Abendprogramm (PDF) - Philharmonie Luxembourg

philharmonie.lu

Abendprogramm (PDF) - Philharmonie Luxembourg

«À la recherche du temps perdu»

Vernissage

Vendredi / Freitag / Friday

29.11.2013

18:00 Grand Foyer

23:00 Grand Foyer

United Instruments of Lucilin

Catherine Kontz: The Moon Moves Slowly [But It Crosses The Town]

for tam-tam and ensemble (2013, commande / Kompositionsauftrag

Philharmonie Luxembourg, création / Uraufführung)

8–10’

Installations /

Installationen

Grand Foyer

& Terrasse sud

Espace Découverte

Grand Foyer (Niche)

Salle de Répétition 1

Information

& Billetterie

Salle de Répétition 2

Salon d’honneur

Vendredi / Freitag / Friday

29.11.2013 18:00–23:00

DImanche / Sonntag / Sunday

01.12.2013 11:00–23:00

Peter Ablinger: Labyrinth / Warteschlange (2013,

commande / Kompositionsauftrag Philharmonie Luxembourg,

création / Uraufführung)

Patricia Alessandrini: Adagio sans quatuor (2010)

Christoph Herndler: CA 60 MIN (2006)

Ragnar Kjartansson: God (2007)

Erwin Stache: Kilo Meter pro Stunde (2012/2013,

commande / Kompositionsauftrag Philharmonie Luxembourg,

création de la nouvelle version / Uraufführung der Neufassung)

Lynette Wallworth: Still:Waiting2 (2006)

Video lounge

Backstage

18:15 / 18:30 / 19:00 / 19:15

Point de rencontre / Treffpunkt: Entrée principale / Haupteingang

Visite guidée des installations sonores avec Patricia Alessandrini (F) /

Guided Tour durch die Klanginstallationen mit Bernhard Günther (D)

110


«À la recherche du temps perdu»

Les installations sonores et visuelles du festival rainy days 2013

Die Raum-, Klang- und Videoinstallationen des Festivals rainy days 2013

Vernissage / Eröffnung

Catherine Kontz: The Moon Moves Slowly [But It Crosses The Town]

for tam-tam and ensemble – 8–10’

2013, commande / Kompositionsauftrag Philharmonie Luxembourg,

création / Uraufführung

Grand Foyer

pointe sud et côté

ouest / Südspitze

und Westseite

United Instruments of Lucilin

Pierre Strauch violoncelle (invité)

André Pons-Valdès violon

Tomoko Kiba violon

Danielle Hennicot alto

Sophie Deshayes flûte

Pascal Meyer melodica

Guy Frisch percussions

Serge Kettenmeyer percussions

The Moon Moves Slowly [But It Crosses The Town] is based on the natural and

choreographed sound production of a very large tam-tam played by two

percussionists. A tam-tam this large has a long response and a slow decay time,

which is something I try to magnify and explore in this piece. The work is inspired

by an African saying I came across while researching the notion of time.

(Catherine Kontz)

Installations / Installationen

Peter Ablinger: Labyrinth / Warteschlange

Hörstück (2013, commande / Kompositionsauftrag Philharmonie

Luxembourg, création / Uraufführung)

Warteschlangen haben unterschiedliche und ambivalente Aspekte.

Zu den unangenehmeren gehören ausgerechnet die fortschrittlichsten Errungenschaften

der modernen Zivilisation, Security-Überprüfungen im Flughafen etwa,

wo der Mensch nicht viel anders als Schlachtvieh durch Maschinen und Scanner

hindurchgeschleust wird…

Dann gibt es die Nostalgie des Wartens, ein Warten, das es so schon gar nicht

mehr gibt, das Warten der Prä-Handy und Prä-PC-Ära, wenn man etwa an einer

abgelegenen Bahnstation den Zug verpasst und keine andere Wahl hat, als auf den

nächsten zu warten, stundenlang vielleicht, ohne Telefon, und nicht mal ein Buch

zur Hand, um sich die Zeit zu verkürzen: Das ist das Warten als Geschenk, das

Herausfallen aus dem Funktionieren und dem verplanten Alltag.

Grand Foyer

pointe sud /

Südspitze

& Terrasse sud

Peter Ablinger:

«Warteschlange, Labyrinth»

(Notizbucheintragung, 2007)

111


Das Hören hat für mich etwas mit diesem Herausfallen aus der Funktion zu tun

(z.B. einer Sprache zuhören, die wir nicht verstehen)…

Und dann ist da die labyrinthisch gewundene Form der Warteschlange, das sich

abwechselnd nach links und wieder nach rechts Wenden, die Windungen, die die

Aufmerksamkeit in verschiedene Richtungen lenken können wie eine barocke

Treppenanlage…

(Peter Ablinger)

Jungsteinzeitliche Labyrinthe

(Newgrange / Irland)

Villard de Honnecourt:

Labyrinth (Chartres, 13. Jh.)

Olafur Eliasson:

Umschreibung (Berlin, 2004)

Treppen

Das Pathos des geformten Steins setzt sich über das Portal hinaus bei den Prunktreppen

fort. Bereits zwei Jahrhunderte früher hatten die europäischen Baumeister

dieses Thema zu entwickeln begonnen, und die ersten Variationen stammen,

Pevsner zufolge, aus dem plateresken Spanien. Die Treppen von Maisons und

Blois zählen zu den großartigsten Leistungen des François Mansart. 1643 verwandelt

Longhena die käfigartige Treppe von San Giorgio Maggiore in Venedig in

einen riesigen autonomen Raum. Die beiden symmetrischen, im rechten Winkel

gekrümmten Treppenstücke enden im ersten Stock in einer Galerie, deren Balustrade

direkt die ihre fortsetzt und sie beide miteinander verbindet. Die Treppe bildet

ein Ganzes, ein selbständiges Monument, ein je nach dem Standort wechselndes

Schauspiel; man kann hinaufsteigen – und auf der anderen Seite wieder herunterkommen

– ohne anderen Zweck, als die Gruppierung ihrer Glieder von verschiedenen

Blickwinkeln aus zu betrachten.

Nach den Künstlern der anderen italienischen Städte, darunter insbesondere

Bologna, machen sich auch die der Habsburger diesen Grundsatz zu eigen, wenden

ihn jedoch in einem anderen Sinn an: Ihre Treppen drücken weniger die voll

entfaltete Großartigkeit als die Spannung, den Kampf gegen die Bedrohung und

des Erdrücktwerdens aus. Sie wollen nicht mehr den Höhenunterschied für das

Auge mildern, sondern ihn überbetonen, nicht die Aufmerksamkeit von der

Schwerkraft ablenken, sondern sie fast schmerzhaft ins Bewußtsein rufen. Die

Proportionen unterstützen sie dabei. Desgleichen die unter der erdrückenden Last

gekrümmten Atlanten, die uns, mit dem Obergeschoß auf den Schultern, im

Palais des Prinzen Eugen und des Grafen Kinsky empfangen. Die theatralische

venezianische Treppe erwartet die Schauspieler schweigend. Die Wiener Treppe

erbebt an ihrem Ansatz unter dem Stöhnen der Träger und strotzt vor tragischen

Masken. Selbst der Aufgang mit seinen fetten trägen Voluten, seinen unregelmäßigen

Spiralen, die wie tertiäre Faltungen zusammengepreßt sind, und dem

Aufruhr seiner zusammenhanglosen Abschweifungen beunruhigt und bedrückt.

Aber danach leuchtet die Galerie des «piano nobile» wie ein Berggipfel. Große

Fenster zerstreuen die Schatten, die die gewaltsamen Krümmungen des Geländers

werfen, und an den Ansätzen der großen Leuchter treiben Putti ihr ausgelassenes

Spiel. Nördlich der Alpen ist die Treppe nicht mehr dazu da, um bewundert,

sondern um erlebt zu werden.

(Auszug aus: Pierre Charpentrat: Barock. Italien und Mitteleuropa / hg. von Henri Stierlin. – Fribourg: Office du Livre, 1964)

Domenico Bernabei: Treppenturm

(Blois, 1515–1518)

Page de droite / Rechte Seite:

Peter Ablinger

le 14.11.2013 pendant le

montage de Labyrinth /

Warteschlange sur la terrasse

sud de la Philharmonie /

am 14.11.2013 beim

Aufbauen von Labyrinth /

Warteschlange auf der

Südterasse der Philharmonie

112


113


Espace

Découverte

N–2

Accès par le Foyer /

Zugang über das

Foyer

Patricia Alessandrini: Adagio sans quatuor

Installation (2010)

Patricia Alessandrini Computer Music Design

Paul Stapleton Instrument Design

Quatuor Diotima Recording of samples

Clément Lardé IRCAM Production Manager

Philharmonie Luxembourg, littlebit Technical support

Jean Lochard IRCAM Pedagogical Advisor

Emmanuel Fléty IRCAM Technical Consultant

Premiere: Festival Agora, Paris, CENTQUATRE, June 2010

Production IRCAM – Centre Pompidou

La partie sonore d’Ainsi le silence se déroulera en deux étapes: une pièce de concert

pour percussion et quatuor à cordes avec électronique en temps réel et une partie

installation consistant en l’excitation d’instruments suspendus et en leur déplacement

vertical dans l’espace. Les instruments excités agiront comme des

médiateurs entre le jeu des musiciens et la synthèse en temps réel. Cette dernière

sera également pilotée par le jeu des instrumentistes et influencée par les données

issues de la performance. Dans cette installation sonore – d’une certaine manière

une esquisse de l’œuvre à venir –, les changements de timbre des instruments

sont le résultat direct de leurs propres mouvements. Des instruments à cordes

et à percussions interprètent une version de l’Adagio du Quatuor à cordes N° 19

de Mozart, dont l’étirement extrême agit contre sa fonction d’introduction:

deux instruments fabriqués par le plasticien et artiste sonore Paul Stapleton sont

entourés par des plaques en différents métaux. Tous sont mis en vibration par

différentes sources audio, en partie issues du Quatuor de Mozart, extrêmement

dilaté et filtré, et en partie synthétisées en temps réel selon une modélisation 3D

des mêmes instruments et des plaques. Les plaques représentent physiquement le

déroulement presque imperceptible du temps par les mouvements lents qu’elles

esquissent dans l’air; des mouvements qui agissent sur leur façon de transmettre

les signaux et qui influencent également leurs doubles (les instruments virtuels

créés par des modèles physiques).

L’installation est donc une expérience microscopique sur l’acte même de jouer

d’un instrument au moment où l’on interprète une œuvre; une suspension

presque insupportable de l’instant où l’instrument se met à vibrer dans les mains

du musicien.

(Patricia Alessandrini)

Grand Foyer /

Niche Balcon

Accès par la rampe

vers le balcon (en

face de l’entrée

principale) /

Zugang über

die Rampe zum

Balkon (gegenüber

des Haupteingangs)

Christoph Herndler: CA 60 MIN

Videoprojektion, Stereo-Tonspur (2006) – 60‘

In einer Zeit hoch entwickelter Wiederholungsmaschinen will ich als Komponist

Voraussetzungen schaffen, um das zu fixieren, was sich nicht wiederholen lässt.

Am Ende möchte ich mich aus meinen Kompositionen soweit als möglich

zurückgezogen haben. Die Idee finden, aber sich aus ihr heraushalten.

Je zwingender die Idee, umso eher gestaltet sich die Zeit und nicht ich sie. Die

Komposition macht die Idee sichtbar, so wie jedes Zeichen zum Auge dringt.

Wird sie gespielt, verkörpert sich zwar die Idee aber verschwindet gleichsam in den

Körpern durch die sie hindurch muss, um zu klingen. Bleibt die Lust am Klang:

ein Zeitvertreib.

