Der heilige Quirinus im Oberland

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Der heilige Quirinus im Oberland

Ein Unterrichtswerk für die Mittelstufe

erstellt vom P-Seminar Latein des

Gymnasiums Tegernsee

2011/2012/2013


Der heilige Quirinus im Oberland

Ein Unterrichtswerk für die Mittelstufe

erstellt vom P-Seminar Latein des

Gymnasiums Tegernsee 2011/2012/2013

bearbeitet von

Susanne Bichlmair

Moritz Esch

Tizian Friedrich

Lavinia Hoffmann

Julia Holzer

Josefa Jank

Magda Krüger

Christine Meinecke

Theresia Pilz

Julia Sanftl


Inhaltsverzeichnis

Vorwort S. 4

I. Die Legende des Heiligen Quirinus S. 5

II. Auf den Spuren der lateinischen

Sprache in Münchens Innenstadt S. 58

1. St. Quirinus in München -

Rahmengeschichte S. 59

2. Vokabelverzeichnis S. 72

3. Sehenswürdigkeiten S. 74

III. Quellen S. 109


Dieses Buch entstand im Rahmen des P-Seminars Latein mit dem

Thema „Auf den Spuren der Antike in und um Tegernsee – Die

Legende vom heiligen Quirinus“. Unser Projekt gliederte sich in

zwei große Teilbereiche: Zum einen haben wir den lateinischen

Text „Die Legende des heiligen Quirinus von Tegernsee“ digital

aufbereitet und mit Zusatzfragen, Hintergrundinformationen und

aktuellen Fotos versehen, sodass die Legende nun in ansprechender

Form als Lektüre in der 9. Jahrgangsstufe gelesen werden

kann. Zum anderen war es unsere Aufgabe, eine Stadtführung

durch München zu entwerfen, bei der die teilnehmenden Mittelstufenschüler

„auf den Spuren“ der Antike durch die bayerische

Landeshauptstadt geführt werden. Denn in dieser Hinsicht hat

München, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet,

eine Menge zu bieten.

Zur Realisierung der Projektidee wurden verschiedene Arbeitsgruppen

gebildet. Es gab eine Art „Redaktion“, bestehend aus den

Schülern Moritz Esch, Tizian Friedrich, Lavinia Hoffmann, Julia

Holzer, Josefa Jank, Theresia Pilz und Julia Sanftl. Die Aufgabe

der „Layoutgruppe“ mit Susanne Bichlmair und Magdalena

Krüger bestand darin, die verfassten Texte anschließend in eine

druckfertige Form zu bringen.

An dieser Stelle bedanken wir uns bei Karoline Kreidel (Klasse

7a) für die Illustrationen, bei Tobias Sanberger (Q12) und Uta

Schwende für Fotografien in diesem Buch.

Ein besonderer Dank gilt dem Druckhaus am See in Gmund mit

seiner Grafikerin Fr. Krell, ohne deren große Unterstützung und

Hilfe das Projekt nicht realisierbar gewesen wäre,

und dem J. Lindauer Verlag für die Bereitstellung der Originalexte

mit den dazugehörigen Anmerkungen.

Dank auch an den Elternbeirat des Gymnasiums für die großzügige

Spende, durch die eine Textausgabe von Schülern für Schüler des

Gymnasiums entstehen konnte.

- 4 -


DIE LEGENDE DES

HEILIGEN QUIRINUS

- 5-


LEBEN, MÄRTYRERTOD, BEGRÄBNIS UND

RUHM DES HEILIGEN QUIRINUS

KAPITEL I

Z. 8/9:

consors regni:

der Mitregent

(die Ernennung

erfolgte 247);

Z. 9: generare:

vergleiche: parere

Z. 12/13: fonti

immersus: Hinweis

aufeine bestimmte

Art der Taufe,

immergere:

eintauchen

Z. 14: scilicet:

nämlich

5

10

15

Anno urbis conditae

millesimo,

anno vero Christi ducentesimo

quadragesimo sexto regnavit

cum Philippo filio suo

Philippus imperator annis

septem;

quem filium consortem sibi

fecit regni generans filium

ex Severa uxore sua,

quem Quirinum nominavit.

Et a Fabiano papa sacro fonti

immersus cum liberis,

scilicet Philippo et Quirino,

ac omni familia sua fidem

adeptus est catholicam.

- 6-


ANMERKUNGEN;

Zeile 11: "Quirinus":

Dass er Sohn des Philippus Arabs war, lässt

sich historisch nicht nachweisen.

Zeile 12: "Fabiano papa":

Fabian war Papst von 236-250.

FRAGEN:

1) Z. 8/9: "quem consortem sibi fecit":

Welche grammatikalische Erscheinung tritt hier

auf?

2) Z. 12/13: "fonti immersus":

Worauf bezieht sich "immersus"?

3) Z. 15/16: "fidem adeptus est catholicam":

Auf welches Wort bezieht sich "catholicam"?

Welches Stilmittel wird hier verwendet?

- 7-


Z. 7: alitus = altus

Z. 15: idolum:

(griech.):

Götze(nbild)

5

10

15

Sed occiso patre Philippo et

fratre Philippo septennis

Quirinus remansit post patris et

fratris mortem pro Christi

nomine occisorum,

matri Augustae adhaerens

alitusque amore dilectissimae

suae matris.

Elapsis annis viginti,

anno scilicet Christi

ducentesimo

undeseptuagesimo, Claudius

adeptus est imperium

edictum dans,

ut Christiani aut idolis

sacrificarent

et Christum negarent aut

diversis suppliciis interirent.

- 8-


ANMERKUNGEN

Z. 1: "Occiso":

Vater und Sohn Philippus fielen 249 im

Kampf gegen ihren Nachfolger Decius, der

als Gegenkaiser ausgerufen worden war.

Z. 6: "Augusta":

offizieller Titel, den Severa als Gemahlin

des Kaisers trug. Als Christin soll sie

Genoveva geheißen haben.

Z. 12: "Claudius":

Claudius II. Gothicus (268-270); das Edikt

stammt nicht von ihm, sondern von Decius

(249-251), der damit eine umfassende

Christenverfolgung einleitete.

FRAGEN

1) Z. 2: "septennis": Aus welchen zwei

lateinischen Wörtern besteht die prädikative

Altersangabe?

2) Z. 9-18: "Elapsis annis" bis "suppliciis

interirent": Führe eine Satzanalyse durch!

- 9 -


MARCUS IULIUS PHILIPPUS ARABS...

... wurde um 204 in der Stadt Shahba (später

Philippopolis genannnt) als Sohn des arabischen Scheichs

Iulius Marinus geboren. Im Jahre 244 wurde er zum

Kaiser ernannt. Während seiner Herrschaft führte er

diverse Feldzüge an der Donaugrenze. Da diese oft

siegreich waren, legte er sich bald den Titel Germanicus

Maximus zu. Das größte Ereignis seiner Herrschaft war

die Tausendjahrfeier seit der Stadtgründung Roms.

Kaiser Philippus Arabs starb im September 249 in einer

Schlacht bei Verona gegen seinen Kontrahenten Gaius

Decius.

Philippus Arabs,

Trabeabüste, Rom,

Vatikanische

Museen, Braccio

Nuovo, Foto:

Anderson, Quelle:

Institut für

Klassische

Archäologie und

Antikensammlung,

Erlangen

(http://www.aeria.

phil.unierlangen.de)

- 10 -


KAPITEL II

Z. 2: edictum: vgl.

deutsches Wort

Z. 2: sitire aliquid:

dürsten nach etwas

Z. 3: cervus: Hirsch

Z. 5: publicare: vgl.

deutsches Wort

Z. 7: quaestionarius:

Folterknecht

Z. 7: coram: in

Gegenwart von

Z. 11: ergänze:

nullum (deum)

potiorem (esse);

Z. 11: proclamare:

vgl. proklamieren

Z. 13: atrox:

schrecklich

Z. 13: addicere:

bestrafen

Z. 14: carcer: vgl.

deutsches Wort

Z. 14: mancipare ≈

tradere

Z. 15: occulte ≈

clam

Z. 17:artus:

straff,fest

5

10

15

Sanctus Quirinus audiens

edictum sitiens martyrium

quasi cervus fontem

gaudebat, quod eius fama

Claudio publicabatur.

Quirinus igitur

a quaestionariis coram

Claudio interrogatur, quem

deum adoret. Christum se

adorare fatetur interritus et

nullum potiorem proclamat.

Statim Christi martyr

atrocibus poenis addicitur

et carceri mancipatur.

Sanctus martyr occulte

trans Tiberim ducitur et

sub arta custodia carceri

includitur.

- 11 -


FRAGEN

1) Z. 1: Welche grammatikalische

Erscheinung liegt im ersten Satz vor?

2) Z. 9ff: Um welche grammatikalische

Konstruktion handelt es sich im 3. Satz?

3) Z. 9: Erkläre die Verwendung des

Konjunktivs bei „adoret“!

ZUM PROZESSVERFAHREN GEGEN DIE CHRISTEN:

Kaiser Trajan gibt auf eine entsprechende Anfrage

seines Statthalters Plinius folgende Anweisungen:

Conquirendi non sunt.

Si deferantur et arguantur, puniendi sunt.

Qui negaverit se Christianum esse, veniam ex

paenitentia impetret (paenitentia = supplicando

dis nostris).

Sine auctore propositi libelli in nullo crimine

locum habere debent.

- 12 -


KAPITEL III

Z. 7: interemptio:

Hinrichtung

Z. 8: metus

popularis: Furcht

vor …

Z. 10: perductio:

Aufführung,

Vorstellung

Z. 12: addicere

aliquem neci: die

Todesstrafe über

jmd. aussprechen

Z. 13: iubetur:

davon abhängig:

unpersönlicher AcI

(carcerem adiri)

und persönlicher

NcI (martyr

decollari)

Z. 13: strepitus:

Geräusch

Z. 15: apparitor:

Henker

Z. 16: inclitus:

ruhmreich

Z. 16: decollare:

enthaupten

Z. 17: furtim

subtrahere:

verstohlen

abtransportieren

5

10

15

Iterum reductus furiosi

Caesaris iudicio advocatur.

Et secreta deliberatione

habita compertum est

a sapientioribus meliorem

et securiorem esse tanti

principis interemptionem

occultam propter metum

popularem quam in publica

perductione . Quod cum

placuisset, statim beatus

martyr neci addicitur.

Et iubetur sine strepitu

carcerem adiri et

ab apparitoribus martyr dei

inclitus decollari. Et sic

miles Christi furtim subtrahitur

et clam decollatur.

- 13 -


FRAGEN

1) Z. 3: Erstelle eine Satzanalyse für den

Satz („Et secreta deliberatione… in publica

perductione“)!

Achte darauf, dass „interemptionem

occultam“ und „in publica perductione

(interemptionem)“ eine Antithese darstellen!

2) Z. 3: Wie heißt die grammatikalische

Konstruktion bei „secreta deliberatione

habita“?

3) Z. 5/6: Um welchen Steigerungsgrad

handelt es sich bei „sapientioribus",

"meliorem" und "securiorem“?

