Jahresbericht 2007 - Stiftung Mercator

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Jahresbericht 2007 - Stiftung Mercator

IDEEN BEFLÜGELN.

DAS STIFTUNGSJAHR 2007


INHALT

VORWORT

Rüdiger Frohn 2

GRUSSWORT

Dr. Bernhard Lorentz 4

AUFTAKT

Unsere Förderschwerpunkte 6

Geschäftsführung und Beirat 7

Unser Leitbild 8

Von der Idee zum Projekt 9

Das Team der Stiftung Mercator 10

GASTBEITRAG

„Unterstützung macht Bildung“

Prof. Dr. Wilfried Bos 12

WISSENSCHAFT STÄRKEN 16

„Politische Innovation ermöglichen“

Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte 18

Neue Projekte 2007 20

Laufende Projekte 2007 26

KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN 34

„Fast wie ein zweites Zuhause“

Monika Lahme-Schlenger und Laura Schneider 36

Neue Projekte 2007 40

Laufende Projekte 2007 44

KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN 52

„Journalisten als Mittler: Zerrbilder korrigieren“

Baha Güngör 54

Neue Projekte 2007 58

Laufende Projekte 2007 63

WEITERE PROJEKTE 67

ANHANG

Die Stiftungsarbeit in Zahlen 68

Bewilligte Projekte 2007 70

Impressum 76

1


VORWORT

2007 stand für die Stiftung Mercator im Zeichen des Übergangs.

In den vergangenen Monaten haben wir die Weichen für die künftige

Arbeit gestellt. Wir bereiten uns organisatorisch und strategisch

darauf vor, dass das Fördervolumen und damit die Möglichkeiten

der Stiftung künftig weiter wachsen werden.“

die Stiftung Mercator blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Viele neue Projekte

wie „Ruhr Campus Online“, „spin – sport interkulturell“, „Schulen im Team“ und die

Ausweitung der Zusammenarbeit mit dem Verein IJP im Feld des internationalen Journalistenaustausches

sind an den Start gegangen, bewährte Projekte haben wir fortgeführt.

Dieser Jahresbericht stellt Ihnen die Stiftung und Ihre Themen vor, bringt Ihnen die

Partner und Mitarbeiter der Stiftung näher und will Ihnen so einen umfassenden Einblick

in unsere Arbeit im Jahr 2007 geben.

2007 stand für die Stiftung Mercator im Zeichen des Übergangs. In den vergangenen

Monaten haben wir die Weichen für die künftige Arbeit gestellt. Wir bereiten uns organisatorisch

und strategisch darauf vor, dass das Fördervolumen und damit die Möglichkeiten

der Stiftung künftig weiter wachsen werden. Im Jahr 2007 haben wir 49

Projekte in Höhe von 10 Millionen Euro genehmigt. Allein in den ersten vier Monaten

dieses Jahres haben wir bereits 12 Millionen Euro für neue Vorhaben zur Verfügung

gestellt.

Dieses Wachstum in bestmöglicher Weise für die Anliegen der Stiftung zu nutzen, ist

unsere zentrale Aufgabe. Dazu gehören organisatorische und strategische Vorarbeiten.

Wir haben eine neue, effektive und transparente Entscheidungsstruktur eingerichtet,

in der die Aufgaben von Strategieentwicklung, Förderentscheidung und praktischer

Umsetzung klar zugeordnet sind. Für die neu geschaffene Position des Vorsitzenden

der Geschäftsführung konnten wir Dr. Bernhard Lorentz gewinnen. Mit ihm haben wir

seit März dieses Jahres einen international erfahrenen Stiftungsmanager an der Spitze

eines motivierten Teams, das in den kommenden Monaten noch größer werden wird.

Wir setzen darauf, mit ihm die Stiftung Mercator dynamisch zu entwickeln und ihr

wachsende Wirksamkeit zu verschaffen.

Die Stiftung Mercator ist im Ruhrgebiet zu Hause. Dieser Region fühlen wir uns besonders

verbunden. In dieser Region und über diese hinaus möchten wir unsere Wirkung

in den kommenden Jahren weiter verstärken und in unseren Förderbereichen

2


Rüdiger Frohn,

Vorsitzender des Beirats

der Stiftung Mercator

„Wissenschaft stärken“, „Kinder und Jugendliche fördern“ sowie „Kulturen verstehen,

Toleranz lernen“ gute Ideen entwickeln und erfolgreich erprobte Lösungen anbieten

und unterstützen.

Dass die Stiftung Mercator im vergangenen Jahr starke Impulse im Schul- und Hochschulbereich

geben und mit ihren Projekten ein friedliches Zusammenleben von Menschen,

gleich welcher kulturellen und sozialen Herkunft, befördern konnte, verdanken

wir ideenreichen und einsatzbereiten Partnern, Mitarbeitern und Helfern in unseren

zahlreichen Projekten. Ihnen gilt mein besonderer Dank.

Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei, diese Menschen und Projekte bei der Lektüre

dieses Berichts näher kennenzulernen. Der Jahresbericht ist – gleichsam als äußerlich

sichtbares Zeichen der Veränderungen im zurückliegenden Jahr – bereits im neuen

Corporate Design der Stiftung Mercator gehalten, das unserer gestaltenden Vision verpflichtet

ist: Ideen beflügeln.

Unser Leitsatz „Ideen beflügeln!“ will zweierlei sagen: Er ist Ausdruck unserer Überzeugung

und gleichzeitig Beschreibung dessen, was wir tun wollen.

Rüdiger Frohn

Vorsitzender des Beirates

der Stiftung Mercator

3


GRUSSWORT

„Die Stiftung ist einer unternehmerischen Tradition verpflichtet.

Diese Haltung ist ein zentraler methodischer Ausgangspunkt der

Stiftungsarbeit. Sie lässt sich durch die drei Begriffe ,unternehmerisch

– professionell – international‘ charakterisieren.“

Mercator 2012: Unternehmerisch – Professionell – International“

Unter diesem Leitmotiv haben wir in der Stiftung Mercator seit meinem Eintritt die weitere

strategische Ausrichtung mit Gesellschaftern, dem Team, Partnern, Freunden und

Ratgebern diskutiert. Dabei haben wir wichtige Entscheidungen getroffen. Es gilt, die

Stiftung angemessen auf das geplante Wachstum vorzubereiten. Wir haben die Zeit auch

für Überlegungen genutzt, wie und in welchen Feldern wir künftig arbeiten möchten.

Für unser künftiges Engagement spielt auch unsere Geschichte eine zentrale Rolle.

Die Stiftung wurde von einer Duisburger Handelsfamilie gegründet, ihr Vermögen

durch unternehmerische Tätigkeit erwirtschaftet. Zudem birgt der Name neben den

Traditionen und Geschichten um Gerhard Mercator einen Bezug: Mercator ist das lateinische

Wort für Kaufmann/Unternehmer. In dieser Tradition soll die Stiftung selbst

wie ein – wenngleich gemeinnütziges – Unternehmen agieren. Die Stiftung ist einer

unternehmerischen Tradition verpflichtet. Diese Haltung ist ein zentraler methodischer

Ausgangspunkt der Stiftungsarbeit. Sie lässt sich durch die drei Begriffe „unternehmerisch

– professionell – international“ charakterisieren.

Wir wollen dafür stehen, unternehmerische Lösungen für gesellschaftspolitische Herausforderungen

zu initiieren und zu fördern. Unternehmerisch bedeutet in diesem

Zusammenhang für uns, an Ergebnissen und Zielen anstatt an Verfahren interessiert

zu sein, diese zu kontrollieren und zu evaluieren, aus den Evaluationsergebnissen zu

lernen, für einen Wettbewerb der Ideen zu stehen, Zustimmung für die eigenen Anliegen

zu organisieren und strategisch ausgerichtet zu arbeiten. Die Stiftung wird neue

Lösungen entwickeln und befördern – unternehmerische Lösungen. Sie kann als private

Institution inhaltlich und methodisch neue Wege ausprobieren und auch Risiken

bei der Förderung gemeinnütziger Ideen eingehen.

Die Stiftungsarbeit muss sich durch Professionalität auszeichnen; unverzichtbar sind

klare Verantwortlichkeiten, Transparenz der Entscheidungsprozesse, effizientes Prozessmanagement

und eine auf unsere Ziele verpflichtete, aufrichtige Öffentlichkeitsarbeit.

In diesem Sinne werden wir die Öffentlichkeit umfassend über unsere Aktivitäten

informieren und sie für einen kritischen Dialog zu gewinnen suchen.

Problemlösungen werden auf der ganzen Welt ständig entwickelt. Die Stiftung wird

stets auf der Suche nach Lösungsansätzen, Ideen und neuen Methoden sein und welt-

4


Dr. Bernhard Lorentz,

Vorsitzender der Geschäftsführung

der Stiftung Mercator

weit nach den erfolgversprechendsten Ansätzen (im Sinne eines „Benchmarks“) streben.

Daher ist Internationalität Teil einer Haltung, die alle Förderbereiche durchdringt,

sie beschränkt sich also nicht auf „internationale Projekte“. Wir sehen uns als Stiftung

vielmehr in einem weltweiten Netzwerk. In diesem Netzwerk wollen wir Lernprozesse

anstoßen, größere Hebelwirkungen erzielen und den Austausch von Ideen innerhalb

von „Best Practice“ gezielt fördern. Unserer schweizerischen Schwesterstiftung sind wir

im Sinne einer Stiftungsfamilie verbunden. Mit der Stiftung Mercator Schweiz können

wir gemeinsame Ziele über den Wirkungsort der Innerschweiz hinaus auch international

verfolgen und abgestimmt agieren.

Philantropisch erfolgreiches Arbeiten, das zeigen gewichtige Beispiele auf der ganzen

Welt, zeichnet sich durch einen konsequenten Einsatz der Stärken von Stiftungen aus.

Stiftungen sind besonders gut darin, „bürgerschaftliche Initiativen“ in konkreten Projekten

zu initiieren oder zu unterstützen und damit Modelle aufzuzeigen und Hebelwirkungen

zu nutzen. Risiken bewusst eingehen zu können, ist eines ihrer Privilegien.

Gleichzeitig ermöglicht ihre Reputation und Unabhängigkeit ihnen, mit ihren Positionen

Zugang und Gehör bei politisch Verantwortlichen im Sinne zivilgesellschaftlicher

„Advocacy“ zu finden. Diese Methoden für klar definierte Ziele produktiv zu kombinieren,

wird eines der zentralen Anliegen der Stiftung Mercator sein.

Ich freue mich, mit den Gremien, meinem Team und mit Freunden und Partnern gemeinsam

die Stiftung Mercator weiterentwickeln zu dürfen, setze auf Ihre wohlwollende

Begleitung unserer Aktivitäten und bedanke mich im Voraus für Ihr Vertrauen.

Mit den besten Grüßen

Dr. Bernhard Lorentz

Vorsitzender der Geschäftsführung

der Stiftung Mercator (seit 01.03.08)

5


AUFTAKT

Unsere Förderschwerpunkte

Die Stiftung Mercator initiiert und unterstützt Projekte für bessere Bildungsmöglichkeiten an Schulen und

Hochschulen. Im Sinne des Kartographen und Humanisten Gerhard Mercator fördern wir Vorhaben, die den

Gedanken von Weltoffenheit und Toleranz durch interkulturelle Begegnungen mit Leben erfüllen und die den

Austausch von Wissen und Kultur anregen. Die Stiftung Mercator engagiert sich in drei Förderschwerpunkten

und ist hier sowohl operativ als auch fördernd tätig:

Wissenschaft

stärken

Wir möchten, dass unser Land im Wettbewerb

um die besten Köpfe spitze ist.

Deshalb unterstützen wir mutige und innovative

Ansätze an Hochschulen, die

wissenschaftliche Talente fördern und

das Denken über räumliche und inhaltliche

Grenzen hinweg anregen. Unabhängig

von der Fachrichtung zielt unsere

Förderung auf Personen, Organisationen

und Kooperationen, die hier Exzellentes

leisten.

» ab Seite 16

Kinder und

Jugendliche fördern

Wir wollen jungen Menschen unabhängig

von ihrer sozialen und kulturellen

Herkunft Zukunftschancen eröffnen. In

der Förderung nehmen wir daher Projekte

in den Blick, die es ihnen – in der

Schule oder außerhalb – ermöglichen,

sich zu bilden und ihre Persönlichkeit zu

entfalten: von der Sprach- und Fachförderung

bis zur kulturellen und gesellschaftlichen

Bildung. Gut ausgebildete

Lehrer und eine Schulentwicklung auf

der Höhe der Zeit gehören dazu.

» ab Seite 34

Kulturen verstehen,

Toleranz lernen

Wir sind überzeugt, dass Frieden und

Völkerverständigung nur gelingen können,

wenn möglichst viele junge Menschen

aus verschiedenen Teilen der Welt

Verständnis füreinander und für fremde

Kulturen entwickeln. Deshalb fördern

wir – speziell in den Zielregionen Osteuropa,

Asien und der Türkei – durch

Schüleraustausch, Praktikantenprogramme

und Auslandsstipendien den Dialog

über Grenzen hinweg.

» ab Seite 52

6


AUFTAKT

Geschäftsführung und Beirat

Die Gremien der Stiftung Mercator im Jahr 2007

Die Verantwortlichen der Stiftung gewährleisten eine integre, sachgerechte und

zukunftsorientierte Arbeit der gemeinnützigen Gesellschaft. Die Geschäfte der Stiftung

wurden im Jahr 2007 geführt von:

• Robert Faulstich

• Annabel von Klenck (bis 30. Juni 2007)

Seit 1. März 2008 ist Dr. Bernhard Lorentz Vorsitzender der Geschäftsführung der

Stiftung Mercator.

Mitglieder des Beirats, der 2007 über die Bewilligung von Förderanträgen und über

Grundsatzfragen der Förderpolitik beraten hat, sind:

• Rüdiger Frohn (Vorsitzender)

• Ira Heß

• Christel Kaufmann-Hocker

• Dr. Hartmut Müller-Peddinghaus

• Ralf Ruhrmann

• Dr. Michael Schmidt

Die Geschäftsführung und die Mitglieder des Beirats werden von der Gesellschafterversammlung

bestellt. Die Gesellschaft unterliegt den gemeinnützigkeitsrechtlichen

Bestimmungen der Abgabenordnung. Die Jahresabschlüsse der Gesellschaft werden

jährlich durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Der Jahresabschluss für

das Geschäftsjahr 2007 hat wiederum den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk

erhalten.

7


AUFTAKT

Unser Leitbild

Ideen beflügeln

Unsere Welt lebt von den Ideen engagierter Menschen.

Diese guten Ideen gilt es aufzugreifen, zu entwickeln und umzusetzen.

Wir vermitteln gesellschaftliche Perspektiven, damit Menschen in gegenseitigem Respekt

und friedlichem Miteinander dynamische Veränderungsprozesse für die Welt von

morgen gestalten können.

Unser Standort – unsere Identität

Der Kartograph und Humanist Gerhard Mercator (1512 – 1594) schuf in einer Welt

des Wandels und der Zeitenwende Koordinaten, die die geographische Orientierung

für den weltweiten Austausch von Handel und Ideen verbessert haben.

Die Handels- und Unternehmerfamilie Karl Schmidt aus Duisburg hat die Stiftung

Ende der 90er Jahre ins Leben gerufen.

Dem sind wir besonders verpflichtet.

Neue Wege – neue Ideen

Bewegen, was Menschen bewegt: Das gelingt in einer offenen Gesellschaft durch Kreativität,

Visionen und durch das Engagement in der Umsetzung dieser Ideen.

Die Stiftung Mercator

• stärkt Wissenschaft und Forschung

• tritt für umfassende Bildung und Erziehung von Kindern, Jugendlichen und jungen

Erwachsenen ein

• fördert den Dialog und die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Kulturen

als Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben.

Unsere Ziele

Die Stiftung Mercator will

• durch positive Beispiele Verantwortungsbewusstsein und Phantasie als unverzichtbare

Gestaltungskräfte für den gesellschaftlichen Fortschritt anregen

• Entscheidungsträger in ihrer Kreativität unterstützen und die Ideen engagierter

Menschen fördern

• selbst und gemeinsam mit ihren Partnern durch zukunftsorientierte Projekte Anstöße

geben

• Maßstäbe für Transparenz und Qualität für das eigene wie für das Handeln unserer

Partner setzen.

8


Von der Idee zum Projekt

Das Bewilligungsverfahren der Stiftung Mercator

Auch 2007 überstieg die Zahl der Förderanfragen bei Weitem die Zahl der Projekte,

die die Stiftung bewilligen kann. Grundsätzlich gehen wir bei der Bearbeitung dieser

Anfragen in einem mehrstufigen Verfahren vor:

Zunächst erfolgt eine Vorprüfung, bei der die Übereinstimmung des Projektgegenstandes

mit der strategischen Ausrichtung der Stiftung geklärt wird. Idealerweise haben

die Antragsteller das auf der Stiftungshomepage vorgehaltene Antragsformular

verwendet, sodass die Verantwortlichen der Stiftung ohne weitere Rückfragen eine

Entscheidung über die intensive Prüfung des Projektes treffen können.

Im positiven Fall werden dann regelmäßig Gutachten, Expertenmeinungen und

Fachinformationen eingeholt. Gemeinsam mit dem Antragsteller wird bei Bedarf die

Projektidee so fortentwickelt, dass sich beide Seiten in den Projektzielen wiederfinden.

Anträge können jederzeit eingereicht werden, es gibt hierfür keine festen Termine.

Ebenso sind Entscheidungen über Bewilligungen nicht an fixe Termine gebunden.

Über Anträge entscheiden die Organe der Stiftung.

Von der Stiftung geförderte Projekte sollen:

• Modellwirkung und Vorbildcharakter haben, der andere Akteure zur Nachahmung

anregt

• eine nachhaltige Wirkung haben

• klare Erfolgskriterien haben, die am Ende des Projekts überprüft werden können.

Von einer Förderung sind ausgeschlossen:

• Druckbeihilfen für Publikationen

• Übernahme zeitlich unbegrenzter Verpflichtungen

• Schließen von Etatlücken des öffentlichen Sektors

• Nicht projektbezogene Personal- und Verwaltungskosten von Institutionen

• Baumaßnahmen

• Kommerziell ausgerichtete (nicht gemeinnützige) Projekte

• Künstlerische und kulturelle Projekte außerhalb der Förderschwerpunkte

9


AUFTAKT

Das Team der Stiftung Mercator

Geschäftsführung

Dr. Bernhard Lorentz

Vorsitzender der Geschäftsführung

E-Mail: lorentz@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-56

Robert Faulstich

Geschäftsführung

E-Mail: faulstich@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-54

Ansprechpartner zu den Projekten

Doreen Barzel

Projektleiterin

E-Mail: barzel@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-58

Anorthe Kremers

Projektmanagerin

E-Mail: kremers@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-78

Christiane von Websky

Projektleiterin

E-Mail: websky@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-60

Agnieszka Salek-Schwartze

Projektmanagerin

E-Mail: salek@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-59

Stefan Hauer

Projektmanager

E-Mail: hauer@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-63

Daniel Wágner

Projektmanager

E-Mail: wagner@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-57

Julia Kreimeyer

Projektmanagerin

E-Mail: kreimeyer@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-62

10


AUFTAKT

Stabsstellen der Geschäftsführung

Support

Uwe Stock

Leiter Rechnungswesen

E-Mail: stock@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-51

Birgit Lackmann

Assistentin der Geschäftsführung

E-Mail: lackmann@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-54

Christiane Reusch

Leiterin Kommunikation

E-Mail: reusch@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-42

Karin Robert

Assistentin der Geschäftsführung

E-Mail: robert@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-56

Isabell Hilpert

Referentin Öffentlichkeitsarbeit

E-Mail: hilpert@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-74

Gudrun Bretsch

Assistentin

E-Mail: bretsch@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-73

Sabine Schwebel

Persönliche Referentin

des Vorsitzenden der Geschäftsführung

E-Mail: schwebel@stiftung-mercator.de

Telefon: 0201 24522-53

11


Unterstützung macht

Bildung

Prof. Dr. Wilfried Bos, Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung,

Technische Universität Dortmund

Zukunft braucht Bildung, diese Formel wird viel beschworen und dies zu Recht.

Ganz gleich ob aus einer nationalen oder internationalen Perspektive, niemand wird

mehr die Notwendigkeit und auch die Dringlichkeit, Bildung in ihrer ganzen Breite

zu fördern, infrage stellen. Weniger eindeutig hingegen ist die Frage, was Bildung

im Einzelnen ausmacht, woraus die Frage resultiert: Was eigentlich genau ist förderungswürdig?

Die Stiftung Mercator gibt hierauf eine erfrischend offene Antwort, die sich in ihrem

Förderungskonzept und den seit dem Jahr 2000 von der Stiftung geförderten

rund 350 Projekten ablesen lässt. Mit den Förderbereichen „Wissenschaft stärken“,

„Kinder und Jugendliche fördern“ und „Kulturen verstehen, Toleranz lernen“ hat die

Stiftung zentrale Bildungsinhalte und Bildungsabschnitte in ihr Profil aufgenommen

und zudem dafür Sorge getragen, dass Wissenschaft nicht nur als Antragsteller gesehen,

sondern selbst auch als Entwicklungsbereich verstanden wird. Dies entspricht

12


GASTBEITRAG

Zukunft braucht Bildung. Junge Menschen

beim Lernen und Forschen zu fördern – wie

hier bei einem Seminar im Mercator Schulclub

– ist deshalb ein Anliegen der Stiftung

Mercator.

ganz offensichtlich den Prinzipien des Namensgebers der Stiftung: Gerhard Mercator,

der gleichermaßen für die exakte Wissenschaft wie für die weltoffene Begegnung der

Menschen stand.

Die Förderbereiche haben die besondere Eigenschaft, dass sie die Aktualität der

geförderten Projekte garantieren: Warum ist das so? Nun, die Förderung der Kinder

und Jugendlichen wird immer Aufgabe einer verantwortungsvollen Gesellschaft sein

und es ist nicht abzusehen, dass bereits in den nächsten zehn Jahren hierfür der Königsweg

gefunden wird. Dies gilt umso mehr, als sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen

des Aufwachsens kontinuierlich verändern und somit immer wieder neue Wege

der Förderung gefunden werden müssen. Für die Wissenschaft gilt ganz Ähnliches.

Gerade im Augenblick stehen unsere Universitäten vor immensen Herausforderungen,

sich im nationalen und internationalen Wettbewerb um innovative Ideen zu behaupten.

In solch einer Situation ist ein Partner hilfreich, der das Wesentliche im Blick be-

13


GASTBEITRAG

„Im Sinne ihres Mottos ,Ideen beflügeln‘

verfolgt die Stiftung nur ein Programm:

innovative Ideen initiieren, aufgreifen und

unterstützen.“

Prof. Dr. Wilfried Bos, Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung,

TU Dortmund

hält – die jungen Menschen, die an den Hochschulen studieren. Mit dem Bereich „Kulturen

verstehen, Toleranz lernen“ wird eine inhaltliche Klammer um die Förderbereiche

gezogen, die in bester humanistischer Tradition steht. Wie stellt sich die Förderungsstrategie

nun für einen Beobachter der Stiftung Mercator dar?

