Lady-Thriller - taurus high-end gmbh

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Anlagen › Stereo-Komplettsystem

Anlagen › Stereo-Komplettsystem

Lady-Thriller

Dieser Streaming-Amp bedient nicht nur alle gängigen Formate und trägt die Klang-DNS

von Cambridge in sich. Er lässt sich auch gut bedienen und sieht klasse aus. Gelingt ihm

damit der schwierige Spagat zwischen WAV und WAF (Women's Acceptance Factor)?

■ Text: Stefan Schickedanz

Kaum kommt auf Massenspeichern

archivierte Musik aus der

Schmuddelecke der „zerhackten

Klänge“ hervor, gibt es schon einen

unüberschaubaren Markt an Streaming-

Lösungen. Genau betrachtet fällt allerdings

ein großer Teil durch den Rost,

weil es sich dabei nicht wirklich um Lösungen

handelt, die geeignet sind, audiophilen

Ansprüchen zu genügen. Vom

Rest verscherzt es sich ein nicht unerheblicher

Teil mit Frauen und anderen

Ästheten. Doch nun tritt Cambridge Audio

an, um Klang, Aussehen und Bedienung

unter einen modischen Hut zu bringen.

Mit dem Minx Xi lassen sich der britischen

Traditionsmarke ganz neue Seiten

abgewinnen. Der Einteiler erweist

sich als besonders stylische und fortschrittliche

Möglichkeit, einen ganzen

HiFi-Tum zu ersetzen.

Nachdem UKW trotz mehrfacher Gnadenfrist

kein ewiges Leben beschert

sein dürfte, das „Digitalradio“ DAB aber

keine würdige Alternative bietet, kann

man bei einem stationären Gerät problemlos

ganz auf einen konventionellen

Tuner verzichten. Schließlich besitzt der

Minx ein rundum gut gemachtes, potentiell

äußerst klangstarkes Webradio. Das

große, vierzeilige Display ist zwar monochrom,

liefert aber nützliche Infos inklusive

der Datenrate. Zudem lassen sich

die Stationen nach hoher und niedriger

Übertragungsqualität sortieren.

Radio 2.0 an bord

Darüber hinaus unterstützt der Cambridge

Online-Musikdienste wie Aupeo,

MP3 Tunes und Live 365. Um die Inhalte

auf die Anlage zu streamen, braucht der

Benutzer kein Netzwerk-Kabel ins Wohnzimmer

zu verlegen. Neben einem Ethernet-Anschluss

ist auch ein WLAN-Netzwerk

mit der typischen Antenne auf der

Rückseite vorhanden. So kann der Minx

Xi via UPnP auch auf das zentrale Musikarchiv

des Hauses zurückgreifen. Das

gelingt dank einer nicht einfach lieblos

zugekauften, sondern richtig schicken

Fernbedienung und der kostenlosen

Smartphone- und Tablet-App „Stream

Magic“ (Android oder iOS) relativ reibungslos.

Der Allesfresser verdaut die

wichtigsten Formate wie MP3, AAC,

WMA, Apple Lossless, AIFF, Ogg Vorbis,

FLAC oder WAV bis 24 Bit/96 kHz.

tainer verfügt über zwei USB-Eingänge

(der dritte ist für den mitgelieferten Bluetooth-Adapter

BT100). Dort lassen sich

Festplatten oder USB-Sticks einstöpseln.

Und wer mal schnell ein Paar Popsongs

vom Handy abspielen möchte,

der kann sie direkt via Bluetooth ans System

funken. Der Cambridge stellt dafür

den hochwertigen, nahezu CD-Qualität

bietenden AptX-Standard zur Verfügung.

Wer lieber auf konventionelle Strippenzieherei

vertraut, findet immerhin zwei

Stereo-Cinch-Anschlüsse und einen

Klinkeneingang vor. Außerdem lässt

sich ein Subwoofer anschließen, falls

der Minx Xi mit kleinen Lautsprechern in

einem großen Raum betrieben werden

soll. Schließlich bietet Cambridge Audio

sogar ein passend gestyltes Subwoofer-

Satelliten-Set im Hochglanz-Design an.

(Auf der nächsten Doppelseite finden

Sie eine Lautsprecher-Empfehlung der

Redaktion).

Test

Vollverstärker

Cambridge MinX XI 800 €

Das Konzept kann inklusive der Ausstattung

bis ins Detail überzeugen. Besonders

hervorzuheben wären dabei die

Tasten auf beiden Seiten des Frontdisplays.

Dazu zählt zum Beispiel ein Play-

Pause-Button, wie vom CD-Player bekannt,

zum Starten oder Stoppen der

Streamingwiedergabe. Viele Anwender

solcher neumodischen Gerätschaften

kennen solche Funktionen nur als

zweidimensionale, gefühllose

Screendarstellung. Apropos Gefühl:

Beim Kombiknopf für Lautstärke und

Navigation sollte Mann oder Frau nicht

zu kleinlich sein, denn er besteht aus

Kunststoff und hat reichlich Spiel. Letztlich

handelt es sich dabei um Luxussorgen:

Viele Hersteller sparen schließlich

Lautstärkeregler am Gerät ganz ein

und delegieren diese Funktion nicht

selten an primitive Scheckkarten-Fernbedienungen

oder gar an Handys, die

erst aufgeweckt werden wollen, bevor

sich mit ihnen etwas regeln lässt.

Klangseitig ließen sich die Entwickler

auf jeden Fall nicht lumpen. Sie spendierten

dem Kompaktsystem einen

stattlichen Ringkerntrafo, der bauartbedingt

wenig Streufelder produziert, und

kunstvoll geschwungene, kanalgetrennte

Kühlkörper aus Massiv-Aluminium.

So können die beiden Class-AB-Amps,

die von einer Abschaltautomatik auf verantwortungsvollen

Umgang mit Energie

getrimmt wurden, ohne thermische Sorgen

ihrer Arbeit nachgehen. Damit sie

sorgfältig konvertierte Klänge zum Verstärken

vorfinden, engagierte Cambridge

einen WM8728 vom Wandler-

Spezialisten Wolfson. Dessen digitale

Lautstärke-Option verschmähen

die Engländer zugunsten

eines klassischen

Widerstandsleiter-Pegelstellwerks

– mit dem angenehmen

Nebeneffekt,

dass analog zugespielte

Musik aus dem Blauen

Die Musik muss aber nicht unbedingt

aus dem Netzwerk kommen: Der Enter-

Innere Werte: Die Kühlkörper

schmiegen sich förmlich an den zentralen

Ringkerntrafo an.

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www.audio.de ›02 /2014

www.audio.de ›02 /2014

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Anlagen › Stereo-Komplettsystem

Fazit

Stefan Schickedanz

AUDIO-Mitarbeiter

Antenne Angelsachsen: Neben LAN- kann der Cambridge auch WLAN-

Verbindungen aufbauen. Für weitere Digitalquellen stehen optische und Koax-Inputs bereit.

Signale einen vollständig analogen Signalweg

ohne zweifelhafte Zwangs-Digitalisierung

vorfinden. Hier regierte nicht

Convenience-Denken, sondern reiner

HiFi-Geist, was auch der sehr breitbandige

Frequenzgang (-1dB bei 100kHz)

eindrucksvoll belegt.

Bereits mit Webradio produzierte der

Cambridge an einer ganzen Reihe verschiedener

Lautsprecher äußerst frische

und knackige Klänge – zumindest

solange man Stationen mit einigermaßen

würdevoller Datenrate aus dem

Netz fischte. Mit Songs in CD- oder gar

HD-Qualität aus dem Hörraum-Server

oder vom USB-Stick wurde der Klang so

spritzig-klar in den Höhen und knackig

im Bass, dass man an einer Box vom Kaliber

der um ein Vielfaches teureren Sonics

Allegra II von explosiver Tieftonwiedergabe

und vorbildlicher Offenheit

sprechen konnte. Das hätte beim Anblick

des Minis niemand für möglich gelten.

