Markus & Johannes - Evangelische Südstadtgemeinde Kassel

suedstadtgemeinde.kassel.de

Markus & Johannes - Evangelische Südstadtgemeinde Kassel

Gelegenheit, sich zu besinnen

Worte zur Passionszeit:

„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott

möglich“ (Lukas 18,27). Das ist die Losung der Herrnhuter

Brüdergemeine für das Jahr 2009. So lautet die Antwort Jesu

auf die Frage der Jünger, wer selig werden kann. Nicht dem

Menschen, Gott allein steht es offen, uns Menschen selig zu

machen. Auch hier zeigt es sich, dass Gott allmächtig, die

Macht des Menschen im Großen wie im Kleinen dagegen oft

begrenzt ist.

Vor uns liegt die Passionszeit: Jesus geht seinen Leidensweg bis ans Kreuz. Um

beim Wortpaar „unmöglich“ und „möglich“ zu bleiben: Jesu Art zu lehren und zu

leben, ist seinen Zeitgenossen in vielerlei Hinsicht „unmöglich“ vorgekommen: Jesus

hatte keinerlei Scheu, die Nähe von Menschen jeder Couleur zu suchen – auch und

gerade zu denen, die in der Gesellschaft verachtet oder zumindest verdächtig

waren: geistig und körperlich Kranke, soziale Außenseiter und Ausgegrenzte. Dass

er sie heilte oder nur Gemeinschaft mit ihnen suchte, war für Jesus Ausdruck der

allen Menschen geltenden Liebe Gottes, ein Zeichen dafür, dass Gottes Reich nun

angebrochen ist. Selbst die Jünger Jesu mussten erst lernen, was für ihren Meister

offenbar möglich und nötig war.

Doch auch ihr Verständnis stieß an Grenzen – spätestens als Jesus von seinem

nahen Sterben sprach. Das musste seinen Jüngern als Unmöglichkeit vorkommen:

Hatte Jesus nicht in vielerlei Weise seine unbegrenzte Macht und damit unmittelbare

Nähe zu Gott demonstriert? Sollte es tatsächlich möglich sein, dass er sich nun der

Macht und Gewalt der Menschen aussetzte und ohne Gegenwehr in den Tod

begab, ja dass dies nach Jesu Worten sogar so sein musste?

Die Passionszeit ist eine gute Gelegenheit, sich zu besinnen. Dazu gehört auch, zu

bedenken, welche Vorstellung, ja welches Bild wir von Gott haben: Sollte Gott für

uns nur für das „Schöne, Gute, Wahre“ in dieser Welt, für Harmonie und Allmacht

stehen? Dann wird es auch uns schwerfallen, geistlich den Leidensweg Jesu

mitzugehen. Tatsächlich eröffnet uns dieser Leidensweg neue Perspektiven: Wir

erleben den Gott, der aus Liebe die Ohnmacht, das Leiden dieser Welt und der

Menschheit teilt – bis zum Tod. Wer meint, damit seien auch alle göttlichen

Möglichkeiten ans Ende gekommen, der irrt: Was Menschen unmöglich ist – nämlich

aus dem Tod neues Leben zu erwecken – das ist Gott möglich. Die Passionszeit

führt zum Karfreitag, doch von ihm schließlich zum Osterfest, zur Auferstehung des

auf ewig totgeglaubten Christus. Aus dem Dunkel wird so Licht – auch für unser

Leben.

Pfarrer Karl Waldeck

8

Sprecher der Landeskirche

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine