Informationsbroschüre (pdf, 1.0 MB) - CCLM - Universität Bern

cclm.unibe.ch

Informationsbroschüre (pdf, 1.0 MB) - CCLM - Universität Bern

www.cclm.unibe.ch

August 2012

Von der Zelle zum

Gedächtnis


Kognitive Prozesse Erforschen

Stellen Sie sich vor, Sie blicken von

einer Bank in den Park und sehen eine

alte Frau, die strickt, und Kinder, die im

Sandkasten spielen. «Sehen» Sie ein Bild,

obwohl gar keines da ist? Nun versuchen

Sie, sich an Ihren ersten Schultag zu erinnern.

Können Sie sich erinnern, wie Ihre

Schultasche ausgesehen hat? Haben Sie

sich auch schon mal etwas vorgenommen,

z. B. auf dem Arbeitsheimweg Brot

kaufen zu gehen, und es sogleich wieder

vergessen? Welche Eselsbrücken helfen

Ihnen beim Lernen von neuen Informationen,

z. B. wenn Sie sich eine Telefonnummer

merken müssen? Wie haben

Sie in Ihrer Schulzeit für Prüfungen

gelernt, und war der Abruf Ihres Wissens

erfolgreich? Was denken Sie, hätte Ihr

Kind bessere Schulnoten, wenn es sein

Gedächtnis trainieren würde? Können Sie

in Ihren eigenen Worten erklären, was

der Begriff «Wissenschaft» bedeutet?

Woher wissen Sie das alles eigentlich?

Sie haben gerade eine kognitive Rundreise

erlebt! «Kognition» umfasst alle

Prozesse, die mit dem Denken zu tun

haben. Dazu gehören alle für uns im

Alltag selbstverständlichen Prozesse

wie visuelle Vorstellung, episodisches

Gedächtnis (sich an vergangene Ereignisse

erinnern), prospektives Gedächtnis

(Absichten erinnern), Lernen und

Aufmerksamkeit. Bei diesen Prozessen

spielt auch das Bewusstsein eine wichtige

Rolle. Allerdings haben wir Menschen

auch die Fähigkeit, uns Dinge und

Szenen unbewusst zu merken.

Die Erforschung von kognitiven Prozessen

erlaubt es uns nicht nur, ein breiteres

Wissen über das mentale Leben

der Menschen zu erlangen, sondern

ermöglicht es auch, abnorme Prozesse

im menschlichen Gehirn identifizieren

zu können und Maßnahmen für eine

bessere Lebensqualität zu entwickeln.

Das neu gegründete Zentrum für Kognition,

Lernen und Gedächtnis (CCLM) der

Universität Bern vereint Grundlagenforschung

mit angewandter Forschung und

betreibt ein Dienstleistungszentrum.

Erfassung elektroenzephalographischer (EEG) Daten und subjektiver Angaben mit wissenschaftlichen Fragebogen.

2


Ziele und Absichten

Das Forschungszentrum für Kognition,

Lernen und Gedächtnis bildet eines

von sieben strategischen Forschungszentren

der Universität Bern. Die durch

die Zentren verkörperten Profilierungsschwerpunkte

entstanden alle «bottom

up» durch die hervorragende Arbeit

verschiedener Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftler. Durch innovative, interdisziplinäre

und qualitativ hochstehende

Forschung zu Kognition, Lernen und

Gedächtnis soll die nationale und internationale

Ausstrahlung der Universität

Bern gefördert werden. Das Hauptziel

des CCLM ist es, die grundlegenden

Prozesse des Lernens und Gedächtnisses

mit individuellen und entwicklungsbedingten

Unterschieden aus kognitionsund

neurowissenschaftlicher Perspektive

zu verstehen. Zudem sollen die Erkenntnisse

in einem praktischen Kontext

angewandt werden und in einem pädagogischen

Rahmen vermittelt werden. Zu

diesem Zweck teilt sich das Forschungszentrum

in drei Hauptaufgabenbereiche:

• Grundlagenforschung

• Anwendung im Dienstleistungszentrum

• Ausbildung und Wissensvermittlung

Forschungsinhalte

Innerhalb der Gedächtnis- und Lernforschung

werden im CCLM Projekte

zu Themen wie Lernen, Langzeit- und

Arbeitsgedächtnis, assoziatives, prospektives

und implizites Gedächtnis, Wahrnehmung,

Persönlichkeit und individuelle

Unterschiede in der Entwicklung durchgeführt.

Folgende Fragen werden zum

Beispiel untersucht:

• Ist es möglich, dass Menschen

alltägliche Ereignisse unbewusst im

Gedächtnis speichern?

• Wie wirken sich altersbedingte

Sehveränderungen im Alltag, z.B.

beim Autofahren, aus?

• Unter welchen Umständen können

Absichten, wie z.B. einen Brief

einwerfen, später erinnert werden?

• Kann ein Gedächtnistraining bei

Schulkindern deren Leistung und

Intelligenz verbessern?

• Können Konsolidierungsprozesse,

d. h. die Einspeicherung von Erlebnissen,

in einem mathematischen

Modell ausgedrückt werden, das

allgemein gültig ist?

• Welche aussergewöhnlichen Merkmale

im Gehirn können z. B. eine

Alzheimer Demenz Jahre vor ihrer

Diagnose voraussagen?

Positron Emmission Tomography (PET) Bild, das erhöhten Blutfluss in spezifischen Hirnarealen zeigt.

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Forschungsgruppenleiterinnen und -leiter

Profs. Dr. Thomas Dierks, Thomas König, Werner Strik

Abteilung für Psychiatrische Neurophysiologie

Wir untersuchen die neurobiologischen Prozesse des Arbeitsgedächtnisses, entwickeln daraus

ein Training, wenden es sowohl bei Gesunden wie bei Patienten mit psychiatrischen

Erkrankungen an und evaluieren es.

Dr. Doris Eckstein

Abteilung für Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie

Wir wollen herauszufinden, wie unbewusste Kognition unsere Lernerfahrung bestimmt und

wie sich unbewusstes Lernen von bewusstem unterscheidet.

PD Dr. Klemens Gutbrod, Prof. Dr. René Müri

Abteilung für Kognitive und Restorative Neurologie

Wir untersuchen Zusammenhänge zwischen Aufmerksamkeit, Seh- und Wahrnehmungsstörungen,

Arbeitsgedächtnis und anderen Gedächtnisformen und Sprachfunktionen.

Prof. Dr. Katharina Henke

Abteilung für Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie

Wir untersuchen die Rolle des Hippocampus im bewussten und unbewussten Lernen und die

Rolle des Schlafs bei der Gedächtniskonsolidierung.

Prof. Dr. Fred Mast

Abteilung für Kognitive Psychologie, Wahrnehmung und Methodenlehre

Unsere Forschungsthemen sind perzeptuelles Lernen, sensorimotorische Integration, visuelle

Vorstellung, soziale Wahrnehmung und Unterscheidung von Realität und Fantasie.

Prof. Dr. Beat Meier

Abteilung für Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie

Unsere aktuelle Forschung untersucht Fragestellungen in den Bereichen kognitive Kontrolle,

implizites Sequenzlernen, prospektives Gedächtnis und Synästhesie.

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Profs. Dr. Urs Mosimann, Tobias Nef

Direktion Alterspsychiatrie

Wir untersuchen, wie visuelle Wahrnehmungs- und neuropsychiatrische Störungen quantifiziert

und therapiert werden können und welche Alltagsauswirkungen sie haben.

Prof. Dr. Thomas Nevian

Institut für Physiologie

Wir untersuchen die zellullären Grundlagen des Lernens und Gedächtnisses, aktuell mit Fokus

auf das Schmerzgedächtnis.

Prof. Dr. Walter Perrig

Abteilung für Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie

Unser Ziel ist es, Diagnostik- und Trainingsaufgaben für die verschiedenen Gedächtnisformen

zu entwickeln, um damit Lernprozesse sowohl bei Gesunden wie Patienten zu verbessern.

Prof. Dr. Thomas Rammsayer

Abteilung für Persönlichkeitspsychologie, Differentielle Psychologie und Diagnostik

Wir untersuchen, in welchen basalen, kognitiven Prozessen sich intelligente und weniger intelligente

Menschen, unter Berücksichtigung interindividueller Differenzen, von einander unterscheiden.

Prof. Dr. Claudia Roebers

Abteilung für Entwicklungspsychologie

Wir untersuchen, wie Kinder im Laufe ihrer Entwicklung Kontrolle über ihre kognitiven

Aktivitäten erhalten, die ihnen zielgerichtetes und effizientes Handeln ermöglichen.

Prof. Dr. Walter Senn

Institut für Physiologie

Wir modellieren Gedächtnisprozesse und mentales Vorstellen auf der Basis von Daten, die am

Menschen und am Tier erhoben worden sind.

Prof. Dr. Maja Steinlin

Abteilung für Neuropädiatrie, Entwicklung und Rehabilitation

Unser Ziel ist es, Probleme der Kognition, vor allem des Gedächtnisse und der Aufmerksamkeit,

sowie auch der Motorik in der Kindheit sowohl bei Gesunden, wie bei Patienten

identifizieren und therapieren zu können.

5


Mitglieder

Zum Zentrum für Kognition, Lernen

und Gedächtnis (CCLM) gehören 13

Forschungsgruppen aus der Psychologie,

Psychiatrie, Neurologie, Neuropädiatrie,

Biologie und Physiologie. Die LeiterInnen

der 13 Forschungsgruppen mit internationalem

Profil setzen sich zusammen aus

DozentInnen und ProfessorInnen der

Universität Bern. Ihre Doktorierenden,

Postdocs, wissenschaftlichen und technischen

Mitarbeitenden gehören ebenso

zum CCLM.

Finanzierung

Das CCLM finanziert sich aus direkten

Mitteln der Universitätsleitung, Eigenmitteln

der am Zentrum beteiligten

Forschungsgruppen sowie aus eingeworbenen

Drittmitteln einzelner Mitglieder

oder aus den von der Geschäftsleitung

eingeworbenen Drittmitteln für das

CCLM.

Organigramm

Wissenschaftlicher Ausschuss

Präsident: Walter Perrig

Geschäftsführung

Direktorin: Katharina Henke

Stellvertretender Direktor: Beat Meier

Graduate

School

Grundlagenforschung

Dienstleistungszentrum

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Impressum

1. Auflage, August 2012

Bildquellen

Titelseite: www.istockphoto.com

Innenseiten: CCLM

Rückseite: Institut für Diagnostische und

Interventionelle Neuroradiologie,

Universitätsspital Bern

7


Direktorin

Prof. Dr. Katharina Henke

Stellvertretender Direktor

Prof. Dr. Beat Meier

Universität Bern

CCLM

Muesmattstrasse 45

3012 Bern

Tel.: 031 631 36 41

E-Mail: cclm@psy.unibe.ch

www.cclm.unibe.ch

Diffusion tensor image von Faserbündel, die den Cortex mit der Wirbelsäule verbinden.

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