas scheuen Mädchen geäusserten

Wunsch nach einer bestimmten

Rolle (einem frechen Stück!) erlebte ich in

diesem Sinne: «Ich möchte unbedingt die

Rolle spielen», schrieb es, «weil ich selber

nicht so sein kann!» (Mit Ausrufzeichen

versehen bis zum Ende der Zeile!)

Der Wunsch nach dem Gegenteil einer

Selbstdarstellung wurde zum glänzenden

Erfolg! Mit künstlerischem Rüstzeug über

sich selbst hinaus spielen und wachsen zu

können, ist befreiende Hilfe auf dem Weg

zur eigenen Persönlichkeit!

Wann spielt man was? – Klassenspiele als pädagogische Aufgabe

Die werdende Seele ernähren

In einem ausführlichen Beitrag für der Rundbrief

der Pädagogischen Sektion an der Freien Hochschule

für Geisteswissenschaft Goetheanum hinterfragt

Christof Wiechert pädagogische Gewohnheiten

in der Praxis der Rudolf Steiner Schulen.

Dabei kommt er auch auf die Klassenspiele zu

sprechen. Der SCHULKREIS dokumentiert einen

Auszug.

Schaut man sich in der theaterpädagogischen Szene

um, so erlebt man ein reges Leben auf den verschiedensten

Ebenen, zwischen Kindergarten und

Betrieb, zwischen Gymnasien und Jugendarbeit in

sozialen Brennpunkten. Auch wird bei verschiedenen

Gelegenheiten der Beruf des Theaterpädagogen

definiert und dargestellt, welche Kompetenzen

er/sie zu entwickeln habe. Wenn man sich aber eine

Übersicht über die vorhandene Literatur verschafft,

schaut man vergebens auf eine Schlüsselqualifikation:

Wann spielt man was?

Spielfreude in der Unterstufe

Die Beantwortung dieser Frage führt uns zum Mehrwert

der Rudolf Steiner Schule. Und es ist diese Frage,

die Rudolf Steiner, meines Erachtens zögerlich

machte in Bezug auf das Schauspielen. Es gibt eine

grosse Fülle von zu spielenden Klassenspielen für

die Unterstufe. Jeder Pädagoge fühlt, dass er beurteilen

muss, was er wann spielt. Ist die Zauberflöte

als Singspiel in dem 6. Schuljahr angebracht? Ab

wann spielt man Dramatisches? Das reizende Musical

«Fiddler on the Roof» (Anatevka) hat starke dramatische

Inhalte und ein Ende in Moll. Wann kann

man das spielen? Wie ist es mit dem Verhältnis von

Spielfreude und Spielzwang? Die Spielfreude macht

einen beträchtlichen Teil der pädagogischen Leistung

aus. Was ist altersgemäss? Was fördert den

werdenden Menschen, was nicht? Um es auf den

Punkt zu bringen: Wann überfordert man, wann

ernährt man, wann unterfordert man die werdende

Seele? Es sind dies Grundsatzfragen. Man kann sie

ausklammern, aber ich meine, in der Rudolf Steiner

Schule sind wir bemüht, Mehrwert herzustellen.

Junge, offene Seelen

Wie jung ist die Seele, wie offen eines Oberstufenschülers?

Folgende Übung kann behilflich sein. Man

schaue und höre sich einen gemischten Chor an,

bestehend aus Erwachsenen, der irgendein Werk

zur Aufführung bringt. Man höre hin, man sieht

das Bemühen an den Gesichtern. Man versucht

zu einem Eindruck zu kommen. Dann dieselbe Situation

mit einem bestehenden Oberstufenchor,

auch gemischt, der irgendein Werk zur Aufführung

bringt. Auch hier versuche man zu einem Eindruck

zu kommen. Und er stellt sich schnell ein: Ton und

Gesichtsausdruck machen einen viel jüngeren Eindruck

als wir (...«die sind doch schon fast erwachsen...»)

erwartet haben. Alles ist jung, wie noch

unberührt von der Seele der Klang, aber auch im

Gesichtsausdruck. Man steht, auch heute noch,

wie vor einem Wunder. Manchmal erscheint einem

das Gesicht eines Jugendlichen bei einer musikalischen

Betätigung als scheine die eigentliche Individualität

durch.

Dieser Einwurf sei hier erlaubt, damit der Leser

ein Gespür dafür entwickeln kann, worum es geht,

wenn wir mit den Oberstufenschülern Theater machen.

Ab dem vierzehnten Jahr kann schrittweise

auf das Dramatische im Spiel eingegangen werden.

So kann man zum Beispiel die Dramatik in Dickens

«Christmas Carrol» ganz ausgezeichnet benutzen

für ein achtes Schuljahr, denn es gibt nicht nur ein

Happy End, sondern die Dramatik ist romantischlebensnah,

wie es halt bei Dickens ist und generiert

wie von selbst Spielfreude. Desgleichen in einigen

Werken auch von Nestroy. So kann man in der Mittelstufe

gut und gerne die «märchenartigen» Shakespeare-Stücke

geben, wie «Sommernachtstraum»,

«Der Sturm» und «Wie es euch gefällt».

Problematische Rollen

Es muss darauf hingewiesen werden, wie bedeutend

der Unterschied zwischen Lesen und Spielen

ist. So bejaht Steiner auf Anfrage, dass man den

Macbeth lesen kann in der Achten. Fügt aber hinzu:

«Umzugestalten braucht man nur die Dinge die

man den Kindern nicht geben kann.» Ich nehme an,

dass er das nie für eine spielende Aufführung getan

hätte.

Was kann man nicht geben? Wie geht man im Schauspiel

mit Rollen um, wo die Rolle vorschreibt, dass

der Protagonist den Verstand verliert, verrückt wird

(z.B. der Museumsdirektor in «Peer Gynt»)? Darf

man das jungen Leuten zumuten, die eine ungefestigte,

werdende Persönlichkeit sind? Kann man

Stücke spielen, die nur negativ sind (Bluthochzeit)?

Kurz, es soll diskutiert werden, wie auch noch in der

Oberstufe das Schauspiel eine pädagogische Aufgabe

hat, wenn wir uns im Kontext der Rudolf Steiner

Schule aufhalten und es nicht nur ein Event sein soll.

6 Der Schulkreis 4/10

Der Schulkreis 4/10 7

Ein Beispiel

Beispiel «Minutiöses Arbeiten» (aus der

«Alkestiade» von Thorton Wilder; 10.Klasse):

AGLAIA: (Regisseur schnurrt leise und

schnell, aber intensiv dazwischen: überzeuge!

Eindringlich!)

In ganz Griechenland fändest du keinen

besseren Mann zum Gemahl und keinen,

der gerechter ist, der…(Pause! Es ist dir ein

Anliegen! Greif Anlaute… mehr geliebt...)..

der mehr geliebt wird.

ALKESTIS: Das alles weiss ich, Aglaia…(innig,

leise) Auch ich liebe Admetos. (Stärker)

Darum bin ich doppelt unglücklich

(Geständnis!) – denn es gibt einen andern,

(scheu!) den ich mehr liebe.

AGLAIA: (Es verschlägt dir den Atem!) Eischwerpunkt


European Council

European Council for Steiner Waldorf Education (ECSWE)

Soziale Inklusion durch

interkulturelle Bildung

Mit Zirkuspädagogik, dem Konzept der «Interkulturellen Waldorfschule»

Mannheim (D) sowie dem Begriff und der Praxis der «Inklusion» beschäftigte

sich die Herbstkonzerenz des European Council für Steiner Waldorf

Education im September an der Ruldof Steiner Schule in Dietzenbach, der

Freien Hochschule Mannheim und der Interkulturellen Waldorfschule Mannheim.

Thema: «Soziale Inklusion durch interkulturelle Bildung». Inklusive

Pädagogik ist laut Wikipedia ein Ansatz der Pädagogik, dessen wesentliches

Prinzip die Wertschätzung der Vielfalt in der Bildung und Erziehung

ist. Sie betrachtet die Heterogenität als eine Gegebenheit, die die Normalität

darstellt - und plädiert für eine Schule, die die Bildungs- und Erziehungsbedürfnisse

aller Schüler befriedigt.

Die öffentliche Veranstaltung des European Council

for Steiner Waldorf Education begann im Zelt des

Zirkus Chicana vor über sechzig Zuhörern aus zwanzig

Ländern. Der Kinder und Jugendzirkus Chicana

entstand an der Waldorfschule in Dietzenbach. Aufgrund

der großen Nachfrage ist er inzwischen auch

außerhalb der Schule mit einem eigenen Zirkuszelt

tätig. Er bietet neben ständigem Training für die Zirkusmitglieder

überregional Zirkusworkshops, Seminare

(auch für Erwachsene) und Aufführungen in

allen Variationen an. Bei atemberaubenden Darbietungen

in Akrobatik und Jonglage mit Kugeln, Keulen

aber auch Klötzen kamen die Fähigkeiten der

Kinder und Jugendlichen zum Ausdruck. Für Diana

Williams, Leiterin von Chicana sind Zirkusprojekte

«soziale Kunstwerke».