In besonderer Weise setzt die Stiftung Mercator auf die Ideen und die Kreativität

derjenigen, die gemeinsam mit der Stiftung Mercator Projekte initiieren wollen. Aus

der Perspektive des Wissenschaftlers ist dies eine fantastische Gelegenheit, Neues zu

erproben und wissenschaftlich zu begleiten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund,

dass die Einwerbung von Drittmitteln bei vielen Institutionen nicht unerheblichen

Vorgaben unterliegt, die – wenn zum Teil sinnvoll –, zugleich einschränkend wirken.

Ich möchte dies an einem kurzen Beispiel aus dem von der Stiftung Mercator geförderten

Projekt „Schulen im Team – Unterricht gemeinsam entwickeln“ verdeutlichen:

Das Projekt „Schulen im Team“ ist das erste Projekt, das in Deutschland lokale

Vernetzung zwischen Schulen mit dem Ziel der Unterrichtsentwicklung erprobt und

dies zugleich durch eine umfängliche wissenschaftliche Begleitforschung evaluiert.

Dies ist nicht nur innovativ und somit mutig, sondern auch für Wissenschaft und

Schulpraxis hoch relevant, da Ergebnisse sorgfältig dokumentiert werden und so Entscheidungen

des Transfers datengestützt vorgenommen werden können. So kann das

Förderengagement der Stiftung nicht nur Schulpraxis vor Ort verbessern, sondern

auch dazu beitragen, den Forschungsstand im Bereich der Schulentwicklung zu verbreitern.

Dies ist insbesondere angesichts der insgesamt geringen Anzahl an Studien

über Schulentwicklungsverläufe ein unbedingt notwendiges Unterfangen, um auch

künftig Projekte wirkungsvoll zu fördern.

Zugleich setzt dieses Projekt konkret an Defizitbereichen an, die durch die großen

Vergleichsstudien wie PISA und IGLU aufgezeigt worden sind. So kann in diesem

Projekt Wissen aus der Schuleffektivitätsforschung mit solchem der Schulentwicklungsforschung

in eine fruchtbare Synthese treten, auch dies ist neu und ohne eine

solch engagierte Förderung nicht möglich. Dass die Stiftung Mercator mit dieser Form

der Förderung ganz sicher auf einem guten Weg ist, zeigt ebenfalls die Tatsache, dass

das Ministerium für Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen sich gerne als Kooperationspartner

für das eben beschriebene Projekt zur Verfügung gestellt hat.

Blickt man in die anderen Förderbereiche wird die Entschlossenheit, neue Wege

mit zu gestalten, ebenfalls deutlich. Sei es in Form der Möglichkeit für Schüler, ein

Stipendium für einen Aufenthalt im asiatischen Raum (China, Malaysia, etc.) zu erhal-

14


GASTBEITRAG

ten, durch die Förderung des Internationalen Journalisten Programms im Bereich

„Kulturen verstehen, Toleranz lernen“ oder die Initiative „NRW School of Governance“

aus dem Bereich „Wissenschaft stärken“, die insbesondere hoch talentierte und engagierte

Studierende im Bereich Politikwissenschaft fördert. Nimmt man noch das Projekt

„Förderunterricht“ hinzu, wird das besondere Profil der Stiftung sichtbar. Die

Stiftung Mercator unterstützt Projekte, die für sich genommen plausibel und erfolgversprechend

sind und sich insgesamt in den drei Leitgedanken, die durch die Förderbereiche

ausgedrückt sind, widerspiegeln. Dabei haben Projekte, die Eliten einerseits

oder besonders förderbedürftige Jugendliche andererseits – beispielsweise mit sprachlichen

Schwierigkeiten aufgrund eines Migrationshintergrunds – fördern, gleiche Chancen

auf Bewilligung. Im Sinne ihres Mottos „Ideen beflügeln“ verfolgt die Stiftung nur

ein Programm: innovative Ideen initiieren, aufgreifen und unterstützen. Aus der Perspektive

des Wissenschaftlers ist diese Grundhaltung unbedingt zu begrüßen.

Genauso wie Zukunft eine Bildung braucht, benötigt Bildung auch eine Zukunft.

Die Stiftung Mercator trägt hierzu mit ihrem offenen Profil nachhaltig bei, wobei wenige,

aber zentrale Anforderungen an die Beantragung von Mitteln die Qualität wirkungsvoll

sichern. Das schließt aber nicht aus, dass ein innovatives Projekt einmal

scheitern darf.

Abschließend sei noch, in der für Wissenschaftler typischen Art, eine Kritik geäußert;

dies allein drückt im Übrigen das besondere Verhältnis zwischen der Stiftung

und ihren Partnern aus. Die zahlreichen Projekte verfügen zum Teil über gemeinsame

Schnittstellen, die womöglich noch nicht immer hinreichend gesehen und vor allem

genutzt werden. Hier sind sicherlich Synergien zu erwarten, die die Arbeit insgesamt

noch wirkungsvoller und nachhaltiger werden lässt.

Prof. Dr. Wilfried Bos

ist seit 2005 Professor für Bildungsforschung

und Qualitätssicherung

sowie Direktor des Instituts

für Schulentwicklungsforschung

der Technischen Universität

Dortmund. Zuvor war er von 2000

bis 2005 als Professor für Quantitative

Methoden und Internationale

Bildungsforschung an der Universität

Hamburg tätig. Von 1997 bis

1998 arbeitete er als Projektleiter

am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

in Berlin und im Anschluss

als Hochschuldozent für

qualitative Forschungsmethoden

an der Pädagogischen Hochschule

Erfurt.

15


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Auf dem Weg zur Zukunftsregion: Die Hochschulen des Ruhrgebiets stehen im Fokus des Engagements der Stiftung Mercator.


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Wissenschaft stärken

Mit dem Wandel von der Industrie- zur Wissenschaftslandschaft kann

das Ruhrgebiet sich zu einer Zukunftsregion entwickeln, die in besonderem

Maße hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs anzieht

und fördert.

Die Stiftung Mercator hat es sich zum Ziel gesetzt, diesen Wandel voranzutreiben.

Sie will innovative Ansätze entdecken und unterstützen,

die wissenschaftlichen Talenten beste Entfaltungsmöglichkeiten bieten

und das Denken über fachliche, kulturelle und institutionelle Grenzen

hinweg anregen.

Wir begreifen das Ruhrgebiet als einen Raum großer Chancen. Ein

Standort, der künftig eine Rolle unter den bedeutenden Wissenschaftsregionen

Europas spielen kann.

Deshalb richten wir besonderes Augenmerk auf eine verstärkte Kooperation

der Hochschulen im Ruhrgebiet und wirken mit Projekten wie

„RuhrCampusOnline“ und „Zukunft des Alterns“ gezielt auf Zusammenarbeit

hin, um so Kompetenzen und Kräfte der Region zu bündeln. Wir

möchten, dass das Ruhrgebiet deutlich an Attraktivität gewinnt – für

Studierende ebenso wie für Wissenschaftler, nicht nur aus ganz

Deutschland, sondern aus aller Welt.

Unsere Förderung geht aber auch regional darüber hinaus. Sie zielt

dabei speziell auf Personen, Organisationen und Kooperationen, die

Hervorragendes leisten. Nicht die Fachrichtung, sondern die exzellente

Qualität der Projekte steht dabei für uns im Vordergrund.

Unsere größten Projekte im

Bereich „Wissenschaft stärken“:

• Junges Kolleg an der Nordrhein-

Westfälischen Akademie der

Wissenschaften (S. 26)

• GAME (S. 27)

• NRW School of Governance

(S. 28)

• Forschungskolleg „Der Humanismus

in der Epoche der Globalisierung“

(S. 29)

• RuhrCampusOnline (S. 20)

17


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Ein Blick in die Projekte: Die NRW School of Governance

Politische Innovation

ermöglichen

Seit 2006 unterstützt die Stiftung Mercator die NRW School of Governance an der Universität Duisburg-

Essen. Ihr Leiter Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte berichtet mit Blick auf den exzellenten Nachwuchs über

Wirkungsmechanismen von (Politik-)Netzwerken und die Anforderungen an deren Akteure.

In Zeiten des Wandels kommt kollektiver Handlungsfähigkeit – der Vernetzung von

staatlichen und nichtstaatlichen Handlungspotenzialen – bei der Bewältigung neuer

Aufgaben und Probleme immer größere Bedeutung zu. Begriffe wie Governance oder

Politiknetzwerke bezeichnen die Abkehr von antiquierten Perspektiven politischer

Steuerung, die den Wohlfahrtsstaat als primäre Problemlösungsinstanz ansehen.

Politiknetzwerke sind nicht in starre Strukturen eingebunden, sie bewegen sich

themenspezifisch, problem- und lösungsorientiert. Solche Netzwerke sind interdisziplinäre

und multisektorale Bündnisse auf Zeit – das heißt, sie setzen sich aus verschiedenen

gesellschaftlichen Akteuren zusammen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

ist die Schnittstellenkompetenz der beteiligten Akteure. Also ihre Fähigkeit,

die Handlungs- und Logikmuster aus anderen gesellschaftlichen Teilbereichen zu

deuten und zu akzeptieren. Durch das Ausbildungsprofil der NRW School of Governance

erhalten unsere Studierenden und Promovenden beispielsweise die Chance, derartige

Fähigkeiten zu entwickeln und anwendungsorientiert zu trainieren.

Eine aktive Zivilgesellschaft kann in solchen Netzwerken als Rezeptor und zugleich

als Initiator und als Motor für innovative Problemlösungsansätze dienen. Auf

der kleinsten Ebene können Probleme am effektivsten aufgenommen, Lösungen entwickelt

und umgesetzt werden. Subsidiarität bedeutet nicht, den Staat zu ersetzen, sondern

an den Stellen, die er nicht bedienen kann, Innovation zu ermöglichen.

Für solche Ansätze von unten herauf („Bottom-up“) sind Machertypen, sind Innovatoren

gefordert, aus allen gesellschaftlichen Teilbereichen. Dazu gehört zunehmend

ein neuer Typus von Unternehmerpersönlichkeit, der sich der Bewältigung gesellschaftlicher

Probleme verschrieben hat: der „Social Entrepreneur“ – der Sozial-Unternehmer.

Social Entrepreneurship bedeutet unternehmerisches Handeln, das auf die

nachhaltige Lösung eines gesellschaftlichen Problems mit innovativen Mitteln abzielt.

Ein prominentes Beispiel ist Muhammad Yunus, Friedensnobelpreisträger des Jahres

2006 und Sozial-Unternehmer mit dem Mikrokreditinstitut Grameen Bank in Bangladesch.

Yunus, ein Wissenschaftler, vereint seinen innovativen Ansatz mit fachlicher

Expertise und der Fähigkeit, verschiedene gesellschaftliche Akteure für die Verwirklichung

seiner sozialen Vision in ein Netzwerk einzubinden.

18


Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte ist überzeugt,

dass sich Wissenschaft und Praxis in Politiknetzwerken

ergänzen müssen, wenn effektive

Lösungen aufgezeigt werden sollen.

Wissenschaft stärken – so lautet einer der zentralen Förderbereiche der Stiftung

Mercator – bedeutet, neben dem Ausbau fachlicher Expertise auch das Denken

über räumliche und inhaltliche Grenzen hinweg anzuregen. Eines dieser Projekte,

das diesen Brückenschlag vollbringt, ist UNIAKTIV. UNIAKTIV vermittelt ehrenamtliche

Einsätze in sozialen, kulturellen oder ökologischen Projekten an Studierende

der Universität Duisburg-Essen. Von einer solchen Kooperation profitieren sowohl

die Wissenschaft als auch der Non-Profit-Sektor. Studierende bringen ihre Fachkenntnisse

in wohltätige Projekte ein und können diese so effektiv unterstützen und

voranbringen. Im Gegenzug erhalten angehende Wissenschaftler Einblicke in die

praktische Arbeitswelt, schärfen ihren Blick für soziale und politische Problemlagen,

erlernen somit besagte Schnittstellenkompetenzen und erhalten Zugang zu neuen,

innovativen Ansätzen.

Innovationsfähigkeit ist von jeher eine Domäne der Wissenschaft und der Forschung.

Aber auch die Wissenschaft ist auf Innovation von außen angewiesen. Innovation

braucht Menschen. Menschen, die in der Lage sind, gesellschaftliche Probleme zu

benennen und interdisziplinäre Brücken zwischen gesellschaftlichen Teilbereichen zu

errichten. Wissenschaft kann sich der innovativen Ansätze aus der Praxis der Social

Entrepreneurs bedienen und diese in Lernprozesse umwandeln und verstetigen. Wissenschaft

und Praxis müssen sich in Politiknetzwerken ergänzen, wenn effektive Lösungen

aufgezeigt werden sollen.

Der Ausbildung und Förderung von Schnittstellenkompetenzen für die Initiatoren

des sozialen Wandels von morgen kommt eine nicht zu unterschätzende Bedeutung

zu. Einander Verstehen ist die Voraussetzung, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Zukünftige Social Entrepreneurs brauchen neben einer exzellenten fachlichen

Ausbildung vor allem interdisziplinäre Weitsicht, praktische Problemlösungs- und Vermittlungskompetenz,

Toleranz und die Fähigkeit, Akteure aus verschiedenen gesellschaftlichen

Sektoren für das eigene Projekt zu begeistern. Die Projekte der Stiftung

Mercator unterstützen aktiv die Ausbildung von Schnittstellenkompetenz, die für zukünftige

gesellschaftliche und politische Innovation in einer sich wandelnden Welt

unerlässlich ist.

Prof. Dr. Dr. Karl-Rudolf Korte

ist Wissenschaftlicher Leiter der

NRW School of Governance. Er ist

zudem Professor für Politikwissenschaft

an der Universität Duisburg-

Essen im Fachgebiet „Politisches

System der Bundesrepublik

Deutschland“. 2006 wurde er zum

„Professor des Jahres“ in der Kategorie

Geistes-, Gesellschafts- und

Kulturwissenschaften durch das

Fachmagazin UNICUM-Beruf ausgezeichnet.

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Neue Projekte 2007

Eine Auswahl

Projektpartner

Ruhr-Universität Bochum, Technische

Universität Dortmund, Universität

Duisburg-Essen

Laufzeit

2007 bis 2010

Fördervolumen

806.605 Euro

Zielgruppe

Studierende und Lehrende der Universitätsallianz

Metropole Ruhr

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Entwicklung einer Kultur des Austauschs

in Forschung und Lehre,

Förderung von Synergien, Stärkung

des Studienstandorts Ruhrgebiet

Link

www.uamr.org

RuhrCampusOnline

Im März 2007 haben sich die Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

zur „Universitätsallianz Metropole Ruhr“ zusammengeschlossen. Die Kooperation soll

die hiesige Hochschullandschaft im Wettbewerb der Wissenschaftsstandorte stärken.

Um diese Kooperation mit Leben zu füllen, wird bis zum Jahr 2010 die Internetplattform

„RuhrCampusOnline“ eingerichtet. „RuhrCampusOnline“ sammelt hochschulübergreifende

Lehrangebote, sodass die Studierenden von Vorlesungen und Seminaren

aller beteiligten Hochschulen profitieren.

Alle Studierenden der Ruhrallianz können sich ohne zusätzliche Gebühren zu

Veranstaltungen der Nachbaruniversitäten anmelden. Eingestellt werden Lehrangebote

nur, wenn eine reibungslose Anrechnung von Studienleistungen gewährleistet ist.

E-Learning-Lösungen sorgen dafür, dass die Lehre an den Nachbaruniversitäten in Anspruch

genommen werden kann, ohne dass die Studierenden dafür von Campus zu

Campus pendeln müssen. Um die Lehrenden zu motivieren, entsprechende Veranstaltungen

anzubieten, soll ein gemeinsames Organisations- und Anreizmodell entwickelt

werden. Durch „RuhrCampusOnline“ werden insgesamt rund 90.000 Studierende und

über 5.000 Lehrende der Region zugleich angesprochen.

20


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Zukunftsort Hochschule: Dank „Uni-Trainees“ starten

Abiturienten aus der Ruhrregion künftig gut gerüstet in

den Studienalltag. Die Universitäten Bochum, Dortmund

und Duisburg-Essen ermöglichen ihren Studierenden zudem,

mit dem „RuhrCampusOnline“ von Vorlesungen und

Seminaren an allen beteiligten Hochschulen zu profitieren.

Projektpartner

Universität Duisburg-Essen

Laufzeit

2008 bis 2010

Fördervolumen

432.732 Euro

Zielgruppe

Schüler der Sekundarstufe II

Region

Ruhrgebiet/NRW

Stiftungsziel

Förderung des wissenschaftlichen

Nachwuchses und Stärkung der

Hochschulstandorte in der Region

Ruhrgebiet/NRW

Link

www.uni-duisburg-essen.de/abz

Uni-Trainees

Für den Übergang von der Schule zur Hochschule gibt es bislang nur wenige befriedigende

Lösungen, die Schüler effektiv auf ein Studium vorbereiten. Die Folge: Massen

von oft orientierungslosen Erstsemestern, die von Jahr zu Jahr die Hochschule bevölkern,

lange Studienzeiten und hohe Abbrecherquoten. All das erschwert die Ausbildung

herausragender Absolventen.

Mit dem Programm „Uni-Trainees“ beschreiten das Akademische Beratungszentrum,

der Career Service und die Allgemeine Studienberatung der Universität Duisburg-Essen

einen modellhaften Weg, um die künftigen Studierenden aus der Region

optimal auf die Wahl ihres Studienfachs und den Studienalltag vorzubereiten. Das

Besondere: Die Vorbereitung auf die Hochschule findet bereits im Klassenraum statt,

die Abiturienten starten gut gerüstet ins „Abenteuer Uni“.

Innerhalb von drei Jahren – bis zum Inkrafttreten der Reform der gymnasialen

Oberstufe in NRW zum Schuljahr 2010/2011 – soll ein System von Lehr- und Lernmodulen

aufgebaut werden, das den Lehrern der 250 weiterführenden Schulen in der

Region zur Verfügung gestellt wird. Dieses umfasst zwei Ebenen: die Studienwahlorientierung

sowie die Studienvorbereitung. Im ersten Schritt erhalten die Schüler nicht

nur Informationen, sondern Begleitung bei der selbstständigen Studienwahl, etwa

durch Gruppengespräche. Im zweiten Schritt bereiten sie sich auf wissenschaftliches

Arbeiten vor, lernen Strategien zum Zeitmanagement und dokumentieren ihre Erfolge

in einem „Uni-Trainee-Pass“.

21


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Projektpartner

Ruhr-Universität Bochum und Technische

Universität Dortmund

Laufzeit

2007 bis 2008

Fördervolumen

365.000 Euro

Zielgruppe

Lehrende und Studierende der Universitäten

Bochum und Dortmund

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Stärkung des Wissenschaftsstandortes

Ruhrgebiet, der Kooperation

zwischen den Hochschulen der Region

sowie des wissenschaftlichen

Nachwuchses

Link

www.ruhr-uni-bochum.de/zuda

Gesellschaftlicher Wandel und Zukunft des Alterns

Wir leben immer länger. Entsprechend wächst der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung

ständig. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die aus der sich verändernden

Altersstruktur resultieren, gewinnen an Bedeutung und werden immer stärker

thematisiert. Dabei werden oft fast schicksalhafte Krisenszenarien entwickelt, ohne

Möglichkeiten aufzuzeigen, diesen entgegenzusteuern.

Hier setzt das Projekt „Gesellschaftlicher Wandel und Zukunft des Alterns“ an:

Das Kooperationsprojekt der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität

Dortmund verfolgt das Ziel, einen Wissenschaftsverbund aufzubauen, der tragfähige

und zukunftsorientierte Lösungen für die Herausforderungen entwickelt, die sich

aus dem Altern der Bevölkerung ergeben. Dazu zählen Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote,

ein themenbezogener Wissens- und Gestaltungstransfer sowie ein interdisziplinär

ausgerichteter Forschungsdialog.

Zunächst wurde an der Ruhr-Universität Bochum ein Sekretariat mit zwei wissenschaftlichen

Mitarbeitern eingerichtet. Es soll den interdisziplinären Masterstudiengang

„Alternde Gesellschaften“ aufbauen, der für Studierende der beiden beteiligten

Universitäten zugänglich ist. Ein weiteres Ziel ist es, eine „Ruhr-Graduate-School on

Ageing“ zu entwickeln, um eine Betreuungsstruktur für vielversprechende Promovenden

zu schaffen. Weiterbildungsangebote aus allen Hochschulen der Region sollen gebündelt

und der Fachwelt zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus können sich

exzellente Studierende an einer Summer School fortbilden. Auch ein interdisziplinärer,

wissenschaftlicher Austausch und ein Gestaltungs- und Transferangebot sollen geschaffen

werden.

Das Projekt verspricht, auch zur Reputation des Wissenschaftsstandortes Ruhrgebiet

bei diesem wichtigen Zukunftsthema beizutragen.

An der einwöchigen

Summer School zum Projekt

„Zukunft des Alterns“ nahmen

Studierende und Promovenden

aus allen Ruhrgebietshochschulen

teil, um

sich mit dem Thema intensiv

auseinanderzusetzen.

22


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Das Hochschulnetzwerk „IS:link“ erleichtert Studierenden

die Organisation ihres Auslandsaufenthalts und

sorgt für eine reibungslose Anerkennung der Studienleistungen.

IS:link

Für Studierende wird ein Aufenthalt im Ausland immer wichtiger. Denn durch ein

oder zwei Semester an einer außerdeutschen Universität verbessern sie nicht nur ihre

Fremdsprachenkenntnisse, sondern eignen sich auch soziale und kulturelle Schlüsselqualifikationen

an. Auf dem Arbeitsmarkt sind diese Erfahrungen mittlerweile ein entscheidender

Wettbewerbsvorteil. Dennoch scheuen noch immer viele Studierende vor

einem Auslandsaufenthalt zurück. Einer der Hauptgründe: Bei der Anerkennung der

Studienleistungen, die sie an der fremden Hochschule erbracht haben, kommt es an

der Heimatuniversität häufig zu Schwierigkeiten. Abhilfe schafft da auch nicht die internationale

Angleichung der Studienabschlüsse im Zuge des Bologna-Prozesses, denn

die Lehrpläne werden von den Hochschulen immer weiter differenziert, um eigenständige

Profile entwickeln zu können.

„IS:link“ bietet für dieses Problem eine Lösung. Es ist als internationales Hochschulnetzwerk

geplant, ausgehend vom Campus der Universität Duisburg-Essen. Das

Ziel: Die beteiligten Hochschulen ermöglichen den Studierenden einen ein- bis zweisemestrigen

Austausch, indem sie ihnen entsprechende Beratung anbieten, die nötigen

Verwaltungsschritte vereinfachen und die reibungslose Anerkennung der Studienleistungen

ermöglichen. Konkret funktioniert das so: Universitäten, die sich dem Netzwerk

anschließen, kategorisieren ihre Lehrangebote in ein sogenanntes Rahmen-Curriculum,

das „IS:link-Curriculum“. Dadurch entsteht eine internationale Vergleichbarkeit

der Lehrangebote. Die angebotenen Veranstaltungen werden einheitlich beschrieben

und in einer zentralen Datenbank hinterlegt, die über die Internetplattform

www.is-link.org abrufbar ist. Durch ein standardisiertes Bewerbungsverfahren, durch

Unterstützung bei Einreise, Einschreibung und Suche nach Unterkunft sowie durch

englischsprachige Lehrveranstaltungen wird den Studierenden der Auslandsaufenthalt

weithin erleichtert.

