Schwerpunktthema - Stiftung Scheuern

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Schwerpunktthema - Stiftung Scheuern

Magazin der Stiftung Scheuern

Ausgabe 23

Schwerpunktthema

Ehrenamt

Aktuelles

Personalien

Termine


Inhalt

Editorial

Editorial 3

Ausdruck innerer Haltung 4

Vorbildliches Engagement 6

Zeit schenken 8

Gemeinsam an einem Strang ziehen 10

Im Zentrum von Nassau 12

Start frei 14

Schön war‘s! 15

Auf Inklusionstour durch Rheinland-Pfalz 16

Flashmob 17

CAP-Markt eröffnet 18

Kürbisköpfe 19

Manege frei! Circus ZappZarap in Scheuern 20

Tierische Therapeuten 22

Auch Sie können helfen! 24

„Unser Schulessen – Wir wissen, wo‘s herkommt“ 26

„Zeig du mir mal, was du so machst!“ 28

Einblick in den Alltag der Werksatt für behinderte Menschen 30

Besuch im Landtag Rheinland-Pfalz 31

Das singende springende Löweneckerchen 32

Ein musikalischer Eintopf 32

Drachenbootregatta auf der Lahn 33

Das Spukschloss 34

„Die freundliche Polizistin“ wechselt nach Ludwigshafen 36

Betreuerrat 37

„Ich hab im Knabenhaus angefangen.“ 38

Stiftung Scheuern investiert in Zukunft junger Menschen 39

Mitarbeiterjubiläen 40

Werkstattjubiläen 41

Wir begrüßen neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 41

Wir verabschieden uns von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 42

Gedenken unserer Verstorbenen 43

Tod und Trauer – Ökumenische Projektreihe 43

Aus dem Leben gerissen und umgebracht 44

Termine 46

Weihnachtsgruß 47

... die Perspektive wechseln!

Seit 1855 ist die Stiftung Scheuern auf der

linken Lahnseite am Rande der Stadt Nassau

im Ortsteil Scheuern kontinuierlich gewachsen.

Jetzt ist die Stiftung mit einem angemieteten

Wohnprojekt auf der rechten Lahnseite

im Zentrum von Nassau angekommen. Bis

zum Ende des Jahres 2012 werden dort zwölf

Bewohnerinnen und Bewohner wohnen und

am Leben mitten in der Stadt teilhaben.

Der Vorstand und die Stiftungsleitung sind

sehr froh, dass es für Menschen mit Behinderungen

in Nassau neben den schon vorher vorhandenen

kleinen Einzelwohnungen nun auch eine

stationäre Wohngruppe gibt, die zeitgemäßes

Wohnen in modernen Einzelzimmern möglich

macht. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt zur

Umwandlung unserer traditionell im Ortsteil

Scheuern gewachsenen Stiftung. Früher entstand

Wohnraum für Menschen mit Behinderung

am Rande der Gemeinwesen und der Weg

in die Zentren war weit. Es ist gut und richtig,

dass hier ein Umdenken eingesetzt hat. Heute

sind auch Menschen mit Behinderung mitten in

der Gesellschaft angekommen. Sie sollen nicht

länger am Rande stehen. Und das ist gut so.

Es kann sehr hilfreich sein, im Leben öfter einmal

mit einem anderen Blick an Dinge heran zugehen.

Manchmal bedarf es hierfür jedoch eines

Anstoßes oder Lichtblitzes wie in der Weihnachtsgeschichte,

die uns erzählt, wie es mit

Gottes Hilfe im Leben von Menschen, die nur

noch Dunkelheit um sich herum sahen, plötzlich

hell wurde. Das Licht und die Botschaft der Engel

lässt sie alle Traurigkeit und Müdigkeit vergessen.

Sie fassen wieder Mut, ihre Erstarrung

weicht, sie brechen auf und suchen das Kind in

der Krippe. Ganz in ihrer Nähe finden sie den

menschgewordenen Gott, wie es die Engel ihnen

verkündigt haben. Und damit zeigt uns die

Weihnachtsgeschichte, wie gut es tut, im Leben

immer wieder einmal die Perspektive zu wechseln.

Auch wir sind eingeladen, nicht nur nach hinten

oder nach unten sehen, sondern an jedem

Tag des vor uns liegenden Jahres die Möglichkeiten

zu suchen und wahrzunehmen, die wir

haben. Auch in Zeiten nicht so reichlich gefüllter

Kassen ist mehr möglich als nur zu traurig

sein. Die nachfolgenden Ausführungen zum

Thema Ehrenamt sind hierfür ein überzeugendes

Beispiel. Denn das Ziel einer inklusiven Welt,

die niemanden ausgrenzt, ist mit Hilfe von professionellen

Fachleuten allein unerreichbar,

denn Inklusion will in allen Lebensbereichen gelebte

Wirklichkeit sein. Wie in der Weihnachtsgeschichte

sind wir alle eingeladen, mit den uns

geschenkten Möglichkeiten uns aufzumachen

und das zu suchen, was dem Leben dient, um es

weiter in die Welt zu tragen.

Ihr

Eckhard Bahlmann

Pfarrer und Direktor

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2012 | Ausgabe 23

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Ausdruck innerer Haltung

Freiwillige oder Ehrenamtliche in der Stiftung Scheuern

SPORT

MUSIK

KUNST

Gemeinsame Leidenschaft für die Bühne: Das

Funkenflug-Theater der Stiftung und der Holzheimer

Theaterverein „Fairy Tale“. Foto: Riege

Was wäre der Sport ohne ehrenamtliche

Übungsleiter?

Die Band „Die flie-

Anerkennung durch

Kunst. Auch Maler

geben ihr Wissen

gerne weiter.

von Nina Hillen

Ehrenamt gewinnt in unserer Gesellschaft

immer mehr an Bedeutung. Dies wird an

der großen Anzahl der ehrenamtlich Tätigen

in Deutschland sichtbar. So haben sich im

Jahr 2005 22 Millionen Menschen in den verschiedensten

Vereinen, Organisationen und

Selbsthilfen ehrenamtlich engagiert. Ein Großteil

der Engagierten entscheidet sich für eine Tätigkeit

im sozialen Bereich. Hierbei verbindet alle

Ehrenamtliche die Vorstellung und der Wunsch,

freiwillig und unentgeltlich Mitmenschen in

schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen.

Menschen entscheiden sich aus den verschiedensten

Gründen für die Ausübung einer ehrenamtlichen

Tätigkeit. Die Meisten beschreiben die

Freiwilligenarbeit als sinngebend und erleben

sie als eine positive Erweiterung ihrer Lebenssituation.

Die Menschen, die Unterstützung durch

einen Ehrenamtlichen erhalten, genießen die

Aufmerksamkeit, die ihnen dadurch über das

KULTUR

übliche Maß hinaus geschenkt werden kann. Somit

profitieren alle Beteiligten von einer ehrenamtlichen

Tätigkeit. Marlene Bröckers, Pressereferentin

und Beauftragte für das Ehrenamt in

der Nieder-Ramstädter Diakonie, berichtete in

ihrem Vortrag auf dem Fachtag für Angehörige,

Betreuerinnen und Betreuer, dass sie sich aus

diesem Grund für das Ehrenamts-Motto „Etwas

Gutes tun für sich und andere“ entschieden haben.

Die Stiftung Scheuern hat das Ziel, den Einsatz

von ehrenamtlich Tätigen weiter auszubauen.

Das Ehrenamt kann in vielerlei Hinsicht als eine

Bereicherung bewertet werden. Besonders mit

Blick auf die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

können Freiwillige einen wichtigen

Beitrag leisten, die Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben und die Selbstbestimmung

von Menschen mit Behinderung zu unterstützen.

Im Rahmen des Dezentralisierungsprozesses bietet

die Einbindung engagierter Bürgerinnen und

Bürger allen Beteiligten die Möglichkeit, das Ziel

der Inklusion weiter voranzutreiben. So können

Freiwillige aus den Gemeinden wesentlich dazu

beitragen, soziale Kontakte an den dezentralen

Standort aufzubauen, indem sie beispielsweise

Unterstützung bei der Nutzung von Angeboten

bieten. Einige bereits ehrenamtlich Tätige, die

sich um Bewohnerinnen und Bewohner aus dem

Wohnprojekt in Nastätten kümmern, können

dies bestätigen. Zudem wies auch Marlene Bröckers

in ihrem Vortrag darauf hin, dass Ehrenamtliche

die „Tür zur Gesellschaft“ öffnen. Bewohnerinnen

und Bewohner lernen durch den Einsatz

von Ehrenamtlichen Menschen mit ganz unterschiedlichen

beruflichen und persönlichen Hintergründen

kennen, was zu vielfältigen neuen

Erfahrungen führt und die Entfaltung ihrer Persönlichkeit

unterstützt. Nach Aussagen von Marlene

Bröckers sei das Ehrenamt außerdem eine

wichtige Maßnahme, um die Einrichtung und die

dort stattfindende Arbeit transparenter zu machen.

Somit wird auch in diesem Sinne das Ehrenamt

zu einem weiteren wichtigen Faktor für

das Erreichen von Inklusion.

Aus den genannten Gründen sieht die Stiftung

die Etablierung dieses Arbeitsfeldes als notwendig

an und wird sich daher unter Berücksichtigung

der verschiedenen Bedürfnisse und in Zusammenarbeit

mit allen Beteiligten um den Ausbau

des Einsatzes ehrenamtlich Engagierter bemühen.

Wir brauchen Sie!

Entdecken Sie die Stiftung Scheuern für sich.

Die Stiftung Scheuern möchte durch Ehrenamt

mehr Brücken für Menschen mit Behinderung

in die Gesellschaft bauen, denn jeder überzeugte

Bürger, der unsere Arbeit für sich entdeckt,

ist gewiss ein Fürsprecher oder Türöffner,

der einen Wandel im Denken und Handeln

unterstützen kann.

Darum möchte die Stiftung Scheuern bürgerschaftliches

Engagement für ihre Bewohner

gewinnen, denn sich für andere einzusetzen

macht Spaß und tut allen Beteiligten gut. Die

Bandbreite für eine Betätigung in der Stiftung

Scheuern ist groß.

genden Noten“ von

der Stiftung Scheuern

ist seine Herzenssache.

Musiker Wolfgang

Wallroth (1.v.l.)

wird bei Proben und

Auftritten von seiner

Frau Pia Wallroth

(2.v.r.) unterstützt.

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Vorbildliches Engagement

Gerd Vogt leitet Karl Kuhl

an und begleitet ihn als

ehrenamtlicher „Pate“.

Bürger aus dem blauen Ländchen setzen sich für Bewohner aus

dem Wohnprojekt in Nastätten ein. Ein wertvoller Beitrag für

Menschen mit Behinderung und die Stiftung Scheuern.

von Beate Kretschmann und Simone Rentner-Handwerkertrupp packt in

Knochenhauer

der Nachbarschaft an und Karl Kuhl

ist mit von der Partie

In Rheinland-Pfalz gibt es eine Million Auch im Alter kann man viel bewegen,

Menschen, die sich ehrenamtlich anderen

Menschen zuwenden, das Ge-

Er ist mit einem Handwerker-Trupp in

das denkt sich der Rentner Gerd Vogt.

meinwohl erhalten, einen Beitrag im Miehlen unterwegs. Diese Rentnergruppe

hilft Menschen in der Nach-

Sport leisten, für die Gesundheit Sorge

trage, die Kultur fördern oder sich für barschaft und trägt dazu bei, den Ort

Umwelt- und Tierschutz einsetzen. Und in Schuss zu halten. Zu dieser regen

damit ist die Aufzählung der aktiven Gemeinschaft gehört auch Karl Kuhl.

Mitmach-Möglichkeiten noch lange Das ist möglich, weil ihn Gerd Vogt

nicht vollständig. Wie eine lebendige regelmäßig zuhause abholt. Gemeinsam

ziehen die beiden los, um bei-

Gesellschaft aussehen kann, in der

Menschen mit und ohne Behinderung spielsweise Grünanlagen zu pflegen

gemeinsam aktiv sind, zeigen beispielsweise

Bürger aus den Ortsgemeinden Menschen in der Wohnung oder rund

oder Reparaturen bei hilfsbedürftigen

Nastätten und Miehlen.

ums Haus zu erledigen, die sie sich

Für Gerd Vogt, Detlef Schurwanz, sonst nicht leisten können. Dafür verdienen

beide ein dickes Dankeschön!

René Ackermann und Wilfried Burdinski

ist eine Gesellschaft ohne Ehrenamt Die Einbindung in den Handwerkertrupp

ist für Karl Kuhl von doppelter

undenkbar und unverzichtbar. Mit dieser

positiven Lebenseinstellung machen

sie sich für die Integration von beschaft

wird er selbst zum Ehrenamtler.

Bedeutung, denn in dieser Gemeinhinderten

Menschen in ihren Heimatgemeinden

stark, damit zusammen-

Fähigkeiten gut einbringen.

Er packt an und kann sich mit seinen

wachsen kann, was für sie zusammen

gehört. So stellen sich die vier Männer Jeden Sonntag zum Gottesdienst

in den Dienst der Gemeinschaft und Karl Kuhl und Peter Kaupinis genießen

sind viele Stunden ehrenamtlich im die gute Gemeinschaft in ihrer Nachbarschaft.

Sie fühlen sich in Nastätten

Einsatz. Davon profitieren auch die Bewohner

Peter Kaupinis und Karl Kuhl wohl. Dass das soziale Miteinander

aus dem Wohnprojekt der Stiftung rund um das Wohnprojekt so gut funktioniert,

ist auch ein Verdienst von Scheuern in Nastätten.

den

Ehrenamtlichen Detlef Schurwanz und

René Ackermann.

Jeden Sonntag holen die beiden

Männer die Bewohner Karl Kuhl und

Peter Kaupinis zum Gottesdienst nach

Miehlen ab und bringen sie wieder

nach Hause. Dadurch ermöglichen sie

ihnen Kontakte zu anderen Menschen

in der Gemeinde. Damit wird für Karl

Kuhl und Peter Kaupinis aus dieser Mitfahrgelegenheit

noch viel mehr: Durch

die Teilhabe am sozialen kirchlichen Leben

entstehen Freundschaften.

Mit Musik geht vieles leichter

Musik ist ein Schlüssel für ein gutes

Miteinander. Das ist eine Philosophie

von Markus Ziegler, Leiter des Ev. Kirchenchores

in Nastätten. Unermüdlich

probt er mit den Chormitgliedern bis

der Gesang stimmig ist und alles sitzt.

Inmitten der Sängerrunde sitzt Karl

Kuhl, der ebenfalls Chormitglied ist.

Chorprobe. Der gute Ton

macht die Musik. Das gilt

nicht nur für den Gesang,

sondern auch für das

Miteinander der Menschen.

Im Ev. Kirchenchor

von Nastätten eine

Selbstverständlichkeit.

Gemeinsam mit Detlef Schurwanz fahren die Bewohner zum Gottesdienst.

