16.09.2014 Aufrufe

gwf Wasser/Abwasser Systemlösungen für die Trinkwasseraufbereitung (Vorschau)

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9/2014<br />

Jahrgang 155<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

ISSN 0016-3651<br />

B 5399<br />

<strong>Systemlösungen</strong> <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

Filteranlagen,<br />

Membrananlagen,<br />

Ozonanlagen...<br />

mit modernster<br />

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2014/2015<br />

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| STANDPUNKT |<br />

DVGW – mit Sicherheit Qualität<br />

Sicherheit und Qualität in der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

war bereits zu Gründungszeiten<br />

des Vereins unser Leitziel und<br />

bleibt Ansporn auch <strong>für</strong> unsere zukünftige<br />

Arbeit. Aktuell gilt es, das angemessene<br />

Schutz- und Qualitätsniveau in der <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

– sowohl national als auch im<br />

europäischen Kontext – mit allen Partnern im<br />

gesellschaftlichen Konsens zu definieren und<br />

weiterzuentwickeln.<br />

In <strong>die</strong>sem Zusammenhang haben wir in<br />

den letzten Monaten in einem mehrstufigen<br />

Diskussionsprozess beraten, wie <strong>die</strong> satzungsgemäßen<br />

und staatsentlastenden Aufgaben<br />

des DVGW <strong>für</strong> eine hygienisch einwandfreie<br />

Trinkwasserversorgung und eine sichere<br />

Gasversorgung unverändert zu gewährleisten<br />

und an neue Anforderungen entsprechend<br />

anzupassen sind. Hierzu hat <strong>die</strong> DVGW-<br />

Mitgliederversammlung am 2. Juli 2014 <strong>die</strong><br />

notwendigen Beschlüsse gefasst: zum einen<br />

<strong>für</strong> eine zukunftsfähige Anpassung der verbandlichen<br />

Führungsstrukturen, zum anderen<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> strategische Weiterentwicklung des<br />

DVGW zu dem anerkannten Regelsetzer, innovativen<br />

Gestalter und Dienstleister in der<br />

Gas- und <strong>Wasser</strong>branche <strong>für</strong> Deutschland in<br />

Europa.<br />

Im Einzelnen haben wir <strong>für</strong> <strong>die</strong> zukünftige<br />

Ausrichtung des DVGW gemeinsam mit unseren<br />

Mitgliedern beschlossen, dass <strong>die</strong> technische<br />

Selbstverwaltung weiterentwickelt und<br />

das europäische und internationale Engagement<br />

des Vereins weiter ausgebaut werden<br />

muss. Für das ehrenamtliche Engagement,<br />

das auch weiterhin <strong>die</strong> tragende Säule des<br />

Vereins bildet, müssen zunehmend Nachwuchskräfte<br />

gewonnen werden. Bei der Innovationsforschung<br />

wollen wir den europäischen<br />

und internationalen Vernetzungsgrad<br />

erhöhen und <strong>die</strong> Drittmittelfinanzierung<br />

ausbauen. Darüber hinaus gilt es, den kompletten<br />

Dienstleistungsbereich des DVGW in<br />

den Sektoren Prüfung und Zertifizierung,<br />

Bildung und Beratung an den Ansprüchen<br />

der DVGW-Mitglieder und der Gas- und<br />

<strong>Wasser</strong>märkte auszurichten. Starkes Augenmerk<br />

legen wir zudem auf eine verbesserte<br />

Kommunikation und Außendarstellung.<br />

Diesen Entwicklungsprozess möchten wir<br />

kooperativ, in enger Abstimmung mit den<br />

befreundeten Verbänden und Institutionen<br />

gestalten. Wir wollen an der Schnittstelle von<br />

Wirtschaft, Technik und Politik den Blick <strong>für</strong><br />

das übergeordnete Ganze schärfen, um der<br />

Komplexität der vielen, zum Teil mit unterschiedlichen<br />

Interessen verbundenen Sachthemen<br />

gerecht werden zu können – z. B. bei<br />

den Themen Ressourcenschutz, anthropogene<br />

Spurenstoffe, Effizienz oder den Herausforderungen<br />

der Energiewende.<br />

Eine aktuelle Gelegenheit zum vertiefenden<br />

Dialog bietet unsere wichtigste<br />

deutschsprachige Branchenveranstaltung, <strong>die</strong><br />

<strong>Wasser</strong>fachliche Aussprachetagung (wat), <strong>die</strong><br />

in <strong>die</strong>sem Jahr vom 29. bis 30. September in<br />

Karlsruhe stattfinden wird. Auf der wat 2014<br />

werden aktuelle fach- und wirtschaftspolitische<br />

Themen bis hin zu den perspektivischen<br />

Fragestellungen in Bezug auf<br />

Klimawandel und Bevölkerungsentwicklung<br />

zur Diskussion gestellt.<br />

Liebe Leserinnen und Leser, ich lade Sie<br />

herzlich zur wat 2014 nach Karlsruhe ein und<br />

freue mich auf den intensiven Austausch der<br />

Argumente.<br />

Prof. Dr. Gerald Linke<br />

Hauptgeschäftsführer des DVGW<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 907


| INHALT<br />

|<br />

74<br />

73<br />

<strong>Wasser</strong><br />

Oberflächenspannung [mN/m]<br />

72<br />

71<br />

70<br />

69<br />

68<br />

67<br />

66<br />

65<br />

PS26<br />

PS62<br />

PS95<br />

<strong>Wasser</strong><br />

PS95<br />

PS 62<br />

PS 26<br />

100 1000 10000<br />

Zeit [s]<br />

Der Naturstoff Pektin, der auch als Nebenprodukten wie z. B.<br />

Nasstrester der Fruchtsaftindustrie gewonnen werden kann, ist<br />

ein Polyanion mit mittlerer Ladungsdichte. Bei der Messung der<br />

Pektinlösungen wurde auf Erfahrungen mit Stärke zurückgegriffen<br />

und eine Messzeit von drei Stunden gewählt. Ab Seite 970<br />

Basierend auf den theoretischen Grundlagen zur<br />

Entfernung von Ablagerungen aus <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen,<br />

wird ein Verfahren zur Rohrnetzreinigung – das<br />

„Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ – vorgestellt. Das Ziel<br />

<strong>für</strong> Versorgungsgebiete war eine effektive und effiziente<br />

Entfernung der im Leitungsnetz vorhandenen Ablagerungen.<br />

Ab Seite 976<br />

Fachberichte<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

970 S. Schwarz, G. Petzold und<br />

J. Bohrisch<br />

pH-abhängige Bestimmung von<br />

Ladung und Oberflächenspannung<br />

von wässrigen Pektinlösungen<br />

pH Dependent Determination of Charge and<br />

Surface Tension of Aqueos Pectin Solutions<br />

Trinkwasserversorgung<br />

984 L. Tennhardt<br />

Bewertung von Trinkwasserversorgungsnetzen<br />

– neue Kennzahlen:<br />

Systemindex Trinkwassernetz (SIT)<br />

und Nachhaltigkeitsindex (I N )<br />

Assessment of Drinking Water Distribution<br />

Networks new Performance Indicators: System<br />

Index “Drinking Water Distribution Network”<br />

(SIT) and “Sustain ability Index” (I N )<br />

Tagungsbericht<br />

976 K. Ripl, I. Slavik und<br />

W. Uhl<br />

Systematik und Vorgehensweise<br />

bei der Erstellung<br />

von Spülplänen zur Reinigung<br />

von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

mittels „Spülen mit klarer<br />

<strong>Wasser</strong>front“<br />

Methodology and Approach in Developing<br />

Flushing Routines for Efficient Water<br />

Distribution System Maintenance by Using<br />

Unidirectional Flushing<br />

998 N. Jardin<br />

100 Jahre Belebungsverfahren –<br />

Jubiläumskonferenz in Essen<br />

Netzwerk Wissen<br />

Aktuelles aus Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

947 Der Rohrleitungsbauverband und sein<br />

Berufsförderungswerk im Porträt<br />

September 2014<br />

908 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| INHALT |<br />

Die nachhaltige Bewirtschaftung von Versorgungsnetzen spielt<br />

unter dem zunehmenden Kostendruck auf <strong>die</strong> Versorgungswirtschaft<br />

eine essenzielle Rolle. Ein auf gelaufener Investitionsstau<br />

bei einem schlechteren Netzzustand führt zu erhöhten<br />

Betriebskosten. Qualitäts beeinträchtigungen sind nur<br />

mittelfristig mit hohem finanziellen Aufwand zu beheben.<br />

Ab Seite 984<br />

Auf der Zeche in Essen fand <strong>die</strong> Jubiläumskonferenz zu<br />

100 Jahren Belebungsverfahren statt. Das Belebungsverfahren<br />

selbst geht zurück auf Experimente im Jahr 1913 auf der Kläranlage<br />

Davyhulme in Manchester. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts<br />

wurden verschiedene Experimente zur biologischen<br />

<strong>Abwasser</strong>reinigung mit Algen durchgeführt.<br />

Ab Seite 998<br />

Fokus<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

912 Neue Gehäusevariante mit optionaler<br />

110/230 V AC Versorgung<br />

914 Der Einsatz moderner Desinfektionsmethoden<br />

bei der <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

im System der zentralen <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

der Stadt Budapest<br />

918 Krankenhausinfektionen durch bauliche<br />

Mängel<br />

920 Qualitätskontrolle durch den PAMAS<br />

WaterViewer<br />

INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />

928 Das Innovationswerk <strong>Abwasser</strong> Recycling –<br />

INAR<br />

Nachrichten<br />

Branche<br />

935 Unwetter über Deutschland – Kanalsysteme<br />

überfordert – hohe Schäden vorprogrammiert<br />

936 DBU zieht Bilanz <strong>für</strong> 2013: 280 Projekte mit<br />

44,3 Millionen Euro<br />

938 Fraunhofer-Algen auf dem Weg zur ISS<br />

940 Kieler Ingenieurbüro setzt auf das<br />

Gütezeichen AB<br />

942 Memorandum Klimagerechte Stadt: integrierte<br />

Stadt- und Infrastrukturplanung notwendig<br />

943 HUBER gehört zu Bayerns Best 50<br />

944 Trinkwasserqualität in Bayern: Kooperation<br />

sorgt <strong>für</strong> gute <strong>Wasser</strong>qualität<br />

946 Der Regenwasser-Zisternenrechner<br />

946 Fracking: Verbraucher sorgen sich um<br />

<strong>Wasser</strong>qualität<br />

Veranstaltungen<br />

960 GEO-T Expo: Fachforen informieren<br />

Besucher zielgruppengerecht<br />

960 geofora 2014 fällt mangels Resonanz aus<br />

961 Neue Inspektionsverfahren <strong>für</strong><br />

Trinkwasserleitungen<br />

962 Marktpotenziale öffentlicher Geodaten:<br />

„Die Wirtschaft mitnehmen“<br />

963 13. <strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Jahrestagung<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 909


| INHALT<br />

|<br />

© rbv<br />

Netzwerk Wissen: Der Rohrleitungsverband und sein Berufsförderungswerk<br />

im Porträt Ab Seite 947<br />

© LIT UV Elektro GmbH<br />

Fokus-Thema im September: <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

und Hygiene Ab Seite 912<br />

964 Die InfraBAU erstmals in Deutschland<br />

964 INDOWATER 2015 – 11. Internationale<br />

<strong>Wasser</strong>fachmesse in Jakarta<br />

964 Biofilme: Detektion, Charakterisierung und<br />

Möglichkeiten der Kontrolle<br />

Leute<br />

965 Honorarprofessur <strong>für</strong> Gerald Linke –<br />

Ernennung an der Ruhr-Universität<br />

Bochum<br />

Verbände, Vereine und Organisationen<br />

966 DVGW launcht neue Website <strong>für</strong><br />

Berufsbildungs-Veranstaltungen im<br />

Energie- und <strong>Wasser</strong>fach<br />

Recht und Regelwerk<br />

967 DWA: Neue DWA-Merkblätter erschienen<br />

968 DVGW: Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

969 DVGW: Regelwerk Gas/<strong>Wasser</strong><br />

969 Zurückgezogene Regelwerke<br />

Praxis<br />

1006 Neues Recht zur Grundstücksentwässerung<br />

in NRW<br />

1009 Biologische <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

in Aquakulturen mit „Mutag BioChip<br />

RAS Process“<br />

1011 Systemcharakter der Funke-Produkte<br />

überzeugt in Hünfeld<br />

Produkte und Verfahren<br />

1013 Zukunftssichere Rohrleitungssysteme<br />

1014 Messtechnik geht online mit<br />

Esders LIVE<br />

1014 Wirtschaftliche Lösung zur<br />

Schachtsanierung<br />

1016 Hochleistungsvererdung bietet<br />

langfristige Investitions- und Planungssicherheit<br />

1017 Realtime- Datenaustausch mit neuem<br />

Interface<br />

1018 Eine eigene, neue <strong>Abwasser</strong>reinigungsanlage<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Murrhardter Pelzveredelung<br />

September 2014<br />

910 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Anzeige Hygiene_Layout 1 16.07.14 13:35 Seite 1<br />

| INHALT |<br />

© Multi Umwelttechnologie AG<br />

Biologische <strong>Wasser</strong>aufbereitung in Aquakulturen<br />

Ab Seite 1009<br />

Information<br />

1019 Impressum<br />

1020 Termine<br />

Mit Edelstahl<br />

perfekt<br />

ausgerüstet...<br />

... zum hygienischen<br />

Speichern von Trinkwasser<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> | <strong>Abwasser</strong> im Oktober 2014<br />

u.a. mit <strong>die</strong>sen Fachbeiträgen:<br />

• Einfluss von Güllesatzstoffen auf <strong>die</strong> Nitrifikation bei der<br />

biologischen <strong>Abwasser</strong>behandlung<br />

• Leistungsvergleich zweier Aggregate zur Drucklufterzeugung<br />

im großtechnischen Parallelbetrieb<br />

• Langzeitsimulation von <strong>Wasser</strong>versorgungsanlagen zur Auslegung<br />

von Trinkwasserkraftwerken<br />

Die hygienische Qualität von<br />

Trinkwasser kann beim<br />

Speichern beeinträchtigt werden.<br />

Wir haben effektive und<br />

wirtschaftliche Lösungen und<br />

liefern standardisierte Bauteile,<br />

<strong>die</strong> das verhindern.<br />

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WASTE WATER Solutions<br />

Erscheinungstermin: 15.10.2014<br />

Anzeigenschluss: 24.09.2014<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 911


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

Neue Gehäusevariante mit optionaler 110/230 V AC<br />

Versorgung<br />

Der modulare Multi-Kanal multiCELL Transmitter/Controller 8619 ist ein individuell anpassbares Messsystem<br />

mit erweitertem Funktionsspektrum, das sich mit unterschiedlichsten Sensorarten einsetzen lässt. Der Fluidtechnikspezialist<br />

Bürkert erweitert sein Angebot des bisher lediglich in Panelausführung erhältlichen 8619 um<br />

eine neue, separate Gehäusevariante welche flexibel z. B. an Wand, Geländer oder Rohrleitung montiert werden<br />

kann. Diese neue Ausführung kann neben 12..36 V DC in einer alternativen Variante mit 110/230 V AC<br />

betrieben werden.<br />

Mit dem multiCELL Transmitter/<br />

Controller Typ 8619 bietet<br />

Bürkert ein komplettes, flexibles<br />

Messsystem zur Anbindung verschiedenster<br />

Sensoren <strong>für</strong> unterschiedliche<br />

Aufgaben in der Messwerterfassung,<br />

Regelung und Dosierung.<br />

Das Gerät eignet sich ideal<br />

<strong>für</strong> eine Vielzahl von Anwendungen<br />

in Einsatzbereichen wie der <strong>Wasser</strong>aufbereitung<br />

oder der Produktion<br />

von Lebensmitteln und Pharmazeutika.<br />

Das System besteht aus einem<br />

umfangreich ausgestatteten Basisgerät,<br />

dessen Funktionsumfang<br />

durch Hardware-Karten wie pH/<br />

ORP-, Leitfähigkeits-, Signaleingangs-<br />

sowie Ausgangskarte und<br />

Softwaremodule individuell und<br />

bedarfsgerecht angepasst und erweitert<br />

werden kann. Der multiCELL<br />

Typ 8619 multiCELL – separate Gehäusevariante zur<br />

Montage an z. B. Wand, Rohrleitung oder Geländer.<br />

Typ 8619 ist nun neben der Panelausführung<br />

auch in einer separaten<br />

Gehäusevariante verfügbar und ermöglicht<br />

dem Anwender große<br />

Freiheit, den Montageort des 8619<br />

z. B. an Wand, Rohrleitung oder<br />

Geländer zu wählen.<br />

Robustes Gehäuse ohne<br />

außenliegende Metallkomponenten<br />

Die neue Gehäusevariante ist gemäß<br />

IP65/IP67 bzw. NEMA 4x geschützt<br />

und hat keinerlei außenliegende<br />

Metallteile. Dadurch eignet sich das<br />

Gehäuse nicht nur ausgezeichnet<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Bereiche <strong>Wasser</strong>aufbereitung,<br />

F&B oder Pharma sondern gerade<br />

auch <strong>für</strong> aggressive Umgebungen,<br />

beispielsweise in der Galvanik-<br />

Branche.<br />

Montage an Wand, Rohrleitung<br />

oder Geländer<br />

Aufgrund einer speziellen Montageplatte<br />

kann das System einfach an<br />

Wand und mithilfe eines Montagekits<br />

an Rohrleitung oder Geländer<br />

angebracht werden. Ein spezieller<br />

Verriegelungs- und Haltemechanismus<br />

ermöglicht es dem Anwender,<br />

das Gehäuse schnell an der Montageplatte<br />

zu befestigen und bei<br />

Bedarf zu lösen.<br />

Benutzerfreundliche<br />

elektrische Installation<br />

Um den Kunden auch bei der<br />

elektrischen Montage bestmöglich<br />

zu unterstützen, sind sämtliche<br />

Steckerleisten und Anschlüsse von<br />

der Forderseite aus einfach und<br />

rasch zugänglich. Versorgungs- und<br />

Signalkabel können durch bis zu<br />

fünf M20 Kabelverschraubungen<br />

geführt und befestigt werden. Ausreichend<br />

Platz im Gehäuse gewährleistet<br />

eine komfortable Installation<br />

der Anschlusskabel.<br />

Flexible Spannungsversorgung<br />

verhilft dem Anwender<br />

zu mehr Freiheit im Feld<br />

Um den Bedürfnissen des Kunden<br />

und seiner Infrastruktur gerecht zu<br />

werden, kann <strong>die</strong> neue Ausführung<br />

sowohl mit 12..36 V Gleichspannung<br />

oder in einer alternativen Ausführung<br />

mit 110/230 V Wechselspannung<br />

betrieben werden. Bei Bedarf<br />

können Sensoren, auch bei der<br />

„110/230 V AC“-Ausführung, mit<br />

24 V DC vom multiCELL direkt<br />

versorgt werden.<br />

Das modulare „Multi-Kanal<br />

multiCELL Transmitter/<br />

Controller 8619“-Programm<br />

Der multiCELL in Panel- oder separater<br />

Gehäuseausführung kann<br />

bei Bedarf mit bis zu sechs verschiedenen<br />

I/O-Boards im flexiblen Mix<br />

ausgestattet werden und ist so auch<br />

komplexen Aufgaben gewachsen.<br />

Dies wird erweitert durch maximal<br />

sechs parallel laufende Funktionen,<br />

<strong>die</strong> unabhängig voneinander<br />

aus einer Funktionsliste frei wählbar<br />

sind. Oft benötigte Funktionen sind<br />

bereits integriert, müssen so nur<br />

ausgewählt werden und stehen<br />

nach der Parametrierung voll umfänglich<br />

zur Nutzung zur Verfügung.<br />

Vervollständigt wird <strong>die</strong> volle flexible<br />

September 2014<br />

912 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene | FOKUS |<br />

Funktionalität des 8619 durch <strong>die</strong><br />

Zuordnung der Funktionsmodule<br />

zu den Eingangs- und Ausgangssignalen.<br />

Darüber hinaus ermöglichen nachinstallierbare<br />

Softwarepakete eine<br />

weitere praxisgerechte Anpassung<br />

an den jeweiligen Einsatzbereich. Anwender<br />

profitieren von <strong>die</strong>sem maßgeschneiderten<br />

Funktionsumfang,<br />

da nur <strong>für</strong> tatsächlich benötigte<br />

Ausstattungsmerkmale Kosten anfallen.<br />

Mit multiCELL steht ein einheitliches<br />

Gerät <strong>für</strong> viele unterschiedliche<br />

Anwendungen von der<br />

Analysemesstechnik bis hin zur<br />

Durchflussmessung zur Verfügung.<br />

Damit ist lediglich geringster Aufwand<br />

<strong>für</strong> Mitarbeiterschulungen,<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Lagerhaltung und Wartung<br />

unterschiedlicher Gerätetypen und<br />

Varianten nötig.<br />

Haupt-Eigenschaften der<br />

neuen Gehäusevariante:<br />

• Separate Gehäusevariante zur<br />

Montage an<br />

− Wand<br />

− Rohrleitung<br />

−<br />

Geländer<br />

• 12..36 V DC oder 110/230 V AC<br />

Ausführung der separaten<br />

Gehäusevariante<br />

• Niederstromversorgung (DC)<br />

von Sensoren und anderen<br />

Verbrauchern<br />

• Fünf M20-Kabelverschraubungen<br />

• Keinerlei außenliegende<br />

metallische Komponenten<br />

• Einfache, von der Forderseite<br />

zugängliche Steckerleisten<br />

zur Kabelmontage<br />

• Schutzart IP65 / IP67, NEMA 4x<br />

Kontakt:<br />

Bürkert Fluid Control Systems,<br />

Bürkert Werke GmbH & Co. KG,<br />

Christian-Bürkert-Straße 13–17,<br />

D-74653 Ingelfingen,<br />

Tel. (07940) 10-91 111,<br />

Fax (07940) 10-91 448,<br />

E-Mail: info@buerkert.de,<br />

www.buerkert.de<br />

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bei der UV-Desinfektion um bis zu 30 % -<br />

in kommunalen <strong>Wasser</strong>werken, bei industriellen<br />

Anwendungen oder <strong>für</strong> den häuslichen Bedarf.<br />

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Geschäftsbereich UV und Ozon<br />

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Tel: +49 5221 930-0, Fax: +49 5221 930-222<br />

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September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 913


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

Der Einsatz moderner Desinfektionsmethoden<br />

bei der <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> im System der<br />

zentralen <strong>Wasser</strong>versorgung der Stadt Budapest<br />

In der ungarischen Hauptstadt Budapest wird im <strong>Wasser</strong>werk Kmegyer, mit einer Leistung von 600 000 m³<br />

Trinkwasser pro Tag, erfolgreich <strong>die</strong> größte UV-Desinfektionsanlage <strong>für</strong> <strong>Wasser</strong> von Oberflächengewässern in<br />

der Europäischen Union betrieben. Es wurde ein effektives Multi-Barrieren-Modell der Trinkwasserdesinfektion<br />

im zentralen <strong>Wasser</strong>versorgungssystem eingeführt, wobei <strong>die</strong> Behandlung des Uferfiltrats durch Chlorung und<br />

UV-Bestrahlung kombiniert wird.<br />

Die Donau <strong>die</strong>nt als zentrale<br />

Quelle der Trinkwasserversorgung<br />

der Stadt Budapest. Das Flusswasser<br />

wird über ein System von<br />

Uferfiltrationsanlagen, <strong>die</strong> auf der<br />

Margareteninsel gelegen sind, abgeleitet.<br />

Dann gelangt es über das<br />

System des Rohwasserpumpwerks in<br />

den Sammelkanal und weiter in <strong>die</strong><br />

Hauptförderanlage. Von dort aus<br />

wird das <strong>Wasser</strong> in <strong>die</strong> Verteilungsnetze<br />

der städtischen <strong>Wasser</strong>versorgung<br />

abgegeben.<br />

Bis 2007 sah <strong>die</strong> <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong>stechnologie<br />

hauptsächlich<br />

<strong>die</strong> Filtrierung über Entwässerungssysteme<br />

der Uferfiltrationsanlagen<br />

und <strong>die</strong> Desinfektion durch<br />

Chlorung vor, und zwar mit Zuführung<br />

von Chlorgas vor den Hauptförderanlagen.<br />

Also basierte das<br />

System der zentralen Trinkwasserversorgung<br />

Budapests auf der Verwendung<br />

von <strong>Wasser</strong> aus Oberflächenwasservorkommen,<br />

<strong>die</strong> nicht<br />

vor einer möglicher Belastung mit<br />

Bild 1. Versuchsanlage auf Basis einer UV-Anlage<br />

des Typs DUV 150/21.<br />

krankheitserregenden Keimen (pathogene<br />

Bakterien, Viren, Zysten von<br />

Protozoen) geschützt sind. Durch<br />

solche Mikroorganismen können bei<br />

der Bevölkerung ernst zu nehmende<br />

Massenerkrankungen ausgelöst werden;<br />

dabei sind gerade Viren und<br />

Zysten krankheitserregender Protozoen<br />

sehr beständig gegen <strong>die</strong><br />

traditionelle Chlorung.<br />

Zugleich entwickelt sich in den<br />

Industrieländern kontinuierlich und<br />

ständig <strong>die</strong> Tendenz zu einer umfassenden<br />

Verschärfung der Forderungen<br />

in Bezug auf Nebenprodukte<br />

der Chlorung im Trinkwasser<br />

(toxische, krebserregende und erbgutverändernde<br />

halogenorganische<br />

Verbindungen), was <strong>die</strong> maximale<br />

Verringerung des Einsatzes von Chlor<br />

und chlorhaltigen Chemikalien in der<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> bedeutet.<br />

Das <strong>für</strong> <strong>die</strong> Trinkwasserversorgung<br />

der Stadt zuständige Unternehmen,<br />

Fövárosi VÌZMÜVEK Zrt., hat jahrelang<br />

nach geeigneter Desinfektionstechnologie<br />

gesucht, welche <strong>die</strong><br />

Barriere-Rolle des <strong>Wasser</strong>versorgungssystems<br />

hinsichtlich der mikrobiologischen<br />

Verunreinigungen erhöhen<br />

und zugleich <strong>die</strong> Möglichkeit des<br />

Auftretens Nebenprodukten der<br />

Chlorung im Trinkwasser, <strong>die</strong> einen<br />

negativen Einfluss auf <strong>die</strong> Gesundheit<br />

der Einwohner haben können,<br />

minimieren würden.<br />

Diesbezüglich ist <strong>die</strong> aussichtsreichste<br />

Richtung, <strong>die</strong> sich weltweit<br />

intensiv entwickelt, <strong>die</strong> Verwendung<br />

einer kombinierten Desinfektionstechnologie,<br />

bei der <strong>die</strong> Chlorung<br />

und <strong>die</strong> UV-Bestrahlung kombiniert<br />

werden. UV-Strahlung ist höchst<br />

effektiv in Bezug auf alle Arten von<br />

Mikroorganismen, insbesondere auf<br />

<strong>die</strong> chlorresistenten Keime (Viren,<br />

Lamblien-Zysten, Kryptospori<strong>die</strong>n);<br />

zugleich wird sie nicht von der Bildung<br />

der Nebenprodukte begleitet.<br />

So ermöglicht der Einsatz <strong>die</strong>ser<br />

Komplextechnologie, den garantierten<br />

Desinfektionseffekt durch <strong>die</strong><br />

UV-Strahlung zu gewährleisten, sogar<br />

bei erhöhter mikrobiologischer<br />

Belastung des <strong>Wasser</strong>s. Zugleich wird<br />

<strong>die</strong> keimtötende Wirkung in den<br />

Versorgungsnetzen durch Verwendung<br />

von Chlor in minimalen<br />

Dosierungen prolongiert.<br />

Im Jahr 2005 wurde von Experten<br />

der Firma Fövárosi VÌZMÜVEK Zrt.<br />

gemeinsam mit der technologischen<br />

Abteilung der Firma LIT ein Versuchszyklus<br />

über <strong>die</strong> Versuchsanlage<br />

durchgeführt, <strong>die</strong> aus einer Serien-<br />

UV-Anlage des Typs DUV 150/21 mit<br />

Niederdruckstrahlern besteht.<br />

Die Versuchsanlage wurde im<br />

Maschinenraum eines Rohwasserpumpwerks<br />

auf der Margareteninsel<br />

installiert. Die Anlage (Bild 1)<br />

ist in einem unterirdischen Raum<br />

platziert, wo sich auch ein Filterbrunnen<br />

und eine Pumpe befinden,<br />

100 m vom Ufer der Donau entfernt.<br />

Die Anlage wurde auf einer Bühne<br />

oberhalb des Filterbrunnens montiert<br />

und sah <strong>die</strong> Einspeisung des<br />

Uferfiltrats von der Druckleitung<br />

der Pumpe über <strong>die</strong> speziell ausgeführte<br />

Zuleitung vor.<br />

Der Bauplan der Versuchsanlage,<br />

der in Bild 2 angeführt ist, ging von<br />

der Möglichkeit der Leitung des<br />

<strong>Wasser</strong>s durch <strong>die</strong> UV-Anlage oder<br />

an <strong>die</strong>ser vorbei durch einen Bypass.<br />

September 2014<br />

914 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene | FOKUS |<br />

Bild 2. Plan der Versuchsanlage.<br />

1 – Drehschieber am Einlaufrohr; 2 – Drehschieber an der Umlaufleitung; 3 – Drehschieber<br />

am Auslaufrohr; 4 – Luftventile der UV-Desinfektionskammer; 5 – Eingangsprobenehmer;<br />

6 – allgemeines Luftventil; 7 – Ausgangsprobenehmer; 8 – Ablasshähne<br />

der UV-Desinfizierungs-Kammer; 9 – Ablasshahn der Zuleitung; 10 – Hahn <strong>für</strong> <strong>die</strong> chemische Reinigung der Anlage und der<br />

Leitungen; 11 – Be<strong>die</strong>ngerät; 12 – UV-Desinfektionsanlage; 13 – Pumpe der chemischen Reinigung<br />

In beiden Fällen wurde das <strong>Wasser</strong><br />

danach nicht ins Versorgungsnetz<br />

eingespeist, sondern durch den<br />

freien Abfluss auf <strong>die</strong> Uferfläche abgegeben.<br />

Die Förderpumpe war mit<br />

einem Frequenzumrichter ausgestattet,<br />

der Durchfluss wurde online<br />

eingegeben und gemessen.<br />

Für <strong>die</strong> Simulation einer erhöhten<br />

Ausgangsbelastung mit mikrobiologischen<br />

Verschmutzungen wurde<br />

eine Versetzung des Infiltrationswassers,<br />

das der UV-Anlage zugeführt<br />

wurde, mit dem Flusswasser, das<br />

direkt aus der Donau entnommen<br />

wurde, vorgesehen. Hierbei handelte<br />

es sich um eine Menge von 3 % des<br />

Gesamtdurchflusses. Die Zufuhr von<br />

Flusswasser wurde mit einer separaten<br />

Pumpe durchgeführt und das<br />

<strong>Wasser</strong>volumen mit einem gesonderten<br />

Durchflussmesser gemessen.<br />

Die Beimischung wurde direkt vor<br />

der Versuchsanlage vorgenommen,<br />

wo auch <strong>die</strong> Kontrolle des UV-<br />

Durchlässigkeitskoeffizienten des in<br />

<strong>die</strong> Anlage eingeleiteten Mischwassers<br />

stattfand.<br />

Die UV-Anlage wurde mit einem<br />

UV-Sensor zur Messung der UV-<br />

Strahlungsintensität, jeweils einem<br />

Probenehmer am Einlauf- und Auslaufstutzen,<br />

einem Kontrollsystem zur<br />

Überwachung des Lampen zustands<br />

und der Verschmutzung der Quarzschutzrohre<br />

sowie einer Vorrichtung<br />

Tabelle1. Effektivität der UV-Strahlungsdosierung <strong>für</strong> <strong>die</strong> Gewährleistung der<br />

normativen Qualität des desinfizierten Trinkwassers nach mikrobiologischen<br />

Kennzahlen.<br />

E.coli<br />

Gesamtanzahl der Mikroben<br />

Enterokokken<br />

Pseudomonas Aeruginosa<br />

Sporen von Sulfitred. Clostri<strong>die</strong>n<br />

0 / 250 mL<br />

< 20 / 1 mL<br />

0 / 250 mL<br />

0 / 250 mL<br />

0 / 100 mL<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> automatische Entlüftung ausgestattet.<br />

Die Laboruntersuchungen<br />

der <strong>Wasser</strong>qualität vor und nach<br />

der Desinfektion wurden vom Labor<br />

Fövárosi VÌZMÜVEK durchgeführt.<br />

Die Hauptziele der Versuche waren:<br />

••<br />

Die Ermittlung der Desinfektionseffektivität<br />

bei verschiedenen<br />

Graden der mikrobiologischen<br />

Verschmutzung.<br />

••<br />

Die Feststellung der effektiven<br />

Dosen der UV-Strahlung, bei denen<br />

<strong>die</strong> vorgeschriebene Qualität<br />

des desinfizierten Trinkwassers<br />

nach mikrobiologischen Kennzahlen<br />

(Council Directive 98/83/<br />

EC of 3 November 1998 on the<br />

quality of water intended for<br />

human consumption) gewährleistet<br />

wird (siehe Tabelle 1).<br />

••<br />

Die Ermittlung der Stabilität der<br />

UV-Desinfektion über einen längeren<br />

Zeitraum bei Schwan kungen<br />

der ursprünglichen mikrobiologischen<br />

Verschmutzungen.<br />

••<br />

Die Bestimmung der Besonderheiten<br />

der technischen Wartung<br />

von UV-Ausrüstung unter realen<br />

Bedingungen.<br />

▶ ▶<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 915


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

Tabelle 2. Kennzahlen der Qualität.<br />

Im Versuchszeitraum wurden fol gende<br />

Werte der physikalisch-chemischen<br />

Kennzahlen der Qualität des zur<br />

Desinfektion kommenden <strong>Wasser</strong>s<br />

festgestellt (siehe Tabelle 2).<br />

Der Wert des UV-Durchlässigkeitskoeffizienten<br />

schwankte während des<br />

Versuchszeitraums zwischen 86 %<br />

und 94 %.<br />

Die Effektivität der Arbeit der<br />

UV-Ausrüstung wurde nach mikrobiologischen<br />

Kennzahlen der <strong>Wasser</strong>qualität<br />

vor und nach der UV- Anlage<br />

bestimmt. Während des Versuchszeitraums<br />

wurden folgende Werte<br />

der Kennzahlen der Qualität des zur<br />

Nr. Bezeichnung Maßeinheit Wert<br />

1 2 3 4<br />

1 Trübung FNU 2,2<br />

2 Spezifische elektrische<br />

Leitfähigkeit<br />

3 Chemischer Sauerstoffbedarf<br />

4 Organischer Kohlenstoff<br />

gesamt<br />

5 Gelöster organischer<br />

Kohlenstoff<br />

µS/cm 20 ˚С 601<br />

mg/L 1,3<br />

mg/L 2,17<br />

mg/L 2,18<br />

6 Eisen mg/L 0,039<br />

7 Mangan mg/L 0,004<br />

8 Ammoniak-Ion mg/L 0,09<br />

9 Nitrite mg/L 0,03<br />

10 Nitrate mg/L 13<br />

11 Chloride mg/L 31<br />

Tabelle 3. Werte des Versuchszeitraums.<br />

Nr. Bezeichnung Maßeinheit Wert<br />

1 2 3 4<br />

1 Gesamtanzahl der<br />

Mikroben bei einer<br />

Temperatur von 22 °C<br />

2 Gesamtanzahl der<br />

Mikroben bei einer<br />

Temperatur von 37 °C<br />

KbE/mL 1200<br />

KbE/mL 8000<br />

3 Coliform KbE/100 mL 40<br />

4 Escherichia Coli KbE/100 mL 40<br />

5 Clostridium KbE/100 mL 45<br />

6 Pseudomonas Aeruginosa KbE/100 mL 19<br />

7 Fekális Enterococcus KbE/100 mL 6<br />

Desinfektion kommenden <strong>Wasser</strong>s<br />

festgestellt (siehe Tabelle 3).<br />

Die Untersuchung der <strong>Wasser</strong>desinfektion<br />

mittels UV-Strahlung<br />

wurde in einem Dosierungsbereich<br />

zwischen 40 mJ/cm² bis 100 mJ/cm²<br />

durch geführt. Dabei wurde <strong>die</strong><br />

Änderung des durch <strong>die</strong> Anlage<br />

fließenden <strong>Wasser</strong>volumens vorgenommen,<br />

das durch <strong>die</strong> UV-Anlage<br />

floss, im Bereich zwischen 40 und<br />

100 m³/Std.<br />

Auf Basis der Ergebnisse der<br />

durchgeführten Versuche kam man<br />

zu einem allgemeinen Schluss über<br />

<strong>die</strong> hohe Effektivität und Zuverlässigkeit<br />

der UV-Desinfektion, als Teil der<br />

<strong>Wasser</strong>aufbereitungstechnologie, und<br />

man erhielt einen objektiven Nachweis<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> hohe Arbeitseffizienz<br />

der UV-Ausrüstung von LIT. Für eine<br />

sichere Anwendung auf das Uferfiltrat<br />

der Donau unter den gegebenen<br />

Bedingungen wurde eine Dosierung<br />

von 60 mJ/cm² als effektiv unter den<br />

konkreten Bedingungen empfohlen.<br />

Aufgrund der Versuchsergebnisse<br />

und unter Berücksichtigung der modernen<br />

weltweiten Ten denzen zur<br />

Gewährleistung der epidemiologi -<br />

schen Sicherheit des Trinkwassers, <strong>die</strong><br />

<strong>die</strong> Anwendung des Multi-Barrieren-<br />

Prinzips in den Desinfektionsschemata<br />

implizieren, mit dem Ziel Erhöhung<br />

der Effektivität in Bezug auf<br />

chlorresistente Mikroorganismen –<br />

Viren und Zysten der pathogenen<br />

Protozoen – sowie zur Schaffung der<br />

Bedin gungen <strong>für</strong> <strong>die</strong> Verringerung<br />

des Gehalts von organischen Chlorverbindungen<br />

im Trinkwasser, wurde<br />

von Fövárosi VÌZMÜVEK Zrt. <strong>die</strong> Entscheidung<br />

getroffen, das <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong>ssystem<br />

um eine zusätzliche<br />

Stufe zu erweitern: um<br />

<strong>die</strong> UV-Desinfektion.<br />

2007 begann <strong>die</strong> Umstrukturierung<br />

der <strong>Wasser</strong>aufbereitungsanlage<br />

Kmegyer. Dabei war geplant, in <strong>die</strong><br />

bestehenden Einrichtungen moderne<br />

UV-Desinfektionsanlagen von LIT<br />

einzusetzen. Im September 2008<br />

wurde im 1. Maschinenraum <strong>die</strong><br />

erste UV-Anlage DUV-36A/120 mit<br />

einer maximalen Sollleistung von<br />

5000 m³/Std. erfolgreich in Betrieb<br />

genommen (Bild 3). Die UV-Ausrüstung<br />

wurde auf den Druckleitungen<br />

der Hauptförderanlage im bestehenden<br />

Maschinenraum 1 montiert.<br />

Nach den Ergebnissen der erfolgreichen<br />

Arbeit der ersten UV-Anlage<br />

Ende 2009 wurde <strong>die</strong> zweite UV-Anlage<br />

im Maschinenraum 2 in Betrieb<br />

genommen – ebenfalls mit einer<br />

Leistung von 5000 m³/Std. Im November<br />

2010 wurde im Maschinenraum<br />

4 eine UV-Desinfektionsstation<br />

in Betrieb genommen, <strong>die</strong> aus drei UV-<br />

Anlagen des gleichen Typs mit einer<br />

Gesamtleistung von 15 000 m³/Std.<br />

besteht. Die UV- Anlage <strong>für</strong> <strong>die</strong> Druckleitungen<br />

der Hauptförder anlage<br />

wurde im Anbau an das Gebäude<br />

der be stehenden Pumpstation implementiert<br />

(Bild 4).<br />

Für alle UV-Anlagen werden<br />

hocheffektive, leistungsstarke Amalgam-UV-Niederdruckstrahler<br />

der<br />

Firma LIT, mit langer Betriebsdauer<br />

(12 000 Stunden) und niedrigem<br />

Stromverbrauch verwendet. Ihre Verwendung<br />

ermöglichte <strong>die</strong> Sicherstellung<br />

der minimalen Maße der<br />

UV-Aus rüstung des vertikalen Typs<br />

und folglich eine minimale Größe<br />

der Desinfektionsanlagen.<br />

Im industriellen Betriebsprozess<br />

der UV-Desinfektionsanlage wurde<br />

ein Zyklus spezieller Untersuchungen<br />

durchgeführt, <strong>die</strong> auf <strong>die</strong><br />

Ermittlung der möglichen Bildung<br />

von Nebenprodukten bei einer<br />

kombinierten (aufeinanderfolgenden)<br />

Aufbereitung des <strong>Wasser</strong>s<br />

durch Chlorung und nachfolgende<br />

UV-Bestrahlung ausgerichtet waren.<br />

Als Ergebnis der Untersuchungen<br />

wurde eine vollständige Unbedenklichkeit<br />

des Trinkwassers festgestellt.<br />

Die bestehende Ausrüstung in<br />

allen Maschinenräumen der Anlage<br />

Kmegyer wird unter vollkommener<br />

Einhaltung der technologischen Vorschriften<br />

betrieben und <strong>die</strong> Qualität<br />

des Trinkwassers nach Desinfektion<br />

durch UV-Strahlung entspricht den<br />

geforderten Richtwerten <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Trinkwasserqualität nach mikrobiologischen<br />

Kennzahlen, <strong>die</strong> in der<br />

Tabelle 1 angeführt sind.<br />

September 2014<br />

916 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Dabei erlaubt <strong>die</strong> Anwendung der modernen,<br />

kombinierten <strong>Wasser</strong>desinfektionstechnologie<br />

– Chlorung und UV-Strahlung – <strong>die</strong><br />

Chlorungsgrade zu minimieren und dadurch<br />

<strong>die</strong> Risiken der Bildung von chlororganischen<br />

Verbindungen zu verringern und <strong>die</strong> Unbedenklichkeit<br />

des <strong>Wasser</strong>s zu erhöhen.<br />

Die UV-Aufbereitung ist auch in anderen<br />

Anlagen des zentralen Systems der Trinkwasserversorgung<br />

der Stadt Budapest eingeführt.<br />

Die UV-Anlagen wurden in einer Reihe<br />

von <strong>Wasser</strong>versorgungsbrunnen auf der Margareteninsel<br />

installiert, im <strong>Wasser</strong>werk Erd.<br />

Die Unterbringung der UV-Anlagen erfolgt in<br />

unterirdischen Räumen.<br />

Ferner ist <strong>die</strong> Einführung der kombinierten<br />

Multi-Barrieren-Desinfektionstechnologie in<br />

allen Hauptanlagen der Trinkwasserversorgung<br />

der Stadt, einschließlich der Vorpumpstationen,<br />

geplant.<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene | FOKUS |<br />

Schlussfolgerungen<br />

Im zentralen System der Trinkwasserversorgung<br />

von Budapest wurde ein modernes Multi-Barrieren-Desinfektionsmodell<br />

eingeführt,<br />

das <strong>die</strong> Kombination der Aufbereitung des<br />

Infiltrationswassers durch Chlorung und UV-<br />

Strahlung vorsieht. Das Schema erlaubt eine<br />

garantierte Barriere in Bezug auf chlorresistente<br />

mikrobiologische Verschmutzungen –<br />

Viren, Zysten krankheitserregender Protozoen<br />

– zu gewährleisten und den Gehalt erbgutverändernder<br />

und krebserregender organischer<br />

Chlorverbindung im Trinkwasser zu minimieren.<br />

Auf Basis des langfristigen Versuchszyklus,<br />

der an echtem Infiltrationswasser der Donau<br />

unter Verwendung einer Industrie-UV-Anlage<br />

durchgeführt wurde, wurde eine optimale, unter<br />

den konkreten gegebenen Bedingungen effektive<br />

Dosierung der UV-Strahlung von 60 mJ/cm²<br />

ausgewählt sowie eine Modifizierung der UV-<br />

Ausrüstung und der Ort ihrer Implementierung<br />

im technologischen Schema der <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

der Stadt Budapest. So ist errichtet<br />

und wird betrieben <strong>die</strong> größte in Europa UV-<br />

Desinfektionsanlage <strong>für</strong> <strong>Wasser</strong> aus einer<br />

Oberflächenquelle im Werk Kmegyer mit einer<br />

Leistung von 600 000 m³ Trinkwasser pro Tag.<br />

Die Versuchsergebnisse und <strong>die</strong> positive<br />

mehrjährige Erfahrung bei der Verwendung der<br />

komplexen Multi-Barrieren-Desinfektionstechnologie<br />

im zentralen System der Trinkwasserversorgung<br />

einer solchen Stadt wie Budapest,<br />

in Verbindung mit den bekannten weltweiten<br />

Erfahrungen auf <strong>die</strong>sem Gebiet bestätigen <strong>die</strong><br />

Möglichkeit einer breiten Anwendung der<br />

Technologie in den <strong>Wasser</strong>versorgungssystemen<br />

großer Städte und anderer Ortschaften.<br />

Kontakt:<br />

LIT UV Elektro GmbH,<br />

Mittelweg 1, D-99428 Isseroda,<br />

Tel. (03643) 48 999-0, Fax (03643) 48 999-20,<br />

E-Mail: info@lit-uv.de, www.lit-uv.de<br />

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Stark,<br />

stabil,<br />

steckbar<br />

Bild 3. Erste<br />

UV-Anlage<br />

DUV-36A/120 mit<br />

einer maximalen<br />

Sollleistung von<br />

5000 m³/Std.<br />

PLASSON Steckfittings Serie 19<br />

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der sicheren Seite sind.<br />

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erhalten Sie weitere Informationen!<br />

Bild 4. UV-Anlage<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Druckleitungen<br />

der Hauptförderanlage.<br />

PLASSON GmbH<br />

Krudenburger Weg 29<br />

46485 Wesel<br />

Telefon: (0281) 9 52 72-0<br />

Telefax: (02 81) 9 52 72-27<br />

E-Mail: info@plasson.de<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> Internet: 917 www.plasson.de


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

Krankenhausinfektionen durch bauliche Mängel<br />

Optimierte Rohrleitungshygiene senkt Infektionsrisiko<br />

Die Zahl der Erkrankungen durch<br />

erst im Krankenhaus erworbene<br />

Infektionen (sogenannte nosokomiale<br />

Infektionen) steigt seit Jahren.<br />

Neben einer Erregeraufnahme durch<br />

Kontakt mit anderen Personen oder<br />

durch kontaminierte Gegenstände<br />

spielen auch erregerhaltige Umweltme<strong>die</strong>n<br />

eine wichtige Rolle, z. B.<br />

Speisen und Getränke, aber auch<br />

<strong>Wasser</strong>. So spielt <strong>Wasser</strong> sowohl als<br />

Getränk als auch in der Körperhygiene<br />

und der Aufbereitung von<br />

Medizingeräten, z. B. Endoskopen,<br />

eine zentrale Rolle. Doch während<br />

Infektionsrisiken in den oben beschriebenen<br />

Fällen durch strenge<br />

Hygienemaßnahmen möglichst minimiert<br />

werden, gilt <strong>die</strong>s nicht <strong>für</strong> das<br />

im Krankenhaus zur Versorgung der<br />

Patienten verwendete Trinkwasser.<br />

Dies wird in den seltensten Fällen<br />

aufbereitet, sondern stammt in den<br />

meisten Fällen aus der Leitung.<br />

Seccua GmbH empfiehlt den Einbau<br />

von Membranfiltrationsanlagen am<br />

Eingang des Stadtwassers in <strong>die</strong><br />

Gebäude, was einen vollständigen<br />

Schutz vor Keimen, Krankheitserregern<br />

und Trübstoffen aus dem<br />

Stadtnetz sicherstellt.<br />

Nosokomiale, d. h. erst im Krankenhaus<br />

erworbene Infektionen treten<br />

in Europa laut Zahlen des bayerischen<br />

Landesamts <strong>für</strong> Gesundheit<br />

und Lebensmittelsicherheit durchschnittlich<br />

in einer Häufigkeit von<br />

3–10 % auf. Von hundert Patienten,<br />

<strong>die</strong> in einem Krankenhaus behandelt<br />

werden, erkranken heute also –<br />

in unterschiedlicher Schwere – zwischen<br />

drei und zehn Patienten erst<br />

im Krankenhaus. Diese Fallzahlen<br />

steigen langfristig eher noch an,<br />

denn durch immer mehr invasive<br />

therapeutische und diagnostische<br />

Verfahren erhöht sich auch das<br />

Infektionsrisiko. Zudem werden<br />

Patienten immer älter und leben<br />

länger mit reduzierten Abwehrmechanismen.<br />

Ziel der Krankenhaushygieniker<br />

wie des gesamten klinischen Personals<br />

muss es sein, nicht nur in<br />

Hochrisikobereichen, wie Intensivpflegestationen,<br />

Transplantationseinheiten<br />

oder Neugeborenenintensivstationen,<br />

in denen vermehrt Personen<br />

mit geschädigtem Immunsystem<br />

behandelt werden, sämtliche äußerliche<br />

Faktoren so zu beeinflussen,<br />

dass das Auftreten von Infektionen<br />

vermieden werden kann. Dazu zählt<br />

neben der strengen Einhaltung von<br />

Hygienerichtlinien und der laufenden<br />

Schulung des Personals <strong>die</strong><br />

Erfassung und Dokumentation aller<br />

Krankenhausinfektionen, <strong>die</strong> Kontrolle<br />

des Antibiotikaeinsatzes sowie<br />

<strong>die</strong> Schaffung eines optimalen baulich-funktionellen<br />

Umfeldes. Doch<br />

hier gibt es in vielen Krankenhäusern<br />

einen entscheidenden Mangel, der<br />

meist übersehen wird: das <strong>Wasser</strong>leitungssystem<br />

des Gebäudes.<br />

Trinkwasserkeime als potenzielles<br />

Gesundheitsrisiko?<br />

In Deutschland wird <strong>die</strong> Versorgung<br />

mit Trinkwasser in einwandfreier<br />

Qualität als selbstverständlich vorausgesetzt,<br />

aus jedem <strong>Wasser</strong>hahn<br />

kommt vermeintlich Trinkwasser, das<br />

unbesorgt zum Trinken, Kochen oder<br />

auch zur Körperpflege und -reinigung<br />

eingesetzt werden kann. Neben den<br />

<strong>Wasser</strong>versorgungs unternehmen<br />

sind <strong>die</strong> Immobilienträger <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

einwandfreie Qualität verantwortlich.<br />

Doch hier ist Vorsicht geboten.<br />

Die meisten Städte haben ein<br />

sehr altes, organisch gewachsenes<br />

und damit weit verzweigtes Leitungsnetz<br />

<strong>für</strong> ihre Trinkwasserversorgung,<br />

in welchem sich, begünstigt durch<br />

Totleitungen und Stagnationszeiten,<br />

über Jahrzehnte hinweg enorme<br />

Ablagerungen und ausgeprägte<br />

Biofilme bilden konnten. Keime im<br />

Trinkwasser, <strong>die</strong> in erster Linie aus<br />

den natürlichen <strong>Wasser</strong>gewinnungen<br />

stammen, finden hier ideale Voraussetzungen<br />

und ausreichend<br />

vorhandene Nährstoffe <strong>für</strong> eine<br />

sprunghafte Vermehrung. Neben<br />

Nitrat, Phosphat und natürlichen<br />

organischen Kohlenstoffverbindungen<br />

sowie Schlamm- und Rostpartikeln<br />

zählen vor allem auch <strong>die</strong><br />

Mikroorganismen selbst zu den<br />

Nährstoffen, <strong>die</strong> mit dem Kaltwasser<br />

in <strong>die</strong> Hausinstallation gelangen.<br />

Moderne Messmethoden wie<br />

<strong>die</strong> Durchflusszytometrie zeigen,<br />

dass Trinkwasser grundsätzlich sehr<br />

hohe Keimfrachten aus dem öffentlichen<br />

Leitungsnetz in <strong>die</strong> Gebäude<br />

einspült. Mit <strong>die</strong>ser Keimfracht gelangen<br />

auch Krankheitserreger, wie<br />

Legionellen und Pseudomonaden,<br />

aber auch Einzeller wie Amöben ins<br />

Leitungsnetz des Krankenhauses.<br />

Stu<strong>die</strong>n der Eidgenössischen Technischen<br />

Hochschule in Zürich zeigen,<br />

dass typischerweise zwischen<br />

zehntausend und zweihunderttausend<br />

Keime mit einem Milliliter<br />

Trinkwasser aus den Stadtnetzen in<br />

<strong>die</strong> Leitungsnetze von Gebäuden<br />

eingespült werden. Jede Stunde<br />

gelangen also mehrere Milliarden<br />

Mikroorganismen sowie Nährstoffe<br />

in <strong>die</strong> Hausinstallation des Krankenhauses.<br />

Diese Kombination aus<br />

Mikroorganismen und Nährstoffen<br />

ist Grundlage <strong>für</strong> <strong>die</strong> Biofilmbildung<br />

sowie <strong>für</strong> <strong>die</strong> Versorgung des bereits<br />

bestehenden Biofilms.<br />

Biofilm, der in nahezu jeder <strong>Wasser</strong>leitung<br />

existiert, schwächt <strong>die</strong> Wirksamkeit<br />

herkömmlicher thermischer<br />

oder chemischer Desinfektionsverfahren<br />

stark ab und macht <strong>die</strong>se nur<br />

sehr begrenzt wirksam. Ein ausgeprägter<br />

Biofilm bietet eingeschwemmten<br />

Krankheitserregern, wie beispielsweise<br />

Pseudomonaden, optimalen<br />

Schutz. Zum anderen ist er Lebensraum<br />

<strong>für</strong> Keime wie Legionellen, welche<br />

in geringen Konzentrationen zwar<br />

harmlos sind, doch im Biofilm zu <strong>für</strong><br />

den Menschen gefährlichen Konzentrationen<br />

heranwachsen können.<br />

September 2014<br />

918 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Um <strong>die</strong> Trinkwasserhygiene langfristig zu<br />

schützen und erhöhte Keimzahlen im Trinkwasser<br />

zu vermeiden, gilt es also, den Biofilm<br />

selbst zu vermeiden bzw. zu begrenzen.<br />

Hierbei leistet <strong>die</strong> Ultra filtrationstechnologie<br />

von Seccua einen wertvollen Beitrag.<br />

Ultrafiltration minimiert Infektionsrisiko<br />

durch Trinkwasserkeime<br />

Die Seccua Ultrafiltration an der Eintrittsstelle<br />

des Trinkwassers ins Gebäude <strong>die</strong>nt sowohl<br />

als Schutz vor dem Eintrag möglicher Krankheitserreger,<br />

als auch zur Reduktion des bestehenden<br />

Biofilms. Generell wird so durch <strong>die</strong><br />

Entfernung aller Mikroorganismen am Hauswasser<br />

eingang <strong>die</strong> Neuverkeimung vermieden<br />

und das Wiederverkeimungspoten zial im<br />

gesamten Leitungs system drastisch reduziert.<br />

Die Erfahrung zeigt, dass selbst kon taminierte<br />

Systeme sich auf <strong>die</strong>se Weise wieder erholen<br />

und dann vor allem dauerhaft abgesichert sind.<br />

Seccua Ultrafiltration entfernt Krankheitserreger<br />

und Partikel ohne Bestrahlung oder<br />

den Einsatz von Chemikalien und Desinfektionsmitteln.<br />

In umfangreichen Rückhaltetests hat<br />

<strong>die</strong> Ultrafiltrationstech nologie ihre Zuverlässigkeit<br />

bei der Entfernung von Krankheitserregern<br />

bewiesen: mehr als 99,99 % aller Viren und<br />

mehr als 99,9999 % aller Bak terien und Parasiten<br />

sowie Trübungen und Rotfärbungen<br />

werden durch das Ultrafiltra tionsverfahren in<br />

einem einzigen Schritt aus dem <strong>Wasser</strong> entfernt,<br />

sodass es hinterher in mikrobakteriell<br />

einwandfreiem Zustand ist. Da es sich um<br />

einen ste rischen Filtrations prozess handelt,<br />

bleibt das chemische Gleichgewicht des <strong>Wasser</strong>s<br />

erhalten und wirkt somit nicht korrosiv.<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene | FOKUS |<br />

Vollautomatischer Membranintegritätstest<br />

Das Unternehmen bietet als einziger Hersteller<br />

einen patentierten vollautomatischen<br />

Membranintegritätstest <strong>für</strong> seine Filteranlagen.<br />

Dieser Integritätstest prüft <strong>die</strong> Membran filter<br />

regelmäßig selbsttätig auf Beschädigungen<br />

von bis zu 0,8 Millimeter Lochgröße. Tritt ein<br />

Membrandefekt auf, der groß genug wäre, um<br />

einzelne Keime passieren zu lassen, wird <strong>die</strong><br />

Anlage automatisch gestoppt, der Betreiber<br />

über Mobilfunk benachrichtigt oder Alarm an<br />

eine bestehende Leitstelle ausgegeben. So ist<br />

eine dauerhafte Sicherheit gewährleistet, <strong>die</strong><br />

herkömm liche Verfahren wie beispielweise UV-<br />

Bestrahlung oder Chlorierung weit übertrifft.<br />

„Gerade hinsichtlich der Problematik nosokomialer<br />

Infektionen sollte <strong>die</strong> Trinkwasserhygiene<br />

in einem Krankenhaus grundsätzlich<br />

zu jedem Zeitpunkt vollständig gesichert<br />

sein“, mahnt Michael Hank, Gründer und Geschäftsführer<br />

der Seccua GmbH in Steingaden/Oberbayern.<br />

„Es reicht nicht, sich auf<br />

<strong>die</strong> vermeintlich einwandfreie Qualität des<br />

Trinkwassers aus dem Leitungsnetz der Gemeinde<br />

zu verlassen. Lösungen von Seccua<br />

sind schnell und einfach umzusetzen. Sie<br />

gewährleisten einen wirkungsvollen Schutz vor<br />

dem Eintrag von Keimen und Mikroorganismen<br />

aus dem öffentlichen Leitungsnetz.“<br />

Kontakt:<br />

Seccua GmbH,<br />

Michael Hank,<br />

Krummbachstraße 8, D-86989 Steingaden,<br />

Tel. (08862) 91172-0, E-Mail: info@seccua.de,<br />

www.seccua.de<br />

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PLASSON Klemmfittings<br />

Serie 18<br />

Eine Produktrange, <strong>die</strong> wir<br />

ständig weiterentwickeln.<br />

Gas, <strong>Wasser</strong>,<br />

Fernwärme, <strong>Abwasser</strong>,<br />

Dampf, Strom<br />

Vollständige Funktionalität unter<br />

WINDOWS, Projektverwaltung,<br />

Hintergrundbilder (DXF, BMP, TIF, etc.),<br />

Datenübernahme (ODBC, SQL), Online-<br />

Hilfe, umfangreiche GIS-/CAD-<br />

Schnittstellen, Online-Karten aus Internet.<br />

Stationäre und dynamische Simulation,<br />

Topologieprüfung (Teilnetze),<br />

Abnahmeverteilung aus der Jahresverbrauchsabrechnung,<br />

Mischung von<br />

Inhaltsstoffen, Verbrauchsprognose,<br />

Feuerlöschmengen, Fernwärme mit<br />

Schwachlast und Kondensation,<br />

Durchmesseroptimierung, Höheninterpolation,<br />

Speicherung von<br />

Rechenfällen<br />

I NGE N I E U R B Ü R O FIS C H E R — U H R I G<br />

WÜRTTEMBERGALLEE 27 14052 BERLIN<br />

TELEFON: 030 — 300 993 90 FAX: 030 — 30 82 42 12<br />

INTERNET: WWW.STAFU.DE<br />

PLASSON GmbH<br />

Krudenburger Weg 29<br />

46485 Wesel<br />

Telefon: (0281) 9 52 72-0<br />

Telefax: (02 81) 9 52 72-27<br />

E-Mail: info@plasson.de<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> Internet: 919 www.plasson.de


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

Qualitätskontrolle durch den PAMAS WaterViewer<br />

Der Partikelzähler PAMAS Water-<br />

Viewer ist ein Online-Partikelanalysesystem<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> kontinuierliche<br />

Qualitätskontrolle von <strong>Wasser</strong>.<br />

Das System kann <strong>für</strong> den Dauereinsatz<br />

an mehreren Messpunkten ausgelegt<br />

werden. Mit der optionalen<br />

Multiplexer-Einheit kann das Gerät<br />

an bis zu 32 Messstellen angeschlossen<br />

werden. Der PAMAS<br />

WaterViewer ist zudem mit der<br />

automatischen Sensorspüleinheit<br />

PAMAS SFU (Sensor Flushing Unit)<br />

ausgerüstet, <strong>die</strong> chemische Ablagerungen<br />

(beispielsweise aus Mangan,<br />

Kalk oder Eisen) an den optischen<br />

Fenstern der Sensormesszelle verhindert,<br />

sodass der Laserstrahl nicht<br />

zu stark abgeschwächt wird. Auf<br />

<strong>die</strong>se Weise wird das Gerät ständig<br />

betriebsbereit gehalten, und das<br />

ohne zusätzlichen Personalaufwand.<br />

Die im Lieferumfang enthaltene<br />

Software programmiert den Messvorgang<br />

vor und ermöglicht <strong>die</strong><br />

Auswertung der Messdaten. So werden<br />

zeitliche Ereignisse und Trends<br />

der Partikelgrößenverteilung in der<br />

Probenflüssigkeit im Handumdrehen<br />

sichtbar. Der PAMAS WaterViewer<br />

funktioniert im Onlinebetrieb auch<br />

ohne PC und Software. Der Download<br />

der Messdaten kann auch nach<br />

der Messung über eine Plug- and-Play-<br />

Schnittstelle erfolgen. Der PAMAS<br />

WaterViewer kann auch digi tale<br />

Daten von anderen Sensoren ablesen<br />

und <strong>die</strong>se per Analogsignal an eine<br />

externe SPS (Speicherprogrammierbare<br />

Steuerung) übertragen. Der<br />

PAMAS WaterViewer kann auch<br />

bi-direktional über eine Modbus-<br />

Schnittstelle gesteuert werden.<br />

Turbidimeter vs. Partikelzähler<br />

Oftmals wird nach dem Unterschied<br />

zwischen dem Trübungsgrad und<br />

der Partikelanzahl gefragt. Der<br />

Trübungsgrad ist eine optische<br />

Messgröße, bei der das Messsignal<br />

von der Gesamtheit der enthaltenen<br />

Partikel abhängt. In vielen Anwendungen<br />

ist nachgewiesen worden,<br />

dass <strong>die</strong> Partikelzählung ein vielschichtigeres<br />

und differenzierteres<br />

Ergebnis bietet als <strong>die</strong> Trübungsmessung:<br />

Bei der optischen Partikelzählung<br />

hängt das Messsignal nicht<br />

von der Gesamtheit, sondern von<br />

jedem einzelnen Partikel ab, weil<br />

jeder einzelne Partikel der Partikelpopulation<br />

gezählt und ausgemessen<br />

wird.<br />

Ermittlung des Beta-Wertes<br />

mit der PAMAS WVBeta-<br />

Software<br />

Eine weitere besondere Anwendung<br />

ist <strong>die</strong> Ermittlung des Beta-Wertes:<br />

Hier<strong>für</strong> werden zwei PAMAS Water-<br />

Viewer mit der PAMAS WVBeta-<br />

Software verbunden. Die Ermittlung<br />

des Beta-Wertes gewinnt in Anlagen<br />

zur Trinkwasserfiltration mehr<br />

und mehr an Bedeutung. So gibt<br />

es Anwendungsbeispiele <strong>für</strong> den<br />

Einsatz von PAMAS WaterViewer-<br />

Systemen, <strong>die</strong> <strong>die</strong> logarithmische<br />

Reduktion von Partikeln auf Membranfiltern<br />

nachweisen.<br />

Wo hat sich der Einsatz des<br />

PAMAS WaterViewer bewährt? Wer<br />

setzt das Gerät tatsächlich ein?<br />

Alle beschriebenen Beispiele aus<br />

den Jahren 2004 bis 2012 sind<br />

von Anwendern in der Praxis erprobt<br />

und getestet worden. Der<br />

Einsatz des PAMAS WaterViewers<br />

hat sich in den folgenden Fällen<br />

bewährt:<br />

Der PAMAS WaterViewer <strong>für</strong> <strong>die</strong> Onlinemessung<br />

von <strong>Wasser</strong>.<br />

PAMAS WaterViewer mit Multiplexer.<br />

September 2014<br />

920 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene | FOKUS |<br />

Praktische Anwendungsbeispiele<br />

Ahlstrom Glassfibre Oy,<br />

Karhula/Finnland<br />

PAMAS WaterViewer in einer<br />

Filtrationsanlage <strong>für</strong> Industriewasser<br />

in Finnland<br />

Bei der Filtrierung von Industriewasser<br />

erwies sich der Einsatz des<br />

PAMAS WaterViewer als vorteilhaft:<br />

Die Angabe der Partikelkonzentration<br />

in den verschiedenen Größenklassen<br />

ermöglichte in <strong>die</strong>sem Fall<br />

<strong>die</strong> automatische Unterscheidung<br />

zwischen Rückstau und Normalbetrieb.<br />

Als Dauerläufer <strong>für</strong> <strong>die</strong> Filtrationsüberwachung<br />

trug der Einsatz<br />

des PAMAS WaterViewer beim<br />

Einsatz in der finnischen Filtrationsanlage<br />

auch dazu bei, Abläufe zu<br />

opti mieren und Energie, Zeit und<br />

Geld einzusparen.<br />

[Referenz: Ahlstrom Glassfibre Oy, Plant<br />

Services, Karhula/Finnland. Cf. Poster von<br />

Dr. Henry Jenderek und Franz Ganster: Particle<br />

Counting after Membranes. Das Poster<br />

wurde am 27.11.2008 auf dem 21. Aachener<br />

Kolloquium <strong>für</strong> Abfallwirtschaft<br />

vorgestellt.]<br />

Electrabel GDF Suez,<br />

Tihange/Belgien<br />

Partikelmessung <strong>für</strong> <strong>die</strong> Filterkontrolle<br />

bei der Stromerzeugung<br />

Der belgische Stromproduzent Electrabel<br />

GDF Suez verwendet den<br />

PAMAS WaterViewer <strong>für</strong> <strong>die</strong> Filterkontrolle<br />

im zweiten Kühlwasserkreislauf<br />

der Atomkraftanlage von<br />

Tihange 3 in Belgien.<br />

[Referenz: Electrabel GDF Suez, Tihange/<br />

Belgien]<br />

Fachklinik Bad Bentheim,<br />

Deutschland<br />

PAMAS WaterViewer als<br />

Nachweisinstrument bei der<br />

Schwimmbadwasseraufbereitung<br />

in Deutschland<br />

Mithilfe des Partikelzählers PAMAS<br />

WaterViewer konnten drei Ingenieure<br />

von der Paul Niederberghaus &<br />

Partner GmbH in Ibbenbüren, vom<br />

Rheinisch-Westfälischen Institut <strong>für</strong><br />

<strong>Wasser</strong>forschung (IWW) in Mülheim<br />

an der Ruhr sowie vom Ingenieurbüro<br />

<strong>für</strong> <strong>Wasser</strong>technik (IWT) in<br />

Hannover nachweisen, dass <strong>die</strong> Filtrationsgeschwindigkeit<br />

von 30 m/h<br />

im Schwimmbad einer Klinik in<br />

Bad Bentheim ausreicht, um das<br />

Schwimmbadwasser zu filtrieren<br />

und aufzubereiten.<br />

Der Untersuchung war eine<br />

Änderung der Verordnungen <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Aufbereitung von Schwimm- und<br />

Badebeckenwasser vorausgegangen.<br />

Die Verordnungen zwangen den<br />

Bäderbetrieb, <strong>die</strong> Filtrationsgeschwindigkeit<br />

auf 20 m/h herabzusenken.<br />

Grund <strong>für</strong> <strong>die</strong> Änderung der<br />

Rahmenbedingungen war <strong>die</strong> Annahme,<br />

dass <strong>die</strong> Partikelabscheidung<br />

bei einer beschleunigten<br />

Filtration zu gering sei und das<br />

Schwimmbadwasser folglich nicht<br />

ausreichend filtriert werden würde.<br />

Die Herabsetzung der Geschwindigkeit<br />

hätte <strong>für</strong> den Betrieb jedoch zu<br />

erheblichen finanziellen Nachteilen<br />

geführt. Um <strong>die</strong> Notwendigkeit der<br />

verminderten Filtrationsgeschwindigkeit<br />

zu überprüfen, war <strong>die</strong><br />

Stu<strong>die</strong> in Auftrag gegeben worden.<br />

Im Test zeigte sich, dass eine Filtrationsgeschwindigkeit<br />

von 30 m/h<br />

ausreicht, um das Schwimmbadwasser<br />

zu filtrieren. Eine Herabsetzung<br />

der Geschwindigkeit auf<br />

20 m/h erwies sich als nicht notwendig.<br />

Die Messergebnisse des<br />

PAMAS WaterViewer bescheinigten<br />

eine gute Filtratqualität. Nach der<br />

Filtration betrug der durchschnittliche<br />

Messwert 50 Partikel/mL <strong>für</strong><br />

Partikelgrößen > 1 µm. Der Partikelzähler<br />

von PAMAS trug somit wesentlich<br />

zu einer Kostenreduzierung<br />

des Schwimmbadbetriebs bei.<br />

[Referenz: Fachklinik Bad Bentheim. Cf. Forschungsbericht<br />

von Dipl.-Ing. Bernhard<br />

Bergjan, Dr.-Ing. Andreas Nahrstedt und<br />

Dipl.-Ing. Gerhard Willert: „Partikelzählung<br />

als Nachweisinstrument der Verfahrenseffektivität“.<br />

Erschienen in: A.B. Archiv des<br />

Badewesens, Ausgabe 3/2008, März 2008,<br />

S. 130–141]<br />

Het Waterlaboratorium<br />

(HWL), Haarlem/Niederlande<br />

Selbst-Reinigungseffekte und<br />

Desinfizierungsvermögen von<br />

Feuchtbiotopen<br />

Im Auftrag der niederländischen<br />

<strong>Wasser</strong>werke Waternet untersuchte<br />

das Labor HWL <strong>die</strong> Abnahme von<br />

Krankheitserregern in künstlich angelegten<br />

Feuchtbiotopen. Mithilfe<br />

des PAMAS WaterViewers stellte das<br />

Labor fest, dass der Partikelgehalt<br />

im <strong>Wasser</strong> mit der Zeit abnimmt.<br />

Durch Faktoren wie Sedimentierung,<br />

natürliches Absterben, UV-Desinfizierung<br />

infolge von Sonneneinstrahlung<br />

sowie durch <strong>die</strong> Bildung von<br />

Biofilmen sind Feuchtbiotope in der<br />

Lage, ihre <strong>Wasser</strong>speicher selbst zu<br />

reinigen. Der PAMAS WaterViewer<br />

war <strong>für</strong> <strong>die</strong>se spezielle Anwendung<br />

mit dem Lichtabschattungssensor<br />

PAMAS HCB-LD-100 ausgestattet<br />

worden. Gemessen wurden Partikelgrößen<br />

von 2 bis 500 µm.<br />

[Referenz: Bram T. M. Mulling / Yolanda<br />

Dullemont / Daan Mes / Anne de Valença /<br />

Ron van der Oost: “Factors determining the<br />

disinfection capacity of constructed wetlands”.<br />

Published in: Foekema E. M. (Editor):<br />

De invloed van moerassystemen op de<br />

milieukwaliteit van rwzi effluent en aanbevelingen<br />

tot optimalisering. IMARES rapport<br />

C005/12 (rapportage bestaat uit een<br />

samenvattend rapport met losse bijlagen<br />

A en B), 2012.]<br />

Polska Grupa Energetyczna<br />

(PGE) in Belchatow, Polen<br />

Einsatz eines PAMAS WaterViewer<br />

bei der Stromerzeugung<br />

Die Firma PGE ist der größte Stromproduzent<br />

in Polen und betreibt in<br />

Belchatow das größte Wärmekraftwerk<br />

Europas. In den Turbinen des<br />

Kraftwerks wird Heißdampf zur<br />

Stromgewinnung eingesetzt. Für den<br />

Heißdampf muss äußerst reines, gefiltertes<br />

<strong>Wasser</strong> verwendet werden,<br />

das möglichst partikelfrei ist. Für <strong>die</strong><br />

Reinheitskontrolle des <strong>Wasser</strong>s sind<br />

bei PGE seit 2008 sechs Geräte des<br />

PAMAS WaterViewer im Einsatz.<br />

[Referenz: Polska Grupa Energetyczna<br />

(PGE), Belchatow, Polen]<br />

▶ ▶<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 921


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

PWN Water Company North-<br />

Holland in den Niederlanden<br />

Ermittlung des optimalen Aufbaus<br />

von <strong>Wasser</strong>leitungssystemen<br />

Im Auftrag der niederländischen<br />

<strong>Wasser</strong>werke PWN untersuchte Loet<br />

Rosenthal <strong>die</strong> Anforderungen an den<br />

Rohrbau von <strong>Wasser</strong>leitungssystemen.<br />

Mithilfe des PAMAS WaterViewer<br />

führte Rosenthal Messungen in<br />

Rohrsystemen mit unterschiedlichem<br />

Durchmesser durch. Seine<br />

Untersuchungen führten zu der Erkenntnis,<br />

dass sich in schmaleren<br />

Rohren generell weniger Partikel<br />

ablagern als in breiteren Rohren.<br />

Wenn schmale Rohre ausgespült<br />

werden, ist <strong>die</strong> Partikelmenge der<br />

Spülflüssigkeit geringer als in<br />

breiteren Rohren. Loet Rosenthal<br />

leitete aus <strong>die</strong>ser Erkenntnis ab,<br />

dass Rohrleitungen mit einem kleineren<br />

Durchmesser einen selbstreinigenden<br />

Effekt haben. Für <strong>Wasser</strong>leitungssysteme<br />

sind Rohrleitungen<br />

mit kleinerem Durchmesser somit<br />

am besten geeignet.<br />

[Referenz: Loet Rosenthal: „Distribution<br />

network design at PWN Water Company<br />

North-Holland“. Erschienen in: Compendium<br />

of Best Practices in Water Infrastructure<br />

Asset Management, Compiled and edited<br />

by Jay Bhagwan, Global Water Research<br />

Coalition, November 2009, S. 30–34.]<br />

Sam Bo Scientific Co. Ltd.,<br />

Seoul/Südkorea<br />

PAMAS WaterViewer in einer<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong>sanlage<br />

in Südkorea<br />

Die Online-Instrumente PAMAS<br />

FSA-2002 und PAMAS WaterViewer<br />

werden in Südkorea von vielen Trinkwasserherstellern<br />

verwendet. Während<br />

der PAMAS FSA-2002 der Überprüfung<br />

der Flockungsgröße in Flockungsbecken<br />

<strong>die</strong>nt, wird der PAMAS<br />

WaterViewer zur Kontrolle der verschiedenen<br />

Filterarten eingesetzt.<br />

[Referenz: Kunde der koreanischen PAMAS-<br />

Vertretung Sam Bo Scientific Co. Ltd.,<br />

Seoul/Südkorea.<br />

Cf. Forschungsbericht von Mooyoung Han,<br />

J. S. Shim, Y. K. Chung und Y. H. Park: Diagnosing<br />

and optimizing water treatment<br />

processes by using Particle Counter – A case<br />

study in Korea, Water Science & Technology,<br />

Ausgabe 2/2002, Band 45(4–5), S. 511–518.<br />

Cf. Poster von Dr. Henry Jenderek und Paul<br />

Pollmann: Particle Counting after Rapid<br />

Sand Filters. Das Poster wurde vom 13. bis<br />

15. Juni 2005 auf der zweiten WEKNOW<br />

Konferenz in Bratislava in der Slowakei<br />

präsentiert.]<br />

SFC Umwelttechnik GmbH,<br />

Salzburg/Österreich<br />

PAMAS WaterViewer in einer<br />

Kläranlage in Österreich<br />

Während einer sechswöchigen Testphase<br />

wurde der PAMAS WaterViewer<br />

im Jahr 2008 eingesetzt, um den<br />

Membranfilter einer Kläranlage in<br />

Österreich permanent zu überwachen.<br />

Der PAMAS WaterViewer<br />

lieferte aufschlussreiche Informationen<br />

zum Filtrationsprozess. Die<br />

automatisierte Sensorreinigung sorgte<br />

<strong>für</strong> einen ununterbrochenen Systemablauf<br />

– auch im Falle von Bestandteilen<br />

wie Eisenoxid, Manganoxid<br />

oder Mikroorganismen, deren<br />

Auftreten normalerweise zu einer<br />

Verschmutzung des Sensors und<br />

damit zu einem Ausfall des Systems<br />

führt. Bei <strong>die</strong>ser Anwendung wurde<br />

der PAMAS WaterViewer als Prüfeinheit<br />

zur Integritätskontrolle eingesetzt,<br />

um eine gleichbleibende<br />

<strong>Wasser</strong>qualität und eine lückenlose<br />

Qualitätssicherung zu gewährleisten.<br />

[Referenz: SFC Umwelttechnik GmbH, Salzburg/Österreich<br />

Cf. Poster von Dr. Henry Jenderek und<br />

Franz Ganster: Particle Counting after<br />

Membranes. Das Poster wurde am<br />

27.11.2008 auf dem 21. Aachener Kolloquium<br />

<strong>für</strong> Abfallwirtschaft vorgestellt.]<br />

KTL Kansanterveyslaitos<br />

(finnisches Gesundheitsministerium)<br />

Finnische Stu<strong>die</strong>n zur Partikelanalyse<br />

bakterieller Verschmutzung<br />

in <strong>Wasser</strong><br />

a) Partikelanalyse bei unterschiedlicher<br />

Fließgeschwindigkeit<br />

Im Jahr 2006 untersuchte eine<br />

Forschungsgruppe des finnischen<br />

Gesundheitsministeriums in Zusammenarbeit<br />

mit der Universität<br />

von Kuopio/Finnland <strong>die</strong> Auswirkung<br />

einer veränderten Fließgeschwindigkeit<br />

auf <strong>die</strong> Bildung von Bakterien<br />

und Biofilmen in <strong>Wasser</strong>-Rohrleitungen.<br />

Hier<strong>für</strong> wurde das Spülwasser<br />

nach der Rohrreinigung analysiert.<br />

Als Messinstrument <strong>für</strong> <strong>die</strong> Stu<strong>die</strong><br />

<strong>die</strong>nte ein PAMAS WaterViewer.<br />

Der Partikelzähler analysierte <strong>die</strong><br />

Partikelkonzentration (d. h. <strong>die</strong> Partikelanzahl<br />

pro Milliliter) und <strong>die</strong><br />

Partikelgrößenverteilung. Der Partikelgehalt<br />

wurde im Versuch mit<br />

der Bakterienmenge gleichgesetzt.<br />

Zur Versuchsanordnung: In drei<br />

Onlinemessungen wurde jeweils <strong>die</strong><br />

Partikelanzahl pro Milliliter bei drei<br />

unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten<br />

im <strong>Wasser</strong>rohr (bei 0,4 L/min,<br />

bei 0,8 L/min und bei 1,3 L/min)<br />

analysiert.<br />

Die Messwerte des PAMAS Water-<br />

Viewer ergaben, dass das Spülwasser<br />

bei einer höheren Fließgeschwindigkeit<br />

mehr Partikel, und<br />

somit mehr Bakterien enthält. Die<br />

Forschungsgruppe begründete <strong>die</strong>ses<br />

Ergebnis mit der Annahme, dass<br />

<strong>die</strong> Rohre bei einer schnellen Spülung<br />

gründlicher gereinigt werden<br />

als bei einer Spülung mit langsam<br />

fließendem Spülwasser.<br />

[Referenz: Markku J. Lehtola / Michaela<br />

Laxander / Ilkka T. Miettinen / Arja Hirvonen<br />

/ Terttu Vartiainen / Pertti J. Martikainen:<br />

“The Effects of Changing Water Flow<br />

Velocity on the Formation of Bio-films and<br />

Water Quality in Pilot Distribution Systems<br />

Consisting of Copper or Polyethelene Pipes”.<br />

Erschienen in: Water Research Magazine,<br />

Band 40, Elsevier Publications, 2006, S.<br />

2151–2160.]<br />

b) Partikelanalyse bei plötzlicher<br />

Druckveränderung<br />

Ein Jahr später widmete sich <strong>die</strong>selbe<br />

Forschungsgruppe einer ähnlichen<br />

Stu<strong>die</strong> und zog <strong>für</strong> <strong>die</strong> Messung<br />

ebenfalls den PAMAS Water-<br />

Viewer heran. Diesmal wurde <strong>die</strong><br />

Einwirkung einer plötzlichen Druckveränderung<br />

(pressure shock) auf<br />

<strong>die</strong> Bakterienmenge im <strong>Wasser</strong> untersucht.<br />

In Trinkwasserrohren sammeln<br />

sich Bakterien oft in Biofilmen, <strong>die</strong><br />

sich an den Rohrwänden ablagern.<br />

Eine plötzliche Druckveränderung<br />

führt dazu, dass sich <strong>die</strong> Biofilme<br />

auflösen und dadurch mehr Partikel<br />

ins Trinkwasser gelangen. Bei <strong>die</strong>sen<br />

Partikeln handelt es sich nicht<br />

nur um Bakterien, sondern auch um<br />

Eisen- und Kupferpartikel der Rohre.<br />

September 2014<br />

922 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene | FOKUS |<br />

Ziel der Stu<strong>die</strong> war es, <strong>die</strong> Partikelkonzentration<br />

vor und nach der<br />

Druckveränderung zu messen und<br />

zu vergleichen. Zur Versuchsanordnung:<br />

In unterschiedlichen Zeitintervallen<br />

wurde der Druck auf<br />

das <strong>Wasser</strong> abrupt verändert. Die<br />

Messwerte des PAMAS WaterViewer<br />

zeigten auch hier, dass eine plötzliche<br />

Druckveränderung (pressure<br />

shock) stets zu einem Anstieg der<br />

<strong>Wasser</strong>verschmutzung (d. h. der<br />

Partikelanzahl pro Milliliter) führt.<br />

Der Online-Partikelzähler PAMAS<br />

WaterViewer erwies sich auch bei<br />

<strong>die</strong>ser Stu<strong>die</strong> als zuverlässiges und<br />

präzises Messinstrument, das auch<br />

effizient <strong>für</strong> Forschungszwecke eingesetzt<br />

werden kann.<br />

[Referenz: Markku J. Lehtola / Ilkka T. Miettinen<br />

/ Arja Hirvonen / Terttu Vartiainen /<br />

Pertti J. Martikainen: Resuspension of<br />

biofilms and sediments to water from<br />

pipelines as a result of pressure shocks in<br />

drinking water distribution systems. Study<br />

Paper (Project No. 40407/04) published by<br />

the National Technology Agency of Finland,<br />

2007.]<br />

KWR Watercycle Research<br />

Institute, Nieuwegein<br />

PAMAS WaterViewer als<br />

Standardmessgerät bei der<br />

Partikelanalyse von <strong>Wasser</strong><br />

Im Jahr 2005 testete das holländische<br />

KWR-Institut <strong>die</strong> Einsatzmöglichkeit<br />

aller auf dem Markt<br />

verfügbaren Partikelzählermodelle<br />

<strong>für</strong> Trinkwasseranwendungen und<br />

entschied sich letztendlich <strong>für</strong> den<br />

PAMAS WaterViewer, mit dem das<br />

Institut seither arbeitet. Beim KWR-<br />

Institut sind aktuell drei Systeme<br />

des PAMAS WaterViewer im Einsatz.<br />

[Referenz: KWR Watercycle Research Institute<br />

(früher: Kiwa Water Research), Nieuwegein,<br />

The Netherlands]<br />

Technische Universität Delft,<br />

Niederlande<br />

Stu<strong>die</strong>n zur <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

in den Niederlanden<br />

An der Fakultät <strong>für</strong> Bauingenieurwesen<br />

und Geowissenschaften der<br />

Technischen Universität Delft in den<br />

Niederlanden sind in den Jahren<br />

2004 bis 2012 zahlreiche Stu<strong>die</strong>n<br />

und Forschungsarbeiten zur <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

vorgelegt worden.<br />

Aufgrund seiner Zuverlässigkeit<br />

und Messgenauigkeit wurde der<br />

Online-Partikelzähler PAMAS Water-<br />

Viewer dabei oft als Messinstrument<br />

eingesetzt. Die Messergebnisse des<br />

Partikelzählers lieferten dabei wesentliche<br />

Erkenntnisse <strong>für</strong> <strong>die</strong> Wissenschaft.<br />

Der PAMAS WaterViewer<br />

konnte hier zum Fortschritt in der<br />

Forschung zur <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

beitragen. Im Folgenden<br />

stellen wir einige der Forschungsarbeiten<br />

der Technischen Universität<br />

Delft vor, bei denen der PAMAS<br />

WaterViewer zum Einsatz kam.<br />

a) Messung von Eisenpartikeln<br />

bei der <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

Bei der <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

muss u. a. auch enthaltenes Eisen<br />

aus dem <strong>Wasser</strong> entfernt werden.<br />

Die zulässige Höchstmenge <strong>für</strong> den<br />

Eisengehalt im Trinkwasser beträgt<br />

in den Niederlanden 0,2 mg/L.<br />

Grundwasser, das mehr Eisen enthält,<br />

muss aufbereitet werden, bevor<br />

es ins Trinkwasser geleitet wird.<br />

Mit unterschiedlichen Methoden,<br />

wie beispielsweise der Belüftung<br />

oder der schnellen Sandfiltrierung<br />

(Rapid Sand Filtration), wird sowohl<br />

gelöstes Eisen als auch als Feststoffpartikel<br />

enthaltenes Eisen aus dem<br />

Grundwasser filtriert.<br />

In ihrer Masterarbeit untersuchte<br />

Karin Teunissen <strong>die</strong> Beseitigung des<br />

Eisengehaltes an der Grundwasser-<br />

Pumpstation in Harderbroek in den<br />

Niederlanden. Ziel der Stu<strong>die</strong> war<br />

es, den Aufbereitungsprozess und<br />

das Verfahren zur Eisenbeseitigung<br />

zu bewerten. Das Sandfilterungsverfahren<br />

analysierte Karin Teunissen<br />

mithilfe des Partikelzählers PAMAS<br />

WaterViewer. Die Messergebnisse des<br />

Partikelzählers bewiesen, dass das<br />

Rapid-Sand-Filterverfahren wesentlichen<br />

Einfluss auf <strong>die</strong> Reduzierung<br />

der Eisenmenge im Trinkwasser hat.<br />

Der PAMAS WaterViewer wurde<br />

in der Anlage in Harderbroek im<br />

Filterabfluss installiert. Gemessen<br />

wurde also das vom Filter zurückgehaltene<br />

<strong>Wasser</strong> (und nicht das filtrierte<br />

<strong>Wasser</strong>). Unter Normalbedingungen<br />

und bei ausgeschaltenem<br />

Sandfilter betrug <strong>die</strong> im Trinkwasser<br />

gemessene Partikelkonzentration <strong>für</strong><br />

den Größenkanal 1-2 µm 332 Partikel<br />

pro Millilliter. Sobald der Filter in<br />

Betrieb genommen wurde, stiegen<br />

<strong>die</strong> Partikelanzahlen erheblich an:<br />

Innerhalb der ersten Minuten wurden<br />

bereits 15 % der enthaltenen<br />

Eisenpartikel herausgefiltert. Die<br />

Untersuchung zeigte ferner, dass<br />

nicht alle Partikelgrößen in gleichem<br />

Maße von der Filtrierung beeinflusst<br />

werden. Kleinere Partikelgrößen<br />

< 2 µm werden in geringerem<br />

Umfang filtriert als größere Partikelgrößen.<br />

Am meisten beeinträchtigt<br />

der Filtrierungsprozess <strong>die</strong> Partikelgrößen<br />

von 2 bis 10 µm.<br />

[Referenz: Karin Teunissen: Iron removal at<br />

groundwater pumping station Harderbroek.<br />

TU Delft (Delft University of Technology),<br />

Faculty of Civil Engineering and Geosciences,<br />

Department of Water Management<br />

Sanitary Engineering Section, Delft,<br />

The Netherlands, May 2007.<br />

Karin Teunissen / A. Abrahamse / H. Leijssen<br />

/ L. Rietveld / H. van Dijk: “Removal of<br />

both dissolved and particulate iron from<br />

groundwater“. Published in: Drinking<br />

Water Engineering and Science Discussions,<br />

Issue 1, Copernicus Publications on<br />

behalf of Delft University of Technology,<br />

2008, pages 87–115.]<br />

b) Partikelanalyse von Grundwasser<br />

mit unterschiedlicher<br />

Strömungsgeschwindigkeit<br />

In seiner Dissertation zur Erlangung<br />

des Doktorgrades widmete sich<br />

Cornelius G. E. M. van Beek den<br />

Ursachen der Versiegung von Brunnen,<br />

<strong>die</strong> Grundwasser förderten.<br />

Zu <strong>die</strong>sem Zweck untersuchte er<br />

<strong>die</strong> Partikelkonzentration sowie <strong>die</strong><br />

Partikelgrößenverteilung mithilfe des<br />

PAMAS WaterViewer. Unter anderem<br />

stellte van Beek während der<br />

Untersuchung fest, dass <strong>die</strong> im<br />

<strong>Wasser</strong> enthaltene Partikelmenge<br />

von der Strömungsgeschwindigkeit<br />

des Grundwassers abhängt: Je<br />

schneller das Grundwasser fließt,<br />

desto mehr und desto größere<br />

Partikel befinden sich darin.<br />

Das untersuchte Grundwasser in<br />

<strong>die</strong>ser Anwendung kann mit dem<br />

Spülwasser aus der finnischen<br />

▶ ▶<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 923


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

Untersuchung gleich gesetzt werden:<br />

Bei hoher Geschwindigkeit<br />

bzw. Druckeinwirkung löst das<br />

Grundwasser Partikelagglomerate<br />

von den Rohrinnenwänden bzw. aus<br />

dem Gestein und erhält daher mehr<br />

Partikel als langsam fließendes<br />

Grundwasser.<br />

[Referenz: Cornelius Gerardus Engelinus<br />

Maria van Beek, A. H. de Zwart, M. Balemans,<br />

J. W. Kooiman, C. van Rosmalen, H.<br />

Timmer, J. Vandersluys, P. J. Stuyfzand:<br />

“Concentration and size distribution of<br />

particles in abstracted groundwater”.<br />

Erschienen in Water Research, Volume 44,<br />

Elsevier Publications, 2010, S. 868–878.<br />

Cornelius Gerardus Engelinus Maria van<br />

Beek: Cause and prevention of clogging<br />

of wells abstracting groundwater from<br />

unconsolidated aquifers. Vrije Universiteit<br />

Amsterdam, The Netherlands, December<br />

2010.]<br />

c) Partikelanalyse in Trinkwassersystemen<br />

mit unterschiedlichem<br />

Rohrdurchmesser<br />

Mit der Strömungsgeschwindigkeit<br />

von <strong>Wasser</strong> beschäftigte sich auch<br />

Jan Vreeburg in seiner Dissertation<br />

zur Verfärbung von Trinkwasser<br />

durch Partikeleintrag. Für seine<br />

praktischen Untersuchungen verwendete<br />

Jan Vreeburg zwei<br />

Modelle des Partikelzählers PAMAS<br />

WaterViewer und analysierte den<br />

Partikelgehalt im <strong>Wasser</strong> in den<br />

Partikelgrößen 1 bis 20 µm im Onlinebetrieb.<br />

Ziel der Stu<strong>die</strong> war es<br />

u. a., <strong>die</strong> weit verbreitete These zu<br />

beweisen, dass eine schnelle Strömungsgeschwindigkeit<br />

Partikelablagerungen<br />

in <strong>Wasser</strong>rohren reduziert.<br />

Zur Versuchsanordnung: Für <strong>die</strong><br />

Stu<strong>die</strong> wurden drei <strong>Wasser</strong>leitungen<br />

vom System isoliert. Die <strong>Wasser</strong>leitungen<br />

unterschieden sich in<br />

Form und Größe: Die erste <strong>Wasser</strong>leitung<br />

hatte breite, gewundene<br />

Standardrohre; das <strong>Wasser</strong> floss hier<br />

nur langsam durch. Das zweite<br />

Rohrsystem hatte verzweigte Rohre,<br />

in denen das <strong>Wasser</strong> schneller fließen<br />

konnte. Die Rohre im dritten<br />

Leitungssystem hatten sehr dünne<br />

Durchmesser von nur 40 mm; hier<br />

war <strong>die</strong> Fließgeschwindigkeit am<br />

größten.<br />

Im Versuch zeigte sich deutlich,<br />

dass das <strong>Wasser</strong> im dritten Rohrsystem<br />

mit den dünnen Rohren am<br />

saubersten war, weil es hier am<br />

schnellsten durchfloss. Das langsam<br />

fließende <strong>Wasser</strong> aus dem Standardsystem<br />

(erstes System im Versuch)<br />

war am stärksten kontaminiert<br />

und wies den höchsten<br />

Partikelgehalt auf. Die anfangs formulierte<br />

These konnte durch den<br />

Versuch somit eindeutig bewiesen<br />

werden.<br />

“Resuspension of accumulated<br />

particles in drinking water distribution<br />

systems (DWDS) is the main<br />

cause for customers complaints to<br />

the water company about the water<br />

quality. Preventing the particles<br />

from accumulating in these DWDS<br />

can be achieved by high velocities<br />

in the pipes.” (aus: Vreeburg, Discolouration<br />

in drinking water systems<br />

– A particular approach, Seite 88).<br />

[Referenz: Jan Vreeburg: Discolouration in<br />

drinking water systems: a particular approach.<br />

TU Delft, Faculty of Civil Engineering<br />

and Geosciences, Delft, The Netherlands,<br />

June 2007.]<br />

THL Finnish National Institute<br />

for Health and Welfare,<br />

Kuopio/Finnland<br />

Einsatz von PAMAS WaterViewer<br />

und PAMAS SVSS zur Trinkwasserkontrolle<br />

Drei Wissenschaftler vom finnischen<br />

Gesundheits- und Sozialministerium<br />

erforschten im Oktober 2013 geeignete<br />

Methoden <strong>für</strong> <strong>die</strong> Erfassung<br />

von bakteriellen Veränderungen in<br />

der Trinkwasserqualität. Unter anderem<br />

wurde <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>qualität anhand<br />

des Partikelgehalts beurteilt.<br />

Die Partikelanalyse erfolgte mithilfe<br />

von Partikelzählern und Trübungsmessgeräten.<br />

Für <strong>die</strong> automatische<br />

Partikelzählung verwendeten <strong>die</strong><br />

Wissenschaftler das Onlinegerät<br />

PAMAS WaterViewer mit einem eingebauten<br />

PAMAS HCB-LD Lichtblockadesensor<br />

sowie das Laborgerät<br />

PAMAS SVSS mit einem integrierten<br />

Streulichtsensor vom Typ<br />

PAMAS SLS-25/25.<br />

In ihrer Stu<strong>die</strong> stellten <strong>die</strong> Autoren<br />

Jenni Ikonen, Tarja Pitkänen und<br />

Ilkka T. Miettinen fest, dass automatische<br />

Partikelzähler im Falle einer<br />

Verschlechterung der <strong>Wasser</strong>qualität<br />

sofort Alarm schlagen und sich<br />

somit als Frühwarnsysteme besonders<br />

eignen: “The comparison of total<br />

counts and particle fractions [...]<br />

during and after the contamination<br />

event highlighted the ability of<br />

particle counting to function as an<br />

early warning tool.” (Zitat S. 5357)<br />

Die Untersuchung bewies ferner,<br />

dass automatische Partikelzählsysteme<br />

dazu in der Lage sind, ein<br />

präziseres und differenzierteres Messergebnis<br />

zu liefern als Trübungsmessgeräte:<br />

“The results confirmed<br />

that although turbidity is a good<br />

basic measurement for detecting<br />

changes in drinking water quality,<br />

the particle count gives more precise<br />

information. Particle counting<br />

was also found to work as a feasible<br />

indicator of bacterial counts in a real<br />

water contamination incident.” (Zitat,<br />

S. 5360)<br />

[Referenz: Jenni Ikonen, Tarja Pitkänen,<br />

Ilkka T. Miettinen: „Suitability of Optical,<br />

Physical and Chemical Measurements for<br />

Detection of Changes in Bacterial Drinking<br />

Water Quality“. Erschienen in: International<br />

Journal of Environmental Research and<br />

Public Health, Ausgabe 11/2013, Oktober<br />

2013, PDF pp. 5349–5363.]<br />

Université de Lorraine,<br />

Nancy/Frankreich<br />

PAMAS WaterViewer <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Qualitätskontrolle von<br />

Trinkwasser in Frankreich<br />

In Zusammenarbeit mit zwei Wissenschaftlern<br />

der lothringischen Universität<br />

stellten <strong>die</strong> PAMAS-Vertreter<br />

<strong>Wasser</strong>werk Nancy.<br />

September 2014<br />

924 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene | FOKUS |<br />

Paul Pollmann und Eric Colon im<br />

November 2012 auf der WCEC5-<br />

Konferenz (Water Contamination<br />

Emergencies – Managing the Threats)<br />

in Mülheim an der Ruhr ein Poster<br />

aus, dass sich der Partikelzählung<br />

von Trinkwasser widmete. Am Beispiel<br />

des städtischen <strong>Wasser</strong>werks<br />

in Nancy/Frankreich wurde auf dem<br />

Poster <strong>die</strong> Anwendung eines PAMAS<br />

WaterViewers <strong>für</strong> <strong>die</strong> Qualitätskontrolle<br />

von Trinkwasser erläutert.<br />

Einsatz des PAMAS Water­<br />

Viewer in den städtischen<br />

<strong>Wasser</strong>werken von Nancy<br />

in Frankreich<br />

In einer dreiteiligen Versuchsreihe<br />

wurde zunächst <strong>die</strong> Partikelkonzentration<br />

unter Normalbedingungen<br />

gemessen. Im spezifischen Intervall<br />

der Partikelgrößen von 1 bis 15 µm<br />

detektierte der PAMAS WaterViewer<br />

unter Normalbedingungen durchschnittlich<br />

310 P/mL.<br />

In einem zweiten Schritt wurde<br />

der Partikelzähler nach einem Gewitter<br />

mit großer Niederschlagsmenge<br />

eingesetzt. Während des<br />

Unwetters war es infolge eines<br />

Blitzeinschlags im <strong>Wasser</strong>werk von<br />

Nancy zu einem Ausfall der Frischwasserproduktion<br />

gekommen. Aus<br />

<strong>die</strong>sem Grund musste auf bestehende<br />

<strong>Wasser</strong>speicher mit einem<br />

relativ hohen Chloranteil zurückgegriffen<br />

werden. Der Partikelzähler<br />

lieferte in <strong>die</strong>ser Zeit Messwerte<br />

zwischen 801 P/mL bis hin zu<br />

2300 P/mL <strong>für</strong> das Partikelgrößenintervall<br />

zwischen 1 bis 15 µm.<br />

Im experimentellen dritten Teil<br />

der Versuchsreihe wurde dem<br />

<strong>Wasser</strong> in einem abgeschlossenen<br />

Kreislauf eine bakterielle Suspension<br />

beigefügt, um <strong>die</strong> Auswirkungen<br />

auf <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>qualität zu erproben.<br />

In der ersten Stunde nach der Beigabe<br />

betrug <strong>die</strong> gemessene Partikelkonzentration<br />

mehr als 20 000 P/mL.<br />

Wie <strong>die</strong> Messwerte der folgenden<br />

Onlinemessungen zeigten, nahm<br />

<strong>die</strong> Partikelanzahl pro Milliliter<br />

jedoch innerhalb weniger Stunden<br />

rapide ab. Die Autoren der Stu<strong>die</strong><br />

führten <strong>die</strong> rasche Abnahme auf <strong>die</strong><br />

Die Messwerte des Partikelzählers PAMAS WaterViewer zeigen deutlich,<br />

dass sich <strong>die</strong> durchschnittliche Partikelanzahl pro Milliliter infolge des<br />

Blitzeinschlags (Ausfall der Frischwasserproduktion und Rückgriff auf<br />

chlorhaltige <strong>Wasser</strong>vorräte) deutlich erhöhte.<br />

Die bakterielle Suspension kann nur innerhalb der ersten Stunde nach<br />

Beigabe im <strong>Wasser</strong> nachgewiesen werden. Infolge von Sedimentierung und<br />

Auflösung nehmen <strong>die</strong> Partikelanzahlen pro Milliliter danach rapide ab.<br />

Sedimentierung und <strong>die</strong> Auflösung<br />

der Bakterien zurück.<br />

Wie <strong>die</strong> Versuchsreihe zeigte,<br />

eignet sich der PAMAS WaterViewer<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Onlinemessung von Trinkwasser,<br />

da er Veränderungen der<br />

Messwerte unverzüglich anzeigt und<br />

im Falle einer <strong>Wasser</strong>verunreinigung<br />

sofort Alarm schlägt.<br />

[Referenz: Université de Lorraine, Nancy/<br />

Frankreich. Cf. Poster von P. Pollmann, E.<br />

Colon, F. Gosselin und J.-C. Block: “Particle<br />

Counting for Early Detection of Contaminants<br />

in Drinking Water”. Erschienen in:<br />

Water Contamination Emergencies – Managing<br />

the Threats, herausgegeben von<br />

K. Clive Thompson, Ulrich Borchers and<br />

John Gray. Tagungsband zur Konferenz<br />

Water Contamination Emergencies: Managing<br />

the Threats, IWW Water Centre, Mülheim<br />

an der Ruhr, 19.–21. November 2012,<br />

S. 340–345.]<br />

Vitens B.V., Spannenburg/<br />

Niederlande<br />

PAMAS WaterViewer zur Überwachung<br />

eines Sandfilters sowie<br />

Anwendung als Frühwarnsystem<br />

und <strong>für</strong> <strong>die</strong> Partikelmessung in<br />

einem <strong>Wasser</strong>werk in den Niederlanden<br />

Sandfilter werden in vielen nordeuropäischen<br />

Ländern <strong>für</strong> <strong>die</strong> grobe<br />

Filtrierung von stark verunreinigtem<br />

<strong>Wasser</strong> verwendet. In Abhängigkeit<br />

von der <strong>Wasser</strong>quelle werden <strong>die</strong><br />

eingesetzten Filter in einem Rhythmus<br />

von nur wenigen Stunden bis<br />

zu mehreren Tagen durchspült. Die<br />

automatische Sensorspüleinheit des<br />

PAMAS WaterViewer ermöglicht den<br />

ununterbrochenen Ablauf des Systems<br />

– sogar im Falle von gelöstem<br />

▶ ▶<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 925


| FOKUS<br />

|<br />

<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene<br />

Pumpen im<br />

städtischen<br />

<strong>Wasser</strong>werk<br />

von Amsterdam.<br />

Eisen, das zu Oxidablagerungen<br />

und damit zu einem Ausfall des<br />

Messinstrumentes führen kann.<br />

[Referenz: Vitens B.V., Spannenburg, Niederlande.<br />

Cf. Poster von Dr. Henry Jenderek<br />

und Paul Pollmann: Particle Counting after<br />

Rapid Sand Filters. Das Poster wurde vom<br />

13. bis 15. Juni 2005 auf der zweiten<br />

WEKNOW Konferenz in Bratislava in der<br />

Slowakei präsentiert.]<br />

Waternet, Amsterdam und<br />

Haarlem/Niederlande<br />

PAMAS WaterViewer zur Trinkwasserüberwachung<br />

in den<br />

städtischen <strong>Wasser</strong>werken von<br />

Amsterdam und Haarlem in den<br />

Niederlanden<br />

Die niederländische Firma Waternet<br />

installierte im Jahr 2008 Partikelzähler<br />

vom Typ PAMAS WaterViewer<br />

in den städtischen <strong>Wasser</strong>werken<br />

von Amsterdam und Haarlem. An<br />

beiden Standorten werden <strong>die</strong> Online-Partikelzähler<br />

zur dauerhaften<br />

Überwachung der Trinkwasserqualität<br />

eingesetzt. Die Messung erfolgt<br />

an den Pumpen, wo das <strong>Wasser</strong><br />

in <strong>die</strong> Verteilungssysteme gepumpt<br />

wird. Sobald <strong>die</strong> Messwerte einen<br />

zuvor definierten Grenzwert überschreiten,<br />

schlägt der PAMAS Water-<br />

Viewer sofort Alarm. Das Foto zeigt<br />

den Pumpenkeller im <strong>Wasser</strong>werk<br />

von Amsterdam. Das gepumpte<br />

<strong>Wasser</strong> wird in kontinuierlicher<br />

Onlinemessung überprüft.<br />

[Referenz: Waternet, The Netherlands]<br />

Fazit<br />

Die vorgelegten Anwendungsbeispiele<br />

aus den Jahren 2004 bis 2012<br />

verdeutlichen, <strong>für</strong> welche Art von<br />

Partikelmessung der PAMAS Water-<br />

Viewer in der heutigen Praxis tatsächlich<br />

eingesetzt wird. Der Online-<br />

Partikelzähler eignet sich <strong>für</strong> jede<br />

Art der Qualitätskontrolle und der<br />

Reinheitsüberprüfung von <strong>Wasser</strong><br />

und wird von zahlreichen Anwendern<br />

wegen seiner Messgenauigkeit<br />

und Zuverlässigkeit geschätzt. Im<br />

konkreten Alltag wird das Gerät <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> Partikelanalyse von Industriewasser,<br />

Schwimmbadwasser, Klärwasser,<br />

Rohwasser und vor allem <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> eingesetzt.<br />

Ferner zeigen <strong>die</strong> finnischen,<br />

französischen und niederländischen<br />

Stu<strong>die</strong>n zur <strong>Trinkwasseraufbereitung</strong><br />

an der Universität<br />

von Kuopio, an der Universität von<br />

Lothringen und an der Technischen<br />

Universität Delft, dass der PAMAS<br />

WaterViewer auch <strong>für</strong> Forschungszwecke<br />

eingesetzt werden kann.<br />

Literatur<br />

[1] Bergjan, B., Nahrstedt, A. und Willert,<br />

G.: Partikelzählung als Nachweisinstrument<br />

der Verfahrenseffektivität.<br />

Published in: A.B. Archiv des Badewesens,<br />

Issue 3/2008, March 2008,<br />

p. 130–141.<br />

[2] Ceronio, A. D., Haarhoff, J. and Pryor, M.:<br />

Standardisation of the Use of Particle<br />

Counting for Potable Water Treatment<br />

in South Africa. Water Research Commission,<br />

South Africa, 2002.<br />

[3] Han, M., Shim, J. S., Chung, Y. K. and<br />

Park, Y. H.: Diagnosing and optimizing<br />

water treatment processes by<br />

using Particle Counter – A case study<br />

in Korea. Published in: Water Science<br />

& Technology, Issue 2/2002, Volume<br />

45(4–5), p. 511–518.<br />

[4] Ikonen, J., Pitkänen, T. and Miettinen, I. T.:<br />

Suitability of Optical, Physical and<br />

Chemical Measurements for Detection<br />

of Changes in Bacterial Drinking<br />

Water Quality. Published in: International<br />

Journal of Environmental<br />

Research and Public Health, Issue<br />

11/2013, October 2013, pp. 5349–<br />

5363.<br />

[5] Jenderek, H. and Ganster, F.: Particle<br />

Counting after Membranes. Poster<br />

presented at the 21. Aachener Kolloquium<br />

<strong>für</strong> Abfallwirtschaft (21 st Symposium<br />

on Waste Management in<br />

Aachen/ Germany) on 27.11.2008.<br />

[6] Jenderek, H. and Pollmann, P.: Particle<br />

Counting after Rapid Sand Filters.<br />

Poster presented at the 2 nd WEKNOW<br />

conference in Bratislava/Slovakia on<br />

13–15 June 2005.<br />

[7] Lehtola, M. J., Laxander, M., Miettinen,<br />

I. T., Hirvonen, A., Vartianen, T. and<br />

Martikainen, P. J.: The Effects of Changing<br />

Water Flow Velocity on the Formation<br />

of Bio-films and Water Quality<br />

in Pilot Distribution System Consisting<br />

of Copper or Polyethylene Pipes.<br />

Published in: Water Research Magazine,<br />

Volume 40, Elsevier Publications,<br />

2006, p. 2151–2160.<br />

[8] Lehtola, M. J., Miettinen, I. T., Hirvonen,<br />

A., Vartiainen, T. and Martikainen, P. J.:<br />

Resuspension of biofilms and sediments<br />

to water from pipelines as a<br />

result of pressure shocks in drinking<br />

water distribution systems. Study<br />

Paper (Project No. 40407/04) published<br />

by the National Technology<br />

Agency of Finland, 2007.<br />

[9] Mulling, B. T. M., Dullemont, Y., Mes, D.,<br />

De Valenca, A. and Van der Oost, R.:<br />

Factors determining the disinfection<br />

capacity of constructed wetlands.<br />

Published in: Foekema E. M. (Editor):<br />

De invloed van moerassystemen op<br />

de milieukwaliteit van rwzi effluent en<br />

aanbevelingen tot optimalisering.<br />

IMARES rapport C005/12 (rapportage<br />

bestaat uit een samenvattend rapport<br />

met losse bijlagen A en B), 2012.<br />

[10] Pollmann, P., Colon, E., Gosselin, F. and<br />

Block, J.­C.: Particle Counting for<br />

Early Detection of Contaminants<br />

in Drinking Water. Published in:<br />

Water Contamination Emergencies –<br />

September 2014<br />

926 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Trinkwasseraufbereitung</strong> und Hygiene | FOKUS |<br />

Managing the Threats, edited by<br />

K. Clive Thompson, Ulrich Borchers<br />

and John Gray. Conference book to<br />

Water Contamination Emergencies:<br />

Managing the Threats, IWW Water<br />

Centre, Mülheim an der Ruhr,<br />

Germany, 19 th –21 st November 2012,<br />

p. 340–345.<br />

[11] Rosenthal, L.: Distribution network<br />

design at PWN Water Company<br />

North-Holland. Published in: Compendium<br />

of Best Practices in Water<br />

Infrastructure Asset Management,<br />

Compiled and edited by Jay Bhagwan,<br />

Global Water Research Coalition,<br />

November 2009, p. 30–34.<br />

[12] Siegers, W., Raffin, M., Leijssen, H. and<br />

Vermeulen, R.: Nieuwe method om<br />

deeltjesgedrag tijdens drinkwaterzuivering<br />

te bepalen. Published in:<br />

H 2 O, Issue 24, 2007, p. 34–36.<br />

[13] Teunissen, K., Abrahamse, A., Leijssen,<br />

H., Rietveld, L. and van Dijk, H.: Removal<br />

of both dissolved and particulate<br />

iron from groundwater. Published in:<br />

Drinking Water Engineering and<br />

Science Discussions, Issue 1, Copernicus<br />

Publications on behalf of Delft<br />

University of Technology, 2008, p.<br />

87–115.<br />

[14] Teunissen, K.: Iron removal at groundwater<br />

pumping station Harderbroek.<br />

TU Delft (Delft University of Technology),<br />

Faculty of Civil Engineering<br />

and Geosciences, Department of<br />

Water Management Sanitary Engineering<br />

Section, Delft, The Netherlands,<br />

May 2007.<br />

[15] Van Beek, C. G. E. M., De Zwart, A. H.,<br />

Balemans, M., Kooiman, J. W., van Rosmalen,<br />

C., Timmer, H., Vandersluys, J.<br />

and Stuyfzand, P. J.: Concentration<br />

and size distribution of particles in<br />

abstracted ground water. Published<br />

in Water Research, Volume 44, Elsevier<br />

Publications, 2010, p. 868–878.<br />

[16] Van Beek, C. G. E. M.: Cause and<br />

prevention of clogging of wells abstracting<br />

ground water from unconsolidated<br />

aquifers. Vrije Universiteit<br />

Amsterdam, The Netherlands, December<br />

2010.<br />

[17] Van der Meulen, M.: Deeltjestellingen<br />

in een Drinkwater distributienet.<br />

TU Delft, Faculteit Civiele Techniek<br />

en Geowetenschappen, Delft, The<br />

Netherlands, October 2004.<br />

[18] Vreeburg, J.: Discolouration in drinking<br />

water systems: a particular approach.<br />

TU Delft, Faculty of Civil.<br />

Kontakt:<br />

PAMAS Partikelmess- und<br />

Analysesysteme GmbH,<br />

Dieselstraße 10,<br />

D-71277 Rutesheim,<br />

Tel. (07152) 99 63-0,<br />

Fax (07152) 99 63-32,<br />

E-Mail: info@pamas.de,<br />

http://www.pamas.de<br />

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„Wer sagt eigentlich, dass man<br />

<strong>für</strong> sauberes Trinkwasser ständig<br />

verschiedene Messgeräte<br />

im Blick haben muss?“<br />

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und modular bietet es <strong>die</strong> gesamte <strong>Wasser</strong>sensorik<br />

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September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 927


| INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />

|<br />

INAR klärt das <strong>für</strong> Sie!<br />

Das Innovationsnetzwerk <strong>Abwasser</strong> Recycling - INAR<br />

stellt sein geplantes dezentrales Klärschlammverwertungskonzept<br />

inklusive Nährstoffrecycling vor.<br />

Das im Jahr 2014 initiierte INAR-<br />

Netzwerk ist ein Verbund aus<br />

unternehmerischen Technologieanbietern<br />

und Forschungs<strong>die</strong>nstleistern,<br />

<strong>die</strong> mehr als 30 marktneue<br />

und innovative Anlagensysteme<br />

unter einem Dach bündeln. Ziel der<br />

Netzwerkpartner ist es, mit <strong>Abwasser</strong>einleitern<br />

und Unternehmen bzw.<br />

Kommunen mit biogenen Reststoffen<br />

standortangepasste Aufbereitungs-<br />

und Wertstoffrecycling-<br />

Konzepte mit neuesten Technologien<br />

zu realisieren. Dabei ergänzen<br />

sich <strong>die</strong> 14 Gründungsmitglieder<br />

mit ihren rund 500 Mitarbeitern<br />

gegenseitig, um ganzheitliche Lösungsstrategien<br />

anbieten zu können.<br />

Die abc advanced biomass<br />

concepts GmbH ist als offiziell autorisiertes<br />

Beratungsunternehmen<br />

Koordinator des vom Bundesministerium<br />

<strong>für</strong> Wirtschaft und Energie<br />

geförderten Innovationsnetzwerks.<br />

Hauptthemenfelder des thematischen<br />

Leitnetzwerks sind <strong>die</strong> industrielle<br />

und kommunale <strong>Abwasser</strong>aufbereitung<br />

& Mikroschadstoffentfernung,<br />

Konzepte <strong>für</strong> <strong>die</strong> intelligente<br />

betriebsinterne Kreislaufführung und<br />

Wertstoffrecycling aus Reststoffen<br />

und Nebenprodukten. Weiterhin gibt<br />

es Netzwerktechnologien, <strong>die</strong> sich<br />

mit der dezentralen Behandlung<br />

von häuslichem Ab-, Grau- und<br />

Niederschlagswasser befassen und<br />

hier<strong>für</strong> effektive Lösungen bieten.<br />

Im Bereich thermische Verwertung/<br />

Nutzung werden u. a. Themen wie<br />

<strong>die</strong> energieeffiziente Trocknung<br />

von Restbiomassen, <strong>die</strong> Wärmerückgewinnung<br />

aus verschmutzten<br />

flüssigen Prozessme<strong>die</strong>n, sowie <strong>die</strong><br />

dezentrale Verbrennung kritischer<br />

Biobrennstoffe bearbeitet.<br />

Im Netzwerk werden jedoch<br />

nicht nur Einzeltechnologien gebündelt,<br />

sondern auch Verfahrensketten<br />

gebildet. So greift das INAR-<br />

Konsortium aktuelle Problemstellungen<br />

der <strong>Abwasser</strong>branche auf<br />

und entwickelt da<strong>für</strong> kurzfristig<br />

bezahlbare Branchenlösungen. Ein<br />

Beispiel <strong>für</strong> das Zusammenführen<br />

von Einzelkompetenzen zu einem<br />

schlüssigen Gesamtkonzept ist das<br />

dezentrale Klärschlammverwertungskonzept<br />

<strong>für</strong> kleine und mittlere Kläranlagen<br />

inklusive Nährstoffrecycling<br />

am Standort.<br />

Novellierung von Dünge- und<br />

Klärschlammverordnung<br />

Laut statistischem Bundesamt fielen<br />

im Jahr 2012 in Deutschland etwa<br />

1,8 Mio. t TS Klärschlamm aus<br />

kommunalen Anlagen an. Die Verwertung<br />

des Klärschlamms lässt<br />

sich wie folgt aufteilen: 55 % thermisch<br />

(Verbrennung), 29 % landwirtschaftlich<br />

(Düngemittel) und 13 %<br />

im Landschaftsbau/Kompostierung.<br />

Hintergrund <strong>für</strong> <strong>die</strong> Entwicklung<br />

eines dezentralen Klärschlammverwertungskonzepts<br />

ist, <strong>die</strong> Verschärfung<br />

der Auflagen <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

landwirtschaftliche Nutzung von<br />

Klärschlamm im Rahmen der Homogenisierung<br />

der Grenzwerte von<br />

Düngeverordnung (DüV) und Klärschlammverordnung<br />

(AbfKläV) bis<br />

Ende 2014. Für den Bereich Schwermetalle<br />

bedeutet <strong>die</strong>s teilweise eine<br />

Reduzierung um über 80 % zum alten<br />

Grenzwert. So wird laut DWA <strong>die</strong><br />

Verschärfung der Grenzwerte <strong>für</strong><br />

Cadmium und Quecksilber von über<br />

85 %, ausschlaggebend <strong>für</strong> eine<br />

zukünftig geringere landwirtschaftliche<br />

Nutzung von Klärschlamm sein.<br />

Folglich wird <strong>die</strong> thermische Verwertung<br />

zwangsläufig zunehmen,<br />

wobei das Ausmaß nach Meinung<br />

der Branchenvertreter unterschiedlich<br />

ausfällt. Die Angaben schwanken<br />

derzeit von 20–50 % der<br />

zuvor landwirtschaftlich verwerteten<br />

Schlämme, <strong>die</strong> nun thermisch genutzt<br />

werden müssen. Nach Daten<br />

des Statistischen Bundesamtes aus<br />

dem Jahr 2012 lässt sich errechnen,<br />

dass dadurch 2 100 000–5 200 000 t<br />

Klärschlamm mit 5 % TS schlagartig<br />

mehr, thermisch entsorgt werden<br />

müssen. Dies entspricht der jährlichen<br />

Klärschlammproduktion von<br />

Niedersachsen. Niedersachsen besitzt<br />

in Deutschland den viertgrößten<br />

jährlichen Klärschlammanfall.<br />

Auf Grundlage von Zahlen des<br />

Umweltbundesamts müssten da<strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> Kapazitäten von Monoverbrennungsanlagen<br />

von derzeit 554 750 t<br />

TS um 19–47 % erhöht werden, um<br />

<strong>die</strong> prognostizierten Mengen abfangen<br />

zu können.<br />

Dabei werden ausschließlich<br />

Klärschlämme betrachtet, <strong>die</strong> aus<br />

kommunalen oder vergleichbaren<br />

industriellen <strong>Abwasser</strong>behandlungsanlagen<br />

stammen. Klärschlämme,<br />

sowie <strong>die</strong> daraus erzeugte Asche<br />

industrieller Herkunft sind per Gesetz<br />

von der landwirtschaft lichen<br />

Nutzung ausgeschlossen.<br />

Warum dezentrale Klärschlammverwertung?<br />

In Deutschland existieren laut statistischem<br />

Bundesamt 9632 kommunale<br />

Kläranlagen, wovon 80 % etwa<br />

7700 Anlagen unter 25 000 Einwohnergleichwerten<br />

(EW) entsprechen.<br />

Gerade <strong>für</strong> <strong>die</strong>se Zielgruppe existieren<br />

derzeit nur wenige bis keine geeignete<br />

Verwertungskonzepte, da<br />

eine Entwässerung nicht wirtschaftlich<br />

zu betreiben ist und somit der<br />

Transport und <strong>die</strong> thermische Verwertung<br />

nicht ermöglicht wird. Belastete<br />

Klärschlämme <strong>die</strong>ser Anlagen<br />

können künftig nicht mehr<br />

landwirtschaftlich verwertet werden<br />

und müssen dann thermisch<br />

September 2014<br />

928 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| INDUSTRIE & WIRTSCHAFT |<br />

entsorgt werden. Für <strong>die</strong>se Anlagenbetreiber<br />

werden sich <strong>die</strong> Entsorgungskosten<br />

signifikant erhöhen.<br />

Aus <strong>die</strong>sem Grund zielt unser<br />

geplantes Verwertungskonzept auf<br />

Kläranlagengrößen von 7500 –<br />

25 000 EW ab, um <strong>die</strong>se Marktlücke<br />

zu schließen.<br />

Laut eines Berichts des Umweltbundesamtes<br />

werden jedoch von<br />

den genehmigten Kapazitäten schon<br />

95 % bei der Abfallverbrennung,<br />

95 % <strong>für</strong> <strong>die</strong> Monoverbrennung und<br />

80 % bei Zementwerken derzeit ausgeschöpft.<br />

Die genehmigten Mitverbrennungskapazitäten<br />

in Kohlekraftwerken<br />

wurden im Jahr 2013 zu<br />

70 % genutzt. Da es in Kohlekraftwerken<br />

häufig notwendig ist, auf<br />

Teillast runterzuregeln, können <strong>die</strong><br />

theoretischen Maximalkapazitäten<br />

nicht ausgeschöpft werden. Hieraus<br />

lässt sich ableiten, dass derzeit alle<br />

in Deutschland zur Verfügung stehenden<br />

Anlagen <strong>für</strong> <strong>die</strong> thermische<br />

Behandlung von Klärschlamm weitestgehend<br />

ausgelastet sind. Eine<br />

Erweiterung der Verbrennungskapazität<br />

ist somit fast ausschließlich<br />

durch Neuanlagen zu erreichen.<br />

Gerade <strong>für</strong> <strong>die</strong> fast 40 % an kleinen<br />

Kläranlagen führt <strong>die</strong> zentrale<br />

Verbrennung von Klärschlämmen<br />

zu sehr hohen Transport- und somit<br />

Entsorgungskosten, da <strong>die</strong> Kraftwerke<br />

in der Regel nicht in ländlichen<br />

Regionen mit ihren vielen<br />

kleinen Kläranlagen anzutreffen<br />

sind. Aufgrund des verminderten<br />

Transportaufkommens wird mit einer<br />

größeren Akzeptanz – in der Bevölkerung<br />

– bei der dezentralen Klärschlammaufbereitung<br />

gegenüber der<br />

zentralen Mitverbrennung erwartet.<br />

Auch auf der <strong>die</strong>sjährigen IFAT<br />

(Weltmesse <strong>für</strong> <strong>Wasser</strong>-, <strong>Abwasser</strong>-,<br />

Abfall- & Rohstoffwirtschaft) wurde<br />

<strong>die</strong>se Problematik in einer Vielzahl<br />

von Diskussionen mit und zwischen<br />

entsprechenden Anlagenbetreibern<br />

thematisiert bzw. bestätigt. Gleichzeitig<br />

wurde von Anlagen betreibern<br />

bemängelt, dass bislang kaum<br />

technisch-ökonomisch sinnvolle<br />

Verwertungs konzepte <strong>für</strong> kleinere<br />

Kläranlagen existieren, <strong>die</strong> eine<br />

dezentrale Verwertung und Nährstoffrecycling<br />

ermöglichen.<br />

Phosphatverknappung<br />

Während der konventionellen <strong>Abwasser</strong>aufbereitung<br />

kommt es zur<br />

Einbindung und Aufkonzentrierung<br />

nicht abbaubarer Stoffe in den<br />

Klärschlamm.<br />

So finden sich im Klärschlamm<br />

<strong>die</strong> eliminierten Phosphat- und<br />

Schwermetallfrachten, sowie nicht<br />

abgebaute organische Schadstoffe.<br />

Der Klärschlamm stellt somit nicht<br />

nur eine Schadstoffsenke, sondern<br />

auch einen Nährstoffspeicher dar.<br />

Hierdurch gewinnen Verfahren zur<br />

Trennung von Schad- & Wertstoffen<br />

in der <strong>Abwasser</strong>behandlung immer<br />

mehr an Bedeutung.<br />

Als landwirtschaftliches Düngemittel<br />

besteht <strong>für</strong> Phosphor ein<br />

hoher Bedarf und dessen weltweite<br />

Verfügbarkeit kann <strong>die</strong> zu erwartende<br />

Nachfrage mittelfristig nicht decken.<br />

Sofern das von den Vereinten Nationen<br />

prognostizierte Bevölkerungswachs<br />

tum eintritt, wird das Problem<br />

noch verstärkt.<br />

Dies ist besonders kritisch zu<br />

sehen, da gerade Deutschland von<br />

Phosphor-Importen aus einigen wenigen<br />

Ländern abhängig ist, wobei<br />

Europa keine Rolle spielt. Zudem<br />

nehmen <strong>die</strong> Qualitäten der Rohphosphate<br />

aufgrund von Verunreinigungen,<br />

wie beispielsweise Uran<br />

und Cadmium immer weiter ab.<br />

Laut Angaben des statistischen<br />

Bundesamts werden in Deutschland<br />

etwa jährlich 138 000 t mineralischer<br />

Phosphatdünger auf <strong>die</strong> Felder<br />

aufgebracht. Dem gegenüber steht<br />

ein Potenzial von ca. 60 000 t P/a im<br />

<strong>Abwasser</strong>, wodurch über 40 % des<br />

mineralischen Phosphats substituiert<br />

werden könnten. Der größte<br />

Bedarf an Phosphaten wird in der<br />

Landwirtschaft benötigt. Aber auch<br />

eine Vielzahl industrieller Prozesse<br />

benötigen Phosphor, wie beispielsweise<br />

Treibmittel in Backwaren, Geschmacksverstärker<br />

in Limonaden,<br />

wasserbinder in Fleischware u. v. m.<br />

In deutschen Kläranlagen gehen<br />

jährlich etwa 3600 t Phosphate<br />

hochverdünnt in den Vorflutern<br />

und schließlich in Flüssen und den<br />

Weltmeeren verloren. Ein Großteil<br />

des Phosphats etwa 56 400 t ist<br />

im Klärschlamm gebunden. Bei der<br />

Mitverbrennung in Zement-, Kohleund<br />

Müllverbrennungskraftwerken<br />

gehen jährlich schätzungsweise<br />

20 000 t Phosphat verloren, <strong>die</strong><br />

technisch nicht mehr zurück gewonnen<br />

werden können. Dies ist<br />

nur in sogenannten Mono-Verbrennungsanlagen<br />

möglich, <strong>die</strong> als<br />

Hauptbrennstoff Klärschlamm nutzen.<br />

Aus den derzeitigen Monoverbrennungsanlagen<br />

könnten theoretisch<br />

etwa 10 000 t P/a recycelt werden.<br />

▶ ▶<br />

Bild 1. Verfahrensfließbild Klärschlammverwertung<br />

& Nährstoffrecycling.<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 929


| INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />

|<br />

Aus den zuvor genannten Gründen<br />

war <strong>die</strong> Phosphatrückgewinnung<br />

auch Thema der Koalitionsverhandlungen<br />

der Bundesregierung. Im<br />

Koalitionsvertrag wurde festgehalten,<br />

dass <strong>die</strong> landwirtschaftliche Entsorgung<br />

schrittweise zurückgefahren<br />

werden soll, gleichzeitig soll <strong>die</strong> Monoverbrennung<br />

erweitert werden,<br />

welche eine Rückgewinnung der<br />

Phosphate ermöglicht. Nach dem<br />

Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) hingegen<br />

steht <strong>die</strong> stoffliche Verwertung<br />

immer noch vor der energetischen,<br />

weshalb geeignete Klärschlämme<br />

nicht in <strong>die</strong> Mitverbrennung, sondern<br />

lediglich einer Monoverbrennung<br />

mit anschließender Phosphatrückgewinnung<br />

zugeführt werden dürfen.<br />

Geplante INAR-Verwertungskette<br />

und deren Ziele<br />

Ziel der INAR-Verwertungskette ist,<br />

<strong>für</strong> kleine Kläranlagen eine marktfähige<br />

dezentrale Klärschlammverwertung<br />

bereitzustellen und gleichzeitig<br />

einen Beitrag zur Erreichung<br />

der Ziele im Bereich Phosphat-Rückgewinnung<br />

zu leisten.<br />

Bild 1 zeigt schematisch den<br />

INAR-Verwertungsweg, welcher Entwässerung,<br />

Trocknung, Verbrennung<br />

und Nährstoffrecycling beinhaltet. Für<br />

sehr gut ausgefaulte Klärschlämme<br />

erfolgt ein geeignetes Brennstoffdesign,<br />

damit der niederkalorische<br />

Klärschlamm monoverbrannt werden<br />

kann, welches ein anschließendes<br />

Nährstoffrecycling ermöglicht.<br />

Nachfolgend werden <strong>die</strong> Entwicklungen<br />

sowie <strong>die</strong> Verfahrenstechnik<br />

der beteiligten Netzwerkpartner<br />

floradry GmbH (Trocknung)<br />

– Werkstätten GmbH (thermische Verwertung)<br />

und sepura GmbH (Nährstoffrecycling)<br />

näher beschrieben:<br />

Bild 2. Funktionsweise des SMART-Mehrzonenbandtrockners.<br />

Der SMART-MZ-Bandtrockner<br />

von floradry<br />

Anfänglich war der innovative<br />

SMART-Mehrzonenbandtrockner als<br />

energieeffiziente Trocknerkomponente<br />

<strong>für</strong> das florafuel-Aufbereitungsverfahren<br />

vorgesehen. Beim florafuel-Verfahren<br />

werden in mehreren<br />

Verfahrensschritten biogene Reststoffe<br />

wie z. B. Landschaftspflegematerial<br />

zu einem hochwertigen<br />

Brennstoff mit einem Heizwert von<br />

bis zu 5 kWh/kg aufbereitet.<br />

Das Entwicklerteam um Frau Dr.<br />

Schlederer, Herrn Werner und Herrn<br />

Hauck hat einen Mehrzonenbandtrockner<br />

entwickelt, welcher durch<br />

eine neuartige Luftführung auf<br />

Grundlage von Konvektions-/Kreuzströmung/Gegenströmung<br />

in Kombination<br />

mit der Kontakttrocknung<br />

und einer Wirbelschichttrocknung<br />

eine hohe Energieeffizienz im<br />

Niedertemperaturniveau erreicht. Aufgrund<br />

des innovativen Luftführungskonzepts<br />

erfolgte eine Förderung<br />

der Entwicklungsarbeiten aus Finanzmitteln<br />

des Bundesministeriums <strong>für</strong><br />

Wirtschaft und Technologie.<br />

Im Gegensatz zu konventionellen<br />

Bandtrocknersystemen wird<br />

<strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>aufnahmekapazität der<br />

durchgeführten Luft maximal ausgenutzt<br />

und erreicht am Luftausgang<br />

einen Wert von über 90 %.<br />

Bereits während der Entwicklungstätigkeiten<br />

zum SMART war<br />

dem Entwicklerteam das enorme<br />

Massenpotenzial an Klärschlamm in<br />

Deutschland bewusst. Durch <strong>die</strong> Mitgliedschaft<br />

im INAR-Netzwerk ist der<br />

SMART-Mehrzonenbandtrockner nun<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Trocknung des entwässerten<br />

Klärschlamms innerhalb der Klärschlammaufbereitung<br />

vorgesehen.<br />

Durch patentierte Luftführung<br />

Energie sparen<br />

Der zuvor mechanisch entwässerte<br />

Klärschlamm wird auf <strong>die</strong> Fläche des<br />

oberen Bandes aufgegeben und verteilt.<br />

Das obere luftundurchlässige<br />

Band <strong>die</strong>nt der Förderung des Produktes<br />

und zugleich als Fläche <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> Kontakttrocknung. Spindeln, <strong>die</strong><br />

das Produkt auf dem Kontakttrocknungsband<br />

in Bewegung halten,<br />

bieten den Effekt der Wirbelschichttrocknung.<br />

Der aufgewirbelte Klärschlamm<br />

wird durch <strong>die</strong> Luftführung,<br />

<strong>die</strong> im Gegenstrom den Einsatzstoff<br />

anströmt, angewärmt und<br />

vorgetrocknet. Durch <strong>die</strong> Produktauflockerung<br />

während der Trocknung<br />

werden Verklumpungen gelöst,<br />

<strong>die</strong> Schüttung vermischt und<br />

eine gleichmäßige Trocknung des<br />

Produktes ermöglicht. Auf dem<br />

zweiten Band wird der vorgewärmte<br />

und vorgetrocknete Klärschlamm<br />

im Kreuzstrom belüftet und auf<br />

den gewünschten Restwassergehalt<br />

gleichmäßig getrocknet (Bild 2).<br />

Die physikalischen Parameter<br />

lassen sich durch eine sensor-<br />

September 2014<br />

930 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| INDUSTRIE & WIRTSCHAFT |<br />

gesteuerte Elektronik steuern. Der<br />

Trockner kann wahlweise im kontinuierlichen<br />

Betrieb oder im Satzbetrieb<br />

mit unterschiedlichen Temperaturniveaus<br />

gefahren werden.<br />

Durch das entsprechende Temperaturniveau<br />

ist eine Hygienisierung<br />

des Produktes möglich.<br />

Zu Beginn des Trocknungsprozesses<br />

weist der Klärschlamm<br />

einen Trockensubstanzgehalt von<br />

durchschnittlich 20–25 Massen-%<br />

auf. Nach Abschluss des Trocknungsvorgangs<br />

verfügt der Klärschlamm<br />

über einen Trockensubstanzgehalt<br />

von 85–90 Massen-%.<br />

Damit kann der Klärschlamm im<br />

nachgelagerten Verfahrensschritt<br />

mittels des Drehrohrofens REH500-<br />

eco verbrannt werden.<br />

Nächste Entwicklungsschritte bei<br />

Klärschlammtrocknung mittels<br />

SMART-MZ-Bandtrockner<br />

Aktuell sind mehrere Testläufe mit<br />

verschiedenen Klärschlammchargen<br />

mit dem SMART-Trockner absolviert<br />

und ausgewertet worden. Als großer<br />

Vorteil der Trockneranlage erwies<br />

sich hierbei <strong>die</strong> Auflockerung des<br />

Klärschlamms mittels Spindeln am<br />

oberen Band.<br />

Bei den Testläufen zeigte der<br />

untersuchte Klärschlamm teilweise<br />

eine gewisse Neigung zur Anhaftung<br />

an das Förderband in der<br />

ersten Trocknerzone. Diese stoffbedingte<br />

Leimfähigkeit soll durch<br />

<strong>die</strong> Umbauten und Optimierung<br />

der ersten Trocknungszone gelöst<br />

werden. Derzeit ist ein Trommeltrocknungsprinzip<br />

bei gleichbleibender<br />

Luftführung angedacht.<br />

Zusätzlich sollen <strong>die</strong> Wendevorrichtungen<br />

(Spindeln) an das Trocknungsverhalten<br />

des Klärschlamms<br />

angepasst werden (Bild 3).<br />

Für <strong>die</strong> nachgeschaltete Verbrennung<br />

des getrockneten Klärschlamms<br />

ist eine rieselfähige bzw.<br />

granulatähnliche Struktur notwendig.<br />

Der vom Netzwerkpartner<br />

floradry untersuchte getrocknete<br />

Klärschlamm wies eine derartige<br />

Konsistenz auf. Infolge blickt das<br />

Entwicklerteam zuversichtlich auf<br />

Bild 3. SMART-Trockner & Produktwendeeinheit.<br />

Bild 4. SMART-Mehrzonenbandtrockner (Außendarstellung).<br />

<strong>die</strong> nächsten Schritte des Gemeinschaftsprojektes.<br />

Bild 4 zeigt <strong>die</strong> Außendarstellung<br />

des SMART-Mehrzonenbandtrockners.<br />

Der REH500eco Drehrohrofen<br />

der Werkstätten<br />

Entwicklungsziel des Drehrohrofens<br />

REH500eco war eine dezentrale Verbrennungsanlage<br />

zur thermischen<br />

Verwertung ungenutzter Rest- und<br />

Abfallbiomassen am Entstehungsort.<br />

Im Vergleich zu holzartigen<br />

Brennstoffen verfügen Restbiomassen<br />

über schlechtere Verbrennungseigenschaften<br />

wie beispielsweise<br />

geringere Heizwerte, höhere<br />

Mineralikanteile oder niedrigere<br />

Ascheerweichungstemperaturen, <strong>die</strong><br />

zwangsläufig zu Verschlackungen,<br />

schlechten Emissionen, höherem<br />

Verschleiß und letzten Endes zu<br />

Betriebsausfällen führen.<br />

Auf Basis jahrzehntelanger Erfahrung<br />

im Bau von Sondermaschinen<br />

der Werkstätten GmbH<br />

sowie der Kooperation mit einem<br />

dänischen Entwicklerteam ist es<br />

dem Team um Herrn Moggert<br />

gelungen, <strong>die</strong> gesteckten technologischen<br />

Entwicklungsziele zu<br />

erreichen und einen robusten<br />

Mehrbrennstoff kessel <strong>für</strong> inhomogene<br />

biogene Reststoffe mit<br />

bislang unerreichten Abgaswerten<br />

zu entwickeln.<br />

Der REH500eco arbeitet im<br />

Leistungsbereich von 300 bis<br />

500 kW und zeichnet sich durch <strong>die</strong><br />

▶ ▶<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 931


| INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />

|<br />

Bild 5. Mögliche Aufstellung<br />

des Drehrohofens am Standort<br />

der Kläranlage.<br />

Fähigkeit aus, auch kritische Brennstoffe<br />

ohne Verschlackung und mit<br />

sehr guten Emissionswerten zu verbrennen.<br />

Damit ist der REH500eco<br />

<strong>die</strong> erste dezentrale Verbrennungsanlage<br />

ihrer Art, welche auch Klärschlamm<br />

im Leistungsbereich von<br />

500 kW (mono-)verbrennen kann<br />

(Bild 5 und 6).<br />

Verbrennung im Drehrohrofen<br />

Um den Klärschlamm im REH500eco<br />

zu verbrennen, muss er im vorhergehenden<br />

Verfahrensschritt mittels<br />

des SMART-Bandtrockners auf einen<br />

TS-Gehalt von mindestens<br />

80–85 Massen-% getrocknet werden.<br />

Zudem sollte der getrocknete<br />

Klärschlamm eine rieselfähige<br />

Struktur aufweisen. Über einen Vorratsbunker<br />

gelangt der Einsatzstoff<br />

mittels Dosierschnecke in <strong>die</strong><br />

Hauptbrennkammer, dem wassergekühlten<br />

Drehrohr. Im zylindrischen<br />

Feuerungsraum entsteht ein schnell<br />

rotierender Wirbel aus Verbrennungsluft<br />

und brennenden Gasen,<br />

<strong>die</strong> zu homogenen Temperaturen<br />

von ca. 800 °C über <strong>die</strong> gesamte<br />

Länge des Rohrs führen. Durch den<br />

Flammenwirbel werden trotz hoher<br />

Aschegehalte immer wieder brennbare<br />

Gase durch <strong>die</strong> Umwälzung<br />

freigesetzt. Durch <strong>die</strong> vollautomatische<br />

Ansteuerung der Rotationsgeschwindigkeit<br />

und <strong>die</strong> Drehrohrlänge<br />

sowie <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>kühlung<br />

wird ein vollständiger Ausbrand des<br />

Klärschlamms gewährleistet. In der<br />

nachgeschalteten Nachbrennkammer<br />

wird das Rauchgas mit Sekundärluft<br />

versorgt. Durch lange Verweilzeiten<br />

bei gleichzeitig hohen Temperaturen<br />

wird eine vollständige Oxidation<br />

erreicht. Infolge beträgt der<br />

CO-Gehalt im Abgas überwiegend<br />

0 mg/m³ (Bild 6).<br />

Die entstehende Wärme wird der<br />

vorgeschalteten Klärschlammtrocknung<br />

zur Verfügung gestellt. Durch<br />

<strong>die</strong> geringe Abgastemperatur von<br />

ca. 130 °C den vollständigen Ausbrand<br />

der Rauchgase und Aschen<br />

sowie durch <strong>die</strong> effizienten Isolierung<br />

wird ein Wirkungsgrad von ca.<br />

93 % erreicht.<br />

Nächste Entwicklungsschritte<br />

bei Klärschlammverbrennung<br />

mittels REH500eco<br />

Langfristig plant das INAR-Netzwerk,<br />

gemeinsam mit dem Partner<br />

Werkstätten GmbH den entwässerten<br />

und getrockneten Klärschlamm<br />

mono zu verbrennen. Hier<strong>für</strong> muss<br />

jedoch ein Heizwert von mindestens<br />

4 kWh/kg sichergestellt sein.<br />

Diese Benchmark ist jedoch nur<br />

mit nicht-ausgefaultem Klärschlamm<br />

Bild 6. Drehrohrkessel<br />

REH500eco<br />

während der<br />

Montage.<br />

September 2014<br />

932 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| INDUSTRIE & WIRTSCHAFT |<br />

Bild 7. Asche aus Klärschlammverbrennung,<br />

gemahlen und<br />

angefeuchtet zur direkten Verwendung.<br />

erreichbar. Bei ausgefaultem Klärschlamm<br />

aus einem Faulturm ist ein<br />

biogener Ko-Brennstoff mit einzusetzen.<br />

Bisher durchgeführte Verbrennungstests<br />

zur Mono- und<br />

Kombiverbrennung von verschiedenen<br />

Klärschlammproben zeigen<br />

Emissionswerte, welche <strong>die</strong> Vorgaben<br />

der 17. BImSchV in Bezug auf<br />

<strong>die</strong> Abgaswerte erfüllen.<br />

Nächste Entwicklungsetappen<br />

sind <strong>die</strong> Entwicklung eines Mischbrennstoffs<br />

aus Klärschlamm und<br />

biogenen Abfällen wie u. a. Siebüberläufen<br />

aus der Kompostierung<br />

oder Faserstoffen aus Gärresten.<br />

Optionales Nährstoffrecycling<br />

durch sePura<br />

Zur direkten Weiterverwendung,<br />

also ohne zwischengeschaltete<br />

chemische Behandlung, sind ausschließlich<br />

Aschen geeignet, <strong>die</strong><br />

<strong>die</strong> düngemittelrechtlich vorgegebenen<br />

Grenzwerte einhalten. Diese<br />

können prinzipiell nach Siebung<br />

oder Aufmahlung in der Düngemittelproduktion<br />

eingesetzt werden.<br />

Es empfiehlt sich jedoch auf<br />

den zitrat löslichen besser auf den<br />

neutral-ammoncitratlöslichen Phosphatgehalt<br />

zu achten, da nur <strong>die</strong>ser<br />

kurzfristig pflanzenverfügbar ist.<br />

Der mineralsäurelösliche Phosphor<br />

kann, wie bei den unbehandelten<br />

Naturphosphaten, nur als mittelbis<br />

langfristig verfügbar angesehen<br />

werden, was eine bedarfsgerechte<br />

Düngung mit kalkulierbarer<br />

Nährstoffversorgung erschwert<br />

(Bild 7).<br />

Schadstoffarme Klärschlammaschen<br />

können in der Düngemittelherstellung<br />

ähnlich den natürlichen<br />

Rohphosphaten eingesetzt werden.<br />

Hier erfolgt üblicherweise ein Aufschluss,<br />

d. h. eine Umsetzung mit<br />

Schwefel- oder Phosphorsäure mit<br />

dem Ziel, wasserlösliche und damit<br />

besser pflanzenverfügbare Phosphate<br />

zu erzeugen. Auch wird hier<br />

<strong>die</strong> Zugabe weiterer Nährstoffe wie<br />

Stickstoff und/oder Kalium erfolgen,<br />

sodass handelsübliche Mehrnährstoffdünger<br />

generiert werden.<br />

Info<br />

Für Klärschlammaschen, <strong>die</strong> erhöhte<br />

Schwermetallgehalte aufweisen,<br />

sind mehrere Verfahren zur<br />

Schadstoffreduzierung in der Entwicklung.<br />

Bei den heutigen Phosphatpreisen<br />

sind <strong>die</strong>se Prozesse jedoch<br />

noch nicht konkurrenzfähig.<br />

Das INAR-Netzwerk arbeitet mit<br />

seinen Partnern auch an <strong>die</strong>sem<br />

Thema, um mittel- bis langfristig<br />

auch <strong>die</strong>se Aschefraktion noch nutzen<br />

zu können.<br />

Mitte 2015 in <strong>die</strong> Praxis<br />

Für <strong>die</strong> aktuelle Klärschlammentsorgungs-Fragestellung<br />

bzw. deren<br />

einhergehende wirtschaftliche Probleme<br />

<strong>für</strong> kleinere Kläranlagen stellt<br />

das vorgestellte Verfahrensprinzip<br />

ein geeignetes Lösungskonzept dar.<br />

Geplant ist, nach Abschluss der<br />

Einzel-Verfahrens-Entwicklungen im<br />

Frühjahr 2015 das Gesamtverfahren<br />

inklusive dem anschließenden<br />

Nährstoffrecycling bei einem INAR-<br />

Netzwerkpartner einem <strong>Wasser</strong>verband<br />

als Pilotanlage in Betrieb<br />

zu nehmen. Zudem steht das INAR-<br />

Netzwerk in Verhandlung mit mehreren<br />

mittelgroßen kommunalen<br />

Klärwerken, um das beschriebene<br />

Verfahren zur Klärschlammaufbereitung<br />

zu installieren.<br />

Bei Interesse an der Verfahrensentwicklung sowie der Anlagentechnik<br />

können sich Interessenten gerne an info@inar-netzwerk.de wenden<br />

oder sich persönlich unter 0421 2208 115 beraten lassen. Nähere<br />

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September 2014<br />

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Leserservice <strong>gwf</strong><br />

Postfach 91 61<br />

97091 Würzburg<br />

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Widerrufsrecht: Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z.B.<br />

Brief, Fax, E-Mail) oder durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt <strong>die</strong>ser Belehrung in Textform. Zur<br />

Wahrung der Widerrufsfrist genügt <strong>die</strong> rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an den Leserservice <strong>gwf</strong>, Postfach<br />

9161, 97091 Würzburg.<br />

✘<br />

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PAGWFW2014<br />

Nutzung personenbezogener Daten: Für <strong>die</strong> Auftragsabwicklung und zur Pflege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst und gespeichert. Mit <strong>die</strong>ser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden,<br />

dass ich vom DIV Deutscher Industrieverlag oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Me<strong>die</strong>n und Informationsangebote informiert und beworben werde.<br />

Diese Erklärung kann ich mit Wirkung <strong>für</strong> <strong>die</strong> Zukunft jederzeit widerrufen.


