26.08.2014 Aufrufe

Digitale Fotografie - Update Landschaften, Muster, Mach dein Bild, Porträts (Vorschau)

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ALS BONUS: GRATIS Digitalausgabe mit 50 FOTOPROJEKTEN S.146<br />

<strong>Digitale</strong><br />

GLOCKENBLUMEN S.52<br />

UPDATE<br />

WAS SIE FÜR PERFEKTE AUFNAHMEN WISSEN MÜSSEN<br />

Nr. 12/2014 Sep-Nov 2014<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,99<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50<br />

LANDSCHAFTEN S. 104 MUSTER S. 116 MACH DEIN BILD S. 68 PORTRÄTS S. 34<br />

www.digitale-fotografi e-magazin.de


Willkommen...<br />

Liebe Leser und Fotografen!<br />

Herzlich Willkommen zum aktuellen „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> - <strong>Update</strong>“. Zum<br />

Einstieg stellen wir wie üblich eine Auswahl eingesendeter Fotobeiträge im<br />

„Leserportfolio“ vor – ergänzt durch den umfangreichen „Schaukasten“ (ab<br />

Seite 28) und ausgewählte <strong>Bild</strong>besprechungen in der „Expertenmeinung“ (ab<br />

Seite 96).<br />

Nach einem Ausflug in die Welt der Werbefotografie folgen als weitere<br />

Schwerpunkte dieser Ausgabe originelle Aufnahmen von unter Wasser,<br />

Satellitenfotos von weit über der Erde sowie aktuelle Tipps zu den Klassikern<br />

der Landschafts- und Porträtfotografie. Passend dazu präsentieren wir die<br />

neuesten Kameras aus dem Hause Nikon sowie kompetente Beratung und<br />

praktische Anleitungen, damit Sie Schritt für Schritt ähnliche Ergebnisse erzielen<br />

können.<br />

Die Rubrik „Das kreative Auge“ verwöhnt Sie dieses Mal mit einigen<br />

besonders süßen und romantischen Ideen; anschließend laden wir Sie ein,<br />

die verborgenen „<strong>Muster</strong>“ dieser Welt und weitere, überraschende Fotomotive<br />

zu entdecken. Natürlich liefern wir zu allen Themen auch dieses Mal Tipps<br />

und Tricks zur Aufnahmetechnik, stellen geeignete Ausrüstung sowie<br />

unentbehrliches Zubehör vor. Entdecken Sie Ihre Möglichkeiten!<br />

Viel Spaß & Erfolg dabei wünscht das Team von „<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>“!<br />

IMPRESSUM<br />

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />

REDAKTION INTERNATIONAL: Mark Bauer,<br />

Sarah Plater, Pete Davis, Terry Hope,<br />

Damien Lovegrove, Philip Nash, Pip, Ian<br />

Wood<br />

ART DIRECTOR: Tony Mullock<br />

FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOK wird unter der Lizenz und<br />

mit der Erlaubnis von © Bright Publishing<br />

Limited herausgegeben. Alle Rechte an<br />

Material, Titel und Marke dieses Magazins<br />

sind Eigentum von Bright Publishing Limited<br />

und dürfen weder im Ganzen noch teilweise<br />

ohne vorherige schriftliche Genehmigung<br />

reproduziert werden.<br />

Haftung<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt<br />

produziert. Der Verlag kann jedoch keine<br />

Haftung, Gewährleistung, Garantie oder<br />

Versicherung für Meinungen, Waren oder<br />

Dienstleistungen übernehmen, die in<br />

dieser Ausgabe veröffentlicht wurden.<br />

Der Herausgeber übernimmt keine<br />

Verantwortung für Inhalte von externen<br />

Webseiten, deren Adressen veröffentlicht<br />

werden.<br />

VERTRIEB<br />

VU VERLAGSUNION KG<br />

Am Klingenweg 10<br />

65396 Walluf<br />

Telefon: 0612/3620 0<br />

BÜRO DEUTSCHLAND<br />

Ultimate Guide Media<br />

Landsberger Straße 302<br />

80687 München<br />

Telefon: +49 (0) 89 90 40 5 805<br />

Fax: +49 (0) 89 90 40 5 066<br />

BÜRO UNITED KINGDOM<br />

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Argyle House, 1 Dee Road<br />

Richmond, Surrey<br />

TW9 2JN<br />

Company No. 06965305<br />

HOMEPAGE<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

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Homepage: www.ips-d.de<br />

LESERFRAGEN<br />

Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />

info@digitale-fotografie-magazin.de<br />

DRUCK UND BINDUNG<br />

Quad/Graphics Europe Sp. z o. o.<br />

Drukarnia Wyszków<br />

ul. Pułtuska 120<br />

07-200 Wyszków, Polska<br />

www.quadgraphics.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht<br />

aus umweltverträglichen Fasern.


8<br />

SCHAUKASTEN


Inhalt<br />

8 PORTFOLIO<br />

Schattenspiele<br />

Lichter Moment<br />

Am Pier<br />

Blonde<br />

Grün und Gold<br />

Toskana<br />

Majestätisch<br />

Flavie<br />

14 EINSICHTEN DES PROFIS<br />

Wir sprechen mit Werbefotograf Frederic Schlosser<br />

aus Frankfurt über die Besonderheiten seiner<br />

Arbeitsausrüstung.<br />

16 EINDRUCKSVOLLE TIEFEN<br />

Unter Wasser liegt eine ganz besondere Welt, die viele<br />

von uns nie zu Gesicht bekommen.<br />

20 SCHNELLFEUER<br />

Die neue Nikon 1 V3 bietet eine schier unglaubliche<br />

Serienbildgeschwindigkeit.<br />

22 KUNST MIT SATELLITENFOTOS<br />

Eigentlich dienen sie wissenschaftlichen<br />

Zwecken, doch die NASA hat kürzlich drei ihrer<br />

Satelliten für künstlerische Fotos unseres Planeten<br />

zweckentfremdet.<br />

26 NIKON 1 J4<br />

Die vierte Auflage der Nikon 1 wurde weiter<br />

verbessert.<br />

28 SCHAUKASTEN<br />

Die besten <strong>Bild</strong>er unserer Leser<br />

45 HUNDE-PORTRÄTS<br />

Haben Sie einen Hund, der gerne spielt? Fotografin<br />

Elke Vogelsang zeigt Ihnen, wie Sie einfache und<br />

charaktervolle Studioporträts von ihm machen.<br />

48 PORTRÄTZUSCHNITT<br />

Fehlt Ihren <strong>Porträts</strong> der Pfiff, das gewisse Etwas?<br />

Caroline Schmidt zeigt Ihnen, wie Sie Ihren Fotos<br />

Dynamik verleihen, mit einfachen Techniken des<br />

<strong>Bild</strong>zuschnitts.<br />

52 GLOCKENBLUMENWALD<br />

Die Zeit, wenn die Farbenpracht ganzer Teppiche von<br />

Glockenblumen überall in der Natur auftaucht, gehört<br />

zu den schönsten des Jahres.<br />

56 MINIMALISTISCHE LANDSCHAFTEN<br />

Bei Landschaftsfotos soll normalerweise so viel wie<br />

möglich der Szenerie aufs Foto. Doch es geht auch<br />

anders.<br />

58 WELLENBEWEGUNG<br />

Helen Dixon ist auf dem Weg nach Porthcurno Beach<br />

in Cornwall, wo sie herausfinden will, wie man<br />

impressionistische <strong>Bild</strong>er einer Küste macht.<br />

60 KUNST MIT BLUMEN<br />

Farbiger Karton, Tageslicht und ein paar Blüten sind<br />

alles, was Sie benötigen, um attraktive Stillleben mit<br />

Blumen zu kreieren.<br />

62 ABGEHOBEN – ILLUSION DES SCHWEBENS<br />

Paradoxe, die Realität in Frage stellende Fotos sind<br />

einfacher zu kreieren, als man gemeinhin annimmt.<br />

64 BABYS IM SCHLAF<br />

Caroline Schmidt zeigt Ihnen, wie Sie die Kleinen ins<br />

rechte Licht setzen.<br />

68 VERKEHRSSPUREN<br />

Geben Sie Ihren Nachaufnahmen in der Stadt<br />

mehr Dynamik, indem Sie die Lichtspuren des<br />

Fahrzeugverkehrs einfangen.<br />

72 WILDBLUMEN MIT DEM TELEZOOM<br />

Lieben Sie Blumen? Erfahren Sie, wie Sie sie perfekt<br />

ins <strong>Bild</strong> setzen.<br />

28<br />

SCHAUKASTEN<br />

45<br />

HUNDE-PORTRÄTS<br />

68<br />

VERKEHRSSPUREN<br />

48<br />

PORTRÄTZUSCHNITT<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 005


Inhalt<br />

74 WALD IM NEBEL<br />

Es ist eine klassische Szene. Leser Robert Radomski verrät<br />

uns seine Tipps zum <strong>Fotografie</strong>ren von Dämmerungsstrahlen.<br />

76 SPRITZIGE FRUCHT<br />

Mit einfachen Schritten kreieren Sie ein anregendes Foto,<br />

dass Sie in Punkto Highspeed-<strong>Fotografie</strong> vielleicht auf den<br />

Geschmack bringt.<br />

78 DAS KREATIVE AUGE<br />

Zuckerpuppe Süßigkeiten I<br />

Liebesherz Süßigkeiten II<br />

Zuckerporträt Süßigkeiten III<br />

In der Bibliothek Gestempelte Erinnerungen<br />

Love Story Buch mit Herz<br />

91 FOTO-WORKSHOP<br />

Makrofotografie<br />

Nachtfotografie<br />

96 EXPERTENMEINUNG ZU MOTIVEN UNSERER LESER<br />

Southwold Pier<br />

Feldmaus<br />

104 LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE<br />

Ausrüstung<br />

Ein großer Vorteil der Landschaftsfotografie ist, dass Sie keine<br />

teure Spezialausrüstung brauchen.<br />

<strong>Bild</strong>komposition<br />

Die <strong>Bild</strong>komposition liefert die Elemente für gute<br />

Landschaftsfotos, doch die Art und Weise, wie Sie diese<br />

Elemente arrangieren, sorgt für den Unterschied zwischen<br />

einem durchschnittlichen Foto oder einem kleinen Kunstwerk.<br />

116 MUSTER UND IHRE WIRKUNG<br />

Ganz gleich, wo wir uns befinden: Wir sind viel häufiger von<br />

<strong>Muster</strong>n umgeben als uns bewusst ist.<br />

118 URBANE MUSTER<br />

Unsere Städte demonstrieren eindrucksvoll unseren Hang zu<br />

regelmäßigen Strukturen. Sie müssen sie nur sehen.<br />

120 MUSTERHAUSHALT…<br />

Suchen, Finden und <strong>Fotografie</strong>ren von <strong>Muster</strong>n ist eine<br />

anregende, kreative Beschäftigung an einem verregneten<br />

Sonntag.<br />

122 MUSTER IN DER NATUR<br />

Ob im umfassenden Landschaftspanorama oder an kleineren<br />

Strukturen, <strong>Muster</strong> in der Natur sind leicht zu finden.<br />

124 NICHT ALLE TRAGEN UNIFORM<br />

Was als kleines, privates Projekt begann, wurde in Windeseile<br />

zur lokalen Sensation. Wir sprachen mit Brandon Cawood<br />

über Helden des Alltags.<br />

129 PREISWERTE AUSRÜSTUNG<br />

Studiohintergrund<br />

Filter-Sets<br />

141 FAMILIENFOTOS<br />

Hier finden Sie Inspiration und Ideen für attraktive<br />

Familienfotos, nicht das Übliche „im Halbkreis aufstellen“…<br />

147 MR AND MRS<br />

Seit knapp zwei Jahren verheiratet, tragen Graham und Alex<br />

nun einen ganz privaten Fotowettkampf aus.<br />

152 SCHWARZWEISSFILM-EFFEKT<br />

Simulieren Sie Ihren bevorzugten Schwarzweißfilm durch<br />

spezielle Einstellungen in Lightroom.<br />

154 FARBFILTER<br />

Erzeugen Sie interessante Filtereffekte mit Verläufen in<br />

Photoshop Elements.<br />

156 VSCO FILM LIGHTROOM PLUGIN<br />

Populär geworden durch die vielen Möglichkeiten der<br />

Filmsimulation, haben wir uns etwas genauer mit VSCO-Film<br />

beschäftigt.<br />

158 ETABLIEREN SIE IHREN WORKFLOW<br />

Haben Sie genug von unaufgeräumten Festplatten, von<br />

überflüssigen Duplikaten und nicht aufzufindenden <strong>Bild</strong>ern?<br />

Dann wird es Zeit, etwas zu unternehmen.<br />

96<br />

EXPERTENMEINUNG ZU<br />

MOTIVEN UNSERER LESER<br />

108<br />

LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE<br />

141<br />

FAMILIENFOTOS<br />

116<br />

MUSTER UND IHRE<br />

WIRKUNG<br />

91<br />

FOTO-WORKSHOP<br />

006 / DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE


78<br />

DAS KREATIVE AUGE<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE – UPDATE \ 007


Portfolio<br />

Schattenspiele<br />

by Rob Scamp<br />

www.muddyslippers.co.uk<br />

„Eigentlich benutze ich fast immer das<br />

Weitwinkelobjektiv, wenn ich fotografiere. Diese<br />

Szene verlangte jedoch eine längere Brennweite,<br />

weil ich einen kleinen Bereich isolieren wollte. Die<br />

Lichtverhältnisse waren perfekt, und ich musste<br />

mich regelrecht losreißen von dem Anblick, um<br />

den Moment mit der Kamera festzuhalten.“<br />

Nikon D7000 mit Nikon 18–105mm f/3.5–5.6G ED VR<br />

Belichtung: 1/125 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 100


Portfolio<br />

Lichter Moment<br />

Sebastien Gaborit<br />

www.500px.com/sebdowsphotography<br />

(Oben) „Diese Aufnahme entstand in La Rochelle,<br />

Frankreich. Ich war zunächst enttäuscht von den<br />

Lichtverhältnissen, doch dann kam die Sonne<br />

durch. Die Farben der Wolken waren<br />

wunderschön. Ich habe einen zehnstufigen<br />

Graufilter benutzt – den „Big Stopper“ – und<br />

mehrere Aufnahmen zusammenmontiert, um den<br />

Vordergrund aufzuhellen.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit EF 16–35mm f/2.8L II<br />

Belichtung: 92 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 200<br />

Am Pier<br />

Sebastien Gaborit<br />

www.500px.com/sebdowsphotography<br />

(Rechts) „Auch dieses Foto stammt aus<br />

Frankreich, aus Pointe du Plomb. Die Sonne war<br />

gerade untergegangen und ich auf dem<br />

Heimweg, als ich an dem Pier vorbeikam. Viel<br />

Tageslicht war nicht mehr vorhanden, also<br />

machte ich ein paar Langzeitbelichtungen, die<br />

ich in der Nachbearbeitung zusammensetzte.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit EF 16–35mm f/2.8L II<br />

Belichtung: Mehrere Langzeitaufnahmen bei Blende f/16<br />

und ISO 200<br />

10 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Blonde<br />

Sean Tucker<br />

www.seantucker.photography<br />

(Oben) „Diese interessante Tapete gab einen<br />

hervorragenden Hintergrund ab. Brooke stellte<br />

sich einen Meter von der Wand entfernt auf; für<br />

die passende Beleuchtung benutzte ich das<br />

Blitzgerät in einer kleinen Softbox und einen<br />

kleinen Reflektor unterhalb der Kamera.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 50mm f/1.4<br />

Belichtung: 1/100 Sekunde bei Blende f/2.8 und ISO 100<br />

Grün und Gold<br />

Sean Tucker<br />

www.seantucker.photography<br />

(Rechts) „Hier benutzte ich einen Studioblitz in<br />

einer Softbox mit einem Meter Durchmesser und<br />

einen kleinen Reflektor, der zusätzlich das Kinn<br />

aufhellt. Der Glanz auf dem Haar entstand durch<br />

die tief stehende Sonne. Außerdem verwendete<br />

ich einen Graufilter der Stärke 0.9ND, um die<br />

gewünschte Schärfentiefe zu erhalten.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 85mm f/1.8<br />

Belichtung: 1/100Sekunde bei Blende f/2.5 (ISO 125)<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

11


Portfolio<br />

Toskana Aurel Manea<br />

www.aurelm.com<br />

(Oben) „Die Toskana kann man nur mit einem Teleobjektiv<br />

fotografieren. Ich war zwei Stunden vor Sonnenaufgang vor Ort und<br />

plante meine <strong>Bild</strong>komposition. Der Nebel verlieh der Szene mehr<br />

Tiefe, während die Sonne aufging.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 70–200mm f/4L IS USM<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/7.1 und ISO 100<br />

Majestätisch Aurel Manea<br />

www.aurelm.com<br />

(Unten) „Kirkjufell auf Island ist einer der schönsten Orte der Erde. Ich verbrachte<br />

eine Nacht dort und hoffte auf ein schönes Postkartenfoto am folgenden Tag; der<br />

über Nacht gefallene Schnee hatte das Land vollständig verwandelt.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Samyang 14mm f/2.8<br />

Belichtung 1/15 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100<br />

12 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Flavie<br />

Joan le Jan<br />

500px.com/Crapaud<br />

„Flavie hat so wunderschöne Augen, dass ich<br />

so nah wie möglich herangehen wollte. Ich<br />

bat sie, den Kopf etwas zu senken und direkt<br />

in die Kamera zu blicken, damit ein intensiver<br />

Augenkontakt entstand. In der<br />

Nachbearbeitung habe ich mit dem<br />

Gaußschen Weichzeichner ein wenig die<br />

Haut geglättet.“<br />

Canon EOS 6D mit Canon EF 135mm f/2L USM<br />

Belichtung: 1/320Sekunde bei Blende f/2.8 Und ISO 400<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

13


Einsichten des Profis<br />

FREDERIC SCHLOSSER<br />

WIR SPRACHEN MIT<br />

WERBEFOTOGRAF FREDERIC<br />

SCHLOSSER AUS FRANKFURT<br />

ÜBER DIE BESONDERHEITEN<br />

SEINER ARBEITSAUSRÜSTUNG.<br />

„Meine Auftragsarbeiten finden fast ausschließlich<br />

vor Ort statt, deswegen brauche ich leichtes,<br />

kompaktes und einfach auf- und abzubauendes<br />

Equipment. Das Ganze muss in den Kofferraum<br />

des Autos passen, doch das Traurige ist: Viele<br />

dieser Luxuskarossen, die ich fotografiere, haben<br />

einen lächerlich kleinen Kofferraum!<br />

Als Kamera habe ich mir kürzlich die neue Sony<br />

A7R zugelegt, vor allem deshalb, weil für das<br />

Gehäuse die Spitzen-Objektive von Zeiss zur<br />

Verfügung stehen. Was den Dynamikbereich, die<br />

Schärfe und die Auflösung dieser Kamera angeht,<br />

ist „unschlagbar“ die einzig passende<br />

Beschreibung. Die <strong>Bild</strong>er aus der A7R werden noch<br />

unglaublicher, wenn man die Größe der Kamera<br />

betrachtet, denn ich kann sie überall hin<br />

mitnehmen!<br />

Ich benutze nur ein einziges Objektiv, das Zeiss<br />

24–70mm f/2.8 Vario-Sonnar T* ZA, das mit dem<br />

Adapter LA-EA4 von Sony an die Kamera passt. Die<br />

Zeiss-Optik ist extrem scharf und bietet mir flexible<br />

Brennweiten – genau das, was ich für den Einsatz<br />

on Location brauche. Ich nehme die Autos immer<br />

im Kontext mit der Umgebung auf, die<br />

Brennweiten liegen zwischen 35 und 60<br />

Millimetern.<br />

Für die Beleuchtung verwende ich das neue<br />

Profoto B1 System, für mich das beste Lichtsystem,<br />

das ich je benutzt habe, und perfekt für die Arbeit<br />

vor Ort. Bei herkömmlichen Studioblitzgeräten<br />

sind immer die Stromkabel im Weg, die zu den<br />

Akkumulatoren oder den Generatoren führen.<br />

Beim B1 System sind die Akkus integriert und<br />

liefern genug Saft für 220 Aufnahmen mit voller<br />

Lichtleistung – kein Stolpern mehr über Kabel.<br />

„Ich habe das System neulich in St. Tropez für<br />

das Audi-Magazin benutzt. Mir schwebte ein<br />

Surfer vor, der seine Ausrüstung mit dem Audi S3<br />

zum Strand transportiert. Ich fand eine passende<br />

Am Set: Der Profoto Air Funkfernauslöser und das<br />

kabellose B1-System sind perfekt für die Arbeit vor Ort.<br />

Die Blitzleistung kann ich von der Kamera aus steuern,<br />

was die Setup- und Einstellzeiten auf ein Minimum<br />

beschränkt.<br />

Örtlichkeit und begann bei Sonnenaufgang, das<br />

Licht war also goldrichtig. Wenn man bei<br />

Sonnenaufgang arbeitet, hat man nur ein kleines<br />

Zeitfenster, bevor sich das Licht ändert. Dank des<br />

B1-Systems und der Profoto Air Funkfernauslöser<br />

konnte ich die Blitze fernsteuern; so arbeitet man<br />

schnell und effizient mit minimalem Setup. Das<br />

endgültige Foto besteht aus mehreren<br />

Aufnahmen, die aus verschiedenen Winkeln<br />

ausgeleuchtet wurden, jeweils mit und ohne<br />

Softbox. Die Tatsache, dass keine störenden Kabel<br />

im <strong>Bild</strong> zu sehen sind, bedeutet für mich schnellere<br />

Nachbearbeitung, sodass ich zum <strong>Fotografie</strong>ren<br />

mehr Zeit habe.<br />

Mein Stativ ist ein Manfrotto 190CXPRO3 aus<br />

14 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Einsichten des Profis \ Schnappschüsse<br />

Kohlefaser, ideal für die Reise, denn es ist leicht und<br />

kompakt. Der Rest meiner Ausrüstung besteht aus<br />

dem Apple Macbook Pro Retina und aus jeder<br />

Menge Akkus für die Kamera und das B1-System.<br />

Da viele meiner Fotos unterwegs entstehen, muss<br />

ich immer damit rechnen, noch kurz vor<br />

Sonnenuntergang eine perfekte Location zu<br />

finden – und dazu müssen die Akkus voll sein!<br />

Eine Requisite, die ich für das Audi-Projekt<br />

benutzt habe, gehört eher nicht zur normalen<br />

Fotoausrüstung: ein Blumenstrauß. Den hielt ich<br />

vor das Objektiv, um das Vordergrund-Bokeh zu<br />

erzeugen und dem <strong>Bild</strong> mehr Tiefe zu geben.“<br />

Weitere <strong>Bild</strong>er von Frederic Schlosser finden Sie<br />

auf www.fredericschlosser.de<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

15


16 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Kurz belichtet<br />

DAS NEUESTE AUS DER WELT DER FOTOGRAFIE<br />

EINDRUCKSVOLLE<br />

TIEFEN<br />

UNTER WASSER LIEGT EINE GANZ BESONDERE WELT, DIE VIELE VON UNS NIE ZU<br />

GESICHT BEKOMMEN WERDEN – ES SEI DENN, MAN SCHAUT SICH DIESE<br />

UNGLAUBLICHEN FOTOS AN, DIE UNS DIE GEWINNER DES FOTOWETTBEWERBS VON<br />

UNDERWATERPHOTOGRAPHY.COM FREUNDLICHERWEISE ZUR VERFÜGUNG<br />

GESTELLT HABEN.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

17


Kurz belichtet<br />

WETTBEWERBSERGEBNISSE<br />

D<br />

ie Gewinner des<br />

Unterwasserfotografie-Wettbewerbs<br />

2013/14 von Underwaterphotography.<br />

com stehen fest. Die preisgekrönten<br />

Fotos eröffnen eine ebenso vielfältige wie<br />

faszinierende Unterwasserwelt.<br />

Der jährlich stattfindende Fotowettbewerb ist<br />

einer der traditionsreichsten in diesem hoch<br />

spezialisierten Genre der <strong>Fotografie</strong>, und die<br />

begehrten Preise sind den wahren Meistern ihres<br />

Fachs vorbehalten. Trotzdem wurden die<br />

meisten der ausgewählten Fotos mit normalen<br />

digitalen Spiegelreflexkameras in<br />

Unterwassergehäusen aufgenommen, die<br />

überall erhältlich sind. Die Unterwasserfotografie<br />

steht also jedem offen.<br />

Der diesjährige Wettbewerb erbrachte fast<br />

8000 Einsendungen für 17 Kategorien, darunter<br />

Fotos von Schiffswracks, von farbenfrohen<br />

Bodenfressern und grinsenden weißen Haien;<br />

sogar Unterwasser aufgenommene Mode- und<br />

Porträtfotos wurden eingesandt.<br />

Nach ausgiebigen Beratungen wurde die auf<br />

den Cayman-Inseln lebende belgische<br />

Fotografin Ellen Cuylaerts schließlich zur<br />

Siegerin gekürt. Obwohl Ellen erst vor drei<br />

Jahren mit dem Tauchen begann, hat sie schon<br />

zahlreiche Preise abgeräumt, diesmal sogar in<br />

mehreren Kategorien. Sie ist ganz offensichtlich<br />

ein Naturtalent. Ihre Weitwinkelaufnahme einer<br />

Seekuh, die fragend in die Kamera schaut, hat die<br />

Preisrichter besonders beeindruckt und brachte<br />

ihr die Goldmedaille in der Kategorie<br />

„Süßwasser“.<br />

Der Betreiber von „Underwaterphotography.<br />

com“, Tal Mor, sagt über die Gewinnerin: „Es war<br />

eine nahezu einstimmige Wahl, die ihr den Titel<br />

als beste Unterwasserfotografin der Welt<br />

einbrachte. Es ist wirklich erstaunlich, in nur drei<br />

Jahren ein solches Niveau zu erreichen. Wie am<br />

Fließband lieferte sie umwerfende<br />

Unterwasserbilder für fast alle<br />

Wettbewerbskategorien.“<br />

Sie können Ellens Siegerfotos und alle<br />

anderen preisgekrönten Fotos auf<br />

www.underwaterphotography.com<br />

bewundern.<br />

Ellen Cuylaerts / Gesamtsiegerin<br />

Marjan Radovic / Silbermedaille / Tauchen mit Weitwinkel<br />

Helmy Hashim / Goldmedaille / Weitwinkel-Nahaufnahmen<br />

Nadya Kulagina / Goldmedaille / Tauchen mit Weitwinkel<br />

Doris Vierkötter / Silbermedaille / Makro-Nahaufnahme<br />

18 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 19


Kurz belichtet<br />

NEUE PRODUKTE<br />

SCHNELLFEUER<br />

DIE NEUE NIKON 1 V3 BIETET EIN SCHIER UNGLAUBLICHES<br />

SERIENBILD-TEMPO<br />

Seit einigen Wochen ist ein neues Modell der spiegellosen Nikon 1<br />

Systemkamera-Serie auf dem Markt: Die Nikon 1 V3, von Nikon selbst als „Master<br />

of Speed“ bezeichnet. Der Grund: ein extrem schneller Serienbildmodus von 20<br />

<strong>Bild</strong>ern pro Sekunde bei automatischem Autofokus und 60 <strong>Bild</strong>ern pro Sekunde<br />

ohne Autofokus. Es gibt derzeit keine schnellere Kamera als die V3. Sie kommt<br />

außerdem mit einem 18,4-Megapixel CMOS-Sensor im CX-Format, einem<br />

Empfindlichkeitsbereich zwischen ISO 160 und ISO 12800, WiFi, einem 3 Zoll LCD<br />

Touch Screen und 171 Autofokuspunkten, von denen 105 mit Phasenerkennung<br />

arbeiten. Verarbeitet werden die mit dieser Technologie produzierten <strong>Bild</strong>daten<br />

von einem kräftigen EXPEED 4A Prozessor.<br />

Passend zur Kamera gibt es auch eine Reihe neuen Zubehörs, das sich allerdings<br />

eher an professionelle Fotografen richtet. Dazu gehören der elektronische Sucher<br />

DF-N1000, der in den hauseigenen – also nicht standardkonformen – Zubehörschuh<br />

gesteckt wird, den ergonomischen Haltegriff GR-N1010, das SB-N7 Speedlight und<br />

schließlich der FT1-Objektivadapter, mit dem die eigentlich für die Nikon DSLRs gedachten<br />

Objektive auch an der V3 genutzt werden können. Der Straßenpreis für die V3 mit VR<br />

10-30mm f/3.5-5.6 PD-ZOOM Kit-Objektiv ist inzwischen auf etwa 750 € gesunken.<br />

(www.nikon.de)<br />

In Kürze...<br />

Frische Luft<br />

Giottos hat eine neue<br />

Modellreihe<br />

leichtgewichtiger Stative<br />

aufgelegt, die „Air Range“. Die<br />

Stative verfügen über die<br />

platzsparende, Y-förmige Mittelsäule, drei<br />

Modelle bieten auch eine 3D Mittelsäule,<br />

geeignet für Nahaufnahmen. Bei den Stativen<br />

haben die Kunden die Wahl zwischen den<br />

Materialien Aluminium und Kohlefaser. Das<br />

preiswerteste Modell liegt preislich bei etwa<br />

150 €. (http://shop.giottos.de)<br />

Ruck-<br />

Sack´n Roll…<br />

Neue reisefreundliche<br />

Rollkoffer von<br />

Lowepro: Die<br />

innovative Lowepro Roller<br />

X AW Serie umfasst drei<br />

Größen. Die Aufteilung ist sehr gut<br />

durchdacht: Das aus mehreren<br />

Abteilungen bestehende „Reserve<br />

Pack“ kann getrennt als eigenständiger<br />

Rucksack getragen werden. Die Preise<br />

beginnen bei etwa 270 €. Details bei<br />

www.lowepro.com<br />

Farbkick<br />

Neu: Das „Kick Light“<br />

von Colour<br />

Confidence im<br />

Hosentaschenformat: Es<br />

produziert<br />

beeindruckende 400 Lumen<br />

und mit einer mobilen App, die es gratis<br />

gibt, kann jede Farbe des<br />

Regensbogens eingestellt werden. Der<br />

Preis: ca. 160 €. (http://shop.<br />

colourconfidence.com/de)<br />

Ultra High Definition von Lumix<br />

Erst gab es Standard Definition, dann High Definition, jetzt haben wir Ultra<br />

High Definition, auch „4K“ genannt. Die neue Lumix MC-GH4 von<br />

Panasonic ist die neuste in der langen Reihe von Lumix Kameras<br />

und die erste, die Video außer in HD auch in voller<br />

4K-Auflösung aufnehmen kann. Natürlich macht sie auch<br />

Fotos, doch es ist klar, dass Panasonic die neue GH4 mit dem<br />

Blick auf die Videografie lanciert, weniger auf die <strong>Fotografie</strong>. Sie<br />

kommt mit einem 16,05-Megapixel Live MOS Sensor, 12 <strong>Bild</strong>ern<br />

pro Sekunde im Dauerbetrieb, 3 Zoll Klapp-Monitor, WiFi und NFC.<br />

Die Video-Funktionalität umfasst Focus Peaking und Luminance-<br />

Level Adjustment. Es gibt sogar ein anschließbares Interface, das<br />

zusätzliche Video-Aus- und Eingänge zur Verfügung stellt. Die<br />

Lumix GH4 kostet ab rund 1500 € mit 14-140mm f/3.5-5.6<br />

Kit-Objektiv. (www.panasonic.com/de)<br />

NX Mini<br />

Von Samsung gibt es ein neues,<br />

kleines Kameramodell mit<br />

Wechseloptik, das zugleich eine der<br />

kleinsten Systemkameras<br />

überhaupt darstellt. Die NX Mini ist<br />

superschlank, hat eine Auflösung<br />

von 20,5-Megapixel auf einem 1 Zoll<br />

BSI-CMOS Sensor, schafft sechs<br />

<strong>Bild</strong>er pro Sekunde im<br />

Serienbildmodus, bietet<br />

Verschlusszeiten ab 1/16000 Sekunde und<br />

einen 3 Zoll großen Touchscreen. Sie ist gerade einmal<br />

22,5mm dick und wiegt 158g ohne Objektiv. Der Winzling<br />

verfügt außerdem noch über WiFi, NFC und einen Akku, der<br />

angeblich 650 <strong>Bild</strong>er durchhalten soll, bevor er aufgeladen werden muss. Das<br />

Skurrilste aber ist wohl die „Wink-Shot“ Funktion, bei der durch ein Augenzwinkern der<br />

anvisierten Person der Auslöser betätigt wird. Soll angeblich gut sein für Selbstporträts.<br />

Nun ja. An Objektiven für das neue Modell gibt es drei neue „Mini-Lenses“ mit NX-M<br />

Bajonett – das 9mm f/3.5ED, das 9-27mm f/3.5-5.6ED OIS und das 17mm f/1.8 OIS.<br />

Weiterhin steht ein Adapter zur Verfügung, mit dem Objektive mit Standard-NX-<br />

Bajonett verwendet werden können. Der Preis für die Samsung NX Mini mit 9-27mm<br />

Objektiv liegt bei etwa 350 €.<br />

(www.samsung.com/de)<br />

20 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Deutschland:<br />

EUR 9,99<br />

Österreich:<br />

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Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50<br />

NEUER WEITWINKEL<br />

VON SAMYANG<br />

Samyang lässt verlauten, es werde demnächst ein neues<br />

Objektiv mit manueller Scharfeinstellung geben, das<br />

speziell zur Verwendung an spiegellosen APS-C-Format<br />

Kameras entwickelt worden sei. Das Samyang 12mm f/2<br />

NCS CS ist ein Weitwinkelobjektiv mit 98,9° Gesichtsfeld,<br />

einer schnellen maximalen Blende und braucht laut<br />

Samyang keinen Vergleich mit den besten zurzeit am<br />

Markt verfügbaren Objektiven zu scheuen. Die Daten<br />

klingen denn auch eindrucksvoll: 12 optische Elemente,<br />

angeordnet in 10 Baugruppen, davon eine hybride,<br />

asphärische Linse und drei Linsen, die aus extrem gering<br />

reflektierendem Glas hergestellt sind. Zusätzlich weist die<br />

Optik eine hochwertige Nano-Vergütung auf. Das<br />

Objektiv ist lieferbar mit Anschlüssen für die Systeme<br />

Canon M, Fujifilm X, Samsung NX, Sony E und für den<br />

Micro Four-Thirds Standard. Preise waren bei<br />

Redaktionsschluss noch nicht bekannt.<br />

(www.samyang.co.uk)<br />

Weitere Publikationen<br />

von Ultimate Guide<br />

Media rund ums<br />

<strong>Fotografie</strong>ren<br />

Ärger mit Getty Images<br />

Die Geschäftsleitung von Getty Images fährt offenbar eine radikale<br />

Kursänderung. Anders sind zwei drastische Entscheidungen der vergangenen<br />

Wochen kaum zu verstehen. Als erstes kam die Ankündigung, einen Großteil<br />

der Millionen gespeicherten <strong>Bild</strong>er den Nutzern in Zukunft kostenlos zur<br />

Verfügung zu stellen – aber bitte nur eingebettet in einen iFrame und auf gar<br />

keinen Fall für „gewerbliche bzw. geschäftliche Zwecke”, sondern<br />

ausschließlich zu „redaktionellen Zwecken”. Dazu stellt Getty den<br />

entsprechenden HTML-Code zu Verfügung, der einen Link auf die Getty-<br />

Website enthält. Der Grund für diese drastische Änderung der Geschäftspolitik<br />

von Getty sei es, Gelegenheitsnutzern der Getty-<strong>Bild</strong>er eine einfache, legale<br />

Möglichkeit zu bieten, die <strong>Bild</strong>er zu „teilen“ – was bisher illegal oder<br />

kostenpflichtig war. So viel Selbstlosigkeit kommt nicht überall gut an: Die<br />

Fotografen als Urheber der <strong>Bild</strong>er gehen ab sofort leer aus, wenn die zum<br />

Einbetten freigegebenen <strong>Bild</strong>er von Dritten genutzt werden, und haben keine<br />

Möglichkeit dies zu ändern.<br />

Die zweite Neuerung im Hause Getty ist die Beendigung der Vereinbarung<br />

mit der Foto-Sharing Plattform Flickr. In den vergangenen fünf Jahren konnten<br />

Flickr-Nutzer Getty den Zugang zu ihren <strong>Bild</strong>ern erlauben und ein kleine<br />

Entschädigung kassieren, falls Getty einen Käufer fand. Auch damit ist jetzt<br />

Schluss.<br />

Gehört all das zu einem neuen Getty-Masterplan? Man wird sehen. Es wäre<br />

jedoch keine Überraschung, wenn sehr bald in den iFrames der kostenlos<br />

eingebetteten <strong>Bild</strong>er die ersten Werbeanzeigen auftauchen – natürlich von<br />

Getty Images…<br />

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Nr. 20/2014 Aug-Okt 2014<br />

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NACHTAUFNAHMEN,<br />

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DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

21


DAS NEUESTE AUS DER WELT DER FOTOGRAFIE<br />

KUNST MIT<br />

SATELLITENFOTOS<br />

EIGENTLICH DIENEN SIE WISSENSCHAFTLICHEN ZWECKEN, DOCH DIE<br />

NASA HAT KÜRZLICH DREI IHRER SATELLITEN FÜR KÜNSTLERISCHE<br />

FOTOS ZWECKENTFREMDET. DIESE BILDER KAMEN DABEI HERAUS.<br />

Mäandernder Mississippi: Kleine, blockförmige Umrisse von Städten,<br />

Getreidefeldern und Weideland umgeben die Flussbiegungen des Mississippi, des<br />

größten Flusses in Nordamerika. Zahllose Altwasserseen und vom Hauptstrom<br />

abgeschnittene Flussteile umgeben den Strom südlich von Memphis, Tennessee.


Kurz belichtet<br />

1<br />

KUNST MIT SATELLITENFOTOS<br />

S<br />

atelliten befinden sich in Umlaufbahnen hunderte Kilometer über<br />

unseren Köpfen und leisten unschätzbare Dienste, die wir oft für<br />

selbstverständlich halten. Sie ermöglichen Wettervorhersagen,<br />

Fernsehen, GPS-Navigation, Telefongespräche und nicht zuletzt das<br />

Internet. Für die Kunst wurden sie bisher nie eingesetzt, doch nun haben drei<br />

NASA-Satelliten – Landsat 7, ASTER und MODIS – Fotos zur Erde gefunkt, die im<br />

Rahmen des laufenden Projekts „Die Erde als Kunstwerk“ rein ästhetischen<br />

Zwecken dienen.<br />

Wolken, die den Gipfel des Mount Elgon in Afrika umgeben, sehen aus, als<br />

hätte jemand Mehl in die Landschaft gestreut, Bergrücken ziehen sich durch<br />

den Himalaya wie Adern durch einen Arm, und landwirtschaftliche Flächen<br />

bedecken die Erde wie eine vielfarbige Patchworkdecke. Die unglaublich<br />

farbenprächtigen <strong>Bild</strong>er entstanden durch die Verstärkung der verschiedenen<br />

Wellenlängen des Lichts, die von den Satelliten aufgenommen wurden. Obwohl<br />

diese Signale normalerweise nur für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden,<br />

machen ihre surrealen Farben die <strong>Bild</strong>er unbestreitbar zu Kunstwerken.<br />

Besuchen Sie www.eros.usgs.gov/imagegallery, um die <strong>Bild</strong>ersammlung vom<br />

Earth Resources Observation and Science (EROS) Center herunterzuladen.<br />

1) Mount Elgon: Wolken umgeben den Krater des Mount Elgon, eines erloschenen Vulkans an<br />

der Grenze zwischen Uganda und Kenia. Der einzeln stehende Vulkan besitzt einen der<br />

größten intakten Krater der Welt, der eine kesselförmige Senke bildet.<br />

2) Kahlschlag in Bolivien: Dieses <strong>Bild</strong> zeigt das Ausmaß der Abholzung des Regenwaldes im<br />

Amazonasbecken. Die Holzindustrie ließ breite Schneisen in den Wald schlagen, während<br />

Zuchtbetriebe große Flächen für ihre Herden gerodet haben. Die verbliebene, gesunde<br />

Vegetation erscheint rot in im <strong>Bild</strong>.<br />

3) West-Fjorde: Die West-Fjorde erzeugen eine ganze Reihe von Halbinseln in Islands<br />

Nordwesten. Obwohl diese Halbinseln weniger als ein Achtel der Landesfläche repräsentieren,<br />

machen ihre Umrisse über die Hälfte der gesamten isländischen Küstenlinie aus.<br />

4) Rocky-Mountain-Graben: Was aussieht wie ein leuchtend roter Pinselstrich, ist tatsächlich<br />

ein durch Wolken erzeugtes Farbenspiel in den kanadischen Rocky Mountains. Der Effekt<br />

entstand, weil Wolken die Strahlen der tief stehenden Sonne reflektierten.<br />

5) Halbinsel Kamtschatka: Die Ostseite von Russlands Kamtschatka-Halbinsel erstreckt sich<br />

westlich von Alaska in den Pazifischen Ozean. Vulkanisches Terrain ist unter schneebedeckten<br />

Gipfeln verborgen, von den Talgletschern bricht blaues Eis in die Küstengewässer.<br />

6) Yukon-Delta: Unzählige Seen, Sümpfe und Tümpel sind auf diesem Foto des Yukon-Deltas<br />

zu sehen. Die Flussarme des Deltas sehen aus wie Blutgefäße, die ein Organ versorgen.<br />

7) Himalaya: Hoch aufragende, schneebedeckte Gipfel und Bergrücken des östlichen<br />

Himalayas erzeugen ein unregelmäßiges, rotweißes <strong>Muster</strong> zwischen den großen Flüssen im<br />

Südwesten Chinas.<br />

8) Jordanien: Mäandernde Wadis formen ein dichtes, weit verzweigtes Netzwerk in der<br />

Wüstenlandschaft des südöstlichen Jordanien. Das arabische Wort „Wadi“ bezeichnet ein<br />

trockenes Flussbett, das nur dann Wasser führt, wenn der saisonale Regen gefallen ist.<br />

9) Garden City: Bewässerungssysteme erzeugten diese <strong>Muster</strong> in einem Getreideanbaugebiet<br />

in der Nähe von Garden City, Kansas. Die roten Kreise sind bewässerte Getreidefelder mit<br />

gesunder Vegetation, die hellen Kreise sind bereits abgeerntete Felder.<br />

10) Malaspina-Gletscher: Die Zunge des Malaspina-Gletschers, des größten Gletschers in<br />

Alaska. Der Malaspina liegt westlich der Yakutat Bay und bedeckt fast 3900 Quadratkilometer.<br />

3<br />

2<br />

4<br />

24 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


5 6<br />

7 8<br />

9 10<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

25


Kurz belichtet<br />

NEUE PRODUKTE<br />

NIKON 1 J4<br />

DIE VIERTE AUFLAGE DER NIKON 1 WURDE WEITER VERBESSERT<br />

Direkt nach der Nikon 1 V3 hat Nikon seine Produktreihe spiegelloser<br />

Systemkameras um ein weiteres Modell vergrößert, die Nikon 1 J4. Sie verfügt<br />

über den gleichen 18,4 Megapixel CMOS-Sensor wie die V3, auch über deren<br />

verbesserten Hybrid-Autofokus und einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 160<br />

bis ISO 12800. Für die <strong>Bild</strong>datenverarbeitung sorgt der EXPEED 4A Prozessor. Es<br />

gibt 171 Autofokus-Punkte, von denen 105 nach dem Prinzip der<br />

Phasenunterscheidung arbeiten, was für schnelles, akkurates Scharfstellen sorgt.<br />

WiFi Funktionalität ist ebenso vorhanden wie ein LCD Touchscreen, der die<br />

Eingabe von Einstellungsdaten durch Wischen mit dem Finger erlaubt. Full HD<br />

Video ist bei Systemkameras wie der J4 heute selbstverständlich. Da die J4 nahezu<br />

alle technischen Komponenten der V3 an Bord hat, erreicht sie auch deren unglaubliche<br />

Serienbildraten – 20 <strong>Bild</strong>er pro Sekunde bei kontinuierlich verfolgendem Autofokus und<br />

60 <strong>Bild</strong>er pro Sekunde bei unveränderlicher Schärfeeinstellung.<br />

Die Nikon 1 J4 ist seit Juni im Handel, es gibt sie in den Farben Schwarz, Weiß, Silber<br />

und Orange. Das Gehäuse ist sowohl einzeln erhältlich, als auch mit dem 1 NIKKOR VR<br />

10–30mm f/3.5–5.6 PD-ZOOM Objektiv oder zusätzlich noch mit dem VR 30–110mm<br />

f/3.8–5.6. Der Preis beträgt etwa 580 € für das Gehäuse mit 10–30mm-Objektiv.<br />

(www.nikon.de)<br />

In Kürze...<br />

Ganz in<br />

Weiß…<br />

Soll Ihre DSLR sich<br />

von der Masse des<br />

Einheitsdesigns<br />

abheben? Dann ist die<br />

Canon EOS 100D in weiß<br />

vielleicht etwas für Sie. Sie kommt mit<br />

dem EF-S 18–55mm f/3.5–5.6 IS STM<br />

Objektiv und einem empfohlenen<br />

Verkaufspreis von 649 €. Vor Gebrauch<br />

Hände waschen…<br />

(www.canon.de)<br />

645D<br />

Nachfolger<br />

Hasselblad und Phase One<br />

dicht auf den Fersen, hat<br />

Pentax nun eine<br />

50-Megapixel<br />

Mittelformatkamera mit CMOS-<br />

Sensor im Markt, die 645Z. Sie verfügt über 11<br />

Autofokuspunkte und bietet als erste ihrer Art Full<br />

HD Video. Das Pentax 645Z Gehäuse kostet um die<br />

8000 € und ist seit Juli im Handel; mit 55mm f2.8<br />

Standardobjektiv liegt der Preis bei 9000 €.<br />

(www.ricoh-imaging.de)<br />

Russar neu<br />

erfunden<br />

Lo-Fi Spezialist<br />

Lomography hat eine<br />

aktuelle Version des<br />

legendären Russar MR-2<br />

Objektivs aus den 1950er Jahren<br />

im Angebot. Es bietet 20mm Brennweite und<br />

eine maximale Blende von f/5.6. Das<br />

Ultraweitwinkelobjektiv liefert scharfe, stark<br />

vignettierte <strong>Bild</strong>er. Das Lomography Russar<br />

MR-2 kommt mit L39- und M-Anschluss zum<br />

Preis von knapp 600 €. (www.lomography.com)<br />

KOMPAKTES NIKON<br />

SUPER-ZOOM<br />

Aus dem Hause Nikon gibt es ein neues,<br />

kompaktes Superzoom-Objektiv, das nur 500g<br />

wiegt. Das Nikkor AF-S DX 18–300mm f/3.5–<br />

6.3G ED VR deckt von der Weitwinkel- bis zur<br />

Tele-Ansicht fast alle benötigten<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitte ab, wodurch es zum idealen<br />

Reise-Zoom wird. Die maximale Blende liegt<br />

bei f/6.3, doch aufgrund des eingebauten<br />

<strong>Bild</strong>stabilisators sollte das kein Problem<br />

darstellen. Das Objektiv kostet etwa 700 €.<br />

(www.nikon.de)<br />

Lytro, die Zweite<br />

Als vor zwei Jahren die erste Lichtfeldkamera von Lytro<br />

auf den Markt kam, waren die Erwartungen an die neue<br />

3D-Technologie hoch – und wurden enttäuscht. Wie eine<br />

Kamera sah das Ding gar nicht erst aus und die<br />

Auflösung der <strong>Bild</strong>er war so niedrig, dass sie praktisch<br />

unbrauchbar waren. Im vergangenen Monat<br />

meldete sich Lytro nun aber mit seiner zweiten<br />

Lichtfeldkamera zurück, der Lytro Illum, die<br />

zunächst schon einmal wie eine „richtige“<br />

Kamera aussieht.<br />

Das Besondere an einer Lichtfeldkamera liegt<br />

darin, dass sie keine statischen <strong>Bild</strong>er speichert,<br />

sondern ähnlich wie ein Tomograph in der<br />

Radiologie einen gesamten dreidimensionalen<br />

Raumbereich. Dadurch lassen sich Schärfebereich<br />

und Perspektive auch noch nach der Aufnahme<br />

verändern. „Living Pictures“ nennt Lytro diese<br />

Funktionalität. Ermöglicht wird sie durch ein Linsensystem,<br />

das nicht nur Farbe und Intensität, sondern auch die Richtung der<br />

einfallenden Lichtstrahlen aufzeichnet. So ist bei der Auflösung des<br />

Sensors auch nicht von Megapixeln die Rede, sondern von „Megarays“<br />

– Mega-Strahlen also. Der Sensor der Lytro Illum löst 40 Megarays auf,<br />

was in der Praxis ein Ergebnis produziert, das mit einem herkömmlichen<br />

5 Megapixel-Foto vergleichbar ist, bei dem aber Schärfeebene und<br />

Perspektive naturgemäß nicht nachträglich veränderbar sind. Die Lytro<br />

Illum ist seit Juli im Handel und kostet rund 1600 €. (www.lytro.com)<br />

26 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


HOCHEMPFINDLICH<br />

Als Sony im vergangenen Jahr die Alpha 7 und Alpha 7R Systemkameras vorstellte, horchten Fotografen in der ganzen Welt<br />

auf. Nun bringt Sony ein weiteres Alpha 7 Modell, das sich an Videofilmer richtet, die Alpha 7S, die in 4K Technologie<br />

aufnimmt. Die Auflösung beträgt „nur“ 12,2 Megapixel, doch der Clou an dieser Kamera ist die Empfindlichkeit des Sensors.<br />

Sie beträgt bis zu schwindelerregenden ISO 409600. Da kann man dieser Kamera durchaus Nachtsichtfähigkeiten<br />

unterstellen. Die <strong>Bild</strong>frequenz bei 4K-Video beträgt 30 <strong>Bild</strong>er pro Sekunde – dazu muss allerdings ein externer Rekorder per<br />

HDMI angeschlossen werden. Bei Full HD liegt die <strong>Bild</strong>frequenz bei 60 <strong>Bild</strong>ern pro Sekunde und bei 720p-HD bei stolzen<br />

120 <strong>Bild</strong>ern pro Sekunde. Diese <strong>Bild</strong>datenflut wird vom hauseigenen Sony BIONZ X Prozessor verarbeitet. Ihre<br />

Eigenschaften machen die Alpha 7S zum Modell der Wahl für Videofilmer. Das Gehäuse ist für rund 2400 € erhältlich.<br />

(www.sony.de)<br />

Lightroom wird mobil<br />

Adobe kommt mit Lightroom mobile, einer<br />

Gratis App – allerdings nur für iPad-Nutzer und<br />

Adobe Creative Cloud Abonnenten. Nur im<br />

Zusammenspiel dieser beiden Plattformen<br />

funktioniert die App. Sie verfügt über die Smart<br />

Preview Funktion von Lightroom 5. So können,<br />

Sie auch unterwegs in Ihrem synchronisierten<br />

Lightroom-Katalog blättern, <strong>Bild</strong>er auswählen<br />

und einfache Korrekturen vornehmen. Die<br />

Änderungen werden mit Ihrem Katalog<br />

synchronisiert, so dass Sie auf dem heimischen<br />

Computer vorfinden, wenn Sie von der Reise<br />

zurück sind. (www.adobe.de)<br />

SIGMA PREISANKÜNDIGUNG<br />

Auch bei Sigma gibt es Neues, nämlich das bereits erwartete neue 50mm f/1.4<br />

DG HSM A-Art Objektiv. Es ist als Konkurrenz zum 3500 € teuren Zeiss Otus<br />

55mm f/1.4 Objektiv gedacht. Erste Tests haben gezeigt, dass das Sigma-<br />

Objektiv diesem Anspruch gerecht werden könnte, allerdings bei einem Preis<br />

von nur rund 1000 €. Es ist lieferbar für Canon, Sigma und Nikon Systeme. Der<br />

Preis liegt zwar mehr als doppelt so hoch wie das hauseigene Sigma 50mm<br />

f/1.4 EX DG HSM Objektiv, doch wenn es die Leistung der Zeiss-Konkurrenz<br />

erreicht, ist es trotzdem ein Sonderangebot. (www.sigma.de)<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

27


SCHAUKASTEN<br />

DIE BESTEN BILDER UNSERER LESER<br />

Christopher Wesser<br />

Alter: 26 / Beruf: Fotograf<br />

www.sandbox-photos.com<br />

Blumenmädchen: „Das Porträt einer Person zu fotografieren, die flach<br />

auf dem Rücken liegt, ist nicht so einfach wie es aussieht. Bei meinen<br />

ersten Versuchen stand ich direkt über dem Model, fühlte mich aber<br />

nicht wohl in dieser Position, wenn ich versuchte, durch den Sucher<br />

blickend meine <strong>Bild</strong>komposition zu machen. Nach einigen<br />

missglückten Versuchen probierte ich eine andere Aufnahmetechnik,<br />

die sich als sehr effizient erwies. Ich stellte mich einfach hinter den Kopf<br />

meines Models und fotografierte es „verkehrt herum“. Die LiveView-<br />

Funktion meiner Kamera tat ein Übriges, die Aufnahme zu erleichtern.<br />

Das Foto entstand übrigens am späten Nachmittag eines sonnigen<br />

Sommertags. Die Sonne war bereits hinter den Bäumen verschwunden,<br />

und es war kurz vor Einbruch der Dämmerung. Trotzdem reichte das<br />

verfügbare Licht aus, weil ich aufblendete und die Empfindlichkeit der<br />

Kamera auf ISO 200 einstellte. So entstand mit dem letzten Sonnenlicht<br />

des Tages ein sehr schönes Foto mit stark gerichtetem, seitlichem<br />

Lichteinfall. Da mein Model rothaarig ist, arbeitete ich den<br />

komplementären Rot-Grün-Kontrast heraus, damit das <strong>Bild</strong> einen etwas<br />

malerischen Effekt bekam.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 50mm f/1.4 USM .<br />

Belichtung: 1/400 Sekunde bei Blende f/2 und ISO 200.


SCHAUKASTEN<br />

KOMMENTAR<br />

Eine ausgeprägte<br />

Vorstellungskraft, verbunden mit<br />

exzellenter Beherrschung der Kamera<br />

und der Beleuchtung, und nicht zuletzt<br />

der Einsatz seiner Requisiten sind die<br />

Gründe, warum Christophers Fotos<br />

so eindrucksvoll sind.<br />

Daniel Lezano<br />

Christopher Wesser (Forts.)<br />

Der amerikanische Traum: Bei diesem <strong>Bild</strong> ging es um reine Nostalgie. Wir<br />

liehen uns einen alten Ford Mustang und mein Model war im Stil der 1960er<br />

Jahre gekleidet. Eigentlich wollten wir in freiem Gelände bei Sonnenuntergang<br />

fotografieren, doch es regnete den ganzen Tag, deswegen mussten wir<br />

improvisieren. Wir fanden eine alte Fabrikhalle, doch die Lichtverhältnisse waren<br />

ungeeignet. Ich hatte zwei Blitzgeräte, eine Softbox und einen Beauty-Dish<br />

dabei und versuchte damit, das Beste aus der Situation zu machen. Eins der<br />

Blitzgeräte diente der Simulation des Sonnenuntergangs und schoss direkt ins<br />

Objektiv. Die Softbox wurde so gerichtet, dass der Blitz für ein weiches, natürlich<br />

wirkendes Aussehen des Gesichts sorgte.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 50mm f/1.2L USM<br />

Belichtung: 1/80 Sekunde bei Blende f/2.5 und ISO 1250<br />

Neben der Tanzfläche: „Dies war eine der schwierigsten Aufnahmen, die ich bisher<br />

gemacht habe. Wir brauchten eine ganze Weile, um herauszufinden, welches die richtige<br />

Menge an Konfetti war. Beim ersten Versuch warf mein Assistent den Inhalt einer ganzen<br />

Schüssel voller Konfetti in Richtung des Modells und das Ergebnis sah katastrophal aus. Viel<br />

später kamen wir zu der Erkenntnis, dass eine Hand voll Konfetti gerade richtig für den<br />

gewünschten Effekt war. Am besten warf man das Konfetti hoch in die Luft, so dass es auf<br />

das Model herunterrieselte. Nun bestand das Problem allerdings darin, eine Aufnahme<br />

zustande zu bringen, auf der kein Konfetti das Gesicht verdeckte. Ich hatte rechts ein<br />

Speedlight aufgebaut, das durch einen Brolly schoss. In der Nachbearbeitung erhöhte ich<br />

den Kontrast und fügte einen Cross-Processing Effekt hinzu.“<br />

Canon EOS 550D mit Sigma 30mm EX f/1.4<br />

Belichtung: 1/200 Sekunde bei Blende f/2 und ISO 800<br />

Der Himmel gehört uns: „Diese Aufnahme entstand bei einem<br />

Sonnenuntergang im Spätsommer, bei weichem, goldenem Licht.<br />

Ich versuchte, so viel Gegenlicht einzufangen wie möglich, um<br />

einen Eindruck von Leichtigkeit zu erzeugen. Eine solche Situation<br />

verlangt ein wenig Übung. Meine ersten Aufnahmen waren<br />

überbelichtet, doch ich lernte durch Versuch und Irrtum. Bei<br />

solchen Lichtverhältnissen blende ich zunächst so weit wie möglich<br />

auf. Ein verschwommener Hintergrund und wenig Schärfentiefe<br />

passen gut zum Gegenlicht und erzeugen hübsche Blendenflecke.<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 50mm f/1.4 USM<br />

Belichtung: 1/800 Sekunde bei Blende f/2.5 und ISO 50<br />

30 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Marianne Lim<br />

Alter: 31 / Beruf: Wissenschaftlerin<br />

www.everlookphotography.com<br />

Cool Cuillins: „An diesem Abend warteten wir an der Küste von Elgol auf der<br />

Insel Skye in Schottland auf einen spektakulären Sonnenuntergang. Die<br />

Wolken sahen vielversprechend aus, kooperierten jedoch nicht mit unseren<br />

Absichten, weil sie nicht direkt im Hintergrund über den Black Cuillins hingen.<br />

Ich entschloss mich trotzdem zu der Aufnahme, obwohl das Licht fast in<br />

einem Winkel von 90° von der Seite kam. Um den Vordergrund interessanter<br />

zu gestalten, nahm ich die farbigen Algen mit ins <strong>Bild</strong>. Ein Polfilter sorgte dafür,<br />

dass die unvermeidlichen Reflexionen unterdrückt wurden und ein weicher<br />

Verlaufsfilter sorgte für den Ausgleich des starken Kontrastunterschieds am<br />

Horizont. Ich belichtete das Foto anhand der korrekten Einstellungen für den<br />

Vordergrund, so dass die Berge unterbelichtet und nur als Silhouetten zu<br />

sehen sind. Die längere Belichtungszeit hatte außerdem den Effekt, das<br />

Wasser weicher erscheinen zu lassen.<br />

In der Nachbearbeitung verstärkte ich ein wenig den Kontrast, außerdem die<br />

Gelbtöne der Algen, um die dominierenden, kühlen Blautöne auszugleichen.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon 16–35mm f/2.8L USM II<br />

Belichtung: 20 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 100<br />

.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

31


SCHAUKASTEN<br />

KOMMENTAR<br />

Früh aufzustehen und sich vor<br />

Ort einzufinden, wenn es draußen<br />

noch dunkel ist, braucht viel<br />

Selbstdisziplin. Diese<br />

atmosphärischen <strong>Bild</strong>er beweisen,<br />

dass sich die Mühe lohnt. Ich finde<br />

sie einfach hervorragend.<br />

Caroline Wilkinson<br />

Wayne Brittle<br />

Alter: 53 / Beruf: Brauereitechniker<br />

www.waynebrittlephotography.com<br />

Toskana bei Sonnenaufgang: „Ich fuhr mit einigen Freunden durch die<br />

Toskana, als sich uns plötzlich diese Aussicht bot. Mithilfe eines<br />

Sonnenkompasses fand ich heraus, dass es wahrscheinlich ein sehr guter Ort<br />

war, den Sonnenaufgang zu fotografieren. Als wir ein paar Tage später<br />

zurückkehrten, erwies es sich als schwierig, das intensive Licht mit der<br />

Landschaft auszubalancieren, selbst bei gleichzeitigem Einsatz eines 0.6NDund<br />

eines 0.9ND-Grauverlaufsfilters.<br />

Ich benutzte die herunterhängende Zweige eines Olivenbaums, um die<br />

Sonne teilweise zu verdecken und auch, um der Szene einen Rahmen zu<br />

geben. Urplötzlich passte alles zusammen, einschließlich der Mohnblumen<br />

im Vordergrund, deren Farben Gegenlicht sehr schön zur Geltung kommen.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 24–105mm f/4L IS USM<br />

Belichtung: 1/8 Sekunde bei Blende f/20 und ISO 100<br />

Morgendämmerung bei Watendlath: „Als ich in aller Herrgottsfrühe zu<br />

dieser abgelegenen Gegend in Cumbria unterwegs war, sah das Wetter nicht<br />

allzu vielversprechend aus. Doch als ich ankam, war das Wasser sehr ruhig<br />

und wirkte nahezu wie ein Spiegel.<br />

Die Boote gaben einen großartigen Vordergrund ab, doch die Szene wirkte<br />

etwas flach, weil es noch nicht hell genug war. Ich wartete, der Himmel klarte<br />

auf, und durch die Wolken fiel das Sonnenlicht und beleuchtete die Bäume<br />

am entfernt liegenden Ufer. So entstand das hier gezeigte <strong>Bild</strong>. Als ich meine<br />

Ausrüstung wieder zusammenpackte, war eine morgendliche Brise<br />

aufgekommen und die Spiegelungen im Wasser waren verschwunden, was<br />

die Szene vollständig veränderte.“<br />

Canon EOS 5D Mk III mit EF 17–40mm f/4L USM<br />

Belichtung: 1/8 Sekunde bei Blende f/16 und ISO 100<br />

Glockenblumenwald in der Morgendämmerung: „Es war dieser<br />

wunderschöne blaue Teppich von Glockenblumen, der mir auffiel, als ich<br />

nach einem Tag des <strong>Fotografie</strong>rens im Peak District wieder auf dem Heimweg<br />

war. Leider hatte ich keine Zeit mehr, doch ich wusste, ich musste hierhin<br />

zurückkehren, um dieses Motiv zu fotografieren. Ein paar Tage später<br />

herrschte geeignetes Wetter, es versprach sogar, etwas Morgennebel zu geben<br />

und ich wollte versuchen, in Richtung Osten fotografierend, die besondere<br />

Atmosphäre, die durch diese Situation entsteht, einzufangen. Der Nebel war<br />

sehr leicht und ich musste die Sonne teilweise hinter einem der Baumstämme<br />

verschwinden lassen, damit die Blendenflecke nicht überhand nahmen.”<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 24–105mm f/4L IS USM<br />

Belichtung: 1/20 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 100<br />

32 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Raymond Salisbury<br />

Alter: 48 / Occupation: Beruf: Fotograf<br />

www.lighthousecreative.co.nz<br />

Leuchtturm: „Es war im Spätfrühling, als sich zu einem<br />

meiner bevorzugten Leuchttürme bei Castlepoint fuhr,<br />

gelegen an der Ostküste von Neuseelands nördlicher Insel.<br />

Ich benutzte einen weichen Verlaufsfilter, um den<br />

Dynamikumfang der Szene zu begrenzen. Starker Wind kam<br />

auf, und ich musste das Stativ mit beiden Händen festhalten,<br />

wobei ich einen Fernauslöser benutzte, um das Foto zu<br />

machen. Die Nachbearbeitung in Photoshop bestand nur aus<br />

Nachschärfen und Verstärken der gelben Farbtöne.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 17–40mm f/4L Objektiv.<br />

Belichtung: 1/60 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 400.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

33


SCHAUKASTEN<br />

Anton Rothmund<br />

Alter: 36<br />

www.portraitphoto.ch<br />

Lena No 2: „Dieses <strong>Bild</strong> entstand an einem Tag mit bedecktem Himmel<br />

und besten Konditionen für Porträtfotos. Es war stark bewölkt und der<br />

Himmel verhielt sich wie eine gigantische, natürliche Softbox mit der<br />

Sonne als Lichtquelle. Ich benutzte eine weit offene Blende, um einen<br />

flachen Schärfentiefebereich zu bekommen und stellte präzise auf die<br />

Augen scharf. Ein weißer Reflektor, der das Licht von unten auf das<br />

Gesicht zurückwarf, ließ die Schatten auf dem Gesicht verschwinden<br />

und sorgte außerdem für hübsche Reflexionen des Lichts in den Augen.<br />

Bei der Nachbearbeitung retuschierte ich kleinere Hautunreinheiten<br />

und erhöhte den Kontrast der Augen; schließlich konvertierte ich das<br />

Foto in Schwarzweiß.“<br />

Nikon D4 mit Nikon AF-S 85mm f/1.4G<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/1.4 und ISO 100<br />

Maria Laura: „Ich habe das Mädchen eines Tages auf der Straße gesehen<br />

und sie einfach gefragt, ob ich sie fotografieren könne. Es war ihre erste<br />

professionelle Foto-Session, doch sie erwies sich als Naturtalent. Dieses<br />

<strong>Bild</strong> entstand an einem bewölkten Tag im Freien und ich benutzte nur<br />

das natürliche Tageslicht. Wieder hellte ein Reflektor die Schatten auf.<br />

Mir gefällt diese Arbeitstechnik denn sie führt zu sehr natürlichen<br />

aussehenden <strong>Bild</strong>ern.“<br />

Nikon D4 mit Nikon AF-S 85mm f/1.4G<br />

Belichtung 1/160 Sekunde bei Blende f/1.4 und ISO 100<br />

Tatjana No 1: „An diesem Nachmittag war das Sonnenlicht besonders<br />

intensiv, deshalb suchte ich einen schattigen Ort zum <strong>Fotografie</strong>ren.<br />

Wieder benutzte ich ausschließlich natürliches Licht, diesmal jedoch<br />

sogar ohne Reflektor. Wichtig bei solch ausdrucksstarken, intimen Fotos<br />

ist, dass das Model Ihnen vertraut. Dieses <strong>Bild</strong> bedurfte nur wenig<br />

Nachbearbeitung, bevor ich es in schwarzweiß konvertierte, um es<br />

zeitloser erscheinen zu lassen.“<br />

Nikon D3s mit Nikon AF-S 85mm f/1.4G<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/1.4 und ISO 400<br />

Tatjana No 2: „Für diese Aufnahme hatte ich ein hübsches Hotelzimmer<br />

gemietet. Ich fotografierte mit weit offener Blende, um einen attraktiven,<br />

flachen Schärfebereich zu bekommen, der zu dem High-Key-Stil des<br />

Fotos passt. Das Zimmer war hell und freundlich und ich benutzte einen<br />

großen California Sunbounce Reflektor, um die Schatten aufzuhellen.<br />

Auch dieses <strong>Bild</strong> bedurfte nur wenig Nachbearbeitung, weil Tatjana eine<br />

natürlichen schönen Teint hat.“<br />

Nikon D3s mit Nikon AF-S 85mm f/1.4G<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/1.4 und ISO 400<br />

34 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


KOMMENTAR<br />

Antons attraktive Models, sehr<br />

schönes natürliches Licht, ein<br />

Reflektor und natürlich seine<br />

ausgeprägten fotografischen<br />

Fähigkeiten sind das<br />

Geheimnis dieser<br />

großartigen Fotos.<br />

Jordan Butters<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

35


SCHAUKASTEN<br />

DIE BESTEN BILDER UNSERER LESER<br />

James Grant<br />

Alter: 25 / Beruf: IT Techniker<br />

www.jamesgphotography.co.uk<br />

Mam Tor Mist: „Diese Aufnahme entstand bei Sonnenaufgang an einem<br />

kalten Oktobermorgen. Die Bedingungen im Hope Valley waren erstklassig<br />

für die Nebelbildung. Schon am Tag zuvor war ich früh unterwegs<br />

gewesen, um einen Sonnenaufgang zu fotografieren. Ich war müde und<br />

wollte keinen langen Anmarsch absolvieren. So fand ich mich an dieser<br />

leicht zugänglichen und oft fotografierten Örtlichkeit wieder. Ich stieg<br />

etwas den Hügel hinauf, um einen erhöhten Standpunkt zu haben, baute<br />

mein Stativ auf und fotografierte mit Zeitautomatik bei Blende f/11, wobei<br />

ich einen Verlaufsfilter benutzte, um die Belichtung zwischen Vordergrund<br />

und Himmel auszubalancieren. Dieses <strong>Bild</strong> gehört zu den erfolgreichsten,<br />

die ich bisher gemacht habe.“<br />

Sony Alpha 77 mit Sony Carl Zeiss 16–80mm f/3.5–4.5<br />

Belichtung: 1/5 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 50


SCHAUKASTEN<br />

KOMMENTAR<br />

Bellas <strong>Bild</strong>er sind einzigartig, nicht<br />

nur weil sie einen träumerischen<br />

Eindruck vermitteln, sondern auch<br />

wegen des Einsatzes der Farben. Sie<br />

hat definitiv ein Auge für Dinge,<br />

die gut zusammenpassen.<br />

Jordan Butters<br />

Bella Kotak<br />

Beruf: Architektin<br />

www.bellakotak.com<br />

Rosengeflüster: „Mein Model Rebecca und ich warteten fast eine Stunde, bevor<br />

ich mit dem Stand der Sonne am Himmel zufrieden war, so dass mir dieses <strong>Bild</strong><br />

gelang. Rebecca stellte sich zwischen die Rosen und als mir ihre Pose gefiel,<br />

brauchte ich nicht lange, um zu diesem Foto zukommen, denn Rebecca ist von<br />

Natur aus sehr ausdrucksstark. In der Nachbearbeitung retuschierte ich ihre<br />

Haut, nahm jedoch zuvor die Farbsättigung etwas zurück. Danach bedurfte es<br />

nur geringer Veränderungen an den Gradationskurven und der Farbbalance.<br />

Außerdem klonte ich noch ein paar zusätzliche Rosen ins <strong>Bild</strong>, um den<br />

Hintergrund interessanter zu machen.“<br />

Canon EOS 450D mit Canon EF 50mm f/1.4 USM<br />

Belichtung: 1/640 Sekunde bei Blende f/4.6 und ISO 400<br />

Perle am Wasser: „Dies ist das Porträt eines Mädchens namens Savannah. Ich<br />

mag es sehr, am Wasser zu fotografieren, weil seine Oberfläche so farbenfroh<br />

sein kann, dass ich es genieße, mit Photoshop an den Gradationskurven und der<br />

Farbbalance zu experimentieren. Ich schoss dieses <strong>Bild</strong> von oben, damit es ein<br />

wenig von der üblichen Perspektive abweicht. Savannah scheint entspannt zu<br />

sein. Ich nahm die Farbtönung an diesem <strong>Bild</strong> sehr sorgsam vor. Es war mir<br />

wichtig, dass die Farben ihrer Augen zu den Farben des Wassers passten, und<br />

mir gefällt es, die Farben in Photoshop selektiv zu steuern. Dazu benutze ich<br />

mehrere Ebenenmasken unterschiedlicher Deckkraft.“<br />

Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 24–70mm f/2.8L USM<br />

Belichtung: 1/250 Sekunde bei Blende f/3.5 und ISO 100<br />

Fee im Dschungel: „Ich machte dieses Foto am Ende eines wunderschönen<br />

warmen Sommers. Lydia Pankhurst – Freundin, Friseurin und Visagistin, mit der<br />

ich oft zusammenarbeite – und ich hatten schon mehrfach über ein<br />

farbenfrohes Porträt in einer dschungelähnlichen Umgebung gesprochen. Am<br />

Ende wählten wir ein großes Treibhaus, doch das war in gewisser Weise ein<br />

Wagnis, denn wir hatten keine Gelegenheit, die Örtlichkeit vor dem Fototermin<br />

zu besichtigen. Wir wussten also nicht, was uns erwarten würde und mein Herz<br />

machte einen Luftsprung, als ich die üppigen grünen Blätter und die<br />

farbenfrohen Blumen sah – es war eine traumhafte Kulisse. Der Himmel war<br />

bedeckt und so war das in das Treibhaus einfallende Licht hell und weich. Ich<br />

wollte auch einen weichen Hintergrund, also wählte ich eine weit offene<br />

Blende und eine hohe ISO-Empfindlichkeit.“<br />

Canon EOS 5D Mk III mit Canon EF 50mm f/1.4 USM<br />

Belichtung: 1/800 Sekunde bei Blende f/2.5 und ISO 50<br />

38 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Jon Gibbs<br />

Alter: 45 / Beruf: Fotograf und Galerist<br />

www.jon-gibbs.co.uk<br />

Glen Sligachan, Skye:„Als regelmäßiger Besucher von Skye<br />

hatte ich Glen Sligachan schon oft fotografiert, den Berg<br />

mit dem wolkenverhangenen Gipfel links im Hintergrund,<br />

doch nie war mir eine gute Aufnahme des Marsco<br />

gelungen. Dieses Mal aber bescherte mir die Dämmerung<br />

einen wunderbaren Himmel, und ich konzentrierte mich<br />

darauf, einen schönen Vordergrund zu finden, bei dem ich<br />

auch etwas Wasser aufnehmen konnte. Als ich den<br />

passenden Kamerastandort gefunden hatte, brauchte ich<br />

nur noch zu warten, bis die Wolkenformationen eine zu<br />

dem Motiv passende Hintergrundkulisse bildeten.“<br />

Canon EOS 5D Mk II and Zeiss 21mm f/2.8 Distagon T*<br />

Belichtung: 24 Sekunden bei Blende f/14 und ISO 100


SCHAUKASTEN<br />

KOMMENTAR<br />

Diese drei Landschaftsfotos sind<br />

sehr unterschiedlich, doch jedes<br />

einzelne weist eine exzellente<br />

<strong>Bild</strong>komposition und Aufnahmetechnik<br />

auf. Chris versteht es außerdem,<br />

Verlaufsfilter so einzusetzen, dass<br />

die Details am Himmel erhalten<br />

bleiben.y.<br />

Caroline Wilkinson<br />

Chris Jones<br />

Alter: 42 / Beruf: Fotograf und Grafikdesigner<br />

www.bluewaterphotography.co.uk<br />

Trevose Head Lighthouse: “„Ich hatte das Glück, ein paar Wochen in der<br />

Gegend von Padstow zu verbringen, wo ich diese Aufnahme des Trevose-<br />

Leuchtturms in Nord-Cornwall gemacht habe. Die Sonne war links im <strong>Bild</strong><br />

untergegangen und ich musste etwa 30 Minuten warten, bevor das Licht des<br />

Leuchtturms eingeschaltet wurde. Ich benutzte einen 0.9ND-Verlaufsfilter, um<br />

die Belichtung des Himmels zu korrigieren. Ich entschied mich für eine<br />

Verschlusszeit von 1 Sekunde, damit das Meer leicht verschwommen<br />

erscheinen würde. An dieser Stelle gibt es so viele <strong>Bild</strong>kompositionen zu<br />

entdecken, dass ich mit Sicherheit wiederkommen werde, wenn ich wieder in<br />

Cornwall bin. Ich denke an einen stürmischen Wintertag, das wäre fantastisch,<br />

wenn auch nicht einfach, was das <strong>Fotografie</strong>ren angeht.<br />

Nikon D800 mit NIKKOR AF-S 16–35mm f/4<br />

Belichtung: 1 Sekunde bei Blende f/9 und ISO 200<br />

Wunschbrunnen: „Dieses märchenhafte Motiv versteckt sich in der Nähe von<br />

Tintagel in Nord-Cornwall. Wir machten eine Familienwanderung durch das<br />

Waldgebiet entlang des Flussufers, als wir an diesen Wasserfall kamen.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren ist ein bisschen schwierig hier, denn es liegt ein feiner Nebel in<br />

der Luft und man steht in mehrere Zentimeter tiefem Wasser. Ich baute mein<br />

Stativ auf ein paar Steinen auf, dadurch stand es einigermaßen stabil. Die<br />

Kamera musste ich ständig mit einem Tuch vor Spritzwasser schützen, auch<br />

das Objektiv musste nach jeder Aufnahme trocken gewischt werden. Dieses<br />

Foto besteht aus drei unterschiedlichen Aufnahmen, um die Details in den<br />

Schatten und den Lichtern abzubilden.“<br />

Nikon D800 mit NIKKOR AF-S 16–35mm f/4<br />

Belichtung: 8 Sekunden bei Blende f/8 und ISO 200<br />

Verwunschenes Schloss: „Das von Nebel umgebene Corfe Castle gehört auf<br />

die Motivliste jedes Fotografen und an diesem Morgen waren die<br />

Wetterbedingungen fantastisch. Es ist ein mystischer Ort, und ich habe das<br />

Glück, in der Nähe zu wohnen, doch das Erklettern des Hügels bringt mich<br />

jedes Mal schon ins Schwitzen, bevor ich das erste Foto gemacht habe. Ich<br />

fand einen Kamerastandpunkt, der mir gefiel, baute meine Kamera auf und<br />

wartete darauf, dass die Sonne den Nebel verdunsten lassen würde. Um den<br />

sehr hellen Bereich verdecken, an dem die Sonne durchbrach, benutzte ich<br />

einen 0.6ND- Verlaufsfilter und entschied mich für ein Hochformat, damit<br />

etwas mehr vom Himmel über dem Schloss zu sehen war.“<br />

Nikon D800 mit NIKKOR AF-S 50mm f/1.8G<br />

Belichtung: 1/15 Sekunde bei Blende f/13 und ISO 50<br />

40 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Marta Everest<br />

Alter: 41 / info@netschmiede24.de<br />

www.facebook.com/MartaEverestPhotography<br />

Landmädchen-Porträt: „Dieses Foto meiner Tochter habe ich mit<br />

nur einer einzigen Lichtquelle geschossen. Mir gefällt die Arbeit<br />

mit nur einer einzigen Leuchte, denn so kann ich <strong>Porträts</strong><br />

erzeugen, bei denen ich mit Licht und Schatten spiele, was den<br />

<strong>Bild</strong>ern einen künstlerischen Touch gibt. Bei diesem <strong>Bild</strong> habe ich<br />

einen Verlaufsfilter in Lightroom benutzt, um das Licht<br />

gleichmäßig zu verteilen und ein paar sehr dunkle Bereiche des<br />

<strong>Bild</strong>es aufzuhellen. Den Moment habe ich eingefangen, als meine<br />

Tochter Fernsehen schaute und ganz ruhig vor dem Gerät saß. Es<br />

sollte wie ein altes Porträtfoto aussehen, deswegen habe ich in<br />

Photoshop einen Mattfilter und eine Earl Grey Textur benutzt.“<br />

Nikon D7000 mit 85mm f/1.4G<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/2.8 und ISO 320


SCHAUKASTEN<br />

Krzysztof Browko<br />

Alter: 41 / Beruf: IT-Spezialist<br />

browko-photography.pl/<br />

Tal in der Toskana: „Für Landschaftsfotografen ist die Toskana ist eine<br />

paradiesische Region. Dieses <strong>Bild</strong> entstand ein paar Kilometer von Pienza, in<br />

Richtung San Quirico d’Orcia, mitten im Val di Orcia. In dieser Gegend finden Sie,<br />

wohin Sie auch schauen, ein Motiv, das es wert ist, fotografiert zu werden. Ein<br />

weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass die Sonne uns gegenüber aufging, wenn<br />

wir in Richtung Pienza schauten. In einer solchen Kulisse erwachen Fotos<br />

buchstäblich zum Leben. Ein paar Minuten nach Sonnenaufgang nimmt einem<br />

die Szenerie tatsächlich den Atem. Das Sonnenlicht beleuchtet die größeren<br />

Fragmente der Felder und macht die Umgebung durch ihren Detailreichtum<br />

hochinteressant.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 100–400mm f/4.5–5.6L IS USM<br />

Belichtung: 1/40 Sekunde bei Blende f/18 und ISO 100<br />

Ruinen: „Ende März bis Mitte April ist die beste Jahreszeit für einen Besuch in<br />

der Toskana. Dann kann man sich die Preise noch leisten und der Landstrich<br />

ist nicht von Touristen übervölkert. Um diese wellenförmigen Felder zu<br />

fotografieren, benutze ich immer ein Teleobjektiv. Eine lange Brennweite<br />

erlaubt es, interessante Fragmente des Geländes von ihrer Umgebung zu<br />

isolieren. Da ich eine hohe Schärfentiefe bevorzuge, benutze ich ein Stativ, um<br />

nicht zu verwackeln. Meistens mache ich eine Serie von drei <strong>Bild</strong>ern, jeweils<br />

mit einer Belichtungskorrektur von -1EV, 0EV und +1EV, damit ich den für die<br />

Nachbearbeitung benötigten Dynamikumfang bekomme.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 100–400mm f/4.5–5.6L IS USM<br />

Belichtung: 1/50 Sekunde bei Blende f/13 und ISO 100<br />

Strasse: „Mir gefallen interessante <strong>Bild</strong>kompositionen in der Landschaft.<br />

Dieser kleine Feldweg fiel mir auf, weil er das grüne Feld von dem<br />

gepflügten Acker auf der linken Seite im <strong>Bild</strong> trennt. Im Hintergrund sind<br />

unverkennbar wieder die wellenförmigen Felder der Toskana zu sehen.<br />

Es ist wirklich eine einzigartige Landschaft.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 100–400mm f/4.5–5.6L IS USM<br />

Belichtung: 1/4 Sekunde bei Blende f/18 und ISO 100<br />

Felder: „Die faszinierende, einzigartige Landschaft der Toskana liefert<br />

immer wieder hochinteressante <strong>Bild</strong>kompositionen. Oft kann man die<br />

Regeln der Landschaftsfotografie ignorieren – man braucht nicht immer<br />

einen dynamisch wirkenden Himmel und manchmal ist hartes direktes<br />

Licht dem weichen diffusen Licht vorzuziehen, denn es betont die<br />

wellenförmige Landschaft dieser Gegend.“<br />

Canon EOS 5D Mk II mit Canon EF 100–400mm f/4.5–5.6L IS USM<br />

Belichtung: 1/10 Sekunde bei Blende f/14 und ISO 100<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

43


FOTO-<br />

PRAXIS<br />

MIT EINFACHEN SCHRITTEN ZU BESSEREN BILDERN<br />

DIESE<br />

MOTIVE<br />

WARTEN<br />

AUF SIE…<br />

Haustiere: Brillante Tierporträts, ganz einfach<br />

<strong>Porträts</strong>: <strong>Bild</strong>kompositionen zum Ausprobieren


FOTO-<br />

PRAXIS<br />

HUNDE-PORTRÄTS<br />

HABEN SIE EINEN HUND, DER GERNE SPIELT? FOTOGRAFIN ELKE VOGELSANG ZEIGT IHNEN, WIE<br />

SIE EINFACHE UND DOCH CHARAKTERVOLLE STUDIOPORTRÄTS VON IHM MACHEN.<br />

KAMERA: CANON EOS 5D MK III / OBJEKTIV: CANON EF 24–70MM F/2.8 / BLITZGERÄT: ELINCHROM D-LITE 4 / SOFTWARE: LIGHTROOM/ELEMENTS<br />

BEKANNTE PROBLEME<br />

VERSCHLUSSZEIT: Beim Studioblitz müssen<br />

Sie berücksichtigen, dass die Verschlusszeit<br />

der Kamera von der Blitzsynchronzeit<br />

abhängt. Mit Verschlusszeiten zwischen 1/160<br />

und 1/250 Sekunde können Sie jedoch immer<br />

noch Bewegungsunschärfen einfangen,<br />

wenn Ihr Hund sich sehr schnell bewegt. Am<br />

besten arbeiten Sie mit einem Assistenten, der<br />

den Hund dirigiert und dessen<br />

Aufmerksamkeit auf sich zieht.<br />

DAS „MODEL“: Versuchen Sie, einen<br />

ausdrucksstarken Gesichtsausdruck des<br />

Hundes einzufangen. Wenn ein Hund<br />

gelangweilt, nervös oder ängstlich ist, wird<br />

dies auf dem <strong>Bild</strong> zu sehen sein. Gewöhnen<br />

Sie den Hund langsam an die Situation und<br />

geben Sie ihm Zeit, um die ungewohnte<br />

Umgebung zu erkunden, bevor Sie mit der<br />

Fotosession beginnen. Hunde sind<br />

neugierige Tiere. Ein gestresster, oder<br />

übermäßig aufgeregter Hund gibt kein<br />

gutes Modell ab; die Schlüssel zum Erfolg<br />

sind ruhige Atmosphäre und viel Geduld.<br />

DIE DETAILS: Hundewelpen sind fast<br />

eine Garantie für gute <strong>Bild</strong>er – wenn sie<br />

gestochen scharf sind. Oft sehe ich Fotos,<br />

auf denen der Hund eingetrocknetes<br />

Sekret in den Augenwinkeln hat. Sorgen<br />

Sie dafür, dass Augen und Fell sauber<br />

sind, bevor Sie mit den Fotos beginnen.


FOTO-<br />

PRAXIS<br />

Hundeporträts<br />

Hunde und <strong>Fotografie</strong> sind meine beiden Leidenschaften, und ich bin in der<br />

glücklichen Lage, beide kombinieren zu können. Was vor ein paar Jahren als Hobby<br />

begann, ist nun zu einem Vollzeitberuf geworden. Meine eigenen Hunde sind<br />

bereitwillige, geduldige Modelle, fremde Hunde sind leider selten gut trainiert. Doch mit<br />

Geduld und ein paar Tricks werden Sie auch von Ihrem Hund qualitativ hochwertige<br />

<strong>Porträts</strong> erzielen, ohne eine Profi-Ausrüstung zu benötigten. Ich selbst halte den Aufwand<br />

grundsätzlich so gering wie möglich: ein einfacher, grauer Hintergrund, ein<br />

Studioblitzgerät, keine Requisiten. So können Sie sich auf den Gesichtsausdruck des Tieres<br />

konzentrieren. Ich mag es wenn der Charakter eines Hundes auf dem Foto sichtbar wird.<br />

Für ein Hundeporträt brauchen Sie nicht viel Platz. Ein Wohnzimmer mit einer Wand als<br />

Hintergrund reicht aus. Mein ehemaliges Studio befand sich in einer kleinen<br />

Gartenlaube…<br />

Zum Aufbau und Test der Beleuchtung benutzen Sie ein „Double“ anstelle des Hundes.<br />

Eine in etwa der Größe des Tieres entsprechende Puppe erfüllt diesen Zweck. So verliert<br />

der Hund während des Setups der Beleuchtung nicht das Interesse an der Sache.<br />

Eine Brennweite von 85mm oder länger bei einem Vollformat-Sensor oder 50 mm<br />

beim APS-C Sensor wird Ihnen natürlich aussehende <strong>Porträts</strong> liefern. Bei <strong>Porträts</strong> von<br />

Menschen benutze ich nur selten ein Weitwinkelobjektiv, doch bei Hunden gefällt mir der<br />

witzige Gesichtsausdruck, der durch die leichte Verzerrung aufgrund der kurzen<br />

Brennweite hervorgerufen wird. Je näher Sie herangehen umso skurriler sieht das Porträt<br />

aus.<br />

100mm<br />

24mm<br />

BRENNWEITE: Die Wahl der Brennweite spielt eine entscheidende Rolle für den Gesamteindruck des<br />

Fotos. Längere Brennweiten sind vorteilhaft, um kleine Unzulänglichkeiten zu kaschieren. Kurze<br />

Brennweiten wirken bei Hunden oft attraktiver, weil die Verzerrung einen witzigen Aspekt ins <strong>Bild</strong> bringt.<br />

1<br />

SETUP: Wählen Sie einen neutralen Hintergrund und bauen Sie die Beleuchtung<br />

auf. Ich benutze eine große Puppe als Double für den Beleuchtungstest. Richten<br />

Sie die Leuchte so aus, dass der Lichtkegel schräg von oben auf die Vorderseite des<br />

Doubles fällt. Schalten Sie die Kamera in die manuelle Betriebsart und stellen Sie die<br />

Blitzsynchronisationszeit ein. Wählen Sie ISO 100, eine mittlere Blende und für den<br />

Weißabgleich die Einstellung „Blitz“. <strong>Mach</strong>en Sie ein Testfoto, um die angemessene<br />

Blitzleistung zu ermitteln.<br />

2<br />

DER HUND: Lassen Sie den Hund ins Studio und geben Sie ihm Zeit, alles zu<br />

untersuchen und zu beschnüffeln. Wenn Sie merken, dass der Hund entspannt<br />

ist, machen Sie ein paar Testaufnahmen, um festzustellen, ob er sich an das<br />

Blitzlicht gewöhnt. Das Fell des Tieres muss sauber sein. Wischen Sie außerdem<br />

eventuell vorhandenes Augensekret ab. Verabreichen Sie während all dieser<br />

Prozeduren zur Belohnung ab und zu einen Hundekuchen oder was das Tier sonst<br />

am liebsten mag. Kurz, tun Sie alles, damit sich das Tier wohlfühlt.<br />

3<br />

AUF AUGENHÖHE: Gehen Sie auf Augenhöhe. Manche Hunde setzen sich problemlos<br />

auf eine Kiste oder einen Schemel. Falls dies nicht klappt, müssen auch Sie hinunter<br />

auf alle Viere, bei kleineren Tieren vielleicht sogar auf den Bauch, um mit der Kamera auf<br />

Augenhöhe zu gelangen. Es kann passieren, dass der Hund das Interesse verliert und einen<br />

gelangweilten Gesichtsausdruck aufsetzt. Haben Sie Geduld, warten Sie ein paar Minuten<br />

und lassen Sie ihn tun, was er mag, bevor Sie ihn mit einer Leckerei wieder in Position<br />

locken.<br />

46 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

4<br />

MOTIVIEREN UND DIRIGIEREN: Halten Sie beispielsweise einen Hundekuchen direkt über<br />

das Objektiv, um die Aufmerksamkeit des Tieres darauf zu lenken. Manche Hunde reagieren<br />

auch auf Töne, versuchen Sie es mit Pfeifen oder Summen, wobei geringe Lautstärke eine bessere<br />

Wirkung hat. Hunde gewöhnen sich jedoch schnell an solche Tricks. Variieren Sie also Ihre Manöver,<br />

die Aufmerksamkeit des Tieres zu bekommen. Sie werden schnell herausfinden, was am besten<br />

funktioniert. Natürlich können Sie auch eine zweite Person bitten, in der Regel der Hundehalter, diesen<br />

Part zu übernehmen. Das hat den Vorteil, dass Sie sich besser aufs <strong>Fotografie</strong>ren konzentrieren können.


DES MENSCHEN BESTER FREUND<br />

Wenn Sie das <strong>Bild</strong> im Kasten haben,<br />

öffnen Sie es in Adobe Lightroom oder<br />

Photoshop und korrigieren Kontrast<br />

und Farbe. Im Idealfall sind <strong>Bild</strong>er unter<br />

Studiobedingungen schon perfekt,<br />

wenn Sie aus der Kamera kommen.<br />

Gegebenenfalls müssen Sie nur das eine<br />

oder andere Fellbüschel oder<br />

Augensekret herausklonen, das sich<br />

während der Session gebildet hat..<br />

Belichtung: 1/160 Sekunde bei Blende f/11 und ISO 200


FOTO-<br />

PRAXIS<br />

KAMERASTANDPUNKT<br />

Zur schnellen Änderung der<br />

Perspektive wechseln Sie den<br />

Kamerastandpunkt.<br />

Verabschieden Sie sich vom<br />

Kamerawinkel auf Augenhöhe<br />

und probieren Sie eine<br />

wesentlich höhere oder<br />

niedrigere Kameraposition.<br />

Wählen Sie außerdem einen<br />

unkonventionellen<br />

PORTRÄT-ZUSCHNITT<br />

FEHLT IHREN PORTRÄTS DAS GEWISSE ETWAS? CAROLINE SCHMIDT ZEIGT IHNEN, WIE SIE<br />

IHRE FOTOS DYNAMISCHER WERDEN, DURCH EINFACHE TRICKS BEIM BILDZUSCHNITT.<br />

KAMERA: NIKON D800 / OBJEKTIVE: NIKKOR 24–70MM F/2.8G UND NIKKOR 50MM F/1.4G


FOTO-<br />

PRAXIS<br />

WAS macht ein gutes Porträt aus? Je nach<br />

persönlichen Präferenzen, beispielsweise<br />

der Vorliebe für Augenkontakt oder<br />

High-Key-Beleuchtung, gibt es auf diese Frage viele<br />

Antworten. Ein konstanter Faktor ist jedoch die<br />

<strong>Bild</strong>komposition – ein falscher <strong>Bild</strong>ausschnitt oder<br />

eine fehlerhafte <strong>Bild</strong>komposition ruinieren ein Porträt,<br />

ganz gleich wie attraktiv das eigentliche Motiv sein<br />

mag.<br />

Als Basis für die <strong>Bild</strong>komposition haben wir die<br />

„Drittelregel“, die jeder ernsthafte Fotograf kennen<br />

muss: Um sie anzuwenden, legen sie den Fixpunkt<br />

– bei <strong>Porträts</strong> ist das oft der Augenbereich – auf einen<br />

der vier Schnittpunkte des Linienrasters. Haben Sie<br />

aber schon einmal vom „Goldenen Dreieck“ oder der<br />

„Goldenen Spirale“ gehört? Das erstere lässt sich für<br />

<strong>Porträts</strong> selten anwenden, es sei denn, der<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitt enthält diagonale Linien. Die goldene<br />

Spirale hingegen kann nützlich sein, wenn sie mit<br />

einem kreativen <strong>Bild</strong>zuschnitt kombiniert wird. Es gibt<br />

sehr viele <strong>Bild</strong>ausschnitte für ein Porträt, durch die<br />

dessen Eindruck vollständig verändert werden kann:<br />

Querformat, Hochformat, eine dreiviertel Pose, ein<br />

enger, gesichtsbezogener Zuschnitt, die Liste ließe<br />

sich lange fortsetzen. Um Ihnen einige der Variationen<br />

zu demonstrieren, habe ich die zehn Jahre alte Erin<br />

Brittain fotografiert, wobei ich ein 50mm f/1.4 Objektiv<br />

und ein 24–70mm f/2.8 Objektiv benutzte, um den<br />

unterschiedlichen Einfluss von Brennweiten und<br />

Objektivtypen zu illustrieren. Manche Fotografen<br />

ziehen es vor, die prägenden <strong>Bild</strong>zuschnitte erst in der<br />

Nachbearbeitung vorzunehmen, aber ich versuche<br />

grundsätzlich, alles schon bei der Aufnahme so weit<br />

wie möglich richtig zu machen. Das ist nicht nur gute<br />

Praxis, sondern sorgt auch für bessere <strong>Bild</strong>qualität,<br />

bessere Perspektive und flachere Schärfentiefe.<br />

<strong>Bild</strong>zuschnitte in der Nachbearbeitung sollten nur zur<br />

Verbesserung der <strong>Bild</strong>komposition erfolgen, nicht zu<br />

deren grundsätzlicher Gestaltung.<br />

Ein Kopf-Schulter-Porträt ist die klassische Variante<br />

und daher immer eine sichere Option, sofern sie<br />

genug Platz um das Modell lassen. Wenn Sie das<br />

nächste Mal ein klassisches Porträt aufnehmen, gehen<br />

Sie ganz nah heran und positionieren die Augen im<br />

oberen Drittel des <strong>Bild</strong>ausschnitts. Der Kopf kann<br />

dabei teilweise abgeschnitten werden, z. B. am<br />

Haaransatz. Der Wechsel der Kamerahaltung vom<br />

Hochformat zum Querformat kann ein Motiv<br />

verbessern, lassen Sie dabei immer etwas Platz an<br />

einer Seite, um dem Blick Ihres Modells eine Richtung<br />

A<br />

B<br />

VARIATIONEN DES BILDAUSSCHNITTS: Wenn Sie das<br />

Gesicht von der Mitte (A) etwas nach außen verlegen (B) oder<br />

einen engeren <strong>Bild</strong>zuschnitt vornehmen und vom Hoch- ins<br />

Querformat wechseln, entstehen sehr unterschiedliche<br />

Variationen desselben Motivs.<br />

zu geben. Anhand der Regel der Goldenen Spirale<br />

können Sie auch ein halbes Gesicht aufnehmen,<br />

wobei die andere Hälfte abgeschnitten wird. Ich<br />

persönlich bevorzuge es, den <strong>Bild</strong>ausschnitt mit den<br />

Augen zu füllen, was bei sehr symmetrischen<br />

Gesichtern am besten funktioniert. Sie müssen die<br />

richtige Balance der <strong>Bild</strong>komposition finden. Das ist<br />

anfangs nicht leicht, doch wenn es Ihnen gelingt,<br />

entsteht ein geradezu magischer Effekt. Viel Spaß!<br />

GEEIGNETE OBJEKTIVE<br />

50mm f/1.4- oder 50mm f/1.8- Objektive sind ideal für<br />

Porträtaufnahmen. Ich benutze fast immer die 50 mm<br />

Brennweite. Manchmal jedoch verwende ich auch ein<br />

Zoom-Objektiv von 24–70mm f/2.8 oder 70–200mm<br />

f/2.8, denn die ergeben eine schmeichelhaftere<br />

Perspektive und komprimieren den Hintergrund,<br />

wodurch eine flachere Schärfentiefe erreicht wird.<br />

Diese Aufnahme entstand mit dem NIKKOR 24–70mm<br />

f/2.8G, weil ich einen engeren <strong>Bild</strong>zuschnitt wollte, das<br />

50 mm Objektiv die Gesichtszüge jedoch zu stark<br />

betont hätte. Nebenbei erlaubt ein Zoom-Objektiv eine<br />

größere Arbeitsentfernung.<br />

1<br />

2 3<br />

NÄHER HERAN<br />

1) Ein Standardporträt mit Kopf<br />

und Schultern ist brauchbar,<br />

aber nicht besonders kreativ.<br />

2) <strong>Fotografie</strong>ren Sie aus<br />

nächster Nähe und mit weit<br />

offener Blende, während der<br />

Sensor der Kamera parallel<br />

zum Gesicht ausgerichtet ist.<br />

So erhalten Sie eine attraktive<br />

Schärfentiefe.<br />

3) (Gegenüber) Der<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitt muss nicht den<br />

gesamten Kopf zeigen: ein<br />

solcher <strong>Bild</strong>zuschnitt macht<br />

die Augen umso<br />

eindrucksvoller. Zoomen Sie<br />

so weit wie möglich ein, damit<br />

die Augen den <strong>Bild</strong>ausschnitt<br />

füllen.<br />

50 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


TIPPS ZUM<br />

BILDAUSSCHNITT<br />

Schneiden Sie an den Gelenken,<br />

nicht auf Gliedmaßen Wenden Sie im<br />

Zweifelsfall die Drittelregel an<br />

Nehmen Sie den <strong>Bild</strong>zuschnitt im<br />

Hinblick auf Balance und Symmetrie<br />

vor Die Stirn kann beschnitten<br />

werden Nehmen Sie die Regeln nicht<br />

zu ernst, sondern<br />

experimentieren Sie


MACH DEIN BILD<br />

Glockenblumenwald<br />

Die Zeit, wenn überall in der Natur die Farbenpracht<br />

ganzer Teppiche von Glockenblumen auftaucht,<br />

gehört zu den schönsten des Jahres. Ross Hoddinott<br />

verrät, wie Sie die besten Motive dieses Farbenspiels<br />

finden und fotografieren.<br />

Vom späten April bis Ende Mai blühen die<br />

Glockenblumen und geben Wäldern, Hecken,<br />

Flussufern und Gärten bunte Farbtupfer. Sie können<br />

in großer Zahl auftreten und sich zu einem<br />

veritablen, blau-violetten Teppich entwickeln – ein<br />

echtes Naturschauspiel! Für Fotografen gibt es in<br />

dieser Zeit kaum einen besseren Aufenthaltsort als in<br />

einem Waldgebiet mit Glockenblumen. Erfahren Sie<br />

hier, was Sie brauchen und wie Sie es anstellen, sie<br />

am besten zu fotografieren.<br />

FOTO: HELEN DIXON


GLOCKENBLUMENWALD


MACH DEIN BILD<br />

AUSRÜSTUNG: Nehmen Sie eine Auswahl von<br />

Objektiven mit, damit Sie für alle Eventualitäten gerüstet<br />

sind. Ein Weitwinkelobjektiv im Bereich von18 bis 35mm<br />

eignet sich am besten für den großen Überblick. Im<br />

Allgemeinen sind längere Brennweiten jedoch besser<br />

geeignet; ein Bereich zwischen 50 und 135mm verkürzt<br />

die Perspektive und betont Dichte, Farbe und damit den<br />

Gesamteindruck des Blumenteppichs. Längere<br />

Brennweiten eignen sich außerdem gut, um andere<br />

<strong>Bild</strong>elemente zu isolieren, beispielsweise einen Farn im<br />

Gegenlicht vor dem blauen Hintergrund der<br />

Glockenblumen. Ein Makroobjektiv oder anderes<br />

Makrozubehör ist nützlich, wenn Sie einzelne Exemplare<br />

isolieren wollen.<br />

Ein Stativ ist unerlässlich, denn die Lichtverhältnisse sind<br />

unter dem Blätterdach der Baumkronen eher schlecht.<br />

Wenn Sie aus der Hand fotografieren, riskieren Sie<br />

verwackelte Fotos. Graufilter und Verlaufsfilter sind nicht<br />

notwendig. Ein Polfilter ist jedoch nützlich, um Reflexionen<br />

vorzubeugen. Glänzende Blätter und nasse Vegetation<br />

können Spitzlichter erzeugen, die den Dynamikumfang<br />

der Kamera übersteigen. Mit dem Polfilter können Sie die<br />

natürliche Farbsättigung wiederherstellen, was ihre <strong>Bild</strong>er<br />

wesentlich eindrucksvoller macht.<br />

WANN? Glockenblumen blühen nur eine oder zwei<br />

Wochen; das Zeitfenster, das Ihnen zur Verfügung steht, ist<br />

also sehr klein. Anfang Mai ist meist die beste Zeit, doch<br />

dies hängt ab von den Temperaturen der vorhergehenden<br />

Monate. Besuchen Sie die infrage kommenden<br />

Waldgebiete regelmäßig von Mitte April an, dann können<br />

Sie den Wachstumsfortschritt der Blumen verfolgen.<br />

Früher Morgen und später Nachmittag sind die besten<br />

Zeiten für dieses Motiv. Das Sonnenlicht ist warm und<br />

weich und Sie können die durch die niedrig stehende<br />

Sonne gebildeten langen Schatten als Führungslinien<br />

benutzen. Das Licht der dazwischen liegenden Tageszeit<br />

kann hart und kontrastreich sein, was es erschwert,<br />

ausgebrannte Spitzlichter zu vermeiden.<br />

Wenn sie früh oder spät am Tag keine Zeit haben, warten<br />

Sie auf einen Tag mit bedecktem Himmel. Die<br />

Wolkendecke wirkt wie ein gigantischer Diffusor, der den<br />

Kontrast herabsetzt und es Ihnen ermöglicht, Farben und<br />

Details authentisch abzubilden. Das<br />

Belichtungsmeßsystem der Kamera sollte bei bedecktem<br />

Himmel keine Probleme haben, die korrekte Belichtung zu<br />

finden.<br />

BENUTZEN SIE EINEN FIXPUNKT: So eindrucksvoll ein<br />

mit Glockenblumen bestandenes Waldstück auch<br />

aussehen mag, Sie müssen trotzdem auf eine gute<br />

<strong>Bild</strong>komposition achten. Ein Wald ist tendenziell eine<br />

chaotische Umgebung, in der sich eine für den <strong>Bild</strong>aufbau<br />

geeignete Ordnung nicht leicht finden lässt. Halten Sie<br />

Ausschau nach einem dominierenden Fixpunkt, den Sie<br />

als Hilfsmittel für die <strong>Bild</strong>komposition benutzen können.<br />

Ein Fußweg, der sich durch den Glockenblumenteppich<br />

windet, eignet sich sehr gut, um ihren Fotos Richtung und<br />

Tiefe zu geben. Moosbewachsene Baumstümpfe,<br />

heruntergefallene Äste oder leuchtend grüne Farne sind<br />

weitere Objekte, die Sie entweder als<br />

Vordergrundelemente oder als Rahmen für ihre<br />

<strong>Bild</strong>komposition verwenden können.<br />

Nehmen Sie jedoch kein Unterholz ins <strong>Bild</strong>. Eine<br />

Ansammlung heruntergefallener Zweige oder toter<br />

Vegetation sind zu vermeiden, denn sie wirken ablenkend<br />

und mindern den Gesamteindruck Ihres <strong>Bild</strong>es.<br />

GEHEN SIE NAH HERAN: Wenn eine große<br />

Ansammlung von Glockenblumen sich vor ihnen<br />

ausbreitet, drängen sich die Benutzung des Weitwinkels<br />

und das <strong>Fotografie</strong>ren der Blumen im Kontext ihres<br />

Habitats förmlich auf. Denken Sie aber auch an einen<br />

wesentlich näher am Einzelobjekt gelegenen<br />

Kamerastandpunkt. Die Farben und die charakteristisch<br />

herabhängende Form der Glockenblumen machen sie<br />

auch für Nahaufnahmen zu einem guten Motiv. Halten Sie<br />

Ausschau nach einem Exemplar, das idealtypische<br />

Eigenschaften aufweist und das in einer Position wächst, in<br />

ROSS HODDINOTT<br />

TIPP!<br />

Passen Sie auf, wo Sie hintreten.<br />

Glockenblumen sind empfindliche<br />

Pflanzen, die es nicht mögen, wenn<br />

man auf sie tritt. Im Übrigen<br />

gehören sie in Deutschland zu den<br />

gefährdeten Arten. Verhalten Sie<br />

sich also entsprechend<br />

verantwortungsvoll.<br />

der Sie es isolieren können. Am besten geeignet ist dazu<br />

natürlich das Makroobjektiv, aber ein Nahfilter,<br />

Zwischenringe oder das lange Ende des Teleobjektivs tun<br />

es auch.<br />

Ein niedriger Kamerastandpunkt, das Objektiv parallel zur<br />

Pflanze ausgerichtet, wird normalerweise die besten <strong>Bild</strong>er<br />

liefern. Ein flacher Schärfentiefebereich nimmt die<br />

Umgebung des ausgesuchten Exemplars aus dem<br />

Schärfebereich heraus und leitet das Auge des Betrachters<br />

zum von Ihnen vorgesehenen Fixpunkt. Benutzen Sie<br />

deswegen eine relativ große Blende, etwa in der Gegend<br />

von f/5.6. Um hässliche Schatten an der Unterseite der<br />

Blumen zu vermeiden, werfen Sie etwas Licht mit einem<br />

Reflektor oder einer weißen Karte in den schattigen<br />

Bereich zurück.<br />

EIN ANDERER ANSATZ: Doch denken Sie auch an andere<br />

kreative Aufnahmetechniken und spielen Sie mit ihnen. Falls<br />

Ihre Kamera die Möglichkeit der Mehrfachbelichtung bietet,<br />

probieren Sie aus, wie Ihre Blume sich als Motiv macht,<br />

wenn Sie ein scharfes und ein unscharfes <strong>Bild</strong> von ihr<br />

aufnehmen. Der Effekt ist ähnlich dem, der entsteht, wenn<br />

Sie einen Weichzeichner verwenden und er eignet sich<br />

besonders für Szenen im Gegenlicht. Eine andere Idee<br />

könnte der Zoom-Burst sein: Ziehen Sie während der<br />

Belichtung den Zoomring der Kamera langsam in Richtung<br />

der Weitwinkeleinstellung des Objektivs auf. So entstehen<br />

surreale, aber eindrucksvollen <strong>Bild</strong>er. Auch das absichtliche<br />

Bewegen der Kamera während der Belichtung ist eine<br />

Aufnahmetechnik, mit deren Hilfe sie von Ihrem Objekt<br />

abstrahieren können. Benutzen Sie dazu eine Verschlusszeit<br />

54 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


GLOCKENBLUMENWALD<br />

Bewegung einfangen: Benutzen Sie eine<br />

lange Verschlusszeit, um die Bewegungen<br />

der Blüten und Blätter einzufangen.<br />

Gegebenenfalls ist ein Graufilter sinnvoll.<br />

von etwa einer Sekunde und Schwenken Sie die Kamera in<br />

einer einzigen fließenden Bewegung nach oben oder<br />

unten. Ein Stativ hilft dabei, die Schwenkbewegung exakt<br />

vertikal oder horizontal zu halten. Bei dieser<br />

Aufnahmetechnik werden Baumstämme kreativ<br />

verschwimmen und die Farben der Blumen werden<br />

betont.<br />

Diese Aufnahmetechniken beruhen stark auf Versuch und<br />

Irrtum. Unter Umständen brauchen Sie viele Versuche, um<br />

ein einziges zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen. Die<br />

Effekte sind außerdem sehr subjektiv zu beurteilen.<br />

Entweder man mag sie, oder man mag sie nicht.<br />

Experimente haben jedoch noch nie geschadet und<br />

vielleicht sind Sie überrascht, wie gut solche Fotos wirken<br />

können.<br />

Glockenblumen sind für Schmetterlinge attraktiv,<br />

packen Sie deswegen auch ihr Makroobjektiv ein, damit<br />

sie ein paar Nahaufnahmen machen können.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Seien Sie kreativ: Absichtliches Bewegen der Kamera ist<br />

eine exzellente Aufnahmetechnik in der Umgebung eines<br />

farbenfrohen Waldgebiets.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

55


MACH DEIN BILD<br />

Lee Frost<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk III<br />

Objektiv: Canon EF 70-200mm f/4L IS USM<br />

Software: Nik Software Silver Efex Pro 2<br />

Wenn wir <strong>Landschaften</strong> fotografieren,<br />

benutzen wir Weitwinkelobjektive, um ein<br />

weiteres Gesichtsfeld zu bekommen und den<br />

Vordergrund mit interessanten <strong>Bild</strong>elementen<br />

zu füllen, die das Auge in die Szene einführen.<br />

Außerdem suchen wir uns einen Fixpunkt, um unserem Foto<br />

mehr Tiefe zu geben. Oder etwa nicht?<br />

Nun, nicht unbedingt. Eine ungeordnete <strong>Bild</strong>komposition<br />

kann verwirren, doch wenn Sie die überflüssigen Details<br />

beiseite lassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren,<br />

werden Sie feststellen, dass wahre Meisterwerke nur wenige<br />

<strong>Bild</strong>elemente benötigen. Wenn Sie die <strong>Bild</strong>er von Fotografen<br />

wie Michael Kenna und Josef Hoflehner betrachten, werden<br />

Sie verstehen, was ich meine. Ein einzelner Baum auf einem<br />

Hügel kann unglaublich effektvoll sein, ebenso wie ein<br />

Fels in Wasser, oder ein Zaun, der sich in einer weitläufigen<br />

Winterlandschaft verliert.<br />

Um derart minimalistische Szenen zu fotografieren,<br />

brauchen Sie eine <strong>Bild</strong>komposition mit einem einzigen<br />

dominanten Element. Dann müssen Sie sich überlegen,<br />

wie Sie das am besten in Szene setzen. Der Schlüssel dazu<br />

besteht darin, den <strong>Bild</strong>ausschnitt nicht komplett auszufüllen,<br />

sondern absichtlich leeren Raum im <strong>Bild</strong> zu lassen. Neigen<br />

Sie die Kamera nach oben, so dass viel Himmel, aber nur<br />

wenig Landschaft zu sehen ist. Ein gleichmäßig bedeckter<br />

grauer Himmel, aber auch ein völlig klarer blauer Himmel<br />

ist ideal. Eine oder zwei Wolken stören auch nicht, doch<br />

viele einzelne Wolken erzeugen Unordnung – es sei<br />

denn, Sie benutzen einen zehnstufigen Verlaufsfilter, mit<br />

dem Sie die Wolken in weiche Streifen unterschiedlich<br />

abgestufter Farbtöne verwandeln. Wasser ist ein weiteres<br />

sehr gut geeignetes <strong>Bild</strong>element für minimalistische<br />

Landschaftsaufnahmen. Das ruhige Wasser von Seen und<br />

Teichen gibt einen gleichförmigen Hintergrund ab, vor dem<br />

Sie einfache Strukturen abbilden können – eine kleine Insel,<br />

ein einzelnes Boot am Steg, ein einzelner Baum nah am Ufer.<br />

Sich bewegendes Wasser, wie das Meer, kann durch eine<br />

Langzeitbelichtung „beruhigt“ werden, so dass statische<br />

<strong>Bild</strong>elemente wie Stege, Piers, Wellenbrecher und einzelne<br />

Felsen sich visuell stark abheben.<br />

Die Regeln der <strong>Fotografie</strong> besagen, wir sollen den<br />

gesamten <strong>Bild</strong>bereich nutzen und für eine dichte<br />

<strong>Bild</strong>komposition sorgen. Doch wenn Sie das tun,<br />

präsentieren Sie dem Betrachter die ganze Geschichte auf<br />

einmal. Wenn Sie jedoch leere Bereiche ins <strong>Bild</strong> nehmen<br />

und das <strong>Bild</strong> „atmen“ lassen, wecken Sie die Vorstellungskraft<br />

des Betrachters. Übrigens geben Fotos minimalistischer<br />

<strong>Landschaften</strong>, stark vergrößert, einen sehr schönen<br />

Wandschmuck ab.<br />

Minimalistische<br />

<strong>Landschaften</strong><br />

Bei Landschaftsfotos will man normalerweise möglichst viel von<br />

der Szenerie Im <strong>Bild</strong> haben. Es geht aber auch anders, denn<br />

manchmal ist weniger mehr. Lee Frost erklärt die Kunst, wie man<br />

große Leerflächen in Landschaftsfotos integriert.<br />

Umgebung erkunden Wenn Sie eine passende<br />

1Szene gefunden haben, überlegen Sie sich die<br />

möglichen <strong>Bild</strong>kompositionen und entscheiden sich<br />

für eine, die Ihren Vorstellungen am nächsten kommt.<br />

Ich arbeite dabei immer ohne Stativ, denn das spart<br />

Zeit. Ich wollte einen einzelnen Baum finden, den ich<br />

aus relativ kurzer Entfernung fotografieren wollte,<br />

doch dann entdeckte ich in einiger Entfernung diese<br />

Baumreihe und wählte stattdessen mein Telezoom.<br />

Setup Ich benutze fast immer ein Stativ,<br />

2wenn ich Landschaftsaufnahmen mache,<br />

denn es erleichtert die Feinarbeit an der<br />

<strong>Bild</strong>komposition und ich brauche mir ums<br />

Verwackeln keine Sorgen zu machen. In<br />

diesem Fall benutzte ich ein 70–200mm<br />

Zoom bei windigem Wetter, wodurch das<br />

Stativ sich erst recht als sehr nützlich erwies.<br />

Ausgelöst habe ich per Fernauslöser.<br />

Erste Aufnahmet Dies ist die Baumreihe, die ich ins Auge<br />

3gefasst hatte. Ich wählte die kürzeste Brennweite von<br />

70mm, denn damit hatte ich die ganze Reihe im <strong>Bild</strong> und<br />

dazu viel Himmel oberhalb davon. Es ist ein recht<br />

annehmbares <strong>Bild</strong> geworden und ich kann noch sehr viel<br />

Dramatik in den Himmel hinein bringen. Doch fällt das <strong>Bild</strong><br />

in die Kategorie „minimalistische Landschaft“? Eher nicht,<br />

denn es sind schlicht zu viele Bäume. Ich habe das <strong>Bild</strong> aber<br />

trotzdem behalten, denn mir gefällt die <strong>Bild</strong>komposition.<br />

56 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


MINIMALISTISCHE LANDSCHAFTEN<br />

Das fertige <strong>Bild</strong><br />

Eine einfache, trotzdem künstlerisch aufgenommene<br />

Landschaft. Die große, freie Fläche des Himmels gibt<br />

dem <strong>Bild</strong> seine Wirkung.<br />

Belichtung: 1/30 Sekunde bei Blende f/14 und ISO 100<br />

Zehnstufiger Graufilter oder nicht?<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren minimalistischer<br />

<strong>Landschaften</strong> kann ein zehnstufiger<br />

Graufilter dafür sorgen, dass Bewegung in<br />

der Landschaft abgebildet wird, denn er<br />

bewirkt Verschlusszeiten von mehreren<br />

Minuten und länger. Ein mit vielen einzelnen<br />

Wolken bedeckter Himmel wird<br />

„aufgeräumt“, weil die Wolken als ineinander<br />

fließende Streifen abgebildet werden. Auch<br />

Wasser kann „beruhigt“ werden, wenn Sie<br />

eine Verschlusszeit zwischen einer und drei<br />

Minuten benutzen. Greifen Sie jedoch nicht<br />

automatisch zum zehnstufigen Graufilter,<br />

machen Sie sich vielmehr klar, was genau<br />

Sie erreichen wollen und entscheiden dann,<br />

ob der Graufilter den gewünschten Effekt<br />

erzeugt würde, oder nicht.<br />

Die Fotos unten veranschaulichen dies. Ich<br />

nahm an, der Himmel in dieser Szene würde<br />

per Graufilter verbessert werden, weil ich die<br />

Bewegung der Wolken am Himmel sehen<br />

konnte. Doch als ich die Raw-Dateien<br />

bearbeitete, sah ich, dass der beabsichtigte<br />

Streifeneffekt überhaupt nicht eingetreten<br />

war, vielmehr war der gesamte Himmel<br />

nahezu homogen geworden. Auch das<br />

sieht nicht schlecht aus, es war aber nicht<br />

das, was ich erreichen wollte.<br />

Himmel mit 90 Sekunden<br />

Verschlusszeit<br />

Himmel mit 1/200 Sekunde<br />

Verschlusszeit<br />

<strong>Bild</strong>komposition vereinfachen Wenn ich in die<br />

4Szene hineinzoome, kann ich einige wenige<br />

Bäume vor dem Himmel isolieren. Die Aufnahme<br />

sieht gut aus im Vollformat, würde aber im<br />

quadratischen Zuschnitt auch wirken. Der<br />

ausgewaschene Himmel gefällt mir allerdings<br />

weniger. Jetzt ist es zwar eine minimalistische<br />

Landschaftsaufnahme, doch für meinen<br />

Geschmack ein wenig zu minimalistisch.<br />

Verlaufsfilter benutzen Ein weicher Verlaufsfilter<br />

5der Stärke 0.9ND dunkelt den Himmel stark ab<br />

und gibt dem <strong>Bild</strong> eine bessere Atmosphäre. Der<br />

Verlaufsfilter war zu 3/4 nach unten in den Halter<br />

geschoben, so dass er den Himmel bis hinunter zu<br />

den Baumwipfeln abdunkelte. Auf diese Weise ist<br />

der <strong>Bild</strong>bereich der Baumreihe nicht durch den<br />

Filtereffekt betroffen und mir gefällt das helle Band,<br />

das dadurch im <strong>Bild</strong> erzeugt wird.<br />

In Schwarzweiß konvertieren Ich öffnete<br />

6das <strong>Bild</strong> in Silver Efex Pro und<br />

konvertierte es in Schwarzweiß. Ich<br />

verstärkte den Kontrast, um den Himmel<br />

noch weiter abzudunkeln. Dieses <strong>Bild</strong> zeigt<br />

definitiv eine minimalistische Landschaft.<br />

Ich habe an diesem Tag jedoch noch viel<br />

mehr Fotos gemacht und ich denke, es<br />

wird noch ein besseres darunter sein...<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

57


MACH DEIN BILD<br />

Wellenbewegung<br />

Helen Dixon besuchte den Porthcurno-Beach in<br />

Cornwall, um herauszufinden, wie man<br />

impressionistische <strong>Bild</strong>er an der Küste macht.<br />

Helen Dixon<br />

Kamera: Nikon D800E<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 70-200mm f/4G ED VR<br />

Eine Küste bietet dem Fotografen jede Menge <strong>Bild</strong>material.<br />

Frühmorgens können Sie erleben, wie die Sonne den Tag zum<br />

Leben erweckt, abends können Sie die letzten Sonnenstrahlen im<br />

Meer verschwinden sehen. An einem sonnigen Tag können Sie<br />

sommerliche Familienporträts fotografieren, bei bedecktem<br />

Himmel können Sie abstrakte Felsenkunst aufnehmen – kurz, die Zahl der<br />

Motive ist endlos, und das ist auch der Grund, warum sich so viele Fotografen<br />

an der Küste tummeln.<br />

Die Aufnahmetechnik, die ich Ihnen hier vorstellen möchte, bewegt sich<br />

etwas außerhalb der konventionellen <strong>Fotografie</strong> – falls es die überhaupt<br />

gibt – und durchbricht einige Konventionen, die in der Landschaftsfotografie<br />

üblicherweise gelten. Die mit dieser Technik erzielten Aufnahmen ähneln in<br />

gewisser Weise der impressionistischen Malerei, denn sie sind etwas abstrakt,<br />

enthalten Bewegung, und die brechenden Wellen wirken wie mit feinen<br />

Pinselstrichen gemalt. Sie müssen etwas experimentieren, denn hier bietet<br />

sich die Gelegenheit zu großartigen, abstrakten Fotos. Hohe Wellen sind der<br />

Schlüssel zum Erfolg dieser Aufnahmetechnik, warten Sie also einen Tag mit<br />

entsprechendem Wetter ab. Wenn viele Surfer draußen auf dem Wasser sind,<br />

herrschen mit Sicherheit die richtigen Bedingungen.<br />

Als Ausrüstung brauchen Sie nicht viel: nur Ihre Kamera und das Stativ, dazu<br />

ein paar Graufilter, die trotz der Helligkeit des Tages lange Verschlusszeiten<br />

erlauben. Falls Sie keinen Graufilter haben, tut es auch ein Polfilter, der den<br />

Lichteinfall bereits um zwei Blendenstufen reduziert. Kombiniert mit einer<br />

kleinen Blendenöffnung, sind damit lange Verschlusszeiten möglich.<br />

AUSRÜSTUNG:<br />

Graufilter gibt es in<br />

verschiedenen Stärken,<br />

von denen abhängt, wie<br />

viel Licht durchgelassen<br />

wird. Hersteller wie<br />

Cokin, Lee Filters und<br />

Hitech liefern Graufilter<br />

von höchster Qualität; es<br />

gibt jedoch Discount-<br />

Anbieter für das kleine<br />

Budget, die Filter von<br />

ordentlicher Qualität<br />

anbieten.<br />

Wellen beobachten Suchen Sie sich einen Küstenstrich, an dem Sie möglichst<br />

1zwei oder drei Wellenformationen gleichzeitig aufnehmen können und nehmen<br />

Sie sich die Zeit, herauszufinden, wo sich die Wellen brechen. Achten Sie auf die<br />

Windrichtung, idealerweise bläst er in Richtung Meer, falls nicht, werden Sie sich<br />

darauf einrichten müssen, ständig das Objektiv oder den Filter trocken zu wischen.<br />

<strong>Bild</strong>komposition Montieren Sie die mit dem Teleobjektiv versehene Kamera<br />

2auf das Stativ und zoomen Sie auf die Wellen ein – dank Teleobjektiv sind Sie<br />

in sicherer Entfernung und bekommen keine nassen Füße. Überprüfen Sie Ihre<br />

<strong>Bild</strong>komposition. Die sich brechenden Wellen sollten die Horizontlinie<br />

verdecken.<br />

58 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Belichtung: 0,6 Sekunden bei Blende f/20 und ISO 64<br />

Einstellungen Schalten Sie die Kamera<br />

3auf Blendenautomatik und wählen<br />

Sie eine Verschlusszeit zwischen 0,3 und<br />

0,8 Sekunden, je nach Größe und Wucht<br />

der ankommenden Wellen. Die<br />

Bewegung des Wassers sollte so<br />

eingefangen werden, dass die<br />

Oberflächenstruktur erkennbar bleibt.<br />

Nutzen Sie den Autofokus, um auf eine<br />

brechende Welle scharf zu stellen, bevor<br />

Sie die Schärfeeinstellung auf „manuell“<br />

schalten.<br />

Filter Ist Ihr <strong>Bild</strong><br />

4überbelichtet, müssen Sie<br />

Abblenden oder einen Graufilter<br />

benutzen – ggf. auch beides. In<br />

meinem Fall war es ein sehr<br />

heller Tag, also stellte ich den<br />

geringsten ISO-Wert ein, wählte<br />

Blende f/20 und montierte 2<br />

Graufilter der Stärken 0.6ND und<br />

0.9ND. Die Filter sorgten für eine<br />

Abblendung von weiteren 5<br />

Blendenstufen.<br />

Timing Beobachten Sie die Wellen eine Weile, bis Sie genau wissen, in welchem<br />

5Moment sie brechen. Drücken Sie den Auslöser, wenn der Wellenkamm zu<br />

kippen beginnt; meine Reaktion kam in diesem Fall einen Sekundenbruchteil zu<br />

spät. Sie werden einige Versuche brauchen, bis Sie die ideale Konstellation aller<br />

Umstände in einem <strong>Bild</strong> einfangen können. Es ist wie bei allen Fotomotiven:<br />

Geduld zahlt sich immer aus.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

59


MACH DEIN BILD<br />

Kunst mit Blumen<br />

Farbiger Karton, Tageslicht und ein paar Blüten – mehr brauchen<br />

Sie nicht, um attraktive Stillleben mit Blumen zu kreieren.<br />

Lee Frost<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk III<br />

Objektiv: Canon EF 50mm f/1.8 II<br />

Schlechtes Wetter gibt es oft genug auch im<br />

Sommer, doch das muss nicht bedeuten,<br />

dass wir nicht fotografieren. Die Motive<br />

werden andere sein, natürlich, doch gerade<br />

hier liegt die Chance, Ihre kreative Energie<br />

einzusetzen, indem Sie ein wenig mit der Stillleben-<br />

<strong>Fotografie</strong> experimentieren.<br />

Zugegeben, Stillleben gehören nicht zu den einfachsten<br />

Motiven in der <strong>Fotografie</strong>, hauptsächlich deswegen, weil<br />

sie jeden einzelnen Schritt des Prozesses steuern müssen,<br />

von der Auswahl der Requisiten und des Hintergrunds bis<br />

zum Arrangement des Motivs, der <strong>Bild</strong>komposition und<br />

der Beleuchtung. Doch wenn Sie sich ein klares Ziel setzen<br />

und die Dinge so einfach wie möglich halten, gibt es keinen<br />

Grund, warum nicht auch Ihnen großartige Stilllebenfotos<br />

gelingen sollten. Schließlich sind Sie kein blutiger Anfänger<br />

mehr, sonst hätten sie jetzt nicht dieses Magazin in der<br />

Hand.<br />

Blumen sind immer dankbare Objekte. Sie sind bunt,<br />

kommen in allen Formen und Größen vor und sind auch im<br />

örtlichen Supermarkt in genügender Auswahl erhältlich.<br />

So kam ich eines verregneten Nachmittags mit<br />

ein paar Tulpensträußen und ein paar Bögen bunten<br />

Kartons unterm Arm nach Hause. Ich wollte ein<br />

Stillleben produzieren, das ohne künstliche Beleuchtung<br />

aufgenommen werden sollte und es sollte anspruchsvoll<br />

und qualitativ gut genug sein, um es mir an die Wand zu<br />

hängen.<br />

Zunächst hatte ich keine genaue Vorstellung, was<br />

ich zu erreichen versuchen wollte und so ließen denn<br />

meine ersten Versuche sehr viel zu wünschen übrig. Doch<br />

wenn man erst einmal mit einem solchen kleinen Projekt<br />

begonnen hat, ist es immer wieder überraschend, wie sich<br />

die Dinge entwickeln. Wenn das erste gute Foto im Kasten<br />

ist, folgen ihm noch etliche andere nach. Es empfiehlt sich,<br />

sich nicht nur vorzustellen, wie Sie das Motiv für die Kamera<br />

arrangieren können, sondern auch darüber nachzudenken,<br />

was damit später während der Nachbearbeitung<br />

geschehen könnte. Dies berücksichtigend, kommen Sie<br />

zu anderen Ansätzen bei der <strong>Bild</strong>komposition und der<br />

Beleuchtung. Ein großer Vorteil des <strong>Fotografie</strong>rens von<br />

Stillleben besteht darin, dass Sie ein paar Aufnahmen<br />

machen können, die Dateien bearbeiten und anschließend<br />

zu Ihrem Motiv zurückkehren und gezielte Verbesserungen<br />

vornehmen können.<br />

Diese Aufnahmen entstanden auf dem Fußboden<br />

des Esszimmers. Ich hatte störende Möbel beiseite<br />

geschoben und mein Setup befand sich direkt an der<br />

Terrassentür, durch die weiches Tageslicht hereinfiel, das<br />

mir ausreichende Beleuchtung lieferte.<br />

Requisiten Ich hatte rote und weiße Tulpen<br />

1 gewählt, um sowohl farbenfrohe als auch<br />

subtilere Motive zusammenzustellen. Auch die<br />

Wahl der Farben der als Hintergrund<br />

dienenden Kartonbögen hatte ich<br />

entsprechend getroffen: Blau, Grün und Violett<br />

als leuchtende Farben sowie Weiß und Creme<br />

als gedecktere Töne.<br />

Setup Montieren Sie die Kamera auf ein Stativ<br />

2 und schließen Sie einen Fernauslöser an. Ein<br />

Standard-Zoomobjektiv oder 50mm-<br />

Normalobjektiv sind gleichermaßen geeignet.<br />

Eventuell brauchen Sie einen Reflektor, um<br />

Schatten aufzuhellen. Schalten Sie die Kamera<br />

auf Zeitautomatik und wählen Sie Blende f/8<br />

oder f/11.<br />

Erste Aufnahme Falls Sie sich zu Beginn<br />

3 noch nicht im Klaren sind, wie das<br />

endgültige Foto aussehen soll, ordnen Sie<br />

die Blüten vorsichtig und auf<br />

unterschiedliche Weise an, ohne sie zu<br />

beschädigen. Probieren Sie verschiedene<br />

Farbkombinationen aus; mein erster<br />

Versuch sah noch etwas langweilig aus…<br />

<strong>Bild</strong>komposition variieren Probieren Sie verschiedene<br />

4 <strong>Bild</strong>kompositionen und Hintergrundfarben aus. Rot<br />

kontrastiert stark mit Blau und Grün, während weiße<br />

Tulpen auf dem cremefarbenen Hintergrund einen völlig<br />

anderen Effekt hervorrufen. Das von einem bedeckten<br />

Himmel erzeugte Tageslicht liefert die perfekte<br />

Beleuchtung und ein Reflektor gegenüber dem Fenster<br />

verteilt das Licht gleichmäßig im Bereich des Motivs.<br />

Nachbearbeitung Sie können die Farben im<br />

5 wesentlichen so lassen wie sie sind, doch wenn Sie<br />

ein Programm wie Nik Colour Efex Pro, Silver Efex Pro<br />

oder Analogue Efex Pro haben, lohnt es sich, einige<br />

der vordefinierten Einstellungen zu testen und<br />

festzustellen, ob Ihr Motiv dadurch attraktiver wird. Sie<br />

können beispielsweise eine Rahmen hinzufügen oder<br />

es in Schwarzweiß konvertieren.<br />

60 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Das fertige <strong>Bild</strong><br />

Mein Foto erhielt den letzten Schliff<br />

durch den „Wet Plate Effect“ der<br />

Software Analog Efex Pro von Nik.<br />

Belichtung: 1 Sekunde bei Blende f/11<br />

<strong>Fotografie</strong>ren mit dem Smartphone<br />

Wie wäre es mit einem Schnellschuss?<br />

Lassen Sie die DSLR zu Hause und greifen Sie zu<br />

Ihrem Smartphone. Heutzutage gibt es hunderte<br />

Foto-Apps, mit denen sich Stillleben-Motive<br />

hervorragend realisieren lassen. Sie funktionieren<br />

so schnell, einfach und effizient, dass ich mich<br />

manchmal frage, warum ich mich mit der<br />

klobigen DSLR abgebe. „Hipstamatic“ gehört zu<br />

meinen bevorzugten iPhone-Apps, doch ich<br />

benutze auch „Snapseed“. Damit kann ich mit den<br />

<strong>Bild</strong>ern herumspielen, die ich mit der iPhone<br />

Kamera aufgenommen habe, und kreative Effekte<br />

hinzufügen, ohne mich an den Computer zu<br />

setzen – alles auf dem Smartphone!<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

61


MACH DEIN BILD<br />

Abgehoben – Illusion des Schwebens<br />

Paradoxe <strong>Bild</strong>er, die die Realität in Frage stellen, sind einfacher zu kreieren als man allgemein annimmt. Dani Diamond<br />

plaudert über die Tricks, mit denen solche <strong>Bild</strong>er entstehen, hier am Beispiel des freien Schwebens im Raum.<br />

Dani Diamond<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 16-35mm f/4G<br />

Software: Photoshop CS6<br />

Als ich das erste Mal das Foto eines<br />

schwebenden Menschen sah, habe ich es<br />

minutenlang voller Erstaunen angestarrt. Wir<br />

war völlig unklar, wie das <strong>Bild</strong> entstanden<br />

war, doch es erzählte eine faszinierende<br />

Geschichte, surreal, magisch und inspirierend. Ich musste<br />

unbedingt herausfinden, wie man so etwas fertig bringt, um<br />

es selbst zu probieren.<br />

Seit der Erfindung der <strong>Fotografie</strong> haben Fotografen<br />

immer Wege gefunden, die Realität zu leicht zu korrigieren,<br />

stark abzuändern und sogar eigene Realitäten zu schaffen.<br />

Schwebeeffekte sind in der konzeptuellen und in der<br />

Werbefotografie sehr populär und wenn Sie richtig<br />

eingesetzt werden, erzeugen sie beim Betrachter eine<br />

kaum stillbare Neugier.<br />

Interessant am Schwebeeffekt ist, dass er der<br />

menschlichen Erfahrung extrem zuwiderläuft und dass<br />

deswegen der Rest des <strong>Bild</strong>es, was die <strong>Bild</strong>komposition<br />

betrifft, kaum noch eine Rolle spielt. Wenn Sie diese<br />

Aufnahmetechnik in einer Alltagsszene verwenden, dürfen<br />

Sie sicher sein, ein <strong>Bild</strong> zu erzeugen, das den Betrachter<br />

so schnell nicht wieder loslässt. Wie aber funktioniert das?<br />

Seile? Aufwändige Bühnentechnik? Oder wird hier einfach<br />

eine fallende Person kurz vor dem Aufprall auf den Boden<br />

fotografiert? Nichts von alledem – alles was es braucht, sind<br />

ein bisschen Vorstellungskraft, Planung und grundlegende<br />

Fähigkeiten der <strong>Bild</strong>bearbeitung. Der Trick besteht darin,<br />

zwei <strong>Bild</strong>er derselben Szene zusammenzuführen – eines<br />

mit der „schwebenden“ Person und eines ohne die Person.<br />

Aus jedem der beiden <strong>Bild</strong>er werden entscheidende<br />

<strong>Bild</strong>elemente herausretuschiert, so dass der Betrachter<br />

nicht die tatsächliche Szene zu sehen bekommt. Besorgen<br />

Sie sich also das richtige „Medium“ und die erforderlichen<br />

Requisiten, und auch Sie werden die Schwerkraft<br />

Setup Um das Ganze möglichst einfach zu halten, empfehle ich Ihnen, ausschließlich<br />

1mit Umgebungslicht zu arbeiten. So treten die wenigsten Probleme mit<br />

unerwünschten Schatten und wetterbedingten Änderungen der Lichtverhältnisse auf.<br />

Während die Kamera auf einem stabilen Stativ sitzt, lassen Sie in der <strong>Bild</strong>komposition<br />

genug Raum um ihr „Medium“, damit der Schwebeeffekt optimal zur Geltung kommt.<br />

Ein tiefer Kamerawinkel kann den Effekt noch betonen.<br />

2<br />

Das Model positionieren Ihr Medium ist über einen Stuhl drapiert, der für den<br />

nötigen Abstand zum Boden sorgt. Die Pose des Models muss so natürlich<br />

wie möglich aussehen, sonst leidet der Effekt stark. Haar und Kleidung müssen<br />

das Model scheinbar umfließen, sorgen Sie also dafür, dass die Konturen des<br />

Stuhls nicht in der Kleidung erkennbar sind. Ich habe zusätzlich eine kleine Kiste<br />

benutzt, auf der das Model einen Fuß abstützen konnte.<br />

Kameraeinstellungen Wählen Sie die Zeitautomatik und einen dem Licht<br />

3angemessenen Weißabgleich. Stellen Sie scharf, verriegeln diese Einstellung und<br />

machen eine Testaufnahme. <strong>Fotografie</strong>ren Sie unterschiedliche Posen Ihres Models<br />

und wählen Sie die am besten gelungene aus. Ihr „Medium“ kann nun entlassen<br />

werden. Notieren Sie die Kameraeinstellungen und entfernen Sie die benutzten<br />

Requisiten. Nun haben Sie eine leere Szene vor sich.<br />

Die leere Szene fotografieren Ohne die Kamera zu bewegen,<br />

4schalten Sie in die manuelle Betriebsart, nehmen die notierten<br />

Kameraeinstellungen vor und fotografieren die leere Szene.<br />

Entscheidend ist, dass Lichtverhältnisse, Belichtung und<br />

Weißabgleich exakt dem Foto entsprechen, auf dem das schwebende<br />

„Medium“ aufgenommen wurde.<br />

62 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


SCHWEBENDES PORTRÄT<br />

Das fertige <strong>Bild</strong><br />

Noch etwas Feinarbeit,<br />

und es ist vollbracht –<br />

eine klassische<br />

Fotoillusion in nur<br />

wenigen Minuten.<br />

<strong>Bild</strong>er kombinieren Importieren Sie beide <strong>Bild</strong>er in Photoshop. Zuerst öffnen<br />

5Sie das „Medium-<strong>Bild</strong>“, gehen auf „Auswählen > Alles auswählen“ und<br />

anschließend auf „Bearbeiten > Kopieren“. Dann öffnen Sie das <strong>Bild</strong> mit der leeren<br />

Szene und wählen „Bearbeiten > Einfügen“, um das <strong>Bild</strong> mit dem „Medium“<br />

darüber zu legen. Dann wählen Sie „Ebene > Ebenenmaske > Alle einblenden“,<br />

um der Medium-Ebene eine Ebenenmaske hinzuzufügen.<br />

Den Stuhl wegretuschieren Wählen Sie das Pinselwerkzeug mit Schwarz als<br />

6Vordergrundfarbe und übermalen Sie die Maske, um den Stuhl zu entfernen.<br />

Benutzen Sie das Zoom-Werkzeug und bearbeiten Sie mit einem harten Pinsel die<br />

Kanten des Mediums. Anschließend nutzen Sie einen weichen Pinsel mit<br />

geringerer Deckkraft, um Schatten des Haars am Boden zu entfernen. Solche<br />

Kleinigkeiten sind entscheidend für die Illusion.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

63


MACH DEIN BILD<br />

SCHLAFENDE BABYS<br />

Babys im Schlaf<br />

Caroline Schmidt zeigt Ihnen, wie Sie die Kleinsten ins richtige<br />

Licht setzen – mit Einfallsreichtum und dem Licht eines<br />

Smartphones…


MACH DEIN BILD<br />

SCHLAFENDE BABYS<br />

Caroline Schmidt<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR 50mm f/1.8<br />

Zubehör: Apple iPhone oder iPad<br />

Sind Sie bereit für eine verdeckte<br />

Operation? Sie müssen sich<br />

einschleichen und eine ruhige Hand<br />

haben, doch die Fotos sind es wert.<br />

Babys sind selten leise und entspannt,<br />

doch wenn Sie abends endlich schlafen, lassen ihre<br />

engelsgleichen Gesichter auch den chaotischsten<br />

Tag der Eltern vergessen.<br />

Wenn Sie sie in den ersten Stunden ihres<br />

Nachtschlafs fotografieren, wenn der Schlaf<br />

am tiefsten ist, sind Sie auf der sicheren Seite,<br />

denn Sie können sie recht einfach wieder in den<br />

Schlaf lullen, falls sie durch ihre Aktionen mit<br />

der Kamera aufwachen sollten. Falls ihr Baby in<br />

einem Gitterbett schläft, können die Aufnahmen<br />

schwieriger werden, weil die Stäbe eventuell im<br />

Weg sind, doch hier ist Ihre Kreativität gefordert.<br />

Wenn Sie ein helleres <strong>Bild</strong> bevorzugen, versuchen<br />

Sie, Ihr Baby während einem der auch tagsüber<br />

gehaltenen Schläfchen im Licht eines großen<br />

Fensters abzubilden. Die Aufnahmetechnik, die ich<br />

Ihnen hier vorstellen möchte, funktioniert jedoch<br />

am besten im Dunkeln. Ihr Smartphone oder iPad<br />

wird die einzige Lichtquelle sein.<br />

Benutzen Sie kein Blitzgerät, denn der Lichtblitz<br />

ruiniert unweigerlich die gewünschte Atmosphäre<br />

des <strong>Bild</strong>es, außerdem ist die Gefahr sehr hoch, dass<br />

ihr Baby aufwachen wird. Das konstante Licht einer<br />

Tischlampe könnte zwar funktionieren, doch Sie<br />

können deren Helligkeit in der Regel nicht steuern<br />

und Sie müssten in der Nähe einer Steckdose sein.<br />

SETUP: Der Einsatz eines Stativs wäre die beste<br />

Lösung, doch nur dann, wenn Sie es extrem leise<br />

aufbauen und bewegen können. Andernfalls<br />

halten Sie sich eisern an die Reziprok-Regel –<br />

keine kürzere Verschlusszeit als der Wert der<br />

Objektivbrennweite, bei einem 50mm-Objektiv<br />

beträgt die kürzeste Verschlusszeit demnach1/50<br />

Sekunde. Richten Sie Ihre Lichtquelle in einem<br />

Winkel von 45° auf das Gesicht, damit Schatten<br />

unter den Augen vermieden werden. Die Stärke<br />

des Lichts eines Smartphones lässt sich regulieren.<br />

Erinnern Sie sich: je kleiner eine Lichtquelle ist und<br />

je näher sie sich am Motiv befindet, umso stärker<br />

der Lichtabfall auf dem Motiv und umso höher der<br />

Kontrast.<br />

BELICHTUNG UND SCHÄRFE: Wählen Sie die<br />

Zeitautomatik und die größte verfügbare Blende,<br />

denn Sie brauchen alles Licht, das vorhanden<br />

ist. Setzen Sie den ISO-Wert so weit herauf,<br />

dass sie eine Verschlusszeit erreichen, mit der<br />

Sie verwacklungsfrei aus der Hand schießen<br />

können. Das mag ein wenig <strong>Bild</strong>rauschen<br />

erzeugen, doch diese Art Fotos sind gut zur<br />

Schwarzweiß-Konvertierung geeignet. Stellen Sie<br />

per Einzelpunkt-Autofokus auf die Augenwimpern<br />

scharf. Falls Ihre Kamera aufgrund der schlechten<br />

Lichtverhältnissen nicht scharfstellen kann, richten<br />

Sie Ihre Lichtquelle auf den Schärfepunkt, oder<br />

stellen Sie die Schärfe manuell ein.<br />

Checkliste<br />

Ruhe Schalten Sie möglichst alle Geräusche aus<br />

Planen: Die Bekleidung des Babys sollte in neutralen<br />

Farben sein, die nicht vom Gesicht ablenken.<br />

Licht: Benutzen Sie eine App wie Softbox Pro oder<br />

eine weiße Internetseite, um eine möglichst helle<br />

Lichtquelle zu erzeugen.<br />

Keine Modifikationen: Versuchen Sie nicht, den<br />

Schnuller oder Spielzeug zu entfernen, sonst könnte das<br />

Baby aufwachen.<br />

Ideen zum Ausprobieren<br />

1) Bett einbeziehen: Treten Sie<br />

etwas vom Bett zurück und platzieren<br />

Sie ein iPad im Winkel von 45° zum<br />

Gesicht des Babys, natürlich außerhalb<br />

des <strong>Bild</strong>ausschnitts. Die Distanz und<br />

im Vergleich zum Smartphone<br />

größere Lichtquelle bewirken einen<br />

größeren Lichtkegel mit weicherem<br />

Helligkeitsabfall. Stellen Sie mit der<br />

größten Blende auf die Augen scharf,<br />

sodass die Gitterstäbe verschwimmen.<br />

Kameraposition wechseln:<br />

Probieren Sie unterschiedliche<br />

Kamerapositionen aus, um den besten<br />

Winkel herauszufinden. Dies kann<br />

problematisch sein, wenn es sich um<br />

ein Gitterbett handelt, doch mit der<br />

größten Blende kann es funktionieren.<br />

2) Gehen Sie auf Augenhöhe und<br />

fotografieren Sie das Gesicht direkt,<br />

wobei die geschlossenen Augenlieder<br />

sichtbar sein müssen.<br />

3) Nutzen Sie die Gitterstäbe als<br />

Führungslinien, während Sie<br />

mindestens Blende f/2.8 eingestellt<br />

haben.<br />

4) Positionieren Sie die Kamera ganz<br />

vorsichtig innerhalb des Gitterbetts.<br />

1<br />

3<br />

2<br />

4<br />

66 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Das fertige <strong>Bild</strong><br />

Die Aufnahme des Babygesichts in weichem Licht ist eine<br />

der schönsten Erinnerungen an diesen wunderbar<br />

friedlichen Moment.<br />

EBelichtung: 1/40 Sekunde bei Blende f/1.4 und ISO 1000


MACH DEIN BILD<br />

Verkehrsspuren<br />

Geben Sie Ihren nächtlichen Aufnahmen in der Großstadt<br />

mehr Dynamik, indem Sie die Leuchtspuren des<br />

Fahrzeugverkehrs ins <strong>Bild</strong> nehmen. Dabei entstehen großartige<br />

Fotos, und es ist einfacher als Sie denken. Lee Frost zeigt Ihnen,<br />

wie es geht.


VERKEHRSSPUREN


MACH DEIN BILD<br />

VERKEHRSSPUREN<br />

Lee Frost<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk III<br />

Objektiv: Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />

Software: Photoshop CC<br />

Eine Stadt in der Nacht ist eine<br />

hervorragende Kulisse zum <strong>Fotografie</strong>ren<br />

und es gibt kaum etwas, das ich mehr<br />

genieße, als nach Sonnenuntergang mit<br />

Stativ und Kamera loszuziehen und das<br />

nächtliche Treiben zu fotografieren.<br />

Zu meinen bevorzugten Aufnahmetechniken gehört es,<br />

mit Langzeitbelichtungen die Leuchtspuren einzufangen<br />

die auf einer verkehrsreichen Straße von den<br />

vorbeifahrenden Fahrzeugen hinterlassen werden. Die<br />

Autos, LKWs und Busse selbst sind nicht zu sehen, weil sie<br />

sich bewegen, doch deren Scheinwerfer und<br />

Heckleuchten erzeugen leuchtende rote und weiße<br />

Linien, die sich durch die Szene ziehen und ihr Farbe<br />

geben.<br />

Die Aufnahme solcher <strong>Bild</strong>er ist jahreszeitunabhängig,<br />

ganz gleich, ob bei ruhigem Wetter, oder ob es regnet<br />

oder schneit. Kurz nach einem Regen sind solche Motive<br />

sogar besonders attraktiv, weil die Straßen noch nass sind<br />

und die Reflexionen der Lichter im nassen Asphalt das<br />

<strong>Bild</strong> noch attraktiver machen.<br />

Der optimale Kamerastandort für diese Art Fotos ist<br />

neben einer verkehrsreichen Straße oder über Ihr auf einer<br />

Brücke. Landstraßen, die in sanften Biegungen zum<br />

Horizont hin verlaufen, sind ebenfalls geeignet, wenn<br />

genügend Verkehr herrscht, dessen Lichter durch die<br />

Dunkelheit mäandern. Wenn Sie in einem bebauten<br />

Gebiet fotografieren, können Sie Strukturen mit ins Motiv<br />

nehmen, die von Flutlicht angestrahlt werden,<br />

beispielsweise eine Brücke, ein Denkmal oder ein<br />

bekanntes Gebäude, denn wenn Sie nur die Leuchtspuren<br />

des Verkehrs und den Himmel im <strong>Bild</strong> haben,<br />

wird das <strong>Bild</strong> ziemlich leer aus sehen.<br />

Ich habe eine klassische Ansicht der<br />

Westminster Bridge in London gewählt<br />

und zwar während des<br />

Feierabendverkehrs an einem<br />

Freitagabend. Im Hintergrund sind die<br />

Houses of Parliament zu sehen.<br />

Wenn Sie Ihre <strong>Bild</strong>komposition<br />

gemacht haben und die Kamera bereit ist,<br />

brauchen Sie nur zu warten bis die<br />

Lichtverhältnisse sich ausreichend<br />

verschlechtert haben, so dass die Lichter des sich<br />

bewegenden Verkehrs gut hervortreten. Dann beginnen<br />

sie zu fotografieren. Wählen Sie ISO 100 und eine Blende<br />

von f/11 oder f/16. Mit diesen Werten sollten Sie eine<br />

Verschlusszeit von 20–30 Sekunden erhalten, genug, jede<br />

Menge Leuchtspuren aufzunehmen, während sich der<br />

Verkehr die Straße entlang bewegt. Ich habe die<br />

Zeitautomatik benutzt, damit die Kamera die richtige<br />

Belichtung für die Szene errechnete. Das funktioniert bis<br />

zu einer maximalen Verschlusszeit von 30 Sekunden. Die<br />

Zeitautomatik hat außerdem den Vorteil, dass sich die<br />

Verschlusszeit mit zunehmender Dunkelheit automatisch<br />

anpasst, denn es wird schnell dunkler in der<br />

Abenddämmerung. Darüber hinaus können Sie die<br />

Belichtungskorrektur benutzen, falls die <strong>Bild</strong>er zu hell oder<br />

zu dunkel werden sollten und sie ihre Aufnahme<br />

wiederholen müssen.<br />

Sie können allerdings die Kamera auch<br />

TIPP<br />

in den B-Modus schalten, in dem Sie den<br />

Verschluss so lange offen halten<br />

können, wie Sie wollen. Falls die<br />

automatisch generierten<br />

Verschlusszeiten 30 Sekunden<br />

übersteigen würden, müssen Sie<br />

ohnehin den B-Modus benutzen. Ein<br />

Vorteil des B-Modus besteht darin, dass<br />

Attraktivität.<br />

Sie die Belichtung „anhalten“ können, wenn<br />

zu wenig Verkehr herrscht, indem Sie eine<br />

Karte aus Karton oder einfach die Hand vor das<br />

Objektiv halten, wobei der Verschluss geöffnet bleibt. Ist<br />

der Verkehr wieder ausreichend dicht, geben sie das<br />

Objektiv wieder frei, und die Belichtung wird fortgesetzt.<br />

Bei gleichmäßigem Verkehrsfluss wird diese Prozedur<br />

nicht notwendig sein, fließt der Verkehr aber in Intervallen,<br />

beispielsweise hinter einer Ampelkreuzung, ist sie sehr<br />

hilfreich.<br />

Die blaue Stunde<br />

Beginnen Sie mit den<br />

Aufnahmen, sobald die<br />

Sonne verschwunden ist.<br />

Wenn Sie zu lange warten,<br />

wird der Himmel zu dunkel<br />

und das Motiv verliert an<br />

Vorbereitung Seien Sie rechtzeitig vor Ort um<br />

1einen guten Kamerastandpunkt zu sichern und<br />

Zeit genug für Ihr Setup zu haben. Die beste Zeit für<br />

die Aufnahmen ist die des Zwielichts, wenn noch<br />

Farbe am Himmel zu sehen ist und noch genug<br />

reflektierendes Umgebungslicht vorhanden ist, das<br />

die Schatten aufhellt. Es muss jedoch schon dunkel<br />

genug sein, dass die künstliche Beleuchtung sich<br />

gut abhebt.<br />

Setup Montieren Sie die Kamera auf das Stativ,<br />

2schließen Sie einen Fernauslöser an und<br />

blenden Sie das Objektiv auf f/11 oder f/16 ab, um<br />

viel Schärfentiefe zu bekommen. Wählen Sie ISO<br />

100, so erhalten Sie eine Verschlusszeit von 20–30<br />

Sekunden, wodurch der fließende Verkehr als<br />

Leuchtspur aufgenommen wird. Benutzen Sie ein<br />

Weitwinkel, um möglichst viele weitere Elemente<br />

der Szenerie ins <strong>Bild</strong> zu bekommen.<br />

Aufpassen! Ein Standpunkt dicht an einer Straße mit<br />

3fließendem Verkehr kann gefährlich sein, seien Sie also<br />

entsprechend vorsichtig. Halten Sie einen respektvollen<br />

Sicherheitsabstand zum Fahrbahnrand, denn Stativ und Kamera<br />

können in der Dämmerung aus einem fahrenden Fahrzeug<br />

heraus leicht übersehen werden, besonders wenn beide<br />

schwarz sind. Dann wäre Ihre schöne Ausrüstung dahin – ganz<br />

abgesehen davon, dass sie vielleicht sogar wegen gefährlichen<br />

Eingriffs in den Straßenverkehr belangt werden könnten.<br />

Timing Achten Sie darauf, dass sie dann auslösen, wenn der<br />

4Verkehr stetig durch die Szene fließt und dicht genug ist. Mein<br />

erster Versuch misslang, weil die Ampel einer in der Nähe<br />

befindlichen Kreuzung gerade für den Teil des Verkehrs, den ich<br />

fotografieren wollte, auf Rot geschaltet hatte.<br />

Schnell arbeiten Nach ein paar Versuchen werden sie herausgefunden haben, wie es gemacht<br />

5wird. Eine Verschlusszeit von 20–30 Sekunden reicht normalerweise aus, um Leuchtspuren<br />

von genügender Dichte in den Kasten zu bekommen. Vorbeifahrende Busse und LKWs werden<br />

höher über den Asphalt ziehende Lichtstreifen erzeugen, wodurch das <strong>Bild</strong> noch attraktiver wird.<br />

Die Zeit des Zwielichts dauert nicht sehr lange, arbeiten Sie also schnell und effizient, damit Sie so<br />

viele Fotos wie möglich in dem zur Verfügung stehenden Zeitfenster unterbringen können.<br />

70 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Das fertige <strong>Bild</strong><br />

Das Ergebnis ist eine dynamische, nächtliche<br />

Großstadtszene.<br />

Belichtung: 30 Sekunden bei Blende f/16 und ISO 50


MACH DEIN BILD<br />

BLUMEN<br />

Wildblumen mit dem Telezoom<br />

Lieben Sie Blumen? Erfahren Sie, wie Sie sie perfekt ins <strong>Bild</strong> setzen.<br />

Caroline Schmidt<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: Tamron 70-300mm f/4-5.6Di LD<br />

Frühling und Sommer bringen eine<br />

unüberschaubare Vielfalt an<br />

Blumenmotiven und zahllose<br />

Möglichkeiten, wie sie am besten<br />

aufgenommen werden. Von den<br />

Schneeglöckchen im Februar und März, den<br />

Glockenblumen und Buschwindröschen im Frühling bis<br />

hin zum Meer der roten Mohnblumen im Sommer, es ist<br />

die Zeit in der Blumenliebhaber Ihre Kamera immer bei<br />

sich haben. Es sind übrigens nicht nur Weitwinkel- und<br />

Makroobjektiv, die sich für Blumenmotive eignen,<br />

sondern es gibt auch einen hübschen Trick, mit dem das<br />

Teleobjektiv zum Einsatz kommen kann.<br />

Ein 200mm oder 300mm Telezoom kann kleine,<br />

entfernte Objekte vergrößern; manche dieser Objektive,<br />

wie beispielsweise das Tamron 70–300mm f/4–5.6Di<br />

LD Macro, bieten sogar eine Makro-Funktionalität, die<br />

im Verhältnis 1:2 abbildet, so dass Sie den <strong>Bild</strong>ausschnitt<br />

tatsächlich auch mit den feineren Details ausfüllen<br />

können. Das Schöne am Telezoom ist nicht nur seine<br />

starke Vergrößerung, sondern auch die Kompression<br />

der Perspektive, wodurch der Hintergrund näher zu<br />

rücken scheint und die Schärfentiefe flacher wird. Der<br />

Effekt ist als perspektivische Verkürzung bekannt und<br />

ist umso ausgeprägter, je länger die Brennweite ist.<br />

Kameras mit APS-C Sensor bescheren dem Fotografen<br />

einen besonders schönen Vergrößerungsfaktor. So<br />

liefert beispielsweise ein 300mm Objektiv an einer<br />

Nikon D7100 das Äquivalent von 450mm Brennweite,<br />

bezogen auf das Kleinbildformat.<br />

Damit Ihr Objekt wirklich isoliert wird und von einem<br />

unscharfen Bokeh umgeben ist, wählen Sie die Blende<br />

so groß wie möglich, was bedeutet, je „schneller“ ihr<br />

Objektiv ist, umso besser. Zoomobjektive mit einer<br />

Setup<br />

konstanten Blende von f/2.8 sind allerdings extrem<br />

teuer, deswegen beschreiben wir Ihnen hier, wie<br />

Sie auch mit bescheideneren Alternativen zum Ziel<br />

kommen. Bei der Motivsuche halten Sie Ausschau nach<br />

mit Blumen oder Gas dicht bewachsenen Arealen. Das<br />

Augenmerk des Betrachters soll auf die Blume Ihrer<br />

Wahl gerichtet werden, beschränken Sie deswegen<br />

ablenkende Faktoren auf ein Minimum, indem Sie<br />

einen Vordergrund mit ähnlicher Farbtönung wählen.<br />

Das Gegenlicht der tief stehenden Abendsonne<br />

kann dem <strong>Bild</strong> mehr Tiefe geben, besonders dann,<br />

wenn ein goldener Glanz auf den Umrissen der Blüte<br />

liegt. Weiches, indirektes Sonnenlicht ist die andere<br />

Alternative, ganz gleich, ob die Diffusität durch eine<br />

Wolkendecke erzeugt wird oder durch die Wahl eines<br />

im Schatten befindlichen Kamerastandorts. Seien<br />

Sie jedoch vorsichtig mit direktem Licht, denn zu viel<br />

Kontrast ist kontraproduktiv für ein Motiv, das von der<br />

Weichzeichnung seiner Umgebung profitieren soll.<br />

Setup: Wenn Sie mit einer Brennweite von 200–300<br />

mm aus der Hand schießen, brauchen Sie eine<br />

Verschlusszeit von 1/200 bis 1/300 Sekunde, damit<br />

nichts verwackelt. Bei guten Lichtverhältnissen oder<br />

wenn Sie mit weit offener Blende von f/2.8 fotografieren,<br />

Einstellungen<br />

sollte das kein Problem sein, doch meistens werden sie<br />

ein Stativ oder wenigstens ein Einbeinstativ brauchen.<br />

Falls Sie Ihr Objekt „auf Augenhöhe“ fotografieren<br />

wollen, benutzen Sie einen Bohnensack, um die Kamera<br />

zu fixieren. Wenn Sie im Gegenlicht arbeiten und<br />

Blendenflecke ausschließen wollen, benutzen Sie die<br />

Gegenlichtblende.<br />

Einstellungen: Wenn das Motiv sich im Gegenlicht<br />

befindet, was bei mir der Fall war, schalten Sie die<br />

Kamera auf Punktmessung, damit der Sensor nicht zum<br />

Unterbelichten verleitet wird. Stellen Sie außerdem die<br />

Zeitautomatik und den Einzelpunkt Autofokus ein. Das<br />

Zentrum Ihres Motivs muss gestochen scharf sein. Jetzt<br />

zoomen Sie auf maximale Brennweite ein und machen<br />

ihre <strong>Bild</strong>komposition. Bei den meisten Objektiven wird<br />

sich die maximal mögliche Blende ändern, wenn Sie die<br />

Brennweite erhöhen. Um den Effekt der flachen<br />

Schärfentiefe zu maximieren, stellen Sie die<br />

größtmögliche Blende ein. Mein Tamron-Objektiv gibt<br />

mir bei 300 mm noch eine maximale Blende von f/5.6.<br />

Wenn ich eine Blume in mittlerer Entfernung anvisiere,<br />

bedeutet das einen ausreichenden Grad an Unschärfe<br />

davor und dahinter.<br />

Worauf Sie achten sollten…<br />

Brennweite: Bei 70 mm und der dabei maximalen<br />

Blende von f/4 isoliert das Objektiv kein einzelnes<br />

Objekt, sondern erzeugt eine dünne Schärfeebene im<br />

mittleren Entfernungsbereich. Zoomen Sie das Objektiv<br />

auf maximale Brennweite.<br />

Blende: Dieses Foto wurde mit 300mm Brennweite<br />

aufgenommen, doch mit Blende f/16, wodurch ein zu<br />

großer Teil der Szene scharf abgebildet wurde und sich die<br />

erwünschte Weichzeichnung und Isolierung eines einzigen<br />

Objekts nicht einstellen konnte. Benutzen Sie deswegen immer<br />

die größte Blende.<br />

Entfernung: Auch wenn Sie eine weit offene<br />

Blende benutzen, sollten Sie mit den<br />

Entfernungen zwischen Kamera und Motiv und Motiv<br />

und Hintergrund experimentieren, damit Sie ihren<br />

schmalen Schärfentiefebereich optimieren können.<br />

72 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Das fertige <strong>Bild</strong><br />

Probieren Sie unterschiedliche <strong>Bild</strong>kompositionen und<br />

Entfernungen zwischen Kamera und Motiv, bis Sie die<br />

Balance zwischen Schärfe und Weichzeichnung gefunden<br />

haben. Ihre Schärfeebene wird sehr kurz sein, deshalb<br />

müssen Sie äußerst präzise scharfstellen.<br />

Belichtung: 1/500 Sekunde bei Blende f/5.6 und ISO 640


MACH DEIN BILD<br />

Location<br />

Ein Wald mit gleichmäßigem<br />

Baumabstand ist ideal; wenn der<br />

Wald zu dicht ist, fällt nicht genug<br />

Licht hindurch und die<br />

Dämmerungsstrahlen bleiben<br />

unsichtbar. Vom Waldrand sollte es<br />

freie Sicht auf den östlichen<br />

Horizont geben; ein Gewässer in<br />

der Nähe erhöht die Chance für<br />

Morgennebel.<br />

Bedingungen<br />

Die Luft muss feucht oder staubig<br />

sein, damit die<br />

Dämmerungsstrahlen sichtbar<br />

werden. Morgennebel ist ideal –<br />

verfolgen Sie die Wettervorhersage<br />

und warten Sie auf eine einem<br />

warmen Tag folgende kalte, ruhige<br />

Nacht. Leichter Nebel ist am<br />

besten; dichterer Nebel<br />

verschlechtert die<br />

Lichtverhältnisse.<br />

<strong>Bild</strong>komposition<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie ins Gegenlicht,<br />

aber vermeiden Sie Blendenflecke.<br />

Lassen Sie die Sonne außerhalb des<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitts oder verbergen Sie<br />

sie hinter einem Baumstamm.<br />

Vermeiden Sie dichtes Unterholz;<br />

stattdessen machen sich ein wenig<br />

Gras oder ein bemooster<br />

Felsbrocken gut im Dämmerlicht.<br />

WALD IM NEBEL<br />

Es ist eine klassische Szene. Leser Robert Radomski verrät uns seine Tipps<br />

zum <strong>Fotografie</strong>ren von Dämmerungsstrahlen…


Technik<br />

Verwenden Sie ein mittelgroßes<br />

Zoomobjektiv mit 18-55mm<br />

Brennweite. Eine mittlere<br />

Blendenöffnung gibt die<br />

angemessene Schärfentiefe und ein<br />

Stativ verhindert Verwackeln. Stellen<br />

Sie den kleinsten ISO-Wert ein, um<br />

maximale <strong>Bild</strong>qualität zu bekommen,<br />

und stellen Sie auf einen Punkt am<br />

Ende des ersten Drittels der Szene<br />

scharf, vom Kamerastandpunkt aus<br />

gesehen. So erhalten Sie optimale<br />

<strong>Bild</strong>schärfe.<br />

Timing<br />

Der Effekt ist am ausgeprägtesten<br />

in der Stunde nach<br />

Sonnenaufgang, wenn die tief<br />

stehende Sonne lange<br />

Baumschatten erzeugt. Sollte der<br />

Nebel noch zu dicht sein, haben<br />

Sie etwas Geduld. Die letzten<br />

Minuten, bevor er sich auflöst,<br />

bieten die schönste Stimmung.<br />

Belichtung<br />

Wenn Sie das Foto um etwa<br />

-1EV unterbelichten, wird der<br />

Effekt auf dem Foto verstärkt.<br />

Wenn Sie in die Sonne<br />

fotografieren, wird die Kamera<br />

automatisch unterbelichten;<br />

wenn sie seitlich steht,<br />

kompensieren Sie dies mit<br />

etwas negativer<br />

Belichtungskorrektur.


MACH DEIN BILD<br />

Spritzige Frucht<br />

In einfachen Schritten kreieren Sie ein anregendes<br />

Foto, dass Sie in Punkto Highspeed-<strong>Fotografie</strong><br />

vielleicht auf den Geschmack bringt.<br />

Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 24-70mm f/2.8G ED<br />

Blitzgerät: Yongnuo Speedlite YN560-II<br />

Ein Wort vorab: Die Highspeed-<strong>Fotografie</strong> gehört zu den anspruchsvolleren<br />

Unternehmungen für Hobbyfotografen. Wir alle kennen die äußerst<br />

eindrucksvollen Fotos von extrem schnellen Objekten, zu deren Produktion<br />

komplizierte Auslösemechanismen, Computer und andere Gerätschaften<br />

zum präzisen Timing erforderlich sind. Solche Ausrüstung bedeutet eine<br />

ernsthafte Investition, ganz abgesehen davon dass die professionellen Fotografen solcher<br />

<strong>Bild</strong>er über sehr gute Kenntnisse und lange Erfahrung verfügen.<br />

Gleichwohl können Sie sich an der Highspeed-<strong>Fotografie</strong> versuchen, auch wenn Sie nur<br />

über eine Standard-Fotoausrüstung verfügen, zu der allerdings ein Elektronenblitzgerät<br />

gehören sollte. Weiter brauchen Sie nur ein kleines Aquarium und ein paar Erdbeeren vom<br />

Wochenmarkt – es müssen natürlich keine Erdbeeren sein, alles was einen kleinen Platscher<br />

macht, funktioniert genauso. Und so geht’s:<br />

HIGHSPEED-SCHNAPPSCHUSS<br />

Aquarium aufbauen Stellen Sie das Aquarium auf einen großen<br />

1Tisch, damit es von allen Seiten frei zugänglich ist. Säubern Sie<br />

das Aquarium innen und außen mit Glasreiniger. Danach füllen Sie<br />

es zur Hälfte mit Wasser.<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitt Montieren Sie die Kamera auf ein Stativ und benutzen Sie ein<br />

2Objektiv mit einer Brennweite zwischen 50 und 150 mm, um den<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitt festzulegen. Schließen Sie einen Fernauslöser an, denn er<br />

erleichtert es Ihnen, gleichzeitig die Frucht fallen zu lassen und auszulösen.<br />

Kamera- und Blitzeinstellungen Zur Synchronisation von Kamera und Blitz benutzen<br />

3Sie entweder ein drahtloses System oder ein Synchronisationskabel. Positionieren Sie<br />

das Blitzgerät seitlich vom Aquarium und stellen Sie 1/16 seiner maximalen Blitzleistung<br />

ein. Die Kamera schalten Sie in die manuelle Betriebsart und stellen Blende 13, ISO 100 und<br />

die passende Verschlusszeit ein – in meinem Fall war es1/200 Sekunde.<br />

Kein Reflektor<br />

mit Reflektor<br />

Reflektor Halten Sie eine Erdbeere über die Wasseroberfläche und machen Sie ein<br />

4Testfoto. Bei mir war die Erdbeere auf der dem Blitz abgewandten Seite zu dunkel,<br />

deswegen habe ich eine weiße Styroporplatte senkrecht auf der dem Blitzgerät<br />

gegenüberliegenden Seite des Aquariums aufgestellt. Sie diente als Reflektor für den<br />

Blitz.<br />

Schärfe Tauchen Sie einen Bleistift mit der Spitze in der Mitte des Aquariums<br />

5ins Wasser, stellen mit dem Einzelpunkt-Autofokus darauf scharf und<br />

speichern diese Einstellung. Für das Foto muss die Erdbeere genau an der Stelle<br />

ins Wasser fallen, an der sie zuvor die Bleistiftspitze eingetaucht hatten.<br />

76 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Das fertige <strong>Bild</strong><br />

Ein erfrischendes Highspeed-Motiv, das schnell und<br />

einfach aufzunehmen ist.<br />

Belichtung: 1/200 Sekunde bei Blende f/13 und ISO 100)<br />

Nachbearbeitung<br />

Timing Nun lassen sie eine Erdbeere ins Wasser fallen. Lösen Sie genau in dem<br />

6Moment aus, wenn sie auf die Wasseroberfläche auftrifft. Wischen Sie nach<br />

jeder Aufnahme die durch das Eintauchen der Frucht entstandenen Wasserspritzer<br />

von den Innenseiten des Aquariums ab. Vermutlich werden Sie mehrere<br />

Aufnahmen brauchen, bis ein wirklich gutes Foto dabei herauskommt.<br />

Aufräumen Öffnen Sie das <strong>Bild</strong> in<br />

7Photoshop oder Photoshop Elements<br />

und beginnen Sie die Nachbearbeitung<br />

mit dem Entfernen etwaiger Flecke auf<br />

dem Glas und von möglicherweise im<br />

Wasser vorhandenen Partikeln. Falls Sie<br />

einen schwarzen Hintergrund verwendet<br />

haben, können Sie dazu einfach das<br />

Pinselwerkzeug mit der Vordergrundfarbe<br />

„Weiß“ benutzen.<br />

Kontrast und Tonwerte verbessern<br />

8contrast Stellen Sie per<br />

Tonwertkorrektur den Kontrast ein,<br />

indem Sie in der Ebenenpalette auf<br />

die entsprechende Schaltfläche<br />

klicken und stellen Sie die Schwarzund<br />

Grau-Regler ihren Vorstellungen<br />

gemäß ein.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

77


DasKreative Creative Eye Auge<br />

ZUCKERPUPPE…<br />

Paul Ward<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv NIKKOR AF-S 70-200mm f/2.8G<br />

Software: Photoshop CS5<br />

An Tagen wie diesem gibt es keinen<br />

schöneren Beruf für mich. Das Thema<br />

meines kleinen Projekts heißt<br />

„Süßigkeiten“, was bedeutet dass ich nicht<br />

nur ein schönes Foto produzieren kann,<br />

sondern mich zwischendurch an herrlichem Konfekt<br />

delektieren werde – was könnte schöner sein!<br />

Meine Idee zur Umsetzung des Themas kam mir<br />

recht schnell; sie war inspiriert durch ein Foto, das ich<br />

irgendwo online gesehen hatte, und auf dem eine<br />

Visagistin Zuckerstreusel benutzte, um das Gesicht eines<br />

Models zu dekorieren. Ich wollte etwas Ähnliches<br />

gestalten.<br />

Als erstes besuchte ich deshalb einen Süßwarenladen,<br />

um die idealen Requisiten auszusuchen. Größere<br />

Objekte waren ausgeschlossen, ich musste mich auf<br />

kleinere Süßigkeiten konzentrieren. Nachdem ich meine<br />

Wahl getroffen hatte, nahm ich noch eine Packung<br />

Konfekt hinzu. Ein Stück davon sollte im Mund meines<br />

Models zu sehen sein, doch auch für den Rest hatte ich<br />

bereits eine genaue Vorstellung, was damit geschehen<br />

würde…<br />

Zurück im Studio rief ich Gemma an, ein Model, mit<br />

dem ich regelmäßig zusammenarbeite, außerdem Karen<br />

Hegarty, eine Visagistin, auf deren professionelles<br />

Handwerk ich mich ebenfalls verlassen konnte. Nach<br />

ihrem Eintreffen gab ich einen kurzen Überblick über<br />

mein Vorhaben und wir entwickelten und verwarfen<br />

etliche Motivideen, bis wir uns auf eine<br />

Gesichtsdekoration mit hunderten kleiner Zuckerstreusel<br />

einigten, akzentuiert durch ein ebenfalls mit<br />

Zuckerstreuseln bedecktes, rundes Stück Aniskonfekt,<br />

das Gemma zwischen den Lippen halten würde.<br />

Karen machte sich daran, Gemmas Gesicht zu<br />

präparieren, indem Sie Lippenstift, der als Klebemittel<br />

diente, auf Lippen und Gesicht auftrug. Dann kamen die<br />

Zuckerstreusel, jeder einzeln von Hand aufgedrückt. Es<br />

war eine zeitraubende Angelegenheit, doch am Ende<br />

hatte sich der Aufwand gelohnt, und ich konnte es kaum<br />

erwarten, mit dem <strong>Fotografie</strong>ren zu beginnen, als das<br />

Make-up fertig war. Ich baute drei Leuchten in einer Ecke<br />

meines Studios vor einer weißen Ziegelwand auf: als<br />

erstes einen Studioblitz ohne Lichtformer auf dem<br />

Boden, der nach oben gerichtet und auf volle Leistung<br />

eingestellt wurde. Er würde die weiße Wand ausbleichen<br />

und den High-Key-Effekt erzielen, den ich erreichen<br />

wollte. Die anderen beiden Leuchten erhielten<br />

Softboxen. Eine wurde oberhalb der Kamera angebracht<br />

und nach unten auf Gemma gerichtet, die andere<br />

unterhalb der Kamera und nach oben gerichtet. Die<br />

obere Leuchte diente als Hauptlicht, während die untere<br />

auf sehr geringe Leistung eingestellt wurde, so dass sie<br />

fast nur den Effekt eines Reflektors hatte, um die Schatten<br />

aufzuhellen. Hauptelemente des Motivs soll die<br />

Süßigkeiten sein, deswegen montierte ich einen<br />

Zwischenring zwischen Kamera und meinem<br />

70-200mm f/2.8 Objektiv. Zwischenringe reduzieren die<br />

minimale Arbeitsentfernung eines Objektivs und liefern<br />

ein größeres <strong>Bild</strong> auf den Sensor, ohne dass man längere<br />

Brennweiten verwenden müsste. Sie werden oft in der<br />

Makrofotografie eingesetzt, doch ich benutze sie auch<br />

bei Porträtaufnahmen, wenn ich feinere Details abbilden<br />

möchte. Nach einigen Testaufnahmen und dem<br />

Ermitteln der richtigen Blitzleistung und der passende<br />

Belichtung versuchten wir eine Reihe unterschiedlicher<br />

<strong>Bild</strong>kompositionen. Dieser unkonventionelle<br />

Ganz oben: Visagistin Karen<br />

Hegarty brachte Hunderte<br />

Zuckerstreusel einzeln auf<br />

Gemmas Gesicht auf, wobei<br />

Lippenstift als Klebemittel<br />

diente.<br />

Oben: Zur Ausleuchtung des<br />

Motivs benutzte ich zwei<br />

Softboxen. Die größere diente<br />

als Hauptlicht, die kleinere<br />

– unten angebracht –<br />

lediglich zum Aufhellen der<br />

Schatten.<br />

Rechts: Wir probierten<br />

mehrere Ideen mit<br />

unterschiedlichen<br />

Süßigkeiten aus, auch mit<br />

Schokolade, doch die erste<br />

Idee erwies sich als die beste.<br />

<strong>Bild</strong>zuschnitt von Gemmas Gesicht gefiel mir auf Anhieb<br />

am besten. Er erinnerte mich an ein klassisches Vogue<br />

Titelbild von Erwin Blumenfield, weil nur die Lippen und<br />

nur ein Auge zu sehen waren. Es war ein einfacher,<br />

aufgeräumter <strong>Bild</strong>zuschnitt, der genau zu dem Stil<br />

passte, der mir vorschwebte.<br />

In der Nachbearbeitung nahm ich die grundlegenden<br />

Korrekturen an der Raw-Datei in Adobe Camera Raw vor,<br />

die jedoch nur aus Belichtungskorrektur und Korrektur<br />

des Weißabgleichs bestanden.<br />

In Photoshops nahm ich anschließend die<br />

Farbsättigung aus dem gesamten <strong>Bild</strong> heraus, bevor ich<br />

mit dem Protokollpinsel die Farbe in ausgewählte<br />

Bereiche zurückbrachte – Augen, Lippen und Make-up.<br />

So erhielt das <strong>Bild</strong> eine saubere, frische Ästhetik. Dann fiel<br />

mir auf, dass Gemmas braune Augen nicht zum Make-up<br />

passten. Ich brachte also einen Bereich mit weicher Kante<br />

um die Iris herum an und benutzte das Farbbalance-<br />

Werkzeug, um die Augenfarbe passend abzuändern. Ein<br />

hübsches Violett passte genau zu den Süßigkeiten. Zum<br />

Schluss wählte ich das Kopierstempelwerkzeug und<br />

entfernte einige der Zuckerstreusel füllte, jedoch einige<br />

Lücken an Stellen, an denen sie während der Aufnahmen<br />

nicht haften geblieben waren.<br />

Mir gefällt das Endergebnis sehr gut, nicht zuletzt<br />

deswegen, weil ich noch eine nette Auswahl an<br />

„Requisiten“ übrig hatte, über die wir drei uns hermachen<br />

konnten…<br />

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DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

79


DasKreative Creative Eye Auge<br />

LIEBESHERZ<br />

Ross Hoddinott<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv NIKKOR 200mm f/4D ED-IF AF Micro<br />

Software: Lightroom 5<br />

Natürlich fotografiere ich gern und weil<br />

ich drei kleine Kinder habe, habe ich<br />

mich zwangsläufig auch zum<br />

Fachmann für Süßigkeiten entwickelt.<br />

Insofern gefiel mir die Idee zu einem<br />

Foto mit dem Thema „Süßigkeiten“ auf Anhieb. Also<br />

durchforstete ich das Süßwarenregal des lokalen<br />

Supermarkts und fand auch schnell das Passende:<br />

Liebesherzen. Ich stellte mir vor, ich würde ein paar<br />

Nahaufnahmen machen, wobei ich auf<br />

unterschiedliche Worte scharfstellen könnte. Ich<br />

kaufte fünf Pakete – an Objekten für mein Motiv sollte<br />

kein Mangel herrschen, selbst wenn einige gar nicht<br />

erst vor der Kamera landen, sondern gleich ihrer<br />

originalen Zweckbestimmung zugeführt werden<br />

würden.<br />

Wieder Zuhause schüttete ich die Liebesherzen auf<br />

einen Teller. Die Botschaften, die sie trugen, haben sich<br />

seit meiner Kindheit stark verändert, jedenfalls kann<br />

ich mich an Aufforderungen wie „Schick mir eine SMS“<br />

nicht erinnern. Nach einigem Nachdenken schien mir<br />

das Wort „Love Heart“ für mein Projekt am besten<br />

geeignet. Ich drehte alle Herzen auf dem Teller mit der<br />

Rückseite nach oben, so dass die Schrift nicht zu sehen<br />

war. Das ergab einen aufgeräumten, weniger<br />

ablenkenden Hintergrund. Dann legte ich das Herz mit<br />

den Worten „Love Heart“ oben drauf, so dass dessen<br />

Botschaft lesbar war. Nun stellte ich den Teller mit den<br />

Süßigkeiten auf einen Kaffeetisch in der Nähe eines<br />

großen Fensters. Das einfallende Tageslicht genügte<br />

für eine gute Ausleuchtung meines Motivs. Ich wählte<br />

ein 200mm Makroobjektiv und montierte die Kamera<br />

auf das Stativ, dass ich nahe dem Tisch aufstellte. Um<br />

die Worte des Herzens stark hervortreten zu lassen,<br />

wählte ich eine weit offene Blende der Größe f/4. Die<br />

sich daraus ergebende geringe Schärfentiefe würde<br />

alle anderen Herzen unscharf abbilden. Obwohl das<br />

Setup und der Aufbau des Motivs kaum einfacher<br />

Oben und rechts: Ich probierte verschiedene<br />

<strong>Bild</strong>kompositionen aus, bevor ich mich für eine<br />

entschied (<strong>Bild</strong> gegenüber).<br />

gestaltet werden konnten, sahen die <strong>Bild</strong>er sehr gut<br />

aus. Trotzdem war das den Mittelpunkt des Motivs<br />

bildende Herz für meinen Geschmack nicht<br />

prominent genug erkennbar, deshalb arrangierte ich<br />

die darunter liegenden Herzen in Form einer Pyramide<br />

und legte das Herz mit dem sichtbaren Schriftzug<br />

oben auf deren Spitze.<br />

Nun hatte ich mehr Möglichkeiten für die<br />

<strong>Bild</strong>komposition, denn durch den größeren Abstand<br />

zwischen Fixpunkt und Hintergrund konnte ich mit<br />

verschiedenen Schärfentiefen experimentieren. Ich<br />

probierte sowohl das Hoch-, als auch das Querformat,<br />

wobei sich das Hochformat als ansprechender erwies.<br />

Blende f/4 ergab eine extrem geringe Schärfentiefe,<br />

deswegen musste die Schärfe sehr präzise per<br />

LiveView eingestellt werden. Doch nach einigen<br />

Aufnahmen merkte ich, dass die Schärfentiefe zu<br />

gering war – die Form der im Hintergrund<br />

befindlichen Herzen war kaum noch zu erkennen.<br />

Links: Mit dem LiveView stellte ich manuell auf die<br />

Worte des Herzens scharf.<br />

Oben: Das Aufeinanderstapeln der Süßigkeiten sorgte<br />

für ausreichende Trennung zwischen dem<br />

Schärfepunkt und den restlichen Objekten im<br />

Hintergrund.<br />

Also probierte ich es mit Blende f/8, und diese<br />

Einstellung traf den Nagel auf den Kopf. Sie gab mir<br />

genau die richtige Schärfe, wobei der Schärfebereich<br />

immer noch gering genug war, die Worte zum<br />

Zentrum des Motivs zu machen, doch groß genug, um<br />

die Form all der anderen Herzen erkennen zu lassen.<br />

In Lightroom nahm ich ein paar Korrekturen an<br />

Kontrast und Farbsättigung vor, und ich hatte mein<br />

Foto fertig. Nun gab es nichts mehr zu tun, außer mir<br />

die Süßigkeiten einzuverleiben…<br />

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81


DasKreative Creative Eye Auge<br />

ZUCKERPORTRÄT<br />

Catherine MacBride<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 50mm f/1.4G<br />