Auf Dauer ist zudem geplant, auch Lehraufträge im Ausland über „IS:link“ zu vermitteln.

In seiner Pilotphase konzentriert sich das Projekt auf das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik,

um in diesem stark interdisziplinär ausgerichteten Bereich mit überdurchschnittlich

hohem Abstimmungsbedarf die Möglichkeiten von „IS:link“ zu testen.

Bewährt sich das Netzwerk, soll das gesammelte Know-how zum Netzwerkaufbau anderen

Fachgebieten zur Verfügung gestellt werden.

Projektpartner

Universität Duisburg-Essen

Laufzeit

2006 bis 2011

Fördervolumen

298.570 Euro

Zielgruppe

Studierende und Lehrende der

Wirtschaftsinformatik im In- und

Ausland

Region

Ruhrgebiet und ausländische Hochschulen

Stiftungsziel

Aufbau eines internationalen Hochschulnetzwerkes,

das von einer

Hochschule des Ruhrgebiets initiiert

wird

Link

www.is-link.org

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WISSENSCHAFT STÄRKEN

Projektpartner

Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets

Laufzeit

2007 bis 2010

Fördervolumen

192.000 Euro

Zielgruppe

An der Geschichte des Ruhrgebiets

interessierte Öffentlichkeit,

Schüler, Lehrer, Studierende und

Wissenschaftler

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Förderung der Wissenschaft mit einem

besonderen Fokus auf die Region

Ruhrgebiet

Link

www.ruhr-uni-bochum.de/lesebuch

Geschichte des Ruhrgebiets

Im Jahr 2010 wird das Ruhrgebiet „Kulturhauptstadt Europas“. Mit der Ernennung

würdigte die Europäische Union auch die einzigartige Entwicklung dieser Region: Als

ehemals größter schwerindustrieller Ballungsraum Europas hat das Ruhrgebiet in

einem tiefgreifenden Strukturwandel den Schritt in die Moderne geschafft.

Pünktlich zum Kulturhauptstadtjahr wird die Stiftung Bibliothek des Ruhrgebiets

eine Geschichte des Ruhrgebiets vorlegen, um die historischen Konturen dieser Region

in einer zentralen Publikation, die so bislang nicht existiert, zu präsentieren. Die

Publikation wird drei Bände umfassen: eine einbändige „Gesamtdarstellung der Ruhrgebietsgeschichte“

sowie die Dokumentation „Historisches Lesebuch Ruhrgebiet“ in

zwei Bänden, die historische Zeugnisse umfassend editiert.

Die vielfältige Industriekultur ist das Markenzeichen des Ruhrgebiets. Dessen Strukturwandel

und Weg in die Moderne zeichnet die Publikation „Geschichte des Ruhrgebiets“ nach.

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WISSENSCHAFT STÄRKEN

Das Projekt „Soft Skills.Schlüsselkompetenzen

trainieren“ will Berufsfähigkeit und Persönlichkeit

der Studierenden entwickeln.

Soft Skills. Schlüsselkompetenzen trainieren

Soft Skills gehören heute auf dem Arbeitsmarkt zu den wichtigsten Kompetenzen.

Doch wo soll man diese „weichen Fähigkeiten“ erlernen? Wie kann man sie bereits im

Rahmen eines Studiums vermitteln? Eine innovative Antwort auf diese viel diskutierte

Frage hat der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) an der Fachhochschule Dortmund

gefunden. Das Projekt „Soft Skills. Schlüsselkompetenzen trainieren“ packt das

Problem an der richtigen Stelle an: Im Kontrast zur theorielastigen Fachausbildung

werden Berufsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung aktiv unterstützt. Zugleich

gewinnt das Studium damit für die Studierenden an Attraktivität und die Bindung an

den Hochschulstandort wird gefördert.

Wie geschieht das konkret? Gemeinsam mit Lehrenden, Verwaltung und Hochschulgremien

entwirft der AStA Projekte, die zur Verbesserung der Lehre und der

Dienstleistungen der Hochschule beitragen. Alle Studierenden können neben ihrem

Fachstudium in diesen Projekten mitarbeiten. In Schlüsselkompetenzseminaren, die

vorab und begleitend zu dem jeweiligen Projekt angeboten werden, erlernen die Studierenden

Methoden und Techniken, um erfolgreich im Team zu arbeiten und um Probleme

in der Praxis mit ihrem theoretischen Fachwissen effektiv zu lösen. Die Projekte

sind vielfältig und reichen von einer Informationskampagne für Existenzgründungen

bis hin zu einer Karrierewerkstatt für Studentinnen. Geplant ist, die Projektarbeit in

bestehende Curricula einzubinden und diese als Prüfungsleistung anzuerkennen.

Projektpartner

Fachhochschule Dortmund

Laufzeit

2007 bis 2008

Fördervolumen

41.500 Euro

Zielgruppe

Studierende und Lehrende der

Fachhochschule Dortmund

Region

Dortmund

Stiftungsziel

Stärkung des Studienstandortes

Ruhrgebiet durch berufsqualifizierende

Angebote für Studierende

Link

www.stud.fh-dortmund.de/

wiki/Softskills

25


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Erfahrungsaustausch von exzellenten

Nachwuchswissenschaftlern mit der

Wissenschaftselite – diese Chance erhalten

die Stipendiaten des Jungen Kollegs

an der Nordrhein-Westfälischen

Akademie der Wissenschaften, wie hier

beim Forschungstag.

Laufende Projekte 2007

Eine Auswahl

Projektpartner

Nordrhein-Westfälische Akademie

der Wissenschaften

Laufzeit

2006 bis 2013

Fördervolumen

2.929.000 Euro

Zielgruppe

Exzellente Post-Docs

Region

Nordrhein-Westfalen

Stiftungsziel

Förderung einer Anerkennungskultur

für exzellente Leistungen

des wissenschaftlichen Nachwuchses

in NRW

Link

www.akdw.nrw.de

Junges Kolleg an der Nordrhein-Westfälischen Akademie der

Wissenschaften

Die Spitzenforschung der Zukunft zu fördern und hochkarätige Wissenschaftler an

den Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen zu binden – das sind die Ziele des

Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften. Der wissenschaftliche

Nachwuchs wird hier fachlich, finanziell und ideell in besonderer Weise

unterstützt.

Insgesamt 30 junge Wissenschaftler werden sukzessive als Kollegiaten in das Junge

Kolleg berufen. Die Berufung stellt nicht nur eine große persönliche Auszeichnung

dar. Sie beinhaltet zugleich eine finanzielle und fachliche Unterstützung. Unter dem

Dach der Akademie erhalten die Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit, interdisziplinär

zusammenzuarbeiten, die Infrastruktur der Akademie für ihre Forschung zu

nutzen und sich mit der Wissenschaftselite auszutauschen. Innerhalb und außerhalb

der Akademie werden so Netzwerke geknüpft, von denen die jungen Wissenschaftler

langfristig profitieren können. Einmal im Jahr stellen sie ihre Forschungsergebnisse

auf dem Forschungstag der Akademie vor.

Die Stiftung Mercator und das Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung

und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen tragen das Projekt. Im Rahmen

einer landesweiten Ausschreibung können die wissenschaftlichen Hochschulen

und Forschungseinrichtungen jedes Jahr Kandidaten für das Junge Kolleg vorschlagen.

Im Januar 2007 wurden aus einer großen Zahl von Nominierungen die ersten

dreizehn Mitglieder ausgewählt, im Januar 2008 folgten weitere elf. Das fachliche

Spektrum reicht von den Naturwissenschaften und der Medizin über die Ingenieurund

Wirtschaftswissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften.

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WISSENSCHAFT STÄRKEN

Projektpartner

Leibniz-Institut für Meereswissenschaften

(IFM-GEOMAR) der Christian-Albrechts-Universität

zu Kiel

Laufzeit

2002 bis 2008

Fördervolumen

1.102.639 Euro

Zielgruppe

Studierende der Meereswissenschaften

Region

Kiel und internationale Meeresforschungsinstitute

Stiftungsziel

Förderung exzellenten wissenschaftlichen

Nachwuchses in Verbindung

mit der Erprobung eines

weltweit innovativen Forschungsansatzes

Link

www.ifm-geomar.de/game

GAME

GAME – das bedeutet übersetzt Spiel. Doch was sich dahinter verbirgt, ist Forschungsund

Nachwuchsförderung mit einem hoch innovativen Ansatz. Die Abkürzung GAME

steht für „Globaler Ansatz durch modulare Experimente“. Sie bezeichnet ein internationales

Trainings- und Forschungsprogramm im Bereich Ozeanografie. 18 Teilnehmer

werden jedes Jahr ausgewählt, und zwar je zur Hälfte deutsche und ausländische Studierende.

In Zweierteams führen sie zu einer gemeinsamen Forschungsfrage verschiedene

Experimente durch und werten sie gemeinsam aus.

Das Besondere: Die Versuche finden an verschiedenen Küstenstandorten auf der

ganzen Welt statt – jedoch immer in den Sommermonaten, zeitversetzt an fünf Standorten

auf der südlichen, dann an fünf Standorten auf der nördlichen Erdhälfte. Solche

Forschungsvorhaben, die sich auf beide Globushälften zugleich beziehen, sind bislang

ausgesprochen selten. GAME ermöglicht dieses aufwendige Projektdesign, indem es

mit 21 Meeresforschungsinstituten auf fünf Kontinenten zusammenarbeitet.

Die Nachwuchsforscher erarbeiten zunächst ihre Versuchsreihen in einem „Working

Camp“ am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Christian-Albrechts-Universität

zu Kiel (IFM-GEOMAR). Dort wird ihnen auch eine vertiefte Einführung in die

wissenschaftliche Methodik vermittelt. Im Anschluss an die auf den zwei Erdhalbkugeln

durchgeführten Experimente treffen sich die Stipendiaten zur Nachbereitung.

Die Teilnahme am GAME-Programm ermöglicht es den Studierenden, auf der Basis

eines fünfmonatigen Forschungsaufenthalts im Ausland ihre Abschlussarbeit zu

entwickeln. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten tragen sie an verschiedenen

Hochschulen einem Fachpublikum vor und publizieren sie in internationalen Fachzeitschriften.

Aufgrund des außergewöhnlich innovativen Ansatzes fördert die Stiftung

Mercator dieses Vorhaben am Standort Kiel.

Das Besondere am GAME-Forschungsprojekt:

Die Experimente werden

zeitversetzt auf beiden Globushälften

durchgeführt und die Ergebnisse beider

Hemisphären verglichen.

27


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Projektpartner

Institut für Politikwissenschaft an

der Universität Duisburg-Essen

Laufzeit

2006 bis 2011

Fördervolumen

975.000 Euro

Zielgruppe

Zukünftige Leistungsträger in Wissenschaft,

Politik und Wirtschaft

Region

Deutschland, insbesondere Nordrhein-Westfalen

Stiftungsziel

Förderung einer Anerkennungskultur

für exzellente Leistungen des

wissenschaftlichen Nachwuchses

und Förderung eines besonders

innovativen Studiengangs

Link

ww.nrwschool.de

NRW School of Governance

Die besondere Förderung exzellenter Studierender und Promovenden und die Konzentration

auf spezifische Studienangebote sind Aufgaben, denen sich Hochschulen stärker

widmen müssen, um international wettbewerbsfähig zu sein. Die NRW School of

Governance kann beides: Sie bietet eine solche Förderung ganz zielgerichtet für das

Themengebiet Governance am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen

an.

Die Promotion schon während des Studiums beginnen – das können fünf herausragende

Studierende im Master-Studiengang „Politikmanagement, Public Policy und

öffentliche Verwaltung“. Studierende, die sich nach dem ersten Jahr des MA-Studiums

durch exzellente Prüfungsleistungen auszeichnen, erhalten die Chance, in das Stiftung

Mercator Exzellenzprogramm zu wechseln. Es ermöglicht Ihnen, in den zwei Folgejahren

gleichzeitig den Master-Abschluss und den Promotionsgrad zu erlangen. Die Studierenden

werden zusätzlich durch Stipendien unterstützt und herausragende Abschlussarbeiten

mit Förderpreisen ausgezeichnet.

Darüber hinaus vermitteln namhafte Persönlichkeiten als Gastdozenten aus Wissenschaft,

Politik und Wirtschaft praxisnahes Expertenwissen. So hat beispielsweise

Ministerpräsident a. D. Wolfgang Clement die Gastprofessur der Stiftung Mercator

übernommen und lehrt 2008 an der Universität Duisburg-Essen. Mit ihren Angeboten

an Weiterbildung, Lehre und Forschung ist die NRW School of Governance fester Bestandteil

der Universität und gilt inzwischen als Vorzeigeprojekt für eine gute Nachwuchsförderung.

Mehr darüber, wie politische Innovation ermöglicht und Schnittstellenkompetenz

ausgebildet werden kann, erfahren Sie in einem Gastbeitrag von NRW School-Leiter

Prof. Karl-Rudolf Korte auf Seite 18.

Die NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen bietet herausragenden

Studierenden die Chance, ihre Promotion schon während des Studiums zu beginnen. Hier

die drei Stiftung Mercator-Promotionsstipendiaten Kristina Weissenbach, Markus Hilz, Ines

Lietzke (v.l.).

„Durch das Stipendium habe ich die

Möglichkeit, in Vollzeit mein Dissertationsthema

,Konfliktbeilegung durch

Europäisierung. Der Kosovo‘ zu bearbeiten

und die Promotion innerhalb

von zwei Jahren abzuschließen. Gleichzeitig

sieht das Programm eine enge

Anbindung an das Institut für Politikwissenschaft

vor, wodurch eine exzellente

Betreuung und der rege wissenschaftliche

Austausch gesichert sind.“

Ines Lietzke,

Stiftung-Mercator-Promotionsstipendiatin

an der NRW School of Governance

28


WISSENSCHAFT STÄRKEN

„Leitkultur ist genau dies: Ein

Konzept zur Selbstverständigung

und zur Orientierung,

die wie auch immer entstehende

und sich weiter entwickelnde

Selbstverständigung einer

Gesellschaft über das, was es

an Verbindlichkeiten geben

muss. Übrigens auch, und gerade

deshalb, um Freiheit

möglich zu machen.“

Dr. Norbert Lammert,

Bundestagspräsident

Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert und die Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek

diskutierten zum Thema „Meine Leitkultur“.

Forschungskolleg

„Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung“

Vernetzung erleichtert Exzellenz, denn der weltweite Wissensaustausch befruchtet die

Forschung und macht die Bearbeitung komplexer Fragen erst möglich. Deshalb unterstützt

die Stiftung Mercator das interdisziplinäre Forschungskolleg „Der Humanismus

in der Epoche der Globalisierung“ am Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen,

das in der Tradition internationaler Advanced Study Institutes steht. Hier werden

interdisziplinäre Forschungsansätze zusammengeführt und fächerübergreifend diskutiert.

Den Mittelpunkt bilden kulturwissenschaftliche Grundsatzprobleme, die sich von

einer Disziplin alleine nicht lösen lassen.

Im Mittelpunkt dieses Projekts steht eine zentrale Frage der Gegenwart: Welche

Entwicklung nimmt der Humanismus in den Zeiten der Globalisierung? Das Kulturwissenschaftliche

Institut bringt hochrangige Wissenschaftler und exzellente Nachwuchsforscher

in einen internationalen Dialog über diese Frage. Denkschulen aus den verschiedenen

Kulturräumen diskutieren Themen wie Identität und Kultur, Gemeinwohl

und Gerechtigkeit, Bildung und Integration, Menschenbilder, interkulturelle Anthropologie,

Religion in der Moderne sowie Humanität und Humanismus im Kulturvergleich.

Ein internationales Austauschprogramm für Wissenschaftler sowie ein Graduiertenkolleg

ergänzen das Projekt. Eine Reihe hochkarätig besetzter Veranstaltungen wie Diskussionsrunden

und Lectures soll die wissenschaftliche Zusammenarbeit fördern und die

Inhalte der Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Jahr 2007 beteiligten sich daran unter

anderem Gäste wie die Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek, Bundestagspräsident Dr.

Norbert Lammert und der Journalist und Autor Klaus Harpprecht. Auch Lehrmaterialien

für Schulen und für die politische Bildungsarbeit werden entwickelt.

Das Projekt ist in ein kooperatives Netzwerk von wissenschaftlichen Institutionen

eingebettet, die vornehmlich nicht westeuropäischen Ländern bzw. Regionen wie China,

Japan, Indien, Afrika und der islamischen Welt entstammen. Um ihr anspruchsvolles

Programm realisieren zu können, bindet das Kulturwissenschaftliche Institut darüber

hinaus die wissenschaftlichen Einrichtungen des Ruhrgebiets (die Universitäten

Bochum, Dortmund, Duisburg-Essen und Witten/Herdecke sowie Institute der außeruniversitären

Forschung) mit ein, um sie an der Organisation, Projektentwicklung und

Programmgestaltung zu beteiligen.

Projektpartner

Kulturwissenschaftliches Institut

(KWI), Essen

Laufzeit

2006 bis 2010

Fördervolumen

945.000 Euro

Zielgruppe

Geistes- und Kulturwissenschaftler

sowie interessierte Öffentlichkeit

des Ruhrgebiets

Region

Deutschland/Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Positionierung der Ruhrregion als

Standort mit international anerkannter

wissenschaftlicher Exzellenz;

Förderung der Wissenschaftskooperationen

im Ruhrgebiet

Link

www.kwi-humanismus.de

29


WISSENSCHAFT STÄRKEN

„Wir wollten beide schon

länger etwas Ehrenamtliches

machen. An der Uni entwirft

man ein Konzept, entwickelt ein

fiktives Produkt – aber umgesetzt

wird nichts davon. Das ist

bei UNIAKTIV anders. Es hilft

anderen Menschen, macht eine

Menge Spaß und bringt uns

persönlich weiter. “

Sabrina Korthaus,

Studentin an der

Universität Duisburg-Essen

Die Industriedesign-Studentin Sabrina Korthaus (l.) entwarf mit ihrer Kommilitonin Verena Simon im

Seniorenheim auf der Margarethenhöhe in Essen einen Sinnesgarten für Demenzkranke.

Projektpartner

Universität Duisburg-Essen

Laufzeit

2006 bis 2009

Fördervolumen

666.900 Euro

Zielgruppe

Studierende und Lehrende,

gemeinnützige Institutionen im Umfeld

von Universitäten

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Förderung innovativer Bildungsideen

und -formen an Hochschulen

Link

www.uni-aktiv.org

UNIAKTIV

Tue Gutes – und profitiere davon. So könnte das Motto der an der Universität Duisburg-Essen

angesiedelten Initiative UNIAKTIV lauten. Die Initiative vermittelt Studierenden

ehrenamtliche Einsätze in sozialen, kulturellen oder ökologischen Projekten

der Region oder nationalen und internationalen Projekten, die durch die Universität

unterstützt werden. Bei Bedarf werden die Studierenden auf ihre Einsätze vorbereitet

und begleitet. Einen Gewinn haben dabei nicht nur die sozialen Partnereinrichtungen.

Auch die Studierenden profitieren, denn sie erhalten wertvolle Einblicke in den Arbeitsalltag

– und können zudem die auf dem Arbeitsmarkt so wichtigen Soft Skills

erwerben, indem sie ihre Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sowie ihre Kooperations-

und Teamkompetenzen stärken.

Gemeinsam mit Lehrenden bietet das Team von UNIAKTIV hochschulweit Seminare

an, in denen Studierende ihre Projektarbeiten fachlich weiterentwickeln können.

Die Seminare ermöglichen den Studierenden auch, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen

und diese zu reflektieren. So verknüpft UNIAKTIV Theorie und Praxis in

vorbildlicher Weise und ebnet der universitären Lehre einen neuen Weg zur Vermittlung

berufsrelevanter Schlüsselqualifikationen.

Bereits im zweiten Jahr seines Bestehens wurde das Projekt mehrfach prämiert:

So erhielt es den Rosalyn-und-Jimmy-Carter-Award und gewann für seinen studierendenorientierten

Projektauftritt den Red Dot Design-Preis.

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WISSENSCHAFT STÄRKEN

Projektpartner

Universität Duisburg-Essen

Laufzeit

2003 bis 2008

Fördervolumen

600.000 Euro

Zielgruppe

Deutsche und ostasiatische Studierende

Region

Deutschland und Ostasien (Japan,

China, Südkorea)

Stiftungsziel

Förderung der Toleranz und Völkerverständigung,

Erwerb von Ostasienkompetenz

bei Studierenden

Link

www.kopra.org

Praktikantenprogramm KOPRA

Junge Akademiker haben den Asien-Trend erkannt: Noch vor wenigen Jahren rangierte

Ostasien unter den Regionen, in denen Studierende durch ein Praktikum Auslandserfahrung

sammelten, ziemlich weit hinten. Mittlerweile ist vor allem China bei den

Praktikumsinteressenten sehr beliebt. Dazu beigetragen hat auch die Koordinierungsstelle

für Praktika, kurz KOPRA, an der Universität Duisburg-Essen.

KOPRA stellt den Kontakt zwischen Unternehmen und potenziellen Praktikanten

her. Auf der mehrsprachigen Informations- und Kommunikationsplattform im Internet

(www.kopra.org) können ostasiatische und europäische Unternehmen offene Praktikumsstellen

kostenlos einstellen. Studierende haben direkten Zugriff auf die Angebote

und können Unternehmen gezielt ansprechen. Zusätzlich unterstützt KOPRA den Austausch

mit umfangreichen Informationsangeboten sowohl für Bewerber als auch für

Unternehmen.

KOPRA ist in China (Shanghai), Japan (Tokyo) und Korea (Seoul) mit Ansprechpartnern

vertreten, um ein qualitativ hochwertiges Vermittlungsangebot auf Dauer zu

gewährleisten. Im Jahr 2007 konnte KOPRA den Bekanntheitsgrad weiter steigern:

Täglich verzeichnete die Homepage rund 1.200 Besucher, fast dreimal so viele wie im

Vorjahr. Auch die Zahl der offenen Praktikumsstellen stieg von durchschnittlich 250

Angeboten auf über 300 Angebote. Fast 2000 Praktikumsinteressenten waren 2007

angemeldet. Die Zahl der registrierten Praktikumsanbieter hat sich seit Beginn des

Projekts im Jahr 2003 versechsfacht.

Arbeitserfahrung auf dem anderen

Kontinent liegt im Trend. Das Praktikantenprogramm

KOPRA erleichtert

den Kontakt zwischen Studierenden

und Unternehmen.

31


WISSENSCHAFT STÄRKEN

Bessere Integration ausländischer

Promovenden und die Verbesserung

interkultureller Kompetenzen

deutscher Doktoranden ermöglicht

das Pilotzentrum Internationales

Doktorandenkolleg.

