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Schwerpunkt Rawtherapee

Schwerpunkt Rawtherapee 4.1 © Sandra Cunningham, Fotolia Neues in Rawtherapee 4.1 Entwicklungshilfe Im Mai erschien die in vielen Belangen überarbeitete Version 4.1 des RAW-Konverters Rawtherapee. Sie bringt etliche neue Features und Algorithmen mit. Karsten Günther Readme Seit die Entwickler Rawtherapee in Version 3.0 unter die GPL stellten, gilt es als Klassiker. Der RAW-Converter bietet eine Funktionsvielfalt, die sogar kostenpflichtige Vertreter dieser Gattung vor Neid erblassen lässt. An einigen Stellen schießt das Programm allerdings übers Ziel hinaus. Im Lauf der Jahre mauserte sich Rawtherapee û zu einem der bekanntesten freien Programme für das Entwickeln von Bitmap-Bildern aus Rohdaten-Aufnahmen. Wie alle RAW-Konverter arbeitet es komplett zerstörungsfrei. Als Besonderheit orientiert sich der Workflow an dem einer klassischen Bildbearbeitung. Ursprünglich entstand Rawtherapee nicht als freie Software, die Entwickler stellten es aber vor vier Jahren mit Erscheinen der Version 3 unter die GPL. Im Unterschied zu anderen RAW-Konvertern wie etwa Darktable gibt es Rawtherapee auch für Mac OS X und Windows. Die Arbeit mit dem Programm gestaltet sich anders als beispielsweise mit Darktable: Während dieses einen festen Workflow verwendet und damit reproduzierbare Ergebnisse garantiert, nutzt Rawtherapee eine eher intuitive Arbeitsweise, wie sie Bildbearbeitungsprogramme wie Gimp einsetzen. Das Arbeitsfenster zeigt die Veränderungen direkt im geöffneten Bild an. Das kommt zwar den Bedürfnissen vieler Anwender entgegen, verbietet aber, zusätzliche Werkzeuge in den Workflow zu integrieren – beispielsweise um nachträglich noch Fehler zu korrigieren oder besondere Effekte zu erzielen. Features Zum Berechnen der Bitmap-Bilder verwendet Rawtherapee Fließkommazahlen hoher Genauigkeit mit 96 Bits. Das benötigt zwar eine Menge Rechenzeit und Hauptspeicher, garantiert aber an- TIPP Rawtherapee findet sich in den Repositories aller gängigen Distributionen, sodass Sie es in aller Regel bequem über den jeweiligen Paketmanager installieren. Für Ubuntu stehen darüber hinaus mehrere PPAs bereit, die sowohl aktuellere als auch ältere Versionen anbieten. 36 www.linux-user.de 09.2014

Rawtherapee 4.1 Schwerpunkt dererseits sehr gute Resultate. Insbesondere zeigt sich das in den feinen Details von Lichtern (etwa in Wolken) oder in Schatten. Dort gehen bei geringerer Farbtiefe oft die wenigen vorhandenen Unterschiede aufgrund von Rundungsfehlern verloren, was im Ergebnis zu relativ „platten“ Bildern führt. Diesem Problem tritt Rawtherapee 4.1 zusätzlich an einer anderen Stelle entgegen: Der erste Schritt der Entwicklung von Bildern besteht im Entrastern („Demosaicing“) der Sensordaten. Der Grund: Alle hier auftretenden Fehler pausen sich bei der gesamten weiteren Bearbeitung durch und lassen sich nur noch schwer und unzulänglich korrigieren. Daher bietet Rawtherapee so ziemlich alles an Algorithmen auf, was bisher für diesen Zweck entwickelt wurde und sich bewährt hat. Dazu zählen AMaZE, DCB, Fast, AHD, EAHD, HPHD, IGV, LMMSE und VNG4. Um die oft relativ rechenzeitintensiven Algorithmen zu verwenden, nutzt Rawtherapee jetzt Multithreading und auch die Erweiterungen durch GPUs, wie SSE. Bei einfachen – also gut belichteten – Bil- dern treten kaum Unterschiede zwischen den Algorithmen auf. Bei bei problematischen Aufnahmen lohnt es sich aber, mit den diversen Methoden etwas zu experimentieren. Das gilt besonders dann, wenn das Sensorrauschen überhandnimmt: Rawtherapee 4.1 verfügt über eine Reihe effektiver Entrauschalgorithmen, die separat das Helligkeitsrauschen und das Farb rauschen reduzieren. Für eine optimale Wirkung müssen Sie diese Filter sehr früh im Workflow aufrufen. So ist es beispielsweise sinnlos, das Entrauschen erst nach dem Schärfen anzuwenden: Das Schärfen verstärkt das Rauschen, sodass der Rauschfilter deutlich stärker und damit verbunden mit deutlich mehr Nebeneffekten eingreifen muss, um überhaupt noch einen Effekt zu bewirken. Der intuitive Workflow erweist sich gleichzeitig als Segen und Problem von Rawtherapee: Dieselben Filter und Einstellungen produzieren erheblich abweichende Bilder, wenn Sie deren Reihenfolge ändern. Andererseits führt die beliebige Anwendbarkeit weit in das Gebiet der klassischen Bildbearbeitung Rawtherapee 4.1 LU/rawtherapee/ zerstörungsfrei: Bearbeitungsmethode, bei der das mit der Kamera aufgenommene RAW-Bild unverändert bleibt. Stattdessen liest der RAW-Konverter die Rohdaten ein und bearbeitet sie in mehreren Stufen so, dass sich daraus eine normale Bitmap ergibt. Die dabei verwendeten Bearbeitungsschritte speichert die Software in einer Datenbank oder zusätzlichen Datei, dem sogenannten Bearbeitungsprofil. 1 Rawtherapee startet im Dateiverwalter-Modus, der Laufwerke und Verzeichnisse anzeigt. Über die Schalter mit den kleinen Pfeilen (1) verstecken Sie nicht benötigte Fensterbereiche. Auch Bearbeitungswerkzeuge und Filter finden Sie hier (2). 09.2014 www.linux-user.de 37