(Christoph Herndler)

114


Ragnar Kjartansson: God

Single-channel video projection, colour, sound (2007) – 30‘

Musical arrangements and conducting: Davíð Þór Jónsson

Premiere: The Living Art Museum, Reykjavik, 06.10.2007

Courtesy of the artist and i8 Gallery, Reykjavik, and Luhring Augustine,

New York

The walls of a room are dressed with pink satin curtains from floor to ceiling,

except for one part where a video projection is positioned. The video shows

a still frame of a concert stage with the same pink decoration. In the center

is Kjartansson as a black-suited crooner in front of a microphone and behind

him an orchestra on pink podiums. Everyone, including a pianist at a grand

piano and a harp player, is wearing elegant black and white attire. The scene

could easily be from one of Frank Sinatra’s Hollywood movies, except here the

crooner is entrapped in a constant musical strophe consisting of a single phrase,

«Sorrow conquers happiness.» Kjartansson had created the song in 2005 for a

live performance that took place in Gamla Bíó, the Reykjavik opera house at

the time, and later at MuHKA in Antwerp. He furthermore used it for a fifteenminute

video where he was accompanied by a jazz trio, and finally brought it to

its conclusion in this elaborate video installation. In a thirty-minute loop, the

singer leads in a range of modulations; the orchestral arrangement differs from

chapter to chapter, spanning the field from simple and delicate piano and harp to

sumptuous, even borderline, cacophonous blasts of brass, strings, percussion, and

bass. The music was later reinterpreted as part of Daníel Bjarnasson’s multitrack

cello composition, Bow to String, released in 2010.

Salle de

Répétition 1

N–2

Accès par l’entrée

des artistes /

Zugang über den

Künstlereingang

Bis auf einen Teil, auf dem eine Videoprojektion zu sehen ist, werden die Wände

eines ganzen Raums vom Boden bis zur Decke mit pinkfarbenen Satinvorhängen

verkleidet. Das Video zeigt das Standbild einer Konzertbühne mit derselben

pinkfarbenen Dekoration. In der Mitte steht Kjartansson als schwarz gekleideter

Crooner vor einem Mikrofonständer, hinter ihm ein Orchester auf pinkfarbenen

Podien. Alle, einschliesslich eines Pianisten an einem Flügel und eines Harfenisten,

tragen dieselbe elegante schwarzweiße Kleidung. Die Szene könnte glatt aus einem

von Frank Sinatras Hollywood-Filmen stammen, nur dass der Crooner hier in

einem ununterbrochenen Musikstück gefangen ist, das aus einem einzigen Satz

besteht: «Sorrow conquers happiness» («Leid besiegt das Glück»). Kjartansson

hatte diesen Song 2005 für eine Live-Performance geschrieben, die im Gamla bíó,

dem damaligen Opernhaus von Reykjavík und später dann im Antwerpener

MuHKA stattfand. Ausserdem verwendete er ein 15-minütiges Video, in dem er

von einem Jazztrio begleitet wurde, und brachte es schliesslich in dieser aufwendigen

Videoinstallation zu einem Abschluss. In einem halbstündigen Loop hört

man den Sänger in einer Reihe verschiedener Modulationen heraus. Das Orchesterarrangement

unterscheidet sich von Kapitel zu Kapitel und erstreckt sich über

ein Spektrum, das von einfachen und zarten Klavier- und Harfenpassagen bis

hin zu üppigen, ja sogar grenzwertig kakophonen «Ausbrüchen» von Bläsern,

Streichern, Perkussion und Bass reicht. Die Musik wurde später als ein Teil von

Daníel Bjarnassons mehrspurig angelegter Cellokomposition Bow to String, die

2010 veröffentlicht wurde, neu eingespielt.

115


Information

& Billetterie

Accès par le Grand

Foyer (sortie

vers le parking

souterrain Place de

l’Europe) / Zugang

über das Grand

Foyer (Ausgang in

Richtung Tiefgarage

Place de l’Europe)

Erwin Stache: Kilo Meter pro Stunde

Interaktive Installation (2012/2013, commande / Kompositionsauftrag

Philharmonie Luxembourg). Création de la nouvelle version /

Uraufführung der Neufassung der 2012 in der Bonner

Fußgängerzone präsentierten Installation Du gehst.

Mit freundlicher Unterstützung des Projekts «bonn hören»

der Beethovenstiftung für Kunst und Kultur

der Bundesstadt Bonn

(Kurator: Carsten Seiffarth)

Die Geschwindigkeit vorbeigehender Personen wird gemessen. Zu diesem Zweck

sind die als Geschwindigkeitsmesser bekannten Anzeigetafeln mit der Aufschrift

«Sie fahren» umfunktioniert und mit einem anderen Sensor versehen. Die Aufschrift

heißt nun «Du gehst» und die Anzeige gibt die Laufgeschwindigkeit einer

Person in km/h an. Aus diesem Wert werden einerseits hörbare Schrittfolgen, die

als Echo von oben im Tempo der Person erklingen und andererseits ein Uhrenticken

regeneriert. Geht man langsam, scheint die Zeit auch langsamer zu verstreichen,

geht man schnell, hetzt die Uhr und man hat das Gefühl, die Zeit vergeht

schneller. Ein Trugschluss zum Phänomen der Relativität der Zeit. Wenn wir

Raum verbrauchen, uns also schnell und viel bewegen, vergeht unsere Zeit etwas

langsamer. Mehr Raum gleich weniger vergangene Zeit. Am Ende haben wir durch

schnelle und große Bewegungen vielleicht etwas mehr Zeit übrig. Nur leider werden

wir diese nicht nutzen können und nicht nur deshalb, weil die eingesparte

Zeit so kurz ist, dass man sie fast nicht messen kann, sondern weil die meisten

Menschen ihr Bewegungstempo nicht verändern können und wollen. Die akustischen

Ereignisse der Installation gehen einen gedachten Weg von mehreren Metern

mit, eine Art Rückkopplung des Bewegungstempos. Der Mensch kann sich nun

mit seinem eigenen Tempo synchronisieren oder aber stehen bleiben oder ein

anderes Tempo benutzen. Die Schritte und das Ticken der Uhr werden Meter für

Meter weiter verfremdet und landen so in einem Nebel aus Geräuschen und Tönen.

Durch die angezeigte Geschwindigkeit und die klangliche Umsetzung derselbigen

kann man prüfen, welches Tempo man vorgibt, wie schnell man ist, wenn man

es eilig hat und wie langsam, wenn man sich entspannt. Die Installation ist in

höchstem Maße interaktiv, reizt vielleicht, seine eigene Geschwindigkeit zu prüfen

und neu zu finden. Die akustische Schrittverfremdung lässt Klangspiele zu, variiert

Rhythmen. Die durchlaufende oder -rennende Person kann bewusst eingreifen,

ihre Schrittmelodie sozusagen gestalten indem sie auf den Klang eingeht und ihr

Lauftempo danach bestimmt.

Il y a un lien secret entre la lenteur et la mémoire, entre la vitesse et l’oubli.

Évoquons une situation on ne peut plus banale: un homme marche dans la rue.

Soudain, il veut se rappeler quelque chose, mais le souvenir lui échappe. À ce

moment, machinalement, il ralentit son pas. Par contre, quelqu’un qui essaie

d’oublier un incident pénible qu’il vient de vivre accélère à son insu l’allure de sa

marche comme s’il voulait s’éloigner de ce qui se trouve, dans le temps, encore

trop proche de lui. Dans la mathématique existentielle cette expérience prend

la forme de deux équations élémentaires: le degré de la lenteur est directement

proportionnel à l’intensité de la mémoire; le degré de la vitesse est directement

proportionnel à l’intensité de l’oubli.

(Milan Kundera: La Lenteur. – Paris: Gallimard, 1995, p. 44–45. Avec l’aimable autorisation des © Éditions Gallimard.)

La marche, on n’a rien trouvé de mieux pour aller plus lentement. Pour marcher,

il faut d’abord deux jambes. Le reste est vain. Aller plus vite? Alors ne marchez

pas, faites autre chose: roulez, glissez, volez. Ne marchez pas. Car marchant, il n’y

a qu’une performance qui compte: l’intensité du ciel, l’éclat des paysages. Marcher

n’est pas un sport.

Frédéric Gros, Marcher: Une philosophie. – Paris: Carnets Nord, 2009. Avec l’aimable autorisation des Éditions

Carnets Nord, Paris.

116


Lynette Wallworth: Still:Waiting2

Interactive video, sound and space installation (2006)

Commissioned by New Crowned Hope Festival Vienna and Arnolfini Bristol

Premiere 01.12.2006 This Secret Location, Inbetween Time, Bristol

Produced by Forma

Lynette Wallworth alternates between an interest in nature and in humankind.

Just as she acknowledges the astonishing feats of the human spirit, she finds the

extraordinary within nature.

Salle de

Répétition 2

N–2

Accès par l’entrée

des artistes /

Zugang über den

Künstlereingang

Still:Waiting2 presents video footage of a single tree – an Australian River Gum that

is home to a huge number of native Corella birds – filmed under a breathtaking

dawn light in Quorn, South Australia. Corellas are a species that have slowly

adapted to the biological ravages caused by colonization which brought other

native parrots close to extinction. Meeting at the first and last light of day, the

flocks occupy trees with such density that the tree itself appears to be in full bloom.

Still:Waiting2 is an immersive installation environment that is both unsettled and

revealed by our very presence. When a viewer enters the space, sensors are activated,

causing these birds to fly from the tree. The viewer must then negotiate the needs

of the space, as well as the movements of others in the space, if the birds are

to return. The works suggests that on first viewing much can be overlooked by

the ‹newcomer›; it is about a threshold, a gateway that is passed through often

unknowingly, whilst inviting us to consider the impact of others, of communal

life and the complex interconnection of co-existing species.

The installation sets up an ecosystem, a space complete within itself where the

participant/viewer contributes to the revelation of the work. Reflecting on human

immersion in a complex world, Still:Waiting2 questions whether there may be

ways of meeting across cultural distance that do not cause rupture.

Fundamental to this piece is an attempt to reproduce the artists’ extraordinary

experience of filming these birds, the humbling requirement to be patient and the

understanding that nothing can be made to happen when faced with nature. In

this work, we see only what will let itself be shown.

Salon d’honneur

Video Lounge

Abseits des ‹offiziellen› Festivalprogramms möchten wir Sie einladen, sich (über

das Internet zuhause oder auch im Salon d’honneur) in eine kleine ‹Fußnote› zu

den Installationen zu vertiefen.

Der 1959 in Belgien geborene und seit 1986 in Mexiko lebende Künstler Francis

Alÿs setzt das Thema Zeit in höchst pointierter Weise in zahlreichen seiner Werke,

Aktionen und Filme ein: Er bewegt einen riesigen Eisblock so lange über heiße

Straßen, bis nichts mehr davon übrig ist (Sometimes Making Something Leads to

Nothing, Mexico City, 1997), er versetzt mit hunderten von Helfern eine Sanddüne

um wenige Zentimeter (When Faith Moves Mountains, Lima / Peru, 2002) oder er

schiebt ein Auto durch die Stadt, statt es zu fahren (Volkswagen Beetle, 2003).

Ein Beispiel für die aufwändig produzierten Filmprojektionen von Francis Alÿs

befindet sich – gleich neben der Philharmonie – in der Sammlung des Mudam

(A story of Deception, Patagonia, 2003–2006).

Auf seiner Website www.francisalys.com können zahlreiche von 1991 bis heute

entstandene Videos angeschaut werden. Im Zusammenhang mit der Thematik des

Festivals rainy days 2013 möchten wir Sie insbesondere einladen, die Arbeiten aus

der Reihe Rehearsal zu entdecken, in denen Francis Alÿs das spezifische Timing

einer musikalischen Probe – man hält immer wieder an und beginnt von Neuem –

u.a. mit politischen Versprechen und erotischem Begehren in Verbindung bringt.

Francis Alÿs:

Politics of Rehearsal.

Public domain video,

New York City (2005)

30’

Francis Alÿs:

Rehearsal II

(version Viewfinder).

Public domain video,

Mexico City (2001)

14’

online auf:

www.francisalys.com

Page de droite / Rechte Seite:

take your time

photo: étudiants du Lycée

Technique des Arts et Métiers

Luxembourg-Limpertsberg

(LTAM), voir p. 2 / siehe S. 2

117

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine