STABIL STABIL

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STABIL STABIL

ELEKTRONIK

HC3-XTREME

ROBBE/CAPTRON

Let's get ready to rumble – dieser simple Satz

wurde zum Symbol des Boxsports. Michael

Buffer, der Ringsprecher, der diesen Schlachtruf

geprägt hat, eröffnete hiermit so manchen

knallharten Kampf. Knallhart ist auch der

Kampf auf dem Flybarless-Markt. Captron

stellt sich mit seinem neuen System, dem HC3-

Xtreme, der Konkurrenz. Ich habe das System

auf Herz und Nieren geprüft und möchte Ihnen

nicht vorenthalten, dass es ein standfester und

schlagfertiger Gegner ist. Nicht gegen den

Benutzer, sondern gegen die Mitbewerber,

die sich mit in den Ring getraut haben.

Lieferumfang

Geliefert wird das HC3-Xtreme in einer schmucken

und funktionellen Blechdose mit Sichtfenster.

Zum Lieferumfang gehört neben dem üblichen

Montagematerial und dem Kabelbaum ein

USB-Interface, das zum Programmieren des Gerätes

dient. Die Software hierzu ist neben der

sehr guten Bedienungsanleitung auf dem mitgelieferten

USB-Stick gespeichert. Somit ist der Lieferumfang

vorbildlich und vollständig.

Summensignal-Eingang

Um einen sehr großen Vorteil des HC3-Xtremes

nutzen zu können, verwendete ich den Summensignal-Empfänger

robbe R6107SP. Hierbei geht

vom Empfänger nur noch ein einziges Kabel zum

Flybarless-System. Dies spart Platz im Modell,

des jeweiligen Servotyps eingesteckt werden,

um deren Beschädigung zu vermeiden.

Im zweiten Schritt wird man gefragt, ob man

die bereits vorhandenen Einstellungen beibehalten

möchte oder ob das System einen Reset

durchführen soll. Im dritten Schritt werden nun

Servo- und Empfänger-Typ, sowie bei Verwendung

eines Empfängers mit Summensignal

dessen Kanalbelegung festgelegt. Im vierten

Schritt werden die Knüppelrichtungen, Endpunkte

und die Mitte des Steuerknüppels eingestellt.

Dies geschieht nur im Sender mit den üblichen

Senderfunktionen (Servoumkehr, -endpunkte, -mit-

Flybarless-

System

EXTREM

STABIL

Geduld beim Kabelverlegen, reduziert so ganz

nebenbei mögliche Fehlerquellen und erhöht die

Betriebssicherheit des Modells. Die Kombination

Flybarless-System mit Summensignal-Empfänger

ist eine wirklich feine Sache und – so viel sei vorab

verraten – funktioniert tadellos! Natürlich wurde

auch an die Benutzer des Spektrum-Übertragungs-Systems

DSM2 gedacht, die bis zu zwei

Satelliten mit dem HC3-Xtreme verbinden können,

und so ebenfalls einen separaten Empfänger

einsparen.

Erprobungsträger

Zu jedem seriösen Test gehört eine kurze Vorstellung

der Testumgebung. In meinem Fall habe

ich das System im Compass Atom 500 erprobt.

Als Taumelscheibenservos verwendete ich MKS

DS9660A+ Digitalservos mit 4,7 kg/cm Stellkraft

und 0,09 s/60° Stellgeschwindigkeit bei

einer Nennspannung von 6,0 V. Am Heckrotor

kam das MKS Brushless-Servo BLS 980 zur Anwendung,

das an 6 V immerhin 3,1 kg/cm

Das HC3-Xtreme mit seinem gefrästen und

eloxierten Aluminium-Gehäuse macht

schon beim Betrachten einen sehr wertigen

Eindruck.

SEBASTIAN ZAJONZ

Die Neuheiten auf dem Flybarless-Sektor reißen

nicht ab. Auch bei Captron hat man sich nicht ausgeruht

und bringt mit dem HC3-Xtreme ein vollkommen

neu entwickeltes System auf den Markt.

Sebastian Zajonz hat das im Vertrieb von robbe befindliche

System unter die Lupe genommen.

HC3-XTREME

von ROBBE/CAPTRON

Stellkraft bei 0,03 s/60° bietet. Das BLS 980

hat einen Neutralimpuls von 760 µs, wie auch

einige andere als Heckrotorservo ausgewiesenen

Typen von beispielsweise robbe/Futaba.

Daher war eine entsprechende Einstellung im

HC3-Xtreme natürlich möglich. Die Stromversorgung

übernimmt der Kontronik JIVE 100 LV

bei 5,5 V BEC-Spannung. Der Rotorkopf des

Atom wurde seiner Padelstange entledigt und

mit einigen kleinen Drehteilen modifiziert, um

eine optimale Hebelgeometrie für den Einsatz

eines Flybarless-Systems zu erreichen. Die verwendeten

Rotorblätter haben eine Länge von

430 mm und mit weniger als 1,5 mm nur sehr

wenig Vorlauf, was wichtig ist, um die Stellkräfte

gering zu halten.

Einbau

Ich habe das System mit dem dünnen Klebeband

direkt auf die Kreiselplattform geklebt.

Dies ist ein sehr vibrationsarmer Ort, der exakt

senkrecht zur Rotorwelle liegt. Die

Notwendigkeit dieser beiden Attribute wird in

der Anleitung ausführlich erklärt. Beispiels -

weise führt eine nicht orthogonale Montagefläche

zu einer »eiernden« Bewegung

während der Pirouette, da der Regelkreis dies

nicht korrigieren kann. Hält man sich an die

sehr gut beschriebene Anleitung, so ist der Ein-

Auch bei der Verpackung hat man sich um eine

ansprechende Optik bemüht. Der Lieferumfang

umfasst neben dem HC3-Xtreme, den zugehörigen

Anschlusskabeln und zwei unterschiedlich dicken

Klebepads das Programmierkabel und einen USB-

Stick, auf dem Software und Anleitung untergebracht

sind.

Die Klebepads liegen in zwei Dicken bei, um die

Lagerung auf den jeweiligen Heli abstimmen zu

können.

bau schnell und fehlerfrei erledigt und es geht

ans Vorbereiten der Programmierung.

Wie bei den meisten Flybarless-Systemen erfolgt

die CCPM-Mischung, sofern sie im eingesetzten

Modell notwendig ist, im System selbst und

nicht im Sender, weshalb zunächst alle betreffenden

Mischer deaktiviert sein müssen. Ich verwende

die robbe/Futaba T8FG, bei der das

Mischprogramm H1 das richtige ist. H1 ist

Futabas Bezeichnung für die reine mechanische

Mischung mit separatem Pitchservo, also

sämtliche Servos, die auf die Taumelscheibe

wirken, sind in keiner Form miteinander gemischt.

Neben der im Atom 500 verwendeten

CCPM-Anlenkung mit 120° Anlenkgeometrie

und drei Servos (H3) bietet das HC3-Xtreme die

Option der 140°-CCPM-Mischung (H3 140°),

einer mechanischen Mischung (H1) und der

90°- sowie 45°-Anlenkvariante (H4 und H3) mit

drei oder vier Taumelscheibenservos. Das dürfte

so ziemlich alle Anwendungsfälle abdecken.

Programmierung

Programmiert ist das HC3-Xtreme sehr

schnell. Auf der Homepage des Herstellers

und auch unter www.robbe.de findet der Anwender

fertig programmierte Modell-Dateien

von Top-Piloten, an denen er sich orientieren

kann. Ansonsten kann man sich auch selbst

durch die Software arbeiten und die vielen nütz

lichen Hinweise verinnerlichen. Zunächst

sieht die Programmierung etwas komplex aus,

ist im Grunde aber sehr simpel.

AUF EINEN BLICK

gefallen hat:

Verarbeitung und Optik

Flugverhalten im Speedflug

Software und Programmierung

Benutzung von Summensignal-Empfängern und

DSM2-Satelliten möglich

nicht ganz überzeugen konnte:

Pirouetten-Kompensation nicht optimal

Nickfilter und Direktanteil

Die Elektronik des HC3-

Xtreme ist blitzsauber

aufgebaut.

Neben Summensignal

und

Futaba S-Bus kann

das HC3-Xtreme

auch mit zwei Satelliten

des DSM2-Systems

von Spektrum

betrieben werden.

Am einfachsten ist es, wenn man den Setup-

Assistenten nutzt. Dieser begleitet einen durch

die gesamte Setup-Routine und erklärt, worauf

es im jeweiligen Einstellpunkt ankommt. In etwa

zehn Minuten hat man die erste Programmierung

erledigt und kann sich von hier an die

gewünschte Idealeinstellung herantasten. Der

Setup-Assistent geleitet den Benutzer in elf

Schritten zum Ziel. Zu Beginn warnt die Software

den User, dass die Servos und der Elektroantrieb

abgesteckt werden sollen. Der

abgesteckte Elektroantrieb beugt Verletzungen

vor und die Servos sollen erst nach der Wahl

Durch die Verwendung

des Summensignal-

Empfängers robbe

R6107SP ist der RC-Einbau

im Atom 500 des

Autors extrem

aufgeräumt.

Selbst gefertigte

Distanzhülsen an

den Blattgriffen

des Atom sorgen

für eine optimale

Anlenkgeometrie

für den Flybarless-Betrieb.

TECHNISCHE DATEN

robbe/Captron HC3-Xtreme

Sensoren

3 MEMS

TS-Ansteuerung

mechanisch gemischt,

CCPM 90, 120 oder 140°,

4 Servos 90° und 45° gedreht

Anschlüsse Servos, Empfänger, Summensignal

oder Futaba S-Bus, 2x DSM2-Satellit

Stecksystem Anschlusskabel

Futaba

Abmessungen

36 x 34 x 14 mm

Gewicht ohne Kabel

18 g

Betriebsspannung

4 – 10 V

Preis € 457,–

Sonstiges

Realtime-Tuning erlaubt die Veränderung beliebiger

Parameter vom Sender aus.

Hersteller

Vertrieb

Bezug

Captron

(www.helicommand.com)

robbe

(www.robbe.de)

Fachhandel

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ROTOR 7I2010

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tentrimmung). Nun können endlich die Servos in

das HC3-Xtreme gesteckt werden. Deren

richtige Belegung wird angezeigt, so dass man

hier kaum einen Fehler machen kann.

Im sechsten Schritt wird die Mittenstellung der

Servos beeinflusst. Falls nötig verstellt man diese

so lange, bis die Gestänge im 90°-Winkel von

den Servohörnern ablaufen. Der siebte und

achte Schritt betrifft die Servolaufrichtungen, die

virtuelle Taumelscheibenverdrehung sowie die

maximalen Ausschläge von Roll, Nick und Pitch.

Der Heckrotor wird im neunten Schritt eingestellt.

Hier können wieder die maximalen Wege des

Servos sowie die Empfindlichkeiten, Drehraten

und das Einrastverhalten beeinflusst werden.

halten sind sehr knackig und direkt und somit für

den 3D-Flug als sehr gut zu bezeichnen. Gewöhnungsbedürftig

ist es, dass der Heli bei Tic-Tocs

um das Zentralstück dreht und nicht um den

Heckrotor. Diese Überreaktion der Nick- und

Rollfunktion lässt sich durch Verstellen des Nickfilters

und des Direktanteils beseitigen. Auch ein etwaiges

Nachpendeln wird mit diesen beiden

Parametern beeinflusst. Das Problem bei der

ganzen Sache ist, dass gerade der Direktanteil

im unteren Bereich zu grob wirkt. Eine optimale

Einstellung lag in meinem Fall zwischen zwei

Werten. Der Nickfilter ist von der Idee zwar

ganz nett, scheint mir aber nicht ganz gelungen.

Auch hier lässt sich ein für mein Empfinden gutes

gen, und auch ein Unter- oder Überschneiden

ließ sich nicht provozieren. Die Software erlaubt

zudem, auf dieses Verhalten Einfluss zu

nehmen, denn gerade das Speedfliegen macht

höllisch Spaß und der Heli wirkt zu keiner Zeit

nervös am Knüppel. GPS-Messungen haben

übrigens 168 km/h als Mittelwert ergeben,

was für einen 500er Heli nicht schlecht ist.