Branche | NACHRICHTEN |<br />

Unwetter über Deutschland – Kanalsysteme<br />

überfordert – hohe Schäden vorprogrammiert<br />

fbr fordert Umdenken in der Siedlungswasserwirtschaft<br />

Die Starkregenereignisse in<br />

Deutschland nehmen zu. Mehr<br />

als 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter<br />

in kurzer Zeit sind dabei<br />

keine Seltenheit. Das Kanalnetz in<br />

deutschen Städten und Gemeinden<br />

ist <strong>für</strong> <strong>die</strong>se Niederschlagsereignisse<br />

nicht ausgelegt und kann <strong>die</strong><br />

<strong>Wasser</strong>massen nicht abführen, <strong>die</strong><br />

Auswirkungen sind Überschwemmungen<br />

mit hohen Folgekosten.<br />

Experten prognostizieren auch<br />

in Zukunft deutlich mehr Starkregenereignisse.<br />

Die Fachvereinigung<br />

Betriebs- und Regenwassernutzung<br />

e. V. fordert seit Langem<br />

geeignete Retentionsmaßnahmen<br />

sowohl auf Privatgrundstücken als<br />

auch auf kommunalen Liegenschaften.<br />

Regenwasser rückhalten, nutzen,<br />

versickern und Regenwasser<br />

verdunsten sind <strong>die</strong> dezentralen<br />

Bausteine, <strong>die</strong> es gilt, maßgeblich in<br />

<strong>die</strong> Siedlungswasserwirtschaft zu<br />

integrieren. „Es muss endlich<br />

Schluss damit sein, dass Bürger und<br />

Gebäudeeigentümer, <strong>die</strong> in Regenwassernutzungsanlagen<br />

investieren<br />

und damit einen wesentlichen<br />

Beitrag zur Regenrückhaltung und<br />

nachhaltiger Regenwasserbewirtschaftung<br />

leisten, ausgebremst<br />

werden“, so Dietmar Sperfeld, Fachreferent<br />

der fbr. Behörden und Verwaltungen<br />

sind aufgerufen, Hemmnisse<br />

z. B. in Satzungen abzubauen<br />

und <strong>die</strong> Regenwassernutzung beratend<br />

zu unterstützen.<br />

Regenwasserspeicher sollten Bestandteil<br />

jeder privaten und gewerblichen<br />

Neubaumaßnahme sein.<br />

Der Mehrwert der Regenwassernutzung,<br />

angefangen bei der Retention,<br />

den Betriebswasserkonzepten,<br />

über <strong>die</strong> Löschwasserbevorratung<br />

bis hin zu neuen Möglichkeiten der<br />

Kühlung und Klimatisierung in der<br />

Gebäudetechnik, ist erheblich. Um<br />

<strong>die</strong>ses Ziel zu erreichen, ist ein generelles<br />

Umdenken in der Siedlungswasserwirtschaft<br />

notwendig. Die bestehende<br />

konventionelle <strong>Wasser</strong>infrastruktur<br />

muss zukünftig mit<br />

den dezentralen flexiblen Systemen<br />

weiter vernetzt werden.<br />

Die Akteure aus Politik, Forschung<br />

und Praxis sind aufgerufen,<br />

gemeinsam zu diskutieren und Lösungen<br />

zu erarbeiten.<br />

Kontakt:<br />

Fachvereinigung Betriebs- und<br />

Regenwassernutzung e. V.,<br />

Havelstraße 7 A,<br />

D-64295 Darmstadt,<br />

E-Mail: info@fbr.de,<br />

www.fbr.de<br />

© Fotolia<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 935


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

DBU zieht Bilanz <strong>für</strong> 2013:<br />

280 Projekte mit 44,3 Millionen Euro<br />

Inhaltlicher Schwerpunkt war der Schutz des Lebenselixiers <strong>Wasser</strong><br />

<strong>Wasser</strong> ist ein kostbares Lebenselixier <strong>für</strong> Mensch und Natur, doch seine Qualität ist vielerorts gefährdet.<br />

Täglich gelangen viele Stoffe aus Landwirtschaft, Industrie und Haushalten ins <strong>Abwasser</strong> und in Oberflächengewässer<br />

– zum Teil auch ins Grundwasser. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) setzte deshalb 2013<br />

stark auf den Schutz der Ressource, indem sie u. a. neue Ansätze <strong>für</strong> <strong>die</strong> Behandlung von Klärschlämmen,<br />

Gärsubstraten und Gülle, Filtersysteme <strong>für</strong> Kläranlagen oder biotechnologische Projekte förderte. „Wenn wir<br />

den Menschen ein gesundes Leben ermöglichen und <strong>die</strong> biologische Funktionsfähigkeit von Gewässern<br />

erhalten wollen, müssen wir das <strong>Wasser</strong> effektiver und umweltfreundlicher schützen und bewusster mit ihm<br />

umgehen“, sagte DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann bei der Vorstellung des Jahresberichts 2013.<br />

Die DBU werde <strong>die</strong>sen Schwerpunkt mit ihrem Expertenwissen auch in einer Projektgruppe weiter verfolgen.<br />

Im vergangenen Jahr bewilligte <strong>die</strong> Stiftung über alle Themenfelder, <strong>die</strong> sie bearbeitet, 280 Projekte mit<br />

rund 44,3 Millionen Euro.<br />

Laut Sachverständigenrat <strong>für</strong> Umweltfragen<br />

hat sich <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>qualität<br />

der deutschen Oberflächengewässer<br />

in den letzten Jahren verbessert.<br />

Kommunale Kläranlagen<br />

hätten sich auf einem hohen Qualitätsniveau<br />

stabilisiert und hinsichtlich<br />

der Stickstoffelimination noch<br />

weiter verbessert. Dagegen sei es<br />

nicht gelungen, Nährstoffeinträge<br />

aus diffusen Quellen in gleicher<br />

Weise zu verringern. So seien<br />

Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft<br />

mittlerweile das Hauptproblem<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>qualität nicht nur<br />

in Deutschland, sondern in ganz<br />

Europa geworden.<br />

Bottermann betonte, dass insbesondere<br />

in Regionen mit umfangreicher<br />

Tierhaltung <strong>die</strong> in <strong>die</strong><br />

Umwelt gelangenden Stickstoffmengen<br />

zu hoch seien. Dadurch<br />

würden auch Oberflächen- und<br />

Grundwasser belastet. Mit der<br />

Förderinitiative „Verminderung von<br />

Stickstoffemissionen“ wolle <strong>die</strong> DBU<br />

einen wirksameren Einsatz von<br />

Stickstoff vorantreiben und damit<br />

<strong>die</strong> in <strong>die</strong> Umwelt gelangenden<br />

Stickstoffmengen verringern. Ziel<br />

sei es einerseits, Stickstoffverluste,<br />

<strong>die</strong> bereits im Stall oder bei der<br />

Lagerung auftreten, weiter zu vermindern.<br />

Andererseits sollten sowohl<br />

Mineraldünger als auch organische<br />

Dünger wie Gülle oder Gärreste zielgenau<br />

aufgebracht werden, damit<br />

sie möglichst direkt von den Pflanzen<br />

aufgenommen werden. Denn<br />

würden sie an <strong>die</strong> Luft gelangen,<br />

bilde sich umweltschädliches Ammoniak.<br />

Dünger sollte am richtigen<br />

Ort, zum richtigen Zeitpunkt und in<br />

der richtigen Menge aufgebracht<br />

werden.<br />

„Ein großes Potenzial <strong>für</strong> das<br />

Verringern des Stickstoffverlustes<br />

liegt im Optimieren landwirtschaftlicher<br />

Ausbringungstechnik“, so DBU-<br />

Experte Dr. Holger N. Wurl. Zurzeit<br />

entwickle <strong>die</strong> Hochschule Osnabrück<br />

eine umweltfreundlichere Technik<br />

<strong>für</strong> den Maisanbau, <strong>die</strong> <strong>die</strong> übliche<br />

mineralische Unterfuß-Düngung<br />

durch Gülle und Gärsubstrate ersetzen<br />

und den Einsatz von Mineraldünger,<br />

der mit einem hohen<br />

Energieverbrauch hergestellt werde,<br />

verringern solle. Dazu untersuche<br />

man auch, welche Düngestrategie<br />

sich am besten eigne.<br />

Das Institut <strong>für</strong> Agrar- und Ernährungswissenschaften<br />

der Martin-<br />

Luther-Universität Halle-Wittenberg<br />

beschäftigte sich, so Wurl, mit einem<br />

Spezial-Verfahren, das mit einem<br />

gezielten Verteilen von Gülle oder<br />

Gärsubstraten auf Reihenkulturen<br />

wie Mais, Rübe oder Raps <strong>die</strong> übliche<br />

mineralische Unterfußdüngung<br />

ersetzte. Die Effizienz <strong>die</strong>ses Verfahrens<br />

werde in praxisnahen Feldversuchen<br />

durch einen Vergleich<br />

mit einer konventionellen Bewirtschaftung<br />

ermittelt. Neben regelmäßig<br />

durchgeführten Bodenproben,<br />

<strong>die</strong> Aufschluss über <strong>die</strong> Stickstoffverlagerung<br />

geben sollen, würden<br />

auch Pflanzen- und Wurzelwachstum<br />

sowie <strong>die</strong> Erträge untersucht.<br />

„Eine weitere Ursache <strong>für</strong> Schadstoffbelastungen<br />

im <strong>Wasser</strong> ist in<br />

Haushalten zu finden: Rund 31 000 t<br />

Arzneimittel werden jährlich in<br />

Deutschland eingenommen, ein Teil<br />

davon gelangt unvollständig verstoffwechselt<br />

in <strong>die</strong> Umwelt“, erläuterte<br />

Bottermann. Da der menschliche<br />

Körper <strong>die</strong> meisten Antibiotika,<br />

Hormone oder Schmerzmittel nicht<br />

vollständig abbaue, landeten sie als<br />

Mikroschadstoffe im häuslichen <strong>Abwasser</strong><br />

und könnten durch <strong>die</strong> Kanalisation<br />

in Flüsse und Seen gelangen.<br />

Aber auch <strong>die</strong> nicht verbrauchten<br />

Arzneimittel spielten eine Rolle: Laut<br />

einer Stu<strong>die</strong> aus dem Jahr 2008 in<br />

Deutschland gelangten 23 % der<br />

flüssigen nicht verwendeten Arzneistoffe<br />

und 7 % der festen nicht<br />

verwendeten Arzneistoffe aus den<br />

Privathaushalten in <strong>die</strong> Toilette. Das<br />

seien etwa 3 % der vermarkteten<br />

Pharmazeutika in Deutschland und<br />

entspräche 364 Tonnen Wirkstoffe.<br />

Viele <strong>die</strong>ser Substanzen und Hormone<br />

seien chemisch so stabil, dass sie<br />

bislang kaum oder gar nicht aus dem<br />

<strong>Wasser</strong> gefiltert und über <strong>die</strong> Kläranlagen<br />

in den <strong>Wasser</strong>kreislauf geraten<br />

könnten – ein großes Problem<br />

September 2014<br />

936 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

<strong>für</strong> Umwelt, Mensch und Tier, ergänzte<br />

DBU-Experte Franz-Peter<br />

Heidenreich.<br />

Das Zentrum <strong>für</strong> Umweltforschung<br />

und nachhaltige Technologien der<br />

Universität Bremen entwickle ein<br />

Verfahren <strong>für</strong> kleine und kommunale<br />

Kläranlagen, bei dem erstmals mit<br />

Bio- bzw. Pflanzenkohle das <strong>Wasser</strong><br />

von speziellen Arzneimittelrückständen<br />

gereinigt werden könne. Die<br />

Pflanzenkohle – also verkohltes Holz<br />

– funktioniere wie ein Schwamm<br />

und binde <strong>die</strong> Schadstoffe aus dem<br />

<strong>Wasser</strong>. Die Filteranlage solle mit<br />

robusten und anpassungsfähigen<br />

Pflanzen wie Rohrglanzgras sowie<br />

speziellen Pilzen kombiniert werden,<br />

um einen zusätzlichen Reinigungseffekt<br />

zu erreichen. Der ländliche<br />

Bereich biete zumeist genügend<br />

Platz <strong>für</strong> <strong>die</strong> Pflanzenkläranlagen,<br />

„deren Technik sich auch auf größere<br />

Kläranlagen übertragen ließe“, so<br />

Heidenreich. Von Vorteil sei auch,<br />

dass <strong>die</strong> Anlage mit wenig Pflege<br />

fast wartungsfrei und sehr günstig<br />

zu betreiben sei.<br />

Auch in der industriellen Produktion<br />

fielen etwa durch den Einsatz<br />

von Chemikalien Belastungen des<br />

<strong>Abwasser</strong>s an, so Bottermann. Mithilfe<br />

der Industriellen Biotechnologie<br />

gelinge es oft, alternative Verfahren<br />

und Produkte <strong>für</strong> verschiedene Industriezweige<br />

zu entwickeln und<br />

den Eintrag giftiger Substanzen zu<br />

verringern. Positiver Nebeneffekt:<br />

Die Ressourcen- und Energieeffizienz<br />

könnte häufig gesteigert werden.<br />

Biotechnologie sei deshalb ein<br />

„wichtiges Werkzeug des produktionsintegrierten<br />

Umweltschutzes und<br />

Schlüsseltechnologie <strong>für</strong> nachhaltiges<br />

Wirtschaften“.<br />

Wichtiger Bestandteil von Waschund<br />

Reinigungsmitteln, Kosmetika<br />

und Pharmazeutika seien Tenside,<br />

so DBU-Experte Dr. Hans-Christian<br />

Schaefer. Sie lösten Fett- und Schmutzpartikel<br />

von den Oberflächen ab und<br />

seien daher in Wasch- und Reinigungsmitteln<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Reinigungswirkung<br />

verantwortlich. In Salben<br />

und Cremes ermöglichten sie, dass<br />

sich Öl und <strong>Wasser</strong> zu einer Emulsion<br />

vermischten. „Das Bayerische<br />

Landesamt <strong>für</strong> Umwelt gibt an,<br />

dass deutschlandweit etwa 200 000 t<br />

Tenside pro Jahr ins <strong>Abwasser</strong> gelangen“,<br />

erklärte Schaefer. Wegen<br />

der großen Mengen sei eine gute<br />

biologische Abbaubarkeit wichtig.<br />

Zudem werde ein erheblicher Teil<br />

der Tenside auf chemischem Wege<br />

auf Erdölbasis produziert oder aus<br />

pflanzlichen Ölen, darunter Kokosund<br />

Palmkernöl. Doch Tenside könnten<br />

auch durch Mikroorganismen<br />

hergestellt werden, sogenannte Biotenside.<br />

In einem Kooperationsprojekt mit<br />

sieben Partnern aus Forschung und<br />

Industrie unter Federführung des<br />

Instituts <strong>für</strong> Pharmazeutische Biotechnologie<br />

der Universität Ulm sei<br />

ein neues Verfahren zum Herstellen<br />

von bestimmten Biotensiden, den<br />

sogenannten Rhamnolipiden, entwickelt<br />

worden. Diese seien aus<br />

Zucker und Fettsäuren aufgebaut<br />

und daher vollständig biologisch<br />

abbaubar. Als Kohlenstoffquelle<br />

<strong>die</strong>nten <strong>die</strong> nachwachsenden Rohstoffe<br />

Glucose oder Glycerin. Derzeit<br />

könnten Biotenside <strong>für</strong> einen<br />

breiten Einsatz in Wasch- und Reinigungsmitteln<br />

wegen der hohen<br />

Herstellungskosten noch nicht mit<br />

herkömmlich produzierten Tensiden<br />

konkurrieren. Langfristig könnten<br />

durch Biotenside aber Gewässer und<br />

endliche Ressourcen geschont und<br />

<strong>die</strong> Kohlendioxidbilanz der Tensidverwendung<br />

verbessert werden.<br />

Die DBU ist eine der größten<br />

Stiftungen Deutschlands. Im Mittelpunkt<br />

ihrer Förderung stehen kleine<br />

und mittlere Unternehmen. Die<br />

Stiftung vergibt jährlich den mit<br />

500 000 Euro dotierten Deutschen<br />

Umweltpreis.<br />

Der Jahresbericht kann kostenlos<br />

bei der DBU bestellt werden:<br />

An der Bornau 2, D-49090 Osnabrück,<br />

Tel. (0541)9633-0,<br />

Fax (0541) 9633-190,<br />

E-Mail info@dbu.de,<br />

www.dbu.de<br />

GWF_21-8_KGS-TK-Flon_188-58_Layout 1 04.03.14 21:22 Seite 1<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 937


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Fraunhofer-Algen auf dem Weg zur ISS<br />

Am 23. Juli 2014 hieß es „lift-off“ <strong>für</strong> eine Reihe von Organismen, <strong>die</strong> mindestens 12 Monate an der Außenseite der<br />

Raumstation ISS verbringen werden. Unter den mehreren Hundert Proben von Urbakterien, Algen, Flechten, Moosen<br />

und Pilzen finden sich auch zwei Stämme aus der Sammlung frostliebender Algen, <strong>die</strong> am Institutsteil Bioanalytik<br />

und Bioprozesse des Fraunhofer-Instituts <strong>für</strong> Zelltherapie und Immunologie in Potsdam beheimatet ist.<br />

Dr. Thomas Leya vom Fraunhofer<br />

IZI ist einer von mehreren na tionalen<br />

und internationalen Partnern,<br />

<strong>die</strong> zusammen im BIOMEX-Projekt<br />

(Biology and Mars-Expe riment) und<br />

in enger Kooperation mit seinem<br />

Kollegen Dr. Jean-Pierre de Vera<br />

vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum<br />

DLR untersuchen, ob<br />

und welche Organismen extreme<br />

Weltraumbedingungen überleben.<br />

Leya leitet <strong>die</strong> Arbeitsgruppe<br />

Extremophilenforschung & Biobank<br />

sowie <strong>die</strong> Stammsammlung frostliebender<br />

Algen, Culture Collection<br />

of Cryophilic Algae, kurz CCCryo.<br />

Beim Weltraumausstieg wurden <strong>die</strong><br />

Präparation der Algen <strong>für</strong> <strong>die</strong> Versuche an der<br />

Außenseite der Weltraumstation ISS.<br />

© Thomas Leya/Fraunhofer<br />

Proben an der Außenseite der ISS in<br />

<strong>die</strong> Anlage EXPOSE-R2 positioniert<br />

und der dort herrschenden, ultravioletten<br />

und kosmischen Strahlung<br />

sowie starken Temperaturschwankungen<br />

ausgesetzt.<br />

Bei den beiden Stämmen aus der<br />

Sammlung CCCryo handelt es sich<br />

um das Cyanobakterium Nostoc sp.,<br />

einer Blaualge aus der Antarktis, und<br />

um <strong>die</strong> Grünalge Sphaerocystis sp.<br />

aus Spitzbergen. Die Arbeitsgruppe<br />

um Thomas Leya ist seit 15 Jahren<br />

aktiv mit der Erforschung der Anpassungsstrategien<br />

kryophiler (kälteliebender)<br />

Algen beschäftigt. Die beiden<br />

Organismen, <strong>die</strong> am 23. Juli mit<br />

einer Progress-Rakete zur ISS transportiert<br />

wurden, gehören zu knapp<br />

400 Isolaten, von denen der größte<br />

Teil von Thomas Leya während Expeditionen<br />

in <strong>die</strong> Antarktis und nach<br />

Spitzbergen gesammelt wurde. Die<br />

Algen werden am Fraunhofer IZI in<br />

Potsdam kultiviert und charakterisiert.<br />

„Neben solchen wissenschaftlichen<br />

Grundlagenfragen, wie wir<br />

sie im BIOMEX-Projekt untersuchen,<br />

versprechen wir uns von <strong>die</strong>sen<br />

extremophilen Organismen, <strong>die</strong> in<br />

unserem Fall oft gut an niedrige<br />

Temperaturen, erhöhte Strahlung und<br />

Austrocknungsstress angepasst sind,<br />

neue Produkte <strong>für</strong> <strong>die</strong> Industrie. Im<br />

Fokus stehen dabei zurzeit besonders<br />

<strong>die</strong> Kosmetik- und Lebensmittelbranche“,<br />

erklärt Thomas Leya. Im<br />

Rahmen von BIOMEX wurden am<br />

DLR in Köln in Vorbereitung auf <strong>die</strong>se<br />

Weltraumexperimente bereits Laborversuche<br />

durchgeführt, bei denen<br />

<strong>die</strong> rotgefärbten Dauerformen der<br />

Grünalge bewiesen haben, dass sie<br />

Austrocknung, Hitze bis +60 °C und<br />

Kälte bis –25 °C und in bestimmtem<br />

Rahmen auch UV-Strahlung gut überstehen.<br />

Die Anpassungsstrategien,<br />

<strong>die</strong> hinter <strong>die</strong>ser natürlichen Anpassung<br />

stehen, gilt es nun aufzuklären<br />

und in eine industrielle Anwendung<br />

zu überführen.<br />

Die auf der ISS durchgeführten<br />

Experimente unter Federführung der<br />

DLR werden den internationalen<br />

Teams hingegen Aufschluss darüber<br />

geben, welche Organismen im<br />

Weltraum überhaupt oder auch z. B.<br />

auf dem Mars überleben können.<br />

Die Resultate sind wichtig, um <strong>die</strong><br />

Entstehung von Leben in unserem<br />

Sonnensystem zu erklären.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.fraunhofer.de<br />

<strong>Wasser</strong>aufbereitung GmbH<br />

Grasstraße 11 • 45356 Essen<br />

Telefon (02 01) 8 61 48-60<br />

Telefax (02 01) 8 61 48-48<br />

www.aquadosil.de<br />

September 2014<br />

938 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


INFORMATION & KOMMUNIKATION<br />

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und seine Anforderungen an Bauprodukte in Kontakt mit Trinkwasser +++<br />

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und Netzen +++ Neues Hauptkennzahlenset <strong>für</strong> Benchmarking +++ Notfallkonzepte<br />

bei Stromausfall +++ Optimierte Überwachungsstrategien bei<br />

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| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Kieler Ingenieurbüro setzt auf das Gütezeichen AB<br />

Die Sanierung von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen erfordert<br />

ein spezielles Know-how – bei Auftraggebern<br />

und Bauüberwachern<br />

ebenso wie bei den ausführenden<br />

Unternehmen: Diese Meinung vertritt<br />

auch Dipl.-Ing. Dirk Noack, Geschäftsführer<br />

IPP Ingenieurgesellschaft<br />

Possel u. Partner GmbH & Co. KG,<br />

Kiel. Für Noack beginnt eine erfolgreiche<br />

Kanalsanierung bereits mit<br />

der Auswahl des Planers und nicht<br />

erst mit der Auftragsvergabe an ein<br />

geeignetes Unternehmen. „Der Umgang<br />

mit dem Investitionsgut Kanalinfrastruktur<br />

erfordert erfahrene Fachleute,<br />

und das sowohl bei Planung<br />

und Ausschreibung als auch bei<br />

Ausführung und Bauüberwachung“,<br />

so Noack. Fehlende Fachkenntnisse,<br />

geringe Erfahrungen oder eine oberflächliche<br />

Projektbearbeitung führen<br />

zu unvollständigen Planungsprojektierungen<br />

und Ausschreibungsunterlagen.<br />

Das Resultat sind Sanierungsergebnisse,<br />

<strong>die</strong> <strong>die</strong> gestellten Anforderungen<br />

und Erwartungen nicht<br />

erfüllen: „Weder unter wirtschaftlichen<br />

Aspekten noch mit Blick auf<br />

einen nachhaltigen Kanalbau oder<br />

den Schutz der Umwelt“, betont<br />

Noack, der an <strong>die</strong>ser Stelle kritisch<br />

darauf hinweist, dass Aufträge teilweise<br />

immer noch nach dem Motto<br />

„Hauptsache, billig“ vergeben werden.<br />

Es sei langfristig betrachtet<br />

wirtschaftlicher und nachhaltiger,<br />

gleich angemessene Mittel <strong>für</strong> eine<br />

fachgerechte Planung und Ausführung<br />

bereitzustellen und dadurch<br />

<strong>die</strong> Kosten <strong>für</strong> spätere Mängelbeseitigung<br />

einzusparen – so seine<br />

Erfahrung.<br />

Baustein AB geschaffen<br />

Es muss im Interesse der Städte und<br />

Kommunen liegen, dass <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanäle von erfahrenen<br />

und zuverlässigen Fachleuten<br />

geplant, gebaut oder saniert werden.<br />

Unter anderem hat der Ausschreibende<br />

da<strong>für</strong> zu sorgen, dass<br />

geeignete Bauverfahren nach den<br />

allgemein anerkannten Regeln der<br />

Technik eingesetzt werden. Vor<br />

<strong>die</strong>sem Hintergrund wurde auf Initiative<br />

der Mitgliederversammlung<br />

der Gütegemeinschaft Kanalbau<br />

mit „Ausschreibung und Bauüberwachung“<br />

ein zusätzlicher Baustein<br />

zur Qualitätssicherung geschaffen<br />

und Anforderungen <strong>für</strong> Ingenieurleistung<br />

im Bereich Ausschreibung (A)<br />

und Bauüberwachung (B) im offenen<br />

Kanalbau (AK), bei grabenlosem<br />

Einbau (V) und der grabenlosen<br />

Sanierung (S) von <strong>Abwasser</strong>leitungen<br />

und -kanälen als Beurteilungsgruppen<br />

ABAK, ABV und ABS in<br />

<strong>die</strong> Güte- und Prüfbestimmungen<br />

aufgenommen.<br />

Wettbewerb qualifizierter<br />

Fachbüros<br />

Ein Schritt in <strong>die</strong> richtige Richtung,<br />

findet Dirk Noack, der <strong>die</strong> Erweiterung<br />

der Gütesicherung auf den<br />

Bereich der Ausschreibung und<br />

Bauüberwachung sehr begrüßt. Das<br />

renommierte Kieler Ingenieurbüro,<br />

IPP-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Dirk Noack (li.) und Prüfingenieur<br />

Dipl.-Ing. Dirk Stoffers im Gespräch. © Güteschutz Kanalbau<br />

das in seiner heutigen Form seit<br />

2006 besteht, hat schon früh ein<br />

Qualitätsmanagementsystem eingeführt.<br />

Bis zur Beantragung des<br />

ersten Gütezeichens war es dann<br />

nur ein kurzer und folgerichtiger<br />

Schritt: Seit 2010 führt IPP das Gütezeichen<br />

ABS; 2012 kam das Gütezeichen<br />

ABAK hinzu, und zurzeit<br />

läuft der Antrag auf das Gütezeichen<br />

ABV. „Wir betrachten Qualität<br />

und Qualifikation als wesentliche<br />

Kriterien, <strong>die</strong> bei der Auftragsvergabe<br />

zunehmend eine wichtige Rolle<br />

spielen“, so Noack. Zumindest in größeren<br />

Kommunen sei das so, so <strong>die</strong><br />

Erfahrungen des Planers. Dies kommt<br />

auch darin zum Ausdruck, dass<br />

Auftraggeber gezielt Ingenieurbüros<br />

beauftragen, <strong>die</strong> ihre Qualifikation<br />

nachgewiesen haben, und zwar<br />

explizit in Bezug auf Kanalbauprojekte<br />

in offener Bauweise<br />

(ABAK), im Vortrieb (ABV) oder in<br />

Bezug auf Projekte der Kanalsanierung<br />

(ABS).<br />

Neutraler Qualifikationsnachweis<br />

Das bestätigt Dipl.-Ing. Dirk Stoffers,<br />

ein vom Güteausschuss der Gütegemeinschaft<br />

Kanalbau beauftragter<br />

Prüfingenieur: „Vor Vergabe von Leistungen<br />

bei Ausschreibung und Bauüberwachung<br />

prüfen immer mehr<br />

Auftraggeber, ob <strong>die</strong> entsprechenden<br />

Organisationen <strong>die</strong> erforderlichen<br />

Eignungskriterien erfüllen.“ Mit der<br />

Verleihung des Gütezeichens Kanalbau<br />

der Beur teilungsgruppen ABAK,<br />

ABV und ABS verfügt eine Organisation<br />

über einen Nachweis von neutraler<br />

und anerkannter Seite. „Entsprechend<br />

den Anforderungen der<br />

Güte- und Prüfbestimmungen prüft<br />

und bestätigt ein vom Güteausschuss<br />

der Gütegemeinschaft Kanalbau beauftragter<br />

Prüfingenieur dem Antragsteller<br />

<strong>die</strong> Erfüllung der Eignungskriterien<br />

regelmäßig einmal pro Jahr,<br />

“, so Stoffers weiter. Besondere Erfahrungen<br />

der Organisation bzw. des<br />

eingesetzten Personals werden durch<br />

September 2014<br />

940 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

Belege über entsprechende Tätigkeiten<br />

nachgewiesen. Zudem erfolgen<br />

schriftliche Referenzan fragen an Auftraggeber<br />

mit Be stätigung der Ausschreibungs-<br />

und Bauüberwachungsleistung.<br />

Entspre chend qualifizierte<br />

Organisationen betreiben aktiv ein<br />

zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem<br />

zur Fehlerminimierung. Die<br />

Qualifi kation und Zuverlässigkeit des<br />

eingesetzten Personals wird durch<br />

personengebundene Qualifikationen<br />

(z. B. Zertifizierte Kanalsanierungsberater)<br />

bzw. durch Vorlage entsprechender<br />

Referenzen nachgewie<br />

sen. Regelmäßige Schulungen<br />

zur Aufrechterhaltung der Qualifikation<br />

gehören ebenso zum Profil<br />

der Gütezeicheninhaber.<br />

Unterstützung der<br />

Gütegemeinschaft<br />

Darüber hinaus dokumentieren<br />

Gütezeicheninhaber ihre Eigenüberwachung.<br />

Dabei erhalten sie<br />

Unterstützung der Gütegemeinschaft<br />

in Form von Checklisten, <strong>die</strong> dazu<br />

beitragen, dass <strong>die</strong> wesentlichen<br />

Kriterien und Randbedingungen bei<br />

der Ausschreibung und Bauüberwachung<br />

systematisch berücksichtigt<br />

werden. Bei der Eigenüberwachung<br />

handelt es sich um eine interne Dokumentation<br />

durch Mitarbeiter des<br />

Unternehmens, <strong>die</strong> <strong>die</strong> Übermittlung<br />

von Sollwerten auf <strong>die</strong> Baustelle sowie<br />

<strong>die</strong> Dokumentation der Istwerte<br />

vereinfacht. Eine Hilfe zur Dokumentation<br />

der Eigenüberwachung<br />

stellen <strong>die</strong> Leitfäden dar. Sie existieren<br />

<strong>für</strong> unterschiedliche Ausführungsbereiche<br />

sowohl in der<br />

Bauausführung als auch <strong>für</strong> Ausschreibung<br />

und Bauüberwachung.<br />

Für Dirk Noack ist ein Instrument<br />

wie <strong>die</strong> Leitfäden ein wichtiger<br />

Baustein des Gesamtpaketes Gütesicherung<br />

Kanalbau, von dem <strong>die</strong><br />

Gütezeicheninhaber und ihre Mitarbeiter<br />

in vielfältiger Weise profitieren.<br />

Als weitere Beispiele aus dem<br />

vielfältigen Angebot der Gütegemein<br />

schaft Kanalbau nennt er<br />

Veranstaltungen wie <strong>die</strong> Erfahrungsaustausche,<br />

auf denen Auftraggeber<br />

und Auftragnehmer Erfahrungen zur<br />

fachgerechten Bauausführung und<br />

Fehlervermeidung austauschen, oder<br />

<strong>die</strong> Auftrag geber-Fachgespräche, eine<br />

Veranstaltungsreihe <strong>für</strong> Auftraggeber<br />

und Ingenieur-Büros, <strong>die</strong> sich<br />

schwerpunktmäßig mit Neuerungen<br />

und Entwicklungen zur Gütesicherung,<br />

technischen Neuerungen im<br />

Regelwerk, Qualitätssicherung der<br />

Ausführung, Leitfäden zur Eigenüberwachung<br />

und Erfahrungen und<br />

Hinweisen zur fachgerechten Bauausführung<br />

beschäftigen. Hinzu<br />

kommen <strong>die</strong> Schulungen, an denen<br />

<strong>die</strong> Mitarbeiter der Gütezeicheninhaber<br />

entsprechend den Güteund<br />

Prüfbestimmungen teilnehmen,<br />

um ihre Qualifikation aufrechtzu erhalten.<br />

Hier werden insbesondere <strong>die</strong><br />

Anforderungen der DIN EN-, DINund<br />

DWA-Regelwerke zur fachgerechten<br />

Ausführung vermittelt. An<br />

Erfahrungsaustauschen und Auftraggeber-Fachgesprächen<br />

nehmen Noack<br />

und seine Kollegen immer wieder<br />

gerne teil, und „<strong>die</strong> bei IPP durchgeführten<br />

Inhouse- Seminare tragen<br />

dazu bei, dass <strong>die</strong> Mitarbeiter auf<br />

dem aktuellen Kenntnisstand der<br />

allgemein anerkannten Regeln der<br />

Technik sind“, ist Noack überzeugt.<br />

Auch <strong>die</strong> regelmäßigen Kontakte<br />

mit Prüfingenieur Stoffers sind <strong>für</strong><br />

Noack mehr als nur der Ausdruck<br />

einer guten Partnerschaft. Er sieht den<br />

Prüfingenieur als neutrale Instanz,<br />

<strong>die</strong> bei der Sichtung von Unterlagen<br />

wie zum Beispiel den Leistungsverzeichnissen<br />

von Projektierungen bei<br />

offenem Kanalbau oder Sanierung<br />

schon mal <strong>die</strong> ein oder andere<br />

Ungereimtheit in Bezug auf Plausibilität<br />

oder Aktualität der zitierten<br />

Regelwerke festgestellt hat.<br />

Kontakt:<br />

RAL-Gütegemeinschaft<br />

Güteschutz Kanalbau,<br />

Postfach 1369, D-53583 Bad Honnef,<br />

Tel. (02224) 9384-0, Fax (02224) 9384-84,<br />

E-Mail: info@kanalbau.com,<br />

http://www.kanalbau.com<br />

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September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 941


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Memorandum Klimagerechte Stadt: integrierte<br />

Stadt- und Infrastrukturplanung notwendig<br />

Städte müssen sich an den Klimawandel anpassen. Dazu sind ganzheitliche Anpassungsstrategien notwendig.<br />

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fordern da<strong>für</strong> eine enge Vernetzung der Themenfelder Klima,<br />

Ressourcen und Stadtentwicklung. Mit einem Memorandum zum Forschungs- und Umsetzungsbedarf machen<br />

sie auf <strong>die</strong> drängendsten Herausforderungen und Chancen <strong>für</strong> eine klimagerechte Stadt aufmerksam.<br />

Dass sich Städte verändern<br />

müssen, um sich an den Klimawandel<br />

anzupassen, ist in Politik<br />

und Wissenschaft unumstritten. Das<br />

setzt voraus, dass <strong>die</strong> Ressourcen<br />

synergetisch genutzt werden. Dazu<br />

ist <strong>die</strong> Vernetzung aller am Städteund<br />

Wohnungsbau Beteiligten aus<br />

Forschung und Praxis notwendig.<br />

Nach Einschätzung von Wissenschaftlern<br />

und Wissenschaftlerinnen<br />

fehlt es jedoch an Forschungs- und<br />

Förderprogrammen, <strong>die</strong> derartige<br />

Planungsansätze <strong>für</strong> eine klimagerechte<br />

Stadtentwicklung unterstützen.<br />

Die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen<br />

des Memorandums<br />

Klimagerechte Stadt weisen auf<br />

dringenden Handlungsbedarf hin.<br />

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen<br />

unterschiedlicher Disziplinen<br />

möchten sicherstellen, dass<br />

der Forschungs- und Umsetzungsbedarf<br />

rechtzeitig erkannt wird,<br />

damit Lösungen in der Praxis ebenso<br />

frühzeitig erprobt und umgesetzt<br />

werden können: Eine integrierte<br />

Stadt- und Infrastrukturplanung kann<br />

dabei beispielsweise Wissen und<br />

Erfahrung unterschiedlicher Fachbereiche<br />

in Städte- und Wohnungsbau<br />

vernetzen.<br />

Gesamtsystem Stadt: Vernetzung<br />

am Beispiel <strong>Wasser</strong><br />

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen<br />

kritisieren <strong>die</strong> gegenwärtige<br />

Konzentration auf Einzeldisziplinen<br />

auch deshalb, weil sie<br />

ihrer Meinung nach zu kurz greift.<br />

„Deutlich wird das z. B. bei der Stadtsanierung,<br />

dem Denkmalschutz und<br />

der energetischen Sanierung“, sagt<br />

<strong>Wasser</strong>experte Engelbert Schramm,<br />

Mitglied der Institutsleitung des<br />

ISOE – Institut <strong>für</strong> sozial-ökologische<br />

Forschung. „Hier werden ökologische<br />

und soziale Ziele getrennt<br />

voneinander verfolgt, <strong>die</strong> Ergebnisse<br />

sind deshalb mitunter suboptimal<br />

<strong>für</strong> das Gesamtsystem Stadt“. Das<br />

Thema klimagerechte Stadt sei aber<br />

zentral und müsse deshalb ganzheitlich<br />

betrachtet werden.<br />

Im Memorandum zeigen <strong>die</strong><br />

Forscher und Forscherinnen, dass<br />

<strong>Wasser</strong> eine Art Querschnittsthema<br />

sein kann, wenn es um <strong>die</strong> vielfältigen<br />

Gestaltungsmöglichkeiten städtischer<br />

Räume geht: Ähnlich wie<br />

Niederschlagswasser kann auch<br />

ge reinigtes <strong>Abwasser</strong> Grünflächen,<br />

Parks oder offene <strong>Wasser</strong>läufe speisen.<br />

Es kann auch als Bewässerung<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Nahrungsmittelproduktion<br />

durch Urban Gardening und Farming<br />

<strong>die</strong>nen oder abgesenkte<br />

Grundwasserleiter wieder künstlich<br />

anreichern. „Zusätzlich kann <strong>die</strong><br />

Wärme aus dem <strong>Abwasser</strong> genutzt<br />

werden – zum Heizen von Gebäuden,<br />

sogar von Treibhäusern, oder<br />

zur Einspeisung ins Wärmenetz“,<br />

sagt Martina Winker, <strong>die</strong> am ISOE<br />

den Forschungsschwerpunkt <strong>Wasser</strong>infrastrukturen<br />

und Risikoanalysen<br />

leitet.<br />

Memorandum unterzeichnen<br />

– Aufruf an Politik, Wissenschaft<br />

und Akteure in der<br />

Praxis<br />

Die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen<br />

des Memorandums richten<br />

sich nicht nur an Vertreter und Vertreterinnen<br />

der Bundes-, Landes- und<br />

Kommunalpolitik. Vielmehr möchten<br />

sie auch <strong>die</strong> verschiedenen Fachverbände,<br />

kommunalen Spitzenverbände<br />

und Fachgesellschaften<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Anforderungen einer klimagerechten<br />

Stadt der Zukunft sensibilisieren<br />

und sie auffordern, in einen<br />

Austausch zu treten.<br />

Die Idee zum Memorandum Eine<br />

klimagerechte Stadt erfordert integrierte<br />

Stadt- und Infrastrukturplanung<br />

entstand in einem Fachgespräch zum<br />

Thema Transformation der <strong>Wasser</strong>infrastruktur<br />

am ISOE – Institut<br />

<strong>für</strong> sozial-ökologische Forschung in<br />

Frankfurt am Main am 5. Juni 2014.<br />

Zahlreiche Personen aus Wissenschaft<br />

und Praxis unterstützen <strong>die</strong><br />

Forderungen mit ihrer Unterzeichnung<br />

des Memorandums. Unterschriften<br />

können auch weiterhin auf<br />

www.memorandum-klimagerechtestadt.de<br />

eingetragen werden. Das<br />

Memorandum wird den Bundesministerinnen<br />

Dr. Barbara Hendricks,<br />

Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit,<br />

und Prof. Dr. Johanna<br />

Wanka, Bildung und Forschung, zugestellt.<br />

Kontakt:<br />

ISOE – Institut <strong>für</strong> sozial-ökologische Forschung,<br />

Hamburger Allee 45,<br />

D-60486 Frankfurt am Main,<br />

Tel. (069) 707 69 19-0,<br />

Fax (069) 707 69 19-11,<br />

E-Mail: info@isoe.de,<br />

www.isoe.de<br />

September 2014<br />

942 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

HUBER gehört zu Bayerns Best 50<br />

Das Bayerische Staatsministerium<br />

<strong>für</strong> Wirtschaft und Me<strong>die</strong>n,<br />

Energie und Technologie ehrte<br />

<strong>die</strong>ses Jahr wieder <strong>die</strong> 50 wachstumsstärksten<br />

mittelständischen Unternehmen.<br />

Dazu gehört auch das<br />

Umweltunternehmen HUBER aus<br />

Berching. Vorstandsvorsitzender<br />

Georg Huber nahm am 29. Juli 2014<br />

<strong>die</strong> Auszeichnung in der Residenz in<br />

München entgegen.<br />

Zu Bayerns Best 50 zählen bayerische<br />

Unternehmen, <strong>die</strong> in den<br />

letzten Jahren <strong>die</strong> Zahl ihrer Mitarbeiter<br />

und ihren Umsatz überdurchschnittlich<br />

steigern konnten.<br />

„Ohne <strong>die</strong> Arbeit der mittelständischen<br />

Unternehmen wäre <strong>die</strong><br />

Dynamik und Innovationskraft der<br />

bayerischen Wirtschaft nicht vorstellbar“,<br />

sagte <strong>die</strong> Bayerische Wirtschafsministerin<br />

Ilse Aigner. „Fast<br />

40 % des in Bayern erzielten steuerpflichtigen<br />

Gesamtumsatzes werden<br />

von kleinen und mittleren Unternehmen<br />

erzielt. Der Mittelstand<br />

schafft Arbeitsplätze und ist <strong>die</strong><br />

Grundlage <strong>für</strong> den hohen Lebensstandard<br />

in Bayern.“<br />

Der Vorstandsvorsitzende Georg<br />

Huber freute sich über Auszeichnung:<br />

„Im besten Bundesland zu<br />

den Besten zu gehören, ist eine<br />

besondere Ehre. Darauf können alle<br />

unsere Mitarbeiter sehr stolz sein.<br />

Der Preis ist eine Bestätigung da<strong>für</strong>,<br />

dass wir uns mit unseren innovativen<br />

Produkten und Lösungen <strong>für</strong><br />

den Bereich <strong>Wasser</strong> und <strong>Abwasser</strong><br />

auf dem richtigen Weg befinden.“<br />

Weitere Informationen:<br />

HUBER SE,<br />

Industriepark Erasbach A1,<br />

D-92334 Berching,<br />

www.huber.de<br />

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Anforderungen der Versickerung,<br />

Retention und<br />

Speicherung von Niederschlagswasser.<br />

Für eine<br />

sichere, langlebige und<br />

dauerhafte Regenwasserbewirtschaftung.<br />

Vorstands vorsitzender Georg Huber nimmt den Preis von der<br />

Bayerischen Staats ministe rin <strong>für</strong> Wirtschaft und Me<strong>die</strong>n, Energie<br />

und Technologie Ilse Aigner entgegen. © HUBER SE<br />

www.rehau.de/wassermanagement<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 943<br />

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| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Trinkwasserqualität in Bayern:<br />

Kooperation sorgt <strong>für</strong> gute <strong>Wasser</strong>qualität<br />

Zu jeder Zeit kommt in Bayern kühles, klares und frisches Trinkwasser aus der Leitung. Die <strong>Wasser</strong>qualität ist<br />

dabei sehr gut. Damit das gelingt, arbeiten <strong>Wasser</strong>versorger und Landwirte <strong>für</strong> <strong>die</strong> hohe Qualität des Trinkwassers<br />

zusammen.<br />

Mit einem Anteil von über 90 %<br />

ist in Bayern das Grundwasser<br />

der wichtigste <strong>Wasser</strong>vorrat <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Trinkwassergewinnung. Für seinen<br />

Schutz sorgen <strong>Wasser</strong>schutzgebiete<br />

mit entsprechenden Auflagen und<br />

freiwillige Kooperationen zwischen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgern und Landwirten.<br />

„Alles, was in den Untergrund gelangt,<br />

kann sich auf <strong>die</strong> Qualität unseres<br />

Trinkwassers auswirken. Ziel ist<br />

es, u. a. hohe Nitratwerte im Grundwasser<br />

zu vermeiden. Durch entsprechende<br />

Vorsorgemaßnahmen<br />

können wir <strong>die</strong>s in den Griff bekommen“,<br />

sagt Markus Rauh, stellvertretender<br />

Vorsitzender des Verbands<br />

der Bayerischen Energie- und <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

(VBEW). „Die bayerischen<br />

Land- und Forstwirte sind sich daher<br />

ihrer Verantwortung beim Grundwasserschutz<br />

als Bewirtschafter eines<br />

Großteils der Landesfläche bewusst,“<br />

so Alfred Enderle, Umweltpräsident<br />

des Bayerischen Bauernverbandes.<br />

Für eine Verbesserung der Grundwasserqualität<br />

treffen Landwirte<br />

und <strong>Wasser</strong>versorgung deshalb seit<br />

mehr als 20 Jahren geeignete Maßnahmen.<br />

Grundwasser – ein wertvoller<br />

Schatz braucht Schutz<br />

Für das pflanzliche Wachstum ist<br />

Stickstoff nötig. Um den Bedarf der<br />

Pflanzen zu decken, bringen Landwirte<br />

bedarfsgerecht und nach gesetzlichen<br />

Vorschriften Gülle und<br />

Mineraldünger auf <strong>die</strong> Felder aus.<br />

Dabei kann ein Teil der Nährstoffe<br />

ungewollt ins Grundwasser sickern.<br />

Das Risiko z. B. einer Nitratbelastung<br />

des Grundwassers ist aber nicht<br />

überall gleich hoch. Entscheidend<br />

dabei ist <strong>die</strong> Reinigungswirkung<br />

des Bodens. Das Prinzip ist einfach:<br />

Einsickerndes Regenwasser und weitere<br />

Stoffe, <strong>die</strong> auf <strong>die</strong> Böden aufgebracht<br />

werden, durchlaufen verschiedene<br />

Schichten im Untergrund<br />

und werden dabei gereinigt. Belastungen<br />

aus dem <strong>Wasser</strong> bleiben<br />

dabei wie in einem Filter hängen.<br />

„Im Normalfall ist <strong>die</strong> Reinigungswirkung<br />

umso höher, je länger das<br />

<strong>Wasser</strong> in Boden- und Gesteinsschichten<br />

verweilen kann. Diese<br />

natürliche Filterwirkung ist in Bayern<br />

aber nicht überall gleich gegeben“,<br />

sagt Rauh. „Ausschlaggebend<br />

da<strong>für</strong> sind <strong>die</strong> Niederschlags- sowie<br />

Boden- und Gesteinsverhältnisse<br />

vor Ort.“<br />

Hydrogeologische Faktoren<br />

sind entscheidend<br />

Hydrogeologisch gesehen verfügt<br />

der Süden Bayerns über höhere Niederschläge<br />

und einen Untergrund,<br />

der das einsickernde <strong>Wasser</strong> gut<br />

aufnehmen, speichern und damit<br />

auch auf natürliche Weise reinigen<br />

kann. Im Norden ist <strong>die</strong> Niederschlagsmenge<br />

deutlich geringer<br />

und zugleich kann das <strong>Wasser</strong> dort<br />

aufgrund der sandigen und klüftigen<br />

Gesteinsschichten weniger gut gespeichert<br />

werden. Die Nitratbelastungen<br />

im Grundwasser können<br />

folglich trotz ähnlicher Bewirtschaftung<br />

in <strong>die</strong>sen Regionen höher<br />

sein.<br />

Vorsorge zahlt sich aus<br />

„Um eine hohe Trinkwasserqualität<br />

zu gewährleisten, bewirtschaften<br />

viele Landwirte ihre Flächen seit<br />

Jahren in sehr enger Kooperation<br />

mit den örtlichen <strong>Wasser</strong>versorgern<br />

und erzielen dabei gute Ergebnisse“,<br />

sagt Enderle. Dabei werden auf-<br />

Inzwischen wird in Bayern auch der Anbau von Energiepflanzen wie z. B. das Riesenweizengras Szarvasi (links) und <strong>die</strong> Becherpflanze<br />

durchwachsene Silphie (rechts) als grundwasserschonende Alternativen im <strong>Wasser</strong>schutzgebiet angebaut. © VBEW<br />