Bilde davon jeweils die Superlative!

4) Z. 13: Welche Stilmittel lassen sich

im 4. Satz („Et iubetur… inclitus decollari“)

finden?

- 14 -


KAPITEL IV

Z. 2: decollatio die

Enthauptung

Z. 2: passio sua:

seine Leidensgeschichte;

statt

sua müsste eius

stehen, da princeps

weder im ut-Satz

noch im übergeordneten

Satz

Subjekt ist

Z. 3: occultare:

verbergen,

verstecken (hier

auch verschweigen)

Z. 8: dicere hier:

nennen

Z. 8: appelli:

angetrieben werden

Z. 9: presbyter

(griech.) eig.:

"Älterer", Priester

Z. 13: crypta

(griech.): eig.:

"verborgener

Gang", Gewölbe,

Gruft

Z. 14: octavo

(ante) Calendas

Apriles: achter Tag

der Kalenden des

April, also der

25. März

5

10

15

Teil 1: Post decollationem

tanti principis ut passio sua

occultaretur et corpus

incognitum permaneret,

proiectum est in Tiberim;

quod in insula Lycaoniae

nunc Sancti Bartholomaei

dicta appulsum.

A presbytero quodam,

Pastore nominato,

repertum sepelitur

in coemeterio Pontiani

in crypta cum aromatibus

noctu octavo Calendas

Apriles.

- 15 -


Z. 3: incorruptum:

unverdorben

Z. 3: putredo, -inis:

Verwesung

Z. 4: illaesum:

verneintes PPP zu

laedere

Z. 4: requiescere:

ruhen

Z. 7: prodigium:

Zeichen,

Vorzeichen

Z. 8: miraculum:

Wunder

Z. 8: eo:

in solchem Maß

Z. 8: usque:

unaufhörlich

Z. 9: illustrare:

verherrlichen

Z. 11: excellentia

venerationis:

hervorragende

Verehrung

Z. 12/13: nulli

secundus haberi:

hinter niemand

zurückgesetzt

werden

5

10

Teil 2: Ubi quadringentis et

octoginta duobus annis

incorruptum et a putredine

illaesum requievit usque ad

tempora Pippini, regis

Francorum, Caroli Magni

parentis, divinis prodigiis ac

miraculis eo usque

illustratum, ut ab universis

Romanis Divus Quirinus

excellentia venerationis nulli

post Sanctos Apostolos

haberetur secundus.

- 16 -


ANMERKUNGEN TEIL 1

Z. 6/7: "insula Lycaoniae":

Gemeint ist die Tiberinsel, auf der sich im

Altertum ein Tempel des Lykaon befand.

Seit dem Mittelalter steht auf der Insel die

Kirche des hl. Bartholomäus.

Z.12: "coemeterium" (griech.)

eig.: "Schlafstätte", Friedhof;

auch für unterirdische Friedhöfe verwendet,

bis im 10. Jh. die Bezeichnung Katakomben

auftrat.

Z. 13: "Pontianus": reicher Römer, der nach

seiner Bekehrung zum Christentum der

jungen Kirche sein Vermögen übereignete,

darunter wohl auch ein Grundstück, auf dem

ein unterirdischer Friedhof angelegt wurde:

die spätere Katakombe des hl. Pontianus,

eines der größten Katakombenquartiere.

- 17 -


ANMERKUNGEN TEIL 2

Z. 1: ubi: Aufbau des Satzes:

Ubi (corpus)... incorruptum et... illaesum

requievit usque ad...

divinis... eo illustratum

ut... Quirinus...nulli...haberetur

secundus.

Z. 5: tempora Pippini:

Die Erwähnung Pippins und Karls des

Großen ist ein Hinweis darauf, dass der

bayerische Adel, aus dem die Klostergründer

stammten, nicht auf Seiten des bayerischen

Herzogs stand, sondern zum Frankenkönig

und dessen Sohn hielt.

- 18 -


FRAGEN

1) Teil 1, Z. 2f:"...ut passio sua

occultaretur..":

Bestimme den Gebrauch des "ut"!

2) Teil 1, Z. 5: "proiectum est":

Bestimme die Form!

3)Teil 1, Z. 13: "...cum aromatibus..." :

Bestimme den hier verwendeten Ablativ!

4) Untersuche den Text auf Gerundium/

Gerundivum!

5) Teil 2, Z. 9: "...ut ab universis

Romanis...":

Bestimme den Gebrauch des "ut"!

- 19 -


Die Leiche des Quirinus wird in den Tiber

geworfen. Zeichnung: Karoline Kreidl

- 20 -


KAPITEL V

Z. 5: mereri vgl.

merere üs: aktiv

Z. 6: lingua

absoluti: stumm

Z. 8: febricitare:

fieberkrank sein

Z. 9: salus (hier):

Gesundheit

Z. 10: mancus:

verstümmelt

Z. 10: restauratio:

Wiederherstellung

(zu ergänzen:

salutis)

Z. 11: leprosus:

aussätzig

Z. 11: munditia:

Reinheit

Z. 15: intercessio:

Fürsprache

Z. 16: dignari vgl.

dignus:

für würdig halten,

dass; geruhen

5

10

15

In quo loco divina beneficia

consequuntur,

qui credentes in dominum

nostrum Jesum Christum

illuc merentur aditum:

lingua absoluti laudem deo

canebant;

febricitantes medicinam

recipiunt salutis,

manci restaurationem;

leprosi munditiam carnis

acceperunt.

Et cum haec et his similia

deus omnipotens

per intercessionem sancti

martyris operari dignaretur,

- 21 -


Z. 21: affectus

venerationis:

Ehrfurchtsgefühl

Z. 24: haberi + doppelter

Nominativ:

ansehen als

(Passiv!)

20

coepit fama eius longe

lateque clarescere ita, ut a

senatu et ab omni populo

Romano in tam magno

venerationis affectu

coleretur, ut post Apostolos

inter eos nominatissimus

haberetur.

Der heilige

Quirinus heilt

Verstümmelte,

Fieberkranke,

Aussätzige

und Stumme.

Pfarrkirche

St.Quirinus

Tegernsee,

Foto: Tobias

Sanberger

- 22 -


ANMERKUNGEN

Z. 18: "clarescere" (vgl. clarus) gehört zu

den Verba incohativa. Welchen Aspekt

drückt das Infix -sc- aus?

FRAGEN

1) Z. 9: Um welchen Genitiv handelt es sich

bei „salutis“?

2) Z. 17f: Um welche Form handelt es sich

bei „longe et late“?

Bilde die Steigerungen!

3) Z. 23: Bestimme „nominatissimus“!

Gib die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten

an!

- 23 -


KAPITEL VI

Z. 2: scedula:

Blatt Papier

Z. 3: passio, onis:

das Leid;

Leidensgeschichte

Z. 3: adscribere : üs:

ad + scribere

Z. 7: declarare:

verkünden

Z. 7: dignari: vgl.

Kommentar Text V

FRAGEN

5

Sed miror, quod in tam

parva scedula memoria

passionis eius adscribitur,

cum tanta miracula

post passionem suam

dominus omnipotens

declarare dignaretur …

1) Z. 3: Bestimme den Genitiv „passionis“!

2) Z. 4: Gib die verschiedenen

Übersetzungsmöglichkeiten von „cum“ an!

3) Z. 7: Bestimme die Form von

„dignaretur“! Bilde die Form im

Perfektstamm!

- 24 -


KAPITEL VII

Z. 1: incessu

temporis :

im Gang der Zeit

Z. 2: evolventibus

annis:

im Verlauf der Jahre

Z. 6: germanus:

leiblich

Z. 7: famosus:

ruhmvoll

Z. 9: praedium:

Grundstück, Gut

Z. 13f: assiduare ad

piscium praedam:

sich dauernd mit

dem Fischfang

beschäftigen

Z. 14f: facti sunt

iuxta:

sie wurden genau

das

5

10

15

Igitur dum incessu temporis

evolventibus annis haec et

his similia per sancti martyris

merita gererentur, erant in

provincia Noricorum duo

germani fratres Adalpertus et

Otkarius, viri famosi atque

laudis enormes.

Erant eis praedia in pago

australi iuxta lacum

Tegerinsevensem una silva

interveniente.

Qui dum assiduarent ad

piscium praedam, facti sunt

iuxta quod dominus ad

Apostolos dixit:

piscatores hominum.

- 25 -


ANMERKUNGEN

Z. 5:

Norici: Einwohner der Provinz Noricum;

diese umfasst das Gebiet der Ostalpen.

Z. 9: pagus australis: Südgau;

Die Gegend, in der die Stifter begütert

waren und die vom Tegernsee durch einen

Wald getrennt war, dürfte Warngau oder

Weyarn/ Valley gewesen sein.

Z. 17: piscatores hominum:

Anspielung auf Matth. 4, 19

FRAGEN

Z. 14: Wiederhole die Formen von fieri!

- 26 -


KAPITEL VIII

Z. 2: divinus cultus:

Verehrung Gottes

Z. 3: stirpare: roden

Z. 4: emundare:

völlig reinigen

Z. 5: aedificantes:

gibt wohl mehr die

Absicht an

Z. 7: Salvator: der

Erlöser

Z. 9: adiungere:

beiziehen

Z. 9: caementarius:

Steinhauer, Maurer

Z. 11: Die folgenden

Infinitive

bezeichnen hier den

Zweck der Reise

Z. 12: limen, inis:

(hier:) Wohnung,

Stätte

Z. 14: annuere:

vgl. adnuere

5

10

15

Respicientes iuxta lacum

locum divino cultu aptum

stirpare atque locum

incultum emundare

coeperunt aedificantes ibi

basilicam in honorem

domini Salvatoris atque

aliam aedificare statuentes.

Adiunctis caementariis

aliisque necessariis (rebus

iussis) ipsi Romam profecti

sunt limina sanctorum

quaerere ac domino

annuente inde aliquas

reliquias sanctorum secum

adducere.

- 27 -


ANMERKUNGEN

Z. 8: aliam: zu ergänzen "basilicam":

Es ist also von zwei Kirchen die Rede,

einer kleinen Erlöserkirche und einer großen

Basilika, die Petrus und Paulus geweiht war.

Als Gründungsjahr gilt 746.

FRAGEN

1) Nenne die Anzahl der ablativi absoluti

und participia coniuncta in Kapitel VIII!

2) Z. 5: coeperunt: Nenne die

Stammformen!

- 28 -


EINSCHUB ZU KAPITEL VII UND VIII

Friedrich Prinz: Bayern als monastische Landschaft,

Münchener Stadtanzeiger,

35. Jahrgang Nr. 82 vom 19.10.1979, S.5, beschreibt die

Anlage eines frühmittelalterlichen Klosters:

Wie ein funkelnagelneues Kloster des Frühmittelalters

aussieht, das können wir uns recht gut vorstellen.

Es gibt nämlich den sogenannten "St.Galler Klosterplan" aus

dem frühen 9. Jahrhundert, eine mit Recht berühmte

Architektenzeichnung eines karolingischen Musterklosters...

Es ist fast eine geistliche Stadt, die uns dieser Klosterplan

zeigt- eine Stadt mit Schutzmauern umgeben, ein Kosmos

von Gebet, Arbeit, Forschung und Kunst, in dem Geistliches

und Weltliches eng miteinander verbunden sind. Hier

Mönchszellen und Refektorium - dort Knechte- und Mägdekammern;

hier Kirche, Kreuzgang und Heilkräutergarten -

dort Küche, Vieh- und Hühnerställe und Schülerseminar; hier

Abtwohnung und Kapelle - dort Palatium für den König und

sein Gefolge; hier Sakristei und Friedhof - dort Werkstätten,

Rüstkammern und Pferdeställe und Wassermühlen für das

Klostergetreide und das Korn der zinspflichtigen

klostergrundherrschaftlichen Bauern. Vergessen wir auch

nicht, dass ein Kloster als Vorratszentrum mit Krankenhaus,

Apotheke und Armenversorgung zugleich die erste Entwicklungsstufe

dessen war, was man heute soziale Fürsorge

nennt.

- 29 -


KAPITEL IX

In Rom verpflichten sich die beiden dem

Papst dadurch, dass sie für ihn Krieg führen

und seine Feinde besiegen. Darauf verspricht

der Papst ihnen die Erfüllung eines

Wunsches; sie bitten um Heiligenreliquien,

und zwar um den Leichnam des heiligen

Märtyrers Quirinus.

KAPITEL X-XVI

Von hier an wird der Text wird in zwei

Versionen gegeben:

Version 1 (Kapitel Xbis XVI) nach der

Handschrift des X.Jh.

Version 2 (Kapitel Xbis XV), entnommen aus

den Acta Sanctorum, herausgegeben von

Johannes Bollanden, Antwerpen 1668.

- 30 -


KAPITEL X (VERSION 1)

Z. 2: expavescere;

erschrecken

Z. 4: contra dicere:

sich dagegen

aussprechen

Z. 5ff: in magno

venerationis amore

haberi apud:

von jemandem mit

großer Liebe

verehrt werden

Z. 8: lectum: hier

Bahre, Grab

Z. 10: infirmitate

detineri:

von Krankheit

gequält werden

FRAGEN

5

10

Quo audito vir dei

vehementissime expavit et

hoc se facere negavit metu

Romanorum. Contra dixit,

quia apud illos in magno

venerationis amore

habebatur, quia, quisquis

ad lectum eius cum fide recta

veniebat, quacumque

detinebatur infirmitate, sanus

redibat.

1) Z. 1: Gib die beiden Konstruktionen,

die in "quo audito" enthalten sind, an!

2) Z. 3: Welche Konstruktion ist "hoc se

facere"?

3) Z. 4: In welchem Kasus steht

"Romanorum"?

- 31 -


KAPITEL XI (VERSION 1)

Z. 1: enixe:

Adverb von

enixius: inständig;

im Komparativ

Z. 2: exorare:

bitten, erbitten

Z. 3: supplere =

implere

Z. 4: blandus:

schmeichelnd,

höflich

Z. 7/8: ad optatum

punctum esse:

am gewünschten

Ort sein (gemeint

ist Tegernsee)

Z. 9: obtemperare

= parere

Z. 9: effectus, us:

Erfüllung

5

10

Illi autem enixius

exorabant, ut promissa

suppleret.

At ille blande alloquitur eos

dicens: ,,Quid est, filii,

thesaurum accipere,

si ad optatum non fuerit

punctum? Si praeceptis

meis obtemperare velitis,

effectum desiderii vestri

consequi poteritis." Illi

autem hoc libentissime se

suscipere dixerunt.

- 32 -


Z. 1/2: ad propria

ire: nach Hause

gehen

Z. 4: missus: Bote

Z. 4: cautus:

vosichtig

Z. 6: devotus:

ergeben

Z. 7: roborare:

stärken

Z. 8: ovare: jubeln

5

Teil 2: At ille: ,,Ite cum pace

ad propria et,

quam citissime potestis,

cautos missos mittite!

Ego desideriis vestris

satisfacio devotus."

Illi autem consilio roborati,

laeti de promissis ovantes

in suam patriam sunt reversi.

- 33 -

Der Heilige

Quirinus,

Zeichnung:

Karoline

Kreidl


FRAGEN

1)Teil 1, Z. 5: Nenne die Art des Partizips,

das aus "dicere" gebildet wurde, und die

Konstruktion, die sich ergibt! Welche

Sinnrichtung weist sie vor?

2) Teil 1, Z. 11ff: Welche Konstruktion

findet sich im Satz "Illi autem hoc

libentissime se suscipere dixerunt"?

3) Teil 2, Z. 7: Wie nennt man die

Konstruktionen bei "consilio roborati" und

"de promissis ovantes?

4) Teil 2, Z. 9: Beachte die Form

"sunt reversi". Was fällt auf?

- 34 -


Kapitel XII (Version 1)

Z. 2: tulerunt: hier:

nehmen;

Z. 3: seu: oder;

Z. 4: venerabilis:

ehrwürdig;

Z. 5ff: ad eius

clementiam

dirigere: zu seiner

Güte schicken;

Z. 11f: noctis

conticinium:

Mitternacht;

Z. 14: condere:

hier: einsargen,

Z. 15: signaculum:

Siegel;

Z. 16: signare:

versiegeln;

Z. 17: praesentare:

übergeben

5

1 0

1 5

Et facto consilio

tulerunt Uthonem,

cognatum suum, seu

alios venerabiles viros

cum magno apparatu ad

eius clementiam

direxerunt. At illi cum

cito cursu Romam

pervenerunt, tunc vir

dei, promissionis suae

non immemor, in noctis

conticinio (corpus

sanctum) caute atque

venerabiliter conditum

atque signaculo

signatum, sicut

promisit, praesentavit,

- 35-


20

praecipiens eis caute

observandum, ne rumperetur

signaculum, et admonens

eos, ut per aliam viam

reverterentur, ne per vim a

Romanis raperetur ab eis.

ANMERKUNGEN

1) Z. 2: "Utho": späterer Abt des von

Tegernsee aus gegründeten Klosters

Illmünster

2) Z. 19: "observandum":

das Gerundivum beinhaltet hier die

Aufforderung: "sie sollten..."

Fragen:

Z. 7-23: "At illi...": Fertige eine Satzanalyse

an!

- 36 -


KAPITEL XIII (Version 1)

Z. 1/2: viam

regiam declinare:

die Hauptstraße

vermeiden

Z. 7: fatigatio:

Müdigkeit

Z. 8: nescio:

vermutlich

5

10

15

Illi autem viam regiam

declinantes, sicut erant edocti,

rapido cursu usque ad montem

Barbam pervenerunt ibique de

Romanorum metu securi esse

coeperunt. Et cum ibi propter

fatigationem requiescere

vellent, nescio quia mero

pleni, aut, quod magis

aestimo, ad declaranda sancti

martyris merita coeperunt

inter se disputando quaerere:

„Quare praecepit nobis

dominus papa, ne rumperemus

signacula?

- 37 -


FRAGEN

1) Z. 2: Um welche Konstruktion handelt es

sich bei "declinantes"?

2) Z. 10: Charakterisiere "ad declaranda"!

3) Z. 11: Bilde eine Tempusreihe zu

"coeperunt"!

ANMERKUNGEN

Teil 1, Z. 4: "mons Barbam": vielleicht ein

Berg in der Nähe von Modena beim

Städtchen Corregio, wo der heilige Quirin

Stadtpatron ist.

- 38 -


Z. 1: forsitan:

vielleicht

Z. 1: per ironiam:

zum Scherz

Z. 3: baiulare:

schleppen

Z. 7: cooperator:

Deckel

Z. 7: sublevare:

removere

Z. 10: eructare:

prorumpere

Z. 11: fulgur:

Blitzschlag

5

10

Forsitan per ironiam

mandavit nobis, ne sciremus,

quid baiulare habeamus.“

Initoque consilio rupto

signaculo dum prohibita

videre voluerunt, statim ut

coopertorium sublevare

conati sunt, divina maiestas

in modum ignis flammantis

eructans – omnes, qui

aderant, velut fulguris ictu

perempti sunt.

Die Klostergründer werden von dem Vorfall

verständigt und schicken vertrauenswürdige

Leute, welche die Reliquien rasch

in die Nähe des Tegernsees bringen:

- 39 -


KAPITEL XIV (Version 1)

Z. 1: obvia: entgegen

Z. 2: ecclesiasticus, i

m.: Geistlicher

Z. 3: laicus, i m.:

Laie

Z. 3: sexus,sexus m.:

das Geschlecht

Z. 4/5: magna

letaniarum laus:

große Lobgesänge

Z. 5/6: cantica

spiritalia:

geistliche Lieder

Z. 8: secus litus:

am Ufer

Z. 9: modicum:

ein wenig

Z. 10/11: se elevare:

sich erheben

Z. 12: feretrum:

die Totenbahre

Z. 14: lucidus:

hell,klar

Z. 14/15: gustu

suavis:

süß im Geschmack

Z. 15: tactu salubris:

heilsam bei

Berührung

Z. 17: sanitas:

Heilung

5

10

15

Obvia eis ierat turba multa

ecclesiasticorum ac

laicorum utriusque sexus.

Et cum magna letaniarum

laude ac canticis

spiritalibus usque ad

Tegarinsee pervenerunt.

Qui tum secus litus

modicum requiescere

voluerunt. Dum deinde se

elevare coeperunt, ubi

feretrum cum sancto

corpore positum erat, fons

lucidus emanabat gustu

suavis et tactu salubris.

Sed adhuc multae ibi

sanitates per domini

virtutem efficiuntur.

- 40 -


ANMERKUNGEN

Z. 14: "emanare": entspringen

In der Übersetzung ist dieses Verb

vor den ubi-Satz zu stellen.

FRAGEN

1) Z. 8: Wie nennt man die Satzkonstruktion

von "Qui" bis "voluerunt"?

2) Z. 1/2: Wie nennt man das Stilmittel,

das bei "turba multa" und "ecclesiasticorum

ac laicorum" verwendet wird?

3) Finde eine Alliteration im Text!

- 41 -


KAPITEL XV (Version 1)

Z. 2: gestare:

tragen, fahren

KAPITEL XVI

XV) Et cum magnis laudibus

gestaverunt eum in basilicam

Salvatoris mundi, donec

templum dignum in honorem

eius exstrueretur.

Im abschließenden Teil der Legende wird

von Wundern berichtet:

Bei der Umbettung des Heiligen aus der

Salvatorkirche in die neuerbaute Basilika -

sie war ursprünglich dem heiligen Petrus

geweiht - fing der Leichnam des Heiligen zu

bluten an, und an seinem Grab in der neuen

Kirche fanden ein Blindgeborener und ein

spastisch gelähmtes Mädchen Heilung.

- 42 -


Die dem heiligen Quirinus gewidmete Kapelle

in Sankt Quirin. Zeichnung: Karoline Kreidl

- 43 -


KAPITEL X (Version 2)

Z. 2: attonitus

similis: einem

gleichend, der vom

Donner gerührt ist

Z. 3: obstupescere:

in Bestürzung

geraten

Z. 4: pollicitum,i n.:

Versprechen

Z. 5: liberalis, e:

freigebig

Z. 5: dandum, i n.:

Erfüllung

Z. 5: paenitet: es reut

Z. 6: excusare: vgl.

to excuse (engl.)

Z. 7: annuere:

zustimmen

Z. 12: prior in

optatis: erwünschter

5

10

Talibus auditis summus

pontifex attonito similis

obstupescere,

pollicitis liberalior quam

dandis et promissi

paenitens sese excusare

metu civium Romanorum

non posse annui postulatis,

quibus nihil esset Sancto

Quirino carius nec

quisquam sanctorum

in optatis prior .

- 44 -


FRAGEN

1) Beachte beim Satzbau:

Die Hauptverben (obstupescere/ excusare)

stehen im historischen Infinitiv.

Was soll damit bewirkt werden?

2) Z. 5: "dandis" :

Welche grammatikalische Erscheinung ist

das?

3) Z. 9/10: "Sancto Quirino" :

Wie lautet die korrekte grammatikalische

Bezeichnung für diesen Kasus?

- 45 -

Die Gründer

des Klosters

Tegernsee

746: Otkar

und Adalbert,

Fresko von

Hans Georg

Asam

Pfarrkirche

St.Quirinus

Tegernsee,

Foto: Tobias

Sanberger


KAPITEL XI (Version 2)

Z. 2: quercus: Eiche

Z. 3: verbera,-um n.:

Schläge

Z. 5: succumbere:

nachgeben

Z. 6/7: dilatione

temporis interposita:

nach Ablauf einer 5

Aufschubfrist

Z. 8: subornare

(hier): herschicken

Z. 9: voti sui

damnari: seinen

Wunsch erfüllt

bekommen

Z. 13: donatio, onis

f.: Schenkung 10

Z. 14:

emeritus,a,um:

verdient

Z. 15: strenuitas, atis

f.: Regsamkeit

Z. 16: stipendium, i

n.: Entlohnung

15

Sed ut uno ictu non cadit

quercus, repetitis tamen

verberibus tandem cedit,

ita precibus multiplicatis

summus pontifex succubuit,

hac tamen lege, ut dilatione

temporis interposita per

nuntium occulte subornatum

voti sui damnarentur

ad cavendam seditionem

inter cives facile

subsecuturam cognita

donatione …

Illi tanto emeritae

strenuitatis pietatisque

stipendio promisso laeti

in patriam rediere.

- 46 -


Die Brüder Otkar und

Adalbert bitten den Papst um

den Leichnam des heiligen

Quirinus, Fresko von Hans

Georg Asam Pfarrkirche

St.Quirinus Tegernsee,

Foto: Tobias Sanberger

FRAGEN

1) Z. 11: "Ad cavendam seditionem":

Um welche Konstruktion handelt es sich?

Welche Sinnrichtung wird durch das "ad"

festgegelegt?

2) Z. 18: "rediere": Wie lautet die Verbform

im klassischen Latein?

- 47 -


KAPITEL XII (Version 2)

Z. 3/4: virum

clericatus dignitate

insignem: einen

hohen geistlichen

Würdenträger

Z. 5: pignus, oris:

das Unterpfand (des

Glaubens, was die

Reliquien darstellt)

Z.: comitatus, -us:

das Geleit

Z. 7:destinare

(hier): entsenden

Z. 11: porrigere

(hier): vorweisen

Z.11/12: litterae

fidei habendae:

Beglaubigungsschreiben

Z. 12:expedire

summam: den

Zweck darlegen

Z. 13: pondus, eris:

Bedeutung

Z. 15: plaustrum:

Wagen

Z. 16: avehere: ab +

vehi (Infinitiv

Passiv steht statt

des Gerundivs)

5

10

15

Ubi mox Uthonem,

ex sorore filium,

virum clericatus dignitate

insignem, pro afferendo

sanctissimo pignore

cum decenti comitatu

Romam destinarunt. In viam

hic se committens

veniensque in urbem et

suae legationis summam,

porrectis fidei habendae

litteris, expediens, maximi

ponderis thesaurum noctu

a summo pontifice

impetravit; plaustroque

impositum huc avehi curavit.

- 48 -


ANMERKUNGEN

Z. 7ff: In viam: Aufbau des Satzes:

hic committens se in viam

veniensque in urbem

et expediens suae legationis summam

porrectis … litteris

thesaurum maximi ponderis noctu a summo

pontifice impetravit;

- 49 -

Das

Flammenwunder in

Bozen, Fresko von

Hans Georg Asam

Pfarrkirche

St.Quirinus

Tegernsee,

Foto: Tobias

Sanberger


FRAGEN

1) Z. 4: Um welche grammatikalische

Erscheinung handelt es sich bei “pro

afferendo” und mit welchem Nebensinn

wird sie hier übersetzt?

2) Z. 7: Was für ein Kasus ist “Romam”

genau?

3) Z. 8 ff:

Benenne die grammatikalischen Formen

von “committens”, "veniens", "porrectis"

und "ponderis" und gib die Art der

Übersetzung an!

4) Z. 11/12: Welcher Kasus ist “porrectis …

litteris” genau?

5) Z. 12f: Welcher Kasus ist “maximi

ponderis” genau?

- 50 -


KAPITEL XIII (Version 2)

Z. 1: translatio:

Überführung;

absque ~sine

Z. 5: vector:

Fuhr- servus

Z. 9: curiositas:

Neugier

ebrietas:

Trunkenheit

Z. 10: illicere:

verlocken

Z. 11: velamen:

Umhüllung

theca (griech.):

sarcophagus

Z. 12: nisus:

Schwung, Schlag

Z. 13: attentare =

attemptare =

temptare

Z. 15: poenas

dependere:

büßen

Z. 16: feretrum:

sarcophagus

Z. 17: absumere:

dahinraffen

5

10

15

Nec ista translatio absque

miraculis contigit, ut exinde

facile colligeres, quanti apud

deum meriti esset Divus

Quirinus. Vectores enim cum

contra prohibitionem,

ne sigillum frangerent aut

aliquid aperirent, partim

curiositate, partim ebrietate

illecti corpus sanctum

inspicere ac velamen thecae

nisibus temerariis removere

attentassent, sigillo adhuc

intacto dignas termeritatis

suae poenas dependerunt

erumpentibus e feretro

flammis absumpti.

- 51 -


Z. 21: rivus: vgl.

englisch: river

Z. 22: Comitatus

Tirolensis: 20

die Grafschaft

Tirol

Exstat in rei memoriam

adhuc sacellum Divo

Quirino dicatum Atesiae

iuxta rivum Dalfer dictum in

Comitatu Tirolensi.

FRAGEN

Z. 3/4: Erkläre die Konjunktive

"colligeres" und "esset"?

Das

Flammenwunder

von Bozen

Zeichnung:

Karoline Kreidl

- 52 -


KAPITEL XIV (Version 2)

Z. 1: en: siehe da!

Z. 2: bonitas,tatis:

adj. bonus

Z. 3: lacus,us: See

Z. 4: exuviae,arum:

Beute

Z. 5/6: exornare

festivam pompam:

ein festliches

Geleit ausrichten

Z. 6:

susceptio,onis:

Empfang

Z. 8: saluber,bris:

heilbringend,

heilsam

Z. 8: scaturire:

sprudeln

Z. 10: devotus:

andächtig,

hingebungsvoll

Z. 11:

aegritudo,dinis:

Krankheit, Verlauf

einer Krankheit

5

10

Sed en alterum prodigium

divinae bonitatis!

Depositis ad lacum sacris

exuviis in diem alteram,

ad exornandam festivam

pompam pro susceptione

tanti hospitis, sub plaustro

fons saluberrimis scaturire

aquis coepit, qui etiamnunc

hodie devote utentes diversis

liberat aegritudinibus.

- 53 -


ANMERKUNGEN

Z. 3: Satzbau:

depositis … exuviis

in diem alteram

ad exornandam … pompam pro…

sub … fons … scaturire … coepit

qui … utentes … liberat.

Z. 8: "scaturire":

An der Stelle des Quellwunders steht heute

im Ort St. Quirin die Quirinuskapelle, die in

ihrer heutigen Gestalt um 1450 erbaut

wurde. In ihrem Inneren findet sich ein

kleiner Ziehbrunnen, der über der Quelle

steht, deren Wasser einst als Mittel bei

Augenleiden angewendet wurde.

Davon zu unterscheiden ist das

"Quirinusöl", das in einer erdölhaltigen

Quelle am westlichen Seeufer zutage trat.

- 54 -


FRAGEN

1) Z. 3/4 und Z. 5/6:

Überlege, um welche Konstruktionen es

sich bei der Wendung "depositis ad lacum

sacris exuviis" und "ad exornandam

festivam pompam" handelt!

2) Nenne zwei Stilmittel in diesem Kapitel!

An diesem

Ort

entspringt

eine Quelle.

Zeichnung:

Karoline

Kreidl

- 55 -


KAPITEL XV (VERSION 2)

Z. 1: mane:

Morgen, Tag

illuscere: hell

werden

Z. 2: frequentia

(Ablativ): unter

Beteiligung einer

Menge

Z. 3/4: cum devotis

sanctae melodiae

cantibus: mit

demütig geistlichen

Gesängen

Z. 4: clerus

populusque:

Geistlichkeit und

Laien

Z. 5: obviam:

entgegen

Z. 6: umerus:

Schulter

Z. 8: sacellum:

kleine Kapelle

Z. 11 tamdiu:

tam+diu

Z. 12: donec: bis

Z. 13: fabricari:

bauen

5

10

Secundo mane illuscente

magna populi frequentia

cum devotis sacrae melodiae

cantibus a clero populoque

obviam proceditur, piis

umeris novus incola

imponitur et in Salvatoris

sacello anno post Christum

natum septingentesimo

quinquagesimo secundo

collocatur, tamdiu ibi

requieturus, donec digna

dignissimo fabricetur aula

imperatori.

- 56 -


ANMERKUNGEN

Z. 1-15: SATZBAU:

… mane illuscente abl.abs.

(Zeitangabe)

magna … frequentia cum … cantibus

Adverbalia

a clero … obviam proceditur

Prädikat 1

… umeris … incola imponitur

Prädikat 2

et in … collocatur Prädikat 3

tam diu requieturus part. coni.

donec... fabricetur aula NS

FRAGEN

Z. 12: Bestimme die Form "requieturus"

und gib an, welche Sinnrichtung darin

enthalten ist!

ENDE

- 57 -


- 58 -


St.. Quirin in München -

Rahmengeschichte

- 59 -


Brevi post sextam horam diei Veneris magistra nos

linguam Latinam docere conatur. Discipuli legendam

sancti Quirini in linguam Germanicam transferre

iubentur.

„Eheu, labor tam molestus, scriptum tam difficile est!“

Victorem iuxta me sedentem parva voce appello.

„Thank you for travelling with the Bayrische

Oberlandbahn...“ vocem ignotam e megaphoniis sonare

audio. Exterritus sedes caeruleas ferriviae Bavarae

cognosco. Deliberans, quomodo ad hunc locum

pervenerim, virum quendam miro modo vestitum

conspicio. Qua re commotus ex eo quaero:

„Mihi veniam da! Scire studeo, unde veneris et quo iturus

sis!“

„Ad Circum Maximum ad certamen equestre

spectandum! Sed nescio, quomodo in istud vehiculum

pervenerim! Potesne me adiuvare?“

„Circus Maximus? Nonne Romae est? Sed hic Monaci

sumus!“

„Monaci??? Numquam de ista urbe audivi! Estne sita in

imperio Romano?“

„Minime! Monacum in regione meridiana Germaniae

situm est. Tamen tibi aedificia monstrare possum, quae

illis, quae Romae spectari possunt, similia sunt!“

„Hoc consilium amo!“

Cum paulo post ad locum regum dedicatum

pervenerimus, comitem meum semel circum totum locum

duco explicans hunc locum e tribus partibus constare,

- 60 -


quae sunt „Glyptotheca“, "Antikensammlung" (i.e. aedes

statuarum antiquarum collectarum), „Propylea“. Hospes

meus valde commotus est. Quaesitus, num Glyptothecam

(siehe S. 77) visitare velimus, statim magno cum gaudio

assentit.

Gregem peregrinorum sequimur,

ut nova de statuis, rebus plastice

effectis, artificiis e tesselatis

confectis comperiamus.

Demonstratione finita statuam

quandam marmoream

praeterimus, cum comes subito

exclamans fugit. Non

intellegens, quid ei evenerit, eius

quaerendi causa proficiscor. Qui

valde tremens post portam

quandam se condit.

„Mi amice, quid tibi accidit?

Quid vidisti? Quid agis?“

Ille autem non respondet, sed me abstraxit minimo voce

susurrans:

„Cito exeamus ex isto loco! Iste, si me hic invenerit, me

statim interficiet!“

Procul a Glyptotheca me his verbis appellat:

„Nisi fugissem, iste me necavisset!“

„Siste! Quis te necavisset et qua de causa hoc facinus

commisisset?“

- 61 -


„Claudius Gothicus! Istum conspexi! Me necaturus erat!“

Perturbatus sum. Quis iste Claudius Gothicus est? Quid

hospes meus cum isto agit? Nonne scit eo loco solum

statuas expositas esse?“

Amicus novus autem

procurrens anhelans de

vita sua narrat:

„Timore vexor! Custodes

me insequuntur et

verberibus puniunt, quia

confiteor me non deos

Romanorum, sed Iesum

Christum adorare! Quid

faciam?“

„Siste! Primum animus

tibi confirmandus est!

Tum sitis tua depellenda est! Novi optimam tabernam,

ubi potus delicatos emere possumus! Quo eamus!“

Eum ad Odeonsplatz (s. S.79) duco. In medio stans me

circumverto studio ardens:

„Specta, amice, quanta

egregia aedificia architecti

nostri fecerunt!“

„Obstupesco...In foro

Romano stare videor! Etsi

Romae plura et maiora

aedificia animadverti possunt, tamen valde impressus

sum!“

Sedem administri rei nummariae praepositi monstrans

comitem meum rogo:

- 62 -


„Quaestoribusne vestris tales ingentes domus sunt?

„Ita est, sed sumptu civium pauperum factae sunt!

Dum zonam peditum monstro, hospes meus exclamat:

„Quae turba hominum! Nonne istis laborandum est?

Et ubi sunt servi, qui dominis

suis sacculos portant???“

In ecclesiam Ordinis

Clericorum Regularium

(Theatinerkirche, s.S. 80)

tractus e me haec quaerit:

„Cuius dei istud templum

sacrum est?“ Admiratione

affectus respondeo:

„Nobis solum unus Deus est!

Ista ecclesia parvior est,

in urbe Germanica nomine

Colonia Claudia Ara

Agrippinensium multo maior

ecclesia collocata est. Nonne scis interea etiam Romae

solum unum Deum coli? Cui etiam civitas propria media

in urbe dedicata est.“ Comes meus iterum obstupescens

parva voce „Gaudeo“ inquit, „eos, qui eundem deum

adorent ac me, non frustra mortem obisse!“

Postquam paulum itineris superavimus, comitem meum

lentius lentiusque sequi sentio.

„Pallere videris! Qua inopia laboras?“

„Pedes me dolent! Praeterea maxima siti vexor!

Possumusne paulum morari?“

- 63 -


Ergo ad Starbucks imus.

„Quid bibere vis?

Praefersne calidum an

gelidum potum?“

„Poculum vini praefero!“

Amicum consolari debeo:

„Doleo, sed in ista taberna

vinum non divenditur! Potum autem quendam novi, quo

te delectari puto.“ Iubeo potum nomine Frappuccino

Vanilla Cream apportari.

„Quae nomina vobis sunt?“ venditrix bella specie et flava

coma e nobis quaerit.

„Mihi nomen Fabian est!“

„Et ego“, hospes meus inquit, „nomine Quirino

appellor!“

Venditrice nomina nostra in pocula scribente de mirissimo

nomine comitis mei miror. Num clarus martyrus

antiquus me comitatur, cuius fabula in schola nobis

transferenda est? Suscipio mea vera fieret...

Cum pecuniam solvere debemus, Quirinus sacculum

aperit et nonnullos nummos aureos promit dicens:

„Mihi placet te invitare, quia me adiuvas!“

Tanto beneficio commotus respondeo:

„Gratias ago! Sed istis nummis hic solvere non potes!

Hic solum nummi nomine „Euros“ usui sunt.“

Ergo marsupium meum aperiens scidulam decem

Eurorum expromo. Quirinus mirans oculos in me

convertit: „Ista scida nihili esse videtur!“

„E contrario! Pretium huius pecuniae longe solidissimum

orbis terrarum est!“

- 64 -


Potibus nostris pecunia solutis cursum in septemtrionalem

regionem vertimus et ad viam Ludovico

dedicatam pervenimus Frappucinos nostros sorbentes.

Lente incedentes multa et praeclara aedificia praeterimus

velut Bibliothecam Bavaram Publicam, Basilicam

Ludovici sacram, Universitatem Ludovico-

Maximilianeam Monacensem (s. S. 85)

Postremo portae victoriae appropinquamus. Quam

Quirinus iam procul conspexit specie huius monumenti

commotus.

„Iste arcus etiam in foro Romano collocatus esse possit!

Pulcherrimus est!“

„Assentio! Profecto exemplo Romano arcus Constantini

aedificatus est.

Agedum, eamus in hortum Britannicum, ut paululum

otio demus! "

Dum fatigatus iter in hortum Britannicum averto,

non animadverto Quirinum me non iam sequi.

Post nonnullas partes horae me converto et Quirinum

quaerere incipio exclamans:

„Quirine, Quirine, ubi es?“

Spero me eum brevi reperturum esse, nam errare possit,

quod urbem alienam nondum noverit.

Sed quamquam viribus in quaerendo non parco et totum

iter redeo, Quirinum reperire non possum.

Paulatim incipio maximis curis vexari. Ubique amicum

quaero, sed terra devoratus esse videtur. Ad Viam

Ludovico dedicatam reversus turbam hominum video,

qui ad portam victoriae confluxerant.

Oculis meis confidere non possum: Num erro?

- 65 -


Num homo in Porta Victoriae ambulat? Profecto figuram

obscuram in arcu euntem animadverto. Appropinquans

magnum vehiculum custodum publicorum video. Unus

magistratuum megaphonio personam in arcu versantem

advocat.

„Descende subito! Vetitum est hoc monumentum

ascendere!“

Postquam paulum itineris adii, non dubito, quin

Quirinum videam, qui lente de Porta Victoriae descendat.

Ut gaudeo me comitem Romanum tandem repperisse, ita

non ignoro eum hac re stulta nos magno dolore

affecturum esse. Ita evenit: Custos quidam Quirinum

appellat:

„Ascendendo

Portam

Victoriae legem

quandam neglexisti.

Ergo tibi

poena argenti

solvenda est!

Dic, quod

nomen tibi sit et ubi habites!“

Cum Quirinus omnia ex vero respondeat, custos putat

Quirinum se illudere. „Esse non potest, quin in imperio

Romano habites, quia ista regio „Italien“ nominatur!“

Ira impulsus Quirinum ad sedem securitatis publicae

tracturus est.

Quia Quirinum adiuvare studeo, ne in vincula coniciatur,

custodibus affirmo comitem meum non mentitum esse,

sed Roma antiqua ortum esse.

- 66 -


Primo mihi custos non credit. Sed postquam LXXX

Eurones solvi, nos dimittit dicens:

„Inter XXXV annos praeteritos numquam tantam

insaniam passus sum! Me Hercule: Romanus antiquus,

qui portam victoriae ascendit...Nemo est, qui mihi talem

fabulam credat...".

Ita bene accidit, ut sedes attractivas in Monachio

praeclaro sitas circumire pergamus.

Dum locum relinquimus, e Quirino quaero:

„Cur hoc fecisti, Quirine?“

„Hoc monumentum mihi tantopere placuit, ut e

propinquo contemplari voluissem. Postquam autem

omnia emblemata aspexi, intellexi me te amisisse. Ergo

portam triumphalem ascendi, ut regionem uno conspectu

viderem. Putavi hoc modo te facilius inveniri posse.

Brevi autem iste vir veste militari indutus advolavit

iubens mihi statim descendendum esse...“

„O Quirine, stultissime egisti! Deo autem gratias ago, ut

maiorem poenam effugere potuerimus!

„Agedum, Quirine, eamus ad domum regiam!“

Aedificium praeclarum admirantes subito ab ingenti

turba hominum circumdamur, qui permoti comitem

appellant. Video diurnarium quendam Quirinum

captantem. Microphonium ante faciem comitis mei

tenens clamat:

„Quid in hac fabula agitur? Quas partes geris?“

Quirinus perturbatus tacet.

Circumspicientes prope aedem ad drama musicum

attinentem edictum promulgatum cognoscimus:

- 67 -


"Ridentem dicere verum"

Fabula, quae vos in tempora Romanorum

antiquorum transfert!

Rebus inexpectatis delectemini!

Tandem mente comprehendens, quid diurnarii cupiant,

Quirinum detrahere conor. Qui autem ad infimos gradus a

photographo audaci retinetur, qui statim nonnullas

impressiones photographicas conficit.

„Quidnam iste vir fecit?“ Quirinus mirans quaerit, cum

recta via ad Locum Mariae dedicatum ambulemus.

Postquam audivit se actorem ductum esse, paululum

erubescit. Paulo post ad puteum piscium pervenimus,

cuius aquam comes meus avide haurire incipit. Quia

timeo, ne aqua ista valetudini eius noceat, magna voce

exclamo:

„Desiste! Ista aqua ad bibendum apta non est!“

Quirinus autem non paret et tum demum bibere desinit,

cum sitim prorsus depulerit.

Cum sperem eum morbo affectum non iri, ad columnam

Mariae dedicatam pervenimus. (s. S. 94)

Litteras in lingua Latina inscriptas animadvertens putat se

domi esse.

