Zeitung 34 - Sucht-Hamburg

sucht.hamburg.de

Zeitung 34 - Sucht-Hamburg

NR. 34

august 2011

+++ Schwerpunkt Qualität: Seiten 1 + 2, 4 + 5 sowie Seite 6 +++

kostenlos

die zeitung für suchtprävention

in Kooperation mit dem

vom Büro für Suchtprävention

SuchtPräventionsZentrum

E D I T O R I A L

Liebe Leserin,

lieber Leser

Suchtprävention hat in Hamburg

bereits eine Geschichte: Seit 1996

gibt es das Büro für Sucht prävention

als Fach- und Koordi nations

stelle, gegründet als Pro jekt

der Hamburgischen Lan des stelle

für Suchtfragen (da mals: gegen

die Sucht gefah ren) e. V. In 2000

kam das SuchtPräventions Zentrum

(SPZ) des Landesinsti tuts für

Lehrerbildung und Schul ent wicklung

als koordinierende Einrichtung

für den Bereich Schu le

dazu, 2006 das Deutsche Zen t rum

für Suchtfragen des Kindes- und

Jugendalters (DZSKJ).

Parallel dazu entwickelten sich

neue Schwerpunkte, Fach richtungen

und Studien gän ge an den

Hochschulen – z. B. Ge sund heitswissenschaften

/ Pub lic Health –,

die Lehran gebote im Bereich

Sucht prä ven tion teilweise oder

schwerpunktmäßig bereithalten.

Die Professio na lisierung des jungen

Anrbeits feldes ist also hier

wie auch in anderen Bundesländern

weit vorangeschritten.

Deshalb erschien es uns angebracht,

die Impulse aus der aktuellen

bundesweiten Diskussion

rund um Qualität der suchtpräventiven

Arbeit in dieser Ausgabe

der ZEITUNG schwerpunktmäßig

aufzugreifen: Wir blicken zurück,

ziehen eine erste Bilanz und

eröffnen die eine oder andere

Perspek tive.

Theo Baumgärtner

Qualität in

der Suchtprävention

Zusatzaufgabe – Notwendigkeit – Selbstverständlichkeit

Die Entwicklung der Suchtprävention

als eigenständigem

Arbeitsfeld ist von

Beginn an aufs engste

mit der Ent wicklung von

Qualität verknüpft. Nur

so konnte sich ein so zunächst diffuses

und umfassendes Thema wie die

Suchtprävention als eigenes ernst zu

nehmendes Arbeits feld etablieren.

Die Qualitäts diskussion kennzeichnete

– und spal te tete – die Entwicklung

von Sozial arbeit, Pädagogik

und Bildung seit den neunziger

Jahren und führt auch heute noch zu

Kontroversen. Auf der einen Seite

finden wir Skepsis und Ablehnung –

meist dort, wo suchtpräventive Aktivitäten

im Rahmen alltäglich praktizierter

Beziehungs arbeit an gesiedelt

sind und keine ausdrücklichen

Ressourcen für suchtpräventive

Aktivitäten zur Verfügung gestellt

werden – auf der anderen Seite gibt

es ein großes Interesse an Instrumentarien

zur Qualitätsförderung.

Sie werden überprüft, unterschiedlich

bewertet und grundsätzlich als

Unterstützung, als roter Faden für

ein wichtiges, aber schwer greifbares

Arbeitsfeld gesehen. Nicht zuletzt

hängt auch die Finanzierung immer

stärker von zu erwartenden Effekten

und nachweisbaren Ergebnissen ab.

Fachtagung: Qualitätssicherung

In der Suchtprävention 2011

Die Fachtagung der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung

(BZgA) in Dresden 2011 griff die

Ziele der Düsseldorfer Qualitätstagung

im Mai 2009 auf (empfehlenswerte

Dokumentation bei der

BZgA erhältlich, im BfS ausleihbar)

und macht deutlich, dass die wissenschaftliche

Auseinandersetzung

mit Qualitätsstandards einerseits

fortgeschritten ist, andererseits

auch die aktive, durchaus auch

kritische Rezeption in der Praxis

stetig gewachsen ist. So sind zwischen

Top-down- und Bottom-up-

Prozessen auf verschiedenen Ebenen

neue praxistaugliche Instrumente

entwickelt worden. Sie standen im

Mittelpunkt der acht Workshops,

die das zentrale Element der Tagung

bildeten. Sie bilden gemeinsam das

gegenwärtige Repertoire effektiver

Suchtprävention.

Die Workshops lassen sich vier großen

Oberthemen zuordnen: nachweisbare

Effekte (WS 1 und 2),

SEITE

3

Abschied:

Einer, der in Hamburg

Suchtprävention mitgestaltet

hat, geht

SEITE

4

Vorbildlich:

Hamburg gewinnt zum

wiederholten Mal beim

Kommunalen Wettbewerb

SEITE

6

Neu:

Das Dokumentationssystem

Dot.sys wurde weiterentwickelt

SEITE

7

Bericht:

Zertifizierung interkultureller

Keypersons

bei Herkunft–Ankunft–

Zukunft

INHALT


2 Ausgabe

Ausgabe 34 : August 2011

3

die Zeitung für Suchtprävention die Zeitung für Suchtprävention

34 : august 2011

Kommunikation (WS 3 und 4),

Koope ra tion und Netz werk arbeit

(WS 5) sowie Pla nungs instrumente

(WS 6, 7 und 8). Beim Thema

Kommunikation lassen sich die verschiedenen

Faktoren sehr gut verknüpfen

und zeigen den Spannungsbogen

zwischen wissenschaftlich

basierten Standards und Praxis

auf.

Qualität und Erfahrungswissen

selbstbewusst kommunizieren

Die Bedeutung von Suchtprävention

als Bestandteil der europäischen

Drogenpolitik und des

Aktionsplans Drogen und Sucht auf

Bund-Länderebene wird im Alltag

von Schule und Jugendarbeit oft

unterschätzt. Die Gründe dafür

sind unterschiedlich, aber häufig

gekoppelt mit einem Mangel an

Zeitressourcen für längerfristige

und verankerte Maßnahmen, mit

einer Unsicherheit im Umgang mit

präventiven Fragestellungen gegenüber

verschiedenen Zielgruppen.

Darüber hinaus führt die Kombination

der Begriffe Sucht und

Prävention oft dazu, dass der

Aspekt Sucht in den Vordergrund

gerät und so (miss)verstanden

wird, dass suchtpräventiver Handlungsbedarf

erst dann besteht,

wenn Suchtprobleme oder riskante

Verhaltensweisen z. B. im Umgang

mit Alkohol sichtbar werden. Wer

spricht schon gerne über Sucht?

In Zeiten zunehmend verdichteter

Personalressourcen in Schu le und

Jugend arbeit wird es da her für

Fachkräfte der Sucht prävention umso

wichtiger, die Qua li täts stan dards

des „eigenen Marken an ge botes“,

das sich selbstverständlich an den

Bedarfen der NutzerInnen ausrichten

muss, zu kommunizieren. Eine

typische Alltagssituation, die eine

Präventionsfachkraft aus Berlin

schilderte, beschreibt ein Anliegen,

das viele Präventions ein richtungen

kennen:

Kurz vor den Sommerferien meldet

sich eine Schule in der Fachstelle

mit der Bitte, einen Kurzvortrag für

alle SchülerInnen zu den Risiken

des Alkoholkonsums zu halten, am

besten in maximal einer Doppelstunde.

Aus fachlicher Sicht ist klar zu

sagen, dass ein solches Angebot präventiv

wenig sinnvoll ist. So nachvollziehbar

die Anfrage sein mag –

da sie konzeptionell nicht eingebunden

ist, hat sie den Charakter

einer Alibiveranstaltung. Die Absage

einer solchen Anfrage verbunden

mit einem qualitativ höherwertigen

Angebot wäre eine sinnvolle Alternative,

um nicht immer wieder hinter

bestehenden Qualitäts stan dards

zurückzutreten. Aber die Sorge um

ein mögliches Ver schrecken der

Anfragenden führt manchmal eben

dazu „alles irgendwie möglich zu

machen“, anstatt selbstverständlich

deutlich zu machen, wie ein hochwertiges

Angebot aussehen kann

und welche Unterstützung die

Fachstelle der anfragenden Schule

anzubieten hat. Dieses Vorgehen

erfordert sowohl einen Konsens im

Team als auch den Mut, die eigene

Fachlichkeit souverän den „Kunden-

Innen“/Nut ze rIn nen der präventiven

Arbeit gegenüber zu kommunizieren.

Denn was in anderen Kontexten

selbstverständlich ist, gilt

noch nicht in der suchtpräventiven

Arbeit: Ob bei der medizinischen

Behandlung in einer Klinik oder der

Reparatur des Autos in einer

Werkstatt – man erwartet Fachwissen

und Standards, die man nicht infrage

stellen kann, weil man nicht vom

Fach ist. In pädagogischen Arbeitsfeldern

ist dieses Selbstverständnis

häufig nicht so stark ausgeprägt.

Hilfreicher wäre mehr Mut zum

ExpertInnentum. Qualitätsstandards

müssen nicht immer wieder heruntergebetet

werden (wieviele Ärzt-

Innen, welche KFZ-MeisterInnen

tun dies?). In einer aktiven Kontaktpflege

mit den Beteiligten geht

es vielmehr darum, die Bedarfe für

suchtpräventive Aktivitäten abzufragen

und auf der Grundlage bestehender

Qualitäts standards passgenaue

Angebote bereitzustellen.

Wer Qualität will, braucht

Standards und Strukturen

Gerade in Hamburg sind durch

Anwendung von Planungs in stru -

men ten ebenso wie von Aus wertungsinstrumenten

positive Ef fek te

auf zweierlei Ebenen zu erwarten:

auf der Ebene der Aktivitäten und

Maßnahmen ebenso wie auf der

Ebene der AkteurInnen.

Beginnen wir mit den AkteurInnen:

Suchtprävention ist in Hamburg

eine Querschnittsaufgabe im wahrsten

Sinne des Wortes. Anders als in

den meisten Bundesländern gibt es

in Hamburg nur wenige ganz spezifisch

und ausschließlich als Suchtpräventionsfachkräfte

ein gesetzte

Kol legInnen in den unterschiedlichen

Arbeitsfeldern. Jede Kollegin

und jeder Kollege in Jugendhilfe

oder Freizeitarbeit, in Kita oder

Schule, im Betrieb oder Privatpersonen

in Familie oder Stadtteil

bildet einen eigenen „Querschnitt“

zwischen originärer Aufgabe und

suchtpräventivem Auftrag. Um diese

Wanderung zwischen den Bereichen

immer wieder neu anzutreten, brauchen

wir guten „Proviant“ und ein

gutes Versorgungssystem – zur rechten

Zeit die passenden Impulse. Der

Fachausschuss Suchtprävention, die

KoordinatorInnen in den Bezirken

und die größeren und kleineren spezifisch

suchtpräventiven Einrichtungen

bilden im Zusammenspiel mit

Behörden und Politik die Struktur,

in der die inhaltlichen Impulse in

Hamburg zu organisieren sind. Den

Blick für Qualität zu entwickeln ist

ein Prozess, der sich zwischen

Regelaufgaben im Erziehungs- und

Bildungsalltag, den strukturellen

und funktionalen Aufgaben sowie

gezielten Einzelmaßnahmen oder

Projekten entwickelt.

Beispiel Globalrichtlinie

Suchtprävention

Diskutiert wurde z. B. die Globalrichtlinie

Suchtprävention. Sie stellte

einen Versuch von Behörden und

Politik zur Qualitätsentwicklung im

Rahmen des Programms Drogenfreie

Kindheit und Jugend dar. Ziel war es,

Suchtprävention in der Jugend hilfe

durch eine ausgewiesene suchtpräventive

Aktivität pro Jahr systematisch

zu verankern. Sie wurde in

den Einrichtungen jedoch nicht als

Unterstützung, als Motivation für

den Blick auf die suchtpräventiven

Aspekte der Regelarbeit gesehen,

sondern als zusätzliche Aufgabe.

War das Verständnis der KollegInnen

von Suchtprävention falsch oder war

es die Art der Maßnahme? Sicher

können wir sagen, dass sie offenbar

wenig auf Nachhaltigkeit und Vielfalt

ausgelegt war – obwohl ein Standard

lautet, dass Suchtprävention in der

Verschränkung von suchtpräventiv

wirksamen Alltagsaktivitäten und

ausgewiesenen Einzelaktivitäten bestehen

kann. Wie könnte dieses Ziel

auf anderen Wegen erreicht werden?

Beispiel Fachausschuss

Suchtprävention (FAS)

Im FA Suchtprävention geht es

um Impulse – bislang jedoch noch

weniger um eine auswertende

Arbeit. Wie könnte beides miteinander

verknüpft werden? In der

Klausurtagung im Februar startete

der FAS eine Qualitätsinitiative.

Fragen rund um inhaltliche Qualität,

um Strukturqualität – insbesondere

Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit

– wurden gesammelt, Ziele thematisiert.

Um im FAS genügend Raum

dafür zu haben, wurde ein veränderte

Struktur beschlossen: Intensive

Themensitzungen wechseln mit

Berichtsitzungen ab, in denen die

Aktivitäten der KollegInnen im

Mittelpunkt stehen. Die Jahrestagung

findet ab 2012 am Anfang des

Jahres statt und bildet den Auftakt

für die weitere Beschäftigung mit

dem Thema, insbesondere mit der

Umsetzung in der Praxis.

