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dringlichen Atome, die Atomisierung des ganzen Seins einschließlich

der Menschen, ist das Produkt der Erbsünde. Die

Sünde bestand eben in dem Losreißen des Menschen von

Gott, in der Zerreißung der Einheit zwischen dem Menschen

und dem ganzen Sein, in der Abschließung des Menschen in

sein eigenes Ich. Deshalb ist für den sündigen Menschen auch

die ganze Welt zerrissen, atomisiert, voll trennender Gegensätze.

Das Gesetz des Kampfes um die Existenz wurde für

einen solchen Menschen zum Grundgesetz des Seins.

Die Liebe eint die Menschen. Der Apostel Paulus vergleicht

mehrfach in nachdrücklicher Weise die Kirche mit der

Familie und der Ehe. Ziel der Ehe ist nicht nur die Vereinigung

»zweier zu einem Fleisch« (Eph. 5, 31), sondern

auch »die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens«,

so daß »ein Leib und ein Geist« wird (Eph. 4, 3. 4). Die

Familie ist die Keimzelle der Kirche, eine Kirche im Kleinen.

In der Familie, im Keim, ist natürlich auch die Einheit der

Individualitäten unter Wahrung der Selbständigkeit jeder

einzelnen und eine relative Fülle der geeinten Gedanken und

Willen. Dies wird durch die Liebe erreicht, die Demut, Sanftmut

und Geduld verlangt. Die Seelen der Liebenden gehen

in einander ein. Um aber einen anderen in die Seele aufzunehmen,

muß man zuerst seine eigene individuelle Abgeschlossenheit

überwinden, seine eigene Seele öffnen. Dies ist

der Anfang der Liebe. Ihre weitere Aufgabe ist die Uberwindung

des eigenen Selbst, der eigenen Autonomie, an welcher

der sündige Mensch so hartnäckig festhält, die Demut

und Uberwindung des eigenen Stolzes, der grundlegenden

Eigenschaft des sündigen Menschen. Und weil das sowohl

von der einen wie auch von der anderen Seite gefordert

wird, ist die zweite Aufgabe der Liebe das geduldige, mit

herablassender Liebe verbundene Ertragen der dieser Einheit

entgegenstehenden Hindernisse, deren Quelle darin besteht,

daß es für die Liebenden schwer ist, sich von dem

eigenen Selbst loszusagen.

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