Die Heckrotordrehrichtung lässt sich ohne

»Gedenksekunde« wechseln. Viele Gyros und

auch Flybarless-Systeme reagieren etwas

verzögert auf diesen Steuerbefehl. Das heißt,

dass einer geflogenen Pirouette erst ein kurzer

Moment des Stillstands folgt, bevor der Heli

eine Pirouette in die Gegendrehrichtung einleit-

PROGRAMMIERUNG

In den restlichen Schritten werden dem Piloten

Informationen zum System und dessen

Optimierung sowie zur Überprüfung der

Kreiselwirkrichtungen gegeben. Beginnt man,

wie empfohlen, mit etwa 50% Empfindlichkeit

auf der Taumelscheibe und am Heckrotor, so

hat man keine Überraschungen zu befürchten.

Die Standardeinstellungen sind als zahm zu

bezeichnen. Hier hat man keinen ultrakri -

tischen Heli, und auch die Empfindlichkeiten

sind in einem Bereich, bei dem in aller Regel

noch nichts aufschwingen sollte.

Flugerprobung

Nun aber zum Flugtest. Das HC3-Xtreme

macht bereits mit dem Standard-Setup eine gute

Figur. Das Flugverhalten fühlt sich nicht zu digital

an, ist aber sehr stabil. Ansprech- und Einrastver-

Das Setup erfolgt

über eine PC-Software.

Die Ersteinrichtung

wird durch

einen Assistenten erleichtert,

der Schritt

für Schritt durch die

nötigen Einstellungen

führt.

Ergebnis nur mit sehr niedrigen Werten erzielen.

Ein weiteres Manko des zu weit reduzierten Direktanteils

und Nickfilters ist ein etwas zu weiches

Ansprechverhalten. Im Gesamten kann man

aber sagen, dass man beim HC3-Xtreme nur mit

diesen zwei Parametern richtig kämpfen muss.

Ein Glück, dass das System die »Realtime-

Funktion« bietet, die dem User die Möglichkeit

gibt, einen Parameter im Flug zu optimieren.

Hierzu wird zunächst die passende Heckempfindlickeit

erflogen und dann als Fixwert

eingestellt. Auf den dann freien Kanal kann

der gewünschte Parameter gelegt und somit

verändert werden. Anschließend kann der erflogene

Idealwert abgelesen und ebenfalls als

Fixwert eingegeben werden.

Doch zurück zum Standard-Setup. Im Ge -

radeausflug kommt es zu keinem Aufschwinet.

Am Heckrotor habe ich noch etwas mit dem

D-Anteil gespielt, da die Grundeinstellung etwas

zu hoch war und das Heck ganz schnell

mit kleinen Amplituden gezittert hat. Als perfekten

DMA-Wert habe ich den Wert »0« erflogen.

Mit allen anderen Einstellungen war das Heck

einfach nicht richtig ruhig zu bekommen. Die

Pirouetten-Kompensation (Anmerk. der Red.:

die PK hält die Schräglage der Rotorebene im

Raum unabhängig von der Richtung des Hecks

konstant) ist soweit in Ordnung und funktioniert

gut, hier bin ich jedoch besseres gewohnt und

ein leichtes Eiern während der Pirouette konnte

ich nie ganz beseitigen. Die orthogonale Ausrichtung

zur Rotorwelle habe ich mehrmals überprüft

und auch mit dem Schwerpunkt gespielt.

Fazit

Ich habe mit meinem Testmodell schnell ein gut

funktionierendes Setup gefunden. Das HC3-

Xtreme erfüllt alle Kriterien, die ein hochwertiges

Flybarless-System leisten muss, um am Markt

konkurrieren zu können. Der nicht ganz so technikverliebte

Benutzer braucht keine Angst vor

dem Umstieg auf das paddellose Fliegen zu

haben, denn das System ist sehr kundenfreundlich

und die Programmierung wirklich nicht

schwer. Da auch der Service vorbildlich ist (ein

zunächst defektes Interface-Kabel wurde quasi

über Nacht ausgetauscht), kann ich das HC3-

Xtreme ruhigen Gewissens empfehlen. Es ist

sicherlich eines der besten Systeme am Markt.

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