Dr. Kai Seiler - Sucht-Hamburg

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Dr. Kai Seiler - Sucht-Hamburg

Arbeit und Erholung:

ein immer schwierigeres Verhältnis?

Dr. Kai Seiler

07.11.2012


Inhalt

• Hintergrund

• Auswahl von Befragungsergebnissen

unserer Studie

• Schlussfolgerungen und Ausblick

Folie 1

Dr. Kai Seiler


Arbeitsbezogene Auswirkungen im Trend 1994 - 2009

Anstieg der

erschöpfungsbezogenen

Auswirkungen

im Verlauf der

letzten Jahre

Rücken- oder

Gelenkbeschwerden

Erschöpfung

Wut, Verärgerung

Nicht abschalten können

Lustlosigkeit, Ausgebrannt sein

Kopfschmerzen

Schlafstörungen

Niedergeschlagenheit

Konzentrationsprobleme

Probleme / Konflikte mit anderen











Quelle: LIGA.NRW 2009

Folie 2

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Beobachtungen

Pausenzeiten werden aufgespart und am Stück genommen

Essen wird am Arbeitsplatz zu sich genommen

E-Mails werden zu später Stunde geschrieben

Man findet seltener Gelegenheit, Freunde zu treffen bzw.

privaten Verpflichtungen nachzukommen

vermehrter „Freizeitstress“

Mobiles Arbeiten nimmt deutlich zu (Bahn, Flugzeug etc.)

Fluch und Segen moderner IuK ist nicht immer eindeutig

bestimmbar

Folie 3

Dr. Kai Seiler


Beanspruchung und Erholung - Teufelskreis

Synchronisierungsprobleme

privat / bei der

Arbeit

Sorgen, Stress,

Überforderung

Erkrankungen,

Ausfälle,

Leistungseinbußen

Einschlaf-, Durch-

Schlafschwierigkeiten sowie

Erholungsbarrieren

Verringerung

psych.

Robustheit/

Immunsystem

(Seiler/Lehmann 2011)

Dr. Kai Seiler


Bisherige Aktivitäten

- Interdisziplinäre Fachtagung

- Forschung und Modellentwicklung mit Uni Wuppertal

- Publikationen, Vorträge, Öffentlichkeitsarbeit

- Entwicklung anwendungsbezogener Hilfen

- Durchführung einer repräsentativen

Befragungsstudie

Dr. Kai Seiler


Hintergrundinformation zur Studie

Erhebungsmethode: CATI (telefonische Befragung)

aproxima - Gesellschaft für Marktund

Sozialforschung Weimar mbH

Auswahlverfahren:

Zielgruppe:

Stichprobe:

Zufallsstichprobe nach ADM-Design

Bevölkerung Nordrhein-Westfalens

ab 16 Jahren

Repräsentative Bevölkerungsstichprobe

Nordrhein-Westfalens ab 16 Jahre, N = 2.002

Feldphase: 8. November bis 7. Dezember 2011

Folie 6

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Befragungsinhalt (Auswahl)

• Strukturdaten (z.B. Geschlecht, Familienstand, Ausbildung, berufliche

Stellung, Tätigkeiten)

• Belastungen am Arbeitsplatz

• Arbeitszeit und -organisation

• allgemeiner Gesundheitszustand / Qualität des Schlafes

• Erholungsverhalten / Erholungseinstellung

• Aktivitäten zur Erholung

• Erholungshemmnisse

• Angebote des Arbeitgebers zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Folie 7

Dr. Kai Seiler


Stichprobe (N = 2.002)

Repräsentativ nach:

• Geschlecht: 52 % Frauen, 48 % Männer

• Alter: 12 % 16 - 24 Jahre, 31 % 25 - 44 Jahre, 57 % 45 Jahre und

älter

• Erwerbssituation: 43 % abhängig beschäftigt (Arbeiterin, Angestellte,

Beamtin / Arbeiter, Angestellter, Beamter),

7 % selbständig

Folie 8

Dr. Kai Seiler


Wie erholen sich die Menschen?

Folie 9

Dr. Kai Seiler


Erholungsaktivitäten

Ich nenne Ihnen einige Tätigkeiten, die zur Erholung

beitragen können. Geben Sie bitte an, welche dieser

Aktivitäten Sie in den letzten zwei Wochen bewusst

zur Erholung eingesetzt haben.

Wenn Sie eine Tätigkeit zwar wahrgenommen haben,

diese aber nicht zur Erholung eingesetzt haben,

antworten Sie bitte mit nein.

(13 Nennungen)

Folie 10

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Aktivitäten zur Erholung in den letzten 2 Wochen:

Sport treiben / spazieren gehen

Aktivitäten mit Freunden / der Partnerin, dem Partner;

Freunde treffen

TV/Internet (surfen / spielen / soziale Netzwerke …)

Lesen

Alleinsein, nichts tun

Haus- und Gartenarbeit

kulturelle Aktivitäten (Theater / Kino …)

ein Gläschen trinken (Alkohol)

Entspannungsübungen / Wellness / Chillen

ehrenamtliche Tätigkeit

Sonstiges

Medikamente zum Beruhigen

Medikamente zum Aktivieren / Aufputschmittel

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Anteil der Befragten in %

alle Befragten (N=2.002) Erwerbtätige (N=1.049) Nichterwerbtätige (N=953)

Folie 11

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Erholungsaktivitäten

Und welche der eben genannten Tätigkeit

ist die wichtigste für Ihren Erholungserfolg?

(13 Nennungen)

Folie 12

Dr. Kai Seiler


Die wichtigste Aktivität für den Erholungserfolg

Sport treiben / spazieren gehen

Aktivitäten mit Freunden / der Partnerin, dem Partner;

Freunde treffen

Lesen

Alleinsein, nichts tun

Sonstiges

Haus- und Gartenarbeit

TV/Internet (surfen / spielen / soziale Netzwerke)

Entspannungsübungen / Wellness / Chillen

kulturelle Aktivitäten (Theater / Kino)

ehrenamtliche Tätigkeit

ein Gläschen trinken (Alkohol)

Medikamente zum Beruhigen

Medikamente zum Aktivieren / Aufputschmittel

0 5 10 15 20 25 30 35 40

Anteil der Befragten mit Aktivitäten in %

alle Befragten (N=1.995) Erwerbtätige (N=1.048) Nichterwerbtätige (N=948)

Folie 13

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Wie wirken sich die unterschiedlichen

beruflichen Stellungen, Arbeitszeiten und die

Art der Arbeit auf die Erholung der Menschen

aus?

Folie 14

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Gesundheits-INDEX I.

• Wenn Sie der Qualität Ihres Schlafes eine Note geben müssten, wie

würde Ihre Bewertung ausfallen?

(sehr gut...bis…ungenügend)

• Und inwieweit treffen die folgenden Aussagen auf Sie zu? In den

letzten 2 Wochen fühlte ich mich im Allgemeinen …nervös oder

angespannt /… energiegeladen oder tatkräftig /…zufrieden.

• Wie ist Ihr Gesundheitszustand im Allgemeinen?

Ist er…sehr gut…bis…sehr schlecht?

Folie 15

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„Gesundheits-INDEX II.

‣ vier / zwei Ausprägungen

‣ „sehr gut / gut / schlecht /

sehr schlecht“

Folie 16

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Anteil der Befragten in %

Berufliche Stellung

70

"Gesundheits-Index" und berufliche Stellung

60

50

40

30

20

10

0

10

positiv

negativ

20

30

40

50

60

70

ungelernte,

angelernte

Arbeiterin /

ungelernter,

angelernter

Arbeiter

(N=56)

Facharbeiterin /

Facharbeiterin

(N=106)

Vorarbeiterin,

Meisterin,

Technikerin /

Vorarbeiter,

Meister, Techniker

(N=42)

Angestellte,

Beamtin /

Angestellter,

Beamter

ohne

Führungsposition

(N=442)

Angestellte,

Beamtin /

Angestellter,

Beamter

mit

Führungsposition

(N=207)

Selbständige und

Freiberuflerin /

Selbständiger und

Freiberufler

(N=137)

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Anteil der Befragten (mit Angabe der beruflichenStellung) in %

Lage der Arbeitszeit I.

"Gesundheits-Index" und Organisation der Arbeitszeit

70

60

50

40

30

20

10

0

10

positiv

negativ

20

30

40

50

60

70

ja

(N=263)

nein

(N=722)

ja

(N=203)

nein

(N=786)

ja

(N=185)

nein

(N=804)

ja

(N=464)

nein

(N=525)

unregelmäßige

Arbeit

(auf Abruf, arbeitsanfallorientiert,

geteilte Dienste)

Schichtarbeit auch Nachtarbeit Samstag-,

Sonntag- bzw.

Feiertagarbeit

Folie 18

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Anteil der Befragten (mit Angabe der beruflichenStellung) in %

Lage der Arbeitszeit II.

100

"Qualität des Schlafes" und Organisation der Arbeitszeit

80

60

40

20

0

20

gut

(sehr gut,

gut,

befriedigend)

schlecht

(ausreichend,

mangelhaft,

ungenügend)

40

ja

(N=264)

nein

(N=723)

ja

(N=203)

nein

(N=788)

ja

(N=185)

nein

(N=806)

ja

(N=465)

nein

(N=526)

unregelmäßige

Arbeit

(auf Abruf, arbeitsanfallorientiert,

geteilte Dienste)

Schichtarbeit auch Nachtarbeit Samstag-,

Sonntag- bzw.

Feiertagarbeit

Folie 19

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Was hindert die Menschen an ihrer Erholung?

Folie 20

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Erholungshemmnisse

Ich nenne Ihnen nun eine Auswahl von Dingen,

die Sie davon abhalten könnten, sich richtig zu

erholen. Geben Sie bitte an, was Sie persönlich in

den letzten 2 Wochen davon abgehalten hat, sich

erholen zu können.

Und welches der eben genannten Hemmnisse ist das

stärkste und hindert Sie am meisten daran, sich zu

erholen?

(14 Nennungen)

Folie 21

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Die wichtigsten Erholungshemmnisse bei Erwerbstätigen

Gedanken an die Arbeit

Verpflichtungen gegenüber der Familie /

der Partnerin, dem Partner

körperliche Verfassung (Erschöpfung, Krankheit)

Betreuung von Kindern / Jugendlichen /

pflegebedürftigen Personen

Gefühl ständig erreichbar sein zu müssen

anstrengende, überflüssige Kommunikation

finanzielle Lage

Angst vor wirtschaftlichem Abstieg

Umwelteinflüsse (bspw. Lärm)

Erwartung von ständiger Aktivität

zusätzliche Nebentätigkeit zum Gelderwerb

ehrenamtliche Tätigkeit, z.B. soziales,

kulturelles oder politisches Engagement

keine Erholungsflächen/-möglichkeiten

(Parks, ruhige Orte) in der nächsten Umgebung

Wohnsituation

0 5 10 15 20 25 30

Anteil der befragten abhängig Beschäftigten und Selbständigen

mit Erholungshemmnissen in %

Folie 22

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Organisation der Arbeitszeit:

abhängig Beschäftigte, Selbständige (N=1.007)

unregelmäßig, d.h. auf Abruf,

arbeitsanfallorientiert oder in geteilten Diensten (N=272)

nicht unregelmäßig, d.h. auf Abruf,

arbeitsanfallorientiert oder in geteilten Diensten (N=732)

in Schichtarbeit (N=207)

nicht in Schichtarbeit (N=801)

auch nachts (N=189)

nicht auch nachts (N=818)

samstags oder sonntags bzw. an Feiertagen (N=475)

nicht samstags oder sonntags bzw. an Feiertagen (N=531)

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Anteil der befragten abhängig Beschäftigten und Selbständigen in %

"Gedanken an die Arbeit": Erholungshemmnis: ja

"Gedanken an die Arbeit": Erholungshemmnis: nein

Folie 23

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Und wie viele Stunden arbeiten Sie durchschnittlich in der Woche?

Wir meinen damit Ihre tatsächliche Arbeitszeit inklusive Mehrarbeit.

abhängig Beschäftigte, Selbständige (N=1.007)

Wochenarbeitszeit bis 40 Stunden (N=561)

Wochenarbeitszeit über 40 Stunden (N=438)

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Anteil der befragten abhängig Beschäftigten und Selbständigen in %

"Gedanken an die Arbeit": Erholungshemmnis: ja

"Gedanken an die Arbeit": Erholungshemmnis: nein

Folie 24

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Arbeitsorganisation:

abhängig Beschäftigte, Selbständige (N=1.007)

die Arbeit ist projektförmig organisiert (N=312)

die Arbeit ist nicht projektförmig organisiert (N=684)

Ich arbeite in einem Team (N=777)

Ich arbeite nicht in einem Team (N=224)

die Arbeit erfordert einen hohen Grad an Mobilität

(viele Dienstreisen) (N=301)

die Arbeit erfordert keinen hohen Grad an Mobilität

(viele Dienstreisen) (N=701)

Ich kann bei Bedarf

einen Teil meiner Arbeit zu Hause verrichten (N=346)

Ich kann nicht bei Bedarf

einen Teil meiner Arbeit zu Hause verrichten (N=656)

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Anteil der befragten abhängig Beschäftigten und Selbständigen in %

"Gedanken an die Arbeit": Erholungshemmnis: ja

"Gedanken an die Arbeit": Erholungshemmnis: nein

Folie 25

Dr. Kai Seiler


Fazit

‣ Erholungsbeeinträchtigungen nehmen zu, das Verhältnis

zwischen Arbeit und Erholung wird schwieriger

‣ Subjektiv wirksame Erholungsaktivitäten sind vorrangig

sozial und bewegungsorientiert

‣ Bei der Betrachtung von Arbeitsbedingungen bedarf es einem

besonderen Fokus in Hinblick auf

• Alter, Geschlecht und berufliche Stellung der Beschäftigten,

• die Ausgestaltung der Tätigkeit sowie

• die Lage und Dauer der Arbeitszeit.

Folie 29

Dr. Kai Seiler


Fazit

‣ Eine moderne mobile Arbeitswelt erfordert neue angepasste Pausenund

Erholungskonzepte

‣ Erholung beeinflusst psychische Beanspruchung und umgekehrt –

daher sollte dieser Zusammenhang bei Gefährdungsbeurteilungen mit

berücksichtigt werden

‣ Aber auch: kulturelle Erholungs- und Selbstausbeutungsheurismen

prägen das Geschehen

Ziele:

‣ Gesellschaft: Schlaf und Erholung stärker wertschätzen

‣ Rahmenbedingungen für Erholung optimieren

‣ Individuelle Befähigung zur Erholung stärken

Folie 30

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Ausblick

• weitere LIA.fakten

• Bericht zur Studie (Anfang 2013)

• Praxisleitfaden für Beschäftigte

(LIA.transfer, Dezember 2012)

• Weitere Sonderauswertungen und

Vorstellung der Ergebnisse auf

Tagungen und in Fachzeitschriften

• Diskussion der Erkenntnisse mit der

Arbeitsschutzverwaltung in NRW

• Beratung in Gremien

Folie 31

Dr. Kai Seiler


Service: Check zur Erholungsfähigkeit

http://www.lia.nrw.de

Folie 32 4.5.2012

Dr. Kai Seiler


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Dr. Kai Seiler

Landesinstitut für Arbeitsgestaltung NRW

Ulenbergstraße 127 – 131

40225 Düsseldorf

Tel.: 0211/3101-1239

E-mail: kai.seiler@lia.nrw.de

Folie 33

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