‐ 68 ‐


Dum litteras transferimus, animus Quirini denuo

avertitur. Proximus vir quidam stat auro circumdatus.

„Ecce, ista statua!“ Quirinus exclamat.

Priusquam aliquid dicere possum, Quirinus colore eius

attractus manum porrigit statuae tangendae causa.

Ea subito movente Quirinus terrore commotus clamorem

acrem edit et collabitur.

Dum genas Quirini pulso, amicus animum recipit iterum

atque iterum virum aureum intuens.

Surgens duas turres Basilicae Nostrae Matris Mariae

sacrae conspicit. „Istas visitare studeo...“ memor

basilicarum Romae sitarum, quae nostris dissimiles sunt.

Cum via usui vehiculorum vetita eamus, ut ad basilicam

perveniamus, video Quirinum locos, ubi merces

vendendae proponantur, admirari.

In basilica intranda me rogat, num sibi plura de hoc

aedificio miro narrare possim. (s. S. 98)

Quia ignarus sum, libellum explicationibus peregrinorum

affectum promo et recitare incipio. Subito autem

animadverto comitem non iam apud me esse. Eum

reperio unamquamque statuam admirantem. Monumento

quodam colorato et e saxo facto, quod Iesum Christum

exprimit, captus est.

„Ecce, numquam tale opus vidi! Incredibile est: Vulnera

specie florum ficta sunt!“

„Tibi assenio! Imperator Ludovicus Bavaricus hoc

monumentum pervetus anno MCCCXX fingi iussit.

„Magnifice!“ Quirinus digito statuam tangens susurrat.

„Veni! Non dubito, quin alias res praeclaras aspicere

velis!“ His verbis dictis eum e basilica traho.

- 69 -


„Circumeundo pedes doleo et iterum fame vexor.

Veni, Quirine, eamus ad forum clarissimum huius urbis

nomine „Viktualienmarkt“. Ibi varios et delicatos cibos

emere possumus!“

Subito Quirinus ad aliam basilicam (St. Peter, s. S. 102)

monstrat:

„Incredibile est: Huic basilicae etiam tam alta turris est,

quae turribus murorum urbis meae similis est. Cui rei

usui est?“

„In nostris temporibus omnibus basilicis tales turres

campanis praeditae sunt. Antea, cum me quaesivisti, hanc

turrim ascendere debuisses, quia inde totam urbem animo

complecti potuisses.“

Quirinus celeriter magis quam trecentos septem gradus

superare parat. Anhelantes summam turrim pervenimus,

ut totam regionem prospiciamus.

„Ecce, ibi Alpes cognoscere potes. Post has montes patria

tua amata est.“

Postquam rursus descendimus, comes meus partem

interiorem basilicae visitare studet; ambulans multas et

expositas figuras admiratur. Diutissime ante statuas

duodecim apostulorum et sancti Petri versatur.

„Multum de istis figuris in mea patria narratur. Saepe

basilicam adeo, ut eos adorem.“

Cum veram Christi doctrinam paulum sequar, tuendis

istis figuris fatigor.

„Me sequere, Quirine, nunc tibi Viktualienmarkt

(s. S. 106) monstrabo."

Ut semper forum hominibus ementibus et vendentibus

completum est. Stupens tam celeriter tabernas venditorias

- 70 -


praeterit, ut eum vix sequi possim.

Cum Romanus autem incipit fructus et holera tangere,

probare, olfacere, exclamo: „Non licet hos cibos digitis

tangere. Venditrices aegerrime ferunt, si te deprehendunt.“

Annuens per turbam hominum volat.

Subito autem Quirinum iterum amisi! „Incredibile est!“

commotus perturbatusque in omnes partes circumspicio.

Tamen eum nullo loco reperire possum. Desperatus

circumeo nomen comitis mei vocans. Vestibus priscis

facile cognosci debet!

Repente manum quandam umerum meum tangentem

sentio. Iam gaudeo me eum invenisse.

Vox autem, quam audio, Quirini non est:

„Fabiane, inhonestum est te iterum atque iterum dormire,

dum doceo!“ magistra mea exclamat.

Quia me ante amicos meos illudere parat, haec dicit:

„Discipuli, mihi persuasum est, ut Fabianus nobis multa

de Sancto Quirino narrare possit. Agedum, Fabiane,

omnes cupidi sumus comperiendi, quid de vita Sancti

Quirini scias! Dic, cur ille agitatus sit et quis eum

interfici iusserit!“ Deo gratia sermonis cum Quirino

habiti memini! „Ergo...“, et narrare incipio. Oratione mea

finita magistra primum muta est. Scientia eius linguae

Latinae primum terminata est!

Postridie res inopinata evenit. Cum apud patrem meum

prandendi causa consido, acta diurna perlego.

Os mihi hiat. Index actorum diurnorum impressione

quadam photographica, quae Quirinum et me ante aedem

ad drama musicum attinentem monstrat, ornata est.

Credere vix possum! Nonne somnium erat, quid mihi

accidisset...?!

- 71 -


Vokabelverzeichnis der Rahmengeschichte

acta diurna

locus ad drama musicum

attinens

affectum non iri

agedum

anhelans

artificium e tesselatis

confectum

avidus,a,um

caeruleus,a,um

calidus,a,um

Colonia Claudia Ara

Agrippinensium

denuo

devorare

dies Veneris

diurnarius, i m.

edictum promulgatum

eheu

emblema, atis n.

erubescere

ferrivia, ae f.

flavus,a,um

gena, ae f.

haurire

hiare

Tageszeitung

Oper

Infinitiv Futur Passiv

Auf geht´s!

atemlos

Mosaik

gierig

blau

warm

Köln

erneut

verschlucken

Freitag

Reporter

Plakat

Ach!

Relief

rot werden

Eisenbahn

blond

Wange

schöpfen

offen stehen bleiben

- 72 -


holus, eris n.

impressio photographica

index

masurpium, i n.

meridianuus,a,um

merx, mercis

olfacere

pallere

paulatim

paululum

peregrinus,a,um

potus, us

prandere

proprius

prorsus

res plastica effecta

scida,ae f.

scidula

sedes administri

rei nummerariae praepositi

septemtrionalis, e

somnium, i n.

susurrare

tremere

veste militari indutus

Gemüse

Foto

Titelblatt

Geldbeutel

südlich

Ware

riechen

blass sein

allmählich

ein bisschen

fremd

Getränk

frühstücken

eigen

ganz und gar, völlig

Relief

Blatt Papier, Zettel

Geldschein

Finanzministerium

nördlich

Traum

flüstern

zittern

uniformiert

- 73 -


"Aufden Spuren der lateinischen

Sprache in München"

Route durch die Innenstadt,,

Wissenswertes über die

Sehenswürdigkeiten und Aufgaben

- 74 -


Der Königsplatz

- 75 -


Der Königsplatz wurde ab 1808 im Stil des

Klassizismus erbaut. Der Architekt Karl Fischer

konzipierte den Platz nach dem Vorbild der

Akropolis in Athen, indem er klassische Elemente

in lebendiges Grün einbettete. Im Norden erschuf

Leo von Klenze die Glyptothek und im Süden die

Antikensammlung. Als Abschluss wurden die

Propyläen errichtet, die dem Torbau der Athener

Akropolis ähneln. Durch die Brienner Straße ist

der Platz in zwei Hälften gegliedert. 1933 zur

nationalsozialistischen Weihstätte umgestaltet,

erhielt er 1988 seine ursprüngliche Gestalt zurück.

- 76 -


Die Glyptothek

Sie enthält eine Sammlung antiker griechischer

und römischer Skulpturen des bayrischen Staates,

sowie Mosaike und Reliefs aus der archaischen

Zeit (700-490 v.Chr), aus der klassischen Zeit

(490-323 v.Chr) sowie aus der hellenistischen

Periode (323-146 v.Chr). Die gesamte Sammlung

geht vor allem auf König Ludwig I. zurück.

Aufgabe

Die drei Bauten, die Glyptothek, die Antikensammlung

und die Propyläen zeichnen sich

durch ihre Tempelfronten aus, deren „dorische,

korinthische und ionische Säulenordnung“, laut

Leo von Klenze, „ein Bild des reinen Hellenismus

in unsere Welt verpflanzen“ sollten.

Aber welche Säulenart befindet sich an

welchem Bau?

- 77 -


Der Odeonsplatz

- 78 -


Der Odeonsplatz ist einer der zentralen und

geschichtlich bedeutsamen Plätze Münchens.

Seine Planung begann ca. 1790: Anstatt des

Schwabinger Tores sollte an dessen Stelle ein

zentraler Platz entstehen. Der Name leitet sich

vom Konzertsaal (Odeon) ab, der dort 1827

errichtet wurde. Der gesamte Odeonsplatz, wie

auch der Großteil der Ludwigstraße wurden im

2.Weltkrieg von den alliierten Kräften bei Luftangriffen

zerbombt. Später wurde der Großteil der

Gebäude im Originalstil wiedererrichtet.

- 79 -


Theatinerkirche

Die Theatinerkirche, eigentlich katholische

Stiftskirche St. Kajetan, war Ordenskirche des

Theatinerordens und zugleich Hofkirche.

Gestiftet wurde sie im Jahre1662 vom bayrischen

Kurfürsten Ferdinand Maria und seiner Frau

Henriette Adelaide zur Geburt des Thronfolgers

Max Emanuel.

Die Theatinerkirche beherbergt zahlreiche

bedeutende Kunstwerke. Außerdem befinden sich

in der Fürstengruft der Theatinerkirche die

Grabmäler und Särge von 49 Mitgliedern des

bayrischen Herrschergeschlechts.

- 80 -


Widmungsinschrift im Kircheninneren

(über dem Portal)

DIVO CAIETANO THIENAEO CLERICOR(um)

REGULARIU(m) FUNDATORI

OB DATU(m) EX VOTO ELECTORALE(m)

PRINCIPE(m)

MAXIMILIANUM EMMANUELEM,

PROTECTAMQ(ue)AMPLIORI PROLE

BAVARIAM

PATRONO CHARISSIMO

FERDINANDUS M. ELECTOR

H.(enriette) M.(aria) ADELAIS ELECTRIX

AETERNAE MONUMENTU(m) GRATITUDINIS

TEMPLUM HOC POSUERE.