Die Grundlagen der Artistik hat sich der Waldorflehrer

Hans-Günter Bartel sukzessive in der eigenen

Klasse angeeignet. In der 1. Klasse nähten Eltern

für ihre Kinder Jonglierbälle, die dann täglich

im Unterricht eingesetzt wurden. In den folgenden

Jahren wurde aus diesem bescheidenen Anfang der

Zirkus Waldoni. Bartel arbeitet heute mit Kindern

und Jugendlichen in städtischen Brennpunkten von

Darmstadt und erzielt durch seine Arbeit ermutigende

Erfolge sozialer Integration. Neben Circusworkshops,

Kunstwerkstätten mit Bildhauen, Malen,

Schrottkunst, werden auch Ferienkurse angeboten.

Zirkuspädagogik hat sich mittlerweile an

vielen Waldorfschulen einen festen Platz erobert.

Alleine im Bundesland Hessen haben sieben von

zehn Schulen eigene Zirkusprojekte.

Vielfalt der Kulturen

Ein weiterer Eckpunkt der Herbstkonferenz war die

Auseinandersetzung mit dem Konzept der Interkulturellen

Waldorfschule in Mannheim. Rund 50% der

Schülerinnen und Schüler haben dort einen Migrationshintergrund.

Auch das Lehrerkollegium ist international

zusammengesetzt. Wie an den meisten

Waldorfschulen wird Englisch ab der 1. Klasse unterrichtet.

Eine Besonderheit ist jedoch der «begegnungssprachliche

Unterricht». Dieser findet

klassenübergreifend von der 1.-3. Klasse statt und

wird u.a. in Polnisch, Serbokroatisch, Türkisch an-

geboten. Hier müssen sich die deutschsprachigen

Schüler in einer unbekannten Unterrichtssprache

und mit fremden kulturellen Gebräuchen auseinandersetzen,

während die Migrantenkinder sich

«zu Hause» fühlen dürfen. Französisch, als zweite

Fremdsprache, löst den begegnungssprachlichen

Unterricht in der 4. Klasse ab. Interkulturelle Themen

werden durchgängig in den Unterrichtsstoff

und in die verschiedenen Projekte eingebunden.

Mit dem Unterrichtsfach «Orientalische Musik und

Bewegung» wird das Interesse und die Freude an

der Vielfalt der Kulturen in besonderem Mass geweckt.

Eine erste wissenschaftliche Untersuchung

zeigte, «...dass die bei Schuleintritt bei den Migrantenkindern

vorhandenen erheblichen Sprachdefizite

im Laufe von zwei Jahren behoben werden

konnten und dass hierzu über die allgemeine ganzheitliche

Sprachförderung nach den Methoden der

Waldorfschule hinaus keine gesonderte Einzelförderung

notwendig war.»

Eigene Identität bilden

Die Auseinandersetzung mit sozialer Ausgrenzung

und Inklusion sind auch ein wichtiges Motiv in der

Lehrerbildung an der Freien Hochschule Mannheim.

Dort arbeiten alle Studentinnen und Studenten

einmal pro Woche auswärts an öffentlichen Einrichtungen

in einem sozialen Brennpunkt. Für Dr.

Albrecht Schmelzer, Leiter des Instituts für Interkulturelle

Pädagogik an der Freien Hochschule, bietet

die Waldorfpädagogik beste Voraussetzungen für

eine Schule, die Verständnis für Menschen mit anderen

religiösen oder kulturellen Werten weckt.

Interkulturelle Pädagogik weist den Weg, dass

jede Schülerin, jeder Schüler seine eigene Identität

bilden kann.

Wie interkulturell Waldorfpädagogik heute ist,

zeigte sich auch darin, dass neu Armenien und Estland

im European Council for Steiner Waldorf Education

mitarbeiten. Die Schule in Armenien wurde

1994 gegründet und hat heute 270 Schüler/innen.

Die wirtschaftliche Situation ist prekär, die Lehrer/innen

verdienen rund 200 Euro und müssen

deshalb neben der Schule einem Zusatzverdienst

nachgehen. In Estland wurde die erste Schule 1990

gegründet. Heute gibt es sechs Schulen mit über

400 Schüler/innen. Die grösste befindet sich in

Tartu mit 175 Schüler/innen in den Klassen 1-12.

Die Waldorfschulen werden in Estland als Teil des

öffentlichen Bildungswesens geschätzt und sind

zu 75% vom Staat subventioniert, wenn auch zu

tiefen landesüblichen Ansätzen.

Roland Muff

Lindenschule, fürs Leben – gern lernen, Oberkirch LU

Die individuellen Lebensblüten in

der Gemeinschaft entfalten

An der Lindenschule sehen wir jedes Kind als einzigartiges

Wesen mit ureigenen Potenzialen. Wir bieten dem Kind eine

vielfältige und natürliche Umgebung sowie eine achtsame

Gemeinschaft, wo es sich im Spiegel der Natur und der grossen

«Familie» entdecken, entwickeln und entfalten kann.

Dazu braucht das Kind Selbstverantwortung, Initiative und

Durchhaltevermögen. Eigenschaften, an welche es mit Unterstützung

der BegleiterInnen

und der

anderen Kinder herangeführt

wird.

Die Betreuung wird

von 7.30 bis 18 Uhr angeboten;

der eigentliche

Schulbetrieb

läuft von 9 bis 17 Uhr.

Alltägliche Arbeiten

wie Kochen, Tischen,

Abwaschen, Putzen

und Wäschewaschen

werden ins Tagesprogramm

integriert, damit

sich die Kinder als

für die Gemeinschaft

mitverantwortlich erleben.

Der Betrieb erstreckt sich über 45 Wochen pro Jahr

und konzentriert sich auf vier Tage pro Woche.

Demokratisch …

Gemeinsame Aktivitäten werden wöchentlich in Versammlungen

diskutiert und festgelegt. Anliegen, Ideen und Konflikte

werden dabei ebenfalls besprochen. Dadurch lernen

die Kinder die Funktionsweise einer demokratischen Gemeinschaft,

das Zuhören und das Respektieren von Mehrheitsbeschlüssen,

Toleranz, Mitgefühl und gemeinschaftliche Fürsorge.

Eine ideale Vorbereitung für die aktive Mitgestaltung im

Staat, an Arbeitsplätzen und/oder in Vereinen. Passend dazu

ist die Lindenschule Mitglied des Europäischen Netzwerkes

demokratischer Schulen (EUDEC).

In Schulen dieses Netzwerkes wirken Kinder an verschiedenen

Entscheidungsprozessen der Schule mit. Kernpunkt

ist jedoch der eigene Lernprozess, welcher sich im kantonalen

Rahmen individuell am inneren Lernplan orientiert.

Zusammen mit einer Betreuerin oder einem Betreuer macht

das Kind wöchentlich eine Standortbestimmung und legt auf

dieser Basis die nächsten Lernziele fest. Es lernt sich dadurch

selbst eingehend mit allen Stärken und Schwächen kennen.

Einerseits durch die eigenverantwortliche Arbeit an den Lernzielen

selbst, andererseits über den Weg dorthin. Kann es sich

Die Lindenschule animiert die Kinder mit der vielfältigen Umgebung

eines Bio-Knospen-Bauernhofes, ihre individuellen

Potenziale zu entdecken und diese in Selbstverantwortung

und mit Eigeninitiative zu entwickeln. Als Gesamt- und

Tagesschule kommt dem Leben in der Gemeinschaft eine

besondere Bedeutung zu.

auf ein Ziel ausrichten und konsequent darauf hinarbeiten?

Kann es sich an Vereinbarungen halten? Kann es trotzdem im

Lebensfluss bleiben, momentane Bedürfnisse von sich selbst

wie zum Beispiel den inneren, ablenkenden Drang nach Bewegung

erkennen und sich entsprechend kurzfristig anpassen?

Nimmt es die umgebende Gruppe wahr, z.B. ein Kind

in Schwierigkeiten, und erinnert es sich an Aufgaben für die

Gemeinschaft wie beispielsweise

ans Tischdecken?

… und vielfältig

Im Lernprozess sehr

hilfreich ist das Umfeld

der Gesamtschule. Ein

jüngeres Kind hat über

viele Altersstufen hinweg

Vorbilder für die

persönliche Entwicklung

wie auch für den

schulischen Lernprozess.

Umgekehrt hat

ein älteres Kind jederzeit

die Möglichkeit,

im Kontakt mit einem

jüngeren Kind bereits vollzogene Schritte zu vertiefen und

sich selbst im sozialen Kontext zu erleben. Zum Beispiel, indem

es sich mit jüngeren Kindern bewegt oder ihnen eine

Geschichte erzählt. Ältere wie auch jüngere Kinder erleben

sich zudem stets im Spiegel der anderen, erkennen die eigenen

Stärken und können anderen etwas beibringen oder

erläutern. So ist keines das schwächste Glied, sondern alle

haben Lernfelder, wo sie anderen voraus sind und wo sie entsprechend

das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl

stärken können.

Die vielfältige Förderung der Kinder wird massgeblich unterstützt

durch die Integration der Schule in einen Bio-Knospen-

Bauernhof mit direkt angrenzendem Wald und Bach sowie

mit Tipi und Jurte. Diese Umgebung bietet viel Raum für die

motorische Entwicklung. Zudem kann das Kind die Natur mit

allen Elementen sowie die landwirtschaftliche Produktion im

Jahreszyklus intensiv erleben.

Muran Jürg Müller, Prof. Dr. sc. nat., ist Mitgründer der Lindenschule und

Mitglied der Schulleitung. Der Trägerverein wurde 2007 gegründet. Auf

dem Bio-Knospen-Bauernhof Halde «Oase der Natur» in Oberkirch am

Sempachersee startete der Kindergarten- und Schulbetrieb im Sommer

2009. Die gemeinsamen Aktivitäten des Hofes und der Lindenschule zugunsten

der Biodiversität wurden im Oktober 2010 mit einer Goldmedaille

und einem Preisgeld ausgezeichnet. Aktuell besuchen 16 Kinder im Alter

von 4 bis 15 die Schule. www.lindenschule.ch

8 Der Schulkreis 4/10

Der Schulkreis 4/10 9

Komplementärpädagogik


Forschung

Wie Eurythmie auf das Pflanzenwachstum wirkt

Stärkendes an die

Welt zurückgeben

Bryophyllum-Pflanzen,

deren Samen einmal

mit «L» (links), einmal

mit «B» (rechts) behandelt

wurden.

Im Institut ArteNova erforscht Tanja Baumgartner systematisch

die Wirkung der Eurythmie auf Pflanzen – mit erstaunlichen

Resultaten. Über mehrere Jahre hat sie eindrucksvolle

Belege dafür erarbeitet, welcher intime Austausch mit

der Welt des Lebendigen möglich ist. – Auszüge aus einem

Beitrag von Jens Heisterkamp in «Info3».

Dass Kühe, denen man Mozart vorspielt, mehr

Milch geben, wissen wir seit Längerem. Aber können

Pflanzen, für die man tanzt, anders wachsen?

Das klingt zunächst ungewöhnlich. Die Eurythmie,

mit deren Hilfe das möglich sein soll, ist allerdings

auch kein gewöhnlicher Tanz. Gemäss Rudolf Steiner

stehen die Gesten der Eurythmie unmittelbar

mit dem in Kontakt, was man die organisierende

Schicht der Lebenskräfte oder subtilen Energien

nennt. Dabei handelt es sich um eine Ebene der

Wirklichkeit, die bei allen Erscheinungen des Lebens

erst für die eigentlich gestaltbildende Lebendigkeit

sorgt: für den Aufbau von Gestalt und

Form, für Stoffwechselprozesse und Wachstum.

Die Eurythmistin Tanja Baumgartner ist überzeugt,

dass man durch eurythmische Bewegungen diese

Kräfte des Lebendigen nicht nur künstlerisch darstellen,

sondern auch gezielt einsetzen kann: zur

bewussten Unterstützung von Heilung und Wachstum

insbesondere.

Seit Längerem verfolgt sie diese Idee mit systematischen

Versuchen an Pflanzen, die erstaunliche

Ergebnisse zeigen und Gegenstand wissenschaftlicher

Untersuchungen wurden. Die gebürtige

Schweizerin und Mutter dreier Kinder lebt heute

im südöstlichen Zipfel des Elsass, wo sie sich mit

ihrem Mann ein eigenes, grosszügiges Atelier für

ihre Arbeit aufgebaut hat. Hier sieht der Besucher

auch gleich einige ihrer behandelten «Objekte»,

zahlreiche Töpfe, überwiegend mit Bryophyllum-

Pflanzen, die äusserst unterschiedliche Wuchsformen

aufweisen. Die Pflanzen sind Teil der Forschungsarbeit,

die Tanja Baumgartner seit einigen

Jahren umtreibt. Die eine Gruppe dieser Pflanzen

zeigt deutlich längliche, gradlinig nach oben strebende

Formen; die andere wirkt dagegen eher gedrungen

und neigt dazu, sich nahe am Boden zu

verzweigen. Beide Pflanzengruppen gehören aber

der gleichen Art an, sind gleich alt und haben die

gleichen äusseren Lebens- und Wachstumsbedingungen

gehabt. Der einzige Unterschied: die länglich

gewachsenen Pflanzen wurden eurythmisch

mit dem Laut «L», die gedrungenen mit dem Laut

«B» behandelt.

Wirkungen sichtbar machen

Besser zu verstehen, wie so etwas möglich ist, das

ist für Tanja Baumgartner zum Lebensthema geworden.

Angefangen hatte alles mit einschneidenden

Erfahrungen im therapeutischen Bereich: Bei der

Arbeit mit einer halbseitig gelähmten Patientin, der

die Schulmedizin wegen schwerwiegender physischer

Schädigungen kaum Aussichten auf Besserung

eingeräumt hatte, erfuhr sie, was Eurythmie

erreichen kann: Durch den gezielten Einsatz einer

von ihr entwickelten therapeutischen Eurythmie

über einen längeren Zeitraum liess sich die Bewegungsfähigkeit

der Patientin in einem nicht für

möglich gehaltenen Ausmass wiederherstellen.

Dabei hatte sie «nur» über einen längeren Zeitraum

einige der klassischen eurythmischen Laut-

Gesten eingesetzt.

Dieser Fall rief allerdings auch ungläubige Skepsis

hervor, so dass sich für sie die Frage stellte, ob es

einen Weg gibt, die Wirksamkeit der Laute gewissermassen

«objektiv» sichtbar zu machen. «In dieser

Situation sprang mich eines Tages ein Glyziniensamen

geradezu an», erzählt Tanja Baumgartner.

So entstand ihr Entschluss, mit den Samen dieser

Pflanze eurythmisch zu arbeiten – ein Gebiet, für

das es bis dahin keinerlei Vorarbeiten gab.

Einen ersten Anhaltspunkt boten dabei die Laut-

Gesten, die in der Eurythmie den vier Elementen

zugeordnet werden: das flüssige «L» für Wasser,

das bewegte «R» für Luft, das feste «B» für Erde

und das überbewegliche «S» für Feuer. Die Samen

wurden bei den entsprechenden Bewegungen

an vier Tagen jeweils für etwa fünf Minuten in die

Hand genommen und anschliessend eingepflanzt.

Tanja Baumgartner war bald überzeugt, in den unterschiedlichen

Wuchsformen der Sprösslinge den

Einfluss der Eurythmie-Gesten wiederzuerkennen.

Bei der mit «B» behandelten Pflanze zeigten sich

beispielsweise eng ineinandergeschobene Blätter

mit engen Abständen, bei der mit «S» behandelten

war eine starke Rankenbildung erkennbar.

Systematische Erforschung

In einem nächsten Schritt kam Tanja Baumgartner

die Idee, ihre Ergebnisse mit einem vielseitig

zusammengesetzten Kreis von Menschen zu diskutieren.

Ein wichtiger Kontakt wurde zu einem –

zufällig namensverwandten – Wissenschaftler der

Universität Bern geknüpft: Dr. Stephan Baumgartner

regte an, die Versuche künftig vor allem

mit schnell keimenden Kressesamen

durchzuführen. Später stiess der Mathematiker

und Philosoph Dr. Renatus Ziegler

zu dem Kreis, der später ArteNova leiten

sollte, das Institut für Eurythmie in Forschung

und Kunst. Im Weiteren engagierte

sich auch der emeritierte Biologe und

Termitenforscher Prof. Reinhard Leuthold

für diese Forschungsarbeit.

Man entschied sich, die Behandlung vor

allem auf die zwei polaren Laute des «L»,

das eher weitend wirkt, und des «B», das

eine eher begrenzende Geste hat, zu konzentrieren.

«Schon nach einer einmaligen Anwendung

von Eurythmie über etwa zehn Minuten

kann man später an den Pflanzen

einen Unterschied sehen», erklärt Tanja

Baumgartner. Eine grundlegende Tendenz

zeigte sich dabei schon sehr früh: Das «L»

wirkt wachstumsfördernd, führt zu geradlinigen

Wuchsformen, das «B» dagegen

eher wachstumshemmend, zu gedrungenen

Formen – allerdings nur, wenn es sich

um eine länger andauernde Einwirkung

handelt. Bei kurzen, einmaligen Anwendungen

verhält es sich sogar umgekehrt:

Dda wirkt das einmal angewendete «B»

beschleunigend. «Man kennt das auch

aus der Homöopathie, wo eine einmalige

Dosis den Organismus stark anregen

kann», so Tanja Baumgartner.

Wissenschaftliche Bedingungen

Die eigentliche Forschungsarbeit verlief

aber unter akademischen Laborbedingungen:

klar protokollierte, wiederholbare

Behandlungsabläufe mit Samen, die zum

Wachstum in Plastiktütchen eingeschlossen

und nur mit destilliertem Wasser angesetzt

wurden, um jegliche sonstige

Fremdeinwirkung auf das Wachstum auszuschliessen.

Im Laufe von mehr als drei

Jahren hat Tanja Baumgartner gemeinsam

mit den beteiligten Wissenschaftlern auf

diese Weise mehr als hunderttausend Versuchskeimungen

ausgewertet.

«Mir geht es nicht um die Steigerung wirtschaftlichen

Erfolges, sondern um die

Entwicklung des Zukunftspotenzials, das

durch Rudolf Steiner mit der Eurythmie

gegeben wurde. Eurythmie kann in viel

mehr Bereichen, als bisher gedacht wurde,

im Alltag real angewendet und umgesetzt

werden. Damit kann der Mensch etwas

Stärkendes an die Welt, an die Natur

zurückgeben und damit Verantwortung

für die Weiterentwicklung übernehmen.»

Jens Heisterkamp/jö

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus

Info3, Ausgabe Februar 2010. www.info3.de.

Weitere Informationen: www.institut-artenova.ch

Selbstbejahung

«Ja, ich kann» überschreibt «unerzogen» einen Beitrag des Neurowissenschaftlers

Manfred Spitzer über Selbstbejahung, den er selbst so zusammenfasst (gekürzt): «Es

ist nicht egal, was jemand über sich denkt. Wer schlecht über sich denkt, antizipiert

eigenes Versagen, gerät dadurch in Stress und versagt tatsächlich. Daher sind Studien

von besonderer Bedeutung, die nachweisen, dass man effektiv gegensteuern

kann. Gelegentliche kleine, aber ernsthaft erfolgende Episoden der Selbstbejahung

können zu einer Art Dominoeffekt führen. Es kann – ohne grossen Aufwand! – zu

einer Aufwärtsspirale kommen, zu besseren Leistungen, in der Folge zu einem

besseren Selbstbild und damit zu nachhaltigen besseren Leistungen. Dabei muss

die Selbstbejahung nicht einmal den Bereich betreffen, um den es leistungsmässig

geht. Vielmehr ist darauf zu achten, dass sie einen Bereich betrifft, welcher der

betreffenden Person wichtig ist.»

(unerzogen 3/09/jö)

Bewegung am Wasser

Bewegung im Grünen wie Wandern oder Rad fahren verbessert die Stimmung und

stärkt das Selbstwertgefühl. Wissenschaftler der Uni Essex haben die Daten von

1250 Menschen aus zehn Studien ausgewertet. Die grösste Wirkung war bereits

nach fünf Minuten zu beobachten, verstärkt wird sie durch Bewegung in der Nähe

eines Sees oder Flusses. Am stärksten beeinflusste Bewegung im Grünen (und am

Wasser) die Psyche von jungen Menschen und von psychisch kranken Personen.

(Fritz+Fränzi 8/10/jö)

Augstburger zu Besuch

Eine ganz besondere Deutschlektion erlebten dieses Jahr die Schülerinnen und Schüler

der 10. Klasse der Rudolf Steiner Schule Aargau in Schafisheim: Der Schweizer

Schriftsteller Urs Augstburger kam zu Besuch. Er las aus seinem Roman «Graatzug»

vor, brachte Filmausschnitte und andere Materialien mit, um den Entstehungsprozess

des Buches von der Idee bis zur endgültigen Fassung zu verdeutlichen.

Die Klasse hatte gemeinsam mit ihrer Deutschlehrerin in der vorausgegangenen

Deutschepoche das Buch gelesen und sich mit Literaturanalysen beschäftigt. Urs

Augstburger schilderte anschaulich, wie er die Ideen für den Roman fand und die

ersten Recherchen dafür unternahm. Er beschrieb, wie er die Personen des Buches

entwickelte und verschiedene Handlungen miteinander verknüpfte, bis die Rohfassung

des Buches auf dem Papier stand.

(MM/jö)

Kinderträume

«Es gibt nicht, wie früher, autonome Kinderkulturen, im Wald oder auf entlegenen

Hinterhöfen. Es gibt kaum noch Geheimnisse der Kindheit», beklagt Diplom-

Pädagoge Wolfgang Bergmann in einer Kolumne in «unerzogen»: «Mama weiss

alles, Papa kontrolliert alles – und die unsicheren Kinder trauen sich kaum noch

bei Regen auf die Strasse. Sie könnten sich ja einen Schnupfen holen.» - «Überall

dieser moralisch-kontrollierende normative Blick, die Kleinen bekommen keine Luft

zum freien Leben, zum lauten Spiel, zum Raufen und Streiten und Sich-Vertragen.

Sie werden natürlich nicht friedfertig und leise dabei, sondern unruhig.» Denn «sie

werden mit sich selbst nicht recht bekannt, diese Kinder, sie lernen ihren Körper

nicht im heftigen Spiel und Streit kennen, ihre Fähigkeiten nicht ausserhalb des

bewertenden, rivalisierenden Blicks auf andere Kinder, ihre Gemeinschaft und

Zugehörigkeit nicht ohne den Druck der Selektion.» Überversorgt, insgeheim

angstbereit und träge hockten sie dann vor dem Fernseher oder Computer und

hingen Kinderträumen nach, zieht der Leiter des «Instituts für Kinderpsychologie

und Lerntherapie» in Hannover ein ernüchterndes Fazit.

(unerzogen 4/09/jö)

Klimaakademien

Kinder im Alter von 9-12 werden aktiv für den Klimaschutz – in der Familie, im

Quartier, in der Klasse. Am Anfang dieses Weges steht eine Klimaakademie, die

von «Drudel 11 – Verein für Erlebnispädagogik und Umweltbildung» begleitet wird.

Im ersten Teil der Klimaakademie geht es darum, Aspekte des Klimawandels auf

spielerische Art kennenzulernen. Weshalb erwärmt sich die Erde und was ist daran

so gefährlich? Was verändert sich in der Schweiz, an meinem Wohnort, in meinem

Leben? Mit Hilfe von Übungen und Spielen, welche draussen in der Natur stattfinden,

werden diese Fragen diskutiert und bearbeitet. Dann werden gemeinsam Ideen

gesammelt, was die Einzelnen in ihrem Umfeld gegen den Klimawandel tun können

– kleine, altersgerechte Projekte entwickelt. Alle teilnehmenden Kinder sollen ein

Vorhaben mit nach Hause nehmen, es da umsetzen und anderen davon erzählen.

Die ersten beiden Klimaakademien fanden im Oktober in Basel und im Raum Bern

statt. Weitere folgen kommendes Jahr. Infos unter www.drudel11.ch (Hilde Krug/jö)

10 Der Schulkreis 4/10

Der Schulkreis 4/10 11

aktuell


akteull

Spielgruppenbewegung

Im August fand auf dem Bundesplatz in Bern ein Auftritt der Spielgruppenbewegung

in der Schweiz statt. Auch die Rudolf Steiner-Spielgruppen waren mit dabei. Die Veranstaltung

stand unter dem Motto: «Spielgruppen fordern mehr Anerkennung». Rund

70 Prozent der Kinder in der Schweiz besuchen eine Spielgruppe. Spielgruppen bieten

eine kinderfreundliche, sprachlich und kreativ anregende Atmosphäre sowie niederschwellige

Elternbildung. Viele Gemeinden legen Wert auf frühe soziale Integration

durch Spielgruppen. Nur: Mit der behördlichen Anerkennung ist es noch nicht weit

her. Spielgruppen sind meistens privat organisiert und erhalten keine Subventionen,

weshalb viele Kinder aus Kostengründen keine Spielgruppe besuchen können. Nach

dem Auftritt auf dem Bundesplatz wird auf Gehör gehofft.

(Bettina Mehrtens/jö)

Online-Fachzeitschrift

Die Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn

und das Rudolf Steiner University College

in Oslo geben neu eine internationale Online-Fachzeitschrift

zur Waldorfpädagogik

heraus: «RoSE - Research on Steiner Education».

Ziel des Journals ist es, Grundlagenforschung

und empirische Beiträge zur

Waldorfpädagogik zu fördern. Das Journal

wird im Peer-Review-Verfahren publiziert.

Bei diesem in der Wissenschaft etablierten

Verfahren entscheiden unabhängige

Wissenschaftler und Experten über

die Publikation der eingereichten Artikel.

Jost Schieren, Leiter des Fachbereichs

Bildungswissenschaft an der Alanus

Hochschule: «Das RoSE Journal ist eine

sehr gute Möglichkeit, unseren in den vergangenen

Jahren begonnenen Dialog mit

Hochschulen und Wissenschaftlern auf

dem Gebiet der Erziehungswissenschaft,

Kunst, Philosophie und Gesellschaftstheorie

voranzutreiben». Zielgruppe des

zwei Mal pro Jahr erscheinenden Journals

sind Wissenschaftler und Praxisforscher,

die sich mit der Waldorfpädagogik und

den durch sie angeregten Fachdiskussionen

beschäftigen. Das online für jeden

zugängliche Journal umfasst Texte in

Englisch und Deutsch.

(mm/jö)

www.rosejourn.com

Spiegelungsvorgänge

«Kinder und Jugendliche suchen unbewusst

nach Antworten auf unausgesprochene

Wünsche, welche lauten:

1. Zeige mir, dass ich da bin, lass mich

spüren, dass es mich gibt!

2. Zeige mir, wer ich bin, beschreibe meine

starken und schwachen Seiten!

Lobe mich, aber kritisiere mich auch!

3. Zeige mir, was meine Entwicklungsmöglichkeiten

sind, was aus mir werden

kann! Zeige mir, was du mir zutraust!»,

zitiert das «Forum» der Berner Rudolf

Steiner Schulen den Psychiater und Neurobiologen

Joachim Bauer. Lehrerinnen

und Lehrern rät er, mittels Körpersprache

«deutlich zu machen, dass man präsent

und gewillt ist, als Person zu sich zu stehen,

für die eigenen Vorstellungen einzutreten

und diesen Gehör zu verschaffen.»

Wenn Pädagogen sich «als Menschen

erkennbar machen und Ausstrahlung

entfalten», hinterliessen sie im Spiegelsystem

der Jugendlichen ein Skript: «Jugendliche

nehmen zum einen in sich das

(Spiegel-)Bild dessen auf, das ihnen durch

(gute oder schlechte) Vorbilder zufliesst.

Zum anderen achten Jugendliche darauf,

welches Bild sie ihrerseits in der Wahrnehmung

ihrer Pädagogen erzeugen.»

(Forum 2/10/jö)

Motivation

Wie erzeugen wir Motivation? Gar nicht.

«Mensc hen sind von Natur aus motiviert,

sie können gar nicht anders, denn sie haben

ein äusserst effektives System hierfür

im Gehirn eingebaut», zitiert Henrik Ebenbeck

in «unerzogen» den Hirnforscher

Manfred Spitzer, «dieses System ist immer

in Aktion, man kann es gar nicht abschalten.»

Das Motivations – oder Selbstbelohnungssystem

werde gemäss dem

Neurobiologen und Psychotherapeuten

Joachim Bauer («Lob der Schule») aber

erst aktiviert, wenn der Mensch in ein Netz

tragfähiger Beziehungen eingebunden

sei: «Nur wenn jemand sich wirklich für

den anderen interessiert, beginnt dieses

Regulationssystem zu arbeiten.» Deshalb

könnten einige Lehrer die Motivation ihrer

Schüler doch besser unterstützen als andere:

Sie sähen in den Schülern «nicht nur

Empfänger von Lehrstoff, sondern interessieren

sich tatsächlich für den Menschen,

der ihnen da gegenübersitzt, für dessen

Gedanken, Gefühle, Stärken und Träume»,

folgert Henrik Ebenbeck (unerzogen 3/09/jö)

Königsweg

Eine Lanze für das Imitationslernen bricht

Vera F. Birkenbihl, Leiterin des Instituts

für gehirngerechtes Arbeiten, in einem

Beitrag für «unerzogen»: «Wir könnten

am schnellsten tanzen lernen, wenn wir

zuschauen dürften, bis wir das Bedürfnis

verspüren, vorsichtig ein wenig mitzumachen

und zuletzt können wir die Schritte

ganz alleine nachmachen. Diese Form des

Imitations-Lernens ist der Königsweg,

um Tätigkeiten schnell und ohne Mühe

zu erlernen und betrifft z.B. Sprechen

und Fremdsprachen, Singen, Tanzen,

Wurzelziehen…» Pauken isolierter Informationen

wie Vokabeln, Jahreszahlen,

unverstandene Definitionen hingegen

sei der Versuch, isolierte Info-Bits ins

Gedächtnis einzuspeichern. «Unser Gehirn

kann isolierte Daten jedoch nicht

verarbeiten. Infos müssen in Relation

zu Bekanntem stehen bzw. mit einander

sinnvoll verbunden sein, wie dies in realen

Situationen der Fall ist.» (unerzogen 3/09/jö)

Langweilig und einfallslos

Schlechte Noten für die Schule von Familienwissenschaftler

Wolfgang Bergmann

im Interview mit Fritz+Fränzi: «Die Schule

macht viele Potenziale kaputt, sie ist viel

zu methodisch, viel zu langweilig und

einfallslos.» Am härtesten geht er mit

Lehrplänen ins Gericht «in denen nichts

Kreatives, nichts Überraschendes, nichts

Einzigartiges und Verblüffendes Platz

hat.» Dabei gäbe es längst gute Alternativen

zu dieser Art von Schulen

Fritz+Fränzi 8/10/jö)

Bezaubernde

Elfe

Wen bezaubern sie

nicht, die märchenhaften,

stimmungsvollen

Bilder von

Daniela Drescher?

Nun liegt ein neues

kleines Bilderbuch von ihr vor: «Die kleine

Elfe und der Weihnachtsmann». Ein

Buch von der Kälte, vom Schenken und

Beschenktwerden, vom Sichverlaufen

und Gefundenwerden und natürlich wird

am Ende glücklich Weihnachten gefeiert.

Die Bilder sind warm und detailreich; sie

laden zum Entdecken ein. Der Verlag empfiehlt

das Buch für Kinder ab drei Jahren;

anschauen kann man es sicher auch schon

mit kleineren. Passend zum Buch ist auch

ein Elfen-Adventskalender erschienen. (jö)

Daniela Drescher: Die kleine Elfe und der Weihnachtsmann,

Urachhaus, 24 Seiten, 20.50 Franken

Erlebnis-Praxis

Die Chancen und

Vorteile der Erlebnispädagogik

als

einer Form komplementärer

Pädagogik

(die der

«Schulkreis» in seiner

Frühjahrs-Ausgabe

2010 vorgestellt

hat) sind schnell einmal erkannt.

Der Wunsch entsteht, selbst erlebnispädagogische

Elemente in seinen Unterricht,

seine Wohngruppenarbeit, die Begleitung

von Jugendlichen einfliessen zu lassen.

Aber wie? Darauf gibt jetzt das «Praxis-

Pubertäts-

Sprechstunde

Wenn ich die Internetseite

«www.

PubertaetVerstehen.ch»

noch weiter

aktualisieren

und ausbauen würde,

dürfte ein Buch

darauf seit diesem

Jahr nicht fehlen:

die «Pubertäts-Sprechstunde», der

neueste Band aus der erfolgreichen

«Sprechstunden»-Reihe des Urachhaus-

Verlages. Monika Kiel-Hinrichsen, fünffache

Mutter, Erzieherin und Heilpädagogin,

Beraterin und Autorin pädagogischer

Ratgeber und Helmut Hinrichsen, fünffacher

Vater, Handarbeits- und Biologielehrer,

Suchtberater und Dozent, erinnern

die Lesenden an ihre eigenen Reifejahre,

sie arbeiten «Gesetzmässigkeiten, immer

wieder auftretende Phänomene und Fragestellungen»

heraus – und tragen der

Tatsache Rechnung, «dass jede Generation

und jeder Kulturhintergrund eine

ganz spezielle Pubertät hervorzubringen

scheinen». Sie gehen ganz konkret auf die

Themen ein, die Eltern Pubertierender oft

beschäftigen (Computer, Cannabis, Alkohol,

Partys, Handy, Computer, Mobbing

und Gewalt), bitten aber, sich von dem

Wunsch nach schnellen und sicheren Problemlösungen

wenigstens ein Stück weit

zu lösen – um Raum zu schaffen «für die

Faszination, die den Begleiter von pubertierenden

Jugendlichen ergreifen kann».

Relativ breiten Raum geben sie bewusst

auch der Sicht betroffener Jugendlicher.

Denn letztlich geht es darum, mit ihnen in

uns (wieder) ins Gespräch zu kommen…(jö)

Monika Kiel-Hinrichsen, Helmut Hinrichsen: Pubertäts-Sprechstunde,

Urachhaus, 480 S., Fr. 37.90

Pädagogik der

offenen Tür

Auf den ersten Blick

ein kleines unscheinbares

Büchlein,

doch packt es

den Leser auf jeder

Seite ohne jede

Effekthascherei.

Dem Autor gelang,

was leider so selten

vorkommt: tiefsinnige, ja spirituelle

Gesichtspunkte zu verbinden mit den alltäglichsten

Begebenheiten. Und dies so

spannend und anschaulich dargestellt,

dass man das Büchlein in einem Zug

durchlesen kann. Oder irgendwo beginnen

kann zu lesen, dort wo es einem grad

interessiert. Es geht um die Lust aufs Lehrersein,

es geht um Ermutigung im Erzieherberuf,

es geht um die Freude, den pädagogischen

Alltag zu erleben oder neu

zu finden.

Das Buch kommt genau zum richtigen

Zeitpunkt, nämlich in der Zeit des grossen

Lehrermangels. Vielleicht sind wir ja als

Lehrer mit schuld daran, denn wenn wir

immer von den vielen Lasten, den Problemen

sprechen oder auch ohne Worte den

Eindruck geben, der Lehrerberuf sei geradezu

ein schweres Schicksal, das jemand

auf sich nimmt, müssen wir uns nicht wundern,

wenn zu wenig neue Interessenten

den Weg in die Klassenzimmer finden.

Und wenn sie dann endlich den Weg auf

sich nehmen wollen, zum Beispiel auch

interessierte Eltern oder junge Studierende,

dann ist diese Tür meist geschlossen.

Hier ist ein Hebel der neuen Haltung, einer

offenen Pädagogik, einer Pädagogik

der offenen Türen, ganz wörtlich und auch

im übertragenen Sinne zu verstehen. Wiechert

widmet dem Zusammenwirken von

Lehrer und Schüler ein zentrales Kapitel.

Nie wirkt er moralisierend, sondern immer

konkret und voller Anregungen. So auch in

Bezug zur Pädagogik der offenen Türen.

Wiechert berichtet von seinen positiven

buch Erlebnispädagogik» Antwort, das

Michael Birnthaler herausgegeben hat.

Es vereint Beiträge unter anderem über

die Waldpädagogik, über das Klettern,

Bogenschiessen, Fechten, die Zirkuspädagogik,

über Wettkämpfe, Seilspiele,

Nachtwanderungen, kooperative Abenteuerspiele,

bis hin zum Wandern, Kanu

fahren, den Flossbau und das Mountainbiking:

ein bunter, breit gefächerter Reigen

anregender Kurzdarstellungen – mit

ganz konkreten Tipps für die praktische

Umsetzung.

(jö)

Michael Birnthaler (Hrsg.): Praxisbuch Erlebnispädagogik,

Freies Geistesleben, 400 Seiten, Fr. 43.50

Erfahrungen […] die Tür des Klassenzimmers

nicht mehr zu schließen; Kollegen

und Eltern waren grundsätzlich eingeladen,

am Unterricht teilzunehmen, wann

sie nur wollten. Das gegenseitige Wahrnehmen

der Arbeit erwies sich als fruchtbar.

Ich war mehr wie ich sein wollte und

überwand die geheime Angst vor dem

Angeschautwerden. Den Eltern aber gewährte

es Einblick in die Wirklichkeit des

Unterrichts, wobei ihnen diese Erfahrung

nicht nur Freude machte, sondern ihnen

zeigte – mehr als Worte vermitteln können

–, wie es in den Klassenzimmern wirklich

zugeht. Nie habe ich bemerkt, dass die Intimität,

die das Leben in der Klasse auch

braucht, darunter gelitten hat. Wohl aber

bemerkte ich, dass die Schüler auf ganz

natürliche Art lernten, sich Fremden gegenüber

zu verhalten; sie waren offen,

immer sie selbst und freundlich. […] Nennen

wir es: die Pädagogik der offenen Tür.

Dies ist nur ein Beispiel, wie konkret und

dadurch befreiend dieses kleine Büchlein

wirken kann. Es ist aber keine oberflächliche

Handlungsanweisung, sondern hat

Tiefgang. Mit Staunen entdeckt der Leser,

wie das ganze Buch sich auf das esoterische

Werk Steiners bezieht, im Speziellen

auf das Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse

höherer Welten». Selten fand

ich einen Autor, welcher die geistigen

Übungen so mit den alltäglichen Erfahrungen

verbinden kann, dass sie wirklich

den Übenden lebenstüchtiger machen,

keine Spur von Abheben oder Weltabkehr.

Ganz im Gegenteil: Das Buch beginnt mit

der Aufmerksamkeitsübung – im Gang

durch das Schulhaus. Das Buch macht

Lust aufs Lehrersein, aber auch Lust, sich

diese spirituellen Übungen Steiners vorzunehmen,

weil dann die Türen aufgehen…

Thomas Stöckli

Christof Wiechert: Lust aufs Lehrersein?! Eine Ermutigung

zum (Waldorf)-Lehrerberuf, Verlag am Goetheanum,

192 Seiten, 23 Franken.

buchbesprechungen

12 Der Schulkreis 4/10

Der Schulkreis 4/10 13


aktuell AGENDA

Termine der

Schweizerischen

Schulbewegung

Arbeitsgemeinschaftssitzungen

der Rudolf Steiner Schulen

5. März 2011 in Langenthal

18. Juni 2011 in Zürich Plattenstrasse

3. September 2011 in der ROJ

12. November 2011 in Origlio/Lugano

Interkantonale Bildungspolitische

Kommission (IBK)

14. März 2011 in Olten

Weiterbildung Führung in selbstverwalteten

Schulen (4 Modulen)

21/22. Januar 2011 in Dornach

(integriert in der

WBT 2011)

20. Mai 2011 in Lenzburg

Kommission für Kleinkind- und

Vorschulerziehung

25. März 2011

27. Mai 2011

26. März 2011: Fachtagung Vorschulbereich

Weiterbildungstage (WBT 2011)

21./22. Januar 2011 in Dornach

Internationale Konferenz der

Waldorfschulen

12./5. Juni 2010 in Aarhus, Dänemark

Zirkus Rodolfo

«Wenn Zirkus, dann aber richtig», sagte

sich die Rudolf Steiner Schule Biel und

blickt dieses Jahr auf ein Zirkusprojekt für

die ganze Schule (1. - 10. Klasse) zurück,

in das 150 Schülerinnen und Schüler

der Schule einbezogen waren. Über vier

Monate, drei bis vier Wochen reine Schulzeit,

haben sie in das Projekt «Rodolfo»

investiert, eine Mischung aus Zirkus und

Theater. Projektleiter Andreas Vettiger im

Jahresbericht: «Die Kinder lernten sich

klassenübergreifend und in einem ganz

neuen Kontext kennen, die Lehrer/innen

erlebten andere Kinder als gewohnt und

auch viele Eltern waren aktiv involviert.

Jedes Kind hat gemerkt, dass sein voller

Einsatz, sei es auf oder neben der Bühne,

sei es auch nur› für einen Purzelbaum, für

das Spektakel als Ganzes enorm wichtig

ist. Die Kinder haben erlebt, dass durch

ihren Einsatz für das Ganze eine Kraft

entsteht, welche die Zuschauenden berührt.»

(Jahresbericht Biel/jö)

Haager Kreis besorgt über Frühintellektualisierung

Was geschieht mit der Kindheit?

Jugendeurythmie-Projekt

2012 feiert die Bewegungskunst Eurythmie

ihr hundertjähriges Bestehen. «Wir

haben nach einer Möglichkeit gesucht,

dieses Fest mit jungen Menschen zu feiern,

mit jener Generation, die die Zukunft der

Eurythmie gestalten kann», so André Macco

von der Agentur «eurythmie bewegt!».

So entstand das Jugendeurythmie-Projekt

«WHAT MOVES YOU?». «Am Beginn steht

eine künstlerische Herausforderung und

am Ende ein grosses Ziel.», schildert Projektleiter

Macco, «aber wie wir von Punkt

A nach B gelangen, wird sich nur gemeinsam

mit den Teilnehmern entwickeln.»

So sind vom 8. Juli bis 4. August 2012

bis zu achtzig Jugendliche im Alter von

17 bis 23 Jahren nach Berlin eingeladen.

Aufgabe ist die eurythmische Gestaltung

eines bedeutenden sinfonischen Werks,

das abschliessend gemeinsam mit einem

Orchester öffentlich aufgeführt wird.»

(MM/jö)

Kontakt: www.whatmovesyou.de

Die Internationale Konferenz der Waldorf/

Steiner Schulen fand in diesem Jahr zwei

Mal statt; im Mai in Witten (Deutschland)

und im November in Dornach. Im Herbst

kamen 27 LändervertreterInnen zusammen,

aus Argentinien, Belgien, Brasilien,

Chile, Dänemark, Deutschland, Frankreich,

Finnland, Grossbritannien, Holland,

Indien, Israel, Italien, Japan, Kenia

(Ostafrika), Neuseeland, Norwegen, Österreich,

Spanien, Südafrika, Schweden,

Taiwan, Tschechien, Ukraine, Ungarn, USA

und der Schweiz; Mitglieder der Konferenz

sind ebenfalls das «European Council of

Steiner Waldorf Education» (ECSWE), die

«Freunde der Erziehungskunst» sowie die

Pädagogische Sektion am Goetheanum.

Durch das internationale, breite Spektrum

der Vertretungen ist der Austausch sehr

interessant, reich, differenziert und aussagekräftig.

Die weltweite Wirkung der Waldorfpädagogik

und die Fragestellungen,

die sich aus der pädagogischen Arbeit

ergeben, sind für alle Lehrkräfte von Bedeutung.

In der Sitzung wurde besonders

die Situation der Früheinschulung und der

damit verbundenen frühintellektuellen

Förderung thematisiert. Trotz riesiger kultureller

und wirtschaftlicher Unterschiede

ist die intellektuelle, einseitige Beanspruchung

der Nachahmungskräfte weltweit

ein Problem (Europa, Afrika, Indien,

Nord- und Südamerika und Asien); traditionelle

soziale Netze verschwinden und

eine durch die Wirtschaft bedingte Standardisierung/Abstraktion

greift in den Alltag

ein: z.B. das Schreiben und Lesen lernen

vor dem siebten Lebensjahr. Die Beziehung

der Individualität zum Leib wird

früh durch kindfremde Mittel beeinträchtigt.

Inkarnationsprozesse werden kaum

berücksichtigt. Hat sich die Kindheit weltweit

verändert? Hat sich unser Blick auf

die Kindheit verändert? Darüber hinaus

wurde angesprochen, wie die heutigen

Jugendlichen in der hyper-mediatisierten

Welt ihre eigenen Urteilskräfte ausbilden

können. Wie stärken wir die wirkliche

Menschenbildung? Wie können Individualität

und Leib zusammenkommen? All

diese Fragen bilden die Grundlage für die

nächste internationale Kindergartenkonferenz

(1.-5.4.2012) und die internationale

LehrerInnenkonferenz (9.-14.4.2012). Seit

Jahren stellen wir im «Schulkreis» auf Seite

2 eine ausländische Waldorf/Steiner

Schule vor, um so die Unterschiede und

Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Dies

bereichert unsere eigene Kultur und hebt

die Dimension des Allgemein-menschlichen

dieser Pädagogik hervor.

Florian Osswald aus Bern und Klauspeter

Röh aus Flensburg als zukünftige Leiter

der Pädagogischen Sektion (und somit

der Konferenz) ab Januar 2011 haben

sich vorgestellt. Ein herzlicher Dank wurde

Christof Wiechert für seine unermüdliche

und kompetente Arbeit in den vergangenen

zehn Jahren im Dienste der pädagogischen

Bewegung ausgesprochen.

Robert Thomas

Meldestelle für besondere Konflikte

Wie in den vergangenen Jahren seit 2001

hat die Meldestelle für besondere Konflikte

(Gewalt und sexuelle Übergriffe) die

Rückmeldungen von den 33 Vertragsschulen

erhalten. Gemeldet wurden drei Zwischenfälle.

Diese Grenzüberschreitungen

sind schulintern und unter Beizug einer

aussenstehenden Fachkraft oder Behörde

behandelt worden. Die entsprechenden

Angaben wurden in anonymisierter Form

an die Fachstelle weitergeleitet. Das Thema

Ausgrenzung und Mobbing ist immer

noch aktuell und verlangt die volle Aufmerksamkeit

der Lehrkräfte. Festzustellen

ist, dass die Meldestelle auch Meldungen

von Konflikten erhält, die nicht relevant

sind; aber sie zeigen, dass die Schulen

eine transparente Information wünschen.

Für die Meldestelle:

Dr. med. Kathrin Studer-Senn

Harold Bertschinger

Robert Thomas

Wir sind eine Schule mit zwei Kindergärten

und zwölf Klassen und suchen

auf Beginn des neuen Schuljahres im

August 2011 für unsere neue Sekundar-

Mittelstufe eine vielseitige und engagierte

Klassen-Lehrerpersönlichkeit

Wenn Sie an einer ganzheitlichen

Pädagogik interessiert sind, wenden

Sie sich bitte an die Mitarbeitergruppe

der RSSZO, Usterstrasse 141,

8620 Wetzikon, Tel. 044 933 06 20,

info@rsszo.ch www.rsszo.ch

Psychopillen für Kinder

und Jugendliche

Herausforderung ADHS

und Ritalin

Hans-Ulrich Albonico

32 Seiten, CHF 7.–

Pubertät –

der stürmische Neuanfang

Mathias Wais

24 Seiten, CHF 7.–

Schatzkammer des Lebens

Die ersten sieben Lebensjahre

als Grundlage einer gesunden

Entwicklung

48 Seiten, CHF 7.–

Postplatz 5, Postfach 128, 4144 Arlesheim

Telefon 061 701 15 14, Telefax 061 701 15 03

info@anthrosana.ch – www.anthrosana.ch

Auf den Beginn des Schuljahres 2011/12 suchen wir für die Unter- und Mittelstufe einen oder eine

HandarbeitslehrerIn, 80 - 90%

FranzösischlehrerIn, 30 - 40%

EnglischlehrerIn, 30%

Für die Oberstufe, 7. - 9. Klasse, suchen wir eine

Fachlehrperson naturwissenschaftlicher Richtung, bis 90%

Gartenbau, 40%

Für die Fachbereiche Biologie, Chemie und/oder Geographie suchen wir eine möglichst vielseitige

Lehrperson, die sich auch als KlassenbetreuerIn für unsere SchülerInnen und für die Weiterentwicklung

der Oberstufe einsetzen will.

Idealerweise kombinieren Sie dieses Pensum mit dem Gartenbau. Der Unterricht im Schulgarten,

zusammen mit der Ökologie ums Schulhaus, den Lagern und Praktika bietet vielfältige Möglichkeiten,

den Fachunterricht mit ganz praktischen Aufgabenstellungen zu verbinden.

Weltinteresse wecken, künstlerisches Üben und individuelle Lernbegleitung sind Schwerpunkte des

Unterrichtens an der Oberstufe Sihlau.

Wir freuen uns auf initiative KollegInnen mit einer anerkannten Lehrberechtigung, die vertraut sind

mit der Steinerpädagogik oder bereit, sich entsprechend auszubilden.

Wir sind ein offenes, unterstützendes Kollegium, das engagiert mit „Wege zur Qualität“ an der

Schulentwicklung arbeitet. Gerne führen wir neue KollegInnen durch erfahrene Lehrkräfte in ihre

Aufgabe ein.

Als Schule mit 9 Klassen, breit ausgebauter Vorschulstufe, Mittagstisch und Hort - und als Trägerschule

der Atelierschule Zürich - bieten wir einen interessanten Arbeitsort am Rande der Stadt Zürich.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung.

Rudolf Steiner Schule Sihlau

z.H. Monika Linsi

Sihlstrasse 23, CH-8134 Adliswil

T elefon +41 44 710 53 40

schulleitung.personal@steiner-schule.ch

www.steiner-schule.ch

Unsere Schule liegt, gut erreichbar, in

Langenthal, einer kleinen Stadt zwischen

Jura und Emmental.

Wir suchen ab Schuljahr 11/12 (Beginn

Aug. 10) eine/n

Oberstufenlehrer/in in

naturwissenschaftlicher

Richtung

für die Klassen 8. / 9. / 10.

sowie ab sofort oder nach Übereinkunft

eine/n

Französischlehrer/in

für die 7. bis 10. Klasse

Mit Fragen wenden Sie sich bitte an Frau

M.-L. Bucheli (062 923 14 52) oder per

E-Mail an: info@rsso.ch

Bitte senden Sie Ihre schriftliche Bewerbung

an: Rudolf Steiner Schule Oberaargau,

Personalgruppe, Ringstrasse 30

4900 Langenthal

uli 2010 | Nr. 29

e heute

sstä te

D

ie weltweiten Machtspiele,

auch die des

kapitalistischen Konkurrenzkampfes,

entlarven

sich zunehmend als kontraproduktiv,

mittelalterlich

und menschheitsunwürdig

Zugleich wächst im Untergrund

der Zivilgese lschaft

und auch innerhalb vieler

Organisationen eine neue

Bewegung, die soziale, ökologische

und spirituelle

Werte sucht, hervorbringt

und erlebt Sich selbst begreifend,

blickt diese Bewegung

auf eine die sozialen,

ökologischen und spirituellen

Werte und Realitäten

verbindende Ressource ungeahnter

Potenzialität: die

Empathie, das mitfühlende

W o c h e n s c h r i f t f ü r A n t h r o p o s o p h i e

Vom Öko- zum Empathiesystem | Dirk Kruse

Soziales Gold

Als zentrale Ressource des menschlin

und kulture len Zusammenlebens ersie

unübersehbar eine fundamentale Strukturen müssten gescha fen un dau-

Welche Methoden, Prozesse, Organe und

ertung Dieses ‹soziale Gold› kann in erhaft finanziert werden, um uns von den

obalen Beziehungswelten für verde

und tragende Systeme nachhalhenden

Kooperieren zu führen?

Gegenwartsabgründen weg zu einem blügbar

gemacht werden

Rudolf Steiner machte immer wieder

deutlich, dass neue Seelenfähigkeiten in

einer sich entwickelnden Menschheit auch

neue Sozialgestaltungsmethoden und Organisationsformen

benötigen: «Betrachten

man die Beziehungen zwien,

Organisationen, Natio-

Sie den Einzelmenschen [ ], so können

iners Sozialgestaltungskonht

der Empathie

Vor 40 Jahren bahnte sich die Einsicht in die Bedeutung tragender Ökosysteme

ihren Weg in die Politik – um die Natur zu retten. Heute, im Zeitalter des zerstörerischen

Powerplays ökonomischer und religiöser Selbstläufigkeiten muss

ein Verständnis über die Bedeutung tragender Empathiesysteme den Weg in

die Politik finden – um die menschliche Kultur zu retten. Hierzu von Dirk Kruse

einige entwerfende Gedanken.

und mi tragende Einleben in die jeweils nen und Kulturen so nachhaltig zum gegenseitigen

Einfühlen entwickeln, dass die

andere Wesenseigenheit, ihre innere Eigenwürde

und Entwicklungsrichtung – ob Beziehungslosigkeit überwunden wird und

in Personen, Organisationen, Kulturen, wie in einem echten Freundschaftsverhältnis

die mi tragende Fürsorge für den

Regionen oder Naturzusammenhängen

anderen zur Selbstverständlichkeit wird?

‹Das Goetheanum›

Die Wochenzeitschrift

für Anthroposophie

Soziales Gold: Die seelisch-geistige Brücke zum anderen

(Siegfried Berndt: Die Brücke von St. Cloud, Eisenhochdruck, 1908;

siehe Beitrag auf S. 12)

Fortsetzung Seite 3 ÿ

Abobestellung

16. Juli 2010 | Nr. 29

❏ kostenloses Probeabo, 4 Ausgaben

❏ Jahresabo Schweiz CHF 160

❏ Jahresabo Ausland CHF 130/€ 86

(wechselkursabhängig)

❏ Ausbildungsabo 50%

Rudolf Steiner Schule Sihlau

Bewegend.

Inspirierend.

Gegenwärtig.

www.dasgoetheanum.ch

❏ Frau ❏ Herr

Name, Vorname . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Straße/Nr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

PLZ/Ort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Land . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Datum, Unterschrift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Senden an: Wochenschrift ‹Das Goetheanum›,

Postfach, CH–4143 Dornach– Fax +41 61 706 44 65

14 Der Schulkreis 4/10

Der Schulkreis 4/10 15


Gesamtschweizerische

LehrerInnen-Weiterbildungstage

Kraftquellen

für Lehrkräfte

Formation continue

des enseignant(e)s de Suisse

Ressources

de l’enseignant

21. / 22. Januar 2011 in Dornach

Giornate di aggiornamento per docenti di

tutti i livelli

Sorgenti di

forza per i docenti

Arbeitsgruppe 1

(deutsch-französisch):

Wer sich nicht bewegt, wird

bewegt. Christof Wiechert und

Robert Thomas

Arbeitsgruppe 2

(deutsch-italienisch):

Die Dramatik der Elemente

sprachlich, musikalisch,

klassenübergreifend

Maria Enrica Torcianti und Marcus

Schneider

Arbeitsgruppe 3 (deutsch-französisch

oder italienisch):

Modellieren aus der Intelligenz

der Hände… Christian Breme

Arbeitsgruppe 4 (englisch):

Lost for words or plenty to say?

Alec Templeton and Karin Smith

Ausführliches Programm und

Anmeldung: www.steinerschule.ch/ausundweiterbildung/interne-weiterbildung

Arbeitsgruppe 5:

Mentorenschulung-Mentorenaustausch

Thomas Stöckli (Leitung AfaP

und Koordination des Schweiz.

Mentorenprojektes der ARGE)

Arbeitsgruppe 6:

Du musst Dein Leben umstülpen.

Das Prinzip des Inside-Out/

Outside-In im Werk Steiners und

in der zeitgenössischen Kunst

Prof. Dr. Walter Kugler und Vera

Koppehel, Rudolf Steiner Archiv

Dornach

Arbeitsgruppe 7:

Bothmer-Gymnastik und Spiele

Benz Schaffner

Arbeitsgruppe 8:

Gestaltungsprozesse

Urs Grob (Lehrer für Dreidimensionales

Gestalten, Atelierschule

Zürich), Markus Rohner (Lehrer

für Bildnerisches Gestalten, Atelierschule

Zürich)

Arbeitsgruppe 9:

Kraftquell-Quellenwunder

Marianne Tschan und Barbara

Sarasin

Arbeitsgruppe 10:

Bindung macht stark! Übergänge

in der Elementarstufe Bettina

Mehrtens und Ulrike Poetter

Arbeitsgruppe 11:

Kontemplatives Geometrisieren

Karlheinz Lauer, Klassenlehrer

Zürich

Arbeitsgruppe 12:

Wie gestalten wir einen lebendigen

Abstraktionsprozess?

Andres Studer (Förderlehrer,

ehemaliger Klassenlehrer),

Claire Wyss (Eurythmie-Lehrerin,

ehemalige Klassenlehrerin)

Arbeitsgruppe 13:

Organe und Seelenleben. Wie

können wir zu einer imaginativen

Organerkenntnis kommen?

Dr. Olaf Koob

Arbeitsgruppe 14:

Wie finde ich Zugang zur

Meditation?

Florian Osswald, Leiter der

Pädagogischen Sektion

Arbeitsgruppe 15:

Begegnung mit der 2. Lehrer-

Meditation

Claus-Peter Röh, Leiter der

Pädagogischen Sektion

Arbeitsgruppe 16:

Musikunterricht auf der Unterund

Mittelstufe

Peter Appenzeller

Arbeitsgruppe 17:

Spiele – ein Kraftquell für

Lehrer und Schüler. Alte Spiele

neu entdeckt Hannes Amos,

Klassenlehrer Schaffhausen

3. Modul:

Kraftquellen erkennen und

erschliessen

Elisabeth Anderegg, Immanuel

Büttner und Joseph Hess

Das andere Gymi: kreativ, musisch, sportlich.

Einzig im Kanton Zürich mit dem Profil

Philosophie/Pädagogik/Psychologie.

Nach dem 10. Schuljahr der

Rudolf Steiner-Schule in vier oder nach

dem 12. Schuljahr in zwei Jahren zur

schweizerischen Hausmatur.

Schnuppermorgen für SchülerInnen:

Di 25. Januar 2011, 7.50 bis 12.20 Uhr

Info-Abende:

Do 27. Januar und Di 1. März 2011,

19.30 bis 21.30 Uhr

Tag der offenen Tür:

Fr 4. März 2011, 7.50 bis 16.30 Uhr

Anmeldeschluss:

Für den Schulbeginn Sommer 2011:

15. März 2011

Gymnasium Unterstrass

Seminarstrasse 29, 8057 Zürich

Telefon 043 255 13 33

gymnasium@unterstrass.edu

www.unterstrass.edu

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