Software: Adobe Photoshop CC<br />

Ein Foto zum Thema Süßigkeiten?<br />

Nichts leichter als das! Sofort kehrten<br />

die Kindheitserinnerungen zurück,<br />

wenn ich mir für ein gutes<br />

Schulzeugnis im Süßwarenladen um<br />

die Ecke aussuchen durfte, was ich wollte. Für<br />

dieses Thema brauchte ich vor allem Süßigkeiten,<br />

also ging ich zuerst meine Requisiten beschaffen.<br />

War ich erst von Süßigkeiten umgeben, würde<br />

mir zwangsläufig die richtige Idee kommen.<br />

Angesichts der Vielzahl von Optionen, ein<br />

Motiv zu kreieren, fiel es mir sehr schwer, mich<br />

zwischen einem Stillleben-Arrangement und<br />

einem Porträt mit Süßigkeiten in den Farben des<br />

Regenbogens zu entscheiden. Am Ende sollte es<br />

dann das Porträt sein, wobei die nicht<br />

verwendeten Süßigkeiten als „Bezahlung“ für<br />

mein Model dienen würden. Irgendwo hatte ich<br />

einmal das Porträt eines Mädchens gesehen,<br />

dessen Lippen mit Zuckerperlen bedeckt waren,<br />

doch um dies nicht zu wiederholen, sollte mein<br />

Model ein Junge sein, und er würde einen „Bart“<br />

aus Zuckerwatte bekommen. Zusätzlich würde<br />

er eine alte 3D-Kinobrille tragen, die mit bunten<br />

Zuckerstreuseln beklebt werden sollte.<br />

Als Erstes präparierte ich die Brille. Ich<br />

entfernte die Folien aus dem Rahmen, besprühte<br />

ihn von außen mit Sprühkleber und drückte ihn<br />

anschließend in einen flachen Teller, der mit<br />

Zuckerstreuseln gefüllt war. Als ich ihn wieder<br />

heraus nahm, war seine Vorderseite vollständig<br />

mit Zuckerstreuseln bedeckt. Dann brachte ich<br />

den Bart aus Zuckerwatte am Gesicht an. Wer<br />

einmal Zuckerwatte gegessen hat, weiß, dass<br />

schon ein einziger Tropfen Wasser Sie sehr<br />

klebrig macht. Auf diese Weise hielt der „Bart“ am<br />

Gesicht des Jungen. Das aufbringen der<br />

Zuckerwatte darf nur mit sehr wenig Druck<br />

geschehen, sonst wird sie hart und Klumpig.<br />

Außerdem musste ich schnell vorgehen, weil die<br />

Zuckerwatte um den Bereich der aus Mund und<br />

Nase austretenden feuchten Atemluft zu<br />

schmelzen begann. Aus diesem Grund musste<br />

die fototechnische Seite des kleinen Projekts<br />

schon bereit sein, wenn das Model präpariert<br />

war.<br />

Meine Beleuchtung bestand aus einer<br />

einzelnen Lampe mit einer 6500K<br />

Tageslichtbirne. Außerdem kam ein silberner<br />

Reflektor zum Einsatz, der deren Licht auf den<br />

Bart zurückwerfen sollte. Es sollte keine harten<br />

Schatten geben, deswegen versuchte ich, den<br />

Kontrast so gering wie möglich zu halten. Ich<br />

montierte ein 50mm f/1.4 Objektiv und<br />

schraubte die Kamera auf das Stativ. Ich schalte<br />

in die manuelle Betriebsart, wählte ISO 640 und<br />

Blende f/8, um zwar das Model scharf, den<br />

Hintergrund aber weicher abzubilden; meine<br />

Verschlusszeit war 1/250 Sekunde. Nach einigen<br />

Aufnahmen merkte ich, dass die Brille das Motiv<br />

zu stark dominierte, deswegen wanderte sie in<br />

den V-Ausschnitt des Pullovers meines Models,<br />

so dass sie zwar immer noch zu sehen ist,<br />

jedoch weniger Aufmerksamkeit auf sich zieht.<br />

Im Uhrzeigersinn von oben links: Der Rahmen wurde<br />

mit Sprühkleber behandelt, bevor ich ihn in die<br />

Zuckerstreusel drückte. Der „Bart“ wurde von Hand aus<br />

Zuckerwatte geformt und mit ein paar Tropfen Wasser<br />

auf das Gesicht geklebt. Die Beleuchtung bestand aus<br />

einer einzigen Tageslichtbirne und einem silbernen<br />

Reflektor, um harte Schatten zu vermeiden.<br />

Als ich das <strong>Bild</strong> im Kasten hatte, sagte ich dem<br />

Model, es könne nun seinen Bart essen – das<br />

kommt wahrhaftig nicht alle Tage vor!<br />

Ich öffnete das <strong>Bild</strong> in Photoshop und<br />

retuschierte mit Kopierstempel und<br />

Reparaturpinsel einige „unaufgeräumt“ wirkende<br />

Areale des Bartes, außerdem nahm ich kleinere<br />

Korrekturen an Farbsättigung, Kontrast und<br />

Gradationskurven vor. Nun war das <strong>Bild</strong> fertig,<br />

und just zur selben Zeit war auch der Bart ab…<br />

82 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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83


DasKreative Creative Eye Auge<br />

IN DER LEIHBÜCHEREI<br />

Catherine MacBride<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 18-105mm<br />

Software: Adobe Photoshop CC<br />

Nicht zum ersten Mal überrascht es mich,<br />

dass die scheinbar einfachsten Themen<br />

– „Bücher“ in diesem Fall – bei mir oft eine<br />

hartnäckige Blockade gegen gute Ideen<br />

erzeugen.<br />

Ich bin ein passionierter Bücherwurm und mache<br />

regelmäßig Fotos zu dem Thema, doch dieses Mal<br />

wollte mir einfach nichts einfallen. Kurz bevor ich wohl<br />

den Versuch aufgegeben hätte, vor meinem leeren<br />

Notizbuch sitzend, etwas Sinnvolles zu Papier zu<br />

bringen, ging ich ans Regal, um wahllos ein paar Bücher<br />

herauszugreifen, in der Hoffnung, dadurch eine<br />

zündende Idee zu bekommen. Wieder Fehlanzeige.<br />

Also setzte ich mich wieder vor mein Notizbuch und<br />

verfiel in Tagträumereien, aus denen sich vielleicht<br />

etwas ergeben würde. Dabei fiel mir eine Filmszene ein,<br />

in der ein Buch in einer Leihbücherei gestempelt wurde.<br />

Die Sequenz war aus der Vogelperspektive gedreht<br />

worden und die Farben und das Setup hatten mir sehr<br />

gut gefallen, weil sie Kindheitserinnerungen an die Zeit<br />

zurückbrachten, als jedes Buch, das man auslieh, mit<br />

einem Datumsstempel versehen wurde, der anzeigte,<br />

wann das Buch spätestens zurückgegeben werden<br />

musste. Warum sollte ich nicht dieses Motiv<br />

fotografieren, das ähnlich nostalgische Erinnerungen<br />

erzeugen könnte, wie der Film?<br />

Obwohl es sich um ein sehr einfaches Setup und ein<br />

einfaches Foto handelt, bestand das damit<br />

einhergehende Problem darin, jene Gegenstände zu<br />

finden, die ich brauchte, um dem <strong>Bild</strong> dieses Feeling der<br />

1970er Jahre zu geben. Dazu brauchte ich einen hellen,<br />

Oben links: Mein Sohn stellte seine Hände für das <strong>Bild</strong> zur<br />

Verfügung, und ich schoss senkrecht von oben, wobei mir der<br />

LiveView die <strong>Bild</strong>komposition erleichterte.<br />

Links: Ein alter Bücherei-Leihschein und ein Datumsstempel<br />

geben dem Foto seine Authentizität.<br />

Gegenüber: In Photoshop erhielt der „Schreibtisch“ seine<br />

Retro-Erscheinung; eine Ebenenmaske diente mir zur<br />

Bearbeitung der Hände.<br />

rötlichen Hintergrund aus gealtertem Kiefernholz, den<br />

ich auf dem Dachboden in Form einer alten<br />

Spielzeugkiste fand. Weiter brauchte ich einen<br />

altmodischen Datumsstempel, ein Stempelkissen aus<br />

derselben Zeit und einen Bücherei-Leihschein, den ich<br />

mir von einem Freund ausleihen konnte, der ein<br />

Antiquariat betreibt. Ein abgenutztes Buch mit<br />

vergilbten Seiten fand ich in Form eines alten<br />

Briefmarkenalbums. Das war zwar nicht perfekt, weil<br />

der typische Plastikumschlag der Leihbüchereien jener<br />

Zeit fehlte, aber so hatte ich wenigstens keine Probleme<br />

mit Reflexionen.<br />

Als Erstes machte ich mich über den Leihschein her,<br />

den ich mit einer Serie unterschiedlicher<br />

84 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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Datumsangaben stempelte, so als sei das Buch viele<br />

Male ausgeliehen worden. Die Anordnung der Stempel<br />

erfolgte bewusst unordentlich, denn nach meiner<br />

Erinnerung war das Rückgabedatum eines bestimmten<br />

Buches nie in dem Stempelabdruck zu finden, der gut<br />

zu lesen war. Als ich fertig war, legte ich den Leihschein<br />

in die Mitte der ersten Seite des offenen Buchs und<br />

platzierte Stempelkissen und Datumsstempel daneben.<br />

Nun, da ich meine Requisiten zusammen hatte, bat<br />

ich meinen Sohn, den Schreibtisch der „Ausleihe“ zu<br />

besetzen, was er gerne tat, auch wenn nur seine Arme<br />

auf dem Foto zu sehen waren. Meine Beleuchtung<br />

bestand aus einer einzigen Lampe mit einer 6500K<br />

Tageslichtbirne, denn ich wollte eine gleichmäßige<br />

Beleuchtung. Ich brachte noch einen weißen Brolly an<br />

der Lampe an und griff mir die Kamera, auf die ich<br />

ein18–105mm Objektiv montierte. Ich schaltete in die<br />

manuelle Betriebsart, wählte ISO 640, Blende f/9 und<br />

eine Verschlusszeit von 1/400 Sekunde. Ich benutzte<br />

kein Stativ, sondern stellte mich direkt über das Motiv<br />

und machte meine <strong>Bild</strong>komposition mithilfe von<br />

LiveView. Mein improvisierter Büchereischreibtisch war<br />

nicht so breit wie ich ihn gerne gehabt hätte, deswegen<br />

musste der <strong>Bild</strong>ausschnitt etwas enger erfolgen. Mein<br />

Sohn bewegte seine Hände aber in die richtige Position,<br />

und so fand ich eine zufriedenstellende<br />

<strong>Bild</strong>komposition.<br />

Ich öffnete das gelungenste <strong>Bild</strong> in Photoshop und<br />

begann mit der Retusche, wobei ich einige Flecken auf<br />

dem „Schreibtisch“ entfernte und den leicht rötlichen<br />

Farbton des Kiefernholzes etwas intensivierte, um den<br />

nostalgischen Touch zu verstärken. Mit einer<br />

Ebenenmaske gab ich der Haut an den Händen eine<br />

etwas gefälligere Oberflächenbeschaffenheit und<br />

reduzierte die Deckkraft, bis das Ergebnis in Ordnung<br />

war. Ich justierte außerdem die Farbbalance, wobei ich<br />

mich etwas in Richtung Cyan und Magenta bewegte.<br />

Dem Leihschein fügte ich noch die Worte „Creative Eye<br />

Library“ hinzu, und das war es auch schon. Fertig. Das<br />

<strong>Bild</strong> sah zwar ziemlich anders aus, als ich es mir zunächst<br />

vorgestellt hatte, doch das nostalgische Gefühl, das ich<br />

transportieren wollte, ist immer noch da.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

85


DasKreative Creative Eye Auge<br />

LOVE STORY<br />

Jordan Butters<br />

Kamera: Nikon D5300<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Software: Lightroom 4 & Photoshop CS5<br />

Ein Foto zum Thema „Bücher“ sollte<br />

eigentlich nicht besonders schwierig<br />

sein, also stellte ich mir die<br />

zusätzliche Aufgabe, ein <strong>Bild</strong> mit<br />

minimaler digitaler Nachbearbeitung<br />

und <strong>Bild</strong>manipulation zu produzieren. Im Internet<br />

fand ich etliche inspirierende <strong>Bild</strong>er von Büchern,<br />

die um die Köpfe der Leser herum schwirrten,<br />

und Motive, in denen die Figuren eines Romans<br />

zum Leben erwachten und in die reale Welt<br />

eingriffen. Alles sehr eindrucksvoll, aber nicht<br />

praktikabel, weil das <strong>Bild</strong> ausschließlich in der<br />

Kamera entstehen sollte.<br />

Auf der Suche nach Inspiration fielen mir auch<br />

mehrere <strong>Bild</strong>er zum Thema „Bücher“ von meiner<br />

Kollegin Catherine MacBride in die Hände, alle<br />

sehr spannend und mit viel handwerklichem<br />

Aufwand perfekt mit der Kamera in Szene gesetzt.<br />

Mir wurde klar, dass ich da nicht mithalten konnte,<br />

weil meine handwerklichen Fähigkeiten gegen<br />

Null tendieren. Ich musste mein Motiv also<br />

äußerst einfach gestalten, um Erfolg zu haben.<br />

Nichtsdestotrotz waren meine Recherchen<br />

erfolgreich, und ich entwickelte die Idee zu einer<br />

„Love Story“. Das Formen von Herzen aus den<br />

Seiten eines Buches ist zwar keine ganz neue<br />

Idee, aber ein perfektes Beispiel dafür, dass man<br />

den Blick nicht weit schweifen lassen muss, um<br />

das Potenzial für ein gutes Foto zu erkennen.<br />

Als Erstes musste ich zwei Seiten des Buches in<br />

Herzform fixieren, was leichter gesagt als getan<br />

war, wie sich herausstellte. Ich probierte alles aus,<br />

was mir einfiel, um die Seiten in Position zu<br />

halten, einschließlich Klebstoff, Büroklammern,<br />

Heftklammern oder Festhalten der Seiten mit der<br />

Hand, doch jede dieser Methoden würde auf dem<br />

<strong>Bild</strong> zu sehen sein. Ich fand die Lösung schließlich<br />

in Form eines kleinen Streifens doppelseitigen<br />

Teppich-Klebebands, der, wenn er geschickt<br />

angebracht wurde, die Seiten in Position hielt,<br />

jedoch selbst nicht sichtbar war. Nachdem die<br />

grundsätzliche Form gefunden war, begann ich<br />

mit dem <strong>Bild</strong>aufbau. Ich benutzte ein 18-105 mm<br />

Zoomobjektiv und probierte eine Reihe<br />

unterschiedlicher Winkel und Standpunkte, bevor<br />

ich die am besten wirkende <strong>Bild</strong>komposition fand,<br />

indem ich so nah heranging, dass die Kanten der<br />

Buchseiten fast das Objektiv berührten.<br />

Ich benutzte die Weitwinkeleinstellung des<br />

Objektivs, wodurch mir die Stoßkante der beiden<br />

Buchseiten in der Fadenheftung als Führungslinie<br />

diente, die den Blick des Betrachters zu der<br />

herzförmigen Öffnung an der Oberkante der<br />

Buchseiten leiten würde. Dieser Blickwinkel<br />

wurde erreicht, indem ich die mir zugewandte<br />

Kante des Buchrückens auf eine kleine Schachtel<br />

legte und nur noch die gegenüberliegende<br />

Buchkante auf der Tischplatte auflag, wodurch<br />

das Buch nun in einem flachen Winkel nach oben<br />

geneigt war. Die Herzform wurde durch eine in<br />

das Buch eingelegte Streichholzschachtel am<br />

Umkippen gehindert. Als Nächstes baute ich<br />

einen Studioblitz in einer Strip-Softbox auf und<br />

richtete ihn von oben auf mein Arrangement,<br />

damit den Kanten meiner Herzform ein hübsches<br />

Glanzlicht entstehen würde. Ich stellte das<br />

Blitzgerät auf halbe Leistung ein und wählte an<br />

der Kamera die Blitzsynchronisationszeit von<br />

einer 1/200 Sekunde. Blende f/10 und ISO 100<br />

sorgten für adäquate Schärfentiefe – die obersten<br />

Textzeilen der Seiten sollten erkennbar bleiben.<br />

Eine Testaufnahme ergab, dass der Blitz durch die<br />

Seiten schoss, wodurch deren Text überbelichtet<br />

Ganz oben links: Ein<br />

schmales Stück<br />

Teppichklebeband hielt die<br />

Buchseiten so zusammen,<br />

dass die Herzform entstand.<br />

Ganz oben rechts: Ein kleiner<br />

Bogen schwarzer Karton<br />

diente dazu, den Blitz<br />

ausschließlich auf die Kanten<br />

der herzförmig gebogenen<br />

Buchseiten fallen zu lassen.<br />

Oben innen: Ich stellte die<br />

Blitzsynchronzeit von 1/200<br />

Sekunde und ISO 100 ein.<br />

Blende f/10 ergab genau die<br />

richtige Schärfentiefe.<br />

Links: Der LiveView und ein<br />

dreh- und schwenkbarer<br />

Kameramonitor schonen den<br />

Rücken, wenn man aus tiefen<br />

Positionen fotografiert.<br />

wurde, doch weniger Blitzleistung hätte den<br />

Glanzeffekt an den Kanten der Buchseiten<br />

zunichte gemacht. Also benutzte ich einen<br />

kleinen Bogen schwarzen Kartons, um den<br />

Lichtblitz daran zu hindern mehr als nur die<br />

Kanten der Buchseiten zu erreichen, wodurch die<br />

Überbelichtung kompensiert wurde, ohne den<br />

Effekt des Glanzlichts zu gefährden. Mit dem<br />

LiveView stellte ich manuell auf die oberste Zeile<br />

der Seiten scharf, schaltete auf „Manuell<br />

Scharfstellen“ und machte mein Foto.<br />

Obwohl ich Photoshop eigentlich nicht hatte<br />

verwenden wollen, profitierte das <strong>Bild</strong> schließlich<br />

doch von einigen wenigen Korrekturen. Ich fügte<br />

als erstes eine Gradationskurven-<br />

Einstellungsebene hinzu, mit deren Hilfe ich den<br />

Kontrast leicht verstärkte. Dann fügte ich eine<br />

zweite Gradationskurven-Ebene hinzu und<br />

passte die blauen, grünen und roten Kanäle<br />

separat an. Zum Schluss schärfte ich das gesamte<br />

Foto etwas nach, und mein <strong>Bild</strong> war fertig – ein<br />

kreatives Werk, das fast ausschließlich mit der<br />

Kamera entstanden war. Zeit, die Füße<br />

hochzulegen und ein gutes Buch zur Hand zu<br />

nehmen…<br />

86 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

87


DasKreative Creative Eye Auge<br />

Links und unten: Ein<br />

Setup mit drei Kerzen<br />

und dem iPad als<br />

Aufhelllicht reichte<br />

aus, um die Bücher im<br />

Low-Key-Stil zu<br />

beleuchten. Mithilfe<br />

des Histogramms<br />

stellte ich sicher, dass<br />

die Tonwerte<br />

gleichmäßig verteilt<br />

waren.<br />

Rechts: Zum Schluss<br />

legte ich noch den<br />

Füllhalter oben auf den<br />

Bücherstapel, um eine<br />

weitere Komponente<br />

des Schreibens in das<br />

Motiv zu bringen.<br />

Ganz unten: Zuvor<br />

hatte ich noch andere<br />

Requisiten ausprobiert.<br />

LESEN BEI KERZENLICHT<br />

Caroline Schmidt<br />

Kamera: Nikon D7100<br />

Objektiv: NIKKOR AF-S 50mm f/1.4G<br />

Software: Adobe Photoshop CS4<br />

Wenn mich ein Buch wirklich fesselt, komme<br />

ich nicht mehr davon los, bis ich auf der<br />

letzten Seite angelangt bin. Das Leben macht<br />

eine Pause, vor der Waschmaschine stapelt<br />

sich die Wäsche und die Familie steigt auf<br />

Selbstversorgung um. Meine Welt ist identisch geworden mit<br />

der, die in den Seiten des Buches ausgebreitet wird.<br />

Andere Bücherwürmer kennen diese Erfahrung,<br />

insbesondere die, die von den klassischen<br />

Abenteuerromanen nicht genug bekommen können, seien<br />

sie von Robert Louis Stevenson, Karl May oder Mark Twain.<br />

Es gibt nur eine einzige Art, wie man den nostalgischen<br />

Geruch solcher bibliophiler Schätze, das Gefühl des<br />

Berührens der verwitterten Ledereinbände und die<br />

berühmten Texte dieser der Autoren adäquat genießen<br />

kann: bei Kerzenlicht – denn sie wurden auch bei<br />

Kerzenlicht geschrieben. Es hat etwas Herzerwärmendes,<br />

ein Buch bei Kerzenschein zu lesen, besonders wenn es sich<br />

um einen Klassiker handelt, der lange vor der<br />

Elektrifizierung unseres Alltags geschrieben worden ist;<br />

man spürt einen Hauch von der Inspiration des Autors und<br />

bekommt ein Gefühl für jene Tage vergangener Zeiten.<br />

Solche Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich das<br />

Thema meiner Aufgabenstellung erfuhr – „Bücher“. Doch all<br />

das in einem Foto auszudrücken, ist nicht ganz einfach.<br />

Zuerst dachte ich daran, eine Frau in einem Lehnstuhl<br />

abzubilden, eine Tasse Kaffee in Reichweite und einen<br />

Klassiker in Händen, die gesamte Szenerie durch Kerzen in<br />

gedämpftes Licht getaucht. Meine zweite Idee war, einen<br />

Stapel Klassiker zu fotografieren, beleuchtet durch<br />

Kerzenlicht, der die Nostalgie dieser Literatur aus sich selbst<br />

heraus verströmen sollte. Die zweite Idee ist technisch<br />

wesentlich anspruchsvoller – das war der Hauptgrund,<br />

warum ich mich dafür entschied.<br />

Nun ist es gar nicht einfach, alte Bücher zu finden, solche<br />

mit Leinen- oder Ledereinband und Fadenheftung,<br />

womöglich noch mit Goldschnitt. Sie verstecken sich in den<br />

altehrwürdigen Universitätsbibliotheken, in Antiquariaten<br />

oder in den staubigen Bücherregalen von Großeltern. Mein<br />

zentrales <strong>Bild</strong>element war eine alte Schulausgabe von „Das<br />

verlorene Paradies“ von John Milton die, auf zwei anderen,<br />

antiquarischen Bänden liegt, deren Titel jedoch nicht zu<br />

erkennen sind. Ein Holztisch diente mir als Hintergrund und<br />

eine Laterne mit Kerze als Beleuchtung. Bei der<br />

<strong>Bild</strong>komposition für ein Stillleben können Sie Stunden damit<br />

verbringen, die <strong>Bild</strong>elemente präzise zu platzieren,<br />

Blickwinkel zu korrigieren und Areale zu auszuleuchten,<br />

ohne dass Sie Ihre eigenen Ansprüche zufriedenstellen<br />

würden. Doch es gibt nur wenig Spielraum für Fehler, denn<br />

der Erfolg eines solchen Fotos steht und fällt mit den kleinen<br />

Details. Ich hatte mich für drei Bücher entschieden, weil eine<br />

ungerade Anzahl Objekte grundsätzlich besser aussieht und<br />

ich hatte noch ein paar weitere Requisiten parat,<br />

beispielsweise einen altmodischen Tintenfüllhalter. Ich hatte<br />

bewusst Bücher ausgewählt, die einen attraktiven<br />

Buchrücken, eine goldfarbene Buchrückenverzierung und<br />

einen Goldschnitt hatten, denn daran würde sich das<br />

Kerzenlicht reflektieren und dem <strong>Bild</strong> eine zwar<br />

wahrnehmbare, aber kaum greifbare Dimension der<br />

Vergangenheit geben. Ich versuchte unterschiedliche<br />

Kamerastandpunkte und Blickwinkel und änderte die<br />

Position der Bücher und der Kerzen um die Laterne herum,<br />

die als mir Hauptlicht diente. Irgendwann gefiel mir die<br />

Anordnung und ich hatte meinen grundsätzlichen<br />

<strong>Bild</strong>aufbau gefunden.<br />

Kerzenlicht ist nicht einfach zu steuern, weil es schnell<br />

kitschig wirken kann, und dann ist jegliche Atmosphäre<br />

dahin. Ich schaltete das elektrische Licht aus und veränderte<br />

die Positionen der Kerzen so, dass möglichst wenig Schatten<br />

zu sehen waren. Der Schattenwurf an der rechten Seite war<br />

jedoch so intensiv, dass ich mein iPad mit der Softbox Pro<br />

App und einem orangefarbenen Filter als schwache<br />

Lichtquelle zum Aufhellen benutzte. Die Lichtverhältnisse<br />

waren insgesamt naturgemäß sehr schlecht und da ich das<br />

<strong>Bild</strong>rauschen minimieren wollte, stellte ich ISO 100 ein und<br />

löste die Kamera auf dem Stativ per Selbstauslöser aus. Ich<br />

begann mit der Zeitautomatik, das Belichtungssystem war<br />

auf Mehrfeldmessung eingestellt und überprüfte anhand<br />

dieser Aufnahme die Schärfentiefe. Es erwies sich, dass die<br />

besten <strong>Bild</strong>er mit Blende f/4 oder einer noch größeren<br />

Blende gelangen, weil dadurch die Kerzenflammen<br />

verschwammen und weicher wurden. Dabei litt jedoch die<br />

Schärfe im Vordergrund. Nachdem ich meinen Blendenwert<br />

gefunden hatte, schaltete ich die Kamera in die manuelle<br />

Betriebsart, denn ich wollte das <strong>Bild</strong> bewusst unterbelichten,<br />

um die beabsichtigte Atmosphäre zu erreichen. Ich stellte die<br />

Blende ein, nahm eine Spotmessung auf einem mittleren<br />

Farbton vor, und stellte die Verschlusszeit entsprechend ein.<br />

Kerzenlicht sorgt für einen warmen, rötlichen Farbstich,<br />

deswegen stellte ich den Weißabgleich anfangs auf die<br />

Voreinstellung „Glühbirne“ ein. Die Farbbalance ließ sich<br />

jedoch durch einen der Situation angepassten Weißabgleich<br />

besser steuern.<br />

Mit Photoshop blieb nur noch wenig zu tun, weil ich nach<br />

gutem Brauch schon alles bei der Aufnahme so gut wie<br />

möglich eingerichtet hatte. Es war eine kleine Korrektur an den<br />

Gradationskurven erforderlich, um mehr Details in die<br />

verbliebenen Schatten zu bringen. Außerdem erhöhte ich die<br />

Sättigung der roten Farbtöne ein wenig, um dem <strong>Bild</strong> noch<br />

mehr Wärme zu geben.<br />

88 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


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DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

89


Einzigartige <strong>Bild</strong>er,<br />

wohin man sieht<br />

Auch 2014 schlagen die vielen Fotoausstellungen auf der photokina<br />

einen beeindruckenden Bogen von Fotodokumentationen und<br />

Fotodesign, bis hin zum Fotojournalismus und der Fotokunst. Im<br />

Folgenden geben wir Ihnen einen ersten Überblick über die<br />

Highlights in diesem Jahr.<br />

Der Internationale Naturfoto-Wettbewerb<br />

„Glanzlichter“ ist einer der größten und<br />

renommiertesten deutschen Naturfoto-<br />

Wettbewerbe, der seit 1999 ausgeschrieben wird.<br />

Er steht unter der Schirmherrschaft des<br />

Bundesumweltministeriums und unter dem<br />

Patronat des DVF. Die ausgestellten<br />

Gewinnerbilder dokumentieren den hohen<br />

Standard der Naturfotografie und sind gleichzeitig<br />

ein Appell an uns alle, sich für den Schutz und die<br />

Bewahrung der Natur einzusetzen. Für Besucher<br />

besonders interessant: Die Glanzlichter-<br />

Ausstellung wird von den<br />

Wettbewerbs-Veranstaltern persönlich betreut. Sie<br />

stehen für Fragen zur Verfügung, bieten täglich<br />

Führungen durch die Ausstellung an und geben<br />

dabei Hintergrundinformationen zu den jeweiligen<br />

<strong>Bild</strong>ern.<br />

Im Rahmen der photokina präsentiert National<br />

Geographic Deutschland eine Auswahl der besten<br />

<strong>Fotografie</strong>n aus der 125-jährigen Geschichte des<br />

legendären Magazins. Die Ausstellung, bestehend<br />

aus 55 außergewöhnlichen <strong>Bild</strong>ern, spiegelt die<br />

wichtigsten Expeditionen und Reportagen des<br />

Magazins der National Geographic Society wider<br />

– von der Gründung im Jahr 1888 bis heute.<br />

Das International Photographic Council (IPC),<br />

eine mit den Vereinten Nationen verbundene<br />

Nichtregierungsorganisation, präsentiert mit „We<br />

the Peoples” gemeinsam mit dem Department of<br />

Public Information der Vereinten Nationen erneut<br />

eine UN-Fotoausstellung auf der photokina.<br />

„We the Peoples” (Wir, die Völker) sind die ersten<br />

Worte der Charta der Vereinten Nationen. Die<br />

Ausstellung wird von Lifetouch Inc., dem weltweit<br />

größten Unternehmen im Bereich der<br />

Porträtfotografie gesponsert und kuratiert.<br />

Unter dem Titel „Kinder. Die Gegenwart der<br />

Zukunft“ präsentieren Unicef Deutschland und das<br />

Magazin ‚Geo‘ die besten Fotos und Reportagen<br />

aus dem internationalen Wettbewerb „UNICEF-<br />

Foto des Jahres“ 2012 und 2013. 25 Fotografen aus<br />

16 Nationen tragen mit exzellenten Reportagen<br />

und <strong>Fotografie</strong>n zu dieser thematisch wie<br />

fotografisch vielfältigen Ausstellung bei.<br />

Die <strong>Bild</strong>erausstellung „A Fallen Angel“ der Japan<br />

Camera Industry Institute Ausstellung zeigt Fotos<br />

aus dem Erstlingswerk des berühmten Japanischen<br />

Fotografen Yoshihiro Tatsuki, die er im Alter von 27<br />

Jahren aufgenommen hat. Es gab kein konkretes<br />

Thema, sondern nur einfache Monochrom-<br />

<strong>Fotografie</strong>n in ihrer reinsten Form mit einem sich<br />

frei bewegenden Mädchen. Die Werke begeistern<br />

noch heute durch ihre einzigartige Ästhetik und<br />

<strong>Bild</strong>sprache.<br />

Superlative sind angesagt, wenn es um Europas<br />

größten Fotowettbewerb Blende geht. Seit<br />

nunmehr fast 40 Jahren demonstriert „Blende“ mit<br />

seinen <strong>Bild</strong>ern den Enthusiasmus der<br />

teilnehmenden Amateurfotografen. Ihre<br />

Aufnahmen bereichern auch in 2014 die photokina<br />

nachhaltig und verdienen ohne Wenn und Aber<br />

allesamt das respektvolle Prädikat „staunenswert“.<br />

Gute, ja sehenswerte <strong>Fotografie</strong>n aus zwei<br />

Jahrgängen „Blende“ erwarten die photokina-<br />

Besucher auf dem Mittelboulevard der photokina.<br />

Ein <strong>Bild</strong>ermeer aus über 40.000 <strong>Fotografie</strong>n - von<br />

den Anfängen der <strong>Fotografie</strong> bis heute - präsentiert<br />

sich den photokina-Besuchern in der Passage 4/5<br />

mit der Gemeinschaftsaktion „Der größte<br />

Photoglobus der Welt“ auf nahezu 500<br />

Quadratmetern in der Passage 4/5. Die international<br />

ausgelegte Gemeinschaftsaktion „Der größte<br />

Photoglobus der Welt“, die alles bisher<br />

Dagewesene in den Schatten stellt, hatte mit dem<br />

Jubiläum „175 Jahre <strong>Fotografie</strong>“ sowie dem<br />

photokina-Jahr 2014 weltweit aufgerufen, auf dem<br />

deutsch- und englischsprachigen Portal unter dem<br />

Motto „175 Years of PhotoMoments“ diese<br />

einzigartige <strong>Bild</strong>erreise entstehen zu lassen.<br />

Foto- und Mediendesign-Studenten des IFAG!<br />

Institut für Angewandte Gestaltung setzen für ihre<br />

<strong>Bild</strong>er viele neue Präsentationsmöglichkeiten ein –<br />

von neuen LED-Panels, neuen<br />

<strong>Bild</strong>trägermaterialien, verschwimmende Grenzen<br />

zwischen <strong>Fotografie</strong> und Film bis hin zu interaktiven<br />

Fotos. Unter der Leitung von Uli Kreifels und<br />

Thomas Hilbig entsteht auf der photokina 2014 eine<br />

in Form und Inhalt sehr außergewöhnliche und<br />

inspirierende Ausstellung. Während der Messe wird<br />

Uli Kreifels auch Workshops anbieten, um die<br />

verwendeten Techniken zu erklären und zu zeigen,<br />

wie man sie in der eigenen Arbeit anwenden kann.<br />

Um eine ganz besondere Ausstellung geht es bei<br />

„Butterfly“ vom Umweltfotofestival Horizonte<br />

Zingst. Es handelt sich um eine Outdoor<br />

Ausstellung vor dem Sü<strong>dein</strong>gang der Messe, die<br />

beeindruckende <strong>Bild</strong>er filigraner Schmetterlinge<br />

zeigt. Und so groß und so schön sind<br />

Schmetterlinge noch nie fotografisch dargestellt<br />

worden. Der Fotograf Jan Michael Hosan hat sich<br />

ans Werk gemacht und mit einer speziell<br />

ausgetüftelten Beleuchtungstechnik die Farben der<br />

zarten Geschöpfe zum Leuchten gebracht. Hosan<br />

hielt die Lebendigkeit der Schmetterlinge im<br />

„Garten der Schmetterlinge“ von Schloss Sayn<br />

fotografisch fest. Die spektakuläre XXL-Ausstellung<br />

kommt direkt vom vom Umweltfotofestival<br />

„Horizonte Zingst“ nach Köln zur photokina.


FOTO-<br />

WORKSHOP<br />

UNSERE EXPERTEN VERHELFEN IHNEN ZU BESSEREN FOTOS<br />

Praxiskurs: Makrofotografie<br />

FOTOGRAF ROSS HODDINOTT UND DIGITALE-FOTOGRAFIE-LESER COLIN BOUCHER<br />

ERLÄUTERN GRUNDLAGEN UND TRICKS FÜR DIE MAKROFOTOGRAFIE IN DER NATUR.


FOTO-<br />

WORKSHOP<br />

Expert tuition<br />

Colin Boucher<br />

Colin Boucher ist enthusiastischer<br />

Amateurfotograf der besonders von<br />

der Natur- und von der<br />

Landschaftsfotografie fasziniert ist.<br />

Ausrüstung: Nachdem er über Jahre<br />

hinweg eine Olympus E-330 benutzte, wechselte er<br />

zu einem Spiegelreflex-System. Er verwendet heute<br />

eine Nikon D610 mit NIKKOR 105mm f/2.8 Micro<br />

Objektiv, ferner ein Giotto 8245 Stativ mit Manfrotto<br />

410 junior Stativkopf und einen Nikon MC-DC2<br />

Kabelfernauslöser.<br />

Ross Hoddinott<br />

Ross Hoddinott ist Berufsfotograf,<br />

spezialisiert auf Natur-, Landschaftsund<br />

Makrofotos. Er ist Autor mehrerer<br />

Bücher, unter anderem über digitale<br />

Makrofotografie außerdem hat er<br />

bereits etliche Preise gewonnen.<br />

Ausrüstung: Er verwendet eine Nikon D800 mit<br />

NIKKOR 200mm f/2.8 Micro Objektiv, ein Gitzo<br />

GT3541LS Stativ mit Manfrotto 405 Stativkopf und<br />

einen Nikon MC-36 Fernauslöser.<br />

B<br />

uschwindröschen sind wunderschöne Blumen<br />

und sie gehören zu den ersten, die im Frühling<br />

zu blühen beginnen. Oftmals bilden sie dichte,<br />

großflächige Blumenteppiche, denen passionierte<br />

Naturfotografen nicht widerstehen können.<br />

Colins Originalfoto wurde bei abgeschirmtem<br />

Sonnenlicht aufgenommen. Er verwendete ein 105mm-<br />

Makroobjektiv, die Kamera war auf dem Stativ montiert.<br />

Er selbst sagt über sein <strong>Bild</strong>: „Ich mag Nahaufnahmen in<br />

freier Natur, besonders Blumen. Dieses <strong>Bild</strong> ist zwar ganz<br />

schön, aber ich würde es gerne besser machen. Ich<br />

denke, Ross wird mir sagen, ich hätte viel näher heran<br />

gehen müssen, doch wie kann ich es noch auf andere<br />

Weise verbessern?“<br />

„Collins <strong>Bild</strong> ist gar nicht übel, doch es gibt einige<br />

Kernbereiche, in denen es verbessert werden kann.<br />

Der steile Blickwinkel lässt das Motiv sehr flach<br />

aussehen, zweidimensional; bei Blumen ist ein<br />

niedrigerer Kamerastandpunkt oft besser, denn er<br />

gibt dem <strong>Bild</strong> mehr Tiefe, macht es also<br />

dreidimensional. Außerdem hilft ein einfacher<br />

Hintergrund, das eigentliche Motiv aus seiner<br />

Umgebung hervorzuheben. Benutzen Sie<br />

deswegen eine große Blende etwa im Bereich von<br />

f/2.8–f/5.6, um einen entsprechend flachen<br />

Schärfentiefebereich zu erzeugen. Daran werden<br />

wir arbeiten müssen. Die Aufnahme kann weiter<br />

verbessert werden, einfach in dem die Kamera<br />

COLINS ORIGINALFOTO<br />

Oben: Das von Colin zur Besprechung eingesandte<br />

Originalbild.<br />

Unten: Ross und Colin bereiten ihre Ausrüstung vor.<br />

Rechts: Colin ist bereit, während Ross das Liveview-<strong>Bild</strong><br />

kontrolliert und Tipps zur Blendeneinstellung gibt.<br />

Unten rechts: Ross und Colin prüfen die aktuelle<br />

Belichtung.<br />

näher an das Objekt heran gebracht wird. Es gibt viel<br />

zu viel leeren Raum im <strong>Bild</strong>ausschnitt. Bei einigen<br />

Motiven ist das zwar erwünscht, doch hier ist er fehl<br />

am Platz. Ziel unserer kleinen Lehrstunde ist es,<br />

Colin dazu zu bringen, näher an sein Motiv<br />

heranzugehen, damit er eine individuelle Blume<br />

isolieren kann. Außerdem muss er seinen<br />

Kamerastandpunkt ändern, damit das <strong>Bild</strong> mehr<br />

Tiefe bekommt.“<br />

SETUP DER KAMERA<br />

„Bei Nahaufnahmen ist die Schärfentiefe entscheidend,<br />

deswegen empfehle ich Colin, die Zeitautomatik oder<br />

die manuelle Betriebsart der Kamera zu verwenden,<br />

wobei das Belichtungsmeßsystem auf<br />

Mehrfeldmessung eingestellt sein sollte. Nach<br />

Überprüfen des <strong>Bild</strong>es und des Histogramms auf dem<br />

Kameramonitor können notwendige Anpassungen mit<br />

der Belichtungskorrektur vorgenommen werden.<br />

Autofokussysteme kapitulieren oft bei<br />

Makroaufnahmen, besonders bei schlechtem Licht<br />

oder geringem Kontrast. Ich empfehle deswegen,<br />

manuell scharfzustellen und den LiveView zu<br />

benutzen. Mit dem LiveView kann man den Bereich, auf<br />

den scharfgestellt werden soll, vergrößern. Auf diese<br />

Weise kann Colin präziser scharfstellen. Es ist<br />

unerlässlich, ein Stativ zu benutzen, um Verwackeln zu<br />

vermeiden. Fernauslöser oder Selbstauslöser<br />

reduzieren das Verwacklungsrisiko weiter. Da die<br />

meisten Blütenblätter von Blumen transparent sind,<br />

eignen sie sich sehr gut für eine Beleuchtung im<br />

Gegenlicht, wobei das Gegenlicht die Leuchtkraft der<br />

Farben verstärkt und Umrisse und Formen besser<br />

erkennbar macht. Doch auch bei bedecktem Himmel<br />

lassen sich sehr schöne Blumenfotos machen. Ein<br />

kleiner Reflektor ist hilfreich, denn er kann benutzt<br />

werden, um etwas Licht auf die Blüte zurückzuwerfen,<br />

damit etwaige Schatten aufgehellt werden.“<br />

HALTEN SIE DIE BILDKOMPOSITION<br />

EINFACH<br />

„Bei Nahaufnahmen gilt: je einfacher die<br />

<strong>Bild</strong>komposition, desto besser. Finden Sie ein<br />

geeignetes Motiv und positionieren Sie die Kamera<br />

so, dass keine unerwünschten Objekte im<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitt sind. Die Wahl der Blende kann


Image tutor<br />

f/16 f/3.5<br />

Oben: Eine kürzere Arbeitsentfernung erlaubt Colin die<br />

Aufnahme eines sehr schönen Fotos auf „Augenhöhe“ mit<br />

der Blume.<br />

Links: Dasselbe Motiv, aufgenommen mit<br />

unterschiedlichen Blendenöffnungen.<br />

Unten: Der LiveView sorgt für akkurates Scharfstellen.<br />

zusätzlich helfen, Ablenkungen zu vermeiden,<br />

indem ein flacher Schärfentiefebereich erzeugt<br />

wird. Wir überlegten, einen Polfilter zu benutzen,<br />

um die Farbsättigung zu erhöhen, doch aufgrund<br />

der schlechten Lichtverhältnisse und weil keinerlei<br />

Reflexionen im Motiv vorhanden waren, war sein<br />

Effekt nur minimal. Statt des Polfilters entschieden<br />

wir uns deswegen für eine Mehrfachbelichtung,<br />

um einen kreativen Effekte hinzuzufügen.<br />

Wir fanden beide jeweils nur eine einzige<br />

Blume in einer geeigneten Umgebung, insofern<br />

war die Ausgangssituation für Colin alles andere<br />

als vorteilhaft gewesen. Er wird seine neu<br />

erlernten Fertigkeiten hoffentlich an anderen<br />

Blumen praktizieren und einüben und nächstes<br />

Jahr wird er erneut Gelegenheit haben, die<br />

wunderschönen, aber kurzlebigen<br />

Buschwindröschen ins <strong>Bild</strong> zu setzen.“<br />

DAS WESENTLICHE:<br />

NAHAUFNAHMEN<br />

Verwackeln vermeiden durch Einsatz von Stativ<br />

und Fernauslöser.<br />

Nutzen Sie den LiveView zum präzisen<br />

Scharfstellen.<br />

Erhöhen Sie an windigen Tagen den ISO-Wert,<br />

um Bewegungsunschärfen zu vermeiden.<br />

Halten Sie genug Abstand zwischen Blume und<br />

Hintergrund, damit die kurze Schärfentiefe zur<br />

Geltung kommt.<br />

Nutzen Sie eine Blende von f/5.6 bis f/8, um den<br />

richtigen Schärfebereich zu erzeugen.<br />

COLINS URTEIL<br />

„Mir hat es gut gefallen, und die Zeit mit Ross war<br />

sehr lehrreich. Ich habe gelernt, näher an das<br />

Motiv heran zu gehen und die <strong>Bild</strong>komposition<br />

so einfach wie möglich zu halten. Ich gehe nun<br />

ganz anders an die Blumen heran und<br />

konzentriere mich stärker auf die Auswahl des<br />

Motivs, auf den Kamerastandpunkt und die<br />

<strong>Bild</strong>komposition. Ich werde auf jeden Fall mit<br />

Mehrfachbelichtungen experimentieren, denn<br />

Sie haben das Potenzial für wirklich kreative<br />

Aufnahmen.“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

93


FOTO-<br />

WORKSHOP<br />

PIER IN BRIGHTON<br />

Jonathan Mullett<br />

Canon EOS 1000D mit EF-S 18–55mm f/3.5–5.6<br />

Belichtung: 20 Sekunden bei Blende f/13 und ISO 100<br />

Die Nachtfotografie kann großartige Fotos<br />

hervorbringen. Für Jonathan hat es sich definitiv<br />

gelohnt, bei Dunkelheit mit der Kamera loszuziehen.<br />

Während des Übergangs vom Tag zur Nacht ist der<br />

Himmel von einem tiefen, prachtvollen Blau, und die<br />

im Meer und im nassen Sand gespiegelte, warm<br />

kontrastierende künstliche Beleuchtung sieht<br />

hinreißend aus. Schade, dass Meer und Sand den<br />

Vordergrund nicht ganz ausfüllen, aber der Strand in<br />

Brighton besteht fast überall aus Kies. Man könnte<br />

versuchen, einen größeren Teil des Vordergrunds<br />

wegzuschneiden und ein Panoramafoto aus dem<br />

Warum es funktioniert:<br />

Großartige, kontrastierende Farben<br />

Gute Belichtung, perfektes Timing<br />

Die Reflexionen im nassen Sand könnten<br />

kaum besser sein<br />

94 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Expertenmeinung<br />

ICH SEHE DICH<br />

Natalie Sleeman<br />

Canon EOS 60D mit Tamron SP 70–300mm f/4–5.6<br />

Belichtung: 1/640 Sekunde bei Blende f/8 und ISO 100<br />

Was die <strong>Bild</strong>komposition betrifft, hat Natalie ein<br />

großartiges Foto abgeliefert. Die Eule ist nach<br />

der Drittelregel positioniert und der Hintergrund<br />

gibt dem Vogel den Kontext mit seiner<br />

Umgebung. Der Schärfentiefebereich ist flach<br />

und somit ist das Waldgebiet unscharf, damit es<br />

nicht vom eigentlichen Motiv ablenkt. Auch der<br />

Augenkontakt ist sehr gut gelungen.<br />

WILDLIFE-EXPERTE Ross Hoddinott<br />

Ich mag Natalies <strong>Bild</strong>komposition und die<br />

Positionierung der Eule. Der Hintergrund ist<br />

erkennbar, doch ausreichend verwischt,<br />

damit er nicht ablenkt. Leider ist das Licht<br />

etwas flach; Abendlicht hätte dem Gefieder der Eule<br />

einen Glanz gegeben, der das <strong>Bild</strong> perfekt gemacht hätte.<br />

KROKUS<br />

Teresa Williams<br />

Pentax K-r mit Sigma AF 50mm f/2.8EX DG Makroobjektiv<br />

Belichtung: 1/125 Sekunde bei Blende f/4 und ISO 100<br />

Dies ist ein sehr attraktives Foto. Theresa hat die Farben<br />

des Krokus in all ihrer Intensität und Leuchtkraft in<br />

weichem, diffusem Licht eingefangen. Der flache<br />

Kamerawinkel, kombiniert mit einer weit offenen<br />

Blende sorgte für einen flachen Schärfentiefebereich,<br />

der den Blick des Betrachters auf die sich im<br />

Schärfebereich befindliche Blume lenkt. Doch sie ist<br />

vielleicht ein bisschen zu zentral im <strong>Bild</strong>ausschnitt. Läge<br />

der Fixpunkt etwas mehr links, so dass der größte Teil<br />

der Blumen sich rechts von ihm befände und<br />

unterschiedlich scharf abgebildet wäre, hätte sich eine<br />

ausdrucksstärkere <strong>Bild</strong>komposition ergeben.<br />

Warum es funktioniert:<br />

Attraktiv weiches und diffuses Licht<br />

Weit offene Blende, um den Fokus zu kontrollieren<br />

Intensiv leuchtende Farben, sehr gut<br />

aufgenommen<br />

SHINE ON<br />

Danny Birrell<br />

Canon EOS 40D mit Tamron SP 17–50mm f/2.8<br />

Haida Pro II Slim zehnstufiger Graufilter und Hitech 0.6ND harter<br />

Verlaufsfilter.<br />

Belichtung: 122 Sekunden bei Blende f/11 Und ISO 100<br />

Danny hat mit seiner Langzeitbelichtung einen<br />

brillanten Effekt erzielt, der das Meer in geheimnisvollen<br />

Nebel verwandelt. Es sieht fantastisch aus, geradezu<br />

mystisch. Eine interessante Szene mit schönen,<br />

gedeckten Tönen, doch die <strong>Bild</strong>komposition könnte<br />

verbessert werden. Der große Felsen auf der linken Seite<br />

dominiert den <strong>Bild</strong>ausschnitt; und obwohl Achse und<br />

Räder prinzipiell gut ins Motiv passen, wirken sie als<br />

Fixpunkt eher deplatziert. Die Aufnahme ist weder ein<br />

Detailfoto, noch ist der Blickwinkel weit genug, um die<br />

gesamte Szenerie darzustellen. Vielleicht hätte ein<br />

Blickwinkel besser funktioniert, der das Motiv als<br />

zentralen Teil seiner Umgebung zeigt, doch das hängt<br />

natürlich davon ab, ob die Umgebung interessant<br />

genug ist.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

95


Expertenmeinungen<br />

RATSCHLÄGE FÜR BESSERE FOTOS<br />

UNSERE<br />

EXPERTEN<br />

DANIEL LEZANO<br />

Seit etlichen Jahren<br />

ständiges<br />

Jurymitglied<br />

mehrerer nationaler<br />

Fotowettbewerbe.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Fotograf und<br />

Buchautor,<br />

spezialisiert auf<br />

Natur-, Makro- und<br />

Landschaftsfotos<br />

LEE FROST<br />

Seit mehreren<br />

Jahren Fotograf<br />

und Buchautor<br />

JORDAN<br />

BUTTERS<br />

Motorsport-<br />

Fanatiker und<br />

Photoshop-Experte.<br />

SOUTHWOLD PIER<br />

Grant Bush<br />

Kamera: Sony Alpha 77<br />

Objektiv: Tokina ATX PRO 11-16mm f/2.8<br />

Belichtung: Five seconds at f/2.8 (ISO 100)<br />

Grant: „Ich wollte den Pier im Mondlicht<br />

aufnehmen und gleichzeitig die<br />

Bewegung des Wassers zeigen – ein<br />

trickreicher Balanceakt, denn ich durfte<br />

einerseits die Lichter des Piers und den<br />

Mond nicht überbelichten und wollte andererseits das<br />

Wasser und die Details im Schatten unter dem Pier<br />

erkennbar darstellen.“<br />

ROSS HODDINOTT: Dass ist auf den ersten<br />

Blick ein gut aussehendes Foto. Obwohl im<br />

Mondlicht aufgenommen, sieht der Himmel<br />

noch sehr blau aus und die Wolken sind sehr<br />

hell. Man könnte denken, es sei ein Bei Tag<br />

aufgenommenes Foto, das stark unterbelichtet<br />

wurde. Ich finde aber den Kamerablickwinkel<br />

sehr unvorteilhaft. Er ist zu stark am Pier<br />

ausgerichtet, was dazu führt, dass die ohnehin<br />

vorhandene Verzerrung durch das<br />

Weitwinkelobjektiv noch verstärkt wird. Hätte<br />

sich die Kamera weiter links vom Pier befunden,<br />

wäre ein größerer Teil von ihm im <strong>Bild</strong> gewesen<br />

und die Länge der Struktur hätte das Auge<br />

besser von rechts nach links ins <strong>Bild</strong> geführt.<br />

Stattdessen führt der Pier das Auge direkt ins<br />

Zentrum des <strong>Bild</strong>ausschnitts und der Betrachter<br />

muss sich förmlich zwingen, auch die linke Seite<br />

des <strong>Bild</strong>es wahrzunehmen. Der<br />

Wasserstandsanzeiger, der links im <strong>Bild</strong> aufragt,<br />

lenkt ab und aufgrund der weit offenen Blende<br />

ist die Schärfentiefe nicht groß genug, um den<br />

Vordergrund scharf ausreichend scharf<br />

abzubilden. Trotzdem meine Anerkennung für<br />

Grant, denn er hat versucht, eine andere<br />

Perspektive für das Motiv von Southwold zu<br />

finden, und das bei Nacht. Individualität und<br />

Experimentierfreude sind ganz wichtig in der<br />

<strong>Fotografie</strong> und obwohl ich dieses spezielle <strong>Bild</strong><br />

mit gemischten Gefühlen betrachte, denke ich,<br />

Grant wird mit seiner innovativen Einstellung<br />

bald sehr gute Landschaftsaufnahmen<br />

abliefern.<br />

Urteil: Der Kamerastandpunkt ist zu nah am<br />

Pier. Die Verzerrung lenkt ab und der Pier<br />

führt abrupt ins Zentrum des <strong>Bild</strong>es, anstatt<br />

von behutsam von rechts nach links.<br />

LEE FROST: Ich halte sehr viel davon, wenn<br />

Fotografen Neues versuchen und Grenzen<br />

überschreiten wollen. Das ist Grant hier sicherlich<br />

gelungen. Wir haben alle schon<br />

Nachtaufnahmen von Piers gesehen, doch diese<br />

hier durchbricht die Norm, hauptsächlich wegen<br />

❝<br />

Mir gefällt der silbrige<br />

Schimmer des Mondlichts auf<br />

dem Meer und der warme Glanz SPIEGELN!<br />

am Strand, verursacht durch die<br />

Beleuchtung des Piers. LEE FROST<br />

❞<br />

des Vollmonds am Himmel. Deswegen ist das ein<br />

großartiges <strong>Bild</strong>. Mir gefällt der silbrige Schimmer<br />

des Mondlichts auf dem Meer und der warme<br />

Glanz am Strand, verursacht durch die<br />

Beleuchtung des Piers. Auch ist genügend Detail<br />

an der Unterseite des Piers vorhanden, während<br />

die Wärme der Beleuchtung gut mit dem tiefen<br />

Blau des Himmels kontrastiert. Die<br />

<strong>Bild</strong>komposition ist gut und das<br />

Weitwinkelobjektiv ist geschickt eingesetzt, um<br />

die Perspektive zu erweitern. Außerdem bildet<br />

der Pier eine mächtige Diagonale, die das Auge<br />

in die Szene führt.<br />

Ich würde das <strong>Bild</strong> allerdings spiegeln, weil es<br />

grundsätzlich besser ist, wenn die Führungslinie<br />

von der linken Seite ins <strong>Bild</strong> kommt. Vielleicht<br />

hätte Grant das Foto einfach von der anderen<br />

Seite des Piers schießen können, aber dann wäre<br />

wohl der Mond verdeckt gewesen. Das Timing<br />

der Aufnahme ist gut, denn der Mond ist klar zu<br />

erkennen. Wäre er durch eine Wolke verdeckt<br />

gewesen, hätte es auch die Spiegelung im<br />

Wasser nicht gegeben und der gesamte Himmel<br />

wäre dunkler gewesen.<br />

Urteil: Eine Nachtaufnahme mit viel<br />

Dramatik, perfektioniert durch den<br />

Vollmond.<br />

Nachbearbeitung<br />

Wir betrachten <strong>Bild</strong>er von links nach<br />

rechts, genau so, wie wir die Sätze eines<br />

Textes lesen. Deswegen wird Grants<br />

Foto qualitativ verbessert, wenn es<br />

gespiegelt wird, denn dadurch kommt<br />

der Pier von links nach rechts ins <strong>Bild</strong>.<br />

Nichts ist leichter als das mit Photoshop<br />

oder Photoshop Elements: Klicken Sie<br />

einfach auf „<strong>Bild</strong>> <strong>Bild</strong>drehung><br />

Arbeitsfläche horizontal spiegeln“.<br />

Achten Sie allerdings darauf, ob<br />

Buchstaben oder Zahlen in Ihrem <strong>Bild</strong><br />

zu sehen sind, denn auch die würden<br />

gespiegelt, und der Betrachter würde<br />

das Spiel durchschauen. In einem<br />

solchen Fall bleibt Ihnen nichts anderes<br />

übrig, als Buchstaben und Zahlen<br />

selektiv „zurückzuspiegeln“, falls der<br />

Hintergrund das zulässt, oder sie ganz<br />

zu entfernen.<br />

96 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


SEEJUNGFERN<br />

Helen Clarke<br />

Kamera: Canon EOS 350D<br />

Objektiv: Tamron 90mm f/2.8 Macro<br />

Belichtung: 1/160sec at f/6.3 (ISO 200)<br />

Helen: Ich finde kleine Insekten<br />

interessant; auf einem Makrofoto<br />

entwickeln sie ihren eigenen<br />

Charakter. Es werden Details sichtbar,<br />

die mit bloßem Auge nie erkennbar<br />

wären, wie hier die unterschiedlichen Farben der<br />

Körper, die in diesem Fall sogar<br />

Komplementärfarben sind.<br />

ROSS HODDINOTT: Das ist eine wirklich<br />

hübsche Nahaufnahme. Mir gefallen Seejungfern<br />

auch ganz besonders gut. Doch es sind<br />

eigensinnige Kreaturen, die sich immer genau dann<br />

davon machen, wenn ich gerade den Auslöser<br />

drücken will. In diesem Fall jedoch waren sie<br />

offenbar zu beschäftigt miteinander.<br />

Helen ist nah herangegangen und konnte die<br />

Kamera fast perfekt parallel zu den Körpern<br />

positionieren, um eine natürliche Perspektive zu<br />

erhalten und den verfügbaren Schärfebereich zu<br />

maximieren. Bei Blende f/6.3 und einer derart<br />

starken Vergrößerung ist die Schärfentiefe sehr<br />

gering, doch die Köpfe und Körper beider Tiere sind<br />

scharf abgebildet und nur die Flügel des Männchens<br />

wandern etwas aus dem Schärfebereich heraus,<br />

was in diesem Fall der Qualität des Fotos aber<br />

keinen Abbruch tut. Technisch ist das Foto sehr gut<br />

gemacht. Es gibt ein paar ablenkende, unscharfe<br />

Grashalme im Hintergrund, aber ich glaube nicht,<br />

dass Helen daran hätte irgendetwas ändern<br />

können. Eine andere Kameraposition oder eine<br />

größere Blende hätten die Schärfe der Seejungfern<br />

wahrscheinlich stark beeinträchtigt. Ich wäre<br />

versucht, das <strong>Bild</strong> etwas enger zu zuschneiden,<br />

wodurch weniger unscharfe Grashalme zu sehen<br />

wären.<br />

Urteil: Ein sehr gutes Makrofoto. Der<br />

Kamerastandpunkt ist goldrichtig und das <strong>Bild</strong> ist<br />

sehr detailreich. Das einzig Nachteilige sind die<br />

paar unscharfen Grashalme im Hintergrund.<br />

DANIEL LEZANO: Ich bin fast immer beeindruckt<br />

von Makroaufnahmen, einerseits weil man auf<br />

ihnen Dinge erkennen kann, die wir mit dem bloßen<br />

Auge nicht erfassen können, doch auch, weil es viel<br />

Geduld und Können erfordert, sich so nah an<br />

scheue Kreaturen heranzumachen, die sich jeden<br />

Moment davon machen können. Helens Foto ist ein<br />

großartiges Beispiel dafür. Gut, die beiden<br />

Seejungfern waren dabei, sich zu paaren, wodurch<br />

die „Fluchtgefahr“ natürlich herabgesetzt war, aber<br />

nur bis zu einer gewissen Grenze.<br />

Der Kamerastandpunkt war entscheidend, denn sie<br />

musste die Seejungfern vor einem klaren<br />

Hintergrund abbilden und gleichzeitig darauf<br />

achten, dass die Körper exakt in der Schärfeebene<br />

lagen. Außer bei den Flügeln, die leicht unscharf<br />

sind, ist Helen das gelungen. Die Farben sind frisch<br />

und treten sehr schön hervor, die Körper sind<br />

gestochen scharf und der Detailreichtum des Fotos<br />

ist fantastisch. Auch das Licht war perfekt – hell aber<br />

weich. Alles in allem glaube ich nicht, dass Helen<br />

dieses Foto hätte verbessern können.<br />

Urteil: Ein fantastisches Makrofoto.<br />

❝<br />

Helen ist nah<br />

herangegangen und konnte die<br />

Kamera fast perfekt parallel zu<br />

den Körpern positionieren.<br />

❞<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Fototricks<br />

UNKONVENTIONELLER BILDZUSCHNITT<br />

Scheuen Sie sich nicht, mit unkonventionellen <strong>Bild</strong>zuschnitten<br />

zu experimentieren, wenn es für das Motiv vorteilhaft sein<br />

könnte. Manchmal ist weniger mehr. Sie können nicht nur<br />

unerwünschte Hintergrundelemente aus dem <strong>Bild</strong> heraus<br />

nehmen, sondern auch die Aufmerksamkeit des Betrachters auf<br />

die feineren Details lenken, weil durch einen engeren<br />

<strong>Bild</strong>zuschnitt zwangsläufig eine Vergrößerung des Motivs eintritt.<br />

