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Melancholiker

Melancholiker

Melancholiker finden in jeder Suppe ein

Haar. Und wenn sie selbst die Suppe zubereitet

haben und dafür zur Verantwortung gezogen

werden, dann verfallen sie in Trübsinn

und weiten ihren Hang zum Kritisieren vom

Suppentopf aufs ganze Universum aus: In

welcher verfehlten Schöpfung müssen wir existieren,

in der es eklige Haare gibt, die unsere

Suppe ungenießbar machen! Das Jesuskind in

der Krippe unterm Weihnachtsbaum können

sie nicht anders betrachten als im Hinblick auf

sein trauriges Schicksal, dass dem Gottessohn

an Karfreitag bevorsteht. Überhaupt hindert

sie ihre grüblerische Veranlagung daran, den

Augenblick sorglos zu genießen. Dabei befähigt

den Melancholiker seine tiefsinnige

Skepsis dazu, in unseren schnell- und leichtlebigen

Zeiten die Rolle eines ernst zu nehmenden

Mahners zu spielen. Er hilft uns dabei,

hinter die Dinge zu schauen und macht uns

hartnäckig bewusst, dass wir nur zu gern zu

Oberflächlichkeit und Verdrängung neigen,

wenn es darum geht, uns vorschnell mit den

Mängeln des Daseins zu arrangieren.

Melancholiker lieben die Einsamkeit,

das süße Leiden an der Vergänglichkeit und

die tiefe Einsicht in die Vergeblichkeit aller

unserer Bestrebungen. Im Gegensatz zu den

E Asketen schwelgen sie aber nicht in Selbstkasteiung

und sind den Reizen der Natur und den

gehobenen Genüssen, die uns wahre Kunst bietet,

durchaus zugetan. Beglücken Sie den

Melancholiker mit einer winterlichen Reise nach

Venedig. In dieser Jahreszeit wird die Welthauptstadt

der Melancholie nicht so sehr von Touristen

heimgesucht wie sonst und lädt zu einsamen

Spaziergängen und Gondelfahrten ein, bei

denen der Melancholiker ungestört seinen tiefsinnigen

Gedanken nachgehen kann. ( Je nach

Dauer und Komfort des Aufenthalts ab 2.000 €.)

– Sollte der Melancholiker Venedig bereits kennen

wie seine eigene Westentasche, dann bieten

sich folgende europäische Städte zum Besuch

an, die ebenfalls den Anspruch erheben, Hauptstädte

der Melancholie zu sein: St. Petersburg,

Wien und Lissabon.

Kein anderer Kunstgenuss bietet dem

Melancholiker intensivere Versenkung in seine

abgründigen Gefühle als die Musik. Wenn er

ein Liebhaber der Klassik ist, dann wird ihm

die 1778 kurz nach dem Tod der Mutter des

Komponisten entstandene Sinfonia Concertante

(Es-Dur, KV 364) von WOLFGANG AMADEUS

MOZART (* 27. Januar 1756 † 5. Dezember

1791) gefallen, zum Beispiel in der Einspielung

des Israel Philharmonic Orchestra unter ZUBIN

METHA mit ITZHAK PERLMAN (Violine) und

PINCHAS ZUKERMAN (Viola): CD bei Deutsche

Grammophon, Katalognr. 415486-2; bestellbar

z. B. im Internet unter www.musicabona.com

für 23,40 €. – Bevorzugt der Melancholiker hingegen

eher populäre Musikrichtungen, dann

überraschen Sie ihn mit dem Debütalbum Five

Leaves Left des unvergessenen NIKE DRAKE

(* 19. Juni 1948 † 25. November 1974), auf dem

seine sanfte, unendlich melancholische Stimme

mit den für sein eigenes kurzes Leben prophetischen

Zeilen zu vernehmen ist: „Safe in the

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