Enzyme – eine Quelle des Lebens. Enzyme ... - Petra Peschel

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Enzyme – eine Quelle des Lebens. Enzyme ... - Petra Peschel

Foto: Enzym-Liga

Viele Heilungsvorgänge lassen sich

durch Enzyme unterstützen. So bei

Verletzungen und besonders auch

bei Beschwerden des Bewegungsapparates

oder bei Rheuma

Enzyme aus Ananas und Papaya

unterstützen die Gesundheit auf

vielfache Weise

Enzymeeine Quelle

des Lebens. Enzyme

gehören zu den

wichtigsten Baustoffen

unseres Organismus

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enzymtherapie

VON PETRA PESCHEL

DIE GROSSE ÜBERSICHT

ENZYME

KLEINE HELFER MIT

GROSSER WIRKUNG

WAS JEDER WISSEN SOLLTE

Sie sind allgegenwärtig. Und das,

obwohl wir sie eigentlich nie zu

Gesicht bekommen. Gemeint sind

die Enzyme, die das Leben erst

ermöglichen. Kein Mensch, kein Tier und

auch keine Pflanze kann ohne sie existieren.

Wie eine Ampelanlage, die selbst zu

den größten Stoßzeiten den Straßenverkehr

zuverlässig regelt, brauchen wir Enzyme

zur Regulation unserer Gesundheit:

Ohne Ampeln bricht der Straßenverkehr

zusammen, ohne Enzyme beginnt das

Sterben lebensnotwendiger Stoffwechselprozesse

und damit jeder Körperzelle.

Es ist schon faszinierend, dass wir

ohne Enzyme weder wachsen, atmen,

verdauen oder uns bewegen können.

Kein Herzschlag, kein Lachen, keine

Wahrnehmung ohne Enzyme. Unter

Fachleuten werden Enzyme auch als

Biokatalysatoren bezeichnet. Damit ist

gemeint, dass sie den ständigen Austausch-

und Erneuerungsprozess unseres

Körpers steuern, ohne sich dabei

selbst zu verändern.

Enzyme sind hoch komplexe Eiweißstoffe.

Sie können in den Stoffwechsel

jeder Körperzelle eingreifen und

beispielsweise das Abklingen einer entzündlichen

Schwellung beschleunigen.

Enzyme sind somit für die Entgiftung zuständig.

Sie übernehmen aber auch

den Transport von Nährstoffen in die

Zelle hinein sowie den Abtransport von

Endprodukten aus der Zelle heraus.

Kein Lebensprozess kann ohne

Enzyme stattfinden. Enzyme sind

Lebenselixier und Medizin zugleich.

Sie helfen bei Verdauungsproblemen,

Gelenkschmerzen,

Entzündungen und Sportverletzungen,

aber auch bei der

Regulierung des Immunsystems.

Wir können eine Menge tun, um

ihnen ihre Arbeit zu erleichtern

Die Fülle der enzymabhängigen Prozesse

ist kaum vorstellbar: Nach einigen

Schätzungen besteht unser Körper aus bis

zu 100 Billionen Zellen. Das ist sage und

schreibe circa 1000 Mal mehr als es Sterne

in unserer Galaxie gibt. Täglich sterben

um die 600 Milliarden dieser Zellen

ab, genauso viele werden Tag für Tag

wieder neu aufgebaut. Das sind pro Sekunde

Millionen von Zellen. Dass dieses

tägliche Wunder vollbracht wird, verdanken

wir den Enzymen.

Umso erstaunlicher, dass die westliche

Medizin die Heilkraft der Enzyme erst vor

knapp 200 Jahren entdeckte und dass

in Deutschland erst im Jahr 1960 die

erste Enzymtablette zugelassen wurde.

Enzyme sind aber nicht gleich Enzyme.

Von den rund 20.000 im menschlichen

Organismus vorkommenden

Enzymen sind bis heute nur etwa

3.000 genau erforscht. Je nach Aufgabe

werden sie in verschiedene

Gruppen unterteilt.

Wichtige Enzyme, die den meisten

bekannt sein dürften, sind die Verdauungsenzyme,

ursprünglich auch

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Bei den verschiedensten

Beschwerden, die besonders

mit zunehmenden Lebensjahren

auftreten, hat sich

die Zufuhr von Enzymen als

hilfreich erwiesen

Grafik: Enzym-Liga

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Enzyme - kleine Helfer mit großer Wirkung

als Fermente bezeichnet. Sie werden von den

verschiedenen Verdauungsdrüsen produziert.

Die wenigsten Verdauungsenzyme braucht

man bei rohen und nicht hitzebehandelten

Nahrungsmitteln, weil wir dann die für die

Verdauung notwendigen Enzyme über die

Nahrung selbst aufnehmen. Es handelt sich

hierbei um die zweite wichtige Enzymgruppe,

die Nahrungsenzyme. Sie sind in der

Lage, die Aufgabe der Verdauungsenzyme

zu übernehmen.

Allerdings landet heutzutage das Wenigste

unserer Speisen roh und unverarbeitet auf

dem Teller. Unser Essen ist gekocht, gebacken

und gebraten und deswegen oft leider

enzymlos, weil Kochen oder Erwärmen in der

Mikrowelle die Enzyme zerstört.

Die dritte wichtige Gruppe sind die

Stoffwechselenzyme, die ständig in jeder

lebenden Zelle gebildet werden. Zu ihnen

zählen außerdem all jene Enzyme, die nicht

für die Verdauung gebraucht werden und

über den Blutstrom in Zellen oder Körpergeweben

aktiv werden, um die Arbeit der Stoffwechselenzyme

zu unterstützen.

Wie wir Enzymmangel

und damit Krankheiten

vorbeugen können

Das Problem bei unseren körpereigenen Enzymen

ist, dass wir mit zunehmendem Alter

die Fähigkeit verlieren, sie ausreichend herzustellen.

