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Kidslife Bookazine "Schule" – Die Schule der Zukunft Welche Schule ist die Richtige für mein Kind? (Vorschau)

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KidsLife

D A S B O O K A Z I N E Z U M T H E M A

Schule

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Lernen

ohne Stress

was alternative

Schulen anders

machen.

Welche Schule

ist die Richtige

für mein Kind?

VON REFORMSCHULEN ÜBER

PRIVATSCHULEN BIS HIN ZUR NEUEN

GANZTAGSSCHULE FÜR ALLE KINDER

WAS VERSCHIEDENE SCHULMODELLE

FÜR UNSERE KINDER LEISTEN.


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Wie erfolgreiches Lernen gelingt

Der bekannte Erziehungsexperte Detlef Träbert

liefert viele praktische Vorschläge für eine

optimale Förderung des Kindes in Familie und

Schule. Anschaulich erklärt er, wie Dialog und

emotionale Nähe, Vertrauen und ein klares Auftreten

der Erwachsenen Eltern und Lehrer sich positiv

auf Leistung und Verhalten in der Schule auswirken.

237 Seiten | broschiert | a 14,95 D

ISBN 978-3-407-85945-7 | Auch als

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Editorial

Andreas Schmid

HERAUSGEBER KIDSLIFE

W

elche Schule wünsche ich mir für mein Kind? Diese Frage stellen wir

Eltern alle früher oder später mit einem Blick auf das, was verschiedene

Schulen in unserer Umgebung leisten und was wir uns von ihnen erhoffen.

Das schlechte Abschneiden deutscher Schulen im internationalen Vergleich

hat die Notwendigkeit umfassender Reformen gezeigt und tatsächlich sind in den vergangenen

Jahren bereits viele Änderungen auf den Weg gebracht worden. Aber, was wird

die Zukunft bringen und was ist wirklich sinnvoll, um unsere Kinder auf das Leben von

Morgen vorzubereiten?

Wir machen Sie vertraut mit unterschiedlichen pädagogischen Modellen und deren

Umsetzung in deutschen Schulen. Wir alle leben in Zeiten schneller und umfassender

Veränderungen. In allen Lebensbereichen müssen wir uns von Vertrautem trennen, Neues

lernen, uns an veränderte Lebensbedingungen anpassen. Die Geschwindigkeit, mit der

sich Gesellschaften weltweit verändern, hat in den letzten Jahrhunderten ständig zugenommen.

Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sich das in naher Zukunft ändern

wird. Unsere Kinder wachsen mit diesen Anforderungen auf und ihr Leben wird davon

geprägt sein. Das betrifft nicht nur den Umgang mit neuen Medien und neuer Technik,

sondern auch die Art, wie wir lernen, wie wir uns organisieren, wie wir arbeiten, wie wir

zusammen leben.

Nachhaltigkeit, Inklusion und Individualisierung z. B., sind Merkmale, die die

Schulen der Zukunft von den Schulen der Vergangenheit unterscheiden. Zwar gibt

es bei uns in Deutschland noch ein föderales Schulsystem mit gesetzlichen Vorgaben. Innerhalb

dieses Rahmens aber gibt es eine Vielzahl von Schulen mit den unterschiedlichsten

pädagogischen Ansätzen, in vielen verschiedenen Regionen mit teilweise sehr

ver schie denen Lebensvoraussetzungen. Jede dieser Schulen wird sich auf einem anderen

Weg in die Zukunft machen. Jede Schule wird eigen sein. Deshalb werden die Schulen der

Zukunft gemeinsame Grundzüge verwirklichen, aber vielleicht nicht mehr so stark einer

behördlich vorgegebenen Gestaltungsrichtlinie entsprechen.

Die Schule der Zukunftist und bleibt ein spannendes Thema. Wenn das eigene

Kind in die Schule geht, durchlebt man die eigene Schulzeit gewissermaßen noch einmal

aus einer anderen Perspektive. Warum nicht versuchen, das Beste daraus machen?

Wenn Ihnen unser Bookazine dabei behilflich ist, herauszufinden, was die beste Schule

für Ihr Kind sein könnte, oder Sie sogar Anregungen finden, wie Sie die Schule Ihres

Kindes mitgestalten können, haben wir erreicht, was wir wollten. Wenn Sie als Pädagoge

eine Anregung für Ihre Arbeit finden, freuen wir uns mit Ihnen. Auf jeden Fall wünschen

wir viel Spaß bei einem Rundgang durch die heute schon vielfältige deutsche Schullandschaft!

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3


Aus dem Inhalt:

MIT TRADITION, ABER NICHT VON GESTERN

DEMOKRATISCHES LERNEN

Ein Blick über den Zaun Richtung Norden

zeigt: Die Schweden können mehr als Möbel.

Auch in Sachen Schule haben sie die Nase vorn,

wie das Beispiel der Schule „Futurum“ beweist.

Jenaplan klingt irgendwie trocken und ein bisschen

nach DDR-Vergangenheit. Doch Jenaplan

Schulen sind erstaunlich modern aufgestellt,

Große lernen von Kleinen und umgekehrt.

Projekte statt Frontalunterricht. Schule als Lebens-

und Erfahrungsraum.

S.22

S.14

Schule der Zukunft:

Erprobte Beispiele

und visionäre Modelle

S.38

LERNEN IM RHYTHMUS

Waldorf-Schulen sind die vielleicht

bekannteste Alternative

zur Staatsschule und Kreativität

und „Nachhaltigkeit“ sind

hier Programm. Aber bereiten

sie die Kinder auch auf die Welt

von morgen vor?

4 KidsLife Die Schule der Zukunft


Lernen und Spielen gehören

in einer gesunden Kindheit

untrennbar zusammen. Die

Welt erfahren, sich erproben

und jeden Tag neue Dinge

lernen: Die Schulen von Morgen

fördern die Neugier und

den natürlichen Forschungsdrang

der Kinder jede auf

ihre eigene Art und Weise.

Foto: Pixabay

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Benny Blu

macht fit für die Schule

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5


S.30

HILF MIR, ES SELBST ZU TUN

Selbstbestimmtes, individuelles Lernen und freie Entfaltung

der kindlichen Persönlichkeit waren das

Credo von Maria Montessori. Ihr pädagogischer Ansatz

ist auch heute noch aktuell, wie eine Montessori-

Einrichtung mit Kita, Schule und Internat in Bayern

zeigt.

LERNEN OHNE ZWANG

Lernen Kinder, wenn sie nicht müssen? Wenn man sie

tun lässt, was sie wollen? Antiautoritäre Erziehung ist

eigentlich „out“, aber freie Schulen wie das legendäre

„Summerhill“ entwickeln sich weiter und fördern das

Potenzial in den Kindern auf erstaunliche Weise zu

Tage.

S.46

EXKLUSIVER = BESSER?

Privatschulen gelten als elitär und werden nicht

selten von gut verdienenden Eltern dazu benutzt,

sich schwer erziehbare Sprößlinge vom Hals zu

schaffen. Doch kleine Klassen, individuelle Förderung

und rhythmisierte Tagesabläufe tun fast allen

Kindern gut. Wir stellen einige Beispiele vor, wie

z.B. das Internat Schloss Hohenwehrda.

S.54

6

KidsLife Die Schule der Zukunft


Auch die ganz normalen Staatsschulen beschreiten vielerorts neue Wege. Mehr darüber ab S. 62.

Foto: Pixabay

A N Z E I G E

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7


Foto: Pixabay

8 KidsLife Die Schule der Zukunft


Inhalt

S. 3 Editorial

S. 10 Lernen für die Welt von Morgen:

Inklusion, Nachhaltigkeit, Individualisierung

S. 12 Die Schule der Zukunft

Was Kinder sich wünschen

S. 14 Demokratisches Lernen

Die Futurum-Schule in Schweden

S. 22 Modell mit Tradition

Die Jenaplan-Schule

S. 30 Hilf mir, es selbst zu tun

Die Montessori-Schule

S. 39 Lernen im Rhythmus

Die Waldorf-Schule

S. 46 Schule ohne Zwang

Die Freie Schule

S. 54 Bessere Bildung, bessere Erziehung?

Privatschulen

S. 62 Die neue Ganztagsschule

Neue Wege der Nachmittagsbetreuung

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Lernen

für die Welt

von Morgen

T E X T : A N D R E A S S C H M I D

Nachhaltigkeit, Inklusion und Individualisierung sind Merkmale, die die Schulen der Zukunft

von den Schulen der Vergangenheit unterscheiden. Zwar gibt es bei uns in Deutschland noch

ein föderales Schulsystem mit gesetzlichen Vorgaben. Innerhalb dieses Rahmens aber gibt es

eine Vielzahl von Schulen mit den unterschiedlichsten pädagogischen Ansätzen, in verschiedenen

Regionen mit teilweise sehr verschiedenen Lebensvoraussetzungen.

Jede dieser Schulen wird sich auf einem anderen Weg in Zukunft machen. Deshalb werden die

Schulen der Zukunft gemeinsame Grundzüge verwirklichen, aber vielleicht nicht mehr so

stark behördlich vorgegebenen Gestaltungsrichtlinien entsprechen.

Foto: Pixabay

10 KidsLife Die Schule der Zukunft


INKLUSION

Inklusion geht weit über Integration hinaus. Das Ziel der Integration

ist die Anpassung des zu Integrierenden, der Lohn ist die Aufnahme

in bestehende Strukturen. Inklusion aber will die Strukturen

öffnen, das Neue in seiner Andersartigkeit belassen, es aufnehmen

und davon profitieren. Deshalb ist Inklusion zukunftsfähig,

weil sie sich Veränderungen nicht entgegenstellt, sondern zunutze

macht. Einige Eltern befürchten, dass ihr Kind in einer Inklusionsklasse

nicht hinreichend gefördert würde, weil sich das allgemeine

Lerntempo verlangsame und die Aufmerksamkeit auf die zu

inkludierenden Kinder verlagere. Diesen Eltern sei gesagt, dass ihr

Kind von den veränderten Lehrmethoden und der Individualisierung

des Unterrichts unter Inklusionsbedingungen erheblich profitieren

kann. Die Modernisierung der Unterrichtsformen wird durch

das Inklusionsvorhaben vorangetrieben werden, die Schulen werden

personell und technisch besser ausgestattet sein.

INDIVIDUALISIERUNG

Die Schule der Zukunft ist eine individuelle Einrichtung. Der Schüler

ist kein Jahrgangsteilnehmer und die Schule kein Schultyp. Die Kinder

sind einzigartige Menschen, die in einzigartigen Schulen lernen.

Jedes Kind bringt ganz individuelle Veranlagungen mit. Unterstützen

wir ihr einzigartiges Lernverhalten mit einzigartigen Methoden, werden

sie einzigartige Fähigkeiten entwickeln, die sie zu einem einzigartigen

Leben unter uns heute noch nicht bekannten Bedingungen

befähigen.

Eltern verlangen oft die Prüfung ihrer Kinder nach allgemeinen Leistungskriterien

und erhoffen sich davon eine Einschätzung der Zukunftschancen.

Obwohl die Benotung und Prüfung in den meisten

Schulen noch gang und gäbe sind, sind diese Methoden nicht zukunftsweisend,

weil sie allgemeine Kriterien an Individuen ansetzen.

Es gibt keinen nachweisbaren statistischen Zusammenhang zwischen

Schulzensuren und der Qualität des späteren Lebens der Schüler. Aber

es gibt tausende Berichte über durch Leistungsdruck, Gruppenzwang

und Fehleinschätzungen verdunkelte Schulzeiten und in der Folge

auch sicherlich verpasste Entwicklungschancen.

NACHHALTIGKEIT

Nachhaltigkeit in der Schule kann nur heißen, dass der Schüler das

Erlernte im Gedächtnis behält und nutzbringend im späteren Leben

anwendet. Dieses Resultat ist bei einem alterssortierten Frontalunterricht

mit Akzent auf willkürliche Wissensvermittlung ein eher seltener

Zufall. Nachhaltiges Lernen ist nur mit starkem Eigeninteresse,

Freude am Gegenstand und Neugier auf das Resultat vorstellbar.

Damit verbietet sich ein Lehren mit dem Ziel der Umsetzung allgemeiner

Bildungsstandards als nicht nachhaltig und damit nicht zukunftsfähig.

Nachhaltigkeit wird auch vermittelt durch die

Beschaffenheit der Räumlichkeiten und Materialien, in und mit denen

wir unsere Kinder unterrichten. Abgesehen von der Entwicklungsförderung,

die von differenzierten, wertigen Sinneseindrücken bewirkt

wird, werden Denkweise und generelle Lebenshaltung durch das Erleben

nachhaltig konzipierter Umgebung geprägt. Wenn Eltern befürchten,

von ihren Kindern mit unorthodoxen Ideen und Forderungen

konfrontiert zu werden, sollten sie sich zum einen bereit zeigen, sich

auf Neues einzulassen und zum anderen verstehen, dass nachhaltige

Lebensweise kein Mindesteinkommen voraussetzt. Mal ganz davon

abgesehen, dass Nachhaltigkeit als Lebensprinzip „alternativlos“ ist.

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Foto: Pixabay

Die Schule der Zukunft ...

... wie Kinder sie sich wünschen.

Wie sieht eine Schule nach den Vorstellungen

der Schüler heutzutage aus? Was wäre anders,

wenn sie bestimmen dürften? Kinderbuchautorin

Antje Szillat hatte sich bereits im Jahr 2009

für das KidsLife-Magazin auf den Weg gemacht

und in vielen Städen in Deutschland Kinder

und Jugendliche an ihren Schulen besucht. Sie

sprach und diskutierte mit Schülern in Köln,

Dortmund, Düsseldorf, Hannover, Hamburg,

Wolfsburg, München, Saarbrücken, Kiel und

Frankfurt am Main um von ihnen zu erfahren:

Wie stellt ihr euch die Schule der Zukunft

vor?

Obwohl Antje Szillat ganz unterschiedliche

Klassenstufen besuchte und die informelle Befragung

quer durch alle Schulmodelle erfolgte

waren die Ergebnisse nicht so unterschiedlich,

wie man hatte meinen können. Von Grunschulen

über Haupt-, Real- und Gesamtschulen bis

zu den Gymnasien wünschten sich Schüler

durchweg freundlichere Räume, einen Lehrer-

TÜV, mehr Unterricht in Sport und kreativen

Fächern, Bewegung im Unterricht und ein Training

des Sozialverhaltens , da Mobbing und Gewalt

das Klima an zahlreichen Schulen belastet.

Auch mehr Freiarbeit und individuellere Lernmethoden

standen auf der Wunschliste der

Schüler weit oben.

All diese Wünsche klingen nicht utopisch und

erscheinen, mit gutem Willen und etwas Geduld,

durchaus umsetzbar, selbst an den ganz

normalen Staatsschulen. Inzwischen sorgen

neue Gegebenheiten wie der Aufbau eines

neuen „inklusiven“ Schulsystems in Deutschland

und die Einführung von Ganztagsschulen

dafür, dass Schulen sich ändern und nach neuen

Wegen und Methoden der Unterrichtsgestaltung

und des sozialen Miteinanders suchen.

Bis alle erforderlichen Änderungen erfolgreich

umgesetzt werden können, werden sicher noch

einige Jahre ins Land gehen, doch, die ersten

Schritte auf dem Weg zur „Schule der Zukunft

für alle Kinder sind bereits getan!

12 KidsLife Die Schule der Zukunft


WAS SCHÜLER AN IHREN SCHULEN ÄNDERN MÖCHTEN

Ergebnisse einer Befragung an Schulen in ganz Deutschland

Die Schüler der neunten Klasse einer Hauptschule

in Dortmund wünschten sich:

Computer im Unterricht!

Keine Ganztagsschulen!

Bewegter Unterricht!

Lehrer-Tüv!

Kreativere Fächer und mehr Sportunterricht!

Jüngere Lehrer!

Sozialarbeiter an den Schulen!

Freiwählbare Fremdsprachen (außer Englisch)!

Viel mehr Methodentraining!

Kleine Lerngruppen, den Leistungen angepasst!

Keine Gewalt mehr an Schulen

viel mehr Anti-Gewalt-Programme

Kooperationen mit Sportvereinen!

An einem Gymnasium in Hannover stellten

sich Schüler die Schule der Zukunft so vor:

Kleinere Klassen!

Individueller Unterricht!

Viel mehr bilingualer Unterricht!

Spanisch als zweite Fremdsprache!

Klassenlehrer-Teams (aus beiden Geschlechtern)

Sozialarbeiter an den Schulen!

Lernen dem eigenem Lernsystem entsprechend!

Neue Lernmethoden!

Regelmäßige Lehrerbewertung!

Freiwählbare Nebenfächer!

Sitzenbleiben abschaffen!

Freie Hausarbeit, nach einem Punktesystem!

Besser ausgebildete Lehrkräfte!

Kreative Fächer sollten größere Rolle spielen!

Deutlich mehr Sportunterricht!

Freundlichere Klassenräume!

Saubere Toiletten, (Beispiele und Anregung

gab es dazu dutzendweise)

In Düsseldorf sehnten die Schüler einer

vierten Grundschulklasse sich nach einer

Schule der Zukunft, die folgende Punkte

beinhaltet:

Mehr Sportunterricht!

Schönere Schule kindgerechter!

Kuschelecken im Klassenzimmer, für Auszeit!

Computerunterricht!

Saubere Toiletten!

Mehr männliche Lehrer!

Ideenwerkstatt!

Mitspracherecht der Schüler!

Besseres AG-Angebot!

Mehr Streitschlichter!

Methodentraining!

Im Unterricht bewegen dürfen!

Unterricht unter freiem Himmel!

Weniger Hausaufgaben,

mehr Hausaufgabenbetreuung

Die dritte Klasse einer Grundschule in Köln

fand, die Schule der Zukunft sollte so sein:

Sechs Jahre Grundschule!

Viel mehr Sportunterricht!

Unterricht in der freien Natur!

Englisch von Klasse 1 an!

Lernen in Bewegung!

Trinken im Unterricht erlaubt!

Mehr männliche Lehrkräfte!

Mehr Zeit und Raum für kreative Fächer!

Mehr Musikunterricht!

Freundliche Klassenräume!

Nette Lehrer!

In München, an einer Realschule wünschten

sich Schüler der siebten Klasse:

Flexibleren Unterricht!

Lehrer-Tüv!

Mitspracherecht!

Freundlichere Klassenräume!

Unterricht mit den neuen Medien!

Mehr Sport!

Anti-Mobbing-Programme!

Weniger Gewalt!

Strengere Lehrer!!!

Mitschüler, die sich benehmen können!!!

Bewegter Unterricht!

Individuelle Lernmethoden!

Kleinere Klassen!

Besser ausgestattete Schulen!

Moderner Unterricht!

Freizeiträume!

Kleine Räume für Gruppenarbeit!

Ausweichmöglichkeiten!

In Hamburg sagten die Schüler der

achten Klasse einer Hauptschule:

Lehrer-Tüv!

Lernen mit den neuen Medien!

Keine Gewalt an den Schulen!

Mehr Vertrauenslehrer, denen man dann auch

wirklich vertrauen kann!

Andere Form von Klassenarbeiten!

Individuellerer Lernstoff!

Freies Lernen!

Mehr Vorbereitung auf das Berufsleben!

Schönere (neuere) Schulgebäude!

Wohlfühlräume!

Mehr Methodentraining!

Mehr Achtung vor Hauptschülern,

durch verbesserte Hauptschulen!

Mehr engagierte Lehrer!

Auszeit nehmen können, wenn nichts mehr geht!

In Wolfsburg haben wir an einer Gesamtschule

bei einer sechsten Klasse nachgefragt:

Modernes Schulgebäude!

Lehrer-Tüv!

Klassenlehrer-Team!

Freies Lernen!

Rückzugsmöglichkeiten!

Nicht so streng strukturierte Klassenräume!

Individuellere Stundenpläne!

Mehr Freiarbeit!

Mehr Praktiken!

Mehr Sportunterricht!

Mehr kreativere Fächer!

Kleinere Klassen!

Freundliche Lehrer!

In Saarbrücken an einen Gymnasium

sah es so aus:

Lehrer-Tüv

Mehr Unterricht mit den neuen Medien!

Flexibler Stundenplan!

Freundlichere Klassenzimmer!

Mehr Freiarbeit!

Mitbestimmungsrecht der Schüler!

Sitzenbleiben abschaffen!

Kleine Klassen!

Verbessertes Verhältnis zu Lehrern!

Mehr Methodentraining!

Individuelles Lernen!

Bewegtes Lernen!

Viel mehr Sport und auch kreative Fächer!

In Kiel und Frankfurt fragten wir jeweils die

achte Klasse einer Realschule:

Sitzenbleiben abschaffen!

Strenge Lehrpläne abschaffen!

Lehrer-Tüv!

Weniger Gewalt mehr Training des

Sozialverhaltens!

Freier Unterricht!

Mehr Sport!

Freie Nebenfächerwahl!

Unterricht und Aufklärung zu den neuen Medien!

Besser ausgebildete Lehrer!

Gemütliche Klassenzimmer und Freizeiträume!

Freundlicheres Schulgebäude!

Mehr Sozialarbeiter und Vertrauenslehrer!

Mehr Zeit für kreative Fächer!

Lernen auch zu aktuellen Themen!

Flexiblerer Lehrplan!

Andere Form für Klassenarbeiten!

Bilingualen Unterricht!

Bewegung im Unterricht!

Ruhigere Klassen!

Mehr Rücksichtsnahme und Zusammenhalt!

Individuelleres Lernen!

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DEMOKRATISCHES LERNEN

14 KidsLife Die Schule der Zukunft


D i e S c h u l e d e r Z u k u n f t

Demokratisches Lernen

und Blicke über den Zaun

T E X T : R O S E M A R I E L Ö S E R F O T O S : H A N S A H L E N I U S , F U T U R U M

Frontalunterricht, starre Notensysteme und frühe Selektion;

dass unser Schulsystem viele Kinder statt zum Lernerfolg in

die Sackgasse führ t, wissen wir spätestens seit PISA.

Doch welche Alternativen haben wir?

Wie soll die Schule der Zukunf t aussehen? Was hat sich bewähr

t und was muss anders werden? KidsLife stellt visionäre

Modelle und erprobte Beispiele vor.

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DEMOKRATISCHES LERNEN

A

ls meine Freun din Dorette

und ich endlich unser Abi tur

in der Ta sche hatten, fühl ten

wir uns befreit.. Klassen arbeiten,

Hausaufgaben, Zeugnisse

und vor allem die Lehrer, die

uns 13 Jahre lang das Leben

schwer gemacht hatten, lagen endlich hinter

uns. Dach ten wir. Doch im letzten Sommer

wurde Dorettes Ältester eingeschult und das

Thema Schule steht wieder auf dem Plan. Natürlich

soll es dem Jungen besser gehen als uns:

Mit Freude lernen statt unter Zwang, Anregungen

zum Selbermachen statt öder Paukerei, soziales

Lernen und lebendige Projekte statt

Frontal unterricht. Doch welche Schule wünschen

wir uns für unsere Kinder? Wie könnte

die Schule der Zukunft aussehen?

Lernen gehört zu den elementaren Bedürfnissen

eines jeden Menschen. Mit dem ersten

Atemzug beginnen wir mit Interesse und Freude

die Welt zu entdecken, eignen uns voller Energie

Fertigkeiten und Kenntnisse an. Wir experimentieren,

staunen und fragen den Erwachsenen

Löcher in den Bauch. Diese lustvolle

Lernerfahrung, diese Entdecker freude sollte die

Schule der Zukunft bewahren und fördern.

Doch wie muss die Schule aussehen, die die

Lust am Lernen bewahrt und die kleinen Forscher

und Forscherinnen weiterhin beflügelt?

Wie muss sie organisiert sein, damit sie junge

Menschen in ihrer Vielfalt begreift und fördert?

Kann es überhaupt eine Schule geben, die so

hohe Ansprüche erfüllen kann? Und wie kann

sie dem rasanten Wissens zuwachs begegnen?

Schließlich muss ein Abiturient heute davon

ausgehen, dass die Hälfte aller Wissensinhalte,

die er in der Schule gelernt hat, nach spätestens

20 Jahren veraltet sind. Und die Alterung des

Wissens schreitet rapide voran. In einigen Bereichen

etwa der EDV beträgt die „Halbwertszeit

des Wissens“ schon heute gerade

einmal drei Jahre.

Die vier tragenden Säulen für

die Schule des 21. Jahrhunderts

laut Unesco

Learn to know: Zu lernen, wie man lernt, effektiv

zu lernen und auf ein lebenslanges Lernen vorbe reitet

zu sein.

Learn to do: Zu lernen, wie man handlungsfähig

wird - beruflich, öffentlich und privat.

Learn to be: Zu lernen, wer man ist und eine

sozialfähige Ich-Identität zu entwickeln.

Learn to live together: Zu lernen, in einer demokratischen

und vielfältigen Gesellschaft zu leben,

und mit anderen gemeinsam handeln zu können.

NEUE SCHULEN FÜR NEUE ZEITEN

Die Globalisierung, die Fülle an Informationen,

die durch die Entwicklung neuer Technologien

verfügbar sind, stellen neue Anforderungen an

das individuelle Lernen und das gesamte Bildungswesen.

Die industrielle Gesellschaft wandelt

sich zur Wissensgesellschaft. Dies verlangt

von den Kindern andere Fähigkeiten als bisher,

denn Bildung spielt in der Wissensgesellschaft

eine Schlüsselrolle: Sie hilft bei der persönlichen

Orien tierung, sie ermöglicht es, an der Gestaltung

des öffentlichen Lebens mitzuwirken und

erleichtert den Zugang zum Arbeitsmarkt. Lebenslanges

Lernen lautet die Devise für die Zu-

16 KidsLife Die Schule der Zukunft


kunft. Indi vi du elle Lernstrate gien, die es Kindern

ermöglichen, sich in kurzer Zeit selbständig

Wissen anzueignen, müssen ver mittelt

werden. Und ganz wichtig: Schüler müssen lernen,

Wichtiges von Un wichtigem zu unterscheiden,

sonst gehen sie in der Infor mationsflut

unter. Aneignungs metho den sind damit

ebenso wichtig, wie das Lernen selbst.

Eine zukunftsfähige Schule erfordert daher sowohl

eine strukturelle Reform als auch ein pädagogisches

Umdenken. Blickt man über den

nationalen Tellerrand hinaus, zeigt sich, dass in

zahlreichen anderen Ländern das Bildungswesen

in den letzten Jahrzehnten bedeutend mutiger

und nachhaltiger umgestaltet wurde als in

der Bundesrepublik. „In der europäischen Schulpolitik

gibt es einschlägige Trends, die Deutschland

verpasst hat“, sagte Bildungs for scher Dr.

Hans Döbert bereits 2003 in einem WDR-Interview.

„Finnland, England, Frank reich, die

Niederlande und andere haben in den 1980er-

1990er Jahren ihr Schulwesen stark verändert.“

Zu den wichtigsten Reformen gehört die Rücknahme

des Frontalunterrichts zu gunsten von

Unterrichts formen, die die individuellen Fähigkeiten

der Schü ler stärker berücksichtigen. Auch

die Fokussierung auf die frühkindliche Bildung

und die Übertragung von mehr Verant wortung

und Ge staltungsfreiheit von den Behör den an

die Schulen sind wichtige Punkte.

Schlechte Chancen

für die Nachkommen von Eltern, die aus dem Ausland nach Deutsch land kommen

und für die Kinder unterer Ein kommens schichten. Dass das hiesige Schulund

Bildungs system eklatante Defizite aufweist, ist nicht erst seit dem Pisa-Debakel

offenkundig, aber seitdem stärker in die öffent liche Wahr nehmung gerückt.

Nicht nur unbefriedigende Lern effekte wurden den Schulen laut Studie im

Land der Dichter und Denker bescheinigt, sondern auch eine besonders starke

Kopplung von Bildungserwerb an die soziale und ethnische Herkunft.

LERNEN IST NICHT GLEICH

UNTERRICHTET WERDEN

Marianne Gronemeyer, emeritierte Professorin

der Erziehungswissenschaften, war selbst acht

Jahre lang als Lehrerin tätig. Sie ist eine der profiliertesten

Kritikerinnen des herkömmlichen

deutschen Schul modells. „Lernen und unterrichtet

werden sind zwei ganz verschiedene

Dinge“, erklärt die Pädagogin, „denn wer kann

schon unter Zwang und Konkurrenzdruck

wirklich Kenntnisse erwerben“. Für sie ist die

Bewertung von Menschen auf einer Zahlenskala

zwischen eins und sechs ein elementares

Hemmnis für eine zukunftsfähige Schule. „Tausende

von Talenten und Fähigkeiten fallen

durch die Standardisierung von Bildung einfach

unter den Tisch.“

Auch die Schüler selbst wünschen sich Re formen.

K.R.Ä.T.Z.Ä. (KinderRÄchTsZÄnker),

eine engagierte Gruppe von etwa 20 jungen

Leuten in Berlin, setzt sich für die Gleichberechtigung

zwischen Kindern und Erwachsenen

ein. Natürlich haben sie sich in diesem Zusammenhang

auch ausführlich mit dem Thema

Schule beschäftigt. Ex-Schüler und Gruppenmitglied

Stefan (20), bezieht eine klare Position:

Die Schulen, die sich am besten mit unseren

Vorstellungen decken, sind sogenannte „Demokratische

Schulen“. An solchen Schulen

können die Schüler komplett entscheiden, was,

wann und wie sie lernen. Es gibt keine Alterstrennung

und Bewertung. An manchen von

ihnen gibt es Unterricht sogar nur nach ausdrücklicher

Nachfrage der Schüler („Sudbury-

Modell“). Schüler und Lehrer treffen Entscheidungen,

die die Schule betreffen, gleichberechtigt.

Das mehrgliedrige Schulsystem sieht der

ehemalige Schüler äußerst kritisch: „Innerhalb

einer Schule, in der alle selbst entscheiden können,

was sie lernen, ist es nicht notwendig, zusätzlich

die Schüler zu separieren.”

Etwa 100 demokratische Schulen gibt es weltweit,

die meisten davon in den USA, in Israel

und in den Niederlanden. Charakteristisch für

ihre Lernkultur ist Selbstbestimmung, Selbstorganisation

und Eigen verantwortung. An diesen

Schulen gibt es keine Lehrpläne und keine Zensuren;

Prüfungen sind freiwillig. Schüler und

Lehrer haben gleiche Rechte und organisieren

gemeinsam ihre Schule. Die Absolventen der

demokratischen Schulen sind nicht weniger er-

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DEMOKRATISCHES LERNEN

Die Delphi-Studie

Bereits 1997 wurde vom damaligen Bundes ministerium für Bildung, Forschung, Wissen

schaft und Technologie eine Studie mit dem Titel „Potenziale und Dimensionen

der Wissens gesellschaft Auswirkungen auf Bildungsprozesse und Bildungsstrukturen“

in Auftrag gegeben. Verschiedene Personen aus unterschiedlichen Bildungseinrichtungen

wurden befragt, um Ideen und Vor schläge zur Gestaltung eines zukunftsfähigen

Bildungssystems zusammenzutragen. Bei der Auswertung der schriftlichen

Befragung von 457 Experten kristallisierten sich übereinstimmend folgende

Thesen heraus:

Die Fähigkeit zur selbständigen Aneignung von Wissen bekommt

primäre Bedeutung.

Die Fähigkeit, Probleme zu lösen, ist wichtiger als Fachwissen.

Eigenverantwortung des Einzelnen gewinnt im Bildungssystem an

Bedeutung.

Durch die mediale Vernetzung ist Lernen an vielen Orten möglich.

folgreich als andere, da sie schon frühzeitig lernen,

Entscheidungen für das eigene Leben zu

treffen. Zudem verfügen sie über ausgeprägtere

soziale Fähigkeiten. K.R.Ä.T.Z.Ä besuchte 2004

die „Democratic School of Hadera“ in Israel.

Sie ist mit 370 Schülern die zweitgrößte demokratische

Schule der Welt. Obwohl sich einige

sehr engagierte Initiativen schon seit längerem

für die Einrich tung demokratischer Schulen in

der Bundes republik einsetzen, scheiterten diese

Versuche bisher an den zuständigen Behörden

der einzelnen Bundesländer.

„BLICK ÜBER DEN ZAUN“ VISIONÄRER

SCHULVERBUND UND NETZWERK

Auch immer mehr Schulleiter und Lehrer sind

um eine positive Vision von Schule bemüht: Im

Schulverbund und Netzwerk „Blick über den

Zaun“ haben sich bundesweit 54 sehr unterschiedliche

Schulen in staatlicher wie in freier

Träger schaft zusammengeschlossen. Gefördert

durch die Robert-Bosch-Stiftung, fand im November

2006 in der Evangelischen Akademie

Hofgeismar eine Fachtagung von „Blick über

den Zaun“ statt. Über 100 SchuleiterInnen und

LehrerInnen aus den 54 Mitgliedsschulen verabschiedeten

einstimmig die „Erklärung von

Hofgeismar“ unter dem Titel „Schule ist unsere

Sache ein Appell an die Öffentlichkeit“.

EIN MANIFEST FÜR EINE LEBENSWERTE

SCHULE

„Blick über den Zaun“ fordert unter anderem:

Die Schule soll einladend und freundlich sein.

Pädagogen, Schüler, Eltern, Kommunen und

außerschulische Institutionen sollen zusammenarbeiten,

damit Kinder und Jugendliche sich in

der Schule den ganzen Tag über wohl fühlen

können. Vollwertige Verpflegung, ein Gesundheits-

und Beratungsdienst, ein flexibler Tagesrhythmus,

gute Ausstattung der Schule mit

vielfachen Lern gele genheiten, genügend Platz

zum Lernen, Spielen und Bewegen sollen

selbstverständlich sein.

Kein Kind soll beschämt werden. Niemand soll

sich als Versager fühlen. Darum soll das Sitzenbleiben

abgeschafft werden. Der Unterricht soll

darauf ausgerichtet sein, der Individualität der

Kinder gerecht zu werden. Die Schule soll

daher neue Formen der Leistungsbegleitung

und -bewertung entwickeln, zum Beispiel verpflichtende

Beratungsgespräche und Lernvereinbarungen.

Die Schule soll selbstständig und eigenverantwortlich

arbeiten können. Starre Jahrgangsklassen

sollen durch flexible Lernformen und

Lerngruppen ersetzt werden. Zwölf- und Vierzehnjährige

können zusammen Englisch lernen

oder im Labor experimentieren. Die Unterteilung

in Haupt- und Nebenfächer soll abgeschafft

werden: Theater, Handwerk, Musik oder

Religion soll gleichwertig mit Englisch oder Mathematik

behandelt werden.

Aus eigener Kraft können die meisten Schulen

solch tiefgreifende Änderungen nicht durchsetzen.

„Blick über den Zaun“ appelliert daher an

Men schen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft,

Ad ministration, den Medien und an die gesamte

Öf fent lichkeit, ihre Vision tatkräftig zu unterstützen:

„Im Interesse unserer Kinder und Jugendlichen

müssen wir zu einem tragfähigen

Konsens kommen, der der Entwicklung unserer

Schulen die Richtung weist und der von dem

Bewusstsein getragen ist: Schule ist unsere

Sache.“

18 KidsLife Die Schule der Zukunft


Zu spät kommen ist kein Problem

für Futurum-Schüler: sie dürfen entscheiden, wann sie ihren Schultag beginnen und wann sie ihn beenden. Für die älteren Kinder beginnt und endet

der Tag mit einer flexibel gestaltbaren Arbeits einheit. So ist es möglich, dass die Kinder wählen können, ob sie lieber früher kommen oder später

nach Hause gehen möchten. Für jüngere Kinder gibt es vor und nach der Schule die Möglichkeit, einen integrierten Hort zu besuchen.

FUTURUM EIN MODELL FÜR DIE

SCHULE DER ZUKUNFT

Hartmut von Hentig, Professor der Pädagogik

und Reformpädagoge, hatte die Möglichkeit

seine Visi on von der Schule der Zukunft umzusetzen.

Seine Ideen findet er in der Laborschule

Bielefeld verwirklicht, einer der fortschrittlichsten

Bildungs einrichtungen Deutschlands.

Die Labor schule Bielefeld ist Mitglied im

Verbund der UNESCO- Projektschulen sowie

im Schulverbund „Blick über den Zaun“. Hartmut

von Hentig fordert: „Die Schule soll keine

Belehrungsanstalt sein, sondern eine Art Lernwerkstatt,

die Kindern und Jugend lichen den

nötigen Raum für Selbst erkundungen gibt. Ist

die Schule ein Lebensraum, muss sich der ganze

Mensch in ihr entfalten können.“ Ein Modellprojekt

in Sachen Schule der Zukunft, in dem

diese Forderungen konsequent erfüllt werden

und dass seit Jahren gut funktioniert, gibt es in

Schweden: „Futurum“ heißt die Schule in der

Kleinstadt Bålsta, 40 Kilometer westlich von

Stockholm, in der eine Vision Realität wurde.

Sie ist nicht nur zum Vorbild innerhalb von

Schweden geworden, sondern stößt auch international

auf großes Interesse. In den letzten

fünf Jahren wurde die Schule von 6500 Gästen

aus 20 Ländern besucht. Mit ihrer innovativen

Pädagogik setzt die Futurum-Schule Maßstäbe

für die europäische Schulentwicklung und ganz

speziell für den Ausbau der Ganztags schulen in

Deutschland.

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19


DEMOKRATISCHES LERNEN

Lichtdurchflutete Räume ...

schöne Farben und Mate ri a lien die Optik der Räumlichkeiten ist mehr als eine Nebensache. Da Wohl befinden das Lernen positiv beeinflusst, ist schon

die Architektur in „Futurum“ Programm. Die farbenfrohe Gestaltung vermittelt den Kindern ein positives Lebensgefühl und Vitalität.

Die Futurum-Schule steht für eine neue Organisation,

eine verbesserte Pädagogik, eine veränderte

Rolle des Pädagogen und für ein gutes

Arbeitsumfeld. Uns beschäftigte: Was müssen

wir die Kinder lehren? Wie muss die Schule und

vor allem der Inhalt der Schule verändert werden,

damit ein Nutzen aus den ungeheuren

Mögli chkeiten der neuen Technik gezogen werden

kann? Wie bringen wir unsere Schüler dazu,

mehr Verant wortung zu übernehmen, die richtigen

Fragen zu stellen, im Team, projektorientiert

und themen- übergreifend zu arbeiten.“, so

Hans Ahlenius, Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften.

Er hat den pädagogischen

und architektonischen Umbau der schwedischen

Schule von Anfang an mitgestaltet.

Fachunterricht und Noten wurden in Futurum

abgeschafft und die klassische Raum-Zeit-

Struktur des Schulalltags aufgehoben. Im Mittel

punkt des Konzeptes steht der einzelne Schüler.

Auch seine individuelle Entwicklung ist im

Fokus, denn Lernen wird hier als ein aktiver und

sehr persönlicher Prozess begriffen. Daher erhält

jeder Schüler einen individuellen Lehrplan,

der auf seine Stärken und Schwächen zugeschnitten

ist. Woche für Woche werden die

Lerninhalte festgelegt und im persönlichen

Logbuch des Schülers festgehalten. Jeder entscheidet

dann selbst, wann er welche Aufgaben

erledigt. Am Ende der Woche werden die Fortschritte

zusammen mit dem Lehrer, der ihn als

Tutor betreut, reflektiert. Gemeinsam überlegt

man, ob die gesteckten Ziele angemessen

waren. So kann der Lernstoff an das individuelle

Lerntempo angeglichen werden. „Jeder

Mensch ist individuell, also braucht jeder Schüler

auch individuelle Lehrpläne“, erläutert Ah-

20 KidsLife Die Schule der Zukunft


lenius das pädagogische Konzept. In den Kernfächern

erhalten die Schüler und Schülerinnen

in kleinen altershomogenen Gruppen Unterricht.

Die flexible persönliche Arbeits ein teilung

sowie die altersgemischte Projekt arbeit, stehen

jedoch im Vordergrund. Jeder Schüler bringt

sich mit seinen Fähigkeiten in das Team ein. Ob

das allein in stiller Arbeit geschieht oder in der

Gruppe, bleibt jedem selbst überlassen. Dies erlaubt

den Kindern und Jugendlichen auch in ei -

nem gewissen zeitlichen Rahmen die freie

Ent scheidung, wann sie ihren Schultag beginnen

und wann sie nach Hause gehen. Ziel ist es

zum einen, dass die Schüler neben dem Erwerben

von Wissen, ihre sozialen Fähigkeiten in der

Zu sammenarbeit mit Anderen üben. Die fächerübergreifende

Arbeit an verschiedenen

Themen schwer punk ten schult das vernetzte

Denken und öffnet den ganzheitlichen Blick für

Zusammen hänge. Die Lehrkräfte stehen jederzeit

für Fragen zur Verfügung. Achtzig Schüler

werden jeweils von fünf bis acht Lehrern betreut.

LERNLANDSCHAFTEN STATT

KLASSENZIMMER

Da das Wohlbefinden das Lernen positiv beeinflusst,

ist schon die Architektur in Futurum

Programm. Die farbenfrohe Ausgestaltung vermittelt

ein positives Lebensgefühl und Vitalität.

Die alten Klassenräume sind verschwunden,

multifunktionale Lernlandschaften sind an deren

Stelle getreten, lichtdurchflutete Räume,

durch große Glas scheiben voneinander getrennt.

Die gesamte Schule ist in sechs kleinere

Einheiten unterteilt. Jeweils 160 Schüler zwischen

sechs und sechzehn Jahren, in zwei altersgemischten

Gruppen aufgeteilt, sind in

sechs verschiedenfarbigen Pavillons untergebracht.

Jedem Arbeitsteam stehen ein großer

Gruppen raum und mehrere kleine Arbeitsräume

zur Ver fügung. Der Arbeitsplatz ist für

jeden frei wählbar, Computerplätze und Labors

sind ebenso vorhanden, wie gemütliche Leseecken.

Auch die Möblierung ist variabel nutzbar.

Jedes Kind hat einen eigenen Rollcontainer

für seine Arbeits materialien. Und jeder große

Die Futurum Schule in Schweden von außen gesehen.

Gruppenraum verfügt über eine Bühne, denn

der Präsentation egal ob es sich um die Arbeitsergebnisse

am Ende jeder Lerneinheit,

Bühnenstücke oder musikalische Darbietungen

handelt wird in Futurum eine große Rolle beigemessen,

denn das fördert das Selbst bewusstsein.

Für die Entwicklung der Persön lichkeit ist

es wichtig, sich vor einem größeren Publikum

darstellen oder artikulieren zu können. „Wir

müssen uns für jedes Kind so einsetzen, dass es

noch am letzten Schultag die Freude des ersten

empfindet“, umreißt Hans Ahlenius die grundlegende

Konzeption. Neue Wege werden hier

sehr erfolgreich beschritten, denn immerhin

schneiden die Schüler der schwedischen Futurum-Schule

im internationalen Vergleich überdurchschnittlich

gut ab. „Es ist wichtig, mit

Visionen zu beginnen. In Deutschland sind oftmals

die Strukturen noch zu unflexibel“, erklärt

Hans Ahlenius.


JENAPLAN SCHULEN

22 KidsLife Die Schule der Zukunft


I n d i v i d u e l l e s L e r n e n

Modell mit Tradition

Die Jenaplan-Schule

T E X T : R O S E M A R I E L Ö S E R F O T O S : V O L K M A R O B S T

Große lernen von Kleinen und umgekehrt. Projekte statt Frontalunterricht.

Schule als Lebens- und Erfahrungsraum. Alles

neue Ideen? Mitnichten: Bereits in den 20er Jahren des letzten

Jahrhunderts erkannte der Reformpädagoge Peter Petersen, wie

wichtig individuelles, selbständiges und soziales Lernen ist.

Sein „Jenaplan“ machte Schule. Bis heute.

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23


JENAPLAN SCHULEN

I

m Februar 2007 schickten die Vereinten

Nationen Vernor Munoz Villalobos,

ihren Sonderberichterstatter für

das Recht auf Bildung, auf Deutschlandreise.

Zehn Tage lang besuchte

Villalobos Schulen, manchmal angemeldet,

manchmal völlig überraschend. Er beobachtete

den Unterricht, diskutierte mit

Lehrern und Schülern und stellte dem deutschen

Schulsystem am Ende ein schlechtes

Zeugnis aus: Schüler in Deutschland werden

viel zu früh nach Leistung getrennt. Bildungschancen

hängen in erster Linie von der sozialen

Herkunft ab. Und die Integration von

Ausländerkindern sei mangelhaft, befand der

Professor aus Costa Rica: „Die Selektion im

deutschen Bildungswesen betrifft vor allem die

unterprivilegierten Schichten, etwa Menschen

mit Migrationshintergrund, Behinderte oder sozial

Benachteiligte. Zwanzig Prozent der Hauptschüler

machen keinen Abschluss. Fast die

Hälfte der Schüler mit Migrationshintergrund

bekommt keine Lehrstelle. Das verschärft die

Ausgrenzung noch“. Dringend mahnte Villalobos

grundlegende inhaltliche und strukturelle

Veränderungen an, um gleiche und gerechte Bildungsmöglichkeiten

für jedes Kind sicherzustellen,

unabhänhgig davon, ob seine Eltern nun

Hartz-IV-Empfänger sind, Einwanderer oder

dem Bildungsbürgertum entstammen.

Das in hohem Maße selektive Bildungssystem

muss zu einem System werden, das Individualität

und individuelles Lernen fördert. So lautet

eine der sieben Forderungen des UN-Berichterstatters

und dieser Gedanke ist keineswegs

neu. Schon lange vor den Diskussionen um die

deutsche Bildungsmisere, entwickelte der Reformpädagoge

Peter Petersen in seinem „Jena-

Plan“ ähnliche Ansätze.

INDIVIDUELLES LERNEN ALS KONZEPT

Peter Petersen, 1923 Ordinarius für Erziehungs -

wissenschaft an der Universität Jena, vertrat die

Ansicht, dass Kinder einen natürlichen Wissensdrang

besitzen, der sich unter den richtigen

Umständen gut entwickelt. Erziehung ist für ihn

keine reine Wissensvermittlung; erst im Zusammenleben

wird der Mensch gebildet. Die

Kinder lernen für das Leben, und Gegenstand

des Lernens ist das Leben selbst. Als Leiter

einer an die Universität angegliederten Versuchsschule

hatte er die Möglichkeit, seine pä d-

agogischen Ideen in die Praxis umzusetzen. Die

Ergebnisse stellte er 1927 beim Kongress des

„Weltverbandes für Erneuerung der Erziehung“

in Locarno vor. Dort erhielt dann sein

Konzept die Bezeichnung „Jena-Plan“.

Und tatsächlich handelte es sich einen Plan, den

Petersen als „Ausgangsform“, als Grundstruktur

verstanden wissen will. Die grundsätzliche

Frage des Pädagogen lautete: „Wie soll die Erziehungsgemeinschaft

beschaffen sein, in der

und durch die ein Mensch seine Individualität

zur Persönlichkeit vollenden kann?“. Petersen

wollte eine Schule für alle Kinder schaffen, in

denen die gewohnten Strukturen des Schulalltags

aufgebrochen werden. Wie sein Entwurf

umgesetzt wird, und mit welchen Schwer punkten,

bleibt dabei jeder Schule selbst überlassen.

Das macht Petersens Ansatz so zeitlos und

heute sind seine Ideen aktueller denn je.

EINE SCHULE MIT VIELEN GESICHTERN

Mittlerweile gibt es in Deutschland 38 Jenaplan-

Schulen. „Und jede davon hat ein anderes Gesicht“,

erklärt Britta Müller, Lehrerin und

Mitbegründerin der Jena-Planschule in Jena, die

1991 ihre Arbeit aufnahm. So unterschiedlich

die Jenaplan-Schulen in den Details sein können,

eines ist allen gemeinsam: Das starre Korsett

von jahrgangsgebundenen Schulklassen, die

24 KidsLife Die Schule der Zukunft


Spiele ...

nehmen einen festen Platz in der Schule ein, denn Lernen soll hier im wahrsten Sinn des Wortes ein „Kinderspiel“ sein. In der Tat: Gerade beim Spiel

öffnen sich die Kinder, sind ganz bei der Sache und lernen so ganz nebenbei.

im Dreiviertel stundentakt die Fächer wechseln,

wird durchbrochen. In den Jenaplan-Schulen arbeitet

jeder nach einem Wochenplan. Projektorientierte

Phasen, Kursphasen und Gemeinschaftsaktivitäten

wechseln. Den Schwerpunkt

des Schulalltags bilden fächerübergreifende

Projekte wie zum Beispiel das „Alte Ägypten“,

„Wetter und Naturerscheinungen im

Herbst“ oder „Afrika“, die die Schüler über

einen längeren Zeitraum bearbeiten. Dies ermöglicht

den Kindern, eigenständig zu forschen

und selbst Entdeckungen zu machen. Diese

kindgerechte Art, Wissen zu erwerben, führt

dazu, dass effektiver und nachhaltiger gelernt

wird. Welche Themen die Schüler wählen und

mit welcher Tiefenschärfe sie in die Projekte

einsteigen, hängt von ihren individuellen Fähigkeiten

ab. Projektpartner und Teams finden sich

auf freiwilliger Basis zusammen. Die Arbeit an

der selbstgewählten Aufgabe erfolgt in Stammgruppen,

die in der Regel drei Jahrgangstufen

umfassen und die Bezugsgruppe für jedes Kind

bilden.

GEGENSEITIGE HILFE IST PROGRAMM

Anders als in herkömmlichen Schulen, in denen

die Klassen nach Alter aufgeteilt sind, nutzen

die „Jenaplaner“ Alters- und Erfahrungsunterschiede

ganz bewusst für das gemeinsame Ler-

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25


JENAPLAN SCHULEN

Reden und Zuhören ...

Bei den regelmäßigen Gesprächen im Kreis üben die Schüler nicht nur die freie Rede in der Gruppe, sondern lernen auch zuzuhören.

nen. Dass ältere Schüler jüngeren helfen, gehört

zum pädagogischen Grundgerüst. Da in jedem

Jahr Jüngere zur Stammgruppe stoßen und Ältere

sie verlassen, ist jeder mit der Situation vertraut,

in der jüngeren, mittleren und älteren

Gruppe zu sein. Dieser ständige Austausch verhindert,

dass sich hierarchische Strukturen herausbilden.

Jede Stammgruppe wird von einem

Lehrer begleitet, der den Schülern unterstützend

zur Seite steht, auf ihre Fragen eingeht

und auch mal eingreift, um Lernprozesse, die

stagnieren wieder anzustoßen. Da er seine Zöglinge

drei Jahre lang betreut, ist er mit ihren

Stärken und Schwächen bestens vertraut und

weiß, wie differenziert sie ein Thema bearbeiten

können und wo noch Hilfe stellungen benötigt

werden. Am Ende eines Projekts muss

jeder Schüler seine Ergebnisse in der Stammgruppe

präsentieren. Dabei sollen die Ergebnisse

so verknüpft werden, dass ein gesamtes

Ganzes entsteht. Wie die Präsentation aussehen

soll, entscheiden die Schüler: Sie können einen

Vortrag über ihre Ergebnisse halten, szenische

Darstellungen entwickeln oder Modelle oder

Plakate gestalten. “Das entscheiden die Schüler

selbst“, erläutert Britta Müller. Frank Köditz,

der an der Jenaplan-Schule in Jena hospitierte,

beschreibt seine Erfahrungen: „Natürlich gibt

es hier eine spürbare Bandbreite an sprachlichen

Fähigkeiten. Aber eines treffe ich nicht an:

26 KidsLife Die Schule der Zukunft


Die Angst vor dem Ergründen und vor dem

mündlichen Darstellen von eigenem Wissen.“

Nach der Präsentation schätzen sich die Schüler

zunächst selbst ein, danach geben die anderen

Schüler der Stammgruppe ihre Kommentare

ab. Erst dann kommt der Lehrer zu Wort.

„Kinder sind sehr kritisch, aber sie erkennen

selbst kleine Fortschritte und wissen nützliche

Hinweise zu geben häufig können sie das besser

als die Lehrer“, betont Britta Müller. So fördert

der Jenaplan-Ansatz nicht nur die

Kreativität, wenn es darum geht, Lösungswege

zu finden und auszuarbeiten, sondern auch die

Team- und Kritikfähigkeit.

Bild: illmann Petersen

DAS INDIVIDUELLE TEMPO ENTSCHEIDET

Im Kursunterricht, der sich um den projektorientierten

Kernunterricht anordnet, wird die

Stammgruppe aufgelöst. In diesen Unterrichtseinheiten

trainieren die Kinder Arbeitstechniken

und erlernen Basiswissen wie Schreiben

und Rechnen. Damit keiner zu kurz kommt,

werden die Schüler je nach individuellem Potenzial

und Lerntempo in sogenannte Niveaugruppen

eingeteilt. Sitzenbleiben wird damit

ebenso überflüssig wie eine äußere Differenzierung,

wie sie unser dreigeteiltes Schulsystem

vorsieht. „Zunächst standen wir gerade der Altersmischung

sehr skeptisch gegenüber, doch

mittlerweile haben wir gerade diesen Aspekt

von Petersens Entwurf sehr schätzen gelernt“,

erklärt die Pädagogin Britta Müller. In der Jenaer

Schule bekommen die Kinder bis zum siebenten

Schuljahr keine Noten und Zeugnisse.

„Noten kategorisieren die Schüler nur. Nützliche

Hinweise, was sie besser machen könnten,

bekommen sie dadurch nicht“, erläutert die

Pädagogin. Schließlich sind die Leistungen Ausdruck

der individuellen Persönlichkeit und jeder

Mensch ist einzigartig und unvergleichbar. Statt

der Zeugnisse bekommen die Schüler zwei mal

jährlich Lernentwicklungsberichte, die sich in

Form eines Briefes an den jeweiligen Schüler

richten. In diesen Schreiben werden die individuellen

Fortschritte formuliert. Dabei sind

neben dem Leistungsstand auch die sozialen

Kompetenzen wichtige Beurteilungskriterien.

Diese Ein schätzung ist die Grundlage für ein

Peter Petersen

Pädagoge und Persönlichkeit

Peter Petersen, geb. 1884 in Großenwiehe, Kreis Flensburg, arbeitete von 1923 bis

zu seinem Tod am 21. März 1952 als ordentlicher Professor für Erziehungswissenschaft

an der Universität Jena. Als langjähriger Leiter der Universitätsschule entwickelte

er dort ein Schulmodell mit altersgemischten Gruppen, das nun zum

klassischen Bestand internationaler Reformpädagogik zählt „Jenaplan“. Seine kindlichen

Erfahrungen auf dem elterlichen Hof und die Erfahrung starken Zusammenhalts

im Dorf legen dabei erste Keime seiner späteren Pädagogik, in deren Mittelpunkt die

Gemeinschaft steht. Petersen gelang es, Reformbestrebungen von großen Reformpädagogen

seiner Zeit zu einem schlüssigen Schulkonzept zusammenzufassen. Während

mit Beginn des Nationalsozialismus mehrere Jenaplanschulen mit

sozialdemokratisch orientierter Lehrerschaft sofort verboten wurden, durfte die Jenaer

Universitätsschule weitermachen. Da Petersen jedoch nicht der NSDAP angehörte,

war er einer der wenigen Professoren der Jenaer Universität, die nach dem

Ende des Nationalsozialismus nicht entlassen wurden. Die neu gegründete Sozialpädagogische

Fakultät nahm bereits 1945 unter seiner kommissarischen Leitung ihre

Arbeit auf. Drei Jahre später wurde Petersen nach wachsendem Druck der SED als

Dekan abgesetzt und erhielt Prüfungsverbot. Die SED schloß gegen den Willen der

Elternschaft 1950 die Universitätsschule als „ein reaktionäres, politisch sehr gefährliches

Überbleibsel aus der Weimarer Republik“. Zeitlebens stand Petersen im

Kreuzfeuer der Kritik; die Idee des Jenaplans fand nur wenig Verbreitung. Dies hat

sich nach 1950 entscheidend verändert. Bis heute mehren sich die Schulen, die nach

dem Jenaplan unterrichten.

Weitere Informationen: www.jenaplan.de

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27


JENAPLAN SCHULEN

Feiern

gehört einfach dazu in der Jenaplan-Schule: Abschlussfeiern werden in der Stammgruppe geplant, vorbereitet und ausgeführt. Sie sind wichtig für

das Gemeinschaftsgefüge der Gruppe. Hier werden ganz besonders gelungene Präsentationen gezeigt oder kleine Theaterstücke aufgeführt.

halbstündiges Gespräch mit dem Schüler und

dessen Eltern. Ab dem siebenten Jahr gibt es an

der Jenaer Schule Lernent wick lungsberichte

und Noten; in der Oberstufe schreiben die

Schüler dann auch wie in anderen Schulen

Klausuren und erhalten Zensuren. Da Jenaplan-

Schulen den Anspruch haben, die jungen Menschen

in ihrer gesamten Persönlichkeit

wahrzunehmen, hat der Kontakt zum Elternhaus

einen hohen Stellenwert. Die Beteiligung

der Eltern am Schulleben wird als integraler Bestandteil

des pädagogischen Konzepts gewünscht

und gefördert. Für Susanne Rauprich,

Mutter zweier Kinder, die die Peter-Petersen-

Schule „Am Rosenmaar“ in Köln besuchen, ist

der gute Kontakt zwischen Eltern und Lehrern

außerordentlich wichtig. „Die Mitarbeit und

Hilfe der Eltern wird von Seiten der Schule ausdrücklich

gesucht.“ Nicht nur wichtige Entscheidungen

werden gemeinsam getroffen,

sondern „Eltern werden auch als Experten an

der Schule willkommen geheißen“. „Die Lehrer

beziehen gerne die speziellen Fähigkeiten

der Eltern in den Unterricht ein, was auf guten

Widerhall bei den Eltern stößt“, beschreibt sie

ihre Erfahrungen.

LERNEN IST SPIELEN IST FEIERN

Das Lernen und die Arbeit an Projekten ist

wichtig, aber nur einer der vier Grundpfeiler,

die den Alltag an einer Jenaplan-Schule ausma-

28 KidsLife Die Schule der Zukunft


„Kinder sind sehr kritisch, aber sie erkennen selbst

kleine Fortschritte und wissen nützliche Hinweise zu

geben häufig können sie das besser als die Lehrer.“

chen. Daneben spielen auch Ge spräche, Spiele

und Feiern eine wichtige Rolle, denn zwischen

Lernen und Freizeit wird kein Unterschied gemacht.

Die Gespräche finden regelmäßig im

Kreis statt, so dass niemand dominiert. Die

Schüler üben dabei nicht nur die freie Rede in

der Gruppe, sondern lernen auch zuzuhören.

In den Gesprächkreisen werden Erlebnisse,

aber auch Ängste und Probleme zur Sprache

gebracht und ethische Fragen diskutiert. Spiele

nehmen ebenfalls einen festen Platz in der

Schule ein, denn Lernen soll hier im wahrsten

Sinn des Wortes ein „Kinderspiel“ sein. In der

Tat: gerade beim Spiel öffnen sich die Kinder,

sind ganz bei der Sache und lernen so ganz

nebenbei. Wer sie beim selbstvergessenen Spiel

beobachtet, kann sich dieser Theorie nicht verschließen.

Und keine Jenaplan-Schule ohne Feiern:

Abschlussfeiern werden in der Stammgruppe

geplant, vorbereitet und ausgeführt. Sie

sind wichtig für das Gemeinschaftsgefüge der

Gruppe. Hier werden noch einmal ganz besonders

gelungene Präsentationen gezeigt oder

kleine Theaterstücke aufgeführt. Die Möglichkeiten

sind vielfältig und der Kreativität keine

Grenzen gesetzt. In die Vorbereitung größerer

Feiern werden auch die Eltern eingebunden.

DEMOKRATIE ALS LEBENSFORM

Ein wichtiges Grundprinzip, das Jenaplan-Schulen

von herkömmlichen Bildungsanstalten unterscheidet,

ist ihr demokratisches Gefüge.

„Das demokratische Gefüge“, heißt es in der

Selbstdarstellung der Jenaer Schule, „wirkt dem

Entstehen von Hierarchien entgegen. Demokratie

ist nicht nur eine Staatsform, sie ist auch

eine Lebensform“. Jüngere lernen von Älteren

und umgekehrt. Beurtei lungs berichte und Gespräche

statt Zeugnisse. Selbstorganisiertes Lernen

und Präsentation des Wissens in der

Gruppe. Das erinnert an Abläufe im Arbeitsleben.

Und tatsächlich bereiten Jenaplan-Schulen

ihre Zöglinge besser auf die Arbeitswelt vor als

der Frontalunterricht und die Wissensvermittlung

des Standard-Bildungssystems. Die Kinder

und Jugendlichen erlernen Kompetenzen, die

es ihnen ermöglichen, sich in der immer komplexer

werdenden Wissensgesellschaft zurechtzufinden.

In punkto Team- und

Kon flikt fähig keit unverzichtbare soft skills im

Arbeitsleben haben sie ebenso die Nase vorn

wie beim kreativen Lösen komplexer Aufgabenstellungen.

Das demokratische Bewusstsein,

das in dieser Schulform sehr stark gefördert

wird, befähigt sie am gesellschaftlichen Leben

teilzunehmen und es aktiv mitzugestalten.


MONTESSORI SCHULEN

30 KidsLife Die Schule der Zukunft


S e l b s t ä n d i g h a n d e l n

Hilf mir, es selbst zu tun:

Die Montessori-Schule

T E X T : R O S E M A R I E L Ö S E R · F O T O S : P E T R A Z E N G E R - J O C H I M & E LT E R N U N D M I TA R B E I T E R V O M E R D K I N D E R - P R O J E K T

Vor fast hunder t Jahren formulier te die italienische Ärztin

Maria Montessori ihr pädagogisches Credo „Hilf mir, es

selbst zu tun“ ein Plädoyer für selbstbestimmtes, individuelles

Lernen und freie Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit.

Ein pädagogischer Ansatz, der heute ganz neue

Aktualität besitzt. KidsLife hat sich eine Montessori-Einrichtung

mit Kita, Schule und Internat in Bayern angesehen.

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MONTESSORI SCHULEN

Farbenfroh

In der Montessori-Schule Erdkinder-Projekt e.V. im bayrischen Lohkirchen unterstützen liebevolle und farbenfrohe Raumgestaltung, die besonderen

Materialien und ein natürliches Umfeld selbständiges Lernen und altersgemäße Ent wicklung.

H

aben Sie jemals Ihren Kindern

auch nur einen Tag die Chance gegeben,

zu tun, was sie möchten,

ohne sich einzumischen? Versuchen

Sie es und Sie werden erstaunt

sein. Die größte Hilfe, die

Sie Ihren Kindern geben können, ist die Freiheit,

ihre Arbeit in ihrer eigenen Weise anzupacken,

denn in dieser Materie kennt sich Ihr

Kind besser aus als Sie. Diese Aussage basiert

auf der Grundidee von Maria Montessoris Pädagogik:

„Hilf mir, es selbst zu tun.“ Die freie

Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit

steht im Mittelpunkt von Montessoris pädagogischer

Lehre. Erziehung und Unterricht, das

bedeutet in erster Linie, die natürliche Freude

des Kindes am Lernen zu fördern, die für Montessori

einen Kernbestandteil kindlichen Lebens

darstellt. Jedes Kind kann und möchte aus eigener

Kraft seine Persönlichkeit und seinen

Geist entfalten und sich zu einem unabhängigen,

freien und selbständigen Menschen entwickeln.

Aus diesem Grund machte die italienische

Ärztin und Päda gogin die kindlichen Bedürfnisse

konsequent zur Basis ihres Unterrichts

kon zepts. Nach der Montessori-Lehre

durchläuft jedes Kind im Laufe seiner Ent wicklung

sogenannte sensible Phasen, in denen es

32 KidsLife Die Schule der Zukunft


für bestimmte Lerninhalte besonders offen ist.

Montessori bezeichnete dieses Phäno men als

„Normalisation“, moderne Päda gogen sprechen

heute von „sich öffnenden Fenstern“.

Während dieser Phasen ist es für die Schüler im

wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel, sich

bestimmte Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen.

Daher bestimmt in Montessori-Schulen

der Entwicklungsstand jeden Kindes seinen individuellen

Lehr plan. Aufgabe der Lehrer ist es,

dem Kind eine für seinen individuellen Entwicklungsstand

optimale Lernumgebung zu bieten

und seine individuelle Wissbegierde zu

fördern.

In der Montessori-Schule Erdkinder-Projekt

e.V. im bayrischen Lohkirchen unterstützen liebevolle

und farbenfrohe Raumgestaltung, die

besonderen Materialien und ein natürliches

Umfeld selbständiges Lernen und altersgemäße

Ent wicklung. Die Montessori-Lehrer beobachten

die Kin der genau und orientieren sich an

ihren Bedürfnissen und an ihrem Kenntnisstand.

Im Gegensatz zum klassischen lehrerzentrierten

Frontalunterricht stellt dieses Kon zept

den Schüler in den Vordergrund. Gearbeitet

wird in altersgemischten Gruppen, in denen

immer drei Jahrgänge zusammengefasst sind.

„Dabei übernehmen Ältere häufig eine größere

Verantwortung. Sie blühen regelrecht auf, wenn

sie helfen können, wenn sie das Gefühl haben

gebraucht zu werden“, so Andrea Schauseil,

Lehrerin an der Montessori-Schule Erdkinder-

Projekt e.V. Da immer wieder jüngere Schüler

nachkommen und Ältere die Gruppe verlassen,

neh men die Kinder stets neue Rollen ein. Sie

lernen, sich besser in andere hineinzuversetzen

und ihre eigenen Grenzen besser zu erkennen.

Der Zugang zum kindlichen

Denken erfolgt nicht auf einer

abstrakten Ebene, sondern am

besten über die Sinne. Greifen

und Begreifen bilden eine

Einheit im Lernprozess.

SINNLICHES LERNMITTEL

ZUM BEGREIFEN

Jedes Kind hat einen natürlichen Drang, alles

zu berühren, zu riechen und zu schmecken. Aus

dieser Beobachtung leitete Maria Montessori die

Erkenntnis ab, dass der Zugang zum kindlichen

Denken nicht auf einer abstrakten Ebene, sondern

am besten über die Sinne erfolgt. Greifen

und Be-greifen bilden eine Einheit im Lernprozess.

Folglich spielt die Auswahl der Lernmaterialien

eine wichtige Rolle. Die Montessori-Pädagogin

verdeutlicht dies am Bei spiel

des Dezimalsystems: „Hält ein Kind ein einziges

kleines Holzklötzchen, kaum fingernagelgroß,

in der Hand nimmt es die Zahl Eins wahr.

Zehn dieser Holzkästchen bilden eine Strecke,

Hundert eine Fläche und Tausend dieser Klötzchen

lassen einen Raum entstehen. Der Raum,

den eine Million dieser Holzteilchen bilden, ist

so groß, dass ein Kind darin sitzen kann.“ Solche

Arbeitsmaterialien gibt es für alle Altersstufen.

Im Fach Mathe matik zeigen sie, wie man

mit Brüchen rechnet, Gleichungen löst oder

Wurzeln zieht. Buchstaben aus Sandpapier,

deren Konturen mit den Fingern nachgefühlt

werden können, helfen das Schreiben zu erlernen.

Die Materialien werden ständig weiterentwickelt,

so dass immer mehr und immer

größere Bereiche abgedeckt werden“, erläutert

Schauseil. Die Kinder mögen dieses „Sinnen -

material“, denn es sieht nicht nur schön aus, es

fühlt sich auch interessant an. Und sie schulen

damit ihre Sinne Begreifen im wahrsten Sinne

des Wortes. Das, womit viele Menschen Probleme

haben: Fühlen und abstraktes Den ken in

Einklang zu bringen erlernen Montessori-Schüler

ganz spielerisch.

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33


MONTESSORI SCHULEN

Kindergarten, Schule, Internat: alle Altersstufen sind willkommen im „Erdkinder Projekt”

Alle Materialien sind für jeden Schüler zugänglich

in Regalen verstaut und zwar immer an

einem festen Platz, so dass sie jederzeit problemlos

zu finden sind. „Diese äußere Ordnung

ist die Voraussetzung für die Entwicklung einer

inneren Ordnung bei den Kindern und Jugendlichen“,

erklärt Andrea Schauseil. Alles ist nur

einmal vorhanden, so dass Absprachen getroffen

werden müssen, wer welches Material benutzen

kann. Auf diese Weise werden die

Kinder in Rücksichtnahme und sozialem Verhalten

geschult.

DIE FREIARBEIT KERNSTÜCK DES

UNTERRICHTS

Das Herzstück des Unterrichts an Montessori-

Schulen ist die Freiarbeit. Jeder Schüler legt

selbständig fest, wie er diese besondere Zeit

nutzen möchte. Und er kann auch frei darüber

entscheiden, wo er arbeiten möchte, und ob das

allein, mit einem Partner oder in einer Gruppe

geschieht. Auch die Themen sollen die Schüler

nach Möglichkeit frei wählen. Zu Beginn der

Freiarbeitsphase sprechen sie mit den Pädagogen

ab, für welchen Arbeitschwerpunkt sie sich

entscheiden und mit welcher Tiefenschärfe dieser

bearbeitet werden soll. „Manche Kinder

haben keine Probleme damit zu wählen, andere

dagegen tun sich damit recht schwer“, erzählt

Andrea Schauseil. „Da müssen wir Lehrer gelegentlich

Hilfestellungen geben, nach dem

Motto‚ so viel Führung wie nötig und so viel

Freiraum wie möglich“. Diese freie Entscheidung

zum Lernen soll zu einer Dis ziplin und

Leistungsbereitschaft führen, die nicht durch

Autoritäten aufgedrückt wird, sondern von

innen kommt. Sie ist die notwendige Voraussetzung

für die „Polarisation der Aufmerksamkeit“,

das konzentrierte Arbeiten in einem

selbstbestimmten zeitlichen Rahmen. „Das Gefühl,

selbst etwas geschafft zu haben, setzt eine

unglaubliche Persönlichkeits ent wick lung in

Gang“, beschreibt Andrea Schauseil die positiven

Impulse für die individuelle Entwicklung.

Aber selbst, wenn der Erfolg einmal ausbleibt,

ist das kein Dilemma. „Dann müssen wir der

Frage nachgehen, warum es nicht geklappt hat“,

erläutert Montessori-Lehrerin Schauseil. „Entscheidend

ist, dass die Kinder selbst über die

Ursachen nachdenken. Denn so erwerben sie

Basis kom petenzen wie Selbständigkeit und Eigenverant

wort lichkeit. Dabei wird von den

Schülern eini ges verlangt: Die freie Wahl eines

Arbeits schwer punktes und die Zeitplanung sind

immense Heraus forderungen. Das können Erwachsene

kaum leisten.“

34 KidsLife Die Schule der Zukunft


Gemütlicher Klassenraum mit viel Platz zum Lernen und Spielen die „Erdkinder“ sollen sich wohlfühlen in ihrer Schule.

Zum freien Lernen gehört auch, dass Belohnungen

und Strafen außen vor bleiben, das

heißt, es gibt keine Benotung wie an Regelschulen.

Stattdessen wird für jeden Schüler aufgrund

kontinuierlicher Beobachtungen ein

Entwick lungs- beziehungsweise Leistungsprofil

erstellt. Lehrkräfte, Eltern und eventuell auch

andere Fachkräfte beraten ge meinsam mit dem

Schüler den aktuellen Stand seiner Kenntnisse

und Fähigkeiten sowie die nächsten Lern schrit -

te. Lediglich die Schüler der Abschlussklassen

werden mit den Bewertungsmaßstäben der

staat lichen Prüfungen bekannt gemacht.

DIE SCHULE DES LEBENS

Während der Pubertät sollen die Jugendlichen

auch mit den praktischen Seiten des Lebens vertraut

gemacht werden. Die besten Voraus setzun

gen dafür schienen Maria Montessori an

einem Ort in einer ländlichen Region gegeben,

denn Lernen, das in praktische Bezüge eingebettet

ist, wirkt besonders nachhaltig. Ökologie,

Ökonomie und soziales Handeln sind ihrer Ansicht

nach hier unmittelbar erfahrbar. So gehören

auch zur Erdkinder Projekt-Schule je eine

Holz-, Metall- und Keramikwerkstatt. Die

Werkstätten werden durchweg von Fachleuten

und nicht von Lehrern betreut. „Wir müssen

Grundsätze der

Montessori-Pädagogik

Die Montessori-Pädagogik ist in erster Linie eine Bildungsmethodik und -philosophie,

die sich unmittelbar am Kind, seinen Bedürfnissen, Talenten und Begabungen

orientiert. Ausgehend von der Auffassung, dass Kinder grundsätzlich gerne lernen und

dies am besten in ihrem eigenen Tempo und ihrer eigenen Art und Weise tun, setzen

Montessori-Pädagogen in hohem Maße auf selbständiges Lernen.

Belohnung und Kritik werden überwiegend abgelehnt. Anstatt mit geschlossenen

Methoden wie etwa Frontalunterricht arbeiten Montessori-Pädagogen mit offenen,

experimentellen Methoden, konkret heißt das: Die Lehrer beobachten die Schüler,

um herauszufinden, welche didaktischen Techniken den Lernprozess am besten

unterstützen.

Dabei gelten folgende Grundsätze

Das Kind wird in seiner Persönlichkeit als vollwertiger Mensch

gesehen und respektiert.

Das Kind erhält Hilfe bei der Entwicklung seines freien Willens,

indem man ihm Raum für freie Entscheidungen einräumt und ihm hilft,

selbständig zu denken und zu handeln.

Dem Kind wird die Gelegenheit gegeben, dem angeborenen

Lernbedürfnis zu folgen, denn Kinder wollen zu einer ganz

bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes lernen.

Dem Kind wird geholfen, Schwierigkeiten zu überwinden, statt ihnen

aus dem Weg zu gehen.

Aufgabe der Pädagogen ist es, dem Kind optimale Bedigungen für ein

individuelles, selbständiges Lernen zu ermöglichen.

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MONTESSORI SCHULEN

Arbeitsfeld Tierhaltung

Eine Schülerin des Erdkinder-Projekts beim Füttern der Kücken. Auch Tier- und Artenschutz gehört hier zum Programm.

die Jugendlichen entschulen das ist heute

wichtiger denn je“, erklärt Andrea Schauseil.

„Denn zu einer guten Vorbereitung auf das

Leben benötigen die jungen Leute noch etwas,

das in der Schule normalerweise nicht gelehrt

wird, nämlich das Entfalten einer Lebensperspektive.

Eigene Pläne entwickeln und sie auch

umsetzen zu können, ist die Basis für ein selbstbestimmtes

Leben.“

SCHLÜSSELKOMPETENZEN ERWERBEN

Wichtigstes Ziel der Montessori-Pädagogik ist

der Erwerb von Schlüsselkompetenzen wie Planen,

Kommunizieren und Kooperieren

selbstverständlich in Verbindung mit einer

guten Allgemeinbildung. In einer immer komplexer

werdenden Wissensgesellschaft, in der

jeder in der Lage sein muss, seine Kenntnisse

oft und selbständig zu aktualisieren, sind diese

Fähigkeiten wichtiger denn je. Aber auch soziale

Fähigkeiten, wie Hilfs bereitschaft und Verantwortungs

bewusstsein gegenüber Mensch und

Natur stehen hier auf dem „Lehrplan“, im Erdkinder-Projekt

z. B. im Arbeitsfeld Tierhaltung.

Dort lernen die Kinder, sich um Bruteier der

gefährdeten Geflügelrasse „Vorwerk“ zu kümmern

und neue Küken auszubrüten ein wichtiger

Beitrag zum Artenschutz.

36 KidsLife Die Schule der Zukunft


MONTESSORI-EINRICHTUNGEN

IN DEUTSCHLAND

Montessori-Schulen und -Kindergärten gibt es

in Deutschland seit 1923. Während der NS-

Diktatur wurden Montessori-Einrichtungen

verboten. Heute arbeiten mehr als 1.000 Einrichtungen

nach den Prinzipien der Montessori-

Pädagogik, darunter 600 Kindertagesstätten.

Bei Schulen in freier Trägerschaft setzte in den

letzten 20 Jahren ein regelrechter Boom ein. So

waren beispielsweise in dem 1985 gegründeten

Montessori-Landesverband Bayern zunächst

fünf Montessori-Schulträger organisiert, heute

sind es bereits 70. Von den Montessori-Schulen

sind etwa 60 Prozent in freier Trägerschaft, das

heißt die Eltern müssen für den Schulbesuch

ihrer Sprösslinge einen monatlichen Beitrag entrichten.

Das Schulgeld im Erdkinder-Projekt in

Lohkirchen beträgt pro Schüler in der Unterstufe

146 Euro und in der Mittel- und Oberstufe

166 Euro pro Monat. Geschwister erhalten

eine Ermäßigung. Darüber hinaus werden

dreimal im Jahr 80 Euro Materialgeld und 65

Euro für Projekte erhoben.

Die meisten Montessori-Schulen sind Grundund

Haupt schulen. Sie orientieren sich an staatlichen

Lehr plänen und stehen allen Kindern

offen. Montessori-Schüler, die an ein „normales

Gymnasium“ wechseln möchten, müssen in der

Regel eine Aufnahmeprüfung absolvieren.

Auch der Abschied von der Schulzeit wird in

der Schule bei Mühldorf in Oberbayern auf

ganz besondere Weise begangen. Eingebunden

in einen rituellen Rahmen, gehen die jugendlichen

Abschluss schüler, jeder für sich, alleine für

einen Tag und eine Nacht, fastend in die Natur,

um diesen Lebensabschnitt zu beenden. 2003

wurde dieses Ritual mit der Kamera begleitet

und so entstand der erste Dokumentarfilm zu

diesem Thema in der BRD. >>

Die DVD „Walk away“ kann bestellt werden bei:

www.erdkinder.de/projekte.html

Maria Montessori

Pädagogin und Persönlichkeit

Wohl kaum ein pädagogisches Konzept ist so eng an eine einzelne Person gebunden

wie die Montessori-Pädagogik. Ihre Begründerin, Maria Montessori (31. August 1870

- 6. Mai 1952), schloss im Alter von 26 Jahren als erste Frau Italiens das Studium

der Medizin ab. Auf Kinderheilkunde spezialisiert, arbeitete sie als Assistenzärztin in

der Kinderpsychiatrie der römischen Universitätsklinik mit „schwachsinnigen“ Kindern.

Binnen kurzer Zeit erkannte sie, dass hier offenbar weniger ein psychiatrisches,

sondern vielmehr ein pädagogisches Problem vorlag, da die Kinder keinerlei Förderung

erfahren hatten. Um ihre geistige und körperliche Entwicklung zu stimulieren,

gestaltete Montessori spezielle Arbeitsmaterialien, das „Sinnesmaterial“. 1907 eröffnete

Maria Montessori die ‚Casa dei Bambini', eine Tages stätte für Kinder aus dem

römischen Armenviertel San Lorenzo. Hier verwirklichte die italienische Pädagogin

erstmals ihre Vorstellungen von Erziehung und Bildung und entwickelte ihre Ideen

und Methoden weiter. Ein Schlüsselerlebnis war für sie richtungsweisend: Sie beobachtete

ein Kind, das sich völlig selbstvergessen und konzentriert einer Aufgabe widmete

und sich durch nichts ablenken ließ. Diese völlig ungeteilte Aufmerksamkeit

faszinierte sie so sehr, dass sie die experimentelle Erforschung dieses Phänomens zu

einem Schwerpunkt ihrer weiteren Forschung machte.

Weitere Informationen über Theorie & Praxis der Montessori-Pädagogik:

www.montessori-deutschland.de

www.montessori-vereinigung.de, www.montessori-lexikon.de

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WALDORF-SCHULEN

38 KidsLife Die Schule der Zukunft


L e r n e n i m R h y t h m u s

Lernen im Rhythmus:

Die Waldorf-Schule

T E X T : R O S E M A R I E L Ö S E R F O T O S : V O L K M A R O B S T

Auf der Suche nach Leitbildern für die Schule von morgen

geraten die pädagogischen Reformbewegungen des frühen

20. Jahrhunderts vermehrt ins Blickfeld. Eines der bis heute

wichtigsten und wirkungsreichsten, gleichwohl nicht unumstrittenen

Konzepte ist die Waldorf-Pädagogik.

„Kuschelschule“ oder ein Unter richt, der sich an der Entwicklung

der Kinder orientiert und sie aufs Leben vorbereitet?

Wie arbeiten Waldorf-Schulen wirklich?

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WALDORF-SCHULEN

„Aus der Art, wie ein Kind spielt, kann man erahnen,

wie es seine Lebensaufgabe ergreifen wird.“

Rudolf Steiner

R

espekt, Liebe, Lernen fürs

Leben das sind die wichtigsten

Grundsätze der Waldorf-

Pädagogik. Oder, um mit

Ihrem Begründer Rudolf Steiner

zu sprechen: „Das Kind in

Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in

Freiheit entlassen.“ Diese Forderung hat nichts

an Aktualität eingebüßt: „Jeder Mensch hat Befähigungen,

die es zu entdecken gilt. Und jeder

soll die Möglichkeit haben, seine Stärken zu erkennen

und zu entfalten deshalb ist das Angebot

an Waldorf -Schulen breit gefächert“,

erzählt Andrea Moore, eine der Begründerinnen

der Waldorfschule Saar-Huns rück im Saarland.

LERNEN IN GEBORGENER UMGEBUNG

Die anthroposophischen Lehren, das betont

auch Rudolf Steiner, sollen nicht Gegenstand

des Unterrichts in Waldorfschulen sein, wohl

aber bilden sie die Grundlage für das didaktische

Konzept. Für die Waldorf-Pädagogik sind

vor allem die Auffassung von der Dreigliederung

des Menschen in Geist, Seele und Leib

und die Einteilung der „Seelenfähigkeit“ in

Den ken, Fühlen und Wollen von Be deutung.

Sie münden in die waldorf-typische gleichberechtigte

Förderung kognitiver, künstlerischer

und handwerklich-praktischer Fähigkeiten.

Nicht ein fester Lehrplan be stimmt, was, wann

und wie unterrichtet wird, sondern der Entwicklungsstand

der Schüler. „Es soll nicht versucht

werden, die jungen Menschen in

Schubladen zu stecken, es ist unser Anspruch

jeden Einzelnen ganz individuell zu behandeln.

Was braucht ein Kind, damit es sich gut entfalten

kann? Das ist die Frage, die unserer pädagogischen

Arbeit zugrunde liegt, und nicht:

Wie hat ein Kind zu funktionieren?“, erläutert

Andrea Moore.

Geist, Seele und Körper fügen sich nach Steiner

im ersten „Lebensjahrsiebt“ zusammen. In dieser

Zeit sollten Kinder in einer Atmosphäre der

Geborgenheit aufwachsen, umgeben von einfachen,

natürlichen Dingen und geschützt vor

Reizüberflutung. Im zweiten „Lebensjahrsiebt“,

von 8 bis 14 Jahren, braucht das Kind eine Autorität,

die es befähigt, Lebensrhythmen und

Gewohnheiten zu entwickeln. Des halb werden

Waldorfschüler die ersten acht Jahre vom gleichen

Lehrer unterrichtet. Der Lehrer lernt die

ihm anvertrauten Schüler daher sehr gut kennen

und kann auf individuelle Stärken und

Schwächen eingehen. Da jeder Pädagoge zahlreiche

Fächer unterrichten muss, befinden sich

die Leh renden selbst ebenfalls in einem permanenten

Lernprozess. Das hat den Vorteil, dass

nicht sie von den Schülern als abgehobene Spezialisten

wahrgenommen werden. Im Gegen teil:

sie müssen vieles gemeinsam mit ihren Schülern

erarbeiten. Allerdings ist der Unterricht so auch

stark durch die Persönlichkeit des Lehrers geprägt.

Ein Waldorflehrer begleitet seine Klasse während

der Unter- und Mittelstufe jeden Morgen

durch den Haupt unterricht, der die ersten beiden

Stunden eines Schul vormittags in Form

von sogenanntem „Epochen unterricht“ einnimmt.

In diesem befassen sich die Schüler

mehrere Wochen lang mit einem Themen komplex.

So beschäftigen sie sich zum Beispiel im

Epochen unterricht Geschichte mit der französischen

Revolution, die in diesem Zeitabschnitt

aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird:

Es werden Texte gelesen, Quellen interpretiert

und vielleicht auch ein Rollenspiel dazu ausgearbeitet.

Dieser Epoche folgt dann vieleicht die

Mathematik-Epoche, in der z. B. Quadra tische

Gleichungen und Funktionen Gegen stand des

Hauptunterrichts sind.

40 KidsLife Die Schule der Zukunft


Nicht von gestern ...

Waldorf-Schüler lernen anders, aber von gestern sind sie nicht: Schüler einer Chemieklasse der Waldorfschule Saar-Hunsrück

Durch die ganzheitliche Beschäftigung mit dem

Thema soll das Erlernte vom Kurzzeit- ins

Lang zeit gedächtnis absinken und damit ein

Leben lang abrufbar sein. In den unteren Jahrgängen

geht es zunächst weniger um die Vermittlung

wissenschaftlich abgesicherten Fachwissens,

sondern um praktische Erkenntnisse.

Die Vermittlung von Wissen ist so angelegt,

dass die Schüler zwischen der sie umgebenden

Welt und dem was sie erlernen eine lebendige

Beziehung herstellen können. So verlassen die

Kinder beispielsweise im Herbst die Schule, um

Kastanien zu sammeln. Sie können im Mathematikunterricht

verwendet werden, um Additions-

und Subtraktionsaufgaben zu lösen, aber

auch im Naturkundeunterricht, um ihre Kenntnisse

in der Botanik zu erweitern. „Oder sie lernen

Buchstaben mit allen Sinnen kennen,

indem zuerst eine Geschichte dazu erzählt und

dann ein Bild dazu gemalt wird. Die Buchstaben

werden geknetet, auf dem Boden gelaufen

oder in den Sand gemalt. Im Unterricht steht

immer der Mensch in seiner Gesamtheit im

Vordergrund“, erläutert Moore.

Im Interesse eines solch „bildhaften Unterrichts“

sind in Waldorfschulen Lehrbücher zumindest

in den ersten Jahren nicht vorgesehen.

Die Schüler sollen sich vielmehr ihre ei gene

Vorstellung von den Dingen machen so soll

der Lernstoff tiefer ins Bewusstsein dringen.

Aus diesem Grund ist es in einigen Schulen unerwünscht,

dass Schüler zu Hause fernsehen

oder Computer benutzen. Der Unterrichts stoff

wird durch Erzählungen des Lehrers vermittelt.

Die Schüler legen ihre Schulbücher selbst aus

Mit schriften, Tafelbildern, Naturmaterialen

oder eigenen Zeich nungen an. „Die Arbeit mit

Büchern legt uns zu sehr fest. Der Lehrer soll

entscheiden, auf welchem Stand die Klasse ist

und was sie aktuell braucht. So kann er ein individuelles

Konzept entwickeln, das ganz auf

die jeweilige Gruppe bzw. auch auf den einzelnen

Schüler zugeschnitten ist. Für den fremdsprachlichen

Unterricht haben wir aber auf

Wunsch der Eltern Schulbücher angeschafft,

damit sie die Möglichkeit haben mit ihren Kindern

den Stoff immer wieder aufzufrischen“,

so Andrea Moore.

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WALDORF-SCHULEN

Lernen mit allen Sinnen ...

Vielschichtiges Lernen mit allen Sinnen nicht gegen, sondern mit der Natur, ist das Credo der Waldorfschule Saar-Hunsrück.

Die Kinder suchen im Freien nach Material, das im Unterricht verwendet werden kann und helfen dabei, sich um die Bienenstöcke zu kümmern.

SCHULALLTAG IM WALDORF-RHYTHMUS

Der Tages-, Wochen und Jahresablauf unterliegt

in allen Waldorfschulen einer rhythmischen

Gliederung und Ritu alisierung. „Die Rhythmisierung

des schulischen Alltags ist uns sehr

wichtig, denn die Rituale vermitteln den Kindern

Sicherheit und Geborgenheit“, betont Andrea

Moore. Je der Schüler wird am Morgen,

wenn er zur Schule kommt mit Handschlag begrüßt

und dann noch einmal vom Klassen lehrer

willkommen geheißen. Am Anfang steht der

zweistündige „Epochenunterricht“, der in drei

Phasen gegliedert ist: Er beginnt mit einem

rhythmischen Teil. Das kann bei den Jüngeren,

Tanzen, Klatschen oder Reimen sein, während

ältere Schüler beispielsweise etwas rezitieren.

Dann folgt der kognitive Teil und dann wiederum

ein Abschnitt, in dem der Lehrer seinen

Schülern ein Märchen, oder eine Geschichte erzählt.

Bewegung, An spannung und Entspannung

im täglichen Rhyt hmus.

Der anschließende Fachunterricht wird während

der gesamten Schulzeit an von einzelnen

Fachlehrern übernommen. Da zu gehört der

künstlerisch-handwerkliche Bereich, Fremd -

sprachen, die schon vom ersten Schuljahr an gelehrt

werden. Projekte, regelmäßige Theater aufführungen,

Konzerte und Schulfeste sind ebenfalls

Ele mente, die den Schulalltag rhythmisieren.

Auch der jährliche Wechsel der Klassenzimmer,

deren Raumfarbe sich im Spektrum

eines Regen bogens vom Rot der ersten Klasse

bis zum Violett in der 12. Klasse verändert, gehört

dazu.

In der Oberstufe (9. bis 12. Klasse) übernehmen

Fach lehrer auch den Hauptunterricht. In

dieser Phase wird der Unterrichtsstoff nicht

mehr ganzheitlich-sinnlich, sondern vermehrt

begrifflich-abstrakt erarbeitet. Eingebettet in

den Schulunterricht sind eine Vielzahl von Berufs

praktika, für die während der Oberstufe insgesamt

30 Wochen vorgesehen sind. Dazu

gehören ein Land wirtschaftspraktikum, ein Sozialpraktikum

und ein Feld vermessungspraktikum.

„Während dieses Praktikums fahren

mehrere Schüler zusammen in ein Landschul-

42 KidsLife Die Schule der Zukunft


heim, wo sie sich der Ver messung eines bestimmten

Gelände ab schnitts widmen. Gerade

während dieses Praktikums ist es wichtig, ganz

exakt und gemeinsam zu arbeiten, damit das

Projekt gelingen kann. Soziale Interaktion, Verlässlichkeit

und Team work stehen hier im Vordergrund.

„Nur wenn jeder seinen Teil der

Aufgabe ganz genau und zuverlässig bearbeitet,

entsteht zum Schluss ein geschlossenes und

schlüssiges Ganzes“, erklärt Andrea Moore.

Anne-Claire Jakobi, deren Söhne Marc und Michael

die Waldorf-Schule in Nohfelden-Walhausen

besuchen, be trachtet die vielen

praktischen Fächer und Berufs praktika als einen

Pluspunkt der Waldorf-Schule: „Die Kinder lernen

von Anfang an viele praktische Dinge, die

ihnen im späteren Leben nützlich sind. Sie

bauen, kochen, stricken, bilden ihre Kreativität

aus und lernen das Arbeitsleben kennen. Das

Wichtigste für mich ist aber, dass ihnen die Zeit

gegeben wird, die sie brauchen, um ihre Fähigkeiten

individuell zu entwickeln.“

LERNEN OHNE LEISTUNGSDRUCK

Zensuren gibt es in der Waldorfschule nicht,

Durchfallen ist nicht vorgesehen. Statt Zeugnissen

gibt es ausführliche Beurteilungen, in

denen der Leistungsstand und die Entwicklung

des Schülers beschrieben werden. So werden

auch Fortschritte und Leistungen gewürdigt, die

durch Schulnoten gar nicht zum Ausdruck gebracht

werden. Auf Wunsch von Eltern oder

Schülern erteilen manche Schulen in der 9. oder

10. Klasse zusätzlich auch ein Zeugnis mit

Noten. Auch wenn die Leistungen eines Schülers

stark nachlassen, bleibt er von der ersten bis

zur zwölften Klasse in seiner festen Klassengemeinschaft.

Denn in Waldorf-Schule hat soziales

Miteinander Vorrang vor Leistung. Dem

18-jährigen Marc gefällt das besonders gut. Er

kam vor einem Jahr als Quereinsteiger in die

saarländische Waldorf-Schule. „Lehrer und

Schüler haben mich total freundlich aufgenommen

und schon nach zwei Wochen fühlte ich

mich so gut integriert, als sei ich schon seit Jahren

hier. Das ist die beste Schule auf der ich bisher

war“, resümiert er.

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WALDORF-SCHULEN

Bühnenreif ...

Jugendliche der Waldorfschule Saar-Hunsrück vor einem selbstgestalteten Bühnenbild bei

den Proben zum Zwölftklassspiel

Was kostet die

Waldorf-Schule?

Da die Zuschüsse, die Privatschulen gewährt werden,

wesentlich geringer sind als die Zuwendungen, die Regelschulen

erhalten, müssen die Eltern für die Schulausbildung

ihrer Sprösslinge an einer Waldorfschule

einen finanziellen Beitrag leisten. Nach dem die Eltern in

Gesprächen die Bedürfnisse der Schule kennengelernt

haben, legen sie ihre Beiträge selbst so fest, dass diese

einerseits den Notwendigkeiten des Schulbetriebs und

andererseits ihren eigenen finanziellen Möglichkeiten

entsprechen. So haben die Eltern der Freien Waldorfschule

Saar-Hunsrück gemeinsam beschlossen einen Familienbeitrag

von 180 Euro festzulegen.

Informative Seite mit vielen Infos:

www.waldorfschule.de

JEDE WALDORFSCHULE IST ANDERS

Bei allen Gemeinsamkeiten die Waldorfschule

gibt es nicht. Jede Schule ist eine autonome Organisation,

die ihr eigenes pädagogisches Konzept

erarbeitet und eigene Schwer punkte setzt.

So ist der Waldorfschule Saar-Hunsrück ein eigener

Schulbauernhof angegliedert, auf dem

die Schüler lernen, Tiere artgerecht zu pflegen

und zu versorgen. „Jeden Morgen verlassen

zwei Schüler der Unter- oder Mittelstufe ihre

Klasse, um auf dem Bauernhof einige kleinere

Aufgaben zu erledigen: sie sammeln im Hühnerstall

die Eier ein, helfen beim Füttern der

Tiere und beim Schleudern des Honigs aus den

Bienenstöcken. Dies ist nicht nur gut für die

emotionale Entwicklung, es entsteht auch eine

enge Beziehung zur Natur und ein praktisches

Interesse an Fragen der Ökologie“, erklärt Andrea

Moore. Natürlich stammen auch die Zutaten

für die Speisen in der Schulkantine aus

biologischem Anbau.

SCHULABSCHLUSS IN SOZIALKOMPETENZ

Die Schulzeit an Waldorfschulen beträgt zwölf

Jahre unabhängig vom individuell angestrebten

staatlichen Schul ab schluss. Am Ende steht

zunächst der Waldorf -Schul abschluss, der in

den meisten Bundesländern nicht als gleichwertig

mit einem staatlichen Schulabschluss

anerkannt wird. Der Wal dorfschulabschluss

sieht keine Ab schluss prüfung vor. Er umfasst

neben den schulischen Leistungen in der Oberstufe

die verschiedenen Praktika, eine Jahresarbeit

mit einem theoretischen und einem

praktischen Teil und die Teilnahme an einem

Theaterprojekt der ganzen Klasse, dem

„Zwölft klasspiel“. Beim Verlassen der Schule

soll der junge Mensch vor allem Sozialkompetenzen

wie Team fähigkeit, Selbständig keit,

Kreativität und Lernkompetenz erworben

haben.

Das Waldorfabschlusszeugnis dokumentiert

diese ebenso ausführlich wie die erbrachten

praktischen Leistungen. Für Jugendliche, die die

Schule mit dem Abitur verlassen wollen, bieten

Waldorfschulen ein 13. Schuljahr an, in dem die

Schüler auf die staatliche Abiturprüfung oder

den Fach hoch schul abschluss vorbereitet werden.

Bei der Wahl des Themas der Jahresarbeit

in der Oberstufe sind der Kreativität keine

Grenzen gesetzt:. Marc wird in seiner Jahresarbeit

verschiedene Formen der Dichtkunst untersuchen

und auch selbst Gedichte schreiben.

Milena verfasste die Biografie eines namhaften

Fotografen, Jonas formte eine Plastik aus Holz

und Mona drehte einen Film „Smile for a

while“, in dem sie Men schen mit ausgefallen

44 KidsLife Die Schule der Zukunft


Hobbies porträtierte.

In Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Niedersachsen

und Nordrhein-Westfalen wird das

staatliche Zentralabitur geschrieben. Im Gegensatz

zu staatlichen Schulen fließen die Ergebnisse

der Waldorf-Oberstufe nicht in die

Abschluss note ein, relevant ist lediglich das Prüfungs

ergebnis. In den anderen Bundesländern

wird das Abitur vor einer staatlichen Prüfungskommission

abgelegt. Allein Hessen bildet eine

Ausnahme, es erkennt die Klassen 11 bis 13 als

gymnasiale Oberstufe an. Für die Anerkennung

der anderen Schulab schlüsse gelten von Bundesland

zu Bundes land unterschiedliche Bestimmungen.

So gibt es z. B. an den Waldorf-

Schulen des Saarlandes und des Landes Rheinland-Pfalz

den Hauptschul abschluss nach der

10. Klasse und den Realschulabschluss nach der

12. Klasse. Trotz dieser un terschiedlichen Regelungen

er freuen sich Waldorf -Schu len einer

großen Be liebt heit: Weltweit gibt es mehr als

950 Schulen; über 200 davon allein in Deutschland.

Im Jahr 2005 erhielten in Deutschland 45% der etwa 5.000

Waldorfschulabgänger das Abitur, 8% die Fach hoch schulreife,

35% den Realschul- und 7% den Hauptschul abschluss.

Quelle: Arbeitsbereich Bildungsökonomie der Freien Hochschule

für anthroposophische Pädagogik Mannheim: Schulabgänger

nach Abschlussarten in Deutschland 2005.


FREIE SCHULEN

46 KidsLife Die Schule der Zukunft


L e r n e n , w i e e s E u c h g e f ä l l t

Schule ohne Zwang

Die Freie Schule

T E X T : A L I C E S E L I N G E R F O T O S : E L I S A B E T H N O V Y I F R E I E S C H U L E F R A N K F U R T I S U M M E R H I L L

Kinder wollen lernen. Sie sind von Natur aus neugierig und

wissensdurstig. Deshalb brauchen sie auch keine Noten

und keinen Lernzwang, sondern Freiheit und vielfältige

Anregungen. Das ist der Grundgedanke der Freien Schulen.

Freiwilliger Unterricht und Schule ohne Zeugnisse kann

das in der Praxis funktionieren? Was lernt man, wenn man

nichts lernen muss?

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FREIE SCHULEN

D

ie Freien Schulen sind ein radikaler

Gegen entwurf zum herkömmlichen

Schulmodell: Hier

pauken die Schüler nicht Wissen,

dass ihnen von Erwachsenen

vorgegeben wird, sondern

gehen ihren eigenen Interessen

nach. Starre Lehrpläne, feste Pausenzeiten,

stundenlanges Stillsitzen, Benotungen und

Zeugnisse engen Kinder ein, setzen sie unter

Druck und nehmen ihnen im schlimmsten Fall

lebenslang die Lust am Lernen und damit auch

die Neugier auf die Welt. In den Freien Schulen

pauken die Schüler nicht Wissen, dass ihnen

von Erwachsenen vorgegeben wird, sondern

dürfen ihren eigenen Interessen, Antrieben und

Fragen nachgehen. Emotionale, soziale und kognitive

Erfahrungen sind dabei gleichwertig. Ob

ein Kind sägt, liest, rechnet oder malt, ob es sich

um Jüngere kümmert oder sich verkleidet, bei

allen Aktivitäten lernt es.

DIE KINDER ENTSCHEIDEN, WAS SIE

LERNEN

Jedem Kind wird seine individuelle Entwicklung,

sein eigenes Tempo zugestanden. Lernen,

was man möchte das Konzept der Freien

Schulen klingt nach einem Paradies für Faulpelze,

doch das ist es nicht. Im Gegenteil: Der

Umgang mit der Frei heit will gelernt sein. Eigenständiges

selbstbestimmtes Lernen setzt

voraus, dass ein Kind motiviert ist und seine Bedürfnisse,

Interessen und Fähigkeiten kennt.

Der „Lernerfolg” in der freien Schule hängt also

in weit höherem Maße als in der Regelschule

davon ab, wie aktiv die Schüler sind und was sie

an Fähigkeiten und Interessen mitbringen.

Die Kinder entscheiden selbst, was sie wann

machen wollen. In der Praxis sieht das so aus,

dass sie mit den Lehrern Lern verabredungen

treffen. Die Lehrer bieten ihre Kompetenz, ihr

Wissen an, zwingen es aber nicht auf. Für die

Lehrer bedeutet das, nicht ihre eigenen Vorstellungen

davon, was Kinder tun oder lernen sollen,

umzusetzen, sondern sich täglich auf deren

Bedürfnisse und Interessen einzustellen. An

einer Freien Schule zu unterrichten erfordert

Flexibilität, Einfühlungs ver mögen, Kreativität

und Konzentration. Die Lehrer geben ihren

Schülern nichts vor, stehen aber unterstützend

und beratend zur Seite, gehen auf jede individuelle

Frage und Situation ein.

DAS BEISPIEL SUMMERHILL

Anders als Waldorf- oder Montessori-Schulen

verstehen sich die Freien Schulen nicht als alternatives

pädagogisches Modell. Im Gegenteil:

Sie lehnen jede Form von Pädagogik ab, die behauptet,

zu wissen, was wann gut für Kinder sei.

Kinder sollen nicht funktionalisiert werden,

weder von den staatlichen Schu len noch von alternativen

pädagogischen Dogmen. Dahinter

steht der Grundgedanke, dass Kinder keine

formbare Masse sind, sondern eigenständige,

den Erwachsenen gleichwertige Per sön lichkeiten.

Vorbild der Freien Schulen ist das legendäre

eng lische Internat Summerhill, das 1921

von dem nicht minder legendären Reformpädagogen

Alexander S. Neill gegründet wurde.

Heute wird das Internat von rund 80 Schülern

von fünf bis siebzehn Jahren besucht. Viele von

ihnen kommen aus Deutsch land und Japan. Die

Schulgebühren liegen zwischen zehn- und

zwanzigtausend Euro. Leiterin der Schule ist

Neills Tochter Zoë Neill Redhead.

Summerhill baut auf drei Grundprinzipien auf:

„Self-government” (Schülerselbst regierung) bedeutet,

dass eine Schulge mein de aus Kindern

und Lehrkräften alle Fragen des Schul alltags regelt.

Die Stimmen der Kinder zählen dabei genauso

viel wie die der Erwachsenen. Auch die

beiden anderen Hauptmerk male bestimmen bis

heute den Charakter aller Freier Schulen: freiwilliger

Unterrichtsbesuch nach Absprache und

Werk stätten für die Schüler, in denen sie ihre

motorischen, handwerklichen und kreativen Fä-

48 KidsLife Die Schule der Zukunft


Summerhill

ist eine demokratische Schule in Leiston (Suffolk, England) und gilt als eine der ältesten demokratischen Schulen der Welt. Sie ist auch das Vorbild der

Freien Schulen. A. S. Neill gründete sie 1921 zu einer Zeit, als Reformpädagogik populär war. Derzeit wachsen rund 90 Kinder und Jugendliche verschiedener

Nationen im Alter von 5 bis 17 Jahren in dem Internat auf. Nach dem Tod des Gründers im Jahre 1973 übernahm seine Frau Ena und ab 1985 ihre

Tochter Zoë Neill Readhead die Schulleitung.

Foto: summer-

higkeiten entwickeln können. In Summerhill

wird den Kindern viel Freiheit gegeben, doch

gibt es verbindliche Regeln, die von der Schulgemeinde

in der die Schüler die Mehrheit

haben aufgestellt werden. Neill hielt nicht viel

von den deutschen 68ern, er verwendete nie

den Begriff antiautoritäre Erziehung, sondern

bezeichnete seine Praxis als „selbstregulative

Erziehung”. In Summerhill werden häufig ungewöhnliche

Wege beschritten, wenn ein Schüler

den Ablauf ernsthaft stört. Statt ihn zu

bestrafen, wird für ihn ein „Tag der Aufmerksamkeit”

ausgerufen. An diesem Tag kümmern

sich alle ganz besonders um diesen Schüler.

Einem Jungen, der Fahrräder unrechtmäßig benutzte,

schenkte die Gemeinschaft ein Fahrrad.

Forderun gen nach hartem Durchgreifen gibt es

Die 3 Hauptmerkmale von Summerhill

„Self-government“, von Kamp als (Schüler-)Selbstregierung übersetzt

Es gibt eine „Schulgemeinde“, in der die Kinder und Lehrkräfte

wichtige Fragen des Schulalltags gleichberechtigt regeln

Der Unterrichtsbesuch ist freiwillig

Es stehen Werkstätten für die Schüler zur Verfügung

A. S. Neills Ideen zu Schule und Erziehung waren von seinem Vorbild Homer

Lane geprägt. Den Kindern wurde viel Freiheit gegeben, sie waren jedoch nicht

frei von Regeln. Es galt das Prinzip „freie Erziehung“ und nicht „frei von Erziehung“,

wie es in den 1960er Jahren während der Studentenbewegung in

Deutschland falsch interpretiert wurde. Populär damals war der Begriff „antiautoritäre

Erziehung“, den A.S. Neill selbst nie verwendete. Neill bezeichnete seine

Praxis als „selbstregulative Erziehung“. Diese sollte es den Kindern ermöglichen,

ihr eigenes Leben zu leben, nicht eines, das ihnen von Autoritäten wie Eltern

oder Erziehern suggeriert oder vorgeschrieben wird.

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FREIE SCHULEN

Schüler

in Summerhill bei einer Abstimmung. Summerhill baut auf drei Prinzipien auf. „Self-government” (Schülerselbst regierung) bedeutet, dass eine

Schulge mein de aus Kindern und Lehrkräften alle Fragen des Schul alltags regelt. Die Stimmen der Kinder zählen dabei genauso viel wie die der

Erwachsenen.

nicht. Dennoch kommt es auch in Summerhill

vor, dass Kinder bzw. die Eltern vor die Entscheidung

gestellt werden, sich der Gemeinschaft

anzuschließen oder sie zu verlassen.

FREIE SCHULEN IN DEUTSCHLAND

In Deutschland existieren bereits seit den 70er-

Jahren Freie Schulen. 60 von ihnen haben sich

im Bundesverband der Freien Alternativschulen

(BFAS) organisiert. In der Regel entstanden

die Schulen aus Elterninitiativen so auch das

Projekt „Neue Schule Hamburg”, das unter anderem

von der Sängerin Nena mitinitiiert

wurde. Die Schule startete mit finanziellen Problemen,

erhielt aber eine behördliche Genehmigung.

We gen der schwierigen Vergleichbarkeit

der Leistungen von öffent lichen und Freien

Schulen ist die Genehmigung durch die Schulbehörden

immer wieder konfliktträchtig. Allerdings

wurde bislang kein Antrag auf Genehmigung

abgelehnt.

Die „Freie Schule Frankfurt” (FSF), bereits

1974 gegründet, umfasst Kindertagesstätte,

Grundschule und Förderstufe, nach der sechsten

Klasse müssen die Schüler auf Regelschulen

wechseln. Etwa 50 Kinder zwischen drei

und dreizehn Jahren lernen in einem großen

Haus mit Hof im Frankfurter Stadtteil Sachsen -

hausen. Eine Holzwerkstatt, Musikinstrumente,

ein großer Kunstbereich, ein Schulgarten im

Taunus, eine Theater bühne, eine Kletterwand

und ein kleiner Abenteuer spielplatz gehören zur

50 KidsLife Die Schule der Zukunft


Ausstattung. Die Kinder kommen morgens ab

neun Uhr, frühstücken und besprechen mit den

Lehrern, was sie machen möchten. Sie ordnen

sich je nach Alter und Ent wicklung der jüngeren,

mittleren oder älteren Gruppe zu und entscheiden

frei, womit sie ihren Tag verbringen.

Um halb zehn ist die Frühstückszeit vorbei, um

zwölf Uhr gibt es Mittagessen und um sechzehn

Uhr einen Kakao zum Abschluss des

Tages. Im SchülerInnenrat können alle Angelegenheiten

ohne die Anwesenheit von Erwachsenen

besprochen werden.

Die „Freie Schule Frankfurt” (FSF), bereits 1974 gegründet, umfasst

Kindertagesstätte, Grundschule und Förderstufe, nach der sechsten

Klasse müssen die Schüler auf Regelschulen wechseln.

Kommentare von Eltern im Internet zeigen,

dass sich viele nicht zuletzt aufgrund eigener

negativer Erfahrungen für die Freie Schule entscheiden.

Und dass sie sich mit Ängsten auseinandersetzen

müssen: ist die Entscheidung für

die Freie Schule richtig? Wird das Kind später

auf einer weiterführenden Schule zurecht kommen?

Eigenständiges, selbst be stimmtes Lernen

setzt voraus, dass ein Kind seine eigenen Bedürfnisse,

Interessen und Fähigkeiten kennt.

Der Umgang mit Freiheit in einer weitgehend

unfreien Gesellschaft ist weder für Kinder

noch für Erwachsene selbstverständlich, und

unter Umständen muss er zunächst erlernt und

geübt werden.

ERFOLGREICHER ÜBERGANG

Kaum Probleme scheint den Schülern der

Freien Schulen der Übergang auf staatliche zu

bereiten. Auch im späteren Leben sind sie auffallend

erfolgreich und meist zufrieden mit ihrer

beruflichen Tätigkeit. Empirische Studien über

den Erfolg von Schülern freier Schulen gibt es

bislang kaum. Doch die Sudbury Valley School

eine US-amerikanische Privatschule, die ebenfalls

dem Summerhill-Prinzip folgt und mittlerweile

einige Ableger in Europa hat hat zwei

Studien über ihre Absolventen in den letzten

fast vierzig Jahren veröffentlicht. Danach besuchten

etwa 80 Prozent der ehemaligen Schüler

eine Universität oder ein College. 90 Prozent

wurden am College ihrer Wahl aufgenommen.

Die Mehrheit der Sudbury-Valley-Absolventen

arbeitet in ihrem Wunschberuf. Etwa die Hälfte

der Absolventen war zeitweilig unternehmerisch

selbständig. Aber die Schülerschaft der

Freien Schulen ist kein Spiegelbild des gesellschaftlichen

Durchschnitts. Eltern, die sich für

eine Freie Schule entscheiden, sind engagiert

und kritisch. Kinder mit Migrationshintergrund

sind auf den deutschen Freien Schulen noch die

Ausnahme.

LERNEN FÜRS LEBEN

Daniel, 15, verbrachte neun Jahre auf der

Freien Schule Frankfurt. Nach der sechsten

Klasse wechselte er auf eine Gesamtschule,

dort besucht er den gymnasialen Zweig. Seine

Noten sind gut. Er berichtet begeistert von seinen

Jahren auf der Freien Schule. Er redet leb-

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51


FREIE SCHULEN

Sommerfest

in der Freien Schule Frankfurt. Eine Studie der Sudbury Valley School legt nahe: Schüler der Freien Schulen sind erfolgreich im späteren Leben.

haft, wirkt aufgeweckt und selbstbewusst. In

der Regelschule ist er Klassensprecher. Sein

Freund, der mit ihm von der Freien Schule kam,

ist Schul sprecher. Daniel erzählt von der Holzund

der Metall werk statt, er reparierte Fahrräder

in der Schule, baute Kett-Cars und Seifenkisten.

Er kann löten und kennt sich mit Elektronik ist.

Jedes Jahr an Weihnachten wurde ein Theaterstück

aufgeführt, Kostüme und Bühnenbild

wurden von den Schülern gebastelt. Die praxisnahen,

handwerklichen Tätigkeiten sind ein

wichtiger Punkt für Daniel. Wenn Lesen oder

Rechnen für die Umsetzung einer Aufgabe

nötig war, ergab sich das Lernen fast nebenbei.

Eine Gruppe von Schülern entschloss sich, ein

Boot zu bauen und stellte fest, dass dafür viele

Rechen kennt nisse nötig sind.

Daniels älterer Bruder, der gerade Abitur

macht, war ebenfalls auf der Freien Schule. Mit

zehn Jahren konnte er noch nicht lesen. Für

seine Eltern und Großeltern war das schwer

auszuhalten. Doch irgendwann lernte er es, und

auch er hatte keine Schwierigkeiten beim Übergang

auf eine Regelschule. In ihrem letzten

Schuljahr auf der FSF, als Daniel und seine

Freunde 12 oder 13 Jahre alt waren, erstellten

sie sich, in Absprache mit den Lehrern, einen

Stundenplan. Mit dieser Struktur bereiteten sie

sich selbst auf die Regelschule vor. Daniel

meint, dass sei eine gute Idee gewesen. Am meisten

gestört habe ihn dann auf der Regelschule

der 45-Minuten-Takt. Er war es gewohnt, sich

einer Aufgabe so lange zu widmen, wie er Lust

hatte oder es ihm nötig erschien.

ENGAGIERTE ELTERN UND LEHRER

Von den Eltern wird überdurchschnittliches

Engagement verlangt, sie müssen sich einbringen:

an der Frankfurter Schule sind die Donnerstagabende

verbindliche Termine. Daniels

52 KidsLife Die Schule der Zukunft


„Das Kind wird nicht

erst zum Menschen,

es ist schon einer.“

Janus Korczak

Eltern mussten wöchentliche Diskussionen aushalten,

die manch mal bis ein Uhr Nachts gingen.

Aus dieser Erfahrung heraus wurden

schließlich Arbeitsgruppen gebildet, so dass

nicht mehr alles im Plenum besprochen wird.

Die AG Schulhaus ist für Renovierungen zuständig.

Früher putzten die Eltern sogar selbst.

Zu Daniels Zeit war man auch bemüht, jedes

Jahr ein bis zwei Kinder aufzunehmen, die körperliche

Handicaps oder leichte Verhaltensauffälligkeiten

hatten. Auch solche Kinder blühten

in dem Umfeld auf.

Als ich Daniel zuhöre, wie er mit leuchtenden

Augen und eloquent von seiner Schulzeit berichtet,

von der engen Freund schaft zu den

Lehrern, die ihn viele Jahre hindurch begleiteten,

von der selbstgebauten Kletterwand, dem

Fotolabor, den jährlichen Schulfahrten, von

einem Schachbrett mit Figuren, dass zehn Schüler

gemeinsam schreinerten, packt mich der

Neid. Dass Schule nachhaltig begeistern und

Lust auf die Welt machen kann, ist eine Erfahrung,

die ich und die meisten meiner Freunde

nie gemacht haben. Die weiterführenden Frankfurter

Schulen nehmen die Schüler von der

freien Schule gerne: sie verfügen über eine hohe

soziale Kompetenz, haben gelernt, zu lernen,

und sind in der Regel überdurchschnittlich in

ihren schulischen Leistungen. Jeder Jahrgang,

der die Schule verlassen muss, entwickelt ein

Abgängerprojekt. Daniel baute mit Freunden

aus Schrott einen Roboter. Auch Mosaike fürs

Treppenhaus entstanden so, lebensgroße Figuren

aus Ton kacheln, Skulpturen. Jedes Kind

hinterlässt eine Spur. Und die Schule hinterlässt

tiefe Spuren in den Kindern.


PRIVATSCHULEN

Foto: Digitalstock

54 KidsLife Die Schule der Zukunft


I n d i v i d u e l l e F ö r d e r u n g

Bessere Bildung,

bessere Erziehung?

Privatschulen

T E X T : H E I K E B Y N F O T O S :

P H O R M S , S C H L O S S H O H E N W E R D A

Acht Jahre nachdem die erste PISA-Studie dem deutschen

Bildungssystem ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hat, wächst

das Interesse an Privatschulen. Bieten diese Institute tatsächlich

ein besseres Lernklima und ein höheres Leistungsniveau als

öffentliche Schulen? Und wer kann sich das überhaupt leisten?

KidsLife hat nachgefragt und stellt unterschiedliche Privat-

Schulkonzepte vor.

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55


PRIVATSCHULEN

Gemeinsam leben und lernen

Mehr als nur Klassenkameraden: Die Schüler im Internat Schloss Hohenwehrda, einem Ende des 19. Jahrhunderts vom Reformpädagogen Her mann Lietz gegründeten

Landerziehungsheim, verbringen auch in der Freizeit viele Stunden zusammen.

Z

unehmende Gewaltbereitschaft an

den Schulen, überfrachtete Lehrpläne,

überforderte Lehrer und marode

Schulgebäude mit jeder

neuen Schlagzeile schwindet das

Ver trauen in das staatliche Bildungssystem.

Immer mehr Eltern suchen nach

Alter nativen, die ihren Kindern eine bessere Bildung

und damit bessere Berufschancen ermöglichen.

Wer es sich leisten kann, schickt den

Nachwuchs auf eine Privat schule. In Deutschland

besuchen mittlerweile 650.000 Schüler private

Bildungseinrichtungen. Obwohl es auch

hervorragende kostenlose staatliche Schulen

gibt, sind Eltern zunehmend bereit, für die Bildung

ihrer Kinder zu zahlen im Schnitt 150

Euro pro Monat und Kind. Die Spanne reicht

von wenigen Euro für konfessionelle Schulen,

etwa 140 Euro monatlich für den Besuch einer

Waldorfschule bis hin zu 30.000 Euro jährlich

für Elite-Bildungsburgen wie das Internat

Schloss Salem. Eine Privatschule muss nicht

zwingend eine exklusive Veranstaltung für reiche

Familien sein: Viele Institute bieten Stipendien

an, Geschwisterermäßigungen oder staffeln

das Schulgeld nach dem Einkommen der Eltern.

56 KidsLife Die Schule der Zukunft


Es gibt nur eine Sache auf der Welt, die teurer

ist als Bildung: keine Bildung!

John F. Kennedy

GUTE AUSBILDUNG

STATT LUXUS-URLAUB

Der Bielefelder Bildungssoziologe Klaus Hurrelmann

beobachtet seit Jahren ein „ständig ansteigendes

Bildungs be wuss t sein der Eltern“. Sie

setzten alle Hebel in Bewegung, um dem Kind

eine optimale Ausbildung zu bieten. Die Eltern

trauten dem staatlichen System nicht mehr zu,

dass es die Kinder auf die Herausforderungen

einer globalisierten Welt vorbereitet. Das wissen

viele Privatschulen und haben Fremdsprachen

zu ihrer Domäne gemacht. So baut die

Bildungsunternehmen Phorms Management

AG deutschlandweit Privatschulen auf, in denen

der Unterricht auf Deutsch und Englisch stattfindet.

Die erste Grundschule startete Phorms

im Sommer 2006 in Berlin Mitte. Im letzten

Jahr ging dort das Gymnasium an den Start.

Ebenfalls 2007 eröffneten die Phorms-Gründer

Grund schulen in München, Frankfurt und

Köln. In den Phorms-Schulen steht die individuelle

Förderung aller Schüler im Mittel punkt,

egal, ob der Schüler hochbegabt ist oder Schwächen

hat. Die Klassenstärke liegt nicht über 20

Kinder, in jeder Klasse assistiert dazu ein Erzieher.

Die Phorms-Philosophie richtet sich nach den

Bedürfnissen der Schüler: klare zuverlässige

Strukturen, definierte Meilen steine und ein solides

Lernfundament einerseits mo der ne

Lernmethoden, basierend auf Motivation und

Spaß andererseits. Ziel ist es, erstklassige Bildung

auf Grundlage der besten traditionellen

und modernen Unterrichtsmethoden anzubieten

und dabei neue Lösungen zu entwickeln.

Die Elternbeiträge sind einkommensabhängig

und liegen bundesweit zwischen 200 und 880

Euro monatlich. Das Unter nehmer-Ehepaar

Rieke und Lars Kostka hat seinen Sohn Leon

in der Berliner Phorms-Grundschule angemeldet.

„Staatliche Schulen gehen nicht auf den

einzelnen Schüler ein“, sagt Rieke und setzt da

auf Phorms. Auch Leons Schwester Linda soll

später auf die Privatschule. Die Kostkas verzichten

dafür auf teure Urlaube, den Zweitwagen

und exklusive Hobbies. „Es ist uns

wichtiger, in die Ausbildung der Kinder zu investieren“,

sagt Vater Lars.

DEUTSCHE SCHULSTATISTIK SPRICHT

FÜR PRIVATSCHULEN

Sind Privatschulen wirklich besser? Für Helmut

Klein, Schul forscher am Institut der deutschen

Wirtschaft in Köln, ist die Antwort klar: „Würden

sie schlechtere Arbeit als staatliche Schulen

leisten, würden die Privaten von ihren Kunden

abgestraft.“ Tatsächlich schneiden im Pisa-Vergleich

die Länder mit hohem Privatschulanteil

besser ab. Auch die deutsche Schul statistik

spricht für die Privaten. Sie haben es auch leichter:

Ihre Schüler stammen häufig aus bildungsnahen

Haushalten. Zudem können die freien

Schulen ihre Lehrer auswählen, den Unterricht

individueller gestalten und pädagogische Innova

tionen ausprobieren. Weil der Staat ihnen nur

80 bis 85 Prozent der Kosten erstattet sofern

sie staatlich anerkannte Ersatzschulen sind

müssen die freien Träger Schulgelder erheben.

Die Ersatzschulen bieten Bildungsgänge und

Ab schlüsse, die mit denen staatlicher Schulen

vergleichbar sind. Sind sie „staatlich anerkannt“,

dürfen sie Prüfungen abnehmen. An den „genehmigten“

Ersatzschulen erfolgen die Prü fungen

extern. Ergänzungsschulen ermöglichen

Abschlüsse, die an staatlichen Schulen nicht existieren.

30 Prozent des Schulgeldes für eine Er-

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57


PRIVATSCHULEN

In kleineren Gruppen, wie hier in einer Phorms-Schule, lernt es sich leichter.

satz- oder Ergänzungsschule sind als Sonderausgaben

von der Steuer absetzbar. Wichtig:

Nur Aufwendungen, die direkt auf den Unterricht

entfallen, lassen sich von der Steuer absetzen.

Kosten für Internats unter bringung nur

dann, wenn sie wegen Krankheit oder Behin derung

erforderlich ist.

WELTBÜRGER MIT EXZELLENTER

BILDUNG

Manchen ist die Sache mit dem Schulgeld auch

ganz recht. Doch nur wenige reden so offen

darüber wie die Diplom-Phy sikerin Hildegard

Zander. Ihre Tochter Charlotte besucht seit

letztem Jahr die Internationale Friedensschule

in Köln-Widders dorf (IFK) für 1.000 Euro

Schulgeld pro Monat. Zander ist froh, dass es

„an der Schule eine Vorauswahl von Kindern

gibt, deren Eltern ein gewisses Niveau mitbringen“.

Die Internationale Friedensschule Köln

„will Weltbürger mit exzellenter Bildung, internationalen

Kompetenzen und nationalen, kulturellen

sowie religiösen Wurzeln hervorbringen,

die selbstbewusst und bescheiden, engagiert

und solidarisch, lokalpatriotisch und weltoffen

die Zukunft gestalten“ so die Gründungsidee.

Deutsch und Englisch gelten als

Mindest standard an der IFK. Wer möchte, kann

aber auch Unterricht auf Spanisch haben. „Für

Lehrer ist hier ein optimales Arbeitsfeld“, sagt

Sabine Woggon-Schulz, die Rektorin. Die 38-

Jährige und ihre Kollegen sind in Pionierstimmung.

Die Internationale Friedensschule wird

als erste Privatschule in Köln und als Modellversuch

des Bauinvestors Norbert Amand eine

Kindertagesstätte, Grundschule, weiterführende

Schule und Oberstufe beherbergen. Morgens

machen die Kinder Tai-Chi-Übungen, um

sich zu sammeln. Es gibt Musik unterricht, Projektwochen

und eine individuelle Betreuung.

Das fast 30-köpfige Kollegium der IFK rekrutiert

sich aus erstklassigen in- und ausländischen

Lehrern. Bislang werden die Kinder noch in

58 KidsLife Die Schule der Zukunft


Individuell und freundlich: Unterricht in einer Phorms-Schule

Baucontainern unterrichtet. Das Schulgebäude

wird Mitte des Jahres fertig sein.

EMOTIONALES LERNEN STATT WISSENS-

VERMITTLUNG

Die Abkehr von traditionellen Unterrichtsreformen,

emotionales wie soziales Lernen das

gibt es auch anderswo. Zum Beispiel an Montessori-Schulen,

an denen die Lehrer das Kind

in seiner Persönlichkeitsentwicklung fördern

wollen und deshalb auf mehr als auf Wissensvermittlung

setzen. „Hilf mir, es selbst zu tun“,

war das Motto von Maria Montessori, und es

gilt auch heute noch für ihre Pädagogik. Derzeit

praktizieren mehr als 400 Schulen in

Deutschland das Prinzip des selbstbestimmten

Tuns. Die Montessori-Mittelschule in Chemnitz

ist eine von ihnen. Hier beginnt jeder Tag mit

Freiarbeit, dem Herzstück der Montessori-Pädagogik.

Die Kinder bestimmen dann selbst, was

sie lernen wollen Deutsch, Englisch oder

Rechnen. Die Arbeit mit den vielfältigen, teils

von Montessori entwickelten Materialien, ermöglicht

Kindern Lernerlebnisse, die auf Erfahrung,

Anschauung und aktivem Handeln

gründen. Lehrerin Ingrid Heyer beobachtet und

hilft nur, wenn sie gefragt wird. „Wir erziehen

zur Eigenständigkeit“, erklärt sie. „Was spielerisch

aussieht, bedeutet für die Kinder Arbeit,

Ordnung und Selbstdisziplin.“ Montessori-

Schulen arbeiten mit alters- und leistungsgemischten

Klassen bis zur Oberstufe. Statt

Noten gibt es bis zur achten Klasse detaillierte

Lernentwicklungs berichte Projekt- und Gruppenarbeit

zählen zu den Stan dards. Wer sein

Kind in eine Montessori-Schule schickt, muss

sich aber auch selbst einbringen mit regelmäßigem

unbezahltem Arbeits einsatz.

DANK STIPENDIUM AUFS INTERNAT

Jahrelang galten Internate als letzter Ausweg für

Eltern von lernschwachen und aufmüpfigen

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59


PRIVATSCHULEN

Fast wie Hogwarts ...

Märchenhaft, fast wie in „Harry Potter“ der Turm im Internat Schloss Hohenwehrda.

„Wir dürfen uns nicht mit Zeugnissen

und Zensuren aufhalten,

sondern müssen ganz individuell

auf die Talente der Jugendlichen

eingehen.“

Michael Oto

„rich kids“. Doch das Image der knapp 300 Internate

oder Landerziehungsheime (LEH) in

Deutschland scheint sich zu wandeln. In Zeiten

deutscher Bildungsmisere rücken die „Lernstätten

mit Vollpension“ wieder mehr ins Blickfeld.

Landerziehungsheime zum Beispiel verstehen

sich als „Wohnschulen“ auf dem Land. Andere

spezialisieren sich auf Hochbegabte oder

Schüler mit musischen oder sportlichen Begabungen.

Wiederum andere wenden sich an Zielgruppen

wie Schüler mit Lese-Rechtschreib-

Schwäche oder hyperaktive Kinder. Internate

betonen gern, für alle Kinder offen zu sein.

Doch ein Internatsplatz kostet oft zwischen

1.200 und 2.000 Euro im Monat, an manchen

Stand orten deutlich mehr. An konfessionellen

Internaten bezahlen Eltern dagegen „nur“ 400

bis 1.200 Euro im Monat. Für Eltern guter

Schüler gibt es noch einen anderen Weg: Etliche

Internate schreiben Stipendien aus, die oft

durch wohlhabende Familien und Spenden finanziert

werden. In einigen Fällen, wie bei lernschwachen

Kindern oder bestimmten Erkrankungen,

übernehmen auch Jugend- oder Sozialämter

die Inter nats kosten. Welches Internat

das Richtige ist, hängt von den Bedürfnissen der

Eltern und Kinder ab. Eltern sollten aber ein

bis zwei Häuser selbst besichtigen und andere

Eltern und Schüler der Schule befragen. Bei der

Wahl des Internatsplatzes müssen die Kinder

unbedingt einbezogen werden. Sie sollten gerne

und freiwillig auf ein Internat gehen.

ENDLICH WIEDER SPASS AM LERNEN

Dennoch fällt es schwer, sich vorzustellen, dass

heutzutage ein Jugendlicher mit Begeisterung

aufs Internat gehen will. Beim 15-jährigen Tom

Wissmann ist das aber so. Als er vor zwei Jahren

im Internat Schloss Hohenwehrda aufgenommen

wurde, einem Ende des 19. Jahrhunderts

vom Reformpäda gogen Her mann

Lietz gegründeten Landerziehungsheim, war er

60 KidsLife Die Schule der Zukunft


in jeder Hinsicht am Boden zerstört. „Er leidet

an einem sehr stark ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefizit

und einer Hyper aktivitätsstörung,

so dass er in der Regelschule nicht mehr

klar kam“, erzählt seine Mutter Christina. Gemeinsam

mit einem Jugend psychiater hatten

Tom und seine Eltern nach Lösungs wegen gesucht

und Schloss Hohenwehrda gefunden.

Weil seine Aufnahme medizinisch begründet ist,

übernimmt das Jugendamt die Unterbringungskosten

von über 2.000 Euro monatlich. „Für

uns war es am Anfang sehr schwer, Tom loszulassen“,

sagt Christina Wissmann. Doch die

Entscheidung hat ihr Familienleben gerettet.

„Wir haben nur noch über Toms Probleme geredet“,

so Wissmann.

An den drei Lietzschen Schulen in der Rhön

und im Thüringer Wald Schloss Hohenwehrda,

Schloss Bieberstein und dem Rittergut

Haubinda sollen die Kinder und Jugend lichen

vor allem eines erwerben: Lebenskompetenz

und Mut durch eine Bildung und Erziehung, die

auf die ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung

abzielt. Praktisches Arbeiten wird groß geschrieben.

Die tägliche Lernzeit beaufsichtigen

Päda gogen; für Kinder mit einer Lese-, Rechenoder

Rechtschreib schwäche oder bei Konzentrationsschwierigkeiten

stehen Lern therapeuten

und Mitarbeiter des schulpädagogischen Zentrums

helfend zur Seite. Nach dem Unterricht

gibt es zahlreiche Sport- und Freizeitangebote

von Fußball bis Golf für alle Schüler, die in kleinen

„Schüler-Familien“ gemeinsam mit einem

Lehrer leben. „Tom ist richtig aufgeblüht. Er

hat sogar wieder Spaß am Lernen“, freut sich

seine Mutter.


KOMMUNALISTISCHES PRINZIP

Schule im Aufbruch:

Neue Wege der

Nachmittagsbetreuung

T E X T : M A R T I N A V O I G T- S C H M I D

Der Aufbau eines Ganztagsangebots bundesweit bedeutet eine

große Herausforderung für viele Schulen, denn finanzielle, personelle

und räumliche Ressourcen entsprechen vielerorts nicht dem angestrebten

Konzept. Hier sind gute Ideen gefragt und Kooperationen

mit außerschulischen Partnern. Wir stellen ein gelungenes Beispiel

aus dem Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz vor.

B

eim Thema „Schule der Zukunft

bickt man, auf der Suche nach alternativen

und ganzheitlicheren

Wegen der Unterrichtsgestaltung,

hierzulande automatisch auf die

Reformschullandschaft. Jedoch

sind die meisten von diesen Vorzeigeschulen

Privatschulen und nicht jedes Kind hat die

Möglichkeit, eine Privatschule zu besuchen. Die

allermeisten Kinder gehen immer noch in ganz

normale Regelschulen und wenn man sich

umschaut, stellt man fest: auch dort ist einiges

im Aufbruch begriffen und wenig bleibt, wie es

mal war. Neue Gegebenheiten stellen Schulen

vor neue Herausforderungen. Das neue Schulkonzept,

verlangt die Schaffung neuer Oberschulen

, die Haupt- und Realschulen vereinen.

Oder den Aufbau eines „inklusiven“ Schulsystems,

welches das gemeinsame Lernen von

Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen

zum Regelfall macht. Oder aber

die Einführung von bundesweit mehr und mehr

Ganztagsschulen (Laut Bertelsmann Stiftung ist

im Schuljahr 2010/11 erstmals jede zweite

Schule eine Ganztagsschule). Das alles bedeutet

viel frischen Wind, der vorerst in die alten Segel

bläst und manches „Schul-Schiff“ samt Mannschaft

zum Ächzen und Knarren bringt. Clevere

Reformen sind gefragt, können jedoch

nicht von heute auf morgen umgesetzt werden.

Die leicht behäbige deutsche Flotte hat sich beherzt

in Bewegung gesetzt, doch bisher gleicht

der Ausbau der Ganztagsschulen laut Einschätzung

des Deutschen Jugendinstituts

einer „Reise in die Zukunft ohne klares Ziel“.

Momentan existieren in Deutschland ganz unterschiedliche

Organisationsformen und Typen

von Ganztagsschulen: offene, gebundene, teil-

62 KidsLife Die Schule der Zukunft


Fotos: Pixabay

Spiel, Sport, Experimente und Kreatives: Nachmittagsbetreuung in der Schule kann Vieles leisten!

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63


KOMMUNALISTISCHES PRINZIP

Foto: Pixabay

Zu den realisierten Projekten des Bündnisses „DienHeim für Familien“ gehört u. a. der Spielkreis „Sternschnuppe“, für die kleinsten Kinder in Dienheim.

gebundene, rhythmisierte oder in Kooperation

mit freien Trägern betriebene. Die erste Evaluationsstudie

aus 2009/2010 zu den Ganztagsschulen

(StEG) hat gezeigt, dass sich

positive Wirkungen der Ganztagsangebote bei

Schülern nur dann zeigen, wenn die Qualität der

Angebote hoch ist und die Teilnahme daran regelmäßig

erfolgt. Das ist für die Schulen mitunter

schwierig zu realisieren, besonders, wenn die

Mittel knapp sind.

Laut Onlinebefragung von 1.300 Schulen im

Rahmen der 2012 gestarteten zweiten Laufzeit

der StEG-Studie geben zwischen 30 und 45

Prozent der Schulleitungen an, dass die finanziellen,

personellen und räumlichen Ressourcen

dem angestrebten Konzept ihrer Ganztagsschule

nicht entsprechen. Besonders im ländlichen

Raum kämpfen Schulen mit erheblichen

Problemen bei der Gewinnung von Personal

und geeigneten Kooperationspartnern für

eine gelungene Gestaltung des Ganztagsangebots.

Gleichwohl arbeitet der überwiegende Teil

von ihnen bereits mit außerschulischen Kooperationspartnern

zusammen.

Hier sind gute Ideen gefragt und manchmal

werden sogar Wege gefunden, aus der Not eine

Tugend zu machen, wie z.B. die erfolgreiche

Zusammenarbeit einiger Schulen im Landkreis

Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz, mit dem seit

Jahren sozial und integrativ engagierten Turnverein

TV08 aus der Gemeinde Dienheim zeigt.

Bereits im Jahr 2006 haben sich in Dienheim einige

Vereine, Schulen sowie ehrenamtliche Helferinnen

und Helfer zu einem „Lokalen

Bündnis für Familie“ zusammengefunden:

Dien-Heim für Familien“. Sie schlossen sich

am 26. Februar 2007 der Bundesinitiative an.

Treibende Kraft dabei ist der TV 08 Dienheim

e. V., der bereits mehrfach für sein soziales Engagement

und seine Modellprojekte beispielsweise

mit der Fritz-Wildung-Plakette des

Deutschen Sportbundes ausgezeichnet wurde.

64 KidsLife Bookazine Schule


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PRIVATSCHULEN BIS HIN ZUR NEUEN

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Impressum KidsLife Bookazine: Schule

Alle Rechte vorbehalten. Sämtliche Beiträge, Fotos und

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65


Eine vielseitige Nachmittagsbetreuung in

der Schule ermöglicht es, neue Dinge auszuprobieren

und die eigenen Talenete zu

entdecken.

Foto: Pixabay

„Kinder müssen

begeistert werden.“

Hartmut Bräumer

Zu den realisierten Projekten des Bündnisses

gehören u. a. die integrative Kinderkrippe sowie

der Spielkreis „Sternschnuppe“, für die kleinsten

Kinder in Dienheim, eine inklusive Sommerferiensportschule

an jedem Ferien- und Brückentag

des Jahres, ein offener Schüler- und ein Jugendtreff

und ein Mehrgenerationenhaus als

Begegnungs- und Erlebniszentrum mit Angeboten

für alle Generationen. Hartmut Bräumer,

Koordinator des Lokalen Bündnisses für Familie

Dien-Heim für Familien”, wurde 2009 im

Schloss Bellevue in Berlin von Bundespräsident

Horst Köhler mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik

Deutschland dem Bundesverdienstkreuz

ausgezeichnet.“

Dabei hat das, was so gut klingt und heute so

erfolgreich funktioniert, eigentlich als Problem

begonnen. Die Einführung der Ganztagsschule

bedeutete, unbeabsichtigt, die Schaffung einer

Konkurrenzsituation, die den lokalen Sportvereinen

an die Substanz ging. Durch das Ganztagsangebot

der Schulen hatten viele Kinder

keine Zeit mehr für das Training im Verein und

die Eltern meldeten Ihre Kinder ab. Das bedeutete

einen erheblichen Schwund an Mitgliedern

und auch an Beiträgen.

Die Schulen andererseits, erhalten zwar einen

bestimmten Betrag pro Schüler für die Betreuung

am Nachmittag, können aber aus arbeitsrechtlichen

Gründen nur fünf Wochenstunden

für Mitarbeiter bezahlen wodurch es schwer

wird, qualifizierte Leute zu gewinnen.

Hier gelang es Hartmut Bräumer eine Lösung

zu finden, die für beide Partner eine Gewinn-

Situation darstellte: Die Schulen schließen einen

Vertrag mit dem Verein, der die Mitarbeiter und

ihre Angebote und Arbeitszeiten koordiniert.

Dadurch agiert der Verein als gemeinnütziger

Träger und kann seine Leute flexibel einsetzen,

auch für mehr als fünf Wochenstunden.

Das Nachmittagsangebot in der Schule bietet

neue Chancen nicht nur für die bisherigen

Trainer im Verein, sondern auch für arbeitslose

oder geringfügig beschäftigte Sozialarbeiter,

Lehrer, Sportler, Sportwissenschaftler, Künstler,

Fachkräfte, oder Ruheständler. Diese haben

die Möglichkeit, sich wieder ein geregeltes Einkommen

aufzubauen, oder aber einfach ihre

Kentnisse weiterzugeben, mit jungen Leuten

zusammen zu sein und etwas dazu zu verdienen.

„Mensch geht vor Qualifikation“ ist Hartut

Bräumers Motto bei der Auswahl der

Mitarbeiter. „Kinder müssen begeistert werden“

findet er, und lässt alle, die als Angebotsleiter,

die mitmachen möchten, zunächst eine Probestunde

abhalten.

Die Leistungen des Vereins sind umfassend.

Gemeinsam mit den Schulen werden Freizeitprogramme

erstellt, Vertrauensleute des Vereins

beraten die Eltern, ein Koordinator des Vereins

stimmt mit der Schulleitung den aktuellen Bedarf

ab. Auch besondere Angebote, besondere

Anlässe, besondere Kinder, werden berücksichtigt,

denn der TV Dienheim setzt sich insbesondere

für die Inklusion von beeinträch-

66 KidsLife Bookazine Schule


tigten Kindern ein. Da diese im geregelten Unterricht

noch oft als Fremndkörper wahrgenommen

werden, helfen Vereinsmitarbeiter

sogar hier, um den Lehrern die Arbeit zu erleichtern.

So viel professionelles Engagement findet in

der Verbandsgemeinde großen Zuspruch. Derzeit

verfügt der TV Dienheim über 70 Beschäftigte

und kooperiert mit elf Schulpartnern der

Verbandsgemeinde Nierstein-Oppenheim. Fast

400 Stunden pro Woche werden hier an Betreuungsarbeit

geleistet. Das klingt nach viel Arbeit

und auch nach Stress? Hartmut Bräumer

lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. „Das

komplexe Angebot von heute ist ja ganz langsam

gewachsen, deshalb gibt es auch kein

Chaos“, so der Initiator des innovativen Konzepts.

Damit alles reibungslos funktioniert, hat

er sogar dafür gesorgt, dass ein Bündnisbus unterwegs

ist, der die Kinder und Jugendlichen in

der Nachmittagsbetreuung zu den verschiedenen

Freizeitaktivitäten der Vereine fährt, von

dort wieder abholt und zur Schule bringt. Die

Benzinkosten werden über die Beiträge zu den

Freizeitaktivitäten einkalkuliert. Das Bündnis

hat einen Leasingvertrag mit einer Firma abgeschlossen,

die den Bus stellt. Dafür entstehen

dem Bündnis keine Kosten. Die Firma lässt sich

den Bus über die Werbeflächen an den Außenseiten

des Fahrzeugs finanzieren. Gewerbetreibende

aus der Verbandsgemeinde haben die

Werbeflächen gemietet. „Die Vermarktung hat

nur funktioniert, weil die Arbeit des Lokalen

Bündnisses bereits bekannt und sehr geschätzt

war“, sagt Hartmut Bräumer.

Weitere Informationen erteilt Herr Hartmut Bräumer unter

Tel. 06133/42 20 oder unter braeumerhartmut@msn.com

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Natur ist dort, wo Kinder Freiheit erleben, Widerstände

überwinden, einander auf Augenhöhe begegnen und

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und Hinterhöfe? Oder lässt sie sich auch drinnen finden

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