Fazit

Es gibt viele Wege zur Qualität und

viele Instrumente zur Qualitätsentwicklung

– niemand muss das

Rad neu erfinden. Es geht darum,

Erfahrungen zu sammeln und die

vorhandenen Instrumente kompatibel

zu machen. Die vorhandenen

Strukturen könnten noch intensiver

genutzt werden. Ein weiterer

Ansatz dafür könnte das neue

Dokumentationssystem DotSys 3.0

bieten (vgl. Seite 6). Wollen wir

Suchtprävention als eigenständigen

Arbeitsbereich erhalten und weiter

entwickeln, kommen wir um die

Arbeit mit Qualitätsinstrumenten

nicht herum.

Irene Ehmke

Büro für

Suchtprävention

der HLS

Andrea Rodiek

SuchtPräventions­

Zentrum (SPZ)

LI (BSB)

Vor 10 Jahren:

Hermann Schlömer mit Christina Baumeister

und Sven Kammerahl ...

... und einer Elvis-Darstellerin bei der

Preisverleihung zum Wettbewerb Alkohol.

Irgendwann ist der Spaß vorbei im

Trockendock 2001

Hermann

Schlömer

verabschiedet sich aus dem

aktiven Dienst

Einer, der Suchthilfe und Suchtprävention in Hamburg über lange Jahre

mitgestaltet hat, geht. Hermann Schlömer geht in den Ruhestand und nimmt fast

35 Jahre Erfahrung in der Gestaltung von Suchtprävention und Suchtkrankenhilfe

in Hamburg mit.

In dieser Zeit ist viel passiert: die

Schaffung von Beratungs-, Be treuungs-,

Übernachtungs- und Be handlungs

ange bo ten für die meist jugendlichen

Drogenkonsu men tIn nen

Anfang der 70er Jahre, die Diskussion

zur Niedrig schwelligkeit der

Drogenhilfe und der Substitution

mit Ersatzstoffen, vor allem im

Zusammenhang mit dem Auftreten

von HIV in den 80er Jahren.

Schließlich die Weiterentwicklung

eines Sucht- und Drogenhilfesystems,

das zielgruppenorientiert

mit differenzierten Hilfen arbeitet.

Die Suchtprävention hat nicht weniger

Veränderungen erfahren. Beginnend

mit den ersten Abschreckungskampagnen,

dem Ruf nach Alternativen

zum Drogenkonsum mit

kultur- und erlebnispädagogischen

Methoden, die Postulierung von

Verhaltens- und Verhältnis orientierung,

bis zur Entwicklung eines

umfassenden zielgruppenorientierten

Präventionsansatzes, der Akteu r-

Innen vieler Berufsfelder in die

Pflicht nimmt.

Schwerpunkt Suchthilfe

Hermann Schlömer hat alle diese

Entwicklungen begleitet und gestaltet.

Hochengagiert, kreativ, ausdauernd,

offen für neue fachliche

Entwicklungen, kom munikativ und

mit großer Überzeugungskraft, Beharrlichkeit,

Akribie und Fleiß.

Vieles in unserem Fachgebiet ist

geprägt durch sein großes Engagement.

Als einer der InitiatorInnen,

EntwicklerInnen und LobbyistInnen

des Drob Inn hat er dazu beigetragen,

Überlebenshilfen als Suchthilfeleistungen

zu sehen und auch

denen zugänglich zu machen,

die noch nicht in der Lage sind,

an ihrem Ausstieg zu arbeiten.

Damit wurde ein wesentlicher Paradigmenwechsel

in der Suchthilfe

eingeleitet.

Schwerpunkt

Suchtprävention

Seit Anfang der 90er Jahre lag sein

Schwerpunkt bei der Sucht prävention,

zunächst in der damaligen

Beratungsstelle für Sucht prävention

beim Institut für Lehrerfortbildung.

Das Sucht Prä ven tionsZentrum des

Landes instituts für Lehrerbildung

und Schulent wicklung (LI) der Schulbehörde

(BSB) hat im September

2000 seine Arbeit aufgenommen,

hier hat er die Leitung übernommen

und es konzeptionell mit hoher

Fachlichkeit und profundem Wissen

entwickelt und gestaltet. Seit 2007

ist er Leiter der Abteilung Prävention,

Inter vention und Beratung des

LI, seither gehörten neben der

Suchtprävention u. a. auch Gesundheitsförderung,

Gewaltprävention

und Lehrergesund heit zu seinen

Aufgaben. Kon zeptionell stark, weitsichtig

und kooperativ hat er viele

Projekte auf den Weg gebracht,

Bekifft in der Schule und Rauchfreie

Schule sind Beispiele dafür.

Aber nicht nur in Hamburg hat

sich Herman Schlömer um die

Suchtprävention verdient gemacht,

sondern auch im Verbund der

Norddeutschen Bundesländer und

auf Bundesebene ist er fachpolitisch

hoch angesehen und konnte viel

bewegen.

Kurz gesagt: die Belange der schulischen

Suchtprävention waren

bei Hermann Schlömer immer in

sehr guten Händen, auch deshalb,

weil er immer aus klarer eigener

Überzeugung heraus handelt.

Jetzt geht er in den Ruhestand.

Zeit, Danke zu sagen und alles

Gute und viel Glück für neue

Herausforderungen zu wünschen.

Monika Püschl

BGV Abteilung

Gesund heit

Fachabteilung

Drogen und Sucht


4 Ausgabe

Ausgabe 34 : august 2011

5

die Zeitung für Suchtprävention

die Zeitung für Suchtprävention

34 : august 2011

Suchtprävention in Hamburg:

vorbildlich!?

Beim 5. Bundeswettbewerb „Vorbildliche Strategien in den Suchtprävention“ wurden elf der 63 Kommunen, die sich beworben hatten, prämiert. Hamburg hat zum dritten Mal einen

Preis gewonnen, aufgrund der Berücksichtigung besonderer Lebenslagen, der hohen Verbindlichkeit und der Standardisierung bei Maßnahmen in der Suchtprävention.

– Ist das ein Zeichen qualitativ und konzeptionell guter Suchtprävention? Ja und Nein.

Gewalt-

und

sein:

tes Feld

des se-

brauchs.

zu – es

Der

präven-

brau-

Sucht-

Ge-

han-

Fach-

tion und

chen

prä-

walt-

delt sich

aus-

Suchtpräven-

doch

ein je-

ven-

tion,

orien-

tierte

nicht

nur um

Alle eingereichten Beiträge

sind in einer Dokumentation

erschienen, die kostenlos unter

folgender Adresse bestellt

werden kann:

tion

Sie gehören

weils

eigenes

Profil,

um

Ge-

walt-

prä-

venti-

Preisverleihung in Berlin: Die Direktorin der BZgA, Prof. Dr. Elisabeth Pott; Sven Kammerahl (Basfi); der Hamburger

Gesundheitssenator, Detlef Scheele; die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans und der

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

in den

Konflikte

Stadt-

ein medienwirksames

Bundeszentrale für

gesundheitliche Aufklärung

51101 Köln

Fax: 0221 – 8992257

E-mail: order@bzga.de

www.bzga.de

Weitere Informationen

zum Wettbewerb und den

eingereichten Beiträgen unter:

http://kommunalesuchtpraevention.de

die Prä-

xuellen

eng zu-

wirk-

on und

teilen

Kon-

sammen

sam zu

als drit-

vention

Miss-

nehmen

strukt.

Sven Kammerahl

BASFI – Amt für

Familie, Jugend und

Sozialordnung


6 Ausgabe

Ausgabe 34 : august 2011

7

die Zeitung für Suchtprävention die Zeitung für Suchtprävention

34 : august 2011

Dot.sys 3.0:

Weiterentwicklung des bundesweiten

Dokumentationssystems der

Suchtprävention

Aus der Praxis

Bereits seit dem Jahr

2006 werden Maß nahmen

der Sucht vor beugung

in allen Bundesländern

einheitlich mit

dem Dokumentationssystem Dot.sys

erfasst, das von der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung

(BZgA) zur Verfügung gestellt

wird. Das neue Dot.sys 3.0 bietet

nun allen Beteiligten in handlicherer

Form weitgehende Möglichkeiten,

sich über die laufende

Suchtpräventionspraxis zu informieren.

So erlaubt Dot.sys 3.0 den

NutzerInnen – Fachkräften der

Suchtprävention, Landeskoordinationsstellen

für Suchtprävention

und der BZgA – umfangreiche

Einblicke und Informationen, beispielsweise

in Form von automatisiertern

Auswertungen der Daten

auf den jeweiligen Ebenen.

Praktisch: ein System – zwei

Module

Die zwei Module des ursprünglichen

Dot.sys-Systems (das Eingabe- und

Auswertungsmodul) wurden im Jahr

2011 in ein einheitliches System

integriert und allen NutzerInnen

zur Verfügung gestellt. Die Maßnahmen

können damit nun in

einer Anwendung sowohl dokumentiert

als auch ausgewertet werden.

Die neue Version Dot.sys 3.0

bietet als grundlegend neue Funktion

umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten

direkt in Excel

(oder nach Export der Daten zum

Beispiel in SPSS). Darüber hinaus

wurde Dot.sys an die aktuellen

Sicherheitsstandards angepasst und

kann nun unter www.dotsys-online.de

als moderne Online-Datenbank ge-

nutzt oder wie gewohnt in der sogenannten

Offline-Version unter dem

Betriebssystem Microsoft Windows

genutzt werden.

Neue Möglichkeiten:

Feinsteuerung der eigenen

Tätigkeiten

Neben der Möglichkeit sich per

Mausklick einen Überblick in

Form von tabellarischen oder grafiikschen

Auswertungen über die

eigenen Maßnahmen zu erstellen,

bietet Dot.sys nun sowohl den Einrichtungen

(MitarbeiterInnen und

Leitungen) als auch den Landeskoordinierungsstellen

die Möglichkeit,

sozusagen tagesaktuelle Auswertungen

ihrer suchtpräventiven

Maßnahmen vorzunehmen. Dies ist

beispielsweise zur Identifikation

von Umsetzungsschwerpunkten der

eigenen Arbeit, der eigenen Einrichtung

bzw. der Fachkräfte im

Bundesland unerlässlich und dient

darüber hinaus dem fachlichen

Austausch und der Reflektion über

die Ausrichtung der suchtpräventiven

Arbeit auf den unterschiedlichen

Tätigkeitsebenen. So ist auch

die kurzfristige Beantwortung von

Anfragen zur Ausrichtung der suchtpräventiven

Tätigkeiten ohne weiteres

möglich.

Die Möglichkeiten der Steuerung

der eigenen Arbeit mit Dot.sys sind

inzwischen sehr vielfältig, nicht

zuletzt gilt es auch die eigenen

Maßnahmen in Hinblick auf die

Nutzung und Verbreitung von Qualitätssicherungsmaßnahmen

wie

zum Beispiel Dokumentation und

Evaluation mit den Ergebnissen

der aggregierten Daten auf Landesund/oder

Bundesebene einzuord-

nen und zu bewerten. Dies ist auch

mit Blick auf die Berichterstattung

an Träger, Landeskoordinierungsstellen

oder Drittmittelgeber eine

gute Bewertungsgrundlage für bestehende

oder neue Maßnahmen

und Projekte.

Empfehlung:

Umsteigen auf Online-Version

Die BZgA und die Behörde für Arbeit,

Soziales, Familie und Integration

empfehlen allen dokumentierenden

Hamburger Einrichtungen die

Nutzung der neuen Online-Datenbank

(www.dotsys-online.de). Das

Büro für Suchtprävention der

Hamburgischen Landesstelle e. V.

wird deshalb entsprechende In formations

veranstaltungen zu Dot.sys

3.0 durchführen. Alle interessierten

NutzerInnen sowie all diejenigen,

die es werden wollen, können sich

gerne für weitere Informationen an

uns wenden.

Christiane Lieb

Geschäftsführerin

Hamburgische

Landesstelle für

Suchtfragen e. V.

Aktionswoche Alkohol 2011

Unter dem Motto Alkohol? Weniger

ist besser! fand in der Zeit vom

21. bis 29. Mai 2011 die bundesweite

Aktionswoche Alkohol statt.

Hauptziel der Aktionswochen ist

es, Erwachsene und Jugendliche

für einen maßvollen Alkoholkonsum

zu gewinnen.

Papilio-Veranstaltung im AEZ im

Rahmen der Aktionswoche

Die Aktionswochen stellen einen

wichtigen Beitrag dar, um in

Erinnerung zu rufen, dass der

Umgang mit Alkohol nicht ganz

einfach ist und manche Menschen

Informationen, Hilfe und Un ter -

stüt zung benötigen, um den richtigen

Umgang mit der Substanz

Alkohol zu lernen. Dies gilt für

Jugendliche und Erwachsene gleicher

maßen. Denn rund 9,5 Millionen

Menschen in Deutschland konsumieren

Alkohol auf riskante

Weise, davon sind 1,3 Millionen

abhängig.

Jeder fünfte Mann und fast

jede sechste Frau trinken zu

viel Alkohol. Alkohol ist in

Deutschland fast allgegenwärtig

– die Botschaft der diesjährigen

Aktionswoche richtet sich deshalb

an alle, die Alkohol trinken, also 90

Prozent der Bevölkerung. Die Hamburger

Einrichtungen der Suchtkranken

hil fe, der Sucht selbst hilfe

und der Sucht prä vention be teiligten

sich an der Aktions woche

2011 wieder mit mehr als 50

Aktionen und Veranstaltungen (vgl.

www.aktionswoche-hamburg.de).

Die Hamburgische Landesstelle für

Suchtfragen e. V. bedankt sich bei

allen Beteiligten für das große

Engagement und die tatkräftige

Unterstützung bei der Umsetzung

der bundesweiten Aktionswoche

Alkohol in Hamburg.

Christiane Lieb

Hamburgische Landesstelle für

Suchtfragen e.V.

lieb@suchthh.de

Herkunft–Ankunft–Zu kunft:

Zertifikatsvergabe 2011

Am 22. Juni fand die Zertifikatsvergabe

der interkulturellen Keyperson

im Hamburg Welcome Center

statt.

Die Staatsrätin der Behörde für

Gesundheit und Verbraucher schutz,

Elke Badde, dankte den interkulturellen

Keypersons am 22. Juni für ihr

ehrenamtliches Engage ment und

beglückwünschte sie zu den erfolgreich

erworbenen Zertifikaten, die

im Hamburg Welcome Center feierlich

überreicht wurden.

Die Schulung fand im Rahmen des

Projektes Herkunft-Ankunft-Zukunft

der Hamburgischen Lan des stelle für

Suchtfragen e. V. statt und beinhaltete

insgesamt 40 Stunden in der

Theorie gefolgt von einer Praxisphase.

Die Schulung wurde in Kooperation

mit folgenden Trägern und Pro jekten

der Hansestadt durchge führt:

HIDA und KODROBS Wil helms burg

(jugend hilft jugend e. V.), Kajal

(Frauenperspektiven e.V.), therapiehilfe

e.V., MiMi Ham burg, Polizei

Hamburg, Ham burger Kinderschutzbund

e.V., SuchtPräventionsZentrum

des LI, Büro für Suchtprävention

Verleihung der Zertifikate im Hamburger Welcome Center mit Christiane

Lieb, Staatsrätin Elke Badde (BASFI), frisch gebackenen Keypersons und

Nida Yapar, Referentin für kulturelle Vielfalt, BfS .

und der Behörde für Arbeit,

Soziales, Familie und Integration.

Das Projekt wird unterstützt von

der Behörde für Gesundheit und

Verbraucherschutz.

Die Keypersons sind Wegwei se r-

Innen, TüröffnerInnen für Integration

und geben Hilfestellung. Sie

sind auch Vorbilder für die Übernahme

von Verantwortung in der

Gesellschaft, denn sie ebnen Menschen

den Zugang zu den vielfältigen

Hilfeangeboten zur Bewältigung

von Suchtproblemen.

Die muttersprachlichen Key per son-

Info-Veranstaltun gen werden über

das Büro für Suchtprävention der

Hamburgischen Landesstelle für

Suchtfragen e.V. koordiniert.

Folgende Sprachen sind

vertreten:

• Albanisch

• Kurdisch

• Russisch

• Türkisch

• Farsi/Persisch

• Französisch

• Englisch

• Twi (Ghana)

• Malinke (Guinea)

• Polnisch und

• Spanisch

Flyer zu diesem Projekt in den

Sprachen Farsi, Türkisch, Russisch

und Deutsch können dort angefordert

werden. Weitere Informationen

finden sich auf unserer Internetseite:

www.sucht-hamburg.de.

Nida Yapar

Büro für Suchtprävention

Tel: 040/284 99 18-24

yapar@suchthh.de


8 die

Ausgabe 34 : August 2011

Zeitung für Suchtprävention

Fortführung in 2011

Auf Basis der seit Jahren steigenden

Zahlen in diesem Bereich freut sich

die Hamburgische Landesstelle für

Suchtfragen, auch in diesem Jahr

das von der hessichen Landesstelle

für Suchtfragen entwickelte Projekt

® in

Hamburg durch die Unterstützung

der Techniker Krankenkasse Landesvertretung

Hamburg fortführen zu

können.

Wenngleich es in der Wissenschaft

weiter umstritten ist, inwiefern

es sich bei diesem Phänomen um

eine Suchterkrankung handelt,

verzeichnen wir in der Praxis eine

stetig steigende Nachfrage nach

Hilfsangeboten von Betroffenen wie

Angehörigen.

Das Projekt ®

richtet sich vor allem an exzessive

ComputernutzerInnen und deren

Angehörige, die signalisieren, dass

sie Wege suchen, um ihre Probleme

anzugehen. Ziel ist es, einen Informationsaustausch

anzustoßen und

Wege zu Problemlösungen aufzuzeigen.

Colette See

Büro für Suchtprävention

Tel: 040/ 284 99 18-13

see@suchthh.de

www.sucht-hambrug.de

Mediennutzung von

Jugendlichen:

Chancen und Risiken

®

ein Lernarrangement mit Unter richts

werk statt, das geeignet ist für die

Klassen 7 bis 10. Übungen und

Materialien für die Arbeit mit der

ganzen Lerngruppe. Unterrichtswerk

statt mit Arbeits pass, Hörtexten,

Einzel-, Partner- und Gruppen -

aufgaben Viele Möglichkeiten zur

Erwei terung oder Reduktion des

Materials je nach Lerngruppe und

Rahmenbedingungen.

Susanne Giese

SuchtPräventionsZentrum

des LI (BSB)

susanne.giese@bsb.hamburg.de

www.li-hamburg.de/spz

Neue Broschüre:

Sterbende Menschen begleiten.

Krankheit, Tod und Trauer in

Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe

So lautet der Titel der Broschüre,

die die Mitgliedseinrichtungen des

Regionalen Knotens Hamburg erarbeitet

haben.

Was ist zu tun, wenn ein schwer

kranker, wohnungsloser Mensch

sich nicht im Krankenhaus behandeln

lassen will? Wenn kein/e Hausoder

Facharzt/-ärztin bereit ist,

die Einrichtung aufzusuchen? Wie

geht man damit um, wenn ein wohnungsloser

Mensch in der eigenen

Einrichtung stirbt?

Diese und viele andere Fragen

beantwortet diese Broschüre. An

Hand von Praxisbeispielen schildert

sie authentisch und anschaulich,

mit welchen Herausforderungen

MitarbeiterInnen in Einrichtungen

der Wohnungslosenhilfe konfrontiert

werden und wie sie diese meistern

können. Zugleich übt diese

Broschüre Kritik am bestehenden

Gesundheitssystem, das auf die

Bedürfnisse kranker, wohnungsloser

Menschen nicht oder unzureichend

ausgerichtet ist und zeigt

Lösungsmöglichkeiten auf, wie es

weiterentwickelt werden könnte.

Essenslust und

Körperfrust

Leitfaden zur Prävention von

Essstörungen in der Schule

Seit Juni 2011 gibt es die aktualisierte

und überarbeitete zweite

Auflage der Broschüre zum Thema

Vorbeugung von Essstörungen im

SuchtPräventionsZentrum.

Ebenfalls neu vom Juli 2011 ist eine

CD zum Thema: Werkstatt Essenslust

und Körperfrust in Klasse 7 bis 9.

SuchtPräventionsZentrum

des LI (BSB)

spz@bsb.hamburg.de

Umgezogen!

Das SuchtPräventionsZentrum

hat eine neue Adresse

Bereits vor dem Sommer konnte

das SuchtPräventionsZentrum

seine neuen Räumlichkeiten in

Eimsbüttel beziehen. Die neue

Anschrift lautet:

I M P R E S S U M

Zeitung für Suchtprävention

Nr. 34/11

Herausgeber:

Büro für Suchtprävention

der Hamburgischen Landesstelle für

Suchtfragen e.V.

Repsoldstr. 4, 20097 Hamburg

Fon (040) 284 9918-0

Fax (040) 284 9918-19

bfs@suchthh.de

www.sucht-hamburg.de

in Kooperation mit dem SPZ

Verantwortliche Redakteurin:

Gabi Dobusch, BfS

Redaktion:

Andrea Rodiek, SPZ

Theo Baumgärtner, BfS

Layout: Gabi Dobusch, BfS

Druck: [take shape] media design

Resaprint 100 % recycled

Nachdruck nur mit Quellenangabe

und Zusen dung eines Belegexemplars

Erscheinungsweise: zweimal jährlich

Auflage dieser Ausgabe: 2.500

Teilen der Auflage liegt das Fortbildungs

angebot in Hamburg für den

Bereich Sucht prävention bei.

S P E N D E N

Für die nächsten Ausgaben werden

wiederum KooperationspartnerInnen

gesucht. Wir bieten dafür einen exklusiven

Inserentenauftritt.

Die Zeitung wird an alle InteressentInnen

gratis verteilt. Über Spen -

den freuen wir uns: Hamburgische

Lan des stel le gegen die Sucht ge fahren

(HLS), Stichwort »Zeitung«, Hamburger

Spar kasse, BLZ 200 505 50,

Konto 1026 214 518.

Neu erschienen ist in 2011 eine CD

zum Thema im SuchtPräventions-

Zentrum. Es handelt sich dabei um

Petra Hofrichter

Regionaler Knotenpunkt in der

Hamburgischen

Arbeitsgemeinschaft für

Gesundheitsförderung (HAG)

petra.hofrichter@haggesundheit.de

www.hag-gesundheit.de

SuchtPräventionsZentrum (SPZ)

des Landesinstituts für

Lehrerbildung und

Schulentwicklung (LI)

Hohe Weide 16, 2. Stock

Tel: 040/428842-911

Mail: spz@bsb.hamburg.de

www.li-hamburg.de/spz

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