Jeden Montagabend geht er zur Probe Zu guter Letzt – Wilfried Burdinski,

des Ev. Kirchenchores in Nastätten. Hier Organisator und Schirmherr

hat er seinen Platz gefunden, fühlt sich „Es sind die christlichen Werte aus unserem

Glauben zu Gott, auf deren Basis

angenommen und damit das so bleibt,

kümmern sich alle um ihn. Insbesondere

Chorleiter Ziegler ist es eine Herzenskommen

heißen.“ Wilfried Burdinski ist

wir Karl Kuhl in unserer Gemeinde willangelegenheit,

dass Karl Kuhl regelmäßig

teilnehmen kann. Darum ruft er Blick, was sich in seiner Heimat-Gemein-

ein echter Organisator. Er hat alles im

auch immer an und erinnert ihn an die de abspielt. „Mit unserer Männerrunde

Abende. Wenn Karl Kuhl trotzdem mal möchten wir das ‚Wir‘ der Männer in

nicht da ist, dann vermissen ihn die anderenlich

willkommen“, so Burdinski

der Gemeinde fördern. Karl ist da herz-

weiter.

Das Telefon klingelt, Burdinski ist am

Apparat. Karl Kuhl freut sich von ihm zu

hören, denn er hat wieder Neuigkeiten.

Er sagt ihm, was in der so genannten

„Männerrunde“ der Kirchengemeinde

los ist und lädt ihn ein. Mit Burdinskis

Hilfe trägt Kuhl für ihn wichtige

Termine in seinen Kalender ein. Kuhl

fühlt sich so bestens informiert. Auch

das ist eine Form von Ehrenamt, durch

die letztlich Hilfe zur Selbsthilfe möglich

wird. Mit diesem Wissen rund um

anstehende Aktivitäten in der Kirchenund

der Ortsgemeinde kann sich Kuhl

selbst auf den Weg machen.

Kontakt

Haben Sie Lust sich zu engagieren?

Einfach anrufen und sich informieren:

Nina Hillen

T. 02604 979-174

n.hillen@stiftung-scheuern.de

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Zeit schenken

Bürgerschaftliches Engagement

einer Yoga-Lehrerin

von Beate Kretschmann

Mein Ziel ist die Altbäckersmühle

im wildromantischen

Hasenbachtal bei Singhofen.

Hier möchte ich ein Interview mit der

71-jährigen Ellen Österle führen. Sie

schenkt Menschen, die in der Stiftung

Scheuern leben, Zeit. Seit über 15 Jahren

gibt sie Yoga-Kurse. In ihrem eigenen

Leben spielen Yoga, Zen-Meditation

und Zen-Bogenschießen eine zentrale

Rolle und dieses Wissen möchte

sie weitergeben. Ein beispielhaftes Engagement,

das ein Dankeschön verdient

und vielleicht auf die eine oder

andere Weise anregt, selbst für andere

aktiv zu werden.

Bevor Gen-Ki, was zu Deutsch Waldquelle

heißt, alias Ellen Österle, die Interview-Fragen

beantwortet, ist es ihr

ein Anliegen grundsätzlich etwas über

Yoga zu erzählen: „Yoga ist kein Sport,

keine Fitness und kein Training, sondern

ein ganzheitliches Erleben von

Körper, Geist und Atem. Es geht um

alle Ebenen unseres Seins“, sagt Österle.

Yoga versteht sich als System oder

Hilfsmittel, um den übenden Menschen

zu einer Integration von Körper,

Atem und Geist zu führen. Yoga ist für

alle geeignet.

Erinnern Sie sich noch an die Anfänge

und wie läuft es heute?

Im Januar 1997 begann der erste

Yoga-Kurs im Haus Lahnberg. Die Altbäckersmühle

war damals mit ihrem

Programm Teil der evangelischen Er-

Ellen Österle

mit der schweren

Klangschale. Der Gong

ist so intensiv, dass der Ton

regelrecht durch den Körper strömt.

Altbäckersmühle – der Einladung von Ellen Österle zum gemeinsamen Abschluss-

Kaffeetrinken folgen alle gern. Zur Erinnerung gibt es dann noch für jeden ein

Gruppenfoto.

wachsenenbildung an Rhein und Lahn wieder mit zwei Kurseinheiten im Bildungs-,

Freizeit- und Kulturprogramm

und die Arbeit in Scheuern war in dieses

Programm integriert. Später habe der Stiftung an den Start gehen. Zum

ich die Kurse in Eigenregie übernommen

und Unterstützung von anderen nehmern wie eh und je noch ein Ge-

Abschluss mache ich den Kursteil-

Yoga-Begeisterten erhalten. Sie haben schenk. Gemeinsam trinken wir Kaffee

mir assistiert, damit ich die Gruppenarbeit

meistern und besser auf die en sich drauf. Das hat schon Tradition.

in der Altbäckersmühle und alle freu-

Bedürfnisse der Bewohner abstimmen

konnte. Mittlerweile haben wir Was bedeutet Ihnen Ihr Engagement?

eine feste Bleibe und das aufwändige

Mattenräumen bleibt mir erspart. Das Die Kurse sind für mich eine Herausforderung

und zugleich eine Freude.

ganze Drumherum ist einfacher geworden.

Auch im Jahr 2013 werde ich Die Arbeit ganz alleine zu leisten,

finde ich nicht so gut, deshalb ist die

Einbindung in die Stiftung Scheuern

wichtig. Beim Yoga beobachte ich,

dass es den Menschen gut tut und

sie sich verändern. Sie verlassen nach

den Stunden fröhlich den Raum und

sind meist munterer als vorher. Natürlich

gibt es auch mal Verstimmungen

untereinander, weil sie ihre Gefühle

ehrlich zeigen. Ärger ist eben auch

mal dabei. Man darf das aber nicht

persönlich nehmen. Wichtig ist es, die

Menschen zu nehmen, wie sie sind. So

gelingt es mir, sie zu motivieren und

ich kann ihnen helfen, ihre eigene

Lebendigkeit zu spüren. Es sind gerade

diese Augenblicke der Freude, die

mich motivieren. Zum Beispiel hat sich

eine Gruppe von Bewohnern aus dem

Weißen Haus gebildet, die alle Jahre

immer wieder kommen. Das zeigt mir,

ich erreiche die Menschen und kann

sie da abholen, wo sie gerade sind.

Wie läuft eine Yoga-Stunde ab?

Wir beginnen im Stand. Manche sitzen

auf einem Stuhl. Wir sammeln

uns, kommen an. Das Zeichen dafür ist

der Ton, der Klangschlag. Den Gong

hören wir am Anfang und am Ende.

Jeder darf mal den Schwengel schlagen.

Wir atmen den Duft der Räucherstäbchen

ein, bewegen die Gelenke

und schütteln sie aus. Wir spüren den

Atem mit unseren Händen. Dann bewegen

wir zum Beispiel die Arme im

Kreis oder blasen Watte von der geöffneten

Hand. Bei den Yoga-Übungen

geht es nicht um Körperbeherrschung,

sondern um Körpergefühl. Im Verlauf

der Kurseinheit legen wir eine Pause

zur Entspannung ein. Wir nehmen

uns auch Zeit für die Lieblingsübungen

der Teilnehmer. Mit jeder Stunde

entwickelten sich neue Ideen, die für

sie ansprechend sind. Yoga holt sich

dabei Anregungen aus dem Tierreich,

Schon lange gehört Yoga zum Bildungs-,

Freizeit- und Kulturprogramm der Stiftung,

wie z. B. der Kurs im Jahr 1999

(oben). Inzwischen haben sich die Yogaübungen

so etabliert, dass sie fester Bestandteil

im Alltag der Bewohner sind.

beobachtet Verhaltensweisen und

diese münden dann in die Bewegung.

Was würden Sie anderen Menschen

sagen, wenn sie Berührungsängste

vor der Begegnung mit Menschen

mit Behinderung haben, sich aber

trotzdem gerne ehrenamtlich engagieren

möchten?

Engagement ist immer eine große

Bereicherung für jeden selbst. Man

kann ja mit kleinen Begegnungen beginnen.

Ich selbst habe auch eine Entwicklung

erfahren und sehe mich heute

anders als früher. Natürlich müssen

wir lernen, uns einzustellen auf jede

Person und Situation. Aber das gilt ja

auch im Umgang mit Menschen ohne

Behinderung. Je natürlicher wir miteinander

umgehen, umso einfacher ist

es für beide Seiten.

Treffender als mit Ihren letzten Worten

kann man den Umgang von

Menschen mit und ohne Behinderungen

nicht beschreiben. Vielen

Dank, dass Sie sich die Zeit für das

Gespräch genommen haben.

Bildung, Freizeit und Kultur

Das Programm

der Stiftung Scheuern 2013

Durch das Engagement vieler wurde

wieder ein vielfältiges Angebot auf

die Beine gestellt.

Broschüre erhältlich bei:

Stefanie Höhne

T. 02604 979-126

s.hoehne@stiftung-scheuern.de

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Seilziehen: Kitty - Fotolia.com

Gemeinsam an einem Strang ziehen

Am Fachtag 2012 trafen sich Angehörige, Betreuer und zahlreiche Vertreter

der Stiftung Scheuern zum Austausch über Mitwirkungsmöglichkeiten.

Birgit Klaiber signalisierte den gesetzlichen Betreuern

und Angehörigen Offenheit und Gesprächsbereitschaft

seitens der Stiftung. Diese Botschaft kam

bei den gesetzlichen Betreuern gut an.

von Beate Kretschmann

Der Fachtag für gesetzliche Betreuer

und Angehörige war mit

120 Teilnehmern gut besucht

und ging auf das Thema Kooperation

ein. Die Leiterin Wohnen, Birgit Klaiber,

hielt ein Impulsreferat mit welchem sie

veranschaulichte, dass der Stiftung

Scheuern die aktive Mitgestaltung

durch gesetzliche Betreuer wichtig ist.

Über das Wie in der Kooperation mit

gesetzlichen Betreuern ging Birgit Klaiber

in zwei praktischen Beispielen aus

dem Alltag von Bewohnern ein. So sei

es bei der Teilhabe- und Betreuungsplanung

sinnvoll, sich über erforderliche

Assistenzleistungen gemeinsam zu

beraten, um gute Lösungen zu erarbeiten.

Birgit Klaiber sprach Einladungen

zu Fallgesprächen aus. Diese seien ein

wichtiges Instrumentarium zur Bedarfsklärung,

um die Teilhabe der Menschen

am gesellschaftlichen Leben zu

unterstützen.

Das Referat Service berät beispielsweise zu Fragen der Eingliederungshilfe,

zur Pflegeversicherung, zum Betreuungsgesetz

und natürlich zur Wohnplatzvergabe.

In einem weiteren Beispiel, dem Nach den Vorträgen ging es in vier

Schutz der Menschen vor Gefahren Workshops. Betreuer und Angehörige

mittels freiheitsentziehender Maßnahmen,

ging Birgit Klaiber, Leiterin Woh-

Reihe von Mitwirkungsmöglichkeiten.

sprachen mit Mitarbeitern über eine

nen, auf die Mitwirkung gesetzlicher An einem Thementisch stand das Referat

Service zur Verfügung, welches sich

Betreuer im Rahmen der Gesundheitssorge

ein. Darüber hinaus informierte als zentrale Beratungsstelle rund um gesetzliche

Leistungen und für das Woh-

sie über das Qualitätssicherungssystem

der Stiftung Scheuern, mit welchem nen versteht.

sich die Einrichtung selbst verpflichte, Die Mitarbeiter des psychologischheilpädagogischen

Fachdienstes spra-

Wünsche und Rechte behinderter

Menschen bzw. die ihrer Betreuer sehr chen in ihrem Workshop über die Maßnahmen

zur Minimierung von Risiken

ernst zu nehmen. Ein dort verankertes

Beschwerdemanagement ermögliche im Leben der Bewohner, über die Teilhabeplanung

des Landes Rheinland-

zielgerichtete Rückmeldung zu allen

Dingen, die gesetzlichen Betreuern Pfalz, über das Beschwerdemanagement

und über weniger gefallen.

freiheitsentziehende

Maßnahmen. Im Workshop Therapiezentrum

ging es vorrangig um die Beantragung

von therapeutischen Leistungen

und Hilfsmitteln.

An dem vierten Tisch wurde über Ehrenamt

in der Stiftung Scheuern diskutiert.

Anlass ist das Vorhaben der Stiftung,

ehrenamtliches Engagement für

die Bewohner zu fördern. Zuvor hörten

die Teilnehmer einen Redebeitrag von

Marlene Broeckers, der Beauftragten

für ehrenamtliches Engagement der

Nieder-Ramstädter Diakonie. Sie brachte

zahlreiche Praxisbeispiele über den

gelungenen Einsatz von Ehrenamtlichen

in der Betreuungsarbeit mit. Sie ermunterte

die Stiftung und auch die Betreuer

aufgrund der eigenen guten Erfahrungen,

stärker mit ehrenamtlich Tätigen

zusammenzuarbeiten.

Wissen ist Macht und Macht

ist Einfluss

Anlässlich des Fachtages hielt auch die

Vorsitzende des Betreuerrates, Dr. Elisabeth

Schmitt, eine engagierte Rede

über die Einflussnahme gesetzlicher

Betreuer zum Wohl der Menschen. So

verband sie unter dem Motto „Wissen

ist Macht und Macht ist Einfluss“ den

Sie sind Ansprechpartnerinnen

für Interessierte,

die sich über das Ehrenamt

informieren möchten:

Simone Knochenhauer

und Nina Hillen

(v.l.n.r.).

Dr. Elisabeth Schmitt forderte Betreuer

und Angehörige auf, sich mit ihren

Anliegen vertrauensvoll an den Betreuerrat

zu wenden.

Jahresrückblick über die Arbeit des Betreuerrates

mit einem Ausblick.

Mit deutlichen Worten hob sie die

Aufsichts- und Fürsprecherfunktion gesetzlicher

Betreuer hervor und forderte

die Anwesenden auf, ihre Mitwirkungsrechte

zu nutzen. Sie mahnte an, wachen

Auges zu sein, denn große Einrichtungen,

wie es die Stiftung Scheuern

sei, dürfen den sozialpolitischen Entwicklungen

nicht zum Opfer fallen.

Wachsam solle jeder Betreuer sein, sich

einmischen und seinen Einfluss geltend

machen.

Sie äußerte die Befürchtung, dass die

Lebensqualität behinderter Menschen

durch die vom Land angestrebten ambulanten

Hilfen in Scheuern leiden

könnte. Es seien nun nicht mehr allein

die Aufgaben der Dezentralisierung, die

die Stiftung Scheuern bewältigen müsse.

Schmitt befürchtete Verschlechterungen,

die Betreuer niemals zulassen

dürften. Behinderte Menschen dürften

nicht Opfer leerer Kassen werden und

auch die Betreuer müssten sich dafür

einsetzen, dass der Rotstift nicht weiter

angesetzt wird. Mit diesen betont kritischen

Sätzen rüttelte die Vorsitzende

auf, dass eine Einrichtung wie Scheuern

kein Auslaufmodell sein dürfe.

Sie sehe deutlich die Anstrengungen

der Stiftungsleitung, die alle Bemühungen

daran setze, Lebensbedingungen

in Scheuern zu verbessern. Sie sehe aber

auch, dass die Einrichtung finanziell mit

dem Rücken an der Wand stehe, weil

politische Versprechen nicht eingehalten

werden. Sie scheue sich nicht davor

an die großen Medien heranzutreten,

um die negativen Entwicklungen öffentlich

zu machen. Sie selbst erlebe die

Schwierigkeiten in Verhandlungen und

die Umsetzung von Zusagen werde seitens

der Politik verzögert. Dennoch

freue sie sich über die Gelegenheit in

Sitzungen der Steuerungsgruppe teilnehmen

zu können, um sich für die Interessen

behinderter Menschen einzusetzen.

Gegenwärtig scheine es, als sei es ein

Spiel auf Zeit, denn die Politik habe keine

schlüssigen Handlungs- und Finanzierungskonzepte.

Schmitt rief die Teilnehmer

des Fachtages dazu auf, sich aktiv

zu beteiligen, um die Zukunft der

Menschen in der Stiftung Scheuern zu

gestalten. Im Anschluss an den offiziellen

Teil des Fachtages standen die Mitglieder

des Betreuerrates für persönliche

Gespräche zur Verfügung.

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Im Zentrum von Nassau

Bewohner aus dem Ernst-Runkel-Haus ziehen um.

von Beate Kretschmann

Im Ernst-Runkel-Haus ist Aufbruchstimmung.

Noch in diesem Jahr bereiten sich zwölf Frauen

und Männer sich auf ihren Umzug in das

Stadtzentrum von Nassau vor. In der Gerhart-

Hauptmann-Straße hat die Stiftung Scheuern

zwei Etagen eines neu gebauten Wohn- und

Geschäftshauses gemietet. In jeder Etage entsteht

eine Wohngruppe für jeweils sechs Men-

Ratsch,

Monika Heppner schen. Für acht Bewohner stehen geräumige

kämpft mit

Einzelzimmer mit mindestens 15 qm Wohnfläche

zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es für

dem Klebeband.

Paare oder eng Befreundete auf jeder Etage ein

Doppelzimmer. Alle haben schon mehrfach das

Haus besichtigt. Schon jetzt freuen sie sich, in

dem gemütlichen Wohnzimmer beisammen zu

sitzen oder in der neue Küche zu kochen. Wie in

einer Familie. Zuletzt waren sie an einem sonnigen

Herbsttag in Nassau, haben gemeinsam

auf dem Balkon gestanden und die Aussicht

auf die alte Heimat, den Lahnberg, genossen.

Monika Heppner, Lore Arnold, Angelika Dübbers

und Hannelore Kehl haben kurz vor ihrem

Umzug von ihren Wünschen, Hoffnungen

und Erwartungen erzählt.

Monika Heppner freut sich, dass sie nun nah

bei ihrem Freund Walter Moll ist. Der wohnt sozusagen

gleich um die Ecke. „Da brauch ich

abends nicht mehr auf den Lahnberg zu gehen,

der Weg zieht sich“, Fußmärsche fallen der

65-Jährigen auch nicht mehr so leicht. Monika

Heppner kommt ins Schwärmen. Der Abschied

vom Lahnberg fällt ihr nicht schwer. Die Stiftung

Scheuern macht „für uns so einen Fortschritt.

Schöne, moderne Einzelzimmer, dafür sind wir

richtig dankbar.“ Monika Heppner kam als Kind

im Jahr 1954 nach Scheuern und erinnert sich an

die damaligen Wohnverhältnisse. „An Ruhe oder

Privatsphäre war nicht zu denken. Es war schrecklich.

Wir haben mit 20 oder 30 Leuten in einem

Raum geschlafen. Natürlich ist das im Laufe der

Jahre besser geworden, aber was nun kommt,

macht mich glücklich“, so Heppner weiter.

Auch Lore Arnold hätte sich nach 20 Jahren

auf dem Lahnberg nicht träumen lassen, noch

einmal woanders hin zu gehen. „Das muss mir

erst einmal einer mit 77 Jahren nachmachen.“

Sie war zunächst unsicher, ob der Schritt nach

Nassau wirklich der Richtige für sie ist. Lore Arnolds

anfängliche Unsicherheit hat sich zur festen

Überzeugung gewandelt. „In Nassau zu leben

hat Vorteile. Ich fahre öfters mal mit dem

Zug nach Bad Ems. Zum Bahnhof ist es nur noch

einen Katzensprung. Nassau ist gut für mich und

meine Leute haben fest versprochen mich besuchen

zu kommen“. Im nächsten Augenblick

denkt Lore Arnold schon ein paar Jahre weiter

und schmiedet Pläne für die Zukunft. Ihren 80.

Geburtstag will sie in der Gerhart-Hauptmann-

Straße zusammen mit den netten Nachbarn feiern.

Die stille Hannelore Kehl sitzt grinsend auf dem

Sofa und freut sich ebenfalls auf ihr neues Zuhause.

„Krümmel geht mit mir nach Nassau“, erzählt

sie. Krümmel ist der Spitzname ihres Lebensgefährten

Wolfgang Krömmelbein. „Unsere Bilder

werden wir natürlich wieder aufhängen.“

Die Rentnerinnen sehnen sich nach der Ruhe

der kleinen Wohneinheit in der Gerhart-Hauptmann-Straße.

„Morgens schön zusammen frühstücken

und stellt Euch vor, das erste Weihnachtsfest“,

schwärmt Heppner mit glänzenden

Augen.

Heilerziehungspfleger Markus Vermeulen teilt

ihre Meinung. Er wird mit ihnen vom Ernst-Runkel-Haus

in die Gerhart-Hauptmann-Straße gehen.

„Für die Senioren ist der kleine gemütliche

Rahmen ein wahr gewordener Traum.“

Hier wird die Küche untersucht und überall mal reingeschaut. Türen und

Schränke lassen sich komfortabel öffnen, Backofen, Herd und Spülmaschinen

gehören der neuen Generation an. Damit wird den Bewohnern

das Leben leichter gemacht.

Lore Arnold

räumt alles ein,

was mit muss.

Angelika Dübbers mag Volksmusik. Ohne

Hansi Hinterseer geht sie nicht nach Nassau.

Hannelore Kehls Bilder der Erinnerung.

Kartons: pterwort - Fotolia.com

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Das Team der Gerhart-Hauptmann-Straße. Von links nach rechts

Heilerziehungspfleger Markus Vermeulen, Wohnverbundleiter

Karl-Heinz Preißmann, Auszubildende Julia Petrowsky und Christina

Friedrich von der Hauswirtschaft. Des weiteren gehören dazu

Sabine Hofmann und Heiderose Myrell.

Angelika Dübbers, die alle liebevoll „Dübbie“

nennen, ist froh, wenn in Nassau wieder alle zusammen

sind. Sie wohnt seit den 1980-iger Jahren

auf dem Lahnberg. „Mir fällt der Abschied

hier oben vom Ernst-Runkel-Haus wirklich schwer,

obwohl ich in meinem Leben schon so oft gewandert

bin.“

Dennoch hat sie für ihr Leben in Nassau schon

gute Vorsätze. „Ich will mehr an der Lahn spazieren

gehen und Enten füttern. Irgendwie mag

ich Enten.“ Da fallen die anderen Seniorinnen in

das Gespräch ein. „Ja, ja, Dübbie und die Enten.

Erinnert Ihr Euch noch an den Urlaub an der

Nordsee? Dübbie, irgendwann wohnen bei dir

noch die Enten auf dem Balkon.“

Schön war‘s!

Tagesförderstätte blickt auf

25 Jahre zurück

Start frei

Ausgelassene Feststimmung

rund um den Brunnen.

Wie die Schritte von Dezentralisierung und

Modernisierung der Gebäude auf dem Gelände

der Stiftung Scheuern einhergehen.

von Thomas Buckler

Neben den dezentralen Wohnangeboten

ist es vorrangiges Ziel der Stiftung Scheuern,

den Bewohnern auch weiterhin attraktiven

Wohnraum auf dem gesamten Gelände

der Stiftung zu schaffen. Mit den zwölf neuen

Wohnangeboten im Herzen von Nassau wurde

zweierlei erreicht: Zum einen wird durch den

Bezug der Wohnungen in der Gerhart-Hauptmann-Straße

8 in Nassau ein weiterer Schritt in

der Dezentralisierung gegangen. Hier entsteht

sehr attraktiver Wohnraum in zentraler Lage, von

denen die zukünftigen Bewohner sicher profitieren

werden.

Zum anderen ergibt sich durch die Schaffung

der Wohnplätze in Nassau die Möglichkeit, ein

Gebäude auf dem Lahnberg beispielsweise als

Zwischenlösung für Wohngruppen zu nutzen,

deren Gebäude saniert und modernisiert werden.

Nach reiflicher Abwägung hat sich die

Leitung dazu entschieden, das Ernst-Runkel-

Haus als Ausweichmöglichkeit zu nutzen. In

der Folge fand ein intensiver Beratungs- und

Kommunikationsprozess mit den Bewohnerinnen

und Bewohnern, deren gesetzlichen

Betreuern und den Mitarbeitenden statt.

Oberstes Ziel war es, den Bewohnern im Sinne

des Wunsch- und Wahlrechtes Alternativen

zum Ernst-Runkel-Haus anzubieten. Unter enger

Einbeziehung von Nina Hillen als Wohnberaterin

ist es gelungen, für alle Beteiligten

gute Lösungen zu finden. Zwölf Bewohner

werden in die Gerhart-Hauptmann-Straße ziehen.

Acht Bewohner haben sich entschieden,

in benachbarte Häuser auf dem Lahnberg zu

gehen. Drei weitere Bewohner haben auf dem

Schimmerich ein neues Zuhause gefunden.

Nun können die Modernisierungen los gehen.

14 2012 | Ausgabe 23 2012 | Ausgabe 23

15


Auf Inklusionstour durch Rheinland-Pfalz

Auch Bewohner der Stiftung Scheuern sahen sich beispielhafte Projekte im Land an.

von Isabel Schusky

Der neue Landesbehindertenbeauftragte

Der rheinland-pfälzische Landesbeauftragte

für die Belange be-

Matthias Rösch (Mitte)

hinderter Menschen, Ottmar

wird zum 1. Januar

Miles-Paul, lud im Oktober 2012 fünfzig

Vertreterinnen und Vertreter aus

nehmen.

2013 sein Amt auf-

Behindertenverbänden, aus Bewohner-

und Werkstatträten sowie die

kommunalen Behindertenbeauftragten

und -beiräte zu einer zweitägigen

Inklusionstour ein. Aus Scheuern folgten

Christa Schienmann, Detlef Kress

und Mark Solomeyer seiner Reise-Einladung,

um sich selbst ein Bild über die Höhen bewegen ist nicht

Sich in schwindeligen

Fortschritte der Inklusion im Land zu was für jedermann, aber

machen. Gemeinsam suchten sie Projekte

auf, die beispielhaften Charakter Fischbach auch für Roll-

im Naturerlebniszentrum

für ein selbstbestimmtes Leben von stuhlfahrer möglich.

Menschen mit Behinderung haben

und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Die Gruppe startete in Mainz mit barrierefreien

Reisebussen, um sich zunächst

über eine inklusive Schule zu in-

kräftig in die Pedale, dann

Markt Solomeyer tritt

formieren. Bei der zweiten Etappe in

setzt sich die Draisine in

Kaiserslautern standen die integrativen

Bewegung, auf der auch

Arbeitsplätze der Landesgartenschau

Rollstuhlfahrer Platz nehmen

können.

auf dem Programm. Hier gab Ottmar

Miles-Paul der Delegation auch seinen

Rücktritt als Landesbehindertenbeauftragter

zum Jahresende bekannt

und stellte seinen Nachfolger Matthias

Rüsch vor.

Im Pfälzer Wald stand die Besichtigung

eines Biosphärenhauses auf dem Das Eingangsschild

Programm. Wer wollte, konnte im vom Schammat-

Fischbacher Naturerlebniszentrum auf Dorf. Lebendige

einem bis zu 35 Meter hohen barrierefreien

Baumwipfelpfad spazieren ge-

Vielfalt künstlerisch

dargestellt.

hen und Wissenswertes über das Leben

Teilnehmer am Morgen des zweiten hende zusammen. Integration und

in den Baumkronen erfahren. Tages. Ein Sektempfang mit Live-Musik Kommunikation sind wichtige Be-

Übernachtet wurde in der Bildungs- und Fahrrad-Draisinenfahrt von Bedesbach

standteile des gemeinsamen Lebens.

und Freizeitstätte Heilsbach in Schönau,

bis Altenglan wurde für sie zu ei-

Ziel ist es, die Lebensqualität eines

die mit ihren kompfortablen, behindertengerechten

nem eindrucksvollen Erlebnis.

jeden einzelnen zu verbessern und

Zimmern begeis-

Die letzte Station der Reise war das persönliche Fähigkeiten zu fördern.

terte. Eine Überraschung erwartete die Schammat-Dorf in der Südstadt von Durch Nachbarschaftshilfe, gemeinsame

Trier, wo die Gruppe auch in eine Wohnung

Feste und Aktivitäten kann der All-

hineinschaue durfte. In diesem tag leichter bewältigt werden und niemand

gemeinschaftlichen Wohnprojekt leben

wird ausgegrenzt. Seit 1979

in sogenannten Wohnhöfen junge

wurden bis heute 144 Wohnungen ge-

und ältere Menschen, Menschen baut, davon sind 44 barrierefrei. Die

mit und ohne Beeinträchtigungen, Familien

gesamte Anlage ist barrierefrei und mit

mit Kindern oder Alleinerzie-

Rollstühlen befahrbar. Ein SAT.1-Fern-

sehteam filmte die gesamte Tour. Der

Christa Schienmann und Lena Engelke

mit der SAT.1-Redakteurin im Gespräch.

Beitrag wurde noch am gleichen

Abend ausgestrahlt.

Flashmob

Unbekannte Menschen trafen sich in der Mainzer Innenstadt, um in einer Kreativaktion ihre

Vorstellungen von einer inklusiven Gesellschaft darzustellen.

von Beate Kretschmann

Zu der Veranstaltung im September

hatte Ministerin Malu Dreyer

eingeladen. Unter den Teilnehmern

waren auch Bewohner aus

der Stiftung Scheuern, die spontan

nach Mainz reisten. Sie nutzten die Gelegenheit,

ihre Vorstellungen vom Leben

in einer inklusiven Gesellschaft in

der Öffentlichkeit kund zu tun. Zum

Flashmob kamen auch viele Kinder, die

Ideen zum barrierefreien Leben zeichneten.

Ziel der Aktion war es, die Menschen

zu sensibilisieren, damit es stärker zu

Sozialministerin Malu Dreyer unterstützt die Anliegen von Menschen mit Behinderung,

die ihren Forderungen einer inklusiven Gesellschaft Ausdruck verliehen. schaft kommt. Malu Dreyer wertete die

einer Haltungsänderung in der Gesell-

Foto: Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz

Aktion als ein „kraftvolles Signal“.

16 2012 | Ausgabe 23 2012 | Ausgabe 23

17


CAP-Markt eröffnet

Hillscheider freuen sich auf das Einkaufen im Ort.

von Beate Kretschmann

Für ihre kleinen Kunden

oder für Menschem mit

Handicaps kommt die

Bäckersfrau Kristina Sand

auch gerne vor die Theke.

Der CAP-Markt ist

hell und einladend.

Der CAP-Markt in Hillscheid ist

ein echter Segen. Zwei Jahre

waren die Hillscheider Bürger

ohne Einkaufsmöglichkeit. Jetzt können

sie im Ort wieder alles besorgen,

was sie zum Leben brauchen. Der CAP-

Markt ist ein bemerkenswertes Pilotprojekt

im Westerwald. Hier wurden

Arbeitsplätze für Menschen mit und

ohne Behinderung geschaffen. Ein

zehnköpfiges Team führt gemeinsam

den Markt. Seit ein paar Monaten

kümmern sie sich erfolgreich um die

Nahversorgung der Hillscheider. Sonja

Kreuzberger ist eine von ihnen. Zu Beginn

ihrer Beschäftigung fuhr die gelernte

Bürokauffrau mehr als eineinhalb

Stunden zur Arbeit. Mittlerweile

lebt sie in Hillscheid. Ihre Kollegen

kommen ebenfalls alle aus der unmittelbaren

Umgebung.

Die Einweihung des lang ersehnten

Marktes fand im Rahmen einer Feierstunde

am 15. August 2012 statt. Zahlreiche

Dorfbewohner, aber auch Vertreter

aus Politik, Wirtschaft, Sozialverbänden

und Vereinen kamen, um den

CAP-Markt in Augenschein zu nehmen.

Dieser Integrationsbetrieb wird in Trägerschaft

der Inklusa gGmbH, einer gemeinnützigen

Tochtergesellschaft der

Stiftung Scheuern, geführt.

„CAP steht für ,Handicap‘. In diesem

Markt ist alles auf die Bedürfnisse beeinträchtigter,

älterer oder behinderter

Menschen abgestimmt“, so Jörg Röder,

einer der beiden der Geschäftsführer

der Inklusa gGmbH.

Ein einfaches Beschilderungssystem

leitet die Kunden. Alle Waren sind in

niedrigen Regalen barrierefrei erreichbar,

die Gänge sind breit und selbst für

Rollstuhlfahrer gut zu befahren. Wem

der Einkauf schwer fällt, der kann Serviceleistungen

nutzen. Sich zum Beispiel

während des Einkaufs begleiten,

die Waren einpacken und zum Auto

bringen lassen. Es gibt auch einen Lieferdienst,

der alles nach vorangegangener

telefonischer Bestellung nach

Hause bringt. Das Team rund um

Marktleiter Oliver Zils und seine Stellvertreterin

Katja Steinhäuser ist sehr

kundenorientiert. Alle arbeiten Hand

in Hand, damit die Kunden zufrieden

sind. So halten sie für die Einkäufer

eine breite Produktpalette vor, deren

Qualität für sich spricht und in einem

guten Preis-Leistungsverhältnis steht.

Schließlich möchten alle, dass der

Markt weiterempfohlen und dort dauerhaft

rege eingekauft wird. Dieser Service

trägt für viele Bürger zur Verbesserung

ihrer Lebensqualität bei.

Stunde der Einweihung: Die Mitarbeiter

des CAP-Marktes zusammen mit Vertretern

der der Stiftung Scheuern und der

Kommunalpolitik.

Arthur Breiden, Ortsbürgermeister,

und Thilo Becker, Bürgermeister der

Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen,

haben alle Hebel in Bewegung gesetzt,

damit der Markt kommt. Damit

traf die Stiftung Scheuern auf gute

Partner im Westerwald, die sie bei der

Umsetzung des Projektes tatkräftig unterstützt

haben. Zusammen mit dem

Sozialministerium des Landes Rheinland-Pfalz

und der Aktion Mensch ist es

gelungen, Arbeitsplätze für Menschen

mit Behinderung zu schaffen und ein

Geschäft nach Hillscheid zu holen.

Da wundert die Freude der Dorfgemeinschaft

und der Bürgermeister

Breiden und Becker keinen. Nicht alle

können oder wollen zum Einkauf auf

die „grüne Wiese“ fahren. Schließlich

ist es gelungen, Vorteile unter dem

Dach des CAP-Marktes zu vereinen, Ar-

Kürbisköpfe

Herbst-Malaktion für Kindergartenkinder im Hillscheider CAP-Markt

beitsplätze zu schaffen und einer infrastrukturellen

Verödung des Ortskernes

entgegen zu wirken.

Ein weiterer Pluspunkt ist der Backshop

der Bäckerei und Konditorei Conrad

aus Höhr-Grenzhausen, die im Eingangsbereich

des Marktes eine Filiale

eröffnet hat. Die Inhaber Kristina und

Christian Sand haben auch ein kleines

Cafe eingerichtet, welches die Kunden

schon gleich am ersten Tag begeistervon

Beate Kretschmann

Treffpunkt Obstabteilung: Nicht nur

Senioren verbinden ihren Einkauf mit

einem Gespräch. Damit wird der CAP-

Markt als Lebensmittelpunkt seinem

Ziel gerecht.

te. Hier können sich Einkaufsmüde bei

einer Tasse Kaffee und einem Snack

stärken. Auch die bequemen Sitzgelegenheiten

im Außenbereich laden zum

Verweilen ein.

Die Inklusa-Geschäftsführer Jörg Geenen

und Jörg Röder sind mit der Entwicklung

des CAP-Marktes und dem

Umsatz sichtlich zufrieden, denn der

muss schließlich auch stimmen. „Integrationsbetriebe

funktionieren generell

nicht über den Mitleidseffekt“, so

Röder. Im Durchschnitt kommen 450

Menschen täglich zum Einkauf. „Zahlen,

die uns ermutigen“, führt Geenen

weiter aus. „Der Markt wird gut angenommen.

Obst und Gemüse sind der

Renner, Getränke auch. Die Nachfrage

nach Fleisch- und Wurstwaren ist ebenfalls

groß, da müssen wir unser Sortiment

noch erweitern.“ Gute Anzeichen

für eine erfolgreiche Zukunft.

„Kürbis, Kürbis“ riefen die Kinder als die Kiste mit den

großen Kürbissen heranrollte. Die katholische Kindertagesstätte

aus Hillscheid folgte spontan mit acht Kindern

der Einladung des Marktleiters Oliver Zils. Die

Vorschulkinder freuten sich auf die Malaktion, die mitten

im Markt stattfand. „Ich mal eine Kürbisfrau“, so

oder so ähnlich waren die Kommentare der Kinder zu

hören, als jedes seinen Kürbis eifrig bemalte.

Zum Abschluss der Aktion präsentierten die Kinder

draußen vor dem Markt ihre Kürbisgesichter: Freundlich

lachend oder gruselig schön.

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Manege frei! Circus ZappZarap in Scheuern

Mitarbeiterkinder entdeckten ihre Talente

in einem Ferienprojekt und wurden zu Stars.

Drahtseilakt. Die

kleinen Besucher

vom örtlichen

Kindergarten

fiebern mit.

von Beate Kretschmann

Brandgefährlich

Der pädagogische Circus Zapp-

Zarap bescherte im Sommer

sechzig Mitarbeiterkindern der

Stiftung Scheuern eine unvergessliche

Ferienfreizeit. Auch ihre Betreuer, die sie

die ganze Woche über in den Workshops

begleiteten, tauchten in die spannende

Zirkuswelt ein. Alle waren binnen

kürzester Zeit Feuer und Flamme.

„Kannst Du nicht, war gestern!“ Mit

dieser Philosophie beflügelten die

ZappZarap-Zirkusprofis Ruth, Sonja,

Milena und Christina die Kinder. Sie haben

ihnen beigebracht, dass Teamgeist

zählt und es keine Rolle spielt, ob der

eine mehr Körperbeherrschung hat als

der andere.

Die Leiterakrobaten studierten

auf der grünen Wiese ihre

Nummer ein. Bei der Aufführung

kletterten zwölf Kinder

wie die Piraten in der Takelage

zur bekannten Filmmusik aus

„Fluch der Karibik“.

Bevor es aber los ging wurde sonntags

das große Zelt auf der Festwiese

aufgebaut. Dieses war Dreh- und Angelpunkt

aller Aktivitäten. Über dreißig

Leute ackerten viele Stunden bis das

Zelt stand. Zu Beginn der Ferienwoche

erhielten die Kinder einen ersten Vorgeschmack

auf das, was sie erwarten

würde. Die Betreuer führten eine eigene

kleine Show auf und zeigten, was

sie im Rahmen ihrer Fortbildung einen

Monat zuvor gelernt hatten.

Volle Konzentration: Auf

rollendem Untergrund ist

Balancehalten schwierig,

umso mehr staunte das

Publikum über die kinderleichte

Darbietung.

Mit dem Ziel der großen Show vor

Augen übten die Kinder vier Tage lang

hoch konzentriert. Immer wieder probten

sie auch in der Manege. Die Kinder

haben die Herausforderungen mit Bravour

gelöst und ihre eigene, phantasievolle

Zirkusnummer auf die Beine gestellt.

Sie lernten den Bau von Menschenpyramiden,

Leiterakrobatik, den

Balanceakt auf dem Seil, das Laufen

auf der großen Kugel, das Schwingen

auf dem Trapez oder mit den brennenden

Fackelstangen, das Zaubern mit

Schwertern, das Jonglieren von Reifen

und das Publikum durch Clownerie

zum Lachen zu bringen. Jeden Tag

stellten die Kinder ihr Erlerntes in kleinen

Manege-Kostproben vor, mit denen

sie schon Bewohner oder Gäste

aus der Nachbarschaft begeisterten.

Dann war der große Tag da. Das Zelt

war rappelvoll. Aufgeregt warteten die

Kinder auf ihren zweistündigen Auftritt.

Sie trugen schmucke Kostüme.

Musik ertönte aus den Lautsprechern,

der Vorhang ging auf. Die Spots waren

auf die Kinder gerichtet und sie haben

alles geben, damit die Aufführung den

Zuschauern gefiel. Diese bewunderten

die jungen Stars und staunten, was sie

innerhalb einer Woche gelernt hatten.

Es wurde geknipst und gefilmt, was das

Zeug hielt. Zum Abschluss der Vorstellung

versammelten sich alle Akrobaten,

Trapezartisten, Zauberkünstler, Fakire,

Feuerkünstler, Jongleure, Clowns

und Seiltänzer in der Manege. Ein wunderschöner

Anblick, den alle nicht so

schnell vergessen werden. Mit tosendem

Applaus bedankte sich das Publikum

für eine faszinierende Show und

die Kinder hoffen auf eine Wiederholung

des Zirkusprojektes.

Mit großem

Beifall bedankte

sich das Publikum

bei den Kindern für

die abwechslungsreiche

Vorstellung.

die heiße Nummer

mit den Fackelstangen!

Mit der perfekten

Show zogen die

Kinder alle in ihren

Bann. Höchste Disziplin

und Beachtung aller Sicherheitsvorkehrungen

war für die Kinder

selbstverständlich.

Aktuell

Wissenswertes zum

Familienbudget

Dieses Ferienprojekt wurde aus dem

Familienbudget der Stiftung Scheuern

bezahlt. Das Familienbudget ist

eine soziale Mehrleistung des Arbeitgebers,

mit der die Vereinbarkeit von

Familie und Beruf unterstützt wird.

Die Grundlage für das Familienbudget

findet sich in der kirchlich-diakonischen

Arbeitsvertragsordnung.

Dort greift eine Regelung seit Januar

2008 mit der anteilig vom Arbeitgeber

familienfördernde Maßnahmen

finanziert werden.

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Tierische Therapeuten

Ganzheitliche Reittherapie

für Menschen mit

Mehrfachbehinderung

Nach der Therapie

strahlt Susanne Heiss

wie die Herbstsonne

und genießt die herrliche

Natur in Begleitung

von Irina Engelhardt,

Carolin Obel

und Pony Flocke.

Auf der anderen Seite der Reithalle

lässt sich Marion an Maikes Hand zu

Sörli führen. „Bei Marion geht es weniger

um die Sinneserfahrungen im klassischen

Sinn. Streicheln ist nicht so ihr

Ding“, erklärt Maike als Marion sich ärgerlich

in den Sand der Reithalle fallen

lässt. „Marion will Action.“ Dennoch

brauchen Pferd und Reiter die Begrüßung.

Rasch helfen Ute und Ruby Marion

danach aufs Pferd. Marion wird

von Runde zu Runde ruhiger, orientiert

sich an den Pferdebewegungen, rich-

Hund Jack gibt Tom Schaab

von Manuela Nörtershäuser

und Beate Kretschmann

Tiergestützte Therapie ist eine

echte Bereicherung für Claudia

Brehl, Marion Theis, Susanne

Heiss und Tom Schaab. Sie alle fahren

regelmäßig nach Dachsenhausen auf

den Hof Dachsborn zu Reittherapeutin

Ute Detemple. Das Zusammenspiel

zwischen Mensch und Tier verändert

ihr Verhalten.

Claudia Brehl und Marion Theis sitzen

im Auto. Claudia freut sich. „Tiere

hat Claudia sehr gern“, erklärt Ruby

Korn-Lenz, Claudias Bezugsbetreuerin.

Marion dagegen ist nicht ganz so gut

drauf, schon auf dem Weg zum Auto

hat sie sich einfach hingesetzt, als ihr

etwas missfiel. Trotz der zu Beginn entgegengesetzten

Reaktionen wissen die

beiden, dass es ihr Tag ist. Auf dem Hof

Dachsborn werden sie gleich eine Reitstunde

der besonderen Art genießen.

Claudia Brehl und Marion Theis sind

beide blind und können nicht sprechen.

Während Tom Schaab und Marion

Theis laufen können, sind Claudia

Brehl und Susanne Heiss auf den Roll-

zu verstehen, dass er für ihn

da ist. Das Ballspiel hat beruhigende

Wirkung.

Claudia Brehl genießt es,

sich an den warmen Ponykörper

zu schmiegen.

stuhl angewiesen. Umgekehrt kann

Claudia das Geschehen um sie herum

sehr gut hören, während Marion taub

ist. „Claudia ergreift sich die Welt, sie

will alles fühlen“, sagt ihre Bezugsbetreuerin

Ruby Korn-Lenz. „Marion liebt

alles, was ihren gesamten Körper bewegt,

Auto fahren, schaukeln und

eben auch reiten“, erklärt Maike Kuhn,

Marion Theis‘ Betreuerin.

Moto-Trainerin und Reittherapeutin

Ute Detemple löst auf, worum es geht.

„Reiten ist mehr als nur auf dem Pferd

sitzen. Es geht darum, mit dem Tier

eine Einheit zu bilden. Dazu müssen

sich Mensch und Tier aufeinander einlassen.

Eine Erfahrung, die auch Menschen

mit eingeschränkter Wahrnehmung

und Mobilität gut machen können.“

Neben diesem ganzheitlichen

Ansatz, haben das Reiten und die Vorstufen

dazu aber auch einen physiotherapeutischen

Nutzen für Menschen

mit Mobilitätseinschränkung: Lageveränderung.

Durch den schwankenden

Gang des Pferdes muss die Oberkörpermuskulatur

des Reiters ständig ausgleichen.

Das schult das Gleichgewicht

und Muskeln. Das Aufrichten des Oberkörpers

wird trainiert. Zweitens überträgt

sich die Pferdebewegung auf das

menschliche Becken und so können

auch Menschen, die nicht gehen können,

eine Vorstellung davon bekommen,

wie sich Gehen anfühlt. „Drittens“,

ergänzt Ute Detemple, „reguliert

sich die Muskelspannung im ganzen

Körper. Beispielsweise wirkt Reiten auf

Menschen mit Spasmen entspannend,

während der Muskeltonus derer er-

höht wird, die zu wenig davon haben.“

Auf Marion übertragen bedeutet es,

dass sie die schlechte Laune vergisst,

die bei ihr auch Verspannungen auslöst.

„Claudia richtet sich auf, stärkt ihren

Rücken, nutzt Muskeln, die sonst zu

kurz kommen.“ Somit greift Detemple

einen Ansatz auf, der in Claudias Therapieplan

enthalten ist: entlastende Lageveränderungen.

Ute Detemple begleitet ihre Klienten

zu den Pferden Sörli, Grisu und Flocke.

Claudia und Susanne schnuppern Reithallenluft.

Der Kontakt mit Flocke tut

Susanne Heiss gut. Das Fell streicheln,

das Schnauben der Tiere hören – solche

Sinneseindrücke bereichern Susannes

Alltag und fördern ihr Wohlbefinden.

Ähnlich geht es Claudia, sie macht

ihre ansonsten geschlossenen Augen

auf, will alles in sich aufnehmen. Dann

hilft Ruby Claudia beim Begrüßungsstreicheln.

Grisu steht ganz still, bläst

seinen Atem in Claudias Hand, nimmt

vorsichtig die angebotenen Leckerlis

und Claudia genießt es, wenn sie sein

feuchtes Maul und seinen Atem spürt.

Sie nimmt den Kopf hoch, richtet sich

auf. Ein gutes Zeichen. „Das tut sie im

Volle Konzentration

auf das Pferd. Tom ist

einhundert Prozent

bei der Sache.

Alltag selten. Es geht ihr jetzt richtig

gut und sie will alle Eindrücke mitnehmen“,

erklärt Ruby.

Ruby und Ute helfen Claudia aus

dem Rollstuhl. Grisu bleibt ruhig stehen,

auch als Claudia sich gegen ihn

lehnt, sich auf seinen Rücken hängt

und mit der Hand erst nach der Mähne,

dann zum Schweif tastet. Claudia

entspannt auf dem Pferderücken, ihre

Mimik ist gelöst, sie lächelt. „Zu einem

späteren Zeitpunkt wollen wir Claudia

auch das Reiten anbieten. Aber zurzeit

ist Claudia noch ganz damit beschäftigt,

das Pferd kennenzulernen.“ Als

Claudia später in den Rollstuhl zurückkehrt,

ist sie müde von den intensiven

Sinneserfahrungen, aber auch sehr gelöst

und glücklich.

tet sich auf, ihre Gesichtszüge wirken

ausgeglichen. Auch Tom sitzt jetzt im

Sattel. Die rasche aber gleichmäßige

Rhythmik des Trabes ermöglicht Tom

sein bisweilen überaktives Verhalten in

ruhigere Bahnen zu lenken.

Sicher ist die Begegnung mit Pferden

weder für Claudia Brehl, Marion Theis,

Susanne Heiss noch Tom Schaab alles

im Leben. Aber auf lange Sicht trägt die

Reittherapie dazu bei, ihnen ein erfülltes

Leben zu ermöglichen.

Reittherapie

Ute Detemple gibt gerne Auskunft:

T. 06776 763 444 0

www.ute-detemple.de

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Auch Sie können helfen!

Damit Menschen glücklich werden

von Manuela Nörtershäuser

Thomas Schwärzel ist ein lebensfroher junger

Mann. Er wohnt im denkmalgeschützten

Alten Haus in Scheuern und arbeitet

in den Werkstätten der Stiftung Scheuern. Auf

den ersten Blick scheint Thomas Schwärzel alles

zu haben, was er braucht.

Was er sich am meisten wünscht, sind die eigenen

vier Wände. Gegenwärtig teilt er sich das

Zimmer mit einem anderen jungen Mann, mit

dem er oft nicht gut zurechtkommt. Häufig gibt

es Ärger. Wenn einer von beiden nicht gut drauf

ist, können sie sich nicht aus dem Weg gehen. Die

Lösung ist ein Einzelzimmer. Dann könnte er sich

zurückziehen, alleine sein, wenn es sein Wunsch

ist, die eigene Privatsphäre genießen. Davon

träumt er. Aber selbst das Träumen fällt schwer,

wenn der Zimmernachbar wieder eine unruhige

Nacht hat. Ein Zimmer für sich ist immenser Gewinn

an Lebensqualität für Thomas Schwärzel.

Als zweites hofft er, sich ohne Schwierigkeiten

mit seinem Rollator bewegen zu können. Im Alten

Haus müssen noch an vielen Stellen Hindernisse

abgebaut werden, damit sich Thomas

Schwärzel barrierefrei bewegen kann. Und

wenn er dann das Haus verlässt, wünscht er sich,

auch einmal spontan einen Ausflug machen zu

können. Leider kann er mit einem Rollstuhl, auf

den er bei langen Ausflügen angewiesen ist,

nicht in jedes Auto steigen. Ein behindertengerechtes

Fahrzeug zur spontanen Verfügung, das

würde ihm viele Möglichkeiten eröffnen, von

denen er zurzeit nur träumen kann.

Wie Thomas Schwärzel geht es noch vielen

anderen Menschen am Standort Scheuern.

Dringlichste Maßnahmen sind die Umgestaltung

von Bädern unter dem Gesichtspunkt Barrierefreiheit,

der Abbau von Zweibettzimmern

und die Erhaltung der Bausubstanz. Sie können

mit Ihrer Spende helfen, diese Mängel zu beheben.

Das bedeutet für Menschen mit Behinderung

eine Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Gleichzeitig können sie weiterhin in den Gemeinschaften

leben, in denen sie sich wohlfühlen

und die ihnen Geborgenheit schenken.

Machen Sie die Wünsche

behinderter Menschen zu

Ihrer Herzenssache

Doch selbst wenn Thomas Schwärzels dringlichste

Wünsche erfüllt würden, hat er noch

weitere Träume. „Wieder Fahrrad fahren kön-

Reinsetzen, losfahren! Freiheit gewinnen mit

behindertengerechten Fahrzeugen.

Auch in der Freizeit möchte niemand auf Mobilität

verzichten. Ein Fahrrad-Projekt kann

zeigen, wie’s funktioniert. Bildung und Entspannung

stehen aber auch hoch im Kurs,

wenn es um die Freizeitgestaltung geht.

nen“, „etwas Neues lernen, um besser arbeiten

zu können“, „mich besser entspannen“ - das

alles steht noch auf seiner Wunschliste. Stellvertretend

für viele Bewohnerinnen und Bewohner

formuliert Thomas Bedürfnisse, wie

den Ausbau von Freizeitangeboten, die Weiterentwicklung

von Bildungsangeboten für alle

Lebensbereiche oder die Erweiterung von Therapieangeboten.

Die Stiftung Scheuern ist offen für alle Spenden.

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, damit wir

weiterhin Menschen mit Behinderung in Scheuern

ein Leben bieten können, in dem sie sich

wohlfühlen.

Jemand, der Zeit hat

Doch bei dem Wunsch nach Spenden, geht es

nicht nur um Geld. Vielmehr freuen sich Menschen

mit Behinderung, wenn es andere Menschen

gibt, die gerne Zeit mit ihnen verbringen.

Sei es beim Spazierengehen, beim Spielenachmittag

oder, oder, oder. Gemeinschaft, das Gefühl,

ernst genommen zu werden und geborgen

zu sein, Freundschaften wachsen lassen,

auch das bedeutet einen großen Zuwachs an

Lebensqualität.

Die Stiftung Scheuern freut sich auch, wenn

Sie Zeit schenken möchten. Es ist immer ein Gewinn,

nicht nur für die Menschen, die in der Stiftung

Scheuern leben, sondern auch ganz bestimmt

auch für diejenigen, die sie schenken. Es

ist nicht die Länge der Zeit, die entscheidend ist,

sondern die Nähe, die zu spüren ist. Ehrenamtliches

Engagement, Zeit und Gemeinschaft zu

schenken, wird bei uns sehr geschätzt. Wir freuen

uns auf Sie!

Sie können helfen!

Jedes Spendenprojekt ist wichtig

Bitte entscheiden Sie selbst, wofür Sie spenden

möchten und geben Sie bitte Ihr Stichwort an:

• Lebensraum

• Bildung

• Freizeit

• Fahrzeug

• Sport

Spenden ohne Stichwort werden dort eingesetzt,

wo Ihre Hilfe am dringendsten benötigt wird.

Spendenkonto Stiftung Scheuern

Konto 4 120 540

BLZ 520 604 10

Ev. Kreditgenossenschaft (EKK) Frankfurt

Herzlichen Dank!

24 2012 | Ausgabe 23 2012 | Ausgabe 23

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monticellllo - Fotolia.com

von Manuela Nörtershäuser

Den vom Land Rheinland-Pfalz,

der Vernetzungsstelle Kita- und

Schulverpflegung, dem Dienstleistungszentrum

ländlicher Raum initiierten

Tag der Schulverpflegung am

26. September 2012 begleitete auch

die Stiftung Scheuern. Als Caterer für

mehrere Schulen stellte sich die Gastronomie

der Stiftung den Schülern im

Schulzentrum Lahnstein vor. Der Tag

stand unter dem Motto „Unser Schulessen

– wir wissen wo’s herkommt!“

Daher hatten Reinhard Müller, Werkstattbereichsleiter

der Gastronomie,

die Realschule und das Marion-Dönhoff-Gymnasium

auch die Zulieferer

eingeladen, damit die Schüler sich über

die Rohstoffe für ihre warme Schulmahlzeit

informieren konnten. Reinhard

Müller zog ein positives Resümee:

„Es sind sehr viele Schüler gekommen

und sie fragen wirklich nach den Produkten

aus denen wir das Mittagessen

kochen, und wollen wissen, wo sie herkommen.“

Außerdem informierte die

Gastronomie auch über die Zubereitung

des Essens selbst, das nach

dem Cook-and-Chill-Verfahren gekocht

wird. Das schont Vitamine und

andere wichtige Inhaltsstoffe.

„Unser Schulessen –

Wir wissen, wo’s herkommt!“

Zum „Tag der Schulverpflegung“ informierte die Stiftung Scheuern

in Zusammenarbeit mit dem Schulzentrum Lahnstein über

Zulieferer, Rohstoffe und Garverfahren für das Mittagessen der

Schüler. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken

belohnte die Aktion mit einem Preis im Wettbewerb.

Die Schüler aus Lahnstein haben den Preis gewonnen, weil sie „zusammen mit

der Stiftung Scheuern ganz intensiv den Weg der Lebensmittel vom Acker bis

zum Teller zurückverfolgt haben“, sagte Ministerin Höfken. Das umfassende Engagement

am Schulzentrum rund um das Thema Ernährung sei „wirklich beeindruckend“,

so Höfken weiter.

Foto: C. Schäfer, Umweltministerium

Noch ein Lerneffekt stellte sich bei

den Schülern ein. Sie staunten nicht

schlecht, als sie erfuhren, dass ihr Essen

aus einer Einrichtung der Behindertenhilfe

kommt und von einem Team zubereitet

wird, in dem Menschen mit

und ohne Behinderung zusammen arbeiten.

Obwohl der Aktionstag vor allem für

die Ganztagsschüler gedacht war, kamen

im Schulzentrum in Lahnstein alle

Schüler neugierig vorbei. „Das passt

zu unseren Erfahrungen“, meint Hans-

Georg Meier, stellvertretender Schulleiter

des Gymnasiums. „Wir haben immer

mehr Schüler, die hier mittags essen

möchten.“ Lukas Dillenberger, der

Schülersprecher des Gymnasiums, nickt

zustimmend: „Es schmeckt einfach gut.

Wir schätzen die Auswahl unter drei

Lernen mit allen Sinnen: mit Kostproben und Nachfragen machen sich die Schüler

des Schulzentrums Lahnstein am Tag der Schulverpflegung schlau über die Produkte

aus denen die Gastronomie der Stiftung Scheuern ihre Mittagsmahlzeit zubereitet.

Gerichten sehr!“ Der Leiter der Orientierungsstufe

der Realschule Marcel Spitzkohl mit einer Kohlrabi verwech-

nicht wissen. Da wird schon mal ein

Schwarz findet den Aktions- und Informationstag

gut: „Es schafft Identifizie-

dem entgegenzuwirken ist Lehrerin

selt oder Weißkraut mit Kopfsalat.“ Um

rung mit dem Essen.“

Kohlhaas mit ihrer Ganztagsklasse hierhingekommen

und macht sich schlau.

Auch Realschulrektor Norbert Hißnauer

freut sich über das Engagement Interessiert bei der Sache sind auch die

der Stiftung und der Zulieferer, die alle Fünftklässler am Infostand der Molkereiprodukte.

Sie wollen wissen, wie die

Kostproben für die Schüler mitgebracht

haben: „Die Schüler können sich Milch in die Tüte kommt.

von der Qualität der Rohstoffe überzeugen

und sie lernen, dass Gutes aus tungszentrum ländlicher Raum die Ak-

Bärbel Euler, die für das Dienstleis-

der Nähe kommt. Man muss nicht weit tion mit organisierte und regulär als Ernährungsberaterin

für die Schulen tätig

weg gehen.“ Das Schulessen wird aus

Erzeugnissen zubereitet, die alle aus ist, ergänzt, dass der Tag der Schulverpflegung

einen doppelten Sinn hat.

der Region kommen: Kartoffeln aus

dem Maifeld in der Eifel, Milchprodukte

von Bauern aus dem Taunus, Fleisch- was über die Qualität von Nahrungsmit-

„Die Schüler lernen dabei nicht nur et-

und Wurstwaren aus dem Siegerland teln aus der Region und über gesunde

oder vom Taunus, Früchte und Gemüse

aus der Rheinebene und Backwaren sie mit ihrer Schule einen Preis gewin-

Ernährung, sondern am Ende können

vom Westerwald.

nen.“ Folglich nutzten Lehrer und Schüler

das kulinarische Angebot auch päd-

„Es gibt vieles, was die Schüler über

das, was sie täglich zu sich nehmen, agogisch. Mit Stift, Heft und Arbeitsauftrag

sollten sich vor allem die Klassen 5

bis 7 über die Zulieferer und ihre Produkte

informieren. Im Unterricht wurden

die Ergebnisse des Tags der Schulverpflegung

noch vertieft. Zusammen

mit den Schülern erstellte Orientierungsstufenleiter

Marcel Schwarz eine

Dokumentation, die sie als Beitrag zum

Wettbewerb einreichten. 38 weitere

Schulen hatten sich ebenfalls um den

landesweiten Preis beworben. Gelohnt

hat sich die Mühe und der Informationstag

zum Schulessen allemal, die Jugendlichen

haben viel gelernt, aber das Sahnehäubchen

war die Preisverleihung:

Mit ihrer Aufarbeitung und Darstellung,

sowie dem Nachweis der Nachhaltigkeit

des Gesamtprojekts Schulessen im

Schulzentrum Lahnstein haben Realschule

und Gymnasium den ersten Preis

in der Kategorie „weiterführende Schulen“

gewonnen. Am 22. November

2012 übergab Ministerin Ulrike Höfken

vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft,

Ernährung, Weinbau und Forsten

auf dem Erlebnishof Arche in Naunheim

den Preis.

Info

Die Stiftung stellt für die Kinder einen

eigenen Speiseplan zusammen und

arbeitet eng mit Zulieferern aus der

Region zusammen. Sie kocht nach

den speziellen Richtlinien für Schulverpflegung

gemäß der Deutschen

Gesellschaft für Ernährung. So kommt

viel Gemüse, Salat und Obst auf den

Tisch der Kinder. Zum vollwertigen

Mittagsmenu gehört auch ein Dessert.

Zum Essen wird immer Mineralwasser

gereicht.

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„Zeig du mir mal, was du so machst!“

Ein ganz besonderer Wandertag der Klasse 3a

derte Menschen mit ganzheitlichen und speziellen

heilpädagogischen Anleitungen durchaus

in der Lage sind, produktive und anspruchsvolle

Arbeitsprozesse genau und exakt durchzuführen.

Die Kinder beobachteten, wie zum Beispiel

Schalter vom Grundaufbau her in mehreren Arbeitsabläufen

zusammengesetzt, bis hin zum

Endfunktionstest bearbeitet und komplett verpackt

werden.

