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an den Papst selbst gerichtet war. In diesem Sendschreiben

wurden die alten Anklagen des Photius gegen die lateinische

Kirche erneuert, und neue, so insbesondere gegen den Gebrauch

des ungesäuerten Brotes bei der Liturgie, erhoben.

Papst Leo IX. (1049—54) ließ die Vorwürfe der Griechen

durch den Kardinal Humbert zurückweisen, der aber nicht

nur die Besonderheiten der lateinischen Kirdhe verteidigte,

sondern auch eine Reihe von Anklagen gegen die griechische

Kirche erhob. So behauptete Humbert unter Verdrehung der

Tatsachen, die Griechen hätten das »Filioque« aus dem nicänokonstantinopolitanischen

Symbol ausgemerzt und seien damit

der Häresie des Macedonius verfallen,· die seit apostolischen

Zeiten bestehende Priesterehe bezeichnete er als »Nikolaitische

Häresie« (vgl. Offenb. 2, 6 und 2, 15). Endlich schickte

Papst Leo IX. die Kardinäle Humbert und Friedrich von Lothringen

sowie den Erzbischof Petrus von Amalfi als Legaten

nach Konstantinopel. Diese legten am 16. Juli 1054 während

der Feier der hl. Liturgie eine äußerst scharfe Bannbulle, in

welcher der Patriarch Michael Kerularius zahlreicher Häresien

beschuldigt und zusammen mit seinen Gesinnungsgenossen

mit dem Anathem belegt wurde, auf dem Altar der

Sophienkirche nieder. Michael Kerularius und die übrigen

östlichen Patriarchen sprachen daraufhin auf einer Synode

zu Konstantinopel das Anathem über die Lateiner aus. Die

Trennung der Kirche des Ostens und des Westens war vollzogen

und konnte trotz verschiedener Versuche und Unionskonzile

seitdem nicht mehr behoben werden, ja sie erfuhr

noch eine bedeutende Verschärfung durch die Kreuzzüge, besonders

durch den von Innozenz III. (1198—1216) organisierten

vierten »Kreuzzug«. Konstantinopel wurde von den

Kreuzfahrern erobert und grauenhaft geplündert; dabei wurden

auch byzantinische Heiligtümer in frevelhaftester Weise

geschändet. Nach der Errichtung eines lateinischen Kaisertums

und Patriarchats in Konstantinopel (1204) erfolgte die

Vertreibung der orthodoxen Geistlichkeit und die gewalt-

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