Ein 30-Jähriger beispielsweise produziert

schon dreizehn Prozent weniger an

Verdauungs-, aber auch an den so wichtigen

Stoffwechselenzymen, als ein Mensch im Alter

von zwanzig Jahren.

Gesundheitliche Probleme

veranlassten den Unternehmer

Karl Ankner, sich

mit der Heilkraft der

Enzyme zu beschäftigen

„Mit jeder weiteren Lebens-Dekade geht

die Enzymproduktion um mindestens weitere

zehn Prozent zurück“, weiß Karl Ankner. Der

Enzymexperte und Autor hat sich nach eigenen

gesundheitlichen Problemen auf die Herstellung

von pflanzlichen Enzympräparaten

spezialisiert und lebt heute in Florida. „Mit 50

Jahren stellt unser Körper nur noch ungefähr

die Hälfte der Enzyme zur Verfügung wie bei

einem jungen Menschen. Das ist mit ein

Grund, warum wir in späteren Jahren oft Verdauungsprobleme

haben. Der sinkende

Spiegel an Stoffwechselenzymen wiederum

kann sich negativ auf unsere Selbstheilungskräfte

auswirken.“

Karl Ankner, 63, hat eine vierfache Bypassoperation

hinter sich und fühlt sich heute fit

und leistungsfähig. Er ist davon überzeugt,

dass die meisten Krankheiten Resultat eines

Enzymungleichgewichtes oder eines -defizits

sind. Enzympräparate bedeuten für Ankner

heute ein Mehr an täglicher Energie, ein

schlagkräftigeres Immunsystem und vor allem

Wohlbefinden.

Täglich eingenommene Enzyme können

außerdem zum Vorsorgeprogramm werden.

„Auch wenn wir krank sind, kommt Enzymen

Enzyme

wie sie wirken

Enzyme sind in jeder menschlichen

Körperzelle zu finden. Oft sind es

mehrere hundert verschiedene, die

in jeder Zelle unsere Körperfunktionen

aufrechterhalten

Einige wichtige Funktionen

von Enzymen:

Sie steuern die Zellatmung und

sorgen dafür, dass neues Körpergewebe

aufgebaut werden kann

Sie koordinieren die Blutgerinnung,

aber auch die Auflösung von

Blutgerinnseln

Sie regeln unser Abwehrsystem

und sorgen für die Balance, wenn

unsere Gesundheit, beispielsweise

bei einer Infektion, Entzündung

oder Verletzung, aus dem Gleichgewicht

gerät

Sie ermöglichen die natürliche

Körperentgiftung und regeln die

Verdauung.

Enzyme – hier das Modell

eines Enzymmoleküls –

beschleunigen Lebensprozesse

und helfen,

Stoffwechselvorgänge

in Gang zu bringen

eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung dieses

Problems zu“, sagt Ankner. „Betrachten

wir nur einmal unsere Magen-Darm-Schleimhaut,

die wird im Fünf-Tages-Rhythmus immer

wieder komplett erneuert. Auch alle anderen

Stoffwechselprozesse kommen ohne Enzyme

nicht voran. Hier wird deutlich, warum Enzyme

tatsächlich über den Status krank oder

gesund mitbestimmen.“

Ein Enzymmangel kann auch genetisch bedingt

sein. Zu den Erbkrankheiten gehört zum

Beispiel die häufigste angeborene Stoffwechselstörung,

die Phenylketonurie (PKU). In

Enzyme sind so wichtig, dass

bereits beim Neugeborenen-

Screening im Fersenblut nach

einem angeborenen

Enzymdefekt gefahndet wird

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enzymtherapie

enzymtherapie

Deutschland ist etwa einer von

10.000 Menschen betroffen. Aufgrund

einer Enzym-Genmutation

kommt es zur Anreicherung einer

Aminosäure, dem Phenylalanin,

das PKU-Patienten nicht mehr

abbauen können. Die Folge sind

Konzentrationsschwächen bis hin

zu schweren geistigen Entwicklungsstörungen

und epileptischen

Anfällen. Eine rechtzeitig

begonnene eiweißarme Diät

kann diese Symptome verhindern,

zumal die Krankheit selbst

mittels einfacher Reihenuntersuchung

bereits bei Neugeborenen

aufgedeckt werden kann.

Wie schon erwähnt, können

nicht benötigte Verdauungsenzyme

auch als Stoffwechselenzyme

fungieren. Je weniger Verdauungsenzyme

unser Körper

also für die Aufspaltung der

Nahrung braucht, umso mehr

fleißige Helfer sind frei, die Arbeit

der Stoffwechselenzyme zu

unterstützen. Beispielsweise bei

einem grippalen Infekt oder einer

Sportverletzung.

Die fleißigen

Verdauungsenzyme

Pankreas heißt die Wunderfabrik,

aus der die Verdauungsenzyme

kommen. Gemeint ist die Bauchspeicheldrüse,

die im Oberbauch

als Anhangsdrüse des Zwölffin-

Die Bauchspeicheldrüse produziert die wichtigen

Verdauungsenzyme, damit die Nahrung im

Darm optimal aufgeschlüsselt werden kann.

Wobei das mit Rohkost sehr viel leichter gelingt

gerdarms hinter dem Magen

liegt. Sie gibt die Enzyme, die in

Amylasen, Lipasen und Proteasen

unterschieden werden, an den

Zwölffingerdarm ab. Dort werden

sie je nach Bedarf aktiv. Amylasen

zerlegen Kohlenhydrate, die

Lipasen haben die Aufgabe, Fette

aufzuspalten, und Proteasen

zersetzen Eiweiße (siehe auch Tabelle).

So entstehen schließlich

kleine Moleküle, die über die

Darmwand ins Blut gelangen und

zu den einzelnen Organen und

Zellen transportiert werden. Jede

einzelne Körperzelle würde verhungern,

wenn es die Enzyme der

Bauchspeicheldrüse nicht gäbe.

Sind zu wenige körpereigene

Verdauungsenzyme – beispielsweise

aufgrund einer Schwäche

der Bauchspeicheldrüse – vor-

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enzymtherapie

Enzyme - kleine Helfer mit großer Wirkung

Bei den Verdauungsenzymen

werden fünf fleißige Helfer

unterschieden. Sie arbeiten im

Team und stets im richtigen

Verhältnis zueinander.

Amylasen

Sie helfen, komplexe

Kohlenhydrate zu spalten.

Dazu gehören beispielsweise

das Frühstücksbrot, die

Kartoffeln, Nudeln, eine Pizza,

aber auch Gemüse und

Hülsenfrüchte.

Lipasen

So manch fettes Essen

empfinden wir als schwer im

Magen liegend. Zeit für die

Lipasen, die Fette und Öle in

leicht aufnehmbare Verbindungen

zerlegen.

Proteasen

Proteasen, der Name kommt

nicht von ungefähr. Hier geht’s

um die Proteine, die Eiweiße.

Sei es der Joghurt, der Fisch

oder der Braten, Proteasen

handen, kann sich das mit Durchfall, Blähungen

oder auch Bauchschmerzen bemerkbar

machen. Bei leichten Formen einer so genannten

Pankreasinsuffizienz können Verdauungsenzyme

als Tabletten eingenommen werden,

die in Apotheken frei verkäuflich sind.

Kann man Enzyme

einfach essen?

Fest steht, dass Enzyme lebensnotwendige

Bausteine unseres Organismus sind, und dass

sie mit zunehmenden Lebensjahren nur noch

unzureichend produziert werden. Heute weiß

man, dass verarbeitete Lebensmittel diesen

Vorgang zusätzlich erschweren können.

Könnte dann des Rätsels Lösung für eine ausreichend

hohe Zahl an Stoffwechselenzymen

nicht in der richtigen Ernährung liegen?

Stellt sich die Frage, welche Nahrungsmittel

überhaupt einen nennenswerten Enzymgehalt

liefern. „Wir haben das einmal ausgerechnet“,

berichtet Allgemeinmediziner und

Naturheilkundler Dr. Dr. med. Winfried Miller

aus Kempten im Allgäu: „Um den Gehalt von

sechs Enzymtabletten, das ist eine übliche

Dosierung, zu kompensieren, müssten Sie

Die fleißigen Fünf

sind hier bei der Verdauung

für die Aufspaltung maßgeblich

beteiligt.

Cellulasen

Sie helfen bei der Kohlenhydratverdauung

mit, weil es da

besonders viel zu tun gibt: So

brauchen komplexe Zellulose-

Fasern zusätzliche fleißige

Arbeiter für die Verdauung.

Laktasen

Laktase ist das Enzym, das die

Laktose, den Milchzucker,

aufspaltet. Wer unter einer

Laktoseintoleranz leidet und

somit Milch- und Milchprodukte

nur begrenzt oder gar

nicht genießen kann, dem fehlt

dieses Enzym für die Verdauung.

Es gibt spezielle Nahrungsergänzungsprodukte

mit

dem Enzym Laktase, die in

diesen Fällen zum Beispiel

vor einem Verzehr von

Milchprodukten eingenommen

werden können.

Wenn Enzyme

fehlen, reicht es

oft nicht aus, den

Bedarf durch

Lebensmittel zu

decken. Eine Nahrungsergänzung

ist

dann sinnvoller

Wann eine

Enzymzufuhr

hilfreich ist

✔ Bei Verletzungen und

Entzündungen

✔ Zur Schmerzlinderung, zum

Beispiel beim Wirbelsäulensyndrom

✔ Bei Erkrankungen der Gelenke

und bei Bewegungseinschränkungen

✔ Bei Muskelschmerzen und

rheumatischen Erkrankungen

✔ Bei offenen und schlecht

heilenden Wunden

✔ Bei Knochenbrüchen

✔ Bei operativen Eingriffen,

beispielsweise nach einer

Zahnextraktion

✔ Bei Gefäßerkrankungen, Venenproblemen

und Krampfadern

✔ Bei Atemwegserkrankungen

und Infekten

✔ Zur Vorbeugung, beispielsweise

auch eines Muskelkaters

✔ Bei Störungen des

Abwehrsystems

✔ Bei chronischen Harnwegsinfekten

✔ Bei Autoimmunerkrankungen,

wie Heuschnupfen, aber auch

rheumatoider Arthritis

✔ In der Krebstherapie zur Stärkung

des Immunsystems und zur

Linderung der Folgen einer

Chemotherapie.

täglich dreieinhalb Kilogramm frisch geerntete

Ananas essen. Außerdem wäre es hilfreich,

wenn Sie die Ananas dort verzehren, wo sie

geerntet wurde – also wirklich

frisch und frei von Transport-

oder Lagerungsschäden.“

Ebenso enzymreich

wie die Ananas mit ihrem

Bromelain ist

auch die Papaya mit

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enzymtherapie

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Enzyme - kleine Helfer mit großer Wirkung

dem Enzym Papain. Beide Früchte sind die

wichtigsten pflanzlichen Enzymquellen, die

sich in erforderlicher Konzentration entsprechend

in frei verkäuflichen Enzymtabletten

wieder finden.

Es gibt einen weiteren Punkt, der erklärt,

warum wir Enzyme nicht einfach so essen

können und auf Enzympräparate im Sinne einer

Nahrungsergänzung zurückgreifen sollten.

„Wenn Sie sich beispielsweise die Ananas

ansehen, dann stecken die Enzyme im

Strunk und im holzigen Teil in der Mitte. Beides

werden Sie in der Regel wegschneiden

und nicht essen“, erläutert Dr. Dr. Miller. „Darin

steckt aber der höchste Bromelain-Gehalt.“

Tierisch gewonnene Enzyme in Enzympräparaten

heißen Trypsin, Chymotrypsin und

Pankreatin. Sie kommen hauptsächlich aus

dem Magen, Dünndarm oder der Bauchspeicheldrüse

von Kühen und Schweinen. Bei

der Frage, ob nun tierische und/oder pflanzliche

Quellen den menschlichen Enzymbedarf

sinnvoll auffüllen und deswegen bevorzugt

werden sollten, ist sicherlich zu bedenken,

dass Enzyme pflanzlichen Ursprungs aus der

Ananas oder der Papaya vegetarisch und

vegan sind und somit von jedem eingenommen

werden können.

Enzyme – auch in der

Krebsmedizin

Dr. Dr. med. Miller kam vor etwa zwanzig Jahren

mit dem Start seiner naturheilkundlichen

Praxis zum Thema Enzyme. „Da wusste man

natürlich noch viel weniger über die immunologischen

Zusammenhänge als heute. Bei

meinem Literaturstudium über entzündungshemmende

Substanzen aus der Natur, bin ich

auf die Enzyme gestoßen, die ich nun bereits

seit 1990 bei meinen Patienten einsetze.“

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

von Enzymen Grafik: Mucos Pharma

Zu diesen Patienten gehören auch Krebskranke,

denen Miller begleitend Enzyme gibt.

Anfang der 1990er-Jahre konnte nämlich unter

anderem bewiesen werden, dass das Papain

aus der Papaya das Wachstum von Tumorzellen

und auch das Entstehen von Metastasen

hemmt.

Knapp ein Jahrhundert vorher, im Jahr

1902, gab es zwar bereits erste Einsätze von

Enzymen in der Onkologie und somit bei Tumorpatienten.

Seinerzeit jedoch musste der

schottische Embryologe John Beard noch auf

frisch gewonnene Enzyme von tierischen

Bauchspeicheldrüsen zurückgreifen. Alternativ

werden heute in solchen schweren Krankheitsfällen

Kombinationen aus pflanzlichen

und tierischen Enzymen eingesetzt.

Der 1882 in Wien geborene Professor Dr.

med. Max Wolf war es, der in zahlreichen

Tests nachweisen konnte, dass eine Enzymkombination

bei chronischen Entzündungen

und bösartigen Tumoren die besten Behandlungserfolge

zeigte.

Dr. Dr. med. Winfried Miller hat sich

auf komplementäre Krebstherapie

spezialisiert. Zur Behandlung von

Tumorpatienten gehört auch der

Einsatz von Enzymen

Dass also sowohl tierische Quellen als

auch Enzyme aus Pflanzen genutzt werden,

erklärt sich damit, dass zum Beispiel die Enzyme

Trypsin und Chymotrypsin vom Tier das

menschliche Immunsystem stimulieren. Dies

ist bei Krebspatienten in besonderem Maße

geschwächt. Gemeinsam mit der Wissenschaftlerin

Helene Benitz entwickelte Wolf

ein Enzymgemisch, das 1963 in Deutschland

registriert, für die Behandlung einer Krebserkrankung

und zur Metastasenprophylaxe

zugelassen wurde. Es ist bis heute als

WoBe-Enzymgemisch bekannt.

Wie Gelenke und

Knochen profitieren

Ob zur Vorsorge oder in der Therapie, die

Einsatzgebiete der Enzyme sind vielfältig.

Rosemarie Bernhardt aus Schwetzingen zum

Beispiel will ihre Enzyme heute nicht mehr

missen. „Ich hatte in meinem Beruf viel mit

Knochenhautentzündungen oder auch Sehnenscheidenentzündungen

zu tun“, berichtet

die 73-Jährige, die gut zwanzig Jahre

als Fußpflegerin arbeitete. „Durch das Liegen

der Füße auf meinem Schoß, das Massieren

und Halten von Fußpflegezangen,

war bei mir eine Überanstrengung da. Ich

bekam eine Entzündung im Daumengelenk

und hatte ständig Venenentzündungen.“ Da

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enzymtherapie

enzymtherapie

Fußpflegerin Rosemarie

Bernhardt, 73, litt unter

hartnäckigen Venenentzündungen.

Die

Enzymtherapie brachte

schließlich Heilung. Heute

gehören Enzyme für sie

zur täglichen Vorsorge

Foto: Enzym-Liga e.V.

sie auf verordnete Schmerzmittel

mit Nebenwirkungen reagierte,

nahm Rosemarie Bernhardt Enzyme

ein.

„Durch Bekannte hatte ich

1972 zum ersten Mal von dieser

Möglichkeit gehört. Und da ich

mich sehr für Gesundheit und

Medizin interessiere, habe ich

mich anschließend ausführlich

über die Enzymtherapie informiert.

Damit kam dann auch die

Heilung. Die Entzündung und die

Schmerzen waren nach ein paar

Wochen ganz verschwunden. Ich

war in den letzten neun Jahren

bei keinem Arzt mehr. Meine Enzyme

nehme ich das ganze Jahr

hindurch, jeden Morgen zwei

Stück.“

Die mit der Bewegung einhergehenden

Belastungen konfrontieren

mindestens jeden zweiten

Menschen einmal in seinem Leben

mit Gelenkbeschwerden.

Auslöser können Entzündungsherde

oder Infektionen sein.

Aber auch Abnutzungserscheinungen,

hormonelle Veränderungen,

unausgewogene Ernährung,

psychische Belastungen

und schädliche Umwelteinflüsse

spielen eine Rolle.

Dazu Dr. Dr. Miller: „Das Knorpelgewebe

verliert während des

Auch bei entzündlichen

Gelenkserkrankungen,

wie beispielsweise einer

Kniegelenksentzündung,

können die kleinen Helfer

Linderung verschaffen

Foto: Klosterfrau Gesundheits-Service

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Enzyme - kleine Helfer mit großer Wirkung

Alterungsprozesses an Elastizität, wird spröde

und splittert, weil eine ausreichende Nährstoffversorgung

und vor allen Dingen auch

wichtige Enzyme fehlen. Der Gelenkknorpel

reibt sich dann schneller ab. Ist der Knorpel

zerstört, greift die Erkrankung auf den Knochen

über. Alleine in Deutschland bekommen

daher Jahr für Jahr etwa 300.000 Patienten

ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk.

Wie das Beispiel von Rosemarie Bernhardt

zeigt, betrifft die Arthrose aber nicht

nur die großen Gelenke, auch die kleinen

Gelenke der Finger können bei einseitiger

Belastung, bei der es zusätzlich zu einer

Muskelverspannung kommt, in Mitleidenschaft

gezogen werden.

Was ist eine systemische

Enzymtherapie?

Die mit den Jahren zunehmenden Enzymversorgungslücken

in unserem Organismus, so

die Meinung der Experten, lassen sich mit der

Gabe von Enzymen erfolgreich kompensieren.

Besonders auch bei entzündlichen Erkrankungen

sind sie angezeigt. Aber was geschieht

dabei eigentlich im Organismus?

Miller nennt es systemische Enzymtherapie,

wenn solche Präparate eingenommen

Schnupfen? Enzyme senken

die Infektanfälligkeit

Foto: Klosterfrau Gesundheits-Service

Enzyme sorgen für den

Abtransport der für den

Schmerz verantwortlichen

Entzündungsbotenstoffe

Just Hintz ist Heilpraktiker

in Hamburg. Mit der Enzymtherapie

konnte er schon

vielen Patienten helfen

werden, um einen bestimmten Effekt im Körper

auszulösen. So zum Beispiel um das Immunsystem

aufzubauen, die

körperliche Fitness zu steigern

oder um ein umgeknicktes Fußgelenk

zu heilen. Dass das

klappt, weiß auch der Heilpraktiker

Just Hintz aus Hamburg:

Enzyme haben den Vorteil,

dass sie ein entzündliches

Krankheitsbild schneller zum

Abheilen bringen.“ Karl Ankner

ergänzt: „Eine systemische Enzymtherapie

kann auch den

Blutdruck senken oder den

Stress auf die vitalen Organe reduzieren.“

Systemisch bedeutet, dass die Enzyme

nach Einnahme über die Blutbahn genau

dahin gelangen, wo sie gebraucht werden.

Das funktioniert aber nur, wenn man sie auf

leeren Magen einnimmt. Damit möglichst viele

der zugeführten Enzyme über die Dünndarmschleimhaut

ins Blut und dann zum Einsatzort

gelangen, müssen sie im Idealfall

mindestens eine dreiviertel Stunde vor der

Mahlzeit oder frühestens eineinhalb Stunden

danach eingenommen werden.

Enzyme für die Hausund

Reiseapotheke

Enzyme greifen regulierend in überschießende,

entzündliche Vorgänge ein und können

folglich auch Schmerzen lindern. Das gilt

nicht nur für chronische Beschwerden des Bewegungsapparates,

sondern auch für Alltagsverletzungen.

Enzyme sind deshalb auch

in der Haus- oder Reiseapotheke sinnvoll.

Ein Beispiel: Wenn wir stürzen, stolpern

oder umknicken, kann die Gelenkkapsel

überdehnt werden und es kommt zu einer

so genannten Distorsion. Einer Verstauchung,

die nicht selten mit einer Zerrung

oder gar Blutung im Gelenk einhergeht. In

solchen Fällen oder auch bei einem Malheur

im Haushalt, wie beispielsweise einem

Nach Eingriffen wie einer Zahnextraktion

fördern Enzyme die Wundheilung und lassen

lokale Schwellungen schneller abklingen

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enzymtherapie

enzymtherapie

Bei Verletzungen, die mit

einem schmerzhaften

Bluterguss einhergehen,

beschleunigen sofort

eingenommene Enzyme den

Heilungsprozess

gequetschten Daumen,

sollte die betroffene

Stelle als

erstes mit kalten Umschlägen

oder Eispackungen

gekühlt

werden. Um Schmerzen

zu lindern und

das Ausbreiten eines

Blutergusses zu vermeiden.

Gleichzeitig

mit der Kühlung können

bis zu 15 Enzymtabletten

mit viel Flüssigkeit

unmittelbar

eingenommen werden.

Und dann jeweils

zwischen den Mahlzeiten über den Tag

verteilt nochmals fünf bis sieben Tabletten.

Dr. Dr. Miller rät bei Alltagsverletzungen,

die Enzyme so lange einzunehmen, bis die

Verletzung abgeheilt ist. Enzyme können trocken

bei Zimmertemperatur gelagert werden

und sind 24 Monate haltbar.

Dass Enzyme einen Bluterguss schneller

abbauen können, wurde im Sportmedizinischen

Institut in Grünwald bei München an

100 freiwilligen Versuchspersonen untersucht.

Diesen, berichtet Winfried Miller, entnahm

man zu diesem Zweck je zwei Kubikzentimeter

Blut und spritzte es unter die Haut. Auf

diese Weise entstand ein künstliches Hämatom.

Nun gab man 50 der Probanden eine

Woche lang täglich dreimal zehn Dragees

eines Enzymgemisches zum Einnehmen. Die

anderen Teilnehmer erhielten ein Scheinmedikament,

das keinerlei Enzyme enthielt.

Nach einer Woche war bei den mit Enzymen

behandelten Personen der Bluterguss mit einem

Therapieerfolg von 76 Prozent wesentlich

besser aufgelöst als bei denen, die ein

Placebo eingenommen hatten. Auch Druckschmerzen

ließen unter Enzymeinnahme sehr

viel schneller nach.

Warum Enzyme

auch bei Rheuma

helfen können

Schmerz gehört bei den rheumatischen

Erkrankungen – unabhängig

davon, ob sie akut

entzündlich oder verschleißbedingt

sind – ebenfalls zu den

Hauptsymptomen. Für eine erfolgreiche

Behandlung müssen

also Entzündung und Schmerz

gleichermaßen bekämpft werden.

Beides schafft die systemische

Enzymtherapie mit proteolytischen,

also Eiweiß aufspaltenden

Enzymen, erklärt Dr. Dr. Miller. Ein dickes

Gelenk schwillt mit ihrer Hilfe schneller

ab, und die so genannten Fresszellen, eine

Form der weißen Blutkörperchen, werden für

die körpereigene Abwehr aktiviert.

So fördern Enzyme den Heilungsverlauf

und beschleunigen ihn. Dazu der Enzymexperte:

„Durch die Enzymgaben entsteht ein

immunologisch aktives Substrat, das über

den Blutweg verteilt wird. Es ist in der Lage,

Entzündungsbotenstoffe – wir nennen sie Zytokine

– im Körper aufzuspüren und zu eliminieren.

So wird das Ungleichgewicht aus Zytokinen,

die für Schmerz, Hitze und all die

Zeichen einer Entzündung verantwortlich ist,

wieder in Richtung Normalität verschoben.“

Klingt zunächst kompliziert, aber selbst ein

komplexer Wirkmechanismus lässt sich auf

den Punkt bringen: Zytokine sind nichts

anders als Signalbotenstoffe unseres Immunsystems.

Und das von Miller erwähnte aktive

Substrat kann man sich wie ein Schloss mit

dem passenden Schlüssel vorstellen. Hat also

ein Enzym die Schleimhäute des Darms passiert,

verbündet es sich mit einem speziell zu

ihm passenden Reaktionspartner. Der wiederum

ist dazu aus der Riege der weißen

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enzymtherapie

Enzyme - kleine Helfer mit großer Wirkung

Enzyme – wie eine Erfolgsgeschichte begann

Seit dem 17. Jahrhundert werden

Enzyme wissenschaftlich erforscht. 1836

entdeckte der Arzt und Biologe Theodor

Schwann im Magensaft eine neue

Substanz, die Eiweiß besonders schnell

auflöste. Er nannte sie Pepsin. Auch der

französische Chemiker Louis Pasteur

(1822 - 1895) beschäftigte sich mit den

Stoffen, die biochemische Vorgänge

scheinbar beschleunigen konnten. Lange

Zeit nannte man sie Fermente, bis man

sich 1897 in der Wissenschaft darauf

einigte, alle Biokatalysatoren als Enzyme

zu bezeichnen.

Doch bereits lange zuvor, beispielsweise

bei den Indianern Südamerikas oder auch

den Israeliten der Antike, nutzte man –

ohne sich der Wirkung bewusst zu sein –

Enzyme zur Förderung von Heilungsprozessen.

So wurden beispielsweise

Papayablätter zur Unterstützung der

Verdauung verwendet. Die Inkas nutzten

Enzyme aus Ananas und Papaya für die

Wundheilung. Indianer aus dem karibischen

Raum trugen eine frische Paste aus

unreifen Ananasfrüchten und Blättern

äußerlich auf Verrenkungen und Verstauchungen

auf. Sie wussten auch, dass

unreife Ananas harntreibend wirkt, den

Menstruationsfluss fördert und Würmer

im Darm abtötet.

Bis heute ist der geregelte Stuhlgang einer

der Zwecke, für die Enzyme angewendet

Blutkörperchen abkommandiert worden und

heißt Alpha-2-Makroglobulin, kurz A2M.

Gemeinsam leitet dieses Team dann alles

Notwendige in die Wege, fängt Entzündungsbotenstoffe,

die Zytokine, ein und regelt

den Ablauf der gesamten Entzündungsreaktion

bis zu deren Abklingen. Und dies

wesentlich schneller und geordneter als das

ohne Enzyme der Fall wäre. Auf diese Weise

lässt sich ein lokales entzündliches Beschwerdebild

selbst bei einer in der Regel sehr

wurden. Dass Enzyme in vielerlei Hinsicht

eine Schlüsselrolle für vitales Leben

bedeuten, wurde durch einen der

Gründungsväter der Enzymtherapie,

Professor Dr. med. Max Wolf, bekannt. In

zahlreichen Untersuchungen belegte er,

dass Enzyme unter anderem entzündungshemmende

Wirkung haben. Die Präparate,

die seinen Namen tragen, sind bis heute

auf dem Markt und enthalten Kombinationen

von Enzymen aus Pflanze und Tier.

Bereits zuvor hatte ein weiterer Pionier

der Enzymtherapie, der in Chicago

geborene Wissenschaftler Dr. Edward

Howell, den Konsum von gekochten und

verarbeiteten Lebensmitteln für Menschen

infrage gestellt. In seinen umfangreichen

Forschungsarbeiten fand er heraus, dass

eine Erhitzung von Lebensmitteln für

länger als 15 Minuten auf 48 Grad Celsius

alle natürlich vorkommenden Enzyme

zerstört. Ab 1940 untersuchte er den

Zusammenhang von diesem Enzymdefizit

und akuten oder chronisch degenerativen

Erkrankungen. Howell ist der maßgebliche

Wegbereiter für rein pflanzliche Enzyme in

der Enzymtherapie. 1972 schrieb er in The

Healthview: „Sie haben vielleicht alle

Nährstoffe, Vitamine, Proteine, Mineralstoffe,

die Sie brauchen, aber Ihr Körper

benötigt immer noch Enzyme, das

Lebenselement, um Ihren Körper lebendig

und fit zu halten.“

Bereits vor rund 2.000

Jahren nutzte man

Enzyme aus Feigen für

die Wundheilung. Man

strich einen Brei aus den

Früchten auf die Wunde.

Die Inkas nutzten

Enzyme aus Ananas

sowie Papaya gegen

Verletzungen

langwierigen Sportverletzung innerhalb von

zwei Wochen verbessern.

Der Unterschied zu

chemischen Präparaten

Schmerzmittel können

bei unkontrollierter und

dauerhafter Einnahme

weit reichende

Nebenwirkungen

verursachen

Bei Schmerzen greifen wir üblicherweise zu

Schmerzmitteln und Wirkstoffen wie Diclofenac,

Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Ibuprofen.

Stellt sich die Frage, warum wir stattdessen

Enzyme einnehmen sollen. Leisten die bewährten

Schmerzstiller denn nicht die gleiche

Arbeit und regulieren sie einen entzündlichen

Prozess nicht sogar noch besser?

Ganz im Gegenteil, meint Dr. Dr. Miller:

„Damit blockieren wir sogar die Entzündungsreaktion.

Und genau das ist nicht natürlich.“

Wir sind zwar froh, wenn wir keinen

Schmerz mehr verspüren. Lässt die medikamentöse

Wirkung jedoch nach, dann sind

nicht nur die Beschwerden zurück, auch die

Krankheitsursache ist immer noch vorhanden.

Zudem sind bei längerer Medikation Nebenwirkungen

wie Magenblutungen oder auch

Magengeschwüre zu befürchten.

Natürlich wünschen wir uns bei Schmerzen

sofortige Linderung. Grundsätzlich aber

ist Schmerz zunächst einmal sinnvoll, ein lebensnotwendiger

Schutzmechanismus. Er

bewirkt automatisch eine Ruhigstellung der

betroffenen Körperteile nach einer Verletzung.

Schmerz fühlt sich mitunter qualvoll

an, sorgt aber dafür, dass wir uns nicht unnötig

bewegen, damit sich die Verletzung

oder Entzündung nicht weiter in unserem

Körper ausbreiten.

„Klassische Schmerzmittel blockieren den

natürlichen Ablauf der Entzündungsreaktion,

Enzyme regulieren ihn“, fasst Winfried Miller

zusammen. „Sie sorgen dafür, dass die Ursache

des Schmerzes, nämlich das Ungleichgewicht

der Entzündungsbotenstoffe, in Balance

kommt und bleibt. Das ist eine geniale,

die Natur unterstützende Funktion.“

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enzymtherapie

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Enzyme - kleine Helfer mit großer Wirkung

Nebenwirkungen –

der hohe Preis der Entzündungshemmer

Wer kennt sie nicht, die Acetylsalicylsäure,

besser bekannt als Aspirin. Seit

Jahrzehnten ist sie im Einsatz und für

ihre gute Wirkung bei grippalen Infekten,

Fieber und auch Schmerzen beliebt.

Wie jede Medaille hat aber dieser

Wirkstoff, wie auch andere aus der

Riege der Enzündungshemmer, eine

Kehrseite. Schmerzstiller wie Diclofenac

oder Ibuprofen können unangenehme

Nebeneffekte haben und unter

anderem die Magen- und Darmschleimhaut

schädigen.

Das Risiko möglicher Nebenwirkungen

durch diese Wirkstoffgruppe ist vor allen

Dingen bei älteren Menschen erhöht. Im

schlimmsten Fall kommt es aufgrund der

Gabe von NSAR zu Blutungen und

Geschwüren bis hin zu Magendurchbrüchen.

Ein solcher Magendurchbruch

Aber bei einer Arthritis oder einer akuten

Verletzung ganz auf Medikamente verzichten,

geht das in der Praxis überhaupt? „In

solchen Fällen gebe ich in den ersten drei Tagen

ein klassisches Schmerzmittel, gleichzeitig

dazu, beginnend ab dem ersten Tag, Enzyme“,

erklärt Winfried Miller. „Wenn sich die

Schmerzen gebessert haben, werden nur

noch die Enzyme gegeben. Diese Kombination

hat sich in der Praxis auch bei Gelenkserkrankungen

bewährt.“ Da der Körper bei

dieser Strategie nicht unnötig lange mit Entzündungshemmern

belastet wird, reduziert

sich das Nebenwirkungsspektrum erheblich.

Auch bei längerer

Einnahme ungefährlich

Enzyme sind leicht zu handhaben und gut

verträglich. Eine übliche Verabreichung liegt

bei sechs Tabletten am Tag. Grund für diese

recht hohe Anzahl ist, dass sich die erforderliche

Enzymmenge aufgrund der Molekülgröße

von Enzymen nicht in eine einzige oder

zwei Tabletten packen lässt. Enzymspezialist

Karl Ankner bestätigt: „Enzyme gehören zu

den sichersten Produkten, die man kaufen

kann. Es wurde noch nie festgestellt, dass

eine bestimmte Menge je nachteilig war.“

Patienten mit chronischen Beschwerden

haben ein geschärftes Bewusstsein und Interesse

an einer guten Verträglichkeit, berichtet

man seitens der Enzym-Liga e.V. über die

kommt bei etwa 10 Prozent der behandelten

Personen vor. Alleine in Deutschland

sterben jährlich an den Folgen der

durch entsprechende Medikamente

verursachten Magenblutungen 2.000

Menschen. Anzeichen für die Nebenwirkungen

dieser Schmerzstiller können

Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen,

Haarausfall oder Hautausschläge bis

hin zu Schwindel, Nierenschäden und

Kreislaufschock sein. Kortisonpräparate

können weitere Nebenwirkungen zeigen

wie Depressionen, Osteoporose, ein

erhöhtes Thromboserisiko, Muskelschwäche,

erhöhte Infektionsanfälligkeit

und vieles mehr.

Aus Sicht ganzheitsmedizinischer

Experten sollten Schmerzmittel nur

wenige Tage und nur so lange wie

unbedingt nötig eingenommen werden.

Welche Enzyme bei

welchem Problem am

besten helfen können,

weiß auch der Apotheker

häufigste Frage und Sorge interessierter Anrufer

an Enzymprodukten. Enzyme können

also ohne Bedenken über eine längere Zeit

eingenommen werden. Auch bei weichteilrheumatischen

Beschwerden sind sie eine

gute Unterstützung. So zum Beispiel bei der

schmerzhaften Nackensteife mit dem zungenbrecherischen

Namen Periarthropathia

humeroscapularis tendopathica simplex

(PHS). Neben Stress oder lokaler Überbeanspruchung

ist häufig auch nasskaltes Winterwetter

und Zugluft auslösendes Übel der

PHS. Sie führt zu einer erhöhten Muskelanspannung

und damit zu einer Vermehrung

schmerzverstärkender Botenstoffe.

Gerade solche chronischen Leiden sind für

die Betroffenen ein Teufelskreis: der Schmerz

führt wiederum zu einer Verspannung, diese

wieder zu Schmerz aufgrund bewegungsmeidender

Schonhaltung, dann folgt die

nächste Verspannung und so weiter.

Auch bei Kindern können Enzyme eingesetzt

werden. Bei ihnen läuft in den Jahren, in

denen sich das Immunsystem noch im Auf-

Buchtipps & Infos

· Dr. Dr. Winfried Miller: „Quelle des Lebens

Enzyme“, Zuckschwerdt-Verlag, ISBN 978-

3-88603-913-5, € 14,90 · Karl Ankner:

Enzyme ...und wie sie helfen“, Cosmos-An

Verlag B.V., ISBN 978-90-79686-01-8, €

26,90 · Heinz Teichmann: „Die Medizin auf

dem Holzweg? – Über die Wirkung der

Enzyme“, Verlag Neue Literatur VNL, ISBN

978-3-938157-25-1, € 12,90 · Erich F. Elstner:

„Enzym- und Immunmodulation: die neue

Gesundheitsvorsorge“, Haug-Verlag, ISBN

978-3-8304-9192-7, € 19,95 · Sven-David

Müller-Nothmann: „Ernährungsratgeber

Arthritis und Arthrose“, Schlütersche Verlag,

ISBN 978-3-89993-530-1, € 12,90

(Alle Bücher – außer Karl Ankner – unter

www.ritter24.de)

Verbände und wichtige Adressen:

www.doktor-miller.de ist der Kontakt zu Dr.

Dr. Winfried Miller. Tel.: 08 31 / 59 48 66;

E-Mail: info@doktor-miller.de

Die www.enzymliga.de gibt Informationen

rund um die Welt der Enzyme und die

Enzymtherapie. Eine kostenlose Info-Hotline

steht außerdem unter 0800/22 56 322 zur

Verfügung.

www.wgfe.org ist die Wissenschaftliche

Gesellschaft zur Förderung der Enzymtherapie

(WGFE) und hat das Ziel, die Erforschung

der Enzymtherapie auch der

Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So

entstanden auch Therapieempfehlungen für

die Behandlung von Krankheiten des

rheumatischen Formenkreises, die von der

Internetseite per Download abrufbar sind.

Heilpraktiker Just F. Hintz ist für Fragen zum

Thema Rheuma und Schmerzen entweder

per E-Mail: info@rheumazentrale.de oder

telefonisch unter 040 / 339 829 13, täglich

von 10:00 bis 13:00 Uhr, erreichbar.

www.sunsplash-europe.com: Hier ist das

Buch von Karl Ankner erhältlich. Aber auch

verschiedene pflanzliche Nahrungsergänzungsprodukte.

Die Palette reicht von

Verdauungshilfen über unterstützende

Enzyme für die Herzgesundheit bis hin zu

natürlichen Entzündungshemmern.

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enzymtherapie

Wenn die natürliche

Enzymzufuhr nicht

mehr ausreicht, sind

Kombinationspräparate

sinnvoll

bau befindet, eine Entzündungsreaktion viel

effektiver ab als bei Erwachsenen. Dadurch

erklärt sich auch das bei Kindern häufig vorkommende

hohe Fieber.

„Aus der Erfahrung der letzten vierzig Jahre

weiß man, dass sich Enzyme auch bei Kindern

bewährt haben“, so Naturheilkundler

Miller. „Allerdings sollten sie mindestens drei

Jahre alt sein, da sie in die Enzyme nicht reinbeißen

dürfen. In dem Moment wird nämlich

die magensaftresistente Kapsel oder Ummantelung

zerstört und der gewünschte Enzymeffekt

geht verloren. Enzyme müssen geschluckt

werden. Ab drei Jahren geht eine Tablette

am Morgen, eine am Abend. Sind die

Kinder vierzehn Jahre alt und älter, dann steige

ich auf die Erwachsenendosis um.“

Wann wirken Kombinationspräparate?

Auf die Frage nach Erfolg oder Misserfolg einer

Enzymtherapie berichtet Karl Ankner,

dass der Einsatz eines therapeutischen Enzymproduktes

nach seiner Erfahrung in neun

von zehn Fällen – je nach Beschwerdebild –

etwa nach vier Wochen positive Resultate

zeigt. Arthritische Beschwerden oder auch

Rückenschmerzen brauchen allerdings mehr

Zeit für eine spürbare Verbesserung.

Auch Winfried Miller stellt fest: „Sie werden

unter der Enzymtherapie in den seltensten Fällen

sofort eine Entzündungs- und Schmerzreduktion

haben. Es dauert einfach.“ Das begründet

sich in dem beschriebenen Wirkmechanismus

der Regulation statt der Blockade

einer natürlichen Reaktion des Körpers. Enzyme

bekämpfen die Ursache, statt die Symptome

zu unterdrücken und damit dem Körper

eine Heilung quasi vorzutäuschen.

Die meisten auf dem Markt befindlichen

Enzympräparate, die bei verschiedenen Beschwerden

eingesetzt werden können, sind

Kombinationen verschiedener Enzyme. Das

Bromelain aus der Ananas ist das Enzym, das

einem dabei am meisten begegnet. Je nach

Zielsetzung einer Behandlung wird es mit Papain,

Trypsin, Chymotrypsin und/oder Pankreatin

kombiniert. Eine Kombination aus all diesen

Enzymen ist beispielsweise bei Venenentzündungen

angezeigt.

Durch die Einnahme von Enzymen kann sich

der Stuhl in seiner Farbe, Beschaffenheit und

seinem Geruch verändern, das ist allerdings

harmlos. Gerade wenn die Tagesdosis gut

über den Tag verteilt wird, sind weitestgehend

keinerlei Nebenwirkungen bekannt. Wie bei

vielen Methoden der Naturheilkunde kann es

vorübergehend zu einer Erstverschlimmerung

kommen, die aber schnell wieder abklingt. Sie

ist ein Signal dafür, dass der Heilungsprozess

in Gang kommt.

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