Nur wer mit England noch primär

warme, einschmeichelnde Grundtöne

verbindet, könnte das Dynamik-Bündel

Messlabor

als etwas nüchtern empfinden. Dank der

Flexibilität im Zusammenspiel mit unterschiedlichsten

Lautsprechern, kann sich

allerdings jeder die Gesamtperformance

noch etwas nach eigenem Gusto abschmecken,

auch in Richtung lieblich

mild. An der Stabilität der Abbildung,

dem Fokus und den Instrumentenkonturen

gab es jedenfalls rein gar nichts auszusetzen.

Für deutlich unter 1000 Euro

schuf Cambridge einen regelrechten Lady-Thriller

mit Killer-Punch.

Boxen-Empfehlung

PaArsuche... Die Kompaktboxen

aus dem Januarheft

scheinen wie geschaffen

für den Minx. Die

Canton SLS 720 (780 Euro)

(Abb.) und die Monitor Audio

Silver 1 (600 Euro) passen

mit ihrem Glanzlack auch optisch perfekt.

Allerdings brauchen beide etwas Luft im Rücken,

sonst brummeln sie. Wer die Boxen direkt

an die Wand stellt, findet mit der Nubert Nuline

34 (670 Euro) eine klangstarke Alternative.

Cambridge Audio kenne ich noch

aus den 80ern, wo Engländer den

ersten 32-fach-Oversampling-CD-

Player fabrizierten. In meiner

Sammlung befindet sich der kleine

Bruder, ein 16-Fach-Oversampler

mit vier parallelgeschalteten

Philips-DACs. Was die Briten die

letzten Jahre machten, fand ich

schon allein vom Design her weniger

spannend. Doch mit dem

kleinen Minx Xi setzen sie in meinen

Augen und Ohren wieder ein

großes Ausrufezeichen.

StecKBRIEF

Vertrieb

www.

Listenpreis

Garantiezeit

Maße B x H x T

Gewicht

Cambridge Audio

Minx XI

Taurus High-End Gmbh

040 / 5 53 53 58

cambridgeaudio.de

800 Euro

2 Jahre

270 x 9 x 285 cm

5,8 kg

anschlüsse

Laufwerk CD/DVD/BD – / – /–

Analog In/Out

3 / 1 (Subwoofer)

USB / Firewire 2 x (Host) / –

Digital In AES/koax/optisch – / 1 / 1

Digital out AES/koax/optisch – / – / –

Netzwerk

LAN, WLAN

Funktionen

Display / OSD • / –

Schneller Vor/Rücklauf –

Erweiterte Playlists (Queue) •

Bluetooth/Airplay • / –

Coveranzeige / -suche – / –

Radio FM/DAB/Internet – / – / •

CD rippen / direkt abspielen – / –

Musik-Dateiformate FLAC, WAV, AIFF, ALAC,

WMA, Ogg Vorbis, MP3,

AAC

benötigter Server

UPnP

Gapless


Steuerung via App


überträgt kpl. Playlist •

Max. Auflösung Bit/kHz 24/96 über Netzwerk/USB

24/192 über S/PDIF Koax

Der Stabilitätswürfel verrät mittelhohe Leistung, aber beinharte Netzteilstabilität auch

an niedrigen Impedanzen und phasenkritischen Lautsprechern. Die Sinusleistung beträgt

42/56W an 8/4Ω (AK=48). Die Frequenzgänge (o.Abb.) zeugen von sehr breitbandiger

Verstärkung (-1dB bei 10Hz und 100kHz) mit geringer Gegenkopplung. In den

Verzerrungsanalysen (2) dominiert harmloser Klirr 2. Ordnung mit perfektem Verlauf.

AUDIOGRAMM

ÅSehr spritziger, konturierter

Klang, informatives

Display, WLAN an Bord.

Í–

Klang lossless 83

Bedienung

sehr gut

Verarbeitung

sehr gut

klangurteil

Preis/Leistung

83 Punkte

Überragend

Fotos: Shutterstock, Archiv

52 www.audio.de ›02 /2014

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