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Gottesgebärerin Jungfrau . . .« sowie »Würdig ist es, in

Wahrheit . . .« Darauf bricht der Abt das Brot und teilt es

an alle aus. Nach dem Genüsse des Brotes werden vom Abt

oder dem dazu bestimmten Priester die Dankgebete gesprochen,

und alle verlassen in der gleichen Ordnung wie beim

Eingang den Speisesaal.

Dieser ganze Ritus der Tischordnung bildet sozusagen die

Fortsetzung des Gottesdienstes. Die Einnahme der Speise

erhält eine besondere religiöse Bedeutung; sie hört auf, ein

natürlicher Vorgang zu sein; sie wird in eine übernatürliche

Welt erhoben und ihr Ziel erhält einen religiösen, gewissermaßen

mit der Eucharistie verbundenen Charakter.

Die Kirche und ihr äußeres Abbild, das Gotteshaus, wurde

der Mittelpunkt des Lebens in den orthodoxen Ländern.

Das ganze Leben von der Geburt bis zum Tode, alle seine

wichtigsten Ereignisse — Schulbeginn, Eheschließung, jeder

Schritt im Leben — Beginn und Ende der Arbeit, Reise und

Heimkehr, Krankheit und Wiedergesundung, — alles wurde

durch die Kirche geheiligt; das Kirchenjahr mit seinen Festtagen

und Fastenzeiten bestimmte die ganze Lebenshaltung

des Volkes. Das Wesentlichste aber ist, daß die Kirche die

ganze Weltanschauung des Volkes bestimmte. Sie lehrte die

Kinder aus Kirchenbüchern lesen und schreiben; sie unterrichtete

sie in Kirchenmalerei und Kirchengesang; sie lehrte

sie endlich die konkrete Verkörperung der Orthodoxie im

Leben der Klöster und besonders der heiligen Asketen. Das

Volk verlangte nach dieser Verkörperung; sein natürlicher

Wirklichkeitssinn begnügte sich nicht mit dem intellektuellen

und noch weniger mit dem worthaften Bekenntnis der Orthodoxie,

sondern forderte, daß das ganze Leben ein Bekenntnis

zu ihr sei. Für das Volk bedeutete Religion — Leben; die

Religion wendet sich nach seiner Auffassung nicht nur an

den Verstand oder das Gefühl, sondern erfaßt das Leben

der gesamten Persönlichkeit. Audi die Orthodoxie selbst

kann nicht aufgeteilt werden in Dogmatik, Liturgik und

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