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LinuxUser Fotos bearbeiten (Vorschau)

Schwerpunkt Fotobücher

Schwerpunkt Fotobücher in Eigenregie Beschnittzugabe: Bei der Beschnittzugabe handelt es sich um einen Bereich, den die Druckerei während des Herstellungsprozesses benötigt. Dieser sollte keine wichtigen Elemente enthalten, da er womöglich während der Produktion abgeschnitten wird. Hintergrundbilder und Fotos, die bis an den Rand des Endproduktes heranreichen sollen, setzen Sie jedoch unbedingt bis an den äußeren Rand der Seite. Regel nur dann fehlerfrei funktioniert, wenn diese nicht zu aufwendig ausfallen. Für diesen Workshop entschieden wir uns für ein Buch im Format 30x30 cm, da dieses genügend Möglichkeiten für verschiedene Formen und Anordnungen bietet. Die Größe erlaubt zudem auch das Zeigen von Fotos mit vielen Details. Seiten anlegen Da der Workshop fast ausschließlich mit Fotos arbeitet, würde es sich anbieten, Gimp zu nutzen. Allerdings erzeugt das Programm keine PDF-Dateien, die sich als Druckvorlage eignen, wie sie Druckereien für eine korrekte Umsetzung des Fotobuchs benötigen. Deswegen kommt Scribus zum Einsatz. Die Gestaltung des Fotobuchs startet bei den Innenseiten. Die für unser Projekt ausgewählte Druckerei gibt als Maße für die Seiten 300 mm Breite und 294 mm Höhe vor, dazu kommt eine Beschnittzugabe von 3 mm. Beim Cover-Dokument fällt die Beschnittzugabe noch etwas breiter aus, da es ja auch um die Deckel des Fotobuchs herumgeschlagen wird, sodass es noch etwas mehr Raum benötigt. Auch hier sollte ein Hintergrundbild bis an den äußersten Rand heranreichen. Beim Start von Scribus öffnet sich automatisch der Dialog zum Einrichten einer neuen Seite, alternativ verwenden Sie [Strg]+[N]. Stellen Sie zunächst unter Optionen die Maßeinheit auf Millimeter ein. Jetzt legen Sie die Breite und die Höhe des Dokuments fest sowie unter Anschnitt die Beschnittzugabe 1 . Von der Fotobuch-Software großer Hersteller kennen Sie eventuell die Vorlagen, bei denen es unzählige Varianten zum Verteilen mehrerer Fotos auf einer Einzelseite gibt. Falls Sie eine einheitliche Anordnung der Bilder wünschen, bietet Scribus mit Musterseiten und Vorlagen eine passende Lösung an (siehe Kasten Vorlagen und Musterseiten). Hintergründig Hintergründe gestalten Sie wahlweise mit Farbflächen, Mustern oder auch 2 Musterseiten stellen unter Scribus insbesondere dann eine Hilfe dar, wenn Sie mehrere Seiten mit gleichem Layout erzeugen möchten. 46 www.linux-user.de 09.2014