AN. SAL. MDCLXXV

Anmerkungen: 1) divus: selig – Thienaeus: aus dem

Geschlecht der Thiene – 2) clerici regulares: die unter einer

Klosterregel lebenden Kleriker - 3) ex voto: aufgrund eines

Gelübdes - electoralis princeps: kurfürstlicher Kronprinz - 5)

amplior: ziemlich bedeutend - proles: Kind - 6) charissimus =

carissimus; 7) M. (bei Ferdinandus) = Maria - 8) H.M.:

Abkürzung für huius mater - Adelais: Adelheid - electrix:

Kurfürstin - 11) an.sal. = anno salutis

- 81 -


Aufschrift an der Fassade außen

TEMPLUM HOC

A SERENISSIMIS OLIM PROGENITORIBUS

EX VOTO

A FUNDAMENTIS ERECTUM

ET AD EXTIMAM DUNTAXAT FACIEM

PERDUCTUM

SPLENDIDISSIMO PROPYLAEO

QUOD HEIC ADSPECTANDUM SE PRAEBET

MAXIMILIANUS IOSEPHUS

BAV. DUX S. R. I. ELECTOR

EADEM VOTI RELIGIONE AC SPE

EXORNAVIT EX ASSE COMPLEVIT

ANNO SAL. MDCCLXVII

Anmerkungen: 2) serenus: erlaucht – progenitor: Ahne – 5) extima

facies: Rohbau – duntaxat = solum – 7) propylaeum: Vorhalle,

Fassade – 8) heic = hic – 10) Bav. = Bavariae – 12) ex asse: aus der

kurfürstlichen Kasse

Fragen zu beiden Inschriften

•Erschließe aus der Inschrift, in welchem Jahr die

Theatinerkirche geweiht wurde!

•Erkläre, aus welchem Anlass die Kirche erbaut wurde!

•Welches „Geschenk“ erhielt Adelaide von ihrem Gatten?

•Wer vollendete den Bau der Theatinerkirche mit der

Fassade? •Aus welchem Grund tat er dies?

•Wie gut bist Du in Mathematik? Berechne die Bauzeit

der Kirche!

- 82 -


Die Feldherrnhalle

Die Feldherrnhalle wurde zu Ehren des bayrischen

Heeres als Ausgangspunkt der Ludwigstraße

errichtet. In ihr befinden sich Standbilder,

welche die Geschichte des bayrischen Heeres

wiedergeben und die aus der Bronze der eingeschmolzener

Kanonen gefertigt wurden.

Die Feldherrnhalle war Schauplatz wichtiger

geschichtlicher Ereignisse:

1923 fand hier die Niederschlagung des

Hitlerputsches statt. An diesem Ort wurden deshalb

in der NS-Zeit zahlreiche Aufmärsche und

SS-Ehrenwachen abgehalten.

- 83 -


Die Ludwigsstraße

- 84 -


Wissenswertes über die Ludwigstraße

Die Ludwigstraße ist eine 1 km lange Triumphstraße, die König

Ludwig I. von seinen Hofarchitekten Leo von Klenze und

Friedrich von Gärtner zu Beginn des 19. Jahrhunderts bauen ließ.

Der Großteil der Bauwerke ist im Stil der italienischen Früh- und

Hochrenaissance errichtet.

Das Siegestor

ist dem Konstantinbogen

in Rom nachempfunden.

Nach dem 2.Weltkrieg

wurde es mit

der Inschrift „Dem

Sieg geweiht, vom

Krieg zerstört, zum

Frieden mahnend“

versehen.

Das Siegestor wird

von einer Bavaria,

die ein Löwengespann

lenkt, gekrönt.

Mit knapp 10 Millionen

Büchern ist die

Bayerische Staatsbibliothek

eine der

bedeutendsten europäischen

Universalbibliotheken

und zugleich

zentrale Landesund

Archivbibliothek

des Freistaates Bayern.

Vor dem Eingang befinden

sich die Sitzfiguren

folgender griechischer

Gelehrter: Aristoteles,

Homer, Thukydides und

Hippokrates.

- 85 -

Die Ludwig-

Maximilians-Universität

(LMU) mit dem

Geschwister-Scholl-

Platz

Die LMU wurde schon

1472 als erste

bayerische Universität

in Ingolstadt gegründet.

1800 wurde sie nach

Landshut verlegt,

1840 erfolgte dann der

Umzug nach München.

Das Forum ist mit zwei

Schalenbrunnen nach

römischem Vorbild

geschmückt.

Die Ludwigskirche

Links und rechts der

Ludwigskirche befinden

sich jeweils offene

Arkaden und kubische

Häuser.

Der Architekt der Ludwigskirche,

Friedrich

von Gärtner, wohnte im

rechten Haus.


Inschriften in der Universität

I

MORTUORUM VIRTUTE TENEMUR

II

PIAE MEMORIAE MONUMENTUM

MORTUIS SACRUM TRIUM BELLORUM

FATO OPRESSIS NON IN VANUM

MCMLIX

III

LABOR VINCIT OMNIA IMPROBUS

IV

MENS SANA IN CORPORE SANO

V

FORTES FORTUNA ADIUVAT

VI

VIS CONSILI EXPERS MOLE RUIT SUA

VII

NE QUID FALSI AUDEAT

NE QUID VERI NON AUDEAT

DICERE SCIENTIA

Anmerkungen:

Inschrift I: tenemur: wir werden verpflichtet

Inschrift III: improbus: unermüdlich

Inschrift VI: consili(i) expers: unbedacht – moles: Wucht

Inschrift VII: scientia: hier vermutlich Ablativ

- 86 -


Die Residenz

- 87 -


Die Münchner Residenz

Die Münchner Residenz war von 1508 bis 1918

Wohn- und Regierungssitz der bayerischen Herzöge,

Kurfürsten und Könige. Im Laufe der Zeit

wurde die Residenz zu einem prächtigen

Herrschersitz.

Der Gebäudekomplex umfasst zehn Höfe und teilt

sich in drei Hauptkomplexe auf: Königsbau,

Maximilianische Residenz und Festsaalbau.

Die Münchner Residenz ist heute das größte Innenstadtschloss

Deutschlands und zählt zu einem

der bedeutendsten Raumkunstmuseen Europas.

- 88 -


Wusstest du schon?

Das Antiquarium ist

der älteste erhaltene

Raum der Münchner

Residenz.

Mit einer Länge von

66 Metern ist es der

größte und

prächtigste

Renaissancesaal

nördlich der Alpen.

Das Antiquarium

wurde zwischen

1568 und 1571 für

die Sammlung

antiker Skulpturen

von Herzog Albrecht

V. errichtet.

Heutzutage wird das

Antiquarium für

Empfänge des

Ministerpräsidenten

genutzt.

- 89 -


Das Antiquarium

Aufgaben:

1. Finde die Büste des

Gaius Julius Caesar,

die durch eine Inschrift

gekennzeichnet

ist!

2. Fotografiere einen

Mitschüler, der die

Pose des Trunkenen

Bacchus nachstellt!

3. Finde die Büste des

Nero!

4. Lokalisiere

folgende Inschriften

und übersetze sie:

PRUDENTIA:

robur et murus et

arma sapienti

prudentia

prudentia rerum

expetendarum scientia

IUSTITIA:

praeclarissima

virtutum iustitia

iustitia etiam hostibus

debetur

- 90 -

VERITAS:

veritas nihil erubescit

nisi abscondi

lex omnium artium

ipsa veritas


An der Oper:

Inschriften

APOLLINI MVSISQVE REDDITVM MCMLXIII

An der Westfassade der Residenz:

SVB TVVM PRAE

SIDIVM CONFVGIMVS

SVB QVO SECVRE

LAETIQVE DEGI

MVS

M.DC.XVI

An den Portalen der Residenz:

linkes Portal:

PRVDENTIA: QUA SIDERE QUA SIDERITE

Mit ihr (der Weisheit) als Leitstern, mit ihr als Magnetnadel.

rechtes Portal:

IVSTITIA: SUPERA SIMUL ET INFERA

Das Höhere ebenso wie das Niedere.

FORTITVDO: DIFFRACTAS LONGE REMITTIT

Die gebrochenen (erg. Wellen) wirft er (der Stein auf dem

Emblem) weit zurück.

TEMPERANTIA: TEMPERATO PONDERIBUS MOTU

Mit einer durch die Gewichte maßvoll geregelten Bewegung.

- 91 -


Der Marienplatz

- 92 -


Der Marienplatz ist seit der Gründung Münchens

im Jahre 1158 Zentrum und Herz der Stadt.

Er bildet den Kreuzungspunkt der Ost-West-

Achse zwischen Isartor und Karlstor und der

Nord-Süd-Achse zwischen Sendlinger Tor und

Schwabinger Tor (im 19. Jh. abgebrochen).

Neben der Funktion des Marktplatzes, woran

heute der Fischbrunnen erinnert, ist er durch die

Mariensäule auch von religiöser Bedeutung.

So werden bis heute Münchens Erzbischöfe dort

empfangen und verabschiedet.

- 93 -


Wusstest du schon?

Die Mariensäule dient

als Ursprungskoordinate

für mehrere Landvermessungen!

Jeden Aschermittwoch

wäscht der Oberbürgermeister

den leeren Stadtsäckel

im Wasser des

Fischbrunnens, damit

dieser im nächsten Jahr

wieder gefüllt ist!

Während des zweiten

Weltkriegs war die

Mariensäule abgebaut

und in der Frauenkirche

untergebracht!

- 94 -


Aufgabe:

Auf der Mariensäule ist folgendes lateinisches

Fürbittengebet abgebildet, welches auf die

Verehrung Mariens als Schutzpatronin Bayerns

hinweist.

Übersetzte es mit Hilfe eines Wörterbuchs!

DEO OPTIMO

MAXIMO

VIRGINI DEIPARAE

BOICAE DOMINAE

BENIGNISSIMAE

PROTECTRICI

POTENTISSIMAE

OB PATRIAM

URBES EXERCITUS

SEIPSUM DOMUM

ET SPES SUAS

SERVATAS

HOC PERENNE

AD POSTEROS

MONUMENTUM

MAXIMILIANUS

COM. PAL. RHENI

UTRIUSQUE

BAVARIAE DUX

S.R.I. ARCHIDAP

ET ELECTOR

CLIENTIUM INFIMUS

GRATUS SUPPLEX

POSUIT A.

MDCXXXIIX

Anmerkungen: Die ersten sechs Zeilen sind Dative (der

Widmung).- 2) deipara: Gottesmutter – 3) Boicus: bayerisch – 5)

protectrix: Beschützerin – 14) monumentum: Erinnerungszeichen

– 16) com. Pal. = comes Palatinus: Pfalzgraf – 17) dux: Herzog –

18) S.R.I. Archidap = Sacri Romani Imperii Archidapifer: des Hl.

Röm. Reiches Erztruchsess – 19) elector: Wähler, Kurfürst – 20)

cliens: Schutzflehender

- 95 -


Die vier einzelnen Inschriften stehen auf den

Schilden der vier allegorischen Putten und

ergeben ein Zitat aus dem alttestamentlichen

Psalm 91, das der Künstler auf Maria anwendet :

« Super aspidem et basiliscum (ambulabis et

conculcabis) leonem et draconem. »

(conculcare : zertreten)

S U P E R A S P I D E M

E T B A S I L I S C V M

E T L E O N E M

E T D RA C O N E M

Bei der Einweihung der Säule :

REM, REGEM, REGIMEN, REGIONEM, RELIGIONEM

CONSERVA BAVARIS VIRGO MARIA TUIS

- 96 -


Die Frauenkirche

- 97 -


Bei der Frauenkirche, die als Wahrzeichen

Münchens gilt, handelt es sich zugleich um die

Kathedralkirche des Erzbischofs.

Baubeginn war im Jahre 1468 unter Herzog

Sigismund. Fortgesetzt wurde der Bau des

Gebäudes von Jörg von Halsbach.

20 Jahre später wurde der Turmbau fertiggestellt.

1944 zerstörten Luftangriffe den Dom schwer,

wobei das Hallengewölbe teilweise einstürzte und

die Einrichtung zerstört und geplündert wurde.

Nach Kriegsende wurde die Kirche in mehreren

Etappen renoviert, zuletzt 1994.

- 98 -


Wusstest du schon?

Der dreischiffige

spätgotische

Backsteinbau mit

umlaufendem

Kapellenkranz ist

109 m lang, 40 m

breit und 37 m hoch!

Die 2 Türme messen

99 Meter Höhe.

Die beiden Kuppeln,

die 1525 aufgesetzt

wurden, haben die

Form einer Zwiebel!

Aufgabe:

Auf der rechten Seite des Portals befindet sich

die Grundsteinlegungsinschrift von 1468.

Beantworte folgende Fragen dazu:

1. Wie wird Sigmund darin beschrieben?

2. Wem wurde die Kirche gebaut?

3. In welchem Jahr und an welchem Tag

wurde die Inschrift verfasst?

- 99 -


Der Teufelstritt

In der Raummitte befindet sich der Teufelstritt.

Die Stelle des Tritts markiert den Punkt, von dem

aus 1620-1858 kein Fenster zu sehen war (das

Chorfenster, das man heute von dort sieht, wurde

durch den Bennobogen und den Hochaltar

verdeckt). In dieser Zeit entstand eine Legende,

die diesen Abdruck erklären sollte. Sie besagt, der

Teufel habe aus Ärger über den Bau des

Gotteshauses den Sturmwind durch die Fenster

fahren lassen wollen, um die Kirche zu zerstören.

Doch von dieser Stelle aus konnte er damals kein

Fenster entdecken – und stampfte vor Wut so

heftig mit dem Fuß auf, dass der Abdruck noch

heute zu sehen ist.

- 100 -


Der Alte Peter

- 101 -


Die Pfarrkirche St.. Peter, die vom Volksmund

auch „alter Peter“ genannt wird, steht auf der

einzigen wirklichen Erhebung Münchens, dem

„Petersbergl“, und befindet sich zwischen

Marienplatz und Viktualienmarkt.

Sie war die erste Stadtpfarrkirche Münchens.

Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1181 soll

Bischof Otto II. neun Jahre später den Bau

geweiht haben.

Allerdings ist von dieser Kirche nur wenig übrig

geblieben – lediglich einige Teile der Westtürme

im Stil der Gotik erinnern noch an den ersten Bau.

Alles Andere wurde vom großen Brand im Jahre

1327 zerstört, der heutige Turm wurde ebenfalls

erst 100 Jahre später erbaut.

Aufgabe

Suche nach der amtlichen Gebäudetafel

der Pfarrkirche!

Wann wurde sie geweiht?

- 102 -


Wusstest du schon?

Mit 91 Metern überragt der

alte Peter den Rest der

Altstadt.

Deshalb schlagen hier oft

Blitze ein, zuletzt am

27. Juli 1995.

Die Hochaltarfigur des Petrus

besitzt eine abnehmbare

Tiara – diese wird nach dem

Tod eines Papstes

abgenommen und nach der

Wahl eines neuen wieder

aufgesetzt.

Auf die Frage, warum am

Turm acht Ziffernblätter

angebracht seien, sagte Karl

Valentin: „Ja mei, damit acht

Leute gleichzeitig auf die

Uhr schauen können.“

- 103 -


St.. Peter

Epitaph der Familie Horl an der Außenseite des

Petersturms:

CVM FEX CVM LIMVS CVM RES VILISSIMA SIMVS

VNDE SVPERBIMVS SI AD TERRAM TERRA REDIMVS

CVM SPECVLVM CERNIS CVR NON IMMORTALIA TEMNIS

TALI NAMQVE DOMO CLAVDITUR OMNIS HOMO

ANNO DOMINI MDLXXV

DEN XII IUNI STARB DER

ERNVEST ANDREAS HORL

ZV WATTERSTORF

ANO DNI MDLXXVI DEN VIII

MARTY STARB DIE ERNVEST

TVGENTHAFT FRAV SVS

ANNA NEVWIRTIN SEIN

ELICHE HAVSFRAV DENEN

GOT DER ALMECHTIGE IN

FRELICHE AVFERSTEHVNG

VERLEIHEN WELE AMEN

Anmerkungen: fex = faex, -cis: Bodensatz, Hefe; limus, i: Lehm,

Schlamm, Schmutz; superbire: stolz sein, sich brüsten;

terra: hier prädikativ verwendet: als...; temnis:

Übersetzung Prof. Dr. Stroh:

Da wir aus Kot und Erden geboren in Niedrigkeit werden:

Dürfen wir stolz uns blähen, wenn Staub zum Staube wir

gehen?

Mußt in den Spiegel nur schauen: Wie kannst du auf

Irdisches bauen?

In so schlechtem Hause hat jeglicher Mensch seine Klause.

- 104 -


Der Viktualienmarkt

- 105 -


Der Viktualienmarkt ist ein Lebensmittelmarkt

(lat. victus: Lebensmittel, Vorräte) in der Altstadt

Münchens, der, abgesehen von Sonn- und

Feiertagen, täglich stattfindet und größtenteils aus

festen Ständen, die in 7 Abteilungen unterteilt

sind, besteht. Bis zum Jahre 1807 diente der

Marktplatz (damals genannt Schrannenplatz) als

Handelsort für Getreide und andere Agrarerzeugnisse.

Da er mit der Zeit allerdings zu klein

wurde, beschloss der damalige König, den Platz

um Einiges zu erweitern. Trotz des beständigen

Aufstiegs in den Folgejahren kam man, nachdem

der Markt von Luftangriffen im zweiten Weltkrieg

stark beschädigt worden war, kurzzeitig von einer

Wiedererrichtung ab. Glücklicherweise wurde

diese Überlegung früh genug von der Stadtverwaltung

abgelehnt und der Markt wurde vollständig

rekonstruiert.

- 106 -


Mit dem Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren

entwickelte sich der Viktualienmarkt zum

„Schmankerlparadies“: Von nun an gab es dort

nicht mehr nur das einheimische Angebot, wie

Holzofenbrot und Leberkäse, sondern auch Feinkostwaren

aus aller Welt zu kaufen. Heutzutage

findet man auf dem Markt alles, was das Herz

begehrt.

Aufgabe:

Mache dich auf die Suche nach dem

Gedenkbrunnen Karl Valentins. Weißt du,

wer er war? In München gibt es ein

Museum, welches einzig ihm gewidmet ist.

Erkundige dich, wo es sich befindet!

- 107 -


Wusstest du schon?

Über den ganzen Markt

verteilt findest du 6

Gedenkbrunnen für

bekannte Münchner

Bürger (z.B. Karl

Valentin, Liesl

Karlstadt und Ida

Schumacher).

Vom Volksmund wird

der Markt „die gute

Stube Münchens“

genannt.

Aufgrund seiner

Prominenz ist das

Preisniveau eher

überdurchschnittlich

Die „Bäckerliesl“ ist

mit über 80 Jahren die

älteste Händlerin am

Markt!

- 108 -


Quellen:

Wendelin E. Seitz, Hubert Brumberger : München/Tegernsee,

Lokalhistorische Texte, Lindauer Verlag, München 1990

M. Stowasser, M. Petschenig, F. Skutsch:

Lateinisch-Deutsches Schulwörterbuch.

Oldenbourg Schulbuchverlag 2003

H. Menge : Langenscheidts Taschenwörterbuch Latein:

lateinisch-deutsch, deutsch-lateinisch.

Berlin, München, Wien, Zürich, New York 2004

Karl, K., Kloiber, H., Schönberger, N., Dr. Wolf, G.: Auspicia I-III,

Unterrichtswerk für Latein als zweite Fremdsprache,

Regensburg 2005

http://www.fachdidaktik.klassphil.unimuenchen.de/forschung/didaktik_waiblinger/latein_auf_stein/

index.html

Königsplatz

http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44746

http://de.wikipedia.org/wiki/Koenigsplatz_(Muenchen)

http://de.wikipedia.org/wiki/Glyptothek_(Muenchen)

Odeonsplatz

http://www.monacomedia.de/muenchenwiki/index.php/

Theatinerkirche

Ludwigsstraße

http://www.munich-info.de/portrait/welcome_de.html :

http://www.munich-info.de/portrait/p_staatsbibliothek_de.html

http://www.munich-info.de/portrait/p_ludwigskirche_de.html

- 109 -


http://www.munich-info.de/portrait/p_universitaet_de.html

http://www.munich-info.de/portrait/p_siegestor_de.html

http://www.bsb-muenchen.de/Die-Bayerische-Staatsbibliothek-in-

Zahlen-2011.280.0.html

http://www.bsb-muenchen.de/Bestandsgeschichte.281.0.html

https://maps.google.de

Residenz

http://www.residenz-muenchen.de/deutsch/residenz/index.htm

http://www.residenz-muenchen.de/deutsch/museum/antiquar.htm

Heym, Sabine : „Das Antiquarium der Residenz München“,

Hrsg. Bayerische Schlösserverwaltung, München 2007

Frauenkirche

http://www.muenchen.citysam.de/frauenkirche.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenkirche_(München)

Teufelstritt (Wikipedia: Frauenkirche München);

Sokolowski, Ilka, Toll, Claudia: Mein erster Reiseführer München,

Weinheim Basel, 2008

Marienplatz

http://de.wikipedia.org/wiki/Marienplatz_(Muenchen)

Viktualienmarkt und Alter Peter

http://muenchen.germanblogs.de/archive/2012/03/30/

der-alte-peter-in-muenchen.htm

http://www.edition-kappa.com/fileadmin/user_upload/

upload_content/Muenchen_Probe.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/St._Peter_(München)

Stroh, W. : "Lateinisches vom Alten Peter" in: DASIU I/83,

S.10-13;

- 110 -


Alle Bilder und Fotos wurden selbst erstellt und bearbeitet.

Ausnahme: Büste des Philippus Arabs:

Foto: Anderson, Quelle: Institut für Klassische

Archäologie und Antikensammlung,

Erlangen (http://www.aeria.phil.uni-erlangen.de)

Wir haben uns bemüht, die Urheberrechte sämtlicher Texte und

Abbildungen zu klären. Sollten Sie Urheber der abgedruckten

Texte oder Bilder sein, wenden Sie sich bitte an das Gymnasium

Tegernsee.

- 111 -


Die Legende des heiligen Quirinus vom Tegernsee

Diese Ausgabe wurde von Schülern des Gymnasiums

Tegernsee erarbeitet. Alle Illustrationen, Fotografien, der

Satzspiegel und das Layout stammen von den Schülern,

ebenso wie die digitale Produktion der Daten am Computer

für die Druckerei.

So ist eine Ausgabe von Schülern für Schüler, aber auch

für alle anderen, die schon einmal Latein gelernt haben

und sich für die Legende des hl. Quirinus interessieren,

entstanden.

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