Die Werkstattbeschäftigten erklärten den Kindern

fachkundig die jeweiligen Arbeitsschritte,

die im Rahmen der Gesamtfertigung erforderlich

sind. Gerne räumten sie für die Kinder den

eigenen Arbeitsplatz.

Da blieb keiner der „kleinen Besucher“ auf seinem

Platz stehen. Jeder wollte einmal auspro-

den. Die freundliche und nette Mannschaft der

„Holzwürmer“ und Schreiner zogen die Kinder

ganz auf ihre Seite, als sich jedes Kind zum

Schluss noch ein „hölzernes Erinnerungsstück“

in Form eines kleinen Vogels mitnehmen durfte.

Den Abschluss des Besuchs bildete die Besichtigung

der Kreativwerkstatt und hier speziell die

„Tonwerkstatt “ mit ihren tollen Vasen, Krügen

und Figuren. Selbst die Begleiter waren neugierig,

wie solche Handwerkskunst aus Ton entsteht.

Wir wurden nicht enttäuscht und die Leiterin

des Arbeitsbereichs zeigte uns, wie aus einem

nassem Klumpen Ton über Gießformen

eine fertige Vase wird. Die Kinder warfen einen

Blick in den Brennofen und ließen sich erklären,

Die Kinder schauten

den Beschäftigten

interessiert über die

Schulter und fragten

ihnen ein Loch

in den Bauch.

In der Schreinerei

erfuhren die Kinder,

wie vielfältig Holz

eingesetzt wird. Begeistert

waren sie

von den Vogelhäusern.

von Nadja Cristina Schneider

Ein schöner Tag sollte der Besuch der Klasse

3a von der Freiherr-vom-Stein-Schule aus

Nassau in der Werkstatt für behinderte

Menschen im Mühlbachtal werden. Sie nutzten

ihren Wandertag um neue soziale Erfahrungen

zu machen. So wurde der Tag für sie zu einem

vollen Erfolg.

Die Drittklässler gingen mit vielen Eindrücken

wieder nach Hause, denn sie haben praktische Erfahrungen

am Arbeitsplatz behinderter Menschen

gemacht. Diese Erlebnisse werden ihnen

zukünftig den Umgang miteinander erleichtern.

Die Kinder haben feststellen können, zu welchen

Leistungen die Menschen fähig sind, dass sie nun

deren „Schaffen“ mit ganz anderen Augen sehen.

Aber von vorne:

Irgendwann kam die Idee auf, für die Kinder

der Klasse 3a einen Wandertag zu planen, der

ihnen soziale Aufgabenfelder vorstellt, die sie

bislang vermutlich kaum kennen gelernt haben.

Aufgrund meiner Tätigkeit als Heilerziehungspflegerin

konnte ich nach einem kurzen Telefonanruf

den Werkstattleiter Jörg Röder für einen

Besuch der Kinder in der Werkstatt gewinnen.

Wir verabredeten Freitag, den 14. September

2012 und traten am Morgen gegen acht Uhr an

diesem herrlichen Spätsommertag von der Schule

in Nassau aus unseren gemeinsamen Fußmarsch

zur Langauer Mühle in Scheuern an.

Nach einer freundlichen Begrüßung und einer

Einführung in die Arbeit der Werkstatt für behinderte

Menschen führte uns Jörg Röder durch

die einzelnen Arbeitsgruppen. Bereits in der ersten

Gruppe sahen die Kinder, dass auch behin-

bieren, ob er denn auch den Schalter zusammenbauen,

die genaue Anzahl der Schrauben

abzählen und anschließend alles verpacken

konnte. Hier lernten Grundschüler und Begleiter,

dass man nicht nur eine genaue Anzahl

Schrauben zählen muss, um die Pakete zu füllen,

sondern man auch durch exaktes Wiegen den

Beutel mit genau der benötigten Anzahl der

kleinen Schrauben füllen kann. Jedes Kind

schaute sich die Arbeit genau an. Dabei stellten

sie viele Fragen zu den Abläufen, die ihnen von

den Beschäftigten unermüdlich beantwortet

wurden.

Anschließend ging es in die Schreinerei. Dort

erfuhren die Kinder, welche Gerätschaften aus

Holz – neben den vielen anderen Sachen wie

zum Beispiel Vogelhäuser, Brutnester und Holzgebrauchsgegenstände

– speziell für die Feuerwehrausbildung

in ganz Europa hergestellt wer-

wie die noch unfertigen Tonsachen dort gebrannt

werden.

Nach den vielen neuen Eindrücken und dem

Staunen war die Kehle trocken. Da freuten sich

die Kinder umso mehr über eine Einladung zur

Stärkung. Jörg Röder erwies sich als kompetenter

und geduldiger Werkstatt-Führer, verabschiedete

die Besuchergruppe und wird nach solch einem

interessanten Erlebnis sicherlich nicht zum

letzten Mal die Schüler der Grundschule Nassau

begrüßen dürfen. Abschließend bedankten sich

die Klassenlehrerin Petra Schönrock-Wenzel und

alle Schüler noch mit einem freundlichen „Dankeschön“

und einem lauten Applaus.

An dieser Stelle sei im Namen aller Kinder und

Eltern den Mitarbeiter der Werkstatt nochmals

recht herzlich für eine sehr interessante Führung

gedankt. In einer kurzen Nachlese fanden die

Kinder später: Der Tag war „Spitze“.

Bei der kleinen Einführung

in die Keramik-Handwerkerkunst

staunten die

Grundschüler über

die Farben, die nach

dem Brand anders

aussehen.

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29


Einblick in den Alltag der Werkstatt

für behinderte Menschen

Weilburger Sozialverband VdK zu Besuch

entwickelt hat. Die Besucher sind beeindruckt,

dass sie in Simone Anders eine kompetente Gesprächspartnerin

gefunden haben, die ihre Fragen

beantwortet.

Nach einer theoretischen Einführung über die

Werkstattarbeit ging es gemeinsam zur Besichtigung

der Arbeitsplätze in ihre Montagegruppe

6. Hier erklärt Simone Anders eindrucksvoll,

wie Aufträge für Wirtschaftsunternehmen ausgeführt

werden.

„Ich bin geschickt in dem Zusammenfügen

kleiner Dinge, weil ich eine sehr gute Feinmotorik

habe. Meine Kollegen können dafür andere

von Beate Kretschmann

Simone Anders (Foto) steht inmitten der Besucherrunde.

Die 27 Ausflügler vom VdK

Oberlahn aus Weilburg sind angereist, um

sich über die Arbeit in Werkstätten für behinderte

Menschen zu informieren. So bleibt heute

Vormittag der Arbeitsplatz von Simone Anders

leer, denn sie hat eine Besucherführung zusammen

mit dem Bildungsbegleiter Willi Bausch-

Weis vom Berufsbildungs- und Integrationsservice

(BIS) übernommen. Simone Anders hat in

diesem Jahr an einer Fortbildung für Werkstattbeschäftigte

mit dem Titel „Ich stelle meine

Werkstatt vor!“ teilgenommen. Sie wurde gezielt

auf die Aufgabe des Führens von Besuchergruppen

vorbereitet. Den Gästen berichtet sie

selbstbewusst und souverän, wie sich aus den

Anfängen einer ehemaligen Kornmühle eine

moderne Werkstatt für behinderte Menschen

Arbeiten gut machen. So arbeiten wir Hand in

Hand und das macht Spaß”, erzählt Anders weiter,

die nun schon seit fünf Jahren in der Montage

und Verpackung tätig ist.

„Bis ich herausgefunden habe, was ich gut

kann, hat mich der Berufsbildungs- und Integrationsservice

begleitet“, ergänzt Simone Anders.

Willi Bausch-Weis, der vor allem für die grünen

Berufe im Berufsbildungs- und Integrationsservice

zuständig ist, erklärte zuvor den Besuchern,

was ein diagnostischer Eingangstest zur Überprüfung

von motorischen Fähigkeiten beinhaltet.

Diese Eingangsdiagnostik ist wichtig, damit

das Bildungsprogramm individuell auf jeden BIS-

Teilnehmer zugeschnitten werden kann.

In Singhofen war Christa Schienmann für einen

weiteren Teil der Besuchergruppe zuständig. Sie

führte die VdK-Mitglieder beispielsweise durch

die Metallwerkstatt und die Wäscherei. In der

Ausgleichsgruppe verfielen die Besucher in einen

regelrechten Kaufrausch. Begeistert deckten

sie sich mit den wunderschönen, selbst hergestellten

Wohnaccessoires oder Dekorationsartikeln

ein. Ein Mittagessen im Casino der Stiftung

rundete den Ausflug der Weilburger ab.

CDU-Landtagsabgeordneter

Matthias Lammert (vorne links)

zeigte den Teilnehmern der Fortbildung

den Plenarsaal des

rheinland-pfälzischen Landtags.

Dabei konnte jeder auch die

Situation der Redner am Rednerpult

nachempfinden.

von Melanie Willuweit

Im Rahmen des Fortbildungsprogramms

für Werkstattbeschäftigte

2012 gab es das Angebot „Politische

Bildung – Warum gehen wir wählen?“.

Nach einem Vorbereitungstag über

aktuelle politische Themen im Berufsbildungs-

und Integrationsservice äußerten

die sieben Seminarteilnehmer

den Wunsch, sich anzuschauen, „wo

Politik für unser Bundesland gemacht

wird.“

Besuch im Landtag

Rheinland-Pfalz

Werkstattbeschäftigte nutzen Fortbildungsprogramm

der Stiftung Scheuern zur politischen Bildung

Der Landtagsabgeordnete der CDU,

Matthias Lammert, hatte eigens dazu

in den Landtag eingeladen. Zusammen

mit Bernd Feix, dem Leiter Arbeit, unter

dessen Federführung die Fortbildungseinheit

stand und mit der Bildungskoordinatorin

Melanie Willuweit reiste die

Gruppe nach Mainz.

Neben Informationen zur Geschichte

des Landtags wurde auch der Alltag

der Abgeordneten vorgestellt. In der

anschließenden Gesprächsrunde nahm

sich Matthias Lammert sehr viel Zeit. Er

erzählte Spannendes aus der Politik,

beantwortete beispielsweise Fragen

zur Eurokrise oder zur Nürburgring-Affäre.

Außerdem war die Lohngestaltung

von Werkstattbeschäftigten ein

Thema.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen

mit Lammert rundete ein Besuch

im Sender des Zweiten Deutschen

Fernsehens den eindrucksvollen Tag

ab. Hier erfuhren die Teilnehmer auch

am Beispiel der Heute-Sendung, wie

die Politik ins Fernsehen kommt.

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Das singende springende Löweneckerchen

Die Eurythmiegruppe Falado Mundo war zu Gast in Scheuern und tanzte

ein Märchen der Gebrüder Grimm.

Drachenbootregatta auf der Lahn

Die Mannschaft der Stiftung Scheuern gewann den Preis der Herzen.

Eurythmie bedeutet, dass Bewegung

und Sprache sichtbar werden. Es war

faszinierend zu beobachten, welche

heilsame Wirkung Eurythmie als Medium

auch für kleine und große Menschen

mit und ohne Behinderung hat.

lauschen konnte, sah. Die anmutige

Bewegung der Künstler, der Tanz mit

den bunten, fließenden Gewändern

und Kostümen, dazu die spannende Erzählung

des Sprechers auf der Bühne

und die dramatische Orgelmusik gefiel

allen. Auch die Kindergartenkinder der

benachbarten Einrichtung staunten

sehr.

von Beate Kretschmann

Ein getanztes Märchen sieht man

nicht alle Tage. Die Eurythmie-

Hochschule aus Witten-Annen

führte mit ihrer Abschlussklasse die

Geschichte von dem singenden, springenden

Löweneckerchen, einer Lerche,

auf. Im Märchen wünscht sich die

jüngste Tochter eines Mannes, dass er

ihr diese Lerche als Geschenk von seiner

Reise mitbringe. Als der Vater den

Vogel findet, trifft er auf einen Löwen,

der zunächst für diese Gabe sein Leben

und später das seiner Tochter fordert.

Im Märchen gilt es viele Abenteuer zu

bestehen bis am Ende eine glückliche

Heimkehr gelingt.

Die Aufführung zog alle in ihren

Bann. Waren zu Beginn der Vorstellung

noch viele unruhig, so wurden sie von

Minute zu Minute stiller. Wer nicht sehen

konnte, lauschte und wer nicht

Ein musikalischer Eintopf

Unter dem Motto „Nassau singt und klingt“

fand am 8. September 2012 ein dekanatsübergreifender

Tag der Kirchenmusik statt.

Der Chor der Ev. Kirchengemeinde der Stiftung

Scheuern unter Leitung von Gisela

Schönrock war mit von der Partie und präsentierte

eine Auswahl seines geistlichen

und weltlichen Repertoires beim öffentlichen

Singen auf dem Nassauer Amtsplatz.

Für die auswendig dargebotene, mehrstimmige

Sangesleistung „ohne Netz und

doppelten Boden“ ernteten die Sänger viel

Applaus. Chormitglied Christa Schienmann

erklärte, dass ein „Quodlibet, also ein musikalischer

Eintopf“ folge. Weiterhin animierte

der Chor das Publikum humorvoll

zum Mitmachen mit altbekannten Kettenliedern.

Volle Kraft voraus! Die „Lahnrakete“

der Stiftung schießt über das Wasser

und der Paukenschlag hallt im Lahntal.

von Beate Kretschmann

Mehr als 1.000 Gäste kamen

zum Sportfest ans Lahnufer.

Fünfzehn Drachenboote gingen

an den Start. Gepaddelt wurde gegen

die Strömung zwischen der Kaltbachmündung

und Kettenbrücke. In

der „Lahnrakete“ saß die Mannschaft

der Stiftung Scheuern. Bewohner, Mitarbeiter

und Angehörige von Mitarbeitern

traten im sportlichen Wettkampf

an. Sie landeten mit der integrativen

Mannschaft auf Platz 9 und gewannen

den Preis der Herzen. Das Drachenbootrennen

wurde vom Nassauer Kanu-Club

zum 5. Mal ausgerichtet.

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Das Spukschloss

Die Laienschauspieler vom Funkenflugtheater begeistern das Publikum in

der Nassauer Stadthalle mit ihrem selbst inszenierten Stück der Geisterstunde.

von Beate Kretschmann

Die Geschichte: Eine Gruppe junger Leute

lebt auf der Burg Nassau. Diese soll nun

verkauft werden. Ein windiger Makler,

alias Hans-Georg Klein, preist einem interessierten

Ehepaar, gespielt von Lore Arnold und Mark

Solomeyer, die Burg Nassau als Schloss an.

Doch die jungen Leute wissen sich zu helfen.

Schließlich möchten sie sich nicht vertreiben lassen.

Sie werden die potenziellen Käufer vergraulen.

Wie? Sie kramen eine Truhe mit Spukutensilien

vom Dachboden. Um Mitternacht kommen

die Geister und reißen das Ehepaar aus

dem Schlaf. Am nächsten Morgen eilen die verschreckten

Käufer von dannen und die jungen

Leute können wieder nach Lust und Laune feiern.

Alle Schauspieler vom Funkenflugtheater

spielten so meisterhaft und witzig , dass sie die

kleinen und großen Zuschauer herzhaft zum Lachen

brachten.

In die Herstellung schaurig-schöner Requisiten

investierten sie viele Stunden. Ein Spinnennetz

umwobenes Tor war der Aufgang zum vermeintlichen

Schloss und der Blick auf die übergroße

Uhr machte jedem klar, gleich geht der

Spuk los, der allen ein Happy-End bescherte.

Schatten: kharlamova_lv - Fotolia.com

Auf der Bühne standen viele Geister: Walter Moll, Dieter Österreich, Helga Krause, Anne-Kathrin

Roos und Horst Mischel. Auch gut in ihren Rollen waren neben dem kaufwilligen Ehepaar und dem

Makler: Der Nachrichten-Überbringer Christian Döllken, die spinnenweben-jagende Haushälterin

Monika Heppner, die Burgmaus Fabio Nelde und die Geschichten-Erzählerin Christa Schienmann.

Regie führte Stefanie Legde. Die Gruppe wurde auf der Bühne von Maria Metzger begleitet.

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„Die freundliche Polizistin“ wechselt

nach Ludwigshafen

Betreuerrat

Neuigkeiten aus der Arbeit

Hartmut Staudt, Leiter

der Kriminaldirektion

Ludwigshafen (2. v. l.)

freut sich über das Bild.

Zusammen mit seinem

Team, Solveig Grund,

Klaus Martin und Dieter

Nickol, begrüßt er „Die

freundliche Polizistin“,

die ihm künftig bei der

Arbeit in seinem Büro

über die Schulter

schauen wird.

Foto: Kriminalpolizei Rhein-

Kunst aus Scheuern findet im Polizeipräsidium Rheinpfalz Freunde.

von Karlheinz Knöll

Wahl eines neuen Stellvertreters

Anfang November wurde Lothar Werner als

neuer stellvertretender Vorsitzender des Betreuerrates

gewählt. Damit löst er die bisherige

stellvertretende Vorsitzende Dagmar Obarowski

ab. Dr. Elisabeth Schmitt ist als Vorsitzende

weiterhin im Amt.

Schulung für Betreuerinnen und

Betreuer

Für gerichtlich bestellte Betreuer, die noch nie

an einem Grundkurs für Betreuer teilgenommen

haben, bietet der Betreuerrat in Zusammenarbeit

mit dem Betreuungsverein des DRK

Bad Ems und der AWO Rhein-Lahn am 13. April

2013 einen solchen Grundkurs an.

Themen werden sein:

• Einführung in das Betreuungsrecht

• Vermögenssorge

• Haftungsfragen

• Gesundheitssorge und

Aufenthaltsbestimmungsrecht

• kognitive Erkrankungen.

pfalz, Ludwigshafen.

Es wäre zunächst nötig, einen Interessentenkreis

zu finden, um dabei festzulegen, ob wir im

wöchentlichen Rhythmus an fünf Abenden für

jeweils 1,5 Stunden zusammenkommen oder ob

von Beate Kretschmann

Das Bild von Horst Schröter, „Die freundliche

Polizistin“, hat nun seinen Platz in

der Kriminaldirektion in Ludwigshafen

gefunden.

Ein Jahr lang musste Kriminaldirektor Hartmut

Staudt auf die neue Kollegin, „Die freundliche

Polizistin“, warten. So lange war das Bild mit einer

Wanderausstellung des Landes Rheinland-

Pfalz unterwegs. Das Bild hatte Horst Schröter für

den Kalender des Landesamtes für Soziales, Jugend

und Versorgung „Behinderte Menschen

malen“ im Jahr 2011 gemalt.

Im November 2012 wurden in Mainz erneut

Preisträger aus der Stiftung Scheuern geehrt.

Unter ihnen war Inge Dietz, deren Bild für den

Monat März 2013 ausgewählt wurde und den

schönen Titel trägt „Freundschaft wird mit dem

Herzen geschlossen.“

Lothar Werner

Wer macht mit im Besucherkreis?

Der Betreuerrat beschäftigt sich mit dem Projekt

„Besucherkreis“. Der Betreuerrat möchte

mit dem Besucherkreis Bewohner ansprechen,

die gerne Besuch empfangen, aber keinen Besuch

erhalten.

Um diesen Besucherkreis ins Leben zu rufen,

sucht der Betreuerrat Helfer. Wenn Sie sich angesprochen

fühlen, dann wenden Sie sich bitte

an den Betreuerrat.

wir das im Block (ggf. samstags) machen wollen.

Als Tagungsort kommen Nassau oder Bad Ems

in Frage.

Eine Einladung geht allen angemeldeten Teilnehmern

rechtzeitig zu.

Info

Interessiert?

Bitte wenden Sie sich an Betreuerrat

Karlheinz Knöll

T. 02621 4770

M. 0171 40 43 721

karlheinzknoell@hotmail.de

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„Ich hab im Knabenhaus angefangen.“

Stiftung Scheuern ehrt langjährige Mitarbeiter und gratuliert zum Berufsabschluss.

Stiftung Scheuern investiert in Zukunft

junger Menschen

2012 ist ein starkes Ausbildungsjahr

von Antje Koch-Gellermann

So viele Auszubildende gab es in

der Stiftung Scheuern noch nie.

Im August 2012 starteten 23 junge

Menschen in ihre berufliche Zukunft.

Die Stiftung Scheuern nimmt

ihre Verantwortung als größter Arbeitgeber

im Rhein-Lahn-Kreis auch hier

wahr. Sie nimmt Ausbildung und Qua-

23 junge Leute freuen sich auf den

Berufsstart und wurden an ihrem

ersten Arbeitstag von Direktor

Eckhard Bahlmann begrüßt.

lifizierung von jungen Menschen sehr

ernst und ermöglicht ihnen in den unterschiedlichsten

Berufsbildern eine

qualifizierte Ausbildung.

Insgesamt gibt es derzeit 42 Auszubildende,

38 im Berufsfeld Heilerziehungspflege,

zwei als Erzieher, einen

als Anlagenmechaniker für Sanitär,

Heizung und Klimatechnik sowie einen

im Bereich Informationstechnologie.

Darüber hinaus werden im Rahmen

des Freiwilligen Diakonischen Jahres

(FSJ) und des Bundesfreiwilligendienstes

drei junge Menschen an die Arbeit

mit behinderten Menschen herange-

führt. Alle werden in ihren jeweiligen

Arbeitsbereichen, den Wohngruppen,

der Tagesförderstätte, den Werkstätten,

der Haustechnischen Werkstatt

oder der Verwaltung von geschulten

Praxisanleitern begleitet. Regelmäßige

Reflexionsgespräche mit den Praxisanleitern,

Ausbildungskonferenzen oder

Treffen zu Arbeitsgruppen sind ebenso

Bestandteil der Vollzeit- oder berufsbegleitenden

Ausbildung wie auch die

Teilnahme an internen Workshops zu

ausbildungsrelevanten Themen oder

die Praxisphasen in den verschiedenen

Arbeitsbereichen der Stiftung.

von Manuela Nörtershäuser

Eberhard Thill, einer der beiden

Mitarbeiter der Stiftung Scheuern,

die Pfarrer und Direktor Eckhard

Bahlmann für ihre nunmehr 40-

jährige Dienstzeit in der Stiftung ehrte,

beschreibt den Beginn seiner Arbeitszeit

so: „Ich habe im Knabenhaus , so

hieß das Alte Haus ja damals noch, angefangen.“

Dann gibt er am Rande der

kleinen Feierstunde einen kleinen

Überblick über die Stationen, an denen

er sich im Laufe seines Berufslebens

eingebracht hat. Für Birgit Klaiber, Leiterin

Wohnen, ist das Anlass, sich nicht

nur bei Eberhard Thill, sondern auch

bei allen anderen im Dienste der Stif-

tung Stehenden zu bedanken für ihr

ganz unterschiedliches Wirken an den

verschiedenen Arbeitsstellen. Insgesamt

spachen Bahlmann und Klaiber

ihren Dank an 17 Jubilare aus, die zehn,

zwanzig, dreizig oder gar vierzig Jahre

Dienst am Mitmenschen geleistet haben.

Gleichzeitig beglückwünschten

sie auch zehn ehemalige Azubis, die

ihre Berufsausbildung gerade erfolgreich

abgeschlossen haben.

Allen gab Bahlmann Psalm 95 mit

auf den Weg: „Dinge zu tun, die Freude

machen, auch im Berufsleben, das

ist etwas, was uns zum Gotteslob anregen

sollte. Gleichzeitig dürfen wir nicht

vergessen, dass es genauso wichtig ist,

unseren Mitmenschen liebevoll zu begegnen.“

Er wünsche daher allen ein

offenes Ohr, die Sorgen anderer wahrzunehmen

und niemanden allein zu

lassen, und gleichzeitig den Mut zu haben,

die eigenen Probleme im Austausch

mit anderen lösen zu können.

Auch das zeichne eine gute Dienstgemeinschaft

aus. Birgit Klaiber betonte

im Anschluss mit Blick auf Vergangenheit

und Zukunft ebenfalls, wie wichtig

Austausch im Arbeitsleben ist, „damit

wir den Menschen hier ein gutes Leben

ermöglichen.“

Norbert Hartmann, Vorsitzender der

Mitarbeitervertretung und Antje Koch-

Gellermann, Leiterin des Personalwesens,

schlossen sich den Gratulationen

an.

Illu: Frog 974 - Fotolia.com

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Mitarbeiterjubiläen

Jubiläen der Mitarbeitenden der Stiftung Scheuern

Wir gratulieren zum 10-jährigen Jubiläum

Werkstattjubiläen

Jubiläen der Beschäftigten der Werkstätten der Stiftung Scheuern

Wir gratulieren zum 10-jährigen Jubiläum

Waldemar Bock

Wäscherei

Michael Apel

Montage und Verpackung

Andrea Bruk

Tagesförderstätte

Artur Bidlingmeier

Facility-Management

Heike Gemmer

Schloss Laurenburg

Mareile Erdmann

Montage und Verpackung

Elke Isselbächer

Gastronomie

Florian Görgens

Garten- und Landschaftsbau

Heike Kaffai

Am Schimmerich

Dietrich Heydorn

Montage und Verpackung

Axel Kaiser

Garten- und Landschaftsbau

Angela Sara Justi

Garten- und Landschaftsbau

Sabrina Kortheuer

Horny-Haus

Reiner Johannes Lippert

Montage und Verpackung

Christina Kull

Integra-Rehagruppe

Bernhard-Wilhelm Morgenschweis

Montage und Verpackung

Karin Lehmler

Wäscherei

Marco Oberle

Garten- und Landschaftsbau

Arschaluis Melikian

Gastronomie

Guido Ries

Montage und Verpackung

Madeleine Müller

Haus Rosengarten

Friedrich Walter

Montage und Verpackung

Olga Raab

Albert-Schweitzer-Haus/Ernst-Runkel-Haus

Corinna Wartha

Wäscherei

Erhardt Reichelt

Haus am Wald/Werner-Stöhr-Haus

Reimund Rudolf Würz

Montage und Verpackung

Sabine Schaedel

Schloss Laurenburg

Galina Zeiger

Wäscherei

Wir gratulieren zum 20-jährigen Jubiläum

Jörg Bremser

Werkstätten

Rita Gromig

Haus Rosengarten

Ute Metz

Horny-Haus

Maria Metzger

Tagesförderstätte

Friedhelm Müller

Facility-Management

Herbert Müller

Metallverarbeitung

Brigitte Wagner

Haus Rosengarten

Wir gratulieren zum 30-jährigen Jubiläum

Christa Bach

Alternative Wohnformen

Heinz-Otto Günther

Horny-Haus

Anke Panny

Wäscherei

Volker Rheinbay

Haus Lahnberg/Carl-Ninck-Haus

Wir gratulieren zum 40-jährigen Jubiläum

Werner Bingel

Facility-Management

Eberhard Thill

Horny-Haus

Wir gratulieren zum 20-jährigen Jubiläum

Sylvia Beyer

Montage und Verpackung

Ernst Ludwig Dürkes

Garten- und Landschaftsbau

Wir begrüßen

neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Wolfgang Abt Horny-Haus 01. Oktober 2012

Yvonne Apitz-Bimboes Betreutes Wohnen 01. August 2012

Steffen Bauer Am Schimmerich 01. August 2012

Laura Behnke Horny-Haus 22. Oktober 2012

Jennifer Behnke Werner-Stöhr-Haus/Haus am Wald 01. August 2012

Cathrin Boller CAP-Markt 15. September 2012

Jörg Brennhöfer Am Schimmerich 15. November 2012

Marie-Therese Demeco CAP-Markt 01. August 2012

Benjamin Demke Wäscherei 01. September 2012

Jacqueline Ewertz Tagesförderstätte 01. August 2012

Arja Freienstein Haus Rosengarten 01. November 2012

Monique Friedrich Haus am Bach 01. August 2012

Michele Gebhardt Altes Haus 01. August 2012

Simone Gerlach CAP-Markt 01. August 2012

Sabrina Göltzer Haus Lahnberg/Carl-Ninck-Haus 01. August 2012

Tai Görner Tagesförderstätte 01. August 2012

Andrea Güth Wäscherei 15. November 2012

Petra Haisch Altes Haus 01. September 2012

Tobias Haustein Haus am Bach/Altes Haus 01. November 2012

Maren Herdemertens Kleinwohngruppen/Wohnschule 01. August 2012

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neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Lieselotte Hillenbrand Wäscherei 01. Oktober 2012

Felix Hoeren Berufsbildungs- und Integrationsservice 01. August 2012

René Kleer Haus Rosengarten 01. August 2012

Danita Köhler Schlösschen/Weißes Haus 01. August 2012

Nico König Schlösschen/Weißes Haus 01. August 2012

Hannelore Kremzow Wäscherei 01. Oktober 2012

Sonja Kreuzberger CAP-Markt 29. August 2012

Anna-Lena Labonte Haus am Bach/Altes Haus 06. August 2012

Josua Manstein Horny-Haus 01. August 2012

Janine Mohr Tagesförderstätte 01. August 2012

Jürgen Müller Wichernhaus 01. November 2012

Alexandra Naujoks Am Schimmerich 01. November 2012

Sven Pawletta CAP-Markt 15. August 2012

Julia Petrowsky Ernst-Runkel-Haus/Albert-Schweitzer-Haus 01. August 2012

Laura Pörtner Schloss Laurenburg 01. August 2012

Claudia Pötzl Wäscherei 01. August 2012

Nadine Pradella Schloss Laurenburg 15. September 2012

Anna Pyrek Haus Rosengarten 01. August 2012

Annika Reinhard Haus Rosengarten 01. August 2012

Juliane Schaab Altes Haus 01. November 2012

Bianca Schneider CAP-Markt 01. August 2012

Artur Schwenk Gastronomie 01. Oktober 2012

Inge Siemens Horny-Haus 01. August 2012

Diana Sklorz Haus am Bach/Altes Haus 15. September 2012

Kai Wagner Am Schimmerich 01. August 2012

Sybille Weber CAP-Markt 01. August 2012

Barbara Wittkowski Am Schimmerich 01. November 2012

Songül Yilmaz Horny-Haus 01. August 2012

Oliver Zils CAP-Markt 01. August 2012

Wir verabschieden

uns von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

Elke Bender Schloss Laurenburg 31. August 2012

Ursula Bingel Haus Lahnberg/Carl-Ninck-Haus 31. Oktober 2012

Werner Bingel Facility-Management 30. September 2012

Sarah Echetabu Tagesförderstätte 31. Juli 2012

Marita Fritsch Tagesförderstätte 31. Oktober 2012

Tobias Herborn Wäscherei 31. August 2012

Kerstin Herwig Haus am Bach/Altes Haus 30. September 2012

Erika Keuper Wichernhaus 31. August 2012

Annegret Kramb Haus am Wald/Werner-Stöhr-Haus 31. Oktober 2012

Ursula Kraus Altes Haus 31. August 2012

Gudrun Mäurer Wäscherei 31. Juli 2012

Daniela May Haus Bodelschwingh 17. November 2012

Simone Müller Gesundheitsdienst 30. September 2012

wenn ich gestorben bin

hat sie gewünscht

feiert nicht mich und auch nicht den tod

feiert den, der ein gott von lebendigen ist

(aus: Kurt Marti, Leichenreden, Darmstadt, Neuwied 1969)

von Andrea Beiner

Das Leben ändert sich und zuweilen sehr

schnell. Viele Menschen machen diese

Erfahrung. Doch nicht nur das Leben,

auch das Sterben scheint sich zu ändern.

