Sachsen, meine Sehnsucht

sachsen

SachSen-Spezial City & Country

MAgische Orte

Die schönsten

Seiten des

Freistaats

Prinz

zUr liPPe

Auch die

Kanzlerin

liebt seinen

Wein

Schauspielerin

Stephanie Stumph

Sachsen,

meine

Sehnsucht

Aktiv-

UrlAUb

Ein Paradies

zum Klettern,

Wandern &

Radfahren


Editorial

Sachsen hat alles,

was das hErz begehrt

PaTricia riEkEl Chefredakteurin

Chefredakteurin

Patricia riekel mit

hund Bruno auf ihrer

Lieblingsbank am See

Der wunderbare Dichter Herbert

Asmodi schrieb in seiner „Reiseempfehlung“:

„Warum in die

Ferne schweifen? Wieso zu den

Kopfjägern? Ferien auf den Stromschnellen des

Colorado River? Klettern im Himalaja? Krokodile

reiten auf Palau und Fallschirmspringen in

Ashford? Oder garantierte Einsamkeit in den

McKenzie-Bergen? Wozu der Aufwand? Bleiben

Sie zu Hause ...“

Dieses wunderbare Gedicht kommt mir in

den Sinn, wenn ich an Sachsen denke. Wie die

meisten Menschen, die in den Ländern der

alten Bundesrepublik groß geworden sind,

war ich mit den Landschaften des deutschen

Ostens nicht wirklich vertraut. Ich kannte nicht

die Tiefen des Erzgebirges, in denen man sich

verlieren kann, nicht die unglaubliche Weite

der Hügellandschaft um Dresden und die magischen

Burgen und Schlösser, die überall in

Sachsen von der deutschen Geschichte erzählen.

Das Ausmaß der Elbe hatte ich mir nicht

vorstellen können und die Sächsische Schweiz

mit ihren gigantischen Felsbrocken wirkte noch

beim ersten realen Anblick fast unwirklich.

In der Vorbereitung zu diesem Heft über

Sachsen habe ich mich intensiver mit dem Thema

befasst. Also wälzte ich Bildbände, um meine

Lücken von noch nicht besuchten Winkeln und

Städtchen optisch zu füllen. Es entstand eine

Komposition aus Traumlandschaften, die wie

für einen großartigen Abenteuerfilm geschaffen

sind. Um mit Herbert Asmodi zu sprechen: „Warum

in die Ferne schweifen? Bleiben Sie zu Hause

...“ Ich habe gelernt, dass unsere Heimat so

betörend schön sein kann wie die Rocky Mountains

oder so bezaubernd wie Schlösser an der

Loire. Sachsen hat alles, was das Herz begehrt.

Was seinen besonderen Charme auch ausmacht,

ist das Zusammenspiel von Historie und

Moderne. Beherzt, wie die Sachsen nun mal

sind, knüpfen sie zusammen, was zunächst unvereinbar

scheint, und führen es geschickt in

die Zukunft. Das gilt gleichermaßen für Baustile

wie für Kunst und Kultur. Sachsen ist ein spannendes

Bundesland für diejenigen, die dort leben,

und ein abwechslungsreiches Ziel für die

mehr als sieben Millionen Menschen, die jährlich

aus aller Welt anreisen.

Nicht zuletzt ist Sachsen berühmt für seine

schönen Frauen. Schon in der Sage vom Ursprung

der Sachsen steht der Reim „Sachsen, das ist da, wo

die schönen Mädchen auf den Bäumen wachsen.“

fasT MysTisch wirkt

schloss Moritzburg

Traumlandschaften

wie aus einem

Abenteuerfilm

Fotos: dpa-BildFunk, dpa/thomas lehmann

Cover:

Stephanie Stumph

für BUntE

IMPRESSUM HERAUSGEBER BUntE Entertainment Verlag GmbH, Arabellastr. 23, 81925 München REDAKTIONSDIREKTORIN UND CHEFREDAKTEURIN

Patricia Riekel (V. i. S. d. P.) STV. DER CHEFREDAKTEURIN Sebastian Graf von Bassewitz STELLV. CHEFREDAKTEUR Christian Guth (Optik), CREATIVE DIREC-

TOR Jenny Levié ART DIRECTION Christian Guth CHEF VOM DIENST thomas Spitznagel (Ltg.); Gabriele Wider (Stv.) TEXTCHEFS Peter telle, Georg thanscheidt

REDAKTION Désirée Rohrer (Ltg.), Sarah Bonin, Claus Dreckmann, Christian Krabichler, Manfred Otzelberger, Sandra Schmidt, Georg Seitz, Chtistiane Soyke

AUTOR Walter Drechsel FOTOREDAKTION Eva Maria Hildebrand (Ltg.); Ulrike Kamleitner-v. Keussler, Mirja Schütz LAYOUT Karin Bösl, Martina Feichtner-Mäurer,

Maria Katzmair-Faouzi, Kerstin Lindlbauer, Ulrich Pitule, Sonja Wohner BILDBEARBEITUNG Kurt Kretschmer (Ltg.); Baptist Dallmeyr SCHLUSSREDAKTION

Alexandra Ahrens, Sona Hähnel, Dr. Edith Konradt, thomas Kopp, Alzbeta Lettowsky, Ingrid tzschaschel DIRECTOR MARKETING Elfi Langefeld

DEPUTY DIRECTOR MARKETING Meike nevermann DIRECTOR FINANCE & OPERATIONS Andrea Laub GESCHÄFTSFÜHRERIN Manuela Kampp-Wirtz

BUNTE 37 | 2014 3


Landsitz Fakten & Zahlen

1 2 3

IM RAFFER

ZEIT-

Sachsens Entwicklung

von vor rund 300 000

SIXTINISCHE

MADONNA

Auch wenn Sie es

kaum glauben: Die

weltberühmten süßen

Engelchen hängen nicht

in einer italienischen

Kirche, sondern in den

Staatlichen Kunstsammlungen

Dresden. Das

Raffael-Gemälde wurde

1754 gekauft

Jahren bis zur

modernen Kulturlandschaft

erlebt

man spannend

im SMAC, dem

Staatlichen

Museum für

Archäologie in

Chemnitz. Die

Zeitreise geht über

drei Etagen (smac.

sachsen.de)

11-PUNKTE-ENGEL

Exportschlager weltweit – aus

dem Erzgebirge. In Handarbeit

werden die kleinen, bezaubernden

Holzengel seit 85 Jahren gefertigt.

Wer begonnen hat zu sammeln, will

immer mehr Engelchen haben

ALLES SITZT

Einst revolutionär – heute

sexy Accessoire: der BH.

Die Dresdnerin Christine Hardt

meldete 1899 den Vorläufer

des heutigen BHs zum Patent an

4

5

LANDESGARTEN-

SCHAU OELSNITZ

100 000 Blumenzwiebeln und

266 000 Pflanzen verzaubern den

Erholungsort Oelsnitz im Erzgebirge

in ein Paradies. Vom

25. April bis 11. Oktober wird das

Gartenfestival geöffnet sein

12

BEUTELTEE

Ein Mann erfand 1929 den Zwei-

Kammer-Teebeutel: Adolf Rambold,

ein Mitarbeiter des Dresdner Unternehmens

Teekanne, ebnete so den

Weg zu individualisiertem Teegenuss

– sozusagen Tasse für Tasse

Das SÄCHSIS CHE Dutzend

KAUM ZU GLAUBEN Kunstwerke, die man

eigentlich in Rom vermutet, Erfindungen, die unser

Leben bequemer gemacht haben, Lebensmittel,

die weltweit ein wahrer Genuss sind: Alles, was Sie

hier sehen, stammt aus Sachsen und ist fest

in diesem schönen Bundesland verwurzelt. Das gilt

natürlich ganz besonders für die Landesgartenschau

in Oelsnitz, die ihre Pforten im

kommenden Frühling für Besucher

öffnen wird

DRESDNER STOLLEN

11

6

WEISSES GOLD AUS MEISSEN

Vergessen Sie das berühmte Zwiebelmuster und den Roten Ming-Drachen – auch wenn

sie schön sind und von jahrhundertealter Tradition des „Weißen Goldes“ aus Meißen

erzählen. Heute glänzt auch Haute Porzellan-Couture in Gold und modernem Design

Nicht nur zur Weihnachtszeit ist Dresden

in aller Munde wegen des herrlichen Stollens,

der Weltruhm genießt. Den größten

10

8

Dresdner Stollenanbieter, die Dr. Quendt

GmbH, unterstützt neuerdings Lambertz-

Eigentümer Hermann Bühlbecker (u. l.)

KARL MAY

Bis heute hat der aus

FLüSSIGES GOLD

Sachsen stammende

Vater der Indianergeschichten

Millionen Fans:

Die Sachsen lieben Bier: Im Südwesten

Alle lieben Winnetou. Jährlich

des Landes trinkt man das lokale Sternquell

kommen rund 30 000 Gäste zu

oder ein kühles Wernesgrüner,

den Festlichkeiten nach Radebeul.

im Osten köstliches Landskron. Aus der

„Little Tombstone“, wenige Kilo-

Mitte des Landes stammt das Rade-

meter vom May-Wohnhaus und

berger Pilsner – diese Marke hat Weltruhm

Museum entfernt, ist auch

erlangt und ist das angesagteste

bei den echten Indianern

Bier New Yorks. Dort wird es in

aus Nordamerika bekannt.

450 Bars ausgeschenkt. Fans waren

In diesem Jahr reiste eine

auch Otto von Bismarck, Bertolt Brecht

Delegation von ihnen an

und Sachsenkönig Friedrich August III.

7

SILBERMANNORGEL

9

Die wohl berühmteste Barockorgel der Welt feiert

THERMOSKANNE

ihren 300. Geburtstag. 2674 Pfeifen auf 44 Registern

hüllen das neugotische Kirchenschiff im Dom

Das Prinzip der heutigen Thermoskanne war eigentlich

4 BUNTE 37 | 2014 St. Marien zu Freiberg in einen unbeschreiblichen

eine beiläufige Erfindung aus dem Labor des Chemnitzer

BUNTE 37 | 2014 5

Klangmantel. Konzerttermine unter silbermann2014.de

Professors Adolf Ferdinand Weinhold im Jahr 1881

Fotos: Holm RöHneR, sHutteRstock (4), dpa, ddp, imago (2),

inteRFoto, inteRtopics, staatlicHe kunstsammlungen dResden


Homestory

haUs als hoBBy

Felicitas und johannes

von carlowitz haben sich

und ihren fünf Kindern,

auf dem Foto sind Eva,

Florian und lily zu sehen,

eine oase auf dem

land geschaffen. Dazu

gehören auch die beiden

kleinen ziegen heidi und

clara. Der berühmteste

vorfahr der Familie, hans

carl von carlowitz, hat

vor über 300 jahren den

Begriff der Nachhaltigkeit

geprägt

Fotos: david brandt

produktion: sandra

schmidt & sarah bonin

haare & make-up: uta stabler

Land?

gUT!

johaNNEs voN carlowiTz kehrte in

die Heimat seiner Eltern zurück und verwandelte

mit Ehefrau FEliciTas das barocke Gut

Heyda wieder in ein Schmuckstück Sachsens

6 BUNTE 37 | 2014


Homestory

1

1 Jagdtrophäen zieren

die Eingangshalle

2 Bunt: das Wohnzimmer

der Familie

3 Vierhändig (Eva

und Lily, r.) und mit

zwei Pfoten (Terrier

Georgie) 4 Treffpunkt

aller Generationen:

der Speisesaal

2

AHNENGALERIE

Im Speisesaal hängen

die Portraits der

Vorfahren. Unter

ihnen sind Minister,

Räte und Feldherren

3

4

Je näher man Gut Heyda kommt, desto

enger werden die Straßen: Autobahn,

Landstraße, ein schmaler Pfad, auf

dem man sich keinen Gegenverkehr

wünscht. Aber so muss der Weg zu

einem verborgenen Wohnjuwel wohl

aussehen. Der barocke Gutshof (Ersterwähnung

1554) der Familie von Carlowitz wirkt wie die

Kulisse aus einem Rosamunde Pilcher-Film.

Nur eben nicht in Cornwall, sondern in Sachsen:

Neben dem Haupthaus, das mit Wein und

Rosen bewachsen ist, steht ein alter Traktor im

Schuppen, gegenüber von Gemüse- und Kräuterbeet

wohnen Kaninchen und Ziegen.

Zum Landidyll gehört, dass man nicht klingeln

muss, sondern die Hunde, Labrador Tessa

und Parson Russell Terrier Georgie, den Besuch

ankündigen. Hinter der schweren Holztür liegt

die Eingangshalle mit historischem Holz- 6

wappEN zieren die Stühle,

Monogramme die Decke

8 BUNTE 37 | 2014


Homestory

Auf der

Rückseite des

Gutshauses

liegt ein See,

daneben

der Park mit

Rosen und

Hortensien

KAFFEE UND KUCHEN Felicitas

und Johannes von Carlowitz genießen

den Spätsommer mit ihren Kindern

Lily, Florian und Eva (v. l.)

Aus LIEBE zog die Ehefrau

mit auf das alte Rittergut

Es können eine

Wohnung mit Seeblick

im Gutshaus

(Foto) und zwei Ferienhäuser

gemietet

werden. Heyda ist

ein perfekter Rückzugsort

zwischen

Dresden und Leipzig

6 mobiliar und Klavier, Jagdtrophäen hängen

an der Wand. Daneben das Biedermeier-Zimmer

(hier würde im Film die Teatime stattfinden)

und der Gartensaal.

1995 hat Familie von Carlowitz (sächsischer

Uradel) das Anwesen von der Kommune zurückerworben.

Hausherr Johannes von Carlowitz, 49,

ist Landwirt aus Leidenschaft und seine Frau Felicitas,

44, geb. von Livonius, zieht hier fünf Kinder

groß: Antonia, 16, in diesem Sommer Schülerin in

Chile, Lily, 14, Maya, 13, zurzeit in den Ferien, Eva,

9, und Florian, 7. Mit Johannes’ Mutter Margarete,

76, leben drei Generationen unter einem Dach.

Ein Speisesaal verbindet die beiden Wohnflügel,

hier treffen sich Jung und Alt an der langen Tafel.

Die 1700 Quadratmeter Wohnfläche sahen

nicht immer so ansprechend aus. Nach Enteignung

und Vertreibung der bis 1945 auf dem

Schlafen wie im Schloss

einstigen Rittergut lebenden Verwandten diente

dieses als Kinderheim. Dann stand es leer. Johannes

von Carlowitz entschied sich nach dem

Mauerfall, mit Vater Georg Christoph († 2010),

der auf dem benachbarten Gut Falkenhain aufgewachsen

war, in dessen Heimat zurückzukehren.

Während des BWL-Studiums in Berlin, wo

er seine Frau kennenlernte, pachteten Vater und

Sohn 1991 Land in der Nähe und kauften 1995

die renovierungsbedürftige Immobilie.

Felicitas von Carlowitz erinnert sich an den

ersten Besuch: „Abenteuer pur. Erkundungstour

mit abendlichem Picknick im völlig leer geräumten

und dunklen Gutshaus. Bei Kerzenlicht saßen

wir auf dem Boden, meine Schwester entdeckte

das einzige Möbelstück, einen Flügel, und spielte

Chopin. Es war romantisch, bis wir hinausgingen

und von der Polizei mit erhobenen Händen an die

Wand gestellt wurden. Nachbarn hatten Licht gesehen

und einen Einbruch gemeldet.“

Das hat sie nicht abgeschreckt. Wie im

Pilcher-Film siegte die Liebe. Johannes von

Carlowitz: „Zum Glück war meine Frau so verliebt,

dass sie mit mir überall hingegangen wäre.“

Sie bereut es nicht, obwohl es schwere Phasen

gab: „In den ersten zwei Jahren haben wir unter

einfachen Bedingungen gehaust. Die ersten

vier Monate ohne eigene Toilette und fließend

Wasser. Lange war nur ein Zimmer beheizbar:

das Bad. Da saßen wir im Winter und tranken

Tee.“ Zunächst wurde der Wohnbereich der

Schwiegereltern ausgebaut, dann der eigene.

„So ein Riesenprojekt gelingt nur, wenn alle

mit anpacken.“ Die Juristin holte enteigneten

Familienbesitz zurück. „Diese wenigen erhaltenen

Stücke sind das i-Tüpfelchen unserer

Einrichtung.“

Das Gutshaus ist heute Hobby, die Landwirtschaft

geht vor: Mais, Getreide, Zuckerrüben,

dazu Vieh und Forst. Die Vermietung von Nebengebäuden

und drei Ferienwohnungen trägt zum

Unterhalt bei. Und während früher die Familie

im einzig beheizbaren Raum, dem Bad, zusammenkam,

tut sie es heute im Wohnzimmer. Dort

ist der WLAN-Empfang am besten. Auch Pilcher-Romantik

geht mit der Zeit. Sandra Schmidt

10 BUNTE 37 | 2014


Aktiv

Foto: Bildagentur HuBer/r. ScHmid

Eine atemberaubende

Naturkulisse:

die Basteibrücke

bei

Rathen in der

Sächsischen

Schweiz

Tiefe

SchlUchTEN,

spektakuläre

FElSEN

Die SÄchSISchE SchWEIZ und das ERZGEBIRGE

sind attraktive Reisegebiete für Sporturlauber

12 BUNTE 37 | 2014


Aktiv

Wandern ...

Nicht überlaufen, aber hochattraktiv:

Im Elbsandsteingebirge,

auch Sächsische Schweiz genannt

(hier die Stelle an den Schrammsteinen),

gibt es 1200 Kilometer

Wanderwege, der Nationalpark

Sächsische Schweiz ist eine

traumhafte Landschaft aus Felsen,

Schluchten und Wald.

„Das Elbsandsteingebirge

ist das schönste

Klettergebiet Europas“

HocH üBEr

dEr ElBE

hängen die

Kletterer

im Fels:

Hier gibt

es 1106 frei

stehende

Sandsteinfelsen

– ein

Eldorado für

Freeclimber

Klettern ...

Wenn es um Sporturlaub

geht,

kommt man im

Erzgebirge an

Andreas decker

nicht vorbei. Der

62­Jährige, 1976 Olympiasieger im Rudern und später

Vizepräsident des Deutschen Sportbunds, ist Geschäftsführer

des Sportparks Rabenberg, einer Anlage, die auch

Spitzensportler anzieht. In Rabenberg kann man sich

z. B. in Deutschlands erstem Singletrail­Park als

Mountainbikefahrer austoben. Tradition und Moderne

sind hier versöhnt. „Rattlesnake Alley“ und „Crossed

Viper“ heißen die kurvigen Herausforde rungen am

FOTOS: IMAGO/RAINER WEISFLOG, PAUL MASUKOWITZ, PAUL MASUKOWITZ, PR, DPA, SHUTTERSTOCK (2), SyLVIO DITTRICH/TOURISMUS MARKETING GESELLSCHAFT SACHSEN MBH;INFOGRAFIK: ULRICH PITULE/BUNTE

Raben­ und am Sauberg, der seinen Namen nicht zu

Unrecht trägt. „Wir bieten Dynamik und danach die

typische Gemütlichkeit des Erzgebirges mit grünen

Klößen und Rouladen“, sagt Decker, der auf eine

75­prozentige Auslastung verweist: „Außer Rudern

haben wir hier von Badminton bis Beachvolleyball fast

alle modernen Sportarten im Angebot. In unserem

Hochseilgarten lernen Kinder und Erwachsene spielerisch,

Grenzen zu überwinden. Wir sind eine gute Basis

für alle Natursportarten. Und wir sorgen natürlich

auch dafür, dass die Menschen ohne Gepäck durch

unser wunderbares Mittelgebirge wandern können.“

Auch für diejenigen, die es gemächlicher mögen, sind

das Erzgebirge und die Sächsische Schweiz ein Paradies.

Die Landschaft, in der schon mal wilde Orchideen­

felder blühen, bietet tiefe Schluchten und spektakuläre

Felsen aus Sandstein, die wie ein Freilichtmuseum wirken.

Sachsen ist das Geburtsland des Freeclimbings.

Hier wird beim Klettern an den 1100 Sandsteinfelsen

darauf geachtet, dass die Natur geschützt wird. Metallene

Sicherungsmittel sind verboten, das Seil dient

nur der Sicherung und zum Abseilen. Chemische Hilfsmittel

wie Magnesium dürfen nicht verwendet werden.

Bernd Arnold, der berühmte Bergsteiger aus Hohnstein,

der 900 Erstbegehungen hinter sich gebracht hat,

hält das Elbsandsteingebirge für „das schönste Klettergebiet

Europas“. Er bietet Zwei­Tages­Kletterkurse für

Anfänger und Touren für Familien an. Außerdem ist er

ein weiser Mann: „Das Klettern ist für jeden, der es einmal

getan hat, unbändig schön – und für andere ist es

das Allerunsinnigste.“ M. O.

Biken ...

Europa erfahren können Biker im Erzgebirge:

Auf dem „Stoneman Miriquidi“,

einem 162 Kilometer langen Rundweg

mit 4400 Höhenmetern von und

nach Oberwiesenthal, kann man neun

der höchsten Gipfel des sächsischböhmischen

Erzgebirges erleben, drei

davon auf tschechischer Seite.

Eine kleine Mutprobe ist das Absteigen

im Schaubergwerk Frisch Glück

„Glöckl“ in Johanngeorgenstadt an

der tschechischen Grenze. Hier

begreift man anschaulich, wie hart

die Kumpels in der Tiefe arbeiten

mussten. Im unterirdischen Maschinenraum

wird dann im Schein vieler

Kerzen getafelt: abgründig!

Bergwerk aktiv ...

Reiten ...

Erkundung wunderbarer Landschaften

mit einer Pferdestärke:

In Sachsen wiehert es und

riecht nach Heu. Reiturlaub

im Erzgebirge oder im vogtländischen

Elstergebirge

ist für Anfänger und Könner

Entspannung pur.

Rafting ...Reiten

Abenteuer im Schlauchboot auf

der Zwickauer Mulde.

Die Tour führt über acht

Kilometer und dauert

etwa eineinhalb Stunden.

Wandern

Kanutouren

Biken

drESdEN

Rafting

Klettern

Aktivland Sachsen Wer sich hier

langweilt, ist selbst schuld. Sport

wird hier großgeschrieben

BUNTE 37 | 2014 15


Kultur

liEBliNgsorT

Jan Vogler

schwärmt von

der akustik im

teilrestaurierten

Palais im großen

garten. Um diese

zu genießen,

lässt er sich

dort manchmal

einschließen

„Meine musikalische

HEimaT ist Sachsen

JaN VoglEr hat als Intendant die

Dresdner Musikfestspiele wieder zu einer

internationalen Topadresse gemacht

„Probleme sind nur

Aufgaben, die

es zu lösen gilt“

Fotos: DaviD BranDt Für Bunte

Große Geiger gibt es

viele. Große Di rigenten

auch. Und Klaviervir

tu o sen wie Lang

Lang werden wie Popstars

gefeiert. Cellisten

haben es schwerer. Aber nichts ist unmöglich

– wie Jan Vogler, 50, zeigt. Er zählt zu den

Weltstars der Klassik. Seine Karriere beginnt

er als Erster Konzertmeis ter Violoncello in der

Staatskapelle Dresden. Da ist er 20 Jahre alt. Seine

Auftritte als Solist mit den New Yorker Philharmonikern

unter Leitung von Lorin Maazel

machten ihn international bekannt – wie bei

der Wiedereröffnung der Frauenkirche 2005.

Mit dem Moritzburg Festival und den Dresdner

Musikfestspielen schaffte er es, die Sachsenmetropole

wieder zu einer Spitzen adresse

für Musikfreunde aus aller Welt zu machen.

Was ist sein Erfolgsgeheimnis?

6

16 BUNTE 37 | 2014


Kultur

Kultur

Gäste aus Übersee fasziniert

der WiEdEraUfBaU Dresdens

KulturstarK

Dresden hat viele hochattraktive

Veranstaltungsorte wie die

Frauenkirche oder die Gläserne

Manufaktur von VW (Foto).

Das macht die Stadt zur idealen

Festivalmetropole, ist sich

Intendant Jan Vogler sicher

Einmalig Der Wiederaufbau der

im Krieg zerstörten Dresdner

Frauenkirche war ein historisch

einmaliger Vorgang. Jan Vogler

spielte bei der Eröffnung

aNGEKOMMEN dahEiM

der Wahl-New-Yorker

ist musikalisch in

Sachsen verwurzelt

„Die Sach-

Sen warten

nicht erSt

ab, Sie

packen ein

problem an“

6 Herr Vogler, Sie pendeln zwischen New York

und Dresden, leiten zwei Festivals. Wie schaffen

Sie das alles?

Ich arbeite gern und habe irgendwann festgestellt,

dass ich glücklich bin, wenn mehrere Projekte

gleichzeitig wachsen und gedeihen.

Das ist alles?

Wenn man eine positive Einstellung hat,

kann man Probleme gut bewältigen.

Probleme sind Aufgaben, die es zu lösen

gilt. Dann motiviere ich mein Team,

mit anzupacken. Das ist wie mit einem

Orchester: Wenn ich als Solist zur ersten

Probe komme, muss ich auch zunächst

viel Energie ausstrahlen. Musik ist eine Welt, die

viel Enthusiasmus braucht.

Ist das der Grund, warum man Ihnen mit

20 Jahren eine Soloposition in der Staatskapelle

anvertraut hat?

Vielleicht. Ich war damals ein dünner, langer Kerl

und sah aus wie 16. Heute frage ich mich manchmal:

Warum haben die mich akzeptiert? Aber zu

der Zeit habe ich mich das nicht gefragt. Ich habe

mich in die Aufgabe gestürzt.

Erstaunlich auch, dass Sie mit dem Cello eine

solche Karriere gemacht haben. Es gilt nicht als

Rolls-Royce unter den Soloinstrumenten.

Das sind eher Klavier und Bratsche ...

Was macht das Cello für Sie so besonders?

Man muss seine Qualitäten kennen. Das Cello hat

vom Klang her eine besondere Nähe zur menschlichen

Stimme. Es singt. Diese Mischung aus

Melancholie und Glückseligkeit ist einmalig. Tonlage

und Farbe schlagen die Geige um Längen.

Ist das Cello also ein verkannter Bentley?

Mindestens. Eine Geige ist wie ein Ferrari: laut,

schrill und stürmisch. Das ist eine andere Disziplin.

Aber mit dem Cello kann man beten, berühren,

singen.

Sie wollten, dass wir uns unbedingt im Palais

im Großen Garten in Dresden treffen. Warum?

Die Akustik ist umwerfend. Ich habe sogar meine

neueste CD mit venezianischen Cellokonzerten

im Großen Garten aufgenommen. Während der

Musikfestspiele lasse ich mich hier gern einschließen,

um zu üben.

Dazu haben Sie als Intendant Zeit?

Ich kann zwar 24 Stunden den Intendanten

spielen, aber ob das etwas bringt, ist eine andere

Frage. Als wir 2008 das Festival neu aufgestellt

haben, hatte ich noch viel mehr Details zu kontrollieren.

Jetzt ist ein tolles Team herangewachsen

und ich bin vor allem künstlerischer Leiter.

Was reizt Sie als Wahl-New-Yorker an Dresden?

Die Liebe zur Kultur ist in Dresden nicht oberflächlich,

sondern tief verwurzelt.

Warum wohnen Sie dann in New York?

Ich habe auch eine Wohnung in Dresden, aber

ich brauche beides: New York mit seiner Weltoffenheit

und Internationalität ist meine mentale

Heimat. Meine musikalische Heimat ist Dresden.

Schumann, Weber, Wagner, August der Starke –

machen diese Namen Dresden aus?

Alles große Namen und wichtige Dinge. Aber Ame ­

rikaner oder Australier interessiert vor allem

die Geschichte von Zerstörung und Wiederaufbau.

Überlegen Sie nur: Als ich 1985 nach

Dresden kam, hatte ich eine düstere Wohnung

und kein Telefon. Viele vergessen, wie

lange die Stadt vom Krieg gezeichnet

war. Dinge wie die Rekonstruktion

der Frauenkirche, das berührt Besucher

aus aller Welt. Das erreicht

zu haben, macht Dresden aus und

hat das Selbstbewusstsein geprägt.

Ist das eine Mentalitätsfrage?

Als Berliner Zugereister kann ich sagen: Die

Sachsen warten nicht lange, bis etwas passiert,

sie packen es an.

Was wünschen Sie sich für Dresden?

München hat Wirtschaftskraft und Berge und Seen

im Umland. Frankfurt ist ein Finanzstandort. Ich

wünsche mir, dass Dresden mit seiner reichen

Kultur internationale Festivalstadt wird: Besucher

können im Zentrum wohnen und über 30 Spielstätten

von der Gläsernen Manufaktur von VW

bis zur Semperoper erlaufen, dazu die Vielzahl

der Museen – da haben wir mehr zu bieten als

Salzburg.

Interview: Claus Dreckmann

FotoS: DaVID BranDt Für Bunte, chrIS lee, olIVer kIllIG

Frauen sind ihr Markenzeichen.

Zumindest sind sie auf

den Bildern der Malerin Rosa

Loy, 56, allgegenwärtig. Sie ist

eine Vertreterin der international

gefeierten Neuen Leipziger Schule. Ihre

figurativen Bilder zeigen Frauen in Alltagsszenen,

betonen das Weibliche. Ist Rosa Loy

auf einem feministischen Feldzug? Ganz so einfach

ist das nicht. Rosa Loy, die ihr Atelier in der

Alten Baumwollspinnerei in Leipzig hat, hat ein

anderes Anliegen.


Warum malen Sie so gern Frauen?

Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung. Und

nach über 2000 Jahren Patriarchat ändern sich

die Dinge erst jetzt langsam. Das finde ich aufregend.

Ich denke, gerade verschieben sich die

Relationen: Gruppen und Paarbeziehungen werden

immer wichtiger. Denken Sie nur an unsere

WM­Elf. Die hat als Gruppe gesiegt.

aTELiErBESUch

Malerin rosa

Loy ist eine

Vertreterin der

berühmten

Neuen Leipziger

Schule

Was fraUEN

besser können

rOSa LOY

Die Malerin will die

Stärken des

Weiblichen

zeigen, damit

sich beide

Geschlechter

auf Augenhöhe

begegnen.

Aber sie versteht

sich nicht

als Feministin

ParTNEr seit

über 30 Jahren:

rosa Loy

und Ehemann

Neo rauch.

die beiden

sind seit 1985

verheiratet

und haben

einen erwachsenen

Sohn

Das klingt gar nicht so kämpferisch. Eine

Alice Schwarzer sind Sie nicht, oder?

Ich bin in der DDR aufgewachsen. Diese Feminismusdiskussion

ist an uns vorbeigegangen.

Obwohl die Frauen in der DDR nicht völlig

gleichberechtigt waren, wurden sie in allen

Lebensbereichen unterstützt. Es wurde ihnen

ermöglicht, eigenes Geld zu verdienen, unabhängig

zu sein.

Dafür kämpfen Sie?

Ich kämpfe nicht für die Frauen, sondern trete

ein für eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Ich

richte meinen künstlerischen Fokus auf Frauen,

um die positiven Eigenschaften der Frau aufzuzeigen.

Indem ich Frauen male, lenke ich das

Augenmerk auf sie und unterstütze sie so.

Welche Eigenschaften meinen Sie?

Frauen lösen Probleme anders als Männer. Sie

vermeiden Konflikte. Sie müssen nicht immer

gewinnen, schließen Kompromisse. Diese Eigenschaften

müssen wir aktivieren.

Glauben Sie, ein Matriarchat wäre friedlicher?

Ich will gar kein Matriarchat. Ich glaube an weibliche

und männliche Tugenden, die sich ergänzen.

Wir sollten uns nicht so viel kritisieren, sondern

unterstützen. Ich finde männliche Ritterlichkeit

beispielsweise eine tolle Tugend. Aber

die hat der Feminismus den Männern leider

fast abtrainiert.

Haben Ihre Bilder konkrete Botschaften?

Ich bin nicht der Meinung, dass Kunst politisch

sein muss. Politik ist Tagesgeschäft. Kunst hat

die Aufgabe, Leuten Energie zu spenden, sie zu

inspirieren. Aber es fließen immer unterschwellig

Dinge in die Bilder ein, die mich beschäftigt

haben. Besonders interessant finde ich es mitzubekommen,

was andere Menschen in meinen

Arbeiten alles sehen.

Wie kam es, dass die Leipziger Maler plötzlich

weltberühmt wurden?

Das ist ganz einfach: In der alten Bundesrepublik

wurde viel abstrakt gemalt. Dann fiel die

Mauer und man guckte rüber: Was gibt es da,

was wir nicht haben? Wenn ein Mensch eine Figur

sieht, entsteht automatisch eine Geschichte.

Ärgert es Sie, dass seit dem Erfolg das Label

Leipziger Schule so inflationär benutzt wird?

Anfangs hat uns das gestört, weil auch Leute

dazu gezählt wurden, mit denen wir wenig

anfangen konnten. Aber Leipziger Schule

ist ein gutes Label. Und wie sagt man so

schön: Es gibt keine schlechte Werbung.

Interview: Claus Dreckmann

FotoS: anDreaS PeIn/laIF, IMaGo

18 BUNTE 37 | 2014

BUNTE 37 | 2014 19


Kultur

diva auf

Heimaturlaub

nadja Michael ist in den

größten Opernhäusern der Welt

zu Hause, doch ihre Heimat ist

Sachsen. Ein Gespräch mit der

Rebellin unter den Opernstars

Opernsängerin

nadja Michael in

schwarzem leder vor

der dresdner semperoper.

sie sieht

privat aus wie ein

rockstar. auch das

macht sie zu einer

außergewöhnlichen

erscheinung in den

größten Opernhäusern

der Welt – neben ihrer

einzigartigen stimme

Sie traut sich was. In einer

bauchfreien Couture-Robe

aus Neopren tanzt Opernsängerin

Nadja Michael, 44,

durch die Gänge der Semperoper,

dann turnt sie auf atemberaubend

hohen High Heels in schwarzen Lederleggings

und ziemlich rückenfrei auf dem Platz auf einem

Denkmal herum. Touristen bleiben stehen und fragen,

wer sie ist. Tja, darauf gibt es verschiedene Antworten:

Die Frau ist ein Rockstar, was ihren Look angeht.

Eine Glucke in ihrem Familienleben. Und eine

Operndiva, was die Kunst betrifft. Auf jeden Fall ist

die gebürtige Sächsin nicht zu übersehen und eine

der berühmtesten Sängerinnen Deutschlands mit

Engagements von der Berliner Staatsoper über die

Scala in Mailand bis zur Met in New York.

u

Sie sind in Leipzig aufgewachsen. Wie früh war

Ihnen selbst klar, dass die Bühne Ihr Leben ist?

Ich bilde mir ein, dass ich mit fünf Jahren durch unser

Haus gelaufen bin, laut gesungen habe, seltsame

klassische Töne, die ich im Radio hörte, und das Gefühl

hatte: Das ist das Größte. In meiner Erinnerung 6

Foto: Dan Zoubek Für bunte

haare/make-up: Shirin kürSchner, FotoaSSiStentin: Janine SametZky

wir beDanken unS bei „theater-kahn – DreSDner brettl“ unD Der

Semperoper Für Die FreunDliche unterStütZung

BUnTe 37 | 2014 21


Kultur

Rückblick

„Meine opulente

Stimme und

glühende

Unbedingtheit

passen nicht ganz

ins feingliedrige

Klangbild“

iN „TaNNhäUSEr“

Nadja michael 2008

an der oper Berlin

coUTUrE

mEETS opEr

Für BUNTE

tanzt die

weltberühmte

Sängerin

durch die

gänge der

Semperoper

6 wollte ich also schon immer Sängerin werden.

Meine Mutter sagt mir zudem oft, dass ich ein

sehr sonniges Kind war – das sich aber manchmal

in andere Welten zurückzog und in die

eigene Fantasie abtauchte. Meist mit einem Buch

in der Hand. Worte bedeuten für mich nach wie

vor immer auch eigene Klangwelten.

Hatten Sie eine Art künstlerisches Erweckungserlebnis

für die klassische Musik?

Nicht in meinem Elternhaus. Meine Mama liebt

Schlager, sie mag zum Beispiel Semino Rossi.

In der Grundschule habe ich mit Klavier angefangen

und zunächst Chor, dann Jazz und Folk

gesungen. Ich bin später in ein Musik-Internat

gekommen und habe mit etwa 15 die „Sinfonie

der Tausend“ von Gustav Mahler im Leipziger

Gewandhaus unter Kurt Masur erlebt – das war

wie ein Flash in Verstand und tiefster Emotion.

Fast ein heiliges Erlebnis. Ich wusste: Das ist es

und nichts anderes wird die größte Leidenschaft

meines Lebens. Noch heute bekomme ich Gänsehaut,

wenn ich an diesen Abend denke.

Ihre Karriere war damit vorprogrammiert.

Leider eben nicht. Ich lebte damals ja in der DDR

und sollte Musiklehrerin werden, das war der große

Plan für mich. Ich habe dann heimlich die Aufnahmeprüfung

an den besten Musikhochschulen

des Landes, etwa auch in Dresden, gemacht,

das gab einen Riesenstress mit allen Gremien wie

dem Schuldirektorium, auch mit meinen Eltern,

weil meine Eigenmächtigkeit eine Art „Parteiakt“

wurde. Nun ja, ich habe mich am Ende

durchgesetzt. Leider fühlte ich mich mit meiner

Stimme und Musikalität an der Hochschule nie

beheimatet – immer irgendwie unpassend. Meine

opulente Stimme und glühende Unbedingtheit

zur lebendigen Darstellung wollten nicht ganz

in das heimatliche, feingliedrige, auch von Knabenchören

geprägte Bach- oder Mozart-Klangbild

hineinpassen.

Sind Sie auch deswegen drei Monate vor dem

Mauerfall über Ungarn geflüchtet?

Ja, und doch habe ich lange gezögert, weil ich

keine Vorstellung von diesem anderen Deutschland

hatte. Ich war noch sehr jung. Einmal war

ich schon draußen und bin wegen der Liebe und

den damit verbundenen Schmerzen wieder umgekehrt.

Am Ende bin ich jedoch mit meinem damaligen

Freund im Kofferraum eines befreundeten

ungarischen Studenten über Ungarn quasi

herausgeschmuggelt worden.

Heute singen Sie auf der ganzen Welt ...

Ja, ich lebe in der Welt. Darüber kann ich immer

noch staunen wie ein Kind. Meine größten

Erfolge habe ich an der Met in New York, der

Scala, in Spanien, Holland oder Belgien, aber

auch an der Bayerischen Staatsoper gefeiert.

Sie leben mit Ihren Töchtern Luna und Paloma

in Berlin. Welche Musik hören die beiden?

Leider muss ich zur Kenntnis nehmen, dass meine

Töchter mit Eintritt in die Pubertät jegliche

klassischen musikalischen Anklänge blöd und

langweilig finden. Bis November letzten Jahres

sind beide mit großer Begeisterung immer mit

mir gereist und haben so die Welt, aber eben auch

die Oper von innen und außen kennengelernt.

Heute ist das natürlich öder Schnee von gestern –

mit einer erstaunlichen Ausnahme. Vergangenen

Oktober sang ich die Titelpartie in der

zeitgenössischen Oper „Die Eroberung von

Mexiko“ des deutschen Komponisten Wolfgang

Rihm. Die Girls kamen tatsächlich freiwillig ein

zweites Mal und haben Schulfreunde aktiviert –

alle saßen mit offenem Mund und riesigen Augen

da und waren ganz benommen nach Ende

der Oper. Das ist eigentlich ein unglaublicher

Vorgang. Ich habe innerlich gelächelt und war

sehr glücklich. Interview:ChristianeSoyke

EiNE SächSiN iN dEr WElT

FamiliE Mit einem österreichischen Dirigenten

hat Nadja Michael die Töchter Paloma, 10, und

Luna, 12. Sie lebt mit ihnen allein in Berlin.

daS SagT SiE üBEr SachSEN „Ohne meine

Heimat wäre ich nicht das, was ich bin. Ich liebe

die Menschen hier. Früher hat mich der Dialekt

manchmal rein ästhetisch gestört, heute hört

sich das nach ‚Zuhause‘ an. Mit dem Land Sachsen

und meinem Verein ‚Stimme für die Menschlichkeit‘

werde ich in Zukunft auch als eine Art

Kulturbotschafterin für Sachsen neue Kontakte

in der Welt knüpfen. Darauf freue ich mich.“

FOTOS: DAN ZOuBeK FüR BuNTe, FOTOFINDeR/ARIS/IMAGeS.De

FOTOS: ROMAN BABIRAD, DPA PIcTuRe-ALLIANce/ADN

Wir sind das

Volk! Dieser

Ruf erschallte

im Herbst 1989

in Sachsen

besonders laut

gUNThEr EmmErlich Der TV-Moderator

erinnert sich an die Revolution von 1989 und die

Rolle, die er und andere Künstler damals spielten

Ein deutsches

WUNdEr

Er ist Opernsänger und Unterhaltungskünstler

– und ein politisch

denkender Mensch, einer,

der sich einmischt: Gunther

Emmerlich, 69. Schon zu DDR-

Zeiten war er ein Fernsehstar,

1989 wurde der Moderator („Ein Kessel Buntes“)

zum aktiven Zeitzeugen der Friedlichen Revolution.

BUNTE sprach mit dem Dresdner, der

diese dramatischen Tage nicht vergessen hat.


Vor 25 Jahren fiel die Mauer – überwiegt im

Rückblick die Freude darüber oder sind Sie auch

enttäuscht über das, was nach der Friedlichen

Revolution kam?

Ich kann nur erfreut sein, wenn man eine Diktatur

hinter sich gelassen hat und in der Demokratie

angekommen ist – bei all den Schwächen,

die diese freie Gesellschaftsordnung hat.

Wie hat sich Ihr Leben verändert?

Es gab keine Zensur mehr – und ich bin dann

in den USA und in Westeuropa aufgetreten. Ich

habe mir die Welt beruflich und privat mit meiner

Familie angesehen. Das war vorher nicht

möglich. Die Welt stand plötzlich für uns Ossis

Bei der großen

Demo in Dresden

wollte ich mit

40 000 Sachsen

Farbe bekennen

offen. Das kann man nicht

kleinreden.

Was sagen Sie dazu, dass

heute manche im Osten Demokratie

und Marktwirtschaft

kritisch sehen?

Kritik ist erst mal nichts Negatives.

Aber die Mehrheit denkt

und handelt nicht immer richtig.

Im Übrigen: Der Pinsel der

Erinnerung malt immer gülden.

Ich freue mich bis heute

darüber, frei wählen zu dürfen.

Bei der großen Demonstration

in Dresden mit 40 000

Menschen waren Sie mit dabei.

Hatten Sie keine Angst?

Meine Frau wollte mich abhalten,

weil sie es für zu gefährlich

hielt. Aber ich wusste: Ich

muss da hin und Farbe bekennen.

Es war eine Mischung aus

Angst, Mut und Verzweiflung.

Wir waren ja komplett von der

Polizei eingekesselt.

Dieser Tag ging als „Das

Wunder von Dresden“ in die

Geschichte ein – was war das Wunder?

Das eine war, dass wir Deutschen eine Revolution

machen können. Dass kein Blut dabei floss,

ist das zweite. Keine Gewalt – diese Losung hatten

wir immer auf die Plakate geschrieben. Die

Menschen verloren ihre Angst. Im Opernhaus

traten wir aus unseren Rollen in die Realität

und verlasen nach der Aufführung unsere Resolution,

in der wir einen Kurswechsel forderten.

Das Publikum spendete begeistert Beifall.

Wenn es schiefgegangen wäre, wären Sie

Ihre Jobs als Opernsänger und als TV-Star los

gewesen.

Wenn alle nur an sich und ihre komfortable

Stellung denken, ändert sich nie etwas. Tatsache

ist: Wenn es in der DDR eine chinesische

Lösung gegeben hätte, wäre ich in ein Lager

gekommen, ich stand auf einer solchen Liste. Ich

galt als unsicherer Kandidat, wurde abgehört,

natürlich wurden meine Briefe gelesen. Aber

ich war kein Widerstandskämpfer, ich wollte

einfach nur ein anständiger Kerl sein.


Interview:ManfredOtzelberger

SAchSEn fEiErt

Rund um das Thema „25 Jahre Friedliche

Revolution“ finden viele Veranstaltungen statt.

Am 9. Oktober wird in Leipzig das Lichtfest

(lichtfest.leipziger-freiheit.de) gefeiert. In

Dresden gibt es unter 89-90.sachsen.de viele

Feste, Ausstellungen und Gottesdienste.

In Hof und Plauen findet ein gemeinsames

Programm (hof-plauen-89.de) statt.

22 BUNTE 37 | 2014

Mittendrin: Auch Gunther

Emmerlich ging auf die Straße

BUNTE 37 | 2014 23


Lebensart

hErzogiN KaTE

beim 60. Thronjubiläum

der Queen.

ihr hut mit dem

kreativen strubbelkrönchen

ist von

sylvia Fletcher. rund

40 designer in

großbritannien

arbeiten mit

Kunst blumen aus

Wallroda

Wo der lUxUs

zu Hause ist

sag’s miT (KUNsT-)BlUmEN

heide und gerald steyer aus

Wallroda schmücken die

gekrönten häupter Europas

KöNiglichE hüTE. EdlE UhrEN. ExKlUsivE TaschEN Ohne das

sächsische Handwerk wäre die Welt der Society um viele schöne Dinge ärmer

dEsigNEr

lange­chef

Wilhelm

schmid

zeichnet

ralph

lauren (r.)

mit einer

Uhr aus

PlissEE

(mit Federn) trug Letizia von

Spanien zur Krönung von

Willem-Alexander und Máxima

der Niederlande

Am Puls der Zeit

Es begann mit 7000 Talern: die Anschubfinanzierung

der königlich-sächsischen Regierung

für den Uhrmacher Ferdinand Adolph

Lange. Das war 1845. Nach heutigem Wert

reicht das manchmal nicht für eine einzige

Uhr aus Glashütte. Schließlich hat der kleine

Ort (ca. 7000 Einwohner) im Osterzgebirge

mit Lange, Glashütte

Original und anderen

„zEiTWErK

sTriKiNg

TimE“

zu jeder

vollen stunde

erklingt ein

kräftiger Ton,

ca. 95 000 €

Uhrmachern die Welt erobert. Lange

& Söhne gilt als deutsche Luxusmarke

schlechthin. Übrigens: Es gibt

auch viele preiswertere Modelle ...

UhrmachErschUlE bei

glashütte original: azubi

Yvonne prüft das gangwerk

Royals, Samt und Seide

In Europa wird (fast) kein Thron ohne Steyer bestiegen. Steyer? So heißt die

Kunstblumen-Manufaktur im Dorf Wallroda östlich von Dresden. Aus deren

4000 Blumeneisen stammen die handgemachten Kunstwerke aus Samt

und Seide, die viele Hüte auf royalen Häuptern schmücken. Referenz: das

britische Königshaus, deren Hutmacher seit 20 Jahren Kunden sind.

Fotos: action press, andreas Krone, ddp (2), dpa, ben gierig

miT rosEN

aus Crêpe de Chine kam Schwedens

Kronprinzessin Victoria zum

Thronwechsel nach Amsterdam

BUNTE 37 | 2014 25


Lebensart

Franziska Knuppe auf dem

caTwalk. Auf der Haut trägt

sie Spitze aus Plauen

DEr

MEIssEN-

MoPs

mit Diamantcollier,

ca.

790 €

Fotos: action press (2), ddp, dpa (2), roger Hagmann / VisUm, Holger Urbanek

Spitze, die Luft!

Ihre Mode: romantisch, elegant,

im Stil reduziert auf das Wesentliche.

Ihr Erfolg: gigantisch. Ihr

Material: Spitze aus Plauen im

Vogtland, seit 125 Jahren Zentrum

der deutschen Stickerei. Die

Münchner Designerin Irene Luft

hat ihr Couture-Label erst 2008

gegründet. Dann entwarf sie Kleider

für die TV-Serie „Germany’s

Next Topmodel“. Und wurde danach

zur Attraktion der Berliner

Fashion-Week. Angesagt im Frühjahr

und Sommer des nächsten

Jahres ist die Kollektion „Arctic

Nights“ von Irene Luft – komplett

kreiert aus Plauener Spitze.

BacksTagE Irene luft korrigiert ein Detail

bei der Fashion week in Berlin

ToPMoDEl

Franziska knuppe

in einem sommer-

Ensemble von

Irene luft. Nach

der show freut

sich die Designerin

mit zwei

Models (l.)

Nur für Männer

Die Männerwelt ist zweigeteilt:

in Nass- und in Trockenrasierer.

Für die erste Hälfte

gibt es MÜHLE in Stützengrün

im Erzgebirgskreis. Pinsel aus

edlen Hölzern und bestem Dachshaar

(oder einer veganen Faser); verchromte

Rasierhobel. Die Firma hat

ein neues Produkt schon mal als

„Jet“ unter den Rasierern herausgebracht.

Wem das nicht exklusiv genug

ist: Auf Bestellung gibt es Unikate

mit Carbon oder Chinalack.

PINsEl-

MacHErEI

Der „Dachszupf“

wird

von Hand

in Form

gebracht

ZwEI gENEraTIoNEN

MÜHlE

geschäftsführer

christian (r.)

und andreas

Müller, Vater

Hans-Jürgen

EcHT

scHarF

rasierhobel

und Pinsel

in rotgold,

ca. 40 € und

ca. 90 €

Nostalgie mit 70 PS

So sah die Zukunft 1938 aus: Der Wanderer

Stromlinie Spezial (Aluminium, 70 PS) kam aus

Chemnitz und wirkt noch heute futuristisch. Audi

hat die einst berühmte Firma schon vor Langem

übernommen, ließ den 65 Jahre lang verschollenen

Oldie restaurieren. Vom 3. – 5. 10. bringt Sachsen

wieder Nostalgie-PS auf die Straße – bei

der Oldtimer-Rallye Saxonia 100

fährt alles, was über

100 Jahre alt ist.

Für Meißen couture

wird jeder Mops

von Hand bemalt

Schon Mitglied

im Mops-Club?

Wer in der Society des 18. Jahrhunderts

dazugehören wollte,

musste Mitglied im Mopsorden

sein. Einem exklusiven

Zirkel, um 1740 gegründet, der

– eine Seltenheit damals – auch

Frauen aufnahm. Sie trugen

unter der Kleidung einen Porzellanmops

als Anhänger. Der Orden verschwand,

der Mops blieb. Und wird von der Porzellanmanufaktur

Meißen jetzt hergestellt, um ihn ganz offen

zu zeigen. Hollywood-Star Sarah Jessica Parker gehört

schon zum „Club du Mops“. Wer auch dabei

sein will, geht heutzutage einfach zum Juwelier.

sTarTklar restaurator werner

Zinke aus Zwönitz (r.) mit Thomas

Frank von audi Tradition

26 BUNTE 37 | 2014

BUNTE 37 | 2014 27


Lebensart

Nils

BErgaUEr

in seiner

werkstatt in

schneeberg

im Erzgebirge

Cabrio oder Opernball ?

Manche seiner Maschinen versehen schon

über 100 Jahre ihren Dienst: Deutschlands

jüngster Handschuhmacher Nils Bergauer,

31, hat sie aus dem Nachlass von Verwandten

erworben. Im aktuellen Fashion-Trend

liegen seine individuell genähten Kollektionen

aus molligen Nappas vom Hirsch,

Lamm oder vom südamerikanischen Wasserschwein

– und seine Cabrio-Glacés. Zwischen

40 und 400 Euro kosten die Eigenkreationen.

Doch Bergauer erfüllt auch

Sonderwünsche wie den nach ellenlanger

Stulpe, passend zum Opernball.

Taschen für den roten Teppich

Katrin Langer, Informatikerin, war 40, verheiratet,

vier Kinder und ohne Kontakt zur Modebranche.

Aber sie hatte diese innige weibliche Beziehung

zu Handtaschen. Doch keine gefiel ihr so richtig.

Da zog sie durchs Vogtland, um jemanden zu finden,

der ihr eine Clutch mit Holzrahmen fertigen

könnte – und fand den Zitherbauer Stefan Meinel in

Markneukirchen. Das war vor zwei Jahren. Der Beginn

einer fast unglaublichen

Geschichte. Die Taschen mit

dem Rahmen aus Macoré-Holz

wurden praktisch über Nacht

zum Must-have der Filmszene,

zu sehen auf jedem roten

Teppich. Katrin Langer ist der

Komet am Designer-Himmel.

kaTriN laNgEr

designerin

Ohne Erzgebirge gäb’s

keinen TaNgo. Und ohne

Taschen aus dem

Vogtland keinen Glamour

aNNa Maria

MüHE die

schauspielerin

ging mit

der Clutch

„Marzipan

rosé“ auf

eine Berlinale-Premiere

karoliNE

HErFUrTH

Top gestylt

mit dem

Modell „Ice

Blue“ im Berliner

„ritz-

Carlton“

Must-haveclutches

g E w i N N s p i E l

Besondere

MoMENTE

Die edlen Rösser aus den Stallungen des

Sächsischen Landgestüts in Moritzburg

(saechsische-gestuetsverwaltung.

de) gehören sozusagen zum Pferde-

Adel. Der oder die BUNTE-GewinnerIn mit Begleitung

ist dabei, wenn am Wochenende des

21. September bei der seit 1924 stattfindenden

Hengstparade die edlen Tiere in Gespannen, frei

laufend und in Dressurquadrille gezeigt werden.

Sie reisen mit der Deutschen Bahn 2. Klasse, übernachten

und frühstücken im Fünf-Sterne-Hotel

„Taschenbergpalais“ im Herzen von Dresden.

Die Gewinnspielfrage lautet: In welchem Jahr

fand die erste Hengstparade statt?

So machen Sie mit: Rufen Sie bis spätestens

10. 9. 2014 (24 Uhr) folgende Telefonnummer an:

0900/301 200024, und nennen Sie die Lösungszahl.

*50 Cent je Anruf aus dem dt. Festnetz; abweichende Preise

für Anrufe aus den Mobilfunknetzen. Teilnahmeberechtigt sind

Personen über 18 Jahren. Weitere Leistungen und Ausgaben,

die über den genannten Gewinn hinausgehen, muss der Gewinner

selbst tragen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

akTUEllE

FarB-

TrENds

klassisches

rot, cognac,

petrolblau

Carlsfeld macht den Tango

Lambada. Der Welthit, der Tanz von 1989. Das tragende Instrument:

ein Bandoneon. Robert Wallschläger, 30, aus Carlsfeld würde sagen:

„Ein Ton wie ein Laserstrahl.“ Er muss es wissen. Er baut die Instrumente,

jedes aus ca. 800 Einzelteilen, sieben Stück im Jahr. Im Erzgebirge

schlug auch immer das Herz des Tango – von hier brachten die

Erfinder das Bandoneon nach Argentinien. Was man spielt, wenn

man kein „Tanguero“ ist: Fugen von Bach, Volksmusik, Klezmer.

... steht für robert wallschläger,

den instrumentenbauer

in carlsfeld

EiN BaNdoNEoN

wird mit

vier Fingern

gespielt. das

instrument ist

ab ca. 4500 €

zu haben

dr. cHrisTiaNE

paUl kam zur Lola-

Filmpreis-

Gala mit einer

„savanna Yellow“

ocEaN BlUE

Bezug aus wertvollen

perlmuttinlays,

ca. 2400 €

piaNo Black

lamm-Nappaleder

mit Fadenmuster,

ca. 2250 €

MarzipaN rosé

seide, bestickt

mit pfauenfedermotiv,

ca. 2250 €

Fotos: getty images (2), ddp, imago, action press, sächsische gestütsverwaltung, lars rosenkranz (2), robert wallschläger (2), brauer photos/m.nass

scHaUplaTz MoriTz-

BUrg auch die Vorfahren

der Queen-pferde

stammen aus sachsens

Edelgestüt

FüNF-sTEr-

NE-lUxUs

die gewinner

übernachten

im Fünf-sterne-Hotel

„Taschenbergpalais“

im Herzen von

dresden

BUNTE 37 | 2014 29


Genuss

ErlEBNiswEiNgUT

schloss wackerbarth in

radebeul ist die ideale

Partylocation im sommer

und winter – speziell für

Hochzeiten. Außerdem

finden hier seminare zur

sensorik statt und es gibt

eine winzerschule

goUrmETs

willkommen

30 BUNTE 37 | 2014

ZwEi HisTorisCHE wEiNgüTEr und ein Sternekoch

sind Beispiele für höchste sächsische Tafelkultur

Fotos: Arvid Müller, robert MichAel

Kleine Anbaufläche – großer Geschmack

Wer noch nicht wusste, dass aus

Sachsen außer schönen Frauen

auch köstliche Weine kommen, der sollte

das sächsische Staatsweingut Schloss Wackerbarth

besuchen. Dort werden auf den

Hängen rund um das Schloss seit mehr als

800 Jahren auf 104 Hektar prämierte Weine

und Sekte angebaut. Kellermeisterin

Christiane Spieler, 30, erklärte BUNTE das

Geheimnis der regionalen Weine.

u

Kaum zu glauben, dass sich das Klima

in Sachsen zum Weinanbau eignet ...

Der Standort im Elbtal beschert uns sogar

besonders viele Sonnenstunden. Wir

haben das mildeste Klima Sachsens –

Radebeul wird auch „sächsisches Nizza“

genannt. Deshalb haben unsere Trauben

eine lange Reifezeit.

Was ist ein typischer sächsischer Wein?

Ganz klar der Weißwein! Der Goldriesling

wird deutschlandweit nur noch hier angebaut.

Aber auch unsere Rotweine können

gut mit den Pfälzern mithalten: Mein Lieblingswein,

unser vollmundiger Frühburgunder,

ist einer der besten Deutschlands.

Nach welcher Philosophie wird auf

Ihrem Weingut gearbeitet?

Wir setzen auf Qualität und

Liebe zum Detail. Insgesamt

kEllErmEisTEriN Christiane spieler

23 Mal im Jahr pflegen unsere Winzer jeden

einzelnen Rebstock und entblättern

ihn auch mal per Hand, damit die Sonne

besser an die Trauben gelangt. Unser Credo:

Tradition verpflichtet. Manche Sorten

bauen wir seit Hunderten von Jahren an.

Sie nennen Schloss Wackerbarth ein

„Erlebnisweingut“. Was bedeutet das?

Laien und Gastronomen können die Sektund

Weinproduktion auf dem Gut hautnah

miterleben. Weinliebhaber bekommen

Füh rungen durch die Weinberge und in unseren

vielen Seminaren lernt man

zum Beispiel, dass wahrer Genuss

schon bei der Wahl des Weinglases

beginnt ... S. B.


Genuss

Genuss

2 sTErNE

über Leipzig

pETEr Maria schNUrr schaffte es mit seinem

Restaurant „Falco“ in die Spitzengastronomie.

Schon die Aussicht aus dem 27. Stock ist ein Erlebnis

GEschMacKs­

ExplosioN

im „Falco“ wird

Essen zum

Erlebnis mit mehreren

Gängen

GEorG priNZ ZUr lippE

in seinem weinberg.

Nach der wende wurde

der Berater zum winzer

„Auf dem

Weinberg ist

man in

Gottes Hand.

Das lehrt

Demut“

lippE’schEr

wEiN in grüner

schlegelflasche

mit

Zinnkapsel

priNZENpaar

Georg

und alexandra

zur lippe

vor schloss

proschwitz bei

Meißen

wEiN mit Geschichte

Das priNZENpaar ZUr lippE hat ein Genuss-Imperium wieder

aufgebaut. Ihren Frühburgunder serviert auch Kanzlerin Merkel

Auf dem Weingut Schloss Proschwitz

kann man Wein tatsächlich erleben.

„Wir sind ja kein Industrieunternehmen,

sondern wollen auch Lebenskultur

vermitteln“, erklärt Alexandra Prinzessin zur

Lippe, 50, die Philosophie des größten privaten

Weinguts im Osten. Es ist mit über 800 Jahren eines

der ältesten in Sachsen. Wer also nur auf dem

Weingut in Zadel bei Meißen (inkl. Gasthof und

Ferienapartments) eine Flasche Wein (ab 10,50

Euro) kauft, hat etwas verpasst. Es lohnt sich,

eine Kellerführung oder eine Weinwanderung

mit Picknick zu buchen. Oder man fährt

einfach die paar Kilometer zum Schloss

Proschwitz und wandert durch die nahe

liegenden Weinberge oberhalb der Elbe.

Den herrlichen Blick auf den Meißner

Dom genießen Georg Prinz zur Lippe,

57, und seine Frau Alexandra auch nach

24 Jahren noch. Der Unternehmensberater

und die Journalistin lebten in München,

als der Prinz von seinem Vater nach

dem Mauerfall beauftragt wurde nachzuforschen,

ob enteignete Familienbesitztümer

zurückgekauft werden können.

Bis 1945 befand sich das Weingut über viele

Generationen in Familienbesitz. Doch alles, was

Georg zur Lippe 1990 noch bekommen konnte,

waren 18 Hektar Weinland. Bis heute hat er über

800 Verhandlungsgespräche geführt, um auf die

Rebfläche von 87 Hektar (80 Mitarbeiter, 500000

Flaschen pro Jahr) zu kommen.

„Mein Mann ist studierter Landwirt mit Weinbau

im Nebenfach und hat sich immer etwas Eigenes

gewünscht“, erinnert sich die Mutter des

zehnjährigen Moritz. 1997 erwarb das Paar auch

Schloss Proschwitz zurück, das heute für seinen

Weihnachtsmarkt, Konzerte und als Hochzeitslocation

bekannt ist. In das Leben als Winzer

wuchsen sie schnell rein: „Wein ist sehr emotional,

weil er jedes Jahr anders ist. Man ist abhängig

vom Wetter und fiebert mit. Das lehrt einen

Demut vor der Natur. Es gibt den Spruch: Vor Gericht

und auf See ist man in Gottes Hand. Ich würde

ihn erweitern: auf dem Weinberg auch.“

13 Rebsorten werden im Betrieb angebaut:

80 Prozent Weißwein. Die Spitzensorten

sind unter anderem der weiße und

der rote Burgunder. „Nach der Wende war

der einst gute Ruf der Region in Vergessenheit

geraten. Die ersten Weine, die wir hier

probiert haben, waren kaum genießbar. Als

mein Mann zum ersten Mal auf die Messe

ProWein in Düsseldorf ging, wurde er belächelt

– bis probiert wurde.“

Die Familie konnte die Qualität kontinuierlich

steigern. Seit 1996 sind sie im

Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Sogar

Kanzlerin Angela Merkel hat die Proschwitzer

Weine für sich entdeckt und schätzt besonders

den Frühburgunder. In Berlin wird der Wein gelegentlich

bei Staatsbanketten ausgeschenkt.

Und auch die niederländische Königsfamilie

hat schon probiert.

SandraSchmidt

FoTos: schneider-Press/Frank rolliTz (3), JahreszeiTen VerlaG/GourMeTPicTureGuide, ralF Müller (2), iMaGo/ThoMas Müller

DEr MEisTEr

in seinem

reich. in der

Küche des

hotels „westin

Grand“ zaubert

schnurr

Exklusives

DEr EiNZiGE

Zwei-Sterne-Koch

im Osten

Deutschlands

kocht

in Sachsen

Für verrückt haben manche Peter Maria

Schnurr, 45, gehalten, als er 2005 als

Küchenchef im „Falco“ anfing. Ausgerechnet

in Leipzig! Ausgerechnet

im 27. Stock eines Hotelhochhauses! Starkoch

Schnurr ließ sich nicht beirren. 2006 erklärte

der „Gault Millau“ das „Falco“ zur „Entdeckung

des Jahres“. 2008 folgte der zweite Stern. Was

macht das „Falco“ so besonders? Peter Schnurr:

„Wir sind ein untypisches Gourmetrestaurant:

Wir bauen Hemmschwellen ab und nicht auf.

Bei uns gibt es nicht diese gekünstelte Stewardessenfreundlichkeit.

Da wird nicht mit den

Augenlidern geklimpert und beim Umdrehen das

Gesicht verzogen.“

Auch von Anzugzwang hält Schnurr nichts.

Er will, dass sich die Gäste wohlfühlen. Sogar

den klassischen Käsewagen hat er entsorgt. „Viel

zu schwer für meine Küche“, sagt er. Stattdessen

oN Top

Kochgenie peter

Maria schnurr

vor der skyline

von leipzig

gibt es Eichelschwein, Kalbsbries oder Stopfleber –

jawohl, Schnurr steht zu der von Tierschützern

verpönten Delikatesse. „Es bleibt jedem überlassen,

ob er das isst oder nicht. Am schlimmsten finde

ich jene militanten Mitmenschen, die früher alles

gegessen haben und plötzlich anderen vorschreiben

wollen, was sie essen dürfen.“

Was ist mit Vegetariern? „Vegetarier oder

Veganer, das ist kein Problem. Wenn wir es rechtzeitig

wissen, bekommen die das gleiche Aromenspektakel

präsentiert wie andere auch – nur eben

vegan. Wir legen uns für sie genauso ins Zeug. Es

kostet allerdings auch das Gleiche.“

Und noch etwas ist bei Schnurr anders: Es

gibt keine schweren Beilagen, weder Reis noch

Kartoffeln. Schnurr: „Das machen wir seit sechs

Jahren, während andere Kollegen in Berlin jetzt

darauf kommen und gleich eine Pressekonferenz

einberufen.“

C.D.

32 BUNTE 37 | 2014

Mehr zum Thema unter:

www.schloss-proschwitz.de


Wellness

RomantiscH

Der gemütliche speisesaal im

Hotelrestaurant „strandGut“

Das motto am Gartentor. auf

hohe Qualität der Bio-Produkte

wird großer Wert gelegt. sie

kommen aus der Region oder

werden im Garten selbst gezogen

DiREkt am

ElBstRanD liegt

das kleine Hotel

„Helvetia“

Hier genießt man BIO

on the rocks am Elbstrand

sachsEN

tut gut ...

• schon die sachsenkönige

und der adel aus Belgien

waren stammgäste in den

sächsischen staatsbädern.

1/1 rechts

B: 219 h: 297

ohne Beschnitt:

Um dIE GEsUNdhEIT dreht sich alles im ersten zertifizierten

Bio-Hotel Sachsens. Die Besitzer bieten ein ganzheitliches Konzept

Rote-Bete-Bananen-Burger mit

Chili auf geschwenkten Zucchini

mit Korianderschaum – so exotisch

klingt vegane Küche im ersten

zertifizierten Bio-Hotel Sachsens.

Schon das Schild am Gartentor „Der kürzeste

Weg zur Gesundheit ist der Weg in den Garten“

verkündet das Motto des 22-Zimmer-Hauses

„Helvetia“ im sächsischen Schmilka. Hier, im

kleinen Ortsteil von Bad Schandau, nur wenige

Meter vom berühmten Malerweg und

der Elbe entfernt, dreht sich alles ums

Wohlbefinden. Die Hotelbesitzer

Sven-Erik Hitzer und seine Frau

Annett haben sich in der Sächsischen

Schweiz kennen- und HotEliERs

lieben gelernt. Kurzerhand verlegten

sie ihren Lebensmittel-

sven-Erik

Hitzer und

Frau annett

punkt an den Ort ihres Glücks.

Mit großem Engagement bauten

sie das über 100 Jahre alte Wirtschaftsund

Schankhaus der benachbarten Villa Waldfrieden

nach ihren Vorstellungen um. „Meine Frau

und ich sind selbst überzeugte Bio-Konsumenten

und wollen unsere Lebensweise im Hotel umsetzen“,

so Sven-Erik Hitzer. „Wir machen keine

halben Sachen, sondern setzen auf 100 Prozent

Bio-Garantie. Der Bio-Gedanke endet nicht bei

Lebensmitteln. Unser Konzept ist ganzheitlich.“

Auch die Zimmer des Hotels sind daher auf

gesundes Wohnen ausgerichtet. Nur natürliche

Stoffe wurden verwendet. Einige Zimmer sind

sogar elektrosmogreduziert. Und noch mehr

wird fürs Öko-Konzept getan: Durchs Haus fließt

in den Leitungen vitalisiertes Granderwasser

und die Verbrauchsenergie

wird aus Ökostrom gewonnen. In

der angeschlossenen Naturheilpraxis

kann der Gast Massagen

und Therapien durch den Heilpraktiker

Norbert Schützner

in Anspruch nehmen. Er führt

die Wellnessgäste auch während

einer Tageswanderung durch den

Naturpark und zu den Kraftorten der

Sächsischen Schweiz. Frisch gestärkt können sie

dann am Elbestrand einen Cocktail aus der Karte

„Bio on the rocks“ genießen. Désirée Rohrer

Reich an

Geschichte:

Bad Elster

3 FraGEN aN ...

Silvia Sommer

modern:

Bad

Brambach

Gesundheitsexpertin

Was ist das

Besondere an

den Staatsbädern?

Die Kombination aus

Tradition, medizinischer

Kompetenz und Kultur.

Bringt eine Drei-Tages-

Schnupperkur schon was?

Unbedingt. Es ist eine gute

Gelegenheit, vorbeugend

etwas für sich zu tun.

Außerdem kann man so

testen, welches natürliche

Heilmittel einem liegt.

Was sollte man probieren?

In Bad Elster Naturmoor,

in Bad Brambach

Radonheilwasser.

Fotos: pr, sächsische staatsBäder gmBh/Beer (2), privat

B: 215 h: 289

satzspiegel:

B: 192 h:251

34 BUNTE 37 | 2014


Ansichten

Unsere liEBE,

unsere Heimat

HocH üBEr

drEsdEN

die TV-stars

stephanie

und Wolfgang

stumph posieren

für unseren

Fotografen auf

dem dach des

Pressehauses

sTEPHaNiE & WolFgaNg sTUmPH

sind sehr stolz auf Dresden. Hier erklären die beliebten

Schauspieler, was sie mit dieser Stadt verbindet

Fotos: Dan zoubek Für bunte; Haare/make-up: sHirin kürscHner, Fotoassistentin: Janine sametzky;

Wir beDanken uns bei „tHeaterkaHn – DresDner brettl“ unD Der semperoper Für Die FreunDlicHe unterstützung

Ach, mein Dresden“, seufzt

Wolfgang Stumph, 68,

und blickt verliebt auf

seine Stadt. Man kann es

nicht anders sagen – der

Mann ist tatsächlich dauerverliebt

in seine Heimat, könnte problemlos als Fremdenführer

anheuern oder als Professor für säch sische

Geschichte. Hier eine Anekdote, dort harte Fakten oder

eine Story über die hippen Kneipen in der Dresdner

Neustadt. Gerade hat er hier als Bombenentschärfer

Conny Stein den TV-Film „Blindgänger“ gedreht – seine

erste TV-Rolle nach dem Aus der Erfolgsserie „Stubbe“.

Ein Bummel durch die Altstadt mit dem beliebten

TV-Star ist wie ein Hindernislauf. „Schauen Sie mal

hier ...“ und „Wussten Sie eigentlich, dass ... August der

Starke ein Wendehals war?“ Ach so? „Ja, der wurde nur

katholisch, um die Polen zu erobern, der Kerl.“

Mittlerweile folgen uns Fans. Im Zwinger wird der

Schauspieler von Touristen umlagert, die alle ein 6

36 BUNTE 37 | 2014


Ansichten

Wolfgang liebt seine barocke

stadt, stephanie wünscht

sich manchmal mehr Mut

SächSiSch

für ANfäNgEr

NU Hat nichts mit „nein“

zu tun, sondern bedeutet „ja“

BEmmE damit bezeichnet der

sachse eine scheibe Brot

plörrE ein furchtbar

dünner Kaffee oder Tee

BEEfSTEAk das ist eine Bulette

hiTSchE eine kleine fußbank

BoSTBoTE das „P“ wird

als „B“ ausgesprochen

TickSchT DU? „Bist du

eingeschnappt?“

wAS kAm DAS? gern im

restaurant: „Was kostet das?“

äSchAh! „Ach wo!“

oder auch „Ach was!“

EiN BilD wiE

EiN gEmälDE

Schauspielerin

Stephanie

Stumph bei

einem Zwingerrundgang

6 Foto mit „Stumpi“ (so sein Spitzname seit der

Schulzeit) haben wollen. „Ach, und da ist ja auch

seine schöne Tochter“, sagt eine Dame vor der Porzellanausstellung

und zieht Stephanie Stumph,

30, in ihre Arme – für ein Foto, versteht sich.

In einer Umfrage über die bekanntesten

Sachsen landete Wolfgang Stumph vor Kurt Biedenkopf

und August dem Starken – und das,

obwohl er mit seiner Tochter für die Krimiserie

„Stubbe“ 20 Jahre lang in Hamburg vor

der Kamera stand.

„Meine Tochter ist vor der Kamera erwachsen

geworden“, sagt Wolfgang Stumph. „Heute sehe

ich sie als tolle Kollegin, die ihren eigenen Weg

geht.“ Bald steht sie für einen Henning Mankell-

Krimi in Schweden vor der Kamera. „International

zu drehen macht mir Spaß“, kommentiert

sie das. Auch ihre eigenen TV-Gewohnheiten

sind international geprägt: „Ich schaue meist

on demand – also wenn ich Lust habe, vor allem

Sky und Netflix wegen US-Serien wie ‚Dexter‘.“

Stephanie Stumph ist eine junge Frau wie

Millionen andere. Sie shoppt im Internet, liest

ihre Mails auf dem Smartphone, spricht vier

Fremdsprachen (neben Englisch noch Französisch,

Spanisch und Russisch) – und hat trotzdem

eine enge Beziehung zu ihrer Heimat. „So

ganz ohne Dresden kann und will ich nicht leben.

Die Sehnsucht nach der Heimat ist sonst zu

groß“, gesteht sie irgendwann. In Hamburg lebt

sie mit ihrem Freund, dem Musiker Alexander

Rethwisch, 36, zusammen, aber in Sachsen hat

sie Familie und die meisten Freunde. „Viele kenne

ich von klein auf. Das sind tiefe Bindungen, die

man später im Leben kaum noch so intensiv aufbauen

kann. Richtige Freundschaften habe ich

außerhalb von Dresden sehr selten geschlossen.“

u

Sie kennen Hanseaten und Sachsen sehr gut.

Gibt es große Unterschiede in der Mentalität?

Stephanie: Wir zeigen unsere Gefühle vielleicht

etwas offener als andere. Wir sprechen aus, was

wir denken, sind manchmal nicht so diplomatisch.

Wenn wir jemanden gut kennen, sagen wir

hier schon sehr direkt unsere Meinung. Manche

Norddeutschen kommen mir dagegen oft etwas

emotionsreduziert vor, was Euphorie und Mitgefühl

angeht.

Wolfgang: Aber der Sachse an sich kann auch

ein neugieriges Schlitzohr sein, so von hinten

durch die Brust, wie wir sagen. Und wir möchten

am liebsten, dass alles so bleibt, wie es ist.

Eine neue Brücke über die Elbe? Nee, brauchen

wir nicht – auch wenn das dem Verkehrsatem

Luft verschafft. Wir sind oft zu vorsichtig und

konservativ. Und wenn wir entscheiden, dann

plötzlich zu schnell für das Falsche.

Stephanie: Städtebaulich habe ich mir das auch

neulich gedacht, als ich gesehen habe, wie viele

coole und sehr moderne Gebäude es in Kopenhagen

gibt. Da wünsche ich mir mehr Mut.

Was bedeutet Heimat für Sie beide?

Wolfgang: Das hier ist meine Heimat, dieses

Gefühl empfinde ich sehr stark. Da geht es mir

Fotos: Dan zoubek Für bunte

wie meinem Sohn, der hier extrem verwurzelt

ist und nie woanders leben wollte, obwohl er als

Lufthansa-Angestellter von China bis Amerika

alles kennt. Gerade in den heutigen Zeiten der

Globalisierung ist es wichtig, sich ein Bewusstsein

für die eigenen Wurzeln zu bewahren. Ich

habe vor 50 Jahren meine Frau bei einem Campingurlaub

kennengelernt, wir sind hier einen

langen gemeinsamen Weg gegangen. Das alles

ist Heimat. Wir Dresdner sind fast schon übertrieben

verliebt in unsere barocke Stadt, aber

dazu stehe ich.

