Aufrufe
vor 3 Jahren

LinuxUser Fotos bearbeiten (Vorschau)

Schwerpunkt Rawtherapee

Schwerpunkt Rawtherapee 4.1 7 Der Schwarzweiß-Filter ist so umfangreich und komplex, dass er sich auf Notebooks kaum zur Gänze darstellen lässt. Insgesamt fasst die Gruppe Farbe eine Reihe recht guter Filter zusammen: Der Weißabgleich funktioniert im voreingestellten manuellen Modus sehr gut und erlaubt auch noch das Nachjustieren von Farbtemperatur, Farbton und Blau- Rot-Anteilen, was andere RAW-Konverter oft nicht bieten. Auch den in dieser Gruppe angebotenen HSV-Equalizer bieten sonst nur wenige Programme an. Um ihn effektiv zu verwenden, braucht man allerdings etwas Erfahrung. Der Kanalmixer von Rawtherapee unterscheidet sich von dem anderer Programme, da er keine Option für Schwarz-Weiß-Ausgaben besitzt. Das stellt aber kein Problem dar: Dafür gibt es das Schwarzweiß-Werkzeug. Es verbindet drei Tools: eine klassische Entsättigung, einen Luminanz Equalizer und den klassischen Kanal-Mixer. Zusätzlich lassen sich vor dem Umwandeln noch einzelne Farbfilter hinzufügen, und zwei Tonwertkurven einschalten, eine vor und eine nach der Umwandlung. Diese Fülle von Möglichkeiten bietet so kein anderer freier RAW-Konverter 7 . Rawtherapee verwendet als Arbeitsfarbraum in der Voreinstellung ProPhoto, was deutlich bessere Ergebnisse erzielt als AdobeRGB oder WideGamut. Die große Rechengenauigkeit erlaubt das. Als generelle Regel für die Bildbearbeitung mit Rawtherapee empfehlen die Entwickler, zunächst Funktionen zu verwenden, die das Bild im Ganzen verändern. Erst danach sollten Sie beginnen, die Details zu bearbeiten. Um einen sinnvollen Workflow festzulegen, erweist es sich als gute Idee, sich jeweils klar zu machen, was eine Aktion intern pixelbezogen macht. So erkennen Sie schnell, warum das Entrauschen vor dem Schärfen erfolgen muss: Das Schärfen und Erhöhen des lokalen Kontrastes verstärkt kleine Helligkeitsunterschiede, denn genau das empfindet das Auge als scharf. Weist das Bild aber noch Rauschartefakte auf, die sich ebenfalls durch Helligkeitsunterschiede bemerkbar machen, verstärkt der Schärfungsfilter diese. Dann wird es erheblich schwieriger, sie zu entfernen. Einstellungen 8 Die aktuelle Version von Rawtherapee erlaubt es Ihnen, noch mehr Aspekte der Oberfläche und der Interna über die Konfiguration zu beeinflussen. Wie es sich für ein komplexes Programm gehört, lassen sich viele Aspekte von Rawtherapee vorab einstellen 8 . Das gilt sowohl für die Oberfläche als auch für die internen Abläufe. Den Button zum Aufruf des entsprechenden Dialogs finden Sie in der linken unteren Ecke. 42 www.linux-user.de 09.2014

Rawtherapee 4.1 Schwerpunkt In der aktuellen Version erlaubt es die Software, mehrere Bilder gleichzeitig zu öffnen und zu bearbeiten. Nach einem Neustart zeigt sich Rawtherapee in einem neuen, horizontal orientierten Layout 9 . Viele Buttons wandern in diesem Modus an andere Positionen, sodass Platz für die Bilderreiter entsteht. Auch die Möglichkeiten von Farbprofilen sowie das Farbmanagement insgesamt haben die Entwickler in der aktuellen Version erweitert. Die entsprechenden Einstellungen nehmen Sie auf dem gleichnamigen Reiter vor. Falls der X-Server der verwendeten Distribution bereits das Monitorprofil verwaltet (durch colord, xcmsdb oder den entsprechenden Dialog in der Desktop-Umgebung), ist beim Einbinden eines Monitorprofils in Rawtherapee Vorsicht geboten. 9 Im Multitab-Modus lädt die Software jetzt auch mehrere Bilder gleichzeitig. Über die Reiter oben (rot) schalten Sie zum gewünschten Bild um. Fazit Wer sich mit Rawtherapee ein einfaches Werkzeug zum „Entwickeln“ von RAW- Bildern erhofft, wird enttäuscht: Zwar lässt sich mit dem enorm leistungsfähigen Programm Erstaunliches anstellen, doch Einsteiger treibt es mitunter in die Verzweiflung. Wegen des freien Workflows lassen sich die erzielten Ergebnisse kaum reproduzieren und sind eher künstlerischer Art. Ein echtes Manko stellt die immer noch uneinheitliche, überladene Oberfläche dar: Ohne ein intensives Studium des (inzwischen obendrein veralteten) Handbuchs gelingt es kaum, einen wesentlichen Teil der Funktionen zu verwenden – man findet sie schlicht nicht. Auch lassen viele der angebotenen Filter nicht zuletzt wegen der beschriebenen Überlappungen in ihrer Bedienung zu wünschen übrig. Diese gegeneinander gerichteten Wirkungen können die Entwickler prinzipbedingt zwar nicht vollständig vermeiden, sollten sie aber möglichst minimieren. (tle) n Weitere Infos und interessante Links www. linux‐user. de/ qr/ 33143