Im Umgang mit Tod und Trauer ist vieles im

Umbruch: Die Bestattungskultur hat sich in den

letzten Jahren rasant verändert. Die medizinische

Technik hat sich weiterentwickelt und die

Diskussionen um den Hirntod und die Organspende

finden ein breites öffentliches Interesse.

Wie sollen wir mit dem Tod umgehen und mit

dem Sterben? Fast jeder Mensch ist irgendwann

von dieser Frage auch ganz persönlich betroffen,

entweder weil er über sein eigenes Altern

und Sterben nachdenkt, weil er den Verlust von

Familienmitgliedern oder Freunden zu bewältigen

hat oder weil er Angehörige auf der letzten

Strecke ihres Lebensweges begleitet.

Gedenken unserer Verstorbenen

Hans Karl Albert, Horny-Haus

Viktoria Ursula Brum, Altes Haus

Edith Margot Baltruschat, Schloss Laurenburg

Hans-Dieter Eberling, Schloss Laurenburg

Maria Helene Geib, Schloss Laurenburg

Roland Werner Glowinkowski, Schloss Laurenburg

Horst Günter Höfle, Schloss Laurenburg

Erika Mathilde Lembach, Schloss Laurenburg

Karl Russ, Pädagogischer Leiter i.R.

Mechthilde Ursula Schleith, Schloss Laurenburg

Michael Zerai, Altes Haus

Als evangelische und katholische Kirche im

Nassauer Land wollen wir uns in einer Reihe

ganz unterschiedlicher Veranstaltungen den

Fragen rund um Tod und Trauer annähern und

zur persönlichen Auseinandersetzung und zum

Gespräch anregen.

Mit dabei ist auch die Evangelische Kirchengemeinde

der Stiftung Scheuern und zwei Veranstaltungen

finden im Versammlungsraum der

Stiftung statt.

Veranstaltungen

Sterben im Film: Tod und Trauer in ausgewählten Filmen

Sonntag, 20. Januar 2013

um 17.00 Uhr:

„Wer früher stirbt, ist länger tot“

Sonntag, 10. November 2013

um 17.00 Uhr: „Mein Bruder“

Weitere Informationen:

Pfarrerin Andrea Beiner

T. 02604 951863

a.beiner@t-online.de

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Aus dem Leben gerissen und umgebracht

Stiftung Scheuern hält mit jährlichem Gedenken am Tag vor

dem Volkstrauertag die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus

wach. Der Zeitzeuge Fritz Lau berichtet.

Eckhard Bahlmann

und Manuela Nörtershäuser

gefordert hat, wieder in ihre Mitte nehmen

und ihnen das Heimatrecht, das

sie hier in Scheuern besaßen, wenigstens

symbolisch zurück geben. In den Zeitzeuge Fritz Lau blickt auf ein be-

Als vor nunmehr 13 Jahren das

Mahnmal „Vergiss mich nicht Zitaten aus Briefen der Ermordeten wegtes Leben zurück. Im November

und komm“ im Hof der Stiftung

und ihrer ausführlichen Dokumentation

2012 wagte er trotz seines hohen Alters

Scheuern der Öffentlichkeit vor-

gestellt wurde, erklärte Direktor Eckhard

Bahlmann das Denkmal mit den

Worten: „Wir wollen den Opfern ein

Stück Heimatrecht zurück geben.“ Mit

der Erinnerungsstätte, die der Aschaffenburger

Künstler Christian Rudolph

geschaffen hat, möchte die Stiftung

die über 1500 Opfer, die das nationalsozialistische

Regime allein in Scheuern

zum Mahnmal wird deutlich, wie

unvorhergesehen die Menschen aus

ihren Bahnen gerissen wurden und wie

menschenverachtend man mit ihnen

umging.

Da ist beispielsweise die damals

81-jährige Bewohnerin Philippine O.

Sie war bis ins hohe Alter hinein rüstig,

hat immer gern getanzt, auch zur Freude

der anderen Bewohnerinnen. Bis

noch einen Umzug nach Laurenburg.

Dieses Foto

von Fritz Lau

stammt aus

dem Jahr 1947.

1931, da war sie fast 72, schälte sie Kartoffeln,

putzte Gemüse für das Mittagessen.

Als sie das nicht mehr konnte,

weil die Augen nachließen, machte

sich Philippine anderweitig in der

Hauswirtschaft nützlich. Sie wurde gebraucht.

Ganz besonders von F., eine

junger Bewohnerin, für die sie Verantwortung

übernimmt. Sie hilft ihr beim

Ankleiden, wird für sie zum Sprachrohr,

weil F. sich nicht verständigen kann.

1934 notieren ihre Betreuer: „Philippi-

ne O. besorgt mit großer Freundlichkeit

den ganz tief stehenden Pflegling

F.“ Am 23.2.1941 werden Philippines

Gemüt und ihre gesundheitliche Verfassung

vor dem Hintergrund ihrer inzwischen

81 Jahre wie folgt beschrieben:

„O. geht nicht mehr von der Abteilung

fort, sie sieht sehr schlecht. Im

ganzen ist sie noch recht munter,

macht gern einmal einen Spaß, freut

sich, wenn die anderen darüber lachen.“

Der letzte Eintrag in ihrer Akte

lautet dann „O. wird auf Anordnung

des Reichsverteidigungskommissars in

eine andere Anstalt verlegt.“ Hinter

diesen harmlos klingenden Worten

verbirgt sich ihre Vergasung vermutlich

in Hadamar im Rahmen der sogenannten

„Aktion T 4“.

Wie Philippine O. starben fast 1500

Menschen, die in Scheuern wohnten

oder die hier in der Zeit der sogenannten

Zwischenanstalt lebten, in der Tötungsmaschinerie

der Nationalsozialisten.

Fritz Lau hätte beinahe das gleiche

Schicksal geteilt. Der damals junge

Mann von 18 Jahren ist in letzter Minute

entkommen. Der heute 89-Jährige

erinnert sich noch an die NS-Zeit: „Da

haben sie Hitler gewählt. Der hat gesagt,

es gäbe zu viele Schwache, die

müssten weg. Dann hat er Soldaten

und Helfer gesucht und dann ging’s

los. Ich war nicht in einem Bus. Ich

musste auf einen Lastwagen mit Plane.

Aber da stimmte was nicht, hab ich mir

gedacht. Da hab ich mir ein Messer in

den Stiefel gesteckt. Der Fahrer ist ganz

langsam gefahren, da sind wir abgehauen

in den Wald. Eine Wildsau hat

mich angeknurrt.“ (Die Zitate von Fritz

Lau sind sinngemäß wiedergegeben.)

Später wurde Fritz Lau wieder nach

Scheuern zurück gebracht und vor die

Wahl gestellt: „Sie sagten, wenn ich

nicht arbeite, werde ich umgebracht.

Dann arbeitete ich bei einem Bauern,

Kühe und Schweine füttern, auf dem

Feld helfen. Nur sonntags hatte ich frei.

Ich war ja vorher schon mal faul, aber

wenn ich jetzt nicht hätte arbeiten

wollen, hätten sie mich wieder mitgenommen

und umgebracht.“ Erst viel

später, so sagt er, hätten Außenstehende

begriffen, was es mit den Bussen auf

sich hatte, dass an den vielen Gerüchten

über die Ermordungen, die sich in

der ganzen Region herumsprachen, etwas

dran war: „Da haben mir die Leute

geglaubt, dass das wahr ist.“

Die Stiftung Scheuern möchte die

Augen nicht vor dieser Wahrheit ver-

schließen. Nicht nur mit den jährlichen

Gedenkstunden am Samstag vor dem

Volkstrauertag gedenkt die Stiftung

Scheuern der vielen Menschen, die

nicht so viel Glück hatten, wie Fritz Lau.

Neben der Gedenkfeier erinnern das

Mahnmal im Hof des Standorts Nassau,

ein Gedenkstein mit den Namen der

Opfer aus Scheuern auf dem örtlichen

Friedhof und eine Stolperschwelle in

der Zufahrt zur Stiftung an die grausamen

Ermordungen. Zurzeit lassen sich

die Hintergründe der Greueltaten in einer

Ausstellung im Erdgeschoss des

Verwaltungsgebäudes nachlesen.

In der Gedenkveranstaltung am 17.

November 2012 führte Pfarrer und Direktor

Eckhard Bahlmann seine Gedan-

Hausspruch am Torbogen des

Alten Hauses.

ken zu Scheuerns dunkelstem Kapitel

aus: „‘Gott, der Herr ist Sonne und

Schild‘ – dieses Bibelwort steht gut lesbar

seit 1927 über dem Alten Haus der

Stiftung. ‘Gott, der Herr ist Sonne und

Schild‘. Auch als vor 70 Jahren immer

wieder graue Busse kamen, standen

diese Worte als Hausspruch an gleicher

Stelle. 1500 Menschen stiegen neben

ihnen in die Busse ein, oder wurden getragen,

und es begann sozusagen ihre

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schieht unter den Worten der Heiligen

Schrift himmelschreiendes Unrecht

auch in einer Einrichtung der Inneren

Mission. Auch 1941 war Euthanasie

eine Straftat. Es fehlten allerdings damals

die Ankläger.

Was kann unser alljährliches Reden

und Gedenken an dieser Stelle daran

nun nachträglich ändern? Eigentlich

nur eines. Dass wir offen das geschehene

Unrecht beim Namen nennen und

Gott und die Opfer um Verzeihung bitten.

Die Bitte um Vergebung sollte

dann aber auch Konsequenzen haben

für unsere Gegenwart und für die Zukunft.

Und die Bitte um Vergebung

sollte uns zu einem klaren Bekenntnis

für das Lebensrecht aller Menschen

führen, so wie es zum Beispiel die UNletzte

Reise ohne Wiederkehr – meist Konvention zur Inklusion zum Ziel hat.

nach Hadamar. Fast 1500 Menschen Das schreckliche Geschehen vor 70

kamen nicht zurück.

Jahren macht eindringlich deutlich, wie

„Gott, der Herr ist Sonne und Schild“. lebenswichtig und bedeutsam der Satz

Was mögen die, die lesen konnten, in der Stiftungssatzung ist, der den Stiftungszweck

beschreibt, dass die Stif-

beim Lesen gedacht haben: Keine

Angst? Alles wird gut? Gott beschützt tung Scheuern ihre Arbeit im Geist des

uns? Eine groteske Situation, allein Evangeliums tut. Dieser Geist des Evangeliums

ist eindeutig, jedem beim Versuch der Vorstellung. Da ge-

Menschen

Termine 2013

Fastnacht, Stadthalle Nassau 26.01.2013

Jahresfest 16.06.2013

Stiftungsfest 09.10.2013

Gedenken der Opfer der Euthanasie 16.11.2013

Adventsfeier 01.12.2013

zugewandt. Unter dem Geist des Evangeliums

gibt es weder Herrenmenschen

mit Sonderrechten und auch kein

lebensunwertes Leben, das rechtlos

wäre. Der Geist des Evangeliums, der

von der Liebe Gottes spricht, die allen

Menschen gilt, stellt sicher, dass nicht

die einen sich über die anderen stellen.“

Die Geschichte der Stiftung Scheuern

zeigt einen furchtbaren Irrtum auf.

Im Jahr 1937 glaubte man bestehende

finanzielle Engpässe lösen zu können,

in dem man mit der NS-Verwaltung ein

Abkommen traf, in dessen Folge die

Anstalt ihre Eigenständigkeit verlor

und staatliche Stellen das Sagen übernahmen.

Damals fragte man sich bei

der Inneren Mission, inwieweit die Anstalt

Scheuern überhaupt noch eine

christliche Einrichtung sei.

Es dauerte lange bis man auch in

Scheuern über diese Themen frei sprechen

konnte. Damit sich so etwas

Schreckliches nicht wiederholt, hat die

heutige Stiftung seit über einem Jahr

in ihren Leitlinien festgeschrieben:

„Zwischen 1941 und 1945 wurde die

damalige Anstalt Scheuern zu einer

‚Zwischenanstalt‘ im Rahmen der NS-

Euthanasie. Die Schuld aus dieser Zeit

ist unvergessen und Verpflichtung, uns

für das nicht verhandelbare Lebensrecht

eines jeden Menschen einzusetzen.

Denn wir sind eine christliche Gemeinschaft

mit lebendigen Formen des

Glaubens und der Nächstenliebe. Aus

dem Glauben schöpfen wir Hoffnung

und Tatkraft, die uns auch in Krisen

handeln lässt. ... Unser Selbstverständnis

ist geprägt von der Liebe Gottes zu

allen Menschen, so wie es Jesus Christus

gelebt und verkündigt hat. ... Mit

dieser Haltung arbeiten wir mit an einer

menschengerechten Gesellschaft,

die niemanden ausgrenzt.“

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt,

und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!

wünschen wir allen Bewohnerinnen und Bewohnern,

Mitarbeitenden, gesetzlichen Betreuern und Angehörigen,

Behörden, Institutionen und Geschäftspartnern.

Zugleich bedanken wir uns sehr herzlich für alle geleistete

Arbeit und die vielfältige Unterstützung. Auch

im nächsten Jahr werden wir zuversichtlich an unserem

großen Ziel weiterarbeiten, damit Menschen mit

und ohne Behinderung miteinander respektiert und

würdevoll in Gemeinschaft leben können.

Wir wünschen Ihnen ein friedvolles

und gesundes neues Jahr.

Jes 60,1

Frohe und gesegnete Weihnachten

Erich Czeschlik, Vorstandsvorsitzender

Pfarrer Eckhard Bahlmann, Direktor

Birgit Klaiber, Leiterin Wohnen

Bernd Feix, Leiter Arbeit

Norbert Hartmann, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung

Pfarrerin Andrea Beiner, Ev. Kirchengemeinde

und Vorsitzende des Förder- und Freundeskreises

der Stiftung Scheuern e. V.

Christa Schienmann, Vorsitzende des Bewohnerrates

Mark Solomeyer, Vorsitzender des Werkstattrates

Dr. Elisabeth Schmitt, Vorsitzende des Betreuerrates

Nassau, im Dezember 2012

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Jahreslosung 2013

Wir haben hier keine bleibende Stadt,

sondern die zukünftige suchen wir.

Hebr 13,14

Impressum:

Stiftung Scheuern

Am Burgberg 16

56377 Nassau

www.stiftung-scheuern.de

Herausgeber:

Eckhard Bahlmann,

Pfarrer und Direktor (V.i.S.d.P.)

Druckauflage: 3.400

23. Ausgabe, Copyright 2012

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