Fotobücher in Eigenregie Schwerpunkt Fotos. Zu den klassischen Farben für den Hintergrund zählen Weiß und Schwarz. Während sich Weiß für nahezu alles eignet, bietet sich Schwarz bei stark bearbeiteten Fotos an, die besonders edel wirken sollen. Ansonsten liegen Pastellfarben wie Gelb, Lindgrün, Hellblau und aktuell sogar Pink im Trend. Reine Farbflächen wirken aber oft etwas trist, und so liegt es nahe, gemusterte Farbflächen zu verwenden. Eine gute Quelle für hochwertige und aufwendige Hintergründe bietet die Webseite Deviant art û. Einfache Strukturen und gemusterte Farbflächen erstellen Sie sehr leicht mit Gimp, reine Farbflächen ermöglicht Scribus dagegen selbst. Legen Sie dazu einen Bildrahmen an. Öffnen Sie im Kontextmenü die Eigenschaften und wählen Sie dort eine Farbe aus. Soll diese nicht voll decken, regeln Sie in den Transparenzeinstellungen die Deckkraft herunter. Vor allem, wenn Sie Ihr Fotobuch später beschriften möchten, kommt das der Lesbarkeit der Texte zugute. Die eigenen Fotos bieten häufig gute Motive, um sie als Hintergrund zu verwenden. Aufnahmen vom Meer oder den Bergen eignen sich perfekt als Hintergrund, sofern sie nicht zu viel störendes Beiwerk enthalten. Ein Sport-Event bringt oft das leere Stadion als passenden Hintergrund mit, und selbst Stadtansichten eigenen sich, solange es sich um eher großflächige Motive handelt. Ziehen Sie dafür im Dokument einen Bildrahmen über die Seitenbereiche hinaus auf. [Strg]+[I] öffnet einen Auswahldialog, aus dem Sie das gewünschte Bild laden. Aus dem Kontextmenü wählen Sie danach Bild an den Rahmen anpassen. Das erlaubt es Ihnen, die Aufnahme beliebig in der Größe zu variieren. Anschließend positionieren Sie das Bild via Drag & Drop an der gewünschten Stelle. Fotos vorbereiten In Scribus skalieren Sie Fotos innerhalb der Bildrahmen beliebig und passen gegebenenfalls die Ausschnitte an. Sie beschleunigen das Erstellen des Fotobuchs jedoch erheblich, indem Sie die Bilder bereits in Gimp soweit zurechtschneiden, dass nur die wichtigen Bildelemente im Foto zurückbleiben. Zum einen müssen Sie dann in Scribus weniger „basteln“, zum anderen reduziert dieses Vorgehen die Datenmenge, was später in einer höheren Arbeitsgeschwindigkeit der Software resultiert (vom Hochladen der Daten ganz zum Schluss einmal ganz abgesehen). Eine andere Anpassung betrifft den Farbraum. Lassen Sie das Fotobuch bei einem Foto-Spezialisten belichten, dann benötigen Sie Bilder im RGB-Farbraum, mit dem die gesamte Verarbeitungskette zurechtkommt. Lassen Sie das Fotobuch dagegen bei einer Druckerei erstellen, erwartet diese die Bilddaten mit CMYK-Farbraum. Das stellt unter Linux insofern ein Problem dar, als Gimp diesen nicht kennt. Für Abhilfe sorgt das Plugin Separate+ û. Es ist recht umständlich zu handhaben, weswegen wir es nur fortgeschrittenen Anwendern empfehlen. 3 Ein weniger intensives Bild ohne die in der PDF-Datei eventuell störende Transparenz erzeugen Sie ganz einfach in Gimp. Ein anderer Weg führt über die Kommandozeilensoftware Image- Magick, die zum Standardrepertoire aller großen Linux-Distributionen gehört. Mit dem folgenden Befehl wandeln Sie ein JPEG-Bild von RGB nach CMYK um: $ convert ‐profile /Pfad/zu/USWebCoatedSWOP.icc U RGB‐Bild.jpg CMYK‐Bild.jpg Zum Umwandeln mehrerer Fotos integrieren Sie den Befehl in ein kleines Skript und wenden es auf einen kompletten Ordner an. Ein weiteres Problem taucht eventuell beim PDF-Export auf. Hier kommt es darauf an, welche Version Ihre Druckerei verlangt: Verwenden Sie ein Foto als Hintergrund mit 80 Prozent Deckkraft, erhalten Sie bei PDF 1.3 oder PDF X/​A eine Fehlermeldung des Inhalts, dass Bilder Transparenzen enthalten. Mit Gimp beugen Sie diesem Problem vor. Öffnen Sie das Foto und erstellen Sie eine neue Ebene mit Weiß als Ebenenfüllart. Schieben Sie die neue Ebene ganz nach unten. Beim Originalfoto verringern Sie jetzt die Deckkraft auf den gewünschten Wert 3 . Über Ebene | Nach unten vereinen reduzieren Sie die Ebenen abschließend auf den Hintergrund. 09.2014 www.linux-user.de 47