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Der Mönch:

ausgedacht!

Oh, da habt ihr euch aber schöne Worte

Der Offizier: Von wegen ausgedacht! Genau das hat das

heilige Konzil der guten und rechtgläubigen Bischöfe im Jahre

754festgestellt!

Der Mönch: Ach, du meinst diese bilderstürmerische Versammlung

in Hiereia, unter deren Beschlüssen nun alle wahren

Christen so leiden müssen.

Der Offizier: Wie aufrührerisch du wieder daherredest! Du

weißt hoffentlich, daß auch die frömmsten Kaiser gegen die Irrlehre

der Bilder kämpfen und die Häretiker, diese

Bilderknechte, mü Strafe bedrohen. Schon der seligste Leon III.

hat so gehandelt, und unser allerfrömmster Kaiser

Konstantinos V., dem der Herr viele Jahre schenken möge, folgt

seinem Beispiel. Übrigens: selbst wenn du mir sagen würdest,

die allreine Gottesmutter und die Heiligen könnte man

darstellen, müßte ich dir sagen: nein, weil sie doch der

Herrlichkeit Gottes gleichgestaltet sind.

Der Mönch: Wo bleibt eigentlich eure Sachlichkeit und viel gepriesene

Logik? In der Schrift steht doch: "Mit Freuden sagt

Dank dem Vater, der euch tüchtig gemacht hat zum Anteü an

dem Erbe der Heiligen im Licht!" (Kol 1,12). Deshalb haben die

Heüigen, die unter uns gelebt haben, ihre menschliche Natur

nicht abgelegt - und sind doch in der Herrlichkeit Gottes.

Der Offizier: Du sprichst in Rätseln! So, und jetzt gehe ich und

gebe Befehl, die Bilder zu übertünchen, bevor du mir mit deinem

Gerede noch den Kopf ganz wirr machst!

Der Mönch: Dann geh' eben! Aber du wirst noch sehen, daß

der rechte Glaube siegt: das war immer so! Und ihr werdet

staunen, wie schön unsere Kirche wieder im Glanz der Bilder

erstrahlen wird; und dann wirst du sehen, daß ein einfacher

Mönch dir die Wahrheit gesagt hat, denn aus dem Munde der

Schwachen und Kleinen läßt der Herr die Wahrheit erklingen.

Wie dieses zwar fiktive, aber nach zeitgenössischen Quellen

zusammengestellte Gespräch zeigt, war der Streit um die

Ikonen in Wirklichkeit eine grundsätzliche theologische

Auseinandersetzung, ein Kampf um den Glauben an die

wirkliche Menschwerdung des Sohnes Gottes. Aber darüber

hinaus war es eine Auseinandersetzung um die kulturelle und

theologische Identität der Orthodoxie und die Spiritualität des

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