Dokument in neuem Fenster öffnen. - Orthodoxe Bibliothek

bibliothek.orthpedia.de

Dokument in neuem Fenster öffnen. - Orthodoxe Bibliothek

ländischen Kirche trennt. Die Gründe, die zu dieser Trennung

führten, sind verschiedenartig. Gewiß hatte der wachsende

Unterschied im kultischen und religiösen Leben zu einer Entfremdung

zwischen der griechischen und lateinischen Kirche

geführt. Solange aber die dogmatische Einheit gewahrt blieb

und solange sich die römischen Päpste auf den altkirchlichen

Ehrenvorrang beschränkten, war die Einheit der Kirche nicht

gefährdet. Erst als die Päpste begannen, aus ihrem von der

ganzen Kirche anerkannten Ehrenvorrang einen universalen

Jurisdiktionsprimat zu machen, erst als die lateinische Kirche

die dogmatische Einheit durchbrach, indem sie dem Glaubensbekenntnis

das »Tiliocjue« hinzufügte und damit den Ausgang

des Heiligen Geistes vom Vater und vom Sohne lehrte,

— gegen beides setzte sich die Ostkirche als gegen Neuerungen

und Häresien zur Wehr — war der Riß zwischen der

Kirdie des Ostens und des Westens unvermeidlich geworden.

Das waren nach orthodoxer Auffassung die beiden Hauptgründe,

die zur Trennung führten.

Durch das Konzil von Nicäa (325) wurde die Einrichtung

kirchlicher Provinzen, die in der Regel mit den politischen

Provinzen des römischen Reiches zusammenfielen und an

deren Spitze Metropoliten standen, festgelegt. Das Konzil

nennt im 6. Kanon folgende Metropolien: Rom, Alexandrien

und Antiochien. Fünf Jahre später, im Jahre 330, wurde durch

Konstantin den Großen die kaiserliche Residenz von Rom

nach Konstantinopel verlegt, das jetzt Neu-Rom genannt

wurde. Der Bischof der neuen Reichshauptstadt, der bisher

dem Metropoliten von Heraklea in Thrakien unterstand, erfuhr

dadurch eine Steigerung seines Ansehens und Einflusses.

Das Konzil von Konstantinopel (381) billigte deshalb in seinem

3. Kanon dem Bischof der neuen Reichshauptstadt, weil

diese »Neu-Rom« sei, den Ehrenrang unmittelbar nach dem

Bischof von Rom zu, der an erster Stelle stand. Das Konzil

von Chalcedon (451) erkannte in seinem 28. Kanon dem

Bischof von Konstantinopel »dieselben Vorrechte« (isa pres-

140

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine