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lande weit verbreitete Gnostizismus. Die Lehre der Gnostiker

war nicht einheitlich, sondern eine Vielheit verschiedener

phantastischer religionsphilosophischer Systeme. Der Gnostizismus

hat aber die erste christlich-theologische Literatur geschaffen,

die im 2. Jahrhundert viel umfangreicher war als

die orthodoxe. Besonders zahlreich waren die unter dem

Einfluß des Gnostizismus entstandenen apokryphen neutestamentlichen

Schriften (apokryphe Evangelien, Apostelgeschichten,

Apostelbriefe und Apokalypsen). Um die Verwirrung,

die dadurch in die Reihen der orthodoxen Christen

gebracht wurde, zu bannen, setzte die Kirche den Kanon der

Schriften des Neuen Testamentes fest.

Der Kampf gegen den Gnostizismus wurde von der gesamten

Kirche gemeinsam geführt. Der erste und bedeutendste

Bekämpfer des Gnostizismus war der hl. Irenaus

(t um 202). Er gehört gleichermaßen der Kirche des Ostens

wie der des Westens an. Geboren um 130 in Kleinasien,

war er ein Schüler des hl. Polykarp, kam später nach Gallien,

wo er zuerst Priester, dann Bischof von Lyon wurde.

Sein griechisch geschriebenes Hauptwerk in 5 Büchern trägt

den Titel »Entlarvung und Widerlegung der falschen Gnosis«

(gewöhnlich Jdversus״ baereses« genannt). Im ersten Buch

dieses Werkes steht eine den altchristlichen Taufbekenntnissen

verwandte Regula fidei. Wie der hl. Irenäus haben auch

der Afrikaner Tertullian (+ nach 220) in seinem Werk »De

praescriptione haereticorum* und der aus dem Orient stammende

Hegesipp, beide teilweise aus Irenäus schöpfend, den

Gnostizismus bekämpft, indem sie besonders das Traditionsprinzip

der katholischen Kirche, die ununterbrochene Nachfolge

von den Aposteln her, betonten. Spätere Bekämpfer des

Gnostizismus waren im Westen Hippolyt von Rom (t 235),

der ein Schüler des hl. Irenäus war und ebenfalls griechisch

schrieb — sein Hauptwerk ist die »Widerlegung aller Häresien«

in 10 Büchern —, im Osten der hl. Methodius von

Olympus in Lykien (+ 311) und andere. Audi die Ent-

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