Projektpartner

Technische Universität Kaiserslautern

Laufzeit

2004 bis 2007

Fördervolumen

480.000 Euro

Zielgruppe

Ausländische und deutsche Doktoranden

an der TU Kaiserslautern

Region

Deutschland (Kaiserslautern)

Stiftungsziel

Förderung des wissenschaftlichen

Nachwuchses

Link

www.docfor.uni-kl.de

Pilotzentrum Internationales Doktorandenkolleg

Deutsche Hochschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs aus aller Welt attraktiv

zu gestalten, ist von enormer Bedeutung im internationalen Wettbewerb um die besten

Köpfe. Ausländische Doktoranden müssen deshalb nicht nur in den akademischen

Bereich, sondern auch ins Sozialleben deutscher Hochschulen integriert werden.

Erstmals an einer deutschen Universität bietet das „Pilotzentrum Internationales

Doktorandenforum“ eine fachbereichsübergreifende Lernumgebung für internationale

und deutsche Doktoranden. Fächerübergreifend ebenso wie über die Grenzen der verschiedenen

Kulturen hinweg werden hier Austausch und Zusammenarbeit geübt und

gelebt. Das Pilotzentrum erfüllt dabei gleich zwei Funktionen: Zum einen erreicht es

eine bessere Integration ausländischer Doktoranden, zum anderen verbessert es die

interkulturellen Kompetenzen deutscher Doktoranden.

Das Internationale Doktorandenforum beruht auf dem Bildungskonzept interkulturellen

Erfahrungslernens. Es eröffnet dem Doktoranden die Möglichkeit, sich über

das traditionelle „Meister-Schüler-Verhältnis“ zwischen Doktorvater und Promovend hinaus,

in einem interkulturellen Kontext mit der eigenen wissenschaftlichen Arbeit und

Karriere auseinanderzusetzen. Das Doktorandenforum macht Beratungs- und Veranstaltungsangebote

wie Sprachlernberatung, Workshops zur deutschen und englischen

Wissenschaftssprache und -kultur sowie Promotionsmanagement und unterstützt von

den Doktoranden selbst verantwortete Projektforen wie „Gelebte Landeskunde“ oder

„Wissenschafts- und Unternehmensethik“. Auf diese Weise eignen sich die Doktoranden

Schlüsselqualifikationen an, die für die weitere wissenschaftliche Karriere wichtig

sind.

Das Internationale Doktorandenforum wurde exemplarisch an der TU Kaiserslautern

als Pilotprojekt eingeführt. Auf der Basis dieser Initiative konnten weitere hochschulpolitische

Projekte wie beispielsweise ein Personalentwicklungsprogramm für

Nachwuchswissenschaftler initiiert werden.

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WISSENSCHAFT STÄRKEN

Projektpartner

Centrum für Hochschulentwicklung

(CHE)

Laufzeit

2006 bis 2008

Fördervolumen

105.000 Euro

Zielgruppe

Wissenschaftlicher Nachwuchs

Region

Deutschland

Stiftungsziel

Förderung einer Anerkennungskultur

des wissenschaftlichen

Nachwuchses

Link

www.hochschulkarriere.de

www.hochschulkarriere.de – eine Austauschplattform für den

wissenschaftlichen Nachwuchs

Wer in der Wissenschaft Karriere machen will, muss gut informiert sein. Das Internet

bietet eine schnelle und aktuelle Plattform, um die karriererelevanten Informationen

für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu bündeln. Die Stiftung Mercator unterstützt

deshalb das Web-Portal www.hochschulkarriere.de, das vom Centrum für Hochschulentwicklung

(CHE) initiiert wurde. Das Besondere daran: Weil das Portal in der Wiki-

Technologie aufgebaut ist, kann jeder Nutzer mit seinem Wissen zur Webseite beitragen

und wichtige Informationen blitzschnell ergänzen.

Im Mittelpunkt steht Wissenswertes zu Promotion, Juniorprofessur und Habilitation.

Neben Forschen, Lehren und Managen geht es aber auch um Themen wie Publizieren

und Weiterbildung sowie um rechtliche Aspekte und Internationales. Informationen

über Stellenausschreibungen im Nachwuchsbereich und Stipendien, ein Veranstaltungskalender

und Literaturtipps runden das Angebot ab. Im Jahr 2007 konnten neue Partner

gewonnen werden, die die inhaltliche Gestaltung von www.hochschulkarriere.de

unterstützen.

Projektpartner

Fachhochschule Bochum

Laufzeit

2005 bis 2008

Fördervolumen

102.400 Euro

Zielgruppe

Studieninteressierte Schüler;

Studierende und Alumni der

FH Bochum

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Verbesserung der Übergänge an

den Schnittstellen Schule – Hochschule

– Beruf

Link

www.fh-bochum.de/insight

inSight Mentoring

Der Übergang von der Hochschule in den Beruf stellt viele Studierende vor gewaltige

Hürden. Welches Praktikum ist für mich das richtige? Welches Unternehmen bietet gute

Einstiegschancen? Und wie sieht eigentlich eine gelungene Bewerbung aus? Bei

diesen und vielen weiteren Fragen hilft den Studierenden an der Fachhochschule

Bochum ein erfahrener Mentor weiter.

Mit „inSight“ hat die Fachhochschule Bochum ein eigenes Mentoring-Programm

entwickelt, bei dem die Studierenden sowohl Lernende als auch Lehrende sind. Zunächst

wird jedem Teilnehmer ein erfahrener Mentor an die Seite gestellt. Diese Mentoren

geben ein Jahr lang ihr Know-how aus dem Berufsleben an die Mentees weiter.

Danach schlägt das Programm eine Brücke von den Praxisvertretern über die Studierenden

bis hin zu Schülern. Denn an diese geben die Studierenden ihre eigenen, auf

das Studium bezogenen Erfahrungen weiter. Aus Mentees werden also Mentoren.

Die Stiftung Mercator unterstützt mit „inSight“ einen vielversprechenden Ansatz,

der die Entwicklung junger Menschen von der Schule über die akademische

Bildung bis hin zum Beruf in den Blick nimmt. Sie verfolgt dabei den Gedanken,

dass Studierende nicht nur von Unterstützung profitieren, sondern eigenes Engagement

für Andere, wie die Übernahme von Verantwortung für einen Mentee, als Teil

ihres Studiums begreifen.

33


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Jungen Menschen zu ermöglichen, sich zu bilden und ihre Persönlichkeit zu entfalten, kann auf vielerlei Weise geschehen.

Ein Erfolgsmodell ist das Projekt „Kinder führen Kinder“ am Essener Museum Folkwang.


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Kinder und

Jugendliche fördern

Die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft bemisst sich wesentlich an den

Chancen auf Teilhabe, die sie ihren Mitgliedern einräumt. Hier steht es

in Deutschland nicht zum Besten. Unser Schulsystem ist im internationalen

Vergleich nach wie vor nicht leistungsfähig genug, die Bildungschancen

sind höchst ungleich verteilt – mit der Folge, dass Begabungen

verloren gehen.

Die Stiftung Mercator will mehr Kindern und Jugendlichen echte Chancen

auf gesellschaftliche Teilhabe eröffnen. Weil sich dies auf unterschiedlichen

Wegen erreichen lässt, setzen wir mit unserer Förderung

an ganz verschiedenen Stellen an.

Neben der Sprach- und Fachförderung engagieren wir uns beispielsweise

auch in der Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie der Lehrerausbildung:

Projekte wie „Schulen im Team“ und „Schulleitungscoaching

durch SeniorExperten NRW“ setzen im System selber an und sollen dazu

beitragen, dass unsere Schulen besser werden. Projekte wie „spin“

und „jamtruck“ eröffnen weitere Wege zur Teilhabe: „spin“ ermöglicht

jungen Migrantinnen über den Vereinssport Chancen auf Integration.

„jamtruck“ wiederum bietet über die Bandarbeit auch solchen Jugendlichen

einen Zugang zu kultureller Bildung, die ihr aufgrund ihrer Herkunft

zunächst fern stehen.

Alle Fördermaßnahmen haben eines gemein: Sie sollen jungen Menschen

– gleich welcher Herkunft – ermöglichen, an umfassender Bildung

teilzuhaben und ihre Persönlichkeit zu entfalten.

Unsere größten Projekte im Bereich

„Kinder und Jugendliche

fördern“:

• Förderunterricht für Kinder und

Jugendliche mit Migrationshintergrund

(S. 44)

• Jugend debattiert (S. 46)

• jamtruck (S. 40)

• Schulen im Team (S. 47)

• spin – sport interkulturell (S. 42)

35


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Ein Blick in die Projekte: Kinder führen Kinder

Fast wie ein zweites

Zuhause

Projektleiterin Monika Lahme-Schlenger und Museumsführerin Laura Schneider beschreiben ihr Engagement

für „Kinder führen Kinder“ aus der jeweils eigenen Perspektive.

Monika Lahme-Schlenger

Kaum ein Ort verbindet in so komplexer Weise den Blick in die Vergangenheit, die

Konfrontation mit den Problemen der Gegenwart und die Visionen für die Zukunft wie

das Museum. Im Museum und in besonderer Weise in einem Kunstmuseum sind Geschichte

und Wissenschaft präsent, wird sinnliches Erleben auf allen Ebenen möglich,

werden Denkanstöße gegeben, neuartige Verknüpfungen und Sichtweisen zur Diskussion

gestellt.

Eine wichtige Zielgruppe der Museumspädagogik sind die Kinder und Jugendlichen.

Neugier und Entdeckerdrang bestimmen ihren Zugang zur Kunst, für sie ist das

Museum nicht in erster Linie ein Ort der Begegnung und des ästhetischen Genusses,

sondern ein Lernort, eine unbekannte Welt, die es zu erforschen gilt.

Kinder können das besser!

Gähnen und Langeweile, Staub und Trockenheit – das verbinden viele Menschen mit

einem Museumsbesuch, für Kinder eine Horrorvorstellung. Erklärungen werden im

Museum in der Regel von Erwachsenen gegeben, die nach Meinung der Kinder zu viel

und zu lange reden.

Kinder können das besser! Sie sprechen die Sprache ihrer Altersgenossen, sie begegnen

ihnen auf Augenhöhe, sie wählen die Themen nach ihren eigenen Vorlieben,

sie halten Dinge in ihren Beobachtungen fest, an denen Erwachsene glatt vorbeisehen.

Die Ziele

Das Projekt „Kinder führen Kinder“ möchte ihnen die Lust an dieser Begegnung erhalten,

möchte die bildende Kunst und das Museum als Institution für ein junges Publikum

attraktiv gestalten. Schwellenangst wird vermieden bzw. in dem Moment abgebaut,

in dem deutlich wird, dass es nicht um Fremdbestimmung durch einen Erwachsenen

geht. „Kinder führen Kinder“ setzt Vertrauen in die Kinder, Vertrauen in die Kompetenz

der Führungskinder und in die gegenseitige Akzeptanz innerhalb der Gruppe. Eine

Rechnung, die bisher immer aufgegangen ist. Wie selbstverständlich bewegen sich Führungsteam

und Besucherkinder gemeinsam durch das Museum und genießen förmlich

den Freiraum, den „Kinder führen Kinder“ für eine Stunde im Museum schafft.

Die Besonderheiten des Stiftung Mercator-Modells

Der Projekttitel „Kinder führen Kinder“ ist dabei wörtlich zu nehmen. Zehn bis zwölf

Essener Schüler im Alter von 10 bis 13 Jahren haben im Jahr 2006/2007 gleichaltrige

und jüngere Museumsbesucher durch die Sammlung des Museum Folkwang geführt.

36


Monika Lahme-Schlenger (l.) und Laura Schneider

Anders als in manchen anderen Museen sind im Stiftung Mercator-Modell die Erwachsenen

von den Führungen ausgeschlossen – die Kinder bleiben unter sich. Als äußeres

Zeichen ihrer Aufgabe erhalten die Führungskinder einen Museumsausweis. Während

der Projektlaufzeit gehören sie offiziell zum Team des museumspädagogischen Dienstes

und das bedeutet auch, dass sie ein Honorar für ihre Tätigkeit erhalten. Dadurch

wird sowohl die Ernsthaftigkeit ihrer Arbeit unterstrichen als auch ihre Verantwortlichkeit

geweckt. Dieses Honorar wird ihnen nicht ausgezahlt, vielmehr wird es für Aktivitäten

der Gruppe genutzt. Dazu gehören gemeinsame Ausflüge, Besuche in anderen

Museen, aber vor allem die Abschlussfahrt, deren Inhalte und Ziel die Kinder zusammen

beschließen.

Wichtig für die Außenwirkung und den daran messbaren Erfolg des Projektes

sind natürlich die Führungen. Das Angebot unterscheidet zwischen den festgelegten

„öffentlichen Führungen“, die in einem Flyer angekündigt werden, und den „individuellen

Führungen“, die nach Wunsch und im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten der

Gruppe gebucht werden können. Der bisher jedes Mal krönende Höhepunkt dieser öffentlichen

Führungen ist das Kinderfest, das die Kinder von „Kinder führen Kinder“

mit Unterstützung von anderen Kinder- und Schülergruppen in Eigenregie planen und

durchführen.

Die Persönlichkeitsentwicklung

Wenn ich sie heute sehe, „meine Kinder“, privat oder bei ihren Einsätzen als Mentoren,

dann erzählen sie, dass ihnen etwas fehlt. Für eine Zeit ist das Museum wie selbstverständlich

ein Teil ihres Lebens gewesen, „fast wie ein zweites Zuhause“ hat einmal

ein Mädchen formuliert. Mehr als den Ort vermissen sie sicherlich die Aufgabe und die

Selbstbestätigung.

Jetzt, wo ich sie nicht mehr so regelmäßig sehe, nehme ich die Veränderungen an

ihnen besser war. Sie sind gewachsen. Ihr Auftreten hat sich verändert. Louisa zum

Beispiel habe ich vor eineinhalb Jahren schüchtern und mit leiser Stimme kennengelernt.

In Bottrop hat sie neulich von einem Podium über ihre Zeit als Museumsführerin

berichtet, anschaulich, ausführlich und mit klarer Stimme. Ich war richtig stolz auf sie.

Resümee und Ausblick

Im Rückblick war das Jahr 2006/2007 für das Projekt „Kinder führen Kinder“ ein erfolgreiches

Jahr. Ich sehe viele besondere Erlebnisse, zahlreiche Führungen, keine

glich der anderen. Wir haben mehr Führungen gehalten und damit mehr Kinder durch

37


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

unser Programm erreicht als im Vorjahr. Sehr gefreut hat mich die Teilnahme von Förderschulen,

Aktivspielplätzen aus städtischen Randgebieten und der Besuch von ausländischen

Kindern.

Für die Führungskinder war es nicht immer leicht, sich auf diese wechselnden

Gruppen und gerade die jüngsten Besucher einzustellen. Ihre Themen haben sie sich

selbst gewählt und die Inhalte ihrer Führungen haben sie mit mir gemeinsam erarbeitet.

Ihr manchmal recht eigenwilliger Führungsstil hat sich erst nach und nach herausgebildet.

Viele ihrer didaktischen Methoden haben sie selbst entwickelt. Dieses Jahr

hat sie selbstbewusster und souveräner gemacht. Das Auftreten vor einer Gruppe fällt

ihnen inzwischen auch in der Schule leichter.

Bei den jungen Museumsbesuchern erzeugt das besondere Konzept von „Kinder

führen Kinder“ eine Faszination, die in ihrer konzentrierten Beteiligung sichtbar wird,

und einen Nachahmungseffekt – so manch einer möchte am liebsten gleich die Seiten

wechseln.

Der partizipatorische und emanzipatorische Ansatz, der Rollenwechsel innerhalb

eines Lernprozesses macht „Kinder führen Kinder“ zu einem Modell, das vom Unterricht

in der Schule bis zu öffentlichen Auftritten einsetzbar und fruchtbar ist. „Kinder

führen Kinder“ macht Kinder und Jugendliche zu Partnern. Lernen wird aktives Handeln,

bleibt nicht passives Konsumieren.

Laura Schneider

Es hat damit angefangen, dass ich mit neun oder zehn Jahren selbst eine Führung machen

wollte. Ich bin damals sehr oft ins Museum gegangen. Am Anfang wurden viele

Kinder ins Museum eingeladen, ich auch. „Kinder führen Kinder“ ging in die zweite

Runde. Kinder von der ersten Runde erzählten uns von ihrem Projekt und wie ihre

Führungszeit war.

Oh! Das habe ich euch ja noch gar nicht erzählt. Also: Wir sind Kinder und führen

Kinder bis 13 Jahre durch das Museum. Erwachsene haben dort nix zu suchen.

Wir kennen uns aus und sind fast immer im Museum unterwegs.

Wir stellten uns gegenseitig vor und gingen dann nach Hause. Ein paar Tage später

rief Monika Lahme-Schlenger bei mir an und erzählte mir, dass ich mitmachen

darf. Ich habe mich sehr gefreut.

Falls einer daran interessiert ist, sich bei „Kinder führen Kinder“ zu beteiligen, bekommt

er jetzt Informationen: Wir sind eine Gruppe von ca. zehn Kindern. Ich bin elf

und die Teilnahme ist von 10 bis 13. Und das Gehalt, werdet ihr jetzt fragen, davon machen

wir Ausflüge. Wir haben alle einen Ausweis und können wann immer wir wollen

ins Museum.

Es war toll. Ich bin auch noch im Nachhinein froh, dass ich dabei sein durfte.

Unsere Vorbereitungszeit

Wir waren sechs Mädchen und vier Jungen. Beim ersten Treffen schauten wir uns die

Sammlung des Museum Folkwang an. Nach und nach sollte sich jeder ein paar Bilder

zu einem selbst ausgedachten Thema auswählen. Mein Thema hieß „Mensch und

Tier“.

Wir lernten, die Bilder zu beschreiben, ohne richtig auswendig zu lernen, sondern

nur durch das gemeinsame Besprechen der Bilder und durch unsere kleinen Notizen.

Um die Ideen auch aufzuschreiben, bekamen wir ein Notizbuch von Monika. Wir lernten

uns gut kennen und führten uns auch gegenseitig durch das Museum. Unser Notizbuch

füllte sich schnell: Mit Notizen, einer Postkarte, die wir uns aussuchen durften,

um sie zu beschreiben (ich wählte: „Pferd in der Landschaft“ von Franz Marc), einem

Grundriss vom Museum, den ich abzeichnete, außerdem vielen kleinen Skizzen.

Später nahmen manche Kinder, ich gehörte auch dazu, ihre Notizbücher nur mit in

die Führungen, um etwas in der Hand zu halten.

38


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Manche werden sagen, dass es langweilig ist, Bilder zu betrachten. Das war es

aber nicht! Wir hatten soooooooo viel Spaß miteinander und Monika Lahme-Schlenger

kann das gut, ich meine, Führungen lustig gestalten. Mittlerweile kennen wir fast

alle Bilder auswendig oder können etwas darüber erzählen.

Aber genug dergleichen, kommen wir doch mal zu den Führungen.

Die Generalprobe – meine erste Führung

Ich glaube, dass meine erste richtige Führung die Generalprobe war. Wir führten Geschwister,

Nachbarn und Freunde von uns und andere Kinder in Gruppen durch das

Museum. Wir waren sehr aufgeregt. Wir begrüßten die Kinder und machten sie mit

den Regeln des Museums vertraut. Wir gaben ihnen Sitzkissen und begannen mit der

Vorstellungsrunde. Dann starteten wir mit der Führung. Abwechselnd stellten wir unsere

Bilder vor.

Meine schönste Führung

Alle Führungen waren auf ihre Weise schön. Kleine Kinder, größere Kinder und

Gleichaltrige zu führen war abwechslungsreich und spannend und jede Führung hatte

ihre besonderen Reize.

Meine schwierigste Führung

Ich hatte schon zwei schwierige Führungen, aber sie wendeten sich immer zum Guten.

Einmal führte ich eine Schulklasse, die die Führung als Preis gewonnen hatte. Die

Kinder in dieser Gruppe waren alle älter als ich und natürlich viel größer. Die Kinder

in den Führungen setzen sich immer vor die Bilder. Diese Kinder wollten sich nicht

hinsetzen. Die Führung war am Anfang etwas trocken, aber manche machten sehr gut

mit. Meine zweite schwierige Führung wäre eigentlich nicht schwierig geworden, aber

Nils und ich, wir hatten die „Kennenlernrunde“ vergessen, in der sich jeder vorstellen

konnte. Die Kinder machten schlecht mit und verhielten sich nicht konzentriert. Als

wir schon mehrere Bilder hinter uns hatten, sagte Monika uns, wir könnten etwas ausprobieren,

was wir noch nie gemacht hatten. Ich fragte die Kinder, zu welchem Thema

sie selbst ein Bild besprechen möchten. Ein kleines Mädchen wollte etwas über Rom

besprechen. Wir wussten, wo ein römisches Bild hing. Die Kinder sollten das Bild beschreiben.

Nach und nach trauten sich die Kinder mehr. Ein Kind wollte ein Bild über

Tiere, ein anderes wollte zu einem Bild mit einem Pferd. Wir sagten uns „ein Pferd ist

ein Tier“ und gingen zu einem Pferdebild. Dort erzählte uns ein kleines Mädchen etwas

Kompliziertes über Farben. Die Führung hatte sich in eine gute Führung verwandelt

und das Experiment war gelungen.

Das Kinderfest

Wir planten am Ende ein Sommerfest mit vielen verschiedenen Ständen. Wir machten

einen Brezel-, einen Getränke- und einen Informationsstand. Ältere Kinder konnten Filme

drehen. Wir hatten ein Riesenpuzzle und als Höhepunkt ein Quiz mit super Preisen.

Wir machten Führungen (diesmal auch mit den Eltern) und wechselten uns an

den Ständen ab. Das Fest wurde ein super Erfolg, mit sehr vielen Besuchern, die Wünsche

an die Wände schrieben.

Die Abschlussfahrt

Unsere Abschlussfahrt führte uns nach Hamburg. Wir gingen ins Eisenbahnmuseum,

während Louisa und zwei andere die Kunsthalle besuchten. Wir erlebten an diesem

und dem Tag darauf sehr viel. An einem Abend gingen wir in das Musical „Dirty

Dancing“. Es war wundervoll. Wir besuchten auch eine Origami-Ausstellung. Sie war

sehr interessant und wir lernten viele Origami-Techniken. Viele Leute können sooo tolle

Sachen falten! Wir machten eine tolle Bootsfahrt, die leider bei Regen stattfand. Leider

ging unsere Hamburgfahrt auch mal zu Ende. Wir schenkten Monika ein Buch mit Fotos

und Grüßen von uns. Ich möchte für alles nur ein Wort sagen und zwar: DANKE !

Monika Lahme-Schlenger,

51 Jahre alt, ist freiberufliche

Kunsthistorikerin und Museumspädagogin.

Seit 1989 ist sie als

Honorarkraft am Museum Folkwang

Essen tätig in der Kunstvermittlung

für Kinder, Jugendliche

und Erwachsene. Das Projekt „Kinder

führen Kinder“ leitet sie seit

seinem Start in Essen im Jahr

2005.

Laura Schneider

ist zwölf Jahre alt und geht in die

7. Klasse der Erich Kästner-Gesamtschule

in Essen. Im Jahr

2006/2007 arbeitete sie im Führungsteam

des Projektes „Kinder

führen Kinder“ im Museum Folkwang.

Ihre Hobbys sind Lesen,

Ballett und Klavierspielen. Später

würde sie gerne als Verhaltensforscherin

arbeiten.

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Neue Projekte 2007

Eine Auswahl

Projektpartner

Folkwang Musikschule Essen

Laufzeit

2007 bis 2015

Fördervolumen

1.731.000 Euro

Zielgruppe

Jugendliche in Essen im Alter von

10 bis 18 Jahren

Region

Essen

Stiftungsziel

Verbesserung der ganzheitlichen

Bildung von Jugendlichen; Etablierung

eines besonderen Modells

kultureller Bildung in der Stadt

Essen

Link

www.jamtruck.de

jamtruck

„jamtruck“ – das ist ein Lkw voll Musik. Dahinter steckt ein überzeugendes pädagogisches

Konzept, das bisher musikalisch unerfahrenen Jugendlichen einen eigenen Zugang

zu Musik ermöglicht. Das Projekt, das die Folkwang Musikschule in Essen im

Jahr 2008 starten wird, bietet jungen Menschen die Möglichkeit, in einer Band aktiv

zu werden und dabei neue Zugänge zu sich und anderen zu entdecken.

Wie genau soll das geschehen? Ein zehn Meter langer Lkw wird zum mobilen

Musikstudio und Probenraum umgebaut. An Bord befinden sich ein schallisolierter

Bandübungsraum ausgestattet mit Mikros und Instrumenten sowie Einzelarbeitsplätze

und ein Tonstudio. Je zwei Musiker beziehungsweise Musikpädagogen aus einem fünfköpfigen

Team arbeiten mit den Jugendlichen. An fünf Tagen pro Woche fährt der

„jamtruck“ jeweils einen anderen Essener Stadtteil an. Vormittags kooperiert das „jamtruck“-Team

mit ein oder zwei Schulen, nachmittags mit außerschulischen Jugendeinrichtungen.

Fünf bis sechs Jugendliche im Alter zwischen 10 und 18 Jahren können

bis zu ein Jahr lang wöchentlich eine Stunde als Band im Truck proben. Sie erlernen

zunächst die musikalischen Grundlagen für die Bandarbeit und entwickeln dann gemeinsam

Musik und Text für ihren eigenen Song, den sie am Ende auf CD mit nach

Hause nehmen.

Der „jamtruck“ ist ein Projekt für alle Essener Jugendlichen, ganz gleich welche

soziale oder kulturelle Herkunft sie haben. Er erreicht die Jugendlichen dort, wo sie

40


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Im „jamtruck“ finden musikalisch bislang

unerfahrene Jugendliche ihren eigenen

Zugang zur Welt der Musik. Das Ziel: Jede

Band soll ihren Song entwickeln und am

Ende auf CD mit nach Hause nehmen.

leben und ihre Freizeit verbringen. Das Projekt richtet sich damit auch an eine Gruppe,

die die Angebote der städtischen Musikschulen bisher kaum erreicht haben. Ziel

des „jamtruck“-Projekts ist es, diese Jugendlichen in ihrer Auseinandersetzung mit

(Musik-)Kultur langfristig zu unterstützen und darüber ihr Selbstbewusstsein, ihre

Konzentration, ihre Kreativität sowie ihre soziale Kompetenz zu fördern.

Im „jamtruck“ verfolgen Jugendliche unterschiedlicher Kulturen gemeinsam ein

Ziel – das schafft Identität und Zusammenhalt. Geplant sind außerdem jährliche „jamtruck“-Feste

sowie eine Veranstaltung im Kulturhauptstadtjahr 2010, die sich mit einem

Symposium an die Fachöffentlichkeit und mit einem außergewöhnlichen Konzert

an Jugendliche richtet. Das Projekt wird wissenschaftlich evaluiert.

41


Spaß am Sport vermittelt „spin“ jungen Mädchen mit Migrationshintergrund.

Sie sollen für Aktivitäten im Verein begeistert werden.

Projektpartner

Sportjugend NRW

Laufzeit

2007 bis 2011

Fördervolumen

780.000 Euro

Zielgruppe

Mädchen und junge Frauen mit

Zuwanderungsgeschichte sowie

Sportvereine

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Förderung der Integration von

Mädchen und jungen Frauen mit

Zuwanderungsgeschichte in den

Vereinssport, Eröffnung eines Zugangs

zu wichtigen gesellschaftlichen

Bereichen wie dem Vereinswesen

oder ehrenamtlichem Engagement

Link

www.projekt-spin.de

spin – sport interkulturell

Sportvereine zählen zu den wenigen Einrichtungen, in denen sich Jugendliche weitgehend

unbelastet von Weltanschauung oder Religion begegnen können. Junge Menschen

unterschiedlicher Herkunft bei gemeinsamen Aktivitäten zu vereinen, ist die

Stärke des organisierten Sports. Dennoch ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund

in den Sportvereinen noch immer vergleichsweise gering, besonders der

von jungen Mädchen und Frauen. Vielen Integrationsprojekten ist es bislang nicht gelungen,

dauerhaft eine Veränderung in der Vereinslandschaft zu bewirken. Mit „spin –

sport interkulturell“, einem Projekt der Stiftung Mercator und der Sportjugend NRW,

soll sich das ändern. Ziel ist es, Mädchen mit Zuwanderungsgeschichte zunächst für

die Angebote im örtlichen Sportverein zu interessieren und sie zu einem Engagement

im Vereinsleben zu motivieren.

Da Angebote speziell für Mädchen mit Zuwanderungsgeschichte in den Vereinen

bislang weitgehend fehlen, will „spin“ die Vereine dabei unterstützen, solche Angebote

zu schaffen und auf Dauer ins Programm aufzunehmen. Dabei geht es nicht nur um

sportliche Aktivitäten, sondern auch um andere Freizeitangebote für die Mädchen und

ihre Familien. Eine Trainerin, die selbst einen Migrationshintergrund hat, leitet die

Kurse, sodass sich die Mädchen verstanden fühlen. Bei Problemen kann die Trainerin

vermitteln.

Ein weiterer wichtiger Baustein, damit Integration auf Dauer gelingt, ist die Vernetzung

vor Ort. Das Projekt ist auf die Zielregion Ruhrgebiet mit ihrem hohen Anteil

an Zuwanderern zugeschnitten. „spin“ unterstützt die Vereine dabei, mit interkulturellen

Einrichtungen und Organisationen in ihren Stadtteilen zusammenzuarbeiten und

die Vereinsstrukturen nachhaltig zu verändern.

42


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Revier Version 2.0

Der klassische Teilnehmerkreis politischer Bildungsarbeit ist begrenzt. Mit „Revier Version

2.0 – Meine Welt der Möglichkeiten“ will das aktuelle forum nrw e.V. über Projektarbeit

besonders viele junge Menschen zur Teilnahme an gesellschaftlichen und

politischen Gestaltungsprozessen motivieren. „Revier Version 2.0“ ist ein Wettbewerb,

bei dem es darum geht, eigene Vorstellungen und Ideen über die Zukunft des Ruhrgebiets

zu entwickeln. Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb ruhrgebietsweit im Januar

2008 zu verschiedenen Themengebieten, etwa „Die Macht der Medien“, „Die Zukunft

der Arbeit“ oder „Zusammenleben im Revier“. Eine Besonderheit von „Revier Version

2.0“ ist, dass die Ideen zur Zukunft des Reviers nicht von Demographieexperten oder

Trendforschern entwickelt werden, sondern von den Menschen, die im Ruhrgebiet leben

und dessen Zukunft mitgestalten werden.

Angesprochen sind nicht nur Schulen, Jugendeinrichtungen und Volkshochschulen,

sondern auch Einrichtungen der Seniorenarbeit sowie die gesamte Bandbreite von

Bürgergruppen, Vereinen und Initiativen. Bei der inhaltlichen Auseinandersetzung sowie

dem Erstellen der Beiträge werden die teilnehmenden Gruppen nach Wunsch durch

Bildungsreferenten unterstützt.

Bei der Bewertung ist nicht nur das Ergebnis von Interesse, sondern es wird auch

der Entstehungsprozess, den die Teilnehmer dokumentieren, berücksichtigt. Mit der

Preisverleihung im September 2008 ist das Projekt keineswegs abgeschlossen. Die

Wettbewerbsergebnisse werden anschließend in mehreren Ausstellungen sowie einem

begleitenden Katalog der Öffentlichkeit präsentiert. In Open-Space-Workshops wird an

Möglichkeiten zur Umsetzung gearbeitet.

Projektpartner

aktuelles forum nrw e.V.

Laufzeit

2007 bis 2010

Fördervolumen

181.200 Euro

Zielgruppe

Mitbürger im Revier, insbesondere

Jugendliche

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Förderung Jugendlicher im Bereich

der politischen Bildung sowie

deren politischen und gesellschaftlichen

Engagements

Link

www.aktuelles-forum.de

„Feigling!“ – ein Videoprojekt

Immer häufiger werden Fälle von Jugendlichen bekannt, die sich bis zur Besinnungslosigkeit

betrinken oder mit einer Alkoholfahne in die Schule kommen – das ist zum

Glück nicht die Regel, doch es kommt inzwischen erschreckend häufig vor. Lehrer sind

sich dieses Problems zwar bewusst, dennoch gibt es an Schulen nur selten Initiativen,

die es gezielt angehen. Anders an der Hauptschule Coerde in Münster: Die Lehrer der

Klasse 8a haben hier das Videoprojekt „Feigling!“ ins Leben gerufen. Durch „Feigling!“

sollen die Jugendlichen den eigenen Umgang mit Alkohol hinterfragen, sich mit ihren

Ängsten und Sehnsüchten auseinandersetzen, mit Experten über das Thema diskutieren

und schließlich einen Film dazu drehen. Das Ziel: ein selbstbestimmter Umgang mit

Alkohol ohne Angst vor Gruppendruck. Unterstützt werden die Schüler beim Videodreh

von einem professionellen Kameramann und Medienpädagogen.

Die Stiftung Mercator hat für die Jugendlichen dieser Klasse im Jahr 2006 bereits

das Videoprojekt „Sinbads Platz ist leer“ zum Thema Abschiebung und Ausländerintegration

gefördert, das ein großer Erfolg war. Durch die gemeinsame Projektarbeit wurden

das Selbstbewusstsein und der Teamgeist der Schüler gestärkt, durch Filmvorführungen

konnten zahlreiche weitere Jugendliche erreicht und motiviert werden, sich

mit der Problematik zu beschäftigen. Das Gleiche ist bei „Feigling!“ geplant.

Seit Herbst 2007 erarbeiten die Schüler im Unterricht Ideen zum Thema und setzen

diese schauspielerisch um. Erste Szenen wurden notiert – als Grundlage für das

spätere Drehbuch. Anhand anderer Filme machten sich die Schüler mit den (kamera-)

technischen Anforderungen vertraut. Bei Schulprojekttagen wurde auf einer großen

Bühne geprobt und die Themen „Erwachsenwerden“ und „Glück“ in Zusammenhang

mit dem Film besprochen. Nun soll bis Herbst 2008 das Drehbuch verfasst und im Oktober

der Film abgedreht werden, der voraussichtlich im November 2008 Premiere hat.

Projektpartner

Hauptschule Coerde

Laufzeit

2007 bis 2008

Fördervolumen

4.850 Euro

Zielgruppe

Schüler der Hauptschule Coerde

Region

Münster und Umgebung

Stiftungsziel

Förderung der ganzheitlichen Bildung

von Kindern und Jugendlichen

Link

www.hauptschulecoerde.

muenster.de

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Laufende Projekte 2007

Eine Auswahl

Laufzeit

2004 bis 2011/jeweils 3 Jahre

pro Projektstandort

Fördervolumen

10.000.000 Euro (max. 180.000

Euro pro Standort in der Sek. I,

max. 90.000 Euro pro Standort in

der Sek. II)

Zielgruppe

Schüler mit Migrationshintergrund

der Sekundarstufe I und II, (Lehramts-)Studierende

Region

Deutschland

Stiftungsziel

Integration von Kindern und

Jugendlichen mit Migrationshintergrund

durch Verbesserung der

Schul- und Berufschancen, praxisorientierte

Ausbildung zukünftiger

Lehrer

Link

www.mercator-foerderunterricht.de

Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit

Migrationshintergrund

In keinem anderen Land hängen die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen

so stark von ihrer sozialen Herkunft ab wie in Deutschland. Dies gilt insbesondere

für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Diese Tatsache wird immer

wieder eindringlich in diversen internationalen Vergleichsstudien belegt. Die Ursache

hierfür liegt aber nicht nur in der fehlenden Sprachkompetenz der Jugendlichen, sondern

auch häufig in mangelnder Erfahrung der Lehrkräfte mit dieser Zielgruppe an

deutschen Schulen.

Um Sprachdefizite frühzeitig zu beheben und die Bildungschancen für Kinder mit

Migrationshintergrund zu verbessern, hat die Stiftung Mercator im Jahr 2004 das Projekt

„Förderunterricht“ ins Leben gerufen. Die Ausbildung zukünftiger Lehrer ist neben

der individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien

ein Schwerpunkt des Projekts. Studierende werden intensiv im Bereich Deutsch als

Zweitsprache geschult und durch die Projektpartner fachlich begleitet, um Schüler der

Sekundarstufe I und II sprachlich und fachlich zu fördern. Dies geschieht in Kleingruppen

außerhalb des Regelunterrichts. Die Schüler lernen so jene Wörter und

Zusammenhänge, die zum Verständnis des Lehrstoffs wichtig sind. Die Studierenden

können bei der Lehrtätigkeit ihr Fachwissen engagiert in die Praxis umsetzen und

wertvolle Erfahrungen im Umgang mit heterogenen Schülergruppen gewinnen – eine

hervorragende Vorbereitung auf ihre spätere Lehrtätigkeit.

An 35 Standorten in ganz Deutschland wird aktuell Förderunterricht angeboten.

13 dieser Standorte fördern derzeit zudem Schüler der Sekundarstufe II. Zweimal

jährlich bieten Tagungen die Möglichkeit zum fachlichen Austausch der Projektpart-

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Wie geht es weiter nach dem Nationalen Integrationsplan? Zu dieser Frage diskutierten bei der Förderunterrichtstagung (v. l.):

Volker Bausch (Hessisches Kultusministerium), Jutta Ebeling (Bürgermeisterin Stadt Frankfurt am Main), Prof. Joachim Schroeder

(Goethe-Universität Frankfurt), Dr. Christof Eichert (ehemals Gemeinnützige Hertie Stiftung), Dr. Claudia Benholz (Universität Duisburg-Essen)

und Dr. Hans Walter Schulten (Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW).

ner aller Förderunterrichtsstandorte. Erste Ergebnisse der Evaluation des Projekts

weisen darauf hin, dass sich die Leistungen der Förderschüler bereits nach kurzer Förderdauer

erhöhen. So verbessern etwa zwei Drittel der Schüler ihre Noten in den Fächern

Mathematik und Englisch, im Fach Deutsch sind es sogar drei Viertel aller

Schüler. Die Evaluation liegt in der Verantwortung des europäischen forums für migrationsstudien

(efms), einem Institut an der Universität Bamberg.

Um die Integration von Zuwanderern zu verbessern und ihnen die größtmöglichen

Bildungschancen zu geben, hat die Bundesregierung gemeinsam mit staatlichen

und nichtstaatlichen Akteuren einen Nationalen Integrationsplan erarbeitet und im

Juli 2007 vorgestellt. An diesem Prozess war die Stiftung Mercator beteiligt, ebenso

wie an den Arbeitsprozessen zum Nationalen Integrationsprogramm in Federführung

des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Zurzeit entsteht im Rahmen des Projektes „Förderunterricht“ ein Materialordner,

in dem die im Projekt verwendeten und selbst entwickelten Lehr- und Lernmaterialien

zusammengefasst werden. Diese Unterrichtsmaterialien sollen dazu dienen, Förderlehrer

sowie Lehrkräfte, die eine zusätzliche Sprachförderung für Schüler der Sekundarstufe

I und II durchführen, mit entsprechend aufbereitetem Material zu unterstützen.

„Man muss in die Lehrerfortbildung

investieren, denn diese

Schüler mit Migrationshintergrund

sind unsere Zukunft. Der

Ansatz, Kinder mit Migrationshintergrund

nur unter defizitären

Gesichtspunkten anzuschauen

und nicht unter einem ganzheitlichen

Ansatz, muss sich ändern.“

Jutta Ebeling,

Bürgermeisterin Frankfurt am Main

45


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Junge Menschen dabei zu unterstützen, sich eine Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten, ist

das Ziel von „Jugend debattiert“. Dabei helfen auch die Rhetorik-Seminare.

„Der Wettbewerb ,Jugend debattiert‘

mit den eingegliederten Rhetorikseminaren

hilft meiner Ansicht nach nicht

nur, die individuellen sprachlichen

Leistungen der Teilnehmer zu fördern,

sondern trägt auch in hohem Maße

zur politischen (Meinungs-)Bildung

bei. So dient eine Debatte gerade auch

dazu, andere Positionen als die eigene

kennenzulernen und diese miteinander

zu vergleichen, mit dem Ziel, am Ende

eine reflektierte Überzeugung zu erhalten.“

Tobias Vogt,

Helmholtz-Gymnasium Essen,

„Jugend debattiert“-Landessieger in NRW 2007

Projektpartner

Gemeinnützige Hertie-Stiftung,

Heinz Nixdorf Stiftung, Robert

Bosch Stiftung

Laufzeit

2002 bis 2009

Fördervolumen

2.898.736 Euro

Zielgruppe

Weiterführende Schulen

Region

Deutschland

Stiftungsziel

Förderung der politischen Bildung

und Partizipation von Jugendlichen

Link

www.jugend-debattiert.ghst.de

Jugend debattiert

„Mit fairen Mitteln zu argumentieren, gemeinsam zu einem Ergebnis zu gelangen und

damit letztlich die Fähigkeit, verantwortlich von der Freiheit Gebrauch zu machen, die

uns als Bürgern gegeben ist – das zu erlernen und zu üben ist der Kern von ,Jugend

debattiert‘.“ So hat Bundespräsident Horst Köhler, Schirmherr von „Jugend debattiert“,

beim Finale des Bundeswettbewerbs im Juni 2007 den Wettbewerb umschrieben.

Junge Menschen dabei zu unterstützen, sich eine Meinung zu bilden und diese

auch zu vertreten, ist das Ziel von „Jugend debattiert“, das im Jahr 2007 sein fünfjähriges

Bestehen feiern konnte. Die Stiftung Mercator unterstützt dieses Projekt seit 2002

und ist alleiniger Förderer des Landeswettbewerbs Nordrhein-Westfalen.

Hinter „Jugend debattiert“ steht ein erfolgreiches Konzept: Zunächst erhalten die

Lehrer eine Schulung durch ausgebildete Rhetoriktrainer. Ausgerüstet mit speziellen

Lehrmaterialien machen sie das Debattieren anschließend zum Unterrichtsthema in

ihren Klassen. Ihre Fähigkeiten können die Schüler im Wettbewerb unter Beweis stellen,

zunächst in der eigenen Schule, dann überregional und schließlich auf Bundesebene.

Bei der Finalrunde 2007 in Berlin debattierten die besten vier Schüler aus

zwei Altersgruppen zu den Fragen: „Soll die deutsche Sprache vor Anglizismen gesetzlich

geschützt werden?“ bzw. „Soll in Deutschland das Mehrheitswahlrecht eingeführt

werden?“

„Jugend debattiert“ ist längst zu einer festen Größe im Unterricht geworden. Im

Schuljahr 2007/2008 haben sich bundesweit 70.000 Schüler (NRW: 15.600), 2750

Lehrer (NRW: 580) und 546 Schulen (NRW: 98) beteiligt. Langjährige „Jugend debattiert“-Lehrkräfte

bilden mittlerweile als „Lehrer-Trainer“ ihre Kollegen aus, damit das

Projekt bei gleichbleibender Qualität noch mehr Schüler erreicht.

46


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Schulen im Team

Im internationalen Vergleich landen deutsche Schulen häufig nur im Mittelfeld. Kritik

an allen möglichen Bereichen des deutschen Schulwesens ist deshalb mittlerweile fast

eine Selbstverständlichkeit geworden, ohne dass ein Patentrezept sichtbar wird: Politik,

Wirtschaft und auch viele Eltern fordern unter anderem, die Schüler stärker individuell

zu fördern und besser auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten. Der

Vergleich mit anderen Ländern ist schnell bei der Hand – doch oft lassen sich Lernund

Lehrkonzepte nicht einfach übertragen. Vergessen wird dabei häufig, dass auch

an deutschen Schulen vielfach qualitativ hochwertige Arbeit geleistet wird. Das Projekt

„Schulen im Team“ lenkt den Blick auf diese Potenziale vor Ort, indem es lokale

Kooperationen von Schulen initiiert und unterstützt.

Der offizielle Startschuss fiel im September 2007 mit einer Auftaktveranstaltung

in Duisburg. 40 Schulen aus Duisburg und Essen waren Anfang des Jahres ausgewählt

und zu zehn Netzwerken aus je drei bis fünf Schulen zusammengeführt worden. Beteiligt

sind Förderschulen ebenso wie Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien.

Die Zusammenstellung erfolgte unter anderem nach den Aspekten der räumlichen Nähe

der Schulen zueinander sowie der angestrebten Arbeitsschwerpunkte.

Alle Schulen haben das gleiche Ziel vor Augen: die Verbesserung des Unterrichts

durch Kooperation – also miteinander und voneinander zu lernen. Dabei setzt jedes

Schulteam eigene Schwerpunkte. Während die einen sich auf den Bereich Leseförderung

oder den Übergang zur weiterführenden Schule konzentrieren, beschäftigen sich

andere mit der Frage, wie Mathematik begreifbar gemacht oder das individuelle Lernen

gefördert werden kann. Die Netzwerke erhalten organisatorische und finanzielle

Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Projekte. Erste Initiativen wurden bereits auf

den Weg gebracht.

Das Projekt wird vom renommierten Institut für Schulentwicklungsforschung

(IFS) der Technischen Universität Dortmund durchgeführt und wissenschaftlich bearbeitet.

Mit ersten Interviews und Fragebogenerhebungen startete in 2007 auch die wissenschaftliche

Begleitforschung.

Projektpartner

Institut für Schulentwicklungsforschung

an der Technischen Universität

Dortmund

Laufzeit

2006 bis 2010

Fördervolumen

1.338.500 Euro

Zielgruppe

40 Schulen in Duisburg und Essen

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Förderung der Schul- und Unterrichtsentwicklung

sowie Lehrerbildung

Link

http://www.ifs.uni-dortmund.de/site/

Großes Interesse am Projekt „Schulen im Team“

zeigte NRW-Schulministerin Barbara Sommer bei der

Auftaktveranstaltung in Duisburg.

47


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Laufzeit

2004 bis 2009

Fördervolumen

750.000 Euro

Zielgruppe

18 allgemeinbildende Essener

Schulen

Region

Essen

Stiftungsziel

Förderung der Schulentwicklung

durch Verbesserung der Zusammenarbeit

und des Wissensaustausches

unter Schulen

Mercator Schulclub

Gemeinsam sind wir stark – diese Lebensweisheit gilt auch für die Arbeit an Schulen.

Um die Zusammenarbeit verschiedener Schulen und Schultypen anzustoßen und zu

verbessern, wurde 2004 der Mercator Schulclub gegründet. Daran beteiligt sind Schüler,

Eltern und Lehrer aus 18 allgemeinbildenden Essener Schulen. Dabei sollen nicht

nur die Schulen motiviert werden, miteinander zu kooperieren, sondern auch der Austausch

zwischen Schülern, Eltern und Lehrern untereinander steht im Mittelpunkt.

Der Mercator Schulclub zeigt eindrucksvoll, dass Netzwerken für alle Beteiligten viele

Vorteile bietet.

Gemeinsame Projekte zu entwickeln und umzusetzen, das ist das Ziel der Clubarbeit

– zum Austausch von Wissen und für ein partnerschaftliches Miteinander. Welche

Aktivitäten sie planen und gestalten, ist den Akteuren aus den einzelnen Schulen

überlassen, dabei können sie sich ganz an den eigenen Bedürfnissen orientieren. Die

Stiftung Mercator unterstützt die Kooperationsprojekte organisatorisch und finanziell.

Deren Zahl wächst stetig. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt: von gemeinsamen

Lehrerfortbildungen über Tanzprojekte bis hin zu Schülerseminaren oder einer

Schreibwerkstatt. So konnten seit der Gründung des Schulclubs im Jahr 2004 bereits

mehr als 60 Projekte umgesetzt werden.

Im Jahr 2007 konzentrierten sich die Schulclub-Aktivitäten vor allem auf die Intensivierung

der Schüler- und Elternarbeit mit dem Ziel, Barrieren aufzudecken und

Maßnahmen zu ihrer Überwindung zu entwickeln, um eine vertrauensvolle und motivierende

Arbeitsplattform zu schaffen. Als Ergebnis wird es ab 2008 ein Fortbildungsund

Projektangebot für Eltern geben. Angestoßen wurde auch das Projekt „Fairer

Mercator Kiosk“, ein schulübergreifendes Kooperationsprojekt mit Schülern zu den

Themen soziale und ökologische Verantwortung, Umgang mit Diversität und Konflikten

im Schulalltag. Im Juni 2008 laden Stiftung und Schulclub-Schulen zum Sommerfestival

„MultiMercator“ anlässlich des vierjährigen Bestehens des Mercator Schulclubs

auf die Zeche Zollverein. Die Veranstaltung mit einem bunten Programm von Musik

über Tanz und Schauspiel bis hin zu einer Ausstellung innovativer Projekte aus dem

Mercator Schulclub wird ein Höhepunkt des Mercator Schulclubs im Jahr 2008 sein.

Das Schülerseminar zum Thema „Mobbing“ war nur eine von vielen Initiativen, die im

Mercator Schulclub realisiert wurden – die Projekte richten sich dabei ganz nach dem

Bedarf der jeweiligen Schulen.

„Ich möchte in einer Gesellschaft leben,

die sich einmischt. Und ich glaube,

da gibt es in der Elternarbeit und

im Allgemeinen an den Schulen noch

eine Menge zu tun. Der Schulclub ist

eine großartige Möglichkeit, sich

einmischen zu dürfen und gemeinsam

mit anderen interessierten und engagierten

Eltern Schule gestalten zu

dürfen.“

Willi Kemberg,

Elternsprecher Bertha-Krupp-Realschule

48


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Die individuellen Fähigkeiten der Schüler zu

fördern: darum geht es bei

„indive“. Lehramtsstudierende und im Berufsleben

stehende Lehrer werden gezielt auf

diese Aufgabe vorbereitet.

indive – individualisieren, differenzieren, vernetzen

Das Thema individuelle Förderung ist mehr denn je im Fokus der öffentlichen und

fachlichen Schuldiskussion. Mit „indive“ fördert die Stiftung Mercator ein Modellprojekt,

mit dem die Universität Duisburg-Essen und die Technische Universität Dortmund

der individuellen Förderung jedes einzelnen Schülers stärkeren Einzug in den Klassenraum

ermöglichen wollen. Dabei werden Lehramtsstudierende und im Berufsleben

stehende Lehrer auf diese Aufgabe vorbereitet. Mit unterschiedlichen Teilprojekten

konnten die Initiatoren bereits zeigen, dass durch gezielte Diagnostik und methodisches

Können individuelle Förderung in verschiedensten Schulstufen und Fächern

realisierbar ist.

Alle Beteiligten profitieren bei diesem Konzept: Studierende der beiden Universitäten

werden an ihren Hochschulen speziell geschult und dann in den Klassen eingesetzt.

So wird nicht nur der Schüler beim Lernen seinen Fähigkeiten entsprechend

unterstützt. Gleichzeitig erhalten auch die Lehramtsstudierenden der Universitäten

einen wertvollen Einblick in die praktische Arbeit und vor allem in den wichtigen

Bereich „Individuelles Lehren und Lernen“. Aber auch die Lehrer profitieren von dem

Projekt etwa durch die Fortbildungsangebote, die im Austausch zwischen Schule und

Hochschule entstehen.

Rund 20 Schulen aus dem ganzen Ruhrgebiet sind bereits an dem Projekt beteiligt,

mehrere hundert Studierende konnten als „indive-Studierende“ in den Klassen arbeiten.

Die Nachfrage auf beiden Seiten wächst stetig. Zahlreiche Projekte wurden bereits

erfolgreich umgesetzt wie der Einsatz von Lerntagebüchern und die Entwicklung

und Erprobung von Freiarbeitsmaterialien. Der Tagungsband zur Auftaktveranstaltung

ist gerade erschienen, für 2008 sind eine große Fachtagung zum Thema „Mathe

für alle“ sowie eine Schülerpraxistagung geplant.

Projektpartner

Technische Universität Dortmund

und Universität Duisburg-Essen

Laufzeit

2006 bis 2009

Fördervolumen

392.500 Euro

Zielgruppe

Schüler, Lehramtsstudierende und

Lehrer

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Verbesserung des Unterrichts

durch Förderung des individuellen

Lehrens und Lernens

Link

www.indive.net

49


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

„Den Austausch habe ich als ungemein

anregend empfunden, da gleichsam

von außen die schulische Arbeit

und ihre Besonderheit neu betrachtet

und gewichtet werden – mit dem unterstützenden

Blick eines kritischen

Experten, dem aus anderen Bereichen

Organisation und Sponsoring

selbstverständliche Instrumente sind.

Es war eine wirkliche Beratung. Die

Entscheidung der Umsetzung, der

Annahme und Übernahme lag immer

bei mir.“

Elisabeth Gemein,

Schulleiterin Städtisches Mädchengymnasium

Essen-Borbeck

Schulleiterin Elisabeth Gemein beim „Marktplatz-Treffen“, das dem Kennenlernen der Schulleiter mit

möglichen SeniorExperten diente.

Projektpartner

Stiftung Partner für Schule NRW

Laufzeit

2006 bis 2009

Fördervolumen

360.000 Euro

Zielgruppe

SeniorExperten; Schulleitungen in

Duisburg, Essen, Mülheim/Ruhr,

Oberhausen, Wesel, Kleve

Region

Ruhrgebiet

Stiftungsziel

Verbesserung der Schulentwicklung

durch Schulleiterqualifizierung

Link

www.partner-fuer-schule.de/

seniorexperts.php

Schulleitungscoaching durch SeniorExperten NRW

Selbstständigkeit und Verantwortlichkeit sind in Zukunft wichtige Stichworte der

Schulentwicklung – auch die Politik lässt Schulen mehr Handlungsspielräume als

noch vor einigen Jahren. Diese Freiheit birgt Chancen und Herausforderungen gleichermaßen.

Schulleiter müssen lernen, wie Manager zu handeln, und für diese zusätzlichen

Anforderungen müssen sie gut gerüstet sein.

Das Projekt „Schulleitungscoaching durch SeniorExperten NRW“ stellt den

Schulleitungen Experten und SeniorExperten aus der Wirtschaft an die Seite. Diese

bereiten die Mitglieder der Schulleitungen unternehmerisch und pädagogisch auf die

neue Rolle als Leiter des eigenverantwortlichen Unternehmens Schule vor und unterstützen

sie durch Coaching. Qualitätsmanagement, Personalführung und -entwicklung,

Marketing und Projekt- sowie Budgetmanagement – bei allen diesen Themen bieten

die Wirtschaftsfachleute ihre Beratung und Hilfe an.

Das Projekt, das von der Stiftung Partner für Schule NRW organisiert und von

der Stiftung Mercator maßgeblich finanziert wird, ist 2007 in den Regionen Duisburg

und Essen erfolgreich gestartet. Nach den Auftaktveranstaltungen konnten viele Schulen

und SeniorExperten für das Coaching gewonnen werden. Die regionale Koordination

übernahmen zwei SeniorExperten, denen die Industrie- und Handelskammern vor

Ort kostenlose Projektbüros zur Verfügung stellen.

In mehreren Workshops wurden interessierte Schulleitungen und SeniorExperten

für die Zusammenarbeit vorbereitet und geschult. Auf sogenannten Marktplätzen fanden

die Coaching-Paare zueinander und unterzeichneten nach einer gewissen Probephase

schließlich ihre Beratungsverträge. Die SeniorExperten begleiten die Schulleitungen

im Berufsalltag und helfen ihnen bei der Optimierung des Schulmanagements

– auf gleicher Augenhöhe und im offenen Dialog. Das Projekt stößt weiterhin auf

großes Interesse und 2008 sollen die Projektregionen Kleve, Wesel, Mülheim/Ruhr

und Oberhausen hinzukommen.

50


KINDER UND JUGENDLICHE FÖRDERN

Förderunterricht und Berufsorientierung

Der Übergang von der Schule in den Beruf läuft längst nicht immer so glatt, wie es

wünschenswert wäre. Besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund haben es

schwer, denn neben den für den Beruf erforderlichen Qualifikationen müssen sie auch

die notwendigen sprachlichen Fähigkeiten mitbringen. Auf Unterstützung von zu Hause

können sich diese Jugendlichen dabei häufig nicht verlassen. Die Folge: Ihre Chancen

auf dem Arbeitsmarkt sind deutlich schlechter als die Gleichaltriger.

Die Projektpartner des Förderunterrichts am Standort Dortmund (Technische

Universität Dortmund, RAA Dortmund) haben deshalb im Rahmen eines Modellprojektes

das bestehende Förderunterrichtskonzept (siehe Seite 44) um den Aspekt der Berufsorientierung

erweitert. Neben Fachvokabular lernen die Jugendlichen beispielsweise,

wie sie eine Bewerbung formulieren müssen oder wie sie sich erfolgreich in einem

Vorstellungsgespräch präsentieren. Neben diesen Kompetenzen, die sie für den Arbeitsmarkt

benötigen, erhalten sie auch Unterstützung, um herauszufinden, welcher

Beruf für sie der richtige ist.

Projektpartner

Technische Universität Dortmund,

RAA Dortmund

Laufzeit

2006 bis 2009

Fördervolumen

180.000 Euro

Zielgruppe

Haupt- und Förderschüler der

Klassen 7 bis 9, Studierende in

Dortmund

Region

Dortmund

Stiftungsziel

Förderung von Kindern und Jugendlichen

mit Migrationshintergrund

durch Verbesserung der Schul- und

Berufschancen

Kinder führen Kinder

Kinder als Museumsführer – und das auch noch im Kunstmuseum? Was anfangs eher

wie ein Widerspruch in sich klang, hat sich längst zum Erfolgsgarant entwickelt. Das

Projekt „Kinder führen Kinder“ startete 2005 am Essener Museum Folkwang und geht

jetzt in eine zweite Verlängerungsrunde bis 2009. Die Grundidee ist die gleiche geblieben:

Schüler zwischen 10 und 13 Jahren werden in regelmäßigen Treffen auf ihre Aufgaben

als Museumsführer vorbereitet. Ein Jahr lang führen sie dann Kinder im Alter

von 5 bis 13 Jahren durch die Kunstausstellungen. Ziel ist es, nicht nur das Interesse

an Kunst zu wecken und das Kunstverständnis zu erhöhen. Die Führungskinder werden

darüber hinaus in ihrer Wahrnehmung, ihren kommunikativen und sozialen Kompetenzen

sowie ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. Zu jedem „Kinder führen Kinder“-

Jahr gehört auch ein großes Museums-Kinderfest. Das Honorar, das die Kinder durch

ihre Führungen erarbeiten, wird am Ende für eine gemeinsame Freizeitaktion wie beispielsweise

eine Ferienfahrt verwendet.

Mit der neuen Projektlaufzeit gibt es einige Neuerungen: Da sich das Museum

Folkwang im Umbau befindet, wurden Teile der Ausstellung bis zum Kulturhauptstadtjahr

2010 auf verschiedene andere Standorte verlagert. Das Projekt „Kinder führen

Kinder“ nutzt diese Dependancen: „Kinder führen Kinder“ gibt es neben dem Altbau

des Museum Folkwang in Essen nun auch in der Villa Hügel und dem RWE Turm sowie

im Joseph Albers Museum im Quadrat Bottrop. Dadurch steht nicht nur ein breiter

gefächertes Angebot für die Führungen zur Verfügung, es können auch mehr Kinder

als bisher mitwirken – eine positive Entwicklung, denn bislang überstieg die Nachfrage

nach Plätzen stets das Angebot. Wenn Sie mehr über das Projekt erfahren möchten,

lesen Sie den Erfahrungsbericht von Projektleiterin Monika Lahme-Schlenger und

Führungskind Laura Schneider auf Seite 36.

Projektpartner

Museum Folkwang Essen

Laufzeit

2007 bis 2009

Fördervolumen

87.600 Euro

Zielgruppe

Kinder im Alter zwischen 10 und

13 Jahren als Museumsführer und

Kinder im Alter zwischen 5 und 13

Jahren als Museumsbesucher

Region

Essen und Bottrop

Stiftungsziel

Förderung ganzheitlicher kultureller

Bildung, Erprobung und Implementierung

eines innovativen

museumspädagogischen Ansatzes

51


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Über den eigenen Tellerrand zu schauen, ist für Meinungsmultiplikatoren Grundvoraussetzung für eine fundierte Berichterstattung. Die Stiftung Mercator fördert deshalb mehrere

Programme, die den Austausch von Journalisten zwischen Deutschland und Osteuropa, der Türkei oder Asien ermöglichen.


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Kulturen verstehen,

Toleranz lernen

Unsere Welt rückt immer näher zusammen. Das Verständnis füreinander,

für fremde Länder und Kulturen gewinnt deshalb weiter an Bedeutung.

Dies gilt gleichermaßen für das Miteinander hierzulande: Menschen

unterschiedlicher Herkunft und Kultur treffen aufeinander, leben

miteinander und müssen dieses Zusammenleben gemeinsam gestalten.

Damit dies gelingt, braucht es ein großes Maß an Verständnis und

Toleranz.

Die Stiftung Mercator möchte dazu beitragen, dass Jugendliche und junge

Erwachsene sich zu aufgeschlossenen, vorurteilsfreien Menschen entwickeln,

weil daraus jedem Einzelnen für sein Leben Vorteile erwachsen.

Und weil wir davon überzeugt sind, dass Friede nur durch Völkerverständigung

gelingen kann. Deshalb fördern wir die Begegnung junger

Menschen.

In unseren Projekten eröffnen wir ihnen zahlreiche Möglichkeiten, einander

zu erleben, zu verstehen und mit Respekt zu begegnen. Unser

Hauptaugenmerk richten wir dabei auf Regionen der Welt, die für

Deutschland künftig von großer Bedeutung sein werden: die Länder

Osteuropas und Asiens sowie in immer stärkerem Maße die Türkei. In

den Zielregionen ebenso wie hierzulande stoßen wir vielfältige Formen

des Schüleraustausches, aber auch des Austausches Jugendlicher und

junger Erwachsener an: Das neue Projekt „european workcamps“ etwa

richtet sich auch an junge Menschen, die in ihrer Schullaufbahn keine

Gelegenheit zu interkulturellem Austausch haben oder hatten.

Auf diese und viele andere Weisen möchten wir junge Menschen aus

verschiedenen Teilen der Welt motivieren, sich aufeinander einzulassen,

sodass mit dem Zusammenwachsen auch ein aneinander Wachsen

einhergeht.

Unsere größten Projekte im

Bereich „Kulturen verstehen,

Toleranz lernen“:

Mercator-Schülerstipendien

(S. 63)

• european workcamps (S. 58)

• Deutsch-vietnamesisches

Journalistenstipendium (S. 59)

• Marion Gräfin Dönhoff Programm

(S. 64)

• Deutsch-türkischer

Schüleraustausch (S. 60)

53


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Ein Blick in die Projekte: Das Bundespräsident Johannes Rau Programm

Journalisten als Mittler:

Zerrbilder korrigieren

Seit 2006 fördert die Stiftung Mercator das nach dem früheren Bundespräsidenten benannte Journalistenaustauschprogramm

„Johannes Rau“, in dessen Rahmen jährlich 10 bis 15 Journalisten aus Deutschland bzw. der

Türkei zwei Monate in einer Redaktion des jeweiligen Gastlandes arbeiten. Wir haben mit Projektkoordinator

Baha Güngör über Chancen, Erfolge und Perspektiven des Programms gesprochen.

Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach das deutsch-türkische

Journalistenstipendienprogramm?

Das Projekt basiert auf der Idee, über die Medien das Verständnis zwischen der deutschen

und türkischen Öffentlichkeit zu fördern und einen Beitrag zum Abbau von

Vorurteilen sowie zum Dialog zwischen Deutschen und Türken zu leisten. Ohne die

Medien können Sie die Öffentlichkeit nicht erreichen. Das heißt, Sie müssen sie einbeziehen

in den Aufbau von Projekten und von Initiativen, die darauf abzielen, gegenseitige

Vorurteile zu überwinden und Auseinandersetzungen zwischen Kultur und Religion

zu minimieren. Wichtig ist aber, dass hier alle Medien einbezogen werden. Die

schreibende Medienlandschaft ist ja sehr, sehr stark, aber es müssen auch Fernsehen,

Radio und Internet berücksichtigt werden. Man muss daher sowohl deutsche als auch

türkische Journalisten aller Medieninstitutionen zusammenbringen, damit sie sich kennenlernen

und fachlich austauschen, um die Öffentlichkeit korrekt informieren zu können.

Eine differenzierte mediale Berichterstattung von türkischen und deutschen Journalisten

bildet die Grundlage zur Verbesserung des Verständnisses zwischen Deutschen

und Türken. Deshalb trägt das Programm auch den Namen unseres früheren

Bundespräsidenten Johannes Rau. Er hat sich immer wieder sowohl in der Türkei als

auch in Deutschland persönlich für die deutsch-türkische Verständigung engagiert.

Dieses Engagement war nicht für die Medien und das Blitzgewitter gemacht, sondern

es kam von innen, denn er wusste genau, wenn in Deutschland die gesellschaftlichen

Weichen richtig gestellt werden sollen, muss man diese Menschen, die aus anderen

Ländern und Kulturen zu uns gekommen sind, einbeziehen.

Welche Erfahrungen haben Ihre Journalisten mit dem Stipendium gesammelt? Wie

ist die Resonanz der Teilnehmer?

Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Es ist ja auch einmalig, dass deutschen und

türkischen Journalisten mit einem Stipendium die Möglichkeit gegeben wird, ohne finanzielle

Kraftakte das Land kennenzulernen, das dem eigenen Land so nahe liegt.

54


Baha Güngör ist sich sicher, dass die

Journalisten viele Bilder, die in ihren Köpfen

waren, korrigieren konnten.

Zwischen Deutschland und der Türkei gibt es historische Beziehungen auf vielen

Gebieten. Es gibt eine traditionelle gegenseitige Anerkennung der Leistungen beider

Völker beim gemeinsamen Aufbau Europas. Leider aber gibt es auch Missstimmungen,

deren Ursachen in der fehlenden Kenntnis der heutigen Realitäten in beiden

Ländern liegen.

Auf jeden Fall haben die Journalisten viele Bilder, die in ihren Köpfen waren, korrigiert.

Die Kollegen, die aus der Türkei gekommen sind, haben erkannt, dass in

Deutschland doch nicht alles so negativ ist, wie es teilweise von der Boulevardpresse

dargestellt wird, aber dass es hier auch Probleme gibt. Das heißt, wenn sie wieder in

ihr Heimatland zurückgekehrt sind, können sie objektiv über Deutschland berichten

und ganz anders argumentieren. Gleiches trifft auch für die deutschen Stipendiaten

zu, die sich durch die zweimonatigen Gastaufenthalte vor Ort ein Bild frei von Vorurteilen

und negativen Einflüssen verschaffen konnten. Durch die Aufenthalte im jeweiligen

Gastland bildeten sich auch wertvolle Netzwerke, die im Hinblick auf den fachlichen,

aber auch persönlichen Austausch enorm wichtig sind.

Die Resonanz der Teilnehmer ist sehr, sehr positiv. Negative Stimmungen hat es

nur vereinzelt gegeben bei denen, die Probleme damit hatten, eigene Ängste zu überwinden

und sich deshalb hinter Klischees zu verstecken versuchten. Diese hatten natürlich

längere Eingewöhnungszeiten nötig.

Was sollte aus Ihrer Sicht das Programm außer den Erfahrungen, die in den zwei

Monaten im Ausland gemacht werden, leisten und sind diese Erwartungen erfüllt

worden?

Wichtig ist auf jeden Fall, dass Netzwerke aufgebaut bzw. bestehende Netzwerke intensiviert

und gepflegt werden, das heißt, man sollte dazu animieren, dass man sich in regelmäßigen

Abständen bei Alumnitreffen wiedersieht. Es ist wichtig, dass unsere Leute

wieder zusammengeführt werden und sich nicht irgendwie in der Türkei und in

Deutschland verlieren, damit ihre Erfahrungen untereinander ausgetauscht und auch

weitergegeben werden.

55


Ich hatte die Erwartung, dass sich Verbindungen zwischen den deutschen und türkischen

Stipendiaten ergeben. Diese sind größtenteils erfüllt. Ich weiß aus persönlichen

Gesprächen, dass nicht nur zwischen den Teilnehmern des Bundespräsident Johannes

Rau Programms Kontakte geknüpft worden sind. Darüber hinaus wurden bei Gastaufenthalten

kollegiale Freundschaften begonnen, die über die Teilnehmer hinaus Redaktionen

die Möglichkeit des Austauschs gegeben haben. Das Netzwerk ist noch sehr

jung und damit im Aufbau. Aber die ersten Erfahrungen zeigen, dass der eingeschlagene

Weg richtig ist.

Warum ist das Projekt aus Ihrer Sicht besonders für die Entwicklung interkultureller

Kompetenzen wichtig? Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Eine anatolische Weisheit besagt: Wer Angst vor den Wölfen habe, solle kein Schafhirte

werden. Wer Angst vor anderen Kulturen, Traditionen oder Religionen als den

eigenen hat, sollte kein Journalist werden. Ein Journalist muss die aktive Auseinandersetzung

suchen, was die Entwicklung interkultureller Kompetenzen voraussetzt. Wie

soll ein deutscher Journalist zum Beispiel in seiner täglichen Arbeit dieses oder jenes

Ereignis im Zusammenhang mit Einwanderern aus der Türkei oder im Zusammenhang

mit der Türkei bewerten, wenn er weder das Land noch die Kultur der Menschen, um

die es geht, kennt? Gleiches gilt auch für türkische Journalisten. Sie können viel zutreffender

berichten und kommentieren, wenn sie Deutschland und Deutsche persönlich

gesehen und kennengelernt haben.

Erhan Merttürk von RBB Radio Multukulti Türkisch als Teilnehmer des diesjährigen

Austauschprogramms war für zwei Monate Gastjournalist bei CNN Türk und ist

jetzt Berlin-Korrespondent dieses Senders. Das ist deshalb wichtig, weil er als „erfahrener

Berliner“ über Ereignisse und Entwicklungen zutreffend berichten wird und nicht

auf der Basis von Klischees und Vorurteilen wie so mancher aus der Türkei entsandte

Korrespondent.

Ein anderes Beispiel ist, dass die türkische Teilnehmerin Emine Deniz Sahin nach

ihrem Gastaufenthalt bei n-tv in Köln jetzt für die deutschsprachige Redaktion beim

türkischen Staatsrundfunk TRT in Ankara arbeitet. Dort kann sie sehr wohl zur

Abrundung korrekter Bilder über Deutschland und Deutsche beitragen.

Von den deutschen Stipendiaten weiß ich, dass das Leben in Istanbul in einer

Wohngemeinschaft sich nicht von den Sorgen, Problemen oder Vorteilen einer Wohngemeinschaft

in Deutschland unterscheidet. Da wurden viele Ängste im Vorfeld bezüglich

des Zusammenlebens mit türkischen Mitbewohnern als unbegründet entlarvt und

schnell abgebaut.

56


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Wie stellen Sie sich die Zukunft dieses Programms vor?

In der ersten Phase wurde in der Türkei nur Istanbul als Zentrum der türkischen Medienlandschaft

für die Gastaufenthalte der deutschen Programmteilnehmer anvisiert.

In Zukunft sollten Gastaufenthalte auch in anderen Städten und Ballungszentren organisiert

werden. Dazu gehören natürlich vorrangig die Hauptstadt Ankara sowie weitere

Wirtschaftszentren wie Bursa, Gaziantep, Izmir und Adana. Für türkische Journalisten

ist die Möglichkeit besser gegeben, da deutsche Medien sich gleichwertig auf ganz

Deutschland verteilt haben. So ist zum Beispiel jede Landeshauptstadt ein Medienzentrum

mit Frankfurt als Finanzmetropole Europas. Ich möchte meinen Beitrag zur weiteren

Entwicklung des Projekts dahingehend verstärken, vor allem deutsche Journalisten

in der Türkei auch außerhalb von Istanbul unterzubringen.

Als deutscher Journalist türkischer Abstammung finde ich es außerordentlich

wichtig, dass Internationale Journalisten Programme (IJP) e.V. und die Stiftung Mercator

sowie das Auswärtige Amt dieses Projekt als eine Investition für die Zukunft weiterhin

unterstützen, weil in Europa Völker und Kulturen zusammenwachsen und die Türkei

und die Türken in Europa integriert werden müssen. Die Ablehnung oder das „Vom

Tisch wischen“ ist die einfachere Methode, aber Einbeziehung und Anerkennung ist

die vernünftigere und dient nicht zuletzt einem politisch, wirtschaftlich und geostrategisch

sicheren Europa der Zukunft, in dem die Türkei ihren festen Platz haben wird.

So wäre sicherlich die Ernst-Reuter-Initiative als ein weiterer Meilenstein in den

Bemühungen um die Förderung des gegenseitigen Verständnisses zu bezeichnen. Der

frühere türkische Außenminister und heutige Staatspräsident Abdullah Gül und Bundesaußenminister

Frank-Walter Steinmeier haben diese nach dem ersten Regierenden

Bürgermeister von Berlin benannte Aktion gestartet. Ernst Reuter war während der

dunklen Jahre der deutschen Geschichte in die Türkei gegangen und hat nicht nur

persönliche Sicherheit gehabt, sondern auch der damals noch jungen Republik mit

Rat und Tat wichtige Hilfestellungen gegeben.

Genau das ist der Geist, der in den aktuellen Auseinandersetzungen um die Kompatibilität

von Kulturen und Religionen sowie um den Dialog zwischen diesen von

herausragender Bedeutung ist. Europa und die Türkei ergänzen sich zu einem vollkommenen

Bild, dessen Motive sich nicht zuletzt aus den positiven Erfahrungen der

deutsch-türkischen Beziehungen ergeben. Deshalb sind Aktionen wie die Ernst-Reuter-

Initiative oder das Bundespräsident Johannes Rau Programm auch so wichtig, damit

die Motive auch richtig geortet, verstanden und vermittelt werden.

Herr Güngör, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Baha Güngör

hat sein 32-jähriges journalistisches

Berufsleben zur Hälfte in Deutschland

und zur Hälfte in der Türkei

als Berichterstatter für deutsche

Medien verbracht. Er leitet seit

1999 das türkische Hörfunkprogramm

der Deutschen Welle.

Davor war er unter anderem acht

Jahre dpa-Korrespondent in der

Türkei, sieben Jahre Pool-Korrespondent

der WAZ in der Türkei und

Griechenland und Politikredakteur

des Bonner General-Anzeigers. Er

bezeichnet sich selbst als politischen

Journalisten mit starkem

Drang, die sozialen Auswirkungen

der politischen Entscheidungen in

den Vordergrund zu stellen. Seit

2006 betreut er das Bundespräsident

Johannes Rau Programm.

Dort fungiert er als Schnittstelle

zwischen Stipendiaten und Medien

und als Ansprechpartner für Fragen

und Sorgen jeglicher Art.

57


Zusammen arbeiten – zusammenwachsen: Das ist die Idee bei den „european workcamps“. Jugendliche aus drei

verschiedenen Ländern treffen sich, um gemeinsam in gemeinnützigen Projekten zu arbeiten.

Neue Projekte 2007

Eine Auswahl

Projektpartner

Internationales Bildungs- und Begegnungswerk

e.V. (IBB)

Laufzeit

2007 bis 2010

Fördervolumen

1.750.000 Euro

Zielgruppe

Institutionen der Jugendarbeit; Jugendliche

mit Haupt-/Realschulabschluss

oder mit Berufsausbildung

Region

Nordrhein-Westfalen, ost- und westeuropäische

EU-Länder

Stiftungsziel

Internationale Netzwerkbildung von

Jugendeinrichtungen, Belebung der

Städtepartnerschaften

european workcamps

Internationale Jugendbegegnungen werden mit der EU-Erweiterung und dem fortschreitenden

Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft zunehmend wichtiger. Denn durch

sie können Jugendliche das zusammenwachsende Europa erleben und interkulturelle

Kompetenzen erwerben. Die Stiftung Mercator möchte jungen Menschen unabhängig

von ihrem Bildungsstand die Teilnahme an solchen Jugendprogrammen ermöglichen.

Deshalb will das Projekt in erster Linie Jugendlichen, die in ihrer bisherigen Laufbahn

in Haupt-, Real- und Gesamtschule oder in einer Berufsausbildung kaum mit Begegnungsprogrammen

in Berührung gekommen sind, das Tor zum interkulturellen Austausch

öffnen.

Drei Partner, drei Workcamps, drei Länder – das sind die Koordinaten des innovativen

Förderprogramms: Drei Jugendeinrichtungen aus drei Ländern organisieren in

drei aufeinander folgenden Jahren für junge Menschen reihum dreiwöchige Sommer-

Workcamps. Die Schwerpunktregionen sind Nordrhein-Westfalen mit einem Fokus auf

das Ruhrgebiet sowie west- und osteuropäische EU-Länder (einschließlich Belarus,

Russische Föderation und der Ukraine) und die Türkei.

Die Initiative zielt auf eine nachhaltige Vernetzung der Jugendeinrichtungen und

die Förderung der interkulturellen und sozialen Kompetenz der jungen Teilnehmer,

die gemeinsam im Rahmen der Workcamps in gemeinnützigen Projekten arbeiten und

sich kennenlernen. Bei den Projekten stehen Umweltthemen an erster Stelle.

58


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Die Achsen ihrer partnerschaftlichen Dreiecke ziehen die am Projekt teilnehmenden

Jugendeinrichtungen selbst. Insgesamt sollen bis zu 60 Institutionen gefördert

werden, je 20 aus dem Ruhrgebiet, aus einem westeuropäischen und einem osteuropäischen

Land bzw. der Türkei. Bei der Bildung ihrer Partnerschaften sollen die Einrichtungen

möglichst auf bestehende Städtepartnerschaften zurückgreifen, denn diese

können durch ihre Strukturen Funktionsträger für Politik, Wirtschaft und Kultur sein

und bieten damit ein gutes Fundament für internationale Jugendarbeit.

Projektpartner

Internationale Journalisten Programme

(IJP) e.V.

Laufzeit

2007 bis 2012

Fördervolumen

265.000 Euro

Zielgruppe

Journalisten zwischen 28 und 39

Jahren aus Deutschland und Vietnam

Region

Nordrhein-Westfalen und Vietnam

Stiftungsziel

Förderung von Völkerverständigung

und Toleranz, Netzwerkbildung für

Nachwuchsjournalisten

Link

www.ijp.org

Deutsch-vietnamesisches Journalistenstipendium

Der Aufstieg Asiens ist ein entscheidender Antrieb für die weltweiten politischen und

wirtschaftlichen Veränderungen. Dieser Tatsache müssen sich die westlichen Länder

stellen, wenn sie vom Wirtschaftswachstum profitieren wollen. Auch Vietnam erlebte

in den vergangenen Jahren ein enormes Wirtschaftwachstum. Mit dem Beitritt zur

Welthandelsorganisation (WTO) im Januar 2007 hat sich dieser Boom noch verstärkt.

Viele deutsche Unternehmen können heute davon profitieren und pflegen intensive

wirtschaftliche Beziehungen mit Vietnam. Zudem bestehen seit Langem enge Kooperationen

im Bildungsbereich und es herrscht ein zunehmend reger akademischer Austausch

zwischen beiden Ländern.

Die Medien spielen bei der Wahrnehmung dieser globalen Veränderungsprozesse

eine besondere Rolle, denn sie tragen zur Vermittlung des Asienbildes in Deutschland

und umgekehrt bei. Einem Stipendienprogramm für Journalisten mit dem Fokus auf

Vietnam kommt daher große Bedeutung zu. Bislang existierte jedoch kein solches

Programm, das von einer deutschen Stiftung gefördert wird.

Das hat die Stiftung Mercator geändert. Seit 2007 können sich deutsche und vietnamesische

Journalisten bei Internationale Journalisten Programme (IJP) e.V. um ein

Stipendium bewerben. Das deutsch-vietnamesische Journalistenstipendium ist Teil des

deutsch-asiatischen Journalistenprogramms. Pro Jahr sollen zehn Stipendien vergeben

werden; jeweils fünf an deutsche und fünf an vietnamesische Nachwuchsjournalisten.

Diese zehn Stipendiaten, die vor allem aus Online-Redaktionen, aber auch aus den Bereichen

Print, Hörfunk und Fernsehen kommen, erhalten die Möglichkeit, für jeweils

zwei Monate in Gastredaktionen zu arbeiten und gewinnen so einen Einblick in den

Arbeitsalltag und die Kultur der jeweiligen Region. Mit Sprachkursen und Seminaren

bereiten sich die Teilnehmer intensiv auf ihren Aufenthalt vor. Zudem sollen Alumnitreffen

in Deutschland und Vietnam die Netzwerkbildung ermöglichen.

59


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Projektpartner

AFS Interkulturelle Begegnungen

e.V.

Laufzeit

2007 bis 2010

Fördervolumen

219.000 Euro

Zielgruppe

Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren

aus NRW und der Türkei

Region

Nordrhein-Westfalen und Türkei

Stiftungsziel

Förderung von Völkerverständigung

und Toleranz der Jugendlichen,

Erwerb interkultureller Kompetenz

und türkischer bzw. deutscher

Sprachkenntnisse

Link

www.afs.de

Deutsch-türkischer Schüleraustausch

Die Türkei ist für Europa und speziell für Deutschland ein Land von sehr großer Bedeutung,

sei es in der Diskussion um den EU-Beitritt, in der Islam-Debatte oder beim

Thema Ausländerintegration hierzulande. Doch Vorurteile und populistische Phrasen

bestimmen auf beiden Seiten noch zu häufig das Bild vom jeweils anderen Land. Um

diese Vorurteile abzubauen, ist ein interkultureller Dialog notwendig. Besonders Jugendliche

sind eine wichtige Zielgruppe, um diese Verständigung anzustoßen, da sie

an der Gestaltung der Zukunft maßgeblich beteiligt sind.

Deshalb bietet AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. mit Unterstützung der Stiftung

Mercator ein Austauschprogramm für deutsche und türkische Jugendliche zwischen

15 und 18 Jahren an. Bis zu zehn Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen erhalten

durch ein Stipendium die Möglichkeit, für ein Jahr in die Türkei zu gehen, vornehmlich

in die Regionen Istanbul, Ankara und Izmir, dort die Schule zu besuchen und bei

einer Gastfamilie zu leben. Im Gegenzug kommen bis zu zehn Jugendliche aus der

Türkei für ein Jahr nach Deutschland.

Vor- und Nachbereitungsseminare geben den Austauschschülern das nötige Rüstzeug

mit auf den Weg und verschaffen ihnen im Anschluss die Möglichkeit zur Reflexion.

Der erste Austausch in diesem neuen Programm wird im Schuljahr 2008/2009

stattfinden. Das Besondere: Um die Nachhaltigkeit des Projekts zu gewährleisten, findet

jeweils zum Ende eines Schuljahres eine Multiplikatorenveranstaltung in Nordrhein-Westfalen

statt, bei der Erfahrungen, Beobachtungen und Wahrnehmungen mit

Programmteilnehmern sowie aktiven Multiplikatoren der Zuwandererarbeit diskutiert

werden.

Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen und der Türkei

erhalten beim deutsch-türkischen Schüleraustausch

die Möglichkeit, ein Jahr im Ausland zu verbringen.

Der erste Stipendiatenjahrgang startet im Schuljahr

2008/2009.

60


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

„Es gibt jene Momente, für die sich

alles gelohnt hat, die Mühe, die Hilflosigkeit,

die Trennung von lieben

Menschen und die daraus resultierende

Sehnsucht nach meiner ‚alten

Welt‘, die Zweifel, die Traurigkeit.

Vielleicht bin ich eben gerade deshalb

hier: um den Umgang mit genau solchen

Schwierigkeiten zu lernen, sowie

die Fähigkeit zu erwerben, die

kleinen Dinge zu schätzen.“

Claire Gordziel,

Meike-Schneider-Stipendiatin in Belarus

In Belarus arbeitete Claire Gordziel in einem Heim für behinderte Kinder und für einen

Verband ehemaliger Zwangsarbeiter. Hier ist sie mit Heimkind Viktor zu sehen.

Meike-Schneider-Stipendien: Freiwilligendienste in Osteuropa

„Zerstörung kann nicht immer ungeschehen gemacht werden, aber Beziehungen können

wieder aufgebaut werden. Das gilt nicht nur für Nationen, sondern auch für Individuen,

und es ist die einzig mögliche Grundlegung für Frieden.“ So hat eine freiwillige

Helferin der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) das Anliegen des Vereins

auf den Punkt gebracht.

Im Bewusstsein, dass die Folgen des Nationalsozialismus noch immer spürbar

sind und nur durch einen intensiven Dialog überwunden werden können, setzt sich

Aktion Sühnezeichen für eine Verständigung zwischen den Generationen, Kulturen,

Religionen und Völkern ein. Die ASF-Freiwilligen sind in vielfältigen sozialen und politischen

Projekten in 13 Ländern aktiv.

Durch die Unterstützung der Stiftung Mercator soll jungen Menschen ermöglicht

werden, an einem Freiwilligendienst in Osteuropa teilzunehmen. Dazu wurde das Meike-Schneider-Stipendium

bei der ASF eingerichtet – benannt nach Meike Schneider, die

sich im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres von 2000 bis 2001 im Kosovo engagierte,

später an Leukämie erkrankte und im Alter von 22 Jahren starb. Die Stipendiaten

arbeiten ein Jahr lang in einer sozialen, kirchlichen, kulturellen oder medizinischen

Einrichtung in der Russischen Föderation, in Belarus oder der Ukraine. Durch diese

Arbeit kommen sie in direkten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung und lernen

dabei nicht nur die Menschen, sondern vor allem deren Alltag intensiv kennen.

Das Stipendium beinhaltet die Kosten für Reise, Unterkunft und Versicherungen

sowie begleitende Seminare.

Projektpartner

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

e.V. (ASF)

Laufzeit

2007 bis 2010

Fördervolumen

88.200 Euro

Zielgruppe

Jugendliche im Alter zwischen 18

und 27 Jahren, vorzugsweise aus

NRW

Region

Nordrhein-Westfalen und Osteuropa

(Belarus, Russ. Föderation, Ukraine)

Stiftungsziel

Förderung von Völkerverständigung

und Gewinnung von Jugendlichen

für ehrenamtliches Engagement

Link

www.asf-ev.de

61


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Projektpartner

Goethe-Institut Minsk

Laufzeit

2007

Fördervolumen

12.600 Euro

Zielgruppe

Schüler aus Essen

Region

Essen und Minsk (Belarus)

Stiftungsziel

Interkulturelle Verständigung, Förderung

von Toleranz und Erwerb

von Landeskenntnissen

Jugendbegegnung Essen-Belarus

Belarus ist vom westlichen Europa relativ isoliert. Reisen von belarussischen Kindern

und Jugendlichen nach Deutschland sind sehr selten. Die meisten jungen Menschen

aus dieser Region sind daher schlecht informiert darüber, was sich außerhalb ihrer

Landesgrenzen abspielt. Und auch in Deutschland ist Belarus noch immer ein „weißer

Fleck“ auf der Landkarte. Mit dieser Jugendbegegnung wurde ein Beitrag zum bilateralen

Austausch von deutschen und belarussischen Jugendlichen geleistet.

Vom 15. September bis 7. Oktober 2007 präsentierte das Goethe-Institut Minsk

die deutschsprachige Ausstellung „jung.de“, die interaktiv jugendliche Lebenswelten

in Deutschland vorstellt. Die Ausstellung diente als Plattform für eine Schülerbegegnung

mit Teilnehmern aus Essen und Belarus. Zwölf Schüler im Alter zwischen 14

und 16 Jahren von drei weiterführenden Schulen in Essen nahmen an dem achttägigen

Begegnungsprogramm teil. Gemeinsam mit belarussischen Schülern beteiligten sie

sich an Projekten wie Theater- und Musikworkshops, Wettbewerben, Landeskundeseminaren

und Ausflügen zu historischen Orten. Außerdem hielten sie Vorträge über ihre

Heimat und besuchten den Deutschunterricht in belarussischen Schulen.

Bei dieser Jugendbegegnung konnten die Teilnehmer nicht nur Freundschaften

schließen und Kenntnisse über die jeweils andere Kultur erwerben, sie entwickelten

auch ein nachhaltiges Interesse für Osteuropa beziehungsweise für Deutschland.

Kenntnisse über die jeweils andere Kultur erwarben Jugendliche aus Essen und Minsk bei einer Jugendbegegnung zwischen Deutschland

und Belarus durch Filme, Vorträge und gemeinsame Aktivitäten.


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

„Als ich nach Deutschland kam,

hatte ich Angst vor Hunden. In

Hongkong hat niemand so ein

großes Haustier, weil man dort

in viel kleineren Wohnungen

wohnt. Jetzt gehe ich jeden Tag

mit den Hunden meiner Gastfamilie

spazieren. Auch dass es

in Deutschland so viel Natur

gibt, gefällt mir sehr gut.“

Pui Sing Au,

Gastschüler aus Hongkong

Pui Sing Au mit seiner Gastmutter. Er lebt seit Herbst 2007 bei Familie Hay in Kettwig.

Laufende Projekte 2007

Eine Auswahl

Mercator-Schülerstipendien

Der asiatische Raum tritt aufgrund seiner beständig wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung

immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses. Gerade für junge Menschen

ist es deshalb wichtig, diese fremde Region mit ihren Kulturen kennenzulernen und

bei einem Auslandsaufenthalt auch ihre sozialen und sprachlichen Kompetenzen zu

verbessern. Mit den Mercator-Schülerstipendien erhalten deutsche Schüler die Möglichkeit,

ein Jahr in einer Gastfamilie in Asien zu verbringen und dort die weiterführende

Schule zu besuchen. Im Gegenzug kommen asiatische Schüler nach Deutschland.

Die Teilnehmer werden vor der Abreise, im Gastland und nach der Rückkehr vom

AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. betreut. Sie erhalten unter anderem ein Vorbereitungsseminar

im Heimatland und besuchen während ihrer Zeit im Gastland mehrere

Camps, die dem Erfahrungsaustausch dienen und Hilfestellung im Umgang mit der

fremden Lebensweise und Kultur bieten. Insgesamt 50 Schüler aus Deutschland und

Asien haben in 2007 ein Mercator-Stipendium für die Länder China, Malaysia und Indonesien

erhalten. Die durchschnittliche Stipendienhöhe betrug rund 2.500 Euro.

2008 wird das Programm auf Vietnam ausgeweitet. Seit dem Start des Projekts im

Jahr 2000 erhielten insgesamt rund 500 Jugendliche ein Mercator-Stipendium.

Projektpartner

AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

Laufzeit

1999 bis 2010

Fördervolumen

2.060.000 Euro

Zielgruppe

Schüler ab dem 10. Schuljahr

Region

Deutschland (vorzugsweise Nordrhein-Westfalen)

und Asien (China,

Indonesien, Malaysia, Vietnam)

Stiftungsziel

Förderung der Toleranz und

des Völkerverständnisses bei

Jugendlichen

Link

www.afs.de

63


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

„Als Korrespondentin auf Zeit in

Moskau konnte ich die journalistische

Maxime geradezu verinnerlichen:

Man solle die Dinge stets

von mindestens zwei Seiten betrachten.

Dazu muss man einander

lediglich entgegenkommen.

Ich sah erstaunt dabei zu, wie

mein Bild von Russland an Tiefe,

an Schärfe, an Kontrasten gewann.“

Anna Walter,

Stipendiatin im Marion Gräfin Dönhoff

Journalistenprogramm

Der Aufbau eines verlässlichen Netzwerks ist für junge Journalisten ganz zentral. Olga Danischewitsch

aus Belarus (l.) und Suzanne Krysztofik aus Polen, beide Stipendiatinnen des Marion

Gräfin Dönhoff Programms, tauschen sich beim Alumni-Treffen der Stiftung Mercator aus.

Projektpartner

Internationale Journalisten Programme

(IJP) e. V.

Laufzeit

2001 bis 2010

Fördervolumen

225.000 Euro

Zielgruppe

Deutsche und osteuropäische

Nachwuchsjournalisten

Region

Deutschland und Osteuropa

Stiftungsziel

Förderung der Toleranz und des

Völkerverständnisses durch internationalen

Austausch von Meinungsmultiplikatoren

Link

www.ijp.org

Marion Gräfin Dönhoff Programm

Auch wenn uns durch die EU-Erweiterung mittlerweile viele Staaten in Mittel- und

Osteuropa näher gerückt sind, bestimmen doch noch häufig mangelndes Wissen und

eine verzerrte Wahrnehmung das gegenseitige Bild und behindern ein partnerschaftliches

Miteinander. Umso wichtiger ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit den

osteuropäischen Ländern, um Ängste und Vorurteile abzubauen, gegenseitiges

Verständnis zu entwickeln und zu einer dauerhaften Sicherheit und Stabilität in

Europa beizutragen.

