Panoramafahrt zum Aussichtspunkt - Technikgeschichte der ETH ...

tg.ethz.ch

Panoramafahrt zum Aussichtspunkt - Technikgeschichte der ETH ...

VORGESPURTES

EXPERIMENTIERFELD

Bereits 1.857, beim Versuchsbetrieb

der Centralbahn durch den

Hauensteintun-nel, habe er

beobachtet, wie die natürliche

Adhäsion schon bei geringen

Steigungen versage, erinnert sich

Riggenbach an die Anfänge seiner

Bergbahnstudien. «Um diesem

Uebelstande abzuhelfen, sann ich auf

allerlei Mittel und kam dabei auf den

Gedanken, dass eine Abhilfe nur

mittelst einer Zahnstange, die in ein

Zahnrad eingreife, zu erlangen sei.» 10

Die Verwendung von Zahnstangen

und Zahnrädern, die Riggenbach

rückblickend zu einer glücklichen

Eingebung stilisiert, stellt allerdings

keine gänzlich neue Stossrich-tung im

Eisenbahnbau dar. Vielmehr wurden

die «Dampfwagen» und «Dampfrosse»

aus der Frühzeit des

Eisenbahnbaus in mangelnder

Kenntnis der Adhäsionswirkung

schon einmal mit Zahnrädern ausgerüstet.

11

Die Lokomotivenkonstruktion

emanzipierte sich in der Folge von

dem im Flachland unnötigen

Zubehör, die Überwindung von

Steigungen blieb jedoch eine viel

diskutierte Problemzone bei der Anlage

und Ausbreitung von

Schienennetzen. Geländeerhebungen,

Hügel und Berge wurden bis ins

späte 19. Jahrhundert entweder

mittels ausweichender Streckenführung

umfahren, mit dem Bau von

Rampen abgeflacht, mit Tunnels

durchstochen oder mit der

Einbindung von zusätzlichen

Zugkräften - Pferden oder stationären

Dampfmaschinen - zu überwinden

versucht. Die Bemühungen, Lokomotiven

selbständig zum

Klettern zu bringen, erprobt etwa

auf einer 1840 errichteten

Zahnstangenrampe der Bahn

zwischen den amerikanischen

Städten

Madison und Indianapolis,

scheiterten meist an der hohen

Störungsanfälligkeit früher

Zahnradanlagen. 12

Umso phantasievoller wurde nach

alternativen Konstruktionsprinzipien

geforscht: In Europa gab

beispielsweise die Süderweiterung

der österreichischen Staatsbahnen

und der dabei zu überwindende

Semmeringpass in den 1840er-Jahren

Anlass zu Bergbahnentwürfen mit

horizontal

eingreifenden

Hilfsrädern. 13 Und der Schweizer

Bundesrat schrieb 1859 eine

internationale Ideenkonkurrenz aus,

um Forschungen und Entwicklungen

im Bereich des Bergbahnbaus zu

motivieren. Zwanzig Projekte gingen

ein, vorgeschlagen wurden

verschiedenste Antriebssysteme, von

einer Traktion mit Luftballons über

eine Verstärkung der Adhäsionskraft

mittels Potenzierung der Triebräder

bis hin zu verschiedenen Systemen

mit Zahnrädern und Zahnstangen. 14

Niklaus Riggenbach, der für seine

Zahnstangen

und

Zahnradlokomotiven nach dem

«System Riggenbach» in den Jahren

1863 und 1865 das französische und

nordamerikanische Patent erwarb,

arbeitete in einem bereits

vorgespurten Experimentierfeld. In

praktischer Hinsicht stellten

insbesondere die 1869 eröffnete

Zahnradbahn auf den Mount Washington,

aber auch die 1868

errichtete

interimistische

Schmalspurbahn über den

französischen Mont Cenis

wegweisende Leitplanken dar. 15

BÜNDNISPARTNER

HOTELLERIE

Ob Hauptziel oder überraschender

Nebeneffekt: Die Touristenbahn auf

die Rigi erwies sich als

durchschlagendes Erfolgskonzept.

Als neuartiges Transportmittel

nahm die Vitznau-Rigi-Bahn proto-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine