atp edition Wasser und Abwasser in Megastädten der Zukunft (Vorschau)
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9 / 2014<br />
56. Jahrgang B3654<br />
DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />
Automatisierungstechnische Praxis<br />
<strong>Wasser</strong> <strong>und</strong> <strong>Abwasser</strong> <strong>in</strong><br />
<strong>Megastädten</strong> <strong>der</strong> <strong>Zukunft</strong> | 28<br />
Anfor<strong>der</strong>ungs- <strong>und</strong><br />
Testfall-Codesign | 38<br />
Stellantrieb mit sicheren<br />
Funktionen nach IEC EN 61508 | 48<br />
Adaptive Führung e<strong>in</strong>es<br />
Modulkraftwerks | 58
Erreichen Sie die Top-Entschei<strong>der</strong><br />
<strong>der</strong> Automatisierungstechnik.<br />
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<strong>und</strong> Fragen zu Ihrer Planung.<br />
Inge Spoerel: Telefon +49 (0) 89 203 53 66-22<br />
E-Mail: spoerel@di-verlag.de
EDITORIAL<br />
Modulare Automation<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> Prozess<strong>in</strong>dustrie<br />
Prozess<strong>in</strong>tensivierung, Modularisierung, Plug-and-Produce s<strong>in</strong>d Schlagworte<br />
für Ansätze, <strong>in</strong> <strong>der</strong> Prozess<strong>in</strong>dustrie die konzeptionelle Lücke<br />
zwischen <strong>der</strong> kont<strong>in</strong>uierlichen <strong>und</strong> hocheffizienten Massenproduktion von<br />
Ausgangsstoffen <strong>und</strong> entsprechend <strong>der</strong> spezifischen Anfor<strong>der</strong>ungen e<strong>in</strong>zelner<br />
K<strong>und</strong>en funktionalisierter Endprodukte zu schließen. Bei letzteren werden<br />
die Anfor<strong>der</strong>ungen an die Flexibilität <strong>der</strong> Produktion <strong>und</strong> die Anpassung<br />
an die Volatilität <strong>der</strong> Märkte heute durch e<strong>in</strong>e Chargenfahrweise erreicht,<br />
jedoch häufig mit e<strong>in</strong>er deutlich ger<strong>in</strong>geren Raum-Zeit-Ausbeute <strong>und</strong> Auslastung<br />
des Equipments als e<strong>in</strong> äquivalenter, kont<strong>in</strong>uierlich geführter Produktionsprozess.<br />
Die Architekturen aktueller Prozessleitsysteme s<strong>in</strong>d darauf angelegt, mittlere<br />
bis große Anlagen skalierbar <strong>und</strong> effizient automatisieren zu können. Sie<br />
s<strong>in</strong>d entsprechend modular aufgebaut <strong>und</strong> erlauben zumeist auch e<strong>in</strong>en modularen<br />
Aufbau <strong>der</strong> Automatisierungslogik. Die Zerlegung <strong>in</strong> wie<strong>der</strong>verwendbare<br />
E<strong>in</strong>heiten ist Voraussetzung <strong>und</strong> geübte Praxis für das Massendaten-Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g.<br />
Lei<strong>der</strong> funktioniert das heute im Allgeme<strong>in</strong>en nur dann<br />
effizient, solange man <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> homogenen Welt e<strong>in</strong>es Leitsystems bleibt.<br />
Die nahtlose Integration e<strong>in</strong>es Prozessmoduls als E<strong>in</strong>heit aus Prozesstechnik<br />
<strong>und</strong> Automationssystem <strong>in</strong> heutige Leitsysteme erfor<strong>der</strong>t h<strong>in</strong>gegen erhebliche<br />
manuelle Aufwände. Da es hierfür noch ke<strong>in</strong>e standardisierten<br />
Beschreibungsmittel gibt, müssen im Extremfall die Kommunikationsstrukturen<br />
zur Integration des Informationshaushalts e<strong>in</strong>es Moduls <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e übergeordnete,<br />
echtzeitfähige Prozessführungsebene manuell Bit für Bit angelegt<br />
werden. Hier beschleunigen f<strong>in</strong>dige Ingenieure ihre Arbeit häufig mit e<strong>in</strong>er<br />
bekannten Tabellenkalkulationssoftware. Für e<strong>in</strong>e zuverlässige wie<strong>der</strong>holbare<br />
Automation <strong>der</strong> Automation <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er herstellerübergreifend def<strong>in</strong>ierten<br />
Plug-and-Produce-Architektur, die beispielsweise erlaubt, e<strong>in</strong> defektes Prozessmodul<br />
<strong>in</strong> 10 bis 30 M<strong>in</strong>uten auszutauschen o<strong>der</strong> e<strong>in</strong> neues Modul <strong>in</strong> <strong>in</strong><br />
weniger als e<strong>in</strong>er St<strong>und</strong>e zu <strong>in</strong>tegrieren <strong>und</strong> <strong>in</strong> Betrieb zu nehmen s<strong>in</strong>d jedoch<br />
noch erhebliche konzeptionelle Anstrengungen notwendig.<br />
Erste geme<strong>in</strong>same Schritte von Herstellern <strong>und</strong> Anwen<strong>der</strong>n s<strong>in</strong>d bereits<br />
zu erkennen. So arbeitet <strong>der</strong> ZVEI-Arbeitskreis Modulare Automation als<br />
Spiegelarbeitskreises des NAMUR AK 1.12 e<strong>in</strong>e geme<strong>in</strong>same Antwort auf<br />
die NE 148. Der GMA-Fachausschuss 6.16 setzt die Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong><br />
NE 150 um, um bidirektional den <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em PLT-CAE-System abgelegten<br />
Planungsstand <strong>und</strong> den im Leitsystem h<strong>in</strong>terlegten Ist-Stand auf e<strong>in</strong>er Anlage<br />
abzustimmen. Der GMA FA 5.16 beschäftigt sich nach Fertigstellung<br />
des Blatts VDI/VDE 2657-2, Vorgehensmodelle für den Middleware-Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g-Prozess,<br />
mit Architekturen für Automatisierungsysteme <strong>und</strong> <strong>der</strong>en<br />
Eignung, Anfor<strong>der</strong>ungen an <strong>in</strong>tegriertes Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g, plug-and-produce,<br />
funktionale Sicherheit <strong>und</strong> Informationssicherheit zu erfüllen.<br />
Diese Bandbreite <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen an Automation <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Umfeld, das<br />
zunehmend von Kommunikation <strong>und</strong> Integration <strong>in</strong> Wertschöpfungsnetze<br />
geprägt ist spiegelt sich auch <strong>in</strong> den für diese Ausgabe <strong>der</strong> <strong>atp</strong> <strong>edition</strong> ausgewählten<br />
Hauptbeiträgen. Viel Vergnügen bei <strong>der</strong> Lektüre.<br />
Signum<br />
LEON URBAS,<br />
Chefredakteur <strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
Professor für Prozessleittechnik<br />
an <strong>der</strong> Technischen Universität<br />
Dresden<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
3
INHALT 9 / 2014<br />
VERBAND<br />
6 | Automatisierung im Fokus von Industrie 4.0 –<br />
Call for Papers zur 12. AALE-Konferenz <strong>in</strong> Jena<br />
VDE lobt Preis für junge Ingenieur<strong>in</strong>nen aus<br />
FORSCHUNG<br />
8 | RoboCup <strong>in</strong> Brasilien: Teams <strong>der</strong> TU Darmstadt<br />
<strong>und</strong> FH Aachen kehren als Sieger zurück<br />
Call for <strong>atp</strong> experts: Digitale Fabrik<br />
9 | Humanoi<strong>der</strong> Roboter mit F<strong>in</strong>gerspitzengefühl<br />
BRANCHE<br />
10 | GMA-Report: CPS-basierte Automation ist die Gr<strong>und</strong>lage,<br />
um Nutzen aus Industrie 4.0 zu ziehen<br />
Call for Papers für AMA-Kongresse<br />
11 | Workshop IT Security: Lösungen für die Praxis<br />
Neuer Studiengang zur Cybersicherheit<br />
RUBRIKEN<br />
3 | Editorial<br />
66 | Impressum, <strong>Vorschau</strong><br />
4<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
PRAXIS<br />
12 | Herausfor<strong>der</strong>ung Masch<strong>in</strong>enrichtl<strong>in</strong>ie:<br />
Internes Managementsystem<br />
br<strong>in</strong>gt Effizienz <strong>und</strong> Sicherheit<br />
16 | Prädiktive Wartung: Analyse von<br />
Echtzeit- <strong>und</strong> historischen Daten kann<br />
Ausfälle verh<strong>in</strong><strong>der</strong>n<br />
20 | Sensible Roboterhaut erlaubt sichere<br />
Zusammenarbeit von Mensch <strong>und</strong> Masch<strong>in</strong>e<br />
22 | Schweißstromquelle, Werkstückpositionierer<br />
<strong>und</strong> Roboter stimmen<br />
ihre Aktionen aufe<strong>in</strong>an<strong>der</strong> ab<br />
24 | Maßnahmen auf dem Weg zur<br />
energieeffizienten Fabrik <strong>der</strong> <strong>Zukunft</strong><br />
Produkte,<br />
Systeme<br />
<strong>und</strong> Service<br />
für die<br />
Prozess<strong>in</strong>dustrie?<br />
Natürlich.<br />
HAUPTBEITRÄGE<br />
28 | <strong>Wasser</strong> <strong>und</strong> <strong>Abwasser</strong> <strong>in</strong><br />
<strong>Megastädten</strong> <strong>der</strong> <strong>Zukunft</strong><br />
A. GAHR, C. WOLF UND P. KERN<br />
38 | Anfor<strong>der</strong>ungs- <strong>und</strong> Testfall-Codesign<br />
S. RÖSCH, S. FELDMANN, D. FÖRSTER UND B. VOGEL-HEUSER<br />
48 | Stellantrieb mit sicheren<br />
Funktionen nach IEC EN 61508<br />
P. MALUS, W. THOMANN UND K.-H. KAYSER<br />
58 | Adaptive Führung<br />
e<strong>in</strong>es Modulkraftwerks<br />
C. KOLBE<br />
Der PostionMaster EDP300 überzeugt<br />
durch hohe Luftleistung von 50 kg/h bei<br />
10 bar, Diagnosefähigkeit nach Namur<br />
<strong>und</strong> Überdruckfestigkeit. Mit den<br />
Zulassungen für den Betrieb <strong>in</strong> Ex-Zone 1<br />
<strong>und</strong> SIL2 ermöglicht <strong>der</strong> EDP300 e<strong>in</strong>e<br />
hohe Anlagensicherheit. Durch die<br />
mechanische Stellungsanzeige ist<br />
die Erfassung <strong>der</strong> Ventilstellung auch<br />
ohne Stromversorgung möglich.<br />
Zuverlässiges Regelverhalten, Flexibilität<br />
<strong>und</strong> se<strong>in</strong>e kompakte Bauform zeichnen<br />
den EDP300 aus.<br />
www.abb.de/aktorik<br />
Wussten Sie, dass Ihnen ABB<br />
neben dem umfassenden Portfolio<br />
für die Instrumentierung ebenso<br />
herausragende Produkte <strong>und</strong><br />
Lösungen für die Analysentechnik,<br />
mo<strong>der</strong>nste Leitsysteme sowie<br />
erstklassigen Service bietet?<br />
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prozessautomatisierung<br />
ABB Automation Products GmbH<br />
Tel.: 0800 111 44 11<br />
Fax: 0800 111 44 22<br />
vertrieb.messtechnik-produkte@de.abb.com
VERBAND<br />
Automatisierung im Fokus von Industrie 4.0 –<br />
Call for Papers zur 12. AALE-Konferenz <strong>in</strong> Jena<br />
AALE 2014 AN DER OTH REGENSBURG: E<strong>in</strong>e konferenzbegleitende<br />
Ausstellung wird auch 2015 <strong>in</strong> Jena die Möglichkeit<br />
bieten, aktuelle Produktentwicklungen auf dem Gebiet <strong>der</strong><br />
Automatisierungstechnik kennenzulernen. Bild: OTH Regensburg<br />
Automatisierung im Fokus von Industrie 4.0 lautet das<br />
Leitthema <strong>der</strong> 12. Konferenz für Angewandte Automatisierungstechnik<br />
<strong>in</strong> Lehre <strong>und</strong> Entwicklung (AALE).<br />
Sie f<strong>in</strong>det am 5. <strong>und</strong> 6. März 2015 <strong>in</strong> Jena statt. Die AALE<br />
2015 wird vom Fachbereich Elektrotechnik <strong>und</strong> Informationstechnik<br />
<strong>der</strong> Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena <strong>in</strong><br />
Kooperation mit <strong>der</strong> Jenaer Akademie für Lebenslanges<br />
Lernen organisiert <strong>und</strong> durch VFAALE, den Vere<strong>in</strong> <strong>der</strong><br />
Fre<strong>und</strong>e <strong>und</strong> För<strong>der</strong>er <strong>der</strong> AALE unterstützt. Pr<strong>in</strong>tmedienpartner<br />
ist <strong>der</strong> DIV Deutsche Industrieverlag, <strong>in</strong> dem<br />
auch die Tagungsbände AALE-Konferenzen ersche<strong>in</strong>en.<br />
Die Veranstalter rufen zur E<strong>in</strong>reichung von Beiträgen<br />
auf. Gewünscht s<strong>in</strong>d Vorträge über Trends <strong>in</strong> <strong>der</strong> Auto-<br />
matisierungstechnik, Forschungs- <strong>und</strong> Entwicklungsarbeiten,<br />
Kooperationen zwischen Hochschulen <strong>und</strong><br />
Industrie sowie Lehre <strong>und</strong> Ausbildung, Didaktik o<strong>der</strong><br />
MINT-Projekte. Die Beiträge können aus allen Gebieten<br />
mit Bezug zur Automatisierungstechnik stammen.<br />
Wichtig ist den Veranstaltern: Die AALE för<strong>der</strong>t <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e<br />
Hochschul-Industrie-Netzwerke. Die nicht von<br />
Hochschulen e<strong>in</strong>gereichten Beiträge sollten deshalb<br />
m<strong>in</strong>destens e<strong>in</strong>en Hochschulangehörigen als Autor aufweisen.<br />
Die Eckdaten für den Call for Papers: Abstracts<br />
können e<strong>in</strong>gereicht werden bis zum 6. Oktober. Bis 3.<br />
November werden die E<strong>in</strong>reicher über e<strong>in</strong>e Annahme<br />
benachrichtigt. Die druckfertigen Beiträge müssen bis<br />
zum 1. Dezember vorliegen. Der Abstract sollte etwa<br />
1200 Zeichen, maximal aber zwei Seiten umfassen. Für<br />
jeden Vortrag s<strong>in</strong>d 15 M<strong>in</strong>uten vorgesehen. Die E<strong>in</strong>reichung<br />
<strong>der</strong> Abstracts zu den Beiträgen erfolgt <strong>in</strong> elektronischer<br />
Form unter www.conftool.net/aale2015.<br />
Die AALE hat sich zu e<strong>in</strong>em bewährten Forum für<br />
Hochschulprofessoren <strong>und</strong> -<strong>in</strong>nen sowie Vertreter<br />
<strong>und</strong> Vertreter<strong>in</strong>nen aus Wirtschaft <strong>und</strong> Industrie entwickelt<br />
<strong>und</strong> dient zum Erfahrungsaustausch über<br />
mo<strong>der</strong>ne Konzepte, Entwicklungen <strong>und</strong> die Lehre <strong>in</strong><br />
<strong>der</strong> Automatisierungstechnik. Die konferenzbegleitende<br />
Ausstellung namhafter Firmen bietet die Möglichkeit<br />
aktuelle Produktentwicklungen auf dem Gebiet<br />
<strong>der</strong> Automatisierungstechnik kennen zu lernen.<br />
Unternehmen, die die AALE unterstützen möchten,<br />
f<strong>in</strong>den Informationen über Sponsor<strong>in</strong>gpakete unter<br />
http://www.vfaale.de/<strong>in</strong>dex.php/pages/news. (gz)<br />
ORGANISATIONSBÜRO DER AALE 2015,<br />
ERNST-ABBE-FACHHOCHSCHULE JENA,<br />
Carl-Zeiss-Promenade 2, D-07745 Jena,<br />
Tel. +49 (0) 3641 20 51 08,<br />
Internet: www.fh-jena.de/aale2015<br />
VDE lobt Preis für junge Ingenieur<strong>in</strong>nen aus<br />
Der VDE <strong>und</strong> die Dr. Wilhelmy-Stiftung haben sich <strong>in</strong><br />
e<strong>in</strong>er Kooperationsvere<strong>in</strong>barung darauf verständigt,<br />
künftig geme<strong>in</strong>sam herausragende Dissertationen <strong>der</strong> Elektrotechnik<br />
auszuzeichnen. Der neu <strong>in</strong>s Leben gerufene<br />
Elektrotechnik-Preis soll jedes Jahr an bis zu drei junge<br />
Ingenieur<strong>in</strong>nen <strong>der</strong> Elektro- <strong>und</strong> Informationstechnik verliehen<br />
werden. Die Auszeichnung ist mit je 3000 Euro<br />
dotiert <strong>und</strong> soll junge Forscher<strong>in</strong>nen zu e<strong>in</strong>er wissenschaftlichen<br />
Laufbahn motivieren. Mit dem neuen Elektrotechnik-Preis<br />
für Nachwuchswissenschaftler will <strong>der</strong><br />
VDE junge Talente för<strong>der</strong>n, um den Fachkräftebedarf<br />
Deutschlands als Technikstandort langfristig zu befriedigen<br />
zu können. Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage<br />
an gut ausgebildeten Elektro<strong>in</strong>genieur<strong>in</strong>nen <strong>und</strong><br />
-<strong>in</strong>genieuren <strong>in</strong> den nächsten Jahren weiter ansteigen wird.<br />
Voraussetzung für die Auszeichnung mit dem neuen<br />
Elektrotechnik-Preis s<strong>in</strong>d e<strong>in</strong> herausragen<strong>der</strong> Promoti-<br />
onsabschluss <strong>und</strong> e<strong>in</strong>e hohe Bedeutung <strong>der</strong> Dissertation<br />
für die Wissenschaft <strong>und</strong> den Elektrotechnik-Standort<br />
Deutschland. Bei Abgabe <strong>der</strong> Dissertation dürfen die<br />
Ingenieur<strong>in</strong>nen nicht älter als 35 Jahre gewesen se<strong>in</strong>.<br />
Berücksichtigt werden ausschließlich Arbeiten aus dem<br />
deutschsprachigen Raum. Die Preisverleihung wird e<strong>in</strong>mal<br />
jährlich im Rahmen e<strong>in</strong>er repräsentativen VDE-<br />
Veranstaltung stattf<strong>in</strong>den – die Auswahl <strong>der</strong> Preisträger<strong>in</strong>nen<br />
erfolgt durch e<strong>in</strong>e hochkarätige Jury des VDE.<br />
Bewerbungen können bis zum 31. Januar 2015 e<strong>in</strong>gereicht<br />
werden. Weitere Informationen zum Preis s<strong>in</strong>d zu<br />
f<strong>in</strong>den unter www.vde.com/<strong>in</strong>genieur<strong>in</strong>nen. (gz)<br />
VDE VERBAND DER ELEKTROTECHNIK ELEKTRONIK<br />
INFORMATIONSTECHNIK E.V.,<br />
Stresemannallee 15, D-60596 Frankfurt am Ma<strong>in</strong>,<br />
Tel. +49 (0) 69 630 80, Internet: www.vde.com<br />
6<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
STROMVERSORGUNG MIT SYSTEM<br />
Leistungsstark <strong>und</strong> effizient<br />
EPSITRON ® COMPACT Power<br />
EPSITRON ® ECO Power<br />
EPSITRON ® CLASSIC Power<br />
EPSITRON ® PRO Power<br />
Die Kompakten –<br />
Die Wirtschaftlichen –<br />
Die Robusten –<br />
Die Leistungsstarken –<br />
im flachen Reihen-<br />
zur Standardversorgung<br />
DC 12 V, 24 V, 48 V<br />
mit TopBoost, PowerBoost<br />
e<strong>in</strong>baugehäuse<br />
mit DC 24 V<br />
<strong>und</strong> optionalem L<strong>in</strong>eMonitor<br />
Individuell ergänzbar mit unterbrechungsfreien Stromversorgungen (USV),<br />
Puffermodulen, Red<strong>und</strong>anzmodulen <strong>und</strong> elektronischen Schutzschaltern.<br />
www.wago.com/EPSITRON
FORSCHUNG<br />
RoboCup <strong>in</strong> Brasilien: Teams <strong>der</strong> TU Darmstadt<br />
<strong>und</strong> FH Aachen kehren als Sieger zurück<br />
DAS TEAM<br />
UM HECTOR:<br />
Studierende,<br />
Doktorand<strong>in</strong>nen<br />
<strong>und</strong> Doktoranden<br />
holten mit ihrem<br />
Rettungsroboter<br />
bei <strong>der</strong> Roboter-<br />
WM <strong>in</strong> Argent<strong>in</strong>ien<br />
die meisten<br />
Punkte.<br />
Bild: TU Darmstadt<br />
Bei <strong>der</strong> RoboCup-Weltmeisterschaft <strong>in</strong> Brasilien<br />
konnten zwei deutsche Hochschulen Siege <strong>in</strong> den<br />
Hauptwettbewerben err<strong>in</strong>gen. Bei den Rettungsrobotern<br />
kam e<strong>in</strong> Team <strong>der</strong> TU Darmstadt mit „Hector“<br />
auf den ersten Platz. Im Wettbewerb <strong>der</strong> Logistikroboter<br />
gewann die Mannschaft <strong>der</strong> FH Aachen mit ihrer Entwicklung<br />
„Carologistics“. Das Darmstädter Team Hector<br />
konnte <strong>in</strong> <strong>der</strong> RoboCup Rescue-League erstmals den<br />
Weltmeistertitel err<strong>in</strong>gen. Außerdem gewann des Team<br />
erneut den Preis für den <strong>in</strong>telligentesten Roboter (Best<br />
<strong>in</strong> Class Autonomy Award).<br />
Beim RoboCup Rescue-Wettbewerb versuchen die<br />
Teams, simulierte Katastrophenszenarien zu erk<strong>und</strong>en<br />
<strong>und</strong> jeweils so viele Punkte wie möglich zu erreichen.<br />
Die Roboter operieren <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Szenario, wie es sich<br />
beispielsweise nach e<strong>in</strong>em Erdbeben o<strong>der</strong> e<strong>in</strong>em Tsunami<br />
darstellt. Mit ihren vielfältigen Sensoren – Video-<br />
Kameras, Infrarot-Sensoren, 3D-Kameras, Laser-Scanner<br />
– suchen die Roboter möglichst autonom versteckte Opfer<br />
<strong>und</strong> Objekte.<br />
Team Hector legt den Forschungsfokus auf die Autonomie<br />
<strong>der</strong> Roboter, also die Fähigkeit, Katastrophengebiete<br />
selbständig vollständig erk<strong>und</strong>en zu können. Dies<br />
ist bei realen E<strong>in</strong>sätzen wichtig, da Funkverb<strong>in</strong>dungen<br />
zwischen Rettungskräften <strong>und</strong> Robotern, die im Gebäude<strong>in</strong>neren<br />
operieren, abreißen können. Durch die hohe<br />
Zuverlässigkeit <strong>der</strong> Autonomiefunktionen war es dem<br />
Team möglich, vom ersten Tag an hohe Punktzahlen zu<br />
erzielen, da die automatische Erkennung <strong>und</strong> Kartierung<br />
von simulierten Opfern hoch bewertet wird.<br />
Team Hector hat nun viele Kernkomponenten se<strong>in</strong>er<br />
Forschung als frei verfügbare (Open Source) Software<br />
veröffentlicht, um die Entwicklung autonomer Rettungsrobotersysteme<br />
zu beschleunigen <strong>und</strong> den realen E<strong>in</strong>satz<br />
zur Rettung von Menschenleben voranzutreiben.<br />
Das Team Hector des DFG-Graduiertenkollegs 1362<br />
„Cooperative, adaptive and responsive monitor<strong>in</strong>g <strong>in</strong><br />
mixed mode environments“ besteht aus Studierenden,<br />
Doktorand<strong>in</strong>nen <strong>und</strong> Doktoranden des Fachgebiets Simulation,<br />
Systemoptimierung <strong>und</strong> Robotik, Fachbereich<br />
Informatik, <strong>und</strong> des Instituts für Flugsysteme <strong>und</strong> Regelungstechnik,<br />
Fachbereich Masch<strong>in</strong>enbau. (gz)<br />
TECHNISCHE UNIVERSITÄT DARMSTADT,<br />
Karol<strong>in</strong>enplatz 5, D-64289 Darmstadt,<br />
Tel. +49 (0) 6151 160,<br />
Internet: www.tu-darmstadt.de<br />
Call for <strong>atp</strong> experts: Digitale Fabrik<br />
IN AUSGABE 57(3) DER ATP EDITION im<br />
März 2015 diskutiert die <strong>atp</strong> <strong>edition</strong> das<br />
Thema digitale Fabrik. Die digitale Fabrik<br />
ist nach VDI 4499-1 <strong>der</strong> Oberbegriff<br />
für e<strong>in</strong> umfassendes Netzwerk<br />
von digitalen Beschreibungsmitteln,<br />
Methoden <strong>und</strong> Werkzeugen, die durch<br />
e<strong>in</strong> durchgängiges Datenmanagement<br />
<strong>in</strong>tegriert werden. Das effektive Management<br />
<strong>der</strong> <strong>in</strong> <strong>der</strong> digitalen Anlage<br />
abgelegten Information ist e<strong>in</strong>e <strong>der</strong><br />
Gr<strong>und</strong>lagen für die Realisierung von<br />
Industrie-4.0-Konzepten. Ausgabe<br />
57(3) diskutiert Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />
<strong>und</strong> stellt aktuelle Forschungs- <strong>und</strong><br />
Entwicklungsergebnisse vor. Ihre Beiträge<br />
berichten idealerweise über<br />
erste Erfahrungen mit prototypischen<br />
Implementierungen o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Überführung<br />
<strong>in</strong> Produkte. Wir bitten Sie, bis<br />
zum 28. Oktober 2014 zu diesem Themenschwerpunkt<br />
e<strong>in</strong>en gemäß <strong>der</strong><br />
Autorenrichtl<strong>in</strong>ien <strong>der</strong> <strong>atp</strong> <strong>edition</strong> ausgearbeiteten<br />
Hauptbeitrag per E-Mail<br />
an urbas@di-verlag.de e<strong>in</strong>zureichen.<br />
Die <strong>atp</strong> <strong>edition</strong> ist die hochwertige Monatspublikation<br />
für Fach- <strong>und</strong> Führungskräfte<br />
<strong>der</strong> Automatisierungsbranche.<br />
In den Hauptbeiträgen werden<br />
die Themen mit hohem wissenschaftlichem<br />
<strong>und</strong> technischem Anspruch <strong>und</strong><br />
vergleichsweise abstrakt dargestellt.<br />
Im Journalteil werden praxisnahe Erfahrungen<br />
von Anwen<strong>der</strong>n mit neuen<br />
Technologien, Prozessen o<strong>der</strong> Produkten<br />
beschrieben.<br />
Alle Beiträge werden von e<strong>in</strong>em Fachgremium<br />
begutachtet. Sollten Sie sich<br />
selbst aktiv an dem Begutachtungsprozess<br />
beteiligen wollen, bitten wir um<br />
kurze Rückmeldung. Für weitere Rückfragen<br />
stehen wir Ihnen selbstverständlich<br />
gerne zur Verfügung.<br />
Redaktion <strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
Leon Urbas, Gerd Scholz<br />
CALL FOR<br />
Aufruf zur Beitragse<strong>in</strong>reichung<br />
Thema: Digitale Fabrik<br />
Kontakt: urbas@di-verlag.de<br />
Term<strong>in</strong>: 28. Oktober 2014<br />
8<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
Humanoi<strong>der</strong> Roboter<br />
mit F<strong>in</strong>gerspitzengefühl<br />
1,30 METER GROSS UND 50 KILOGRAMM<br />
SCHWER: Die neueste Generation des<br />
Roboters Asimo kann auch den Inhalt e<strong>in</strong>er<br />
Flasche <strong>in</strong> Becher füllen. Bild: Honda<br />
Asimo kann jetzt sogar Flaschen öffnen, Gläser<br />
befüllen, Gebärdensprache „sprechen“, Gesichter<br />
erkennen <strong>und</strong> Menschen ausweichen. Dieser Roboter<br />
von Honda ist laut dem Hersteller <strong>der</strong> fortschrittlichste<br />
humanoide Roboter <strong>der</strong> Welt. Asimo steht für<br />
Advanced Step <strong>in</strong> Innovative Mobility. Seit 14 Jahren<br />
präsentiert Honda immer wie<strong>der</strong> Fortentwicklungen<br />
des Roboters. Seite 2011 spricht Honda nicht mehr<br />
von e<strong>in</strong>er automatischen, son<strong>der</strong>n von e<strong>in</strong>er autonomen<br />
Masch<strong>in</strong>e, da sie ihre Umwelt immer besser<br />
erkennt <strong>und</strong> auf dieser Basis Entscheidungen trifft.<br />
Die neueste Version, die das Unternehmen kürzlich<br />
<strong>in</strong> Brüssel vorstellte, kann beispielsweise Gesichter<br />
<strong>und</strong> Stimmen mehrerer Personen erkennen,<br />
die gleichzeitig sprechen <strong>und</strong> das eigene Verhalten<br />
<strong>in</strong> Echtzeit <strong>der</strong> Umgebung anpassen. So ist Asimo<br />
nun beispielsweise <strong>in</strong> <strong>der</strong> Lage vorherzusagen, <strong>in</strong><br />
welche Richtung e<strong>in</strong>e Person gehen wird <strong>und</strong> kann<br />
e<strong>in</strong>en an<strong>der</strong>en Weg wählen, um e<strong>in</strong>en Zusammenstoß<br />
zu vermeiden.<br />
Zudem ist die neueste Asimo-Version schneller.<br />
Asimo läuft nun mit bis zu neun Kilometer pro St<strong>und</strong>e<br />
um r<strong>und</strong> 50 Prozent schneller als se<strong>in</strong> Vorgänger.<br />
Der Roboter kann auch rückwärts laufen, Treppen<br />
h<strong>in</strong>auf- <strong>und</strong> h<strong>in</strong>absteigen, spr<strong>in</strong>gen <strong>und</strong> kont<strong>in</strong>uierlich<br />
auf e<strong>in</strong>em Be<strong>in</strong> hüpfen. Se<strong>in</strong>e mehrf<strong>in</strong>grigen Hände<br />
können dank mo<strong>der</strong>ner Objekterkennungstechnologie<br />
komplexe Tätigkeiten durchführen. (gz)<br />
HONDA MOTOR EUROPE LTD.,<br />
470 London Road,<br />
Slough, Berkshire, SL3 8QY, United K<strong>in</strong>gdom,<br />
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BRANCHE<br />
GMA-Report: CPS-basierte Automation ist die<br />
Gr<strong>und</strong>lage, um Nutzen aus Industrie 4.0 zu ziehen<br />
reiche e<strong>in</strong>teilen. Hier empfehlen wir als GMA, <strong>in</strong> den<br />
nächsten Jahren Forschung zu för<strong>der</strong>n.“<br />
DER NEUE<br />
GMA-STATUS-<br />
REPORT zu<br />
Industrie 4.0 zeigt<br />
den Forschungsbedarf<br />
bei<br />
CPS-basierter<br />
Automation.<br />
Bild: SmartFactoryKL<br />
Mit dem neuen Statusreport „Industrie 4.0 – CPS-basierte<br />
Automation“ hat die VDI/VDE-Gesellschaft<br />
Mess- <strong>und</strong> Automatisierungstechnik (GMA) herausgearbeitet,<br />
welche konkreten Forschungsaufgaben nun zu<br />
bewältigen s<strong>in</strong>d. In dem Papier „wird deutlich, dass CPSbasierte<br />
Automation die Gr<strong>und</strong>lage ist, um konkreten<br />
Nutzen aus Industrie 4.0 zu ziehen“, betont die neue GMA-<br />
Geschäftsführer<strong>in</strong> Dr. Dagmar Dirzus. Der Nutzen beg<strong>in</strong>ne<br />
mit <strong>der</strong> Option, alle benötigten Informationen für e<strong>in</strong><br />
durchgängiges Systems-Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g bereitzustellen.<br />
CPS-basierte Automation bietet laut Dirzus die Voraussetzung<br />
für Diagnose <strong>und</strong> Wartung von Anlagen<br />
sowie zur Flexibilisierung <strong>der</strong> Produktion. Großes Potenzial<br />
liege dar<strong>in</strong>, Benutzerschnittstellen e<strong>in</strong>zurichten,<br />
um Transparenz <strong>und</strong> damit Verständnis von Anlagen<br />
zu jedem Z eitpunkt zu ermöglichen. Um diese<br />
Chancen zu nutzen, müssten die notwendigen Forschungsbedarfe<br />
konkretisiert werden. Aufbauend auf<br />
dem Whitepaper <strong>der</strong> Plattform Industrie 4.0 von April<br />
2014, wurden daher anhand von drei Usecases, <strong>in</strong> denen<br />
existierende Anlagen mit CPS-Technologie ausgestattet<br />
wurden, die entstehenden Anfor<strong>der</strong>ungen an<br />
zielgerichtete Forschung analysiert. „Das Ergebnis“, so<br />
Dirzus, „lässt sich auf vier f<strong>und</strong>amental wichtige Be-<br />
1 | Statt Software komplett neu zu entwickeln solle<br />
bislang für Vernetzung erfolgreich e<strong>in</strong>gesetzte<br />
Unternehmens-IT fit gemacht werden, um die Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
<strong>der</strong> <strong>in</strong>dustriellen Produktion erfüllen<br />
zu können. Dazu zählen Echtzeitfähigkeit, Gewährleistung<br />
funktionaler Sicherheit sowie Informationssicherheit.<br />
2 | Auch Methoden <strong>der</strong> Automatisierungstechnik<br />
müssten angepasst werden. So müssten beispielsweise<br />
systematische Ansätze gef<strong>und</strong>en werden,<br />
um die Steuerrezepterstellung <strong>in</strong> externe Cloud-<br />
Dienste auszulagern o<strong>der</strong> um komplexe Optimierungsaufgaben<br />
durchzuführen. Denn hier liege<br />
das große, wirtschaftlich bedeutende Potenzial <strong>der</strong><br />
Effizienzsteigerung durch Industrie 4.0.<br />
3 | Um alle Vorteile e<strong>in</strong>er flexiblen Produktion zu nutzen<br />
<strong>und</strong> physische wie virtuelle Modelle während<br />
<strong>der</strong> Laufzeit <strong>der</strong> Anlagen austauschen, abschalten<br />
o<strong>der</strong> ersetzen zu können, müssten flexibel anpassbare<br />
Schnittstellen e<strong>in</strong>e reibungslose Integration<br />
<strong>und</strong> e<strong>in</strong>e sichere Systemfunktionalität gewährleisten.<br />
Trotz Flexibilität <strong>und</strong> Komplexität <strong>der</strong> Produktionssysteme<br />
müssten geeignete Benutzerschnittstellen<br />
garantieren, dass das Verständnis<br />
für das Systemverhalten erhalten bleibt.<br />
4 | Schließlich müssten Forschungen erfolgen, um die<br />
zur Verfügung stehenden Informationen über die<br />
gesamte Laufzeit <strong>der</strong> Produkte <strong>und</strong> Anlagen für e<strong>in</strong><br />
durchgängiges System-Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g auszunutzen<br />
<strong>und</strong> die Daten <strong>und</strong> Modelleigenschaften zwischen<br />
den Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g-Schritten auszutauschen. (gz)<br />
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Call for Papers für AMA-Kongresse<br />
Der AMA Verband für Sensorik <strong>und</strong> Messtechnik hat<br />
den Call for Papers für die beiden AMA-Kongresse<br />
Sensor <strong>und</strong> IRS² im Jahr 2015 gestartet. Beide Tagungen<br />
f<strong>in</strong>den parallel zur Messe Sensor+Test vom 19. bis 21. Mai<br />
<strong>in</strong> Nürnberg statt. Abstracts <strong>der</strong> Vorträge o<strong>der</strong> Poster können<br />
e<strong>in</strong>gereicht werden bis zum 17. Oktober 2014.<br />
Der Sensor-Kongress fokussiert auf die Entwicklung von<br />
Sensoren, Aktoren <strong>und</strong> Mess- <strong>und</strong> Prüftechnik. IRS² präsentiert<br />
aktuellste Entwicklungen von Infrarot-Sensoren<br />
<strong>und</strong> Systemen. Die parallel stattf<strong>in</strong>dende Fachmesse<br />
Sensor+Test mit mehr als 500 Ausstellern, gilt als wichtigste<br />
Informationsplattform <strong>der</strong> Sensorik, Mess- <strong>und</strong> Prüf-<br />
technik europaweit <strong>und</strong> erweitert den Innovationsdialog<br />
<strong>der</strong> Kongressteilnehmer über die AMA-Kongresse h<strong>in</strong>aus.<br />
Interessierte Autoren bittet <strong>der</strong> Verband, e<strong>in</strong>e kurze Zusammenfassung<br />
des Vortrags o<strong>der</strong> Posters bis zum 17. Oktober<br />
2014 e<strong>in</strong>zureichen. Informationen zu den Themenschwerpunkten<br />
<strong>und</strong> zur Dokumentvorlage s<strong>in</strong>d zu f<strong>in</strong>den<br />
unter www.ama-science.org/direct/call-for-papers. (gz)<br />
AMA FACHVERBAND FÜR SENSORIK E.V.,<br />
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10<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
Workshop IT Security:<br />
Lösungen für die Praxis<br />
Die IT Security gilt als e<strong>in</strong>e zentrale Voraussetzung<br />
für den Erfolg von Industrie 4.0. Dem trägt das VDI/<br />
VDE-Expertenforum „IT Security Lösungen für die Praxis!“<br />
Rechnung, das am 11. November als Workshop <strong>in</strong><br />
Frankfurt stattf<strong>in</strong>det. Der Praxisbezug wird dort im Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong><br />
stehen. Die Veranstaltung geht auf e<strong>in</strong>e geme<strong>in</strong>same<br />
Initiative von Namur, PNO, VDI/VDE-GMA,<br />
VDMA <strong>und</strong> ZVEI zurück.<br />
Die Veranstalter betonen, IT-Security sei zwar auch<br />
wegen des Themas Industrie 4.0 <strong>in</strong> den Fokus geraten,<br />
werde aber <strong>in</strong>terdiszipl<strong>in</strong>är <strong>in</strong> <strong>der</strong> Praxis nicht ausreichend<br />
behandelt o<strong>der</strong> noch aus <strong>der</strong> Diskussion zu Industrie<br />
4.0 ausgeklammert. Im Workshop geht es um Problemstellungen<br />
<strong>und</strong> dazu passende Lösungsansätze aus<br />
<strong>der</strong> täglichen Praxis. Berichte zu IT-Security-Projekten<br />
aus <strong>der</strong> Fabrikautomatisierung <strong>und</strong> aus dem Umfeld <strong>der</strong><br />
Prozessautomatisierung werden zur Diskussion gestellt.<br />
Zentrale Themen des Workshops s<strong>in</strong>d: Skizzierung<br />
<strong>der</strong> aktuellen Bedrohungslage für die Industrieautomation,<br />
Praxiserfahrungen aus dem Betrieb von automatisierten<br />
Produktions- <strong>und</strong> Fertigungsanlagen, Unterstützung<br />
durch Normen <strong>und</strong> Behörden, IT Security-Prozesse<br />
im Unternehmen.<br />
(gz)<br />
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Neuer Studiengang<br />
zur Cybersicherheit<br />
Wie Unternehmen die eigenen Daten vor Angriffen<br />
schützen können, wird ab Oktober im neuen Bachelor-Studiengang<br />
Cybersicherheit an <strong>der</strong> Universität des<br />
Saarlandes gelehrt. Die Studenten erforschen selbst die<br />
digitalen Bedrohungen im weltweiten Netz, s<strong>in</strong>d gleichzeitig<br />
Angreifer, Verteidiger <strong>und</strong> Forscher. Sie lernen, wie<br />
man Smartphones gegen Spionage-Apps wappnet, Computernetzwerke<br />
gegen Angriffe aus aller Welt schützt.<br />
„Wir s<strong>in</strong>d die erste Informatik-Fakultät, die e<strong>in</strong>en solchen<br />
Studiengang im universitären Umfeld anbietet“,<br />
sagt Michael Backes, Professor für Informationssicherheit<br />
<strong>und</strong> Kryptografie <strong>der</strong> Universität des Saarlandes<br />
<strong>und</strong> wissenschaftlicher Direktor des von <strong>der</strong> B<strong>und</strong>esregierung<br />
geför<strong>der</strong>ten Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit<br />
(CISPA). Er wird <strong>in</strong> diesem Studiengang mit den<br />
Forscherkollegen an den verschiedenen Informatik-Instituten<br />
auf dem Campus zusammenarbeiten. (gz)<br />
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PRAXIS<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung Masch<strong>in</strong>enrichtl<strong>in</strong>ie: Internes<br />
Managementsystem br<strong>in</strong>gt Effizienz <strong>und</strong> Sicherheit<br />
Normen <strong>und</strong> Richtl<strong>in</strong>ien werden zuverlässig berücksichtigt <strong>und</strong> Schwachstellen frühzeitig erkannt<br />
UM MASCHINEN UND<br />
ANLAGEN im europäischen<br />
Wirtschaftsraum<br />
<strong>in</strong> Verkehr<br />
br<strong>in</strong>gen zu dürfen,<br />
müssen die Vorgaben<br />
<strong>der</strong> Masch<strong>in</strong>en richtl<strong>in</strong>ie<br />
(MaschRL 2006/42/EG)<br />
erfüllt se<strong>in</strong>.<br />
Unternehmen, die ihre Masch<strong>in</strong>ensicherheit systematisch<br />
managen, verfügen über e<strong>in</strong> wirksames<br />
Werkzeug zur Risikobeurteilung von neuen o<strong>der</strong> modifizierten<br />
Produkten – <strong>und</strong> damit über e<strong>in</strong>en entscheidenden<br />
Wettbewerbsvorteil.<br />
Masch<strong>in</strong>ensicherheit im Allgeme<strong>in</strong>en <strong>und</strong> funktionale<br />
Sicherheit im Speziellen s<strong>in</strong>d elementare Herausfor<strong>der</strong>ungen<br />
bei <strong>der</strong> Entwicklung <strong>und</strong> Konstruktion von<br />
Masch<strong>in</strong>en. Ziel ist es, die Risiken <strong>und</strong> Gefahren für<br />
Mensch <strong>und</strong> Umwelt so weit wie möglich auszuschließen.<br />
Die Masch<strong>in</strong>enrichtl<strong>in</strong>ie 2006/42/EG nimmt Hersteller<br />
<strong>und</strong> Betreiber <strong>in</strong> die Pflicht. E<strong>in</strong> effizientes Managementsystem<br />
zur funktionalen Sicherheit haben<br />
Experten von TÜV Süd bei e<strong>in</strong>em schwedischen Hersteller<br />
von Bergbaumasch<strong>in</strong>en erfolgreich e<strong>in</strong>geführt.<br />
Um Produkte <strong>in</strong>nerhalb des europäischen Wirtschaftsraums<br />
(EWR), <strong>der</strong> Schweiz <strong>und</strong> <strong>der</strong> Türkei <strong>in</strong><br />
Verkehr br<strong>in</strong>gen zu dürfen, müssen Hersteller von Masch<strong>in</strong>en<br />
die Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Masch<strong>in</strong>enrichtl<strong>in</strong>ie<br />
erfüllen. Ziel ist primär, Mensch <strong>und</strong> – davon abgeleitet<br />
– die Umwelt zu schützen <strong>und</strong> aus unterschiedlichen<br />
Sicherheitsanfor<strong>der</strong>ungen resultierende Wettbewerbsverzerrungen<br />
zu vermeiden. Handelshemmnisse <strong>in</strong>nerhalb<br />
<strong>der</strong> EU sollen so abgebaut werden.<br />
DIE NORMEN WERDEN KONTINUIERLICH ANGEPASST<br />
Die Masch<strong>in</strong>enrichtl<strong>in</strong>ie 2006/42/EG formuliert im Anhang<br />
I allgeme<strong>in</strong>e sicherheitstechnische Anfor<strong>der</strong>ungen.<br />
Abhängig von <strong>der</strong> jeweiligen Branche, dem Masch<strong>in</strong>entyp<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong> technischen Ausstattung greifen dann unterschiedliche,<br />
harmonisierte <strong>und</strong> im Amtsblatt <strong>der</strong> EU<br />
veröffentlichte Normen mit unterschiedlicher Gewichtung.<br />
Die Normen werden dem Stand <strong>der</strong> Technik entsprechend<br />
kont<strong>in</strong>uierlich überarbeitet <strong>und</strong> angepasst.<br />
Exportiert e<strong>in</strong> Hersteller <strong>in</strong> Län<strong>der</strong> außerhalb des<br />
EWR muss er darüber h<strong>in</strong>aus die Gesetze <strong>und</strong> Vorschriften<br />
des jeweiligen Landes erfüllen, <strong>in</strong> dem die<br />
Masch<strong>in</strong>e vermarktet beziehungsweise betrieben werden<br />
soll. In den USA beispielsweise gelten an<strong>der</strong>e Vorschriften<br />
<strong>und</strong> Auflagen zur Gewährleistung <strong>der</strong> funktionalen<br />
Sicherheit als im europäischen Wirtschaftsraum,<br />
zum Beispiel die UL-Standards.<br />
MASCHINENSICHERHEIT SYSTEMATISCH MANAGEN<br />
Hersteller <strong>und</strong> Betreiber stehen damit <strong>in</strong> <strong>der</strong> Verantwortung,<br />
geltende, verän<strong>der</strong>te <strong>und</strong> neue Sicherheitsanfor<strong>der</strong>ungen<br />
für alle Produkte <strong>und</strong> weltweite Märkte<br />
systematisch zu beobachten <strong>und</strong> umzusetzen. Das stellt<br />
die Unternehmen vor vielschichtige Herausfor<strong>der</strong>ungen:<br />
Wie können die allgeme<strong>in</strong>en Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
<strong>der</strong> Masch<strong>in</strong>enrichtl<strong>in</strong>ie <strong>in</strong> jedem konkreten Fall erfüllt<br />
werden? Welche Normen <strong>und</strong> Standards müssen berücksichtigt<br />
se<strong>in</strong> – <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e auch außerhalb <strong>der</strong><br />
EU? Wie erfolgt die rechtssichere <strong>und</strong> belastbare Dokumentation?<br />
Und wie kann das alles pragmatisch <strong>und</strong><br />
mit ger<strong>in</strong>gem Kostenaufwand realisiert werden?<br />
E<strong>in</strong>e effiziente <strong>und</strong> dauerhafte Lösung zur Bewältigung<br />
dieser komplexen Aufgaben ist die E<strong>in</strong>führung<br />
e<strong>in</strong>es betriebs<strong>in</strong>ternen Managementsystems zur Masch<strong>in</strong>ensicherheit<br />
<strong>und</strong> funktionalen Sicherheit. Das<br />
12<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
System bildet den organisatorischen Rahmen zur<br />
Sicherstellung sämtlicher technischer <strong>und</strong> prozesstechnischer<br />
Methoden <strong>und</strong> Maßnahmen, die notwendig<br />
s<strong>in</strong>d, um die Masch<strong>in</strong>ensicherheit zu gewährleisten.<br />
Das erfor<strong>der</strong>liche Know-how wird gebündelt<br />
<strong>und</strong> aufgearbeitet <strong>und</strong> kann unternehmensweit<br />
bereits <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er frühen Phase <strong>der</strong> Entwicklung<br />
neuer o<strong>der</strong> modifizierter Masch<strong>in</strong>en <strong>in</strong> den Konstruktionsprozess<br />
e<strong>in</strong>fließen.<br />
Der Prozess von <strong>der</strong> Konzeption bis zur Etablierung<br />
e<strong>in</strong>es Managementsystems zur funktionalen Sicherheit<br />
e<strong>in</strong>schließlich e<strong>in</strong>er möglichen Verzahnung mit<br />
bereits vorhandenen qualitätssichernden Systemen<br />
stellt höchste Anfor<strong>der</strong>ungen an e<strong>in</strong> Unternehmen.<br />
Vor diesem H<strong>in</strong>tergr<strong>und</strong> hat e<strong>in</strong> schwedischer Hersteller<br />
von Bergbaumasch<strong>in</strong>en Erfahrung <strong>und</strong> Knowhow<br />
von TÜV Süd Industrie Service h<strong>in</strong>zugezogen,<br />
um e<strong>in</strong> solches Management für den Bereich <strong>der</strong> funktionalen<br />
Sicherheit im Unternehmen zu etablieren.<br />
Als externe Berater zeichneten die TÜV Süd-Experten<br />
für funktionale Sicherheit dafür verantwortlich, dass<br />
alle relevanten Normen <strong>und</strong> Richtl<strong>in</strong>ien berücksichtigt<br />
<strong>und</strong> mögliche Schwachstellen frühzeitig identifiziert<br />
<strong>und</strong> ausgeräumt werden konnten.<br />
VOM KONZEPT ZUM MANAGEMENTSYSTEM<br />
Für das global agierende Unternehmen galt es zunächst,<br />
gr<strong>und</strong>legende Fragen zu klären: Welche konkreten<br />
Gefahren <strong>und</strong> Risiken gehen von den im Unternehmen<br />
hergestellten Bergbaumasch<strong>in</strong>en aus?<br />
Welche Normen <strong>und</strong> Richtl<strong>in</strong>ien s<strong>in</strong>d für diese Masch<strong>in</strong>en<br />
– auch h<strong>in</strong>sichtlich <strong>der</strong> globalen Zielmärkte<br />
– zu erfüllen? Mit welchen Methoden können Risiken<br />
beschrieben <strong>und</strong> quantifiziert werden? Welche konstruktiven<br />
Maßnahmen s<strong>in</strong>d unter Sicherheits- <strong>und</strong><br />
wirtschaftlichen Aspekten geeignet, um diese Risiken<br />
zu m<strong>in</strong>imieren o<strong>der</strong> auszuschließen?<br />
Um diese Fragen f<strong>und</strong>iert zu beantworten, führten<br />
die TÜV Süd-Experten zunächst mehrere Workshops<br />
<strong>und</strong> Schulungen im Unternehmen durch. Geme<strong>in</strong>sam<br />
mit verantwortlichen Masch<strong>in</strong>enbauern, Konstrukteuren,<br />
Sicherheits<strong>in</strong>genieuren <strong>und</strong> Mitarbeitern wurde<br />
<strong>der</strong> tatsächliche Handlungsbedarf ermittelt. Basierend<br />
auf den Ergebnissen konnte e<strong>in</strong> erstes Konzept<br />
entwickelt werden.<br />
Um belastbare Aussagen zu möglichen Risiken treffen<br />
zu können, wurden exemplarisch Mustermasch<strong>in</strong>en<br />
analysiert <strong>und</strong> nach den e<strong>in</strong>schlägigen Normen<br />
wie <strong>der</strong> IEC 61508, EN ISO 62061, EN ISO 12100 <strong>und</strong><br />
EN ISO 13849-1 <strong>und</strong> EN ISO 13849-2 beurteilt. Fokussiert<br />
wurden die <strong>in</strong>härent sichere Konstruktion <strong>der</strong><br />
Masch<strong>in</strong>en, die Ausfallsicherheit <strong>der</strong> elektrischen<br />
Systeme <strong>und</strong> <strong>der</strong> Steuerung sowie das Gefährdungspotenzial<br />
<strong>der</strong> mechanischen <strong>und</strong> hydraulischen Elemente.<br />
Durch die Untersuchung konnten wesentliche<br />
Sicherheitsaspekte identifiziert werden. Die Ergeb-<br />
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PRAXIS<br />
AUSMASS UND EINTRITTSWAHR-<br />
SCHEINLICHKEIT e<strong>in</strong>es Schadens<br />
werden <strong>in</strong> <strong>der</strong> Risikomatrix abgebildet.<br />
Sie visualisiert, ob Risiken im tolerierbaren<br />
Bereich liegen o<strong>der</strong> nicht.<br />
Inakzeptabel s<strong>in</strong>d Ereignisse, die mit<br />
hoher Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit e<strong>in</strong>treten <strong>und</strong><br />
erhebliche negative Auswirkungen auf<br />
Mensch <strong>und</strong> Umwelt haben.<br />
nisse <strong>und</strong> die erarbeitete Methodik wurden anschließend<br />
wirksam auf an<strong>der</strong>e im Unternehmen entwickelte <strong>und</strong><br />
produzierte Bergbaumasch<strong>in</strong>en übertragen.<br />
RISIKOMATRIX ALS ZENTRALES ANALYSEWERKZEUG<br />
Zentrales Werkzeug <strong>der</strong> Risikoanalyse ist die Risikomatrix.<br />
Sie dient <strong>der</strong> Abbildung von Risiken <strong>und</strong> <strong>der</strong> Ableitung<br />
<strong>der</strong> sicherheitstechnischen Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>und</strong><br />
<strong>der</strong> gezielten Bestimmung risikoreduzieren<strong>der</strong> Maßnahmen.<br />
Beruhend auf <strong>der</strong> klassischen Risikoanalyse, werden<br />
Risiken nach E<strong>in</strong>trittshäufigkeit <strong>und</strong> Schadensausmaß<br />
<strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Matrix qualifiziert. Sie liegen entwe<strong>der</strong> <strong>in</strong><br />
e<strong>in</strong>em tolerierbaren, nicht tolerierbaren o<strong>der</strong> <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
Bereich dazwischen <strong>und</strong> werden entsprechend e<strong>in</strong>er<br />
Risikoklasse zugeordnet. Vermeidbare Risiken lassen<br />
sich so effektiv identifizieren, evaluieren <strong>und</strong> modifizieren,<br />
verbleibende Restrisiken können wirksam kontrolliert<br />
beziehungsweise adressiert werden.<br />
PROZESSHANDBUCH BÜNDELT DAS WISSEN<br />
Risikoanalyse <strong>und</strong> -bewertung s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> Anhang I <strong>der</strong><br />
Masch<strong>in</strong>enrichtl<strong>in</strong>ie verankert <strong>und</strong> für jede e<strong>in</strong>zelne<br />
Masch<strong>in</strong>e erfor<strong>der</strong>lich, die im Geltungsbereich erstmalig<br />
<strong>in</strong> Verkehr gebracht wird. Wesentlicher Bestandteil<br />
<strong>der</strong> Analyse <strong>und</strong> unternehmenskritischer Faktor ist die<br />
lückenlose, rechtssichere Dokumentation. Nur durch<br />
sie kann im Fall <strong>der</strong> Fälle <strong>der</strong> e<strong>in</strong>deutige Nachweis erbracht<br />
werden, dass die Masch<strong>in</strong>en entsprechend <strong>der</strong><br />
geltenden Normen <strong>und</strong> Vorschriften konstruiert <strong>und</strong><br />
gebaut wurden. Die Dokumentation ist unternehmensspezifisch,<br />
<strong>und</strong> im Verlauf <strong>der</strong> Workshops wurden die<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen an die Risikoanalyse detailliert betrachtet.<br />
Darauf aufbauend wurde e<strong>in</strong>e entsprechende Vorgehensweise<br />
für das Unternehmen abgeleitet.<br />
Sämtliche Vorgehensweisen <strong>und</strong> Ergebnisse wurden<br />
geme<strong>in</strong>sam mit den Experten von TÜV Süd <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
Prozesshandbuch zusammengeführt, das dem Unternehmen<br />
als verb<strong>in</strong>dlicher Leitfaden zur Masch<strong>in</strong>enentwicklung<br />
<strong>und</strong> -konstruktion dient. Zudem gewährleistet<br />
e<strong>in</strong> für die funktionale Sicherheit von Masch<strong>in</strong>en<br />
verantwortlicher Mitarbeiter die Vollständigkeit, Aktualisierung<br />
von Normen <strong>und</strong> Richtl<strong>in</strong>ien sowie die<br />
unternehmensweite Verfügbarkeit <strong>der</strong> Dokumentation.<br />
E<strong>in</strong> erfolgreiches <strong>und</strong> wirtschaftliches Management<br />
zur Masch<strong>in</strong>ensicherheit im Allgeme<strong>in</strong>en <strong>und</strong> zur funktionalen<br />
Sicherheit im Speziellen erfor<strong>der</strong>t neben <strong>der</strong><br />
Anpassung unternehmens<strong>in</strong>terner Prozesse entsprechende<br />
Organisationsstrukturen. Neu gestaltete Organisations-,<br />
Kommunikations- <strong>und</strong> Informationsstrukturen<br />
sorgen jetzt bei dem Hersteller von Bergbaumasch<strong>in</strong>en<br />
dafür, dass funktionale Sicherheitsanfor<strong>der</strong>ungen<br />
<strong>in</strong> sämtlichen Prozessschritten <strong>der</strong> Planung,<br />
Konstruktion <strong>und</strong> Fertigung berücksichtigt werden.<br />
Vom verteilten Wissen <strong>in</strong> <strong>der</strong> lernenden Organisation<br />
profitieren auch die Mitarbeiter <strong>in</strong> E<strong>in</strong>kauf <strong>und</strong> im Vertrieb.<br />
Bei <strong>der</strong> Beschaffung sicherheitsrelevanter Komponenten<br />
o<strong>der</strong> beim Export <strong>in</strong> Län<strong>der</strong> mit abweichenden<br />
Vorgaben zur Masch<strong>in</strong>ensicherheit haben diese Organisationse<strong>in</strong>heiten<br />
nun Zugriff auf aktuelle, f<strong>und</strong>ierte<br />
<strong>und</strong> belastbare Daten.<br />
AUTOR<br />
Dr. ROLF M. ZÖLLNER ist<br />
CE-Experte <strong>und</strong> Risikomanager<br />
bei <strong>der</strong> TÜV SÜD<br />
Industrie Service GmbH<br />
<strong>in</strong> München.<br />
TÜV SÜD AG,<br />
Westendstraße 199,<br />
D-80686 München,<br />
Tel. +49 (0) 89 57 91 15 91,<br />
E-Mail:<br />
rolf.zoellner@tuev-sued.de<br />
14<br />
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Term<strong>in</strong><br />
Ort<br />
Haben Sie Fragen zur Anwendung <strong>der</strong> Normen<br />
IEC 61508, IEC 61511 o<strong>der</strong> VDI/VDE 2180? S<strong>in</strong>d Sie<br />
gefor<strong>der</strong>t, die e<strong>in</strong>getretenen Pfade zur Erlangung <strong>der</strong><br />
Sicherheit zu verlassen? Dann s<strong>in</strong>d Sie hier richtig!<br />
Reichen Sie Ihre Fragen r<strong>und</strong> um SIL e<strong>in</strong>. Diskutieren<br />
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Veranstaltung (11:30 – 17:15 Uhr)<br />
„Get-Together“ (ab 18:00 Uhr)<br />
Mittwoch, 24.09.2014<br />
Veranstaltung (9:00 – 15:00 Uhr)<br />
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68307 Mannheim<br />
Programm<br />
Vom Umgang mit SIL – Erfahrungen e<strong>in</strong>es<br />
Behördenvertreters<br />
Fallstricke bei <strong>der</strong> SIL-E<strong>in</strong>reichung –<br />
Beobachtungen e<strong>in</strong>er Prüfstelle<br />
Die meistgemachten Fehler <strong>in</strong> <strong>der</strong> funktionalen<br />
Sicherheit<br />
Richtige Mitbenutzung sicherheitstechnischer<br />
Komponenten für die Prozessleittechnik<br />
Korrelation zwischen funktionaler Sicherheit<br />
<strong>und</strong> IT-Security<br />
Ist SIL e<strong>in</strong>e Produkteigenschaft?<br />
Workshops<br />
Referenten<br />
Thomas Gabriel, Bayer Technology Services GmbH<br />
Dirk Hablawetz, BASF SE<br />
Mart<strong>in</strong> Herrmann, Infracor GmbH<br />
Andreas Hildebrandt, Pepperl+Fuchs GmbH<br />
Udo Hug, BImSchG ß 29a Sachverständiger<br />
Thomas Karte, Samson AG<br />
Josef Kuboth, Landesamt für Natur, Umwelt <strong>und</strong><br />
Verbraucherschutz Nordrhe<strong>in</strong>-Westfalen<br />
Bernd Schrörs, Bayer Technology Services<br />
Heiko Schween, HIMA Paul Hildebrandt GmbH + Co KG<br />
Peter Sieber, Bilf<strong>in</strong>ger alpha msr GmbH<br />
Johann Ströbl, TÜV SÜD Industrie Service GmbH<br />
Werner Brockschmidt, Tesium GmbH<br />
Teilnahmegebühren<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong>-Abonnenten 540 € zzgl. MwSt.<br />
Firmenempfehlung 590 € zzgl. MwSt.<br />
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Tel.: +49 (0) 89 203 53 66-24<br />
Fax: +49 (0) 89 203 53 66-99<br />
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Prädiktive Wartung: Analyse von Echtzeit- <strong>und</strong><br />
historischen Daten kann Ausfälle verh<strong>in</strong><strong>der</strong>n<br />
Werkzeuge müssen nicht nur Anlagenausrüstung selbst modellieren, son<strong>der</strong>n auch die Steuerung<br />
RENTABILITÄT UNTER DRUCK: Die Betriebs kosten machen bei<br />
Anlagen <strong>der</strong> Energie-, Prozess- <strong>und</strong> Versorgungstechnik nahezu 60<br />
Prozent <strong>der</strong> Gesamtkosten aus. Prädiktive Wartung <strong>und</strong> Instandhaltung<br />
kann hier deutliche Optimierungen br<strong>in</strong>gen. Bil<strong>der</strong>: Dassault Systèmes<br />
PRÄDIKTIVE KONZEPTE<br />
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s<strong>in</strong>d bereits <strong>in</strong> Gebrauch.<br />
Die Ansätze weisen aber<br />
noch Schwächen auf.<br />
EINDIMENSIONALE FUNKTIONALE UND<br />
DYSFUNKTIONALE SYSTEMANALYSE:<br />
Dies erhöht die Effizienz <strong>und</strong> ermöglicht<br />
es Unternehmen, effiziente prädiktive<br />
Sicherheitsanalysen durchzuführen. E<strong>in</strong><br />
Beispiel ist das Eurosyslib-Projekt, das<br />
von e<strong>in</strong>em europäischen Firmenkonsortium<br />
im Nuklearbereich <strong>in</strong>itiiert wurde.<br />
Anlagenbetreiber aus <strong>der</strong> Energie-, Prozess- <strong>und</strong> Versorgungstechnik<br />
stehen unter ständigem Druck, die<br />
Leistung zu maximieren <strong>und</strong> die Kosten zu m<strong>in</strong>imieren.<br />
Die Betriebskosten machen nahezu 60 Prozent <strong>der</strong> Gesamtkosten<br />
aus. Die Rentabilität e<strong>in</strong>es Anlagengeschäftsbereichs<br />
hängt daher entscheidend von <strong>der</strong> Verfügbarkeit<br />
<strong>der</strong> E<strong>in</strong>richtungen ab. Die Verfügbarkeiten müssen<br />
daher möglichst hoch, die Stillstandzeiten möglichst<br />
kurz se<strong>in</strong>. Alle Wartungsstrategien zielen letztlich darauf<br />
ab, künftige Verhaltensmuster zu prognostizieren,<br />
sobald die aktuelle Situation bekannt ist. Die prädiktive<br />
Wartung ist <strong>der</strong> Königsweg, e<strong>in</strong>e <strong>der</strong>artige Strategie zur<br />
Wahrung <strong>der</strong> Funktionstüchtigkeit e<strong>in</strong>er Anlage anzuwenden.<br />
Heutige Strategien erfüllen die Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
von Anlageneignern allerd<strong>in</strong>gs nicht.<br />
SCHWÄCHEN DER ZUSTANDSBASIERTEN WARTUNG<br />
Investitionsausgaben für längerfristige Anlagegüter wirken<br />
sich erheblich auf die Kosten e<strong>in</strong>es Endprodukts aus.<br />
Das gilt <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e für die Energie-, Prozess- <strong>und</strong> Versorgungstechnik.<br />
In den 90er Jahren kamen die zustandsbasierte<br />
Instandhaltung <strong>und</strong> die zustandsbasierte Wartung<br />
auf. Hierzu wurden Informationen von Sensoren<br />
genutzt, um Alarme auszulösen o<strong>der</strong> um Instandhaltungs-<br />
beziehungsweise Arbeitsaufträge zu veranlassen<br />
<strong>und</strong> somit e<strong>in</strong>em Ausfall o<strong>der</strong> Fehlern zuvorzukommen.<br />
Zur Umsetzung e<strong>in</strong>es funktionierenden prädiktiven<br />
Konzepts wurden an diesem Ansatz mehrere Verbesserungen<br />
vorgenommen. Hierzu zählte unter an<strong>der</strong>em<br />
die Berücksichtigung <strong>der</strong> vor Ort erhobenen Daten. Anstatt<br />
sich im Falle e<strong>in</strong>es Alarms unverzüglich vor Ort<br />
zu begeben, nutzte man an<strong>der</strong>e, weitergehende Konzepte<br />
zur Überwachung langfristiger Trends anhand<br />
entsprechen<strong>der</strong> Parameter, um somit künftige Ausfälle<br />
antizipieren zu können.<br />
Dieses Konzept ist heute noch <strong>in</strong> Gebrauch. Es unterliegt<br />
jedoch gewissen E<strong>in</strong>schränkungen <strong>und</strong> Ineffizienzen:<br />
16<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
Relevante Informationen müssen <strong>in</strong> den richtigen<br />
Intervallen erhoben werden, um effiziente Ergebnisse<br />
zu erhalten.<br />
Die erhobenen Daten müssen zeitnah analysiert werden,<br />
um effiziente Vorhersagen tätigen zu können.<br />
Dieser Ansatz bezieht ke<strong>in</strong>e Produktionspläne e<strong>in</strong>;<br />
die Vorhersage von Ausfallzeiten <strong>und</strong> die zugehörigen<br />
Austauschaufträge könnten also die Produktion<br />
bee<strong>in</strong>trächtigen.<br />
Das Konzept entspricht nicht <strong>der</strong> „Lebenswirklichkeit“:<br />
Trends <strong>und</strong> Korrelationen werden ermittelt,<br />
ohne die Abtast- o<strong>der</strong> Probenhäufigkeit zu berücksichtigen.<br />
Hier wird versucht, e<strong>in</strong> Modell e<strong>in</strong>es<br />
Normalverhaltens zu erzeugen <strong>und</strong> anomale Tendenzen<br />
davon abzuziehen. (Unter „Lebenswirklichkeit“<br />
ist hier zu verstehen, anomale Vorfälle/<br />
Trends direkt zu betrachten.)<br />
VORHERSAGEBASIS UND PRÄDIKTIVE<br />
TECHNOLOGIEN<br />
Effiziente Werkzeuge sollten nicht nur die Anlagenausrüstung<br />
selbst modellieren können, son<strong>der</strong>n die<br />
Steuerung <strong>der</strong> Anlage. Letztlich sollte man <strong>in</strong> <strong>der</strong> Lage<br />
se<strong>in</strong>, die 3D-Dimension dieser Ressourcen <strong>und</strong> die<br />
Auswirkung auf <strong>der</strong>en Verhalten zu <strong>in</strong>tegrieren.<br />
Dazu e<strong>in</strong>ige Def<strong>in</strong>itionen <strong>und</strong> Gr<strong>und</strong>sätze: Prädiktion<br />
bedeutet, <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Lage zu se<strong>in</strong> (zu e<strong>in</strong>em Zeitpunkt<br />
= t), den künftigen Status e<strong>in</strong>es Systems <strong>und</strong><br />
<strong>der</strong> Ausrüstung zu beschreiben (zu e<strong>in</strong>em Zeitpunkt<br />
= t + dt). Dies impliziert, dass e<strong>in</strong> explizites o<strong>der</strong> implizites<br />
Modell des Systems <strong>und</strong> <strong>der</strong> Ausrüstung vorliegt,<br />
mit dem <strong>der</strong> künftige Status h<strong>in</strong>reichend berechenbar<br />
o<strong>der</strong> extrapolierbar ist. Dafür s<strong>in</strong>d folgende<br />
Punkte bedeutsam:<br />
Modell <strong>und</strong> Kenntnisse müssen im Vorfeld aufgebaut<br />
werden.<br />
Anschließend ist e<strong>in</strong> Benchmark<strong>in</strong>g anhand bekannter/dokumentierter<br />
vorheriger realer Situationen<br />
notwendig, um die Vorhersagegenauigkeit<br />
dieser „Referenzfälle“ zu überprüfen.<br />
Es müssen ausreichend viele Situationen getestet<br />
werden, damit Abdeckung <strong>und</strong> Umfang genau genug<br />
s<strong>in</strong>d, um im „Extrapolationsmodus“ für an<strong>der</strong>e,<br />
noch nicht getestete Situationen verwendbar zu se<strong>in</strong>.<br />
Der „explizite“ Ansatz ist zwar genauer, jedoch nur<br />
für „kurzfristige Situationen“ gültig (kurze „dt“),<br />
während <strong>der</strong> „implizite“ Ansatz komplexere Algorithmen<br />
benötigt, aber potenziell für längere Vorhersagezeiträume<br />
nutzbar ist. Ist ke<strong>in</strong> Modell vorhanden,<br />
kann man e<strong>in</strong>en re<strong>in</strong> stochastischen<br />
Blackbox-Ansatz o<strong>der</strong> e<strong>in</strong> nicht determ<strong>in</strong>istisches<br />
Phänomen verfolgen, bei dem man lediglich die<br />
bisherigen Erfahrungen dazu nutzt, e<strong>in</strong>ige Verhaltensweisen<br />
zu identifizieren, die potenziell reproduzierbar<br />
s<strong>in</strong>d.<br />
WEGE ZUM ZUVERLÄSSIGEN VERHALTENSMODELL<br />
E<strong>in</strong> zuverlässiges Verhaltensmodell lässt sich aufbauen<br />
durch:<br />
1 | empirische/heuristische/symbolische Verlaufsanalysen<br />
(die die gängigste Form für prädiktive Arbeiten<br />
darstellen):<br />
Lösungen für<br />
die Industrie<br />
Actemium ist e<strong>in</strong> kompetenter Anbieter von<br />
elektro- <strong>und</strong> automatisierungstechnischen<br />
Lösungen <strong>und</strong> Services.<br />
www.actemium.de
PRAXIS<br />
UMFASSENDE ABSICHERUNG: Wenn nicht exakt bekannt<br />
ist, welche Art von Ereignissen zu e<strong>in</strong>em Ausfall führen<br />
könnten, lässt sich durch Komb<strong>in</strong>ation mehrerer Technologien<br />
e<strong>in</strong> sehr breites Gefahrenspektrum abdecken.<br />
ELEMENTE DER LÖSUNG „SAFE<br />
PLANT OPERATION“: E<strong>in</strong>e solche<br />
Umgebung kann die prädiktive<br />
Wartung gr<strong>und</strong>legend verän<strong>der</strong>n.<br />
Re<strong>in</strong> <strong>in</strong>formale Know-how-Erfassung („Erfahrung“)<br />
Statistische Analyse<br />
2 | expliziten mathematischen „Whitebox“-Ansatz:<br />
Modellbasierte physikalische Gleichungen,<br />
sofern verfügbar<br />
Regelbasiert (Expertensystem, Mustererkennung)<br />
Entscheidungsbaum/Fehlerbaum (zur Diagnoseunterstützung)<br />
3 | expliziten mathematischen „Blackbox“-Ansatz<br />
(primär zur Beschreibung e<strong>in</strong>es chemischen Prozesses/Transformationsprozesses,<br />
also für erweiterte<br />
Echtzeit-Kontrollstrategien):<br />
„Neuronale Netzwerke“<br />
„SVM“ (Support Vector Mach<strong>in</strong>e)<br />
Multivariables Prozessschritt-Reaktionsmodell<br />
(Und-/O<strong>der</strong>-Impuls) (primär zur erweiterten<br />
Kontrolle kont<strong>in</strong>uierlicher Prozesse)<br />
4 | Nutzung e<strong>in</strong>er dynamischen 3D-Multiphysik-<br />
Simulation:<br />
Dieser sehr spezifische Ansatz berücksichtigt<br />
die 3D-Eigenschaften je<strong>der</strong> Ausrüstung <strong>und</strong><br />
<strong>der</strong>en Reaktion auf ihre physische 3D-Umgebung,<br />
wobei <strong>der</strong> 3D-E<strong>in</strong>fluss nicht Bestandteil<br />
<strong>der</strong> zuvor aufgeführten Konzepte ist<br />
Dieser Ansatz konzentriert sich auf das<br />
Ausrüstungsverhalten im Verhältnis zu den<br />
physischen E<strong>in</strong>schränkungen (beispielsweise<br />
Schw<strong>in</strong>gung, Wärme)<br />
TECHNOLOGIEN ZUR PRÄDIKTIONSMODELLIERUNG<br />
Dassault Systèmes verfügt über e<strong>in</strong> großes Portfolio an<br />
Technologien, die sich nicht nur auf Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g-Tätigkeiten<br />
beziehen, son<strong>der</strong>n auch erfolgreich für Betriebs<strong>und</strong><br />
Wartungszwecke verwendbar s<strong>in</strong>d (<strong>und</strong> bereits<br />
verwendet werden). Beide Bereiche (Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g auf <strong>der</strong><br />
e<strong>in</strong>en Seite sowie Betrieb <strong>und</strong> Wartung auf <strong>der</strong> an<strong>der</strong>en)<br />
erfor<strong>der</strong>n zuverlässige Modelle, um e<strong>in</strong>en künftigen<br />
Prozess zu simulieren, e<strong>in</strong> vergangenes Ereignis wie<strong>der</strong>zugeben<br />
o<strong>der</strong> e<strong>in</strong> künftiges Ereignis vorherzusagen.<br />
Der empirische/heuristische/symbolische/stochastische<br />
Ansatz ist wie bereits erwähnt <strong>der</strong> heute für die<br />
prädiktive Wartung gängigste Ansatz. Anlagenbetreiber<br />
nutzen die große Menge von „Echtzeitdaten“ <strong>und</strong> historischen<br />
Daten, die durch Sensoren, DCS (Distributed<br />
Control Systems), Scada (Supervisory Control And Data<br />
Acquisition) o<strong>der</strong> Verlaufsaufzeichnungen erhoben<br />
wurden. Dank <strong>der</strong> Analyse dieser Massendaten s<strong>in</strong>d<br />
Unternehmen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Lage, Trends zu identifizieren <strong>und</strong><br />
den künftigen Status e<strong>in</strong>es laufenden Prozesses zu extrapolieren.<br />
Durch rechtzeitiges E<strong>in</strong>richten von<br />
Alarmen lässt sich e<strong>in</strong> Ausfall vermeiden.<br />
Mit <strong>der</strong> Exalead SBA-Umgebung (Search Based Application)<br />
ist es zudem sehr leicht <strong>und</strong> effizient, aussagekräftige<br />
Informationen aus massiven Datensammlungen<br />
<strong>und</strong> mit erweiterten Dashboard-Funktionen zu<br />
sortieren, zu filtern <strong>und</strong> zu extrahieren.<br />
Mit <strong>der</strong> Delmia OI-Technologie (Operation Intelligence)<br />
lassen sich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Wartungsszenario präskriptive<br />
Funktionen bereitstellen. Diese Technologie kann „verdeckte<br />
Regeln“ aus e<strong>in</strong>er Reihe von Werten extrahieren,<br />
die sich auf verschiedene Parameter beziehen, die „a priori“<br />
zusammen ke<strong>in</strong>e starken Interaktionen aufweisen.<br />
„WHITEBOX“-KONZEPT AUCH FÜR REALEN BETRIEB<br />
Dassault Systèmes stellt mehrere Modellierungstechnologien<br />
bereit, die auf dem mathematischen „Whitebox“-<br />
Konzept beruhen: Dymola basiert auf <strong>der</strong> offenen Sprache<br />
„Modelica“. Sie bietet Modellierungsfunktionen für<br />
18<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
Funktionssysteme, die auf jede Art von komplexen<br />
Ausrüstungssystemen anwendbar s<strong>in</strong>d (o<strong>der</strong> auf e<strong>in</strong>e<br />
komplette Anlage, die e<strong>in</strong> „System von Systemen“ ist).<br />
Sie wird <strong>in</strong> <strong>der</strong> Energieerzeugungsbranche mit e<strong>in</strong>er<br />
großen Zahl an Bibliotheken mit Komponenten, Standardausrüstungen<br />
benutzt, wie beispielsweise Kesseln,<br />
Wärmetauschern, Verdichtern.<br />
Sie ist nicht nur <strong>in</strong> den Vorstudien für neue Anlagen<br />
zur Dimensionierung <strong>der</strong> Ausrüstung e<strong>in</strong>setzbar, son<strong>der</strong>n<br />
auch im realen Betrieb. Dort dient sie zur Untersuchung<br />
des dynamischen Verhaltens <strong>der</strong> Anlage während<br />
des Anfahrens, <strong>der</strong> Übergangsphasen o<strong>der</strong> des<br />
Herunterfahrens sowie zur Diagnose von Materialermüdungen.<br />
SD9 (Safety Designer) ist e<strong>in</strong>e weitere Modellierungstechnologie,<br />
die auf <strong>der</strong> Sprache „altarica“ beruht. Sie<br />
ermöglicht die Erstellung von Systemmodellen mit dysfunktionaler<br />
Beschreibung (anhand <strong>der</strong> Ausfallmodi<br />
FMEA, MTBR). Mit e<strong>in</strong>er <strong>der</strong>artigen Lösung lassen sich<br />
die abschließenden Folgen e<strong>in</strong>es Ausfalls <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em System<br />
ermitteln. Die Lösung kann die Fortpflanzung des<br />
Ausfalls <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> verb<strong>und</strong>enen Komponenten prognostizieren<br />
<strong>und</strong> e<strong>in</strong>en Endstatus liefern. Dies lässt sich<br />
mit <strong>der</strong> komplementären Lösung FT9 (Fault Tree Analyzer)<br />
komb<strong>in</strong>ieren, um die Effizienz des gesamten Konzepts<br />
zu verbessern.<br />
ANSATZ BERÜCKSICHTIGT AUCH DIE 3D-GEOMETRIE<br />
Alle vorherigen Ansätze s<strong>in</strong>d „1D“-Verfahren: Sie berücksichtigen<br />
nicht die 3D-Eigenschaften von Ausrüstungen.<br />
Die 3D-Geometrie kann jedoch das Verhalten<br />
dieser Ressourcen <strong>in</strong> ihrer Umgebung bee<strong>in</strong>flussen.<br />
Dies wird mit dem Dynamischen 3D-Multiphysik-Lösungsansatz<br />
berücksichtigt.<br />
Mit Simulia Abaqus wird die Geometrie anhand <strong>der</strong><br />
F<strong>in</strong>ite-Elemente-Methode (FEM) e<strong>in</strong>bezogen. Simulia<br />
umfasst dynamische Multiphysik-Modelle zur Simulation<br />
des Verhaltens von Ausrüstungen unter physikalischen<br />
E<strong>in</strong>schränkungen, wie beispielsweise Schw<strong>in</strong>gung<br />
<strong>und</strong> Wärme. So ist es möglich, diese E<strong>in</strong>schränkungen<br />
auf die Geometrie e<strong>in</strong>er neuen Ausrüstung<br />
sowie auf die „modifizierte Geometrie“ e<strong>in</strong>er alten<br />
BEISPIEL-CHECKLISTE<br />
Ausrüstung anzuwenden (e<strong>in</strong>schließlich <strong>der</strong> 3D-Defekte<br />
aus dem bisherigen Lebenszyklus <strong>der</strong> Ausrüstung),<br />
um die bis zu e<strong>in</strong>em schweren Ausfall verbleibende<br />
Lebensdauer zu prognostizieren.<br />
Die Workflow-Eng<strong>in</strong>e Simulia Isight ist <strong>in</strong> <strong>der</strong> Lage,<br />
e<strong>in</strong>e Reihe von Tests <strong>und</strong> Simulationen mit verschiedenen<br />
Werkzeugen zu automatisieren. Zur Erzielung<br />
bestmöglicher Ergebnisse kann sie zudem die Produktivität<br />
e<strong>in</strong>er solchen Tätigkeit durch Anwendung diverser<br />
Optimierungsmethoden verbessern (wie beispielsweise<br />
„Erfahrungsplanung“). Isight dient darüber<br />
h<strong>in</strong>aus zur Automatisierung von Simulia-Tests (o<strong>der</strong><br />
an<strong>der</strong>er Simulationswerkzeuge).<br />
OPTIMIERUNG DURCH KOMBINIERTE TECHNOLOGIEN<br />
Je<strong>der</strong> Ansatz <strong>und</strong> jede Technologie hat ihre eigenen<br />
Stärken <strong>in</strong> Bezug auf die Ausfallprognose (präskriptiver<br />
o<strong>der</strong> prädiktiver Ansatz, beg<strong>in</strong>nend mit Ausfallmodi<br />
<strong>und</strong> so weiter). Durch Komb<strong>in</strong>ation mehrerer<br />
Ansätze können Unternehmen e<strong>in</strong> breiteres Spektrum<br />
von Ereignissen abdecken (was wichtig ist, wenn es<br />
sich um Ereignisse handelt, die nicht im Voraus bekannt<br />
s<strong>in</strong>d).<br />
Es ist beispielsweise möglich, Folgendes mite<strong>in</strong>an<strong>der</strong><br />
zu komb<strong>in</strong>ieren: e<strong>in</strong> physisches Top-Down-Modell<br />
basierend auf e<strong>in</strong>em Schadenprognoseansatz mit<br />
e<strong>in</strong>em semantischen Bottom-Up-Netz (Fehlerbaum)<br />
zur Diagnoseunterstützung. Dies erhöht die Effizienz<br />
<strong>und</strong> ermöglicht es Unternehmen, effiziente prädiktive<br />
Sicherheitsanalysen durchzuführen. E<strong>in</strong> Beispiel<br />
ist das Eurosyslib-Projekt, das von e<strong>in</strong>em europäischen<br />
Firmenkonsortium im Nuklearbereich <strong>in</strong>itiiert<br />
wurde.<br />
Mit <strong>der</strong> Branchenlösung „Safe Plant Operation“ geht<br />
Dassault Systèmes noch weiter. Diese Lösung basiert auf<br />
e<strong>in</strong>er e<strong>in</strong>zigen 3DExperience-Plattform <strong>und</strong> umfasst mehrere<br />
Anwendungen: Die direkte Befähigung zur prädiktiven<br />
Wartung (wie oben aufgeführt) o<strong>der</strong> Unterstützung<br />
angrenzen<strong>der</strong> Prozesse für an<strong>der</strong>e, wie beispielsweise die<br />
virtuelle Ausbildung von Wartungspersonal, Anlagen-<br />
Informationslebenszyklus o<strong>der</strong> Ersatzteil-Intelligenz.<br />
AUTOR<br />
Die wichtigsten Punkte für e<strong>in</strong>e dynamische Modellierung<br />
e<strong>in</strong>es Gas- <strong>und</strong> Dampfturb<strong>in</strong>en-Kraftwerks:<br />
Genaue Prüfung <strong>der</strong> Leistung <strong>und</strong> <strong>der</strong> Konstruktion<br />
durch die Hersteller (Kommissionierung)<br />
Prüfung <strong>und</strong> Validierung durch Simulation des<br />
GT-Trip-Szenarios mit Hoch- <strong>und</strong> Herunterfahren<br />
F<strong>in</strong>den optimierter Betriebspunkte <strong>und</strong> Optimierungsverfahren<br />
für Bediener<br />
Integration des Modells <strong>in</strong> die Betriebs- o<strong>der</strong><br />
Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g-Software (lokale o<strong>der</strong> entfernte<br />
Überwachung)<br />
Validierung des Steuerungssystems<br />
Dr. JOACHIM BETZ ist Bus<strong>in</strong>ess<br />
Consultant für die Energie-,<br />
Prozess- <strong>und</strong> Utility-Industrie<br />
bei Dassault Systèmes<br />
Deutschland GmbH.<br />
Dassault Systèmes<br />
Deutschland GmbH,<br />
Messe-Campus Riem,<br />
Joseph-Wild-Str. 20,<br />
D-81829 München,<br />
Tel. +49 (0) 173 318 16 91,<br />
E-Mail: joachim.betz@3ds.com<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
19
PRAXIS<br />
Sensible Roboterhaut erlaubt sichere<br />
Zusammenarbeit von Mensch <strong>und</strong> Masch<strong>in</strong>e<br />
Fraunhofer IFF entwickelt hybrides Sensorsystem mit Annäherungserkennung<br />
MIT EINER SPEZIELLEN SENSORHAUT<br />
br<strong>in</strong>gen die Forscher vom Fraunhofer IFF<br />
Robotern das „Fühlen“ bei.<br />
IM AUFTRAG<br />
VON BMW haben<br />
die Forscher e<strong>in</strong>en<br />
ABB-Roboter<br />
proto typisch mit<br />
<strong>der</strong> Sensorhaut<br />
ausgestattet.<br />
Bil<strong>der</strong>: Fraunhofer IFF<br />
MIT DER SENSORHAUT merkt <strong>der</strong> Roboter<br />
nicht nur, dass sich jemand nähert,<br />
son<strong>der</strong>n auch, aus welcher Richtung.<br />
Die Vision für die Industrie <strong>der</strong> <strong>Zukunft</strong>: Mensch<br />
<strong>und</strong> Roboter sollen Hand <strong>in</strong> Hand arbeiten. Das geht<br />
jedoch nur dann, wenn die Roboter Menschen zuverlässig<br />
erkennen, also „sehen“ o<strong>der</strong> „spüren“, wenn e<strong>in</strong><br />
Mensch ihnen gefährlich nahe kommt <strong>und</strong> entsprechend<br />
ausweichen. Etwa über e<strong>in</strong>e sensible Haut.<br />
TEAMWORK IST DIE ZUKUNFT<br />
Die <strong>Zukunft</strong> liegt <strong>in</strong> <strong>der</strong> Teamarbeit. Sowohl Menschen<br />
als auch Roboter sollen ihre beson<strong>der</strong>en Fähigkeiten<br />
e<strong>in</strong>br<strong>in</strong>gen <strong>und</strong> geme<strong>in</strong>sam <strong>in</strong> <strong>der</strong> Produktion arbeiten.<br />
Im Alltag könnte das folgen<strong>der</strong>maßen aussehen: Bauteile<br />
beispielsweise, die zu schwer für den Menschen<br />
s<strong>in</strong>d, aber zu leicht für e<strong>in</strong>en Kran, hebt <strong>der</strong> Roboter.<br />
Den Weg gibt se<strong>in</strong> menschlicher Kollege vor, etwa <strong>in</strong>dem<br />
er ihn am Arm fasst <strong>und</strong> führt. Kurzum: Der Mensch<br />
entscheidet <strong>und</strong> br<strong>in</strong>gt se<strong>in</strong> Know-how e<strong>in</strong>, <strong>der</strong> Roboter<br />
übernimmt die schwere Arbeit. Dies ist auch vor dem<br />
H<strong>in</strong>tergr<strong>und</strong> des demografischen Wandels s<strong>in</strong>nvoll. Die<br />
Bevölkerung wird immer älter, daher sollen die Arbeiter<br />
möglichst lange <strong>in</strong> den Fabriken arbeiten können. E<strong>in</strong>e<br />
Möglichkeit dazu liegt dar<strong>in</strong>, die körperlich schwere<br />
Arbeit den Masch<strong>in</strong>en zu überlassen.<br />
Für die Zusammenarbeit gibt es verschiedene Formen.<br />
Entwe<strong>der</strong> Mensch <strong>und</strong> Roboter arbeiten zu unterschiedlichen<br />
Zeiten an e<strong>in</strong>em Bauteil o<strong>der</strong> sie montieren gleichzeitig<br />
e<strong>in</strong> Bauteil Hand <strong>in</strong> Hand. Doch bevor Roboter <strong>und</strong><br />
Mensch zusammenarbeiten können, muss e<strong>in</strong>e Risikoanalyse<br />
durchgeführt werden – für jeden e<strong>in</strong>zelnen Arbeitsplatz.<br />
Welche Sicherheitsanfor<strong>der</strong>ungen muss <strong>der</strong><br />
Roboter e<strong>in</strong>halten? Wie schnell darf er arbeiten <strong>und</strong><br />
wann muss er se<strong>in</strong>e Bewegungen stoppen, um den Menschen<br />
nicht <strong>in</strong> Gefahr zu br<strong>in</strong>gen? Anhand dieser Bewertung<br />
lässt sich entscheiden, über welche Sensoren<br />
<strong>der</strong> Roboter o<strong>der</strong> die Roboterzelle verfügen müssen.<br />
ROBOTER SOLL SCHNELL UND SICHER SEIN<br />
Bei dieser Teamarbeit gilt es jedoch, konträre Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
unter e<strong>in</strong>en Hut zu br<strong>in</strong>gen. Zum e<strong>in</strong>en darf <strong>der</strong><br />
Roboter <strong>in</strong> <strong>der</strong> Nähe e<strong>in</strong>es Menschen nicht zu schnell<br />
arbeiten, um ihn bei e<strong>in</strong>er möglichen Kollision nicht zu<br />
verletzen. Zum an<strong>der</strong>en sollen möglichst viele Produkte<br />
<strong>in</strong> kurzer Zeit gefertigt werden – dazu müsste sich <strong>der</strong><br />
Roboter schnell bewegen. Wie lassen sich diese zwei<br />
For<strong>der</strong>ungen mite<strong>in</strong>an<strong>der</strong> komb<strong>in</strong>ieren, wo sie doch so<br />
gegensätzlich s<strong>in</strong>d? E<strong>in</strong>e Möglichkeit dafür haben die<br />
Forscher am Fraunhofer IFF <strong>in</strong> Magdeburg mit ihren<br />
druck- <strong>und</strong> näherungssensitiven Sensorsystemen geschaffen.<br />
Die Sensorsysteme können <strong>in</strong> Form e<strong>in</strong>er Sensorhaut<br />
auf die Roboteroberfläche aufgebracht werden.<br />
Nähert sich jemand, spürt <strong>der</strong> Roboter dies über die<br />
Sensorhaut <strong>und</strong> bremst so weit ab, dass er den Menschen<br />
bei e<strong>in</strong>em Zusammenstoß nicht verletzt. Auch Berührungen<br />
nimmt er wahr <strong>und</strong> weicht dementsprechend<br />
20<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
aus. E<strong>in</strong> weiterer Vorteil: Das Sensorsystem verleiht dem<br />
harten Stahl des Roboters e<strong>in</strong>e weiche Oberfläche, quasi<br />
e<strong>in</strong>e Art Knautschzone. Der Roboter kann dadurch<br />
schneller arbeiten <strong>und</strong> die gewünschten kurzen Taktzeiten<br />
realisieren. Nur dann, wenn e<strong>in</strong> Mensch <strong>in</strong> se<strong>in</strong>en<br />
Bereich kommt, bremst er ab – <strong>und</strong> gewährleistet<br />
somit die Sicherheit se<strong>in</strong>er menschlichen Kollegen.<br />
E<strong>in</strong>en Prototyp dieser Sensorhaut haben die Forscher<br />
unter an<strong>der</strong>em beispielhaft für e<strong>in</strong>en ABB-Roboter entwickelt,<br />
im Auftrag von BMW. Mit diesem Prototyp<br />
wollen die Autobauer die Möglichkeiten <strong>und</strong> Grenzen<br />
<strong>der</strong> Technik austesten <strong>und</strong> Vorlaufforschung betreiben.<br />
Sie möchten untersuchen, was e<strong>in</strong> solcher Roboter kann<br />
<strong>und</strong> <strong>in</strong> welchem Bereich <strong>der</strong> Produktion man ihn bestmöglich<br />
e<strong>in</strong>setzen könnte.<br />
FEINFÜHLIGE HAUT DES ROBOTERS<br />
Wie die menschliche Haut, besteht auch die Sensorhaut<br />
aus mehreren Schichten. Berührungen werden über e<strong>in</strong>en<br />
patentierten, matrixförmigen Sensorverb<strong>und</strong> mit e<strong>in</strong>er<br />
Vielzahl von E<strong>in</strong>zelsensoren erfasst. Wirkt e<strong>in</strong>e Kraft auf<br />
e<strong>in</strong>en <strong>der</strong> E<strong>in</strong>zelsensoren, so än<strong>der</strong>t dieser se<strong>in</strong>en elektrischen<br />
Wi<strong>der</strong>stand. E<strong>in</strong> mit <strong>der</strong> Sensorhaut ausgestatteter<br />
Roboter spürt daher nicht nur, dass er angefasst wird,<br />
son<strong>der</strong>n auch wo <strong>und</strong> wie fest. Zusätzlich haben die Experten<br />
<strong>in</strong> die Sensorhaut kapazitive Sensorelemente <strong>in</strong>tegriert.<br />
Diese bilden <strong>in</strong> ihrer Umgebung e<strong>in</strong> elektrisches<br />
Feld aus. Nähert sich e<strong>in</strong> Mensch, än<strong>der</strong>t sich dieses Feld.<br />
Die Än<strong>der</strong>ung kann gemessen <strong>und</strong> <strong>der</strong> Mensch damit <strong>in</strong><br />
<strong>der</strong> Umgebung des Roboters erfasst werden. Da die Forscher<br />
auch hier nicht nur e<strong>in</strong>en e<strong>in</strong>zelnen Sensor e<strong>in</strong>gebaut<br />
haben, son<strong>der</strong>n wie<strong>der</strong>um e<strong>in</strong> ganzes Sensornetzwerk,<br />
spürt <strong>der</strong> Roboter nicht nur, dass sich jemand nähert,<br />
son<strong>der</strong>n merkt auch aus welcher Richtung.<br />
ZUSAMMENSPIEL DER SENSORSYSTEME<br />
Die gr<strong>und</strong>legende Entwicklungsleistung bei <strong>der</strong> Integration<br />
<strong>der</strong> unterschiedlichen Sensorfunktionen <strong>in</strong> e<strong>in</strong>e<br />
kompakte, universell adaptierbare Roboterhaut besteht<br />
im komplexen Zusammenspiel <strong>der</strong> e<strong>in</strong>zelnen Sensorsysteme.<br />
Die Schwierigkeit dabei: Die zur Annäherungsdetektion<br />
genutzten kapazitiven Sensorelemente <strong>und</strong> die<br />
Drucksensoren dürfen sich gegenseitig nicht bee<strong>in</strong>flussen.<br />
Zudem ist e<strong>in</strong>e hohe Reichweite <strong>der</strong> Näherungssensorik<br />
gewünscht – das elektrische Feld <strong>der</strong> kapazitiven<br />
Sensorelemente soll daher möglichst weitreichend <strong>und</strong><br />
gerichtet aus <strong>der</strong> Roboteroberfläche austreten.<br />
Darüber h<strong>in</strong>aus gilt es, die Sensorik auf die komplexe<br />
Geometrie des Roboters aufzubr<strong>in</strong>gen <strong>und</strong> dort mit<br />
Strom zu versorgen. Dafür haben sich Sensorschalen<br />
bewährt, die an die Geometrie des Roboters angepasst<br />
werden. Sie ermöglichen zudem e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>fache Wartung<br />
<strong>und</strong> auch den Austausch defekter Sensoren. Die Sensoren,<br />
die sich <strong>in</strong> <strong>der</strong> Sensorhaut verbergen, s<strong>in</strong>d robust<br />
<strong>und</strong> haben e<strong>in</strong>e lange Lebensdauer. Funktioniert doch<br />
mal e<strong>in</strong>er nicht, so wird <strong>der</strong> Defekt durch <strong>in</strong>tegrierte<br />
Überwachungsmechanismen erkannt <strong>und</strong> das System<br />
gibt e<strong>in</strong>e Warnung aus. Der Endnutzer kann nun selbst<br />
tätig werden <strong>und</strong> die defekte Sensorschale mit wenigen<br />
Handgriffen auswechseln – ohne tagelang auf e<strong>in</strong>en Servicetechniker<br />
warten zu müssen.<br />
BREITES ANWENDUNGSSPEKTRUM<br />
Das Anwendungsspektrum <strong>der</strong> patentierten Sensortechnologie<br />
aus dem Fraunhofer IFF ist groß. Die Industrie hat<br />
erhebliches Interesse an e<strong>in</strong>er Umsetzung zum Produkt.<br />
Dabei s<strong>in</strong>d die möglichen E<strong>in</strong>satzfel<strong>der</strong> nicht alle<strong>in</strong> auf<br />
die Robotik begrenzt. So lässt sich das Sensorsystem beispielsweise<br />
im Fußboden <strong>in</strong>tegrieren. Personen könnten<br />
damit lokalisiert <strong>und</strong> Bewegungen verfolgt werden.<br />
Die Sensoren könnten auch an den Greifern <strong>der</strong> Roboter<br />
angebracht werden <strong>und</strong> ihnen somit e<strong>in</strong>en Tasts<strong>in</strong>n verleihen.<br />
Dann würden die Roboter spüren, wie sie e<strong>in</strong> bestimmtes<br />
Objekt gegriffen haben <strong>und</strong> ob es beispielsweise<br />
rutscht. Denkbar ist es auch, <strong>in</strong>novative E<strong>in</strong>gabegeräte auf<br />
Basis dieser Sensorsysteme zu verwirklichen. Drucksensitive<br />
Oberflächen auf Robotern könnten neben Sicherheitsfunktion<br />
auch gr<strong>und</strong>legende Interaktionsmodalitäten<br />
bieten – <strong>der</strong> Mitarbeiter könnte über bestimmte Schaltflächen<br />
beispielsweise den Greifer des Roboters direkt ansteuern.<br />
Berührt er den Roboter an e<strong>in</strong>er bestimmten Stelle,<br />
so registriert <strong>der</strong> Roboter, dass es sich hier nicht um<br />
e<strong>in</strong>e zufällige Kollision handelt, son<strong>der</strong>n um e<strong>in</strong>e gezielte<br />
E<strong>in</strong>gabe – <strong>und</strong> öffnet o<strong>der</strong> schließt se<strong>in</strong>en Greifer.<br />
AUTOREN<br />
M.Eng. MARKUS FRITZSCHE<br />
ist Mitarbeiter im Geschäftsfeld<br />
Robotersysteme am Fraunhofer<br />
IFF <strong>in</strong> Magdeburg.<br />
Dr. techn. NORBERT ELKMANN<br />
ist Leiter des Geschäftsfelds<br />
Robotersysteme am Fraunhofer<br />
IFF <strong>in</strong> Magdeburg.<br />
Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb <strong>und</strong> -automatisierung IFF,<br />
Sandtorstraße 22, D-39004 Magdeburg, Tel. +49 (0) 391 409 02 89,<br />
E-Mail: norbert.elkmann@iff.fraunhofer.de<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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21
PRAXIS<br />
Schweißstromquelle, Werkstückpositionierer <strong>und</strong><br />
Roboter stimmen ihre Aktionen aufe<strong>in</strong>an<strong>der</strong> ab<br />
Craemer-Gruppe nutzt Lösung zum automatisierten Fügen <strong>und</strong> bewahrt sich dennoch Flexibilität<br />
Die Craemer Gruppe setzt bei Schweißarbeiten erfolgreich<br />
auf Automatisierung. E<strong>in</strong> aktuelles Fallbeispiel<br />
bilden modulare Zellen des Typs FlexArc RX1. Als<br />
Gründe für ihre Investitionsentscheidung nennen die<br />
Verantwortlichen bei Craemer die sehr guten, reproduzierbaren<br />
Schweißergebnisse sowie komfortables Bedienen<br />
bei wechselnden, flexibel gestaltbaren Fügeaufgaben.<br />
Die Anwen<strong>der</strong> verwirklichen e<strong>in</strong>e konstante Streckenenergie<br />
auch bei komplexen Bahnen. Die Schweißzellen<br />
überzeugen mit ihrer kompakten, flächensparenden<br />
Baugröße, <strong>der</strong> „Plug-and-produce“-Realität <strong>und</strong> vor<br />
allem mit <strong>der</strong> modularen, nachträglichen Umrüstbarkeit.<br />
Sie s<strong>in</strong>d für kle<strong>in</strong>e bis mittelgroße Bauteile <strong>der</strong> Automobilzuliefer-<br />
<strong>und</strong> übrigen Industrie ausgelegt.<br />
Schweißaufgaben gehören dank <strong>der</strong> Trendsetterrolle<br />
<strong>der</strong> Automobil<strong>in</strong>dustrie zu den Fertigungsschritten mit<br />
<strong>der</strong> längsten Automatisierungs-Tradition. Höchste Ansprüche<br />
<strong>der</strong> B2B- <strong>und</strong> <strong>der</strong> Endk<strong>und</strong>en setzen hier die<br />
Standards für Qualität <strong>und</strong> Produktivität. Die Craemer<br />
Gruppe fungiert <strong>in</strong> ihrem Geschäftsfeld Metallumformung<br />
als Zulieferer namhafter Automobilisten <strong>und</strong><br />
fertigt unter an<strong>der</strong>em Sitzschalen. Deren Strukturbauteile<br />
s<strong>in</strong>d im MAG (Metall Aktiv Gas)-Verfahren zu Baugruppen<br />
zu verb<strong>in</strong>den – <strong>in</strong> hoher Leistung, maximal<br />
flexibel beispielsweise für unterschiedliche Typen –<br />
<strong>und</strong> auf knapp bemessenem Raum.<br />
MODULARE ZELLE FÜGT SITZSTRUKTURELEMENTE<br />
Im Stammwerk Herzebrock-Clarholz sowie am slowakischen<br />
Standort Liptowsky Mikuláš von Craemer sammeln<br />
die Schweißexperten bereits seit 2005 gute Erfahrungen<br />
mit Roboterlösungen von ABB. Die neue modulare<br />
Zelle speziell für das Fügen <strong>der</strong> Sitzstrukturelemente<br />
arbeitet seit 2012 zur Zufriedenheit <strong>der</strong> Betreiber.<br />
Sie besteht im Wesentlichen aus e<strong>in</strong>em Gr<strong>und</strong>rahmen,<br />
dem Positionierer, <strong>der</strong> Stromquelle, e<strong>in</strong>er Brennerre<strong>in</strong>igungsstation,<br />
e<strong>in</strong>em elektrischen Rolltor mit Frequenzumrichter,<br />
Bedienfeld, Steuerschränken sowie<br />
den Robotern.<br />
Vorn <strong>in</strong> <strong>der</strong> Zelle <strong>der</strong> Paul Craemer GmbH bef<strong>in</strong>det<br />
sich e<strong>in</strong> drehbarer Werkstückpositionierer des Typs<br />
IRBP R-600 mit identischen Haltevorrichtungen auf<br />
beiden Seiten. Im h<strong>in</strong>teren Bereich arbeitet e<strong>in</strong> Roboter<br />
des Typs IRB 1600. Wenn <strong>der</strong> Bediener die zu fügenden<br />
Teile <strong>in</strong> die erste Haltevorrichtung des IRBP R-600 e<strong>in</strong>gelegt<br />
hat, werden sie <strong>in</strong>s Innere <strong>der</strong> Zelle gedreht.<br />
Während <strong>der</strong> IRB 1600 schweißt, legt <strong>der</strong> Werker die<br />
nächsten Werkstücke <strong>in</strong> die an<strong>der</strong>e Vorrichtung. „So<br />
erzielen wir e<strong>in</strong>e optimale Produktivität“, charakterisiert<br />
Fertigungsleiter Re<strong>in</strong>er Veit e<strong>in</strong>en Hauptnutzen<br />
dieser Teilautomation.<br />
E<strong>in</strong>e hohe Zuverlässigkeit <strong>und</strong> Verfügbarkeit gewährleistet<br />
die Kommunikationsschnittstelle SpeedWeldPac<br />
von ABB <strong>und</strong> SKS Weld<strong>in</strong>g Systems. SpeedWeldPac<br />
stellt die prozesstechnische E<strong>in</strong>heit zwischen Roboter<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong> Steuerung <strong>der</strong> Schweißstromquelle her. So<br />
empfängt beispielsweise die Steuerung <strong>der</strong> Stromquelle<br />
<strong>in</strong> Echtzeit Signale über die aktuelle Ist-Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />
des Roboters, verarbeitet diese Information <strong>und</strong><br />
generiert im Ergebnis die automatische Regelung <strong>der</strong><br />
Parameter. E<strong>in</strong> aufwendiges Programmieren entfällt<br />
damit. Und auch bei wechselnden Geschw<strong>in</strong>digkeiten,<br />
Beschleunigungen o<strong>der</strong> Verzögerungen des Schweißbrenners<br />
ergibt sich stets e<strong>in</strong>e konstante Streckenenergie<br />
<strong>und</strong> damit e<strong>in</strong> gleichbleibendes Nahtbild an allen<br />
Punkten <strong>der</strong> Schweißverb<strong>in</strong>dung. Nur drei Tage benötigten<br />
die ABB-Experten zum Implementieren <strong>der</strong> kompletten,<br />
betriebsbereiten Zelle als Plug-and-play-Version<br />
bei Craemer.<br />
INDIVIDUALLÖSUNGEN NUR LANGFRISTIG SINNVOLL<br />
Ebenso wie bei <strong>der</strong> Paul Craemer GmbH s<strong>in</strong>d technische<br />
Qualität, Funktions- <strong>und</strong> Betriebssicherheit, e<strong>in</strong>e passende<br />
Auswahl <strong>der</strong> gewünschten Funktionen sowie<br />
ger<strong>in</strong>ger Planungs- <strong>und</strong> Projektleitungsaufwand <strong>in</strong> nahezu<br />
allen Betrieben gefragt, die <strong>in</strong> thermischen Fügeprozessen<br />
Metallteile verb<strong>in</strong>den. Das gilt im beson<strong>der</strong>en<br />
Maße für die Betreiber o<strong>der</strong> Nutzer technischer<br />
Investitionsgüter zur automatisierten Fertigung.<br />
Für das Beispiel Schweißzelle gilt ähnlich wie für vergleichbare<br />
Automationsprojekte: Individuallösungen rentieren<br />
sich nur, wenn es um das Entwickeln langfristig<br />
zu nutzen<strong>der</strong> Produktionsl<strong>in</strong>ien geht, die zum Fertigen<br />
großer Serien bestimmt s<strong>in</strong>d. Modulare Konzepte jedoch<br />
s<strong>in</strong>d von vornhere<strong>in</strong> auf vielfältige, bedarfsgerecht optimierbare<br />
Lösungen zugeschnitten. Und diese Anfor<strong>der</strong>ung<br />
entspricht zunehmend dem „Normalfall“.<br />
Die Experten von ABB unterstützen den Anwen<strong>der</strong><br />
bereits ab <strong>der</strong> Planungsphase bei <strong>der</strong> Wahl se<strong>in</strong>er „Bauste<strong>in</strong>e“<br />
zum Beispiel für die Gr<strong>und</strong>funktionen, zeigen<br />
die Alternativen auf, machen unterschiedliche Angebote<br />
transparent <strong>und</strong> unterstützen vor <strong>der</strong> Realisierung<br />
<strong>der</strong> Schweißzelle beim Entwurf des optimalen Layouts.<br />
Das umfassende Modul-Programm <strong>der</strong> Standard-<br />
Schweißzelle umfasst neben den üblichen Gr<strong>und</strong>ausstattungen<br />
auch Software, Sicherheitstechnik <strong>und</strong> Peripherie.<br />
Optional s<strong>in</strong>d auch <strong>in</strong>dividuelle Abwicklungen<br />
o<strong>der</strong> Ergänzungen möglich.<br />
SOFTWAREMODULE SORGEN FÜR FLEXIBILITÄT<br />
Weil die Schweißaufgabe <strong>und</strong> die Anfor<strong>der</strong>ungen häufig<br />
sowohl hoch komplex als auch unterschiedlich se<strong>in</strong> können,<br />
bietet ABB differenzierte, aufe<strong>in</strong>an<strong>der</strong> <strong>und</strong> auf die<br />
Hardware abgestimmte Softwaremodule. Sie arbeiten mit<br />
sämtlichen <strong>in</strong>tegrierten Softwareprodukten zusammen,<br />
gesteuert per Robotersteuerung IRC5 <strong>in</strong>klusive RobotWare.<br />
Mit ihr erreicht <strong>der</strong> Anwen<strong>der</strong> kürzeste Zykluszeiten.<br />
Die Zellenablaufsteuerung zum Öffnen <strong>und</strong> Schließen<br />
<strong>der</strong> Rolltore <strong>und</strong> das Ansteuern <strong>der</strong> Vorrichtungsspanntechnik<br />
übernimmt e<strong>in</strong>e SPS, die mit <strong>der</strong> IRC5<br />
verknüpft ist. Schnittstellen zur Kommunikation mit<br />
den gängigen automatisierbaren Schweißsystemen <strong>der</strong><br />
22<br />
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UMFORMTEILE<br />
verb<strong>in</strong>det<br />
Craemer per<br />
automatisiertem<br />
MAG-Schweißprozess<br />
zu<br />
Sitzstruktur teilen.<br />
SCHWEISSROBOTER IRB 1600: Die Kommunikationsschnittstelle<br />
SpeedWeldPac von ABB <strong>und</strong> SKS Weld<strong>in</strong>g<br />
Systems stellt die prozess technische E<strong>in</strong>heit zwischen<br />
Roboter <strong>und</strong> <strong>der</strong> Steuerung <strong>der</strong> Schweißstromquelle her.<br />
ROBOTSTUDIO: Die Software simuliert<br />
<strong>und</strong> visualisiert beispielsweise die<br />
Positionen des Brenners am Werkstück<br />
<strong>in</strong> Form von „Brenner wolken“. So kann<br />
<strong>der</strong> Anwen<strong>der</strong> sicherstellen, dass es<br />
später <strong>in</strong> <strong>der</strong> realen Anwendung zu<br />
ke<strong>in</strong>en Kollisionen kommt. Bil<strong>der</strong>: ABB<br />
ZWEISTATIONEN-<br />
POSITIONIER IRBP C:<br />
Die Koord<strong>in</strong>ierung mit<br />
den Robotern übernimmt<br />
die Robotersteuerung.<br />
führenden Hersteller bietet die IRC5. So kann <strong>der</strong> Anwen<strong>der</strong><br />
se<strong>in</strong>en Erfahrungen <strong>und</strong> Präferenzen entsprechend<br />
das bevorzugte Schweißsystem wählen. Je nach<br />
Schweißsystem beziehungsweise -hersteller lassen sich<br />
auch Funktionen wie SpeedWeldPac <strong>in</strong>tegrieren.<br />
SIMULATION SCHLIESST REALE KOLLISIONEN AUS<br />
Die Schlüsselsoftware RobotStudio begleitet den Anwen<strong>der</strong><br />
durchgängig vom Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g bis zum Fertigungsprozess.<br />
Mit ihm programmiert <strong>der</strong> Anwen<strong>der</strong><br />
offl<strong>in</strong>e am PC, auch bereits zur Planung wie zur Produktion.<br />
Beispiele s<strong>in</strong>d Zugänglichkeits- <strong>und</strong> Taktzeituntersuchungen,<br />
Vorrichtungsoptimierung, virtuelle<br />
Bauteilprogrammierung mit 1:1-Übertrag <strong>in</strong> die Steuerung<br />
IRC5 <strong>der</strong> realen Zelle. RobotStudio stellt alle Standardzellen<br />
virtuell auf dem PC dar <strong>und</strong> ermöglicht<br />
<strong>der</strong>en Simulation bis h<strong>in</strong> zur Schulung. Zu weiteren<br />
Funktionen zählen CAD-Schnittstellen zum E<strong>in</strong>lesen<br />
von Daten <strong>der</strong> Bauteile <strong>und</strong> Vorrichtungen zum Prüfen<br />
von Zugänglichkeit <strong>und</strong> Kollision. Zum Erleichtern <strong>der</strong><br />
Programmierarbeiten kann <strong>der</strong> Anwen<strong>der</strong> die Software<br />
ArcWeld<strong>in</strong>g PowerPac nutzen.<br />
RobotStudio simuliert <strong>und</strong> visualisiert beispielsweise<br />
die Positionen des Brenners am Werkstück <strong>in</strong> Form<br />
von „Brennerwolken“. So kann <strong>der</strong> Anwen<strong>der</strong> vor dem<br />
Herstellen e<strong>in</strong>er Vorrichtung <strong>in</strong> „Stahl <strong>und</strong> Eisen“ sicherstellen,<br />
dass später <strong>in</strong> <strong>der</strong> Realität ke<strong>in</strong>e Kollisionen<br />
mit Vorrichtungsaufbauten entstehen. Zudem<br />
kann er Vorrichtungsentwürfe anhand dieser Analysemethode<br />
kont<strong>in</strong>uierlich auf die Eignung für die jeweilige<br />
Anwendung überprüfen. E<strong>in</strong>e Situationsanalyse<br />
vor dem Projektbeg<strong>in</strong>n ergibt neben erheblichen Zeit<strong>und</strong><br />
Kostene<strong>in</strong>sparungen gerade <strong>in</strong> <strong>der</strong> Inbetriebnahmephase<br />
die gewünschte Sicherheit.<br />
AUTOR<br />
CHRISTIAN MICKASCH ist im Vertrieb<br />
Metallbearbeitung bei ABB Automation<br />
im Unternehmensbereich Robotics tätig.<br />
ABB Automation GmbH,<br />
Unternehmensbereich Robotics,<br />
Grüner Weg 6, D-61169 Friedberg,<br />
Tel. +49 (0) 6031 850,<br />
E-Mail: christian.mickasch@de.abb.com<br />
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PRAXIS<br />
Maßnahmen auf dem Weg zur<br />
energieeffizienten Fabrik <strong>der</strong> <strong>Zukunft</strong><br />
Durch gezielte Beleuchtung <strong>und</strong> Abschalten von Anlagenteilen Energie sparen<br />
VERKÜRZTE PNEUMATIKSCHLÄUCHE reduzieren die ungenutzte<br />
Schlauchluft <strong>und</strong> beschleunigen die Füllung <strong>der</strong> Aktoren.<br />
AUSLEUCHTUNG DER MONTAGEMASCHINE ohne<br />
(l<strong>in</strong>ks) <strong>und</strong> mit LED-Masch<strong>in</strong>enleuchten (rechts).<br />
DER HOHE WIRKUNGSGRAD<br />
von 94 Prozent war e<strong>in</strong> Gr<strong>und</strong>,<br />
weshalb die Firma Kolbus die<br />
Qu<strong>in</strong>t-Strom versorgungen <strong>in</strong><br />
den Schaltschränken ihrer<br />
Buchb<strong>in</strong><strong>der</strong>eimasch<strong>in</strong>en e<strong>in</strong>setzt.<br />
Aufgr<strong>und</strong> steigen<strong>der</strong> Kosten für Rohstoffe <strong>und</strong> Energie<br />
sowie gesetzlicher Vorgaben gew<strong>in</strong>nen Methoden<br />
<strong>und</strong> Maßnahmen zur Erhöhung <strong>der</strong> Ressourceneffizienz<br />
stetig an Bedeutung. Die Firma Phoenix Contact<br />
spart Energie, <strong>in</strong>dem sie Druckluft <strong>in</strong> Montagemasch<strong>in</strong>en<br />
optimal e<strong>in</strong>setzt, Gebäude <strong>und</strong> Masch<strong>in</strong>en effizient<br />
beleuchtet <strong>und</strong> Anlagen beziehungsweise Anlagenteile<br />
zum Teil abschaltet.<br />
Die Energieeffizienz-Richtl<strong>in</strong>ie 2012/27/EG <strong>der</strong> Europäischen<br />
Union gibt e<strong>in</strong>e Steigerung <strong>der</strong> Energieeffizienz<br />
um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 als Ziel vor. Alle<br />
Mitgliedsstaaten s<strong>in</strong>d aufgefor<strong>der</strong>t, e<strong>in</strong> nationales Energieeffizienz-Ziel<br />
zur Reduzierung des Energieverbrauchs<br />
bis 2020 festzulegen. Die B<strong>und</strong>esrepublik<br />
Deutschland strebt an, den Primärenergieverbrauch bis<br />
2020 um 20 Prozent gegenüber 2008 <strong>und</strong> bis 2050 um<br />
50 Prozent zu senken. Der Stromverbrauch soll bis 2020<br />
um 10 Prozent <strong>und</strong> bis 2050 um 25 Prozent verr<strong>in</strong>gert<br />
werden. Den gesetzlichen Vorgaben zur Energiee<strong>in</strong>sparung<br />
stehen Schätzungen gegenüber, dass das tatsächliche<br />
Potenzial <strong>in</strong> Industrie <strong>und</strong> Gewerbe bis zu 40<br />
Prozent beträgt. In <strong>der</strong> Europäischen Union lässt sich<br />
<strong>der</strong> Energiebedarf mit entsprechenden Effizienz-<br />
Maßnahmen bis 2050 um zwei Drittel reduzieren. Bei<br />
Phoenix Contact stehen Aktivitäten zur Erhöhung <strong>der</strong><br />
Effizienz schon seit vielen Jahren im Fokus. Die E<strong>in</strong>führung<br />
e<strong>in</strong>es Energiemanagement-Systems gemäß DIN<br />
EN ISO 50001 führt dabei zur notwendigen Transparenz<br />
<strong>und</strong> Messbarkeit <strong>der</strong> durchgeführten Schritte. Das<br />
Unternehmen entwickelt unter an<strong>der</strong>em energieeffi-<br />
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<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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ziente Komponenten, Masch<strong>in</strong>en <strong>und</strong> Anlagen, die es<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> eigenen Produktion e<strong>in</strong>setzt. Außerdem ist es <strong>in</strong><br />
den Bereichen Energiegew<strong>in</strong>nung <strong>und</strong> -rückgew<strong>in</strong>nung<br />
sowie Messung <strong>und</strong> Analyse von Energiebedarfen tätig.<br />
DRUCKLUFTVERBRAUCH SENKEN<br />
Die Drucklufterzeugung ist für r<strong>und</strong> sieben Prozent des<br />
<strong>in</strong>dustriellen Stromverbrauchs verantwortlich. Daher<br />
bietet sich e<strong>in</strong>e gezielte Analyse <strong>der</strong> Verwendung von<br />
Druckluft an, um E<strong>in</strong>sparpotenziale zu identifizieren.<br />
In den Montagemasch<strong>in</strong>en von Phoenix Contact wird<br />
Druckluft für unterschiedliche Aufgaben genutzt. Zur<br />
Verbesserung <strong>der</strong> Versorgung haben die Mitarbeiter<br />
zwei Ansatzpunkte herausgearbeitet. Wird <strong>der</strong> Druckverlust<br />
<strong>in</strong> den Leitungen gesenkt, kann mit e<strong>in</strong>em ger<strong>in</strong>geren<br />
Druck gearbeitet werden. E<strong>in</strong>e Verr<strong>in</strong>gerung<br />
des Volumens <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> Zuleitungen zwischen den<br />
Ventilen <strong>und</strong> pneumatischen Aktoren zieht e<strong>in</strong>e M<strong>in</strong>imierung<br />
des Luftverbrauchs pro Arbeitshub nach sich.<br />
Vor dem H<strong>in</strong>tergr<strong>und</strong> dieser Erkenntnisse s<strong>in</strong>d die<br />
Druckluft-Zuleitungen <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> Montagemasch<strong>in</strong>en<br />
verkürzt respektive als R<strong>in</strong>gleitung ausgelegt worden.<br />
Ferner haben die Mitarbeiter Querschnitts-Verr<strong>in</strong>gerungen<br />
<strong>und</strong> Kanten an den Verb<strong>in</strong>dungsstellen vermieden<br />
<strong>und</strong> so die Anschlusstechnik optimiert. Aufgr<strong>und</strong><br />
<strong>der</strong> räumlich nahen Anordnung <strong>der</strong> Ventil<strong>in</strong>seln<br />
an den Aktoren verkürzen sich die Leitungen an e<strong>in</strong>zelnen<br />
Montagestationen deutlich. So resultiert die von<br />
1,3 Meter auf 0,4 Meter reduzierte Schlauchlänge <strong>in</strong><br />
e<strong>in</strong>er Montagestation <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Verr<strong>in</strong>gerung des Luftverbrauchs<br />
von 40 Kubikzentimeter auf 12 Kubikzentimeter<br />
pro Hub. Die beschriebenen Maßnahmen s<strong>in</strong>d<br />
im ersten Schritt an drei Montagemasch<strong>in</strong>en umgesetzt<br />
worden. Im Ergebnis ist das Niveau des Versorgungsdrucks<br />
um 1 bar gesunken, während sich <strong>der</strong> Druckluft-<br />
Verbrauch <strong>der</strong> Masch<strong>in</strong>en um durchschnittlich 25 Prozent<br />
reduziert hat. Seit r<strong>und</strong> e<strong>in</strong>em Jahr werden die<br />
Erkenntnisse auf alle Montagemasch<strong>in</strong>en übertragen.<br />
So lassen sich die Energiekosten für die Druckluft-Erzeugung<br />
nachhaltig verr<strong>in</strong>gern.<br />
ANLAGEN BEDARFSGERECHT AUSLEUCHTEN<br />
Weiteres Verbesserungspotenzial liegt <strong>in</strong> <strong>der</strong> Beleuchtung<br />
von Produktionsbereichen, was bislang an <strong>der</strong><br />
Hallendecke angebrachte Leuchtstoffröhren übernehmen.<br />
In den Montageanlagen werden nur Handarbeitsplätze<br />
separat beleuchtet, um e<strong>in</strong> ergonomisches Arbeiten<br />
sicherzustellen. Wegen <strong>der</strong> <strong>und</strong>ifferenzierten Ausleuchtung<br />
<strong>der</strong> gesamten Fertigung gibt es viele Bereiche,<br />
<strong>in</strong> denen die Beleuchtung stärker als erfor<strong>der</strong>lich ist,<br />
woh<strong>in</strong>gegen <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> Masch<strong>in</strong>en ke<strong>in</strong>e optimalen<br />
Lichtverhältnisse für E<strong>in</strong>richt- <strong>und</strong> Entstörarbeiten vorliegen.<br />
Deshalb s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Pilotbereich gezielt Maßnahmen<br />
realisiert worden, damit <strong>der</strong> entsprechende<br />
Energiebedarf s<strong>in</strong>kt <strong>und</strong> die Ausleuchtung <strong>der</strong> Masch<strong>in</strong>en<br />
gleichzeitig optimiert wird.<br />
Im Pilotbereich waren bisher 18 Leuchtstoffröhren<br />
mit jeweils 70 Watt Leistung <strong>und</strong> e<strong>in</strong>er Lichtausbeute<br />
von 79 Lumen pro Watt <strong>in</strong>stalliert. Mittlerweile s<strong>in</strong>d die<br />
Hälfte <strong>der</strong> Leuchtstoffröhren abgeschaltet sowie die<br />
Masch<strong>in</strong>en mit sechs LED-Leuchten <strong>der</strong> unternehmenseigenen<br />
Produktfamilie PLD mit jeweils 21 Watt Leistung<br />
bei e<strong>in</strong>er Lichtausbeute von 86 Lumen pro Watt<br />
ausgerüstet worden. Daraus ergibt sich e<strong>in</strong>e Verr<strong>in</strong>gerung<br />
<strong>der</strong> elektrischen Leistung für die Beleuchtung um<br />
r<strong>und</strong> 500 Watt. Gleichzeitig lässt sich die e<strong>in</strong>gesetzte<br />
Beleuchtung zielgerichtet nutzen. Während die Deckenlampen<br />
bis dato e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>heitliche Beleuchtungsstärke<br />
von etwa 500 Lux bereitstellten, wird <strong>der</strong> Fußboden jetzt<br />
lediglich mit 300 Lux ausgeleuchtet. Die relevanten Bereiche<br />
<strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> Masch<strong>in</strong>e weisen h<strong>in</strong>gegen 1000<br />
Lux <strong>und</strong> die Handarbeitsplätze 1400 Lux auf. Auf diese<br />
Weise haben sich <strong>der</strong> Bedienkomfort <strong>und</strong> die Möglichkeiten<br />
<strong>der</strong> Prozessüberwachung verbessert. Da die LED-<br />
Beleuchtung steuerbar ist, können bestimmte Anlagenteile<br />
im Fall e<strong>in</strong>er Störung gezielt ausgeleuchtet werden.<br />
Im Normalbetrieb genügt dann e<strong>in</strong>e ger<strong>in</strong>ge Licht<strong>in</strong>tensität<br />
o<strong>der</strong> die LED-Leuchten s<strong>in</strong>d komplett abgeschaltet.<br />
Unter Berücksichtigung des Investitionsvolumens für<br />
die LED-Leuchten <strong>und</strong> des Energiebedarfs für <strong>der</strong>en<br />
Betrieb sowie <strong>der</strong> Energiee<strong>in</strong>sparung durch die reduzierte<br />
Deckenbeleuchtung amortisieren sich die Verbesserungsmaßnahmen<br />
nach ungefähr vier Jahren. Darüber<br />
h<strong>in</strong>aus zeichnen sich die LED-Leuchten mit e<strong>in</strong>er Lebensdauer<br />
von 50 000 St<strong>und</strong>en durch e<strong>in</strong>e sechsmal<br />
längere E<strong>in</strong>satzzeit als Leuchtstoffröhren aus. Neben<br />
den Energiekosten s<strong>in</strong>kt somit auch <strong>der</strong> Aufwand für<br />
die Wartung <strong>und</strong> Instandhaltung deutlich.<br />
ANTRIEBSKONZEPT DIMENSIONIEREN<br />
E<strong>in</strong>e Voraussetzung für den energieeffizienten Betrieb<br />
von Masch<strong>in</strong>en <strong>und</strong> Anlagen ist, sparsame Komponenten<br />
zu verwenden. Geräte mit hohem Wirkungsgrad<br />
können im Bereich <strong>der</strong> Steuerungs- <strong>und</strong> Antriebstechnik<br />
beim Sparen helfen. Bei Phoenix Contact achten die<br />
Entwickler von Elektronikgeräten daher beson<strong>der</strong>s darauf,<br />
dass optimal dimensionierte sowie effiziente Bauteile<br />
<strong>und</strong> -gruppen e<strong>in</strong>gesetzt werden. Auf diese Weise<br />
lässt sich <strong>der</strong> Wirkungsgrad beispielsweise <strong>der</strong> Stromversorgungen<br />
Qu<strong>in</strong>t Power steigern.<br />
Der unternehmenseigene Masch<strong>in</strong>enbau leistet ebenfalls<br />
e<strong>in</strong>en wichtigen Beitrag im H<strong>in</strong>blick auf e<strong>in</strong>e energieeffiziente<br />
Produktion. Speziell im Bereich <strong>der</strong> Antriebstechnik<br />
ergeben sich hier bei den Montagemasch<strong>in</strong>en<br />
Ansatzpunkte. Dabei kommt <strong>der</strong> Auswahl des<br />
bestmöglichen Antriebskonzepts e<strong>in</strong>e große Bedeutung<br />
zu. So muss bei <strong>der</strong> Entscheidung zwischen pneumatischen<br />
<strong>und</strong> elektrischen Achsen beachtet werden, dass<br />
elektrische Antriebe Energie für die Beschleunigung<br />
<strong>und</strong> Verzögerung benötigen, woh<strong>in</strong>gegen <strong>der</strong> Verfahrweg<br />
e<strong>in</strong>e untergeordnete Rolle spielt. Bei pneumatischen<br />
Antrieben ist <strong>der</strong> Druckluft- <strong>und</strong> damit <strong>der</strong><br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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25
PRAXIS<br />
VERGLEICH DES<br />
TAGESENERGIE-<br />
BEDARFS zwischen<br />
pneumatischen <strong>und</strong><br />
elektrischen Achsen.<br />
TYPISCHE<br />
WIRKUNGSGRADE<br />
(Quelle: Fraunhofer ISI)<br />
<strong>und</strong> Leistungsaufnahmen<br />
verschiedener<br />
Motortypen bei 63 Watt<br />
Antriebsleistung.<br />
EXEMPLARISCHE LEISTUNGSAUFNAHME<br />
e<strong>in</strong>er Montagemasch<strong>in</strong>e. Bil<strong>der</strong>: Phoenix Contact<br />
Energiebedarf h<strong>in</strong>gegen proportional vom Verfahrweg<br />
abhängig. Untersuchungen belegen, dass bei e<strong>in</strong>em Verfahrweg<br />
von 5 Millimetern e<strong>in</strong> Pneumatikzyl<strong>in</strong><strong>der</strong> kostengünstiger<br />
betrieben werden kann. Beträgt <strong>der</strong> Verfahrweg<br />
50 Millimeter, ist e<strong>in</strong> elektrischer Antrieb zu<br />
bevorzugen. Bei <strong>der</strong> Auswahl elektrischer Antriebe<br />
müssen die unterschiedlichen Wirkungsgrade <strong>der</strong> verschiedenen<br />
Motortypen berücksichtigt werden. Ist beispielsweise<br />
e<strong>in</strong> Drehmoment von 0,2 Newtonmeter bei<br />
e<strong>in</strong>er Drehzahl von 3000 Umdrehungen pro M<strong>in</strong>ute <strong>und</strong><br />
folglich 63 Watt Leistung an <strong>der</strong> Antriebswelle bereitzustellen,<br />
ergibt sich die elektrische Leistung <strong>in</strong> hohem<br />
Maße aus dem Typ des genutzten Motors.<br />
Die verbauten Getriebe bee<strong>in</strong>flussen die Energieeffizienz<br />
ebenso erheblich. Bei För<strong>der</strong>band-Antrieben können<br />
Stirnradgetriebe aufgr<strong>und</strong> ihres höheren Wirkungsgrads<br />
bis zu 20 Prozent mehr Leistung als Schneckengetriebe<br />
liefern. Werden für Handhabungsaufgaben<br />
Roboter e<strong>in</strong>gesetzt, sollten die bewegten Massen<br />
möglichst ger<strong>in</strong>g <strong>und</strong> somit die Abmessungen des Roboters<br />
sowie die Masse <strong>der</strong> Greifer optimal dimensioniert<br />
se<strong>in</strong>. Als Verfahrstrategie ist statt e<strong>in</strong>er L<strong>in</strong>iene<strong>in</strong>e<br />
Punkt-zu-Punkt-Bewegung zu präferieren, um den<br />
Energiebedarf für die Beschleunigung <strong>der</strong> verschiedenen<br />
Achsen zu m<strong>in</strong>imieren. Sowohl bei Servoantrieben<br />
als auch Roboterachsen sollten Stillstands-Drehmomente<br />
auf das erfor<strong>der</strong>liche M<strong>in</strong>imum abgesenkt<br />
werden. Außerdem bietet die komplette Abschaltung<br />
von Antrieben, die für e<strong>in</strong>en gewissen Zeitraum nicht<br />
benötigt werden, deutliches E<strong>in</strong>sparpotenzial.<br />
ANLAGENTEILE ZIELGERICHTET ABSCHALTEN<br />
Als weitere Möglichkeit zur Energiee<strong>in</strong>sparung <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />
Produktion ist das Abschalten aktuell nicht für die Fertigung<br />
notwendiger Anlagenkomponenten mittels e<strong>in</strong>er<br />
<strong>in</strong>telligenten Standby-Funktion zu nennen. Aus dem<br />
exemplarischen Verlauf <strong>der</strong> Leistungsaufnahme e<strong>in</strong>er<br />
Montagemasch<strong>in</strong>e lässt sich ersehen, dass sie selbst<br />
dann r<strong>und</strong> 2000 Watt aufnimmt, wenn sie gar nicht <strong>in</strong><br />
Betrieb ist. Dies wird durch Komponenten wie Netzteile,<br />
Steuerungen, Bildschirme <strong>und</strong> die Antriebselektronik<br />
hervorgerufen. Die Leistungsaufnahme liegt bei<br />
etwa 2500 Watt, sobald die Schw<strong>in</strong>gför<strong>der</strong>er für die<br />
Zuführung von Kunststoff- <strong>und</strong> Metalle<strong>in</strong>zelteilen e<strong>in</strong>geschaltet<br />
werden. Während des Herstellungsprozesses<br />
erhöht sich die Leistungsaufnahme im Mittel auf ungefähr<br />
3000 Watt, wobei wegen <strong>der</strong> zeitlichen Überlagerung<br />
unterschiedlicher Montageprozesse Leistungsspitzen<br />
bis 6000 Watt auftreten. Der Leistungsverlauf<br />
zeigt das E<strong>in</strong>sparpotenzial während des Masch<strong>in</strong>enstillstands<br />
auf. Liegt also e<strong>in</strong>e längere Produktionsunterbrechung<br />
vor – beispielsweise durch e<strong>in</strong>e geplante<br />
Pause –, kann die Leerlaufleistung durch das gezielte<br />
Abschalten leistungs<strong>in</strong>tensiver Masch<strong>in</strong>enkomponenten<br />
erheblich verr<strong>in</strong>gert werden.<br />
Derzeit arbeitet Phoenix Contact an <strong>der</strong> Umsetzung<br />
e<strong>in</strong>er Steuerungslösung, die e<strong>in</strong> solches zielgerichtetes<br />
Abschalten (<strong>in</strong>telligentes Standby) ermöglicht. Während<br />
<strong>der</strong> Pausen <strong>und</strong> <strong>in</strong> produktionsfreien Zeiten schaltet<br />
die SPS alle Anlagenkomponenten so weit aus, dass<br />
die verbleibende Leistungsaufnahme nur noch 5 Watt<br />
beträgt. Das Abschalten erfolgt entwe<strong>der</strong> durch e<strong>in</strong>en<br />
Knopfdruck des Bedieners o<strong>der</strong> automatisch nach e<strong>in</strong>er<br />
e<strong>in</strong>stellbaren Zeit, wenn e<strong>in</strong> Fertigungsauftrag fehlt<br />
o<strong>der</strong> unterbrochen wurde. Das Wie<strong>der</strong>e<strong>in</strong>schalten geschieht<br />
ebenfalls manuell per Knopfdruck o<strong>der</strong> zu<br />
e<strong>in</strong>em festgelegten Zeitpunkt, beispielsweise zu<br />
Schichtbeg<strong>in</strong>n o<strong>der</strong> nach e<strong>in</strong>er def<strong>in</strong>ierten Pausenzeit.<br />
In Anlehnung an das Profienergy-Profil sorgt e<strong>in</strong>e zentral<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> Montagemasch<strong>in</strong>e <strong>in</strong>stallierte Steuerung für<br />
26<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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das geregelte Herunterfahren <strong>der</strong> SPS <strong>der</strong> verschiedenen<br />
Masch<strong>in</strong>enteile. Außerdem trennt sie die nicht<br />
mit e<strong>in</strong>er Prof<strong>in</strong>et- o<strong>der</strong> Ethernet-Schnittstelle ausgestatteten<br />
Geräte von <strong>der</strong> Netzspannung. Ferner lässt<br />
sich die Hallenbeleuchtung reduzieren, sobald sämtliche<br />
Masch<strong>in</strong>en e<strong>in</strong>es festgelegten Hallenbereichs <strong>in</strong><br />
den Standby-Zustand versetzt wurden.<br />
Auf dem Weg zur energieeffizienten Fabrik <strong>der</strong> <strong>Zukunft</strong><br />
hat Phoenix Contact bereits <strong>in</strong> unterschiedlichen<br />
Bereichen erfolgreich Maßnahmen durchgeführt. Neben<br />
<strong>der</strong> Fortsetzung laufen<strong>der</strong> Aktivitäten <strong>und</strong> <strong>der</strong> Realisierung<br />
<strong>der</strong> <strong>in</strong>telligenten Standby-Funktion für Montagemasch<strong>in</strong>en<br />
s<strong>in</strong>d weitere Aktionen geplant. Ist zum<br />
Beispiel <strong>der</strong> Energiebedarf <strong>der</strong> verschiedenen Produktionsanlagen<br />
<strong>und</strong> -prozesse transparent erfasst worden,<br />
werden die entsprechenden Kosten bei <strong>der</strong> TCO-Berechnung<br />
berücksichtigt, damit sich energiebezogene<br />
Investitionsentscheidungen treffen lassen. Großes Potenzial<br />
ergibt sich zudem durch e<strong>in</strong>e Vernetzung von<br />
MES-System sowie Gebäude- <strong>und</strong> Energiemanagement.<br />
Zum e<strong>in</strong>en ist e<strong>in</strong>e von <strong>der</strong> aktuellen Fertigungssituation<br />
abhängige Verr<strong>in</strong>gerung des Energiebedarfs bestimmter<br />
Gebäudeteile durch das Abschalten von Licht,<br />
Druckluft <strong>und</strong> Kühlwasser denkbar. An<strong>der</strong>erseits können<br />
die durch variable Stromtarife verän<strong>der</strong>lichen Energiekosten<br />
als weiteres Kriterium bei <strong>der</strong> Planung <strong>der</strong><br />
Produktionsaufträge herangezogen werden.<br />
Die passende Füllstand- <strong>und</strong> Druckmesstechnik<br />
können Sie lange suchen ...<br />
AUTOREN<br />
... o<strong>der</strong> schnell f<strong>in</strong>den.<br />
FRIEDRICH CAPELLE ist<br />
Fachleiter Automation<br />
bei Phoenix Contact<br />
GmbH & Co. KG <strong>in</strong><br />
Blomberg.<br />
Das E<strong>in</strong>facher-ist-besser-Pr<strong>in</strong>zip<br />
von VEGA.<br />
Dr.-Ing. ANDREAS<br />
SCHREIBER ist Abteilungsleiter<br />
Industrial<br />
Auto mation bei Phoenix<br />
Contact GmbH & Co. KG<br />
<strong>in</strong> Blomberg.<br />
Phoenix Contact GmbH & Co. KG,<br />
Flachsmarktstraße 8, D-32825 Blomberg,<br />
E-Mail: aschreiber@phoenixcontact.com,<br />
fcapelle@phoenixcontact.com<br />
VEGA hat das „E<strong>in</strong>facher-ist-besser“-Pr<strong>in</strong>zip konsequent<br />
zu Ende gedacht. Die Geräteplattform plics ® löst alle<br />
Messaufgaben r<strong>und</strong> um Füllstand <strong>und</strong> Druck, <strong>und</strong> dies<br />
seit 10 Jahren.<br />
9 leichte Geräteauswahl 9 e<strong>in</strong>fache Inbetriebnahme<br />
9 schnelle Lieferung 9 sicherer Betrieb<br />
9 k<strong>in</strong><strong>der</strong>leichte Montage 9 schneller Service<br />
www.vega.com/plics
HAUPTBEITRAG | AUTOMATION 2014<br />
<strong>Wasser</strong> <strong>und</strong> <strong>Abwasser</strong> <strong>in</strong><br />
<strong>Megastädten</strong> <strong>der</strong> <strong>Zukunft</strong><br />
Semizentrale Systeme für die Ver- <strong>und</strong> Entsorgung<br />
Dieser Beitrag befasst sich mit dem Konzept semizentraler Ver- <strong>und</strong> Entsorgungssysteme,<br />
das es ermöglicht, die Herausfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> <strong>Wasser</strong>ver- <strong>und</strong> <strong>Abwasser</strong>entsorgung<br />
<strong>in</strong> <strong>Megastädten</strong> zu lösen. Das Konzept basiert auf <strong>der</strong> Idee, Abfallstoffe,<br />
wie Schmutzwasser <strong>und</strong> organische Abfälle, als Wertstoff zu betrachten <strong>und</strong> durch<br />
energetische Verwertung sowie durch Ressourcenwie<strong>der</strong>verwendung den Energie<strong>und</strong><br />
Stoffkreislauf zu schließen. Die Autoren stellen die beson<strong>der</strong>en Merkmale semizentraler<br />
<strong>in</strong>tegrierter Ver- <strong>und</strong> Entsorgungssysteme vor <strong>und</strong> betrachten entstehende<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen an die MSR-Technik <strong>und</strong> die Prozessautomatisierung.<br />
SCHLAGWÖRTER Semizentrale Ver- <strong>und</strong> Entsogungssysteme / Megastädte /<br />
<strong>Wasser</strong>wie<strong>der</strong>verwendung<br />
Water and Wastewater Management <strong>in</strong> Mega Cities –<br />
Semi-Centralized Supply and Treatment Systems<br />
Semi-centralized systems can offer a way of meet<strong>in</strong>g the challenges of water supplies<br />
and wastewater treatment <strong>in</strong> mega cities. Waste flows like grey water, black water<br />
and organic waste are regarded as reusable resources and the concept closes the<br />
cycles of material and energy flow by waste recycl<strong>in</strong>g and biogas production. The<br />
article presents the specific features of semi-centralized <strong>in</strong>tegrated supply and treatment<br />
systems and exam<strong>in</strong>es demands on the measurement and control technology<br />
and process automation.<br />
KEYWORDS Semi-centralized supply and treatment systems / mega cities /<br />
water reuse<br />
28<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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ACHIM GAHR, Endress+Hauser Conducta<br />
CHRISTIAN WOLF, PETER KERN, Fachhochschule Köln<br />
Rasches Wirtschaftswachstum <strong>und</strong> zunehmende<br />
Urbanisierung stellen vor allem Großstädte<br />
vor immer größere Schwierigkeiten bei<br />
<strong>der</strong> <strong>Abwasser</strong>entsorgung <strong>und</strong> Abfallbe -<br />
sei tigung sowie <strong>der</strong> <strong>Wasser</strong>- <strong>und</strong> Ener gieversorgung.<br />
Vielerorts s<strong>in</strong>d lokale <strong>Wasser</strong>ressourcen<br />
knapp <strong>und</strong> herkömmliche zentrale Ver- <strong>und</strong> Entsorgungssysteme<br />
sowie bestehende Infrastrukturen können<br />
nicht an das dynamische Städtewachstum angepasst<br />
werden. Außerdem stellen die zunehmenden<br />
Mengen des Klärschlamms e<strong>in</strong>e große Herausfor<strong>der</strong>ung<br />
dar. Wirtschaftsboom <strong>und</strong> Urbanisierung wirken sich<br />
vor allem <strong>in</strong> Asien nachteilig auf die Sicherstellung <strong>der</strong><br />
Tr<strong>in</strong>kwasserversorgung, die <strong>Abwasser</strong>re<strong>in</strong>igung <strong>und</strong><br />
die Abfallbehandlung aus.<br />
Als Lösung dieser Herausfor<strong>der</strong>ungen wurde am Institut<br />
IWAR des Fachgebietes <strong>Abwasser</strong>technik <strong>der</strong><br />
Technischen Universität Darmstadt das Konzept Semizentral<br />
<strong>in</strong> mehrjähriger Projektarbeit bis zur Umsetzungsreife<br />
entwickelt. Mittlerweile ist es zu e<strong>in</strong>er ökonomisch<br />
wie ökologisch tragfähigen <strong>Zukunft</strong>stechnologie<br />
gereift. Sie ermöglicht mit <strong>der</strong> Implementierung<br />
geeigneter MSR-Technik den Aufbau flexibler <strong>und</strong><br />
hocheffizienter Ver- <strong>und</strong> Entsorgungssysteme für <strong>Wasser</strong>,<br />
<strong>Abwasser</strong>, Abfall <strong>und</strong> Klärschlamm.<br />
1. DAS KONZEPT SEMIZENTRAL<br />
Das <strong>in</strong> Bild 1 illustrierte Konzept basiert auf <strong>der</strong> Idee,<br />
die <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Siedlungsgebiet anfallenden Abfälle <strong>und</strong><br />
<strong>Abwasser</strong>ströme als Wertstoffe zu betrachten <strong>und</strong> durch<br />
Wie<strong>der</strong>verwendung dem Ressourcenkreislauf wie<strong>der</strong><br />
zuzuführen. Zu diesem Zweck werden das Grauwasser<br />
(<strong>Abwasser</strong>ströme von Duschen, Waschbecken <strong>und</strong><br />
Waschmasch<strong>in</strong>en) <strong>und</strong> das Schwarzwasser (Toilettenabwasser)<br />
durch getrennte Entsorgungsnetze erfasst,<br />
abgeleitet <strong>und</strong> <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Ver- <strong>und</strong> Entsorgungszentrum<br />
(VEZ) <strong>in</strong> parallelen Aufbereitungsmodulen behandelt.<br />
Das Grauwasser wird nach mechanischer Vorre<strong>in</strong>igung<br />
mit Hilfe <strong>der</strong> MBR-Verfahrenstechnik zu Brauchwasser<br />
aufbereitet <strong>und</strong> anschließend den Wohne<strong>in</strong>heiten<br />
im Siedlungsgebiet zur Toilettenspülung, gegebenenfalls<br />
auch für Re<strong>in</strong>igungs- o<strong>der</strong> Bewässerungszwecke<br />
zur Verfügung gestellt. Daher wird <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
letzten Re<strong>in</strong>igungsschritt das aufbereitete Grauwasser<br />
<strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Des<strong>in</strong>fektionsstufe des<strong>in</strong>fiziert. Abschließend<br />
ist e<strong>in</strong> Auslaufbehälter als Pumpenvorlage nachgeschaltet,<br />
aus dem das gere<strong>in</strong>igte Grauwasser entnommen<br />
<strong>und</strong> <strong>in</strong> das Brauchwassernetz gespeist wird. Durch<br />
die Rückführung des aufbereiteten Grauwassers s<strong>in</strong>kt<br />
<strong>der</strong> häusliche Tr<strong>in</strong>kwasserbedarf um m<strong>in</strong>destens 30 %.<br />
In e<strong>in</strong>em parallel verlaufenden Prozess f<strong>in</strong>det die Aufbereitung<br />
des Schwarzwassers statt. Das Aufbereitungsmodul<br />
umfasst neben e<strong>in</strong>er mechanischen Vorre<strong>in</strong>igung<br />
<strong>und</strong> Vorklärung als wesentlichen Verfahrensschritt das<br />
Sequenc<strong>in</strong>g-Batch-Reactor-Verfahren (SBR). Es ist aufgr<strong>und</strong><br />
<strong>der</strong> hohen Schmutzfracht s<strong>in</strong>nvoll <strong>und</strong> ermöglicht<br />
den Abbau von Kohlenstoffverb<strong>in</strong>dungen sowie<br />
von Phosphor- <strong>und</strong> Stickstoffverb<strong>in</strong>dungen.<br />
Zusätzlich werden im VEZ die festen Bioabfälle aus<br />
dem Siedlungsgebiet zusammen mit dem Klärschlamm,<br />
<strong>der</strong> bei <strong>der</strong> Grau- <strong>und</strong> Schwarzwasserbehandlung anfällt,<br />
thermophil behandelt. Dadurch entsteht Biogas, das zur<br />
Eigenenergieerzeugung verstromt wird <strong>und</strong> unter Idealbed<strong>in</strong>gungen<br />
e<strong>in</strong>en energieautarken Betrieb des VEZ<br />
ermöglicht. So wird die Abhängigkeit von Primärenergie,<br />
die meist aus fossilen Ressourcen stammt, m<strong>in</strong>imiert.<br />
Der durch die Vergärung entstehende Gärrest ist<br />
hochwertig (Biosolids) <strong>und</strong> kann als Bodenverbesserer<br />
kommerziell genutzt werden, sodass auf e<strong>in</strong>e Deponierung<br />
des Klärschlamms sowie des Bioabfalls verzichtet<br />
werden kann. Die nährstoffreichen Stoffe werden <strong>in</strong><br />
den natürlichen Kreislauf zurückgeführt.<br />
Aus dem semizentralen Konzept leiten sich Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
ab, die im Falle e<strong>in</strong>er konkreten Umsetzung an<br />
die Verfahrenstechnik <strong>und</strong> die Infrastruktur gestellt<br />
werden müssen <strong>und</strong> zu berücksichtigen s<strong>in</strong>d:<br />
getrennte Leitungen für Grau- <strong>und</strong> Schwarzwasser,<br />
also ke<strong>in</strong>e Mischkanalisation<br />
separates Leitungsnetz für das Brauchwasser<br />
Errichtung im Siedlungsgebiet für e<strong>in</strong>e kostengünstige<br />
<strong>und</strong> e<strong>in</strong>fache Infrastruktur (beispielsweise<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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HAUPTBEITRAG | AUTOMATION 2014<br />
Siedlungsgebiet<br />
Ver- <strong>und</strong> Entsorgungszentrum<br />
(VEZ)<br />
Onl<strong>in</strong>e-<br />
Messtechnik<br />
Leitungswasser<br />
Brauchwasser<br />
BILD 1: Schematische<br />
Darstellung <strong>der</strong><br />
<strong>in</strong>tegrierten Abfall<strong>und</strong><br />
Klärschlammbehandlung<br />
<strong>in</strong>nerhalb<br />
des semizentralen<br />
Ver- <strong>und</strong> Entsorgungssystems,<br />
<strong>in</strong> Anlehnung an [1]<br />
Grauwasser<br />
Bioabfälle<br />
Schwarzwasser<br />
Klärschlamm<br />
Klärschlamm<br />
Abfall- <strong>und</strong> Klärschlammbehandlung<br />
Grauwasserre<strong>in</strong>igung<br />
Schwarzwasserre<strong>in</strong>igung<br />
Energie<br />
Energie<br />
Energie<br />
Biosolids<br />
Reststoffe<br />
Regelung<br />
Dynamische<br />
Simulation<br />
analyse<br />
Prozessoptimierung<br />
erfassung<br />
Daten-<br />
Daten-<br />
BILD 2: Voraussetzungen für<br />
e<strong>in</strong>en optimalen Anlagenbetrieb<br />
e<strong>in</strong>fache Leitungsführung <strong>und</strong> kurze Leitungen für<br />
das Brauchwasser)<br />
Integration <strong>in</strong> das Stadtbild, folglich Unterbr<strong>in</strong>gung<br />
<strong>der</strong> Verfahrenstechnik im Gebäude<br />
kompakte Bauweise (zum Beispiel doppelstöckig)<br />
M<strong>in</strong>imierung <strong>der</strong> Gas- <strong>und</strong> Geräuschemissionen<br />
parallele Aufbereitungsmodule für Grau- <strong>und</strong><br />
Schwarzwasser<br />
übertragbare <strong>und</strong> erweiterbare Verfahrenstechnik<br />
2. UMSETZUNG DES KONZEPTES<br />
Das Konzept Semizentral wird mit e<strong>in</strong>em aktuellen<br />
Verb<strong>und</strong>vorhaben mit <strong>der</strong> Realisierung e<strong>in</strong>es semizentralen<br />
Ver- <strong>und</strong> Entsorgungssystems <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em neuen<br />
Siedlungsgebiet auf dem Gelände <strong>der</strong> diesjährigen Weltgartenbauausstellung<br />
(World Horticulture Exhibition,<br />
WHE) <strong>in</strong> Q<strong>in</strong>gdao, Ch<strong>in</strong>a, erstmals umgesetzt. Anlässlich<br />
<strong>der</strong> WHE wurde die Referenzanlage am 27. April<br />
2014 eröffnet.<br />
Das <strong>in</strong> zwei Phasen geteilte Verb<strong>und</strong>projekt Ressourceneffiziente<br />
<strong>und</strong> flexible Ver- <strong>und</strong> Entsorgungs<strong>in</strong>frastruktursysteme<br />
für schnell wachsende Städte <strong>der</strong> <strong>Zukunft</strong><br />
wird vom B<strong>und</strong>esm<strong>in</strong>isterium für Forschung <strong>und</strong><br />
Bildung (BMBF) im Rahmen des För<strong>der</strong>programms<br />
Client Ch<strong>in</strong>a geför<strong>der</strong>t. Die Zielsetzung umfasst die<br />
Anpassung des semizentralen Konzeptes an die realen<br />
Rahmenbed<strong>in</strong>gungen des Standortes sowie die Umsetzung<br />
im Realmaßstab <strong>und</strong> die Validierung, Optimierung<br />
<strong>und</strong> Weiterentwicklung des Ansatzes. Das Projektkonsortium<br />
ist e<strong>in</strong> Forschungsverb<strong>und</strong> aus zahlreichen<br />
deutschen <strong>und</strong> ch<strong>in</strong>esischen Kooperationspartnern<br />
aus Forschung, Lehre <strong>und</strong> Industrie.<br />
Im Rahmen des Projektes ist Endress+Hauser maßgeblich<br />
an <strong>der</strong> Prozessautomatisierung <strong>und</strong> Qualitätssicherung<br />
beteiligt <strong>und</strong> beschäftigt sich dabei mit prozessanalytischen<br />
<strong>und</strong> regelungstechnischen Fragestellungen<br />
von Stoff- <strong>und</strong> Energieströmen <strong>in</strong>nerhalb des<br />
VEZ sowie mit <strong>der</strong> Qualitätsüberwachung des produzierten<br />
Brauchwassers im Verteilnetz. Dabei besteht<br />
e<strong>in</strong>e enge Zusammenarbeit mit <strong>der</strong> Forschungsgruppe<br />
Gummersbach Environmental Comput<strong>in</strong>g Center (Gecoc)<br />
<strong>der</strong> Fachhochschule Köln, die ebenfalls Projektpartner<br />
im Projektkonsortium ist. Gecoc übernimmt<br />
die Regelung <strong>und</strong> Optimierung <strong>der</strong> anaeroben Vergärung<br />
von Schlämmen aus <strong>der</strong> <strong>Abwasser</strong>behandlung des<br />
VEZ sowie von Speiseresten aus den umliegenden Hotels<br />
<strong>und</strong> beschäftigt sich ferner mit <strong>der</strong> Entwicklung<br />
von Soft-Sensoren, die es ermöglichen, aus Standardmessgrößen<br />
komplexe Prozessvariablen zu bestimmen.<br />
3. INSTRUMENTIERUNG UND ANFORDERUNGEN<br />
Die MSR-Technik auf <strong>Abwasser</strong>- <strong>und</strong> Wertstofferschließungsanlagen<br />
dient <strong>der</strong> Prozessüberwachung, <strong>der</strong> Prozesssicherung,<br />
<strong>der</strong> Prozessführung <strong>und</strong> <strong>der</strong> Prozessregelung.<br />
Weitere Aufgaben <strong>der</strong> Leit- <strong>und</strong> Automatisierungstechnik<br />
s<strong>in</strong>d das Bedienen <strong>und</strong> Beobachten <strong>der</strong><br />
Anlage, die Grenzwertüberwachung <strong>und</strong> Alarmbehandlung<br />
sowie die systematisierte Dokumentation<br />
gemäß den e<strong>in</strong>schlägigen regulatorischen Anfor<strong>der</strong>ungen.<br />
Mit <strong>der</strong> Darstellung von Prozesszuständen <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />
Ermittlung sowie Bewertung von geeigneten Kennzahlen<br />
wird e<strong>in</strong> besseres Verständnis von betrieblichen<br />
Zusammenhängen <strong>und</strong> ihrem dynamischen Verhalten<br />
ermöglicht. Allerd<strong>in</strong>gs s<strong>in</strong>d für die Prozessoptimierung,<br />
wie <strong>in</strong> Bild 2 schematisiert, neben <strong>der</strong> Datenerfassung<br />
zusätzliche Schritte wie die Datenanalyse <strong>und</strong><br />
die dynamische Simulation erfor<strong>der</strong>lich. Die Zielsetzungen<br />
<strong>der</strong> Prozessoptimierung bestehen dar<strong>in</strong>,<br />
die Anlageneffizienz zu erhöhen (zum Beispiel<br />
hohe Energieeffizienz bei hohem Wirkungsgrad <strong>der</strong><br />
Abfallbeseitigung <strong>und</strong> <strong>Abwasser</strong>re<strong>in</strong>igung),<br />
die Kosten zu optimieren <strong>und</strong> den Arbeitsaufwand<br />
zu reduzieren,<br />
30<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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die Betriebssicherheit <strong>und</strong> die Prozessstabilität zu<br />
steigern,<br />
die betrieblichen <strong>und</strong> gesetzlichen Qualitätsanfor<strong>der</strong>ungen<br />
zu jedem Zeitpunkt e<strong>in</strong>zuhalten o<strong>der</strong><br />
die Betriebszustände <strong>der</strong> Verfahrensmodule <strong>und</strong> des<br />
VEZ e<strong>in</strong>fach zu visualisieren.<br />
E<strong>in</strong>e <strong>der</strong> wesentlichen Voraussetzungen für e<strong>in</strong>en automatisierten<br />
<strong>und</strong> optimal geregelten Betrieb des VEZ ist<br />
<strong>der</strong> E<strong>in</strong>satz geeigneter Prozessmesstechnik an Messorten,<br />
die für den Prozess repräsentativ s<strong>in</strong>d. Aus Sicht des<br />
Betreibers des VEZ werden an die Analysenmesstechnik<br />
gr<strong>und</strong>legende Anfor<strong>der</strong>ungen gestellt:<br />
wartungsarm<br />
platzsparend<br />
möglichst reagenzienfrei<br />
möglichst ke<strong>in</strong>e o<strong>der</strong> vollautomatische Probenaufbereitung<br />
Installation möglichst direkt im Prozess (<strong>in</strong> situ)<br />
Die Messtechnik sowie die Konzepte zur Steuerung <strong>und</strong><br />
Regelung müssen außerdem an die Gegebenheiten des<br />
VEZ adaptiert <strong>und</strong> entsprechend <strong>der</strong> modularen Bau- <strong>und</strong><br />
Verfahrensweise auf die e<strong>in</strong>zelnen Prozessschritte ausgelegt<br />
se<strong>in</strong>. Dabei verfügt jedes <strong>der</strong> folgenden Module über<br />
e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>gangsseitige Sammelvorrichtung, die von Pumpen<br />
bedient wird, <strong>und</strong> über Messe<strong>in</strong>richtungen zur Bestimmung<br />
des Füll- <strong>und</strong> Grenzstandes sowie über Durchflussmengenzähler<br />
für Kontroll- <strong>und</strong> Steuerungszwecke:<br />
Grauwasserbehandlung mit Des<strong>in</strong>fektion<br />
(aerobe Behandlung)<br />
Schwarzwasserbehandlung mit Des<strong>in</strong>fektion<br />
(aerobe Behandlung)<br />
Prozesswasserbehandlung<br />
(Anammox-Verfahren im SBR-Batchbetrieb)<br />
organische Feststoffbehandlung zusammen mit<br />
<strong>der</strong> Behandlung von Überschussschlamm zur<br />
Biogasgew<strong>in</strong>nung (anaerobes Verfahren)<br />
Überwachung des Brauchwassernetzes<br />
3.1 <strong>Abwasser</strong>behandlung<br />
Bei <strong>der</strong> Grau- <strong>und</strong> Schwarzwasseraufbereitung benötigt<br />
die aerobe biologische Behandlung zur Prozessregelung<br />
Signalgeber, zum Beispiel für Sauerstoff, Ammonium,<br />
Nitrat, ortho-Phosphat, Druck, Temperatur <strong>und</strong> Durchfluss.<br />
Der Sollwert <strong>der</strong> Sauerstoffkonzentration wird <strong>in</strong><br />
Abhängigkeit von <strong>der</strong> am Ablauf <strong>der</strong> Belebung gemessenen<br />
NH 4 -N-Konzentration verän<strong>der</strong>t. Bei steigendem<br />
NH 4 -N-Gehalt wird <strong>der</strong> O 2 -Sollwert erhöht, bei s<strong>in</strong>kendem<br />
Gehalt gesenkt. Ferner kann bei steigendem NH 4 -<br />
N-Gehalt die Zu- beziehungsweise Abschaltung von flexiblen<br />
Nitrifikations-/Denitrifikationszonen geregelt<br />
werden. Zusätzlich lassen sich NO 3 -N- <strong>und</strong> PO 4 -P-Konzentrationssignale<br />
<strong>in</strong> die Regelung e<strong>in</strong>beziehen. E<strong>in</strong>e<br />
solche Vorgehensweise optimiert den O 2 -E<strong>in</strong>trag <strong>und</strong><br />
steigert die Energieeffizienz.<br />
Die Behandlung von Prozesswasser, das mit organischen<br />
Stoffen <strong>und</strong> Ammonium hoch belastet ist, stellt für das VEZ<br />
Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist<br />
aus <strong>der</strong> Fusion von Universität Karlsruhe <strong>und</strong> Forschungszentrum<br />
Karlsruhe hervorgegangen. Am KIT<br />
arbeiten <strong>und</strong> studieren mehr als 9.400 Mitarbeiter<br />
<strong>und</strong> Mitarbeiter<strong>in</strong>nen <strong>und</strong> über 24.000 Studierende.<br />
Das KIT besetzt im Bereich III „Masch<strong>in</strong>enbau<br />
<strong>und</strong> Elektrotechnik“ zum nächstmöglichen Zeitpunkt<br />
e<strong>in</strong>e Direktorenstelle für die kollegiale<br />
Leitung des Instituts für<br />
Angewandte Informatik (IAI)<br />
verb<strong>und</strong>en mit <strong>der</strong><br />
W3-Professur für<br />
Angewandte Informatik <strong>und</strong><br />
Automatisierungstechnik<br />
<strong>der</strong> KIT-Fakultät für Masch<strong>in</strong>enbau.<br />
Das im Großforschungsbereich des KIT angesiedelte<br />
Institut mit ca. 120 Mitarbeitern betreibt<br />
Forschung <strong>und</strong> Entwicklung auf dem Gebiet<br />
<strong>in</strong>novativer, anwendungsorientierter Informations-,<br />
Automatisierungs- <strong>und</strong> Systemtechnik<br />
sowie dem Gebiet <strong>der</strong> Energie<strong>in</strong>formatik.<br />
Gesucht wird e<strong>in</strong>e Persönlichkeit aus Wissenschaft<br />
o<strong>der</strong> Industrie, die <strong>in</strong> wesentlichen Themenbereichen<br />
<strong>der</strong> Angewandten Informatik <strong>und</strong><br />
Automatisierungstechnik wissenschaftlich hervorragend<br />
ausgewiesen ist, über die Fähigkeit zur<br />
Führung e<strong>in</strong>es großen Instituts verfügt <strong>und</strong><br />
exzellente Befähigungen für die Lehre hat.<br />
Die Habilitation o<strong>der</strong> habilitationsäquivalente<br />
Leistungen werden vorausgesetzt, <strong>in</strong>dustrielle<br />
Erfahrung ist erwünscht. Es gelten die E<strong>in</strong>stellungsvoraussetzungen<br />
nach § 47 LHG.<br />
Der/Die Stellen<strong>in</strong>haber/-<strong>in</strong> ist als Direktor/-<strong>in</strong> des IAI<br />
verantwortlich für die Beiträge des Instituts <strong>in</strong> Forschungsprogrammen<br />
<strong>der</strong> Helmholtz-Geme<strong>in</strong>schaft,<br />
<strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e <strong>in</strong> den Programmen „Science and<br />
Technology of Nanosystems“ <strong>und</strong> „BioInterfaces<br />
<strong>in</strong> Technology and Medic<strong>in</strong>e“ sowie <strong>in</strong> „Supercomput<strong>in</strong>g<br />
and Big Data“. E<strong>in</strong>e aktive Beteiligung<br />
an <strong>der</strong> strategischen Weiterentwicklung <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />
Ausprägung neuer Forschungsfel<strong>der</strong> <strong>und</strong> <strong>der</strong> E<strong>in</strong>werbung<br />
von Drittmitteln wird erwartet.<br />
Erwartet werden Erfahrungen <strong>und</strong> richtungsweisende<br />
Beiträge <strong>in</strong> <strong>der</strong> <strong>in</strong>genieurwissenschaftlichen<br />
Umsetzung zur Automatisierung neuartiger Verfahren<br />
z. B. <strong>in</strong> <strong>der</strong> Bio- <strong>und</strong> Nanotechnologie sowie<br />
zur Bil<strong>der</strong>kennung <strong>und</strong> -verarbeitung <strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e<br />
bei hohen Durchsätzen. Die daraus resultierenden<br />
Erkenntnisse sollen u. a. genutzt werden, um <strong>in</strong><br />
Innovationen auf den Gebieten <strong>der</strong> Nano- <strong>und</strong><br />
Mikrotechnologien, Biotechnologie, Fertigung <strong>und</strong><br />
Produktion, <strong>der</strong> Optik <strong>und</strong> Photonik, Mechatronik,<br />
Anthropomatik <strong>und</strong> Robotik zu stimulieren.<br />
In <strong>der</strong> Lehre sollen die Studiengänge Masch<strong>in</strong>enbau<br />
<strong>und</strong> Mechatronik <strong>der</strong> KIT-Fakultät für Masch<strong>in</strong>enbau<br />
mit Angeboten aus <strong>der</strong> Mechatronik,<br />
<strong>der</strong> technischen Informatik sowie <strong>der</strong> Automatisierungs-<br />
<strong>und</strong> Regelungstechnik bereichert werden.<br />
Diese Angebote können auch von Hörern an<strong>der</strong>er<br />
Fakultäten wahrgenommen werden.<br />
Das KIT strebt die Erhöhung des Anteils an Professor<strong>in</strong>nen<br />
an <strong>und</strong> begrüßt deshalb die Bewerbung<br />
von Frauen. Schwerbeh<strong>in</strong><strong>der</strong>te Bewerber<strong>in</strong>nen<br />
<strong>und</strong> Bewerber werden bei entsprechen<strong>der</strong> Eignung<br />
bevorzugt berücksichtigt.<br />
Ihre Bewerbung richten Sie bitte mit tabellarischem<br />
Lebenslauf, Darstellung des wissenschaftlichen<br />
<strong>und</strong> beruflichen Werdegangs, Listen <strong>der</strong> wissenschaftlichen<br />
Arbeiten unter Benennung <strong>der</strong> fünf<br />
wichtigsten Publikationen, Lehrportfolio mit Verzeichnis<br />
<strong>der</strong> Lehrveranstaltungen <strong>und</strong> Evaluationen<br />
<strong>der</strong> vergangenen zwei Jahre <strong>in</strong> schriftlicher<br />
<strong>und</strong> elektronischer Form bis zum 15.10.2014 an<br />
das Karlsruher Institut für Technologie (KIT),<br />
KIT-Dekan <strong>der</strong> KIT-Fakultät für Masch<strong>in</strong>enbau,<br />
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Fleischer, Kaiserstr. 12,<br />
76131 Karlsruhe, E-Mail: dekanat@mach.kit.edu.<br />
KIT - Universität des Landes Baden-Württemberg <strong>und</strong><br />
nationales Forschungszentrum <strong>in</strong> <strong>der</strong> Helmholtz-Geme<strong>in</strong>schaft<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
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HAUPTBEITRAG | AUTOMATION 2014<br />
– wie für jede Kläranlage – e<strong>in</strong>e verfahrenstechnische<br />
Herausfor<strong>der</strong>ung dar. Für diesen Aufbereitungsschritt<br />
kommt das Anammox-Verfahren zum E<strong>in</strong>satz, das <strong>in</strong> den<br />
letzten Jahren als e<strong>in</strong> neues im Industriemaßstab umsetzbares<br />
Verfahren bekannt geworden ist. Es ermöglicht die<br />
direkte anaerobe Umsetzung von Ammonium mit Nitrit<br />
zu elementarem Stickstoff. Der Umweg über Nitrat (Nitrifikation)<br />
<strong>und</strong> die stufenweise bakterielle Reduktion zu<br />
Stickstoff (Denitrifikation) ist nicht erfor<strong>der</strong>lich, weshalb<br />
sich das Anammox-Verfahren dazu eignet, den Energiebedarf<br />
für die <strong>Abwasser</strong>re<strong>in</strong>igung signifikant zu senken.<br />
Das Verfahren wird als e<strong>in</strong>stufiger Batchprozess ausgelegt.<br />
Dies zieht erhöhte Anfor<strong>der</strong>ungen an die Messtechnik<br />
<strong>und</strong> die Prozessführung nach sich, da die zu<br />
verwendenden Mikroorganismen <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em engen Temperaturbereich<br />
aktiv s<strong>in</strong>d <strong>und</strong> Stoffwechselabbauprodukte<br />
den Abbauprozess hemmen können. Geeignete<br />
Messgeräte müssen vor allem über e<strong>in</strong>e kurze Ansprechzeit<br />
<strong>und</strong> e<strong>in</strong>e hohe Messpräzision verfügen. Für die Prozessführung<br />
des Anammox-Verfahrens s<strong>in</strong>d die Prozessparameter<br />
Temperatur, Ammoniumkonzentration <strong>und</strong><br />
pH von Bedeutung, da diese den Schaltpunkt von aerober<br />
auf anoxischer Behandlung bestimmen. Ferner ist die<br />
gezielte Abtrennung <strong>der</strong> Anammox-Spezies von <strong>der</strong> übrigen<br />
Biozönose e<strong>in</strong> weiterer wesentlicher Prozessschritt,<br />
<strong>der</strong> für das Schlammalter von hoher Bedeutung ist.<br />
Zur automatisierten Steuerung o<strong>der</strong> Regelung <strong>der</strong><br />
<strong>Abwasser</strong>behandlung s<strong>in</strong>d automatisierte <strong>und</strong> kont<strong>in</strong>uierlich<br />
arbeitende Messgeräte erfor<strong>der</strong>lich, <strong>der</strong>en<br />
Abtastrate <strong>in</strong> Bezug auf die hydraulischen Gegebenheiten<br />
ausreichend hoch se<strong>in</strong> muss. Für e<strong>in</strong>en zuverlässigen<br />
Betrieb ist ferner e<strong>in</strong>e sachgerechte Installation,<br />
Inbetriebnahme <strong>und</strong> Instandhaltung durch geschultes<br />
Personal notwendig.<br />
3.2 Schlammbehandlung <strong>und</strong> Biogas<br />
Die Herausfor<strong>der</strong>ung des Verfahrensmoduls Schlammbehandlung/Biogas<br />
besteht dar<strong>in</strong>, die Stabilität des<br />
Fermentationsprozesses sicherzustellen, während die<br />
Biogasproduktion <strong>und</strong> die Biogasqualität maximiert<br />
werden. Nur so lässt sich e<strong>in</strong> langfristig nachhaltiger<br />
<strong>und</strong> wirtschaftlicher Betrieb <strong>der</strong> anaeroben Vergärungsstufe<br />
des VEZ gewährleisten.<br />
Voraussetzung für e<strong>in</strong>e solche Regelung <strong>und</strong> Optimierung<br />
ist e<strong>in</strong>e MSR-Technik, die es ermöglicht, den Biogasprozess<br />
zuverlässig <strong>und</strong> idealerweise onl<strong>in</strong>e zu beurteilen<br />
<strong>und</strong> zu überwachen. Insbeson<strong>der</strong>e kritische Prozessvariablen,<br />
wie <strong>der</strong> FOS/TAC-Wert (Verhältnis aus<br />
dem Gehalt an flüchtigen organischen Säuren <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />
Carbon<strong>atp</strong>ufferkapazität), <strong>der</strong> als Leitwert für die Regelung<br />
von Biogasanlagen gilt, lässt sich bislang nicht zufriedenstellend<br />
onl<strong>in</strong>e <strong>und</strong> vollautomatisch bestimmen.<br />
Ferner ist für die Regelung <strong>und</strong> Optimierung von Biogasanlagen<br />
Onl<strong>in</strong>e-Messtechnik für die Prozessvariablen<br />
pH-Wert, Redoxpotenzial <strong>und</strong> Trockensubstanzgehalt<br />
(TS) sowie für die Bestimmung <strong>der</strong> Zusammensetzung<br />
<strong>der</strong> Inputstoffe erfor<strong>der</strong>lich, um im Vorh<strong>in</strong>e<strong>in</strong><br />
die Biogasproduktion h<strong>in</strong>sichtlich Menge <strong>und</strong> Qualität<br />
abschätzen zu können. Dies ist beson<strong>der</strong>s bei gemischten<br />
Abfallströmen von großer Bedeutung.<br />
Der Nutzen geeigneter Onl<strong>in</strong>e-Messtechnik liegt <strong>in</strong><br />
<strong>der</strong> Früherkennung von Betriebsproblemen <strong>und</strong> e<strong>in</strong>er<br />
optimierten Anpassung <strong>der</strong> Substratzufuhr <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />
Rühr<strong>in</strong>tervalle <strong>in</strong>nerhalb des Fermenters. Darüber h<strong>in</strong>aus<br />
können auf Basis <strong>der</strong> Messwerte Simulationsmodelle<br />
<strong>der</strong> betreffenden Anlagen kalibriert <strong>und</strong> für die<br />
Entwicklung von optimalen Regelungsstrategien genutzt<br />
werden. Aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong> hohen TS-Gehalte <strong>der</strong> Inputstoffe<br />
sowie des Gärschlammes <strong>in</strong>nerhalb des Fermenters<br />
müssen die Messsonden <strong>und</strong> Armaturen beson<strong>der</strong>s<br />
robust <strong>und</strong> wartungsarm se<strong>in</strong>. Insbeson<strong>der</strong>e<br />
Fremdstoffe, wie kle<strong>in</strong>e Ste<strong>in</strong>e <strong>und</strong> Glassplitter, kommen<br />
häufig vor <strong>und</strong> können die e<strong>in</strong>gesetzte MSR-Technik<br />
b<strong>in</strong>nen kurzer Zeit beschädigen. Ferner können<br />
hohe Konzentrationen an Ammoniak <strong>und</strong> Schwefelwasserstoff<br />
zu e<strong>in</strong>er Vergiftung <strong>der</strong> Sensoren führen,<br />
was häufige Kalibrierungen <strong>und</strong> Justierungen sowie<br />
regelmäßige Instandhaltungsmaßnahmen zur Folge<br />
hat. Darüber h<strong>in</strong>aus spielen die Investitions- <strong>und</strong> Betriebskosten<br />
e<strong>in</strong>e große Rolle, die meist nur <strong>in</strong> Verb<strong>in</strong>dung<br />
mit Aussicht auf e<strong>in</strong>e optimierte Substratzufuhr<br />
als vertretbar akzeptiert werden.<br />
3.3 Brauchwassernetz<br />
Die qualitativen Anfor<strong>der</strong>ungen an Brauchwasser s<strong>in</strong>d<br />
gr<strong>und</strong>sätzlich ger<strong>in</strong>ger als die an Tr<strong>in</strong>kwasser. Nichtsdestotrotz<br />
muss jede Form von Brauchwasser unbedenklich<br />
nutzbar se<strong>in</strong> <strong>und</strong> als potenzielle Quelle von Risiken<br />
ausgeschlossen werden. Im Gegensatz zu den Bed<strong>in</strong>gungen<br />
<strong>in</strong> Deutschland, bei denen für Water re-use ke<strong>in</strong>e<br />
gesetzlichen Randbed<strong>in</strong>gungen – mit Ausnahme <strong>der</strong><br />
Tr<strong>in</strong>kwasserverordnung – festgelegt s<strong>in</strong>d, regelt Ch<strong>in</strong>a<br />
die Anfor<strong>der</strong>ungen an die <strong>Abwasser</strong>wie<strong>der</strong>verwendung<br />
für verschiedene Nutzungsmöglichkeiten gesetzlich [2].<br />
An die Verteilung des gere<strong>in</strong>igten <strong>Abwasser</strong>s vom E<strong>in</strong>speisepunkt<br />
am Ausgang des VEZ bis zu den Entnahmestellen<br />
bei den Verbrauchern werden hohe Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
gestellt, da das Brauchwasser für die angestrebte<br />
Nutzung als Toilettenspülwasser beim Transport <strong>in</strong> die<br />
Wohnstätten <strong>in</strong> hygienisch e<strong>in</strong>wandfreier Form vorliegen<br />
muss. So muss für alle Anwendungen <strong>der</strong> Restchlorgehalt<br />
nach 30-m<strong>in</strong>ütiger Kontaktzeit m<strong>in</strong>destens 1 mg/l<br />
betragen, <strong>und</strong> am Ende <strong>der</strong> Leitung muss e<strong>in</strong> Restgehalt<br />
von m<strong>in</strong>destens 0,2 mg/l Chlor vorliegen. Diese For<strong>der</strong>ung<br />
bed<strong>in</strong>gt e<strong>in</strong>erseits e<strong>in</strong>e Des<strong>in</strong>fektion des aufbereiteten<br />
Grauwassers vor dem E<strong>in</strong>speisen <strong>in</strong> das Netz. An<strong>der</strong>erseits<br />
muss im Brauchwassernetz an jedem Punkt<br />
<strong>und</strong> zu je<strong>der</strong> Zeit e<strong>in</strong>e ausreichend hohe Des<strong>in</strong>fektionskapazität<br />
vorhanden se<strong>in</strong>, damit die hygienischen<br />
Grenzwerte an den Entnahmestellen e<strong>in</strong>gehalten werden.<br />
Damit müssen die Regelung <strong>der</strong> Des<strong>in</strong>fektionsmitteldosierung<br />
<strong>und</strong> die E<strong>in</strong>stellung e<strong>in</strong>er ausreichenden<br />
Des<strong>in</strong>fektionsmitteldepotwirkung an die spezifischen<br />
Gegebenheiten des Brauchwassernetzes <strong>und</strong> die Chlorzehrungseigenschaften<br />
des Mediums angepasst se<strong>in</strong>.<br />
Wie aus <strong>der</strong> Übersichtskarte <strong>in</strong> Bild 3 hervorgeht, ist<br />
das Brauchwassernetz (Länge etwa 3 km) r<strong>in</strong>gförmig angelegt.<br />
Insgesamt s<strong>in</strong>d drei Übergabepunkte vorgesehen,<br />
an denen die E<strong>in</strong>speisung des Brauchwassers zum Teil<br />
über Stichleitungen <strong>in</strong> die Gebäude<strong>in</strong>stallation erfolgt.<br />
32<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
BILD 3: Darstellung<br />
des WHE-Geländes<br />
mit Kennzeichnung<br />
<strong>der</strong> Brauchwasserleitungen<br />
(rote L<strong>in</strong>ien)<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong> Übergabepunkte<br />
<strong>in</strong> die Gebäude<br />
(blaue Kreise mit<br />
Beschriftung)<br />
BILD 4: Ergebnisse des<br />
LSR-basierten Soft-<br />
Sensors für CSB<br />
auf Tra<strong>in</strong><strong>in</strong>gs- <strong>und</strong><br />
Validierungsdaten<br />
(Quelle: C. Wolf, Gummersbach<br />
Environmental<br />
Comput<strong>in</strong>g Center, FH Köln,<br />
unveröffentlichte Ergebnisse)<br />
BILD 5: Ergebnisse des<br />
SVR-basierten Soft-<br />
Sensors für CSB<br />
auf Tra<strong>in</strong><strong>in</strong>gs- <strong>und</strong><br />
Validierungsdaten<br />
(Quelle: C. Wolf, Gummersbach<br />
Environmental<br />
Comput<strong>in</strong>g Center, FH Köln,<br />
unveröffentlichte Ergebnisse)<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
33
HAUPTBEITRAG | AUTOMATION 2014<br />
Bei <strong>der</strong> Dimensionierung des Netzes wurde von e<strong>in</strong>em<br />
mittleren stündlichen Brauchwasserbedarf von etwa<br />
8 m³/h <strong>und</strong> e<strong>in</strong>em Spitzenbedarf von etwa 30 m³/h ausgegangen.<br />
Die angeschlossene E<strong>in</strong>wohnerzahl beträgt etwa<br />
6000 mit e<strong>in</strong>em spezifischen Bedarf von 33 l/E<strong>in</strong>wohner/Tag,<br />
sodass sich e<strong>in</strong> Tagesbedarf von etwa 198 m³/Tag<br />
ergibt. Da die Grauwasseraufbereitung für etwa 720 m³/Tag<br />
ausgelegt ist, wird weniger Brauchwasser entnommen<br />
als produziert.<br />
4. LÖSUNGSANSÄTZE FÜR DIE MSR-TECHNIK<br />
Bei <strong>der</strong> Schwarzwasseraufbereitung ist die Messung des<br />
chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB) als Parameter für<br />
die Belastung des <strong>Abwasser</strong>s mit organischen Stoffen<br />
für die Optimierung <strong>und</strong> Regelung <strong>der</strong> Abbauprozesse<br />
entscheidend. Allerd<strong>in</strong>gs liefern die gängigen Methoden<br />
zur CSB-Bestimmung entwe<strong>der</strong> nur zeitlich punktuelle<br />
Information (manuelle Probenahme <strong>und</strong> manuelle Analyse<br />
im Labor als 24-St<strong>und</strong>en-Mischprobe) o<strong>der</strong> sie s<strong>in</strong>d<br />
apparativ vergleichsweise aufwändig <strong>und</strong> kosten<strong>in</strong>tensiv<br />
(Onl<strong>in</strong>e-Messtechnik mit nasschemischen Analysatoren<br />
o<strong>der</strong> mit spektroskopischen Sensoren).<br />
E<strong>in</strong>e kostengünstige Alternative s<strong>in</strong>d Soft-Sensoren,<br />
die auf <strong>der</strong> Basis von Standardmesstechnik, vor allem<br />
für Trübung sowie für Ammonium- <strong>und</strong> Nitratstickstoff,<br />
die aktuelle CSB-Konzentration im Kläranlagenzulauf<br />
bestimmen. Zur Entwicklung solcher Soft-Sensoren<br />
werden Regressionsmethoden aus dem Bereich<br />
des Mach<strong>in</strong>e Learn<strong>in</strong>g e<strong>in</strong>gesetzt.<br />
Erste Ergebnisse e<strong>in</strong>er Entwicklungs- <strong>und</strong> Testphase,<br />
die von Gecoc mit Unterstützung von Endress+Hauser<br />
an <strong>der</strong> Kläranlage Rospe <strong>in</strong> Gummersbach durchgeführt<br />
wurden, zeigen, dass die Werte des Soft-Sensors<br />
sehr gut mit den herkömmlich ermittelten CSB-Messdaten<br />
übere<strong>in</strong>stimmen, siehe Bild 4 <strong>und</strong> 5.<br />
Als Datensätze liegen die Werte von Messgrößen zugr<strong>und</strong>e,<br />
die im Kläranlagenzulauf bestimmt worden s<strong>in</strong>d,<br />
nämlich Durchfluss, Temperatur, pH, Leitfähigkeit <strong>und</strong><br />
Trübung (im Beitrag als st Zulauf bezeichnet). Diese Tra<strong>in</strong><strong>in</strong>gsdatensätze<br />
s<strong>in</strong>d von beson<strong>der</strong>em Interesse, da sie<br />
bis auf die Trübungsmessung auf Messgrößen beruhen,<br />
die auf den meisten Kläranlagen standardmäßig ermittelt<br />
werden. Die Onl<strong>in</strong>e-Trübungsmessung kann jedoch im<br />
Bedarfsfall kostengünstig nachgerüstet werden.<br />
Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass bei den<br />
Tra<strong>in</strong><strong>in</strong>gs- <strong>und</strong> den Validierungsdaten e<strong>in</strong>e gute bis<br />
sehr gute Übere<strong>in</strong>stimmung <strong>der</strong> Kurvenverläufe feststellbar<br />
ist. Dabei liefern die Standardregressionsverfahren<br />
<strong>der</strong> l<strong>in</strong>earen Regression, <strong>der</strong> multiplen normalen<br />
Regression <strong>und</strong> <strong>der</strong> Least Squares Regression (LSR)<br />
gleich gute Ergebnisse mit e<strong>in</strong>em Root Mean Square<br />
Error (RMSE) von 4,98 <strong>und</strong> e<strong>in</strong>er Korrelation von 0,88<br />
auf die Validierungsdaten. Im Vergleich dazu bildet<br />
die Support Vektor Regression (SVR) den Kurvenverlauf<br />
<strong>der</strong> Validierungsdaten deutlich präziser ab (RMSE<br />
= 3,67; Korrelation = 0,94).<br />
Auffällig ist, dass alle Regressionsverfahren bei den<br />
Tra<strong>in</strong><strong>in</strong>gsdaten deutliche Konzentrationsspitzen prädiktieren,<br />
die so nicht <strong>in</strong> den Orig<strong>in</strong>aldaten zu f<strong>in</strong>den<br />
s<strong>in</strong>d <strong>und</strong> bei bei den Validierungsdaten nicht auftreten.<br />
E<strong>in</strong>e Ursache für diese extremen CSB-Spitzen bei den<br />
Tra<strong>in</strong><strong>in</strong>gsdaten konnte bislang nicht ermittelt werden.<br />
Abschließend ist festzuhalten, dass basierend auf den<br />
Messergebnissen von Standardmesstechnik e<strong>in</strong> gut<br />
funktionieren<strong>der</strong> Soft-Sensor für die Prädiktion <strong>der</strong><br />
CSB-Konzentrationen entwickelt werden kann. E<strong>in</strong> solcher<br />
Soft-Sensor liefert kostengünstig zusätzliche Prozess<strong>in</strong>formation,<br />
die für die nachgeschalteten Regelungen<br />
genutzt werden kann. Diese Methodik soll zur<br />
CSB-Bestimmung im Schwarzwassermodul des VEZ<br />
angewendet werden. Darauf aufbauend lassen sich vorausschauende<br />
Regelungskonzepte für die Nitrifikation<br />
<strong>und</strong> Denitrifikation entwickeln.<br />
4.1 Regelung <strong>der</strong> Substratzufuhr<br />
E<strong>in</strong>e Biogasanlage lässt sich <strong>in</strong> erster L<strong>in</strong>ie durch die<br />
Substratzufuhr steuern <strong>und</strong> regeln. E<strong>in</strong> Konzept zur<br />
Optimierung <strong>und</strong> Regelung des Fermentationsprozesses<br />
im VEZ muss daher darauf ausgerichtet se<strong>in</strong>, die<br />
Substratbeschickung so zu regeln, dass e<strong>in</strong>e optimale<br />
Biogasproduktion bei hoher Prozessstabilität erreicht<br />
wird. Hierfür kommen unterschiedliche methodische<br />
Ansätze <strong>in</strong> Betracht, die im Rahmen des Projektes evaluiert<br />
<strong>und</strong> für das VEZ optimiert werden.<br />
E<strong>in</strong>erseits werden zur Fütterungsoptimierung dynamische<br />
Simulationsmodelle e<strong>in</strong>gesetzt, die neue Möglichkeiten<br />
zur Regelung von komplexen Prozessen bieten. So<br />
kann mit Hilfe e<strong>in</strong>es dynamischen Simulationsmodells<br />
auf Basis des Anaerobic Digestion Model No. 1 (ADM1)<br />
e<strong>in</strong>e komplette Biogasanlage am Rechner abgebildet <strong>und</strong><br />
simuliert werden [3]. Dies ermöglicht es, unterschiedliche<br />
Substratbeschickungen zu betrachten <strong>und</strong> die Auswirkungen<br />
auf den Anlagenbetrieb abzuschätzen. Schließlich<br />
kann so e<strong>in</strong>e optimale Substratzufuhr für den aktuellen<br />
Betriebszustand <strong>der</strong> Anlage bestimmt werden.<br />
An<strong>der</strong>erseits kommen Simulationsmodelle zur vorausschauenden<br />
Regelung von Anlagen zum E<strong>in</strong>satz. Diese<br />
Modelle werden als Model Predictive Control (MPC) bezeichnet<br />
[4]. Das Funktionspr<strong>in</strong>zip ist <strong>in</strong> Bild 6 veranschaulicht.<br />
Demnach wird auf Basis von Onl<strong>in</strong>e-Messwerten<br />
<strong>der</strong> aktuelle Betriebszustand <strong>der</strong> Biogasanlage mit<br />
e<strong>in</strong>em Zustandsschätzer bestimmt. Dieser Anlagenzustand<br />
wird dann <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em dynamischen Simulations modell <strong>der</strong><br />
Anlage benutzt, um verschiedente Substratbeschickungen<br />
zu testen <strong>und</strong> die optimale Substratzufuhr zu ermitteln.<br />
Dafür können verschiedene Gütekriterien def<strong>in</strong>iert werden.<br />
Auf diese Weise kann e<strong>in</strong> nachhaltiges Fütterungsregime<br />
für Biogasanlagen umgesetzt werden, da auch bei<br />
wechseln<strong>der</strong> Verfügbarkeit von Substraten automatisch<br />
auf ideale Alternativen gewechselt werden kann, sodass<br />
e<strong>in</strong> kont<strong>in</strong>uierlicher Anlagenbetrieb auf hohem Niveau<br />
erreicht wird.<br />
In Bild 7 wird die Regelung des Substratmixes mit<br />
wechseln<strong>der</strong> Substratverfügbarkeit beispielhaft für e<strong>in</strong>e<br />
landwirtschaftliche Biogasanlage visua lisiert. Als Regler<br />
wird <strong>der</strong> oben genannte NMPC genutzt, welcher den<br />
optimalen Substratmixverlauf für e<strong>in</strong> validiertes Simulationsmodell<br />
bestimmt [5].<br />
Zu Simulationsbeg<strong>in</strong>n ist <strong>der</strong> Substratmix nicht optimal,<br />
was durch die schlechten Werte des festgelegten<br />
34<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
Dynamisches Simulationsmodell<br />
(Nonl<strong>in</strong>ear Model Predictive Control, NMPC)<br />
Optimierungsmethode<br />
Gütefunktion <strong>und</strong><br />
Randbed<strong>in</strong>gungen<br />
Optimierung<br />
<strong>der</strong><br />
Substratzufuhr!<br />
Biogasanlage<br />
BILD 6: Schematische Darstellung <strong>der</strong><br />
Funktionsweise des NMPC zur Regelung<br />
von Biogasanlagen.<br />
Modell <strong>der</strong> Biogasanlage<br />
onl<strong>in</strong>e<br />
Messdaten<br />
Bestimmung des<br />
aktuellen Anlagenzustandes<br />
(Zustandsschätzer)<br />
BILD 7: Beispielhafte Darstellung <strong>der</strong> Regelung<br />
<strong>der</strong> Substratzufuhr e<strong>in</strong>er Biogasanlage [6]<br />
BILD 8: Multiparameter-<br />
Messsystem zur kont<strong>in</strong>uierlichen<br />
Überwachung<br />
des Brauchwassernetzes.<br />
Wesentliche Komponenten:<br />
Zulaufstutzen mit Ventil<br />
<strong>und</strong> Druckm<strong>in</strong><strong>der</strong>er (1),<br />
Blasenfalle mit Entlüftungsventil<br />
<strong>und</strong> Steigrohr<br />
(2), SAK-Sonde mit<br />
Armatur (3), Trübungssonde<br />
mit Armatur (4), Multisensormodul<br />
für pH, Chlor <strong>und</strong><br />
Redox mit Armatur (5),<br />
Durchflussmesser (6),<br />
Ablaufstutzen mit<br />
Belüftungsventil (7) <strong>und</strong><br />
Multikanaltrans mitter (8)<br />
Gütekriteriums ausgedrückt wird. Im Diagramm s<strong>in</strong>d die<br />
Werte des Gütekriteriums durch die Farbgebung <strong>der</strong> Bildpunkte<br />
gekennzeichnet. Die Steuerung regelt die Biogasanlage<br />
automatisch, sodass schließlich e<strong>in</strong> optimaler<br />
Substratmix aus Gülle <strong>und</strong> Maissilage erreicht wird. Dabei<br />
symbolisiert jedes Quadrat e<strong>in</strong> durch den Regler evaluiertes<br />
Substratgemisch.<br />
Das Konzept zur optimalen Substratregelung von Biogasanlagen<br />
mit vorausschauenden Modellen MPC zeigt,<br />
dass sich mit Hilfe vorhandener Messtechnik <strong>der</strong> Anlagenbetrieb<br />
nachhaltig optimieren lässt. Wie das Beispiel<br />
zeigt, kann dadurch e<strong>in</strong>e deutliche Effizienzsteigerung<br />
des Anlagenbetriebs erreicht werden. Diese<br />
Methodik wird <strong>der</strong>zeit an die Biogasanlage des VEZ<br />
angepasst <strong>und</strong> soll während des Verb<strong>und</strong>vorhabens<br />
dort zum E<strong>in</strong>satz kommen.<br />
4.2 Qualitätsmonitor<strong>in</strong>g Brauchwasser<br />
Während des Transports des Brauchwassers im Netz kann<br />
durch unterschiedliche Mechanismen e<strong>in</strong> Verbrauch an<br />
Des<strong>in</strong>fektionsmittel stattf<strong>in</strong>den, sodass e<strong>in</strong>e Gefährdung<br />
<strong>der</strong> Nutzung <strong>der</strong> Ressource Brauchwasser durch Wie<strong>der</strong>verkeimung<br />
nicht ausgeschlossen werden darf. Daher ist<br />
für Systeme, die Brauchwasser nutzen, e<strong>in</strong> Risikomanagement<br />
obligatorisch, das unter an<strong>der</strong>em darauf abzielt,<br />
geeignete Konzepte für die Qualitätsüberwachung sowie<br />
Qualitätssicherung <strong>und</strong> Maßnahmenpläne für den Fall<br />
<strong>der</strong> Nichte<strong>in</strong>haltung von Grenzwerten bereitzustellen. Die<br />
Entwicklung von Instrumenten <strong>und</strong> Methoden für das<br />
betriebliche Qualitätsmanagement s<strong>in</strong>d wesentlicher Bestandteil<br />
des MSR-Konzeptes. Im Rahmen des Verb<strong>und</strong>projektes<br />
werden zwei Aspekte verfolgt.<br />
Erstens wurde für die Qualitätsüberwachung des<br />
Brauchwassers an den Übergabepunkten e<strong>in</strong>e an die<br />
jeweilige Messstelle angepasste Multiparameter-Messstation<br />
als Systemlösung konzipiert. Der schematische<br />
Aufbau geht aus Bild 7 hervor. Solche Messsysteme<br />
sollen künftig e<strong>in</strong>gesetzt werden, um die E<strong>in</strong>haltung<br />
<strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ung an die Chlorkonzentration (≥ 0,2 mg/l<br />
freies Chlor) kont<strong>in</strong>uierlich zu überwachen <strong>und</strong> verschmutzungsrelevante<br />
Parameter, wie zum Beispiel die<br />
Trübung, den spektralen Absorptionskoeffizienten, den<br />
pH-Wert, die Temperatur <strong>und</strong> die Leitfähigkeit als Qualitätsparameter<br />
aufzuzeichnen. Nach erfolgter Inbetriebnahme<br />
<strong>und</strong> Betriebsbewährung sollen die Multiparameter-Messsysteme<br />
<strong>in</strong> den Regelbetrieb übernommen <strong>und</strong><br />
für Steuerungs- beziehungsweise Regelungsaufgaben<br />
e<strong>in</strong>gesetzt werden, vor allem um die E<strong>in</strong>haltung <strong>der</strong><br />
Grenzwerte zu überwachen <strong>und</strong> bei Grenzwert überschreitungen<br />
auf Tr<strong>in</strong>kwasser umzuschalten.<br />
Zweitens wurde auf Basis <strong>der</strong> Planungsdaten e<strong>in</strong><br />
Rohrnetzmodell erstellt, das zusätzlich zur re<strong>in</strong> hydraulischen<br />
Betrachtung mit dem Chlorzehrungsverhalten<br />
verknüpft wurde, um e<strong>in</strong>e Aussage bezüglich des zeitlichen<br />
Profils <strong>der</strong> Restchlorkonzentration zu treffen <strong>und</strong><br />
daraus das Wie<strong>der</strong>verkeimungspotenzial abschätzen zu<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
35
HAUPTBEITRAG | AUTOMATION 2014<br />
AUTOREN<br />
Dr. ACHIM GAHR (geb. 1965) studierte<br />
Chemie an <strong>der</strong> Technischen Universität<br />
München <strong>und</strong> promovierte auf den<br />
Gebieten Chemische Analytik <strong>und</strong><br />
<strong>Wasser</strong>aufbereitungstechnologien. Nach<br />
se<strong>in</strong>er Zeit als Wissenschaftler war Gahr<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> Messtechnikbranche im Bereich<br />
F&E tätig. Seit 2005 ist er bei<br />
Endress+Hauser beschäftigt <strong>und</strong> arbeitet<br />
heute als Bus<strong>in</strong>ess Development Manager Environmental.<br />
Hauptarbeitsgebiete: Akquise <strong>und</strong> Management nationaler<br />
<strong>und</strong> <strong>in</strong>ternationaler Leitprojekte für die Strategie <strong>Wasser</strong>/<br />
<strong>Abwasser</strong>/Umwelt, Entwicklung von Systemkonzepten <strong>und</strong><br />
-lösungen für Megatrends, Ausbau des strategischen Geschäftsfeldes<br />
für die Umweltbranche.<br />
Endress+Hauser Conducta GmbH + Co. KG,<br />
Dieselstraße 24, D-70839 Gerl<strong>in</strong>gen,<br />
Tel. +49 (0) 7156 20 93 73, E-Mail: achim.gahr@conducta.endress.com<br />
Dr. CHRISTIAN WOLF (geb. 1981) studierte<br />
Elektrotechnik mit Schwerpunkt Automatisierung<br />
<strong>und</strong> Industrial IT an <strong>der</strong><br />
Fachhochschule Köln <strong>und</strong> promovierte<br />
an <strong>der</strong> National University of Ireland<br />
Maynooth zum Thema „Simulation,<br />
Optimization and Instrumentation of<br />
Agricultural Biogas Plants“. Seit 2013<br />
arbeitet er am Gummersbach Environmental<br />
Comput<strong>in</strong>g Center <strong>der</strong> FH Köln. Hauptarbeitsgebiete:<br />
Instrumentierung <strong>und</strong> Regelung umwelttechnischer Prozesse<br />
<strong>und</strong> E<strong>in</strong>satz von Methoden aus den Bereichen <strong>der</strong> multivariaten<br />
Datenanalyse, des Mach<strong>in</strong>e Learn<strong>in</strong>gs <strong>und</strong> <strong>der</strong> Computational<br />
Intelligence.<br />
Fachhochschule Köln,<br />
Gummersbach Environmental Comput<strong>in</strong>g Center,<br />
Ste<strong>in</strong>müllerallee 1, D-51643 Gummersbach,<br />
Tel. +49 (0) 2261 81 96 64 34, E-Mail: christian.wolf@fh-koeln.de<br />
Dipl.-Ing. PETER KERN M. Sc. (geb. 1977)<br />
studierte Elektrotechnik mit Schwerpunkt<br />
Automatisierung <strong>und</strong> Industrial IT an <strong>der</strong><br />
Fachhochschule Köln <strong>und</strong> im Fachgebiet<br />
regenerative Energienutzung am Institut<br />
für Technologie <strong>in</strong> den Tropen. Derzeit<br />
promoviert er an <strong>der</strong> National University<br />
of Ireland Maynooth zum Thema „Computational<br />
Intelligence Techniques for<br />
Control and Optimization of Wastewater Treatment Plants“.<br />
Fachhochschule Köln,<br />
Gummersbach Environmental Comput<strong>in</strong>g Center,<br />
Ste<strong>in</strong>müllerallee 1, D-51643 Gummersbach,<br />
Tel. +49 (0) 2261 81 96 64 34, E-Mail: peter.kern@fh-koeln.de<br />
können. Mit Vorgabe e<strong>in</strong>er Chlorkonzentration am E<strong>in</strong>speisepunkt<br />
von 1 mg/l <strong>und</strong> mit Berücksichtigung <strong>der</strong><br />
Chlorzehrung im Des<strong>in</strong>fektions- <strong>und</strong> Ablaufbecken des<br />
Grauwassermoduls kann mit Hilfe des erweiterten<br />
Rohrnetzmodells <strong>in</strong> Abhängigkeit von <strong>der</strong> produzierten<br />
Brauchwassermenge diejenige Menge an Des<strong>in</strong>fektionsmittel<br />
ermittelt werden, die für e<strong>in</strong>e ausreichende Des<strong>in</strong>fektion<br />
an <strong>der</strong> Dosierstelle dem Brauchwasser h<strong>in</strong>zugegeben<br />
werden muss. Die Auslegung wurde für Natriumhypochlorit<br />
als Des<strong>in</strong>fektionsmittel mit unterschiedlichen<br />
Aktivchlorgehalten durchgeführt. Demnach<br />
wird für e<strong>in</strong>e sichere Des<strong>in</strong>fektion des Brauchwassernetzes<br />
bei e<strong>in</strong>er Produktionskapazität von 83 m 3 /Tag je<br />
nach Aktivchlorgehalt (4 bis 20 %) e<strong>in</strong>e Des<strong>in</strong>fektionsmittelmenge<br />
zwischen 11 <strong>und</strong> 55 kg pro Tag benötigt.<br />
Das dynamische Rohrnetzmodell soll schließlich validiert<br />
<strong>und</strong> gegebenenfalls angepasst werden, damit es für<br />
die Onl<strong>in</strong>e-Simulation <strong>der</strong> Chlorzehrung <strong>und</strong> des Wie<strong>der</strong>verkeimungsrisikos<br />
entlang <strong>der</strong> Transportstrecke des<br />
Brauchwassers im Netz e<strong>in</strong>gesetzt werden kann. Damit<br />
soll während des Betriebs die Brauchwasserqualität an<br />
den Entnahmestellen kont<strong>in</strong>uierlich vorhergesagt <strong>und</strong> zur<br />
Steuerung von Gegenmaßnahmen verwendet werden.<br />
Ferner soll zukünftig untersucht werden, ob sich das<br />
Wie<strong>der</strong>verkeimungsrisiko als Qualitäts<strong>in</strong>dex aus direkt<br />
bestimmbaren Messgrößen ableiten lässt (zum Beispiel<br />
aus den Nährstoffparametern Ammonium <strong>und</strong> ortho-<br />
Phosphat, dem spektralen Absorptionskoefffizienten als<br />
Verschmutzungs<strong>in</strong>dikator, <strong>der</strong> Temperatur, <strong>der</strong> Leitfähigkeit<br />
<strong>und</strong> dem Chlorgehalt). Hierzu sollen die Datensätze<br />
<strong>der</strong> Multiparameter-Messstation zugr<strong>und</strong>e gelegt<br />
<strong>und</strong> mit Hilfe von <strong>in</strong>telligenten Methoden ausgewertet<br />
werden, um abschließend zu evaluieren, ob für die Bestimmung<br />
des hygienischen Zustands des Brauchwassernetzes<br />
e<strong>in</strong> Soft-Sensor entwickelt werden kann.<br />
ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK<br />
Semizentrale, <strong>in</strong>tegrierte Infrastruktursysteme ermöglichen<br />
e<strong>in</strong>e zukunftsorientierte Ver- <strong>und</strong> Entsorgung<br />
REFERENZEN<br />
[1] Bieker, S., Cornel, P., Wagner, M.: Semicentralised supply and<br />
treatment systems: <strong>in</strong>tegrated <strong>in</strong>frastructure solutions for<br />
fast grow<strong>in</strong>g urban areas. Water Science & Technology 61(11),<br />
S. 2905-2913, 2010<br />
[2] GBT 18920-2002: The reuse of urban recycl<strong>in</strong>g water –<br />
Water quality standard for urban miscellaneous water consumption,<br />
Dezember 2002, http://www.cn-standard.net/<br />
[3] Batstone, D.J., Keller, J., Angelidaki, I., Kalyuzhnyi, S.V.,<br />
Pavlostathis, S.G., Rozzi, A., San<strong>der</strong>s, W.T.M., Siegrist, H.,<br />
Vavil<strong>in</strong>, V.A.: Anaerobic digestion model no. 1 (ADM1).<br />
In: Scientific and Technical Report No. 13. IWA Task Group for<br />
Mathematical Modell<strong>in</strong>g of Anaerobic Digestion Processes<br />
(ed.) IWA Publish<strong>in</strong>g, London 2002<br />
36<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
www.<strong>atp</strong>-<strong>edition</strong>.de<br />
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von <strong>Wasser</strong> <strong>und</strong> <strong>Abwasser</strong> <strong>in</strong> schnell wachsenden<br />
urbanen Räumen. Mit <strong>der</strong> Realisierung des weltweit<br />
ersten Ver- <strong>und</strong> Entsorgungszentrums ist e<strong>in</strong> Verb<strong>und</strong>vorhaben<br />
verknüpft, dessen Zielsetzung <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />
Optimierung <strong>und</strong> Weiterentwicklung des semizentralen<br />
Konzeptes liegt. Die Validierung <strong>der</strong> Stoff<strong>und</strong><br />
Energieströme, die Übertragbarkeit des Ansatzes<br />
auf an<strong>der</strong>e Standorte <strong>und</strong> die Prozessoptimierung<br />
unter den Gesichtspunkten Betriebsstabilität,<br />
Energieeffizienz <strong>und</strong> Ressourcenschonung spielen<br />
e<strong>in</strong>e wesentliche Rolle.<br />
Für die zukünftige MSR-Technik <strong>und</strong> Prozessautomatisierung<br />
leiten sich Entwicklungsanfor<strong>der</strong>ungen<br />
ab. So wurde beispielhaft aufgezeigt, dass e<strong>in</strong> Soft-<br />
Sensor für die CSB-Bestimmung, e<strong>in</strong> Modell zur vorausschauenden<br />
Regelung des Biogas-Moduls <strong>und</strong> die<br />
dynamische Simulation des Brauchwassernetzes geeignete<br />
Werkzeuge s<strong>in</strong>d, um e<strong>in</strong>en ökonomischen <strong>und</strong><br />
sicheren Betrieb des VEZ zu gewährleisten.<br />
DANKSAGUNG<br />
MANUSKRIPTEINGANG<br />
30.06.2014<br />
Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />
Die Referenzklasse für die<br />
Automatisierungstechnik<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong> ist das Fachmagaz<strong>in</strong> für die Automatisierungstechnik.<br />
Die Qualität <strong>der</strong> wissenschaftlichen Hauptbeiträge<br />
sichert e<strong>in</strong> strenges Peer-Review-Verfahren. Bezug zur<br />
automatisierungstechnischen Praxis nehmen außerdem<br />
die kurzen Journalbeiträge aus <strong>der</strong> Fertigungs- <strong>und</strong> Prozessautomatisierung.<br />
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Wird danken dem B<strong>und</strong>esm<strong>in</strong>isterium für Bildung<br />
<strong>und</strong> Forschung (BMBF) für die f<strong>in</strong>anzielle Unterstützung<br />
<strong>der</strong> Teilprojekte (För<strong>der</strong>kennzeichen<br />
02WCL1215C <strong>und</strong> 02WCL1266C), dem Institut IWAR<br />
des Fachgebietes <strong>Abwasser</strong>technik <strong>der</strong> Technischen<br />
Universität Darmstadt für die Fe<strong>der</strong>führung<br />
des Verb<strong>und</strong>vorhabens <strong>und</strong> für die Möglichkeit<br />
als Projektpartner daran teilhaben zu können,<br />
<strong>der</strong> Forschungsgruppe Gummersbach Environmental<br />
Comput<strong>in</strong>g Center (Gecoc) <strong>der</strong> Fachhochschule<br />
Köln für die Kooperation auf dem Gebiet<br />
<strong>der</strong> Regelungstechnik sowie dem Rhe<strong>in</strong>isch-Westfälischen<br />
Institut für <strong>Wasser</strong> (IWW) für die Unterstützung<br />
bei <strong>der</strong> Rohrnetzmodellierung.<br />
[4] Gaida, D., Wolf, C., Meyer, C., Stuhlsatz, A., Lippel, J.,<br />
Bäck, T., Bongards, M., McLoone, S.: State estimation<br />
for anaerobic digesters us<strong>in</strong>g the ADM1. Water Science<br />
& Technology, 66 (5), p. 1088 - 1095, 2012<br />
[5] Gaida, D., Sousa Brito, A.L., Wolf, C., Bäck, T., Bongards,<br />
M., McLoone, S.: Optimal control of biogas plants us<strong>in</strong>g<br />
nonl<strong>in</strong>ear model predictive control.<br />
In: IET Irish Signals and Systems Conference 2011<br />
(ISSC 2011), S. 219 - 224, Dubl<strong>in</strong>, 2011<br />
[6] Wolf, C., Gaida, D., Bongards, M..: Steuerungs- <strong>und</strong><br />
Regelungskonzepte für landwirtschaftliche Biogasanlagen.<br />
In: Biogas <strong>in</strong> <strong>der</strong> Landwirtschaft – Stand <strong>und</strong><br />
Perspektiven Vol. 3, S. 225 – 234, Kassel, 2013<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong> ersche<strong>in</strong>t <strong>in</strong> <strong>der</strong> DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München
HAUPTBEITRAG<br />
Anfor<strong>der</strong>ungs <strong>und</strong><br />
TestfallCodesign<br />
Formalisierung <strong>und</strong> Testfall-Generierung <strong>in</strong> <strong>der</strong> Praxis<br />
Durch den verstärkten E<strong>in</strong>satz von Software <strong>in</strong> mechatronischen Systemen <strong>und</strong> die<br />
hohen Anfor<strong>der</strong>ungen an die Qualität <strong>der</strong>selben, müssen Entwicklungsprozesse bei<br />
<strong>der</strong> mechatronischen Produkt beziehungsweise Geräteentwicklung angepasst werden,<br />
um dem <strong>in</strong>terdiszipl<strong>in</strong>ären Charakter <strong>in</strong> <strong>der</strong> Entwicklung zu entsprechen. In<br />
diesem Beitrag wird e<strong>in</strong>e Untersuchung von aktuellen Vorgehensweisen <strong>und</strong> den<br />
sich daraus ableitenden Herausfor<strong>der</strong>ungen an das Anfor<strong>der</strong>ungs <strong>und</strong> Testmanagement<br />
vorgestellt. Ferner wird e<strong>in</strong> Konzept zur <strong>in</strong>tegrierten Modellierung <strong>und</strong> Spezifikation<br />
von Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>und</strong> Testfällen vorgestellt. Fazit: E<strong>in</strong>e Formalisierung<br />
von Anfor<strong>der</strong>ungen bis h<strong>in</strong> zu semiformalen Anfor<strong>der</strong>ungen ermöglicht bei <strong>der</strong><br />
Spezifikation e<strong>in</strong>e automatische Generierung von Testfällen.<br />
SCHLAGWÖRTER Anfor<strong>der</strong>ungs- <strong>und</strong> Testmanagement / Mechatronische Systeme /<br />
Formalisierung von Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
Requirement and Test Case Co-Design –<br />
Semi-Formalization and Test Case Generation <strong>in</strong> Practice<br />
Due to the <strong>in</strong>creas<strong>in</strong>g use of software <strong>in</strong> mechatronic systems, coupled with exact<strong>in</strong>g<br />
demands on quality, it is necessary to adapt development processes <strong>in</strong> the field of<br />
mechatronic systems eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g <strong>in</strong> or<strong>der</strong> to cope with the <strong>in</strong>terdiscipl<strong>in</strong>ary characteristics<br />
of these systems. A survey is presented of current development processes<br />
and result<strong>in</strong>g requirements on specification and test management. A concept is<br />
presented for the <strong>in</strong>tegrated modell<strong>in</strong>g and specification of requirements and test<br />
cases. It is concluded that semiformalization of requirements forms an <strong>in</strong>tegral part<br />
of the approach mak<strong>in</strong>g the automatic generation of test cases possible.<br />
KEYWORDS requirements and test management / mechatronic systems /<br />
formalization of requirements<br />
38<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
SUSANNE RÖSCH, STEFAN FELDMANN, Technische Universität München<br />
DOROTHEA FÖRSTER, Schunk<br />
BIRGIT VOGEL-HEUSER, Technische Universität München<br />
Um den Anfor<strong>der</strong>ungen an e<strong>in</strong>en hohen Funktionsumfang<br />
gerecht zu werden, steigt <strong>der</strong><br />
E<strong>in</strong>satz von Software bei <strong>der</strong> Entwicklung<br />
im Masch<strong>in</strong>enbau zunehmend [1], da zusätzliche<br />
Funktionen durch die Software realisiert<br />
werden. Somit werden mehr mechatronische<br />
Produkte beziehungsweise Geräte produziert anstatt<br />
re<strong>in</strong> mechanischer Produkte. Diese kennzeichnet e<strong>in</strong>e<br />
enge Integration <strong>der</strong> Domänen Mechanik, Elektrotechnik<br />
<strong>und</strong> Informatik <strong>und</strong> sie erzielen so wertvolle Synergieeffekte.<br />
Diese Entwicklung erhöht die Produkt<strong>und</strong><br />
Prozesskomplexität <strong>und</strong> steht hohen Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
an das Qualitätsmanagement gegenüber. E<strong>in</strong>e<br />
mechatronische Produktentwicklung erfor<strong>der</strong>t Vorgehensweisen,<br />
die alle beteiligten Diszipl<strong>in</strong>en über den<br />
gesamten Entwicklungsprozess h<strong>in</strong>weg unterstützen.<br />
Neben den bisher üblichen Qualitätssicherungsmaßnahmen<br />
muss <strong>in</strong> <strong>der</strong> Testphase <strong>der</strong> Nachweis e<strong>in</strong>er<br />
hohen Softwarequalität des mechatronischen Produkts<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong> Korrektheit <strong>der</strong> zu realisierenden Systemfunktion<br />
erbracht werden.<br />
Um <strong>in</strong> diesem Bereich aktuelle Vorgehensweisen zu<br />
analysieren, wurden Experten aus dem Bereich Anfor<strong>der</strong>ungs<br />
<strong>und</strong> Testmanagement von neun Masch<strong>in</strong>enbauunternehmen,<br />
<strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e Gerätehersteller aber<br />
auch Dienstleister, durch E<strong>in</strong>zel<strong>in</strong>terviews befragt.<br />
Fokus <strong>der</strong> Interviews waren aktuell e<strong>in</strong>gesetzte Methoden,<br />
Werkzeugketten <strong>und</strong> <strong>der</strong> entsprechende Handlungsbedarf,<br />
um das Anfor<strong>der</strong>ungs <strong>und</strong> Testmanagement<br />
zu verbessern.<br />
Die Ergebnisse <strong>der</strong> Interviews zeigten, dass das Anfor<strong>der</strong>ungsmanagement<br />
<strong>und</strong> entsprechende Dokumente<br />
meist durch sequenzielle Listen mit e<strong>in</strong>er Unterteilung<br />
<strong>in</strong> funktionale <strong>und</strong> nichtfunktionale Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
geprägt s<strong>in</strong>d. Die Beschreibung <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen erfolgt<br />
vorwiegend <strong>in</strong> <strong>in</strong>formeller textueller Form, <strong>und</strong> es<br />
gibt ke<strong>in</strong>e o<strong>der</strong> nur wenige Vorgaben bezüglich des zu<br />
verwendenden Vokabulars, <strong>der</strong> Ausführlichkeit <strong>der</strong><br />
Beschreibung o<strong>der</strong> genauen Parametervariationen, die<br />
für die Durchführung von Testfällen notwendig s<strong>in</strong>d.<br />
Die <strong>in</strong>formelle Formulierung kann zu falscher Interpretation<br />
<strong>und</strong> damit zu Fehlern führen.<br />
Da zumeist mehrere Personen an e<strong>in</strong>em Anfor<strong>der</strong>ungsdokument<br />
arbeiten, bei den befragten Unternehmen<br />
durchschnittlich zwischen e<strong>in</strong>er <strong>und</strong> drei bis h<strong>in</strong><br />
zu sieben Personen, ergeben sich oft Inkonsistenzen<br />
bezüglich verwendeter Begrifflichkeiten <strong>und</strong> letztendlich<br />
<strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen selbst.<br />
Im Anfor<strong>der</strong>ungsmanagement werden die spezifizierten<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen selten auf ihre Testbarkeit h<strong>in</strong><br />
überprüft. Hier ist teilweise e<strong>in</strong> Bruch beim Übergang<br />
vom Anfor<strong>der</strong>ungs zum Testmanagement zu sehen.<br />
E<strong>in</strong>e automatische Generierung von Testfällen hat<br />
bisher kaum E<strong>in</strong>zug bei <strong>der</strong> mechatronischen Produktentwicklung<br />
gehalten. Weiterh<strong>in</strong> werden Testfälle<br />
oft erst erstellt, wenn das Produkt schon fertiggestellt<br />
ist (zwei von neun befragten Unternehmen) o<strong>der</strong><br />
sich zum<strong>in</strong>dest schon <strong>in</strong> <strong>der</strong> DesignPhase bef<strong>in</strong>det<br />
(fünf von neun befragten Unternehmen). Dies hat zur<br />
Folge, dass Inkonsistenzen <strong>in</strong> den Anfor<strong>der</strong>ungsdokumenten<br />
teilweise erst sehr spät aufgedeckt werden<br />
<strong>und</strong> späte Än<strong>der</strong>ungen durchgeführt werden müssen.<br />
Das verursacht hohe Kosten, da die Än<strong>der</strong>ungen <strong>in</strong><br />
allen Phasen des Entwicklungsprozesses nachgezogen<br />
werden müssen [2].<br />
Auf Basis <strong>der</strong> Interviews wurden folgende Ziele <strong>in</strong><br />
Form e<strong>in</strong>er gewichteten Wunschliste <strong>der</strong> befragten Unternehmen<br />
def<strong>in</strong>iert:<br />
Anfor<strong>der</strong>ungsspezifikation: Def<strong>in</strong>ition e<strong>in</strong>er auf<br />
Systemebene möglichst umfassend abgestimmten<br />
<strong>und</strong> abgesicherten Spezifikation <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
(sehr wichtig)<br />
Nachverfolgbarkeit (Traceability): frühzeitige Integration<br />
<strong>der</strong> Zusammenhänge zwischen Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
<strong>und</strong> Testfällen (sehr wichtig), um Wi<strong>der</strong>sprüche<br />
frühzeitig beheben zu können (wichtig)<br />
Testfallentwurf: frühzeitiger, systematischer Entwurf<br />
<strong>der</strong> Testfälle auf Basis <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
(sehr wichtig) mit möglichst hoher Testabdeckung<br />
bei möglichst ger<strong>in</strong>gem Aufwand (sehr wichtig)<br />
Beim im Beitrag vorgestellten Ansatz wurde diese<br />
Wunschliste berücksichtigt <strong>und</strong> e<strong>in</strong> Konzept für e<strong>in</strong>e<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
39
HAUPTBEITRAG<br />
entsprechende Vorgehensweise entwickelt. Das Konzept<br />
wurde unter stetiger Diskussion <strong>der</strong> Ergebnisse mit<br />
den befragten Unternehmen erarbeitet <strong>und</strong> an Industriebeispielen<br />
evaluiert.<br />
1. STAND DER TECHNIK<br />
Die fehlende Formalisierung von Anfor<strong>der</strong>ungen wird<br />
<strong>in</strong> vielen Forschungsarbeiten adressiert. Für die formale<br />
Beschreibung von Anfor<strong>der</strong>ungen existieren verschiedene<br />
Möglichkeiten von textuellen Beschreibungen<br />
[3] über e<strong>in</strong>e Darstellung <strong>in</strong> Form von Automaten<br />
o<strong>der</strong> Zustandsdiagrammen [4] bis h<strong>in</strong> zur tabellarischen<br />
Darstellung [5]. Nach ersten Untersuchungen<br />
erlaubt e<strong>in</strong>e tabellarische Darstellung e<strong>in</strong> schnelleres<br />
Verständnis <strong>und</strong> e<strong>in</strong>en besseren Überblick, im Gegensatz<br />
zu an<strong>der</strong>en Darstellungen bei formalen Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
[6]. Insbeson<strong>der</strong>e für sicherheitskritische<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen ist e<strong>in</strong>e <strong>in</strong>konsistente Anfor<strong>der</strong>ungserhebung<br />
e<strong>in</strong> Problem, weshalb gerade für diesen Anwendungsfall<br />
Ansätze zur Formalisierung von sicherheitskritischen<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>und</strong> Safety-Patterns<br />
entwickelt wurden [7]. Aufbauend auf formalen Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
gibt es bereits zahlreiche Ansätze, bei denen<br />
Testfälle automatisch generiert werden [8, 9]. Weiterh<strong>in</strong><br />
werden formale Modelle für e<strong>in</strong>e automatische Transformation<br />
zwischen Steuerungsprogrammen <strong>und</strong> Modell,<br />
wie beispielsweise <strong>in</strong> [10], zur Überprüfung des<br />
korrekten Systemverhaltens genutzt <strong>und</strong> lassen sich für<br />
die Verifikation verwenden. Auch modellbasierte Ansätze,<br />
die auf Basis e<strong>in</strong>er semantisch spezifizierten Modellierungssprache<br />
die nutzergerechte Modellierung<br />
<strong>und</strong> die automatische Testfallgenerierung ermöglichen,<br />
wie zum Beispiel <strong>in</strong> [11] vorgeschlagen, bieten vielversprechende<br />
Ansätze, die Formalisierung von Systembeschreibungen<br />
voranzutreiben. Allerd<strong>in</strong>gs steht bei<br />
diesen Ansätzen das Ziel <strong>der</strong> Integration mit aktuellen<br />
Vorgehensweisen, bei denen e<strong>in</strong>e Pflichtenheftbeschreibung<br />
<strong>und</strong> abschließende Tests auf Black-Box-<br />
Ebene zum E<strong>in</strong>satz kommen, die für die K<strong>und</strong>en als<br />
Nachweis dienen, nicht im Fokus.<br />
Auch e<strong>in</strong>e Übergabe an die Systementwicklung erfolgt<br />
meist manuell, <strong>und</strong> es existieren ke<strong>in</strong>e durchgängigen<br />
Werkzeugketten, wie beispielsweise e<strong>in</strong>e <strong>in</strong> [12]<br />
vorgeschlagene formale Prozessbeschreibung mit Anfor<strong>der</strong>ungserhebung,<br />
die e<strong>in</strong>e durchgängige Übergabe<br />
von Information bis <strong>in</strong> die Entwicklung ermöglicht.<br />
Diese bezieht sich jedoch hauptsächlich auf die E<strong>in</strong>schränkung<br />
<strong>der</strong> technischen Ressourcen <strong>in</strong> Zusammenhang<br />
mit den Prozessschritten, <strong>und</strong> <strong>der</strong> Test steht<br />
nicht im Vor<strong>der</strong>gr<strong>und</strong>.<br />
2. KONZEPT ZUM ANFORDERUNGS- UND<br />
TESTFALL-CODESIGN<br />
Im Folgenden wird <strong>der</strong> Ansatz für e<strong>in</strong> <strong>in</strong>tegriertes Anfor<strong>der</strong>ungs-<br />
<strong>und</strong> Testfall-Codesign vorgestellt, siehe<br />
Bild 1, <strong>der</strong> den Entwicklungsprozess von <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungserhebung<br />
bis h<strong>in</strong> zum Test unterstützen soll. Der<br />
Ansatz sieht zunächst die Modellierung von Features<br />
vor, die hier im S<strong>in</strong>ne e<strong>in</strong>er allgeme<strong>in</strong>en Beschreibung<br />
von K<strong>und</strong>enfunktionen verwendet werden. Anschließend<br />
ist e<strong>in</strong>e Modellierung <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen an die<br />
Features vorgesehen, Bild 1, . Dazu wurden Schablonen<br />
entworfen, die die wichtigsten Elemente zur Modellierung<br />
<strong>der</strong>selben enthalten. Die Elemente wurden<br />
nach Analyse von Pflichtenheften aus drei <strong>der</strong> befragten<br />
neun Unternehmen <strong>und</strong> dem aktuellen Stand<br />
<strong>der</strong> Technik entworfen. Die Modellierung des Systems<br />
erfolgt hierbei aus Black-Box-Sicht. Es soll auch aus<br />
K<strong>und</strong>ensicht nachvollziehbar se<strong>in</strong>, wie sich das System<br />
von außen verhält.<br />
Weiterh<strong>in</strong> sieht die Vorgehensweise e<strong>in</strong>e Formalisierung<br />
<strong>der</strong> funktionalen bis h<strong>in</strong> zu semi-formalen Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
vor, Bild 1, , die im Abschnitt 2.3 im Detail<br />
erläutert wird. Dies dient dem Ziel <strong>der</strong> schnellen, effizienten<br />
Testfallerstellung für funktionale Anfor<strong>der</strong>ungen,<br />
da auf Basis <strong>der</strong> semi-formalen Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
automatisiert Testfälle generiert werden können, Bild<br />
1, . Nachdem die Phase <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungsdef<strong>in</strong>ition<br />
abgeschlossen ist, folgt e<strong>in</strong>e Übergabe an die Systementwicklung,<br />
die unter an<strong>der</strong>em durch e<strong>in</strong>e Visualisierung<br />
<strong>in</strong> Klassifikationsbäumen umgesetzt wird, Bild 1,<br />
, die <strong>in</strong> Abschnitt 2.5 im Detail erläutert werden. Auf<br />
Basis des Ansatzes wird das Anfor<strong>der</strong>ungs- <strong>und</strong> Testmanagement<br />
enger verzahnt.<br />
2.1 Anwendungsbeispiel<br />
Zur Illustration des Konzepts wird <strong>in</strong> diesem Beitrag<br />
e<strong>in</strong> reales Anwendungsbeispiel LED-Anzeige aus dem<br />
Unternehmen Schunk verwendet, das für die Darstellung<br />
stark vere<strong>in</strong>facht wurde. Weitere typische Anwendungsfälle,<br />
auf denen <strong>der</strong> Fokus für die Entwicklung<br />
<strong>der</strong> Vorgehensweise lag, s<strong>in</strong>d Geräte wie Stellventile<br />
o<strong>der</strong> Produkte aus <strong>der</strong> Messtechnik wie Wegaufnehmer.<br />
Die Anzeige soll Auskunft über den Status von Motoren,<br />
wie zum Beispiel die Funktionsfähigkeit, Firmware-Updates,<br />
E<strong>in</strong>schaltvorgang <strong>und</strong> Fehler, geben <strong>und</strong><br />
sich als zusätzliche Komponente e<strong>in</strong>setzen lassen. Geplant<br />
ist e<strong>in</strong>e Anzeige mit: zwei grünen LED-Elementen<br />
LED_Logik <strong>und</strong> LED_Motor, e<strong>in</strong>er roten LED_Fehler <strong>und</strong><br />
e<strong>in</strong>er gelben LED_Ready, siehe Bild 2. Als Vorgabe für<br />
das funktionale Verhalten <strong>der</strong> Anzeige werden unter<br />
an<strong>der</strong>em folgende Anfor<strong>der</strong>ungen gestellt:<br />
Anfor<strong>der</strong>ung A1: Die LEDs LED_Logik <strong>und</strong> LED_<br />
Motor müssen immer e<strong>in</strong>geschaltet se<strong>in</strong>, wenn das<br />
Modul funktionsfähig ist. Der Status Fehler darf<br />
zugleich nicht aktiv se<strong>in</strong>.<br />
Anfor<strong>der</strong>ung A2: Beim E<strong>in</strong>schaltvorgang muss<br />
LED_Fehler e<strong>in</strong>geschaltet <strong>und</strong> LED_Ready ausgeschaltet<br />
se<strong>in</strong>.<br />
Anfor<strong>der</strong>ung A3: Die Fehlercodes E.72 (Error_Logic_Low),<br />
E.73 (Error_Logic_High), E.74 (Error_Mo-<br />
40<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
tor_Low) <strong>und</strong> E.75 (Error_Motor_High), die das<br />
Über beziehungsweise Unterschreiten e<strong>in</strong>er Höchsto<strong>der</strong><br />
M<strong>in</strong>destspannung repräsentieren, müssen visualisiert<br />
werden. Gleichzeitig soll <strong>der</strong> Status Fehler<br />
aktiv se<strong>in</strong>. Für die Visualisierung dürfen nicht LED_<br />
Logik <strong>und</strong> LED_Motor verwendet werden.<br />
In das Pflichtenheft fließen auch Anfor<strong>der</strong>ungen aus<br />
Leitfäden für Statusanzeigen e<strong>in</strong>. Ziel des Anfor<strong>der</strong>ungs<br />
<strong>und</strong> TestfallCodesigns ist es, e<strong>in</strong> konsistentes<br />
Pflichtenheft <strong>und</strong> e<strong>in</strong>e Testfallspezifikation zu erstellen.<br />
2.2 Modellierung von Features <strong>und</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
Für die <strong>in</strong>tegrierte Modellierung von Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
<strong>und</strong> Features wurden die Schablonen Feature <strong>und</strong> Requirement<br />
entworfen. Allgeme<strong>in</strong> enthalten alle Schablonen<br />
neben <strong>der</strong> tatsächlichen Formulierung <strong>und</strong> Detaillierung<br />
<strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen zusätzliche Information,<br />
das heißt Metadaten zu Ersteller, Version <strong>und</strong> Datum<br />
<strong>und</strong> K l a s s i fi k a t i o n , die zu e<strong>in</strong>er vollständigen Pflichtenheftbeschreibung<br />
gehören (Bild 3).<br />
Die Schablone Feature<br />
Die Schablone für das Feature enthält über die entsprechenden<br />
Metadaten h<strong>in</strong>aus zur Modellierung das Feld<br />
Content, siehe Bild 3, <strong>in</strong> dem wichtige Attribute wie<br />
die Priorität <strong>und</strong> e<strong>in</strong>e Beschreibung des Features def<strong>in</strong>iert<br />
werden können. In e<strong>in</strong>em Feature werden alle<br />
SystemParameter gesammelt, die später <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong><br />
Anfor<strong>der</strong>ungen verwendet werden. Das System wird<br />
als BlackBox betrachtet <strong>und</strong> die Parameter mit e<strong>in</strong>er<br />
Richtung In für E<strong>in</strong>gangswerte, Out für Ausganswerte<br />
o<strong>der</strong> InOut für E<strong>in</strong>/Ausgangswerte versehen.<br />
Das Feature des Anwendungsbeispiels bezieht sich im<br />
Beitrag auf die Komponente LEDAnzeige. Die System<br />
Parameter s<strong>in</strong>d zum e<strong>in</strong>en die LEDs, aber ebenso <strong>der</strong><br />
Status <strong>und</strong> alle weiteren Signale, die bei <strong>der</strong> BlackBox<br />
Betrachtung e<strong>in</strong>e Rolle spielen. Hier übernimmt <strong>der</strong><br />
Entwickler beim Anfor<strong>der</strong>ungs <strong>und</strong> Testmanagement<br />
e<strong>in</strong>e wesentliche Rolle, da er nicht nur Parameter, die<br />
automatisiert verarbeitet werden können spezifizieren<br />
kann, son<strong>der</strong>n auch Parameter, die eventuell manuell<br />
vom Tester manipuliert <strong>und</strong> angepasst werden müssen.<br />
In dem LEDBeispiel s<strong>in</strong>d die LEDs die nach außen<br />
sichtbare Visualisierung, daher wird hier die Richtung<br />
Out def<strong>in</strong>iert, siehe zum Beispiel Bild 3, Anfor<strong>der</strong>ung<br />
A1, LED_Logik. Die ErrorParameter gehen als Input zur<br />
Anzeige <strong>und</strong> sollen auch nach außen visualisiert werden.<br />
Für die Visualisierung wird <strong>der</strong> Ausgangsparameter<br />
7SegmentAnzeige mit den Werten E.72 bis E.75<br />
e<strong>in</strong>geführt, siehe Bild 3, Feature Fehleranzeige.<br />
Die Schablone Requirement<br />
In den Schablonen, die die Anfor<strong>der</strong>ungen beschreiben,<br />
werden die im Feature def<strong>in</strong>ierten Parameter zue<strong>in</strong>an<strong>der</strong><br />
<strong>in</strong> Beziehung gesetzt. Es werden außerdem funktionale<br />
<strong>und</strong> nichtfunktionale Anfor<strong>der</strong>ungen klassifiziert, was<br />
für die weitere Formalisierung <strong>und</strong> Testfallgenerierung<br />
wichtig ist, da diese ausschließlich auf den funktionalen<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen aufbauen. Da Anfor<strong>der</strong>ungen beim Anfor<strong>der</strong>ungs<br />
<strong>und</strong> TestfallCodesign unter dem Aspekt <strong>der</strong><br />
Testbarkeit betrachtet werden, werden zeitliche Anfor<br />
BILD 1: Übersicht über das<br />
Konzept zum <strong>in</strong>tegrierten<br />
Anfor<strong>der</strong>ungs- <strong>und</strong> Testfall-<br />
Codesign.<br />
BILD 2: Zu spezifizierendes <strong>und</strong> zu<br />
testendes Produkt LED-Anzeige<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
41
HAUPTBEITRAG<br />
<strong>der</strong>ungen, im Unterschied zur ISO 25010 [13], zu den<br />
funktionalen Anfor<strong>der</strong>ungen gezählt. Zu den nichtfunktionalen<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen gehören alle an<strong>der</strong>en Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
nach ISO 25010, wie beispielsweise Usability.<br />
Im ContentTeil <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen werden die nach<br />
<strong>der</strong> IstAnalyse identifizierten wichtigsten Beschreibungselemente,<br />
die <strong>in</strong> den meisten Pflichtenheften enthalten<br />
s<strong>in</strong>d, wie Priorität <strong>und</strong> Beschreibung, def<strong>in</strong>iert.<br />
Somit enthält die Schablone die Elemente, die <strong>in</strong> den<br />
etablierten Prozessen bei den Unternehmen beschrieben<br />
werden müssen. Weiterh<strong>in</strong> werden Parametervariationen<br />
def<strong>in</strong>iert, die sich aus <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ung ableiten.<br />
Parametervariationen dienen zur Angabe des gültigen<br />
Bereichs von Parametern. Für e<strong>in</strong>en Parameter des Typs<br />
Fließkommazahl könnte dies zum Beispiel e<strong>in</strong> def<strong>in</strong>iertes<br />
Intervall wie beispielsweise 15 bis 30 se<strong>in</strong>.<br />
E<strong>in</strong> Aspekt, <strong>der</strong> bisher <strong>in</strong> <strong>der</strong> frühen Phase von Entwicklungsprozessen<br />
meist vernachlässigt wird, ist die<br />
Testbarkeitsbetrachtung. Die Tatsache, dass e<strong>in</strong>e Anfor<strong>der</strong>ung<br />
gegebenenfalls nicht testbar ist, fällt auf diese<br />
Weise oft erst <strong>in</strong> späten Phasen auf <strong>und</strong> ist zum Beispiel<br />
auf fehlende Beschreibung von für e<strong>in</strong>en Test<br />
notwendigen Parametervariationen o<strong>der</strong> fehlende Aussagekraft<br />
e<strong>in</strong>er Anfor<strong>der</strong>ung (Testziel) zurückzuführen.<br />
Ohne die Angabe <strong>der</strong> Parametervariation lässt sich<br />
nicht bestimmen welche Teste<strong>in</strong>gabedaten gültig s<strong>in</strong>d<br />
<strong>und</strong> welche nicht. Dies wird <strong>in</strong> <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungsschablone<br />
(requirement) explizit adressiert.<br />
In Bild 3 ist e<strong>in</strong>e ausgefüllte Schablone für Anfor<strong>der</strong>ung<br />
A1 ohne den Teil Formalization dargestellt, die im<br />
Abschnitt 2.3 im Detail beschrieben wird. Die Parametervariationen<br />
werden <strong>in</strong> Anfor<strong>der</strong>ung A1 nicht e<strong>in</strong>geschränkt<br />
<strong>und</strong> können alle die nach dem Typ möglichen<br />
Werte annehmen, gekennzeichnet durch das Symbol*.<br />
Für Status ist dies zum Beispiel E<strong>in</strong>schaltend o<strong>der</strong> Info.<br />
2.3 Semi-Formalisierung <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
Aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong> nach [6] untersuchten guten Lesbarkeit<br />
von formalen Spezifikationen durch Wahrheitstabellen<br />
wurde diese Darstellungsform für die Vorgehensweise<br />
gewählt. Die Notation dieser semiformalen Beschreibung<br />
ist <strong>der</strong> formalen Beschreibung <strong>der</strong> SpecTRMRL<br />
[5] sehr ähnlich. Jedoch ist die SpecTRMRL auf e<strong>in</strong>e<br />
vollständige formale Beschreibung des Systems ausgelegt,<br />
was <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ung e<strong>in</strong>er aufwandsarmen<br />
Spezifikation wi<strong>der</strong>spricht.<br />
Die Formalisierung erfolgt anhand von Wahrheitstabellen,<br />
<strong>in</strong> denen die Ausgangsparameter mit wahr (T),<br />
falsch (F) <strong>und</strong> don‘t care (*) beschrieben werden. E<strong>in</strong><br />
Ausgangsparameter nimmt dabei genau den Wert an,<br />
für den die <strong>in</strong> <strong>der</strong> Tabelle spezifizierten Bed<strong>in</strong>gungen<br />
erfüllt s<strong>in</strong>d. Bed<strong>in</strong>gungen können dabei durch die<br />
Komb<strong>in</strong>ation e<strong>in</strong>zelner Variablenbelegungen formuliert<br />
werden, die <strong>in</strong> den Wahrheitstabellen grafisch h<strong>in</strong>terlegt<br />
s<strong>in</strong>d, siehe Bild 4. Das zeilen <strong>und</strong> spaltenweise<br />
Formulieren des Wahrheitsgehalts erlaubt die Verknüpfung<br />
<strong>der</strong> Variablenbelegungen durch e<strong>in</strong> logisches<br />
AND (zeilenweise) beziehungsweise OR (spaltenweise).<br />
Da die Bed<strong>in</strong>gungen e<strong>in</strong>e semiformale Beschreibung<br />
zulassen, ist die Formulierung von komplexen Bed<strong>in</strong>gungen<br />
möglich. E<strong>in</strong> Beispiel ist e<strong>in</strong> kont<strong>in</strong>uierlich<br />
steigendes Signal, wofür e<strong>in</strong>e entsprechende Parametervariation,<br />
zum Beispiel var1 == 3*t, also die Bed<strong>in</strong>gung,<br />
dass var1 über die Zeit kont<strong>in</strong>uierlich größer<br />
BILD 3: Modell des<br />
Anwendungsbeispiels.<br />
Detaildarstellung<br />
des<br />
Features Fehleranzeige<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong><br />
Anfor<strong>der</strong>ung A1.<br />
42<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
wird, angelegt werden muss. Die E<strong>in</strong>stufung unter<br />
Testability muss dann semiautomatisch o<strong>der</strong> manuell<br />
erfolgen, da hier <strong>der</strong> Test<strong>in</strong>genieur für die konkrete<br />
Umsetzung dieses Signals zuständig ist. Damit werden<br />
dem Entwickler bei <strong>der</strong> Testfallbeschreibung kreative<br />
Freiräume e<strong>in</strong>geräumt, um die Spezifikation nach se<strong>in</strong>en<br />
beziehungsweise den Wünschen des Unternehmens<br />
anzupassen.<br />
Die Wahrheitstabellen können auf Basis <strong>der</strong> E<strong>in</strong>gabedaten<br />
ausgewertet werden. Auf Basis <strong>der</strong> modellierten<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen lassen sich für die generierten Komb<strong>in</strong>ationen<br />
an E<strong>in</strong>gangsvariablen somit entsprechende<br />
erwartete Belegungen <strong>der</strong> Ausgangsvariablen generieren.<br />
Darüber h<strong>in</strong>aus können Konsistenzprüfungsmechanismen<br />
auf die formalisierten Anfor<strong>der</strong>ungen angewandt<br />
werden, um zum Beispiel wi<strong>der</strong>sprüchliche<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen o<strong>der</strong> Mehrdeutigkeiten <strong>in</strong> <strong>der</strong> Spezifikation<br />
zu identifizieren. E<strong>in</strong>e erste Anwendung <strong>in</strong> Zusammenspiel<br />
mit <strong>der</strong> Vorgehensweise zum Anfor<strong>der</strong>ungs<br />
<strong>und</strong> TestfallCodesign wird <strong>in</strong> [14] vorgestellt.<br />
Im Anwendungsbeispiel, siehe Bild 4, nimmt LED_<br />
Fehler den Wert on an, falls <strong>der</strong> Status E<strong>in</strong>schaltend<br />
(Status == E<strong>in</strong>schaltend ist wahr) vorliegt.<br />
Wenn alle Anfor<strong>der</strong>ungen nach diesem Schema semiformalisiert<br />
wurden, werden die e<strong>in</strong>em Feature zugehörigen<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen gesammelt <strong>und</strong> für die Testfallgenerierung<br />
ausgewertet.<br />
2.4 Automatische Generierung <strong>der</strong> Testfälle<br />
Ziel <strong>der</strong> Testfallgenerierung ist e<strong>in</strong>e standardisierte<br />
<strong>und</strong> durchgängige Vorgehensweise für die Erstellung<br />
BILD 4: Semi-Formalisierung <strong>der</strong><br />
Anfor<strong>der</strong>ungen A1, A2 <strong>und</strong> A3.<br />
von Testfällen, bei <strong>der</strong> sich im Anschluss e<strong>in</strong>e genaue<br />
Aussage über die Testabdeckung machen lässt. Mit <strong>der</strong><br />
Formalisierung <strong>der</strong> funktionalen Anfor<strong>der</strong>ungen zu<br />
semiformalen Beschreibungen werden dabei die Ausgaben<br />
bei <strong>der</strong> Testfallgenerierung erzeugt. Die Testfälle<br />
für nichtfunktionale Anfor<strong>der</strong>ungen werden manuell<br />
angelegt.<br />
Für die Wahl <strong>der</strong> Teste<strong>in</strong>gabedaten gibt es verschiedene<br />
Kriterien. So muss entschieden werden, wie groß<br />
die Stichprobe für e<strong>in</strong>en Parameter se<strong>in</strong> soll. Der Parameter<br />
Motorspannung, <strong>der</strong> durch e<strong>in</strong>e weitere Anfor<strong>der</strong>ung<br />
beschrieben wird, hat se<strong>in</strong>en gültigen Bereich<br />
zwischen 15 <strong>und</strong> 30 V. Um e<strong>in</strong>e volle Testabdeckung<br />
für gültige Teste<strong>in</strong>gabedaten zu erreichen,<br />
müsste nun je<strong>der</strong> mögliche Wert getestet werden, was<br />
jedoch bei <strong>der</strong> tatsächlichen Durchführung meist<br />
nicht realisierbar ist. Wie groß die Stichprobe se<strong>in</strong><br />
muss, liegt vorrangig im Entscheidungsspielraum des<br />
Test<strong>in</strong>genieurs, <strong>der</strong> dies auf Erfahrungsbasis festlegt.<br />
Dieses Knowhow wird bei <strong>der</strong> Modellierung durch<br />
die Festlegung des Attributs step-size <strong>in</strong>tegriert. Dadurch<br />
wird entschieden, wie viele Testfälle generiert<br />
werden, <strong>in</strong>dem im Bereich <strong>der</strong> gültigen Variation des<br />
Parameters Werte mit dem Abstand step-size als Teste<strong>in</strong>gabe<br />
generiert werden. Für die Generierung <strong>der</strong><br />
Teste<strong>in</strong>gabedaten gibt es viele Kriterien, wie zum Beispiel<br />
die Generierung aller möglichen E<strong>in</strong>gabekomb<strong>in</strong>ationen,<br />
die berücksichtigt werden können [15]. Beim<br />
vorgestellten Ansatz wurde das Generierungskriterium,<br />
dass je<strong>der</strong> durch die Schrittweite def<strong>in</strong>ierte Wert<br />
m<strong>in</strong>destens e<strong>in</strong>mal getestet werden muss, als Gr<strong>und</strong>lage<br />
gewählt. Da Negativtests e<strong>in</strong>e wichtige Rolle beim<br />
Testen spielen, müssen zusätzlich Tests mit ungültigen<br />
Teste<strong>in</strong>gabedaten spezifiziert <strong>und</strong> durchgeführt<br />
werden. Für die Negativtests werden die ungültigen<br />
Grenzwerte als Teste<strong>in</strong>gabe mitgeneriert, da gerade <strong>in</strong><br />
diesem Bereich viele Fehler aufgedeckt werden können<br />
[16]. Die Bestimmung <strong>der</strong> Ausgabedaten erfolgt<br />
anhand <strong>der</strong> <strong>in</strong> Abschnitt 2.3 beschriebenen Auswertung<br />
<strong>der</strong> Wahrheitstabellen.<br />
Die für funktionale Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>und</strong> abgeleitete<br />
Testfälle e<strong>in</strong>gesetzte Schablone ist für alle Testfälle vorgesehen<br />
<strong>und</strong> kann für nichtfunktionale Anfor<strong>der</strong>ungen,<br />
wie Geschäfts o<strong>der</strong> Prozessanfor<strong>der</strong>ungen, Produktionskosten,<br />
manuell angelegt werden. Diese s<strong>in</strong>d dann<br />
unter <strong>der</strong> Bewertung Rat<strong>in</strong>g als manuell e<strong>in</strong>zuordnen,<br />
da sie nicht durch e<strong>in</strong>en klassischen Testfall son<strong>der</strong>n<br />
von e<strong>in</strong>er Person manuell überprüft werden müssen.<br />
In Bild 5 ist e<strong>in</strong> Beispiel für e<strong>in</strong>en e<strong>in</strong>zelnen generierten<br />
Testfall dargestellt. Die Logikspannung ist außerhalb<br />
des gültigen Bereichs (<strong>der</strong> gültige Bereich ist<br />
24 V) <strong>und</strong> <strong>der</strong> Status Fehler wird gemeldet. Die Auswertung<br />
<strong>der</strong> Wahrheitstabellen führt zur erwarteten Anzeige<br />
<strong>der</strong> LEDs <strong>und</strong> <strong>der</strong> Ausgabe E.72 auf <strong>der</strong> 7Segment<br />
Anzeige. Auf <strong>der</strong> rechten Seite von Bild 5 wird zudem<br />
e<strong>in</strong> Sequenzdiagramm gezeigt, dass die zu erwartende<br />
Sequenz <strong>der</strong> Ausgabevariablen visualisiert, womit <strong>der</strong><br />
Test<strong>in</strong>genieur die tatsächliche mit <strong>der</strong> zu erwartenden<br />
Systemreaktion vergleichen kann.<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
43
HAUPTBEITRAG<br />
2.5 Übergabe an Design-/Systementwicklung<br />
Als Bestandteil des Anfor<strong>der</strong>ungs <strong>und</strong> TestfallCodesigns<br />
können generierte Testfälle <strong>in</strong>nerhalb e<strong>in</strong>es<br />
Klassifikationsbaums dargestellt werden. In Bild 6 auf<br />
<strong>der</strong> l<strong>in</strong>ken Seite ist das Ergebnis dieser Generierung für<br />
das Beispiel LED zu sehen. Der Klassifikationsbaum hat<br />
sich für die Darstellung von Teste<strong>in</strong>gabedaten im Bereich<br />
des Testmanagements etabliert [15], da sich Black<br />
BoxTests übersichtlich darstellen lassen. Jede Spalte<br />
steht für e<strong>in</strong>en konkreten Wert e<strong>in</strong>es Teste<strong>in</strong>gabeparameters,<br />
jede Zeile für e<strong>in</strong>en konkreten Test. In dem<br />
Baum bezeichnen die farblich markierten Teste<strong>in</strong>gabedaten<br />
ungültige Werte <strong>und</strong> somit Negativtests. Bei <strong>der</strong><br />
Vorgehensweise kann dieser automatisiert generiert<br />
werden. Die für die spezifizierten E<strong>in</strong>gaben erwarteten<br />
Ausgaben s<strong>in</strong>d aus Bild 6 rechts ersichtlich <strong>und</strong> dienen<br />
als Ergänzung.<br />
3. DISKUSSION UND BEWERTUNG DES ANSATZES<br />
Die Evaluation <strong>der</strong> Vorgehensweise erfolgte anhand<br />
e<strong>in</strong>es Fragebogens, <strong>der</strong> die aktuell vorherrschenden<br />
Vorgehensweisen dem im Beitrag vorgestellten Anfor<strong>der</strong>ungs<br />
<strong>und</strong> TestfallCodesign gegenüberstellt. Um<br />
den Teilnehmern an den E<strong>in</strong>zel<strong>in</strong>terviews e<strong>in</strong>e umfassende<br />
Entscheidungsbasis für die Bewertung zu<br />
ermöglichen, wurde e<strong>in</strong> Workshop durchgeführt, <strong>in</strong><br />
dem die Vorgehensweise mit Hilfe e<strong>in</strong>es Leitfadens<br />
erläutert <strong>und</strong> geme<strong>in</strong>schaftlich anhand von zwei Beispielen<br />
aus <strong>der</strong> Industrie erarbeitet wurde, e<strong>in</strong>es davon<br />
das hier vorgestellte Anwendungsbeispiel. Die Probanden<br />
setzten sich aus sechs Experten aus fünf Unternehmen<br />
zusammen.<br />
Im Workshop konnte bei <strong>der</strong> Modellierung <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
bereits früh e<strong>in</strong>e Inkonsistenz aufgedeckt<br />
werden. Beim Beispiel <strong>der</strong> LEDAnzeige wird durch<br />
BILD 5: Schablone für Testfälle, Beispiel mit e<strong>in</strong>er<br />
ungültigen E<strong>in</strong>gabe für die Logikspannung<br />
BILD 7: Bewertung <strong>der</strong> Vorgehensweise im<br />
Vergleich zu aktuellen Vorgehensweisen im Bereich<br />
Anfor<strong>der</strong>ungs- <strong>und</strong> Testmanagement<br />
BILD 6: Darstellung <strong>der</strong><br />
Teste<strong>in</strong>gabedaten <strong>und</strong> <strong>der</strong><br />
erwarteten Ausgaben <strong>in</strong><br />
e<strong>in</strong>em Klassifikationsbaum<br />
44<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
Anfor<strong>der</strong>ung A3 die Anzeige von vier Fehlercodes gefor<strong>der</strong>t,<br />
wobei LED_Fehler auf jeden Fall im Status on<br />
se<strong>in</strong> soll. Durch die detaillierte Modellierung <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen,<br />
e<strong>in</strong>schließlich Parametervariationen, fällt<br />
bei <strong>der</strong> Formulierung auf, dass sich lediglich drei offene<br />
Komb<strong>in</strong>ationen aus den für die Darstellung erlaubten<br />
LEDs, LED_Ready <strong>und</strong> LED_Fehler ergeben:<br />
{bl<strong>in</strong>k<strong>in</strong>g, on}, {flash<strong>in</strong>g, on} <strong>und</strong> {on, on}. Die Ausgabe<br />
{off, on} ist nach Anfor<strong>der</strong>ung A2 bereits vorbelegt. Dies<br />
hat zur Folge, dass die mechanischen <strong>und</strong> elektronischen<br />
Elemente erneut geplant werden müssen. Um<br />
die funktionalen Anfor<strong>der</strong>ungen zu erfüllen wird daher<br />
e<strong>in</strong>e 7SegmentAnzeige <strong>in</strong> den Entwurf <strong>in</strong>tegriert.<br />
Nachdem beide Beispiele erarbeitet wurden, beantworteten<br />
die Experten e<strong>in</strong>en Fragebogen zur Evaluation<br />
des Ansatzes, <strong>der</strong> aufbauend auf den zu Beg<strong>in</strong>n des<br />
Projektes ermittelten Anfor<strong>der</strong>ungen bezüglich Anfor<strong>der</strong>ungsspezifikation,<br />
Testmanagement <strong>und</strong> generierung,<br />
Integration <strong>in</strong> Entwicklungsprozesse <strong>und</strong> Mitarbeiterlast<br />
erstellt worden war. Die Mittelwerte s<strong>in</strong>d <strong>in</strong><br />
Bild 7 dargestellt (1: voll erfüllt, 6: gar nicht erfüllt).<br />
Lediglich beim Aufwand <strong>der</strong> Spezifikation <strong>und</strong> Papierarbeit<br />
mussten bei <strong>der</strong> Vorgehensweise Abstriche<br />
gemacht werden. Dies soll durch e<strong>in</strong>e geeignete Werkzeugunterstützung<br />
verbessert werden. Die Evaluation<br />
wurde anschließend mit den Teilnehmern diskutiert<br />
<strong>und</strong> es ergab sich <strong>der</strong> Konsens, dass e<strong>in</strong> ger<strong>in</strong>ger Mehraufwand<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> frühen Phase zugunsten e<strong>in</strong>er effektiven<br />
<strong>und</strong> fehlerfreien Arbeitsweise akzeptabel ist.<br />
ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK<br />
Die erste Evaluation mit zwei Beispielen aus <strong>der</strong> Industrie<br />
ergab, dass die Vorgehensweise die Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
aus <strong>der</strong> Industrie für e<strong>in</strong> qualitativ hochwertiges An<br />
REFERENZEN<br />
[1] Reimann, G.: Trendstudie: IT <strong>und</strong> Automation <strong>in</strong> den Produkten<br />
des Masch<strong>in</strong>enbau bis 2015. In: VDMA Branchen: Software –<br />
IT-Umfragen, 2012. Onl<strong>in</strong>e: http://www5.vdma.org/wps/<br />
portal/Home/de/Branchen/S/SW/Projekte_<strong>und</strong>_Initiativen/IT<br />
- Umfragen/SW_A120423_Trendstudie_IT_<strong>und</strong>_Automation_<br />
im_Masch<strong>in</strong>enbau, abgerufen im August 2014.<br />
[2] Balzert, H.: Lehrbuch <strong>der</strong> Softwaretechnik – Softwaremanagement.<br />
Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, 2008.<br />
[3] Mauco, M. V., Leonardi, M. C., Riesco, D., Montejano, G.,<br />
Debnath, N.: Formalis<strong>in</strong>g a <strong>der</strong>ivation strategy for formal<br />
specifications from natural language requirements models.<br />
In: 5th IEEE International Symposium on Signal Process<strong>in</strong>g<br />
and Information Technology, S. 646-651, 2005.<br />
[4] Huber, F., Molterer, S., Schätz, B., Slotosch, O., Vilbig, A.: Traffic<br />
lights-an AutoFocus case study. In: 1st International Conference<br />
on Application of Concurrency to System Design, S. 282-294, 1998.<br />
[5] Leveson, N., Heimdahl, M. P., Reese, J. D.: Design<strong>in</strong>g Specification<br />
Languages for Process Control Systems: Lessons Learned<br />
and Steps to the Future? In: Software Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g – 7th<br />
European Software Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g Conference/7th ACM SIGSOFT<br />
Symposium on the Fo<strong>und</strong>ations of Software Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g,<br />
Spr<strong>in</strong>ger-Verlag, Berl<strong>in</strong>-Heidelberg, 1999.<br />
[6] Zimmermann, M. K., L<strong>und</strong>qvit, K., Leveson, N.: Investigat<strong>in</strong>g<br />
the Readability of State-Based Formal Requirements<br />
Specification Languages. In: 24th IEEE International Conference<br />
on Software Eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g, S. 33-43, 2002.<br />
[7] Bitsch, F.: Safety-Anwendbare Spezifikation formal verifizierbarer<br />
Sicherheitsanfor<strong>der</strong>ungen mit Safety-Pattern -Verfahren<br />
zur Spezifikation funktionaler Sicherheitsanfor<strong>der</strong>ungen<br />
für Automatisierungssysteme. <strong>atp</strong> – Automatisierungstechnische<br />
Praxis 48(8), S. 50-61, 2006.<br />
[8] Kelley, K.: Automated Test Case Generation from Correct and<br />
Complete System Requirements Models. In: IEEE Aerospace<br />
Conference, S. 1-10, 2009.<br />
[9] Broy, M., Slotosch, O.: From requirements to validated<br />
embedded systems. In: Lecture Notes <strong>in</strong> Computer<br />
Science, Vol. 2211, Spr<strong>in</strong>ger-Verlag, Berl<strong>in</strong> Heidelberg,<br />
S. 51-65, 2001.<br />
[10] Soliman, D., Thramboulidis, K., Frey, G.: Function Block<br />
Diagram to UPPAAL Timed Automata Transformation<br />
Based on Formal Models. In: 14th IFAC Symposium<br />
on Information Control Problems <strong>in</strong> Manufactur<strong>in</strong>g,<br />
S. 625-631, 2012.<br />
[11] Hussa<strong>in</strong>, T., Frey, G.: UML-based Development Process for<br />
IEC 61499 with Automatic Test-case Generation. In: 11th<br />
IEEE Conference on Emerg<strong>in</strong>g Technologies and Factory<br />
Automation, S. 1277-1284, 2006.<br />
[12] Jäger, T., Christiansen, L. Strube, M. Fay A.: Durchgängige<br />
Werkzeugunterstützung von <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungserhebung<br />
bis zur Anlagenstrukturbeschreibung mittels formalisierter<br />
Prozessbeschreibung <strong>und</strong> AutomationML. In: Entwurf<br />
komplexer Automatisierungssysteme, S. 239-251, 2012.<br />
[13] ISO/IEC 25010: Systems and software eng<strong>in</strong>eer<strong>in</strong>g<br />
– Systems and software Quality Requirements and<br />
Evaluation (SQuaRE) – System and software quality<br />
models. 2011.<br />
[14] Feldmann, S., Rösch, S., Legat, C., Vogel-Heuser, B.:<br />
Keep<strong>in</strong>g Requirements and Test Cases Consistent:<br />
Towards an Ontology-based Approach. In: 5th IEEE<br />
International Conference on Industrial Informatics,<br />
S. 1-8, 2014.<br />
[15] Kruse, P. M., Wegener, J.: Test Sequence Generation from<br />
Classification Trees. In: 5th IEEE International Conference<br />
on Software Test<strong>in</strong>g, Verification and Validation,<br />
S. 539-548, 2012.<br />
[16] Myers, G. J., Sandler, C., Badgett T., Thomas, T. M.: The Art<br />
of Software Test<strong>in</strong>g, Second Edition. John Wiley & Sons,<br />
New Jersey, 2004.<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
45
HAUPTBEITRAG<br />
for<strong>der</strong>ungs <strong>und</strong> Testmanagement für diesen Teilbereich<br />
an Anwendungen von mechatronischen Produkten<br />
für die Experten <strong>der</strong> Anwen<strong>der</strong>gruppe erfüllt.<br />
Durch e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>fache Formalisierung von Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
bis h<strong>in</strong> zu e<strong>in</strong>er semiformalen Beschreibung gel<strong>in</strong>gt<br />
es, automatisch Testfälle schnell <strong>und</strong> aufwandsarm<br />
zu generieren. Durch die Modellanalyse <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
konnten weiterh<strong>in</strong> schnell beziehungsweise<br />
<strong>in</strong> e<strong>in</strong>er sehr frühen Phase des Entwicklungsprozesses<br />
Inkonsistenzen aufgedeckt werden, was e<strong>in</strong>e Kostenersparnis<br />
bei <strong>der</strong> Anwendung <strong>der</strong> Methode <strong>in</strong> Unternehmen<br />
erwarten lässt. E<strong>in</strong>e Evaluation für komplexere<br />
Systeme, zusätzliche Anwendungen <strong>und</strong> e<strong>in</strong>e Evaluation<br />
mit e<strong>in</strong>er größeren Anwen<strong>der</strong>gruppe ist e<strong>in</strong> weiteres<br />
Ziel, um die Anwendbarkeit <strong>und</strong> Qualität des<br />
Ansatzes aufzeigen zu können. Für komplexe mechatronische<br />
Systeme ist bereits e<strong>in</strong>e Hierarchisierung <strong>und</strong><br />
Zerlegung des Problems vorgesehen, e<strong>in</strong>e Evaluation<br />
steht dafür noch aus.<br />
E<strong>in</strong>e weitere Herausfor<strong>der</strong>ung ist die Integration von<br />
Testszenarien, bei <strong>der</strong> e<strong>in</strong>e Folge von E<strong>in</strong>gabedaten das<br />
gewünschte Testziel herbeiführt. Pr<strong>in</strong>zipiell ist e<strong>in</strong>e<br />
dementsprechende Modellierung <strong>in</strong>nerhalb <strong>der</strong> Anfor<strong>der</strong>ungsschablonen<br />
bereits möglich, durch die Verwendung<br />
von InOut als Richtung für Parameter, die e<strong>in</strong>e<br />
Rückführung von Parametern erlauben, bei <strong>der</strong> Testfallgenerierung<br />
werden diese jedoch noch nicht berücksichtigt.<br />
Die prototypische Realisierung <strong>der</strong> Vorgehensweise<br />
<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Editor dient <strong>in</strong> zukünftigen Arbeiten<br />
<strong>der</strong> Evaluation <strong>der</strong> Usability <strong>der</strong> Modellierung<br />
<strong>und</strong> Vorgehensweise.<br />
DANKSAGUNG<br />
MANUSKRIPTEINGANG<br />
08.04.2014<br />
Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />
Das IGF-Vorhaben 17259 N/1 <strong>der</strong> Deutschen<br />
Forschungsgesellschaft für Automatisierung <strong>und</strong><br />
Mikroelektronik e.V. (DFAM) wurde über die AiF<br />
im Rahmen des Programms zur För<strong>der</strong>ung <strong>der</strong><br />
Industriellen Geme<strong>in</strong>schaftsforschung (IGF) vom<br />
B<strong>und</strong>esm<strong>in</strong>isterium für Wirtschaft <strong>und</strong> Technologie<br />
aufgr<strong>und</strong> e<strong>in</strong>es Beschlusses des Deutschen<br />
B<strong>und</strong>estages geför<strong>der</strong>t.<br />
AUTOREN<br />
Dipl.Ing. SUSANNE RÖSCH (geb. 1987) ist wissenschaftliche<br />
Mitarbeiter<strong>in</strong> am Lehrstuhl für<br />
Automatisierung <strong>und</strong> Informationssysteme an <strong>der</strong><br />
Technischen Universität München. Ihr Forschungs<strong>in</strong>teresse<br />
gilt <strong>der</strong> effizienten Testfallerstellung<br />
<strong>und</strong> dem automatisierten Test von Steuerungssoftware<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> Automatisierungstechnik.<br />
Lehrstuhl für Automatisierung <strong>und</strong><br />
Informationssysteme,<br />
Boltzmannstraße 15, D-85748 Garch<strong>in</strong>g bei München,<br />
Tel. +49 (0) 89 28 91 64 38,<br />
E-Mail: roesch@ais.mw.tum.de<br />
Dipl.Ing. (FH) DOROTHEA FÖRSTER (geb. 1985)<br />
ist angestellte Mitarbeiter<strong>in</strong> bei Schunk <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />
Abteilung Entwicklung Greifsysteme, Produkt<br />
<strong>und</strong> Vorentwicklung Mechatronik. Ihr Aufgabengebiet<br />
umfasst die Erstellung <strong>und</strong> Durchführung<br />
automatisierter Tests für die Validierung von<br />
e<strong>in</strong>gebetteter Software <strong>in</strong> <strong>in</strong>dustriellen Automationskomponenten<br />
<strong>und</strong> Reglern.<br />
SCHUNK GmbH & Co. KG,<br />
Bahnhofstraße 106-134, D-74348 Lauffen/Neckar,<br />
Tel. +49 (0) 7133 103 20 78,<br />
E-Mail: dorothea.foerster@de.schunk.com<br />
Dipl.Ing. STEFAN FELDMANN (geb. 1990) ist<br />
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl<br />
für Automatisierung <strong>und</strong> Informationssysteme<br />
an <strong>der</strong> Technischen Universität München.<br />
Se<strong>in</strong> Forschungs<strong>in</strong>teresse gilt <strong>der</strong> Anwendung<br />
wissens basierter Systeme zur Verbesserung <strong>der</strong><br />
<strong>in</strong>terdiszipl<strong>in</strong>ären Entwicklung <strong>in</strong> automatisierungstechnischen<br />
Projekten.<br />
Lehrstuhl für Automatisierung <strong>und</strong><br />
Informationssysteme,<br />
Boltzmannstraße 15, D-85748 Garch<strong>in</strong>g bei München,<br />
Tel. +49 (0) 89 28 91 64 41,<br />
E-Mail: feldmann@ais.mw.tum.de<br />
Prof. Dr.Ing. BIRGIT VOGEL-HEUSER (geb. 1961)<br />
leitet den Lehrstuhl für Automatisierung <strong>und</strong><br />
Informationssysteme an <strong>der</strong> Technischen Universität<br />
München. Ihre Forschungsgebiete adressieren<br />
die System <strong>und</strong> Softwareentwicklung,<br />
<strong>in</strong>sbeson<strong>der</strong>e die Modellierung verteilter, <strong>in</strong>telligenter<br />
e<strong>in</strong>gebetteter Systeme.<br />
Lehrstuhl für Automatisierung <strong>und</strong><br />
Informationssysteme,<br />
Boltzmannstraße 15, D-85748 Garch<strong>in</strong>g bei München,<br />
Tel. +49 (0) 89 28 91 64 00,<br />
E-Mail: vogel-heuser@ais.mw.tum.de<br />
46<br />
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PAATPE2014<br />
Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung <strong>und</strong> zur Pflege <strong>der</strong> laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst <strong>und</strong> gespeichert. Mit dieser Anfor<strong>der</strong>ung erkläre ich mich damit e<strong>in</strong>verstanden,<br />
dass ich vom DIV Deutscher Industrieverlag o<strong>der</strong> vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über <strong>in</strong>teressante, fachspezifische Medien <strong>und</strong> Informationsangebote <strong>in</strong>formiert <strong>und</strong> beworben werde.<br />
Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die <strong>Zukunft</strong> je<strong>der</strong>zeit wi<strong>der</strong>rufen.
HAUPTBEITRAG<br />
Stellantrieb mit<br />
sicheren Funktionen<br />
nach IEC EN 61508<br />
Entwicklung <strong>und</strong> Umsetzung von Architekturmerkmalen<br />
Die IEC EN 61508 beschreibt die Bereiche zur Beherrschung systematischer <strong>und</strong><br />
zufälliger Fehler an sicherheitsrelevanten technischen Systemen. Sie führt die Rahmenbed<strong>in</strong>gungen<br />
auf, die für Entwurf, Realisierung <strong>und</strong> Betrieb sicherheitsbezogener<br />
Systeme erfor<strong>der</strong>lich s<strong>in</strong>d. Obwohl <strong>in</strong> den Anhängen <strong>der</strong> Norm auf technische <strong>und</strong><br />
praktische Aspekte e<strong>in</strong>gegangen wird, stellt sie ke<strong>in</strong>e Standardbauanleitung für sicherheitsrelevante<br />
Systeme dar. Dies gibt den Entwicklern Freiräume, um <strong>in</strong>novative<br />
<strong>und</strong> wettbewerbsfähige Produkte zu konzipieren. In diesem Beitrag wird die Entwicklung<br />
<strong>und</strong> Implementierung sicherer Funktionen für e<strong>in</strong>en Stellantrieb beschrieben.<br />
Dabei werden die möglichen Architekturmerkmale behandelt <strong>und</strong> diskutiert.<br />
SCHLAGWÖRTER IEC EN 61508 / SIL / Stellantrieb / Common Cause Failure<br />
Actuator with Safety Functions <strong>in</strong> Accordance with IEC EN 61508 –<br />
Development and Implementation of Architectural Features<br />
IEC EN 61508 describes the control of systematic and unexpected hazardous events<br />
with safety-relevant technological systems. It establishes necessary conditions for<br />
the design, development, and operation of safety-related systems. Although the standard<br />
<strong>in</strong>cludes annexes which address technical and practical aspects, it does not<br />
constitute a set of <strong>in</strong>structions for the development of safety-relevant systems. Developers<br />
therefore have scope to design <strong>in</strong>novative and competitive products. Here<br />
the development and implementation of safe functions are described for an actuator.<br />
Possible architectural characteristics are consi<strong>der</strong>ed.<br />
KEYWORDS IEC EN 61508 / safety <strong>in</strong>tegrity level / SIL / actuator /<br />
common cause failure<br />
48<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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PETER MALUS, WERNER THOMANN, Auma<br />
KARL-HEINZ KAYSER, Hochschule Essl<strong>in</strong>gen<br />
Stellantriebe für Armaturen <strong>und</strong> Masch<strong>in</strong>enantriebe<br />
kommen <strong>in</strong> vielfältigen Anwendungen<br />
im Stahlwasserbau, bei <strong>Wasser</strong>ver<strong>und</strong><br />
-entsorgungsanlagen, Kraftwerks- <strong>und</strong><br />
Chemieanlagen, bei Öl- <strong>und</strong> Gasför<strong>der</strong>ung,<br />
Öl-, Gastransport (Pipel<strong>in</strong>es) <strong>und</strong> Verarbeitung, sowie<br />
im maritimen Bereich zum E<strong>in</strong>satz. Kennzeichnend für<br />
die Produkte s<strong>in</strong>d <strong>der</strong>en extreme E<strong>in</strong>satzbed<strong>in</strong>gungen,<br />
siehe Bild 1, bei gleichzeitig gefor<strong>der</strong>ter langjähriger,<br />
hoher Verfügbarkeit.<br />
Die Entwicklung von Stellantrieben <strong>und</strong> <strong>der</strong>en Steuerungen<br />
ist geprägt durch e<strong>in</strong>e zunehmende Komplexität.<br />
Ausgehend von e<strong>in</strong>fachen Logiksteuerungen haben<br />
sich die Geräte zu <strong>in</strong>telligenten Steuerungen mit<br />
vielen Kommunikationsschnittstellen (Feldbus, Bluetooth),<br />
komfortabler Programmierung <strong>und</strong> Bedienung,<br />
<strong>in</strong>tegrierten Regelalgorithmen mit umfangreicher <strong>in</strong>telligenter<br />
Sensorik entwickelt.<br />
Elektrische Stellantriebe s<strong>in</strong>d seit mehr als 50 Jahren<br />
im <strong>in</strong>dustriellen E<strong>in</strong>satz, auch <strong>in</strong> sicherheitsrelevanten<br />
Bereichen. Viele etablierte, aber nicht harmonisierte<br />
Sicherheitsstandards, prägen das heutige Bild. Sicherheitsstandards,<br />
Sicherheitsregeln <strong>und</strong> Verordnungen<br />
s<strong>in</strong>d regional unterschiedlich vorgegeben, unter an<strong>der</strong>em<br />
durch Anlagenbetreiber, Anlagenversicherer sowie<br />
nationale Regelwerke <strong>und</strong> Vorschriften. Die etablierten<br />
Sicherheitsregeln werden trotz <strong>der</strong> Verabschiedung <strong>der</strong><br />
<strong>in</strong>ternationalen Norm zur funktionalen Sicherheit (IEC<br />
EN 61508) vor zwölf Jahren kurz- <strong>und</strong> mittelfristig noch<br />
Bestand haben.<br />
Die Norm IEC EN 61508 beschreibt Verfahren <strong>und</strong><br />
Methoden wie sich systematische <strong>und</strong> zufällige Fehler<br />
beherrschen lassen; kennzeichnend s<strong>in</strong>d formale Vorgehensmodelle<br />
(zum Beispiel bei Entwurf, Konstruktion,<br />
Inbetriebnahme <strong>und</strong> Betrieb sicherheitsrelevanter<br />
Geräte) sowie entsprechende probabilistische Nachweisverfahren.<br />
Damit ist die Norm IEC EN 61508 als<br />
Gr<strong>und</strong>lage für die Entwicklung sicherheitsrelevanter,<br />
komplexer Systeme geeignet. Entwicklungsziel von<br />
Auma war es, bestehend auf <strong>der</strong> aktuellen Stellantriebsgeneration,<br />
e<strong>in</strong>e Ausführung zu entwickeln, die alle<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Norm IEC EN 61508 erfüllt.<br />
1. AUSGANGSSITUATION<br />
Stellantriebe s<strong>in</strong>d stets <strong>in</strong> Verb<strong>in</strong>dung mit an<strong>der</strong>en<br />
Komponenten <strong>in</strong> e<strong>in</strong> Gesamtsystem <strong>in</strong>tegriert.<br />
Beispiel Schiffsschleuse: Schleusentor – mechanischer<br />
Gew<strong>in</strong>detrieb – Stellantrieb – Signal-/Datenleitung<br />
– Leitsteuerung – Energieversorgung. Beispiel<br />
Gasversorgung: Gasleitung – Drucksensor – Armatur<br />
– Stellantrieb – Signal-/Datenleitung – Leitsteuerung<br />
– Energieversorgung. Stellantriebe bestehen aus den<br />
Komponenten: Stellantriebsmechanik (Getriebe), Motor<br />
(geschaltet o<strong>der</strong> drehzahlverän<strong>der</strong>lich), Sensorik<br />
(beispielsweise Stellwegerfassung, Endlagen- <strong>und</strong><br />
Drehmomenterfassung), Stellantriebssteuerung (<strong>in</strong>klusive<br />
Ortssteuerstelle, elektrische Anschlüsse für<br />
Ansteuerung <strong>und</strong> Energie) <strong>und</strong> Signal- sowie Datenleitungen<br />
von <strong>und</strong> zur übergeordneten Leitsteuerung.<br />
Stellantriebe öffnen, schließen, positionieren o<strong>der</strong><br />
regeln e<strong>in</strong>e Armaturenstellung. Hierzu werden unter<br />
an<strong>der</strong>em die Stellwegs- o<strong>der</strong> Endlagensignale verarbeitet.<br />
Die Lastmoment<strong>in</strong>formation wird zur Drehmomentüberwachung<br />
<strong>und</strong> zur Abschaltung bei drehmomentabhängigen<br />
Armaturen verwendet.<br />
2. ANFORDERUNGEN AN SICHERHEITSFUNKTIONEN<br />
Gr<strong>und</strong>sätzlich ist <strong>der</strong> gesamte Lebenszyklus e<strong>in</strong>es Produktes<br />
von <strong>der</strong> Spezifikation, Entwicklung, Produktion,<br />
Inbetriebnahme, Betrieb, Wartung bis zur Außerbetriebssetzung<br />
zu betrachten. In diesem Beitrag wird<br />
ausschließlich <strong>der</strong> Betrieb e<strong>in</strong>es Stellantriebs betrachtet.<br />
Die wesentlichen sicherheitsrelevanten Stellantriebsfunktionen<br />
s<strong>in</strong>d Emergency Shut Down (ESD) <strong>und</strong><br />
<strong>der</strong> sichere Stopp, wobei ESD zu unterteilen ist <strong>in</strong> sicheres<br />
Öffnen <strong>und</strong> sicheres Schließen, zum Beispiel<br />
e<strong>in</strong>er Armatur. Die Bil<strong>der</strong> 2 <strong>und</strong> 3 zeigen zwei Anwendungsbeispiele<br />
für ESD.<br />
Während für den sicheren Stopp lediglich <strong>der</strong> Stellantrieb<br />
sicher abzuschalten <strong>und</strong> e<strong>in</strong> Haltemoment aufrecht<br />
zu erhalten ist (zum Beispiel durch Selbsthemmung<br />
des Getriebes), erfor<strong>der</strong>n die ESD-Funktionen<br />
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HAUPTBEITRAG<br />
sicheres Öffnen <strong>und</strong> sicheres Schließen, e<strong>in</strong>e hohe<br />
Verfügbarkeit wesentlicher Komponenten im Antriebsstrang<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong> Sensorik des Stellantriebs – zum<strong>in</strong>dest<br />
solange, bis <strong>der</strong> Stellantrieb die Offen- beziehungsweise<br />
Geschlossen-Stellung erreicht hat. Die Realisierung<br />
<strong>der</strong> ESD-Funktion stellt demnach die höheren technischen<br />
Anfor<strong>der</strong>ungen.<br />
2.1 Sicherheits<strong>in</strong>tegritäts-Level (SIL)<br />
Der erfor<strong>der</strong>liche Sicherheits<strong>in</strong>tegritäts-Level (SIL)<br />
wird durch e<strong>in</strong>e Gefährdungsanalyse an e<strong>in</strong>er Applikation<br />
beziehungsweise Anlage ermittelt. Als Komponentenlieferant<br />
erhält Auma die Anfor<strong>der</strong>ungen an den<br />
SIL durch den Planer o<strong>der</strong> Endk<strong>und</strong>en, da nur dieser<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> Lage ist, e<strong>in</strong>e entsprechende Risikoanalyse e<strong>in</strong>er<br />
Anlage durchzuführen. Häufig werden für e<strong>in</strong>zelne<br />
Stellantriebe SIL-2-Fähigkeiten, gelegentlich auch SIL-<br />
3-Fähigkeiten gefor<strong>der</strong>t, siehe Norm [1]. SIL-3-Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
lassen sich durch red<strong>und</strong>ante, 2-kanalige<br />
Aufbauten, wie beispielhaft <strong>in</strong> Bild 2 <strong>und</strong> 3 dargestellt,<br />
realisieren. Die Autoren weisen darauf h<strong>in</strong>, dass bei<br />
gleichartigem Aufbau bei<strong>der</strong> Kanäle (homogene Red<strong>und</strong>anz),<br />
Fehler geme<strong>in</strong>samer Ursachen (common<br />
cause failure, CCF), problematisch <strong>und</strong> daher zu vermeiden<br />
s<strong>in</strong>d. Insbeson<strong>der</strong>e systematische Fehler stellen<br />
Fehler geme<strong>in</strong>samer Ursachen dar <strong>und</strong> führen<br />
dazu, dass das Verhalten, beziehungsweise die Verfügbarkeit<br />
e<strong>in</strong>es 2-kanaligen Systems auf das e<strong>in</strong>es 1-kanaligen<br />
zurückfällt.<br />
Sichere Stellantriebsfunktionalität bedeutet für den<br />
gesamten Produktlebenszyklus des Stellantriebs:<br />
Vermeidung <strong>und</strong> Beherrschung systematischer<br />
Fehler<br />
E<strong>in</strong>haltung statistischer Grenzwerte bezüglich<br />
zufälliger Fehler<br />
Systematische Fehler betreffen vor allem den Entwicklungs-<br />
<strong>und</strong> Produktionsprozess <strong>und</strong> zu e<strong>in</strong>em<br />
gewissen Teil die Inbetriebnahme <strong>und</strong> Wartungstätigkeiten.<br />
Zufällige Fehler, zum Beispiel durch Bauteileausfall,<br />
s<strong>in</strong>d vornehmlich während <strong>der</strong> Betriebsphase<br />
des Stellantriebs zu berücksichtigen. Dabei<br />
s<strong>in</strong>d Grenzwerte für die zwei probabilistischen Kenngrößen<br />
Safe Failure Fraction (SFF) <strong>und</strong> die mittlere<br />
Probability of (dangerous) Failure PF D (im Beitrag<br />
auch als Fehlerwahrsche<strong>in</strong>lichkeit bezeichnet) e<strong>in</strong>zuhalten.<br />
PFD wird weiter differenziert, ob e<strong>in</strong>e sichere<br />
Funktion permanent (high demand) PFH D an e<strong>in</strong>er<br />
Anlage benutzt wird, o<strong>der</strong> nur bei Bedarf (on demand)<br />
PFD D . (Die Def<strong>in</strong>itionen <strong>der</strong> Begrifflichkeiten f<strong>in</strong>den<br />
sich <strong>in</strong> <strong>der</strong> Norm [1] o<strong>der</strong> im Kasten Erläuterungen –<br />
Begriffsdef<strong>in</strong>itionen im Beitrag).<br />
Während die für SIL 2 erfor<strong>der</strong>lichen SFF-Grenzwerte<br />
(Grenzwerte s<strong>in</strong>d abhängig von <strong>der</strong> Hardwarefehlertoleranz<br />
HFT) von allen sicherheitsrelevanten Komponenten<br />
e<strong>in</strong>er Anlage zu erfüllen s<strong>in</strong>d, ist <strong>der</strong> Grenzwert für<br />
die mittlere Fehlerwahrsche<strong>in</strong>lichkeit PFH D beziehungsweise<br />
PFD D durch die Summe <strong>der</strong> mittleren Fehlerwahrsche<strong>in</strong>lichkeiten<br />
aller an e<strong>in</strong>er Anlage für die<br />
Erfüllung e<strong>in</strong>er sicheren Funktion erfor<strong>der</strong>lichen E<strong>in</strong>zelkomponenten<br />
gegeben. Für den Komponentenhersteller<br />
bedeutet dies, dass er für se<strong>in</strong> Produkt nur e<strong>in</strong>en<br />
gewissen Prozentsatz des Grenzwertes für die mittlere<br />
Fehlerwahrsche<strong>in</strong>lichkeit <strong>in</strong> Anspruch nehmen darf,<br />
damit <strong>der</strong> K<strong>und</strong>e <strong>in</strong> die Lage versetzt wird, mit technisch<br />
vertretbarem Aufwand den gefor<strong>der</strong>ten SIL <strong>der</strong><br />
Gesamtanlage zu erzielen, siehe Bild 4.<br />
Die erzielbaren PFH D - beziehungsweise PFD D -Werte<br />
e<strong>in</strong>es Produkts werden wesentlich von den durch den<br />
technischen Entwurf festgelegten Produktmerkmalen<br />
bestimmt. Diese s<strong>in</strong>d:<br />
gerätetechnischer Aufbau<br />
(Konstruktion, Schaltung),<br />
Bauteile- <strong>und</strong> Komponentenauswahl,<br />
Architekturmerkmale, zum Beispiel e<strong>in</strong>- o<strong>der</strong><br />
mehrkanalige Struktur<br />
automatisierte Überwachungs- <strong>und</strong> Diagnosefunktionen<br />
Weitere E<strong>in</strong>flussfaktoren ergeben sich durch die während<br />
<strong>der</strong> Produktbetriebsphase gegebenenfalls festzulegenden<br />
Wartungs<strong>in</strong>tervalle. E<strong>in</strong>e Erhöhung <strong>der</strong> Wartungs<strong>in</strong>tensität<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong> Wartungshäufigkeit verr<strong>in</strong>gert<br />
die mittlere E<strong>in</strong>trittswahrsche<strong>in</strong>lichkeit e<strong>in</strong>es gefährlichen<br />
Zustandes beziehungsweise verbessert den Wert<br />
PFH D o<strong>der</strong> PFD D . Technischer Entwurf <strong>und</strong> Wartungs<strong>in</strong>tervalle<br />
bestimmen <strong>und</strong> bee<strong>in</strong>flussen die Anschaffungs-<br />
<strong>und</strong> Betriebskosten. Letztere s<strong>in</strong>d e<strong>in</strong> entscheidendes<br />
Kriterium für die Produktakzeptanz durch den<br />
K<strong>und</strong>en. Ziel <strong>der</strong> <strong>in</strong>genieursmäßigen Konstruktion ist<br />
es, die gefor<strong>der</strong>te Sicherheitsfunktionalität zu erfüllen<br />
<strong>und</strong> dabei die Interessen von K<strong>und</strong>e <strong>und</strong> Anlagenbetreiber<br />
zu wahren.<br />
3. TECHNISCHE KONZEPTION DER<br />
SICHERHEITSFUNKTIONEN<br />
Das Blockschaltbild <strong>in</strong> Bild 5 zeigt die wesentlichen<br />
Komponenten des zu betrachtenden Stellantriebs. Dieser<br />
bildet im Beitrag den Ausgangspunkt für die technische<br />
Integration <strong>der</strong> sicheren Funktionen ESD <strong>und</strong><br />
Stopp. Dabei s<strong>in</strong>d folgende Komponenten an <strong>der</strong> Erfüllung<br />
<strong>der</strong> sicheren Funktionen beteiligt:<br />
Ansteuer- <strong>und</strong> Statussignale<br />
(dient als Schnittstelle zur übergeordneten<br />
Steuerung <strong>und</strong> Leittechnik)<br />
Steuerung<br />
Sensorik<br />
Spannungsversorgung<br />
Ansteuerung<br />
Motor<br />
Getriebe<br />
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BILD 2: Applikation: sicheres Schließen von Öl-/<br />
Gaszuführung – 2-kanalige Anlagenarchitektur<br />
BILD 1: Stellantrieb im Test unter simulierten<br />
E<strong>in</strong>satzbed<strong>in</strong>gungen<br />
BILD 4: Prozentuale Aufteilung <strong>der</strong> Fehlerwahrsche<strong>in</strong>lichkeit<br />
im Sicherheitssystem<br />
BILD 3: Applikation: sicheres Öffnen im<br />
Kühlkreislauf – 2-kanalige Anlagenarchitektur<br />
BILD 5:<br />
Aufbau des<br />
bestehenden<br />
Stellantriebs<br />
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HAUPTBEITRAG<br />
Für den technischen Entwurf <strong>der</strong> sicherheitsrelevanten<br />
Funktionen <strong>und</strong> die E<strong>in</strong>haltung <strong>der</strong> entsprechenden<br />
Grenzwerte für SFF <strong>und</strong> PF D s<strong>in</strong>d<br />
bestimmte Pr<strong>in</strong>zipien zu berücksichtigen <strong>und</strong> <strong>in</strong><br />
Betrachtung zu ziehen:<br />
e<strong>in</strong>- o<strong>der</strong> mehrkanalige Struktur (hardware<br />
fault tolerance, HFT) für das Gesamtsystem<br />
o<strong>der</strong> Teile davon<br />
Realisierung mit e<strong>in</strong>fachen Bauteilen<br />
(Typ A gemäß IEC EN 61508) o<strong>der</strong> mit komplexen<br />
Bauteilen (Typ B entsprechend IEC EN<br />
61508, zum Beispiel Mikroprozessor <strong>und</strong><br />
Software)<br />
Diagnoseabdeckung (diagnostic coverage, DC),<br />
um sicherheitsrelevante Fehler rechtzeitig zu<br />
entdecken <strong>und</strong> Schäden abzuwenden<br />
Trennung beziehungsweise Kapselung von<br />
normaler Funktion <strong>und</strong> sicherer Funktion<br />
Ziel ist es, die sicheren Funktionen auf Basis <strong>der</strong><br />
aktuellen Stellantriebsgeneration zu <strong>in</strong>tegrieren,<br />
ohne dabei systemrelevante Än<strong>der</strong>ungen (zum Beispiel<br />
Gehäuse, Außenabmessungen) am bestehenden<br />
Stellantrieb durchzuführen.<br />
E<strong>in</strong>e red<strong>und</strong>ante o<strong>der</strong> mehrkanalige Ausführung<br />
<strong>der</strong> Teilkomponenten Getriebe, Motor, Motoransteuerung<br />
(Schütze, Thyristor) scheidet aus technischen<br />
sowie den vorab genannten Gründen aus.<br />
Erste Analysen <strong>und</strong> Berechnungen zu SFF <strong>und</strong><br />
PFD ergaben, dass mit den oben genannten <strong>und</strong><br />
bereits vorhandenen Teilkomponenten die erfor<strong>der</strong>lichen<br />
Grenzwerte erreicht werden. Somit ist<br />
e<strong>in</strong>e gr<strong>und</strong>sätzliche Umsetzbarkeit, das heißt Integration<br />
<strong>der</strong> sicheren Funktionen <strong>in</strong> den bestehenden<br />
Antrieb, machbar.<br />
Die existierende Steuerung (Logik) des Stellantriebs<br />
basiert auf e<strong>in</strong>em Mehrprozessorsystem samt<br />
Software <strong>und</strong> be<strong>in</strong>haltet im Standard bereits Funktionen<br />
wie Stopp beziehungsweise ESD. Diese erfüllen<br />
aber nicht die Anfor<strong>der</strong>ungen an SIL 2. E<strong>in</strong>e<br />
softwarebasierte Integration <strong>der</strong> sicheren Funktionen<br />
auf das vorhandene Mikroprozessorsystem<br />
ist theoretisch möglich, e<strong>in</strong>e Trennung <strong>der</strong> sicheren<br />
Funktionen von den Standardfunktionen<br />
wäre aber mit erheblichem technischen Aufwand<br />
verb<strong>und</strong>en.<br />
Die Schnittstellen zur Kommunikation mit übergeordneter<br />
Leittechnik (Feldbus o<strong>der</strong> b<strong>in</strong>äre E/A)<br />
erfüllen ebenfalls nicht die Anfor<strong>der</strong>ungen an SIL 2<br />
<strong>und</strong> s<strong>in</strong>d deshalb anzupassen.<br />
3.1 Umsetzung <strong>der</strong> sicheren Funktionen<br />
BILD 6: Steuerungskonzeptionen für die Umsetzung<br />
sicherer Stellantriebsfunktionen<br />
Wie zuvor beschrieben, s<strong>in</strong>d die Steuerung (Logik)<br />
<strong>und</strong> die Schnittstellen die wesentlichen Handlungsfel<strong>der</strong><br />
für die Integration <strong>der</strong> sicheren Funktionen<br />
ESD <strong>und</strong> Stopp <strong>in</strong> den Stellantrieb.<br />
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<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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BILD 7: Aufbau<br />
Gesamtsystem<br />
e<strong>in</strong>es sicheren<br />
Stellantriebs<br />
Steuerungskonzeptionen<br />
Zur Integration <strong>der</strong> sicheren Funktionen <strong>in</strong> die Stellantriebssteuerung<br />
s<strong>in</strong>d diese Lösungswege zielführend,<br />
siehe Bild 6.<br />
1 | Direkte Integration <strong>in</strong> die bereits im Standard<br />
vorhandene, auf e<strong>in</strong>em Mehrprozessorsystem basierende<br />
Steuerung (Software <strong>in</strong> sicherer Hardwareumgebung<br />
Typ B)<br />
2 | Integration auf e<strong>in</strong>er zusätzlichen, mikroprozessorbasierten<br />
sicheren Steuerung (1-kanalig) (Software<br />
auf zusätzlicher sicherer Hardware Typ B)<br />
3 | Integration auf e<strong>in</strong>er zusätzlichen, mikroprozessorbasierten<br />
sicheren Steuerung (1-kanalig), ferner<br />
Überwachung (Diagnose) durch die vorhandene<br />
Steuerung, was <strong>der</strong> Integration von sicheren<br />
Diagnosealgorithmen auf <strong>der</strong> vorhandenen Steuerung<br />
entspricht (Diagnosesoftware <strong>in</strong> sicherer<br />
Hardwareumgebung Typ B <strong>und</strong> Funktionssoftware<br />
auf zusätzlicher sicherer Hardware Typ B)<br />
4 | Integration auf e<strong>in</strong>er zusätzlichen, mikroprozessorbasierten<br />
sicheren Steuerung <strong>und</strong> auf <strong>der</strong> vorhandenen<br />
Steuerung. Dadurch ergibt sich e<strong>in</strong>e<br />
2-kanalige Gesamtimplementierung mit <strong>der</strong> Möglichkeit<br />
zur gegenseitigen Überwachung (Diagnose)<br />
(Software <strong>in</strong> sicherer Hardwareumgebung Typ<br />
B <strong>und</strong> Software auf zusätzlicher sicherer Hardware<br />
Typ B)<br />
5 | Integration auf e<strong>in</strong>er zusätzlichen, sicheren <strong>und</strong><br />
festverdrahteten Steuerlogik, was e<strong>in</strong>e hardwarebasierte<br />
Lösung darstellt (zusätzliche sichere Logikhardware<br />
Typ A)<br />
Bewertung <strong>der</strong> Steuerungskonzeptionen<br />
Die Lösungsansätze 1 bis 4 verwenden Mikroprozessoren<br />
<strong>und</strong> erfor<strong>der</strong>n die Entwicklung sicherheitsrelevanter<br />
Software. Mikroprozessoren stellen im S<strong>in</strong>ne<br />
<strong>der</strong> IEC EN 61508 komplexe Bauteile dar (Typ B), bei<br />
<strong>der</strong>en Verwendung weitaus strengere Grenzwerte für<br />
SFF gelten, <strong>und</strong> damit mehr Diagnoseaufwand als<br />
beim E<strong>in</strong>satz e<strong>in</strong>facher Bauteile (Typ A) notwendig<br />
wird. Die komplexe Schaltungstechnik bei Typ B sowie<br />
die zu erstellende sichere Software bergen e<strong>in</strong><br />
erhöhtes Potenzial an systematischen Fehlern (Software)<br />
sowie zufälligen Fehlern (Komplexität <strong>der</strong> Hardware).<br />
Dagegen be<strong>in</strong>haltet <strong>der</strong> Lösungsansatz 5 e<strong>in</strong><br />
ger<strong>in</strong>ges Potenzial an systematischen Fehlern (ke<strong>in</strong>e<br />
Software, e<strong>in</strong>fache Schaltlogik). Durch die Verwendung<br />
von Bauteilen ger<strong>in</strong>ger Komplexität (zum Beispiel<br />
Logikbauste<strong>in</strong>e, Typ A) s<strong>in</strong>d ger<strong>in</strong>gere Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
an den SFF zu erfüllen, <strong>und</strong> damit unter Umständen<br />
ger<strong>in</strong>gere Anfor<strong>der</strong>ungen an die Diagnose<br />
erfor<strong>der</strong>lich. Dies bedeutet nicht, dass auf umfangreiche<br />
Diagnosefunktionalität <strong>in</strong> <strong>der</strong> Standardsteuerung<br />
verzichtet wird, son<strong>der</strong>n, dass bestehende Diagnosealgorithmen<br />
nicht <strong>in</strong> die formalen Sicherheitsbetrachtungen<br />
e<strong>in</strong>bezogen werden. Bei Lösungsansatz<br />
5 s<strong>in</strong>d vor<strong>der</strong>gründig zufällige Fehler zu beherrschen,<br />
was auf Gr<strong>und</strong> <strong>der</strong> vorhandenen <strong>und</strong> anerkannten Datenbasis<br />
h<strong>in</strong>sichtlich Bauteileausfallwahrsche<strong>in</strong>lichkeiten<br />
[2], unproblematisch ist.<br />
Wie zuvor erwähnt, s<strong>in</strong>d bei 2- o<strong>der</strong> mehrkanaligen<br />
Anlagenarchitekturen zur Erreichung e<strong>in</strong>es SIL 3, siehe<br />
Bild 2 <strong>und</strong> 3, Fehler geme<strong>in</strong>samer Ursachen (CCF)<br />
zu vermeiden. Bezüglich des CCF s<strong>in</strong>d die Lösungsansätze<br />
1 bis 4 wegen systematischer Fehler kritisch zu<br />
bewerten; dagegen eignet sich Lösungsansatz 5 am besten<br />
für mehrkanalige Anlagenarchitekturen.<br />
Lösungsansatz 1 bietet zunächst Vorteile, da für die<br />
Implementierung <strong>der</strong> sicheren Funktionen die vorhandene<br />
Steuerungshardware mit ger<strong>in</strong>gen Hardware-<br />
Anpassungen genutzt werden kann. Aber wie bereits<br />
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53
HAUPTBEITRAG<br />
ERLÄUTERUNGEN – BEGRIFFSDEFINITIONEN<br />
Fehlerrate λ <strong>und</strong> Fehlerwahrsche<strong>in</strong>lichkeit PF(t)<br />
Fehlerrate λ hat die E<strong>in</strong>heit [1/h] beziehungsweise<br />
[FIT=10 –9 1/h]. Für λ = const. (gilt für die Betriebsphase<br />
<strong>der</strong> Weibullverteilung), gilt <strong>der</strong> Zusammenhang zwischen<br />
<strong>der</strong> Fehlerwahrsche<strong>in</strong>lichkeit PF [%] (Probability of<br />
Failure) <strong>und</strong> <strong>der</strong> Fehlerrate λ:<br />
PF(t) = 1 – e –λt o<strong>der</strong> <strong>der</strong> vere<strong>in</strong>fachte <strong>und</strong> l<strong>in</strong>earisierte<br />
Ansatz: PF(t) = λ · t (für Betriebszeit
ed<strong>und</strong>ante, 2-kanalige (HFT=1) <strong>und</strong> 3-kanalige (HFT=2).<br />
HFT=N bedeutet, N+1 Fehler können den Verlust <strong>der</strong><br />
entsprechenden Sicherheitsfunktion bewirken.<br />
Grenzwerte <strong>der</strong> Kenngröße SFF<br />
Je nach erfor<strong>der</strong>lichem Sicherheits<strong>in</strong>tegritätsgrad (SIL)<br />
s<strong>in</strong>d für die sicherheitsbezogenen Systeme <strong>und</strong> Teilsysteme<br />
<strong>und</strong> für die Kenngröße SFF (Anteil sicherer<br />
Ausfälle) Grenzwerte gemäß nachfolgen<strong>der</strong> Tabelle<br />
e<strong>in</strong>zuhalten.<br />
Anteil<br />
Geräte Typ A Geräte Typ B<br />
sicherer<br />
Ausfälle<br />
Hardware Fehlertoleranz<br />
HFT<br />
Hardware Fehlertoleranz<br />
HFT<br />
SFF<br />
N=0 N=1 N=2 N=0 N=1 N=2<br />
< 60% SIL 1 SIL 2 SIL 3<br />
nicht<br />
erlaubt SIL 1 SIL 2<br />
60 % – < 90 % SIL 2 SIL 3 SIL 4 SIL 1 SIL 2 SIL 3<br />
90 % – < 99 % SIL 3 SIL 4 SIL 4 SIL 2 SIL 3 SIL 4<br />
99 % SIL 3 SIL 4 SIL 4 SIL 3 SIL 4 SIL 4<br />
GRENZWERTE SFF [1]<br />
S<strong>in</strong>d für die Teilsysteme TS1 bis TS3 (siehe Referenzarchitektur)<br />
bezüglich SFF die jeweiligen erreichbaren<br />
SIL-Werte ermittelt, dann bestimmt das Teilsystem mit<br />
dem niedrigsten SIL, den SIL des Gesamtsystems.<br />
SIL Gesamtsystem = kle<strong>in</strong>ster SIL-Wert von TS1 bis TS3<br />
Grenzwerte <strong>der</strong> Kenngrößen PFD D / PFH D<br />
Für die Kenngrößen PFD D <strong>und</strong> PFH D gelten die Grenzwerte<br />
gemäß folgen<strong>der</strong> Tabelle.<br />
Safety<br />
Integrity<br />
Level<br />
SIL<br />
Betrieb im nie<strong>der</strong>en<br />
Anfor<strong>der</strong>ungsmodus<br />
Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit<br />
e<strong>in</strong>es Ausfalls e<strong>in</strong>er<br />
vorgesehenen<br />
Funktion bei<br />
Anfor<strong>der</strong>ung<br />
Betrieb im ununterbrochenen<br />
/ hohen<br />
Anfor<strong>der</strong>ungsmodus<br />
Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit<br />
e<strong>in</strong>es gefährlichen<br />
Ausfalls pro St<strong>und</strong>e<br />
4 ≥10 -5 bis
HAUPTBEITRAG<br />
Aus den Rückmeldungen des K<strong>und</strong>en ließen sich<br />
zwei Anwendungsvorteile erkennen:<br />
Der E<strong>in</strong>satz e<strong>in</strong>er separaten sicheren, hardwarebasierten<br />
Steuerungshardware nach Typ A erweist<br />
sich bei <strong>der</strong> Umsetzung red<strong>und</strong>anter Gesamtstrukturen<br />
wegen <strong>der</strong> erwähnten CCF-Problematik als<br />
vorteilhaft.<br />
Das spezielle Design, bei dem durch die Verwendung<br />
e<strong>in</strong>er zusätzlichen sicheren Logikhardware<br />
(SIL-Modul) höchste Anfor<strong>der</strong>ungen an die Zuverlässigkeit<br />
<strong>der</strong> Sicherheitsfunktionen erfüllt werden,<br />
fand beson<strong>der</strong>en Anklang.<br />
Durch den E<strong>in</strong>satz des zusätzlichen SIL-Moduls war es<br />
möglich, elektromechanische Wegendschalter <strong>und</strong> die<br />
Drehmomentüberwachung mit <strong>in</strong> die Sicherheitsfunktion<br />
zu <strong>in</strong>tegrieren. Bei vergleichbaren Systemen werden<br />
diese Signale üblicherweise ausgeblendet, <strong>der</strong> Antrieb<br />
fährt im Anfor<strong>der</strong>ungsfall mit höchstem Drehmoment<br />
<strong>in</strong> die Armaturenendlage, während <strong>in</strong> <strong>der</strong> aktuellen<br />
Lösung die gewohnten Funktionen zum Schutz<br />
<strong>der</strong> Armatur zum E<strong>in</strong>satz kommen.<br />
MANUSKRIPTEINGANG<br />
04.09.2013<br />
Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />
AUTOREN<br />
Dipl. Ing. (FH) PETER MALUS ist bei<br />
Auma als Produktmanager für den<br />
Bereich Drehantriebe <strong>und</strong> Explosionsschutz<br />
tätig. Im Rahmen e<strong>in</strong>es Entwicklungsprojektes<br />
war er im Projektteam für<br />
die Def<strong>in</strong>ition <strong>der</strong> gr<strong>und</strong>legenden Anfor<strong>der</strong>ungen<br />
des „Sicheren Stellantriebs“<br />
zuständig.<br />
AUMA Riester GmbH & Co. KG,<br />
Aumastraße 1,<br />
D-79379 Müllheim,<br />
Tel. + 49 (0) 7631 80 90,<br />
E-Mail: Peter.Malus@auma.com<br />
Dipl. Ing. WERNER THOMANN arbeitet bei<br />
Auma als Entwicklungs<strong>in</strong>genieur <strong>in</strong> <strong>der</strong><br />
Elektronikabteilung <strong>und</strong> war für die<br />
Entwicklung <strong>der</strong> zusätzlichen Logikhardware<br />
(SIL-Modul) für den sicheren<br />
Stellantrieb zuständig. Zudem war er<br />
maßgeblich an <strong>der</strong> Erstellung <strong>der</strong> Dokumentation<br />
entsprechend dem FSM Plan<br />
beteiligt.<br />
AUMA Riester GmbH & Co. KG,<br />
Aumastraße 1,<br />
D-79379 Müllheim,<br />
Tel. +49 (0) 7631 80 90,<br />
E-Mail: Werner.Thomann@auma.com<br />
REFERENZEN<br />
[1] DIN EN 61508: Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener<br />
elektrischer/elektronischer/programmierbarer<br />
elektronischer Systeme, Teile 1 bis 7.<br />
VDE, Beuth<br />
[2] SN 29500: Ausfallraten Bauelemente – Erwartungswerte,<br />
Teile 1 bis 15. Siemens AG<br />
[3] Arndt, V., Kuschnerus, N., Morr, W., Netter, P.,<br />
Schroers, B.: Funktionale Sicherheit – e<strong>in</strong> wichtiges<br />
Thema <strong>in</strong> <strong>der</strong> NAMUR. Tagungsband 8. AALE<br />
Fachkonferenz 2011, S. 7-15. Oldenbourg Industrieverlag,<br />
2011<br />
[4] Netter, P.: Wie die Sicherheit laufen lernte.<br />
Ent wicklung <strong>der</strong> funktionalen Sicherheit <strong>in</strong> Deutschland.<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong> – Automatisierungstechnische<br />
Praxis 52(1-2), S. 46-55, 2011<br />
Prof. Dr.-Ing. KARL-HEINZ KAYSER<br />
(geb. 1955) lehrt an <strong>der</strong> Hochschule<br />
Essl<strong>in</strong>gen <strong>in</strong> <strong>der</strong> Fakultät Mechatronik<br />
<strong>und</strong> Elektrotechnik im Studiengang<br />
Automatisierungstechnik. Er leitet das<br />
Labor Automatisierungstechnik am<br />
Standort <strong>in</strong> Göpp<strong>in</strong>gen. Im Rahmen e<strong>in</strong>es<br />
Forschungssemesters beteiligte er sich an<br />
<strong>der</strong> Entwicklung des sicheren Stellantriebs.<br />
Hochschule Essl<strong>in</strong>gen –<br />
University of Applied Sciences,<br />
Robert-Bosch Str. 1,<br />
D-73037 Göpp<strong>in</strong>gen,<br />
Tel. +49 (0) 7161 679 11 98,<br />
E-Mail: karl-he<strong>in</strong>z.kayser@hs-essl<strong>in</strong>gen.de<br />
56<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
Der Klassiker für die<br />
Prozessautomation geht<br />
<strong>in</strong>s 21. Jahrh<strong>und</strong>ert<br />
Das Handbuch <strong>der</strong> Prozessautomation ist e<strong>in</strong> Standardwerk für die Planung<br />
verfahrenstechnischer Anlagen. In <strong>der</strong> 5., überarbeiteten Version geht es auf<br />
die Herausfor<strong>der</strong>ung bei <strong>der</strong> Digitalisierung <strong>der</strong> Anlage e<strong>in</strong>. Das Handbuch<br />
wurde von fast 50 Experten mit umfassenden Praxiskenntnissen gestaltet<br />
<strong>und</strong> deckt das gesamte Feld <strong>der</strong> Prozessautomatisierung ab.<br />
Hrsg.: K. F. Früh, U. Maier, D. Schaudel<br />
5. Auflage 2014<br />
740 Seiten, 170 x 240mm, Hardcover<br />
Erhältlich <strong>in</strong> 2 Varianten<br />
www.di-verlag.de<br />
DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München<br />
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___ Ex.<br />
Handbuch <strong>der</strong> Prozessautomatisierung<br />
5. Auflage – ISBN: 978-3-8356-3372-8<br />
für € 199,90 (zzgl. Versand)<br />
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Handbuch <strong>der</strong> Prozessautomatisierung<br />
mit <strong>in</strong>teraktivem eBook (Onl<strong>in</strong>e-Lesezugriff im MediaCenter)<br />
5. Auflage – ISBN: 978-3-8356-7119-5<br />
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Zur Wahrung <strong>der</strong> Wi<strong>der</strong>rufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Wi<strong>der</strong>rufs o<strong>der</strong> <strong>der</strong> Sache an die Vulkan-Verlag GmbH,<br />
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Ort, Datum, Unterschrift<br />
PAHBPA2014<br />
Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung <strong>und</strong> zur Pflege <strong>der</strong> laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst <strong>und</strong> gespeichert. Mit dieser Anfor<strong>der</strong>ung erkläre ich mich damit e<strong>in</strong>verstanden,<br />
dass ich vom DIV Deutscher Industrieverlag o<strong>der</strong> vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über <strong>in</strong>teressante, fachspezifische Medien <strong>und</strong> Informationsangebote <strong>in</strong>formiert <strong>und</strong> beworben werde.<br />
Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die <strong>Zukunft</strong> je<strong>der</strong>zeit wi<strong>der</strong>rufen.
HAUPTBEITRAG<br />
Adaptive Führung<br />
e<strong>in</strong>es Modulkraftwerks<br />
Konzept für e<strong>in</strong>e zu 100 % autarke, regenerative Energieversorgung<br />
Ziel des Vorhabens, das <strong>in</strong> diesem Beitrag beschrieben wird, ist die Entwicklung<br />
e<strong>in</strong>es kompakten gr<strong>und</strong>- <strong>und</strong> spitzenlastfähigen Kraftwerks auf Basis regenerativer<br />
Energien <strong>und</strong> verschiedener Energiespeichersysteme. Das Kraftwerk soll autark <strong>in</strong><br />
netzfernen Gebieten e<strong>in</strong>e Strom- <strong>und</strong> <strong>Wasser</strong>stoffversorgung gewährleisten. Die beson<strong>der</strong>e<br />
Innovation liegt <strong>in</strong> <strong>der</strong> neuartigen, energieeffizienten Kopplung <strong>der</strong> Komponenten,<br />
wodurch e<strong>in</strong>e modulare Bauweise sowie e<strong>in</strong>e bessere Optimierung auf<br />
den jahreszeitlichen Energiebedarf des K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> die standortspezifischen Energiequellen<br />
möglich werden. Um das autarke Kraftwerk gr<strong>und</strong>lastfähig zu machen,<br />
vernetzt e<strong>in</strong>e speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) die Komponenten mite<strong>in</strong>an<strong>der</strong><br />
<strong>und</strong> ermöglicht so e<strong>in</strong>e bisher unerreichte autarke Systemleistung.<br />
SCHLAGWÖRTER Modulkraftwerk / Hybridkraftwerk / autarke Energieversorgung<br />
Adaptive Control of a Modular Power Plant –<br />
Provid<strong>in</strong>g a Stand-alone Regenerative Energy Supply<br />
The ma<strong>in</strong> focus of the project is the development of a small base / peak load power<br />
plant us<strong>in</strong>g renewable sources of energy and various storage systems for rural energy<br />
supply with electricity and hydrogen. The ma<strong>in</strong> <strong>in</strong>novation is the efficient coupl<strong>in</strong>g<br />
of the various components, which allows a seasonal and location specific adaptation<br />
to the specific demand. The power plant is equipped with a programmable<br />
logic controller (PLC) which offers a new quality of stand-alone system performance.<br />
KEYWORDS Modular power plant / hybrid power plant / stand alone energy supply<br />
58<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
CHRISTIAN KOLBE, Fachhochschule Strals<strong>und</strong><br />
Mit dem weltweiten Ausbau von regenerativen<br />
Energien <strong>und</strong> <strong>der</strong> allgeme<strong>in</strong>en Frage <strong>der</strong> Verteilung<br />
sowie <strong>der</strong> Speicherung von Energie<br />
wird <strong>der</strong> dezentrale E<strong>in</strong>satz von autarken,<br />
regenerativen Kle<strong>in</strong>kraftwerken immer <strong>in</strong>teressanter.<br />
Die abnehmende Zahl von Großkraftwerken <strong>und</strong><br />
die gleichzeitig wachsende <strong>in</strong>stallierte Leistung von regenerativen<br />
Erzeugern erfor<strong>der</strong>n e<strong>in</strong>e Lösungsstrategie, um<br />
die Gr<strong>und</strong>lastversorgung mit regenerativen Energien zu<br />
sichern. Das autarke Modulkraftwerk (MKW) als Eigenentwicklung<br />
im Rahmen e<strong>in</strong>es För<strong>der</strong>projektes am Institut<br />
für Regenerative Energiesysteme (IRES) <strong>der</strong> FH-Strals<strong>und</strong><br />
vere<strong>in</strong>t e<strong>in</strong> autarkes, modulares Energienetz mit verschiedenen<br />
Speichertechnologien. Zwecks weltweiter Transportierbarkeit<br />
<strong>in</strong> netzferne Regionen ist es <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em 20 Fuß-<br />
Conta<strong>in</strong>er untergebracht. Der Anwendungsfall zielt gr<strong>und</strong>sätzlich<br />
auf die Elektrifizierung mit e<strong>in</strong>em <strong>in</strong>dividuellen<br />
Lastprofil ab, <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em nicht erschlossenen Gebiet. Durch<br />
den modularen Aufbau <strong>und</strong> die Möglichkeit, das System<br />
<strong>in</strong>dividuell energetisch auf den Nutzer anzupassen, ergeben<br />
sich nahezu une<strong>in</strong>geschränkte E<strong>in</strong>satzmöglichkeiten.<br />
Die externen Erzeuger lassen sich ohne großen Aufwand<br />
demontieren <strong>und</strong> zum Transport im Conta<strong>in</strong>er verstauen.<br />
Es s<strong>in</strong>d verschiedene Systemaufbauten möglich, wobei die<br />
Leistung sowie <strong>der</strong> Erzeuger variiert werden kann.<br />
Der Prototyp <strong>in</strong> Strals<strong>und</strong> ist als Drehstrom-Inselsystem<br />
ausgeführt, wobei neben e<strong>in</strong>er Kle<strong>in</strong>w<strong>in</strong>dkraftanlage<br />
e<strong>in</strong>e Fotovoltaikanlage als Haupterzeuger <strong>in</strong>stalliert<br />
ist. Die Hauptenergiequelle des Inselsystems ist<br />
e<strong>in</strong>e 48 V-Blei- OPZV-Batteriebank, die aus E<strong>in</strong>zelzellen<br />
besteht, die über bidirektionale Inselwechselrichter die<br />
Energieversorgung <strong>der</strong> Wechselstrom/Drehstromverbraucher<br />
übernimmt. Als Backup o<strong>der</strong> Möglichkeit zur<br />
Überschusse<strong>in</strong>speisung können die Inselwechselrichter<br />
auf e<strong>in</strong> lokales Netz synchronisiert werden.<br />
Neben dem elektrischen System ist das Kraftwerk mit<br />
e<strong>in</strong>er vollständigen <strong>Wasser</strong>stoffkette, bestehend aus<br />
zwei Elektrolyseuren, e<strong>in</strong>er Brennstoffzelle sowie e<strong>in</strong>em<br />
<strong>Wasser</strong>stoffspeicher auf Basis von Druckgasspeichern<br />
ausgestattet. Der <strong>Wasser</strong>stoffspeicher dient <strong>in</strong> <strong>der</strong> Konfiguration<br />
des Prototyps <strong>in</strong> erster L<strong>in</strong>ie als Saisonalspeicher,<br />
wobei Energieüberschüsse im Inselnetz durch die<br />
<strong>Wasser</strong>stoffherstellung abgefangen <strong>und</strong> Energieengpässe<br />
über die Rückverstromung des <strong>Wasser</strong>stoffs durch<br />
e<strong>in</strong>e Brennstoffzelle möglichst vermieden werden.<br />
1. SYSTEMAUSLEGUNG<br />
Die Systemauslegung wurde mit <strong>der</strong> frei verfügbaren Software<br />
Homer Legacy [5] durchgeführt, die auf die Auslegung<br />
von Inselsystemen spezialisiert ist. Die Komponenten<br />
werden mit den Kennl<strong>in</strong>ien <strong>der</strong> Datenblätter über<br />
quantitative Sensitivitäten def<strong>in</strong>iert, wodurch die Software<br />
das System berechnet. Somit ist es möglich, neben<br />
e<strong>in</strong>er standortspezifischen Ertragsprognose <strong>der</strong> regenerativen<br />
Erzeuger unter E<strong>in</strong>beziehung von Lastprofilen e<strong>in</strong>e<br />
wirtschaftlich-energetisch optimierte Systemauslegung<br />
zu treffen, passend zu e<strong>in</strong>em def<strong>in</strong>ierten Lastprofil [2].<br />
Für die Auslegung des Prototyps werden <strong>in</strong> <strong>der</strong> Simulation<br />
normierte Lastprofile mit den Standards Bus<strong>in</strong>ess,<br />
Haushalt <strong>und</strong> Landwirtschaft verwendet. Durch<br />
mehrjährige W<strong>in</strong>dmessungen stehen aussagekräftige<br />
Werte für die Simulation <strong>der</strong> W<strong>in</strong>dkraftanlage zur Verfügung,<br />
die <strong>in</strong> Komb<strong>in</strong>ation mit den Daten <strong>der</strong> Solardatenbank<br />
<strong>der</strong> Software die Energieproduktion des Systems<br />
h<strong>in</strong>reichend genau vorhersagen können.<br />
Bei <strong>der</strong> Validierung <strong>der</strong> Simulationsdaten gegen die<br />
realen Messdaten fällt die Kle<strong>in</strong>w<strong>in</strong>dkraftanlage mit sehr<br />
schlechter Bilanz auf, da diese real nur e<strong>in</strong>en Bruchteil<br />
des prognostizierten Ertrags pro Jahr erzeugt. Die Prognose<br />
<strong>der</strong> Fotovoltaikanlage wurde <strong>in</strong> <strong>der</strong> Simulation sehr<br />
genau bilanziert. Die angesetzte maximale Versorgungskapazität<br />
im autarken Betrieb von 11 kWh/Tag bei genormten<br />
Lastprofilen musste aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong> schlecht funktionierenden<br />
Kle<strong>in</strong>w<strong>in</strong>dkraftanlage auf 7 kWh/Tag korrigiert<br />
werden. Diese Prognose wurde durch Entladetests<br />
im Zeitraum von e<strong>in</strong>em Jahr am realen System bestätigt.<br />
In Bild 2 s<strong>in</strong>d die simulierten Ladezustände <strong>der</strong> Batterie<br />
<strong>und</strong> des <strong>Wasser</strong>stoffspeichers im zeitlichen Verlauf<br />
über e<strong>in</strong> Jahr abgebildet, wobei das System über<br />
e<strong>in</strong> Haushalts-Lastprofil mit e<strong>in</strong>em gemittelten Verbrauch<br />
von 7 kWh/Tag belastet wird. Die Batterien s<strong>in</strong>d<br />
<strong>in</strong>itial vollständig geladen.<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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59
HAUPTBEITRAG<br />
Der <strong>Wasser</strong>stoffspeicher ist <strong>in</strong>itial vollständig entleert.<br />
Er wird im Sommer beladen <strong>und</strong> <strong>in</strong> den ertragsschwachen<br />
Zeiten im W<strong>in</strong>ter entladen. Die Simulationsergebnisse<br />
vermitteln jedoch nur e<strong>in</strong>e erste Dimensionierung<br />
<strong>der</strong> Komponenten, abhängig von e<strong>in</strong>em spezifischen Lastprofil.<br />
Spezielle Betriebsführungen können jedoch nicht<br />
<strong>in</strong> die Simulation e<strong>in</strong>gepflegt werden.<br />
1.1 Systemübersicht<br />
Die Wechselrichter s<strong>in</strong>d zwecks freier Konvektion an<br />
den Wänden des Conta<strong>in</strong>ers <strong>in</strong>stalliert, siehe Bild 3. Die<br />
elektrische Verschaltung erfolgt im Hauptschaltschrank,<br />
wobei die Hauptsteuerung <strong>in</strong> <strong>der</strong> Schaltschranktür <strong>in</strong>stalliert<br />
ist. Bei Ausfall <strong>der</strong> SPS lässt sich das Kraftwerk<br />
über e<strong>in</strong>e Handsteuerung bedienen. Tabelle 1 zeigt die<br />
Komponenten des Modulkraftwerks.<br />
am E<strong>in</strong>gang, wie <strong>in</strong> Bild 5 durch die gestrichelten L<strong>in</strong>ien<br />
dargestellt, ke<strong>in</strong> Netz anliegt [2].<br />
Der Ausgang <strong>der</strong> Inselwechselrichter ist <strong>der</strong> netzbildende<br />
Anschluss des Inselwechselrichters, wobei <strong>der</strong> E<strong>in</strong>gang ausschließlich<br />
als Backup/E<strong>in</strong>speisung genutzt werden kann.<br />
Im autarken Betrieb wird die Last über die Batterie <strong>und</strong> die<br />
Erzeuger versorgt. Steigt im Ladevorgang die Batteriespannung<br />
über das vorgegebene Limit <strong>der</strong> Ladephase, so werden<br />
die Erzeuger mittels Frequenzerhöhung im Inselnetz vom<br />
Inselwechselrichter abgeworfen, wodurch das System vor<br />
Überladung geschützt wird. Um die Erzeugerenergie im autarken<br />
Betrieb möglichst auszuschöpfen, ist e<strong>in</strong>e genaue<br />
Systemauslegung auf die elektrischen Lasten vorteilhaft.<br />
2. SYSTEMBESCHREIBUNG<br />
Die Inselwechselrichter mit <strong>in</strong>tegriertem Ladegerät<br />
stellen über den Batterieanschluss e<strong>in</strong> bidirektionales<br />
Drehstrom<strong>in</strong>selnetz am Ausgang (AC_out) bereit, worüber<br />
die Energie <strong>der</strong> Erzeuger <strong>in</strong> die Batterie geladen,<br />
wie auch über die Verbraucher aus <strong>der</strong> Batterie entnommen<br />
werden kann, siehe Bild 4. Neben <strong>der</strong> direkt<br />
verbrauchten Energie durch e<strong>in</strong>e elektrische Last o<strong>der</strong><br />
die Elektrolyseure wird die Überschussenergie im Inselnetzbetrieb<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> Batterie gespeichert. Die Erzeuger<br />
s<strong>in</strong>d über separate Netzwechselrichter auf das Inselnetz<br />
synchronisiert. Der Ladezustand <strong>der</strong> Batterie wird<br />
durch e<strong>in</strong>en separaten Batteriemonitor über e<strong>in</strong>e<br />
Shunt-Messung bestimmt.<br />
Bei Verfügbarkeit e<strong>in</strong>es lokalen Netzes kann über den<br />
E<strong>in</strong>gang <strong>der</strong> Inselwechselrichter (AC_<strong>in</strong>) die Überschussenergie<br />
aus dem Inselnetz e<strong>in</strong>gespeist, die Batterie<br />
bei Tiefenentladung <strong>in</strong> ertragsschwachen Zeiten<br />
nachgeladen sowie die elektrischen Verbraucher variabel<br />
unterstützt werden. Zudem besteht die Möglichkeit,<br />
die Batterien <strong>in</strong>s Netz zu entladen, um zum Beispiel<br />
e<strong>in</strong> Microgrid zu unterstützen.<br />
Die Funktionalität <strong>der</strong> gesteuerten Netzzuschaltung<br />
wird vom Inselwechselrichter nicht übernommen. Um e<strong>in</strong>e<br />
gezielte Netzzuschaltung <strong>in</strong> Abhängigkeit vom Ladezustand<br />
<strong>der</strong> Batterie, Erzeugerlast sowie Verbraucherlast zu<br />
realisieren, ist das System mit e<strong>in</strong>er übergeordneten SPS<br />
ausgerüstet, die e<strong>in</strong>e optimierte Betriebsführung des autarken<br />
Kraftwerks ermöglicht. Das Kraftwerk kann, abhängig<br />
vom E<strong>in</strong>satzgebiet, <strong>in</strong> verschiedenen Modi gefahren<br />
werden. Über die Verschaltungsmöglichkeiten <strong>der</strong> Netzkopplung<br />
lässt sich das Kraftwerk <strong>in</strong>dividuell betreiben.<br />
BILD 1: Aufbau e<strong>in</strong>es Conta<strong>in</strong>erkraftwerks mit<br />
verschiedenen Systemaufbauten<br />
BILD 2: Simulierte Ladezustände <strong>der</strong><br />
Speicher über e<strong>in</strong> Jahr<br />
2.1 Autarker Betrieb<br />
Das Haupte<strong>in</strong>satzgebiet des Modulkraftwerks s<strong>in</strong>d<br />
netzferne Regionen, wo e<strong>in</strong> lokales Netz sowie e<strong>in</strong> Notstromaggregat<br />
nicht o<strong>der</strong> selten vorhanden s<strong>in</strong>d. Im<br />
autarken Betrieb s<strong>in</strong>d die regenerativen Erzeuger auf<br />
die Ausgänge <strong>der</strong> Inselwechselrichter geschaltet, wobei<br />
BILD 3: Innenansicht des Conta<strong>in</strong>ers<br />
60<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
2.2 Semi-autarker Betrieb<br />
Der semi-autarke Betrieb ähnelt dem autarken Betrieb, mit<br />
dem Unterschied, dass am E<strong>in</strong>gang <strong>der</strong> Inselwechselrichter<br />
das lokale Netz zugeschaltet wird, siehe Bild 5. Somit<br />
kann das System bei Perioden ger<strong>in</strong>ger Last <strong>und</strong> hoher<br />
Energieproduktion vollständig <strong>in</strong> Betrieb bleiben,<br />
ohne die Erzeuger abschalten zu müssen [2]. Nachteilig<br />
an diesem Betriebsmodus ist, dass bei großen Anschlussleistungen<br />
im Inselnetz sowie bei <strong>der</strong> Batterienachladung<br />
immer e<strong>in</strong> Anteil Netzenergie bezogen<br />
wird <strong>und</strong> somit <strong>der</strong> autarke Gr<strong>und</strong>gedanke des Kraftwerks<br />
<strong>in</strong> den H<strong>in</strong>tergr<strong>und</strong> rückt. Der maximale Bezugsstrom<br />
am E<strong>in</strong>gang wird, je nach E<strong>in</strong>speiselast,<br />
dynamisch e<strong>in</strong>gestellt.<br />
2.3 Netzbetrieb<br />
Im Netzbetrieb wird das lokale Netz, wie <strong>in</strong> Bild 6<br />
gezeigt, am E<strong>in</strong>gang zugeschaltet <strong>und</strong> die regenerativen<br />
Erzeuger ebenfalls auf das lokale Netz synchronisiert.<br />
Somit entsteht e<strong>in</strong> netzgeb<strong>und</strong>enes Batteriekraftwerk,<br />
das bei Netzausfall e<strong>in</strong>e unterbrechungsfreie<br />
Stromversorgung <strong>der</strong> Lasten darstellt. Bei e<strong>in</strong>er<br />
Unterbrechung des lokalen Netzes schalten sich die<br />
Komponente<br />
Elektrisches System<br />
Inselwechselrichter<br />
Fotovoltaikanlage<br />
Kle<strong>in</strong>w<strong>in</strong>dkraftanlage<br />
Wandler Brennstoffzelle<br />
Batteriespeicher<br />
<strong>Wasser</strong>stoffsystem<br />
Brennstoffzelle<br />
Elektrolyseur<br />
H 2 -Speicher<br />
Steuerung<br />
HMI-SPS<br />
Gehäuse<br />
Conta<strong>in</strong>er<br />
Isolierung<br />
Details<br />
3 x 3,6 kW, 400 Vac. 48 Vdc<br />
15 x 240 Wp, 3,6 kWp Wechselrichter<br />
1,5 kW, 170 Vdc, 1,7 kWp Wechselrichter<br />
DC/DC, 1,2 kW, 48 V Ausgangsspannung<br />
24 x 2V Zelle, OPZV, 600 Ah (C10)<br />
1,2 kW, 16-36 V, (PEM), 48 V DC/DC Wandler<br />
2 x (1,2 kW, 200 Nl/h), 30 Bar max.<br />
2 x 60 l Stahlflasche mit GFK<br />
DC1010, 10“-Display, 400 MHz<br />
DIN-20 Fuß-Überseeconta<strong>in</strong>er<br />
60 mm-PUR-Sandwichplatten<br />
BILD 5: Autarker<br />
beziehungsweise<br />
semi-autarker Betrieb<br />
TABELLE 1: Komponentenübersicht des Systems<br />
BILD 6: Netzbetrieb<br />
(netzgeb<strong>und</strong>enes<br />
Batteriekraftwerk)<br />
BILD 4: Gesamtsystem des Modulkraftwerks<br />
BILD 7: Kriterien <strong>der</strong> Netzautomatik<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
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61
HAUPTBEITRAG<br />
regenerativen Erzeuger ab, <strong>und</strong> das Inselsystem sichert<br />
die Energiebereitstellung.<br />
Der Vorteil dieser Verschaltung ist, dass die Nennleistung<br />
<strong>der</strong> Inselwechselrichter nicht <strong>der</strong> Nennleistung<br />
<strong>der</strong> Erzeuger entsprechen muss, wie es bei den autarken<br />
Modi <strong>der</strong> Fall ist, <strong>und</strong> somit die Inselwechselrichter, je<br />
nach Lastanfor<strong>der</strong>ung, kle<strong>in</strong>er dimensioniert werden<br />
können. In den autarken Modi, muss <strong>der</strong> Inselwechselrichter<br />
<strong>der</strong> Nennleistung <strong>der</strong> Erzeuger entsprechen, um<br />
diese Leistung <strong>in</strong> die Batterie laden zu können.<br />
3. ADAPTIVES STEUERUNGS- UND REGELUNGSKONZEPT<br />
Um den autarken E<strong>in</strong>satz des Kraftwerks <strong>in</strong>dividuell<br />
anpassbar <strong>und</strong> zu e<strong>in</strong>em gewissen Maß <strong>in</strong>telligent zu<br />
machen, s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> <strong>der</strong> SPS des Modulkraftwerks Funktionalitäten<br />
programmiert, die die Systemperformance<br />
des Gesamtsystems maßgeblich bee<strong>in</strong>flussen. Das e<strong>in</strong>gesetzte<br />
Steuerungsgerät ist e<strong>in</strong>e kompakte HMI-Steuerung,<br />
die über Steckkarten mit E<strong>in</strong>/Ausgängen sowie<br />
mit verschiedenen Schnittstellen ausgestattet <strong>und</strong> <strong>in</strong><br />
e<strong>in</strong>em Displaygehäuse verbaut ist. Die Steuerung wird<br />
mit <strong>der</strong> Software CoDeSys 2.3 programmiert <strong>und</strong> vernetzt<br />
im Modulkraftwerk alle def<strong>in</strong>ierten Schnittstellen<br />
mite<strong>in</strong>an<strong>der</strong>. Über e<strong>in</strong>e RS 232-Schnittstelle werden die<br />
wichtigsten elektrischen Systemgrößen <strong>der</strong> Inselwechselrichter,<br />
wie <strong>der</strong> Ladezustand <strong>der</strong> Batterie, die aktuelle<br />
Ladephase <strong>und</strong> die elektrischen Messwerte, ausgelesen.<br />
3.1 Netzautomatik<br />
Das Ziel <strong>der</strong> Netzautomatik ist es, die Netzkopplung ausschließlich<br />
zur Überschuss- o<strong>der</strong> Batteriee<strong>in</strong>speisung zu<br />
nutzen. Die vordef<strong>in</strong>ierte Betriebsführung <strong>der</strong> Inselwechselrichter<br />
wird durch die übergeordnete SPS wesentlich<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong>en Anwendungsvariabilität erweitert.<br />
Somit wird neben <strong>der</strong> Überschusse<strong>in</strong>speisung e<strong>in</strong>e geziehlte<br />
Batteriee<strong>in</strong>speisung mit anschließen<strong>der</strong> autarker<br />
Nachladung möglich. So könnte e<strong>in</strong> aus mehreren Modulkraftwerken<br />
bestehendes M<strong>in</strong>igrid Energie zwischen<br />
e<strong>in</strong>zelnen Conta<strong>in</strong>ern transferieren. Ohne die Netzautomatik<br />
ist e<strong>in</strong>e def<strong>in</strong>ierte autarke Ladung <strong>in</strong> den netzgekoppelten<br />
Modi nicht möglich. Sobald ke<strong>in</strong>e Überschussenergie<br />
im Inselsystem mehr anfällt, wird das lokale<br />
Netz durch die Netzautomatik vom Kraftwerk getrennt.<br />
Mit Unterschreiten e<strong>in</strong>es kritischen Batterieladezustands<br />
wird das lokale Netz zwecks Batterienachladung<br />
zur Vorbeugung e<strong>in</strong>es Systemausfalls zugeschaltet. Folgende<br />
Regelgrößen gehen <strong>in</strong> die Netzautomatik e<strong>in</strong>:<br />
Batterieladephase: Bulk (I)/ Absorption (U1)/<br />
Schwebeladung (U2)<br />
Referenzspannung <strong>der</strong> Ladephasen <strong>und</strong> Batteriespannung<br />
Die Netzautomatik vergleicht die aktuelle Batterieladephase<br />
<strong>der</strong> mehrstufigen Ladekurve mit <strong>der</strong> Batteriespannung<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong>en Sollwert <strong>und</strong> entscheidet, ob das<br />
Kraftwerk autark, o<strong>der</strong> zwecks Überschusse<strong>in</strong>speisung,<br />
mit Netzkopplung arbeitet, siehe Bild 7. Die Batterieladephase<br />
<strong>der</strong> Inselwechselrichter ist abhängig<br />
vom errechneten SOC des Batteriemanagementsystems<br />
(BMS). Dieses wurde speziell auf die verwendeten Batterien<br />
parametriert.<br />
Somit wird <strong>der</strong> Energiebezug aus dem Netz auf e<strong>in</strong><br />
M<strong>in</strong>imum begrenzt <strong>und</strong> das Kraftwerk bis zu def<strong>in</strong>ierten<br />
Grenzsituationen autark betrieben. Die Netzautomatik<br />
ist entsprechend <strong>der</strong> Ladezyklenwechsel <strong>der</strong><br />
Batterie träge schaltend, um e<strong>in</strong> zu häufiges Zu/Abschalten<br />
des Netzes zu verh<strong>in</strong><strong>der</strong>n. Die Batterien werden,<br />
soweit wie möglich, autark geladen, wobei <strong>der</strong> Ladezyklus<br />
durch das lokale Netz vollständig beendet wird.<br />
BILD 8: Spannung [V] <strong>und</strong> Frequenz [Hz] am AC_<strong>in</strong><br />
BILD 10: Ladezustand [%] <strong>und</strong> Batteriespannung [V]<br />
BILD 9: Summenstrom [A] am AC_<strong>in</strong><br />
BILD 11: Summenleistung [kVA] am AC_out<br />
62<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
E<strong>in</strong>e vollständig, autarke Ladung ist aufgr<strong>und</strong> <strong>der</strong> unregelbaren<br />
regenerativen Erzeuger meist nicht möglich.<br />
Entladetest mit Netzautomatik<br />
Im folgenden Abschnitt wird e<strong>in</strong>e Messung e<strong>in</strong>er Batteriee<strong>in</strong>speisung<br />
<strong>in</strong>s lokale Netz mit anschließen<strong>der</strong> autarker<br />
Nachladung durch die regenerativen Erzeuger dargestellt.<br />
Als Lastszenario wird zwischen 2 <strong>und</strong> 5 Uhr e<strong>in</strong><br />
Teil <strong>der</strong> gespeicherten Energie aus <strong>der</strong> Batterie <strong>in</strong>s lokale<br />
Netz e<strong>in</strong>gespeist, <strong>in</strong>dem das Netz <strong>in</strong> diesem Zeitraum<br />
zugeschaltet, siehe Bild 8, die Batteriee<strong>in</strong>speisung aktiviert<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong> Sollwert für die E<strong>in</strong>speisung auf 5 A pro<br />
Phase e<strong>in</strong>gestellt wird, siehe Bild 9. Die Messung zeigt<br />
den charakteristischen Verlauf e<strong>in</strong>es sonnigen Märztages.<br />
Wie <strong>in</strong> Bild 9 gezeigt, summiert sich <strong>der</strong> E<strong>in</strong>speisestrom<br />
am AC_<strong>in</strong> auf 15 A.<br />
Die Batterie wird <strong>in</strong> diesem Zeitraum von <strong>in</strong>itial<br />
90 % SOC bis zu 50 % SOC entladen, wobei die Batteriespannung<br />
auf 46,5 V e<strong>in</strong>bricht, siehe Bild 10.<br />
Mit beg<strong>in</strong>nen<strong>der</strong> Fotovoltaike<strong>in</strong>speisung ab t > 8 Uhr,<br />
wird die Batterie bis t = 17 Uhr autark geladen, siehe Bild<br />
11. Der Ladezustand steigt über den Tag bis auf 90 % SOC<br />
an, wobei die Batteriespannung e<strong>in</strong>en Wert 55 V erreicht.<br />
Die summierte Leistung am Inselnetzausgang (AC_<br />
out) ist <strong>in</strong> Bild 11 dargestellt. Würde die Batterie im<br />
Verlauf des Tages vollständig geladen <strong>und</strong> die Ladeendspannung<br />
erreichen, würde die Netzautomatik das lokale<br />
Netz zwecks Überschusse<strong>in</strong>speisung zuschalten.<br />
Normalbetrieb mit Netzautomatik<br />
Im nächsten Abschnitt wird <strong>der</strong> Normalbetrieb des<br />
Systems mit aktivierter Netzautomatik beschrieben. Die<br />
Messung zeigt e<strong>in</strong>e charakteristische Messung e<strong>in</strong>es<br />
Tages im August. Das System läuft bis t = 10 Uhr autark<br />
ohne Netzkopplung, siehe Bild 12.<br />
Mit beg<strong>in</strong>nen<strong>der</strong> Energieproduktion <strong>der</strong> Fotovoltaikanlage<br />
ab t > 9 Uhr, siehe Bild 13, steigt die Batteriespannung,<br />
siehe Bild 14, stetig an, bis die Ladeendspannung<br />
erreicht wird.<br />
Bei t = 10 Uhr wird die Ladeendspannung von 57 V<br />
erreicht, siehe Bild 14, <strong>und</strong> die Netzautomatik schaltet<br />
das lokale Netz zu, um e<strong>in</strong>e Überspannung zu vermeiden.<br />
Mit zugeschaltetem Netz bei t > 10 Uhr wird die<br />
Ladeendspannung noch bis t = 10:30 Uhr gehalten, um<br />
den Batterieladezyklus vollständig zu beenden. Während<br />
<strong>der</strong> Überschusse<strong>in</strong>speisung wird die Batteriespannung<br />
auf dem def<strong>in</strong>ierten Niveau <strong>der</strong> Schwebeladungsspannung<br />
gehalten.<br />
Mit zugeschaltetem Netz wird <strong>der</strong> überschüssige Erzeugerstrom<br />
<strong>in</strong>s lokale Netz gespeist, siehe Bild 15. Ab<br />
t = 22 Uhr wird mit e<strong>in</strong>er def<strong>in</strong>ierten Verzögerung zur<br />
letzten Überschusse<strong>in</strong>speisung <strong>der</strong> autarke Modus aktiviert<br />
<strong>und</strong> das Kraftwerk ohne Netzkopplung durch<br />
die Nacht betrieben, siehe Bild 12.<br />
Die Netzautomatik bietet somit die Möglichkeit, die<br />
ungeregelten regenerativen Erzeuger solange autark zu<br />
betreiben, bis die Referenzspannung <strong>der</strong> jeweiligen<br />
Ladephase überschritten wird. Beim Betrieb mit deaktivierter<br />
Netzautomatik würden die Erzeuger stattdessen<br />
über e<strong>in</strong>e Erhöhung <strong>der</strong> Inselnetzfreuqenz über die<br />
Betriebsführung <strong>der</strong> Inselwechselrichter abgeschaltet,<br />
wobei Ertragsausfälle entstehen. Somit wird die autarke<br />
Performance des Kraftwerks durch die Netzautomatik<br />
verbessert <strong>und</strong> e<strong>in</strong>e gezielte E<strong>in</strong>speisung <strong>in</strong>s<br />
lokale Netz ermöglicht.<br />
3.2 Dynamische Entladegrenze<br />
Die autarke Ausrichtung e<strong>in</strong>es Systems br<strong>in</strong>gt immer<br />
e<strong>in</strong>en möglichen Energieengpass mit sich, wobei ungesicherte<br />
Lasten zwecks Vorbeugung e<strong>in</strong>es Systemausfalls<br />
abgeworfen werden. Das Modulkraftwerk bedient<br />
sich dieser Funktionalität mit <strong>der</strong> Erweiterung e<strong>in</strong>er<br />
BILD 12: Spannung [V] <strong>und</strong> Frequenz [Hz] am AC_<strong>in</strong><br />
BILD 14: Ladezustand [%] <strong>und</strong> Batteriespannung [V]<br />
BILD 13: Summenleistung [kVA] am AC_out<br />
BILD 15: Summenstrom [A] am AC_<strong>in</strong><br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
63
HAUPTBEITRAG<br />
BILD 16: Monatliche Ertragsprognose des Systems [kWh]<br />
BILD 18: Kriterien für <strong>Wasser</strong>stofferzeugung<br />
BILD 17: Dynamische Entladegrenze <strong>der</strong> Batterie [%]<br />
BILD 19: Betriebsführung Rückverstromung<br />
dynamischen Anpassung <strong>der</strong> Lastabwurfschwelle, die<br />
als Initialwerte die Ertragsdaten <strong>der</strong> Software Homer<br />
Legacy, siehe Bild 16, sowie die Eigenverbrauchsdaten<br />
<strong>und</strong> Lastprofildaten <strong>der</strong> Nutzeranfor<strong>der</strong>ung zur Errechnung<br />
<strong>der</strong> Lastabwurfschwelle verwendet [3]. Diese werden<br />
für den jeweiligen E<strong>in</strong>satzort o<strong>der</strong> das Lastszenario<br />
im Quelltext <strong>der</strong> Steuerung h<strong>in</strong>terlegt.<br />
Aus <strong>der</strong> Batteriekapazität <strong>und</strong> dem durchschnittlich<br />
prognostizierten Tagesertrag wird die dynamische Entladegrenze<br />
<strong>in</strong> <strong>der</strong> SPS berechnet <strong>und</strong> zwecks Zyklenmaximierung<br />
<strong>der</strong> Batterie auf Werte zwischen 30 % <strong>und</strong><br />
80 % SOC begrenzt. Die Daten <strong>der</strong> Simulation werden mit<br />
den Messwerten von Ertrag <strong>und</strong> Verbrauch monatlich<br />
aktualisiert <strong>und</strong> somit zyklisch <strong>in</strong> <strong>der</strong> SPS korrigiert.<br />
Die untere Entladegrenze <strong>der</strong> Batterie wird mit 30 %<br />
SOC angegeben, wobei die zyklen-maximierte Entladegrenze<br />
mit 80 % SOC angegeben wird. Die errechnete<br />
Entladegrenze wird durch dieses Intervall angepasst<br />
<strong>und</strong> als dynamische Entladegrenze im System verwendet,<br />
siehe Bild 17. Somit kann das System für jeden<br />
Standort jahreszeitabhängig an die <strong>in</strong>dividuell variierenden<br />
Erzeuger-Lastverhältnisse angepasst <strong>und</strong> die<br />
autarke Performance des Systems nochmals gesteigert<br />
werden. Die dauerhaft korrigierten Mittelwerte optimieren<br />
mit <strong>der</strong> Zeit die dynamische Entladegrenze <strong>und</strong><br />
verbessern somit die Ausnutzung <strong>der</strong> Batteriekapazität.<br />
3.3 <strong>Wasser</strong>stoffherstellung (H2-Modus)<br />
Der H2-Modus steuert die gezielte Zuschaltung <strong>der</strong><br />
Elektrolyseurstufen. Bei gleichzeitiger Aktivierung des<br />
H2-Modus mit <strong>der</strong> Netzautomatik wird die <strong>Wasser</strong>stoffkette<br />
im System freigegeben. Im Fall e<strong>in</strong>es Energieüberschusses<br />
im autarken Betrieb werden die Elektrolyseure,<br />
wie <strong>in</strong> Bild 18 dargestellt, zum Abfangen <strong>der</strong><br />
überschüssigen Energie stufenweise aktiviert.<br />
Der Algorithmus ähnelt dem <strong>der</strong> Netzautomatik. Die<br />
Messung <strong>der</strong> Systemlast erfolgt über die Batteriespannung<br />
sowie über die dazugehörige Ladephase <strong>der</strong> Batterie.<br />
Tritt trotz aktivierten Elektrolyseuren e<strong>in</strong>e Batterieüberspannung<br />
auf, wird das Energiemanagement <strong>der</strong><br />
Netzautomatik zugeordnet, die <strong>in</strong> diesem Fall, wenn<br />
möglich, e<strong>in</strong>e Netzzuschaltung durchführt. Um die<br />
Batteriekapazität <strong>der</strong> elektrischen Gr<strong>und</strong>-/Spitzenlastversorgung<br />
vorzuhalten, werden die Elektrolyseure im<br />
H2-Modus durch regenerative Erzeuger betrieben <strong>und</strong><br />
möglichst nicht aus <strong>der</strong> Batterie gespeist.<br />
3.4 <strong>Wasser</strong>stoffrückverstromung (H2-Modus)<br />
Der erzeugte <strong>Wasser</strong>stoff wird im aktivierten <strong>Wasser</strong>stoffbetrieb<br />
zur Rückverstromung <strong>in</strong> ertragsschwachen<br />
64<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
Zeiten verwendet. Kommt es trotz Lastabwurfsystem<br />
zu e<strong>in</strong>er Tiefenentladung <strong>der</strong> Batterie (SOC < 30 %) wird<br />
über die Brennstoffzelle e<strong>in</strong>e Notladung <strong>der</strong> Batterie<br />
aktiviert.<br />
Im Boost-Betrieb wird die Brennstoffzelle bei hohen<br />
Anschlussleistungen am autarken System aktiviert, um<br />
<strong>der</strong> Batterieentladung entgegenzuwirken. Der Leistungssollwert<br />
für die Aktivierung <strong>der</strong> Boost-Funktion kann<br />
vom Nutzer je nach Spitzenlastbedarf e<strong>in</strong>gestellt werden.<br />
Dieser Wert ist üblicherweise größer als die Nennleistung<br />
<strong>der</strong> regenerativen Erzeuger <strong>und</strong> beträgt maximal<br />
die Nennleistung des Inselsystems (5-10,8 kW).<br />
ZUSAMMENFASSUNG<br />
Das Modulkraftwerk zeigt den Stand <strong>der</strong> Technik im<br />
Bereich autarker Elektrifizierung mit den Schwerpunkten<br />
Leistungselektronik, Batterietechnologie, <strong>Wasser</strong>stofftechnik<br />
sowie Steuerungstechnik auf. Es ist e<strong>in</strong><br />
Beispiel für e<strong>in</strong>e modellbasierte Systementwicklung<br />
mit prognostizierter Ertragsabschätzung. Die Entwicklung<br />
e<strong>in</strong>er Steuerungssoftware als ersten Ansatz für e<strong>in</strong><br />
gr<strong>und</strong>lastfähiges, autarkes Kraftwerk ist erfolgreich<br />
umgesetzt, birgt aber noch e<strong>in</strong> großes Entwicklungspotenzial.<br />
Das für den autarken E<strong>in</strong>satz optimierte Modulkraftwerk<br />
hat Innovationscharakter, da vergleichbare Serienprodukte<br />
am Markt die autarke Ausfallsicherheit<br />
meist über den E<strong>in</strong>satz von fossilen Energien sicherstellen.<br />
Die Komb<strong>in</strong>ation aus Batterie- <strong>und</strong> <strong>Wasser</strong>stoffspeicher<br />
unter Verwendung e<strong>in</strong>er übergeordneten, auf den<br />
autarken E<strong>in</strong>satz optimierten Betriebsführung, lässt<br />
sich <strong>der</strong>zeit am Markt als Serienprodukt nicht f<strong>in</strong>den.<br />
Die verschiedenen Komponenten des Modulkraftwerks<br />
lassen sich nach <strong>der</strong>en anteiligen Kosten pro<br />
Kilowatt darstellt, siehe Bild 20.<br />
Die <strong>Wasser</strong>stoffkomponenten s<strong>in</strong>d wesentlich kosten<strong>in</strong>tensiver<br />
als die Komponenten des gr<strong>und</strong>legenden<br />
Elektrosystems bei gleichzeitig niedrigerer Lebensdauer.<br />
Bei den regenerativen Erzeugern zeigt sich, dass<br />
Kle<strong>in</strong>w<strong>in</strong>dkraftanlagen im Vergleich zu Fotovoltaikanlagen<br />
noch immer weitaus teurer s<strong>in</strong>d. Für die genaue<br />
Ertragsabschätzung <strong>und</strong> Systemauslegung e<strong>in</strong>es autarken<br />
Systems hat sich herausgestellt, dass das Performancepotenzial<br />
von Kle<strong>in</strong>w<strong>in</strong>dkraftanlagen schwierig<br />
e<strong>in</strong>zuschätzen ist <strong>und</strong> manche Produkte kritisch h<strong>in</strong>terfragt<br />
werden müssen.<br />
Durch Verwendung von <strong>Wasser</strong>stoffkomponenten im<br />
Conta<strong>in</strong>er müssen beson<strong>der</strong>e Klimatisierungsvorschriften<br />
bezüglich Luftdurchsatz <strong>und</strong> Temperatur im Conta<strong>in</strong>er<br />
e<strong>in</strong>gehalten werden. In Regionen mit extremen<br />
Temperaturen muss das Conta<strong>in</strong>erkraftwerk mit Klimatisierungsgeräten<br />
ausgestattet werden, die im Prototyp<br />
nicht <strong>in</strong>stalliert s<strong>in</strong>d. Das Modulkraftwerk wird an<br />
<strong>der</strong> FH-Strals<strong>und</strong> bei <strong>der</strong> Ausbildung am Institut für<br />
Regenerative Energiesysteme verwendet <strong>und</strong> dadurch<br />
dauerhaft weiterentwickelt.<br />
MANUSKRIPTEINGANG<br />
23.10.2013<br />
Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />
REFERENZEN<br />
AUTOR<br />
BILD 20:<br />
Prozentuale Kosten<br />
pro Kilowatt Peak<br />
[1] Kolbe, C., Luscht<strong>in</strong>etz, T.: Development of a base load, autarkic,<br />
modular power plant. In: Tagungsband HTRSE 2012, S.43-48,<br />
Miedzyzdroje<br />
[2] Kolbe, C., Luscht<strong>in</strong>etz, T.: Modulkraftwerk- E<strong>in</strong>e Inselenergieversorgung.<br />
In: Tagungsband REGWA Symposium 2012, S.46-50, Strals<strong>und</strong><br />
[3] Kolbe, C., Luscht<strong>in</strong>etz, T.: Adaptives Steuerungs- <strong>und</strong> Regelungskonzept<br />
e<strong>in</strong>es autarken Kraftwerks. In: Tagungsband AALE- 2013,<br />
ISBN: 9783835633643<br />
[4] Hompage Modulkraftwerk: http://salon.io/Modulkraftwerk<br />
[5] NREL: Homer Legacy.<br />
http://www.homerenergy.com/HOMER_legacy.html<br />
Dipl.-Ing. (FH) CHRISTIAN KOLBE<br />
(geb.1981) arbeitet als R&D-System<strong>in</strong>genieur<br />
bei <strong>der</strong> Heliocentris Academia<br />
GmbH <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>. Von 2011 bis 2013 war<br />
er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim<br />
Projekt Modulkraftwerk am Institut für<br />
Regenerative Energiesysteme <strong>der</strong><br />
FH-Strals<strong>und</strong>. Nach dem Studium<br />
Regenerative Energietechnik an <strong>der</strong><br />
FH-Nordhausen von 2004 bis 2009 war er bis 2011 als<br />
Entwicklungs<strong>in</strong>genieur Leistungselektronik bei <strong>der</strong> Suzlon<br />
Energy GmbH <strong>in</strong> Rostock tätig.<br />
Heliocentris Academia GmbH,<br />
Rudower Chaussee 29, D-12489 Berl<strong>in</strong>,<br />
Tel. +49 (0) 30 340 60 17 35, E-Mail: Christian.Kolbe@gmx.de<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014<br />
65
IMPRESSUM / VORSCHAU<br />
IMPRESSUM<br />
VORSCHAU<br />
Verlag:<br />
DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />
Arnulfstraße 124, D-80636 München<br />
Telefon + 49 (0) 89 203 53 66 0<br />
Telefax + 49 (0) 89 203 53 66 99<br />
www.di-verlag.de<br />
Geschäftsführer:<br />
Carsten Augsburger, Jürgen Franke<br />
Verlagsleiter<strong>in</strong>:<br />
Kirst<strong>in</strong> Sommer<br />
Spartenleiter<strong>in</strong>:<br />
Kirst<strong>in</strong> Sommer<br />
Herausgeber:<br />
Dr.rer.nat. Thomas Albers<br />
Dr. Gunther Kegel<br />
Dipl.-Ing. Hans-Georg Kumpfmüller<br />
Dr.-Ing. Wilhelm Otten<br />
Beirat:<br />
Dr.-Ing. Kurt Dirk Bettenhausen<br />
Prof. Dr.-Ing. Christian Diedrich<br />
Prof. Dr.-Ing. Ulrich Epple<br />
Prof. Dr.-Ing. Alexan<strong>der</strong> Fay<br />
Prof. Dr.-Ing. Michael Felleisen<br />
Prof. Dr.-Ing. Georg Frey<br />
Dipl.-Ing. Thomas Gre<strong>in</strong><br />
Prof. Dr.-Ing. Hartmut Haehnel<br />
Dipl.-Ing. Tim-Peter Henrichs<br />
Dr.-Ing. Jörg Kiesbauer<br />
Dipl.-Ing. Gerald Mayr<br />
Dr.-Ing. Josef Papenfort<br />
Igor Stolz<br />
Dr. Andreas Wernsdörfer<br />
Dipl.-Ing. Dieter Westerkamp<br />
Prof. Dr.-Ing. Michael Weyrich<br />
Dr.rer.nat. Christian Zeidler<br />
Organschaft:<br />
Organ <strong>der</strong> GMA<br />
(VDI/VDE-Gesell schaft Mess<strong>und</strong><br />
Automatisierungs technik)<br />
<strong>und</strong> <strong>der</strong> NAMUR (Interessengeme<strong>in</strong>schaft<br />
Automatisierungstechnik<br />
<strong>der</strong> Prozess<strong>in</strong>dustrie).<br />
Redaktion:<br />
Jürgen Franke (verantwortlich)<br />
Telefon + 49 (0) 89 203 53 66 10<br />
E-Mail: franke@di-verlag.de<br />
Aljona Hartstock (aha)<br />
Telefon + 49 (0) 89 203 53 66 78<br />
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Gerd Scholz (gz)<br />
E<strong>in</strong>reichung von Hauptbeiträgen:<br />
Prof. Dr.-Ing. Leon Urbas<br />
(Chefredakteur, verantwortlich<br />
für die Hauptbeiträge)<br />
Technische Universität Dresden<br />
Fakultät Elektrotechnik<br />
<strong>und</strong> Informationstechnik<br />
Professur für Prozessleittechnik<br />
D-01062 Dresden<br />
Telefon +49 (0) 351 46 33 96 14<br />
E-Mail: urbas@di-verlag.de<br />
Fachredaktion:<br />
Dr.-Ing. Michael Blum<br />
Dipl.-Ing. He<strong>in</strong>rich Engelhard<br />
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jasperneite<br />
Dr.-Ing. Bernhard Kausler<br />
Dr.-Ing. Niels Kiupel<br />
Prof. Dr.-Ing. Gerrit Meixner<br />
Dr.-Ing. Jörg Neidig<br />
Dipl.-Ing. Ingo Rolle<br />
Dr.-Ing. Stefan R<strong>und</strong>e<br />
Prof. Dr.-Ing. Frank Schiller<br />
Bezugsbed<strong>in</strong>gungen:<br />
„<strong>atp</strong> <strong>edition</strong> – Automatisierungs technische<br />
Praxis“ ersche<strong>in</strong>t monatlich mit Doppelausgaben<br />
im Januar/Februar <strong>und</strong> Juli/August.<br />
Bezugspreise:<br />
Abonnement jährlich: € 519,– + € 30,–/ € 35,–<br />
Versand (Deutschland/Ausland);<br />
Heft-Abonnement + Onl<strong>in</strong>e-Archiv: € 704,70;<br />
ePaper (PDF): € 519,–; ePaper + Onl<strong>in</strong>e-Archiv:<br />
€ 674,70; E<strong>in</strong>zelheft: € 59,– + Versand;<br />
Die Preise enthalten bei Lieferung <strong>in</strong> EU-<br />
Staaten die Mehrwertsteuer, für alle übrigen<br />
Län<strong>der</strong> s<strong>in</strong>d es Nettopreise. Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />
GMA: 30% Ermäßigung auf den Heftbezugspreis.<br />
Bestellungen s<strong>in</strong>d je<strong>der</strong>zeit über den Leserservice<br />
o<strong>der</strong> jede Buchhandlung möglich.<br />
Die Kündigungsfrist für Abonnement aufträge<br />
beträgt 8 Wochen zum Bezugsjahresende.<br />
Abonnement-/E<strong>in</strong>zelheftbestellung:<br />
DataM-Services GmbH, Leserservice <strong>atp</strong><br />
Herr Marcus Zepmeisel<br />
Franz-Horn-Str. 2, 97082 Würzburg<br />
Telefon + 49 (0) 931 417 04 59<br />
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Druckerei Chmielorz GmbH,<br />
Ostr<strong>in</strong>g 13,<br />
D-65205 Wiesbaden-Nordenstadt<br />
Gedruckt auf chlor- <strong>und</strong><br />
säurefreiem Papier.<br />
Die <strong>atp</strong> wurde 1959 als „Regelungstechnische<br />
Praxis – rtp“ gegründet.<br />
DIV Deutscher Industrieverlag<br />
GmbH München<br />
Die Zeitschrift <strong>und</strong> alle <strong>in</strong> ihr enthaltenen<br />
Beiträge <strong>und</strong> Abbildungen s<strong>in</strong>d urheberrechtlich<br />
geschützt. Mit Ausnahme <strong>der</strong> gesetzlich<br />
zugelassenen Fälle ist e<strong>in</strong>e Verwertung ohne<br />
E<strong>in</strong> willigung des Verlages strafbar.<br />
Gemäß unserer Verpflichtung nach § 8<br />
Abs. 3 PresseG i. V. m. Art. 2 Abs. 1c DVO<br />
zum BayPresseG geben wir die Inhaber<br />
<strong>und</strong> Beteiligungsverhältnisse am Verlag<br />
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ist die ACM-Unternehmensgruppe,<br />
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ISSN 2190-4111<br />
DIE AUSGABE 10 / 2014 DER<br />
ERSCHEINT AM 02.10.2014<br />
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<strong>in</strong>dustriellen Produktion<br />
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kurzfristig verän<strong>der</strong>n.<br />
LESERSERVICE<br />
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66<br />
<strong>atp</strong> <strong>edition</strong><br />
9 / 2014
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23. + 24.9.2014, Mannheim, Pepperl+Fuchs GmbH<br />
www.sil-sprechst<strong>und</strong>e.de<br />
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Missverständnisse<br />
Veranstaltungskonzept<br />
Term<strong>in</strong><br />
Ort<br />
Haben Sie Fragen zur Anwendung <strong>der</strong> Normen<br />
IEC 61508, IEC 61511 o<strong>der</strong> VDI/VDE 2180? S<strong>in</strong>d Sie<br />
gefor<strong>der</strong>t, die e<strong>in</strong>getretenen Pfade zur Erlangung <strong>der</strong><br />
Sicherheit zu verlassen? Dann s<strong>in</strong>d Sie hier richtig!<br />
Reichen Sie Ihre Fragen r<strong>und</strong> um SIL e<strong>in</strong>. Diskutieren<br />
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Dienstag, 23.09.2014<br />
Veranstaltung (11:30 – 17:15 Uhr)<br />
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Mittwoch, 24.09.2014<br />
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68307 Mannheim<br />
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Vom Umgang mit SIL – Erfahrungen e<strong>in</strong>es<br />
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Fallstricke bei <strong>der</strong> SIL-E<strong>in</strong>reichung –<br />
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Richtige Mitbenutzung sicherheitstechnischer<br />
Komponenten für die Prozessleittechnik<br />
Korrelation zwischen funktionaler Sicherheit<br />
<strong>und</strong> IT-Security<br />
Ist SIL e<strong>in</strong>e Produkteigenschaft?<br />
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Thomas Gabriel, Bayer Technology Services GmbH<br />
Dirk Hablawetz, BASF SE<br />
Mart<strong>in</strong> Herrmann, Infracor GmbH<br />
Andreas Hildebrandt, Pepperl+Fuchs GmbH<br />
Udo Hug, BImSchG ß 29a Sachverständiger<br />
Thomas Karte, Samson AG<br />
Josef Kuboth, Landesamt für Natur, Umwelt <strong>und</strong><br />
Verbraucherschutz Nordrhe<strong>in</strong>-Westfalen<br />
Bernd Schrörs, Bayer Technology Services<br />
Heiko Schween, HIMA Paul Hildebrandt GmbH + Co KG<br />
Peter Sieber, Bilf<strong>in</strong>ger alpha msr GmbH<br />
Johann Ströbl, TÜV SÜD Industrie Service GmbH<br />
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www.sil-sprechst<strong>und</strong>e.de<br />
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Fax: +49 (0) 89 203 53 66-99<br />
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