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Eulenspiegel Stoppt den irren Mautokraten! (Vorschau)

Thank you for travelling

Thank you for travelling with Deutsche Bundeswehr! Drehscheibe-online.de Da lacht der Standort Deutschland: Die nächste Fahrpreiserhöhung im Dezember um 309,6 Prozent fließt komplett in die Verbesserung der Sicherheit an Bahnhöfen. Die Deutsche Bahn und die Bundeswehr wol len ihre Zusammenarbeit verstärken, und zwar nicht mehr nur dann, wenn es darum geht, die Soldaten in den Heimaturlaub zu befördern. Vielmehr möchte man die Bürger in Uniform in Zukunft auch beruflich in den Nahund Fernverkehr einbinden. Wie es in den gleichlautenden Pressemitteilungen von Bundeswehr und Bahn heißt, können dank der Kooperation »Soldatinnen und Soldaten nach Ausscheiden aus der Bundeswehr eine berufliche Perspektive bei der DB bekommen«. »Diese Vereinbarung stärkt den Eintritt in den Arbeitsmarkt für Soldatinnen und Soldaten«. – Jawoll! In Reih und Glied werden die Soldaten und Soldatinnen in den Arbeitsmarkt eintreten. Eine Vereinbarung, die beiden Seiten nutzt: Die Bahn erhält dringend benötigte Mitarbeiter, und die Bundeswehr spart sich die Behandlungskosten der traumatisierten Psychos. Und wer will die Zivilversager sonst auch haben? Das Mediatoren-Gewerbe? Das Friseurhandwerk? Oder doch die Schlachthöfe? Die Kooperation jedenfalls soll es ermög li - chen, »den Soldatinnen und Soldaten (den) Wechsel ins zivile Berufsleben zu erleichtern«. Dafür müssen natürlich die Schnittmengen in beiden Unternehmen stimmen. Neben dem Personenschaden, den man hier wie da kennt, und den fragwürdigen hygienischen Umständen am Arbeitsplatz gibt es aber auch Situationen, an die sich die Soldaten erst noch werden gewöh - nen müssen. Denn während der Soldat zum Beispiel in Afghanistan angehalten ist, der Zivilbevölkerung mit möglichst großem Respekt zu begegnen, möchte der Bahnkunde den charmantrauen Umgangston bei Fragen bezüglich noch zu erreichender Anschlusszüge nicht missen. Sicherlich eine schwere Umstellung für die humanitären Brunnenbauer. Wenn die Regionalbahn demnächst auf freier Strecke hält, sollte man schnellstmöglich das Weite suchen. Nichtsdestotrotz bringen die abgewrackten Bürger in Uniform durchaus brauchbare Qualifikationen mit. Sie haben gelernt, stundenlang auf der Lauer zu liegen, den Feind im Nacken und das Ziel vor der Linse. Könnte es eine bessere Voraussetzung geben, um einen ICE, besetzt mit Fundamentalisten, die dogmatisch auf Fahrplaneinhaltung und korrekte Wagenreihenfolge achten, von A nach B zu bringen (mit Umsteigen in C, D und außerplanmäßig auch in E)? Selbst wenn die ausgefallene Klimaanlage im Waggon die Gemüter erhitzt, behalten die Soldaten ein kühles Köpfchen und – die feuchtesten Träume des Bundespräsidenten werden wahr – dienen damit ausnahmsweise sogar einer friedenssichernden Maßnahme. Verminte Raucherbereiche am Bahnsteig, statt des Brezelmannes steigt der Gulaschkanonenmann zu, und in der 1. Klasse wird Crystal Meth auch am Platz serviert – Verbesserungen, die nicht von der Hand zu weisen sind. Endlich wäre da auch jemand, der krakeelende Kinder im Großraumabteil zur Raison bringt. Es könnte durchaus zum Fahrkomfort beitragen, wenn die Hauptfeldwebeline ins Kinderabteil brüllt: »Runter von den Tischen! Wir sind hier nicht im Kinderladen! Auf den Boden! 20 Liegestütze!« Auch sollte es sich der renitente Bahn-Card- Inhaber künftig sehr gut überlegen, ob er murrend den Kopf schüttelt und die »mal wieder typische« Verspätung lautstark irgendwelchen Leuten am Handy verkündet. Dann kann es nämlich passieren, dass er aussteigen und nach Hause laufen muss; mit Gepäck natürlich. Wenn die Regionalbahn demnächst auf freier Strecke einen Halt einlegt, sollte man die Türnotöffnung betätigen und schnellstmöglich das Weite suchen. Denn wenn die mit Fahrradhelm bewehrte und mit Luftpumpen ausgestattete Rentnergruppe im Fahrradabteil anders nicht unter Kontrolle zu bringen ist und Gefahr für Leib und Leben der Bahnangestellten besteht, könnte es sein, dass US-amerikanische »Tornados« zur Luftunterstützung gerufen werden. – Das aber, so Bundespräsident Gauck, selbstverständlich nur als »Ultima Ratio«. Leonhard F. Seidl 20 EULENSPIEGEL 9/14

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