Um die Öffentlichkeit besser über die tatsächlichen kulturellen, sozialen, politischen

und wirtschaftlichen Gegebenheiten zu informieren, bieten die Stiftung Mercator

und die ZEIT-Stiftung mit Internationale Journalisten Programme e. V. (IJP) ein

Austauschprogramm für Nachwuchsjournalisten an. Um den jungen deutschen Journalisten

umfangreiche Landeskenntnisse und interkulturelle Kompetenz zu vermitteln,

erhalten diese die Möglichkeit, zwei Monate lang in einem osteuropäischen Land in

einer Redaktion zu hospitieren. Im Gegenzug werden auch osteuropäische Nachwuchsjournalisten

nach Deutschland eingeladen.

Im Jahr 2007 nahmen insgesamt sechs deutsche und zehn mittel- und osteuropäische

Journalisten (aus Georgien, Kasachstan, Polen, der Russischen Föderation, Belarus

und der Ukraine) teil. Darüber hinaus fand im September eine zweitägige IJP-

Alumni-Konferenz in der Villa Hammerschmidt in Bonn statt. Teilgenommen haben

über 50 IJP-Alumni, darunter auch ehemalige Stipendiaten des Marion Gräfin Dönhoff

64


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Programms und des Bundespräsident Johannes Rau Programms. Auf dieser Konferenz

wurden journalistische Grundsätze über nationale Grenzen hinweg erörtert, um Maßstäbe

für einen Welt-Journalismus zu definieren. Seit Beginn der Förderung im Jahr

2001 hat die Stiftung Mercator rund 100 Journalisten aus Ost und West ermöglicht,

an dem Programm teilzunehmen.

Bundespräsident Johannes Rau Programm

Die Dönerbude an der Ecke gehört für uns längst zum Alltag und zur Urlaubszeit

tummeln sich viele deutsche Touristen an der türkischen Riviera. Doch über den Alltag

in der Türkei wissen wir kaum etwas – und oft wird das Bild vom jeweils anderen

auf beiden Seiten von Vorurteilen bestimmt. Deshalb ist es wichtig, dass gerade die

Medien als bedeutende Multiplikatoren dazu beitragen, das gegenseitige Verständnis

zu verbessern.

Deutsche und türkische Journalisten können durch eine fundierte, sachliche und

ausgewogene Berichterstattung einen Beitrag leisten, das gegenseitige Zerrbild gerade

zu rücken. Dazu benötigen sie allerdings zunächst einen Einblick in die tatsächlichen

Gegebenheiten. Das Bundespräsident Johannes Rau Programm des Internationale

Journalisten Programme (IJP) e.V. ermöglicht es türkischen und deutschen Nachwuchsjournalisten,

Eindrücke und Erfahrungen im jeweils anderen Land zu sammeln.

Vorab haben sie auf einem mehrtägigen Seminar die Möglichkeit, sich auf ihren Auslandsaufenthalt

vorzubereiten und sich gegenseitig kennenzulernen. Für je zwei Monate

hospitieren die jungen Journalisten bei einer oder mehreren Redaktionen in der

Türkei bzw. in Deutschland. Dabei lernen sie die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe

des Gastlandes kennen und erhalten die Möglichkeit, sich mit Kultur-, Lebens-

und Arbeitsweisen vertraut zu machen. Nicht nur in dieser Zeit, sondern auch im

Anschluss in ihrer Heimat berichten sie über ihre Erlebnisse und Erfahrungen.

Das Programm ist im September 2006 angelaufen. Im ersten Jahr haben insgesamt

zehn Nachwuchsjournalisten teilgenommen, fünf aus Deutschland und fünf aus

der Türkei. 2007 waren es bereits 14, darunter vier deutsche, vier türkische und sechs

deutsch-türkische Journalisten.

Einen tieferen Einblick in das Bundespräsident Johannes Rau Programm gibt Ihnen

das Interview mit Projektleiter Baha Güngör auf Seite 54. Er berichtet dort von

Chancen, Perspektiven und ersten Erfolgen dieser Initiative.

Projektpartner

Internationale Journalisten Programme

(IJP) e. V.

Laufzeit

2006 bis 2008

Fördervolumen

150.000 Euro

Zielgruppe

Deutsche und türkische Nachwuchsjournalisten

Region

Deutschland und Türkei

Stiftungsziel

Förderung der Toleranz und des

Völkerverständnisses durch internationalen

Austausch von Meinungsmultiplikatoren

Link

www.ijp.org

Auch die Stipendiaten des Bundespräsident

Johannes Rau Programms pflegten ihre Netzwerke

beim Alumni-Treffen der Stiftung Mercator.

65


KULTUREN VERSTEHEN, TOLERANZ LERNEN

Projektpartner

Landfermann-Gymnasium Duisburg

Laufzeit

2002 bis 2007

Fördervolumen

83.000 Euro

Zielgruppe

Deutsche und chinesische Schüler

der beteiligten Schulen

Region

Nordrhein-Westfalen und Chengdu

(China)

Stiftungsziel

Förderung des internationalen

Austausches mit China

Link

www.landfermann.de

Schüleraustausch mit China

Einerseits ist China für Deutschland ein bedeutender Handelspartner, andererseits

sind die chinesische Sprache, Kultur und Gesellschaft den meisten Menschen hierzulande

noch ziemlich fremd. Um seinen Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre interkulturellen

Kompetenzen und Sprachfähigkeiten zu verbessern, hat das Landfermann-

Gymnasium in Duisburg vor fünf Jahren einen Schüleraustausch mit der Chengdu

Foreign Language Experimental School in der Provinz Sichuan initiiert. 20 deutsche

und 20 chinesische Schüler konnten auch im Schuljahr 2006/2007 bei einem zweiwöchigen

Besuch das jeweils andere Land kennenlernen. Sie wohnten in Gastfamilien,

besuchten den Schulunterricht und nahmen an kulturellen Aktivitäten teil.

Zunächst reisten die deutschen Schüler nach China. Dort haben sie sich mit dem

Land und seiner Kultur intensiv beschäftigt. Sie haben mit gleichaltrigen chinesischen

Jugendlichen Freundschaften geschlossen, aus denen mittlerweile auch Einladungen

außerhalb des offiziellen Programms entstanden sind. Anschließend reisten die chinesischen

Partner nach Deutschland. Von den insgesamt 40 Teilnehmern erhalten jeweils

zwei Schüler aus Deutschland und China als besondere Auszeichnung für ihre Leistungen

ein zweimonatiges Stipendium für einen längeren Aufenthalt im jeweils anderen

Land.

66


Duisburgs Kulturleben zu stärken, Kinder und Jugendliche zu fördern und die Lebensqualität

der Stadt zu verbessern sind die Anliegen der Duisburger Bürgerstiftung.

Weitere Projekte 2007

Über die drei Förderschwerpunkte hinaus unterstützt die Stiftung Mercator

eine Reihe weiterer Projekte aus verschiedenen Themenbereichen.

Hier ein Beispiel.

Bürgerstiftung Duisburg

Kindern und Jugendlichen beim Start ins Leben zu helfen, das Kulturleben zu stärken

und die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern – so weit gestreute, auf das ganze

Stadtleben ausgerichtete Ziele hat sich die Duisburger Bürgerstiftung gesetzt. Gegründet

im Jahr 2005 fördert diese selbstständige und unabhängige Institution auf vielfältige

Weise das Gemeinwohl. Dabei sieht sich die Stiftung nicht in Konkurrenz zu bestehenden

Initiativen, sondern unterstützt bereits existierende Projekte und füllt erkennbare

Lücken. Ihr Ziel ist es, Menschen dabei zu helfen, Engagement und Kräfte zu

bündeln, um das Leben in der Stadt attraktiver zu machen.

Beispielhaft für viele Aktivitäten seien hier zwei Projekte der Bürgerstiftung Duisburg

genannt: Mit dem Pilotprojekt DU.doku Generation 60+ wurden im Rahmen der

Duisburger Filmwoche verstärkt ältere Mitbürger angesprochen, um anhand von

Dokumentarfilmen von Duisburger Filmemachern in einen Dialog über Vergangenheit

und Gegenwart zu treten. Mit ihrer Förderung vor Ort unterstützt die Bürgerstiftung

auch MUS-E, ein Programm der Yehudi Menuhin Stiftung für Schulen. Künstler aus

Theater, Tanz, Musik und bildender Kunst gestalten bei diesem Projekt einmal pro

Woche an ausgewählten Schulen den Unterricht.

Laufzeit

2005 bis 2007

Fördervolumen

451.000 Euro

Zielgruppe

Bürger der Stadt Duisburg

Region

Duisburg

Stiftungsziel

Bürgerschaftliches Engagement im

Ruhrgebiet

67


ANHANG

Die Stiftungsarbeit in Zahlen

Auszug aus der Bilanz per 31. Dezember 2007 (in tausend Euro)

AKTIVA

Anlagevermögen 108.481

Umlaufvermögen 19.563

Rechnungsabgrenzungsposten 2

128.046

PASSIVA

Eigenkapital 107.264

Rückstellungen 2.901

Verbindlichkeiten 17.881

128.046

Neben der handelsrechtlichen Rechnungslegung erstellen wir als gemeinnützige GmbH auch eine den steuerlichen

Vorschriften genügende Mittelverwendungsrechnung, welche auf Zu- und Abflüssen beruht.

Auszug aus unserer Mittelverwendungsrechnung (in tausend Euro)

2007

Einnahmen (Zuflüsse) 11.025

Verwaltung und Kapitalerhaltung 1.686

Verwaltungsausgaben 1.686

Zuführung zur Rücklage 2007 0

Förderungen 2007 (Abflüsse) 5.715

Wissenschaft stärken 2.352

Kinder und Jugendliche fördern 2.998

Kulturen verstehen, Toleranz lernen 287

Andere Förderungen 78

Ergebnis der Mittelverwendungsrechnung 3.624

Sowohl der handelsrechtliche Jahresabschluss als auch die steuerrechtliche Mittelverwendungsrechnung

werden jährlich von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Für 2007 hat uns die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

RWP Rotthege Wassermann GmbH wiederum den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk

erteilt.

68


ANHANG

Ausgezahlte Beträge für Förderungen 2004 – 2007 (in tausend Euro)

3.000

2.500

2.000

1.500

1.000

andere Förderungen

Kulturen verstehen,

Toleranz lernen

Kinder und Jugendliche

fördern

Wissenschaft stärken

500

0

2004

2005

2006

2007

Bewilligungen 2004 – 2007 (in tausend Euro)

12.000

10.000

8.000

6.000

4.000

andere Förderungen

Kulturen verstehen,

Toleranz lernen

Kinder und Jugendliche

fördern

Wissenschaft stärken

gesamt

2.000

0

2004

2005

2006

2007

Bewilligungen 1996 – 2007 (in tausend Euro)

andere Förderungen

Kulturen verstehen,

Toleranz lernen

Kinder und Jugendliche

fördern

Wissenschaft stärken

Gesamt: 60.593

28.667

47 %

3.485

6 %

7.896

13 %

20.545

34 %

69


ANHANG

Bewilligte Projekte 2007

Die Stiftung Mercator hat im Jahr 2007 insgesamt 49 Projekte mit einer Fördersumme

von 9,8 Millionen Euro bewilligt.

Wissenschaft stärken

RuhrCampusOnline

Der RuhrCampusOnline ist eine internetgestützte Plattform, auf der Lehrangebote in

Form von E-Learning-Kursen universitätsübergreifend für die Studierenden der Universitätsallianz

Metropole Ruhr zur Verfügung gestellt werden.

Fördersumme: 806.605,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

Fortsetzung Schlüsselqualifikationen plus

Ein Wettbewerb sucht nach den besten Konzepten zur Vermittlung von überfachlichen

Kompetenzen im Rahmen der universitären Lehre.

Fördersumme: 660.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

Wissenschaftsveranstaltung 2010

Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2010 wird auf der zentralen Abschlussveranstaltung

die Wissenschaftsregion des Ruhrgebiets präsentiert.

Fördersumme: 500.000,00 Euro/verteilt auf zwei Jahre

Uni-Trainees

In dem Projekt werden Lehrmodule entwickelt und Lehrern der Sekundarstufe II als

Handreichungen zur Verfügung gestellt, die Schüler bei ihrer Wahl eines geeigneten

Studiengangs und bei ihrer Vorbereitung auf ein Studium unterstützen.

Fördersumme: 432.732,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

Gesellschaftlicher Wandel und Zukunft des Alterns

In dem Projekt wird ein Wissenschaftsverbund aufgebaut, der die wissenschaftlichen

Kompetenzen im Ruhrgebiet zum Thema zusammenführt, einen Masterstudiengang

und ein Weiterbildungsprogramm entwickelt sowie mithilfe einer Transfer- und Clearingstelle

Lösungen für die Praxis erarbeitet.

Fördersumme: 365.000,00 Euro/verteilt auf zwei Jahre

IS:link

Das Projekt dient dem Aufbau eines Netzwerks, das Universitäten in die Lage versetzt,

ihre Lehrangebote in ein Rahmencurriculum einzustellen und so ein oder zwei Auslandssemester

ohne Zeitverlust und ohne Anrechnungsproblematik für die Studierenden

möglich macht.

Fördersumme: 345.000,00 Euro/verteilt auf sechs Jahre

70


ANHANG

Freestyle Physics Schülerwettbewerb

Ein Wettbewerb, an dem Schüler aus Nordrhein-Westfalen teilnehmen und in Teamarbeit

entstandene physikalische Experimente präsentieren, um so für das Fach Physik

begeistert zu werden.

Fördersumme: 250.000,00 Euro/verteilt auf fünf Jahre

Geschichte des Ruhrgebiets

In dem Projekt wird ein dreibändiges Lesebuch zur Geschichte des Ruhrgebiets entwickelt.

Fördersumme: 192.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

Soft Skills. Schlüsselkompetenzen trainieren

Das Projekt zielt darauf, Studierenden der FH Dortmund die Möglichkeit zu geben,

sich in Verbesserungsprojekte der Hochschule aktiv einzubringen, dabei im Team zu

arbeiten und so Schlüsselqualifikationen weiterzuentwickeln.

Fördersumme: 116.500,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Promotionskolleg Ost-West in Österreich

Auf einer Konferenz in Salzburg, Österreich, begegnen sich postgraduierte Geisteswissenschaftler,

um über das Thema „Heimat als Erfahrung und Entwurf“ zu diskutieren.

Fördersumme: 18.500,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Logo für die Universitätsallianz

Im Rahmen eines Wettbewerbs, an dem Studierende der Universitäten des Ruhrgebiets

teilnehmen, wird ein Logo für die Universitätsallianz Metropole Ruhr ausgewählt und

prämiert.

Fördersumme: 10.000,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Weblogs und ihre Chancen

Eine Gruppe von Studierenden des Fachbereichs Journalistik an der TU Dortmund

reist nach St. Petersburg, Russische Föderation, und diskutiert dort mit russischen

Studierenden über die Möglichkeiten zur Nutzung von Weblogs als journalistisches Instrument

und über deren Bedeutung für die russische Medienlandschaft.

Fördersumme: 6.880,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Mercator-College Abschlussfeier

Der College-Master im Mercator-College der Jacobs Universität in Bremen wurde verabschiedet.

Dies und die Einführung seines Nachfolgers wurde in einem würdigen Rahmen

gefeiert.

Fördersumme: 3.000,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

71


ANHANG

Kinder und Jugendliche fördern

jamtruck

Der „jamtruck“ ist ein mit Proberaum, Instrumenten und Tonstudio ausgestatteter

Lkw. Dahinter steht ein innovatives Konzept für Bandarbeit mit musikalisch bisher

unerfahrenen Jugendlichen.

Fördersumme: 1.731.000,00 Euro/verteilt auf acht Jahre

spin

Das Projekt will über einen innovativen Ansatz Mädchen und jungen Frauen mit Zuwanderungsgeschichte

Wege in den Vereinssport eröffnen.

Fördersumme: 780.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

Stiftung Mercator, Förderunterricht (Sekundarstufe II)

Kostenloser Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund,

der von (Lehramts-)Studierenden durchgeführt wird.

• Stadt Gelsenkirchen – Förderunterricht Gelsenkirchen – Sekundarstufe II

(90.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre)

• Stadt Duisburg – Förderunterricht Duisburg – Sekundarstufe II

(90.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre)

• Technische Universität Dortmund – Förderunterricht Dortmund – Sekundarstufe II

(90.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre)

• Universität Bremen – Förderunterricht Bremen – Sekundarstufe II

(90.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre)

• Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Berlin – Förderunterricht

Berlin – Sekundarstufe II

(90.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre)

• Universität des Saarlandes – Förderunterricht Saarbrücken – Sekundarstufe II

(90.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre)

Förderbetrag (in 2007 bewilligt): 540.000,00 Euro

Revier Version 2.0

Ein Wettbewerb der Visionen, an dem sich Schulklassen, Jugend- und Bürgergruppen

sowie Vereine aus dem Ruhrgebiet beteiligen können. Die Teilnehmer sollen eigene

Vorstellungen und Ideen über die Zukunft des Ruhrgebiets auf kreative Weise entwickeln.

Fördersumme: 181.200,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

Schulen im Team

Ein Projekt zur Verbesserung der Netzwerkarbeit an weiterführenden Schulen in Duisburg

und Essen. Wegen des großen Interesses an diesem 2006 gestarteten Projekt hat

die Stiftung Mercator die Fördersumme erhöht.

Fördersumme: 120.000,00 Euro/verteilt auf zwei Jahre

72


ANHANG

Kinder führen Kinder III

Schüler werden als Museumsführer ausgebildet und führen Gleichaltrige durch die

Ausstellungen in drei Museen in Essen und Bottrop. Ziel des Projekts ist die kulturelle

Bildung von Kindern im Ruhrgebiet.

Fördersumme: 87.600,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Stiftung Mercator, Mercator Schulclub (insgesamt zwölf Projekte)

Fortführung des Mercator Schulclubs mit 18 Essener Schulen, die miteinander Kooperationsprojekte

durchführen.

Fördersumme: 34.997,50 Euro/verteilt auf ein Jahr

Tagung zur Weiterentwicklung der Kinder und Jugendlichen

In Essen fand 2007 eine Tagung aller deutschen Einrichtungen der Kinder- und

Jugendhilfe statt.

Fördersumme: 10.000,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Jahr der Mathematik

Das Jahr der Mathematik findet an der TU Dortmund mit einer „Night of the Profs“ im

Dezember 2008 seinen Abschluss.

Fördersumme: 10.000,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Feigling

Ein Videoprojekt an der Hauptschule Coerde, bei dem die Schüler sich mit dem Thema

Alkoholmissbrauch durch Jugendliche auseinandersetzen und Drehbuch und Produktion

des Films selbst erarbeiten.

Fördersumme: 4.850,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Schule anders denken

Ein engagierter Leiter des Studienseminars Wuppertal organisiert Weiterbildungsabende

für Lehrer, um Schule neu zu denken.

Fördersumme: 2.500,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Kulturen verstehen, Toleranz lernen

european workcamps

Ein Förderprogramm für Jugendeinrichtungen in NRW: Je drei Jugendeinrichtungen

aus drei Ländern organisieren in drei aufeinander folgenden Jahren für junge Menschen

reihum dreiwöchige Sommer-Workcamps.

Fördersumme: 1.750.050,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

73


ANHANG

Deutsch-vietnamesisches Journalistenstipendium

Austausch von jährlich bis zu zehn Nachwuchsjournalisten, die in Redaktionen des

Gastlandes arbeiten.

Fördersumme: 265.000,00 Euro/verteilt auf fünf Jahre

Deutsch-türkischer Schüleraustausch

Austauschprogramm für Schüler aus NRW und aus der Türkei, die ein Jahr im Gastland

bei einer Familie leben und dort die Schule besuchen.

Fördersumme: 219.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

Meike-Schneider-Stipendien

Stipendien für junge Erwachsene, die in Belarus, der Russischen Föderation und der

Ukraine im sozialen, medizinischen und kulturellen Bereich Freiwilligendienst leisten.

Fördersumme: 88.200,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

Marion Gräfin Dönhoff Programm

Austauschprogramm für Nachwuchsjournalisten aus Deutschland und Osteuropa (Russische

Föderation, Ukraine, Belarus, Georgien, Armenien, Aserbaidschan), die im Gastland

in einer Redaktion arbeiten.

Fördersumme: 75.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

IJP Alumni-Konferenz

Durchführung der dritten IJP Alumni-Konferenz, auf der journalistische Grundsätze

über nationale Grenzen hinweg erörtert wurden, um mögliche Maßstäbe für einen

„Welt-Journalismus“ zu definieren.

Fördersumme: 25.000,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Jugendbegegnung Essen-Belarus

Begegnungsprogramm mit Schülern aus Essen und Minsk in Belarus im Rahmen der

vom Goethe-Institut organisierten interaktiven Ausstellung „jung.de“.

Fördersumme: 12.600,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Kreativwettbewerb Chinesische Sprache

Sprachwettbewerb für Schülergruppen und Schulklassen in NRW.

Fördersumme: 10.000,00 Euro/verteilt auf ein Jahr

Sonstige

Niederrheinischer Kabarettwettbewerb „Das Schwarze Schaf“

Das „Schwarze Schaf“ ist ein Nachwuchswettbewerb für politisch-gesellschafskritisches

Wortkabarett, der in verschiedenen Niederrhein-Städten stattfindet.

Fördersumme: 190.000,00 Euro/verteilt auf drei Jahre

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ANHANG

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ANHANG

Impressum

Herausgeber

Stiftung Mercator GmbH

Huyssenallee 44

D – 45128 Essen

Tel.: 0201 24522- 54

Fax: 0201 24522- 22

mercator@stiftung-mercator.de

www.stiftung-mercator.de

Verantwortlich

Dr. Bernhard Lorentz

Robert Faulstich

Redaktion

Christiane Reusch

Sabine Schwebel

Gestaltung und redaktionelle Mitarbeit

SeitenPlan GmbH

Corporate Publishing, Dortmund

Druck

Druckerei Schmidt, Lünen

Bildnachweis

Akademie der Wissenschaften NRW (26), R. Andres (23), David Ausserhofer (5, 10, 11), Uwe

Dettmar (44, 45), Digital Vision (32), FH Dortmund/Foto: Marika Preller (25), Guido

Frebel/Lichtblick Fotos (3, 6 l., 9, 10, 11, 12/13, 14, 16, 20/21, 29 l., 29 r., 37, 38, 39, 47, 48,

49, 55, 56, 63, 64, 65 l., 65 r.), Gemeinnützige Hertie-Stiftung/Foto: Dieter Roosen (46), Goethe-

Institut (62), Claire Gordziel (61), Ingo Hecker (58), Ilja Höpping (6 M./34), Bildagentur Huber

(67), IFM-GEOMAR (27), KOPRA (31), Bruce C. Murray (6 r./52), NRW School of Governance/

Foto: Frank Preuß (19, 28), Regionalverband Ruhrgebiet (24), Arnold Rennemeyer (30), Sportjugend

NRW (42, 60), Stiftung Partner für Schule NRW/Foto: Frauke Schumann (50), Yellow

Dog Productions (40/41), ZUDA, Ruhr-Universität Bochum (22)

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