Stephanie: Ich bin auch wahnsinnig stolz auf

Dresden, führe Gäste gern herum und zeige ihnen

unsere Stadt. Aber fühle ich mich hier noch

heimisch? Emotional bestimmt, aber ich möchte

mich nicht wirklich auf eine Stadt als Lebensmittelpunkt

festlegen. Meine Generation fühlt

sich europäisch, denkt nicht mehr in den Kategorien

Ost und West. Ich bin viel gereist, gehöre

zu der Generation junger, mobiler Schauspieler,

die eigentlich fast überall leben können.

Wollten Sie als junger Mann in der DDR nie

aus der Enge raus, Herr Stumph?

Ich habe sehr früh politisch-satirisches Kabarett

für die Menschen gemacht und für mich,

um auf der Bühne meine Seele und meine Moral

auszukotzen. Wenn du hier aufwächst, verwurzelt

bist, dich verliebst und heiratest, dann

ist das deine Kraft zur Kritik und zur Veränderung

der Gesellschaft. So habe ich das immer

empfunden. Ich hätte mir zu DDR-Zeiten

nie vorstellen können, in Hamburg oder Köln

Kabarett zu spielen und vielleicht meine Frau,

mit der ich 43 Jahre verheiratet bin, und meine

Kinder zurückzulassen. Nie im Leben hätte ich

das getan. Warum auch? Politisches Kabarett bedeutet

ja, dass man einen bestimmten Zustand

verändern will. Wegzugehen hätte bedeutet, diese

Kraft, die mich antrieb, aufzugeben. Vielleicht

wäre das der bequemere Weg gewesen, aber für

mich kam das nicht infrage. Heute bin ich froh,

dass ich mich mit meinen Filmen im vereinten

Deutschland einbringen kann.

Stephanie: Mir passiert es manchmal sogar, dass

die Leute meinen, ich sei Hamburgerin, weil unsere

Serie dort ja gespielt hat und die Bilder bei

den Leuten einfach im Kopf geblieben sind.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit

vor der Wende?

Wolfgang: Das Heimtückische an unserem Gedächtnis

ist, dass selbst tiefe alte Verletzungen

irgendwann nicht mehr so weh tun. Da geht

es mir wahrscheinlich so wie vielen anderen.

Manche Schmerzen erscheinen einem heute

in der Rückschau harmloser, als sie es damals

tatsächlich waren – auch durch die vielen positiven

Eindrücke in der Gegenwart. Aber eines

hat sich nicht geändert: Die Menschen in

diesem Landstrich sind etwas Besonderes. Wir

halten zusammen. Freundschaften werden hier

intensiv gepflegt und wachsen über viele Jahre

– auch das ist für mich essenziell, was meine

Beziehung zu Sachsen betrifft.

Stephanie: Wolfgang und Dresden – das ist

schon eine ganz spezielle Beziehung. Mein Vater

kennt hier wirklich alle und jeden, der könnte

locker auch Bürgermeister sein, aber ich hoffe,

das macht er nie. Wobei ich nix gegen Politiker

habe. Irgendeiner muss den Job ja machen und

Gott sei Dank gibt es noch genug Menschen, die

Lust darauf haben.

Wolfgang: Nee, keine Angst. Mit meinen Filmen

erreiche ich mehr, die Zwänge der Macht,

Wirtschaft und Bürokratie lehne ich ab. Privat

bleibe ich schön in der zweiten Reihe.

Interview: Christiane Soyke

„WolfgAng und dresden – das ist

eine ganz spezielle Beziehung“

hippiE-STylE

im hiNTErhof

Auch das

ist Dresden:

Bio-cafés, alternative

Shops,

Boutiquen in

der Dresdner

Neustadt

38 BUNTE 37 | 2014

BUNTE 37 | 2014 39


Ziele

„graND

BUDapEsT hoTEl“

Regisseur Wes Anderson eröffnete

sein „Hotel“ im ehemaligen

Görlitzer Warenhaus, einem Jugendstilbau

von 1912/13. Ein Investor

plant eine Neueröffnung

im nächsten Jahr (im Kino: 2014).

„DEr VorlEsEr“

Kate Winslet als Straßenbahnschaffnerin

in der Bestsellerverfilmung,

angesiedelt im Berlin der

50er-Jahre. Regisseur Stephen

Daldry drehte Außenmotive in

Görlitz. Winslet

wurde für

diese Rolle mit

dem Oscar,

dem Golden

Globe und

dem Europäischen

Filmpreis

ausgezeichnet

(im

Kino: 2009).

„goEThE!“

Alexander Fehling als Johann

Wolfgang von Goethe in seiner

Sturm- und Drangphase in Wetzlar

und Weimar zum Ende des

18. Jahrhunderts. Regisseur

Philipp Stölzl fand geeignete

Drehorte unter

anderem

in Görlitz und

konnte etwa

740 000 Kinozuschauer

für

seinen historischen

Stoff

begeistern

(im Kino: 2010).

Auf nach görliWooD

görliTz zieht Stars und Macher aus Hollywood magisch an:

Die sächsische Stadt ist die ideale Kulisse für historische Filme

„Ich war

sehr

begeistert

von Görlitz,

auch von den

Leuten“

Florian David Fitz:

Erinnerungen an Görlitz

Paris am Ende des 19. Jahrhunderts?

New York zu Beginn des 20.? Berlin

in den 30ern? Alles längst Geschichte,

nur in Sachsen nicht.

Denn dort gibt es eine Stadt, in der

ganze Straßenzüge heute noch so

aussehen wie einst Paris, New York oder Berlin

– und das hat sich bis nach Hollywood herumgesprochen.

Görlitz, die rund 55000-Einwoh-

ner-Gemeinde am östlichsten Zipfel Deutschlands,

wurde von den Bomben des Krieges

weitestgehend verschont und bietet deshalb

prachtvoll erhaltene Architektur aus verschiedensten

Epochen. Stars und Macher zieht das

geradezu magisch an. Denn was sie sonst als

Kulisse teuer im Studio nachbauen müssen, finden

sie hier im Original. Und die Zeitreise, auf

die sie sich in ihren Filmen begeben, können

sie hier live erleben. „Als ich für die Dreharbeiten

zu ‚Der Vorleser‘ das erste Mal nach Görlitz gereist

bin, war ich sofort beeindruckt von der Stimmung

der Stadt“, erinnert sich David Kross. „Sie

erzählt von sich aus alte Geschichten und macht

es leicht, in ihrer Kulisse Geschichten zu erzählen.“

Auch Florian David Fitz, der hier „Die Vermessung

der Welt“ drehte, war hingerissen: „Man

kann vom Zentrum aus in alle Richtungen gehen

und wird eine halbe Stunde lang nur historische

Gebäude sehen. Ein Gründerzeithaus gilt hier schon

als Neubau. Ich war sehr begeistert von Görlitz,

auch von den Leuten. Nur, dass Nu hier Ja heißt, hat

bei mir bis zuletzt für Missverständnisse gesorgt.“

In den 50er-Jahren bereits drehte die DEFA in

Görlitz. Vor zehn Jahren entdeckte dann das neu

erfundene Studio Babelsberg den Ort als grandiose

Außenkulisse für den Abenteuerfilm „In 80 Tagen

um die Welt“ mit Jackie Chan. Das war der Start,

Hollywood wurde hellhörig und aus Görlitz wurde

„Görliwood“. Brad Pitt, George Clooney, Kate

Winslet – viele spielten schon in Görlitz, wohnten

im „Hotel Börse“, frühstückten im „Kaffee am Flüsterbogen“

und schlenderten über die kopfsteingepflasterten

Gassen an der barocken Stiftskirche

und der historischen Ratsapotheke vorbei.

Die Filmemacher haben Görlitz weltweit bekannt

gemacht, inzwischen kommen auch die Fotografen

für Shootings internationaler Modelabels. Denn

vor den historischen Gemäuern sieht die heißeste

Mode einfach noch moderner aus. D. F./G. S.

„DiE VErmEssUNg

DEr WElT“

Florian David Fitz als Mathematikgenie

Carl Friedrich

Gauß in Braunschweig zum

Ende des 18. und zu Beginn

des 19. Jahrhunderts.

Regisseur

Detlev Buck

setzte

Görlitz für

seine Bestsellerverfilmung

in 3-D in Szene

(im Kino:

2012).

„iN 80 TagEN

Um DiE WElT“

Dieser Film löste den Görlitz-

Boom aus, er war die Visitenkarte

für Hollywood, lockte weitere

Produktionen an: Chinas Actionstar

Jackie Chan verschlägt es

in der Bestsellerverfilmung als

Weltreisenden

im 19.

Jahrhundert

unter anderem

nach

Paris – gedreht

wurde

in Görlitz (im

Kino: 2004).

„moNUmENTs

mEN – UNgE-

WöhNlichE

hElDEN“

George Clooney verwandelte

als Star, Regisseur und

Produzent Görlitz in diverse

europäische Orte, zu denen

sich die Monuments

Men

während des

Zweiten Weltkriegs

durchschlugen,

um

Kunst vor den

Nazis zu retten

(im Kino: 2014).

„DiE BüchEr-

DiEBiN“

1938, in der fiktiven Kleinstadt

Molching in der Nähe von

München. Die Bestsellerverfilmung

um ein junges Mädchen

(Sophie Nélisse), die sich von

einer Analphabetin zum Bücherwurm

entwickelt,

brachte

Stars wie

Geoffrey

Rush und

Emily Watson

nach Gör -

litz (im Kino:

2014).

FOtOS: ACtION PRESS (4), DDP (10), DPA, IMAGO, WARNER BROS.

40 BUNTE 40 BUNTE 47 | 37 2013 | 2014


Ziele

DAs NEUE

schloss

im Fürst-

Pückler-Park

Muskau (Weltkulturerbe),

erbaut im

stil der Neorenaissance

DiE TürME von schloss

rochlitz, genannt „Finstere

Jupe“ (l.) und „lichte Jupe“.

„Jupe“ kommt von „Joppe“

und bezog sich auf die

Verliese in den Bauten

schloss MUsKAU

im garten des genies

Hier wurde er 1785 geboren, hier hat er das bukolische

Spiel mit der Natur begonnen: der geniale

Gartenkünstler Fürst Hermann Ludwig Heinrich

von Pückler-Muskau. Dichter und Dandy, Soldat und

Lebemann, Weltreisender, Ballonfahrer und

rastloser Erbauer immer neuer Gärten nach dem

Vorbild englischer Parks. Die „Blickachse“ ist eine

seiner Erfindungen – und wer ein bisschen Fantasie

hat, bleibt zwar im Garten von Schloss Muskau,

wähnt sich aber alle paar Minuten an einem anderen

Ort. www.muskauer-park.de

KlosTEr AlTzEllA

stimmen im Wald

Es ist ein Kurztrip ins Mittelalter: Ruinen in einem

verwunschenen Wald, in dem dann die

Gebäude der ehemaligen Zisterzienserabtei

auftauchen, im nördlichen Teil murmelt der

Mühlgraben. Wenn gregorianische Choräle

zu hören sind, ist das keine Einbildung: Sie

kommen aus dem Bibliothekssaal. Manchmal

jedenfalls. www.kloster-altzella.de

MAgischE

Orte im

schlösserland

EiN KöNigrEich für einen Ausflug: prunkvolle

Burgen, verwunschene Gärten, Träume aus

Stein – sieben zauberhafte Stationen auf einer

Zeitreise durch Sachsen

schloss rochliTz

Beim nackten könig

Atemberaubend, mehr als 1000 Jahre live zu erleben.

Wer durch die Räume von Schloss Rochlitz wandert,

den beschleicht das Gefühl, dass Kaiser und Könige

erst gestern ausgezogen sind und der Lärm in der

Küche sich eben erst gelegt hat. In den Putz geritzt

findet man noch den nackten König und andere

Comics, das Werk fürstlicher Lausejungs. Noch bis

31. Oktober ist auch die Präsentation „STARKE

FRAUENgeschichte“ zu sehen – eine Sonderausstellung

zu 500 Jahren Reformation. Geschichte zum

Anfassen. Infos: www.schloss-rochlitz.de

nOch mehr

zAUBErschlössEr ...

Barockschloss rammenau Klassiknächte,

1 festliche Bälle und Lesungen: Hier passt

das Ambiente perfekt zum Kulturgenuss. Übrigens:

Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte

wurde dort in der Oberlausitz geboren.

Infos: www.barockschloss-rammenau.com

2schloss schlettau Unser Tipp als Rastplatz

während der Schlösserland-Radtour. Für Kids

gibt es Schatzsuchen & Mitternachts-Action,

Erwachsene inspizieren den Kräuterlikör-Keller.

Infos: www.schloss-schlettau.de

schloss Krobnitz Ein schneeweißes Stück

3 Preußen in Sachsen: Das Herrenhaus gehört zu

einer Museumsgruppe, die besondere „Zeitreisen“

anbietet. Lernen Sie doch mal zu spinnen. Infos:

www.oberlausitz-museum.de/schloss-krobnitz

4schloss Voigtsberg Als Burgfräulein durch

den Fürstensaal flanieren: Der historische

Kostümfundus (ca. 900 Roben) macht’s möglich.

Infos: www.schloss-voigtsberg.de

VErWUNschEN

42 BUNTE 37 | 2014 ruinen im laubwald

BUNTE 37 | 2014 43

von

Altzella

FOTOS: IMAGO/TORSTEN BECKER, SyLVIO DITTRICH/WWW.SCHLOESSERLAND-SACHSEN.DE, PR


City-Tipps

SExy iN

SaChSEN

die gebürtige

amerikanerin

fühlt sich

in Leipzig

sehr wohl

1Clara-zetkin-park

Für mich ist der Clara-Zetkin-Park meine ganz

persönliche Sportarena. Egal ob ich jogge

oder radle – ich genieße die absolute Ruhe und

finde zu mir. Und das ganz nah an meiner Wohnung.

5

„Falco“

Dem Himmel ganz nah

ist man im Gourmetrestaurant

„Falco“,

im Hotel „The Westin“. Vom

27. Stock aus hat man den

schönsten Blick über die Stadt.

In der Bar-Lounge trifft sich die

Society auf einen Absacker.

Mein Tipp: Lassen Sie sich von

einer Eigenkreation des Barkeepers

überraschen. Santé!

6Sachsenbrücke

Hotspot für Lebenslustige: Auf der Steinbrücke

über die Elster trifft man sich abends

zum chillen, trinken und flirten.

LEipzig

Das sind meine Lieblingsplätze

ChEryL ShEpard Der TV-Star zog

vom Bodensee an die Elbe. Hier führt uns

die Neu-Sächsin zu ihren Hotspots

Zu Anfang war es nur eine Arbeitsbeziehung. Die Rolle als Ärztin in

Deutschlands erfolgreichster TV-Serie „In aller Freundschaft“ hatte

Cheryl Shepard, 48, nach Leipzig gelockt.

Sieben Jahre pendelte sie Woche

für Woche zwischen Überlingen

und Leipzig. Dann zog sie mit Kind

und Kegel um – die Lebensqualität in der sächsischen

Metropole hatte sie überzeugt. „Die Leipziger

haben uns mit offenen Armen willkommen

geheißen“, erzählt sie. „Wir hatten hier sofort das

Gefühl, zu ihnen zu gehören.“

2

„Café Maître“

Was würde der verstorbene Politiker Karl

Liebknecht wohl sagen, wenn er wüsste,

dass die nach ihm benannte Straße in

Leipzig lapidar nur „Karli“ genannt wird? Für mich

ist dort das „Café Maître“ seit Jahren perfekt,

um den Abend nach den Dreharbeiten von „In

aller Freundschaft“ ausklingen zu lassen. Tipp

für Touristen: Das Café ist auch ein idealer Ausgangspunkt

für Entdeckungstouren.

3+4

gottschedstraße/„Canito“

In der trendigen Lokalmeile in

der Gottschedstraße liegt das

kleine Juwel „Canito“. In diesem

Restaurant mit mediterranem Flair trinke ich gern einen

Espresso zwischendurch und träume von Italien.

Für den passenden Sound sorgen im Hintergrund

Lieder von Paolo Conte. Die Kunstsammlung an den

Wänden ersetzt fast einen Museumsbesuch.

MEiN iTaLiENEr

das „Canito“ ist meine Nummer 1

8

Baumwollspinnerei

Geheimtipp: In der

Spinnereistraße 7 trifft man

die kreative Szene Leipzigs.

Besonders zu empfehlen sind die

mehrmals im Jahr stattfindenden

Galerierundgänge.

7Cospudener See

Warum in die Ferne schweifen ... Die Badestrände

am Cospudener See sind für mich

ein perfektes Urlaubsparadies. Hier wird

gepaddelt, geschwommen und getaucht. Auf der

Terrasse des „Pier 1“ kann man sich vom Frühstück

bis zum Sundowner verwöhnen lassen.

9+10

grassi Museum & Johannisfriedhof

Für mich

kann es nicht genug Museen

auf der Welt geben.

Einer meiner Lieblingskunsttempel ist das Grassi

Museum. Dort hat es mir besonders die Völkerkunde-

Ausstellung angetan. Direkt dahinter liegt der verträumte

Johannisfriedhof aus dem Jahr 1278, der mit seinem

uralten Baumbestand zum Meditieren einlädt.

FoToS: FoRSTER & MARTIn, LooK, LEIPZIG ToURISMUS UnD MARKETInG GMBH/AnDREAS SCHMIDT (4), AnnE FLEISCHER, ACTIon PRESS; ILLUSTRATIon: LISA RoCK/JUTTA FRICKE ILLUSTRAToRS

TV-koLLEgEN Cheryl Shepard, Bernhard

Bettermann (l.) und Thomas rühmann

BUNTE 37 | 2014 45


Mit der

fundierten

Recherche für

ihre Romane

erfand die

Autorin den

historischen

Roman neu

46 BUNTE 37 | 2014

Liebeserklärung

EiN QUEll spannender Informationen

ist für Bestsellerautorin Sabine Ebert

ihre Wahlheimat Sachsen. Liebeserklärung

an ein faszinierendes Bundesland

Das ausgefallenste Kompliment,

das ich je erhielt, seit ich in

Sachsen lebe, klingt mir noch

nach Jahren im Ohr: „Du kannst

stolz sein, dass die Leute wissen,

wo du herkommst, und trotzdem

mit dir reden!“

Woher ich kam: Berlin. Da bin ich aufgewachsen.

Für die Sachsen heißt das: Preußen.

Mit leicht abfälligem Unterton. Sie haben

nicht vergessen, wie Friedrich der Große

ihr Land ausplünderte. Und dass einer seiner

Nachfolger im Ergebnis des Wiener Kongresses

halb Sachsen annektierte. Doch das Land

hat sich von Kriegen und anderen Katastrophen

immer wieder erholt und ist neu erblüht.

Seine Bewohner krempelten die Ärmel hoch

und bewiesen Tatkraft, Erfindungsreichtum

und Improvisationsvermögen. Es lässt sich gut

leben in Sachsen. Das stellte ich sehr schnell

fest, als mich die DDR-Absolventenvermittlung

nach dem Studium ins sächsische Freiberg

verpflichtete.

Hilfsbereite Menschen, ein Städtchen mit

anheimelndem Marktplatz und viel historischem

Flair. Und dann noch die köstlichen

Kuchen und Wurstsorten der sächsischen

Bäcker und Fleischer! Doch was mich am

meisten an meiner neuen Heimat faszinierte:

wie stark die Menschen hier mit ihrer Geschichte

verwurzelt sind. Selbst die Kinder

erzählen in Freiberg stolz, dass hier das erste

Silber im Erzgebirge gefunden wurde. Und

die Erwachsenen werden nicht müde zu betonen,

dass daraus der sprichwörtliche Reichtum

der sächsischen Herrscher erwuchs, zu

deren Inbegriff August der Starke mit seiner

Wahlsächsin Sabine

Ebert lebte in Freiberg (l.)

und arbeitet bereits

am Nachfolger ihres

aktuellen Historienromans

„1813 –

Kriegsfeuer“. Er soll

2015 erscheinen

Mehr als AUgUST der Starke

Nach der fünfteiligen

Hebammen-Saga

nun im

Verkauf: „1813 –

Kriegsfeuer“

Prunksucht und Sammelleidenschaft wurde.

Sachsen ist ein schönes Land. Voll faszinierender

Landschaften und Städte, die Geschichte

atmen – wie das barocke Dresden,

das zauberhafte Meißen mit der Albrechtsburg

oder das quirlige, weltoffene Leipzig,

das nun meine Heimat ist. Viele Schlösser,

Marktplätze und anderes sind restauriert

worden und zeugen davon, wie reich

dieses Land einst durch den Silberbergbau

wurde und wie begabt, nicht selten visionär,

seine Baumeister, Handwerker, Künstler

und Ingenieure waren. Ein rühriger Menschenschlag,

der mit stoischer Gelassenheit

erträgt, vom Rest der Nation für seinen

Dialekt gehänselt zu werden, der noch zu

Goethes Zeit als „zierlich“ galt. Dabei gibt es

nicht die sächsische Sprache, das sind diverse

Dialekte und Mundarten. Sagen Sie mal

einem Dresdner, er würde klingen wie ein

Chemnitzer und umgedreht – sie wären beide

beleidigt!

Auf gewisse Weise sind wir Deutschen sogar

alle ein wenig sächsisch. Luther übersetzte

die Bibel ins Meißner Kanzleideutsch, das

damit zur Norm der deutschen Schriftsprache

wurde. Die Sachsen weisen gern darauf

hin. Das macht sie mir so sympathisch und

inspirierte mich auch, Romane über sächsische

und deutsche Geschichte zu schreiben:

die enge Verbundenheit mit ihrer Historie, die

viel mehr Spannendes zu bieten hat als nur August

den Starken. Große Namen, bedeutende

Erfindungen, Ereignisse von nationalem Rang.

Die Sachsen leben mit ihrer Geschichte, erforschen

sie, sind stolz darauf. Das schafft Identität

und Wurzeln. Es schafft Heimat.

Fotos: Helmut HenkensieFken/Finepic, GeorG knoll/laiF

WILLKOMMEN IN DER ERLEBNISHEIMAT

ERZGEBIRGE

Dachs statt Dax –

kein Handyempfang,

keine Mails checken

Wunderbar die Zeit vergessen lässt sich auf einer

Wanderung durch das Erzgebirge. Abwechslungsreiche

Touren mit atemberaubenden Ausblicken

und reicher Natur bieten die Möglichkeit, die bezaubernde

Bergwelt per pedes zu erkunden. Wandern

Sie von Mai bis Oktober auf einem der schönsten

Pfade Deutschlands: dem offiziell ausgezeichneten

Kammweg Erzgebirge-Vogtland. „Dachs statt Dax – einsteigen

und abschalten“ – den Alltagsstress vergessen und dabei Ruhe und Entspannung entlang

naturbelassener Landschaft genießen. Trubel und Hektik gibt es nur in der anderen Welt.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Wer kennt ihn nicht, den zauberhaften Märchenfilm mit der wunderbaren Filmmusik von Karel

Svoboda. Seit vierzig Jahren lassen sich kleine und große Leute in den Bann ziehen. Nun wurde

diese Titelmelodie einzigartig für ein mechanisches Schweizer Spielwerk arrangiert.

Die Spieldose, mit der Eule Rosalie, dem Schatzkästchen, in dem die drei Haselnüsse liegen

und dem verlorenen Schuh auf der Treppe

des Schlosses wird in den Werkstätten

Flade in Olbernhau produziert.

Das Erzgebirge ist weltweit für seine

Holzkunst und das Kunsthandwerk

bekannt.

www.erzgebirge-tourismus.de

TIPP

Zum Tag des traditionellen Handwerks am

19.10.2014 kann man den Meistern bei ihrer

Arbeit über die Schulter schauen und erleben,

wie die echt erzgebirgische Holzkunst

entsteht.

Wo Weihnachten

zu Hause ist:

„Vom Neinerlaa“

Das „Neinerlaa“ oder auch Neunerlei,

wie es hochdeutsch heißt,

ist das Weihnachtsessen der

Erzgebirger, welches aus 9 verschiedenen

Speisen besteht. Es

steht traditionell am Heiligabend

auf den Tischen in den erzgebirgischen

Stuben. Dazu gehören

Gans, Schweinebraten oder auch

Kaninchen, Klöße, Sauerkraut, Linsen,

Semmelmilch, Sellerie sowie

Brot und Salz. Alle Speisen haben

eine besondere Bedeutung und

wie sicherlich jeder ahnt, geht es

dabei um Liebe, Gesundheit und

irdische Besitztümer.

Ein ganz anderes „Neunerlei“,

welches sich auch gut als Weihnachtsgeschenk

eignet, denn dies

sollte man wegen der „Nebenwirkungen“

nicht an einem Tag verzehren,

wurde im „Schokogusch`l“

kreiert. Die traditionellen Bestandteile

wurden ersetzt durch Brandy,

Balsamico, Amaretto, Marzipan

oder Calvados, verpackt in weißer

oder brauner Schokolade und

verziert mit Mandelsplittern und

Linsendekor aus Marzipan. Dies

ist jederzeit eine Sünde wert und

vielleicht schon ein Vorgeschmack

auf Weihnachten …

INFORMATIONEN

Tourismusverband Erzgebirge e. V.

Adam-Ries-Straße 16 · 09456 Annaberg-Buchholz

Tel. 03733 18800-0 · Fax 03733 18800-20 · info@erzgebirge-tourismus.de


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IN SACHSEN LEBT DIE HANDWERKSKUNST: In Manufakturen und Werkstätten

entstehen in liebevoller und traditioneller Handarbeit Unikate, Luxusartikel

und Alltagsgegenstände. Ob Uhren aus Glashütte, Holzkunst aus dem Erzgebirge,

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