Das Beispiel rechts zeigt dies deutlich – nur eine der sich<br />

paarenden Seejungfern ist vollständig sichtbar, doch das <strong>Bild</strong> ist<br />

trotzdem beeindruckend.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

97


Expertenmeinungen<br />

PEVENSEY BAY<br />

Paul Harrison<br />

Kamera: Pentax K5<br />

Objektiv: 13mm<br />

Belichtung: 1.4 seconds at f/22 (ISO 200)<br />

Paul: „Ich habe ein Weitwinkelobjektiv<br />

verwendet, um die Buhne als<br />

Führungslinie in die Szene hinein zu<br />

nutzen. Den Verschluss habe ich nur<br />

wenig länger als eine Sekunde geöffnet,<br />

um die Wasseroberfläche verschwimmen zu lassen.”<br />

LEE FROST: Das ist ein schönes einfaches <strong>Bild</strong>, voller<br />

Atmosphäre und es fängt die Stimmung der Szene sehr<br />

schön ein. Es sieht aus wie bei Alnmouth Beach in<br />

Northumberland, aber solche verwitterten alten Buhnen<br />

gibt es überall an der Küste, also könnte es auch überall<br />

sein. Die Buhne ist der Schlüssel für diese <strong>Bild</strong>komposition.<br />

Sie bildet eine starke Führungslinie und trägt das Auge von<br />

links unten in das <strong>Bild</strong> hinein, also genau so, wie wir ein <strong>Bild</strong><br />

normalerweise zu betrachten beginnen. Der warme<br />

Widerschein auf der Buhne verstärkt die natürliche Farbe<br />

des Holzes und hebt es vom weichen Grün des Meeres ab.<br />

Es freut mich, dass Paul eine lange Verschlusszeit gewählt<br />

hat, um die Meeresoberfläche zu verwischen, doch nicht<br />

so lang, dass sie milchig geworden wäre. Das ist geradezu<br />

eine Masche geworden heutzutage, deswegen ist es<br />

wohltuend, die Oberflächenbeschaffenheit des Wassers<br />

erkennen zu können.<br />

Auch die <strong>Bild</strong>komposition geht in Ordnung, denn wir<br />

können noch etwas vom Strand erkennen und das ist<br />

besser, als wenn nur Meerwasser im Vordergrund zu sehen<br />

wäre. Die Steine haben schöne unterschiedliche Farben<br />

und geben der Szene ein extra Detail. Der Himmel über<br />

dem Horizont ist perfekt – ein wunderschönes Blau,<br />

durchzogen von warmen violetten Tönen, verursacht<br />

durch die untergehende Sonne. Alles in allem eine schöne<br />

Szene in perfektem Licht. Die einzige Änderung, die ich<br />

vorgenommen hätte, wäre eine leichte Korrektur der<br />

Spitzlichter gewesen, um das <strong>Bild</strong> heller und intensiv<br />

leuchtender zu machen. Aber abgesehen davon ist dies ein<br />

<strong>Bild</strong>, das man an die Wand hängen könnte.<br />

Urteil: Eine Szene mit viel Atmosphäre, sehr gut<br />

eingefangen.<br />

ROSS HODDINOTT: Ich mag solche <strong>Bild</strong>er von der<br />

Küste – die Bewegung, die Einfachheit und der farbige<br />

Himmel wirken hier sehr gut zusammen. Alte Holzbuhnen<br />

geben immer ein sehr schönes <strong>Bild</strong>element ab. Ihr<br />

verwittertes, gealtertes Äußeres verweist auf die<br />

Jahrzehnte, die sie dem an der Küste nagenden Meer<br />

ausgesetzt war. Dadurch bekommt das <strong>Bild</strong> Charakter. Paul<br />

hat die Buhne sehr gut positioniert, indem er die<br />

<strong>Bild</strong>komposition so vorgenommen hat dass sie von unten<br />

links in den <strong>Bild</strong>ausschnitt ragt und das Auge des<br />

Betrachters ohne Umschweife in die Szene führt. Auch die<br />

Proportionen des <strong>Bild</strong>es gefallen mir. Bei so viel Farbe und<br />

interessanten Details am Himmel überrascht es mich nicht,<br />

dass Paul den Himmel in seinem <strong>Bild</strong> dominieren ließ.<br />

Ich würde an dem <strong>Bild</strong> nur sehr wenig verändern, aber ich<br />

überlege mir, ob man die Bewegung des Wassers nicht<br />

etwas besser hätte einfangen können. Die Belichtungszeit<br />

von etwas mehr als einer Sekunde ist genau richtig, um die<br />

Oberflächenbeschaffenheit des Wassers darzustellen,<br />

doch in diesem Fall hätte Paul sein Timing so bemessen<br />

können, dass eine größere Welle abgebildet worden wäre,<br />

wie sie gerade über den Steinstrand wieder abfließt. Da<br />

hätte man lange Wasserströme sehen können, die ins Meer<br />

zurück fließen. Alles in allem jedoch ein sehr hübsches <strong>Bild</strong>.<br />

Urteil: Ein attraktives Foto von der Küste, das seine<br />

Attraktivität aus seiner Einfachheit bezieht. Die<br />

<strong>Bild</strong>komposition ist gut, doch vielleicht hätte man<br />

etwas interessantere Wasserbewegungen einfangen<br />

können.<br />

Fototricks<br />

FÜHRUNGSLINIEN<br />

Landschaftsfotografen verwenden in ihren<br />

<strong>Bild</strong>ern sehr häufig Führungslinien, genau wie<br />

Paul es hier getan hat. Sie können dominierende<br />

Objekte sein, so wie diese Buhne hier, doch es<br />

kann sich auch um implizite Linien handeln,<br />

beispielsweise Felsen, die eine Reihe bilden, oder<br />

ein Rinnsal von sich zurückziehendem Wasser.<br />

Sie dienen dazu, das Auge des Betrachters in die<br />

Szene hineinzuführen und gehören deswegen<br />

zu den wichtigsten Instrumenten der<br />

<strong>Bild</strong>komposition. Sie können mit ihnen genau<br />

steuern, worauf der Betrachter zuerst achten<br />

wird und in welcher Reihenfolge er sein<br />

Augenmerk auf die anderen <strong>Bild</strong>elemente lenkt.<br />

❝<br />

Die Buhne ist der Schlüssel für<br />

diese <strong>Bild</strong>komposition. Sie bildet<br />

eine starke Führungslinie und<br />

trägt das Auge von links unten in<br />

das <strong>Bild</strong> hinein.<br />

❞<br />

LEE FROST<br />

ROSS HODDINOTT<br />

98 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


IN DER ERG-CHEBBI WÜSTE<br />

Sasa Huzjak<br />

Kamera: Nikon D300S<br />

Objektiv: Nikkor AF-S 18-200mm f/3.5-5.6G<br />

Belichtung 1/100sec at f/8 (ISO 2500)<br />

Sasa: „Dieses Foto zeigt eine Szene in der<br />

Erg-Chebbi Wüste in Marokko. Ich stand<br />

auf der höchsten Düne der Umgebung<br />

und wartete auf den Sonnenuntergang,<br />

als diese Kamelkarawane in einiger<br />

Entfernung unter mir vorbei zog. Ich ergriff die<br />

Gelegenheit beim Schopf und machte das <strong>Bild</strong>.”<br />

LEE FROST: <strong>Bild</strong>elemente, die dem Betrachter einen<br />

Maßstab vermitteln, entscheiden oft über Erfolg oder<br />

Misserfolg eines Landschaftsfotos. Hier haben wir ein<br />

perfektes Beispiel dafür, wie eindrucksvoll ein solcher<br />

Maßstab wirken kann. Wir wissen in etwa, wie groß ein<br />

Mensch ist und wir haben auch eine einigermaßen<br />

richtige Vorstellung davon, wie groß ein Kamel ist –<br />

und Kamele sind ziemlich groß! Wenn wir also diese<br />

Szene betrachten, wissen wir sofort, dass die<br />

Kamelreiter weit weg sein müssen und dass die<br />

Dünenlandschaft, die sie durchqueren, sehr weitläufig<br />

sein muss. Es ist ein sehr einfaches Konzept, doch was<br />

dieses <strong>Bild</strong> so interessant macht, sind seine<br />

Implikationen von weitem Land, von Wildheit und von<br />

Abenteuer.<br />

Es sieht sehr schön aus, wie die wellenförmigen<br />

Sanddünen sich in der Distanz verlieren, während die<br />

Karawane eine sinusförmige Linie auf der Sanddüne<br />

bildet. Die hellblauen Djellabas der Kamelführer<br />

kontrastieren mit dem gelben Sand und obwohl die<br />

Gestalten so klein sind, heben Sie sich gut erkennbar<br />

von der Umgebung ab. Schade nur, dass so viele<br />

Grasbüschel in den Dünen wachsen, denn sie<br />

unterbrechen deren weichen Schwung und lassen das<br />

<strong>Bild</strong> ein wenig „unordentlich“ aussehen, doch es gibt<br />

Dinge, die ein Fotograf eben nicht ändern kann. Die<br />

Farbe des Sandes ist ein wenig verwaschen, doch<br />

durch minimale Einstellungen der Tonwertkorrektur<br />

lässt sich dieses Problem auf einfache Weise lösen und<br />

die Dünen könnten einen Farbton bekommen, der<br />

mehr ins Orange tendiert.<br />

Urteil: Sehr guter Einsatz von <strong>Bild</strong>elementen als<br />

Maßstab, ein insgesamt sehr gelungenes, schönes<br />

Foto.<br />

ROSS HODDINOTT: Dass ist ein <strong>Bild</strong> mit enormem<br />

Potenzial. Ich denke, die Wahl der Brennweite und die<br />

<strong>Bild</strong>komposition treffen den Nagel auf den Kopf.<br />

Indem die Karawane im unteren Teil des <strong>Bild</strong>es<br />

positioniert ist und der obere Teil eine wellenförmigen<br />

Düne nach der anderen zeigt, ist Sasa eine ganz<br />

hervorragende <strong>Bild</strong>komposition gelungen, mit einem<br />

wundervollen Gefühl für Maßstab und Kontext. Leider<br />

war das Licht nicht optimal. Können Sie sich vorstellen,<br />

wie eindrucksvoll diese Aufnahme wäre mit seitlicher<br />

Beleuchtung durch die niedrig stehende Sonne und<br />

mit langen dunklen Schatten, die die Wahrnehmung<br />

von Tiefe noch verstärkt hätten?<br />

Leider können wir am Wetter nichts ändern und Sasa<br />

hat das Beste aus der Gelegenheit gemacht. Ich wäre<br />

jedoch versucht, das Foto noch einmal zu bearbeiten<br />

und ihm ein wenig mehr Kontrast zu geben.<br />

Angesichts der Einfachheit der <strong>Bild</strong>komposition würde<br />

ich mir auch anschauen, wie das <strong>Bild</strong> nach einer<br />

Konvertierung in Schwarzweiß wirkt.<br />

Urteil: Eine ganz besondere <strong>Bild</strong>komposition mit<br />

feinem Sinn für Raum und Kontext. Aufgrund des<br />

nicht optimalen Lichts würde ich dem Motiv<br />

Schatten hinzufügen oder das <strong>Bild</strong> in Schwarzweiß<br />

konvertieren.<br />

Nachbearbeitung<br />

TRAUEN SIE SICH!<br />

Sasas <strong>Bild</strong> ist wirklich etwas Besonderes, doch es<br />

kann noch verbessert werden durch ein paar<br />

einfache Eingriffe in der Nachbearbeitung. Durch<br />

Erhöhen des Kontrasts mithilfe von<br />

Tonwertkorrekturen wären die Wellenformen der<br />

Sanddünen deutlicher geworden und auch die<br />

Farbsättigung hätte erhöht werden können, so<br />

dass das <strong>Bild</strong> geradezu ins Auge springen würde.<br />

❝<br />

Indem die Karawane im unteren<br />

Teil des <strong>Bild</strong>es positioniert ist und<br />

der obere Teil eine wellenförmige<br />

Düne nach der anderen zeigt, ist<br />

Sasa eine ganz hervorragende<br />

<strong>Bild</strong>komposition gelungen, mit<br />

einem wundervollen Gefühl für<br />

Maßstab und Kontext.<br />

❞<br />

ROSS HODDINOTT<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

99


Expertenmeinungen<br />

RATSCHLÄGE FÜR BESSERE FOTOS<br />

UNSERE<br />

EXPERTEN<br />

DANIEL LEZANO<br />

Seit etlichen Jahren<br />

ständiges<br />

Jurymitglied<br />

mehrerer nationaler<br />

Fotowettbewerbe.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Fotograf und<br />

Buchautor,<br />

spezialisiert auf<br />

Natur-, Makro- und<br />

Landschaftsfotos<br />

LEE FROST<br />

Seit mehreren<br />

Jahren Fotograf<br />

und Buchautor<br />

JORDAN<br />

BUTTERS<br />

Motorsport-<br />

Fanatiker und<br />

Photoshop-Experte.<br />

FELDMAUS<br />

Daniel Goldsmith<br />

Kamera: Canon EOS 60D<br />

Objektiv: EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS USM<br />

Belichtung: 1/640sec at f/5.6 (ISO 500)<br />

Daniel: „Dieses Foto entstand in einem<br />

Naturreservat. Mir gefällt das Zufällige<br />

an der Wildlife-<strong>Fotografie</strong>. Sie ist immer<br />

für eine Überraschung gut, wie in<br />

diesem Fall, als mir dieser kleine<br />

Akrobat vor die Linse kam.“<br />

ROSS HODDINOTT: Mäuse „in freier<br />

Wildbahn“ zu fotografieren, ist wirklich nicht<br />

einfach. Daniel muss viel Geduld und Glück<br />

gehabt haben, um dieses Foto einzufangen.<br />

Mir gefallen die subtile Beleuchtung, der<br />

dunkle, saubere Hintergrund und der<br />

fragende Blick des kleinen Nagers. Das <strong>Bild</strong> ist<br />

gestochen scharf, die Details des Fells und<br />

der Schnurrbart sind gut zu erkennen. Man<br />

hat den Eindruck, man brauche nur die Hand<br />

auszustrecken, um die Maus streicheln zu<br />

können. Auch technisch ist es eine gute<br />

Aufnahme. Vielleicht sollte links der Maus ein<br />

bisschen mehr Platz im <strong>Bild</strong> sein. So wie es<br />

jetzt aussieht, bin ich nicht sicher, ob ich der<br />

Blickrichtung des Tieres folgen soll oder<br />

nicht. Ich hätte auch gerne etwas mehr Platz<br />

im unteren Teil des <strong>Bild</strong>es gehabt, damit der<br />

Schwanz der Maus komplett im <strong>Bild</strong> ist.<br />

Trotzdem ist das ein sehr hübsches<br />

Naturfoto.<br />

Urteil: Ein sehr schönes Foto eines<br />

äußerst anspruchsvollen Motivs. Mir<br />

gefallen das Licht und die einfache<br />

<strong>Bild</strong>komposition. Ich meine jedoch, links<br />

im <strong>Bild</strong> müsste mehr freie Fläche sein,<br />

zugunsten einer ausgeglichenen<br />

<strong>Bild</strong>komposition<br />

LEE FROST: Mir gefällt das <strong>Bild</strong>, denn es<br />

hat Charakter. Daniel hat eine fantastische<br />

Pose und den witzigen Gesichtsausdruck<br />

der Maus nahezu perfekt eingefangen. Man<br />

kann nachvollziehen dass sich die Maus<br />

umschaut und überlegt, was sie als Nächstes<br />

anstellen soll. Die Beleuchtung ist<br />

ausgezeichnet, sie hebt den Schnurrbart<br />

hervor und sorgt für einen leichten Glanz<br />

des Auges. Vor dem dunklen Hintergrund<br />

hebt sich die Maus sehr schön ab, so dass<br />

man die feinsten Details im Fell erkennen<br />

kann. Das Tier wirkt absolut real, als könne<br />

man die Hand ausstrecken und es anfassen.<br />

Das Foto ist genau dort scharf, wo es scharf<br />

sein muss, nämlich auf dem Gesicht der<br />

❝<br />

Das <strong>Bild</strong> ist gestochen<br />

scharf, die Details des Fells<br />

AUF<br />

und der Schnurrbart sind<br />

gut zu erkennen. Man hat<br />

den Eindruck, man<br />

brauche nur die Hand<br />

auszustrecken, um die<br />

Maus streicheln zu<br />

können Auch technisch<br />

ist es eine gute<br />

Aufnahme. ROSS HODDINOTT<br />

❞<br />

Maus als zentralem <strong>Bild</strong>element. Auch die<br />

Belichtung ist perfekt, und die<br />

<strong>Bild</strong>komposition mit der Maus im<br />

Mittelpunkt gut ausgeglichen. Solche<br />

Aufnahmen sind keineswegs einfach,<br />

obwohl man es dem <strong>Bild</strong> nicht ansieht, denn<br />

kleine Tiere bewegen sich sehr schnell und<br />

unvorhersehbar. Insofern ist Daniel ein<br />

großartiges Foto gelungen. Er hat ein<br />

Telezoom benutzt, um die Maus schön groß<br />

in den <strong>Bild</strong>ausschnitt zu bekommen. Hut ab.<br />

Urteil: Ein schönes Foto mit<br />

humoristischem Einschlag<br />

Kameratricks<br />

DIE SCHÄRFE ACHTEN<br />

Kleine, flinke Tiere sind sehr schwer<br />

zu fotografieren, weil es extrem<br />

schwierig ist, die Schärfe richtig<br />

einzustellen – ganz besonders, wenn<br />

man es mit einem so kurzen<br />

Schärfebereich zu tun hat wie ihn<br />

Tele- und Makroobjektive<br />

typischerweise liefern.<br />

Benutzen Sie für solche Motive den<br />

Einzelpunkt-Autofokus, mit dem Sie<br />

auf die Augen des Tieres scharfstellen.<br />

Zoomen Sie nach der Aufnahme das<br />

Auge auf dem Kameramonitor heran,<br />

um zu überprüfen, ob es scharf<br />

abgebildet wurde.<br />

100 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


JUBILEE TOWER<br />

Graham Butterworth<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk III<br />

Objektiv: Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />

Belichtung: 1/125sec at f/5.6 (ISO 400)<br />

Graham: „Für dieses Foto habe ich einen<br />

hohen ISO-Wert gewählt, damit ich aus der<br />

Hand schießen konnte. Der zwischen den<br />

Wolken sichtbare blaue Himmel sah<br />

großartig aus und wird von der<br />

bedrohlichen schwarzen Wolke direkt über<br />

dem Turm kontrastiert. Ich habe den Feldweg als<br />

Führungslinie den Hügel hinauf zum Turm benutzt. In<br />

der Nachbearbeitung habe ich den oberen Teil des <strong>Bild</strong>es<br />

mit dem Verlaufswerkzeug abgedunkelt und insgesamt<br />

die Leuchtkraft der Farben verstärkt. Doch der Verlauf hat<br />

dadurch natürlich auch den Turm selbst abgedunkelt,<br />

deswegen habe ich ihn mit dem Pinselwerkzeug wieder<br />

etwas aufgehellt.“<br />

ROSS HODDINOTT: Die <strong>Bild</strong>komposition ist für mich<br />

einwandfrei gelungen: Der Feldweg führt das Auge in die<br />

Szene und balanciert den dominierenden Turm visuell<br />

aus; zudem ist der Himmel sehr attraktiv.<br />

Was dem <strong>Bild</strong> allerdings fehlt, von Graham natürlich nicht<br />

beeinflussbar, ist das richtige Licht. Das Foto sieht etwas<br />

flach und deswegen leblos aus. Es ist definitiv ein Ort, den<br />

man bei besseren Lichtverhältnissen erneut aufsuchen<br />

sollte. Ich würde es im Spätsommer versuchen, weil dann<br />

auch das Heidekraut blüht, hier links unten im <strong>Bild</strong>.<br />

Technisch betrachtet, kann man erkennen, wo Graham<br />

den Turm mit dem Pinselwerkzeug aufgehellt hat. Ein<br />

etwas subtilerer Umgang mit dem Werkzeug und eine<br />

weichere Kante hätten das vermeiden können. Weil hier<br />

so viele Details in den Oberflächen zu erkennen sind,<br />

würde dem Foto wahrscheinlich eine Konvertierung nach<br />

Schwarzweiß gut tun.<br />

Urteil: Graham hat hier eine sehr gute<br />

<strong>Bild</strong>komposition gefunden; leider verhinderten die<br />

schlechten Lichtverhältnisse, dass dieses Motiv sein<br />

volles Potenzial entfalten konnte.<br />

Nachbearbeitung<br />

WEICHE KANTENÜBERGÄNGE<br />

Wenn Sie das Pinselwerkzeug entlang einer<br />

harten Kante benutzen, müssen Sie besonders<br />

sorgfältig vorgehen. Ansonsten entstehen Halos,<br />

wie es Graham hier passiert ist. Benutzen Sie<br />

weiche, graduelle Kantenübergänge und<br />

zoomen Sie so weit wie möglich ein, bevor sie<br />

die Retusche vornehmen. Das ist die bewährte<br />

Methode, um dieses Problem zu vermeiden.<br />

LEE FROST: Mir hat die Dramatik in Grahams Foto auf<br />

Anhieb gefallen. Es hat einen dunklen Himmel von<br />

düsterer Stimmung, dessen Bedrohlichkeit er in der<br />

Nachbearbeitung noch verstärkt hat. Der Feldweg mit<br />

seinen beiden parallel verlaufenden Spurrinnen ist eine<br />

sehr schöne Führungslinie aus dem Vordergrund hinauf<br />

zum Turm. Der Turm selbst ist das zentrale <strong>Bild</strong>element<br />

und sieht vor dem aufgewühlten Himmel fantastisch aus.<br />

Das Hochformat war selbstverständlich das einzig<br />

Mögliche hier, auch wenn ich der Auffassung bin, dass ein<br />

Fixpunkt eher ins rechte, nicht ins linke obere Drittel gehört,<br />

weil das menschliche Auge ein <strong>Bild</strong> von links unten nach<br />

rechts oben betrachtet. Doch dieses Motiv ist eine der<br />

sprichwörtlichen Ausnahmen, die die Regel bestätigen.<br />

Grahams <strong>Bild</strong>komposition ist die einzig richtige hier, weil<br />

sie das Beste aus den vorhandenen <strong>Bild</strong>elementen macht.<br />

Das fehlende Sonnenlicht verstärkt eher die Wirkung der<br />

<strong>Bild</strong>komposition und ist insofern kein Nachteil, sondern<br />

sorgt für die greifbar angespannte Atmosphäre.<br />

Das Foto ist ein exzellenter Kandidat für die Konvertierung<br />

in Schwarzweiß. Dadurch würde das Motiv noch<br />

dramatischer wirken, denn es gewinnt seine<br />

❝ Grahams<br />

<strong>Bild</strong>komposition ist hier<br />

optimal, weil sie das Beste<br />

aus den vorhandenen<br />

<strong>Bild</strong>elementen macht.<br />

❞<br />

LEE FROST<br />

Ausdrucksstärke durch die hohen Kontrastunterschiede,<br />

nicht durch die Farben selbst. Diese dunklen kräftigen Töne<br />

würden ihre Wirkung als Graustufen noch besser entfalten<br />

und die Szene würde etwas Surreales bekommen.<br />

Außerdem hätte man in der Nachbearbeitung mehr<br />

Freiheiten, die Stimmung des <strong>Bild</strong>es zu beeinflussen. Ich bin<br />

ein großer Freund dramatischer Schwarzweißbilder,<br />

deswegen würde ich es so machen.<br />

Urteil: Ein ausdruckstarkes Foto, das vielleicht in<br />

Schwarzweiß seine Wirkung noch intensiver entfalten<br />

könnte.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 101


Expertenmeinungen<br />

HADRIANSWALL<br />

Dan Thwaites<br />

Kamera: Nikon D3100<br />

Objektiv Nikon AF-S 18-55mm f/3.5-5.6G VR<br />

Belichtung: One second at f/13 (ISO 100)<br />

Dan : „Dieses <strong>Bild</strong> entstand 20 Minuten<br />

nach einem sehr enttäuschenden<br />

Sonnenaufgang, als die Sonne aus den<br />

Wolken hervor kam und die antike<br />

Grenzbefestigung beleuchtete. Ich<br />

habe einen Graufilter und ein Stativ benutzt.“<br />

ROSS HODDINOTT: Dan ist hier eine Aufnahme<br />

mit sehr schöner seitlicher Beleuchtung gelungen.<br />

Es ist ein sehr warmes <strong>Bild</strong> und lebt von der<br />

Kombination der angestrahlten Mauer mit dem<br />

stimmungsvollen morgendlichen Himmel. Ich<br />

würde nicht viel an dem <strong>Bild</strong> verändern. Der<br />

Kamerastandpunkt ist prinzipiell in Ordnung, denn<br />

der Wall führt das Auge von links unten ins <strong>Bild</strong><br />

hinein. Die Kombination von Licht und Schatten<br />

erzeugt viel Tiefe. Ein etwas höherer<br />

Kamerastandpunkt wäre vielleicht sinnvoll gewesen,<br />

denn dann wäre die Trennung zwischen dem Wall<br />

und dem kleinen Wäldchen sowie der darunter<br />

liegenden Landschaft besser zur Geltung<br />

gekommen. So, wie es jetzt ist, liegt der Horizont fast<br />

genau in der Mitte und der Himmel dominiert.<br />

Trotzdem ein wunderschönes <strong>Bild</strong>, handwerklich<br />

sehr gut gemacht..<br />

Urteil: Sehr schöne seitliche Beleuchtung und ein<br />

wundervoller Himmel. Eventuell hätte das<br />

Querformat eine etwas ausdrucksstärkere<br />

<strong>Bild</strong>komposition ergeben.<br />

LEE FROST: Ich kenne die Gegend sehr gut, auch<br />

diese besondere Stelle. Es ist der Abschnitt des<br />

Hadrianswalls, der am besten erhalten ist und der<br />

meiner Meinung nach am fotogensten ist. Die<br />

Landschaft dort ist zwar zerklüftet, besteht aber aus<br />

wellenförmigen Hügeln, durch die sich der Wall wie<br />

eine Schlange hindurch windet, eine kurvige Linie,<br />

der das Auge folgt. Dan hat Glück gehabt mit dem<br />

Licht, denn das ist in dieser Gegend keine<br />

Selbstverständlichkeit.<br />

Mein erster Eindruck des Fotos war, dass es sich nur<br />

um einen Teil des gesamten <strong>Bild</strong>es handelt. Es wirkt<br />

ein wenig so, als habe Dan den mittleren Bereich aus<br />

der originalen <strong>Bild</strong>komposition ausgeschnitten,<br />

deswegen ist der Wall für mich in einen Ausschnitt<br />

hineingequetscht, der zu klein ist. Ich würde gerne<br />

mehr davon sehen, so dass das Auge durch die<br />

Szene wandern kann, doch in Dans <strong>Bild</strong>komposition<br />

ist das nicht möglich. Ich sehe den Wall im<br />

Vordergrund, dann verschwindet er in der Senke,<br />

bevor er weit entfernt wieder auftaucht, wo er<br />

natürlich viel kleiner ist, was bedeutet, das ein großer<br />

Abschnitt des Walls nicht sichtbar ist.<br />

Ich wäre ein wenig weiter in die Szene<br />

hineingegangen, so dass ich den Wall den Hügel<br />

hinunter hätte verfolgen können und ich hätte die<br />

Szene im Querformat aufgenommen, damit im<br />

Vordergrund mehr von dem Wall sichtbar gewesen<br />

wäre. Das hätte weniger Himmel im <strong>Bild</strong> bedeutet,<br />

und die Sonne wäre rechts oben im <strong>Bild</strong> sichtbar<br />

gewesen. Ich denke, der nicht sichtbare Himmel<br />

rechts des <strong>Bild</strong>randes hätte besser gewirkt, und es<br />

wäre insofern eine bessere <strong>Bild</strong>komposition<br />

gewesen.<br />

Urteil: Herrliches Licht, eine großartige Szene<br />

aber die <strong>Bild</strong>komposition ist misslungen.<br />

❝<br />

Ein etwas höherer Kamerastandpunkt wäre vielleicht sinnvoll gewesen denn,<br />

dann wäre die Trennung zwischen dem Fall und dem kleinen Wäldchen sowie der<br />

darunter liegenden Landschaft besser zur Geltung gekommen. ROSS HODDINOTT<br />

❞<br />

Kameratricks<br />

HOCH- ODER QUERFORMAT?<br />

Diese Entscheidung ist manchmal nicht leicht.<br />

Deswegen ist oft zu beobachten, dass<br />

Fotografen zuerst im Querformat schießen,<br />

dann die Kamera drehen und dasselbe Motiv<br />

noch einmal im Hochformat fotografieren. In<br />

diesem Fall sind beide Experten der Auffassung,<br />

dass das Querformat dieser Szene besser<br />

gerecht geworden wäre. Die Weite des<br />

Himmels fügt der Szene nichts Besonderes<br />

hinzu, deswegen hätte das Querformat mehr<br />

von dem Bauwerk gezeigt, und auch die von<br />

der Sonne angestrahlten Wolkenformationen<br />

jenseits des rechten <strong>Bild</strong>rands wären<br />

vollständig sichtbar gewesen. Dennoch lässt<br />

sich das <strong>Bild</strong> verbessern, indem man es<br />

quadratisch zuschneidet. Dadurch gewinnt die<br />

<strong>Bild</strong>komposition.<br />

102 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


BUACHAILLE<br />

ETIVE MOR<br />

Ross Barclay<br />

Kamera: Nikon D800<br />

Objektiv: Nikon AF-S 24-70mm f/2.8G ED<br />

Belichtung: One second at f/16 (ISO 100)<br />

Ross: „Dieses <strong>Bild</strong> entstand bei einem<br />

Wochenendausflug einer Gruppe von<br />

Hobbyfotografen. Wir kamen vor<br />

Sonnenaufgang beim Buachaille Etive Mor<br />

an, fanden unseren Kamerastandpunkt<br />

und warteten auf das Licht. Es war nicht<br />

der spektakulärste Sonnenaufgang, doch man konnte die<br />

Nebelbank am Fuß des Berges sehr schön ins <strong>Bild</strong><br />

nehmen. Ich habe einen weichen 0.9ND<br />

Grauverlaufsfilter benutzt um sowohl den Himmel, als<br />

auch den Vordergrund korrekt zu belichten.<br />

LEE FROST: Auch dies ist eine bekannte Szenerie.<br />

Das Hauptmotiv, der eindrucksvolle Gipfel des<br />

Buachaille Etive Mor ist unverkennbar – es dürfte<br />

der wohl bekannteste Berg Schottlands sein. Ross<br />

und seine Kollegen haben Glück gehabt, dass der<br />

Nebel über dem Rannoch Moor hing, denn seine<br />

helle Farbe trennt den dunklen Berg sehr schön von<br />

der übrigen Landschaft. Mir gefällt auch, dass der<br />

Berg zentral im <strong>Bild</strong>ausschnitt liegt, denn das führt<br />

zu einer ausgewogenen <strong>Bild</strong>komposition;<br />

außerdem hat er eine Kameraposition gewählt, in<br />

der der einzelne Baum den Berg nicht verdeckt. Der<br />

Baum fügt sich gut ein in die <strong>Bild</strong>komposition, denn<br />

er durchbricht die durch die braune Landschaft im<br />

mittleren <strong>Bild</strong>abschnitt gezogene horizontale Linie.<br />

Der Vordergrund allerdings gefällt mir nicht. Ich<br />

kenne die Örtlichkeit selbst ganz genau und man<br />

kann einen fantastischen Vordergrund ins <strong>Bild</strong><br />

nehmen, an einer Stelle, an der Fluss einen Bogen<br />

um ein paar Felsen machen muss. Der kleine<br />

Wasserfall unten rechts im <strong>Bild</strong> hätte einen sehr<br />

schönen Vordergrund abgeben können, wenn<br />

Ross näher herangegangen wäre und ihn<br />

vollständig ins <strong>Bild</strong> genommen hätte. Doch aus<br />

dieser größeren Entfernung verliert er sich<br />

zwischen den Felsen. Das untere Ende des<br />

Wasserfalls abzuschneiden, war ein Kardinalfehler,<br />

der das <strong>Bild</strong> falsch aufgebaut und hastig<br />

aufgenommen erscheinen lässt.<br />

Urteil: Eine großartige Szene in einer leider<br />

misslungenen <strong>Bild</strong>komposition.<br />

DANIEL LEZANO: Das sieht mir nach ganz<br />

besonderen Wetterverhältnissen aus. Solche<br />

Postkarten-Kulissen wie der Buachaille Etive Mor<br />

sind inzwischen so oft fotografiert worden, dass ein<br />

<strong>Bild</strong>, das aus der Masse herausragen soll, unter ganz<br />

besonderen Umständen fotografiert werden muss.<br />

Das ist Ross hier zweifellos gelungen. Der Nebel<br />

gibt der Szene Atmosphäre, während die eisigen<br />

Felsen die kalte, winterliche Atmosphäre spürbar<br />

machen.<br />

Es ist ein schönes <strong>Bild</strong>, wirkt jedoch im unteren<br />

Bereich des <strong>Bild</strong>ausschnitts zu überfüllt. Ich hätte<br />

den Wasserfall unten rechts ins <strong>Bild</strong> genommen<br />

und um ihn herum etwas Platz gelassen. Man sieht<br />

häufig Fotos vom Buachaille Etive Mor im<br />

Hochformat, und ich überlege mir, ob das nicht in<br />

diesem Fall besser gewesen wäre. Die dann von<br />

links ins <strong>Bild</strong> hineinragenden Zweige des einzelnen<br />

Baumes hätte ich wegretuschiert.<br />

Urteil: Ein schönes <strong>Bild</strong> eines bekannten<br />

Postkartenmotivs. Ein etwas weiterer<br />

Blickwinkel hätte die Wirkung des Vordergrunds<br />

mit den Felsen und dem Fluss vielleicht<br />

verbessert.<br />

Kameratricks<br />

BILDKOMPOSITION<br />

Die Wettersituation war hier anscheinend perfekt.<br />

Doch diese Aufnahme des Buachaille Etive Mor<br />

hätte von einer stärkeren <strong>Bild</strong>komposition<br />

profitiert. Der kleine Wasserfall unten rechts im<br />

<strong>Bild</strong> schreit geradezu danach, im Vordergrund<br />

eine zentrale Rolle zu spielen. Wäre Ross sehr nah<br />

herangegangen, hätte er den Wasserfall betonen<br />

können und das senkrecht herabstürzende<br />

Wasser hätte als Führungslinie dienen können,<br />

die den Blick des Betrachters nach oben zum<br />

verschneiten Gipfel des Berges gelenkt hätte.<br />

❝<br />

Ich kenne die Örtlichkeit selbst<br />

genau gut und man kann einen<br />

fantastischen Vordergrund ins<br />

<strong>Bild</strong> nehmen, an einer Stelle, an<br />

der Fluss einen Bogen um ein paar<br />

Felsen machen muss. LEE FROST<br />

❞<br />

ADAM BURTON<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 103


GRUNDLAGEN: SO FOTOGRAFIEREN SIE<br />

LANDSCHAFTEN<br />

Die Landschaftsfotografie ist die wohl populärste Form der <strong>Fotografie</strong>, wenn man sie nach der Art ihrer Motive unterteilt. Es ist kaum<br />

möglich, angesichts einer wunderbaren Landschaft unbeeindruckt zu bleiben, und viele Hobby-Fotografen haben ihre ersten<br />

Gehversuche in der Landschaftsfotografie gemacht.<br />

Zu ihrer Popularität trägt sicher bei, dass sie nicht besonders schwer zu erlernen ist. Die technische Seite ist sogar ziemlich einfach, denn<br />

eine umfangreiche Ausrüstung ist nicht notwendig. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der aufmerksamen Beobachtung und der bewussten<br />

Wahrnehmung der Welt, die Sie umgibt. Wenn Sie daraus eine attraktive <strong>Bild</strong>komposition ableiten können, ist bereits ein entscheidender<br />

Schritt getan. Ein anderer, ebenso bedeutsamer Schritt ist allerdings etwas profaner: Besorgen Sie sich den lautesten Wecker, den Sie<br />

kriegen können, damit Sie auch in den frühesten Morgenstunden den Weg aus dem Bett finden! Denn nur so werden Sie im besten Licht<br />

des Tages fotografieren können.<br />

Und nun lassen Sie sich von den folgenden Seiten zu großartigen Landschaftsfotos inspirieren!<br />

FOTOS: LEE FROST


FOTOPRAXIS<br />

Ausrüstung für die Landschaftsfotografie<br />

Ein großer Vorteil der Landschaftsfotografie ist, dass Sie keine teure<br />

Spezialausrüstung brauchen. Sport- und Wildlife-Fotografen hingegen<br />

brauchen starke Tele- und Makroobjektive, um hochwertige<br />

Aufnahmen zu erzielen. Die Ausrüstung des Landschaftsfotografen<br />

stellt geringere Ansprüche, ist leichter zu transportieren und somit<br />

überall verfügbar.<br />

1) OBJEKTIVE<br />

Die Nummer Eins ist das Weitwinkelobjektiv. Es hat<br />

nicht nur ein größeres Gesichtsfeld als das<br />

menschliche Auge, sondern es kann die Perspektive<br />

erweitern, so dass nahe Objekte größer wirken und<br />

das <strong>Bild</strong> dominieren, während entfernte Objekte<br />

unverhältnismäßig kleiner erscheinen. Die<br />

Schärfentiefe ist sehr groß, deswegen ist es recht<br />

einfach, eine Szene von vorn bis hinten scharf zu<br />

bekommen.<br />

Brennweiten zwischen 24 und 28mm (16 bis<br />

18mm bei APS-C Sensoren) sind ideal, denn sie geben<br />

Ihnen alle Vorteile des Weitwinkels, ohne jedoch eine<br />

Szene so weit auseinanderzuziehen, dass eine „leere“<br />

<strong>Bild</strong>komposition entsteht. Doch auch Brennweiten bis<br />

hinunter zu 16mm (10 bis 12mm bei APS-C) können<br />

sehr effektvolle Fotos erzeugen, wenn Sie sie richtig<br />

einsetzen, denn perspektivische Verzerrung und<br />

Schärfentiefe sind extrem groß.<br />

Mittlere Brennweiten im Bereich von 50–80mm<br />

(35 bis 50mm bei APS-C) sind gut geeignet, um<br />

Details abzubilden, denn Sie können Ihre Objekte<br />

formatfüllend heranholen. Die Perspektive ist weniger<br />

verzerrt, deswegen liefern diese Brennweiten<br />

realitätsnähere Fotos ohne übertriebene Effekte.<br />

Teleobjektive sind gefragt, wenn Sie einen Teil<br />

einer Szene isolieren oder die Perspektive einer Szene<br />

komprimieren wollen, so dass die <strong>Bild</strong>elemente<br />

dichter beieinander zu sein scheinen als es tatsächlich<br />

der Fall ist. Weit entfernte Hügel und die Baumreihen<br />

einer Allee sind Beispiele dafür. Brennweiten<br />

zwischen 70 und 200mm (100 bis 300mm bei APS-C)<br />

sind mehr als ausreichend.<br />

2) STATIV UND STATIVKOPF<br />

Die Bedeutung eines qualitativ hochwertigen Stativs wird<br />

immer wieder unterschätzt. Rein praktisch gesehen, sorgt<br />

es für verwacklungsfreie Fotos. Deswegen können Sie<br />

niedrige ISO-Werte einstellen und dadurch die<br />

<strong>Bild</strong>qualität optimieren, oder lange Verschlusszeiten<br />

nutzen, um bestimmte Effekte zu erreichen. Sie können<br />

stark abblenden, um die Schärfentiefe zu maximieren,<br />

und schließlich auch bei schlechten Lichtverhältnissen<br />

fotografieren, ohne sich um Verwacklungen sorgen zu<br />

müssen.<br />

Ist die Kamera einmal auf dem Stativ montiert, ist ihre<br />

Position fixiert. Sie können in Ruhe alle Vorbereitungen<br />

für die Aufnahme treffen, Filter anbringen, scharfstellen<br />

und auf das richtige Licht warten, bevor Sie auslösen. Die<br />

Arbeit mit Stativ verlangsamt den gesamten Prozess des<br />

<strong>Fotografie</strong>rens, deswegen verbringen Sie automatisch<br />

mehr Zeit mit der <strong>Bild</strong>komposition und Sie machen sich<br />

mehr Gedanken über eine spezifische Aufnahme. Auf<br />

lange Sicht führt all das zu einem besseren intuitiven<br />

Verständnis dessen, was bei bestimmten Motiven<br />

funktioniert und was nicht, sodass Sie bessere Fotos<br />

machen.<br />

Wählen Sie ein Stativ, das zwar stabil, aber nicht zu<br />

schwer ist. Kohlefaser ist das geeignete Material; unter<br />

Landschaftsfotografen sind die Hersteller Manfrotto,<br />

Gitzo und Giottos am beliebtesten. Mit dem Stativ allein<br />

ist es jedoch noch nicht getan, Sie brauchen außerdem<br />

einen qualitativ hochwertigen Stativkopf. Kugelköpfe sind<br />

beliebt, weil sie kompakt, stabil und einfach zu benutzen<br />

sind. Bewährt haben sich Stativköpfe der Hersteller<br />

Manfrotto, Giottos, FLM, Kirk, Benro, Indura, Arca Swiss<br />

und „Really Right Stuff“.<br />

3) FILTER<br />

Filter spielen eine wichtige Rolle in der<br />

Landschaftsfotografie, ganz gleich, was man ihnen<br />

im örtlichen Fotoclub auch erzählen mag. Falls Sie<br />

also bis jetzt noch keine Filter besitzen, schreiben<br />

Sie sie oben auf Ihre Einkaufsliste. Für die<br />

Landschaftsfotografie brauchen Sie drei prinzipiell<br />

unterschiedliche Filtertypen: Grauverlaufsfilter,<br />

Graufilter und Polfilter.<br />

Filtersysteme, die auf einem Einschubrahmen<br />

basieren, sind am vielseitigsten, denn mit ihnen<br />

können Sie alle drei Filtertypen kombinieren – das<br />

kann durchaus einmal notwendig sein.<br />

Filtersysteme gibt es in allen Preissegmenten, von<br />

sehr preiswerten No-Name-Brands bis hin zu<br />

renommierten Herstellern wie Cokin, Hitech und<br />

Lee Filters, für die man allerdings tiefer in die<br />

Tasche greifen muss.<br />

Der Filterhalter muss groß genug sein, um auch<br />

auf ihr Weitwinkelobjektiv mit dem größten<br />

Blickfeld zu passen, Zusätzlich brauchen Sie einen<br />

Haltering, der gegebenenfalls einen Polfilter<br />

aufnimmt, weiterhin sind Filteradapterringe für die<br />

einzelnen Objektive notwendig, und wenn Sie Ihre<br />

Filter effizient vor Kratzern schützen wollen,<br />

benötigen Sie noch ein entsprechendes Etui mit<br />

mehreren weich gepolsterten Fächern für die<br />

Filter. Um die Frontlinse Ihres Objektivs vor<br />

Kratzern zu schützen, besorgen Sie sich einen<br />

UV-Filter von allerhöchster Qualität, damit das<br />

durch den Filterhalter etwas gesteigerte Risiko der<br />

Vignettierung bei Weitwinkelobjektiven so gering<br />

wie möglich bleibt.<br />

4) FERNAUSLÖSER<br />

Schon die geringste Erschütterung der Kamera<br />

beeinträchtigt die <strong>Bild</strong>schärfe, selbst das bloße<br />

Drücken des Auslösers. Mit einem Fernauslöser<br />

können Sie Ihre <strong>Bild</strong>er schießen, ohne die Kamera<br />

berühren zu müssen. Fernauslöser gibt es<br />

kabelgebunden oder drahtlos. Es muss übrigens<br />

kein teures Originalzubehör sein; preiswerte<br />

Geräte erfüllen denselben Zweck<br />

5) FOTORUCKSACK<br />

Welche Ausrüstung Sie auch benutzen, um<br />

<strong>Landschaften</strong> zu fotografieren, Sie müssen Sie mit<br />

sich herumtragen. Deshalb sollten Sie in einen<br />

guten Fotorucksack investieren, der Ihnen die<br />

Aufgabe so leicht wie möglich macht und Ihre<br />

Ausrüstung vor den Elementen schützt. Alle in<br />

diesem Marktsegment bekannten Marken liefern<br />

gut geeignete Modelle; in diesem Zusammenhang<br />

sind Lowepro, Tamrac, Think Tank und Kata zu<br />

nennen. Der Rucksack selbst braucht nicht<br />

wasserdicht zu sein, er sollte aber über eine<br />

wasserdichte Hülle verfügen, die bei Bedarf<br />

übergezogen werden kann. Das Gurtzeug sollte<br />

breit und gut gepolstert sein und über einen<br />

Hüftgürtel verfügen; die Aufteilung der einzelnen<br />

Fächer für die unterschiedlichen<br />

Ausrüstungsgegenstände sollte verstellbar sein.<br />

6) FUNKTIONELLE KLEIDUNG<br />

Wenn Sie einen ganzen Tag im Gelände<br />

verbringen, sollten Sie es so komfortabel wie<br />

möglich machen. Bei warmem Wetter reichen ein<br />

paar Cargo Pants und leichte Wanderstiefel; falls<br />

Sie von einem Regenschauer überrascht werden<br />

oder der Wind auffrischt, hilft eine Fleece- oder<br />

wasserdichte Windjacke. Im Frühling und im<br />

Herbst gibt es Tage, die morgens noch sehr kalt,<br />

mittags aber heiß sein können. Packen Sie deshalb<br />

auch eine Mütze und Handschuhe ein. Kleiden Sie<br />

sich nach dem Zwiebelprinzip, indem Sie mehrere<br />

Lagen dünner Kleidung übereinander anlegen, die<br />

Sie jeweils ausziehen können, wenn es wärmer<br />

wird. Im Winter sollten Sie sich unbedingt nach<br />

diesem Prinzip kleiden, denn die Luftschichten<br />

zwischen den einzelnen Kleidungsstücken<br />

isolieren gegen die Kälte. Tragen Sie eine warme<br />

Mütze, um den Kopf warm zu halten und den<br />

Verlust von Körperwärme zu reduzieren,<br />

außerdem Handschuhe und<br />

Thermounterwäsche. Eine Goretex-Jacke und<br />

-Hose schützen Sie vor Regen, Schnee und Wind.<br />

So bleiben sie warm und trocken. Je komfortabler<br />

Sie eingepackt sind, desto besser werden Sie sich<br />

auf das <strong>Fotografie</strong>ren konzentrieren.<br />

106 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


1<br />

6<br />

4<br />

2<br />

3<br />

5<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Empfohlene Ausrüstung für jedes Budget<br />

FÜR EINSTEIGER<br />

Sie haben eine Einsteiger-DSLR mit einem<br />

18–55mm Zoomobjektiv. Das kleine Ende des<br />

Objektivs ist eine ideale Brennweite, mit der sie die<br />

<strong>Bild</strong>komposition für Weitwinkel-Szenerien üben<br />

können. Dabei werden sie schnell merken, ob<br />

ihnen die Landschaftsfotografie überhaupt zusagt,<br />

bevor Sie Geld für andere, teure Objektive<br />

ausgeben. Weiter brauchen Sie Filter – ein paar<br />

Grauverlaufsfilter, einen Polfilter und einen oder<br />

zwei Graufilter. Die Cokin P-Serie ist für Einsteiger<br />

gut geeignet, denn sie bietet einen Kompromiss<br />

zwischen Größe, Qualität, und Kosten. Das<br />

komplette Set einschließlich des Filterhalters und<br />

eines Adapterrings kostet um die 150 €. Falls Ihnen<br />

das zu viel ist, lassen Sie den Polfilter weg und Sie<br />

enden mit etwa 80 €.<br />

Es gibt billigere Stative, doch ein Modell wie das<br />

Manfrotto MK393-H für etwa 70 € fixiert Ihre<br />

Kamera stabil und wird sie nicht ruinieren. Einen<br />

No-Name Fernauslöser gibt es bei eBay für unter<br />

10 € und ein Rucksack wie der Vanguard BIIN 37 für<br />

unter 50 € vervollständigen Ihre Ausrüstung.<br />

FÜR FORTGESCHRITTENE<br />

Sie haben Spaß an der Landschaftsfotografie gefunden und<br />

wollen nun Ihren kreativen Horizont erweitern, wozu Sie<br />

allerdings zunächst Ihre Ausrüstung erweitern müssen.<br />

Vielleicht ist es nun an der Zeit, Ihr Kit-Objektiv für ein<br />

qualitativ hochwertigeres Objektiv in Zahlung zu geben.<br />

Empfehlenswert sind beispielsweise das Sigma 18–50mm<br />

f/2.8, das Canon 15–85mm f/3.5–5.6 IS und das Nikkor<br />

16–85mm f/3.5–4.5G VR ED. Was die Filter betrifft, sollten<br />

Sie sich einmal die Produktlinie von Hitech ansehen, da gibt<br />

es beispielsweise ein „85mm ND Master Kit“, bestehend aus<br />

drei Grauverlaufsfiltern, drei Graufiltern, einem Filterhalter<br />

aus Metall und einem Adapterring. Das Ganze kostet etwa<br />

130 €. Weiter brauchen Sie noch einen Polfilter; qualitativ<br />

hochwertige Modelle liefern z. B. Hoya, Heliopan und<br />

Tiffen. Wenn Sie mit Langzeitaufnahmen experimentieren<br />

wollen, nehmen Sie noch den Hitech ProStop IRND 3.0 für<br />

etwa 100 € in ihr Sortiment. Ein stärkeres Stativ bekommen<br />

Sie in Form des Manfrotto 293 mit Kugelkopf und<br />

Schnellverschluss und ein größerer Fotorucksack wie der<br />

Lowepro Fastpack 200 hält Ihre Ausrüstung sicher und hat<br />

darüber hinaus noch genug Platz für ein paar Stullen und<br />

eine Wasserflasche.<br />

FÜR SEMI-PROFIS<br />

Wir wollen annehmen, Sie haben eine gute<br />

APS-C DSLR und ein qualitativ hochwertiges<br />

Standard-Zoomobjektiv. Dann ist es nun Zeit,<br />

sich ein Weitwinkel-Zoom zuzulegen, etwa in<br />

Gestalt des Canon EF-S 10–22mm f/3.5–4.5<br />

USM, des Nikkor 10–24mm f/3.5–4.5G AF-S,<br />

oder des Sigma 10–20mm f/3.5 EX DC HSM.<br />

Wenn es um ein neues Telezoom geht, ziehen<br />

Sie das Canon EF 70–200mm f/4 IS USM, das<br />

Nikkor AF-S 70–200mm f/4G ED VR oder das<br />

Sigma 70–200mm f/2.8 EX DG OS HSM in<br />

Betracht. Sie werden auch ein 100mm Filter-Set<br />

brauchen. Das Hitech 100 mit drei<br />

Grauverlaufsfiltern, Metall-Filterhalter und<br />

Weitwinkel-Adapter kostet etwa 300 €. Das<br />

Äquivalent von Lee Filters schlägt mit ca. 500 €<br />

zu Buche.<br />

Zum Stativ: In diesem Segment schlagen wir<br />

das Giottos Vitruvian VGRN8255 mit MH5400-<br />

652 Kugelkopf, oder das Manfrotto 055CXPRO3<br />

mit 496RC2 Kugelkopf vor.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 107


FOTOPRAXIS<br />

<strong>Bild</strong>komposition<br />

Die <strong>Bild</strong>komposition liefert die Elemente für gute<br />

Landschaftsfotos, doch die Art und Weise, wie Sie diese<br />

Elemente arrangieren, sorgt für den Unterschied<br />

zwischen einem durchschnittlichen Foto und einem<br />

kleinen Kunstwerk.<br />

Wenn Sie mit Weitwinkelobjektiv fotografieren, was<br />

oft der Fall sein wird, beziehen Sie attraktive Objekte des<br />

Vordergrunds in Ihre <strong>Bild</strong>komposition ein, die das Auge in<br />

die Szene leiten und dem <strong>Bild</strong> den Eindruck von Tiefe und<br />

Maßstab geben. Es gibt viele Objekte in der Landschaft,<br />

die zu diesem Zweck benutzt werden können,<br />

beispielsweise ein Felsen, ein Weg, Wellen am<br />

Sandstrand, Blumen im Feld, ein Bach und so weiter. Je<br />

näher und tiefer Sie an Vordergrundelemente<br />

herangehen, umso größer und dominanter werden sie<br />

auf dem Foto erscheinen; und je weiter das Gesichtsfeld<br />

des Objektivs, umso stärker ist dieser Effekt.<br />

Auch die Drittelregel kann genutzt werden, um eine<br />

ausgeglichene <strong>Bild</strong>komposition zu erreichen. Dies<br />

geschieht, indem das Sucherbild in ein Raster aus zwei<br />

imaginären horizontalen und vertikalen Linien eingeteilt<br />

wird. Der Hauptfixpunkt Ihres <strong>Bild</strong>es sollte auf einem der<br />

vier Schnittpunkte der sich im 90°-Winkel<br />

überschneidenden Linien liegen. Normalerweise wirkt es<br />

besser, wenn einer der Schnittpunkte rechts im <strong>Bild</strong><br />

verwendet wird. Die beiden horizontal verlaufenden<br />

Linien können auch dazu verwendet werden, den<br />

Horizont zu positionieren. Wenn Sie ihn auf die obere<br />

Linie legen, betonen Sie den Vordergrund; legen Sie ihn<br />

auf die untere Linie, betonen Sie den Himmel. Benutzen<br />

Sie dieses Verhältnis von 2:1 für Himmel und<br />

Vordergrund, dann sind Sie immer auf der richtigen Seite.<br />

Linien in der Landschaft sollten in die <strong>Bild</strong>komposition<br />

einbezogen werden, da sie die <strong>Bild</strong>wirkung enorm<br />

verstärken. Horizontale Linien strahlen Ruhe und Weite<br />

aus – gewissermaßen als visuelles „Echo“ des Horizonts.<br />

Vertikale Linien hingegen, z. B. von Baumstämmen,<br />

Schatten und anderen Elementen, erzeugen den<br />

Eindruck von Aktivität, insbesondere wenn Sie im<br />

Rechts: Nutzen Sie landschaftliche Strukturen, um eine<br />

Szene einzurahmen und ihr Tiefe zu geben.<br />

Unten: Führungslinien dienen als Instrument, das Auge<br />

des Betrachters in die Szene hinein und zum Fixpunkt zu<br />

leiten.<br />

Hochformat fotografieren. Noch stärker wirken diagonale<br />

Linien, weil Sie das Auge durch das <strong>Bild</strong> leiten. Die Wirkung<br />

ist am stärksten, wenn Sie von links unten nach rechts oben<br />

verlaufen. Es sind jedoch die konvergierenden Linien, die<br />

die größte Wirkung erzeugen. Beispiele dafür sind<br />

Ackerfurchen in einem gepflügten Feld, Wege, Flüsse,<br />

Straßen, die Baumreihen einer Allee und Zäune. Weil<br />

parallele Linien aufeinander zuzulaufen scheinen, führen<br />

sie das Auge in die Szene hinein und vermitteln Distanz und<br />

Tiefe. Sie können diesen Konvergenzeffekt verstärken,<br />

indem Sie ein Weitwinkelobjektiv benutzen und auch den<br />

Fluchtpunkt ins <strong>Bild</strong> nehmen, an dem die Linien<br />

zusammenzutreffen scheinen.<br />

Eine weitere bewährte Methode der <strong>Bild</strong>komposition<br />

besteht darin, Ihre Szene einzurahmen. Rahmen verbessern<br />

eine <strong>Bild</strong>komposition ebenfalls dadurch, dass das Auge zu<br />

einem Fixpunkt in der Szene geführt wird. Denken Sie<br />

beispielsweise an einen Garten, den Sie durch einen<br />

gemauerten Torbogen hindurch fotografieren, der als<br />

Rahmen dient, oder an eine hügelige Landschaft, die aus<br />

dem Fenster eines alten Gemäuers heraus aufgenommen<br />

wird. Bäume und Blattwerk können ebenfalls als natürliche<br />

Rahmen benutzt werden. Die überhängenden Zweige<br />

eines Baumes eignen sich dazu sehr gut.<br />

Wenn wir <strong>Landschaften</strong> fotografieren, tendieren wir<br />

dazu, das Querformat zu benutzen, im Englischen heißt es<br />

108 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE<br />

Lee Frost: Die vorhandene Kulisse optimal nutzen<br />

1 2<br />

3 4<br />

deswegen einfach „Landscape“. Landschaftsaufnahmen<br />

im Hochformat – im Englischen „Portrait“ – sind jedoch<br />

oft dynamischer, weil das Auge einen weiteren Weg von<br />

links unten nach rechts oben im <strong>Bild</strong> zurücklegen muss,<br />

um die gesamte Szene aufzunehmen. Sie können<br />

außerdem die vertikalen Linien besser nutzen, der<br />

Vordergrund kommt besser zur Geltung und Perspektive<br />

und Maßstab sind deutlicher erkennbar.<br />

Wenn Sie erst einmal die Grundprinzipien der<br />

<strong>Bild</strong>komposition in der Landschaft intuitiv anwenden<br />

können, werden Sie automatisch beginnen, Ihren<br />

eigenen Stil und Sichtweise auf <strong>Landschaften</strong> zu<br />

entwickeln. Oft ist zu hören, man solle den Horizont aus<br />

dem Zentrum des <strong>Bild</strong>ausschnitts heraushalten.<br />

Manchmal ist aber genau das der beste Platz für den<br />

Horizont, beispielsweise, wenn Sie eine Szene und deren<br />

Spiegelung im Wasser fotografieren wollen. Dasselbe gilt<br />

für den Fixpunkt. Die Drittelregel verlangt, man solle ihn<br />

aus dem Zentrum des <strong>Bild</strong>ausschnitts heraushalten;<br />

doch wenn Sie ihn bewusst genau hinein verlegen,<br />

können Sie je nach Motiv hochinteressante Fotos<br />

produzieren, besonders wenn der Fixpunkt von leerem<br />

Raum umgeben ist. Generell sollten Sie sich nicht daran<br />

stören, wenn eine für Ihr Empfinden gute<br />

<strong>Bild</strong>komposition gegen die Standardregeln verstößt.<br />

Regeln müssen eben manchmal gebrochen werden.<br />

Viele Landschaftsfotografen haben ihren eigenen Stil<br />

entwickelt und weichen von ihm nicht mehr ab, weil<br />

sie die Prozeduren genau kennen und kein Risiko<br />

eingehen wollen. Ich ziehe allerdings grundsätzlich<br />

unterschiedliche Ideen und Arbeitstechniken in<br />

Betracht, um aus jeder gegebenen Situation das Beste<br />

machen zu können, ganz gleich, um welche Art<br />

Szenerie oder um welche Wetterbedingungen es sich<br />

handelt. Ich stelle mir oft vor, man hätte mir die Augen<br />

verbunden und mich mit meiner Kameraausrüstung an<br />

einem mir völlig unbekannten Ort ausgesetzt und<br />

würde mich erst am späten Abend wieder abholen. Ich<br />

würde mit Sicherheit ein paar annehmbare Fotos<br />

zeigen können. Vielleicht bin ich deswegen eher ein<br />

Generalist und kein Spezialist auf einem bestimmten<br />

Gebiet, aber das bedeutet andererseits, dass ich kaum<br />

jemals einen Ort verlassen werde, ohne ein paar Fotos<br />

im Kasten zu haben.<br />

Ich fotografiere grundsätzlich in Farbe, aber nicht<br />

alle Lichtverhältnisse und schon gar nicht jedes Wetter<br />

sind geeignet, um gute Farbfotos zu produzieren. Wenn<br />

die Wolken sich verdunkeln und ein Sturm aufkommt,<br />

packe ich trotzdem nicht zusammen sondern bleibe<br />

vor Ort. Unter den genannten Bedingungen werde ich<br />

weiterhin Farbfotos schießen, die ich aber später nach<br />

Schwarzweiß konvertiere. Das weiche Licht eines<br />

trüben Tages kann sehr schöne<br />

Schwarzweißaufnahmen ermöglichen, während ein<br />

dunkler, dramatisch aufgewühlter Himmel noch<br />

verstärkt werden kann, indem alle Farbe aus dem Foto<br />

herausgenommen wird. Schwarzweiß ist schon ein<br />

Schritt weg von der Realität, deswegen kann man<br />

durchaus in der Nachbearbeitung ein paar Tricks aus<br />

dem Hut zaubern, um die Dinge noch dramatischer<br />

aussehen zu lassen, als sie tatsächlich gewesen sind<br />

– wer wird schon danach fragen?<br />

Da wir gerade von Schwarzweiß sprechen – es gibt<br />

noch eine andere Aufnahmetechnik, die ich sehr oft<br />

benutze, besonders bei Küstenlandschaften. Dazu<br />

benutze ich einen „Big Stopper“, das ist ein zehnstufiger<br />

Verlaufsfilter. Er verlängert die Belichtungszeit eines<br />

Fotos extrem, was dazu führt, dass die in einer Szene<br />

vorhandene Bewegung aufgezeichnet wird. Ein<br />

dunkler, wolkenverhangener Himmel schafft die besten<br />

Voraussetzungen für diese Aufnahmetechnik.<br />

Vorbeiziehende Wolken werden als unterschiedlich<br />

eingefärbte Streifen am Himmel abgebildet, sich<br />

bewegendes Wasser hingegen erhält ein milchiges<br />

Aussehen. Wogende Kornfelder und sich im Wind<br />

biegende Bäume verschwimmen ebenfalls sehr schön<br />

und kontrastieren mit den stationären <strong>Bild</strong>elementen.<br />

Wenn sich also das nächste Mal die Lichtverhältnisse<br />

rapide verschlechtern, und keine guten Farbfotos mehr<br />

möglich sind, denken Sie unkonventionell. Das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Details ist immer eine gute<br />

Möglichkeit. „Je schlechter das Licht, desto kleiner Ihre<br />

Objekte“ kann hier als Faustregel gelten. Es funktioniert,<br />

glauben Sie mir. Ein farbloser Sommerhimmel kann<br />

sterbenslangweilig sein, doch anstatt zu versuchen ihn<br />

aus dem <strong>Bild</strong>ausschnitt auszuschließen, nutzen Sie die<br />

leere Fläche kreativ und machen eine simple<br />

<strong>Bild</strong>komposition mit einem einzigen <strong>Bild</strong>element.<br />

Klassische Beispiele dafür sind der einzelne Baum<br />

mitten auf einem Feld und das einsame Boot an einem<br />

verlassenen Strand.<br />

Eine weitere Möglichkeit ist die Infrarotfotografie. Ob<br />

Sie eine umgebaute DSLR dazu verwenden, wie ich es<br />

tue, oder einen Infrarotfilter, darauf kommt es weniger<br />

an. Jedenfalls ist es sehr schwer, kein gutes Infrarotfoto<br />

zu machen, der Effekt ist einfach zu ungewohnt. An<br />

wolkenlosen, sonnigen Tagen, wenn das Licht hart ist<br />

und die Landschaft wie ein Pfannkuchen aussieht<br />

– dann ist es Zeit für Infrarot. Das gilt aber auch für Tage,<br />

die grau und farblos sind.<br />

Diese <strong>Bild</strong>er hier, alle aufgenommen bei Dungeness<br />

an der Küste von Kent, geben Ihnen eine Vorstellung<br />

dessen, was möglich ist, wenn Sie nach einem lange<br />

geplanten Trip vor Ort ankommen und wenn das<br />

Wetter dort völlig anders ist, als Sie erwartet haben.<br />

1) Wenn das Wetter nicht mitspielt, konvertieren Sie Ihr<br />

<strong>Bild</strong> in Schwarzweiß. Das gibt ihm eine besondere<br />

Stimmung und lässt Einzelheiten von Oberflächen besser<br />

hervortreten. So entstehen auch bei schlechtem Wetter<br />

gute <strong>Bild</strong>er.<br />

2) Meistens sollte der <strong>Bild</strong>ausschnitt gefüllt werden; doch<br />

gestaltungstechnisch funktioniert es auch, wenn Sie<br />

weite Bereiche leer lassen. Versuchen Sie es an einem<br />

dunstigen Sommertag oder bei bedecktem Himmel.<br />

3) Probieren Sie etwas Neues! Normalerweise sind mit<br />

Weitwinkel aufgenommene Landschaftsfotos von vorne<br />

bis hinten scharf. Doch das ist kein Naturgesetz. Brechen<br />

Sie ruhig auch einmal die Regeln der <strong>Bild</strong>komposition!<br />

4) Gerade bei schlechtem Wetter ermöglicht ein<br />

zehnstufiger Graufilter beeindruckend kunstvolle <strong>Bild</strong>er.<br />

Auch die Effekte von Infrarotaufnahmen sind weitgehend<br />

wetterunabhängig.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

109


FOTOPRAXIS<br />

Schärfe<br />

Die <strong>Bild</strong>qualität ist in der klassischen Landschaftsfotografie<br />

von allergrößter Bedeutung. Das ist der Grund, warum<br />

manche Profis sehr teure Mittelformatkameras benutzen. Je<br />

größer das Original, umso besser die Qualität.<br />

Deswegen brauchen Sie nicht gleich Ihre APS-C-DSLR<br />

bei eBay zu inserieren – die Qualität eines APS-C Sensors ist<br />

extrem hoch. Doch wenn Sie das Beste aus Ihrer Kamera<br />

herausholen und Landschaftsfotos von optimaler Qualität<br />

machen wollen, dann befolgen Sie einfach ein paar simple<br />

Grundregeln.<br />

Das eigentlich Selbstverständliche zuerst: Halten Sie Ihre<br />

Objektive und Filter sauber. Staub, Fingerabdrücke und<br />

Kratzer vermindern die <strong>Bild</strong>qualität. Überprüfen Sie auch<br />

regelmäßig den Sensor der Kamera, besonders wenn Sie<br />

feststellen, dass Sie immer häufiger viele kleine<br />

Unreinheiten aus Ihren Fotos herausklonen müssen.<br />

Wenn Sie aus der Hand fotografieren, achten Sie auf die<br />

Verschlusszeit – alles unterhalb von 1/60 Sekunde bringt Sie<br />

in die Gefahrenzone des Verwackelns. Um das zu<br />

vermeiden, können Sie die ISO-Empfindlichkeit<br />

heraufsetzen oder eine kürzere Verschlusszeit benutzen.<br />

Doch je höher Sie die ISO Empfindlichkeit einstellen, umso<br />

mehr leidet die <strong>Bild</strong>qualität. Lassen Sie sie bei ISO 100 oder<br />

ISO 200 und montieren Sie die Kamera auf ein Stativ, falls<br />

die Verschlusszeiten mit diesen Einstellungen zu lang<br />

werden. Es gibt Landschaftsfotografen, die grundsätzlich<br />

überhaupt nicht fotografieren, solange die Kamera nicht auf<br />

dem Stativ sitzt.<br />

Wie und worauf Sie scharfstellen, ist ebenfalls von<br />

entscheidender Bedeutung. Um die Schärfentiefe zu<br />

maximieren, müssen Sie steuern, worauf das Objektiv<br />

scharfgestellt ist. Dies ist leichter, wenn Sie manuell<br />

scharfstellen, denn Sie können die Kamera auf das Stativ<br />

montieren, Ihre <strong>Bild</strong>komposition machen und dann das<br />

Objektiv auf eine bestimmte Entfernung einstellen. Um dies<br />

mit dem Autofokus zu erreichen, müssen Sie entweder ein<br />

Objekt finden, das exakt in der richtigen Entfernung liegt,<br />

oder Sie müssen den Einzelpunkt-Autofokus verwenden,<br />

die Schärfe verriegeln und die <strong>Bild</strong>komposition erneut<br />

vornehmen – eine Menge Arbeit im Vergleich zur<br />

manuellen Scharfeinstellung. Im Übrigen brauchen Sie sich<br />

auch keine Sorgen zu machen, dass der Autofokus<br />

„hilfreich“ mitdenkt und unbemerkt auf einen neuen Punkt<br />

scharfstellt, der nicht erwünscht war und somit Ihre<br />

Aufnahme ruiniert. Stellen Sie also manuell scharf, und Sie<br />

können sicher sein, dass die Kamera die Einstellungen<br />

beibehalten wird, selbst wenn es eine halbe Stunde dauern<br />

sollte, bis die gewünschten Lichtverhältnisse eintreten.<br />

Der wichtigste Faktor, der die Qualität eines<br />

Landschaftsfotos bestimmt, ist die Schärfentiefe. Sie sorgt<br />

dafür, dass Ihre Szene von vorn bis hinten gestochen scharf<br />

aufgenommen wird. Ein leicht unscharfer Vordergrund wird<br />

Sie genauso ärgern wie ein unscharfer Hintergrund,<br />

machen Sie sich also vertraut mit der Prozedur, wie Sie den<br />

Schärfebereich steuern und wie Sie die Schärfentiefe<br />

maximieren.<br />

Blende f/22 und die Schärfe auf unendlich – das scheint<br />

die adäquate Lösung zu sein oder? Mit Weitwinkelobjektiv<br />

funktioniert das sogar öfter, als die meisten Experten<br />

erwarten würden. Tatsächlich aber leidet die<br />

Abbildungsqualität jedes Objektivs bei kleinster Blende<br />

unter Diffraktionen, die die <strong>Bild</strong>qualität reduzieren. Ein<br />

HYPERFOKALE ENTFERNUNG FÜR VOLLFORMAT-DSLRS<br />

16mm 20mm 24mm 28mm 35mm 50mm 100mm 135mm 200mm 300mm<br />

f/2.8 3.2m 5.0m 7.0m 10m 15m 31m 123m 225m 495m 1110m<br />

f/4 2.2m 3.5m 5.0m 7.0m 10.5m 21.5m 87m 157m 345m 775m<br />

f/5.6 1.6m 2.5m 3.6m 5.0m 7.5m 15.5m 62m 112m 245m 555m<br />

f/8 1.1m 1.7m 2.5m 3.5m 5.5m 11m 43m 79m 173m 388m<br />

f/11 0.8m 1.3m 1.8m 2.5m 4.0m 8.0m 31m 57m 125m 282m<br />

f/16 0.6m 0.9m 1.3m 1.7m 2.7m 5.5m 22m 39m 86m 195m<br />

f/22 0.4m 0.6m 0.9m 1.3m 2.0m 4.0m 16m 29m 65m 140m<br />

f/32 0.3m 0.5m 0.6m 0.9m 1.4m 2.7m 11m 20m 43m 97m<br />

HYPERFOKALE ENTFERNUNG FÜR DSLRS MIT FORMATFAKTOR 1,5 (NIKON, SONY, PENTAX)<br />

16mm 20mm 24mm 28mm 35mm 50mm 100mm 135mm 200mm 300mm<br />

f/2.8 5.0m 7.5m 11m 14m 23m 47m 188m 345m 750m 1690m<br />

f/4 3.4m 5.3m 7.5m 10.5m 16m 33m 132m 240m 525m 1185m<br />

f/5.6 2.4m 3.8m 5.5m 7.5m 11.5m 23.5m 94m 170m 375m 845m<br />

f/8 1.7m 2.7m 3.8m 5.2m 8.0m 16.5m 66m 120m 265m 590m<br />

f/11 1.2m 1.9m 2.3m 3.8m 5.9m 12.0m 48m 87m 192m 430m<br />

f/16 0.9m 1.3m 1.9m 2.5m 4.0m 8.5m 33m 60m 132m 295m<br />

f/22 0.6m 1.0m 1.4m 1.9m 3.0m 6.0m 24m 44m 96m 215m<br />

f/32 0.4m 0.7m 1.0m 1.3m 2.0m 4.2m 16.5m 30m 66m 150m<br />

HYPERFOKALE ENTFERNUNG FÜR DSLRS MIT FORMATFAKTOR 1,6 (CANON)<br />

16mm 20mm 24mm 28mm 35mm 50mm 100mm 135mm 200mm 300mm<br />

f/2.8 5.0m 8.0m 11.5m 15.5m 24.5m 50m 199m 360m 795m 1785m<br />

f/4 3.6m 5.6m 8.0m 11m 17m 35m 140m 255m 555m 1250m<br />

f/5.6 2.6m 4.0m 5.7m 7.8m 12m 25m 99m 180m 397m 895m<br />

f/8 1.8m 2.8m 4.0m 5.5m 8.5m 17.5m 69.5m 127m 278m 625m<br />

f/11 1.3m 2.0m 2.9m 4.0m 6.2m 13m 50m 92m 202m 455m<br />

f/16 0.9m 1.4m 2.0m 2.8m 4.3m 8.7m 35m 63m 139m 312m<br />

f/22 0.7m 1.0m 1.5m 2.0m 3.0m 6.5m 25.5m 46m 101m 230m<br />

f/32 0.5m 0.7m 1.0m 1.4m 2.2m 4.4m 17.5m 32m 70m 156m<br />

Objektiv bildet Blendenbereich von f/8 bis f/11 am besten ab.<br />

Vielleicht bekommen Sie keine von vorn bis hinten<br />

durchgehende Schärfe mit dieser Einstellung, aber die<br />

Schärfentiefe hängt nicht nur von der Blendeneinstellung ab.<br />

Die Lösung des Problems besteht in der Einstellung der<br />

hyperfokalen Entfernung. Das ist eine simple Aufnahmetechnik,<br />

mit deren Hilfe Sie die Schärfentiefe genau an eine bestimmte<br />

Szene anpassen, wobei Sie es jedoch vermeiden, eine kleinere<br />

Blende einstellen zu müssen als unbedingt notwendig. So<br />

bekommen Sie eine durchgehende <strong>Bild</strong>schärfe, verbunden mit<br />

der optimalen Abbildungsqualität Ihres Objektivs.<br />

Das Einstellen der hyperfokalen Entfernung bedeutet, dass<br />

Sie auf einen bestimmten Punkt Ihrer Szene scharfstellen,<br />

dessen Position abhängig ist von der verwendeten Brennweite<br />

Ihres Objektivs und von der eingestellten Blende. Wenn Sie eine<br />

Festbrennweite verwenden und manuell scharf einstellen,<br />

können Sie die Schärfentiefenskala oben auf dem Objektivtubus<br />

verwenden, um die hyperfokale Entfernung zu finden. Wenn Sie<br />

jedoch ein Zoomobjektiv mit Autofokus benutzen, benötigen<br />

Sie eine Tabelle der hyperfokalen Entfernungen für gegebene<br />

Brennweiten und Blenden. Wählen Sie zuerst die für Ihre Kamera<br />

passende Tabelle, dann suchen Sie die Brennweite, die Sie<br />

benutzen und den Blendenwert, den Sie einstellen wollen. Im<br />

Schnittpunkt der entsprechenden Spalte und der<br />

110 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Oben: Die richtig eingestellte hyperfokale Entfernung<br />

gibt Ihnen von vorn bis hinten scharfe <strong>Bild</strong>er.<br />

Rechts: Detailreiche Szenen müssen gestochen scharf<br />

sein, sonst ist das <strong>Bild</strong> verdorben.<br />

entsprechenden Zeile finden Sie die einzustellende hyperfokale<br />

Entfernung. Wenn Sie diesen Wert einstellen, erstreckt sich die<br />

Schärfentiefe von der Hälfte dieser Entfernung bis unendlich. Ein<br />

Beispiel: wenn Sie eine Canon DSLR mit 28mm Brennweite und<br />

Blende f/11 benutzen, dann beträgt die hyperfokale Entfernung 4m.<br />

Stellen Sie diese Entfernung ein, bekommen Sie eine Schärfentiefe<br />

von 2m bis unendlich.<br />

Falls Sie sich nicht sicher sind, wie viel Schärfentiefe Sie<br />

benötigen, stellen Sie auf das Objekt am nächsten vor der Kamera<br />

scharf und lesen die Entfernung auf dem Objektivtubus ab. Dann<br />

können Sie wieder die Tabelle der hyperfokalen Entfernung zur<br />

Hand nehmen und herausfinden, welche Blende Sie brauchen, um<br />

eine ausreichende Schärfentiefe zu erzeugen. Beispiel: Wenn Ihre<br />

Entfernungsmessung des Objekts 3m ergibt und Sie eine 35mm<br />

Brennweite an einer Vollformatkamera benutzen, müssen Sie die<br />

Blende auf eine hyperfokale Entfernung von 6m einstellen, sodass<br />

sich die Schärfezone von der halben hyperfokalen Distanz 3m bis<br />

Unendlich erstreckt. In diesem Fall ist f/8 der am nächsten liegende<br />

Blendenwert, um eine hyperfokale Entfernung von 5,5m zu<br />

erhalten, also eine Schärfentiefe von 2,75m bis Unendlich.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 111


Filter<br />

FOTOPRAXIS<br />

Viele Fotografen verwenden heute überhaupt keine Filter mehr, doch<br />

in der Landschaftsfotografie spielen Sie nach wie vor eine große Rolle.<br />

Man kann filterähnliche Effekte auch in der Nachbearbeitung erzeugen,<br />

doch wenn Sie Ihre Zeit lieber mit <strong>Fotografie</strong>ren statt am Computer<br />

verbringen wollen, ist es leichter und weniger zeitaufwändig, mit Filtern<br />

zu arbeiten und Ihre Aufnahmen schon mit der Kamera so gut wie<br />

möglich zu gestalten. Es gibt nur noch drei Typen von Filtern, mit<br />

denen Sie sich beschäftigen müssen, doch die werden Sie<br />

wahrscheinlich ständig verwenden. Es ist heute äußerst selten, dass ein<br />

Landschaftsfoto ohne Filter gemacht wird. Im Folgenden finden Sie<br />

einen Überblick über die benötigten Filter und ihre Verwendung.<br />

GRAUVERLAUFSFILTER<br />

Grauverlaufsfilter sind im obersten Bereich der oberen Hälfte stark grau<br />

eingefärbt, wobei die Intensität des Graus nach unten hin abnimmt, bis der<br />

Filter, beginnend mit der Oberkante seiner unteren Hälfte keinerlei<br />

Graufärbung mehr aufweist, sondern vollständig transparent ist. Mit diesen<br />

Filtern steuern Sie den Kontrast zwischen dem hellen Himmel unter der<br />

dunkleren, darunter liegenden Landschaft. Wenn Sie eine für die<br />

Lichtverhältnisse der Landschaft passende Belichtung einstellen, wird der<br />

Himmel darüber ebenfalls richtig belichtet, weil die obere, dunkle Hälfte des<br />

Graufilters seine im Vergleich zu Landschaft extreme Helligkeit unterdrückt.<br />

Um diese Helligkeitsunterschiede in jeder Situation ausgleichen zu<br />

können, gibt es Verlaufsfilter mit unterschiedlichen Stärken. Der Schwächste<br />

dieser Filter (0.3ND) dunkelt den Himmel um nur eine Blendenstufe ab,<br />

deswegen ist er in den meisten Situationen zu schwach. Die beste Wahl für<br />

den täglichen Einsatz ist ein Filter der Stärke 0.6ND, der bereits um zwei<br />

Blendenstufen abdunkelt. Ein Filter mit 0.9ND sorgt für eine Differenz von drei<br />

Blendenstufen und eignet sich besonders bei großen<br />

Helligkeitsunterschieden zwischen Horizont und Vordergrund, also für die<br />

Morgen- und Abenddämmerung. Falls notwendig, können Sie zwei<br />

Grauverlaufsfilter zusammen benutzen, doch wenn Sie drei Blendenstufen<br />

überschreiten, besteht die Gefahr, dass der Effekt zu stark wird, deswegen ist<br />

Vorsicht angebracht. Es gibt „weiche“ und „harte“ Grauverlaufsfilter. Diese<br />

Attribute beziehen sich darauf, wie breit die Zone des Verlaufs von völliger<br />

Transparenz bis zum dunkelsten Grau ist. Weiche Verlaufsfilter haben einen<br />

breiteren Übergang und eignen sich deswegen für Horizonte, die keine<br />

gleichförmige Linie bilden. Harte Grauverlaufsfilter hingegen erzeugen einen<br />

gleichmäßigeren Effekt.<br />

Entscheidend bei der Benutzung von Grauverlaufsfiltern ist die<br />

Ausrichtung der Verlaufszone. Es passiert leicht, dass man den Filter zu weit<br />

unten in seiner Halterung positioniert, so dass er zwar wie gewünscht den<br />

Himmel, aber – nicht gewünscht – auch einen Teil der Landschaft abdunkelt.<br />

Um das zu vermeiden, benutzen Sie den LiveView Ihrer Kamera – Sie werden<br />

sehen, wie der Himmel dunkler wird, je weiter Sie den Filter nach unten<br />

schieben. Wenn die dunkle Zone den Horizont erreicht, ist der Filter richtig<br />

positioniert. Es ist sinnvoll, den Verlaufsfilter in seine Halterung zu schieben,<br />

bevor Sie die Belichtungsmessung vornehmen, denn der Filter gleicht<br />

Kontraste aus und erleichtert dem Belichtungsmeßsystem Ihrer Kamera die<br />

korrekte Belichtung.<br />

POLFILTER<br />

Wenn Sie auf <strong>Bild</strong>er mit gesättigten Farben, tiefblauem Himmel und äußerster<br />

Klarheit ohne störende Reflexionen Wert legen, werden Sie den Polfilter bald<br />

nicht mehr missen wollen. An einem sonnigen Tag ist es der Polfilter, der für<br />

wirklich brillante Fotos sorgt, doch auch bei schlechteren Lichtverhältnissen,<br />

in einem Wald beispielsweise, unterdrückt er die Reflexionen auf dem<br />

Blattwerk, so dass Farben intensiv zur Geltung kommen. Auch wenn Sie einen<br />

Wasserfall oder einen Fluss fotografieren, erweist er sich als nützlich, weil er die<br />

Spiegelungen des Wassers und die Lichtreflexionen auf nassen Felsen<br />

eliminiert. Außerdem können Sie das bewegte Wasser leicht verwischen, weil<br />

der Polfilter um zwei Blendenstufen abblendet, so dass beispielsweise aus ¼<br />

Sekunde eine ganze Sekunde wird.<br />

Der Effekt des Polfilters wird dadurch gesteuert, dass Sie ihn in seiner<br />

Halterung drehen, während Sie durch den Sucher schauen. Sie sehen die<br />

Veränderungen, die er während der Drehung bewirkt und wenn Ihnen gefällt,<br />

was Sie sehen, hören Sie auf zu drehen. Die Sonne befindet sich idealerweise<br />

seitlich der Kamera, so bekommen Sie den maximalen Effekt – einen strahlend<br />

blauen Himmel und keine störenden Reflexionen in der Landschaft. Kaufen<br />

Sie einen Polfilter, der Teil eines modularen Filtersystems ist, wie es<br />

beispielsweise von Lee, Hitech und Cokin angeboten wird. So können Sie den<br />

Polfilter mit einem Grauverlaufsfilter oder einem einfachem Graufilter<br />

kombinieren, falls nötig.<br />

112 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


GRAUFILTER<br />

Lange Verschlusszeiten können die in einer Szene vorhandenen<br />

Bewegungen einfangen. Um jedoch bei hellem Tageslicht zu<br />

langen Verschlusszeit zu gelangen, brauchen Sie den Graufilter.<br />

Während Grauverlaufsfilter nur einen Teil des <strong>Bild</strong>es beeinflussen,<br />

wirkt sich der homogene Graufilter auf das gesamte <strong>Bild</strong> aus.<br />

Deswegen können Sie durch die unterschiedliche Dichte der<br />

einzelnen Graufilter die Verschlusszeiten recht präzise in<br />

vorhersehbarer Weise verlängern. Ein schwächerer Graufilter der<br />

Stärke 0.6ND entspricht der Abdunkelung um zwei Blendenstufen,<br />

0.9ND ist das Äquivalent für drei Blendenstufen und 1.2ND<br />

entspricht vier Blendenstufen.<br />

Sie können diese Filter auch kombinieren, wenn einer allein nicht<br />

ausreichen sollte; die Stärken 0.6ND und 0.9ND addieren sich zu<br />

fünf Blendenstufen, was in der Praxis bedeutet, dass aus einer<br />

Verschlusszeit von 1/8 Sekunde 4 Sekunden werden. Wenn Sie<br />

jedoch Verschlusszeiten von mehreren Minuten benötigen, und<br />

das bei normalem Tageslicht, damit Sie Wasser in einen milchigen<br />

Nebel verwandeln können und am Himmel vorbeiziehende<br />

Wolken in weiche Streifen, dann benötigen Sie einen zehnstufigen<br />

Graufilter wie den „Big Stopper“ von Lee, den Hitech Prostop 10<br />

oder den B+W ND 110 3.0. Diese Filter sind derart dunkel, dass Sie<br />

nicht hindurchschauen können, doch sie liefern Ihnen, richtig<br />

eingesetzt, ganz bemerkenswerte, surreale Effekte.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 113


FOTOPRAXIS<br />

LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE<br />

Licht in der<br />

Landschaft<br />

Auch wenn wir das Thema „Licht“ hier zuletzt<br />

besprechen, ist es die allerwichtigste Einflussgröße<br />

für ein gutes <strong>Bild</strong>. Das vorhandene Licht definiert<br />

die Atmosphäre und den Charakter einer Szene<br />

– und demzufolge auch, welche Stimmung diese<br />

bei uns erzeugt. Licht kann atmosphärisch,<br />

dramatisch, warm, kalt, hart oder weich sein. All<br />

diese Eigenschaften und möglichen<br />

Kombinationen haben einen enormen Effekt auf<br />

die Wirkung eines Landschaftsfotos.<br />

Die Qualität des Lichts ändert sich sehr im<br />

Verlauf des Tages, vom Moment des Beginns der<br />

Morgendämmerung bis zu dem Moment, wenn<br />

das Zwielicht der Abenddämmerung endgültig<br />

durch die Nacht verdrängt wird. Auch<br />

Wetteränderungen sorgen für zahllose Variationen<br />

der Lichtverhältnisse. Dieselbe Landschaft sieht an<br />

einem sonnigen Sommervormittag vollständig<br />

anders aus als einem stürmischen<br />

Herbstnachmittag, an dem die Sonne nur ab und<br />

zu durch eine bedrohliche Wolkendecke scheint. Es<br />

sind diese Variationen, die die<br />

Landschaftsfotografie so interessant und<br />

lohnenswert machen. Angenommen, das Wetter<br />

an einem gegebenen Tag ist gut, dann herrschen<br />

die besten Lichtverhältnisse in der ersten Stunde<br />

nach Sonnenaufgang und in der letzten Stunde vor<br />

Sonnenuntergang. Zu diesen Zeiten steht die<br />

Sonne so tief am Himmel, dass sie lange Schatten<br />

erzeugt, die die Oberflächenbeschaffenheit und die<br />

Form der <strong>Bild</strong>elemente betonen. Das Licht ist<br />

außerdem sehr warm, was die Landschaft zum<br />

Leben zu erwecken scheint, doch das gilt leider nur<br />

für die ersten Minuten nach Sonnenaufgang und<br />

für die letzten Minuten vor Sonnenuntergang.<br />

Der Grund, warum wir in der Einleitung über<br />

einen Wecker gesprochen haben, der möglichst<br />

viel Lärm machen sollte, ist der, dass Sie mit den<br />

Hühnern aufstehen müssen, um im Sommer von<br />

dem frühen Morgenlicht profitieren zu können.<br />

Seien Sie 30–40 Minuten vor Sonnenaufgang vor<br />

Ort, damit Sie das Glühen der Morgendämmerung<br />

vor Sonnenaufgang einfangen können. Das<br />

funktioniert besonders gut am Meer, weil die<br />

prächtigen Farben des Himmels sich in ihm<br />

spiegeln werden. Nachdem die Sonne<br />

aufgegangen ist, müssen Sie schnell agieren um die<br />

Zeit des goldenen Lichts am besten zu nutzen.<br />

Wenn Sie Glück haben, können Sie tief liegende<br />

Nebelschwaden vor die Kamera bekommen, doch<br />

die Sonne wird sie schnell verdunsten lassen;<br />

suchen Sie deswegen nicht zu lange nach Ihrem<br />

Motiv herum, sondern fangen Sie an, zu<br />

fotografieren. Etwa eine Stunde nach<br />

Sonnenaufgang steht die Sonne bereits hoch am<br />

Himmel, und dann haben Sie sich Ihr Frühstück<br />

verdient. Bei klarem, sonnigem Wetter können Sie<br />

die nächsten Stunden damit verbringen, neue<br />

Örtlichkeiten auszukundschaften, denn zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren ist das Licht zu hart und zu flach,<br />

ganz besonders im Sommer. Wenn Wolken die<br />

Sonne verdecken, könnten Sie Detailfotos machen,<br />

die von dem weicheren Licht profitieren.<br />

Um die Zeit am besten zu nutzen, ist es immer<br />

gut, einige grob vorfabrizierte Ideen und<br />

Aufnahmetechniken im Ärmel zu haben, dann<br />

können Sie den ganzen Tag fotografieren, ganz<br />

gleich, wie sich das Wetter entwickeln mag. Hartes<br />

Sonnenlicht passt überhaupt nicht zur<br />

Oben: <strong>Fotografie</strong>ren Sie in der Goldenen Stunde und fangen<br />

Sie lange, weiche Schatten ein, die die Details der <strong>Bild</strong>elemente<br />

hervorbringen.<br />

Rechts: Bleiben Sie auch noch nach Sonnenuntergang vor Ort;<br />

oft können Sie fantastische Farbenspiele am Himmel erleben.<br />

konventionellen Landschaftsfotografie, jedoch sehr<br />

gut zur Infrarotfotografie. Sie könnten sich<br />

beispielsweise einen Infrarotfilter zulegen und<br />

diese besondere Art der <strong>Bild</strong>gestaltung<br />

ausprobieren. Graue Tage mit vollständig<br />

bedecktem Himmel sind nicht ideal für<br />

Farbaufnahmen – es sei denn Sie machen<br />

Detailfotos – doch solches Wetter ist ideal für<br />

Schwarzweißfotos. Das gilt auch für<br />

Langzeitbelichtungen von <strong>Bild</strong>ern an der Küste, die<br />

mit einem zehnstufigen Graufilter aufgenommen<br />

werden. Wenn Sie sich einen solchen Filter zulegen,<br />

haben Sie die Möglichkeit, auch bei<br />

allerschlechtestem Wetter hervorragende Fotos zu<br />

machen und Ihre knapp bemessene Zeit zu nutzen.<br />

Am späten Nachmittag sinkt die Sonne schnell<br />

und die Lichtverhältnisse werden wieder besser.<br />

Die letzte Stunde vor Sonnenuntergang ist neben<br />

der ersten Stunde nach Sonnenaufgang die beste<br />

des Tages und wenn Sie ohnehin schon unterwegs<br />

sind, lohnt es sich, darauf zu warten. Das Licht wird<br />

gegen Ende des Tages wärmer als zu Beginn,<br />

besonders wenn es ein sonniger Tag war. Lange<br />

Schatten geben Ihren <strong>Bild</strong>elementen detailreiche<br />

Oberflächenstrukturen und erzeugen einen<br />

starken Eindruck von Tiefe. Diese Tageszeit eignet<br />

sich besonders gut für Küstenlandschaften, denn<br />

die tief stehende Sonne verleiht Ihren<br />

<strong>Bild</strong>elementen einen sanften, warmen Glanz. Wenn<br />

die Sonne unter dem Horizont verschwunden ist,<br />

ändern sich die Lichtverhältnisse nochmals<br />

dramatisch, und demzufolge auch die Landschaft.<br />

Kontraste werden weicher, weil das Sonnenlicht<br />

am Himmel reflektiert wird. Geben Sie nicht der<br />

Versuchung nach, schon einzupacken, sondern<br />

warten Sie noch 10–15 Minuten, und Sie erleben<br />

vielleicht eine wundervolle Farbenpracht am<br />

Himmel, dessen Wolken dunkelrot, orange und<br />

violett glühen, weil sie von der unter dem Horizont<br />

verschwundenen Sonne angestrahlt werden. Mit<br />

einem dreistufigen Verlaufsfilter können Sie die<br />

Landschaft korrekt belichten und trotzdem die<br />

Farbenpracht und all die Details am Himmel<br />

bewahren. Es lohnt sich, vor Ort zu bleiben, bis die<br />

Farben endgültig verschwunden sind.<br />

Lichtrichtung<br />

Die Richtung, aus der das Licht auf die Landschaft<br />

fällt, spielt eine große Rolle für deren Erscheinung<br />

und die Stimmung die es erzeugt. Frontales Licht<br />

– wenn Sie die Sonne im Rücken haben – sorgt<br />

auf den ersten Blick für einen schönen Eindruck,<br />

fotografisch gesehen ist es jedoch nicht besonders<br />

attraktiv, weil die Schatten in Blickrichtung<br />

verlaufen, was dazu führt, dass die Landschaft auf<br />

dem Foto flach aussieht. Wenn allerdings die<br />

Sonne niedrig am Himmel steht und die<br />

Landschaft in ihr goldenes Licht taucht, kann die<br />

fehlende Tiefe verschmerzt werden, weil das<br />

fantastische Licht dieses Manko ausgleicht.<br />

Seitliche Beleuchtung, wenn die Sonne in<br />

einem Winkel von etwa 90° zur Kamera steht, ist<br />

trotzdem besser, weil dann die Schatten zum<br />

integralen Teil der <strong>Bild</strong>komposition werden,<br />

Details von Oberflächen hervorbringen und der<br />

gesamten Szene Tiefe geben. Der Effekt tritt<br />

wieder am stärksten auf, wenn die Sonne sehr<br />

niedrig steht und die Schatten lang und nicht sehr<br />

intensiv sind.<br />

Eine weitere Option besteht darin, ins<br />

Gegenlicht zu fotografieren. Fotos vom<br />

Sonnenaufgang und Sonnenuntergang werden<br />

auf diese Weise geschossen, denn der<br />

farbenprächtigste Bereich ist immer in der Nähe<br />

der Sonne. Auch Nebel kann sich sehr gut<br />

einfügen in ein solches <strong>Bild</strong>, denn das durch den<br />

Nebel dringende Licht erzeugt eine faszinierende<br />

Atmosphäre.<br />

114 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


MUSTER UND IHRE WIRKUNG<br />

MUSTER


Ganz gleich, wo wir uns befinden: Wir sind viel häufiger von <strong>Muster</strong>n umgeben als uns<br />

bewusst ist. Wenn Sie sich aufmerksam umschauen, können Sie nahezu in jeder<br />

Umgebung ein <strong>Muster</strong> erkennen. Richtig ins <strong>Bild</strong> gesetzt, können solche <strong>Muster</strong> Ihren<br />

Aufnahmen besondere, grafische Elemente hinzufügen oder sogar eine Geschichte<br />

erzählen. <strong>Muster</strong> geben einem <strong>Bild</strong> Struktur, sie leiten das Auge des Betrachters durch<br />

das <strong>Bild</strong> und sorgen für Aufmerksamkeit.<br />

Sollten Sie dennoch einmal an einem Ort fotografieren, an dem weit und breit kein<br />

<strong>Muster</strong> zu erkennen ist, machen Sie einfach selbst eines! Beliebige Objekte können<br />

<strong>Muster</strong> bilden, sei es in Form oder Farbe, so lange sich bestimmte Elemente mehr oder<br />

weniger regelmäßig und oft genug wiederholen. <strong>Muster</strong> bringen etwas Ordnung in<br />

eine chaotische Welt…<br />

FOTO: CATHERINE MACBRIDE


FOTOPRAXIS<br />

Urbane <strong>Muster</strong><br />

Wir empfehlen Ihnen, ständig eine Kamera dabei<br />

zu haben, denn nur so können Sie jede sich<br />

bietende Gelegenheit zu einem guten Foto<br />

wahrnehmen. Insbesondere Städte sind wahre<br />

Spielwiesen für Fotografen mit wachem Blick; auf<br />

Schritt und Tritt finden sich <strong>Muster</strong>, aus denen sich<br />

kleine Kunstwerke komponieren lassen.<br />

Besonders für diesen Zweck geeignet sind die<br />

Kameras von Smartphones und kleine<br />

Kompaktkameras, da sie problemlos überall hin<br />

mitgenommen werden können. <strong>Muster</strong> finden<br />

sich nicht nur in Wänden und Gebäudeformen:<br />

Von hohen Standpunkten kann man erkennen,<br />

dass ganze Städte nach bestimmten <strong>Muster</strong>n<br />

angelegt sind.<br />

Schauen Sie nach unten, werden Sie überall<br />

<strong>Muster</strong> am Boden entdecken, vom<br />

Kopfsteinpflaster der Straßen in den Altstädten bis<br />

hin zu den schachbrettartig angeordneten Fliesen<br />

auf städtischen Plätzen. <strong>Muster</strong> am Boden<br />

kommen am besten zur Geltung, wenn Sie Ihr<br />

Motiv aus einem tiefen Kamerawinkel<br />

fotografieren, sodass der Betrachter den Linien<br />

des <strong>Muster</strong>s bis zum Hauptmotiv folgen kann.<br />

Manchmal sind <strong>Muster</strong> erst bei Sonnenschein zu<br />

erkennen, wenn Objekte einen Schattenwurf<br />

erzeugen, der das <strong>Muster</strong> erst sichtbar macht. In<br />

den Großstädten gibt es noch mehr<br />

Möglichkeiten: Die regelmäßigen Struktur der<br />

Glasfassade eines in den Himmel aufragenden<br />

Wolkenkratzers führt das Auge des Betrachters<br />

direkt ganz nach oben ins <strong>Bild</strong>.<br />

Entscheidend bei dieser Art der <strong>Fotografie</strong> ist<br />

der <strong>Bild</strong>ausschnitt, und sie haben dabei mehrere<br />

Möglichkeiten. Sie können beispielsweise ein<br />

<strong>Muster</strong> vollständig isolieren, indem Sie den<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitt komplett damit ausfüllen, ohne<br />

dass irgendetwas anderes zu sehen wäre. Das<br />

kann einem <strong>Bild</strong> eine starke Dynamik verleihen,<br />

doch oft wird das <strong>Bild</strong> dadurch sehr abstrakt<br />

wirken. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die<br />

Regelmäßigkeit des <strong>Muster</strong>s aufzubrechen, indem<br />

Sie ein Objekt hinzufügen, beispielsweise ein<br />

dunkelrot gefärbtes Herbstblatt auf einem<br />

Kopfsteinpflaster. So bekommt das <strong>Muster</strong> einen<br />

Kontext und der Betrachter bekommt eine<br />

Vorstellung von dessen Umgebung. Wenn Sie die<br />

gesamte kopfsteingepflasterte Straße<br />

fotografieren, kann auch ein einzelner<br />

vorbeigehender Mensch dazu dienen, das <strong>Muster</strong><br />

aufzubrechen.<br />

<strong>Muster</strong> brauchen nicht immer frontal<br />

fotografiert zu werden. Aus einem Winkel heraus<br />

ergibt sich oft ein völlig anderes Aussehen, denken<br />

Sie nur daran, eine kleinere Blende zu benutzen,<br />

um die Schärfentiefe zu maximieren.<br />

Oben: In der Architektur sind überall starke Formen und<br />

Linien zu finden – schauen Sie sich nur um!<br />

Unten und links: Der <strong>Bild</strong>ausschnitt legt fest, wie abstrakt<br />

oder wie umgebungsbezogen ihr Foto wirken wird.<br />

CATHERINE MACBRIDE<br />

CATHERINE MACBRIDE<br />

118 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


MUSTER<br />

Urbane <strong>Muster</strong>: Ideen zum Ausprobieren...<br />

WEGE UND STRASSEN<br />

Kopfsteinpflaster und vielfältige <strong>Muster</strong> auf<br />

Gehwegen und Plätzen – eine Stadt ist<br />

durchzogen von zahllosen <strong>Muster</strong>n. Achten<br />

Sie auch auf Fahrbahnmarkierungen und<br />

starke Linien, die sich schneiden,<br />

beispielsweise Straßenbahnschienen.<br />

Nehmen Sie einen einzelnen Passanten mit<br />

ins <strong>Bild</strong>, damit der Betrachter sich an ihm<br />

als Maßstab orientieren kann.<br />

FENSTER<br />

Die zahllosen Reihen von Fenstern in<br />

den Glasfassaden der Wolkenkratzer<br />

sind ein perfektes Beispiel für<br />

architektonische <strong>Muster</strong>. Verzerrung<br />

kann zum Problem werden, wenn Sie<br />

gerade Linien frontal fotografieren,<br />

doch das kann in der Nachbearbeitung<br />

behoben werden.<br />

SCHAUEN SIE NACH OBEN<br />

Die Gebäude moderner Großstädte<br />

streben gen Himmel. Folgen Sie dieser<br />

Richtung und denken Sie<br />

unkonventionell: Spiralförmige<br />

Treppenhäuser sind ein hervorragendes<br />

Architektur-Motiv, auch wenn die<br />

Lichtverhältnisse in der Regel nicht<br />

optimal sind. Falls Ihre ruhige Hand<br />

nicht ausreicht, haben Sie ja ein Stativ…<br />

SCHATTEN<br />

Üben Sie sich darin, durch Licht<br />

erzeugte <strong>Muster</strong> zu erkennen. Seitlich<br />

durch eine Säulenreihe fallendes<br />

Sonnenlicht kann auf dem Boden ein<br />

<strong>Muster</strong> erzeugen, das an eine<br />

Klaviertastatur erinnert. Schatten in<br />

einem Treppenhaus bestehen meist aus<br />

starken Linien und Formen, die nach<br />

innen und außen ragen.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 119


FOTO-PRAXIS<br />

MUSTER<br />

<strong>Muster</strong>haushalt…<br />

Suchen, Finden und <strong>Fotografie</strong>ren von <strong>Muster</strong>n ist eine<br />

anregende, kreative Beschäftigung an einem verregneten<br />

Sonntag. Das glauben Sie nicht? Probieren Sie es aus und<br />

lassen Sie sich überraschen…<br />

Jeder Haushalt steckt voller gemusterter Strukturen:<br />

von den Tapeten an den Wänden über Möbeloberflächen<br />

bis hin zu Vorhängen, um nur die Augenfälligsten zu<br />

nennen. Weiter gibt es Tischdecken, glänzendes,<br />

gemustertes Papier, in das wir Geschenke einwickeln und<br />

wenn Sie jetzt einmal an sich selbst herunter schauen,<br />

besteht eine recht große Wahrscheinlichkeit, dass Sie<br />

mindestens ein Kleidungsstück an sich haben, das<br />

gemustert ist. Doch nun zum Wesentlichen:<br />

Ein <strong>Muster</strong> in einem Foto kann den pfiffigen Farbtupfer<br />

setzen, der das <strong>Bild</strong> erst attraktiv macht. Stellen Sie sich<br />

dazu das Foto zweier „nackter“ Hände vor, die eine<br />

dampfende Tasse Kaffee umfassen. Nun stellen Sie sich<br />

die Szene erneut vor, diesmal allerdings mit dem kleinen<br />

Unterschied, das die die Tasse umfassenden Hände in<br />

knallrot und weiß gemusterten Wollfäustlingen stecken.<br />

Gemusterte Tapeten können einen hervorragenden<br />

Hintergrund für Porträtfotos abgeben – die porträtierte<br />

Person sollte Kleidung mit ähnlichem oder stark<br />

kontrastierendem <strong>Muster</strong> tragen, um den Effekt zu<br />

erhöhen. Teller stehen aufeinander gestapelt im<br />

Küchenschrank und Tassen und Becher bilden<br />

interessante <strong>Muster</strong>, wenn Sie sie herausnehmen und<br />

phantasievoll auf einer ebenen Fläche aufreihen.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie sie mit von der Kamera entkoppeltem<br />

Blitz, um Schatten zu erzeugen, die dem vorhandenen<br />

<strong>Muster</strong> eine weitere Dimension geben.<br />

Räumen Sie die Küchenschubladen leer und<br />

arrangieren Sie das Besteck auf einem einfarbigen<br />

Hintergrund. In Photoshop können Sie weiter spielen,<br />

indem Sie ein Foto spiegeln und beide <strong>Bild</strong>er<br />

zusammenführen, um zusätzliche Symmetrie zu<br />

erzeugen. Unterschätzen Sie die Bedeutung von Farben<br />

nicht, wenn Sie Ihre Objekte arrangieren. Arbeiten Sie mit<br />

Farbabstufungen, beispielsweise von einem dunklen Rot<br />

bis zu hellem Orange. Der geschickte Einsatz von Farben<br />

macht aus einem Motiv viel mehr als die Summe seiner<br />

Teile.<br />

Oben rechts: Leuchtende Farben helfen dabei, einfache<br />

<strong>Muster</strong> zu verstärken.<br />

Rechts: Spiegeln Sie ein Arrangement in Photoshop, um<br />

das <strong>Muster</strong> zu betonen.<br />

CATHERINE MACBRIDE CATHERINE MACBRIDE<br />

<strong>Muster</strong> im Haushalt: Ideen zum Ausprobieren...<br />

TEPPICHE UND VORHÄNGE<br />

<strong>Muster</strong> in Textilien können attraktive<br />

Motive sein. Das <strong>Muster</strong> füllt den<br />

gesamten <strong>Bild</strong>ausschnitt und kann<br />

dem <strong>Bild</strong> Struktur und viel Farbe<br />

geben.<br />

FRUCHTIGE MAKROFOTOS<br />

Finden Sie sich wiederholende<br />

Strukturen in Fruchtfleisch oder<br />

Gemüse, an der Schnittfläche<br />

einer Orange oder den Sektionen<br />

einen Blumenkohls. Solche<br />

<strong>Muster</strong> ergeben schöne<br />

Makrofotos.<br />

KLEIDUNG<br />

Gemusterte Kleidung verhilft einem<br />

Foto zu „Persönlichkeit“, selbst wenn<br />

die tragende Person nicht erkennbar<br />

ist. Gestreifte Socken, Wollmützen<br />

und Gummistiefel bringen lustige<br />

Elemente ins <strong>Bild</strong>, besonders bei<br />

Kinderfotos..<br />

ABSTRAKTIONEN<br />

Ihre Wohnung ist voll davon, Sie<br />

müssen nur lernen, sie zu sehen.<br />

Betrachten Sie Alltägliches aus<br />

neuer Perspektive, beispielsweise<br />

bunte Plastik-Trinkhalme aus der<br />

Nähe, Buntstifte oder<br />

Wassertropfen.<br />

120 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Ganz unten…<br />

Echtholzfußböden und Parketts sehen<br />

fantastisch aus, wenn PATTERNS Sie von oben<br />

fotografiert werden. Eine Requisite als<br />

Stillleben macht das Motiv noch interessanter.


FOTOPRAXIS<br />

MUSTER<br />

<strong>Muster</strong> in<br />

der Natur<br />

Ob im weitwinkligen Landschaftspanorama oder in<br />

kleineren Strukturen – <strong>Muster</strong> sind in der Natur leicht<br />

zu finden.<br />

Eine Möglichkeit, <strong>Muster</strong> in Ihrem gewählten Motiv<br />

zu erkennen, besteht darin, die Szene aus<br />

verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. In<br />

weitläufigen Szenen sind <strong>Muster</strong> zu finden,<br />

beispielsweise die Ackerfurchen eines gepflügten<br />

Feldes oder gleichmäßig gepflanzte Baumreihen. Oft<br />

sind solche <strong>Muster</strong> besser zu erkennen, wenn Sie von<br />

einem erhöhten Standpunkt auf die Szene blicken,<br />

halten Sie also danach Ausschau, wenn Sie sich an<br />

einem hoch gelegenen Aussichtspunkt befinden.<br />

Ein Telezoom eignet sich am besten, um solche<br />

<strong>Muster</strong> in der Landschaft aus ihrer Umgebung<br />

hervortreten zu lassen. <strong>Muster</strong> finden sich auch in den<br />

winzigen Details der Natur, beispielsweise die<br />

Verästelungen, die im Blatt eines Baumes sichtbar sind.<br />

Farne sind ein anderes Beispiel für <strong>Muster</strong> in der Natur,<br />

ebenso wie ein im Morgentau glitzerndes Spinnennetz<br />

– ein fotografischer Klassiker. Betrachten Sie auch die<br />

Tiere; nicht nur Ihre Farben können starke <strong>Muster</strong><br />

erkennen lassen, sondern auch der Blick auf Details wie<br />

sich überlappende Vogelfedern, oder die Schuppen<br />

eines Reptils, die die Komplexität der Natur erahnen<br />

lassen. Ein Besuch im Zoo gibt Ihnen die Gelegenheit,<br />

exotischere, tierische <strong>Muster</strong> zu fotografieren, seien es<br />

Zebras, Leoparden oder Schlangen – sie alle sind<br />

gleichermaßen gut geeignete Kandidaten.<br />

<strong>Muster</strong> ergeben sich oft auch dann, wenn mehrere<br />

Objekte zusammen gruppiert sind, beispielsweise ein<br />

fliegender Gänseschwarm oder die Kiesel am Strand.<br />

Für solche Motive ist der <strong>Bild</strong>ausschnitt entscheidend;<br />

wenn Sie ihn ganz mit dem <strong>Muster</strong> ausfüllen, ergibt<br />

sich fast immer ein gutes Foto. Achten Sie aber darauf,<br />

dass die übrigen <strong>Bild</strong>elemente nicht von Ihrem <strong>Muster</strong><br />

ablenken.<br />

Oben: Die geometrischen Formen von Spinnennetzen<br />

sind ein Klassiker unter den <strong>Muster</strong>n der Natur.<br />

Rechts: Aus nächster Nähe betrachtet, bilden die<br />

Kapillaren eines Blattes ein abstraktes <strong>Muster</strong>.<br />

Ganz rechts: Farne können chaotisch wirken, doch von<br />

Hand geglättet und mit passender <strong>Bild</strong>komposition<br />

ergeben sie starke <strong>Muster</strong>.<br />

Natürliche <strong>Muster</strong>: Ideen zum Ausprobieren<br />

ROSS HODDINOTT<br />

CATHERINE MACBRIDE<br />

ROSS HODDINOTT<br />

BÄUME<br />

Aus der Nähe betrachtet kann<br />

Baumrinde großartige, natürliche<br />

<strong>Muster</strong> aufweisen, ebenso wie die<br />

konzentrischen Kreise an der<br />

Schnittfläche eines gefällten Baumes.<br />

Suchen Sie auch nach <strong>Muster</strong>n in<br />

größerer Distanz; häufig sind Straßen<br />

und Felder von regelmäßigen<br />

Baumreihen gesäumt, im Gegensatz<br />

zu dem Chaos natürlicher Gehölze.<br />

AM BODEN<br />

Schauen Sie nach unten. Direkt zu<br />

ihren Füßen finden sich oft großartige<br />

<strong>Muster</strong>, besonders wenn Sie in der<br />

Nähe der Küste wohnen. Die<br />

wellenförmigen Formen im Sand, die<br />

bei Ebbe sichtbar werden, sehen<br />

fantastisch aus, wenn sie von der tief<br />

stehenden Sonne beleuchtet werden<br />

und auch die an den Strand gespielten<br />

runden Kiesel bieten viel Potenzial.<br />

LANDSCHAFTEN<br />

Gerade gepflügte Ackerfurchen formen ebenso<br />

starke <strong>Muster</strong> wie Reihen von Getreide oder<br />

Blumen, wenn sie aus unterschiedlichen<br />

Blickwinkeln betrachtet werden. Wenn Sie auf<br />

Augenhöhe fotografieren, benutzen Sie einen<br />

Weitwinkel oder ein Standard Zoom, damit die<br />

Linien zusammenlaufen. Von einem höheren<br />

Standpunkt aus benutzen Sie ein Teleobjektiv,<br />

um vorhandene <strong>Muster</strong> aus ihrer Umgebung<br />

hervorzuheben.<br />

DETAILS AUS DER NÄHE<br />

Nirgendwo finden Sie mehr natürliche <strong>Muster</strong><br />

als auf der Makro-Ebene. Gehen Sie also nah<br />

heran. Die Kapillaren eines Blattes sind ein<br />

gutes Motiv für den Anfang. <strong>Fotografie</strong>ren Sie<br />

sie frontal im Gegenlicht, damit sie gut<br />

hervortreten. Sie können das Blatt auch so<br />

halten, dass dessen Ebene nahezu parallel zur<br />

Objektivachse verläuft. Dann können Sie je<br />

nach Blendeneinstellung entweder das<br />

gesamte Objekt oder nur ausgewählte Teile<br />

davon scharf abbilden..<br />

122 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Schattenspiele<br />

Suchen Sie auch nach <strong>Muster</strong>n, die durch<br />

Lichteinfall entstehen. PATTERNS<br />

Das Licht einer tief<br />

stehenden Sonne erzeugt lange Schatten,<br />

die <strong>Muster</strong> formen können.<br />

FOTO: ROSS HODDINOTT


Fotoprojekt<br />

1 1<br />

HELDEN TRAGEN<br />

KEINE CAPES…<br />

WAS ALS KLEINES, PRIVATES PROJEKT BEGANN, WURDE IN WINDESEILE<br />

ZUR LOKALEN SENSATION. WIR SPRACHEN MIT BRANDON CAWOOD<br />

ÜBER HELDEN DES ALLTAGS.<br />

„Als Kind war ich besessen von<br />

diesen Superhelden. Ich hatte all<br />

diese Action-Figuren, die Poster, und<br />

natürlich wollte ich selbst einer<br />

werden, wenn ich groß war –<br />

natürlich Batman, denn der war der<br />

coolste von allen.“<br />

Brandon Cawood wurde nicht Batman, doch seine<br />

Begeisterung für die Superhelden hat er immer noch.<br />

Heute ist er 30 und arbeitet als Werbefotograf im<br />

Bundesstaat Georgia in den USA sogar mit ihnen<br />

zusammen, nur tragen sie keine Capes wie Batman<br />

oder Superman. Als Brandon 2010 als Fotograf begann,<br />

fotografierte er alles und jedes: Hochzeiten, Familien,<br />

und – für ihn am wichtigsten – lokale Musik-Bands. „So<br />

kam ich zur Werbefotografie, und das war die<br />

Grundlage für mein Unternehmen ‚Flash Light<br />

Productions’, erklärt er. „Es fasziniert mich, dass man<br />

eine kleine lokale Band genauso fotografieren kann wie<br />

die bekanntesten Bands der Welt. Mein Ziel war es, sie<br />

aussehen zu lassen wie weltweite Berühmtheiten.“<br />

Daraus entstand die Idee, Menschen des Alltags zu<br />

fotografieren und deren Rolle überlebensgroß in<br />

geradezu epischem Ausmaß zu präsentieren. „Ich war<br />

immer inspiriert vom Stil der Kino-Werbeplakate für<br />

große Hollywood-Filme. Ich übertrug diesen Stil auf<br />

lokale Institutionen zum Schutz der Bevölkerung, wie<br />

Feuerwehr, Polizei, medizinische Rettungskräfte, alle, zu<br />

deren Aufgaben es unter anderen gehört, als erste am<br />

Ort des Geschehens einzutreffen. So entstanden einige<br />

ziemlich verrückte <strong>Bild</strong>serien: reale Menschen, die reale<br />

Aufgaben erledigen, jedoch dargestellt in einer Weise,<br />

die sie wie Superhelden aussehen lässt. Es sind jene<br />

Frauen und Männer, die für andere ihr Leben riskieren,<br />

aber niemals etwas von dem Ruhm und dem Glamour<br />

zu spüren bekommen, die für Superman und Batman<br />

selbstverständlich sind, wenn auch nur im Comic. So<br />

begann das Projekt „Helden tragen keine Capes…“.<br />

Nun machte sich Brandon daran, die Idee<br />

umzusetzen, wobei er sich auf die kleine Welt seiner<br />

Heimatstadt Dalton in Georgia konzentrierte. Die<br />

Startphase war am schwierigsten. „Das Projekt wäre fast<br />

nicht zustande gekommen“, erinnert sich Brandon.<br />

„Zunächst benutzte ich die üblichen<br />

Kommunikationskanäle und hielt mich an die<br />

hierarchischen Strukturen der Organisationen, die ich<br />

ansprechen musste. Doch es führte zu nichts. Ich war<br />

aber überzeugt, mit nur einem einzigen erfolgreichen<br />

<strong>Bild</strong> auch andere die Entscheidungsträger überzeugen<br />

zu können, an dem Projekt teilzunehmen. So versuchte<br />

ich es über Social-Media. Ich hatte eine alte Freundin,<br />

deren Verlobter bei der Feuerwehr war. „Ich hab´ dich“<br />

war das erste <strong>Bild</strong> der Serie. Von da an konnte ich etwas<br />

Greifbares vorzeigen und es war plötzlich kein Problem<br />

mehr, weitere Foto-Sessions zu arrangieren. Es dauerte<br />

nicht lange, und die Institutionen begannen nun, mich<br />

anzurufen, weil sie an dem Projekt teilhaben wollten.“<br />

Als das Räderwerk einmal in Gang gekommen war,<br />

merkte Brandon, dass sein kleines persönliches Projekt<br />

„Helden tragen keine Capes…“ auch einer größeren<br />

Sache dienen könnte. „Nur für mein eigenes Portfolio zu<br />

fotografieren, reichte mir nicht mehr. Ich war immer<br />

überzeugt davon, dass man eine eigene Fähigkeit wenn<br />

möglich auch anderen zugute kommen lassen sollte.<br />

Deswegen wollte ich die <strong>Bild</strong>er in einem Kalender<br />

zusammenbringen. Alles in allem sammelten wir 6000<br />

$ für ein Stipendium an der hier in Dalton befindlichen<br />

‚Creative Arts Guild’ ein.“<br />

1) Festgenagelt: „Die Beamten und das Einsatzfahrzeugs wurden mit drei<br />

Paul-C-Bluff-Einstein-Strobes fotografiert. Die Lichteffekte kamen in der<br />

Nachbearbeitung dazu.”<br />

2) K9: „Die Posen von Hundeführer und Hund gleichzeitig richtig<br />

einzufangen, war unmöglich, deswegen habe ich sie getrennt fotografiert.<br />

3) Alles wird gut: „Das war die einzige Foto-Session, die durch einen<br />

eingehenden Notruf unterbrochen wurde…“<br />

Wenn man sich die <strong>Bild</strong>er anschaut, könnte man<br />

meinen, dahinter habe ein riesiges Team mit einem<br />

ebensolchen Budget gestanden, doch dem ist nicht so.<br />

„Ein Produktionsteam gab es überhaupt nicht, die<br />

Menschen, die auf den <strong>Bild</strong>ern zu sehen sind, üben<br />

diese Berufe tatsächlich aus – mit Ausnahme der<br />

Kriminellen natürlich, die auf einigen der <strong>Bild</strong>er zu<br />

sehen sind. Sogar meine Verlobte und<br />

Geschäftspartnerin Whitney ist auf ein paar Fotos zu<br />

sehen.<br />

Diese Art Fotos erfordert sehr viel Planung doch<br />

124 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Brandon Cawood<br />

2 3<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 125


Fotoprojekt<br />

1<br />

3<br />

1<br />

2<br />

❝<br />

HELDEN TRAGEN KEINE<br />

CAPES…“ HAT MEINE<br />

ERWARTUNGEN WEIT<br />

ÜBERTROFFEN, SOWOHL<br />

WAS DEN ERFOLG ALS AUCH<br />

WAS MEINE BERUFLICHEN<br />

ZUKUNFTSAUSSICHTEN<br />

ANGEHT.<br />

❞<br />

2<br />

angesichts unseres Budgets mussten wir mit dem<br />

zurecht kommen, was wir hatten. Das <strong>Bild</strong> des Tauchers<br />

beispielsweise entstand nicht etwa unter Wasser,<br />

sondern der „Taucher“ wurde von zwei Stühlen in der<br />

Position gehalten die auf dem <strong>Bild</strong> zu sehen ist. Die<br />

Unterwasserelemente der Szene wurden Zuhause durch<br />

ein kleines Aquarium hindurch fotografiert…“<br />

Es ist der plastische, stark übertriebene Stil der Darstellung<br />

von „Helden tragen keine Capes…“, der das Projekt von<br />

anderen unterscheidet und erst in der Nachbearbeitung<br />

werden die <strong>Bild</strong>er wirklich zum Leben erweckt, wie<br />

Brandon erklärt: „Es sind alles Fotomontagen, die aus<br />

20–40 Einzelbildern bestehen. Das ist arbeitsintensiv<br />

– jedes <strong>Bild</strong> braucht zwischen fünf und 25 Stunden in der<br />

Nachbearbeitung, je nachdem, wie viele<br />

unterschiedliche <strong>Bild</strong>elemente zusammengeführt<br />

werden müssen. Ich mache die gesamte<br />

Nachbearbeitung selbst – das Knowhow habe ich mir<br />

selbst beigebracht. Mein Stil besteht zum Großteil in dem<br />

animierten Aussehen und ich lasse mich stark von der<br />

Stimmung und der Tonalität von Kinofilmen<br />

beeinflussen. Ich bin auch ein großer Bewunderer von<br />

Werbefotografen wie Dave Hill, Tim Tadder und Joel<br />

Grimes; auch sie inspirieren mich für meine eigenen<br />

Arbeiten. Mittlerweile ist das Projekt ein großer Erfolg<br />

geworden, dank des Internets auch außerhalb von<br />

Dalton. „Doch die Unterstützung des Projekts in Dalton<br />

war die treibende Kraft. Es bedeutete sehr viel für die<br />

Mitarbeiter der betreffenden Organisationen und deren<br />

Familien. Diese Berufsgruppen sind noch nie auf diese<br />

Art und Weise dargestellt worden, jedenfalls nicht dort,<br />

wo ich herkomme.“<br />

Darüber hinaus hat dieses ambitionierte Projekt Brandon<br />

den Weg geebnet, mehr von dem zu fotografieren, was<br />

er persönlich genießt und sich selbst immer neuen<br />

Herausforderungen als Fotograf zu stellen, was zu<br />

weiteren persönlichen Projekten führt.<br />

„ Diese Arbeit ist nicht nur deswegen von Bedeutung,<br />

weil sie den Leuten zeigt, wozu du fähig bist, sondern<br />

auch, weil sie zu mehr Aufgaben derselben Art führt.<br />

Unbeabsichtigt habe ich mich in einer Art Nische<br />

wiedergefunden – inzwischen werde ich von<br />

Unternehmen angeheuert, die im weitesten Sinn im<br />

Bereich „Öffentliche Sicherheit“ tätig sind, aber auch<br />

direkt von der Polizei. Ich fotografiere kommerzielle<br />

126 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Brandon Cawood<br />

1) Aus dem Bearcat ins Getümmel: „Die Beamten des<br />

SWAT-Teams wurden einzeln fotografiert und später<br />

ins <strong>Bild</strong> montiert.“<br />

2) Beweissicherung: „Erst habe ich den Taucher auf<br />

dem Stuhl fotografiert, dann die anderen Elemente<br />

durch ein Aquarium.“<br />

3) Ich hab dich: „Das erste <strong>Bild</strong> der Serie. Der<br />

Feuerwehrmann saß auf der Ladefläche meines<br />

Kleinlasters, so kam ich nah und vor allem tief genug<br />

heran, um in diesem Winkel fotografieren zu können.<br />

Die Flammen kamen später dazu.“<br />

Werbekampagnen und so wie es aussieht, werde ich<br />

auch in Zukunft ähnliche Projekte durchführen. „Helden<br />

tragen keine Capes…“ hat meine Erwartungen weit<br />

übertroffen, sowohl was den Erfolg angeht, als auch was<br />

meine beruflichen Zukunftsaussichten angeht. Das<br />

Projekt hat in mir eine Leidenschaft geweckt, öffentliches<br />

Bewusstsein für bestimmte Sachverhalte herzustellen.<br />

Die zusätzlichen Aufträge, die sich daraus ergeben, sind<br />

natürlich auch sehr angenehm, aber es ist nicht<br />

selbstverständlich, einen Job zu finden, den man selbst<br />

gerne tut und der von anderen nicht nur materiell<br />

honoriert wird.“<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 127


115 Teilnehmer beim größten<br />

deutschen Fotofestival<br />

in Berlin und Potsdam<br />

115 Museen, Kulturinstitutionen, Galerien, Projekträume, Botschaften und Fotoschulen präsentieren<br />

diesen Herbst 128 Ausstellungen in Berlin und Potsdam beim größten deutschen Fotofestival. Zum<br />

diesjährigen Thema „Umbrüche und Utopien. Das andere Europa“ hat die Jury aus 170<br />

Bewerbungen eine vielversprechende Auswahl getroffen.<br />

Neben Frank Wagner (Kurator des Europäischen Monats<br />

der <strong>Fotografie</strong> Berlin) gehörten der Jury Maren<br />

Lübbke-Tidow (Autorin, Kritikerin, Kuratorin, Camera<br />

Austria, Graz/Berlin), Katia Reich (Kuratorin, Berlin),<br />

Christiane Stahl (Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung,<br />

Berlin) und Hubertus von Amelunxen (Autor und Kurator,<br />

Präsident der European Graduate School, Schweiz,<br />

Mitglied der Akademie der Künste, Berlin) an.<br />

STATEMENT DER JURY<br />

„Die Vielzahl und Qualität der Einreichungen war<br />

beeindruckend. Das diesjährige Thema führte zu einer<br />

Fülle von sehr unterschiedlichen Ausstellungsprojekten,<br />

die die Dimensionen von Raum, Zeit, Tradition und<br />

Veränderung in Berlin, Europa und weltweit verhandeln.<br />

Große Bedeutung wird den Themen ‚Grenze und<br />

Grenzerfahrung‘ beigemessen. Auffällig sind die vielen<br />

Ausstellungskonzepte, die Mittel- und Osteuropa aus<br />

unterschiedlichsten Perspektiven ins Visier nehmen oder<br />

die Flüchtlingsproblematik und Einwanderungspolitik<br />

kritisch abbilden.<br />

Für die Bewertung der einzelnen Projekte und<br />

Präsentationen waren folgende Kriterien<br />

ausschlaggebend: die inhaltliche und thematische<br />

Relevanz, die historischen Facetten des Themas und der<br />

künstlerisch prägnante Umgang mit der <strong>Fotografie</strong>. Die<br />

Auswahl spiegelt prägnant die thematische, aber auch<br />

die institutionelle und konzeptionelle Vielfalt: Die<br />

Formate reichen von großangelegten Ausstellungen im<br />

Außenraum und großen Museumspräsentationen, über<br />

oft bestechende und experimentelle Einzel- und<br />

Gruppenpräsentationen in Galerien und Projekträumen,<br />

Kulturämtern und Botschaften, bis hin zu<br />

partizipatorischen und gemeinschaftlichen Projekten<br />

und zur kreativen Beteiligung der zahlreichen<br />

Fotoschulen Berlins.<br />

Auf diese Weise gelingt ein Überblick über das<br />

fotografische künstlerische Schaffen der letzten 100<br />

Jahre, wobei sich gleichzeitig aktuelle Einblicke in unsere<br />

Zeit, ihre Schattierungen, Problemfelder und Visionen<br />

eindrucksvoll erschließen.“<br />

TEILNEHMER 2014<br />

25books // A trans // a|e GALERIE Angelika Euchner //<br />

absolutplus galerie // aff Galerie // Alfred Ehrhardt Stiftung<br />

// alte feuerwache. projektraum // Atelier für <strong>Fotografie</strong> //<br />

Atelier Soldina // Bauhaus-Archiv. Museum für Gestaltung<br />

// BEST-Sabel <strong>Bild</strong>ungszentrum // Bezirksamt Neukölln zu<br />

Berlin // Bezirksamt Spandau von Berlin // Botschaft der<br />

Republik Chile in Deutschland // Botschaft der Republik<br />

Litauen in Berlin // Botschaft von Irland // Botschaft von<br />

Luxemburg // BrotfabrikGalerie // Berliner Technische<br />

Kunsthochschule // CAMERA WORK // C/O Berlin //<br />

Carpentier Galerie // Club der Polnischen Versager //<br />

Collection Regard // Collegium Hungaricum Berlin // Das<br />

Foto Image Factory // DAS VERBORGENE MUSEUM //<br />

Dencker + Schneider // Deutsches Kinder- und<br />

Jugendfilmzentrum // Deutsch-Russisches Museum<br />

Berlin-Karlshorst // Ethnologisches Museum // exp12/<br />

exposure twelve // f/16 Schule für <strong>Fotografie</strong> // FHXB<br />

Friedrichshain-Kreuzberg Museum // FOG Platform //<br />

format.B Fotografenkollektiv // Fotomarathon Berlin //<br />

Fotoschule Berlin // Freundeskreis Willy-Brandt-Haus //<br />

Galerie Albrecht // Galerie argus fotokunst // Galerie<br />

carlier | gebauer // Galerie Gondwana // Galerie<br />

Jarmuschek + Partner // Galerie Kai Dikhas // Galerie<br />

Kornfeld // Galerie KunstBüroBerlin // Galerie Laura Mars //<br />

Galerie Listros // Galerie Mönch // Galerie Pankow //<br />

Galerie Seitz & Partner // Galerie Springer Berlin // Galerie<br />

WAGNER + PARTNER // Galerie zone B // Gallery Taik<br />

Persons // Gestalten Space // Gesellschaft für<br />

Humanistische <strong>Fotografie</strong> // Grundemark Nilsson Gallery<br />

// Grundstücksgesellschaft Franz Mehring Platz 1 // HAUS<br />

am KLEISTPARK // Haus am Lützowplatz // Helmut<br />

Newton Stiftung // Hochschule für Gestaltung Offenbach<br />

// imago fotokunst // Industriesalon Schöneweide e.V. //<br />

Institut français Berlin // ifa-Galerie Berlin // InteriorDAsein<br />

– Berlin Projektraum // Italienisches Kulturinstitut Berlin //<br />

Jörg Maaß Kunsthandel // Kehrer Berlin Galerie //<br />

Kominek Gallery // Kommunale Galerie Berlin //<br />

Kommunale Galerien Tempelhof-Schöneberg //<br />

Kulturring in Berlin e.V. – Fotogalerie Friedrichshain //<br />

Kunstamt Reinickendorf // Kunststiftung Poll //<br />

Lette-Verein // Loock Galerie // Loris – Galerie für<br />

zeitgenössische Kunst // Louis@Nicéphore Fotopioniere //<br />

Martin-Gropius-Bau // Meinblau Projektraum // Mitte<br />

Museum // Movement for Galleries Berlin // Mühlenhaupt<br />

Museum Berlin Kreuzberg/Browse Gallery // Museum für<br />

<strong>Fotografie</strong>, SMB // Museum Köpenick // Museum Pankow<br />

// Neue Schule für <strong>Fotografie</strong> Berlin // n-ost – Netzwerk<br />

für Osteuropa Berichterstattung // only photography //<br />

Ostkreuzschule für <strong>Fotografie</strong> // pavlov’s dog – Raum für<br />

<strong>Fotografie</strong> // Petra Rietz Salon Galerie // Pflüger68 //<br />

Photocentrum am Wassertorplatz // PHOTO EDITION<br />

BERLIN // // Podbielski Contemporary // Polnisches<br />

Institut Berlin // Projektraum PhotoWerkBerlin // RAUM<br />

FÜR ZWECKFREIHEIT // Savoy Hotel Berlin // Scotty<br />

Enterprises // Sprechsaal // Staatsgalerie Prenzlauer Berg //<br />

Stiftung Stadtmuseum Berlin // Stiftung Starke // Strahler<br />

– Raum für <strong>Fotografie</strong> // Valand Academy //<br />

WHITECONCEPTS by Nicole F. Loeser // Wander Atelier //<br />

world in a room – Projektraum für <strong>Fotografie</strong> // WW48<br />

Studio<br />

ERÖFFNUNGSWOCHENENDE IM<br />

MARTIN-GROPIUS-BAU<br />

Neben den über die ganze Stadt verteilten Ausstellungen<br />

gibt es die gemeinsame Ausstellung „Memory Lab: The<br />

Sentimental Turn“ der Partnerstädte Berlin, Bratislava,<br />

Budapest, Ljubljana, Luxemburg, Paris und Wien. Sie wird<br />

im ersten Obergeschoss des Martin-Gropius-Baus<br />

gezeigt und gemeinsam mit dem 6. MdF Berlin am 16.<br />

Oktober 2014 eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 15.<br />

Dezember 2014 – der Eintritt ist frei! Zum<br />

Eröffnungswochenende 16.-19. Oktober ist zudem ein<br />

vielfältiges und spannendes Programm mit<br />

internationalen Gästen, darunter die US-amerikanische<br />

Fotografin Nan Goldin, geplant.<br />

KATALOG<br />

Der begleitende Festivalkatalog (deutsch/englisch, 256<br />

Seiten) erscheint Anfang Oktober im Kehrer Verlag/<br />

Heidelberg und ist zu einem Preis von 8,00 € bei<br />

Kulturprojekte Berlin und den beteiligten Institutionen<br />

erhältlich. In den vergangenen fünf Festivalausgaben<br />

präsentierten stets mehr als 100 Institutionen – Museen,<br />

Kulturinstitutionen, Galerien, Projekträume, Botschaften<br />

und Fotoschulen – in einem internationalen Rahmen<br />

Ausstellungen und Veranstaltungen zu historischer und<br />

zeitgenössischer <strong>Fotografie</strong>.


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Studiohintergrund<br />

Wirtschaftlich steht es zurzeit nicht zum Besten. Auch wenn Ihre Begeisterung für die <strong>Fotografie</strong> kaum abgenommen haben<br />

dürfte, ist Ihr Budget zur Anschaffung neuer Ausrüstung höchstwahrscheinlich eher schmaler geworden. Neue, teure<br />

Objektive oder das neueste DSLR-Modell mit noch höherer Auflösung stehen deswegen bei den wenigsten von uns auf der<br />

Einkaufsliste. Gleichwohl gibt es viele Hersteller, die uns versprechen, sie würden unsere kreativen Möglichkeiten mit neuen,<br />

preisgünstigen Produkten verbessern. Die extrem niedrigen Preise für solches Zubehör sagen jedoch nichts über die Qualität<br />

aus. Kann das überhaupt etwas taugen? Wir haben einige dieser Produkte für Sie ausprobiert, um herauszufinden, was von<br />

den vollmundigen Versprechungen zu halten ist..<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 129


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Tom Calton<br />

Budget: 50€<br />

Studiohintergrund<br />

Nun haben Sie also in eine neue<br />

Studiobeleuchtung investiert und brauchen<br />

nur noch einen einfachen Hintergrund, um ihr<br />

Heimstudio aufzubauen. Der Hintergrund der<br />

Wahl für die meisten Profifotografen besteht<br />

aus einer großen Papierrolle, die auf beliebige<br />

Länge abgerollt werden kann und auf diese<br />

Weise eine tadellose, homogene Fläche liefert.<br />

Diese Rollen gibt es in einer großen Auswahl<br />

von Farben und Größen. Doch da sie aus Papier<br />

sind, knittert die abgerollte Fläche nach<br />

mehrmaliger Benutzung und wird deswegen<br />

einfach abgeschnitten. Dann wird die<br />

benötigte Länge für den Hintergrund erneut<br />

abgerollt, und das Spiel beginnt von vorn. So<br />

weit so gut. Der Nachteil daran ist natürlich der,<br />

dass eine solche Rolle nur eine begrenzte<br />

Länge hat und deswegen irgendwann ersetzt<br />

werden muss. Ein übliches Maß beispielsweise<br />

ist 1,35 x 11m zum Preis von etwa 40 €+<br />

Versandkosten; auf die Dauer also eine teure<br />

Angelegenheit. Mit der Rolle allein ist es jedoch<br />

nicht getan. Sie brauchen zusätzlich eine<br />

Halterung, die die recht schwere Papierrolle<br />

zuverlässig an Ort und Stelle fixiert. Eine solche<br />

Konstruktion kostet zwischen 70 und 250 €.<br />

Derartige Kosten veranlassten uns dazu, eine<br />

andere, ebenso funktionelle aber preiswertere<br />

Lösung zu suchen.<br />

Zum Preis von knapp unter 50 € inklusive<br />

Versand gibt es diese Studiohalterung von PMS,<br />

die aus zwei Ständern, einer<br />

zusammensteckbaren Traverse, die zwischen<br />

die beiden Ständer montiert wird, und drei<br />

verschiedenen Hintergründen in den Farben<br />

Weiß, Schwarz und Grün besteht. Alles<br />

zusammen kommt in einer praktischen<br />

Tragetasche, die die Konstruktion in<br />

zusammengelegtem Zustand einfach<br />

transportierbar macht. Die Ständer sind<br />

einigermaßen solide konstruiert – wenn Sie<br />

allerdings auf volle Höhe ausgezogen sind, ist<br />

das Ganze doch etwas wackelig. Sie lassen sich<br />

außerdem nicht auf die Höhe von etwa 2<br />

Metern ausziehen, wie wir eigentlich gehofft<br />

hatten. Die Hintergründe selbst haben eine<br />

Fläche von 1,6 x 3m, also genau die benötigte<br />

Länge und Breite für Ganzkörperporträts, es sei<br />

denn Ihr Model ist wesentlich größer als 1,80m.<br />

Die Hintergründe waren in der<br />

Originalverpackung in Plastikbeuteln sauber<br />

zusammengefaltet, doch Sie waren stark<br />

verknittert, was keinen idealen Zustand für<br />

einen sauberen Hintergrund darstellt. Unser<br />

erster Gedanke war natürlich, die Falten<br />

einfach auszubügeln, doch da es sich um eine<br />

Art Plastikmaterial handelt, ähnlich dem jener<br />

einmal verwendbaren Tischtücher,<br />

befürchteten wir, dass es beim Bügeln<br />

schmelzen würde. Also legten wir ein Tuch<br />

über den Hintergrund bevor wir ihn mit dem<br />

auf geringste Hitze eingestellten Bügeleisen<br />

attackierten. Doch nach wenigen Minuten war<br />

klar, dass die Falten nicht verschwinden<br />

würden. Also mussten wir die Hintergründe so<br />

verwenden, wie sie waren.<br />

Für den eigentlichen Test begannen wir mit<br />

dem weißen Hintergrund. Doch die unzähligen<br />

Falten in dem Material zwangen uns dazu, zwei<br />

Studioleuchten jeweils von rechts und links<br />

direkt auf den Hintergrund zu richten, damit er<br />

derart überbelichtet wurde, dass er als einziges<br />

großes Spitzlicht ausbrennen würde; auch eine<br />

Methode, ein homogenes Weiß zu erzeugen...<br />

Eine dritte Leuchte diente der Ausleuchtung<br />

des Models. Wir mussten bei diesem Setup<br />

darauf achten, dass die Helligkeit der hinteren<br />

Studioleuchten nicht zu groß eingestellt wurde,<br />

denn das hätte Halos an den Konturen des<br />

Models erzeugt. Als wir das Licht richtig<br />

eingestellt hatten, bekamen wir einige sehr<br />

schöne Schulter-Kopf- und ein paar Dreiviertel-<br />

Körperporträts. Ganzkörperporträts erwiesen<br />

sich jedoch als Problem, weil der Abschnitt des<br />

Hintergrunds, der auf dem Boden lag, nicht so<br />

stark ausgebleicht werden konnte, wie der Teil,<br />

der senkrecht herabhing. Die Details der Füße<br />

des Models wären vollständig verloren<br />

gegangen, ganz abgesehen von der Tatsache,<br />

dass wir zwei weitere Studioleuchten<br />

zusätzlich zu den dreien gebraucht hätten, die<br />

wir bereits benutzten.<br />

Als nächstes war der schwarze Hintergrund<br />

an der Reihe, der sich als der beste von den<br />

Dreien erwies. Er war zwar genauso mit Falten<br />

übersät wie die beiden anderen, doch da die<br />

Farbe Schwarz darauf fallendes Licht nahezu<br />

vollständig absorbiert, waren diese Falten auf<br />

den Fotos praktisch unsichtbar, besonders<br />

natürlich bei gedämpftem Licht. Wir benutzten<br />

dasselbe Setup aus drei Leuchten, dass wir<br />

schon bei dem weißen Hintergrund eingesetzt<br />

Oben: Zwei Ständer, eine zusammensteckbare Traverse,<br />

drei unterschiedliche Hintergründe und eine<br />

Tragetasche sind in dem Set enthalten.<br />

Rechts: Wir bevorzugten den schwarzen Hintergrund,<br />

weil an ihm die Falten am wenigsten sichtbar sind.<br />

Unsere Wahl für das kleine Budget<br />

PMS Photo Studio Ständer<br />

Preis: ca. 50 €<br />

Maximale Breite und Höhe: 2 x 2m<br />

Ständerkonstruktion:<br />

Aluminiumlegierung; 2 x 2m Ständer<br />

und 3 x 0,76m Traverse<br />

Hintergründe: Textilverbundstoff –<br />

Schwarz, Grün und Weiß<br />

Mitgeliefert: Tragetasche<br />

Besteht aus zwei Ständern, einer<br />

maximal 2,10m langen Traverse, sowie<br />

drei Hintergründen der Maße 1,6 x 3m.<br />

130 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Studiohintergrund<br />

Schwarz<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

131


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Studiohintergrund<br />

Andere preiswerte Optionen<br />

Photo Studio 3 x 2m Background-Kit<br />

Preis: ca. 70€<br />

Visit: www.ebay.co.uk<br />

Im Gegensatz zu dem von uns getesteten<br />

Set mit den<br />

Hintergründen aus<br />

Verbundtextilien<br />

bestehen die<br />

Hintergründe dieses<br />

Sets aus 100%<br />

Baumwolle,<br />

weswegen die<br />

zwangsläufig durch die Verpackung<br />

entstehenden Falten einfach ausgebügelt<br />

werden können; außerdem sind die<br />

Hintergründe waschbar. Sie werden an<br />

einer 3 x 2m messenden<br />

Teleskopständerkonstruktion befestigt;<br />

auch hier wird eine Tasche zum<br />

komfortablen Transport mitgeliefert.<br />

Hätten wir noch einmal die Wahl, würden<br />

wir dieses Set definitiv dem von uns<br />

getesteten vorziehen.<br />

Weißes Blatt<br />

hatten, mit dem Unterschied, dass die beiden<br />

äußeren Leuchten nunmehr nach innen<br />

gedreht wurden, damit wir das Haar unseres<br />

Models direkt beleuchten konnten. Da das Haar<br />

dunkelbraun ist, befürchteten wir, dass es sich<br />

in dem schwarzen Hintergrund verlieren<br />

würde; die zusätzlichen Leuchten sorgten aber<br />

für einen schönen Glanz auf dem Haar, der es<br />

vom Hintergrund abhob. Wir mussten<br />

allerdings sicherstellen, dass das Licht dieser<br />

beiden Leuchten nicht auf den Hintergrund<br />

fiel, denn das hätte die Falten hervorgebracht<br />

und den ansonsten perfekten schwarzen<br />

Hintergrund ruiniert. Nachträglich betrachtet,<br />

funktionierte dieses Setup überraschend gut<br />

und es gelangen uns einige sehr schöne<br />

Low-Key-Fotos.<br />

Blieb noch der grüne Hintergrund. Auf den<br />

ersten Blick sieht er aus, als würde man ihn nur<br />

für das alljährliche Familien-Weihnachtsfoto<br />

gebrauchen können. Doch er ist in dem Set<br />

Grünes Blatt<br />

enthalten, weil er als Green-Screen gedacht ist.<br />

Das bedeutet, Sie können ein Foto Ihres Motivs<br />

vor dem grünen Hintergrund machen und<br />

diesen später in Photoshop problemlos durch<br />

jeden anderen Hintergrund Ihrer Wahl<br />

ersetzen. In der Praxis jedoch gab es wieder das<br />

Problem der Falten, die es extrem schwierig<br />

machten, den Hintergrund auf einem Foto<br />

homogen aussehen zu lassen. Deswegen war<br />

die Prozedur in Photoshop keineswegs so<br />

einfach, wie Sie bei einem faltenlosen<br />

Hintergrund zweifellos gewesen wäre.<br />

Insgesamt gesehen besteht der große<br />

Nachteil dieses preiswerten Hintergrund-Sets<br />

darin, dass man die Falten in dem verwendeten<br />

Material schlicht nicht loswerden kann. Wäre<br />

das möglich, würden wir es empfehlen. So wie<br />

die Dinge liegen, können wir Ihnen jedoch nur<br />

ans Herz legen, mehr Geld zu investieren und<br />

dafür ein Produkt zu erhalten, das Ihren<br />

berechtigten Erwartungen entspricht.<br />

Lastolite ‚Knitted Curtain’<br />

Preis: ca. 100€<br />

Dieser Hintergrund<br />

besteht aus einem<br />

Stretch-Material, das<br />

über einen passenden<br />

Rahmen gespannt<br />

wird, wodurch<br />

etwaige Falten sofort<br />

verschwinden. Der Hintergrund ist bei 40°<br />

in der Waschmaschine waschbar. Er<br />

kommt in einer ganzen Reihe<br />

unterschiedlicher Farben, zu denen weiß,<br />

schwarz und grau gehören und es gibt ihn<br />

in zwei Größen: 3 x 3,5m oder 3 x 7m. Das<br />

Spannrahmensystem wird separat<br />

verkauft.<br />

Lastolite ‘Superwhite Vinyl’<br />

2,75 x 6m<br />

Preis: ca. 220€<br />

Dieser große<br />

Studiohintergrund<br />

besteht aus<br />

strapazierfähigem<br />

Vinyl. Der Vorteil<br />

besteht darin, dass<br />

Vinyl etwa 12-mal<br />

länger hält, als der traditionelle<br />

Hintergrund aus Papier von der Rolle. Die<br />

Oberfläche kann feucht abgewischt<br />

werden, um Schmutz und Fußabdrücke zu<br />

entfernen. Die Rolle ist 2,75m breit, 6m<br />

lang und es gibt sie in den Farben weiß,<br />

schwarz und grau. Ein Ständer ist nicht<br />

dabei, er muss separat gekauft werden.<br />

Oben und oben links: Durch Ausbleichen des<br />

weißen Hintergrunds sind die Falten nicht<br />

sichtbar.<br />

Oben rechts: Der grüne Hintergrund ist als<br />

Hollywood-Green-Screen gedacht.<br />

132 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Filter-Sets<br />

<strong>Fotografie</strong>ren gilt allgemein als teures Hobby. Inzwischen gibt es jedoch eine ständig wachsende<br />

Zahl von Herstellern, die darauf spezialisiert sind, preiswertes Fotozubehör anzubieten. Damit ist es<br />

heute möglich, wichtiges Zubehör zu einem Bruchteil des Preises zu kaufen, den man noch vor<br />

wenigen Jahren hätte bezahlen müssen. Dies gilt natürlich auch für Filter.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 133


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Lee Frost<br />

Budget: 30€<br />

Filter-Sets<br />

Die Verbreitung und der Gebrauch von Filtern<br />

erreichten ihren Höhepunkt in den 1980er<br />

Jahren, als die ausgezeichnete Cokin-<br />

Modellreihe auf den Markt kam. Aufgrund der<br />

Digitalfotografie ging die Zahl der Filtertypen auf<br />

dem Markt zwar merklich zurück, doch einige<br />

Filter sind immer noch unverzichtbar; zu diesen<br />

zählt der Polfilter. Er reduziert die Menge des in<br />

das Objektiv einfallenden polarisierten Lichts,<br />

sodass blauer Himmel blauer und graue Wolken<br />

grauer werden. Er eliminiert oder reduziert<br />

zumindest Spiegelungen an Oberflächen wie<br />

Wasser, Glas und nicht metallischen Oberflächen,<br />

sodass die Farbsättigung erhöht und der Kontrast<br />

verstärkt wird. Der Polfilter ist bei sonnigem<br />

Wetter in der Landschaftsfotografie unersetzlich.<br />

Da er den Lichteinfall um zwei Blendenstufen<br />

reduziert, lässt sich auch als Graufilter benutzen.<br />

Ein anderer Filter, der nicht aussterben wird, ist<br />

der gute alte UV-Filter. Er wurde eigentlich dazu<br />

entwickelt, den kalten Blaustich zu neutralisieren,<br />

der sich in direktem Sonnenlicht unter blauem<br />

Himmel oder in großen Höhen ergibt, wo der<br />

Anteil des ultravioletten Lichts höher ist. Er sorgt<br />

für klarere <strong>Bild</strong>er. Wenn Sie oft in den Bergen<br />

fotografieren, sollten Sie definitiv einen UV-Filter<br />

verwenden, auch wenn sein praktischer Nutzen<br />

heute ansonsten meist nur noch darin besteht,<br />

die Frontlinse des Objektivs vor Beschädigungen<br />

zu schützen. Ich habe es erlebt, dass ein<br />

Kamerastativ in starkem Wind umgeblasen<br />

wurde und die Kamera mit dem Objektiv frontal<br />

auf den steinigen Untergrund knallte, wobei es<br />

nur dem UV-Filter zu verdanken war, das die<br />

Frontlinse des Objektivs heil blieb. Außerdem ist<br />

es viel einfacher und sicherer, Wassertropfen und<br />

Nebel von einem klaren Filter zu wischen als von<br />

einem Objektiv. Im Übrigen kann ein<br />

beschädigter UV-Filter für ein Taschengeld<br />

ersetzt werden, die Frontlinse eines teuren<br />

Objektivs jedoch nicht. Grauverlaufsfilter sind<br />

Pflicht in der Landschaftsfotografie, denn mit<br />

ihnen dunkeln sie den Himmel ab, damit er nicht<br />

überbelichtet, während Sie den Vordergrund<br />

korrekt belichten. Wenn Sie den Himmel bis zu<br />

dem Punkt überbelichten, das ganze Bereiche<br />

ausbrennen, gibt es in der Nachbearbeitung<br />

nichts mehr zu retten, ganz einfach weil nichts<br />

mehr da ist, das gerettet werden könnte. Wenn<br />

Sie hingegen einen Grauverlaufsfilter verwenden,<br />

entstehen erst gar keine Spitzlichter, die<br />

ausbrennen könnten.<br />

Ohne UV-Filter<br />

Oben: An einem der seltenen Sonnentage war<br />

ich am Strand, um den Polfilter zu testen.<br />

Rechts: Die Polarisation war erstaunlich gut,<br />

sogar bei extremen Winkelaufnahmen.<br />

Unten: UV-Filter liefern in den meisten Fällen<br />

keine sichtbare Verbesserung der <strong>Bild</strong>qualität.<br />

Die drei genannten Filtertypen werden von<br />

etlichen Herstellern angeboten, wobei die<br />

bekanntesten für Ihre Produkte am meisten Geld<br />

verlangen. Polfilter sind am teuersten; Sie können<br />

ohne weiteres 150 € für einen einzigen Polfilter<br />

mit 77mm Filtergewinde ausgeben. Das muss<br />

jedoch nicht sein, wenn Sie sich das nicht leisten<br />

wollen oder können. Ich habe beispielsweise<br />

online ein Set von vier 77mm Schraubfiltern für<br />

weniger als 30 € entdeckt und aus purer Neugier<br />

eins bestellt. Die Marke heißt „Borwin“. Nie<br />

gehört? – Genau, ich auch nicht. Das Set besteht<br />

aus einem Polfilter, einem UV-Filter und einem<br />

Verlaufsfilter und es kommt in einem schönen<br />

gepolsterten Etui mit vier Taschen, fertig zum<br />

Einpacken in den Fotorucksack. Angesichts der<br />

Tatsache, dass allein ein Polfilter ohne weiteres<br />

das Dreifache des gesamten Sets kosten kann,<br />

war ich ziemlich neugierig, wie sich meine<br />

Neuerwerbung in der Praxis bewähren würde<br />

und da es ein sonniger Tag war, an dem die<br />

Lieferung ankam, machte ich mich sofort auf, um<br />

sie auszuprobieren – durchaus in der Erwartung,<br />

enttäuscht zu werden. An einem sonnigen Tag<br />

mit blauem Himmel sind Polfilter in ihrem<br />

Element, besonders dann, wenn weiße<br />

Federwolken am Himmel sind, weil die sich stark<br />

von dem Blau des Himmels abheben, das durch<br />

den Polfilter noch verstärkt wird.<br />

Mit UV-Filter<br />

Unsere Wahl für das kleine Budget<br />

Borwin Digital Filter-Set<br />

Price: £19<br />

Preis: unter 30 €<br />

Größe: 77mm Gewinde (alle gängigen<br />

Durchmesser verfügbar)<br />

Konstruktion: Optisches Harz (Filter)<br />

und Aluminium (Halterung)<br />

Gelieferte Filter: Polfilter,<br />

Grauverlaufsfilter, UV-Filter und<br />

Weichzeichnungsfilter<br />

Mitgeliefert: Etui für alle 4 Filter<br />

Größe: 205 x 100mm (Etui)<br />

Gewicht: 127g (Etui mit allen vier Filtern)<br />

Falls Sie Objektive mit unterschiedlichen<br />

Filtergewinden benutzen, benötigen Sie<br />

zusätzlich einen Satz Adapterringe, um<br />

die 77mm Filter an kleineren<br />

Filtergewinden zu montieren.<br />

Um den stärksten Effekt zu erzeugen, sollte die<br />

Sonne etwa in einem Winkel von 90° zur Kamera<br />

stehen, dann nämlich fotografieren Sie den<br />

Bereich des Himmels, der den meisten Anteil<br />

polarisierten Lichts enthält. Drehen Sie den Filter<br />

langsam in seiner Halterung, bis Sie mit dem<br />

Effekt zufrieden sind. Mit dem Borwin-Polfilter<br />

konnte ich den Effekt sehr schön erkennen, und<br />

er ließ sich leicht und geschmeidig in seiner<br />

Halterung drehen. Ich habe am Wasser<br />

fotografiert, und es gab eine Spiegelung der<br />

Szene an der Wasseroberfläche. Man<br />

134 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Preiswerte Filter-Sets<br />

Mit Polfilter<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

135


PREISWERTE<br />

AUSRÜSTUNG<br />

Ohne Polfilter<br />

Mit Weichzeichnungsfilter<br />

muss präzise arbeiten, wenn man einerseits das<br />

Blau des Himmels verstärken will, andererseits<br />

aber auch die Spiegelung ins <strong>Bild</strong> bekommen<br />

möchte, sonst verschwindet die Spiegelung bei<br />

dem Versuch, den Himmel zu polarisieren. Doch<br />

ich hatte keine Probleme, beide Effekte<br />

gleichzeitig zu erreichen.<br />

Ich war durchaus beeindruckt. Angesichts des<br />

Preises hatte ich minderwertige Qualität<br />

erwartet, doch anhand des Vergleichs der beiden<br />

<strong>Bild</strong>er ist erkennbar, dass der Polfilter seine<br />

Funktion einwandfrei erfüllt. Ich hatte den Filter<br />

auf einem Canon 17–40mm Zoomobjektiv bei<br />

17mm Brennweite an einer Vollformat-Kamera,<br />

und es gibt nicht das geringste Anzeichen von<br />

Vignettierung – eine gute Nachricht für die<br />

Freunde von Weitwinkeln. Selbst wenn ich gegen<br />

die Sonne fotografierte, hielten sich die<br />

Blendenflecke in erträglichem Rahmen. Die für<br />

Weitwinkelaufnahmen typische, ungleiche<br />

Polarisierung ist ebenfalls gering – oft ist nämlich<br />

eine Seite des Himmels dunkler als die andere,<br />

wenn man ein Weitwinkelobjektiv in Verbindung<br />

mit einem Polfilter benutzt. So weit, so gut...<br />

Als Nächstes wandte ich mich dem<br />

Grauverlaufsfilter zu. Ich bin an Grauverlaufsfilter<br />

gewöhnt, die in eine Halterung gesteckt werden.<br />

Ein Verlaufsfilter, der auf das Objektiv geschraubt<br />

wird, kann zwangsläufig nicht so vielseitig sein,<br />

weil man den Verlaufsbereich im Verhältnis zum<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitt nicht verändern kann. Anders<br />

gesagt, ein Grauverlaufsfilter zum Aufschrauben<br />

gibt Ihnen vor, wohin Sie den Horizont legen<br />

müssen, und das schränkt ihre Möglichkeiten bei<br />

der <strong>Bild</strong>komposition stark ein. Der Borwin-<br />

Grauverlaufsfilter ist so ausgelegt, dass der<br />

Verlauf etwa 40 % des oberen <strong>Bild</strong>bereichs<br />

einnimmt, also etwas weniger als die Hälfte, was<br />

durchaus in Ordnung geht. Er ist jedoch nicht<br />

besonders intensiv und er hat einen weichen<br />

Verlauf; ich schätze, er dunkelt weniger als 1,5<br />

Blendenstufen ab. Das bedeutet, dass er nicht<br />

sehr effektiv sein kann, er wird nur dann seinen<br />

Dienst tun, wenn der Unterschied zwischen<br />

Himmel und der darunter liegenden Landschaft<br />

nicht größer als eine oder zwei Blendenstufen ist.<br />

Ich habe den Filter benutzt, als ich in der<br />

Abenddämmerung an der Küste fotografierte,<br />

und er funktionierte gut, weil der Himmel sich im<br />

Wasser spiegelte und der Vordergrund deswegen<br />

nicht viel dunkler als der Himmel war. Bei hellem<br />

Himmel und unbeleuchtetem Vordergrund ist<br />

dieser Grauverlaufsfilter jedoch definitiv nicht<br />

stark genug. Trotzdem kann er das auftreten von<br />

Spitzlichtern verhindern. So können Sie den<br />

Himmel wenigstens in der Nachbearbeitung<br />

abdunkeln. Der Filter ist auch dann geeignet,<br />

wenn Sie beispielsweise eine sich im Wasser<br />

spiegelnde Szene im Vordergrund Ihrer<br />

<strong>Bild</strong>komposition haben.<br />

Dann können Sie die Szene und den Himmel<br />

mit diesem Filter abdunkeln und so die<br />

Ausgewogenheit von Original und Spiegelung<br />

herstellen. Für solche Effekte braucht es nur einen<br />

schwachen Verlaufsfilter.<br />

UV-Filter benutze ich nicht, weil ich fast immer<br />

entweder einen Polfilter, einen Grauverlaufsfilter,<br />

oder einen Graufilter vor dem Objektiv habe, die<br />

einen mechanischen Schutz vor Beschädigung<br />

der Frontlinse bieten. Viele Fotografen arbeiten<br />

allerdings viel weniger mit Filtern als ich, und so<br />

hat der UV-Filter durchaus seine Berechtigung.<br />

Was die <strong>Bild</strong>qualität angeht werden Sie keinen<br />

Unterschied feststellen, ob sie mit oder ohne<br />

Oben: Der Effekt des Weichzeichnungsfilters ist nicht<br />

jedermanns Sache, doch wenn man ihn verwendet, braucht<br />

man sich in der Nachbearbeitung nicht mehr um den Effekt<br />

zu kümmern.<br />

Rechts: Dem Borwin Grauverlaufsfilter fehlt für die meisten<br />

Aufnahmesituationen genügend Stärke, er kann jedoch das<br />

Ausbrennen von Spitzlichtern verhindern, so dass deren<br />

Details in der Nachbearbeitung gerettet werden können.<br />

Filtertipps<br />

Filter sind optische Instrumente, die pfleglich<br />

behandelt werden wollen. Halten Sie sie immer<br />

sauber, denn sonst leidet die <strong>Bild</strong>qualität; dies gilt<br />

insbesondere für preiswerte Filter.<br />

Ist ein Filter verkratzt oder anderweitig<br />

abgenutzt, ersetzen Sie ihn durch einen neuen, um<br />

weiterhin optimale <strong>Bild</strong>qualität zu gewährleisten.<br />

Bewahren Sie Ihre Filter grundsätzlich in<br />

einem schützenden Etui auf, um das Risiko von<br />

Beschädigungen zu reduzieren.<br />

Um in einer engen Fototasche Platz zu sparen,<br />

können Sie alle Filter zusammenschrauben und<br />

den gesamten Filterblock in ein schützendes Tuch<br />

einwickeln.<br />

UV-Filter eignen sich gut, um die Frontlinse<br />

eines Objektivs vor mechanischer Beschädigung<br />

zu schützen.<br />

Falls Sie mehr als zwei Filter gleichzeitig an<br />

einem Weitwinkelobjektiv benutzen, müssen<br />

Sie sich des Risikos der Vignettierung bewusst<br />

sein, weil die Filterhalterungen in den Ecken des<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitts den Lichteinfall reduzieren. Wenn<br />

Sie einen UV-Filter vor dem Objektiv haben,<br />

entfernen Sie ihn, bevor Sie einen anderen Filter<br />

benutzen.<br />

Je mehr Filter Sie gleichzeitig benutzen, umso<br />

mehr leidet die <strong>Bild</strong>qualität. Benutzen Sie nur<br />

dann zwei oder mehr Filter, wenn es unbedingt<br />

notwendig ist.<br />

136 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


Preiswerte Filter-Sets<br />

Mit Grauverlaufsfilter<br />

Andere preiswerte Optionen<br />

Es gibt heute viele preiswerte Filter– eine<br />

Suche bei Amazon oder eBay wird Ihnen<br />

Dutzende Alternativen liefern. Sie sind in<br />

allen gängigen Gewindegrößen erhältlich,<br />

einzeln oder in Sets, so dass Sie sich Ihre<br />

eigene Kollektion zusammenstellen<br />

können, die genau Ihren Anforderungen<br />

entspricht.<br />

Polaroid Optics 4-teiliges Filterset<br />

Preis: ca. 20 €<br />

Dieses Set enthält einen<br />

UV-Filter, einen Polfilter,<br />

einen Warm-Up-Filter<br />

und einen FL-Filter, den<br />

man bei<br />

Innenaufnahmen von<br />

Räumen verwenden<br />

kann, die mit<br />

Leuchtstoffröhren<br />

beleuchtet werden. Lieferbar für<br />

Filtergewinde von 37–77 mm<br />

Durchmesser. Pol- und UV-Filter sind<br />

sinnvoll, doch der FL-Filter ist überflüssig,<br />

denn die Anpassung der Kamera an die<br />

Farbtemperatur des Lichts erfolgt heute<br />

über den Weißabgleich. Auch der Effekt<br />

des Warm-Up-Filters, der die<br />

Farbtemperatur wärmerer Töne<br />

verändert, kann gezielter in der<br />

Nachbearbeitung erreicht werden.<br />

BPS 77mm FLD+UV+Polfilterset<br />

Preis: ca. 10€<br />

Das sieht nach einem<br />

Schnäppchen aus,<br />

angesichts des<br />

enthaltenen Polfilters.<br />

Wir haben die Filter<br />

jedoch nicht getestet,<br />

also können wir über<br />

deren Qualität keine<br />

Aussage machen. Wie bei<br />

dem oben beschriebenen<br />

Polaroid-Set ist auch hier der FLD-Filter<br />

überflüssig. Auch diese Filter sind in<br />

verschiedenen Gewindegrößen<br />

erhältlich.<br />

UV-Filter fotografieren – mit einer Ausnahme:<br />

Wenn Sie direkt ins Gegenlicht der Sonne<br />

fotografieren, reduziert der UV-Filter die Zahl und<br />

die Intensität von Blendenflecken.<br />

Nun zum Weichzeichnungsfilter. In den Tagen<br />

des Zelluloidfilms habe ich diese Art Filter oft<br />

benutzt, um bestimmten Aufnahmen einen<br />

stimmungsvollen Glanz zu verleihen, doch heute<br />

braucht man solche Effekte nicht mehr mit der<br />

Kamera zu erzeugen, denn dafür gibt es<br />

Photoshop oder Voreinstellungen in<br />

Programmen wie Colour Efex Pro. Deswegen ist<br />

ein Weichzeichnungsfilter heutzutage eigentlich<br />

überflüssig, und ich bin mir nicht sicher, warum<br />

er überhaupt in diesem Set enthalten ist. An<br />

seiner Stelle wäre ein schlichter Graufilter viel<br />

nützlicher gewesen. Doch sei’s drum, wenn man<br />

schon dafür bezahlt hat, kann man ihn auch<br />

benutzen, dachte ich mir; und tatsächlich, der<br />

Effekt gefiel mir. Die <strong>Bild</strong>er bekommen einen<br />

ganz besonderen, diffusen Glanz, den Sie steuern<br />

können, indem sie die Blendenöffnung<br />

verstellen. Je größer die Blende, desto stärker der<br />

Effekt, je kleiner die Blende desto schwächer der<br />

Effekt. Bei Blende f/4 ist die Weichzeichnung<br />

demnach stärker erkennbar als bei Blende f/11.<br />

Der Filter eignet sich gut für <strong>Porträts</strong>, Akt-Studien,<br />

Stillleben, Glamourfotos, <strong>Landschaften</strong> – kurz, für<br />

jedes Motiv, dessen Atmosphäre durch eine<br />

Weichzeichnung verbessert werden würde.<br />

Optisch bewegen sich diese Filter nicht auf dem<br />

Qualitätsniveau von Hoya, Tiffen, oder B+W, doch<br />

sie sind keineswegs schlecht. Ich war überrascht,<br />

wie scharf die Fotos waren und auch die<br />

Farbbalance ist schön ausgeglichen. Der Polfilter<br />

tendiert ein wenig zur Kälte, aber das tun viele<br />

Polfilter, auch solche, die wesentlich mehr kosten<br />

als dieses komplette Kit. Selbst wenn alle anderen<br />

Filter schlicht unbrauchbar gewesen wären, allein<br />

der Polfilter rechtfertigt bereits den Preis.<br />

Wenn Sie allerdings eine Vollformat DSLR<br />

verwenden und die entsprechenden<br />

hochkarätigen Objektive dazu, dann macht es<br />

allerdings wenig Sinn, diese Filter einzusetzen,<br />

denn Sie würden die <strong>Bild</strong>qualität nach unten<br />

ziehen. Wenn Sie aber erst kurze Zeit<br />

fotografieren, ein DSLR-Einstiegsmodell mit<br />

Kit-Objektiv benutzen und eine preiswerte<br />

XCSource 77mm ND2-,<br />

ND4- und ND8-Filter<br />

Preis: unter 10€<br />

Hier handelt es sich um<br />

ein reines Graufilter-Set.<br />

Die Filter dunkeln<br />

jeweils um eine, zwei<br />

oder drei Blendenstufen<br />

ab. Wenn Sie sie<br />

zusammen verwenden,<br />

können Sie den Lichteinfall um<br />

sechs Blendenstufen reduzieren. Solche<br />

Filter sind gut geeignet, um bewegtes<br />

Wasser zu fotografieren. Im Preis<br />

enthalten sind ein Etui und ein<br />

Reinigungstuch, mehrere<br />

Filtergewindegrößen sind lieferbar.<br />

Lösung suchen, um sich mit den wesentlichen<br />

Filtern vertraut zu machen, dann ist dieses<br />

Borwin-Kit genau das Richtige für Sie. Für unter<br />

30 € bekommen Sie einen exzellenten<br />

Gegenwert für Ihr Geld, und Sie werden von den<br />

<strong>Bild</strong>ern, die Sie damit machen, nicht enttäuscht<br />

sein.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE<br />

137


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Familienalbum<br />

Familienfotos<br />

Hier finden Sie Inspiration und Ideen für<br />

attraktive Familienfotos, nicht das Übliche<br />

„Stellt euch schon Mal im Halbkreis auf“…<br />

Stattdessen zeigt Ihnen Profi Brett Harkness<br />

am Beispiel einer Familie, die einen<br />

Nachmittag am Strand verbringt, wie er<br />

Familienfotos schießt.<br />

FOTOS: BRETT<br />

HARKNESS / TEXT:<br />

DANIEL LEZANO


Familienalbum<br />

Die meisten Erklärungen, wie man <strong>Porträts</strong><br />

fotografiert, befassen sich damit, wie<br />

man eine einzelne Person aufnimmt, nur<br />

selten aber wird erklärt, wie man eine<br />

ganze Gruppe am besten porträtiert. Der<br />

Schlüssel zu guten Familienfotos liegt in der Interaktion<br />

der Beteiligten untereinander. Deswegen sollten Sie sich<br />

zuerst und hauptsächlich darüber Gedanken machen.<br />

Es ist nicht sinnvoll, eine hübsche Familienszene<br />

simulieren zu wollen, wenn es keinerlei<br />

Kommunikation in der Gruppe gibt. Doch zuallererst<br />

müssen Sie dafür sorgen, dass alle Beteiligten gelassen<br />

und entspannt sind. Ich beginne damit, dass ich sie dazu<br />

bringe, auf einen bestimmten hinter mir liegenden<br />

Punkt zu schauen, anstatt direkt in die Kamera. Das wirkt<br />

viel natürlicher, als wenn alle mit mehr oder weniger<br />

künstlich aufgesetztem, freundlichem Gesicht in die<br />

Kamera gucken.<br />

Familienfotos können Sie überall machen – im Haus, im<br />

Garten, im Park oder in der Stadt – es gibt keine Kulisse,<br />

die nicht passen würde.<br />

Die meisten Familien sind nicht sehr oft am Strand,<br />

deswegen werden die Kinder garantiert bester<br />

Laune sein und gerne für die Kamera<br />

posieren.<br />

In diesem Fall verhielt es sich jedoch so,<br />

dass Familie Ashwell in Nord-Wales an<br />

der Küste lebt; trotzdem wurde der<br />

Vorschlag, die Foto-Session am<br />

Strand stattfinden zu lassen, mit<br />

Begeisterung aufgenommen. Am<br />

Strand zu fotografieren, ist jedoch<br />

nicht ganz einfach, denn es ist sehr<br />

hell, es gibt keinen Schatten und Alle<br />

sind dem Wind ausgesetzt. Doch das helle<br />

Tageslicht lässt sich steuern; der geschickte<br />

Einsatz von zusätzlichem Blitz sorgt dafür, dass sehr<br />

schöne Familienbilder in der freien Natur entstehen.<br />

Dazu müssen Sie die Elemente einer Szene<br />

herauspicken, die Sie zu Ihrem Vorteil nutzen können.<br />

Haben sie ein Auge auf mögliche Führungslinien, wie<br />

Buhnen, Dünen oder hölzerne Zäune.<br />

Regie und Dynamik<br />

Wie Sie die Posen für Ihre Aufnahmen dirigieren, hängt<br />

vom Alter der Kinder ab. Manchmal können Sie einfache<br />

Regieanweisungen geben, die auch ohne weiteres befolgt<br />

werden, manchmal jedoch müssen die Eltern behutsam<br />

auf ein Kind einwirken, um die gewünschte<br />

Gruppenaufstellung zu bekommen.<br />

Es funktioniert meistens sehr gut, wenn alle eine<br />

bestimmte Person anschauen – und das ist nicht der<br />

Fotograf – also sage ich Ihnen, sie sollen Daddy ansehen;<br />

das tun sie in der Regel auch sofort und alle beginnen zu<br />

lachen. Lachen entspannt…<br />

Ich bin kein Freund von straffer Regie, ich denke die<br />

Stimmung ist am besten, je entspannter die Familie ist; den<br />

Benutzte Ausrüstung<br />

Canon EOS-1Ds Mk III<br />

Canon EF 50mm f/1.2L<br />

Canon EF 70–200mm f/2.8L<br />

Calumet Genesis Flash mit Softbox<br />

Elinchrom Ranger RX mit Softbox<br />

Lastolite TriGrip Sunfire/Soft silver<br />

Pocket Wizard Plus III Fernauslöser<br />

Lexar 16GB 300x CF<br />

Speicherkarten<br />

3<br />

Unterschied kann ich an meinen <strong>Bild</strong>ern sehen. Halten Sie<br />

alles so einfach wie möglich, realistisch und auf keinen Fall<br />

zu sehr gestellt. Ich lasse die Leute möglichst das tun, was<br />

ihnen selbst in den Sinn kommt, und wenn ich etwas sehe,<br />

dass sehr gut zur Situation passt, dann nutze ich das sofort<br />

aus. Wenn Sie Menschen etwas tun lassen, dass sie nicht<br />

gewohnt sind, kommt kein natürlich wirkendes Foto dabei<br />

heraus. Am wichtigsten ist – man kann es nicht oft genug<br />

betonen – eine entspannte Atmosphäre und wenn ich<br />

dennoch eine Anweisung geben muss, gebe ich sie erst<br />

unmittelbar vor der Aufnahme. Im Übrigen müssen Sie<br />

schnell arbeiten, es dürfen keine Pausen der Untätigkeit<br />

entstehen, und Sie müssen eine genaue Vorstellung von<br />

der Art der Fotos haben, die Sie produzieren wollen. Wenn<br />

Sie einmal den Faden verlieren, bitten Sie die Familie<br />

2<br />

1 und 2) Erleichtern Sie sich die<br />

<strong>Bild</strong>komposition, indem Sie die<br />

Familienmitglieder so<br />

positionieren, dass die Köpfe ein<br />

Dreieck bilden, wobei die Eltern<br />

hinten stehen.<br />

3) Brett ging nah heran mit<br />

seinem 50mm-Standardobjektiv,<br />

das er fast während der gesamten<br />

Session benutzte.<br />

4) <strong>Mach</strong>en Sie auch ein paar<br />

Aufnahmen der Kinder ohne die<br />

Eltern. Die Kinder, eingewickelt in<br />

eine Decke, gaben ein großartiges<br />

Motiv ab. Die Szene wurde mit<br />

einem transportablen<br />

Studioblitzkopf in einer Softbox<br />

beleuchtet, die in einem Winkel<br />

von 45° nach unten gerichtet war.<br />

einfach, sich an den Händen zu fassen und in eine<br />

bestimmte Richtung zu laufen – wobei Sie sie fotografieren.<br />

Das gibt Ihnen Zeit, über etwas Neues nachzudenken,<br />

ohne dass den Betroffenen auffallen würde, dass Sie einen<br />

„Hänger“ hatten.<br />

Dreiecke sind die Schlüssel zur <strong>Bild</strong>komposition<br />

Ich sorge dafür, dass die zu fotografierende Familie immer<br />

eng beisammen ist. Ich versuche gern ein „Nicht lächeln“<br />

Foto, auf dem ihre Köpfe sehr nah beieinander sind, das<br />

sieht hübsch aus und unterscheidet sich von dem Einerlei<br />

der Fotos mit Dauerlächeln.<br />

Denken Sie an die Dreieckform – lassen Sie die<br />

Personen sich versetzt aufstellen, sich auf eine Bank, einen<br />

1<br />

142 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


„Je weniger Sie mit<br />

Regieanweisungen eingreifen,<br />

desto größer ist der Spaß an der<br />

Sache; und je mehr Interaktion<br />

innerhalb der Familie, umso<br />

besser das Ergebnis.”<br />

4


Familienalbum<br />

1<br />

1) Die Köpfe eng zusammen und ohne strahlendes Lächeln,<br />

eignen sich Fotos wie dieses zum Konvertieren in Schwarzweiß.<br />

Dadurch bekommt es eine andere Dimension. Ein <strong>Bild</strong>, auf dem<br />

die Kinder ernst und nahezu erwachsen aussehen, kommt bei den<br />

Eltern immer gut an.<br />

2) Ich achte darauf, dass entweder alle Lächeln, oder niemand,<br />

sonst gibt es gegensätzliche Gesichtsausdrücke, und das erzeugt<br />

unerwünschte Spannung. Ansonsten sollten Eltern und Kinder<br />

möglichst tun, was Ihnen in den Sinn kommt, denn dann sehen<br />

die Fotos garantiert natürlich aus.<br />

2<br />

Baumstumpf oder auf Treppenstufen setzen. Versuchen<br />

Sie, die Einzelpersonen in unterschiedlichen Ebenen<br />

anzuordnen, anstatt sie frontal von vorn zu fotografieren.<br />

Denken Sie in Dreiecken – stellen Sie das größere Elternteil<br />

nach hinten, das andere in die Mitte und die Kinder seitlich<br />

von Ihnen auf. Diese Anordnung im Dreieck wirkt am<br />

besten, wenn die Gruppe steht oder sitzt. Wenn Sie läuft,<br />

funktioniert es nicht, dann sollten sie einfach in einer Linie<br />

nebeneinander gehen.<br />

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die <strong>Bild</strong>komposition<br />

für eine Gruppe vorzunehmen und es kommt nicht so sehr<br />

darauf an, welche <strong>Bild</strong>komposition Sie verwenden, solange<br />

Sie die Familie eng zusammenhalten und die Köpfe so<br />

anordnen, dass sie die Punkte eines Dreiecks bilden.<br />

Was die technische Seite angeht, stellen Sie bei<br />

Familienfotos auf die am weitesten vorn stehende Person<br />

scharf und wählen eine angemessene Blende. Wenn ich<br />

eine längere Brennweite verwende, achte ich darauf, dass<br />

ich wenigstens mit Blende f/6.3 oder kleiner arbeite, damit<br />

ich ausreichend Schärfentiefe für die Gruppe bekomme.<br />

Bei dem Foto, auf dem die Familie auf den Treppenstufen<br />

sitzt, bin ich von drei Ebenen ausgegangen und habe<br />

Blende f/8 gewählt. Je nach Lichtverhältnissen müssen Sie<br />

jedoch den ISO-Wert heraufsetzen, um eine solche Blende<br />

zu erreichen und trotzdem noch aus der Hand<br />

fotografieren zu können. Auf diese Weise bekommen Sie<br />

die Schärfentiefe, die Sie brauchen. Trotzdem wird der<br />

Hintergrund weich abgebildet. Über die Position von<br />

Armen und Beinen mache ich mir kaum Gedanken, denn<br />

die meisten Menschen sitzen von Natur aus in einer<br />

entspannten Position. Das ist eher ein Thema, wenn Sie ein<br />

Paar fotografieren, nicht bei einer Familie.<br />

Die Kunst der Beleuchtung<br />

Am Strand gibt es in aller Regel keinen Unterschlupf,<br />

deswegen müssen Sie sich überlegen, wie Sie das Licht<br />

steuern. An sonnigen Tagen lasse ich die Leute in die Sonne<br />

schauen und benutze ein schnelles Objektiv, mit dem ich<br />

die Spitzlichter unter Kontrolle halte, indem ich eine weit<br />

offene Blende und sehr kurze Verschlusszeiten benutze. Bei<br />

dieser Aufnahmetechnik lasse ich die einzelnen Personen<br />

von mir wegschauen, weil das besser aussieht. Wenn sie das<br />

Gesicht aus der Sonne drehen, sind Ober- und Rückseite<br />

des Kopfes in direktem Licht, deswegen messe ich zur<br />

Ermittlung der Belichtung die mittleren Farbtöne im<br />

Gesicht. Es kann zwar zu ausgebrannten Spitzlichtern<br />

kommen, doch die Leichtigkeit der Strandatmosphäre mit<br />

trotzdem starken Kontrasten entschädigt dafür. Bei<br />

Tageslicht benutze ich meistens die Zeitautomatik oder die<br />

Programmautomatik. An diesem Nachmittag habe ich fast<br />

ausschließlich die Zeitautomatik benutzt, weil ich das<br />

50mm f/1.2 Standardobjektiv mit weit offener Blende<br />

verwendet habe.<br />

Ein Blitzgerät ist auf vielfältige Weise einsetzbar. Sie können<br />

es auf der Kamera verwenden, ich benutze es jedoch lieber<br />

von der Kamera entkoppelt und mit höchster Leistung,<br />

damit der Blitz heller ist als das Umgebungslicht, was zu<br />

starken Kontrasten und mehr Dramatik in den <strong>Bild</strong>ern führt.<br />

Ist es bewölkt, tut es ein normales Elektronenblitzgerät,<br />

doch in direktem Sonnenlicht brauchen Sie mehr Leistung,<br />

deswegen ist ein tragbares Studioblitzgerät die bessere<br />

Option. Wenn Sie Schatten erzeugen möchten, darf der Blitz<br />

zwangsläufig nicht auf der Kamera montiert sein, hier<br />

erweist sich ein drahtloser Fernauslöser als sehr<br />

komfortabel. Richten Sie das Blitzgerät im Winkel von 45°<br />

auf die Gruppe, das gibt den Gesichtern Konturen, im<br />

Gegensatz zum frontalen Blitz, der die Gesichter flach<br />

aussehen lässt.<br />

Ich schalte sowohl die Kamera als auch das Blitzgerät in die<br />

manuelle Betriebsart und mache ein paar Testfotos, anhand<br />

von deren Aussehen ich die Blitzleistung anpasse. Ziel ist es,<br />

die Umgebung der Gruppe stark unterzubelichten damit<br />

der Hintergrund dunkel ist, wobei der Blitz ausschließlich für<br />

die richtige Belichtung der Gruppe gedacht ist. Falls Sie<br />

diese Aufnahmetechnik selbst noch nicht ausprobiert<br />

haben sollten – am einfachsten geht es folgendermaßen:<br />

144 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


„Sie müssen schnell arbeiten, es dürfen keine<br />

Pausen der Untätigkeit entstehen und Sie<br />

müssen eine genaue Vorstellung von der Art<br />

der Fotos haben, die Sie produzieren wollen.”<br />

3<br />

Schalten Sie die Programmautomatik der Kamera ein,<br />

richten Sie sie in den Himmel und stellen Sie die<br />

Blitzsynchronisationszeit ein. Merken Sie sich die sich<br />

daraus ergebende Blendeneinstellung. Nun schalten Sie die<br />

Kamera in die manuelle Betriebsart und stellen wieder die<br />

Blitzsynchronisationszeit und den gemerkten Blendenwert<br />

ein. <strong>Mach</strong>en Sie ein paar Testaufnahmen und regeln Sie die<br />

Blitzleistung, bis Ihre Gruppe korrekt belichtet wird. Die<br />

Werte 1/200 Sekunde und Blende f/16 oder f/22 sind ein<br />

guter Ausgangspunkt, oft genug werden Sie nichts weiter<br />

nachregeln müssen.<br />

Ein Tag, der in Erinnerung bleibt<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren einer Familie geht es zwar auch um die<br />

Fotos – selbstverständlich – doch im Mittelpunkt steht, was<br />

3) Ich versuche immer eine Szene zu fotografieren, in<br />

der die ganze Familie ausschließlich durch den Blitz<br />

ausgeleuchtet wird.<br />

4 und 5) Aufnahmen mit der ganzen Familie beim<br />

Spaziergang sind immer populär. Seien Sie innovativ<br />

bei ihrer <strong>Bild</strong>komposition.<br />

wir dabei tun und welche Erfahrungen wir dabei machen.<br />

Tom Ashwell hat dies am Tag nach der Foto-Session sehr<br />

schön auf Facebook zusammengefasst, als er schrieb:<br />

„Gestern ist mir klar geworden, dass es nicht die<br />

Einstellungen sind, die man an der Kamera vornimmt, oder<br />

die Knöpfe, die man drückt, sondern es ist der Mensch<br />

hinter der Kamera, der die Familie auf den <strong>Bild</strong>ern lebendig<br />

werden lässt. Vielen Dank, ich bin wirklich beeindruckt.“<br />

4<br />

5<br />

Fragen und Antworten zu Familienfotos<br />

Wie lange soll ich fotografieren?<br />

Das hängt von den Kindern ab – sie werden ganz klar<br />

signalisieren, wenn sie genug haben. Ich fange immer<br />

mit <strong>Bild</strong>ern der Kinder an, um sie auf meine Seite zu<br />

ziehen – wir haben Spaß miteinander, machen viel<br />

Blödsinn und genießen den Tag. Die Familienfotos<br />

kommen später, wenn ich weiß, dass ich bereits ein paar<br />

großartige <strong>Bild</strong>er der Kinder im Kasten habe.<br />

Welche <strong>Bild</strong>er sind am besten zum Konvertieren in<br />

Schwarzweiß geeignet?<br />

Schwarzweiß macht sich weniger gut bei starken<br />

Kontrasten. Wenn ich bei „flachem Licht“ fotografiere,<br />

wenn also die Sonne hinter den Wolken steht und das<br />

Licht schön diffus ist, dann mache ich meine „Steckt die<br />

Köpfe zusammen“ Familienfotos, auf denen sie sich<br />

anschauen, lachen, lächeln oder auch ernstere Gesichter<br />

machen. Dieser Abschnitt der Session liefert immer gute<br />

Schwarzweiß-Familienbilder.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 145


PORTRÄT<br />

OUTDOOR<br />

OUTDOOR<br />

INDOOR<br />

PORTRÄT<br />

KREATIV<br />

Gratis Download<br />

INHALT<br />

50<br />

103 PORTRÄT AN EINEM REGENTAG<br />

Fotoprojekte<br />

28 MAGISCHER NEBEL<br />

3 Editorial<br />

6 Outdoor<br />

Lassen Sie sich inspirieren von den Motiven der<br />

freien Natur<br />

08 WASSERMOTIVE IM WALD Faszinierende<br />

Wasserspiele der Natur<br />

12 SONNENUNTERGANG IM MEER Klassisches<br />

Motiv, immer wieder schön<br />

16 STRANDSCHÖNHEITEN Motive gescha fen<br />

durch Ebbe und Flut<br />

20 VORBOTEN DES FRÜHLINGS Osterglocken<br />

24 LAVENDEL Duftende Motive<br />

26 BÄUME, KREATIV UNSCHARF Und sie<br />

bewegen sich doch …<br />

28 MAGISCHER NEBEL Aufnahmen im Nebel<br />

haben etwas Rätselhaftes<br />

30 ABSTRAKTE EISMUSTER Warm anziehen!<br />

33 FARBENFROHE KRABBELTIERE Insekten und<br />

Blumen<br />

36 FOTOS MIT GEFIEDERTEN FREUNDEN Wildlife<br />

an der Hintertür<br />

40 FOTOSPASS AUF DEM JAHRMARKT <strong>Bild</strong>er<br />

vo ler Bewegung und Licht<br />

44 FEUERWERK UND FOTOGRAFIE Gegensätze<br />

ziehen sich an<br />

46 Indoor<br />

Auch in den eigenen vier Wänden können<br />

faszinierende Fotos entstehen<br />

48 POLAR EXPRESS Farbeffekte durch zweifache<br />

Polarisierung<br />

53 FRUCHTIGES MAKRO Farbenfrohes Sti leben<br />

56 HUNDEPORTRÄTS AM FENSTER Haustiere als<br />

geduldige Models<br />

58 BLÜTENPRACHT Der Frühling ist da<br />

61 ABSTRAKTE FOTOS GANZ EINFACH Farbiges<br />

Papier als Motiv<br />

65 HERBSTZEITLOS Goldener Oktober im Frühling<br />

68 FARBEXPLOSIONEN Kunstvo le Objekte mit<br />

Lebensmi telfarben<br />

71 SOMMERLICHES STILLLEBEN Zitrusfrüchte im<br />

Gegenlicht<br />

74 REGENBOGENTROPFEN Einfache Ideen sind<br />

oft die besten<br />

76 Porträt<br />

Geschickt eingesetzte Kunstlichtque len sorgen<br />

für bri lante Fotos<br />

78 BABY-PORTRÄTS Tipps und Tricks zur<br />

Aufnahmetechnik<br />

82 PORTRÄTS IM REGEN Ein Regenschauer kann<br />

ein Glücksfa l sein<br />

87 BILDER ZUM FÜRCHTEN Frankenstein Junior<br />

91 BADEWANNENPORTRÄTS Badewanne als<br />

Softbox<br />

94 ACHTUNG, ES KIPPT I lusionen mit der Kamera<br />

97 KREATIVE PORTRÄTS MIT BLITZFOLIEN<br />

132 LEBENDIGE ERINNERUNGEN<br />

Farbiges Licht in besonderer Kulisse<br />

100 DER DROSTE-EFFEKT Eine grafische<br />

Rekursion<br />

103 PORTRÄT AN EINEM REGENTAG Grau in Grau<br />

doch stimmungsvo l<br />

107 MAGISCHE METAMORPHOSE<br />

Ungewöhnliches Selbstporträt<br />

111 GESTALTEN DURCH „FREELENSING“<br />

Verschobene Schärfeebene<br />

114 Kreativ<br />

Werden Sie innovativ durch kreative Ideen<br />

116 ACTION! Darste len schne ler Bewegung<br />

durch <strong>Bild</strong>sequenzen<br />

121 ABSTRAKTE ARCHITEKTUR Hochhäuser<br />

einmal anders<br />

124 STILLLEBEN MIT FALSCHEN SCHATTEN<br />

Surreale Motive<br />

126 MENSCHEN DER GROSSSTADT Inspirierende<br />

Langzeitbelichtung<br />

128 SCHATTENSPIELE Aufnahmetechnik für<br />

besondere Anlässe<br />

130 EINS PLUS EINS MACHT - EINS Ein ganz<br />

spezie les Porträt<br />

132 LEBENDIGE ERINNERUNGEN <strong>Bild</strong> im <strong>Bild</strong><br />

134 RETRO-REFRAKTIONEN Gebrochenes Licht<br />

exakt gesteuert<br />

136 ERFRISCHEND GUT Fotos im Stil von<br />

Werbeanzeigen<br />

138 Photoshop<br />

Verändern Sie Ihre Fotos mit diesen verblü fenden<br />

Photoshop-E fekten<br />

140 PANORAMA AUS EINZELBILDERN Die<br />

umfassende Perspektive<br />

144 RAW-DATEI NACH SCHWARZWEISS<br />

KONVERTIEREN Back to the Roots…<br />

146 SCHWARZWEISSFOTOS KOLORIEREN Ein<br />

Farbton macht die Stimmung<br />

148 KREATIVES STREULICHT Manchmal sind<br />

Blendenflecke erwünscht<br />

150 SEPIA - ALTER EFFEKT MIT NEUER TECHNIK<br />

Nostalgischer Touch<br />

152 FARBEN VERTAUSCHEN Simpel aber e fektvo l<br />

154 ES WAR EINMAL EIN FOTOAPPARAT<br />

Nostalgische <strong>Bild</strong>e fekte<br />

156 FOTOMOSAIK <strong>Bild</strong>chen sta t Steinchen…<br />

158 KUNSTVOLLE RAUCHZEICHEN Rauch schadet<br />

nicht immer<br />

160 TRIPTYCHON Aus eins mach drei<br />

61 ABSTRAKTE FOTOS GANZ EINFACH<br />

44 FEUERWERK UND FOTOGRAFIE<br />

46 Indoor-Projekte 50 Fotoprojekte<br />

26 BÄUME, KREATIV UNSCHARF 40 FOTOSPASS AUF DEM JAHRMARKT 12 SONNENUNTERGANG IM MEER<br />

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76 Indoor-Projekte 50 Fotoprojekte<br />

50 Fotoprojekte Stillleben 77<br />

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Photo<br />

Fotowettbewerb Challenge<br />

Mr and<br />

Mrs Ainge…<br />

18 MONATE VERHEIRATET, TRAGEN GRAHAM UND ALEX EINEN GANZ<br />

PRIVATEN FOTOWETTBEWERB AUS. DIE IDEE DAZU HATTEN WIR,<br />

WEIL BEIDE UNTER ANDEREM GERNE WILDLIFE-FOTOS MACHEN.<br />

SCHIEDSRICHTER IST ROSS HODDINOTT.<br />

Graham Ainge<br />

Alter: 61<br />

Ausrüstung: Nikon D600, NIKKOR<br />

24–70mm, 70–200mm, 50mm,<br />

105mm Micro, TC14E & SB-700.<br />

<strong>Fotografie</strong>rt alles und jeden, meist<br />

aber Reisen und Wildlife<br />

Alex Ainge<br />

Alter: 55<br />

Ausrüstung: Nikon D7100,<br />

NIKKOR 24–70mm & 70–<br />

200mm.<br />

<strong>Fotografie</strong>rt vorzugsweise<br />

Wildlife und Outdoor, greift aber<br />

auch jedes andere<br />

Thema auf


Fotowettbewerb<br />

4<br />

1 2 3<br />

Für dieses kleine Projekt baten wir Graham<br />

und Alex Ainge, sich durch die<br />

Bearbeitung von drei Fotothemen aus<br />

dem Bereich „Wildlife“ miteinander zu<br />

messen. Wer die meisten Einzelaufgaben am<br />

besten löst, hat gewonnen – ganz einfach also.<br />

Damit alles mit rechten Dingen zugeht, agieren<br />

beide unter den Augen unseres wachsamen<br />

Schiedsrichters, Ross Hoddinott.<br />

Graham ist enthusiastischer Amateurfotograf,<br />

der vor einem Jahr in Rente gegangen ist und<br />

nun viel mehr Zeit für die <strong>Fotografie</strong> hat. Obwohl<br />

weniger erfahren, ist auch Alex eine<br />

ambitionierte Fotografin. Unser Wettbewerb<br />

findet statt im West Country Wildlife Center in<br />

Devon, einem weitläufigen Naturreservat, aus<br />

dem die Tiere zwar nicht heraus können, in dem<br />

man sie aber in ihrer natürlichen Umgebung<br />

fotografieren kann. Leider spielte das Wetter<br />

nicht mit, doch das Wildlife Center ist zu großen<br />

Teilen überdacht, um kleinere Tiere vor den<br />

Elementen zu schützen. Die schlechten<br />

Lichtverhältnisse werden den beiden<br />

Kontrahenten es jedoch nicht leicht machen,<br />

kreative Fotos abzuliefern.<br />

Beide benutzen eine Nikon D7100 und zwei<br />

hochwertige Objektive: ein NIKKOR 18–300mm<br />

Superzoom und das 105mm f/2.8 Micro Objektiv.<br />

AUFGABE 1: Eule<br />

Die Schärfe muss auf den Augen der Eule liegen<br />

Der Hintergrund soll einfach und diffus sein<br />

Es muss freien Raum geben, der Kontext und Maßstab<br />

liefert<br />

Als Erstes soll eine kleine Eule fotografiert werden, ein sehr<br />

fotogenes Tier. Ein Tierpfleger setzt die Eule in ein großes<br />

Astloch eines verwitterten, toten Baumstamms, eine<br />

hervorragende Requisite, die völlig natürlich aussieht. Nach<br />

wenigen Sekunden hört man nur noch die Geräusche von<br />

Grahams und Alexs Kameras. Aufgrund der schlechten<br />

Lichtverhältnisse schlage ich vor, die ISO-Empfindlichkeit auf<br />

400 oder 800 heraufzusetzen, damit die Kamera eine<br />

adäquate Verschlusszeit erzeugt. Auch wenn sich die Eule<br />

kaum bewegt, wollen wir das Risiko des Verwackelns<br />

vermeiden.<br />

Alex ist zunächst nervös. Ich will nur minimal Einfluss<br />

nehmen während unseres kleinen Wettkampfs, doch als ich<br />

ihre ersten <strong>Bild</strong>er sehe, befürchte ich, ihr Kamerawinkel war<br />

zu steil, denn sie hat den weißen Himmel im Hintergrund,<br />

was steril und unnatürlich aussieht. Ich schlage eine<br />

Perspektive vor, in der sie den Hintergrund mit unscharfem<br />

Gras oder Blattwerk füllen kann, wodurch Ihre <strong>Bild</strong>er sofort<br />

viel besser wirken. Beide benutzen das lange Ende des<br />

NIKKOR 18–300mm f/3.5–6.3 G VR, und beide machten<br />

schöne, formatfüllende Fotos. Die Frontalansicht der Eule ist<br />

sehr gut, doch auch ein seitlicher Blickwinkel ergibt ein gutes<br />

Foto, weil es das Profil des Vogels zeigt. Um eine andere<br />

1, 2 und 3) Bei der Arbeit: Alex and Graham nahmen sich Zeit, um<br />

unterschiedliche Blickwinkel und <strong>Bild</strong>kompositionen<br />

auszuprobieren – Zeit zu haben und einigermaßen kontrollierbare<br />

Aufnahmesituationen gehören zu den Vorteilen, wenn man in<br />

einem organisierten Naturreservat fotografiert.<br />

4) Alexs bestes Foto: Eine starke <strong>Bild</strong>komposition – der Freiraum<br />

vor dem Gesicht der Eule lässt ihre Blickrichtung erkennen. Der<br />

Blickkontakt ist jedoch nicht so stark wie auf Grahams Foto.<br />

(Rechts) Grahams bestes Foto: Sehr schöner Einsatz des Freiraums<br />

– die Positionierung der Eule oben rechts liefert eine starke,<br />

interessante <strong>Bild</strong>komposition. Wir haben einen Gewinner.<br />

Perspektive zu bekommen, ermutige ich beide, die Brennweite<br />

auf etwa 200mm zurückzunehmen, um freien Raum ins <strong>Bild</strong> zu<br />

bekommen. Eine dicht gedrängte <strong>Bild</strong>komposition erzeugt zwar<br />

einen starken Eindruck, doch der freie Raum ermöglicht es, dem<br />

Blick des Tieres zu folgen und sorgt für einen Maßstab. Es ist<br />

immer gut, wenn man den Blickkontakt herstellen kann,<br />

besonders hier, weil diese Eule so leuchtende Augen und einen<br />

durchdringenden Blick hat.<br />

Damit ist die erste Aufgabe erledigt, und die beiden<br />

Kontrahenten liefern sich ein freundliches Geplänkel darüber,<br />

was der andere alles falsch gemacht habe, schließlich sind sie im<br />

Wettbewerb miteinander. Nachdem ich mir die <strong>Bild</strong>er<br />

angeschaut habe, komme ich zu einem knappen<br />

Ergebnis, aber Graham geht in<br />

Führung.<br />

PUNKTESTAND: Graham - Alex 1- 0<br />

148 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 149


Fotowettbewerb<br />

1<br />

AUFGABE 2: Zwergmaus<br />

Es soll eine einzige Maus fotografiert werden – zwei<br />

oder mehr Tiere scharf abzubilden, ist bei den<br />

schlechten Lichtverhältnissen sehr schwer<br />

Es soll eine schnelle Dauerbildserie geschossen<br />

werden<br />

Es sollen das Hoch- und das Querformat verwendet<br />

werden<br />

Nachdem die Eule in ihre Voliere zurückgebracht<br />

worden war, wandten wir uns der Feldmaus zu – die<br />

beiden hätte man aus nahe liegenden Gründen nicht<br />

allein lassen dürfen… Eine Handvoll Mäuse wurde in ein<br />

großes, nach oben offenes Terrarium gesetzt. Das<br />

Terrarium enthielt in seiner natürlichen Umgebung auch<br />

etliche Getreidehalme, auf denen die Mäuse<br />

herumklettern konnten. Nach der praktisch<br />

bewegungslosen Eule stellten die flinken,<br />

quicklebendigen Nager eine wirkliche Herausforderung<br />

dar: Beide, Graham und Alex hatten zunächst Probleme,<br />

überhaupt scharfe Fotos zu bekommen. Ich schlug vor,<br />

das Objektiv zu wechseln und nun das NIKKOR 105mm<br />

f/2.8G Micro Objektiv zu benutzen. Damit bekommt man<br />

die Mäuse viel besser – weil größer – ins <strong>Bild</strong>, und die<br />

Schnelligkeit des Objektivs ist eine zusätzliche Hilfe. Ich<br />

warnte Graham und Alex jedoch, dass die Schärfentiefe<br />

2<br />

1 und 2) Versuch und Irrtum: Es bedurfte etwas Übung und<br />

Ausdauer, doch nach einer Weile machten beide ein paar<br />

großartige, gestochen scharfe Nahaufnahmen.<br />

3) Grahams bestes Foto: die Schärfentiefe ist hier sehr gering<br />

und Graham hat Nase und Schnurrbart betont. Die vertikale<br />

<strong>Bild</strong>komposition passt zu den nach oben weisenden<br />

Kornhalmen.<br />

Oben) Alexs bestes Foto: Hier gefällt mir besonders, wie Alex<br />

die Halme benutzt hat, um den kleinen Nager einzurahmen.<br />

Der Hintergrund ist schön diffus und unscharf. Ein<br />

eindeutiges Gewinner-Foto.<br />

extrem klein sein würde. Deswegen mussten sie sehr<br />

präzise scharfstellen. Ich empfahl, lange Dauerbildserien<br />

zu schießen, um die Chancen auf scharfe <strong>Bild</strong>er mit guter<br />

<strong>Bild</strong>komposition zu verbessern.<br />

Bei der Durchsicht ihrer <strong>Bild</strong>er beklagte sich Alex, dass die<br />

meisten Ihrer Versuche nur unscharfe Ergebnisse<br />

zustande gebracht hatten. Ich versicherte ihr, dass<br />

angesichts der schlechten Lichtverhältnisse und der<br />

Hyperaktivität der Tiere ihre Erfolgsquote gar nicht viel<br />

höher sein könnte, es komme jetzt vielmehr darauf an,<br />

weiterzumachen und nicht aufzugeben. Graham<br />

bemerkte, nach zunehmender Gewöhnung an das<br />

Motiv könne er inzwischen besser vorhersehen, was die<br />

3<br />

Maus als nächstes tun würde und entsprechend<br />

reagieren. Bald hatten beide einige gute Fotos im Kasten,<br />

vielleicht auch, weil sich inzwischen der<br />

Konkurrenzdruck zwischen den beiden sichtbar<br />

aufbaute.<br />

PUNKTESTAND: Graham - Alex 1- 1<br />

150 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


1<br />

AUFGABE 3: Fuchs<br />

Die Vielseitigkeit des Zooms soll genutzt werden<br />

– Kürzere Brennweiten für Aufnahmen des Tieres in<br />

seiner Umgebung, Lange Brennweiten für <strong>Porträts</strong><br />

Der Kamerastandpunkt soll tief liegen, und es soll<br />

durch die Vordergrund-Vegetation fotografiert werden,<br />

um intime, natürlich wirkende Fotos zu erhalten.<br />

Das Verhalten des Tieres soll dargestellt werden<br />

Das Licht war zwar immer noch langweilig und kein<br />

bisschen inspirierend, doch der Regen hatte endlich<br />

aufgehört, und das gab uns die Gelegenheit, im Freien<br />

zu fotografieren und ein größeres Tier als Motiv zu<br />

wählen. Graham und Alex montierten wieder ihre<br />

NIKKOR 18–300mm f/3.5–6.3 G VR Objektive, um die<br />

Reichweite und Flexibilität zu bekommen, die Sie für die<br />

nächste Aufgabe brauchen würden. Trotz des nassen<br />

Grases sollten Sie aus der Froschperspektive<br />

fotografieren, um einen natürlich wirkenden<br />

Blickwinkel auf das Tier zu ermöglichen. Der Fuchs<br />

benahm sich wie ein professionelles Model. Es war<br />

Fütterungszeit, und der Tierpfleger warf das Futter an<br />

die Stelle, auf die Graham und Alex ihre Objektive<br />

gerichtet hatten. Flexibilität und Reichweite des Zooms<br />

erwiesen sich als ideal. Wenn der Fuchs nah heran kam,<br />

konnten sie auf die kürzeren Brennweiten<br />

zurückgreifen und die dadurch größere Schärfentiefe<br />

erlaubte es, große Teile der Umgebung mit ins <strong>Bild</strong> zu<br />

holen, wodurch mehr Tiefe entstand. Graham machte<br />

einige sehr schöne Aufnahmen des rennenden<br />

Fuchses. Alex hatte Probleme, die Action einzufangen<br />

– ihre kalten Finger waren dabei nicht hilfreich.<br />

Trotzdem gelangen Ihr ein paar schöne<br />

Nahaufnahmen und ein Foto, auf dem sich der Fuchs<br />

die Lefzen leckt. Solche Einzelheiten machen aus<br />

einem guten Porträt ein hervorragendes Porträt.<br />

1) Runter: Der Blickwinkel nah am Boden sorgt für eine<br />

natürliche Perspektive.<br />

2) Alexs bestes Foto: Obwohl sie zunächst mit Problemen zu<br />

kämpfen hatte, gelang Alex dieses entscheidende Foto: ein<br />

wunderschönes <strong>Bild</strong> des Fuchses in seiner Umgebung mit<br />

perfektem Timing.<br />

3) Grahams bestes Foto: Dies ist eine sehr gute<br />

<strong>Bild</strong>komposition, mit dem Fuchs relativ klein im<br />

<strong>Bild</strong>ausschnitt, wie er von links nach rechts durch das <strong>Bild</strong><br />

rennt. Ein sehr schönes Action-Foto.<br />

MR UND MRS AINGE – DIE<br />

ENTSCHEIDUNG<br />

Die Speicherkarten waren voll und es war ein<br />

ereignisreicher Tag gewesen. Beide, Graham und<br />

Alex, haben sich angesichts der fotografischen<br />

Herausforderungen und des schlechten Wetters<br />

großartig geschlagen. Doch es können nicht beide<br />

gewinnen, und nachdem Alex<br />

zwei Runden für sich verbucht<br />

hat, ist sie die Gewinnerin.<br />

PUNKTESTAND: Graham - Alex 1- 2<br />

2<br />

3<br />

Die Ausrüstung<br />

Um Chancengleichheit zu gewährleisten, benutzten<br />

Graham und Alex die gleiche Ausrüstung. Mit ihrer<br />

hohen Auflösung von 24,1 Megapixeln, einer<br />

Serienbildgeschwindigkeit von 6 <strong>Bild</strong>ern pro Sekunde,<br />

einem Autofokussystem mit 51 Schärfepunkten und<br />

eindrucksvollem Dynamikumfang war die Nikon<br />

D7100 eine ausgezeichnete Wahl. Der<br />

Vergrößerungsfaktor des APS-C Sensors trug das<br />

Seinige zu den formatfüllenden Motiven bei.<br />

In der Tierfotografie braucht man eine Vielzahl<br />

unterschiedlicher Brennweiten, um sowohl <strong>Porträts</strong><br />

als auch Tiere in ihrer Umwelt abbilden zu können.<br />

Deswegen ist ein Zoomobjektiv die beste Wahl. Das<br />

NIKKOR AF-S DX 18–300mm f/3.5–6.3G ED VR war<br />

deshalb ideal für diese Aufgabe, denn damit konnten<br />

Graham und Alex den <strong>Bild</strong>ausschnitt schnell wechseln<br />

und an die unterschiedlichen Motive und das<br />

unterschiedliche Tierverhalten anpassen. Das geringe<br />

Gewicht und das kompakte Design des Objektivs<br />

machen es sehr einfach zu handhaben, so dass es die<br />

Spontaneität des Fotografen nicht behindert. Auch der<br />

hervorragende <strong>Bild</strong>stabilisator erwies sich als hilfreich,<br />

weil die Verschlusszeiten aufgrund der schlechten<br />

Lichtverhältnisse doch recht niedrig waren. Als zweites<br />

Objektiv wurde das NIKKOR AF-S VR 105mm f/2.8G<br />

Micro Objektiv benutzt. Seine Makrofähigkeiten und<br />

die hervorragende <strong>Bild</strong>qualität machten es zur ersten<br />

Wahl, als es darum ging, die kleine Feldmaus<br />

aufzunehmen.<br />

Oben Alex und Grahams Ausrüstung bestand aus der im<br />

mittleren Leistungsbereich liegenden Nikon D7100 und dem<br />

NIKKOR AF-S DX 18–300mm f/3.5–6.3G ED VR Superzoom.<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 151


Effekte<br />

/ Schwarzweiß mit Lightroom<br />

Schwarzweißfilm-Effekt<br />

SIMULIEREN SIE IHREN BEVORZUGTEN SCHWARZWEISSFILM DURCH SPEZIELLE EINSTELLUNGEN IN LIGHTROOM.<br />

BBeim Betrachten eines Fotos ist leicht<br />

festzustellen, ob es aus einer Datei stammt<br />

oder von einem Analogfilm. Puristen würden<br />

ihnen erzählen, dass ein Film ein gewisses „Feeling“<br />

transportiere, das den Unterschied erkennen lässt.<br />

Tatsache ist natürlich, dass ein Film spezifische<br />

Abbildungsmerkmale aufweist, die in einer <strong>Bild</strong>datei<br />

so nicht vorhanden sind, etwa die Art des Kontrasts,<br />

die Tonalität und die sogenannte Körnung. Lernen<br />

Sie diese Charakteristiken zu erkennen und zu<br />

manipulieren, um Ihren Digitalaufnahmen eine<br />

überzeugende Filmästhetik zu verleihen.<br />

Die unten aufgeführten Schritte sind kein<br />

Königsweg und können einfach abgewandelt<br />

werden, um unterschiedliche Filmtypen zu<br />

simulieren. Am besten besorgen Sie sich ein paar<br />

<strong>Bild</strong>er, die mit dem Film aufgenommen wurden, den<br />

Sie simulieren wollen, als Referenz. Für dieses Tutorial<br />

simulieren wir den Kodak T-MAX 3200, ein klassischer<br />

Schwarzweißfilm mit mittlerem Kontrast und grober<br />

Körnung.<br />

Der Ilford HP5 Plus 400 ist ein klassischer<br />

Schwarzweißfilm mit hohem Kontrast und<br />

feiner Körnung, dessen Effekt Sie durch einfache<br />

Einstellungen simulieren können. Setzen Sie den<br />

Kontrast auf +100, den Schwarzpunkt auf 0% und<br />

ändern Sie die Körnung auf die Werte „Stärke“ 20,<br />

„Größe“ 40 und „Unregelmäßigkeit“ 0.<br />

Nachdem Sie diese Werte eingegeben haben,<br />

speichern Sie sie für den künftigen Gebrauch<br />

als eigene Vorgabe unter dem Namen „Ilford<br />

HP5 Plus 400“. Wenn Sie sie das nächste<br />

Mal benutzen wollen, klicken Sie einfach in<br />

der Vorgaben-Palette darauf, dann werden<br />

Ihre Änderungen automatisch auf das <strong>Bild</strong><br />

angewendet.<br />

1KONTRAST: Bei im Entwickeln-Modul ausgewähltem <strong>Bild</strong> benutzen Sie<br />

den Kontrastregler rechts unter „Grun<strong>dein</strong>stellungen“, um den Kontrast zu<br />

erhöhen. Die Stärke hängt vom vorhandenen Kontrast im Originalbild ab, doch<br />

sie kann jederzeit vor dem Speichern geändert werden. Beginnen Sie mit +75 als<br />

Ausgangspunkt.<br />

2KONVERTIEREN: Das Konvertieren des <strong>Bild</strong>es nach Schwarzweiß erfolgt<br />

durch einen einzigen Mausklick auf die Schaltfläche „Schwarzweiß“ in der<br />

Grun<strong>dein</strong>stellungen-Palette. Der Effekt kann angepasst werden in der Palette<br />

„HSL / Farbe / S/W“. Übertreiben Sie ihn aber nicht, sonst verlieren sie die subtileren<br />

Grautonabstufungen.<br />

3SCHATTENKONTRAST ENTFERNEN: In der unteren rechten Ecke der<br />

Gradationskurven-Palette klicken Sie auf die Schaltfläche „Punktkurve“. Ziehen Sie<br />

anschließend den Punkt in der unteren linken Ecke der Grafik gerade nach oben, wie hier<br />

gezeigt. Der Betrag wird oben links in der Ecke angezeigt – ich habe 11% eingestellt. Das<br />

reduziert den Schattenkontrast und gibt dem <strong>Bild</strong> eine matte Oberfläche.<br />

4FILMKÖRNUNG: Nun öffnen Sie die Effekte-Palette und verstärken die<br />

Körnung des <strong>Bild</strong>es; die Stärke hängt vom persönlichen Geschmack ab. Da<br />

ich hier den etwas extremen Kodak T-MAX 3200 Film simulieren wollte, habe<br />

ich eine grobe Körnung erzeugt, indem ich „Betrag“ auf 45, „Größe“ auf 82 und<br />

„Unregelmäßigkeit“ auf 100 setzte.<br />

152 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


ALTE ZEITEN<br />

In nur wenigen Schritten können Sie<br />

einfache Film-Effekte erzeugen, die<br />

Ihrem Foto ein klassischnostalgisches<br />

„Feeling“ geben.<br />

Probieren Sie es einmal an eigenen<br />

Farbbildern aus.


Effekte<br />

/ Photoshop Elements<br />

Farbfilter<br />

ERZEUGEN SIE MIT PHOTOSHOP ELEMENTS INTERESSANTE FILTEREFFEKTE DURCH FARBVERLÄUFE.<br />

Hätte Ihnen jemand vor 20 Jahren erklärt, wir würden heute in der Lage sein,<br />

hochauflösende Digitalfotos zu machen, die man sich sofort nach der<br />

Aufnahme auf einem in der Kamera eingebauten <strong>Bild</strong>schirm anschauen kann,<br />

frei von Artefakten und anderen <strong>Bild</strong>fehlern, hätten Sie das wohl kaum geglaubt. Hätte<br />

man ihnen vor 20 Jahren dann noch erklärt, es werde heute einen Trend geben, die<br />

Unzulänglichkeiten der Filmfotografie bewusst digital zu reproduzieren, dann hätten<br />

sie wahrscheinlich am Verstand dieses Propheten gezweifelt.<br />

For Elements 12 users, this effect is best recreated in Expert mode, Der Effekt, den<br />

wir hier erzeugen wollen, ist zwar keine direkte Analogfilm-Simulation, doch er<br />

erlaubt Ihnen Filtereffekte zu erzeugen, die zurzeit durch Apps wie Instagram<br />

populär sind. Anwender von Photoshop Elements 12 erzeugen den Effekt am besten<br />

im Expertenmodus, der weitere Einstellmöglichkeiten bietet. Diese Schritte lassen<br />

sich auch mit früheren Versionen von Photoshop Elements und mit Photoshop CS<br />

und CC durchführen.<br />

FARBWECHSEL<br />

Gefallen Ihnen die Farben nicht? Doppelklicken<br />

Sie, je nach verwendeter Software-Version, auf das<br />

Verlaufssymbol in der Ebenenpalette, um die<br />

Verlaufsoptionen zu öffnen und die Einstellungen<br />

entsprechend Ihrem Geschmack vorzunehmen.<br />

Sie können den Effekt auch anwenden, indem Sie<br />

die Füllmethode oder die Deckkraft der jeweiligen<br />

Ebene anpassen. Auch das Justieren der<br />

Kontrastfarben funktioniert gut, beispielsweise bei<br />

Blau und Orange, Rot und Grün sowie Violett und<br />

Gelb. Für einen sehr ausgeprägten Effekt wählen<br />

Sie leuchtende Farben, für einen subtileren<br />

Ausdruck wählen Sie gedeckte Farbtöne.<br />

1SETUP: Im Editor von Elements sorgen<br />

Sie zunächst dafür, dass die Ebenenpalette<br />

angezeigt wird, indem Sie auf „Fenster > Ebenen“<br />

klicken. Ändern Sie die Vordergrundfarbe in<br />

ein helles Gelb, dann klicken Sie oben in der<br />

Ebenenpalette auf die Schaltfläche „Neue Füll- oder<br />

Einstellungsebene“. Wählen Sie „Verlauf“ aus der<br />

Liste, und es öffnen sich die Verlaufsoptionen.<br />

2ERSTER FARBVERLAUF: Ändern Sie den Winkel<br />

des Verlaufs so, dass der Verlauf sich aus einer der<br />

oberen Ecken des <strong>Bild</strong>es in das <strong>Bild</strong> hinein erstreckt.<br />

Wenn möglich, folgen Sie der Richtung des Lichteinfalls.<br />

Doppelklicken Sie auf das Verlaufssymbol und wählen<br />

Sie den Verlauf „Vordergrund nach Transparent“. Klicken<br />

Sie auf „OK“. Ändern Sie die Füllmethode dieses Verlaufs<br />

in der Ebenenpalette auf „Überlagern“.<br />

3ZWEITER FARBVERLAUF: Wählen Sie die<br />

Hintergrundebene aus der Ebenenpalette, ändern<br />

die Vordergrundfarbe auf Dunkelblau und erzeugen eine<br />

weitere Verlaufsebene, wie in Schritt 2. Dieser Verlauf muss<br />

in die entgegengesetzte Richtung des ersten Verlaufs<br />

weisen. Klicken Sie auf „OK“. Ändern Sie die Füllmethode<br />

dieser Verlaufsebene auf „Negativ multiplizieren“ und<br />

senken Sie die Deckkraft – 45 % ist ein guter Wert.<br />

4TONWERTKORREKTUREN: Klicken Sie wie gehabt auf<br />

die Schaltfläche „Neue Füll- oder Einstellungsebene“,<br />

doch dieses Mal wählen Sie „Tonwertkorrektur“. Stellen Sie<br />

den Regler für Schwarz in der Tonwertkorrekturpalette<br />

auf einen Wert von etwa 20. Dann klicken Sie in der<br />

Ebenenpalette auf die Schaltfläche „Neue Einstellungsebene“<br />

und erzeugen eine leere Ebene. Wählen Sie das rechteckige<br />

Auswahlwerkzeug aus der Werkzeugleiste.<br />

5EIN „LICHTLECK“: Zeichnen Sie in der<br />

Nähe der Ecke des gelben Verlaufs ein hohes<br />

schmales Rechteck, wie oben gezeigt. Nehmen<br />

Sie das Verlaufswerkzeug aus der Werkzeugleiste<br />

und wählen einen Verlauf von hellem Gelb zu<br />

transparent. Ziehen Sie den Verlauf so in das<br />

<strong>Bild</strong>, dass er oben beginnt und sich nach unten<br />

fortsetzt.<br />

6LICHTLECK EINSTELLEN: Dieser Verlauf wirkt sich nur<br />

innerhalb des ausgewählten Rechtecks aus. So entsteht<br />

unser Lichtleck-Effekt. Gehen Sie auf „Auswahl > Auswahl<br />

aufheben“. Dann ändern Sie die Füllmethode dieser Ebene<br />

in der Ebenenpalette auf „Strahlendes Licht“. Zum Schluss<br />

gehen Sie auf „Filter > Weichzeichnungsfilter > Gaußscher<br />

Weichzeichner“, den Sie auf einen Bereich von etwa 20 Pixel<br />

anwenden, um den Effekt zu vervollständigen.<br />

154 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


NOSTALGISCH INSPIRIERT<br />

Der fertige Effekt kann so ausgeprägt oder<br />

so subtil sein, wie Sie es wünschen.<br />

Ändern Sie einfach die Deckkraft der<br />

Verlaufsebene, um ihn Ihrem Geschmack<br />

anzupassen.


Effekte<br />

/ VSCO Film<br />

VSCO Film Lightroom Plugin<br />

DAS VSCO LIGHTROOM PLUGIN IST POPULÄR GEWORDEN DURCH DIE VIELEN MÖGLICHKEITEN DER<br />

FILMSIMULATION, GRUND GENUG FÜR UNS, ES ETWAS GENAUER UNTER DIE LUPE ZU NEHMEN.<br />

N<br />

icht erst, seitdem sich die Digitalfotografie<br />

endgültig durchgesetzt hat, versuchen<br />

Fotografen, ihre <strong>Bild</strong>er so aussehen zu lassen, als<br />

seien sie auf Film aufgenommen worden. Seit kurzem<br />

hat sich die Filmsimulation jedoch zu einem<br />

regelrechten Trend entwickelt. Das Unternehmen Cue<br />

Visual Supply Co, oder kurz VSCO, hat diesen Trend<br />

offenbar rechtzeitig erkannt und sich zum Spezialisten<br />

für die Simulation klassischen Filmmaterials entwickelt.<br />

Die VSCO Film Lightroom Plugins, fünf an der Zahl, für<br />

jeweils knapp unter 100 €, bieten eine Ein-Klick-<br />

Funktionalität zur Verbesserung Ihrer <strong>Bild</strong>er per<br />

Filmsimulation. Die Plugins erfreuen sich besonders bei<br />

Hochzeits- und Lifestyle-Fotografen großer Beliebtheit,<br />

denn damit können sie schnell und einfach Hunderte<br />

von Fotos bearbeiten.<br />

Aufgrund der Vielzahl von zu berücksichtigenden<br />

Variablen bei solchen Filmeffekten gibt es naturgemäß<br />

nicht „den“ richtigen Look für eine Filmsimulation,<br />

sondern für jede Simulation können unterschiedliche<br />

Feineinstellungen vorgenommen werden. Beispielsweise<br />

bietet die Voreinstellung „Kodak Portra 160“ eine exakte<br />

Reproduktion dieses Films, während ein Minuszeichen (-)<br />

auf eine abgeschwächte Version des Filmeffekts hinweist,<br />

ein Pluszeichen (+) hingegen auf eine stärkere Version.<br />

Zwei Pluszeichen (++) stehen für eine stark übertriebene<br />

Version des Effekts. Manche Filme haben auch High<br />

Contrast (HC) Versionen, die sich sehr gut für die<br />

Porträtfotografie eignen, weil sie den Kontrast verstärken,<br />

die Farbtöne der Haut jedoch beibehalten. Die VSCO<br />

Filmsimulationen werden am besten mit Raw-Dateien<br />

verwendet, denn deren Einstellungen berücksichtigen<br />

die verwendete Kamera. Sie können sie jedoch auch mit<br />

Dateien im JPEG-Format benutzen.<br />

1 BASIS-<br />

KORREKTUREN<br />

Wenn die VSCO-Plugins<br />

installiert sind, nehmen Sie<br />

zuerst Anpassungen an<br />

Belichtung und Weißabgleich<br />

sowie eine Objektivkorrektur<br />

vor. Die Film-Simulationen<br />

haben unterschiedliche<br />

Auswirkungen auf die<br />

Belichtung und können<br />

außerdem Farbstiche<br />

verursachen, so dass später<br />

gegebenenfalls weitere<br />

Korrekturen nötig sind.<br />

3 FEIN-<br />

EINSTELLUNG<br />

Ich habe mich für die Fuji<br />

400H Simulation<br />

entschieden, doch mir war<br />

die Körnung ein wenig zu<br />

stark. In einem solchen Fall<br />

scrollen Sie nach unten zum<br />

VSCO Toolkit und wählen die<br />

Voreinstellung für die<br />

Körnung. Weitere Parameter<br />

können mit dem Toolkit oder<br />

mit den Standardreglern<br />

rechts eingestellt werden.<br />

AUCH FÜR<br />

SMARTPHONES<br />

Wenn Sie die<br />

Filmsimulationen auch<br />

auf dem Smartphone<br />

einsetzen wollen,<br />

benutzen Sie die VSCO<br />

Cam Mobile App. Sie<br />

bietet zwar nicht<br />

denselben Umfang an<br />

Simulationen wie VSCO Film, doch auch hier gibt es viele<br />

Voreinstellungen, aus denen Sie auswählen können,<br />

außerdem, viele nützliche Werkzeuge zur <strong>Bild</strong>bearbeitung.<br />

Die App kann kostenlos heruntergeladen werden, doch das<br />

extra Filter-Pack muss bezahlt werden. Sie finden VSCO<br />

Cam im Apple App Store oder bei Google Play.<br />

(http://www.vsco.co/vscocam)<br />

2<br />

VOREINSTELLUNG<br />

WÄHLEN<br />

Aus den Voreinstellungen an der<br />

linken Seite wählen Sie den<br />

Ordner Ihres Kameraherstellers;<br />

ist der Hersteller nicht aufgeführt,<br />

wählen Sie den Standardordner.<br />

Dann wählen Sie Ihren Film aus,<br />

und die <strong>Vorschau</strong> wird<br />

aktualisiert. Wählen Sie beliebig<br />

viele Filme aus, die Einstellungen<br />

werden zurückgesetzt, bevor die<br />

nächste Voreinstellung<br />

angewendet wird.<br />

4<br />

INDIVIDUELLE<br />

EINSTELLUNGEN<br />

VSCO Film enthält zusätzliche<br />

Pinselvoreinstellungen, die Zeit<br />

sparen. Klicken Sie auf den<br />

Korrekturpinsel, um die Palette<br />

auf der rechten Seite zu öffnen,<br />

und wählen Sie die jeweilige<br />

Korrektur aus dem Effekt-Menü.<br />

Die Einstellungen zur<br />

Nachbelichtung und zum<br />

Abwedeln sind besonders<br />

nützlich, um die Belichtung<br />

selektiv anzupassen.<br />

FÜNF POPULÄRE<br />

FILMSIMULATIONEN<br />

1) Kodak Portra 400 (VSCO Film 01)<br />

Ein farbenfroher Film für gut ausgeleuchtete <strong>Porträts</strong>, der<br />

fantastische Hauttöne und viel Farbsättigung bringt.<br />

2) Ilford HP5 (VSCO Film 01)<br />

Ein Schwarzweiß-Film mit mittlerem Kontrast, feiner Körnung<br />

und hoher Schärfe. Geeignet für kontrastreiche Beleuchtung.<br />

3) Fuji Velvia 50 (VSCO Film 04)<br />

Satte, leuchtende Farben und starker Kontrast.<br />

Geeignet für farbenfrohe <strong>Landschaften</strong>.<br />

156 DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE


BEARBEITET IN VSCO<br />

ORIGINALFOTO<br />

4) Fuji FP-100c (VSCO Film 03)<br />

Ein Film mit mittlerem Kontrast, der schöne, leuchtende Spitzlichter<br />

produziert. Gut geeignet für <strong>Porträts</strong> in natürlichem Licht.<br />

5) Kodak T-MAX 3200 (VSCO Film 01)<br />

Starker Kontrast, detailreich und starke Körnung. Ein<br />

etwas extremer Film, der unverkennbar ist.<br />

Der VSCO-Effekt: Manche Filme haben stärkere<br />

Effekte als andere, doch die subtilen<br />

Simulationen sind oft angenehmer. Die Farbund<br />

Farbton-Änderungen von VSCO bleiben<br />

sehr nah an der Filmcharakteristik.<br />

ALTERNATIVEN<br />

Nik Analog Efex Pro<br />

Erforderliche Software: Photoshop/Elements/<br />

Lightroom/Aperture<br />

Teil der Nik Kollektion, die noch weitere Software<br />

umfasst, einschließlich des ausgezeichneten<br />

Color Efex Pro und Silver Efex Pro.<br />

http://www.niksoftware.com<br />

Alienskin Exposure 5<br />

Erforderliche Software: Photoshop/Elements/<br />

Lightroom/Aperture/Standalone<br />

Bietet eine große Auswahl von Farb- und<br />

Schwarzweißfilm-Simulationen, außerdem einige<br />

Kino-Effekte. Auch bei Alienskin orientiert sich die<br />

Körnung am jeweiligen Originalfilm.<br />

http://www.alienskin.com<br />

DxO FilmPack<br />

Erforderliche Software: Standalone/Photoshop/<br />

Elements/Lightroom/Aperture/DxO Optics Pro<br />

Enthält bis zu 27 Schwarzweißfilme, 39 Farbfilme<br />

und 39 Designer-Voreinstellungen, außerdem<br />

viele weitere nützliche Werkzeuge.<br />

http://www.dxo.com<br />

XeL 2.0 Color<br />

Erforderliche Software: Lightroom<br />

Weniger bekannt, doch XeL bietet eine<br />

beeindruckende Zahl unterschiedlicher<br />

Filmsimulationen. Die Voreinstellungen<br />

unterscheiden nach Farbe, Farbton und Körnung,<br />

so dass Sie diese Parameter selektiv anwenden<br />

können.<br />

http://www.x-equals.com/blog/<br />

DIGITALE FOTOGRAFIE - UPDATE 157


ETABLIEREN SIE<br />

IHREN<br />

WORKFLOW<br />

HABEN SIE GENUG VON UNAUFGERÄUMTEN FESTPLATTEN, VON ÜBERFLÜSSIGEN DUPLIKATEN UND NICHT<br />

AUFZUFINDENDEN BILDERN? DANN WIRD ES ZEIT, ETWAS ZU UNTERNEHMEN. ERFAHREN SIE, WIE SIE IHRE BILDER IN<br />

DREI EINFACHEN SCHRITTEN ORGANISIEREN UND ARCHIVIEREN.<br />

Text: CAROLINE SCHMIDT<br />

D<br />

enken Sie an ein bestimmtes <strong>Bild</strong>, das<br />

sie vor ein paar Jahren gemacht<br />

haben. Haben Sie´s? Gut; und jetzt<br />

holen Sie es sich in weniger als 2<br />

Minuten auf den <strong>Bild</strong>schirm. Wenn Sie<br />

das können, brauchen Sie nicht weiter zu lesen. Sie<br />

würden nur ihre Zeit verschwenden, denn sie<br />

könnten hier nichts Neues erfahren. Doch die<br />

anderen 99% von Ihnen sollten diesen Beitrag<br />

aufmerksam lesen, und möglichst sogar danach<br />

handeln.<br />

Man sollte eigentlich annehmen dürfen, dass wir<br />

ein <strong>Bild</strong> jederzeit finden, dass wir es niemals<br />

versehentlich überschreiben und dass wir<br />

selbstverständlich ein sicheres Backup von allen<br />

unseren <strong>Bild</strong>ern auf einer externen Festplatte haben<br />

– haben wir aber nicht. Die meisten von uns<br />

verwalten nur recht und schlecht ein System des<br />

organisierten Chaos. Wir wissen also, das <strong>Bild</strong> liegt<br />

vielleicht irgendwo auf der externen 2-Terabyte-<br />

Festplatte und würden wir es vielleicht sogar<br />

finden, wenn wir eine Woche Zeit hätten.<br />

Doch wer wollte uns dafür tadeln? Wir sind<br />

Fotografen und fotografieren lieber, statt zu<br />

sortieren. Doch angesichts von Speicherkarten<br />

immer höherer Kapazität und billiger Festplatten im<br />

Terabyte-Bereich ist es gar kein Wunder, dass wir<br />

nicht mehr durchfinden.<br />

Ich behaupte, dass es den meisten von uns so<br />

geht, dass wir unsere <strong>Bild</strong>er von der Speicherkarte<br />

ziehen und irgendwo auf der Festplatte ablegen, um<br />

sie schnell unterwegs zu bearbeiten, in der besten<br />

Absicht, sie später zuhause ordentlich zu<br />

organisieren; das machen wir aber nicht. Ehe wir<br />

uns versehen, erscheinen dann auf dem <strong>Bild</strong>schirm<br />

jede Menge Ordner mit Namen, die aus einer<br />

obskuren Buchstaben-Ziffern-Kombination<br />

bestehen, verteilt auf mindestens drei verschiedene<br />

Festplatten. Jede Woche nehmen wir uns<br />

wenigstens einmal vor, das Chaos zu beenden und<br />

eine ordentliche Struktur hineinzubringen. Kommt<br />

Ihnen das bekannt vor?<br />

Profis können es sich nicht erlauben, <strong>Bild</strong>er zu<br />

verlegen, zu riskieren, <strong>Bild</strong>er zu überschreiben oder<br />

wertvolle Zeit zu verlieren auf der Suche nach den<br />

Fotos eines Kunden. Sie brauchen einen<br />

narrensicheren Workflow, der strikt eingehalten<br />

werden muss. Ambitionierte Hobbyfotografen<br />

sollten sich nicht anders verhalten, denn die Masse<br />

der produzierten <strong>Bild</strong>er kann ähnlich groß sein.<br />

1) SCHON BEI DER AUFNAHME ANFANGEN<br />

Ein strukturierter Workflow sollte bei der Kamera beginnen, nicht am Computer. Dafür zu sorgen,<br />

dass Ihre <strong>Bild</strong>er einen korrekten Datumsstempel bekommen, ist der erste Schritt zur Organisation<br />

Ihrer Fotos. Die Dinge werden viel einfacher, wenn Sie Dateien chronologisch durchsuchen können.<br />

Sie können außerdem Geotags hinzufügen, die Informationen bereitstellen über den Ort, an dem<br />

das Foto aufgenommen wurde. Und schließlich können Sie die Struktur der Dateinamen, die ihre<br />

Kamera vergibt, individualisieren. Letzteres ist besonders nützlich, wenn Sie <strong>Bild</strong>er von<br />

verschiedenen Kameras identifizieren wollen; in diesem Fall können Sie beispielsweise den<br />

Dateinamen mit „EOS650“ oder „D800“ beginnen lassen.


TIPP<br />

Damit nicht die Gefahr<br />

besteht, dass Ihre<br />

Festplatten nahezu<br />

gleichzeitig den Geist<br />

aufgeben, kaufen Sie sie im<br />

Abstand von einigen<br />

Monaten.


Foto-Workflow<br />

2) BILDARCHIV-SOFTWARE<br />

Ein Workflow, der seinen Namen verdient, erfordert ein<br />

Computerprogramm, das Ihnen hilft, Ihre Fotos zu sortieren,<br />

zu suchen und zu archivieren. Gute Programme richten<br />

einen Katalog ein, durch den sie blättern können und sie<br />

zeigen auch RAW-Dateien an, ohne jedoch das Original zu<br />

verändern. Adobe Lightroom ist beispielsweise eine gute<br />

Wahl. Adobe Photoshop Elements und Apples Aperture 3<br />

bieten ähnliche Funktionalitäten zu geringerem Preis.<br />

Die wesentlichen Werkzeuge, die Sie brauchen, dienen<br />

dazu, ganze Gruppen von <strong>Bild</strong>ern per Stapelverarbeitung<br />

umzubenennen, deren Metadaten zu bearbeiten und sie<br />

mit Schlagworten zu versehen, wenn Sie sie von der Kamera<br />

herunterladen. Außerdem muss es eine Such- und<br />

Sortierfunktion geben, am besten in Form eines<br />

Bewertungs-, oder Etikettierungssystems. Außerdem muss<br />

eine Archivierungsfunktion vorhanden sein und <strong>Bild</strong>er<br />

müssen zur Übernahme in andere Programme exportiert<br />

werden können. Nicht zuletzt muss die Möglichkeit<br />

bestehen, sie an Onlinedienste wie Facebook etc. zu<br />

verschicken.<br />

Falls Sie kein individuelles System der Namensvergabe in<br />

der Kamera eingerichtet haben, werden Sie einen Namen<br />

wählen wollen, der den Inhalt des <strong>Bild</strong>es repräsentiert. Wenn<br />

dann die Software die <strong>Bild</strong>dateien importiert, sind diese<br />

bereits mit sinnvollen Dateinamen und fortlaufenden<br />

Nummern versehen. Das Einbetten von Metadaten,<br />

3) SPEICHERN UND SICHERN<br />

Wenn Sie Ihre <strong>Bild</strong>er erst einmal organisiert haben,<br />

werden Sie Backups erzeugen wollen. Am<br />

einfachsten ist das mit einer externen Festplatte,<br />

doch das reicht nicht aus, die Sicherheit Ihrer Daten<br />

zu garantieren, besonders dann nicht, wenn Sie<br />

<strong>Bild</strong>er von Ihrem Computer löschen, um dessen<br />

Leistung zu optimieren. Externe Festplatten haben<br />

tendenziell eine kürzere Lebensdauer als interne<br />

Festplatten. Wenn Sie sich also auf eine einzige<br />

externe Festplatte verlassen, spielen sie Russisches<br />

Roulette. Abgesehen von Festplattenfehlern gibt es<br />

Stromausfälle, Viren, Würmer, Wasserschäden,<br />

Feuer, Diebstahl etc. Sie sollten deswegen<br />

mindestens zwei identische Backups an<br />

unterschiedlichen Orten des Hauses verwahren,<br />

besser noch in unterschiedlichen Häusern.<br />

1-Terabyte-Festplatten gibt es inzwischen für 50 €,<br />

RAID ODER NAS?<br />

RAID steht für „Redundant Array of<br />

Independent Disks“, auf Deutsch: „Redundante<br />

Anordnung unabhängiger Festplatten“. Bei<br />

einem RAID-System handelt es sich um einen<br />

Verbund mehrerer Festplatten, in dem die<br />

Daten auf mindestens zwei Festplatten<br />

„gespiegelt“ werden. Bei Ausfall einer Festplatte<br />

kann diese im laufenden Betrieb gegen eine<br />

identische, neue Festplatte ausgetauscht<br />

werden, worauf automatisch die erneute<br />

Spiegelung der Daten erfolgt.<br />

NAS steht für „Network Attached Storage“ und<br />

bedeutet demnach „Netzwerkgebundener<br />

Speicher“. Ein NAS-Speicher kann ebenfalls<br />

mehrere Festplatten in einem externen<br />

Gehäuse enthalten, besitzt jedoch eine eigene<br />

IP-Adresse und stellt deswegen alle<br />

Zugriffsmöglichkeiten aktueller Computer-<br />

Netzwerktechnik zur Verfügung.<br />

Schlagworten und Copyright-Informationen erleichtert<br />

nicht nur die Suche nach <strong>Bild</strong>ern, sondern schützt auch ihr<br />

Urheberrecht, falls Sie sie online stellen. Sie können Ihr<br />

System so einrichten, dass Ihre Copyright-Information beim<br />

Import automatisch hinzugefügt wird, falls Sie nicht schon<br />

Ihre Kamera entsprechend eingestellt haben. Die<br />

Schlagworte müssen Sie jedem Foto manuell hinzufügen,<br />

daran führt kein Weg vorbei. Mit Lightroom können Sie<br />

Unterkataloge anlegen, was Ihnen die Möglichkeit gibt,<br />

<strong>Bild</strong>er aus verschiedenen Alben in themenorientierten<br />

Ordnern unterzubringen, oder Sie nach ähnlichen<br />

Bewertungskriterien zu sortieren, um die Suche zu<br />

erleichtern. Im Übrigen sollten Sie Ihr System so einrichten,<br />

dass Datensicherungen automatisch generiert und auf<br />

einer externen Festplatte gespeichert werden.<br />

daran wird es also kaum scheitern.<br />

Natürlich können Sie Ihr Backup ab manuell durch<br />

„Ziehen und Ablegen“ mit der Maus erzeugen, doch<br />

sie machen sich das Leben wesentlich einfacher mit<br />

einer Software, die ein per USB angeschlossenes<br />

externes Backup-Laufwerk automatisch auf dem<br />

neuesten Stand hält. Doch wie stellen Sie sicher,<br />

dass das zweite, geklonte Backup immer dieselben<br />

Dateien enthält? Indem Sie sie synchronisieren.<br />

Programme wie „FreeFileSync“, „Robocopy“ und<br />

„Toucan Portable“ laufen unter Windows, während<br />

„SuperDuper“ und „Carbon Copy Clone“ unter<br />

Apple-Betriebssystemen laufen.<br />

Sie können die Festplatten auch mit Ihrem<br />

Cloud-Speicher synchronisieren, der seinerseits<br />

wiederum mit mehreren Festplatten an<br />

unterschiedlichen Standorten synchronisiert<br />

werden kann. Eine sicherere Option ist jedoch, ihr<br />

Klon-Laufwerk manuell durch Kopieren vom<br />

Original-Backup-Laufwerk auf dem neuesten Stand<br />

zu halten. Diese Methode ist vorzuziehen, denn<br />

dadurch können sie die Integrität Ihrer<br />

Datensicherungen selbst steuern. Andererseits<br />

kostet dies Zeit und Sie haben eventuell zeitliche<br />

Lücken zwischen ihren Backups, es sei denn Sie<br />

machen es täglich.<br />

Zwei Backups sind gut, drei sind besser. Manche<br />

Fotografen benutzen eine dritte Festplatte oder<br />

speichern Ihre Dateien und <strong>Bild</strong>ersammlungen auf<br />

CD oder DVD, eine Methode, die allerdings auf<br />

Dauer recht teuer werden kann und nicht sehr<br />

sicher ist – wir alle kennen DVDs, auf die wir nicht<br />

mehr zugreifen können. Der Online-Cloud-Speicher<br />

ist definitiv sicherer. Provider wie „Just Cloud“, „SOS<br />

Online Backup“ und „MyPCBackup“ bieten<br />

automatisches Archivieren und die Synchronisation<br />

mit Ihren anderen Speichermedien.<br />

Manche PC-Backup-Software klont und archiviert<br />

die gesamte Festplatte, während andere Ihnen die<br />

Möglichkeit gibt, einzelne Ordner und sogar<br />

BILDVERWALTUNG „VON HAND“<br />

Wenn Sie keine <strong>Bild</strong>archiv Software verwenden wollen,<br />

sollten Sie sicherstellen, dass Sie ein praktikables<br />

Ablagesystem haben, außerdem eine funktionierende<br />

Datensicherungsprozedur. Sie könnten beispielsweise<br />

eine Reihe von Ordnern einrichten, beginnend mit Jahr<br />

und Monat und innerhalb des Monats weitere<br />

Unterordner nach Themenbereichen erzeugen.<br />

Innerhalb der einzelnen Ordner sollte es vier weitere<br />

Ordner geben, die Sie mit „Orignale“, „In Arbeit“,<br />

„Bearbeitet“ und „Web“ bezeichnen. Wenn Sie Ihre <strong>Bild</strong>er<br />

von der Speicherkarte herunterladen, sollten Sie sie<br />

grundsätzlich im Ordner „Originale“ speichern, der von<br />

nun an nicht mehr angetastet wird. Er dient als Archiv.<br />

Nun können Sie die einzelnen <strong>Bild</strong>er zuordnen, je<br />

nachdem ob Sie sie bearbeiten wollen, oder nicht. Dazu<br />

dient der Ordner „In Arbeit“, in dem die PSD-Dateien<br />

gespeichert werden. Wenn ein <strong>Bild</strong> fertig bearbeitet ist,<br />

speichern Sie es als JPEG oder TIFF im Ordner<br />

„Bearbeitet“. Der Web-Ordner ist für solche <strong>Bild</strong>er, die<br />

Sie mit Wasserzeichen versehen und deren Größe Sie<br />

zum Bloggen, für „Social Media“ und Ihre Website<br />

verändern wollen. Halten Sie Ihr System grundsätzlich<br />

so einfach wie möglich und ordnen Sie Ihre <strong>Bild</strong>er in die<br />

richtigen Ordner ein, sobald Sie sie von der Kamera<br />

herunterladen.<br />

einzelne Dateien zu selektieren. Beim Cloud-<br />

Speicher besteht immer das Risiko, dass Ihre Daten<br />

gehackt werden oder dass das Unternehmen<br />

schlicht zumacht. Deswegen empfehlen wir ein<br />

System mehrerer voneinander unabhängiger<br />

Datensicherungslösungen parallel zu betreiben.<br />

Wenn die dazu nötigen Prozeduren erst einmal zur<br />

Routine geworden sind, stellen Sie zeitlich keine<br />

hohe Belastung dar, doch Sie haben dann ein<br />

narrensicheres System, Ihre wichtigen <strong>Bild</strong>dateien<br />

zu schützen. Also zögern