September 2014<br />

944 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Branche | NACHRICHTEN |<br />

grund der jeweiligen Situation vor<br />

Ort entsprechende Vorsorgemaßnahmen<br />

vereinbart. Bewährt haben<br />

sich beispielsweise der Anbau von<br />

Zwischenfrüchten, der mehrjährige<br />

Feldfutteranbau, <strong>die</strong> gezielte Begrünung<br />

von Stilllegungsflächen, der<br />

Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln<br />

und Dünger oder<br />

auch <strong>die</strong> Förderung grundwasserschonender<br />

Landmaschinentechnik,<br />

indem z. B. anstelle des Pflugs <strong>die</strong><br />

Scheibenegge eingesetzt wird. Inzwischen<br />

wird in Bayern auch der<br />

Anbau von Energiepflanzen wie<br />

z. B. das Riesenweizengras Szarvasi,<br />

<strong>die</strong> Becherpflanze durchwachsene<br />

Silphie und weitere als grundwasserschonende<br />

Alternativen im <strong>Wasser</strong>schutzgebiet<br />

forciert und angebaut.<br />

„Die Nitratwerte im Grundwasser<br />

können dank der guten Zusammenarbeit<br />

zwischen Landwirten und<br />

<strong>Wasser</strong>versorgern gesenkt werden“,<br />

beschreibt Rauh den Erfolg der<br />

Kooperationen.<br />

Freiwillige Kooperationen –<br />

seit Jahren erfolgreiche Praxis<br />

„Die Bauern müssen bei der Bewirtschaftung<br />

ihrer Flächen grundsätzlich<br />

eine Vielzahl gesetzlicher Vorgaben<br />

beachten,“ sagt Enderle. „Zur<br />

Sicherstellung der Grundwasserqualität<br />

in sensiblen Gebieten sind<br />

allerdings häufig besondere Bewirtschaftungsmaßnahmen<br />

notwendig.“<br />

Für <strong>die</strong> Nachteile, <strong>die</strong> sich <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Bauern aus der eingeschränkten<br />

Nutzung von land- und forstwirtschaftlichen<br />

Flächen in <strong>Wasser</strong>schutzgebieten<br />

ergeben, steht den<br />

betroffenen Betrieben ein Ausgleich<br />

zu. „Dieser gesetzliche Ausgleich<br />

wird in Bayern nicht zentral, sondern<br />

vor Ort über Kooperationen<br />

geregelt. Um einen Anreiz zur grundwasserschonenden<br />

Bewirtschaftung<br />

der landwirtschaftlichen Flächen in<br />

<strong>Wasser</strong>schutzgebieten zu schaffen,<br />

gehen viele <strong>Wasser</strong>versorger im<br />

Rahmen der Kooperationen mit<br />

ihren Maßnahmen über <strong>die</strong> reine<br />

SPS_MESSE_ANZ_2014_D_176x123 16.07.14 11:59 Seite 1<br />

gesetzliche Ausgleichspflicht nach<br />

§ 52 Abs. 5 <strong>Wasser</strong>haushaltsgesetz<br />

hinaus“, erläutert Rauh.<br />

Trinkwasserqualität – ein<br />

gemeinsames Anliegen<br />

Zur Sicherstellung einer weiterhin<br />

hohen Trinkwasserqualität in ganz<br />

Bayern setzen <strong>Wasser</strong>versorger und<br />

Landwirte ihr hohes Engagement<br />

<strong>für</strong> den vorsorgenden Gewässerschutz<br />

auch in Zukunft fort. Dabei<br />

gelte es, noch mehr Kooperationspartner<br />

<strong>für</strong> den Grundwasserschutz<br />

zu gewinnen.<br />

Kontakt:<br />

VBEW: Jessica Hövelborn, Referentin <strong>für</strong><br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft und Kommunikation unter<br />

Tel. (089) 38 01 82-45.<br />

BBV: Markus Peters, stellvertretender<br />

Pressesprecher unter Tel. (089) 55873-221.<br />

www.vbew.de<br />

www.bayerischerbauernverband.de<br />

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September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 945


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Branche<br />

Der Regenwasser-Zisternenrechner<br />

als selbstverständlich erachten.“ Aus<br />

Sicht des VKU als Spitzenverband<br />

der kommunalen Wirtschaft ist es<br />

daher auch notwendig, dass es eine<br />

gesetzliche Regelung zum Thema<br />

Fracking unter der Überschrift<br />

„Schutz der <strong>Wasser</strong>vorkommen“<br />

gibt. Weder das bisherige <strong>Wasser</strong>noch<br />

das bisherige Bergrecht sind<br />

geeignet, mit den Risiken <strong>die</strong>ser<br />

Technologie <strong>für</strong> <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>ressourcen<br />

umzugehen. Trinkwasser und Gesundheit<br />

müssen beim Thema<br />

Fracking Vorrang vor allen anderen<br />

Interessen haben, sonst darf es<br />

Fracking in Deutschland nicht geben.<br />

Zisternenrechner.<br />

Im Format einer Parkscheibe<br />

kommt sie daher – <strong>die</strong> handliche<br />

Rechenscheibe. WISY AG, spezialisiert<br />

auf Regenwassernutzungsanlagen,<br />

hat <strong>die</strong>se als Zisternenrechner<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Auslegung von Regenwassernutzungsanlagen<br />

entwickelt.<br />

Einzelne Komponenten aus dem<br />

Sortiment von WISY sind weltweit<br />

bekannt und begehrt. So ist das<br />

Maracana-Stadion Rio de Janeiro,<br />

in dem das Endspiel der Fußball-<br />

Weltmeisterschaft 2014 stattfand,<br />

mit 18 WISY-Wirbel-Feinfiltern ausgestattet.<br />

Dort werden <strong>die</strong> gesammelten<br />

Niederschläge vom Dach<br />

der gigantischen Arena zur Rasenbewässerung<br />

und Toilettenspülung<br />

genutzt. Die Größe der Regenspeicher<br />

haben Ingenieure mit speziellen Berechnungsprogrammen<br />

ermittelt. Mit<br />

der nun vorliegenden Rechenscheibe<br />

lässt sich eine solche Planung viel<br />

schneller und einfacher erledigen –<br />

allerdings <strong>für</strong> <strong>die</strong> bei uns in Deutschland<br />

üblichen Größen von Wohngebäuden<br />

mit ein bis sechs Bewohnern<br />

und bis zu 300 m² Dachfläche. Nach<br />

zwei Handgriffen, dem Einstellen<br />

einer Parkscheibe vergleichbar – kann<br />

ohne fachliche Kenntnis <strong>für</strong> das<br />

jeweilige Objekt <strong>die</strong> optimale Größe<br />

von Zisterne und Regenwasserwerk<br />

abgelesen werden. Be<strong>die</strong>nungsanleitung<br />

und Einflussfaktoren sind<br />

übersichtlich aufgedruckt. Dabei<br />

wurde das in der DIN 1989-1 vorgegebene<br />

Verfahren zu Grunde gelegt.<br />

Klarer, übersichtlicher und ein facher<br />

kann <strong>die</strong> Norm <strong>für</strong> Planung, Bau,<br />

Betrieb und Wartung von Regenwasser<br />

nutzungsanlagen nicht interpretiert<br />

werden. Im Gegensatz zu Softwareprogrammen<br />

ist es beim WISY<br />

Zisternenrechner möglich, manuell<br />

Änderungen vorzunehmen und Ergebnisse<br />

sowie Varianten neben einander<br />

zu betrachten. Was auf den<br />

ersten Blick antiquiert aussieht, ist<br />

eine spielerisch wirkende, schnelle<br />

Methode, <strong>die</strong> zudem ohne Computer,<br />

Internet und Betriebsstrom auskommt.<br />

Gerade den Stromverbrauch<br />

nimmt <strong>die</strong> WISY AG besonders ernst,<br />

basiert doch <strong>die</strong> neueste Entwicklung<br />

ihrer Regenwasserpumpen auf der<br />

Technik eines Schaltautomaten, der<br />

den Stand-by-Strom zu 97 % vermeidet.<br />

Außer Betriebskosten spart<br />

auch Anschaffungskosten, wer <strong>die</strong><br />

optimale Anlagengröße ermittelt.<br />

Kostenlose Anforderung:<br />

WISY AG,<br />

Oberdorfstraße 26, D-63699 Kefenrod,<br />

Tel. (06054) 91210, www.wisy.de<br />

Fracking: Verbraucher sorgen sich um <strong>Wasser</strong>qualität<br />

Die Langzeitstu<strong>die</strong> „Qualität und<br />

Image von Trinkwasser in<br />

Deutschland“ (TWIS) vom Institut <strong>für</strong><br />

empirische Sozial- und Kommunikationsforschung<br />

(I.E.S.K.) zeigt 2014<br />

erneut, dass <strong>die</strong> Verbraucher der<br />

Qualität des Trinkwassers ein hohes<br />

Vertrauen aussprechen. Insgesamt<br />

bewerteten im zurückliegenden<br />

Zeitraum (2013/2014) über 82 % der<br />

Befragten <strong>die</strong> Trinkwasserqualität mit<br />

„sehr gut“ oder „gut“. Zudem geben<br />

<strong>die</strong> Verbraucher ihren <strong>Wasser</strong>versorgern<br />

gute Noten, z. B. <strong>für</strong> den<br />

Service. Die aktuelle Stu<strong>die</strong> zeigt<br />

aber auch, dass <strong>die</strong> Verbraucher<br />

sehr sensibel sind, wenn es um <strong>die</strong><br />

Qualität ihres Trinkwassers geht,<br />

was <strong>die</strong> öffentliche Debatte über<br />

den Einsatz von Fracking in<br />

Deutschland sehr deutlich macht.<br />

Laut Stu<strong>die</strong> nehmen <strong>die</strong> Verbraucher<br />

Fracking durchaus als Gefahr<br />

<strong>für</strong> das Leitungswasser wahr. Sie<br />

zeigen sich durch <strong>die</strong> Informationen,<br />

<strong>die</strong> sie über <strong>die</strong> bisher nicht<br />

kalkulierbaren Folgen von Fracking<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>vorkommen erhalten,<br />

sensibilisiert.<br />

Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer<br />

des Verbandes kommunaler<br />

Unternehmen (VKU): „Diese<br />

hohen Vertrauenswerte sind Bestätigung<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Arbeit der deutschen<br />

<strong>Wasser</strong>versorger. Das Trinkwasser<br />

mag der Kunde zwar im täglichen<br />

Gebrauch als selbstverständlich wahrnehmen,<br />

aber <strong>die</strong> Diskussion um<br />

Themen wie Fracking zeigt, dass<br />

<strong>die</strong> Verbraucher eine hohe <strong>Wasser</strong>sensibilität<br />

besitzen und eine hohe<br />

Trinkwasserqualität nicht unbedingt<br />

Weitere Informationen:<br />

www.vku.de<br />

September 2014<br />

946 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong>|<strong>Abwasser</strong><br />

NETZWERK WISSEN<br />

Aktuelles aus Bildung und Wissenschaft,<br />

Forschung und Entwicklung<br />

Alle Abbildungen <strong>die</strong>ser Heftstrecke, soweit nicht anders angegeben: © rbv<br />

Der Rohrleitungsbauverband und sein Berufsförderungswerk<br />

im Porträt<br />

brbv: über 30 Jahre im Auftrag der beruflichen Qualifikation<br />

rbv: im Dienst von Technik, Wissenschaft und Gesellschaft<br />

Ausbildung im Leitungsbau: Berufe mit Perspektive<br />

Weiterbildung mit Zukunft: der geprüfte Netzmeister<br />

• Im Interview: Dozent Lothar Schiffmann sieht Unternehmen<br />

in der Weiterbildungs-Pflicht


| NETZWERK WISSEN |<br />

Porträt<br />

Über 30 Jahre im Auftrag der beruflichen Qualifikation<br />

Das Berufsförderungswerk des Rohrleitungsbauverbandes bietet Schulungen<br />

und Seminare zu rund 200 verschiedenen Themen jährlich<br />

Wie viele Mitarbeiter der im Rohrleitungsbauverband e. V. (rbv) organisierten Unternehmen und andere im<br />

Leitungsbau Beschäftigte seit Bestehen des 1981 gegründeten Berufsförderungswerks des Rohrleitungsbauverbandes<br />

eine Veranstaltung des brbv besucht haben, kann auch Geschäftsführer Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter<br />

Hesselmann nicht mit Bestimmtheit sagen, aber „es sind inzwischen einige Hunderttausend“. In <strong>die</strong>sen Tagen<br />

erscheint das neue Veranstaltungsprogramm <strong>für</strong> 2015.<br />

Der Auftrag zur Weiterbildung ist<br />

in der Satzung des rbv ausdrücklich<br />

festgeschrieben. Zu den<br />

Aufgaben des Verbandes – so heißt<br />

es dort wörtlich – gehöre „insbesondere<br />

<strong>die</strong> Qualifizierung der Mitglieder<br />

durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen<br />

<strong>für</strong> ihre Mitarbeiter“. Die<br />

Gründung des Berufsförderungswerks<br />

war <strong>für</strong> den rbv ein konsequenter<br />

Schritt, um Kräfte zu bündeln und<br />

einer seiner zentralen Aufgaben<br />

noch besser gerecht zu werden.<br />

Heute beschäftigt das nach DIN<br />

EN 9001 und AZAV zertifizierte brbv in<br />

seiner Zentrale in der Marienburger<br />

Straße in Köln 12 Mitarbeiter. Jahr<br />

<strong>für</strong> Jahr werden Schulungen und<br />

Seminare zu rund 200 verschiedenen<br />

Themen angeboten. Durchgeführt<br />

werden <strong>die</strong> Veranstaltungen<br />

in Kursstätten an mehr als 30 Standorten<br />

im gesamten Bundesgebiet, bestimmte<br />

Inhalte können auf Wunsch<br />

auch inhouse geschult werden. Pro<br />

Jahr nehmen rund 10 000 Teilnehmer<br />

das Veranstaltungsangebot des<br />

brbv in Anspruch.<br />

Facettenreiches Angebot<br />

Die Zielgruppen, an <strong>die</strong> sich das<br />

Angebot richtet, sind ebenso<br />

un terschiedlich, wie das Angebot<br />

viel fältig ist. Die Grundlagenschulungen,<br />

Informationsveranstaltungen<br />

und Praxisseminare aus den Sparten<br />

Gas/<strong>Wasser</strong>, Fernwärme, <strong>Abwasser</strong>,<br />

Kabelbau/Strom, Telekommuni kation,<br />

Industrie-Rohrleitungsbau so-<br />

Der brbv unterhält<br />

Kontakte<br />

mit Bildungspartnern<br />

an<br />

über 30 Standorten<br />

in ganz<br />

Deutschland:<br />

Die Angebote<br />

zur beruflichen<br />

Weiterbildung<br />

entwickelt der<br />

brbv in enger<br />

Zusammenarbeit<br />

mit rbv-<br />

Mitgliedern,<br />

Kursstätten<br />

und bundesweiten<br />

Bildungspartnern.<br />

September 2014<br />

948 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

wie Organisation/Recht/BWL werden<br />

von rbv-Mitgliedern, Kursstätten und<br />

bundesweiten Bildungspartnern in<br />

enger Zusammenarbeit entwickelt.<br />

Sie richten sich sowohl an Fach- und<br />

Vorarbeiter als auch an Meister,<br />

Ingenieure und Geschäftsführer.<br />

Rohrleitungsbauer, Rohrnetzbauer<br />

und Kandidaten, <strong>die</strong> entweder über<br />

einen Abschluss in einem vergleichbaren<br />

Beruf oder einschlägige<br />

Berufserfahrung verfügen, können<br />

beispielsweise innerhalb eines fünftägigen<br />

Kurses <strong>die</strong> Qualifikation „PE-<br />

Schweißer nach DVGW-Arbeitsblatt<br />

GW 330“ erwerben. Vorarbeiter im<br />

Rohrleitungsbau profitieren von<br />

einem umfassenden Angebot an<br />

Techniklehrgängen. Mitarbeiter mit<br />

abgeschlossenem ingenieur- oder<br />

naturwissenschaftlichem Studium<br />

können unter anderem <strong>die</strong> Zusatzqualifikation<br />

Netzingenieur/in Modul<br />

<strong>Wasser</strong> und Modul Gas erlangen.<br />

Vermittelt werden <strong>die</strong> Lehrinhalte<br />

durch hochkarätige Dozenten, deren<br />

umfassende Erfahrung <strong>für</strong> einen<br />

höchstmöglichen Praxisbezug des<br />

Lehrstoffs sorgt. In der Regel finden<br />

<strong>die</strong> Schulungen in Kursstätten statt,<br />

verschiedene Veranstaltungen können<br />

auf Wunsch aber auch inhouse<br />

durchgeführt werden.<br />

Das Bildungsprogramm des brbv,<br />

dessen Inhalte kontinuierlich auf <strong>die</strong><br />

umfassenden Aufgaben des Leitungsbauers<br />

abgestimmt werden, bietet<br />

den Mitarbeitern der Leitungsbauunternehmen<br />

„preiswerte und qualitativ<br />

hochwertige Weiterbildungsmöglichkeiten“,<br />

bringt Dipl.-Wirtsch.-<br />

Ing. Dieter Hesselmann <strong>die</strong> Vorteile<br />

auf den Punkt.<br />

Neben dem Tagesgeschäft des<br />

brbv mit seinem umfangreichen Fortund<br />

Weiterbildungsprogramm bilden<br />

Kongresse und Tagungen einen<br />

wichtigen Schwerpunkt der brbv-<br />

12 Mitarbeiter sind in der brbv-Zentrale in der<br />

Marienburger Straße in Köln tätig.<br />

Tätigkeit. Die „Tagung Rohrleitungsbau“<br />

etwa, <strong>die</strong> 2014 bereits zum<br />

21. Mal stattfand, hat in den Terminkalendern<br />

der Unternehmen der<br />

Leitungsbaubranche seit Jahr und Tag<br />

ihren festen Platz, auch <strong>die</strong> Würzburger<br />

Kunststoffrohr-Tagung hat<br />

sich in der Fachwelt längst etabliert.<br />

Statement<br />

„Verbinden, vernetzen, versorgen: Der Leitsatz des Rohrleitungsbauverbandes<br />

macht <strong>die</strong> enorme Bandbreite deutlich, der ein umfassendes und modernes<br />

Weiterbildungsangebot Rechnung tragen muss. Der moderne Leitungsbau stellt<br />

enorme Anforderungen an Mitarbeiter, <strong>die</strong> sich mit dem Bau von Leitungen und<br />

Kanälen <strong>für</strong> Strom, Gas, <strong>Wasser</strong>, Fernwärme oder Fernmeldeeinrichtungen beschäftigen.<br />

Bau, Betrieb und Unterhalt unserer Leitungsinfrastruktur sind eine<br />

anspruchsvolle Aufgabe, zumal auch kommenden Generationen ein funktionierendes<br />

Leitungsnetz zur Verfügung stehen soll. Nicht nur Leitungen kommen in<br />

<strong>die</strong> Jahre, auch unsere Gesellschaft altert zusehends. In dem Maße, in dem <strong>die</strong><br />

Auswirkungen des demografischen Wandels spürbar werden, gewinnt <strong>die</strong> Frage<br />

nach geeignetem Nachwuchs ebenso an Relevanz und Brisanz wie <strong>die</strong> nach der<br />

Weiterqualifizierung von Belegschaften. Das Tätigkeitsfeld wird anspruchsvoller<br />

und vielfältiger, längst hat Hightech im Leitungsbau Einzug gehalten, modernste Verfahren und Maschinen<br />

gehören zum Arbeitsalltag. EU-Richtlinien und -Normen spielen nicht nur <strong>für</strong> <strong>die</strong> Tätigkeit der Leitungsbau-<br />

Unternehmen immer öfter eine Rolle, auch Angestellte von Ver- und Entsorgungsunternehmen sind betroffen<br />

und müssen ihr Wissen auf dem neuesten Stand halten. Natürlich sind nicht nur technische und rechtliche<br />

Kenntnisse gefragt, sondern auch <strong>die</strong> sogenannten Softskill-Qualifikationen.<br />

Mit anderen Worten: Die geeigneten Kandidaten werden weniger, müssen da<strong>für</strong> aber sehr viel mehr beherrschen<br />

als früher und dürfen sich auch nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen ist<br />

auch im Leitungsbau unbedingte Voraussetzung. Dementsprechend breitgefächert ist das Programm des brbv <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> betriebliche Personalentwicklung, das sowohl spartenspezifische als auch spartenübergreifende Veranstaltungen<br />

umfasst. Der geprüfte Netzmeister ist nur eines von vielen Beispielen <strong>für</strong> <strong>die</strong> markt- und branchengerechten<br />

Bildungsangebote, <strong>die</strong> rbv und brbv in enger Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedern und bundesweit tätigen<br />

Bildungspartnern entwickeln und fortlaufend an aktuelle Erfordernisse anpassen. Sie sind ein wichtiger Beitrag<br />

zur Verbesserung und zum Erhalt der Leistungs- und Wettbewerbs fähigkeit der Unternehmen im Leitungsbau.“<br />

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter Hesselmann, Geschäftsführer rbv<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 949


| NETZWERK WISSEN |<br />

Porträt<br />

Freundlich, übersichtlich, nutzerorientiert: Die „Schnellsuche Schulungen“<br />

auf der Startseite des brbv-Internetauftritts führt auf kürzestem Wege zu<br />

Informationen über das umfassende Bildungsangebot.<br />

Fortlaufend an aktuelle Branchenerfordernisse<br />

angepasst: Das Schulungsprogramm fasst Veranstaltungen<br />

zu rund 200 Themen übersichtlich<br />

zusammen.<br />

Aussichten <strong>für</strong> 2015<br />

Auch das aktuelle Veranstaltungsprogramm<br />

„Berufsbildung im Leitungsbau“<br />

<strong>für</strong> 2015 orientiert sich<br />

an den Erfordernissen der in der<br />

Leitungsbaubranche tätigen Unternehmen.<br />

Es erscheint in <strong>die</strong>sen Tagen.<br />

Die von rbv und brbv herausgegebene<br />

Broschüre bietet einen<br />

umfassenden Überblick über <strong>die</strong><br />

bundesweiten Bildungsangebote in<br />

den breitgefächerten Berufsfeldern<br />

des modernen Leitungsbaus. Die<br />

farbliche Ko<strong>die</strong>rung der verschiedenen<br />

Sparten erleichtert <strong>die</strong> Orientierung,<br />

zudem werden Ansprechpartner<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> jeweiligen Bereiche<br />

genannt, <strong>die</strong> mit Rat und Tat zur<br />

Seite stehen.<br />

Abgerufen werden kann das Programm<br />

auf der neuen Website des<br />

brbv. Über <strong>die</strong> „Schnellsuche Schulungen“<br />

auf der Startseite finden<br />

Besucher des Onlineauftrittes auf<br />

schnellstem Wege zu detaillierten<br />

Informationen über Inhalte, Dauer,<br />

Preise und Zulassungsvoraussetzungen<br />

<strong>für</strong> sämtliche Veranstaltungen.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.brbv.de<br />

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September 2014<br />

950 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Im Dienst von Technik, Wissenschaft und<br />

Gesellschaft<br />

Der Rohrleitungsbauverband e. V. leistet seinen Mitgliedsunternehmen Hilfestellung<br />

bei der Mitarbeiterqualifikation<br />

Dauerhaft betriebs- und funktionssicher herstellen lassen sich Ver- und Entsorgungsnetze nur durch eine<br />

qualifizierte Bauausführung, und <strong>die</strong> ist nur zu leisten mit entsprechend qualifiziertem Personal. Hier setzt der<br />

Rohrl eitungsbauverband e. V. (rbv) an. Erklärtes Ziel ist, Technik und Wissenschaft im Leitungsbau und bei<br />

Netz<strong>die</strong>nstleistungen der <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>wirtschaft, der Energieversorgung sowie der Telekommunikation<br />

zu fördern.<br />

Qualifiziertes Personal ist schon<br />

heute Mangelware und der<br />

demografische Wandel wird <strong>die</strong><br />

Personalsituation zukünftig noch verschärfen.<br />

In naher Zukunft werden<br />

sich gerade Fachkräfte mittleren<br />

Qualifikationsniveaus tausendfach<br />

in den Ruhestand verabschieden –<br />

aber wer rückt dann nach? Vielen<br />

jungen Menschen erscheint ein<br />

Beruf im Leitungsbau nicht hinreichend<br />

attraktiv, auf der anderen<br />

Seite haben viele Unternehmen der<br />

Leitungsbaubranche Nachholbedarf<br />

in puncto Personalmarketing.<br />

Grundlage <strong>für</strong> <strong>die</strong> Mitarbeiterqualifikation<br />

in den Leitungsbauunternehmen<br />

bildet <strong>die</strong> Arbeit des<br />

Berufsförderungswerks des Rohrleitungsbauverbandes<br />

(brbv) (s. Seite<br />

948) und des rbv/BFA-Ausschusses<br />

<strong>für</strong> Personalentwicklung (AfP), der<br />

sich aus Vertretern der rbv-Mitgliedsunternehmen,<br />

dem Energieeffizienzverband<br />

<strong>für</strong> Wärme, Kälte<br />

und KWK e. V. (AGFW), der Gütegemeinschaft<br />

<strong>für</strong> Leitungstiefbau e. V.<br />

(GLT), der German Society for Trenchless<br />

Technology e. V. (GSTT), dem<br />

Rohrleitungssanierungsverband e. V.<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 951<br />

Das Organigramm<br />

macht<br />

es deutlich:<br />

Das Aufgabengebiet<br />

des rbv<br />

wird vielfältiger,<br />

neben<br />

technischen<br />

Fragen<br />

kommen auch<br />

personelle<br />

Belange nicht<br />

zu kurz.


| NETZWERK WISSEN |<br />

Porträt<br />

(RSV), dem Bauindustrieverband<br />

Niedersachsen-Bremen e. V., dem<br />

Berufsförderungswerk der Bauindustrie<br />

NRW e. V. sowie den Berufsbildungszentren,<br />

dem Kompetenzzentrum<br />

<strong>für</strong> Berufsbildung und<br />

Personal (KOBI) und dem Berufsbildungsausschuss<br />

des Hauptverbandes<br />

der Deutschen Bauindustrie<br />

e. V. (HDB) zusammensetzt.<br />

Mitgliederbefragung<br />

schafft Datenbasis<br />

Die Arbeit des AfP liefert dem rbv<br />

immer wieder wegweisende Impulse.<br />

Eine vom AfP entwickelte und im<br />

Frühjahr 2013 an <strong>die</strong> rbv-Mitgliedsunternehmen<br />

versandte umfassende<br />

Befragung zum Thema „Ausbildung<br />

im Leitungsbau – Grundqualifikationen<br />

und Bedarf“ etwa hat wichtige<br />

Daten <strong>für</strong> <strong>die</strong> zukünftige Arbeit<br />

geliefert. Im überdurchschnittlichen<br />

Rücklauf von 31,4 % kommt der<br />

Stellenwert, den <strong>die</strong> Mitgliedsunternehmen<br />

dem Thema einräumen,<br />

bereits deutlich zum Ausdruck.<br />

Neben Fragen nach allgemeinen<br />

Grundqualifikationen und dem<br />

Bedarf an Auszubildenden waren<br />

unter anderem auch Angaben zu<br />

Anzahl und Verteilung von Auszubildenden<br />

in den Unternehmen<br />

von Interesse. 54 % der Unternehmen<br />

gaben an, sie seien vom<br />

demografischen Wandel „sehr betroffen“,<br />

weitere 45 % waren<br />

immerhin noch „wenig betroffen“.<br />

Im Umkehrschluss bedeutet das:<br />

Schon jetzt gibt es kaum ein<br />

Unternehmen, das vom rasch fortschreitenden<br />

Wandel unserer Gesellschaft<br />

noch gar nicht berührt<br />

wird.<br />

Auf Grundlage der gewonnenen<br />

Daten konnten Wechselbeziehungen<br />

der verschiedenen Parameter dargestellt<br />

werden. Konkrete Zahlen<br />

spielten dabei eine ebenso wichtige<br />

Rolle wie <strong>die</strong> persönlichen Einschätzungen<br />

der Mitglieder. Die<br />

Antworten machten unter anderem<br />

deutlich, dass <strong>die</strong> Besetzung gewerblicher<br />

Ausbildungsplätze in Unternehmen<br />

erheblich schwieriger ist<br />

als <strong>die</strong> von offenen Stellen im<br />

kaufmännischen Bereich. Zudem<br />

verzeichnen Unternehmen einen<br />

hohen Anteil ungeeigneter Bewerber.<br />

Die Ergebnisse der Befragung<br />

hat der rbv zwischenzeitlich <strong>für</strong> eine<br />

Broschüre aufbereitet, <strong>die</strong> den Mitgliedsunternehmen<br />

zur Verfügung<br />

gestellt wurde; darüber hinaus<br />

bilden <strong>die</strong> gewonnenen Daten <strong>für</strong><br />

Statement<br />

„Was <strong>für</strong> <strong>die</strong> Unternehmen der Leitungsbaubranche selbstverständlich ist, dürfte<br />

einer breiten Öffentlichkeit nach wie vor nicht bewusst sein: Eine funktionierende<br />

Infrastruktur ist ein bedeutsamer Vermögensgegenstand der Allgemeinheit. Leider<br />

spielt das Thema auch in der Politik nicht <strong>die</strong> Rolle, <strong>die</strong> ihm gebührt, dabei sind<br />

Erhalt und Pflege einer funktionierenden Infrastruktur ein echtes Mehrgenerationenprojekt.<br />

Die Tätigkeit der Unternehmen der Rohrleitungsbaubranche – sei es im<br />

Bereich Gas, <strong>Wasser</strong>, <strong>Abwasser</strong>, Strom, Fernwärme oder Telekommunikation –<br />

hat stets auch eine gesellschaftliche Komponente: Netze verbinden – ohne Netze<br />

geht es nicht, und es geht auch nicht ohne den Menschen.<br />

Um Netze dauerhaft betriebs- und funktionssicher herzustellen brauchen wir<br />

Menschen, <strong>die</strong> dazu bereit sind, technische Herausforderungen anzunehmen.<br />

Noch etwas ist gefragt: das Bewusstsein, dass <strong>die</strong> qualifizierte Bauausführung auch Übernahme von Verantwortung<br />

<strong>für</strong> ein wichtiges Allgemeingut ist. Dieses Bewusstsein müssen wir schaffen und schärfen. Wir<br />

müssen den Bedarf <strong>für</strong> qualifiziertes Personal deutlich machen, und wir müssen auch <strong>die</strong> Entwicklungschancen<br />

aufzeigen, <strong>die</strong> unsere Branche dem Einzelnen bietet. Ein facettenreiches Angebot zur beruflichen<br />

Weiterqualifikation ist da<strong>für</strong> eine ganz wesentliche Voraussetzung.<br />

Nicht zuletzt müssen wir unsere Interessen gegenüber den Entscheidungsträgern in der Politik wirkungsvoll<br />

vertreten. Die Politik muss <strong>die</strong> Rahmenbedingungen da<strong>für</strong> schaffen, dass Unternehmen eine vernünftige,<br />

nachhaltige Personalpolitik betreiben können – Personalentwicklung inklusive. Die Unternehmen müssen<br />

sich ihrer Verantwortung zur Ausbildung bewusst sein und stellen. Und wir als Verband müssen das<br />

Instrumentarium, mit dem wir unsere Mitglieder unterstützen, kontinuierlich prüfen und erweitern. Wo<br />

qualifizierter Nachwuchs Mangelware ist, müssen wir Lösungen finden, wie sich Abhilfe schaffen lässt.<br />

Sei es, indem wir gezielt <strong>für</strong> unsere Branche werben und so geeignete Kandidaten <strong>für</strong> eine Ausbildung im<br />

Leitungsbau interessieren oder indem wir Mängel in der Qualifikation durch gezielte Weiterqualifikation<br />

beseitigen. Brauchen werden wir in Zukunft jeden einzelnen: <strong>die</strong>, <strong>die</strong> schon da sind und <strong>die</strong> wir weiterqualifizieren<br />

müssen, ebenso wie <strong>die</strong>, <strong>die</strong> wir erst noch <strong>für</strong> uns gewinnen müssen.“<br />

Gudrun Lohr-Kapfer, Präsidentin Rohrleitungsbauverband e. V.<br />

September 2014<br />

952 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

<strong>die</strong> Gremien des rbv und insbesondere<br />

den AfP eine wichtige Grundlage<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Konzeption zukünftiger<br />

Maßnahmen im Bereich Bildung.<br />

Der Rohrleitungsbauverband e. V. (rbv), Köln<br />

Seit seiner Gründung am 21. Juni 1950 vertritt der Rohrleitungsbauverband <strong>die</strong> Interessen<br />

der ausführenden Unternehmen in der Leitungsbaubranche. Zu den Arbeitsschwerpunkten<br />

des Verbandes zählen traditionell <strong>die</strong> Mitarbeit an den einschlägigen technischen<br />

Regelwerken sowie <strong>die</strong> Vertretung technischer Belange gegenüber Behörden und<br />

anderen Institutionen – nicht nur auf nationaler, sondern zunehmend auch auf europäischer<br />

Ebene. Zudem bietet der rbv ein umfassendes Dienstleistungspaket, mit dem er<br />

seine derzeit rund 650 Mitglieder bei der beruflichen Weiterbildung von Mitarbeitern<br />

sowie der Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchs unterstützt.<br />

2010 hat sich der Verband neuausgerichtet und seinen Wirkungskreis erweitert. Neben den<br />

Me<strong>die</strong>n Gas und <strong>Wasser</strong> sind seitdem auch <strong>die</strong> Bereiche Fernwärme, Kabel und Kanal<br />

Themen der Verbandsarbeit. Zeitgleich mit der Neuausrichtung hat der Verband neue Gremien<br />

wie den Technischen Lenkungskreis sowie verschiedene Technische Ausschüsse und<br />

daran angeschlossene Arbeitskreise geschaffen und seine Öffentlichkeitsarbeit verstärkt.<br />

Leitfaden <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Fachkräftesicherung<br />

Bereits Ende 2012 umgesetzt wurde<br />

eine von rbv und AfP gemeinsam entwickelte<br />

großformatige Broschüre:<br />

„Zukunft Leitungsbau – Auftrag<br />

Mensch“ lautet der programmatische<br />

Titel des Leitfadens, in der<br />

Unternehmer auf knapp 40 Seiten<br />

praktisches Know-how zum Thema<br />

„Fachkräftesicherung durch Personalentwicklung“<br />

finden. Unter anderem<br />

wird im Leitfaden ausführlich<br />

ein vom Institut der deutschen<br />

Wirtschaft Köln (IW) entwickeltes<br />

Konzept <strong>für</strong> <strong>die</strong> sogenannte lebensphasenorientierte<br />

Personalentwicklung<br />

vorgestellt, Unternehmensbeispiele<br />

aus der Praxis machen<br />

anschaulich, wie aus Handlungsempfehlungen<br />

konkrete Maßnahmen<br />

werden können. Eine Liste mit<br />

Top-10-Handlungsempfehlungen<br />

sowie Links, Literaturtipps, Adressen<br />

und <strong>die</strong> Namen von Ansprechpartnern<br />

machen den Leitfaden zur<br />

praxisorientierten Handreichung mit<br />

hohem Nutzwert.<br />

Nicht nur an Unternehmen, sondern<br />

auch an den Informationsbedarf<br />

potenzieller Auszubildender<br />

hat der rbv gedacht: In einem eigens<br />

produzierten, unter anderem auf<br />

Youtube veröffentlichten Imagefilm<br />

kommen angehende Rohrleitungsbauer<br />

selbst zu Wort und schildern<br />

<strong>die</strong> Vorzüge einer Ausbildung.<br />

Weitere vom AfP entwickelte Maßnahmen,<br />

mit denen der rbv seine<br />

Mitglieder bei der Gewinnung von<br />

qualifiziertem Nachwuchs unterstützt,<br />

sind ein rbv-Infopoint Ausbildung<br />

und ein Akquise-Flyer.<br />

Letztlich machen sich der rbv<br />

und seine Mitglieder <strong>für</strong> eine<br />

Auf gabe stark, <strong>die</strong> gesellschaftlich<br />

relevant ist. Um <strong>die</strong> Interessen der<br />

Unternehmen im Leitungsbau wirkungsvoll<br />

in <strong>die</strong> Öffentlichkeit zu<br />

tragen und auch auf politischer<br />

Ebene zu vertreten, setzt der rbv auf<br />

enge Zusammen arbeit: Der Schulterschluss<br />

mit zahlreichen anderen<br />

Verbänden ist da<strong>für</strong> ebenso Ausdruck<br />

wie <strong>die</strong> Arbeit der rbv-<br />

Landesgruppen in den Regionen,<br />

<strong>die</strong> Werbung in eigener Sache bei<br />

Verbrauchern, Wirtschaft und Politik<br />

vorantreiben.<br />

Informationsfluss und<br />

Erfahrungsaustausch<br />

Auf zahlreichen branchenspezifischen<br />

Veranstaltungen bietet der Verband<br />

seinen Mitgliedern Foren <strong>für</strong> den persönlichen<br />

und fachlichen Gedankenaustausch.<br />

Neben der Jahrestagung<br />

organisiert der rbv Landesgruppensitzungen<br />

sowie <strong>die</strong> Tagung Rohrleitungsbau.<br />

Mit einer Reihe von<br />

Schriften, wie den sechsmal pro<br />

Jahr erscheinenden rbv-Nachrichten,<br />

dem rbv-Infopoint und Rundbriefen,<br />

informiert der Verband seine Mitglieder<br />

zeitnah über branchenrelevante<br />

Neuigkeiten.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.rohrleitungsbauverband.de<br />

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September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 953


| NETZWERK WISSEN |<br />

Porträt<br />

Alles andere als alltäglich<br />

Im Leitungsbau finden junge Auszubildende abwechslungsreiche Berufe mit Perspektive<br />

„Wie wichtig eigentlich unser Beruf ist, war mir vorher gar nicht so klar – das ist mir erst richtig bewusst geworden,<br />

seitdem ich in der Ausbildung bin.“ Mit <strong>die</strong>ser Erkenntnis dürfte der Auszubildende Davide Palombi nicht<br />

alleine dastehen: Ganz ähnliche Aussagen wie er treffen auch viele andere der jungen Leute, <strong>die</strong> im Imagefilm<br />

„Zukunft Leitungsbau – Berufe mit Perspektive“ zu Wort kommen.<br />

<strong>Wasser</strong>, Strom und Gas brauche<br />

schließlich jeder, heißt es da<br />

zum Beispiel. Und tatsächlich: Wie<br />

lebensnotwendig scheinbar Selbstverständliches<br />

ist, wird uns oft erst<br />

dann klar, wenn es plötzlich nicht<br />

zur Verfügung steht. Obwohl wir genau<br />

wissen, dass der Strom ausgefallen<br />

ist, drücken wir reflexartig auf<br />

den Lichtschalter – das ist sicher jedem<br />

von uns schon einmal passiert.<br />

Das Thema Versorgungssicherheit<br />

beschäftigt inzwischen längst nicht<br />

mehr nur Fachleute, auch Verbraucher<br />

machen sich zunehmend Gedanken<br />

über <strong>die</strong> Energie und das Trinkwasser<br />

von morgen.<br />

Ohne Netze geht es nicht<br />

Ein sehr viel konkreterer, ganz handfester<br />

Aspekt wird dabei meist vergessen:<br />

Ohne betriebssichere und<br />

ausreichend dimensionierte Übertragungs-,<br />

Verteil- und Entsorgungsnetze<br />

fließen weder Gas noch Strom,<br />

<strong>Wasser</strong> oder <strong>Abwasser</strong>. Eine Binsenweisheit?<br />

Das könnte man meinen.<br />

Trotzdem werden der Erhalt und<br />

<strong>die</strong> Sanierung der leitungsgebundenen<br />

Infrastrukturen von der Politik<br />

nach wie vor stiefmütterlich behandelt.<br />

Die Situation in Deutschland ist<br />

Die Ausbildung zum Rohrleitungsbauer bietet den Einstieg<br />

in ein Berufsfeld, das zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten<br />

und gute Aufstiegschancen bietet.<br />

seit vielen Jahren unverändert. Große<br />

Teile der unterirdischen Infrastruktur<br />

bedürfen einer dringenden Sanierung<br />

oder Erneuerung, doch <strong>die</strong> Investitionen<br />

reichen noch nicht einmal <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> dringend notwendige Instandhaltung,<br />

geschweige denn <strong>für</strong> einen<br />

weiteren Ausbau.<br />

Fachleute weisen seit Langem<br />

darauf hin, dass wir der nachfolgenden<br />

Generation u. a. ein marodes<br />

Kanalnetz hinterlassen, dessen Instandsetzung<br />

und Erneuerung nicht<br />

mehr zu finanzieren ist. Die Bestandserhaltung<br />

der Infrastruktureinrichtungen<br />

stellt eine der größten<br />

Statement<br />

und wichtigsten Zukunftsaufgaben<br />

der Netzbetreiber dar.<br />

Wir können also festhalten: Sanierungsbedarf<br />

ist durchaus gegeben<br />

und er wird in Zukunft eher<br />

noch größer werden. Umso wichtiger<br />

ist es, heute in <strong>die</strong> Qualifizierung<br />

und Weiterqualifizierung des Personals<br />

zu investieren, das wir auch<br />

langfristig benötigen werden, um<br />

unsere bestehende Leitungsinfrastruktur<br />

betriebssicher zu halten:<br />

Aus- und Weiterbildung eröffnet <strong>die</strong><br />

Entwicklung von Führungspersonal,<br />

sichert <strong>die</strong> Arbeitsqualität und verschafft<br />

Wettbewerbsvorteile.<br />

„2013 haben sich in Deutschland erstmals<br />

mehr junge Menschen <strong>für</strong> ein Studium entschieden<br />

als <strong>für</strong> eine duale Berufsausbildung.<br />

Warum eigentlich? Das Bild vom Leitungsbau<br />

als einer Branche mit schlechtbezahlten Jobs<br />

ohne Aufstiegsmöglichkeiten entspricht<br />

längst nicht mehr der Wirklichkeit. Tatsächlich<br />

bietet der Leitungsbau technisch und<br />

handwerklich interessierten Berufsanfängern<br />

ein breites Betätigungsfeld mit vielfältigen<br />

Spezialisierungsmöglichkeiten und zahlreichen Karrierechancen, und<br />

dank seines hohen Praxisbezugs bietet ein duales Studium beste<br />

Voraussetzungen <strong>für</strong> einen Einstieg auf einer Position mit hoher Verantwortung<br />

und schnellem Aufstieg auf der Karriereleiter. Der Bedarf<br />

an gut ausgebildetem Personal ist hoch, und auch <strong>die</strong> Vergütung kann<br />

sich sehen lassen: Mit monatlichen Ausbildungsvergütungen, <strong>die</strong><br />

bereits im ersten Jahr bis zu 669 Euro betragen und im dritten Ausbildungsjahr<br />

auf bis zu 1299 Euro steigen, gehören Rohrleitungsbauer<br />

zu den Spitzenver<strong>die</strong>nern unter den Lehrlingen. Und ganz wichtig: Das<br />

umfassende Aufgabenspektrum im Leitungsbau wird zudem durch ein<br />

maßgeschneidertes Weiterbildungsangebot begleitet – das ist sowohl<br />

im Interesse der Unternehmen, <strong>die</strong> durch gezielte und konsequente<br />

Weiterqualifizierung ihrer Belegschaften ihre Wettbewerbsfähigkeit<br />

sichern, als auch im Interesse ihrer einzelnen Mitarbeiter, denen unsere<br />

Branche Perspektiven weit über den Tag hinaus eröffnet.“<br />

Dipl.-Ing. Mario Jahn, Geschäftsführung rbv GmbH<br />

September 2014<br />

954 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Impulsgeber Energiewende<br />

Auch in der Energiewende stecken<br />

Impulse <strong>für</strong> den Leitungsbau: In<br />

ihrer dena-Netzstu<strong>die</strong> II kommt <strong>die</strong><br />

Deutsche Energie-Agentur zu dem<br />

Schluss, dass sich <strong>für</strong> das Jahr 2020<br />

ein Netzzubaubedarf von bis zu<br />

3600 km Trassenlänge ergibt. Ein<br />

umfangreiches Pilotprojekt mit vier<br />

Teststrecken soll zeigen, inwieweit<br />

erdverlegte Leitungen eine Alternative<br />

zu Überlandleitungen sein<br />

können. Auch über neue Wege<br />

im Umgang mit Gas- und Stromnetzen,<br />

den Bau von Großpipelines,<br />

den Ausbau der Breitbandnetze<br />

und <strong>die</strong> Entwicklung alternativer<br />

Energie konzepte wird im Zuge der<br />

Energiewende diskutiert – es tut<br />

sich was im Leitungsbau, und stete<br />

Ver än derungen bieten Chancen<br />

<strong>für</strong> entsprechend qualifiziertes<br />

Personal.<br />

Guter Ver<strong>die</strong>nst, sicherer Job<br />

Der Leitungsbau bietet ein überaus<br />

vielfältiges und abwechslungsreiches<br />

Betätigungsfeld. Die klassische zweistufige<br />

Ausbildung zum Rohrleitungsbauer<br />

oder Kanalbauer dauert<br />

drei Jahre. Ausgebildet wird im<br />

Betrieb und in überbetrieblichen<br />

Ausbildungsstätten. Die erste Stufe<br />

schließt nach zwei Jahren Berufsausbildung<br />

mit dem Abschluss Tiefbaufacharbeiter<br />

ab; der Abschluss<br />

Rohrleitungsbauer bzw. Kanalbauer<br />

wird auf der zweiten Stufe und einem<br />

weiteren Jahr Ausbildung erreicht.<br />

Berufliche Perspektiven bieten<br />

sich sowohl im Neubau als auch in<br />

der Sanierung und Instandsetzung<br />

auf unterschiedlichen Baustellen.<br />

Damit ist aber noch lange nicht<br />

Schluss: Wer sich zum Vorarbeiter,<br />

Werkpolier oder geprüften Netzmeister<br />

weiterqualifiziert, dem winken<br />

ein guter Ver<strong>die</strong>nst und eine<br />

gesicherte berufliche Perspektive.<br />

Auch <strong>für</strong> <strong>die</strong> Ausbildungsbetriebe<br />

lohnt sich ein entsprechendes<br />

Engagement, denn nicht nur Ausbildung<br />

ist Zukunftssicherung, sondern<br />

auch <strong>die</strong> Weiterqualifizierung der<br />

Belegschaften. Was noch hinzukommt:<br />

In keinem anderen Bereich<br />

Die Verordnung <strong>für</strong> <strong>die</strong> Berufe der Stufenausbildung Bau sieht eine Ergänzung und<br />

Vertiefung der Ausbildung in überbetrieblichen Ausbildungs zentren vor.<br />

ist <strong>die</strong> Ausbildung so kostengünstig<br />

wie am Bau, denn <strong>die</strong> Ausbildungskosten<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> im Betrieb beschäftigten<br />

Auszubildenden werden in<br />

erheblichem Umfang von der<br />

Bauwirtschaftlichen Sozialkasse<br />

(SOKA-BAU) zurückerstattet. Die<br />

Anfor derungen, <strong>die</strong> Betriebe erfüllen<br />

müssen, um auszubilden,<br />

nennen <strong>die</strong> Ausbildungszentren<br />

der Bau industrie oder <strong>die</strong> örtliche<br />

Industrie- und Handelskammer<br />

auf Anfrage.<br />

Studium plus Praxis:<br />

der duale Stu<strong>die</strong>ngang<br />

Bau ingenieurwesen<br />

Neben der klassischen Ausbildung<br />

bietet sich ein dualer Stu<strong>die</strong>ngang<br />

als ideale Möglichkeit der Qualifizierung<br />

<strong>für</strong> einen beruflichen<br />

Einstieg auf Positionen an, in der<br />

neue Mit arbeiter von Anfang an<br />

ein hohes Maß an Verantwortung<br />

übernehmen. Die als Reaktion auf<br />

<strong>die</strong> Um ge staltung der klassischen<br />

Diplom-Stu<strong>die</strong>ngänge geschaffenen<br />

dualen Stu<strong>die</strong>ngänge verknüpfen<br />

ein Hochschul- oder Fachhochschul<br />

studium z. B. mit einer gewerblich-technischen<br />

Aus bildung<br />

in einem Tiefbauberuf.<br />

Die Kombination von theoretischen<br />

Lehrinhalten mit praktischen<br />

Erfahrungen bietet nicht<br />

nur dem Auszubildenden unschätzbare<br />

Vorteile im späteren<br />

Berufsleben, sondern selbstverständlich<br />

profitieren von <strong>die</strong>sem<br />

Modell auch <strong>die</strong> Unternehmen –<br />

duale Stu<strong>die</strong>ngänge sind praxisnah,<br />

zielgerichtet und leistungsorientiert<br />

organisiert und er möglichen<br />

Betrieben einen besonders<br />

effizienten Einsatz ihrer in Ausbildung<br />

befindlichen Mitarbeiter.<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 955


| NETZWERK WISSEN |<br />

Porträt<br />

Stellenanzeige<br />

Links: Berufschancen im Leitungsbau<br />

Die Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft ist mit rund 8.000 Stu<strong>die</strong>renden<br />

eine der größten Hochschulen <strong>für</strong> angewandte Wissenschaften Baden-<br />

Württembergs und hat neben der Lehre einen deutlichen Schwerpunkt in der<br />

angewandten Forschung. Die Hochschule verfügt über <strong>die</strong> Fakultäten Architektur<br />

und Bauwesen, Elektro- und Informationstechnik, Informatik und Wirtschaftsinformatik,<br />

Informationsmanagement und Me<strong>die</strong>n, Maschinenbau und Mechatronik<br />

sowie Wirtschaftswissenschaften. Die Stu<strong>die</strong>nangebote zeichnen sich<br />

durch hohe praxisorientierte Lehrinhalte und herausragende Stu<strong>die</strong>nbedingungen<br />

aus. Die Hochschule weist sehr gute Rankingergebnisse auf und arbeitet<br />

eng mit der regionalen und überregionalen Wirtschaft zusammen.<br />

An der Fakultät <strong>für</strong> Architektur und Bauwesen ist zum 1. März 2015 eine<br />

W2 - Professur <strong>für</strong> das Fachgebiet<br />

„Infrastruktur - Energie und <strong>Wasser</strong>“<br />

- Kennzahl 1346 -<br />

zu besetzen.<br />

Die Fakultät <strong>für</strong> Architektur und Bauwesen hat den Themenbereich Planung,<br />

Bau, Betrieb und Erhalt von Infrastruktur durch <strong>die</strong> Einführung eines neuen<br />

Bachelor-Stu<strong>die</strong>nganges „Infrastructure Engineering“ gestärkt. Die Tätigkeit<br />

umfasst dabei Lehr- und Forschungsaktivitäten im Bereich der Infrastruktur <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>wirtschaft. Es wird Kompetenz und Engagement beim Aufbau von<br />

eigenen Schwerpunkten im Bereich der Forschung und Entwicklung vorausgesetzt,<br />

um das Profil im Rahmen der Masterstu<strong>die</strong>ngänge der Fakultät <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Stu<strong>die</strong>renden noch attraktiver zu gestalten.<br />

Gesucht wird eine Persönlichkeit, <strong>die</strong> - basierend auf einer fun<strong>die</strong>rten bauorientierten<br />

Ingenieur-Ausbildung - ihre in der Forschung und in der beruflichen<br />

Praxis erworbene Kompetenz <strong>für</strong> unsere Stu<strong>die</strong>renden nutzbar machen kann.<br />

Sie soll durch Wissen und Können <strong>die</strong> Lehre und <strong>die</strong> angewandte Forschung<br />

prägen. Hierzu ist <strong>die</strong> ausgeprägte Fachkompetenz in Planung und Projektmanagement<br />

<strong>für</strong> Genehmigung, Bauausführung sowie insbesondere <strong>für</strong> den Betrieb<br />

und Erhalt von Anlagen der <strong>Wasser</strong>wirtschaft nachzuweisen. Die <strong>Wasser</strong>wirtschaft<br />

erstreckt sich dabei auf <strong>die</strong> Bereiche <strong>Wasser</strong>bau, insbesondere auch<br />

auf <strong>Wasser</strong>kraftanlagen sowie <strong>die</strong> Siedlungswasserwirtschaft. In Ergänzung zu<br />

<strong>die</strong>ser Fachkompetenz sind zur Übernahme von Grundlagenvorlesungen Kenntnisse<br />

aus dem Fachgebiet der baulichen Energieinfrastruktur wünschenswert.<br />

Im Sinne der weiteren Internationalisierung der Hochschule Karlsruhe ist es<br />

vorteilhaft, dass der/<strong>die</strong> Stelleninhaber/-in Auslandserfahrungen in der beruflichen<br />

Praxis bzw. in Hochschul-Kooperationen vorweisen kann.<br />

Die Hochschule Karlsruhe ist eine der drittmittelstärksten Hochschulen <strong>für</strong><br />

angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Der weitere Ausbau der<br />

angewandten Forschung ist deshalb anerkanntes Ziel der Hochschule. Sie geht<br />

davon aus, dass der/<strong>die</strong> Stelleninhaber/-in sich aktiv an der angewandten Forschung<br />

beteiligt und Drittmittel einwirbt.<br />

Darüber hinaus besteht <strong>die</strong> Pflicht zur Beteiligung an der Grundlagenausbildung.<br />

Der/Die Stelleninhaber/-in muss bereit sein, auch Vorlesungen in fachlich benachbarten<br />

Gebieten zu übernehmen. Die Fähigkeit und Bereitschaft, Lehrveranstaltungen<br />

in englischer Sprache durchzuführen, sind mit <strong>die</strong>ser Professur<br />

verbindlich verknüpft.<br />

Die Einstellungsvoraussetzungen <strong>für</strong> Professorinnen und Professoren sind geregelt<br />

in §§ 47, 49, 50 des Gesetzes über <strong>die</strong> Hochschulen in Baden-Württemberg<br />

(Landeshochschulgesetz - LHG) vom 9. April 2014. Einzelheiten finden Sie<br />

in der ausführlichen Stellenausschreibung unter www.hs-karlsruhe.de >Hochschule<br />

>Stellenangebote.<br />

Die Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft strebt eine Erhöhung des<br />

Anteils von Frauen in Forschung und Lehre an. Sie bittet daher qualifizierte Interessentinnen<br />

nachdrücklich um ihre Bewerbung.<br />

Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei entsprechender<br />

Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt berücksichtigt.<br />

Bewerbungen werden erbeten - unter Angabe der Kennzahl - bis<br />

17. Oktober 2014 an <strong>die</strong><br />

Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, Personalabteilung<br />

Postfach 2440, 76012 Karlsruhe, Telefon (0721) 925 - 1030<br />

www.brbv.de<br />

www.rohrleitungsbauverband.de<br />

www.soka-bau.de<br />

www.bibb.de<br />

www.bauberufe.net<br />

www.bau-dein-ding.de<br />

www.darauf-kannst-du-bauen.de<br />

www.bau-ausbildung.de/ABI/<br />

www.dualstu<strong>die</strong>ren.de<br />

www.duales–studium.de<br />

• www.berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/<br />

Kurze Ausbildungsdauer, hohe Qualifikation<br />

Der von Berufsförderungswerk der Bauindustrie NRW<br />

e. V. und dem brbv 2008 gemeinsam initiierte duale<br />

Stu<strong>die</strong>ngang „Bauingenieur wesen – Vertiefung Netzingenieurwesen“<br />

etwa, den <strong>die</strong> FH Aachen anbietet,<br />

kann z. B. <strong>die</strong> bauindustrielle Ausbildung zum Kanalbauer,<br />

Rohrleitungsbauer oder Straßenbauer beinhalten.<br />

Studium und Ausbildung sind grundsätzlich dreigliedrig,<br />

innerhalb des vergleichsweise kurzen Zeitraums<br />

von neun Semestern erwerben Stu<strong>die</strong>rende<br />

sowohl einen Berufs- als auch einen Stu<strong>die</strong>nabschluss.<br />

Eine Berufsschulpflicht besteht aufgrund des Status als<br />

Student nicht. Ab dem ersten Tag des Studiums erhalten<br />

<strong>die</strong> Stu<strong>die</strong>renden eine tariflich festgelegte Ausbildungsvergütung<br />

gezahlt. Voraussetzung <strong>für</strong> <strong>die</strong> Aufnahme<br />

eines dualen Stu<strong>die</strong>ngangs sind <strong>die</strong> allgemeine<br />

Hochschulreife (Abitur, Fachhochschulreife) sowie ein<br />

Berufsausbildungsvertrag.<br />

Die Unternehmen müssen ihrerseits ebenfalls bestimmte<br />

Eignungskriterien erfüllen, um sich als Anbieter<br />

im Rahmen eines dualen Studiums zu qualifizieren –<br />

dazu gehört, dass eine Person mit Meisterabschluss<br />

bzw. ein Ausbilder zur Verfügung stehen und <strong>die</strong><br />

von der Bildungseinrichtung vorgegebenen Praxisphasen<br />

vom Unternehmen angemessen umgesetzt<br />

werden können. In der Regel ist <strong>die</strong>s in Betrieben ab<br />

einer Größe von 20 bis 50 Beschäftigten problemlos<br />

möglich.<br />

Weitere Informationen:<br />

QR-Code-Scan zu den Imagefilmen, in denen Beschäftigte im<br />

Leitungsbau selbst zu Wort kommen.<br />

September 2014<br />

956 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

Als geprüfte Netzmeister mit Vollgas in <strong>die</strong> Zukunft<br />

Tim Kesselring und Stefan Sacher absolvierten erfolgreich <strong>die</strong> Weiterbildung des rbv; <strong>die</strong> EU<br />

stuft den Vollzeit-Lehrgang als gleichwertige Alternative zu Bachelor, Techniker & Co. ein<br />

Der Netzmeister, <strong>die</strong> höchste Stufe der beruflichen Fortbildung, ist ein echtes Erfolgsmodell – und das nicht erst<br />

seit gestern, denn angeboten wird der Vollzeit-Lehrgang, der mit der Prüfung zum Netzmeister abschließt, vom<br />

Rohrleitungsbauverband e. V. (rbv) bzw. Berufsförderungswerk des Rohrleitungsbauverbandes GmbH (brbv) bereits<br />

seit 1978. Seitdem haben rund 2000 Beschäftigte aus Rohrleitungsbauunternehmen und Unternehmen der Energiewirtschaft<br />

<strong>die</strong> Prüfung zum Netzmeister in den Sparten Gas, <strong>Wasser</strong>, Strom und Fernwärme mit Erfolg abgelegt.<br />

Traditionell beginnen <strong>die</strong> Kurse<br />

im August eines jeden Jahres.<br />

Nach rund achtmonatigem Büffeln<br />

im Ausbildungszentrum der Bauindustrie<br />

in Kerpen sind <strong>die</strong> Teilnehmer<br />

bereit <strong>für</strong> <strong>die</strong> Abschlussprüfung<br />

vor der IHK Köln. In <strong>die</strong>sem<br />

Jahr haben 53 Kursteilnehmer den<br />

begehrten Titel erworben, 40 im<br />

Bereich Gas und <strong>Wasser</strong> sowie 13<br />

im Bereich Fernwärme.<br />

Einer von ihnen ist der gelernte<br />

Rohrbauer Tim Kesselring. Der Bauleiter<br />

bei der GW-TEC Rohrleitungsbau<br />

GmbH betont den Wert der<br />

Weiterbildung: „Wer sich anmeldet,<br />

dem muss klar sein, dass der Kurs<br />

nicht ohne ist – im ersten Prüfungsabschnitt<br />

etwa sind fünf Prüfungen<br />

in zwei Tagen abzulegen.“ Das<br />

schweißt offenbar zusammen,<br />

denn im Laufe der Kurszeit habe<br />

er „superviele Freundschaften geschlossen“,<br />

erzählt der 21-jährige.<br />

Immer nur Gas- und <strong>Wasser</strong>anschlüsse<br />

herstellen? Stefan Sacher,<br />

seit 1998 bei der Stadtwerke Aachen<br />

AG als Anlagenmechaniker Fachrichtung<br />

Versorgungstechnik angestellt,<br />

war das auf Dauer zu langweilig. Eine<br />

Stellenausschreibung seines Arbeitsgebers<br />

gab den Ausschlag <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Weiterbildung zum Netzmeister und<br />

<strong>die</strong> habe sich „auf jeden Fall gelohnt“,<br />

urteilt der 32-Jährige. „Die Prüfungswoche<br />

hat mich zwar bestimmt<br />

Jahre meines Lebens gekostet, aber<br />

da<strong>für</strong> habe ich jetzt einen viel tieferen<br />

Einblick in <strong>die</strong> Materie“, zielt auch<br />

Sachers Resümee auf <strong>die</strong> Qualität<br />

der Weiterbildung ab. Der rbv habe<br />

da<strong>für</strong> gesorgt, dass alles super gelaufen<br />

sei, und dank kompetenter<br />

Dozenten, <strong>die</strong> <strong>die</strong> Teilnehmer langsam<br />

an den neuen Stoff herangeführt<br />

hätten, seien alle Teilnehmer gut<br />

mitgekommen.<br />

Umfassendes Qualifikationsspektrum<br />

Seit den späten 80er-Jahren betreut<br />

Dipl.-Ing. Lothar Schiffmann <strong>die</strong><br />

Lehrgangsteilnehmer als Dozent.<br />

Der Abteilungsleiter bei der Rheinischen<br />

Energie AG betont, dass sich<br />

<strong>die</strong> Weiterbildung, nach deren erfolgreichem<br />

Durchlaufen <strong>die</strong> Absolventen<br />

sich „geprüfter Netzmeister“<br />

nennen dürfen, merklich gewandelt<br />

habe (siehe Interview S. 959). In den<br />

Jahren zwischen 1978 und 2006<br />

konnten <strong>die</strong> Lehrgangsteilnehmer<br />

sich in den Fachrichtungen Gas,<br />

<strong>Wasser</strong> und Fernwärme qualifizieren.<br />

Im Jahr 2006 wurde das<br />

Portfolio um Strom erweitert, und<br />

aus dem Abschluss Rohrnetzmeister<br />

wurde der Netzmeister.<br />

Die Ausbildung besteht aus zwei<br />

Blöcken. Eine Grundausbildung vermittelt<br />

vor allem mathematische<br />

sowie naturwissenschaftliche Kenntnisse<br />

und sorgt zunächst <strong>für</strong> ein<br />

einheitliches Niveau der Teilnehmer.<br />

Im daran anschließenden Block geht<br />

es um Fachspezifisches.<br />

Die Lehrinhalte spiegeln <strong>die</strong><br />

enorme Bandbreite der Tätigkeiten<br />

wider, <strong>für</strong> welche sich <strong>die</strong> angehenden<br />

Netzmeister qualifizieren. Die<br />

Mitwirkung an der Planung und am<br />

Bau von Netzen ist ebenso Thema<br />

wie <strong>die</strong> Überwachung von Qualität,<br />

Sicherheit und Baufortschritt, das<br />

Betreiben und Überwachen von<br />

Netzen und Anlagen, <strong>die</strong> Planung<br />

rbv-Geschäftsführer Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter Hesselmann<br />

(l.) und Dipl.-Ing. Roald Essel, Open Grid<br />

Europe GmbH (r.), mit den <strong>die</strong>sjährigen fünf Besten<br />

des Netzmeisterlehrgangs im Bereich Gas/<strong>Wasser</strong>:<br />

Klassensprecher Tim Kesselring, Henning Heine,<br />

Stefan Sacher, David Wißner (in der Mitte von<br />

l. nach r.). Es fehlt: Sascha Kirmße.<br />

und Überwachung des Einsatzes<br />

von Betriebsmitteln, das Störungsmanagement<br />

sowie <strong>die</strong> Instandhaltung<br />

und Dokumentation.<br />

Ein weiterer Schwerpunkt sind<br />

Organisation und Personalführung.<br />

Hier lernen <strong>die</strong> Teilnehmer unter<br />

anderem, wie man Arbeitsabläufe<br />

plant, Personal effizient einsetzt<br />

und Arbeits-, Bereitschafts- und<br />

Notfallpläne erstellt. Hinzu kommt<br />

<strong>die</strong> Aufstellung von Budgets und<br />

Kostenplänen sowie <strong>die</strong> Kalkulation<br />

und Vorbereitung der Vergabe von<br />

Leistungen und das Überwachen<br />

von Baumaßnahmen bis hin zur Anwendung<br />

fachspezifischer Rechtsvorschriften<br />

und Regelungen zum<br />

Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz.<br />

Komplettiert wird das Ganze<br />

durch <strong>die</strong> Vermittlung von Kenntnissen<br />

in der Personalführung.<br />

Wichtige Bausteine sind hier Anleitung,<br />

Motivation und Beurteilung<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 957


| NETZWERK WISSEN |<br />

Porträt<br />

entsprechend wichtig ist gut ausgebildetes<br />

Personal, das seine<br />

Kenntnisse fortlaufend auf dem<br />

neuesten Stand hält. In Zeiten von<br />

demografischem Wandel und zunehmend<br />

europäischer Ausrichtung<br />

ist der Netzmeister-Abschluss ein<br />

markt- und branchengerechtes Bildungsangebot,<br />

dank des breiten<br />

Qualifizierungsspektrums hat der Titel<br />

„geprüfter Netzmeister“ in der Branche<br />

einen ausgezeichneten Klang.<br />

Gute Noten erhält der Lehrgang<br />

auch vom Europäischen Qualifikationsrahmen<br />

<strong>für</strong> lebenslanges Lernen<br />

(EQR). Gegründet wurde <strong>die</strong> von der<br />

Europäischen Union ins Leben gerufene<br />

Initiative mit dem Ziel, berufliche<br />

Qualifikationen und Kompetenzen<br />

in Europa besser vergleichbar<br />

zu machen. Der geprüfte Netzmeister,<br />

so das Urteil des EQR, sei<br />

zwar nicht als gleichartig, aber<br />

doch als gleichwertig mit Bachelor,<br />

Techniker und Fachwirt einzustufen.<br />

Für rbv-Geschäftsführer Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter Hesselmann ist der<br />

Netzmeisterlehrgang eine Gemeinschaftsaufgabe, an der neben den Absolventen<br />

und ihren Angehörigen auch <strong>die</strong> Dozenten und <strong>die</strong> Mitglieder<br />

des Prüfungsausschusses großen Anteil haben.<br />

von Mitarbeitern, <strong>die</strong> Planung des<br />

Personalbedarfs sowie <strong>die</strong> Auseinandersetzung<br />

mit Sicherheits- und<br />

Qualitätsmanagementzielen.<br />

Gute Noten von der EU<br />

Das Berufsförderungswerk des Rohrleitungsbauverbandes<br />

(brbv) als<br />

Träger der Weiterbildung legt<br />

höchsten Wert darauf, dass <strong>die</strong><br />

Inhalte des Lehrgangs aktuell,<br />

anwendbar und zukunftsorientiert<br />

sind. DIN EN-Normen etwa spielen<br />

schon heute eine wichtige Rolle im<br />

Tagesgeschäft der Unternehmen,<br />

in Zukunft wird ihre Bedeutung<br />

eher noch zunehmen, und dem-<br />

Beste Zukunftsaussichten<br />

Die Perspektiven, <strong>die</strong> sich dank des<br />

Abschlusses ergeben, sind vielschichtig.<br />

In privatwirtschaftlichen wie öffentlichen<br />

Unternehmen der Strom-,<br />

Gas-, <strong>Wasser</strong>- und Fernwärmeversorgung<br />

übernehmen Netzmeister<br />

verantwortungsvolle Fach- und Führungsaufgaben<br />

wie z. B. den Betrieb<br />

und <strong>die</strong> Instandhaltung von Netzen<br />

und Anlagen im jeweiligen Bereich.<br />

Außerdem bieten sich Chancen in<br />

Rohrleitungsbauunternehmen sowie<br />

der technischen Gebäudeausrüstung.<br />

In Ingenieurbüros können Netzmeister<br />

in der bautechnischen Gesamtplanung<br />

tätig sein.<br />

rbv und brbv sind sich sicher: Die<br />

Aussichten <strong>für</strong> <strong>die</strong> neuen Netzmeister<br />

sind gut – schon allein deshalb, weil<br />

<strong>die</strong> Zahl der Kursteilnehmer nach<br />

wie vor unter dem <strong>für</strong> <strong>die</strong> Zukunft<br />

errechneten Bedarf liege. Eine wichtige<br />

Aufgabe, <strong>die</strong> sich den Netzmeistern<br />

stellt, findet sich denn<br />

auch in keinem Lehrplan: „Nehmen<br />

Sie in Ihren Betrieben Einfluss<br />

Statement<br />

„Keine Frage: Die berufsbegleitende Weiterbildung zum Netzmeister ist kein<br />

Zuckerschlecken – <strong>die</strong> 53 Prüflinge, <strong>die</strong> sich der Herausforderung im Jahr 2014<br />

erfolgreich gestellt haben, kann ich nur beglückwünschen. Nicht nur zu ihrem<br />

Engagement, sondern auch zu ihrem grundsätzlichen Entschluss, denn qualifizierter<br />

Nachwuchs mit ausreichend Fach- und Handlungskompetenz ist nach<br />

wie vor massenhafte Mangelware.<br />

Wir freuen uns zwar, dass sich auch <strong>für</strong> den kommenden Lehrgang wieder mehr<br />

als 50 Teilnehmer angemeldet haben, sind uns aber bewusst, dass der bundesweite<br />

Bedarf tatsächlich sehr viel höher ist. Gerade der Bereich Fernwärme<br />

dürfte zukünftig gute Chancen <strong>für</strong> entsprechend qualifiziertes Personal bieten. In<br />

<strong>die</strong>sem Zusammenhang wichtig ist <strong>die</strong> Tatsache, dass Fortbildungsabschlüsse anderer Netzmeister-Abschlüsse<br />

längstens fünf Jahre anerkannt bzw. angerechnet werden. Wer bereits einen Netzmeisterbrief eines Handlungsfeldes<br />

hat, sollte seine Möglichkeiten im Hinblick auf zusätzliche Sparten prüfen und darauf achten,<br />

dass er <strong>die</strong> in der allgemeinen Rechtsvorschrift „Geprüfter Netzmeister“ festgelegten Fristen nicht versäumt.“<br />

Kurt Rhode, Lehrgangsleiter, brbv GmbH<br />

September 2014<br />

958 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Porträt<br />

|<br />

NETZWERK WISSEN<br />

|<br />

darauf, dass ausgebildet wird“, appellierte<br />

rbv-Geschäftsführer Dieter<br />

Hesselmann bei der Überreichung<br />

der Meisterbriefe an <strong>die</strong> frischgebackenen<br />

Netzmeister.<br />

Tim Kesselring und Stefan Sacher<br />

haben <strong>die</strong> nächsten beruflichen<br />

Ziele schon fest im Blick.<br />

Kesselring hat sich <strong>für</strong> <strong>die</strong> Teilnahme<br />

am Lehrgang Fernwärmemeister<br />

bereits angemeldet, und auch<br />

Stefan Sacher hat noch lange nicht<br />

ausgelernt: Als nächstes steht eine<br />

Weiterbildung zum Schweißfachmann/Schweißaufsicht<br />

<strong>für</strong> PE auf<br />

dem Programm.<br />

Als empfehlenswert, aber äußerst<br />

anspruchsvoll stuft Tim Kesselring<br />

<strong>die</strong> Weiterbildung des rbv ein.<br />

© privat<br />

Eine breitgefächerte Wissensvermittlung<br />

und kompetente Dozenten<br />

attestiert Stefan Sacher der Netzmeister-Weiterbildung.<br />

© privat<br />

„Die Unternehmen sind gefordert!“<br />

Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses Netzmeister bei der IHK Köln Lothar<br />

Schiffmann appelliert an Verantwortliche, sich in der Aus- und Weiterbildung<br />

stärker einzubringen<br />

Dipl.-Ing. Lothar Schiffmann, Abteilungsleiter Arbeitssicherheit bei der Rheinische Energie AG, engagiert sich<br />

bereits seit Jahrzehnten ehrenamtlich im Bereich Weiterbildung. Seit den späten 80er-Jahren ist Schiffmann<br />

als Dozent tätig. Darüber hinaus ist er Vorsitzender des Prüfungsausschusses Netzmeister der IHK Köln. Im<br />

Interview mit <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> |<strong>Abwasser</strong> fordert er eine praxisbezogene Aus- und Weiterbildung.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Schiffmann, Sie betonen,<br />

dass sich seit Beginn Ihrer Tätigkeit als<br />

Dozent <strong>für</strong> den rbv <strong>die</strong> Ausbildung,<br />

nach deren erfolgreichem Durchlaufen<br />

<strong>die</strong> Absolventen sich „geprüfter<br />

Netzmeister“ nennen dürfen, merklich<br />

gewandelt habe. Inwiefern?<br />

Schiffmann: Lange Zeit konzentrierten<br />

sich <strong>die</strong> beruflichen Weiterbildungskonzepte<br />

auf <strong>die</strong> Vermittlung<br />

von Fachwissen, ohne <strong>die</strong> betriebliche<br />

Praxis ausreichend im<br />

Blick zu haben. Angelehnt an das<br />

von der Metall- und Elektroindustrie<br />

vorgelegte Konzept „Industriemeister<br />

2000“ hat man im Jahr 2000 <strong>die</strong><br />

bis dato praktizierte Methodik auf<br />

den Prüfstand gehoben.<br />

<strong>gwf</strong>: Mit welchem Ergebnis?<br />

Schiffmann: In der Folge haben<br />

wir <strong>die</strong> Prüfungsordnung angepasst:<br />

Rein ingenieurwissenschaftliche<br />

Kenntnisvermittlung wurde<br />

gestrichen, da<strong>für</strong> wurden <strong>die</strong> sogenannten<br />

handlungsspezifischen<br />

Prüfungen in den Lehrplan aufgenommen,<br />

um einen noch stärkeren<br />

Bezug zur Praxis zu schaffen. Bei der<br />

Umsetzung <strong>die</strong>ser Pläne und des<br />

neuen Regelwerks sind rbv und<br />

brbv sehr zielstrebig vorgegangen.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie beurteilen Sie <strong>die</strong> Motivation<br />

der angehenden Netzmeister?<br />

Schiffmann: Es ist immer wieder<br />

deutlich zu spüren, wie wichtig den<br />

Kursteilnehmern selbstbestimmtes<br />

Arbeiten und <strong>die</strong> Übernahme zusätzlicher<br />

Verantwortung sind.<br />

<strong>gwf</strong>: Wie können Unternehmen <strong>die</strong>se<br />

Motivation voll ausschöpfen?<br />

Schiffmann: Ich kann den Unternehmen<br />

der Branche nur dringend<br />

raten, <strong>die</strong> Höherqualifizierung der<br />

eigenen Belegschaft frühzeitig zu<br />

planen und <strong>die</strong> Mitarbeiter rechtzeitig<br />

in Meisterkurse zu schicken.<br />

Außerdem müssen <strong>die</strong> Unternehmen<br />

auch in Zukunft dazu bereit<br />

sein, Fachdozenten zu stellen, <strong>die</strong><br />

sich ehrenamtlich in der Ausbildung<br />

engagieren. Wenn wir wollen, dass<br />

der Nachwuchs unserer Branche in<br />

der Aus- und Weiterbildung weiterhin<br />

auf Praktiker stößt und nicht<br />

ausschließlich auf fachfremde Pädagogen,<br />

setzt das natürlich entsprechendes<br />

Engagement voraus.<br />

<strong>gwf</strong>: Herr Schiffmann, vielen Dank <strong>für</strong><br />

das Interview.<br />

Lothar Schiffmann<br />

attestiert<br />

Kursteilnehmern<br />

Motivation zu<br />

selbstbestimmtem<br />

Arbeiten<br />

und Bereitschaft<br />

zur Übernahme<br />

zusätzlicher<br />

Verantwortung.<br />

Dieses Potenzial<br />

müssten Unternehmen<br />

ausschöpfen.<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 959


| NACHRICHTEN<br />

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Veranstaltungen<br />

Hochkarätige Fachforen informieren Besucher<br />

zielgruppengerecht<br />

Nach ihrer erfolgreichen Premiere<br />

2013 lädt <strong>die</strong> GEO-T Expo im<br />

Herbst erneut in <strong>die</strong> Energiemetropole<br />

Essen ein. Vom 11. bis 13. November<br />

2014 wird <strong>die</strong> Messe Essen<br />

zum Treffpunkt der internationalen<br />

Geothermie-Industrie – eine Branche,<br />

der <strong>die</strong> Internationale Energieagentur<br />

(IEA) <strong>für</strong> <strong>die</strong> nächsten Jahrzehnte<br />

weltweit ein großes Wachstum voraussagt.<br />

Markenzeichen der GEO-T<br />

Expo ist es, dass sie Industrie und<br />

Forschung zusammenbringt. So wird<br />

während der Messe erneut der<br />

Geothermiekongress DGK des GtV-<br />

Bundesverband Geothermie stattfinden.<br />

Schirmherren der GEO-T<br />

Expo sind der Bundesminister <strong>für</strong><br />

Wirtschaft und Energie, Sigmar<br />

Gabriel, und der Minister <strong>für</strong> Klimaschutz,<br />

Umwelt, Landwirtschaft, Naturund<br />

Verbraucherschutz des Landes<br />

NRW, Johannes Remmel.<br />

Im Zentrum der GEO-T Expo<br />

stehen <strong>die</strong> Einsatzmöglichkeiten der<br />

Geothermie <strong>für</strong> <strong>die</strong> Stromerzeugung<br />

sowie den Wärme- und Kältemarkt.<br />

Die Fachmesse bildet <strong>die</strong> gesamte<br />

Wertschöpfungskette der Branche<br />

ab: von der oberflächennahen über<br />

<strong>die</strong> mitteltiefe bis zur Tiefengeothermie.<br />

Aussteller von Island bis<br />

zur Türkei zeigen in der Messe Essen<br />

neue Produkte und Dienstleistungen<br />

u. a. aus den Bereichen Bohrung und<br />

Exploration, Kraftwerkstechnik und<br />

-planung sowie Seismik und Projektentwicklung.<br />

Das Angebot der<br />

Industrie stößt auf großes internationales<br />

Interesse: Schon jetzt haben<br />

sich Delegationen aus Ecuador,<br />

Kolumbien, den Niederlanden und<br />

der Türkei angekündigt.<br />

Fachbesuchern bietet <strong>die</strong> Essener<br />

Industriemesse zielgruppengerechte<br />

Informationen in zahlreichen Foren.<br />

So können am Mittwoch, 12. November,<br />

zum Beispiel Facility Manager<br />

alles über intelligentes Energiemanagement<br />

mit Erdwärme erfahren.<br />

An Versicherungsfachleute, Anleger<br />

und Investoren richtet sich am<br />

selben Tag das Forum „Investment,<br />

Recht & Versicherung“.<br />

Ebenfalls am Mittwoch feiert der<br />

„Tag der Architekten und Bauingenieure“<br />

Premiere auf der GEO-T Expo.<br />

Zum ersten Mal in Deutschland<br />

können sich Planer von Gebäuden<br />

und Anlagen in einem qualifizierten<br />

Workshop über Wärme, Kühlung<br />

und Energiegewinnung durch Erdwärme<br />

informieren. Ein spezielles<br />

Matchmaking-Angebot rundet den<br />

Thementag ab.<br />

Welches Potenzial <strong>die</strong> Geothermie<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Strom- und Wärmeversorgung<br />

von Städten und Gemeinden<br />

hat, erklären Fachleute am Donnerstag,<br />

13. November. Das Forum<br />

„GEO-Town – Tag der Bürgermeister<br />

und Kommunen“ richtet sich an<br />

Kommunalpolitiker, Umwelt- und<br />

Energiebeauftragte sowie Vertreter<br />

von Stadtwerken und Energieversorgern.<br />

Am selben Tag bieten<br />

„Campus Day & Wissenschaftsschaufenster“<br />

Nachwuchswissenschaftlern<br />

eine attraktive Plattform – Job – und<br />

Kontaktbörse sowie ein spezielles<br />

Matchmaking-Angebot inklusive.<br />

Weitere Informationen:<br />

www.geotexpo.com<br />

geofora 2014 fällt mangels Resonanz aus<br />

Vor dem Hintergrund der zunehmenden<br />

Zahl von Fachveranstaltungen<br />

im Trinkwasserbereich<br />

haben <strong>die</strong> Fa. Mösslein <strong>Wasser</strong>technik<br />

aus Lohr am Main, <strong>die</strong> Stadt Hof<br />

und <strong>die</strong> figawa – Bundesvereinigung<br />

der Firmen im Gas- und <strong>Wasser</strong>fach<br />

e. V. in Köln Kooperationsgespräche<br />

begonnen, um Kräfte in <strong>die</strong>sem<br />

Markt zu bündeln und Synergien zu<br />

erzielen. Die Fa. Mösslein bringt ihre<br />

Erfahrung als erfolgreicher Veranstalter<br />

der Nordbayerischen Trinkwassertagung<br />

und der Süd- und<br />

Ostbayerischen <strong>Wasser</strong>tagung ein,<br />

<strong>die</strong> figawa e. V. ihr Netzwerk als<br />

bundesweit tätiger Verband in der<br />

Branche und <strong>die</strong> Stadt Hof ihre<br />

Aktivitäten als bayerischer Kompetenzstandort<br />

<strong>Wasser</strong>, als Standort<br />

des LfU Bayern und als Standort<br />

einer Hochschule mit stark wachsender<br />

<strong>Wasser</strong>- und Umweltkompetenz.<br />

Die Kommunikations- und Wissensplattform<br />

geofora als eine im<br />

Markt bekannte Marke mit hochwertigem<br />

Kongress- und Fachforenprogramm<br />

von figawa und Stadt<br />

Hof steht im Mittelpunkt weiterführender<br />

Kooperationsgespräche.<br />

Ziel ist es, eine umfassende trinkwassertechnische<br />

Fachveranstaltung<br />

am Standort Hof zu platzieren, <strong>die</strong><br />

den Interessen des Marktes und der<br />

drei beteiligten Kooperationspartner<br />

gerecht wird und ihre bestehenden<br />

Aktivitäten sinnvoll ergänzt.<br />

„Vor <strong>die</strong>sem Hintergrund haben<br />

wir uns entschieden, <strong>die</strong> ursprünglich<br />

<strong>für</strong> den 18./19. September 2014<br />

geplante geofora in Hof im Sinne<br />

und zum Nutzen unserer Aussteller<br />

und Teilnehmer zu verschieben und<br />

in mögliche gemeinsame Aktivitäten<br />

einzubringen“, so Gotthard Graß,<br />

Hauptgeschäftsführer der figawa e. V.<br />

Voraussichtlich schon 2015 könnten<br />

sichtbare Impulse am Markt mit<br />

einer gemeinsamen Veranstaltung<br />

in Hof gesetzt werden.<br />

September 2014<br />

960 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

Neue Inspektionsverfahren <strong>für</strong> Trinkwasserleitungen<br />

IWW und 8 SEAS veranstalten Symposium <strong>für</strong> Mitarbeiter im Rohrnetzbetrieb am<br />

15. Oktober 2014 in Darmstadt<br />

Wer unsere Trinkwasserversorgung<br />

nachhaltig sichern und<br />

wirtschaftlich gestalten will, muss<br />

Trinkwasserleitungen professionell<br />

managen und instand halten. – Eine<br />

Binsenweisheit? „Oft fehlen den verantwortlichen<br />

Mitarbeitern wichtige<br />

Daten und Informationen über<br />

den tatsächlichen Zustand der von<br />

ihnen betreuten Anlagen“, hat Dr.<br />

Christian Sorge, stellvertretender<br />

Bereichsleiter <strong>Wasser</strong>netze beim<br />

IWW Zentrum <strong>Wasser</strong> am Regionalstandort<br />

Rhein-Main, festgestellt.<br />

Gemeinsam mit SEAS Consulting<br />

engineers – water + energy, Nackenheim,<br />

veranstaltet das IWW deshalb<br />

am 15. Oktober 2014 das Symposium<br />

„Neue Inspektionsverfahren <strong>für</strong><br />

Trinkwasserleitungen“. Die Fortbildungsveranstaltung<br />

<strong>für</strong> Betriebsleiter<br />

und Asset-Manager sowie<br />

Meister, Facharbeiter und weitere<br />

Mitar beiter im Rohrnetzbetrieb informiert<br />

detailliert über neue Technologien<br />

zur Inspektion von Guss-,<br />

Stahl- und Spannbetonleitungen<br />

sowie von PVC- und Asbestzementleitungen.<br />

In den letzten Jahren wurden<br />

neue Technologien, Verfahren und<br />

Instrumente zur zerstörungsfreien<br />

Prüfung und Inspektion von Trinkwasserleitungen<br />

entwickelt: „Dazu<br />

zählen elektromagnetische Verfahren,<br />

Ultraschallverfahren und Kombinationen<br />

von akustischen und elektromagnetischen<br />

Verfahren, <strong>die</strong> sich<br />

jetzt auch in Deutschland durchsetzen“,<br />

erklärt Tim Krüger, Gründer<br />

von 8 SEAS.<br />

Referenten unterschiedlichster<br />

Fach gebiete präsentieren Erfahrungsberichte<br />

und Anwendungsbeispiele.<br />

Kosten, Einsatzgrenzen und Rahmenbedingungen<br />

werden ebenso thematisiert<br />

wie <strong>die</strong> Verwertung von<br />

Prüfergebnissen <strong>für</strong> Nutzungsdauerprognosen<br />

und Zuverlässigkeitsanalysen.<br />

8 SEAS und IWW <strong>Wasser</strong> zeigen<br />

Entscheidern und Rohrnetzspezialisten<br />

neue Wege zu einer sicheren<br />

Beurteilung des Zustandes von<br />

Trinkwasserleitungen und einer<br />

Einschätzung der Sanierungsfähigkeit.<br />

Das ermöglicht valide<br />

Ent scheidungen bei der Auswahl<br />

acqua alta<br />

18. und 19. November 2014<br />

in Essen<br />

Kongress mit begleitender Ausstellung<br />

<strong>für</strong> Hochwasserschutz, Klimafolgen und<br />

Katastrophenmanagement<br />

www.acqua-alta.de<br />

geeigneter Instandhaltungsmaßnahmen<br />

und langfristiger Investitionsplanungen.<br />

Programm/Anmeldung:<br />

www.iww-online.de/veranstaltungen<br />

www.8-seas.com<br />

Neuer Termin<br />

Neuer Standort<br />

Neues Konzept<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 961


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

Marktpotenziale öffentlicher Geodaten:<br />

„Die Wirtschaft mitnehmen“<br />

Die Wirtschaft braucht Geodaten. Daher liegt in öffentlichen Geodaten ein enormes Marktpotenzial. Diese<br />

Thesen sind unbestritten. Die Frage ist aber: Wächst <strong>die</strong> Nachfrage, seit immer mehr Behörden ihre Daten zum<br />

Teil frei ins Netz stellen? Auf der Suche nach Antworten ist auch auf der INTERGEO in Berlin das Wirtschaftspotenzial<br />

öffentlicher Geodaten als Themenslot im Kongressprogramm fest verankert.<br />

Die Stadt Bonn steht in Sachen<br />

Open Data noch recht am<br />

Anfang, hat sich aber mit dem Ratsbeschluss<br />

vom 30. Januar 2014 auf<br />

einen klar definierten Weg gemacht.<br />

Sven Hense, Projektleiter E-Government<br />

und Leiter der Koordinationsstelle<br />

Open Data der Stadt Bonn, ist<br />

mit dabei: Er erklärt, dass <strong>die</strong> Stadtverwaltung<br />

konsequent daran arbeite,<br />

um das im Mai veröffentliche<br />

Open Data Portal inhaltlich weiter<br />

auszubauen. Bei einer zuvor geleisteten<br />

Umfrage zu den Wunschdatensätzen,<br />

<strong>die</strong> der Öffentlichkeit<br />

übergeben werden sollen, lagen<br />

Geodaten weit vorne, so Hense. „Die<br />

Georeferenzierung war das meist genannte<br />

Kriterium der Wunschdatensätze“.<br />

Erheblicher Run auf <strong>die</strong> Daten<br />

In der Vermessungsverwaltung<br />

Berlin, der gastgebenden Stadt der<br />

INTERGEO 2014, ist man in Sachen<br />

Open Geodata schon einige Schritte<br />

weiter. Die Hauptstadt gilt neben<br />

Hamburg und Bremen als der Motor,<br />

wenn es darum geht, öffentliche<br />

Geodaten unter <strong>die</strong> Leute zu bringen<br />

– <strong>für</strong> alle zur freien Verwendung<br />

und entgeltfrei, wie es im Verwaltungsjargon<br />

heißt. Und in <strong>die</strong>ser<br />

Open-Data-Strategie sieht Thomas<br />

Luckhardt aus der Senatsverwaltung<br />

Berlin <strong>die</strong> Chance, öffentliche Geodaten<br />

nutzbringend auch in <strong>die</strong><br />

Wirtschaft zu bringen. „Nachdem<br />

wir <strong>die</strong> Daten im letzten Jahr freigegeben<br />

haben, ist ein größerer Run<br />

auf <strong>die</strong> offenen Daten festzustellen“,<br />

so der verantwortliche Leiter der<br />

Abteilung III – Geoinformation bei<br />

der Senatsverwaltung <strong>für</strong> Umwelt<br />

und Stadtentwicklung. Noch hat<br />

man nicht exakt ermittelt, wer auf<br />

welche Datensätze zugreift. Doch<br />

Luckhardt stellt fest, dass <strong>die</strong> Daten<br />

bei weitem stärker genutzt werden<br />

als zuvor. „Die Preise und teils schwer<br />

durchschaubaren Preismodelle waren<br />

definitiv ein Grund in dem Gesamtgefüge,<br />

<strong>die</strong> zuvor zu einer Zurückhaltung<br />

bei den Kunden geführt hat“,<br />

so Luckhardt.<br />

Rahmenbedingungen noch<br />

nicht optimal<br />

Preise und Preisgefüge, Lizenzen und<br />

Lizenzmodelle, Fragen des Datenschutzes,<br />

aber auch <strong>die</strong> Auffindbarkeit<br />

öffentlicher Geodaten sind<br />

Hürden auf dem Weg von Geodaten<br />

in <strong>die</strong> Wirtschaft. Lars Behrens, stellvertretender<br />

Leiter der Geschäftsstelle<br />

der Kommission <strong>für</strong> Geoinformationswirtschaft<br />

(GIW-Kommission),<br />

kommt zu folgender Feststellung:<br />

„Immer mehr Behörden stellen ihr<br />

Angebot an Geodaten ins Netz, aber<br />

<strong>die</strong> Nachfrage aus der Wirtschaft<br />

lässt noch zu wünschen übrig.“<br />

Stimmt also das eingangs formulierte<br />

und so oft postulierte Credo von der<br />

Inwertsetzung von Geodaten durch<br />

<strong>die</strong> Wirtschaft vielleicht gar nicht?<br />

„Doch, auf jeden Fall“, so Behrens.<br />

Die Wirtschaft habe einen enormen<br />

Mehrwert durch den Einsatz von<br />

Geodaten, aber <strong>die</strong> Rahmenbedingungen<br />

seien noch nicht optimal. Es<br />

scheint so, als ob mit der wachsenden<br />

Anzahl der Portale behördlicher<br />

Geodaten und der anhaltenden<br />

Diskussionen um Lizenzmodelle<br />

und Datenschutzbestimmungen <strong>die</strong><br />

Verunsicherung der Unternehmen<br />

wachse.<br />

Doch es gibt auch Positivbeispiele:<br />

Zu den von der GIW-Kommission<br />

angestoßenen Best-Practice-<br />

Projekten zählen Anwendungen in<br />

der Waldwirtschaft, im Immobiliensektor,<br />

dem Gesundheitswesen oder<br />

der Rohstoffwirtschaft. In allen sogenannten<br />

Leitprojekten konnte <strong>die</strong><br />

GIW-Kommission zeigen, dass Geodaten<br />

einen hohen Mehrwert <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> Wirtschaft liefern können. Wenn<br />

sie denn so bereitgestellt werden,<br />

dass <strong>die</strong> Unternehmen mit den<br />

Daten arbeiten können.<br />

Von anderen lernen<br />

Sven Hense von der Koordinationsstelle<br />

Open Data in Bonn, hat nun<br />

den entscheidenden Vorteil, sich mit<br />

anderen Akteuren auszutauschen<br />

und Open Data inhaltlich weiterentwickeln<br />

zu können. „Wir werden<br />

gezielt kooperieren, um bei den<br />

Unternehmen der Region <strong>die</strong> Werbetrommel<br />

<strong>für</strong> das Datenportal zu<br />

rühren“, so Hense. Gezielt ansprechen,<br />

Bedürfnisse abfragen, Aufmerksamkeit<br />

erzeugen und einen<br />

Austausch mit Unternehmen in<br />

Gang bringen – das sind Schritte,<br />

um das Wirtschaftspotenzial der<br />

Geodaten auszuschöpfen. Ob <strong>die</strong>se<br />

Maßnahmen ausreichen werden,<br />

um das Potenzial der Geodaten zu<br />

entfalten, bleibt abzuwarten. „Wir<br />

müssen <strong>die</strong> Wirtschaft mitnehmen,<br />

soviel steht fest“, so Hense.<br />

Weitere Informationen:<br />

http://www.intergeo.de<br />

September 2014<br />

962 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Veranstaltungen | NACHRICHTEN |<br />

13. <strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Jahrestagung<br />

Die <strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Jahrestagung am 25. und 26. November 2014 in Berlin ist das traditionelle Branchentreffen<br />

der <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>wirtschaft im BDEW. Auf der Jahrestagung suchen Vorstände, Geschäftsführer,<br />

Direktoren und Werkleiter sowie Führungskräfte der <strong>Wasser</strong>- und <strong>Abwasser</strong>wirtschaft Antworten auf <strong>die</strong><br />

zentralen Fragen der Branche. Darüber hinaus ist <strong>die</strong> Tagung eine optimale Gelegenheit, sich aus erster Hand<br />

über zukünftige Initiativen in Berlin und Brüssel zu informieren. In kurzen Thesenvorträgen und anschließenden<br />

Diskussionsrunden werden Entwicklungen, Lösungen und Strategien <strong>für</strong> <strong>die</strong> kommenden Aufgaben der<br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft mit Spitzenvertretern aus Politik, Umweltverbänden und Unternehmen diskutiert. Im<br />

Rahmen der Abendveranstaltung im Umspannwerk Ost ist eine Diskussionsrunde mit Bundestagsabgeordneten<br />

zu aktuellen ordnungspolitischen Themen geplant.<br />

Die <strong>Wasser</strong>wirtschaft steht vor<br />

großen Aufgaben. Die Branche<br />

muss sich den Folgen des Klimawandels,<br />

den steigenden Grundwasserbelastungen<br />

und den Auswirkungen<br />

des demografischen Wandels stellen.<br />

Überall sind strukturelle Anpassungen<br />

notwendig. Beispielsweise erfordert<br />

ein sinkender <strong>Wasser</strong>gebrauch bei<br />

gleichzeitigem Bevölkerungsrückgang<br />

neue Tarifstrukturen. Nur<br />

durch <strong>die</strong> Einführung neuer Preismodelle<br />

können <strong>die</strong> Trinkwasserund<br />

<strong>Abwasser</strong> infrastrukturen nachhaltig<br />

finanziert werden, ohne dass<br />

<strong>die</strong> Unternehmen in eine Kostendeckungslücke<br />

geraten. Dass <strong>die</strong><br />

<strong>Wasser</strong>entgelte schon seit Längerem<br />

im Fokus von Politik, Verbrauchern<br />

und Kartellbehörden stehen, macht<br />

<strong>die</strong> Umstellung <strong>für</strong> <strong>die</strong> Branche nicht<br />

einfacher. Wie das Beispiel zeigt,<br />

sind Fach- und Führungskräfte in<br />

der <strong>Wasser</strong>wirtschaft zwangsläufig<br />

gezwungen, bei ihren unternehmerischen<br />

Entscheidungen mutig neue<br />

Wege zu gehen und Optimierungspotenziale<br />

zu identifizieren – z. B.<br />

durch Benchmarkingprojekte.<br />

Einen richtungsweisenden Einfluss<br />

auf <strong>die</strong> Entscheidungen in den Unternehmen<br />

haben zudem auch <strong>die</strong><br />

ordnungspolitischen und rechtlichen<br />

Rahmenbedingungen. Dabei<br />

müssen <strong>Wasser</strong>ver- und <strong>Abwasser</strong>entsorgungsunternehmen<br />

sowohl internationale<br />

Verträge (transatlantisches<br />

Freihandelsabkommen) als<br />

auch europäische Richtlinien (Kommunale<br />

<strong>Abwasser</strong>richtlinie, EU-Klärschlammrichtline)<br />

und nationale Regelungen<br />

(Fracking-Gesetzesentwurf,<br />

Düngeverordnung, Novelle der Oberflächenverordnung)<br />

beachten. Insbesondere<br />

<strong>die</strong> Grundwasserbelastungen<br />

durch Pestizide und Nitrat ist in<br />

Deutschland im Vergleich zu anderen<br />

EU-Ländern deutlich gestiegen.<br />

Durch intensive Diskussion mit politischen<br />

Entscheidungsträgern gilt<br />

es, <strong>die</strong> gewohnt hohe Qualität des<br />

Trinkwassers durch eine rechtliche<br />

Fixierung des Vorsorge- und Verursacherprinzips<br />

sicherzustellen. Alles<br />

in allem gibt es somit genug Themen<br />

und Diskussionsstoff, mit dem<br />

sich <strong>die</strong> Teilnehmer der <strong>die</strong>sjährigen<br />

Tagung auseinandersetzen können.<br />

Diese und viele weitere Themen<br />

stehen <strong>die</strong>ses Jahr im Mittelpunkt<br />

der Tagung:<br />

• Gefahr im Verzug? – Transatlantisches<br />

Freihandelsabkommen und<br />

<strong>die</strong> ordnungspolitischen Folgen<br />

• Hohe Erwartungen! – Neue Entwicklungen<br />

zur Effizienz und<br />

Transparenz in der Branche<br />

• Zwischen Gewässerschutz und<br />

Bergrecht – Zukunft von Fracking<br />

in Deutschland<br />

• Wo bleibt das Verursacherprinzip?<br />

– Novellierung der Ober flächengewässerverordnung<br />

• Grundwassergefährdung durch<br />

Nitrateintrag – Anforderungen<br />

an neue Düngeverordnung<br />

• Wertstoff oder Abfallprodukt? –<br />

<strong>Abwasser</strong>verordnung und Klärschlammverordnung<br />

Kontakt:<br />

Projektleitung: Frank Schmilowski,<br />

Projektassistenz: Nicole von Saldern,<br />

Tel. (030) 28 44 94-215,<br />

E-Mail: Nicole.von-saldern@ew-online.de,<br />

www.ew-online.de/wwjt<br />

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH<br />

www.<strong>gwf</strong>-wasser-abwasser.de<br />

Ihr Kontakt zur Redaktion<br />

Sieglinde Balzereit, München<br />

Telefon +49 89 203 53 66-25, Telefax +49 89 203 53 66-99, E-Mail: balzereit@di-verlag.de<br />

Ihr Kontakt zur Mediaberatung<br />

Inge Spoerel, München<br />

Telefon +49 89 203 53 66-22, Telefax +49 89 203 53 66-99, E-Mail: spoerel@di-verlag.de<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 963


| NACHRICHTEN<br />

|<br />

Veranstaltungen<br />

Die InfraBAU erstmals in Deutschland<br />

Aufgrund der hohen Nachfrage<br />

erweitert sich das Messeprofil<br />

der InfraBAU Fachmesse 2014, um<br />

den Themenblock „Hochbau“. Die<br />

Businessplattform im Norden Deutschlands<br />

vom 18. bis 20. November<br />

2014 gewinnt jeden Tag neue Aussteller<br />

aus dem Hoch-, Tief-, Straßenund<br />

<strong>Wasser</strong>bau. Parallel zu <strong>die</strong>ser<br />

Fachmesse findet <strong>die</strong> „Intergrün –<br />

Fachmesse <strong>für</strong> den Garten- und<br />

Landschaftsbau“ statt. Beide Veranstaltungen<br />

sprechen öffentliche<br />

Institutionen, wie u. a. Stadt-, Kreis-,<br />

Gemeinde- und Ortsverwaltungen,<br />

an. Besucher können <strong>die</strong> Synergien<br />

beider Fachmessen optimal <strong>für</strong> sich<br />

nutzen, indem sie mit nur einem<br />

Besuch gleichzeitig von zwei Fachmessen<br />

profitieren. Die deutsche<br />

Infrastrukturbranche befindet sich<br />

im Aufschwung. Vor allem in den<br />

Bundesländern Nordrhein-Westfalen<br />

und Niedersachsen laufen <strong>die</strong> Entwicklungen<br />

auf Hochtouren.<br />

Das niederländische Konzept<br />

beeindruckt sowohl Aussteller als<br />

auch Besucher durch das „Allesaus-einer-Hand-Konzept“<br />

und ist<br />

ein schlagfertiges Argument <strong>für</strong><br />

Unternehmen, sich auf der InfraBAU<br />

Fachmesse zu präsentieren.<br />

Kontakt/Informationen:<br />

Sneshana Seifert, Projektmanagerin,<br />

InfraBAU FACHMESSE & NFZ Fachmesse,<br />

Energieweg 2, NL-7772 TV Hardenberg,<br />

Tel. (02151) 96 39 013,<br />

E-Mail: S.Seifert@messe-hal.de,<br />

www.messe-hal.de<br />

INDOWATER 2015<br />

11. Internationale indonesische <strong>Wasser</strong>fachmesse in Jakarta<br />

Vom 27. bis 29. Mai 2015 findet<br />

zum elften Mal <strong>die</strong> Fachmesse<br />

INDOWATER in Jakarta (Indonesien)<br />

statt. Veranstalter sind „PT. Napindo<br />

Media Ashatama” in Kooperation<br />

mit der „Indonesian Water Supply<br />

Association”. MEREBO Messe Marketing<br />

aus Hamburg ist <strong>für</strong> <strong>die</strong> internationale<br />

Beteiligung aus Europa,<br />

Amerika und Australien zuständig.<br />

INDOWATER findet im Verbund<br />

mit INDOWASTE und INDORENERGY<br />

jährlich abwechselnd in Jakarta und<br />

Surabaya statt.<br />

Die Messe umfasst <strong>die</strong> Bereiche<br />

<strong>Wasser</strong>-, <strong>Abwasser</strong>- und Recyclingtechnologien.<br />

Austragungsort ist das<br />

Jakarta Convention Centre. Auf der<br />

letzten INDOWATER Jakarta 2013<br />

präsentierten sich insgesamt 503<br />

Aussteller aus 30 Nationen den<br />

7150 Fachbesuchern.<br />

Interessierte Unternehmen wenden<br />

sich bitte an:<br />

MEREBO Messe Marketing,<br />

Jakobikirchhof 9, D-20095 Hamburg,<br />

Tel. (040) 3999905-0, Fax (040) 3999905-25,<br />

E-Mail contact@merebo.com,<br />

www.indowater.merebo.com<br />

Biofilme: Detektion, Charakterisierung und<br />

Möglichkeiten der Kontrolle<br />

Prof. Dr. Harald Horn vom Karlsruher<br />

Institut <strong>für</strong> Technologie<br />

(KIT) bietet am 10. November 2014<br />

im Rahmen des GDCh-Fortbildungsprogramms<br />

den Kurs „Biofilme:<br />

Detektion, Charakterisierung und<br />

Möglichkeiten der Kontrolle“ in<br />

Frankfurt am Main an.<br />

Der Kurs spricht Naturwissenschaftler,<br />

Pharmazeuten, Lebensmittelchemiker<br />

und Wissenschaftler, <strong>die</strong><br />

in hygienerelevanten Bereichen arbeiten<br />

gleichermaßen an. Er ist darauf<br />

ausgerichtet, ein grundlegendes Verständnis<br />

der Struktur und Funktion<br />

von Biofilmen in technischen Systemen<br />

zu vermitteln.<br />

Die wesentlichen Komponenten<br />

und Akteure <strong>die</strong>ser mikrobiellen<br />

Lebensgemeinschaften werden ebenso<br />

wie <strong>die</strong> Funktionen, <strong>die</strong> sie in<br />

<strong>die</strong>sem System übernehmen, vermittelt.<br />

Prof. Dr. Harald Horn und<br />

Dr. Michael Wagner stellen darüber<br />

hinaus einen Überblick über <strong>die</strong><br />

gängigen Methoden zur Identifikation,<br />

zum Monitoring und zur<br />

Kontrolle der Biofilme vor.<br />

Link zur Veranstaltung:<br />

https://www.gdch.de/veranstaltungen/fortbildung/fortbildung/event/59414.html<br />

Kontakt:<br />

Gesellschaft Deutscher Chemiker e. V.,<br />

Anke Moosbauer,<br />

Varrentrappstraße 40–42,<br />

D-60486 Frankfurt am Main,<br />

Tel. (069) 7917-291, Fax (069) 7917-475,<br />

E-Mail: fb@gdch.de, www.gdch.de/fortbildung<br />

September 2014<br />

964 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Leute | NACHRICHTEN |<br />

Honorarprofessur <strong>für</strong> Gerald Linke<br />

Ernennung an der Ruhr-Universität Bochum (RUB)<br />

Die Ruhr-Universität Bochum<br />

hat Dr. rer. nat. Gerald Linke<br />

zum Honorarprofessor ernannt. Die<br />

Universität würdigt auf <strong>die</strong>se Weise<br />

seine langjährige Tätigkeit als<br />

Lehrbeauftragter am Lehrstuhl <strong>für</strong><br />

Energieanlagen und Energieprozesstechnik,<br />

kurz LEAT (Leitung: Prof.<br />

Dr. Viktor Scherer). Dr. Linke, der<br />

bereits 2008 am Zentrum <strong>für</strong> Europäische<br />

Integrationsforschung in<br />

Bonn sowie am Institute of Petroleum<br />

Engineering der TU Clausthal<br />

und später am Institut <strong>für</strong> Infrastruktur<br />

und Ressourcenmanagement<br />

der Universität Leipzig Vorlesung<br />

gehalten hat, ist seit 2009<br />

kontinuierlich Dozent an der RUB<br />

und hält dort praxisorientierte Vorlesungen<br />

vor allem zu den Themen<br />

des Energietransports, der Energiespeicherung<br />

und -verteilung.<br />

Die Bestellungsurkunde über reichte<br />

Prorektor Prof. Dr. Löwenstein (im<br />

Bild rechts) am 18. August in<br />

Bochum.<br />

Gerald Linke (50) hat an der<br />

Technischen Universität Braunschweig<br />

Physik stu<strong>die</strong>rt und wurde<br />

dort 1994 zum Dr. rer. nat. promoviert.<br />

Seit 1995 hatte Linke<br />

verschiedene technische Führungspositionen<br />

bei der Ruhrgas AG (später<br />

E.ON Ruhrgas AG) in Essen inne.<br />

Seit 3. Juli 2014 ist Gerald Linke<br />

Hauptgeschäftsführer des Deutschen<br />

Vereins des Gas- und <strong>Wasser</strong>faches<br />

(DVGW) in Bonn. Als anerkannter<br />

Experte der Gastechnik ist Dr. Linke<br />

in zahlreichen Gremien auch international<br />

aktiv.<br />

Prof. Dr.-Ing. Viktor Scherer, RUB, Prof. Dr. Gerald<br />

Linke, DVGW, Prof. Dr. Wilhelm Löwenstein, RUB<br />

(v. l. n. r.). Quelle: RUB (© Nelle)<br />

BDEW Bundesverband der Energie- und <strong>Wasser</strong>wirtschaft e.V.<br />

13. <strong>Wasser</strong>wirtschaftliche Jahrestagung<br />

25. bis 26. November 2014, Berlin<br />

Jetzt informieren und anmelden:<br />

www.ew-online.de/wwjt<br />

Themen u. a.:<br />

• Gefahr im Verzug? – Transatlantisches<br />

Freihandelsabkommen und <strong>die</strong> Folgen<br />

• Hohe Erwartungen! – Neue Entwicklungen zur Effizienz<br />

in der Branche<br />

• Zwischen Gewässerschutz und Bergrecht – Zukunft von<br />

Fracking in Deutschland<br />

• Wo bleibt das Verursacherprinzip? – Novellierung der<br />

OberflächengewässerVO<br />

• Grundwassergefährdung durch Nitrateintrag –<br />

Anforderungen an <strong>die</strong> DüngeVO<br />

• Wertstoff oder Abfallprodukt? – <strong>Abwasser</strong>VO und<br />

KlärschlammVO<br />

BDEW_AZ_188x120_13WWJT.indd 1 08.07.14 13:51<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 965


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<strong>gwf</strong> <strong>Wasser</strong>/<strong>Abwasser</strong> erscheint in der DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München<br />

September 2014<br />

966 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong><br />

Als einer der großen Berufsbildungsanbieter in der<br />

Versorgungswirtschaft bietet der DVGW jedes Jahr<br />

über 300 Themen mit rund 1600 Veranstaltungen zu<br />

technischen und fachübergreifenden Themen aus dem<br />

Energie- und <strong>Wasser</strong>fach an. Ob Seminare, Lehrgänge,<br />

Praxistrainings, Tagungen, Kongresse oder Inhouse-<br />

Schulungen: Rund 30 000 Teilnehmer pro Jahr nutzen<br />

<strong>die</strong>ses umfangreiche Bildungs- und Qualifizierungsangebot<br />

des DVGW <strong>für</strong> ihre berufliche Entwicklung.<br />

Ab sofort finden sich alle Informationen zum Berufsbildungs-<br />

und Qualifizierungsan gebot des DVGW<br />

auf der neuen Veranstaltungs-Website www.dvgwveranstaltungen.de<br />

Ein zweiter Schwerpunkt der Website liegt auf den<br />

Berufsinformationen zu Stu<strong>die</strong>n- und Ausbildungsgängen<br />

im Energie- und <strong>Wasser</strong>fach. Sie richten sich z. B. an<br />

Facharbeiter in der Versorgungswirtschaft, <strong>die</strong> sich zum<br />

Meister qualifizieren möchten, oder an Meister, <strong>die</strong> eine<br />

weitere Versorgungssparte anstreben. Schulabgänger<br />

und Mitarbeiter aus den Versorgungsunternehmen, <strong>die</strong><br />

sich <strong>für</strong> eine (zusätzliche) Ausbildung oder <strong>für</strong> ein Studium<br />

in der Versorgungswirtschaft interessieren, erhalten auf<br />

<strong>die</strong>ser Website Informationen <strong>für</strong> ihre Entscheidungsfindung.<br />

Für Personalverantwortliche bietet <strong>die</strong> Seite<br />

einen Wegweiser durch den Qualifizierungsdschungel.<br />

Dieser Teil der Website ist auch direkt über <strong>die</strong> Domain:<br />

www.berufsbilder-versorgungswirtschaft.de erreichbar.


| RECHT UND REGELWERK |<br />

Neue DWA-Merkblätter erschienen<br />

Merkblatt DWA-M 256-5: Prozessmesstechnik auf Kläranlagen –<br />

Teil 5: Messeinrichtungen zur Bestimmung des Trockensubstanzgehaltes<br />

Die Deutsche Vereinigung <strong>für</strong><br />

<strong>Wasser</strong>wirtschaft, <strong>Abwasser</strong> und<br />

Abfall e. V. (DWA) hat den überarbeiteten<br />

Teil 5 der Merkblattreihe<br />

„Prozessmesstechnik auf Kläranlagen“<br />

vorgelegt. In dem Merkblatt werden<br />

<strong>die</strong> technischen Anforderungen an<br />

<strong>die</strong> Geräte, deren Messprinzipien<br />

und <strong>die</strong> daraus resultierenden spezifischen<br />

Eigenschaften vorgestellt.<br />

Außerdem enthält DWA-M 256-5<br />

Hinweise zur Wahl eines geeigneten<br />

Messortes sowie zu Installation, Betrieb<br />

und Instandhaltung der Messeinrichtungen.<br />

Die Neufassung des Merkblattteils<br />

war wegen der Entwicklungen<br />

in der Datenverarbeitung (Digitalisierung)<br />

erforderlich. Einrichtungen<br />

zur Messung des Trockensubstanzgehaltes<br />

sind auf Kläranlagen von<br />

grundlegender Bedeutung und weit<br />

verbreitet. Sie erfordern besondere<br />

Sorgfalt bei der Anwendung und<br />

Auswahl der Messstellen.<br />

Die Merkblattreihe soll Planer<br />

und Betreiber von Kläranlagen bei<br />

der Auswahl von Messeinrichtungen<br />

unterstützen. Geeignete Geräte sind<br />

eine wesentliche Voraussetzung <strong>für</strong><br />

einen zuverlässigen und kostengünstigen<br />

Anlagenbetrieb.<br />

Der Einsatz der in den Teilen 1<br />

bis 8 beschriebenen Prozessmessgeräte<br />

bedeutet einen finanziellen<br />

Aufwand sowohl im Bereich der<br />

Investitionen als auch durch den<br />

Betrieb der Geräte. Die im Merkblatt<br />

enthaltene Übersicht über sinnvolle<br />

Messorte und -größen bietet eine<br />

Hilfestellung <strong>für</strong> den effizienten und<br />

rechtssicheren Einsatz von Prozessmesstechnik.<br />

Dies gilt sowohl <strong>für</strong><br />

<strong>die</strong> Qualität der <strong>Abwasser</strong>reinigung<br />

als auch den kosteneffizienten Betrieb.<br />

Information:<br />

Juli 2014, 32 Seiten,<br />

ISBN 978-3-944328-70-6,<br />

Ladenpreis: 43,50 Euro,<br />

fördernde DWA-Mitglieder: 34,80 Euro.<br />

Kombipaket DWA-M 256 Teile 5,6 und 7:<br />

92,00 Euro (Fördermitglieder: 73,60 Euro).<br />

www.wassertermine.de<br />

Merkblatt DWA-M 256-7: Prozessmesstechnik auf Kläranlagen –<br />

Teil 7: Messeinrichtungen zur Bestimmung der Trübung<br />

In der Merkblattreihe „Prozessmesstechnik<br />

auf Kläranlagen“ hat<br />

<strong>die</strong> Deutsche Vereinigung <strong>für</strong> <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

<strong>Abwasser</strong> und Abfall e. V.<br />

(DWA) einen neuen Teil 7 über Messeinrichtungen<br />

zur Bestimmung der<br />

Trübung herausgegeben. In dem<br />

Merkblatt werden <strong>die</strong> technischen<br />

Anforderungen an <strong>die</strong> Geräte, deren<br />

Messprinzipien und <strong>die</strong> daraus resultierenden<br />

spezifischen Eigenschaften<br />

vorgestellt. Außerdem enthält<br />

DWA-M 256-7 Hinweise zur Wahl<br />

eines geeigneten Messortes sowie<br />

zu Installation, Betrieb und Instandhaltung<br />

der Messeinrichtungen.<br />

Messeinrichtungen zur Bestimmung<br />

der Trübung spielen auf<br />

Kläranlagen im Ablaufbereich eine<br />

wichtige Rolle. Sie eignen sich zur<br />

generellen Überwachung des Auftretens<br />

oder Abtriebs von Partikeln,<br />

wie sie aus feinverteilten oder abgesetzten<br />

Schlämmen hervorgehen<br />

können. Die Trübung stellt eine Größe<br />

dar, <strong>die</strong> physikalisch nicht direkt<br />

als solche gemessen wird. Vielmehr<br />

wird der Messwert aus dem durch<br />

das Probenmaterial gestreuten Licht<br />

abgeleitet. Hohe Trübungswerte lassen<br />

sich oft nur schwierig messen.<br />

Hier ist der Übergang zur Feststoffmessung<br />

fließend.<br />

Die Merkblattreihe soll Planer<br />

und Betreiber von Kläranlagen bei<br />

der Auswahl von Messeinrichtungen<br />

unterstützen. Geeignete Geräte sind<br />

eine wesentliche Voraussetzung <strong>für</strong><br />

einen zuverlässigen und kostengünstigen<br />

Anlagenbetrieb. Die Digitalisierung<br />

der Signalverarbeitung<br />

ermöglicht eine Vielzahl neuer Funktionen,<br />

<strong>die</strong> in Bezug auf <strong>die</strong> gestellten<br />

Anforderungen zu bewerten sind.<br />

Information:<br />

Juli 2014, 19 Seiten,<br />

ISBN 978-3-944328-71-3,<br />

Ladenpreis: 32,50 Euro,<br />

fördernde DWA-Mitglieder: 26 Euro.<br />

Kombipaket DWA-M 256 Teile 5,6 und 7:<br />

92,00 Euro (Fördermitglieder: 73,60 Euro).<br />

Herausgeber und Vertrieb:<br />

DWA Deutsche Vereinigung <strong>für</strong> <strong>Wasser</strong>wirtschaft,<br />

<strong>Abwasser</strong> und Abfall e. V.,<br />

Theodor-Heuss-Allee 17, D-53773 Hennef,<br />

Tel. (02242) 872-333, Fax (02242) 872-100,<br />

E-Mail: info@dwa.de,<br />

DWA-Shop: www.dwa.de/shop<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 967


| RECHT UND REGELWERK<br />

|<br />

Regelwerk <strong>Wasser</strong><br />

W 107 (A) Entwurf: Aufbau und Anwendung numerischer Grundwassermodelle in<br />

<strong>Wasser</strong>gewinnungsbetrieben, 8/2014<br />

Einspruchsfrist: 30. November 2014<br />

Das DVGW-Arbeitsblatt W 107 wurde<br />

von einem Projektkreis des gemeinsamen<br />

DVGW-Technischen Komitees/<br />

DWA-Fachausschusses „Grundwasser<br />

und Ressourcenmanagement“ überarbeitet.<br />

Es <strong>die</strong>nt als Grundlage <strong>für</strong><br />

den Aufbau und <strong>die</strong> Anwendung<br />

numerischer Grundwasserströmungsund<br />

Transportmodelle als Instrumente<br />

des Ressourcenmanagements bei<br />

der Gewinnung von Grundwasser<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Trinkwasserversorgung.<br />

Um <strong>die</strong> Ressource Grundwasser<br />

in <strong>Wasser</strong>gewinnungsgebieten nachhaltig<br />

zu bewirtschaften, ist ein<br />

vorausschauender quantitativer<br />

und qualitativer Gewässerschutz<br />

im gesamten Einflussbereich der<br />

Trinkwassergewinnungsanlage erforderlich.<br />

Grundwassermodelle sind<br />

hier<strong>für</strong> geeignete Werkzeuge. Sie<br />

übernehmen im Verbund mit anderen<br />

Modellen und Informationssystemen<br />

Planungs- und Kontrollfunktionen.<br />

Während Informationssysteme<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Zustandscharakterisierung<br />

eines <strong>Wasser</strong>gewinnungsgebietes eingesetzt<br />

werden, ist es <strong>die</strong> spezielle<br />

Aufgabe numerischer Grundwassermodelle,<br />

<strong>die</strong> Auswirkungen realisierter,<br />

geplanter oder unterlassener<br />

Maßnahmen auf das Grundwasser<br />

unter Berücksichtigung zeitlicher Faktoren<br />

zu verstehen und sie sichtbar,<br />

nachvollziehbar und quantifizierbar<br />

zu machen. Auf <strong>die</strong>se Weise unterstützen<br />

sie durch ihre Prognosefähigkeit<br />

entsprechend ihren Zielsetzungen,<br />

Möglichkeiten und Grenzen notwendige<br />

Entscheidungsfindungen.<br />

Die Anforderungen an Inhalt,<br />

Zielsetzung, Ergebnisse, Zuverlässigkeit<br />

und Anwendungsgrenzen bei<br />

der Modellerstellung, -anwendung<br />

und -pflege werden dargestellt,<br />

schwerpunktmäßig <strong>für</strong> <strong>die</strong> Anwendung<br />

im Lockergesteinsgrundwasserleiter.<br />

In Festgesteinsgrundwasserleitern<br />

sind zum Teil deutliche<br />

Einschränkungen bei den Anwendungen<br />

zu beachten. Das Arbeitsblatt<br />

lässt sich sinngemäß auch<br />

auf weitere Grundwasserentnahmen,<br />

z. B. <strong>für</strong> Brauch- oder Beregnungswasser,<br />

übertragen.<br />

Dieses Arbeitsblatt <strong>die</strong>nt auch<br />

als Leitlinie, <strong>die</strong> erforderlichen und<br />

zweckmäßigen Maßnahmen <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Vergabe, Aufbau, Anwendung und<br />

Qualitätssicherung von Grundwasserströmungs-<br />

und Grundwassertransportmodellen<br />

zwischen Auftraggeber<br />

und Auftragnehmer in <strong>Wasser</strong>gewinnungsgebieten<br />

zu gestalten.<br />

Es ersetzt aber ausdrücklich nicht<br />

wissenschaftliche Fachliteratur und<br />

Arbeitshilfen <strong>für</strong> <strong>die</strong> praktische<br />

Modellierung von Grundwassersystemen.<br />

Preis:<br />

€ 34,97 <strong>für</strong> Mitglieder;<br />

€ 46,63 <strong>für</strong> Nichtmitglieder.<br />

W 402-B1(A) Entwurf: 1. Beiblatt zum Arbeitsblatt W 402 Netz- und Schadenstatistik;<br />

Erfassung und Auswertung von Daten zur Instandhaltung von <strong>Wasser</strong>rohrnetzen;<br />

Unternehmensübergreifende Datenerhebung, 7/2014<br />

Einspruchsfrist: 30. November 2014<br />

Über <strong>die</strong> Zurückziehung der Anhänge<br />

E und F des DVGW-Arbeitsblatts<br />

W 402 sowie über alle zugehörigen<br />

Änderungen der Datenerhebung<br />

seitens DVGW ist bereits in energie |<br />

wasser-praxis 5/2014, Seite 64 und<br />

65, berichtet worden. Nun liegt im<br />

Entwurf das Beiblatt vor, das <strong>die</strong>se<br />

Anhänge ersetzen soll.<br />

So hat sich im Rahmen der bisherigen<br />

Datenerhebung gezeigt,<br />

dass keine Daten zu Werkstoffgenerationen<br />

abgegeben werden,<br />

offenbar weil <strong>die</strong>se in den bisherigen<br />

Fragebögen nur als optional<br />

gekennzeichnet sind. Blei, GFK,<br />

Spannbeton, Stahlbeton und neuere,<br />

bislang nicht berücksichtigte Werkstoffe<br />

und Rohrkonstruktionen<br />

sind statistisch von so geringer<br />

Bedeutung, dass eine gesonderte<br />

Erfassung derzeit nicht gerechtfertigt<br />

erscheint.<br />

Nicht bewährt haben sich auch<br />

<strong>die</strong> bisherige Feingliederung im<br />

Zusammenhang mit Änderungen<br />

des Leitungsbestands und der<br />

Schadens ursachen, <strong>die</strong> Erfassung von<br />

Druckminderern, Regelarmaturen,<br />

Be-/Entlüftern und Kabeln sowie <strong>die</strong><br />

bisherige Differenzierung bei Absperrarmaturen<br />

und Hydranten.<br />

Demgemäß wird <strong>die</strong> Erhebungssystematik<br />

nun schlanker und klarer<br />

strukturiert. Da <strong>die</strong> Erhebung inzwischen<br />

ausschließlich per Internet erfolgt<br />

(www.strukturdatenerfassung.de),<br />

enthält das Beiblatt keine Formulare<br />

mehr, sondern beschränkt<br />

sich auf <strong>die</strong> Nennung und ggf.<br />

Erläuterung der jeweiligen Erfassungsgrößen.<br />

Gegenüber den Anhängen E<br />

und F des DVGW-Arbeitsblatts<br />

W 402 wurden nun also folgende<br />

Änderungen vorgenommen:<br />

••<br />

gesonderte Erfassung von<br />

Haupt- und Versorgungsleitungen<br />

bzw. Fern- und<br />

Zubringerleitungen<br />

••<br />

Reduzierung der Bestandsangaben<br />

(Leitungslängen/<br />

Stückzahlen am Jahresende)<br />

September 2014<br />

968 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


| RECHT UND REGELWERK |<br />

••<br />

Beschränkung auf Rehabilitationslängen<br />

und -stückzahlen hinsichtlich<br />

der Bestandsänderungen<br />

••<br />

Reduzierung der erfassten Bauteile<br />

auf Armaturen und Hydranten<br />

••<br />

Reduzierung auf zwei Schadenskategorien<br />

(mit/ohne Fremdverursachung)<br />

••<br />

Beseitigung redundanter<br />

Erfassungsgrößen und<br />

optionaler Zusatzangaben<br />

Ziel ist eine größere Beteiligung<br />

seitens der Versorgungsunternehmen<br />

sowie eine zügigere und<br />

zuverlässigere Auswertung der so<br />

erhobenen Daten.<br />

Preis:<br />

€ 17,61 <strong>für</strong> Mitglieder;<br />

€ 23,49 <strong>für</strong> Nichtmitglieder.<br />

W 225 (A) Entwurf: Ozon in der <strong>Wasser</strong>aufbereitung, 7/2014<br />

Einspruchsfrist: 30. November 2014<br />

Das Arbeitsblatt wurde vom Projektkreis<br />

„Oxidation“ im Technischen Komitee<br />

„<strong>Wasser</strong>aufbereitungsverfahren“<br />

überarbeitet. Es <strong>die</strong>nt als Grundlage<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Anwendung von Ozon zum<br />

Zwecke der Oxidation und Desinfektion<br />

in der zentralen <strong>Wasser</strong>aufbereitung.<br />

Es macht Angaben zu den<br />

Reaktionsmechanismen des Ozons<br />

mit organischen und anorganischen<br />

<strong>Wasser</strong>inhaltsstoffen, zu den Einsatzgebieten<br />

Oxidation, Desinfektion,<br />

Mikroflockung und gibt Hinweise<br />

zur Auslegung und Einbindung der<br />

Ozonung in <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>aufbereitung.<br />

Gegenüber dem Merkblatt aus 2002<br />

wurden <strong>die</strong> Angaben zur Abbaubarkeit<br />

von Schadstoffen erweitert, ein<br />

Kapitel zu den Reaktionsprodukten<br />

und ein Bilanzierungsmodel ergänzt.<br />

Zur Erzeugung und Dosierung von<br />

Ozon wird auf DVGW W 625 (M) verwiesen.<br />

Preis:<br />

€ 17,61 <strong>für</strong> Mitglieder;<br />

€ 23,49 Nichtmitglieder.<br />

Bezugsquelle:<br />

wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft<br />

Gas und <strong>Wasser</strong> mbH,<br />

Josef-Wirmer-Straße 3,<br />

D-53123 Bonn,<br />

Tel. (0228) 9191-40,<br />

Fax (0228) 9191-499,<br />

www.wvgw.de<br />

Regelwerk Gas/<strong>Wasser</strong><br />

GW 130 (A) Entwurf: Qualitätssicherung der Netzdokumentation, 6/2014<br />

Einspruchsfrist: 30. Oktober 2014<br />

Dieses Arbeitsblatt wurde vom Projektkreis<br />

W-PK-2-5-1 „GW 130“ im<br />

Technischen Komitee „Technische<br />

Geoinformationssysteme (GIS)“ erarbeitet.<br />

Die Anforderungen an <strong>die</strong> Dokumentation<br />

von Versorgungsnetzen<br />

wurden in den letzten Jahren stetig<br />

gesteigert. Neben den Standardanwendungen,<br />

wie z. B. der Visualisierung<br />

der Netzdaten, stehen<br />

heutzutage jedoch vielfältige und<br />

umfangreiche Analysen der Netzstrukturen<br />

im Vordergrund. Erst<br />

durch den Einsatz moderner Geoinformationssysteme<br />

(GIS) und insbesondere<br />

durch einen qualitätsgesicherten<br />

Datenbestand können<br />

zeitnah belastbare Ergebnisse bereitgestellt<br />

werden.<br />

Im DVGW GW 120 (A) ist festgelegt,<br />

dass eine geeignete dokumentierte<br />

Qualitätssicherung sowie<br />

deren Nachverfolgung und Analyse<br />

sicherzustellen ist. Hierdurch ist zu<br />

gewährleisten, dass <strong>die</strong> Netzdaten<br />

vollständig, lesbar, richtig und aktuell<br />

erfasst bzw. verwaltet werden.<br />

Weitere Hinweise zu Qualitätsansprüchen<br />

und -merkmalen in der<br />

Netzdokumentation finden sich in<br />

den unter Abschnitt 2 aufgeführten<br />

DVGW-Regeln. Mit dem vorliegenden<br />

Arbeitsblatt DVGW GW 130 (A)<br />

steht <strong>für</strong> <strong>die</strong>se Thematik erstmals ein<br />

eigenes Arbeitsblatt zur Ver fügung.<br />

Es soll ein Leitfaden zur praktischen<br />

Umsetzung der Qualitätssicherung<br />

in der Netzdokumentation sein.<br />

Preis:<br />

€ 27,35 <strong>für</strong> Mitglieder;<br />

€ 36,47 <strong>für</strong> Nichtmitglieder.<br />

Bezugsquelle:<br />

wvgw Wirtschafts- und Verlagsgesellschaft<br />

Gas und <strong>Wasser</strong> mbH,<br />

Josef-Wirmer-Straße 3, D-53123 Bonn,<br />

Tel. (0228) 9191-40, Fax (0228) 9191-499,<br />

www.wvgw.de<br />

Zurückgezogene Regelwerke<br />

Folgendes Regelwerk wurde zurückgezogen:<br />

W 507 (A)<br />

Gewerbliche Spülmaschinen;<br />

Anforderungen und Prüfung<br />

09/1990 Ersatzlos zurückgezogen<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 969


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

pH-abhängige Bestimmung von<br />

Ladung und Oberflächenspannung<br />

von wässrigen Pektinlösungen<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, Pektin, Derivate, Ladungstitration, Oberflächenspannung, <strong>Wasser</strong>reinigung<br />

Simona Schwarz, Gudrun Petzold und Jörg Bohrisch<br />

Der Naturstoff Pektin, der auch aus Nebenprodukten<br />

wie z. B. Nasstrester der Fruchtsaftindustrie gewonnen<br />

werden kann, ist ein Polyanion mit mittlerer Ladungsdichte,<br />

vergleichbar mit kommerziellen synthetischen<br />

Polyanionen. Je nach Produkttyp und pH-Wert sind<br />

<strong>die</strong> Lösungen über Tage oder sogar Wochen stabil,<br />

was ihre Eignung <strong>für</strong> technische Einsatzzwecke wie<br />

z. B. <strong>die</strong> Flockung vergrößert. Aufgrund der negativen<br />

Ladung der Pektine ist <strong>die</strong> Anwendung in Form von<br />

Dualsystemen (in Kombination mit Polykation oder<br />

Salzen) oder vorgebildeten Polyelektrolytkomplexen<br />

Erfolg versprechend. Die Oberflächenaktivität in<br />

<strong>Wasser</strong> ist gering, wird jedoch durch Zusatz von<br />

CaCl 2 verstärkt, sodass auch hydrophobe Wechselwirkungen<br />

der höherveresterten Pektine ausgenutzt<br />

werden können.<br />

pH Dependent Determination of Charge and Surface<br />

Tension of Aqueos Pectin Solutions<br />

The natural product pectin, which is also obtained by<br />

products such as wet pomace of the fruit juice industry,<br />

is a polyanion with a medium charge density,<br />

comparable with commercial synthetic polyanions.<br />

Depending on the product type and pH the solutions<br />

are stable over days or even weeks, so that their<br />

suitability for technical purposes, such as flocculation<br />

is given. Due to the negative charge of the pectins<br />

usage in the form of dual systems (in combination<br />

with polycations or salts) or preformed polyelectrolyte<br />

complexes could be promising. The surface activity<br />

in water is low, but is enhanced by the addition of<br />

CaCl 2 , so that hydrophobic interactions of the pectins<br />

with higher ester content can be exploited.<br />

1. Einführung<br />

Polysaccharide wie z. B. Chitin, Cellulose, Stärke sowie<br />

Pektine sind wesentliche Bestandteile des Stoffkreislaufs<br />

der Natur. Pektine <strong>die</strong>nen in allen höheren Landpflanzen<br />

vor allem der Festigung und <strong>Wasser</strong>regulierung.<br />

Chemisch gesehen sind sie hochmolekulare Polyuronide,<br />

<strong>die</strong> im Wesentlichen aus α-1,4-glycosidisch verknüpften<br />

D-Galacturonsäure-Einheiten bestehen und in wässriger<br />

Lösung gelbildende Eigenschaften aufweisen. Die<br />

chemischen und physikalischen Eigenschaften der Pektine<br />

wurden seit etwa 1950 umfangreich untersucht [1].<br />

Weltweit werden etwa 40 000 t Pektin pro Jahr<br />

produziert. Die Gewinnung von Pektin erfolgt aus<br />

pflanzlichen Rohstoffen mit hohem Pektingehalt. Besonders<br />

pektinreich sind Apfeltrester mit 15 %, Citrusschalen<br />

(aus Orangen und Zitronen) mit 30 % und<br />

Rübenschnitzel mit 10–20 % Pektin.<br />

Dabei werden <strong>die</strong> wasserlöslichen Substanzen aus<br />

den Rohstoffen mit heißem <strong>Wasser</strong> extrahiert, das Pektin<br />

mit Ethanol, Methanol oder Isopropanol ausgefällt.<br />

Eine Modifizierung mit Salzsäure führt zur Senkung des<br />

Veresterungsgrads, ein Zusatz von Ammoniak führt zu<br />

ami<strong>die</strong>rten Pektinen. Pektine als Naturprodukte finden<br />

bisher wegen ihrer hohen Gelierkraft insbesondere in<br />

der Nahrungsmittelindustrie (Herstellung von Konfitüre,<br />

Süßwaren, Backwaren, Milcherzeugnissen u. a.) sowie in der<br />

Medizin, Pharmazie und Kosmetikindustrie Verwendung.<br />

Je nach Anwendung sind Pektine auf unterschiedliche<br />

Gelier- und Verdickungseigenschaften zu standardisieren.<br />

Bei Bedarf kann das gewünschte Ergebnis durch<br />

Zusatz von Zucker und/oder Puffersubstanzen oder<br />

durch das Mischen von sortenreinen Pektinen erreicht<br />

werden. Zur Sicherung gleichbleibender Qualität wird<br />

<strong>die</strong> Einhaltung der Standardisierungsvorschriften laufend<br />

überprüft und dokumentiert [2].<br />

Enorme Mengen an Nasstrester fallen in der Fruchtsaftindustrie<br />

an. Besser als <strong>die</strong> Entsorgung als Viehfutter,<br />

durch Verkippung auf Feldern, auf der Deponie oder in<br />

der Müllverbrennungsanlage ist <strong>die</strong> Weiterverarbeitung<br />

<strong>die</strong>ser Reststoffe zu Pektinen. Dieser wirtschaftliche und<br />

umweltfreundliche Aspekt könnte durch eine deutlich<br />

vergrößerte Anwendungspalette der Pektine verstärkt<br />

werden. So gibt es beispielsweise umfangreiche Untersuchungen<br />

zur Stabilisierung von Emulsionen mittels<br />

Pektin [3]. Eine weitere mögliche Anwendung ist der<br />

Einsatz als Polyanion bei der Symplexbildung oder der<br />

September 2014<br />

970 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Schwermetallabtrennung [4]. Im Rahmen eines Projektes<br />

wurde auch der Einsatz von Pektin zur Festigkeitssteigerung<br />

von Papier untersucht [5].<br />

Der Einsatz von Pektin im Bereich der fest/flüssig<br />

Trennung ist jedoch bis jetzt noch wenig verbreitet.<br />

Diese <strong>für</strong> Pektine neuartige Anwendung wurde bisher<br />

nur von einigen Autoren beschrieben [6–8]. Pektin wurde<br />

als Flockungsmittel ohne bzw. mit Zusatz von Fe 3+<br />

und Al 3+ [7, 8] gegenüber Kaolin untersucht. In einem<br />

Standard-Test wurde nachgewiesen, dass Pektin in<br />

Kombination mit Kationen, z. B. Al 3+ eine Verringerung<br />

der Trübung von <strong>Abwasser</strong> um 99 % bewirkt [7]. Als<br />

natürliches Polyanion könnte es also als Flockungsmittel<br />

z. B. bei Dualflockungen in Kombination mit Salzen oder<br />

auch Polykationen eingesetzt werden. Allerdings sind<br />

<strong>die</strong> Molmassen mit maximal ca. 500 000 g/mol <strong>für</strong> einen<br />

singulären Einsatz als Flockungsmittel sehr gering. Deshalb<br />

ist eine Kombination mit langkettigen Polykationen<br />

in einem Dualsystem denkbar [9]. Dies wird auch von<br />

Untersuchungsergebnissen zu Alginaten als weiterer<br />

natürlicher Polycarboxylatquelle gestützt. Neben reinem<br />

Alginat, das beispielsweise <strong>für</strong> <strong>die</strong> Aufarbeitung von<br />

bauxithaltigen Schlämmen patentiert wurde [10], sind<br />

vorwiegend Polyacrylamid-gepfropfte Alginate und ihr<br />

Verhalten bei der Flockung von Kohle-Suspensionen<br />

[11], Kaolin und Eisenerz-Abwässern [12] untersucht<br />

worden.<br />

Zur Erweiterung des Anwendungsspektrums der<br />

Pektine ist es daher notwendig, <strong>die</strong> Eigenschaften von<br />

wässrigen Pektinlösungen detailliert zu untersuchen,<br />

insbesondere medium-abhängige Ladungsdichten,<br />

Strömungspotenziale und Oberflächenspannungen.<br />

Derartige systematische Untersuchungen zu Struktur-<br />

Eigenschaftsbeziehungen bei Pektinen sind bislang<br />

nicht bekannt. So geben Oberflächenspannungen von<br />

Polymerlösungen Hinweise zum hydrophilen bzw. hydrophoben<br />

Charakter und damit zu bevorzugten Wechselwirkungen<br />

mit weiteren Stoffen, was beispielsweise an<br />

modifizierten Stärken unterschiedlicher Substitutionsgrade<br />

nachgewiesen werden konnte [13–15].<br />

Diese Eigenschaften verschiedener Pektine sollen im<br />

Rahmen <strong>die</strong>ser Veröffentlichung charakterisiert werden.<br />

2. Durchführung<br />

2.1 Methoden<br />

Alle Untersuchungen wurden mit den in Tabelle 1 aufgeführten<br />

Pektinen durchgeführt.<br />

Herstellung der Polymerlösungen<br />

Der Feststoffgehalt aller Proben wurde mithilfe eines<br />

Feuchtigkeitsmessgerätes (Modell HR83 Halogen) der<br />

Fa. Mettler-Toledo GmbH (Gießen) ermittelt. Als Lösungsmittel<br />

wurde deionisiertes und mittels einer Milli-Q<br />

Advantage A10 Anlage der Fa. Fisher Scientific GmbH<br />

(Schwerte) gefiltertes <strong>Wasser</strong> (18,2 μS/cm mit pH 6 bei<br />

25 °C) verwendet. Außerdem wurden HCl und NaOH<br />

zugesetzt, um den pH-Wert einzustellen, Calciumchlorid<br />

in unterschiedlichen Konzentrationen und Leitungswasser<br />

<strong>die</strong>nten als Vergleich. Alle Polymerlösungen wurden<br />

in Maßkolben unter ständigem Rühren mithilfe einer<br />

Magnetrührplatte der Fa. Ika Labortechnik (Staufen) bei<br />

60 °C und einer Lösezeit von 30 Min. hergestellt. Die Pektinlösungen<br />

wurden stets frisch verwendet.<br />

Alle Proben haben eine Konzentration von 1g/L in<br />

Millipore-<strong>Wasser</strong>.<br />

Der pH-Wert wurde direkt im Probengefäß des<br />

PCD eingestellt und mittels Elektrode (SevenMulti,<br />

Fa. MettlerTOLEDO) vermessen. Mit Salzsäure und<br />

Natronlauge (0,1 M) wurde der pH-Wert eingestellt. Die<br />

Ladungstitration erfolgte mit dem kurzkettigen Polykation<br />

Polydiallyldimethylammoniumchlorid (PDADMAC)<br />

als Titer, weil alle Pektinlösungen negativ geladen sind.<br />

Polyelektrolyttitration<br />

Die Polyelektrolyttitration erfolgte mithilfe eines Mütek<br />

PCD-03 der Fa. BTG Instruments GmbH (Herrsching) und<br />

des 702 SM Titrino (Metrohm, Schweiz). Die Messungen<br />

erfolgten bei Raumtemperatur. Als entgegengesetzt<br />

geladener Titrant <strong>die</strong>nte das PDADMAC. Der Verbrauch<br />

des jeweiligen Titranten bis zum Erreichen des Ladungsneutralpunktes<br />

<strong>die</strong>nte anschließend zur Berechnung<br />

der Ladungsdichte.<br />

Strömungspotenzial-pH-Wert-Messung<br />

Die Strömungspotenzial-pH-Wert-Profile wurden mit<br />

einem Mütek PCD-03 der Fa. BTG Instruments GmbH<br />

(Herrsching) aufgenommen. Vor der Messung wurde<br />

Tabelle 1. Struktur und Zusammensetzung der verwendeten Pektine.<br />

HO<br />

O<br />

X<br />

O<br />

(X = O – , OMe, NH 2 )<br />

O<br />

OH<br />

O<br />

O – OMe NH 2 Bez.<br />

95 5 0 PS95<br />

62 38 0 PS62<br />

49 51 0 PS49<br />

26 74 0 PS26<br />

59 33 8 PA59<br />

53 26 21 PA53<br />

Tabelle 2. Eigenschaften verschiedener Pektine.<br />

Name<br />

Feuchte<br />

[%]<br />

pH-Wert Ladungsdichte*<br />

[meq/g]<br />

PS26 13,19 3,65 –1,4<br />

PS49 11,49 3,54 –2,6<br />

PS62 12,52 3,65 –2,8<br />

PS95 15,83 5,58 –4,3<br />

PA59 15,64 4,73 –2,7<br />

PA53 12,98 4,63 –2,6<br />

* Ladungsdichte <strong>für</strong> Stammlösungen bei gegebenem pH-Wert<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 971


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

zunächst der pH-Wert der Probenlösung auf 3 eingestellt<br />

und gegen eine 0,1 M NaOH bis zum Erreichen des<br />

pH-Werts von 9 titriert. Die Messungen erfolgten bei<br />

Raumtemperatur. Ermittelt wird hier das Strömungspotenzial<br />

in Abhängigkeit vom pH-Wert.<br />

Dynamische Oberflächenspannung<br />

Zur Bestimmung der dynamischen Oberflächenspannung<br />

kam das Profil Analysis Tensiometer PAT-1 der Fa. SINTER-<br />

FACE Technologies Dr. R. Miller & Dr. A. Makievski GbR<br />

(Berlin) zur Anwendung. Die Messmethode war <strong>die</strong><br />

des hängenden Tropfens, welche sich sehr gut eignet,<br />

Oberflächenspannungen von Polymerlösungen zu bestimmen.<br />

Vor jeder Messung wurde überprüft, ob <strong>die</strong><br />

Oberflächenspannung des <strong>Wasser</strong>s (72,6 mN/m bei<br />

20 °C) gefunden werden konnte und Verunreinigungen<br />

auszuschließen sind. Die Messungen wurden jeweils über<br />

einen Zeitraum von drei Stunden bei Raumtemperatur<br />

durchgeführt. Bei allen Proben handelte es sich um<br />

Lösungen in <strong>Wasser</strong> (c = 1 g/L) und verschiedene Konzentrationen<br />

von CaCl 2 . Für alle Proben wurde eine<br />

konstante Tropfengröße von 42 mm 2 (entspricht einem<br />

Tropfenvolumen von ca. 35 mm 3 ) festgelegt. Mit einer<br />

zeitlichen Auflösung von 0,4 s pro Datenpunkt wurden<br />

<strong>die</strong> Daten mittels der Software PAT-1 SINTERFACE 2005<br />

gefittet und in <strong>die</strong>ser Form zur Datenauswertung weiter<br />

verwendet.<br />

2.2 Ergebnisse<br />

In Tabelle 1 sind sechs kommerzielle Pektine der Firma<br />

Herbstreith & Fox KG dargestellt. Die Proben wurden<br />

entsprechend ihres Anteils an Säuregruppen bezeichnet.<br />

Die höchste Säurezahl hat das Produkt PS95 mit<br />

95 % Säuregruppen. PS26 hat dagegen nur einen Säuregruppenanteil<br />

von 26 %.<br />

Besonderes Merkmal der Pektine ist, dass über den<br />

Anteil der Estergruppen (OMe) <strong>die</strong> Hydrophilie variabel<br />

eingestellt werden kann, wobei ein hoher Anteil an Estergruppen<br />

zu hydrophoberen Molekülen führen sollte.<br />

Eine weitere Regulierungsmöglichkeit des Anteils freier<br />

Carboxylgruppen besteht in deren Umsetzung mit<br />

Ammoniak zu hydrophilen aber ungeladenen Amiden<br />

Tabelle 3. Einfluss des Lösemittels auf <strong>die</strong> Ladungsdichte (c Pektine = 1 g/L).<br />

Name<br />

Millipore-<br />

<strong>Wasser</strong><br />

Ladungsdichte [meq/g]<br />

Leitungswasser<br />

0,01 M CaCl 2 0,05 M CaCl 2<br />

PS26 –1,42 –1,71 –3,46 –61,0<br />

PS49 –2,61 –2,89 –4,93 –5,8<br />

PS62 –3,22 –2,46 –1,99 –0,24<br />

PS95 –4,08 –0,39 –0,97 –0,21<br />

PA59 –2,76 –2,23 –1,40 –0,23<br />

PA53 –2,88 –1,92 –1,06 –0,14<br />

wie PA59 und PA53. Untersucht wurden vier Pektine mit<br />

verschiedenem Säure- und Veresterungsanteil (PS) und<br />

zwei ami<strong>die</strong>rte Pektine (PA). Beträgt der Anteil der<br />

Veresterung der Galakturonsäureeinheiten mit Methanol<br />

mehr als 50 %, spricht man von hochveresterten Pektinen.<br />

Der Säureanteil der Pektine ist dann < 50 %. Niedrigveresterte<br />

Pektine haben einen Veresterungsgrad von<br />

5–50 %. Der Veresterungsgrad hat entscheidenden Einfluss<br />

auf den Geliermechanismus. Niedrigveresterte Pektine<br />

bilden mit zweiwertigen Kationen relativ leicht Gele.<br />

Zunächst wurde von allen Pektinen <strong>die</strong> Lagerstabilität<br />

durch zeitabhängige Ladungsdichtemessungen<br />

untersucht. Bei Lagerung im Kühlschrank weisen alle<br />

Proben gelöst in Leitungswasser <strong>für</strong> mindestens 1 Woche<br />

eine konstante Ladungsdichte auf.<br />

Um <strong>die</strong> Konzentration von 1g/L exakt einstellen zu<br />

können, wurde zuvor der Feuchtegehalt (FG) bestimmt.<br />

Dann wurden das Ladungs-pH-Profil, <strong>die</strong> Ladungsdichte<br />

(LD) und <strong>die</strong> Oberflächenspannung gemessen. Die Pektine<br />

wurden in <strong>Wasser</strong> aus einer Millipore-Anlage, aber<br />

auch in Leitungswasser und in Gegenwart verschiedener<br />

Salze wie NaCl und CaCl 2 untersucht.<br />

In Tabelle 2 sind der Feuchtegehalt und der pH-<br />

Wert, der sich <strong>für</strong> eine Lösung der Konzentration 1 g/L<br />

einstellt, sowie <strong>die</strong> Ladungsdichte bei dem sich einstellenden<br />

pH-Wert zusammengefasst.<br />

Alle hergestellten Pektinlösungen waren leicht gelb<br />

gefärbt und wiesen eine Trübung auf. Diese lässt darauf<br />

schließen, dass ungelöste Pektinanteile vorliegen. Die<br />

ungelösten Anteile sedimentieren sehr schnell. Beim<br />

Vergleich der aufgeschüttelten Dispersion mit der<br />

klaren Lösung, <strong>die</strong> durch Filtration erhalten wurde,<br />

zeigten sich keine Unterschiede. Der ungelöste Anteil<br />

beeinflusst <strong>die</strong> Messergebnisse nicht.<br />

Mit abnehmendem Säuregehalt erhöht sich der pH-<br />

Wert der Pektinlösungen von 3,65 <strong>für</strong> PS26 auf 5,58 <strong>für</strong><br />

PS95. Die höchste Ladungsdichte wird wie zu erwarten<br />

<strong>für</strong> das Pektin mit der höchsten Säurezahl (PS95) mit<br />

-4,3 meq/g gemessen. Da sich <strong>die</strong> pH-Werte jedoch von<br />

Probe zu Probe unterscheiden, und damit auch <strong>die</strong><br />

Dissoziationsgrade der jeweiligen Pektine, sollte <strong>die</strong><br />

Ladung pH-abhängig untersucht werden.<br />

In Bild 1 ist <strong>die</strong> Ladungsdichte der Pektinlösungen<br />

(ermittelt mithilfe der PEL-Titration) bei verschiedenen<br />

pH- Werten dargestellt. In Analogie zu Bild 2 zeigt sich<br />

eine gute Übereinstimmung der Ergebnisse. So ist <strong>die</strong><br />

LD <strong>für</strong> alle Pektine im sauren Bereich am geringsten und<br />

ändert sich mit dem pH-Wert, wie es <strong>für</strong> Carbonsäuren<br />

als schwache Säuren typisch ist. Ab pH 7 ist <strong>die</strong> LD<br />

konstant. Das Verhalten aller niedrigveresterten Proben<br />

(hoher Säureanteil) ist sehr ähnlich während <strong>die</strong> Probe mit<br />

dem geringsten Säureanteil (PS26) etwas herausfällt.<br />

In Bild 2 ist das Strömungspotenzial in Abhängigkeit<br />

vom pH-Wert dargestellt. Alle Pektine zeigen einen ähnlichen<br />

Kurvenverlauf. Das Pektin PS26 mit der geringsten<br />

Anzahl von Säuregruppen zeigt ein deutlich geringeres<br />

September 2014<br />

972 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

Potenzial. Da es sich bei Pektinen um schwache Säuren<br />

handelt, ist <strong>die</strong> Ladung abhängig vom pH-Wert. In einem<br />

pH-Bereich von 3–6 zeigt sich eine nahezu lineare<br />

Zunahme des Strömungspotenzials. Ab etwa pH 6 wird<br />

ein Plateau erreicht.<br />

Das sich jeweils einstellende Plateau ist beitragsmäßig<br />

am höchsten <strong>für</strong> das Pektin mit dem höchsten<br />

Säureanteil COO – (PS95). Je geringer der Säureanteil,<br />

desto geringer sind <strong>die</strong> Absolutwerte der Beträge der<br />

Strömungspotenziale. Bei Säureanteilen kleiner 50 %<br />

scheint <strong>für</strong> geringveresterte Pektine eine andere Struktur<br />

in Lösung vorzuliegen. Der Kurvenverlauf ist ansonsten<br />

identisch, abgesehen von der Höhe der Potenzialwerte.<br />

Je größer <strong>die</strong> Ladung, desto stabiler sind <strong>die</strong> Pektine<br />

in Lösungen. Je geringer <strong>die</strong> Ladung, desto höher ist <strong>die</strong><br />

Neigung zur Aggregation. Das wird ausgenutzt, um im<br />

pH-Bereich um 3 und in Gegenwart von Calciumionen<br />

besonders thermoreversible Gele zu bilden. Ist <strong>die</strong> Stabilität<br />

gefragt, wie z. B. beim Einsatz als Leimungsmittel<br />

in der Papierbranche [5] oder in der <strong>Abwasser</strong>aufbereitung,<br />

sollte der Einsatz eher im basischen Bereich<br />

erfolgen.<br />

Aus Bild 3 wird ersichtlich: Trägt man den Anteil der<br />

Säuregruppen gegen <strong>die</strong> Ladungsdichte bei einem<br />

eingestellten pH-Wert von 7 auf, so zeigt sich ein weitgehend<br />

linearer Verlauf. Durch <strong>die</strong> Polyelektrolyttitration<br />

kann somit ein direkter Rückschluss auf den Anteil der<br />

Säuregruppen getroffen werden.<br />

Aus Tabelle 3 ist ersichtlich, dass <strong>die</strong> Ionenstärke<br />

und <strong>die</strong> Art der Ionen einen großen Einfluss auf <strong>die</strong> zu<br />

ermittelnde Ladungsdichte haben. Es kommt zu deutlichen<br />

Unterschieden im Verhalten niedrig- und hochveresterter<br />

Pektine. Im ersten Fall kommt es zur bekannten<br />

Verbrückung der Carboxylgruppen mit Calciumionen<br />

und zunehmender Gelierung (Bild 4). Die Ladungsdichten<br />

werden kleiner. Unterhalb einer bestimmten<br />

Carboxylgruppendichte (Proben PS49 und insbesondere<br />

PS26) erhöhen sich <strong>die</strong> Ladungsdichten mit zunehmender<br />

Ca 2+ -Konzentration teils drastisch. Eine mögliche<br />

Erklärung <strong>für</strong> <strong>die</strong>sen noch nicht verstandenen Effekt ist<br />

<strong>die</strong> Bildung von löslichen gemischten Calciumsalzen,<br />

bei denen <strong>die</strong> Chloridionen durch <strong>die</strong> Messung erfasst<br />

werden.<br />

Die Oberflächenspannung aller Pektine wurde in<br />

Abhängigkeit von der Zeit (dynamisch) in <strong>Wasser</strong> und<br />

in Calciumchloridlösungen (Einfluss von Leitungswasser)<br />

unterschiedlicher Konzentration vermessen, um Aussagen<br />

über den hydrophoben Charakter der Proben zu<br />

erhalten und dadurch Schlüsse auf mögliche Anwendungsgebiete<br />

abzuleiten. Generell ermöglicht<br />

<strong>die</strong> Messung der Oberflächenspannung Aussagen zur<br />

Adsorption der hydrophoben Moleküle an der Luft/<br />

<strong>Wasser</strong>-Grenzfläche (z. B. des hängenden Tropfens des<br />

Messgerätes) und liefert sowohl den Betrag der<br />

Oberflächenspannung als auch Hinweise zur Kinetik<br />

des Prozesses. So sinkt <strong>die</strong> Oberflächenspannung<br />

Ladungsdichte q [meq/g]<br />

Strömungspotenzial [mV]<br />

-100<br />

-200<br />

-300<br />

-400<br />

-500<br />

-600<br />

-700<br />

-800<br />

-900<br />

-1000<br />

-1100<br />

-1200<br />

3 4 5 6 7 8 9 10<br />

pH<br />

Bild 2. Strömungspotenzial in Abhängigkeit vom pH-Wert.<br />

LD [meq/g]<br />

0<br />

-1<br />

-2<br />

-3<br />

-4<br />

-5<br />

PS26<br />

PS49<br />

PS62<br />

PS95<br />

PA59<br />

PA53<br />

Bild 3. Ermittelte Ladungsdichten bei einem eingestellten pH-Wert von 7<br />

in Abhängigkeit vom Anteil der Säuregruppen [%].<br />

PS26<br />

PS49<br />

PA53<br />

PS62<br />

PA59<br />

PS95<br />

0,0<br />

20 30 40 50 60 70 80 90 100<br />

-0,5<br />

[% - ]<br />

-1,0<br />

-1,5<br />

-2,0<br />

-2,5<br />

-3,0<br />

-3,5<br />

-4,0<br />

-4,5<br />

-5,0<br />

pH<br />

3 4 5 6 7 8<br />

PS26<br />

PS49<br />

PS62<br />

PS95<br />

Bild 1. Ladungsdichte bei verschiedenen pH-Werten.<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 973


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Bild 4. Homogalakturonanabschnitte<br />

mit Calciumionen<br />

als Haftpunkten.<br />

Oberflächenspannung [mN/m]<br />

Oberflächenspannung [mN/m]<br />

O<br />

HO<br />

O<br />

- OOC OH<br />

Ca 2+<br />

HO<br />

COO -<br />

O<br />

OH<br />

O<br />

O<br />

OH<br />

O<br />

COO -<br />

HO<br />

a) in 0,01 M CaCl 2<br />

78<br />

77<br />

76<br />

75<br />

74<br />

73<br />

72<br />

71<br />

70<br />

69<br />

68<br />

67<br />

66<br />

65<br />

100 1000 10000<br />

Zeit [s]<br />

b) in 0,1 M CaCl 2<br />

74<br />

73<br />

72<br />

71<br />

70<br />

69<br />

68<br />

67<br />

66<br />

65<br />

PS26<br />

PS62<br />

PS95<br />

<strong>Wasser</strong><br />

<strong>Wasser</strong><br />

PS95<br />

PS 62<br />

PS 26<br />

100 1000 10000<br />

Zeit [s]<br />

Bild 5. Dynamische Oberflächenspannung verschiedener Pektinlösungen<br />

in CaCl 2 im Vergleich zu <strong>Wasser</strong> (Legende vgl. Bild 5b).<br />

OH<br />

O<br />

O<br />

HO<br />

- OOC<br />

herkömmlicher Tenside (also kleiner Moleküle) sehr<br />

schnell auf einen sehr niedrigen Wert ab, während <strong>die</strong>ser<br />

Prozess bei Polymeren Stunden oder sogar Tage dauern<br />

kann. Bei der Messung der Pektinlösungen wurde<br />

auf Erfahrungen mit Stärke zurückgegriffen und eine<br />

Messzeit von drei Stunden gewählt [13–15]. Die Ergebnisse<br />

<strong>die</strong>ser Messungen sind in Bild 5 dargestellt.<br />

Während <strong>Wasser</strong> als Referenz eine konstante Oberflächenspannung<br />

von 72,5 mN/m aufweist, zeigen <strong>die</strong><br />

Pektinlösungen in <strong>Wasser</strong> bzw. in 0,01 M CaCl 2 -Lösung<br />

sogar leicht höhere Werte. Im Verlauf der Messung wird<br />

<strong>für</strong> einige Proben eine leichte Verringerung der Oberflächenspannung<br />

sichtbar, insbesondere <strong>für</strong> PS26 und<br />

PS62. Jedoch ist <strong>die</strong> Oberflächenaktivität sehr gering.<br />

Erhöht man <strong>die</strong> Salzkonzentration weiter (auf 0,05 M<br />

bzw. 0,1 M CaCl 2 ), so ist ersichtlich, dass es in Abhängigkeit<br />

von der Struktur der Proben zu einem Abfall der<br />

Oberflächenspannung bis zu 65 mN/m kommen kann.<br />

In Bild 5b sind <strong>die</strong> Unterschiede zwischen den verschiedenen<br />

Pektinen deutlich zu sehen. PS26 mit dem<br />

höchsten Anteil an Estergruppen (vgl. Tabelle 2) zeigt<br />

einen deutlichen Abfall der Oberflächenspannung, das<br />

Produkt hat <strong>die</strong> größte Amphiphilie während PS95<br />

(höchster Anteil an Säuregruppen) unverändert bleibt.<br />

In keinem Fall konnte ein Plateauwert ermittelt<br />

werden, d. h. auch nach drei Stunden Messzeit fällt <strong>die</strong><br />

Oberflächenspannung weiter. Dieser stetige Abfall der<br />

dynamischen Oberflächenspannung einiger Proben ist<br />

auf <strong>die</strong> Größe der Moleküle und eine molekulare Neuorientierung<br />

zurückzuführen [15]. Das zeigt, dass bei<br />

Calcium-Pektinaten aus hochveresterten Proben eine<br />

deutliche Oberflächenaktivität vorhanden ist, <strong>die</strong> <strong>für</strong><br />

hydrophobe Wechselwirkungen zur Verfügung steht.<br />

Beispielsweise konnte kürzlich nachgewiesen werden,<br />

dass der hydrophobe Charakter modifizierter Stärken<br />

zur Abtrennung hydrophober Substanzen aus Papierkreisläufen<br />

genutzt werden kann [13,14].<br />

3. Zusammenfassung<br />

Der Naturstoff Pektin, der auch aus Nebenprodukten,<br />

wie z. B. Nasstrester der Fruchtsaftindustrie gewonnen<br />

werden kann, ist ein Polyanion mit mittlerer und je nach<br />

pH-Wert variabler Ladungsdichte, vergleichbar mit<br />

kommerziellen synthetischen Polyanionen. Abhängig<br />

von Produkttyp, Temperatur und pH-Wert sind <strong>die</strong><br />

Lösungen über Tage oder sogar Wochen stabil, was ihre<br />

Eignung <strong>für</strong> technische Einsatzzwecke wie z. B. <strong>die</strong><br />

Flockung vergrößert. Es wurden bei entsprechend moderaten<br />

Lagerungsbedingungen <strong>für</strong> mindestens eine<br />

Woche konstante Ladungsdichten gemessen. Aufgrund<br />

der negativen Ladung der Pektine ist deren Anwendung<br />

in Form von Dualsystemen (in Kombination mit Polykation<br />

oder Salzen) oder vorgebildeten Polyelektrolytkomplexen<br />

Erfolg versprechend.<br />

Die Oberflächenaktivität von Pektinen in <strong>Wasser</strong> ist<br />

zunächst gering, wird jedoch durch Zusatz von CaCl 2<br />

September 2014<br />

974 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

verstärkt, sodass auch hydrophobe Wechselwirkungen<br />

der höherveresterten Pektine <strong>für</strong> <strong>Wasser</strong>reinigungsprozesse<br />

ausgenutzt werden können. Untersuchungen<br />

zum konkreten Design von derartigen pektinhaltigen<br />

Formulierungen werden gegenwärtig durchgeführt.<br />

Danksagung<br />

Das IGF-Vorhaben (16963 BR) der Forschungsvereinigung DECHEMA<br />

wurde über <strong>die</strong> AiF im Rahmen des Programms zur Förderung der<br />

Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium<br />

<strong>für</strong> Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des<br />

Deutschen Bundestages gefördert.<br />

Der Fa. Herbstreith&Fox KG danken wir <strong>für</strong> <strong>die</strong> Bereitstellung der<br />

kommerziell verfügbaren Pektinproben.<br />

Wir bedanken uns <strong>für</strong> <strong>die</strong> experimentelle Unterstützung bei<br />

E. Romanova und C. Steinbach.<br />

Abkürzungen<br />

PA<br />

ami<strong>die</strong>rte Pektine<br />

PS<br />

LD<br />

FG<br />

PEL<br />

PCD<br />

PDADMAC<br />

Pektine<br />

Ladungsdichte<br />

Feuchtegehalt<br />

Polyelektrolyt<br />

Particle charge detektor<br />

Polydiallyldimethyammoniumchlorid<br />

[10] „Use of alginates to flocculate bauxite red mud“ US Pat. Appl.<br />

5478477.<br />

[11] Sen, G., Singh, R. P. and Pal, S.: Microwave-initiated synthesis<br />

of polyacrylamide grafted sodium alginate: Synthesis and<br />

characterization. J Appl Polym Sci 115 (2010) No.1, p. 63–71.<br />

[12] Biswal, D. R. and Singh, R. P.: The flocculation and rheological<br />

characteristics of hydrolyzed and unhydrolyzed grafted<br />

sodium alginate in aqueous solutions J Appl Polym Sci 94<br />

(2004) No. 4, p. 1480–1488.<br />

[13] Petzold, G., Schönberger, L., Genest, S. and Schwarz, S.: Interaction<br />

of cationic starch and dissolved colloidal substances<br />

from paper recycling, characterized by dynamic surface<br />

measurements Colloids and Surfaces A: Physicochemical<br />

and Engineering Aspects 413 (2012), p. 162–168.<br />

[14] Petzold, G., Petzold-Welcke, K., Qi, H., Stengel, K., Schwarz, S.<br />

and Heinze, T.: The removal of stickies with modified starch<br />

and chitosan – highly cationic and hydrophobic types compared<br />

with unmodified ones Carbohydrate. Polymers 90<br />

(2012), p. 1712–1718.<br />

[15] Genest, S., Schwarz, S., Petzold-Welcke, K., Heinze, T. and<br />

Voit, B.: Characterization of highly substituted, cationic<br />

amphiphilic starch derivatives: dynamic surface tension and<br />

intrinsic viscosity Starch/Stärke 65 (2013), p. 999–1010.<br />

Literatur<br />

[1] Schlubach, H. und Hoffmannwalbeck, H.: Das native Pektin.<br />

Macromol. Chem. and Phys. 4 (1949), S. 5–14.<br />

[2] Unternehmensbroschüre: http://www.herbstreith-fox.de/fileadmin<br />

/tmpl/pdf/broschueren/Naturprodukt_deutsch.pdf<br />

[3] Dickinson, E.: Hydrocolloids as emulsifiers and emulsion stabilizers.<br />

Food Hydrocolloids 23 (2009), p. 1473–1482.<br />

[4] Milkova, V. u. a.: Complexation of ferric oxide particles with<br />

pectins of different charge density. Langmuir 24 (2008),<br />

p. 9495–9499.<br />

[5] Fiedler, M., Erhard, K., Freese, M. und Fischer, S.: AiF-Bericht:<br />

Neue Faser-Pektin-Compounds als Additiv-Koppler und zur<br />

Festigkeitssteigerung von Papier 2011. PTS Heidenau, PTS-<br />

Forschungsbericht 16137.<br />

[6] Singh, R. P., Nayak, B. R., Biswal, D. R., Tripathy, T. and Banik, K.:<br />

Biobased polymeric flocculants for industrial effluent treatment.<br />

Mater. Res. Innov. 7 (2003), p. 331–340.<br />

[7] Ho, Y. C., Norli, I., Alkarkhi, A. and Morad, N.: Characterization<br />

of biopolymeric flocculant (pectin) and organic synthetic<br />

flocculant (PAM): A comparative study on treatment and<br />

optimization in kaolin suspension. Bioresource Technol. 101<br />

(2010), p. 1166–1174.<br />

[8] Yokoi, H., Obita, T., Hirose, J., Hayashi, S. and Takasaki, Y.:<br />

Flocculation properties of pectin in various suspensions.<br />

Bioresource Technol. 84 (2002), p. 287–290.<br />

[9] Petzold, G., Lunkwitz, K. und Schwarz, S.: Flockungsmittelkombinationen<br />

zur Steigerung der Effektivität von Flockungsprozessen.<br />

Chemie Ingenieur Technik 74 (2002) Nr. 4,<br />

S. 438–442.<br />

Autoren<br />

Eingereicht: 26.05.2014<br />

Korrektur: 05.08.2014<br />

Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />

Dr. rer. nat. Simona Schwarz<br />

Korrespondenzautorin |<br />

E-Mail: simsch@ipfdd.de |<br />

Gudrun Petzold<br />

Leibniz-Institut <strong>für</strong><br />

Polymerforschung Dresden e. V. |<br />

Hohe Straße 6 |<br />

D-01069 Dresden<br />

Dr. rer. nat. Jörg Bohrisch<br />

Fraunhofer-Institut <strong>für</strong> Angewandte<br />

Polymerforschung IAP, FhG |<br />

Geiselbergstraße 69 |<br />

D-14476 Potsdam-Golm<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 975


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Systematik und Vorgehensweise bei der<br />

Erstellung von Spülplänen zur Reinigung<br />

von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen mittels<br />

„Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung, <strong>Wasser</strong>verteilung, Instandhaltung, Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front, Spülplan,<br />

Ablagerung, Partikel<br />

Klaus Ripl, Irene Slavik und Wolfgang Uhl<br />

Basierend auf den theoretischen Grundlagen zur<br />

Entfernung von Ablagerungen aus <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen,<br />

wird ein besonders effektives und effizientes<br />

Verfahren zur Rohrnetzreinigung – das „Spülen<br />

mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ – vorgestellt und erläutert.<br />

Anhand eines Beispiels wird gezeigt, dass sich im<br />

Vergleich zu anderen Verfahren Spülzeiten deutlich<br />

verkürzen und <strong>Wasser</strong>verbräuche senken lassen. Dies<br />

ist darauf zurückzuführen, dass bei <strong>die</strong>sem Verfahren<br />

das Spülwasser den zu reinigenden Leitungsabschnitten,<br />

ausgehend vom <strong>Wasser</strong>werk, nur über bereits<br />

gereinigte Leitungen zugeführt wird. Dadurch können<br />

nicht nur Einträge mobilisierter Ablagerungen aus<br />

vorgelagerten Netzabschnitten vermieden, sondern<br />

auch höhere Strömungsgeschwindigkeiten und folglich<br />

eine bessere Reinigungsleistung erreicht werden.<br />

Da <strong>für</strong> einen optimalen Reinigungserfolg das „Spülen<br />

mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ systematisch nach einem<br />

Spülplan erfolgen muss, wird <strong>die</strong> Systematik zur<br />

Erstellung eines solchen Spülplans vorgestellt. Dabei<br />

wird gezeigt, wie <strong>die</strong> Abfolge der erforderlichen<br />

Spülschritte zu definieren und detailliert zu beschreiben<br />

ist. Darüber hinaus werden <strong>die</strong> Überwachung<br />

und <strong>die</strong> Protokollierung einer „Spülung mit klarer<br />

<strong>Wasser</strong>front“ erläutert.<br />

Methodology and Approach in Developing Flushing<br />

Routines for Efficient Water Distribution System<br />

Maintenance by Using Unidirectional Flushing<br />

Based on the theoretical principles on the removal of<br />

deposits from water distribution systems, an effective<br />

and efficient flushing mode – the unidirectional<br />

flushing – is presented and described. When compared<br />

with other flushing modes it is shown of an<br />

example that flushing time shortens, water demand<br />

decreases and a fast formation of new deposit layers<br />

is inhibited. This is due to the fact that flushing water<br />

is supplied from already cleaned pipe sections only<br />

when applying this mode of pipe clea ning. Consequently,<br />

there will be no additional contamination<br />

caused by flushing in mobilised material from upstream<br />

pipe sections. This mode also allows the<br />

flushing to be run with higher flow velocities resulting<br />

in a much better cleaning performance. To achieve<br />

optimum cleaning results, unidirectional flushing<br />

should be performed following a systematic routine.<br />

The approach to set-up such a systematic routine is<br />

presented including the requirements regarding<br />

definitions and detailed descriptions of the sequence<br />

of flushing steps as well as of all necessary measures,<br />

the data logging and monitoring.<br />

1. Problemstellung und Zielsetzung<br />

Durch verschiedene Prozesse werden partikuläre<br />

Substanzen in <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen gebildet und in<br />

Abhängigkeit von den hydraulischen Bedingungen<br />

transportiert und abgelagert. Zu <strong>die</strong>sen Prozessen<br />

zählen <strong>die</strong> Korrosion an ungeschützten metallischen<br />

Leitungen sowie mikrobiologische Prozesse (Biofilmablösung)<br />

und chemische Reaktionen (Ausfällungen,<br />

Ausflockungen). Darüber hinaus werden Partikel aus<br />

dem <strong>Wasser</strong>werk in das <strong>Wasser</strong>verteilungsnetz eingetragen,<br />

wenn auch in äußerst niedrigen Konzentrationen.<br />

Bei sich ändernden Strömungsverhältnissen kann es<br />

zu einer Mobilisierung der Ablagerungen und Korrosionsprodukte<br />

kommen, <strong>die</strong> im ungünstigsten Fall zu<br />

Braunwasserereignissen beim Verbraucher führen. Um<br />

Braunwasserereignisse vermeiden zu können, müssen<br />

<strong>Wasser</strong>verteilungsnetze in regelmäßigen Abständen<br />

gereinigt werden. In Ortslagen wird da<strong>für</strong> meist eine<br />

schonende Reinigung mit <strong>Wasser</strong> durchgeführt, bei der<br />

zwar partikuläre Ablagerungen aus dem Rohrnetz<br />

entfernt, feste Inkrustationen in korro<strong>die</strong>renden metallischen<br />

Leitungen jedoch nicht beschädigt werden.<br />

Mit <strong>die</strong>ser Art der Rohrnetzspülung soll vermieden<br />

September 2014<br />

976 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

werden, dass es zu verstärkter Korrosion an freigelegten<br />

Korrosionsoberflächen kommt. Darüber hinaus sollen<br />

Aufwand und Nutzen in einer wirtschaftlichen und sinnvollen<br />

Relation zueinander stehen.<br />

Die bei der Reinigung von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

häufig praktizierten Endstrangspülungen und Spülungen<br />

nach Bedarf bzw. nach einem auf einer zeitlichen<br />

Reihenfolge basierenden Turnus sind oftmals nicht sehr<br />

effektiv und effizient und häufig nicht geeignet, um<br />

Braunwasserereignisse beim Verbraucher weitestgehend<br />

zu verhindern. Dies liegt darin begründet, dass sich ein<br />

Großteil der partikulären Fracht nicht erst in Endsträngen,<br />

sondern bereits vorher ablagert. Darüber hinaus kann<br />

es bei derartigen Spülroutinen zu einem Eintrag mobilisierter<br />

Ablagerungen aus vorgelagerten Netzabschnitten<br />

in <strong>die</strong> zu reinigenden Rohrleitungen bzw. zu einer generellen<br />

Verfrachtung von Ablagerungen anstelle eines<br />

wirkungsvollen Austrags kommen. Daraus resultieren<br />

lange Spülzeiten, ein hoher <strong>Wasser</strong>verbrauch sowie ein<br />

hohes Potenzial <strong>für</strong> eine schnelle, erneute Ausbildung<br />

von Ablagerungen.<br />

Mit dem Verfahren „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“<br />

lassen sich Verteilungsnetze dagegen gezielter, wirksamer<br />

und effizienter reinigen, da Spülzeiten deutlich verkürzt,<br />

und der <strong>Wasser</strong>verbrauch gesenkt werden können. Dies<br />

ist darauf zurückzuführen, dass bei <strong>die</strong>sem Verfahren<br />

das Spülwasser den zu reinigenden Leitungsabschnitten,<br />

ausgehend vom <strong>Wasser</strong>werk, nur über bereits gereinigte<br />

Leitungen zugeführt wird. Dadurch können nicht nur<br />

Einträge mobilisierter Ablagerungen aus vorgelagerten<br />

Netzabschnitten vermieden, sondern auch höhere<br />

Strömungsgeschwindigkeiten und folglich eine bessere<br />

Reinigungsleistung erreicht werden.<br />

Das „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ setzt <strong>die</strong> Erstellung<br />

eines entsprechenden Spülplans voraus, in<br />

dem das Versorgungsgebiet in einzelne Spülabschnitte<br />

unterteilt, Spülhydranten und <strong>die</strong> einzelnen Spülschritte<br />

festgelegt und Schieberstellungen sowie Spülbedingungen<br />

definiert sind. Die Spülpläne sind dabei so<br />

angelegt, dass während der Spülung sowohl <strong>die</strong> korrekte<br />

Durchführung als auch der Reinigungserfolg überprüft<br />

werden können. Die Vorgehensweise <strong>für</strong> <strong>die</strong> Erstellung<br />

eines Spülplans <strong>für</strong> <strong>die</strong> Reinigung von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

mittels „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ wird in<br />

<strong>die</strong>sem Beitrag vorgestellt und anhand eines Beispiels<br />

erläutert. Darüber hinaus wird basierend auf den Grundlagen<br />

zur Reinigung von Verteilungsnetzen das Verfahren<br />

„Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ selbst erläutert und beschrieben.<br />

2. Reinigung von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

Für den Austrag von Ablagerungen werden hohe Volumenströme<br />

und damit hohe Strömungsgeschwindigkeiten<br />

in den zu reinigenden Leitungsabschnitten benötigt.<br />

Hohe Volumenströme bedeuten eine erhöhte hydraulische<br />

Belastung auf Ablagerungen durch <strong>die</strong> aus der<br />

Bild 1. Modelltheoretische Vorstellung der Mobilisierung von<br />

Ablagerungen in Rohrströmungen.<br />

Reibung des <strong>Wasser</strong>s an der Rohrwand resultierende<br />

Scherkraft (Wandschubspannung) bzw. hydraulisch induzierte<br />

Kräfte. Damit es zu einem Austrag abgelagerten<br />

partikulären Materials kommen kann, muss <strong>die</strong> hydraulische<br />

Belastung im Reinigungsprozess größer sein als<br />

<strong>die</strong> durch den <strong>Wasser</strong>bedarf bedingte tägliche hydraulische<br />

Belastung des Leitungsabschnittes. Ein häufig verwendetes<br />

Maß zur Beschreibung der Scherbeanspruchung<br />

auf Ablagerungen ist <strong>die</strong> stationäre Wandschubspannung<br />

τ 0,stat , <strong>die</strong> sich aus der Dichte des <strong>Wasser</strong>s ρ F in<br />

kg/m³, der Erdbeschleunigung g mit 9,81 m/s², dem<br />

hydraulischen Radius des Rohres r hy in m (= 0,25 · Rohrinnendurchmesser)<br />

und dem Energieliniengefälle I E<br />

(Verlusthöhe je Rohrleitungslänge) in m/m [1] berechnet:<br />

τ 0,stat = ρ F . g . r hy . I E (1)<br />

Der Zusammenhang zwischen den vorherrschenden<br />

hydraulischen Bedingungen und der Bildung von Ablagerungen<br />

bzw. deren Mobilisierung wird von Boxall und<br />

Saul [2] beschrieben. Demzufolge beeinflusst <strong>die</strong> maximale<br />

tägliche Scherbelastung in einer Leitung, d. h. der<br />

maximale tägliche Volumenstrom, <strong>die</strong> Scherstabilität τ s<br />

von Ablagerungen in <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen. Eine<br />

Mobilisierung von Ablagerungen ist nur dann möglich,<br />

wenn τ 0,stat > τ s .<br />

Demnach müsste jede Überschreitung der vom<br />

<strong>Wasser</strong>bedarf bedingten maximalen täglichen Volumenströme<br />

zu einer Mobilisierung aller sich in den jeweiligen<br />

Leitungsabschnitten befindlichen Ablagerungen führen.<br />

Untersuchungen von Ripl und Uhl [3] haben jedoch<br />

gezeigt, dass bei Erhöhnung der Volumenströme nur<br />

ein Teil der Ablagerungen mobilisiert wird. Dies wird<br />

darauf zurückgeführt, dass sich bei turbulenter Strömung<br />

eine Grenzschicht in der Nähe der Rohrwand ausbildet,<br />

in der laminare Strömungsbedingungen herrschen. In<br />

<strong>die</strong>ser sogenannten laminaren Grenzschicht können<br />

sich aufgrund der vorherrschenden sehr niedrigen<br />

Strömungsgeschwindigkeiten Partikel ablagern bzw.<br />

im abgelagerten Zustand verbleiben. Da <strong>die</strong> Dicke<br />

der laminaren Grenzschicht mit steigender Strömungsgeschwindigkeit<br />

abnimmt, wird bei zunehmendem<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 977


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Dic ke der laminaren Grenzs c hic ht in mm<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

5<br />

0<br />

laminare<br />

Strömung<br />

Volumenstrom der Teil an Ablagerungen mobilisiert, der in<br />

<strong>die</strong> dann entstandene turbulente Kernzone ragt (Bild 1).<br />

Für <strong>die</strong> Berechnung der Dicke der laminaren Grenzschicht<br />

δ LBL listet Bohl [4] eine Auswahl empirischer<br />

Gleichungen <strong>für</strong> glatte Rohroberflächen auf, wobei <strong>die</strong> bekannteste<br />

<strong>die</strong>ser Gleichungen von Prandtl stammt (Gl. (2)).<br />

LBL<br />

= 62,7<br />

Re 7/8<br />

D Pipe<br />

Σ<br />

i=1<br />

turbulente<br />

Strömung<br />

·<br />

0 10 20 30 40<br />

V olumens trom in m³/h<br />

D = 0,08 m<br />

D = 0,10 m<br />

D = 0,15 m<br />

D = 0,20 m<br />

D = 0,30 m<br />

Bild 2. Zusammenhang zwischen Dicke der laminaren Grenzschicht und<br />

Volumenstrom <strong>für</strong> verschiedene Rohrdurchmesser, <strong>Wasser</strong>temperatur 15 °C.<br />

(2)<br />

In Gl. (2) sind D Pipe der Rohrinnendurchmesser in m und<br />

Re <strong>die</strong> dimensionslose Reynoldszahl. Demnach steigt mit<br />

zunehmendem Rohrinnendurchmesser und bei gleichbleibendem<br />

2<br />

n<br />

V Fl,min<br />

=<br />

π<br />

· Volumenstrom D Pipe,i<br />

L Pipe, i<br />

4<br />

( · ) <strong>die</strong> Dicke der laminaren<br />

i=1<br />

Grenzschicht, woraus eine Zunahme des potentiellen<br />

Volumens <strong>für</strong> Ablagerungen resultiert. Da <strong>die</strong> Reynoldszahl<br />

direkt proportional zur Strömungsgeschwindigkeit<br />

ist, resultiert ein Anstieg der Strömungsgeschwindigkeit<br />

infolge der<br />

t Fl ,min<br />

= V Erhöhung des Volumenstroms in einer Abnahme<br />

der<br />

Fl,min<br />

Dicke der laminaren Grenzschicht, wodurch<br />

weniger Volumen Q Fl <strong>für</strong> Ablagerungen zur Verfügung<br />

steht (Bild 2).<br />

Wie in Bild 2 zu erkennen ist, führt bereits eine<br />

geringfügige Erhöhung des Volumenstroms zu einer<br />

deutlichen Abnahme der laminaren Grenzschicht. Daraus<br />

s Fl kann (t Fl<br />

) = abgeleitet v Fl · t Fl werden, dass sich bei hohen täglich<br />

wiederkehrenden Strömungsgeschwindigkeiten kaum Ablagerungen<br />

ausbilden. Folglich lassen sich Verteilungsnetze<br />

in einer Art selbstreinigendem Modus betreiben,<br />

indem täglich n ausreichend hohe Strömungsgeschwindigkeiten<br />

gewährleistet · t Fl werden. In der Literatur werden<br />

s Fl<br />

(t Fl<br />

) = v Fl,i<br />

hier<strong>für</strong><br />

Strömungsgeschwindigkeiten von mindestens 0,2 bis<br />

0,25 m/s [5] bzw. sogar von mindestens 0,4 m/s [6] angegeben.<br />

Auf <strong>die</strong>se Weise können <strong>die</strong> Ablagerungsbildung<br />

und folglich der Spülaufwand <strong>für</strong> <strong>die</strong> Netzreinigung<br />

minimiert werden.<br />

Um <strong>die</strong>se Strömungsgeschwindigkeiten realisieren zu<br />

können, bedarf es einer Umstrukturierung vorhandener<br />

Netze. Diese sollte Maßnahmen zur Verringerung des<br />

Vermaschungsgrades, zur Trennung von Trink- und Löschwasserbereitstellung<br />

sowie zur Reduzierung von Rohrdurchmessern<br />

beinhalten. Derartige Umstrukturierungen<br />

sind allerdings mit extrem hohen Kosten verbunden,<br />

sodass sie in der Praxis kaum umgesetzt werden können.<br />

Bestehende Netze werden selten in einem selbstreinigenden<br />

Modus betrieben. Folglich kommt es zur Ausbildung<br />

von Ablagerungen und Rohrnetzspülungen <strong>für</strong><br />

einen kontrollierten Austrag der Ablagerungen sind<br />

erforderlich, um z. B. Braunwasserereignisse beim Verbraucher<br />

möglichst zu vermeiden. Die Reinigungswirkung<br />

der Spülung beruht dabei, wie bereits erläutert, auf der<br />

Erzeugung einer Scherbeanspruchung und dem Austrag<br />

abgescherter, d. h. mobilisierter, Partikel. Dabei<br />

kommen verschiedene Reinigungs- bzw. Spülverfahren<br />

zum Einsatz. Diese arbeiten mit <strong>Wasser</strong> oder Luft-<strong>Wasser</strong>-<br />

Gemischen oder beruhen auf der unterstützenden<br />

Wirkung von Zusätzen (z. B. Kohlendioxid oder Eis). Dabei<br />

wird der hydraulische Druck im Verteilungssystem<br />

genutzt oder zusätzlich Energie eingetragen. Alternativ<br />

kann das Spülverfahren aber auch auf einer Saugwirkung<br />

beruhen.<br />

Der durch Reinigungs- und Spülmaßnahmen erzielte<br />

Effekt ist in Zusammenhang mit der Ausbildung von Ablagerungen<br />

und dem daraus resultierenden Ablagerungsniveau<br />

zu betrachten, schematisch dargestellt in Bild 3.<br />

Bild 3 zeigt, dass <strong>die</strong> Ablagerungsmenge mit der<br />

Zeit, in der eine Leitung betrieben wird, zunimmt und in<br />

Abhängigkeit von den maximalen täglichen Durchflussmengen,<br />

dem Rohrdurchmesser und den Oberflächeneigenschaften<br />

(Inkrustationen) ein maximales Ablagerungsniveau<br />

erreicht. Dieses Niveau wird als kritisch<br />

bezeichnet, da darüber hinaus gehende Ablagerungen<br />

im täglichen Betrieb abgeschert werden und zu einer<br />

Beeinträchtigung der <strong>Wasser</strong>qualität führen können. Bei<br />

einer Spülung kommt es in Abhängigkeit von den Spülbedingungen<br />

durch Mobilisierung und Austrag zu einer<br />

Senkung der Ablagerungsmenge auf ein minimales Ablagerungsniveau.<br />

Mit der dabei ausgetragenen Menge<br />

an Ablagerungen kann der Spüleffekt beschrieben werden.<br />

Nach der Wiederinbetriebnahme findet, beginnend<br />

vom durch <strong>die</strong> Spülung erreichten Ablagerungsniveau,<br />

eine erneute Zunahme der sich ausbildenden Ablagerungsmenge<br />

statt. Die Dauer bis zum erneuten Erreichen<br />

des kritischen Ablagerungsniveaus ist dabei nicht<br />

nur von den Strömungsverhältnissen abhängig, sondern<br />

auch von der pro Zeiteinheit in den Leitungsabschnitt<br />

eingetragenen und im Leitungsabschnitt gebildeten<br />

September 2014<br />

978 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

und abgelagerten Menge an partikulärem Material.<br />

Folglich lässt sich durch Maßnahmen an den Partikelquellen<br />

(z. B. verbesserte Aufbereitung im <strong>Wasser</strong>werk<br />

hinsichtlich Partikelentfernung) <strong>die</strong> Neubildung von<br />

Ablagerungen verzögern oder gar vermeiden. Die Effektivität<br />

einer Spülung wird demnach maßgeblich von<br />

zwei Faktoren bestimmt: der Bildungsgeschwindigkeit<br />

von Ablagerungen und dem durch eine Spülung minimal<br />

erreichbaren Ablagerungsniveau.<br />

3. Spülplanerstellung <strong>für</strong> das Reinigen<br />

von <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

Für einen optimalen Reinigungserfolg sollten Rohrnetzspülungen<br />

systematisch nach einem Spülplan erfolgen.<br />

In <strong>die</strong>sem ist <strong>die</strong> Abfolge der erforderlichen Spülschritte<br />

definiert und detailliert beschrieben. Für <strong>die</strong> Erstellung<br />

eines Spülplans zur systematischen Reinigung von<br />

<strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen wird <strong>die</strong> nachfolgend beschriebene<br />

Vorgehensweise empfohlen:<br />

1. Unterteilung des gesamten Verteilungsnetzes in<br />

einzelne Spülgebiete bzw. Spülabschnitte.<br />

2. Lokalisierung aller im zu spülenden Bereich<br />

vorhandenen Hydranten unter Verwendung von<br />

GIS-Plänen oder hydraulischen Rohrnetzmodellen.<br />

3. Bestimmung geeigneter Spülstränge im jeweiligen<br />

Spülgebiet, wobei zunächst vom <strong>Wasser</strong>werk<br />

ausgegangen werden sollte.<br />

−−<br />

Dabei sollte der Spülhydrant <strong>für</strong> Leitungen mit<br />

Nennweitern größer DN 50 mindestens <strong>die</strong><br />

Nennweite DN 80 aufweisen.<br />

−−<br />

Für DN 50-Leitungen sind Hydranten der<br />

Nennweite DN 50 geeignet.<br />

−−<br />

Hauptversorgungsleitungen (ab ca. DN 125)<br />

sind vor kleinen Versorgungsleitungen<br />

(DN 80, DN 100) zu spülen.<br />

−−<br />

Leitungsstrecken größer DN 100 werden, wenn<br />

möglich, über zwei gleichzeitig geöffnete<br />

Spülhydranten gereinigt, um den erforderlichen<br />

Mindestvolumenstrom zu erreichen. Dabei darf<br />

der Durchfluss in <strong>die</strong>sen Strängen nicht durch<br />

Abschnitte mit kleineren Rohrdurchmessern<br />

beeinträchtigt werden.<br />

4. Festlegung von Richtung und Menge <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Spülwasserzufuhr zum jeweiligen Spülstrang.<br />

5. Definition der Schieberstellungen <strong>für</strong> alle Spülschritte.<br />

Die <strong>Wasser</strong>versorgung zu den übrigen Systemabschnitten<br />

sollte während der Spülungen gewährleistet<br />

sein. Diesbezüglich werden im DVGW-Arbeitsblatt<br />

W 400-1 [8] entsprechende Mindestdrücke empfohlen.<br />

Bild 3. Schematische Darstellung zur Auswirkung von Spülungen auf<br />

<strong>die</strong> Ablagerungsmenge in einer Rohrleitung (nach [7]).<br />

4. Systematik zur Erstellung eines Spülplans<br />

<strong>für</strong> das „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“<br />

Bei einer <strong>Wasser</strong>spülung werden das ins Verteilungsnetz<br />

eingespeiste Trinkwasser und <strong>die</strong> vorhandenen hydraulischen<br />

Kapazitäten genutzt. Um Verschleppungen mobilisierten<br />

Materials beim Spülen und daraus resultierende<br />

unkontrollierte Trübwasserereignisse möglichst vermeiden<br />

zu können, sollte das Verfahren „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“<br />

[9] zum Einsatz kommen. Bei <strong>die</strong>sem Verfahren<br />

wird das Spülwasser den zu reinigenden Leitungsabschnitten,<br />

ausgehend vom <strong>Wasser</strong>werk, nur über bereits<br />

gereinigte Leitungen zugeführt. Diese Vorgehensweise<br />

ist in Bild 4 anhand von vier Spülschritten veranschaulicht.<br />

Die Spülung beginnt mit Spülschritt 1 an einem Einspeisepunkt<br />

(blauer Punkt, z. B. <strong>Wasser</strong>werk), von wo aus<br />

Trinkwasser in ausreichender Menge und hoher Qualität<br />

(sehr geringe Partikelkonzentration) bereitgestellt werden<br />

kann. Der zu spülende, grün markierte Rohrstrang<br />

ist mittels rot markierter Schieber hydraulisch von anderen<br />

Leitungen entkoppelt. Das am Einspeisepunkt<br />

eingetragene Spülwasser durchströmt den zu reinigenden<br />

Leitungsstrang mit möglichst hoher Geschwindigkeit<br />

und wird am Hydranten (grüner Punkt mit Kreis)<br />

ausgetragen. Die Länge eines Spülstrangs wird demnach<br />

durch <strong>die</strong> Position der verfügbaren Hydranten und<br />

Schieber sowie <strong>die</strong> hydraulischen Bedingungen bestimmt.<br />

Folglich sind bei der Festlegung der einzelnen Spülstränge<br />

<strong>die</strong> Nennweiten der Leitungen und Hydranten<br />

aufeinander abzustimmen und eine ausreichende<br />

Anzahl an Hydranten vorzusehen. Darüber hinaus sind<br />

nicht nur höchstmögliche Scherkräfte zu erzeugen, es<br />

gilt auch, während der Spülung <strong>die</strong> Versorgung aufrecht<br />

zu erhalten. Eine Beeinträchtigung der Verbraucher<br />

durch Trübwasserereignisse und Druckschwankungen<br />

können während der Spülung jedoch nicht gänzlich<br />

ausgeschlossen werden, was rechtzeitige Informa tionen<br />

erforderlich macht [8, 10].<br />

Der im zweiten Spülschritt zu reinigende Abschnitt<br />

wird derart vom Verteilungsnetz entkoppelt, dass das<br />

Spülwasser nur aus bereits gereinigten Abschnitten<br />

bzw. vom Einspeisepunkt zuströmt und der Austrag so<br />

erfolgt, dass keine Verschleppung mobilisierter Partikel<br />

in bereits gereinigte Abschnitte stattfindet. Diese Vorgehensweise<br />

wird <strong>für</strong> alle weiteren Spülschritte konsequent<br />

beibehalten, damit <strong>die</strong> Spülung ausschließlich<br />

mit klarem (sauberem) <strong>Wasser</strong> erfolgt und es zu keinem<br />

Eintrag mobilisierter Partikel in bereits gereinigte Rohrleitungen<br />

kommt.<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 979


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Bild 4. Schema <strong>für</strong> <strong>die</strong> Reinigung eines <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzes mittels<br />

„Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“. Blauer Punkt: Netzeinspeisung (z. B.<br />

<strong>Wasser</strong>werk). Grüne Linie: Spülstrecke. Orangefarbene Linien: Bereits<br />

gereinigte (saubere) Leitungen. Rote kurze Striche: Für Spülung<br />

geschlossene Schieber. Grüner Punkt mit Kreis: Spülhydrant.<br />

Auf <strong>die</strong>se Weise können mit <strong>die</strong>sem Verfahren im<br />

Gegensatz zu den häufig praktizierten Endstrangspülungen<br />

nicht nur Einträge mobilisierter Ablagerungen<br />

aus vorgelagerten Netzabschnitten vermieden, sondern<br />

auch höhere Strömungsgeschwindigkeiten erreicht<br />

werden. Die Erhöhung der Geschwindigkeit resultiert<br />

aus der Kanalisierung des am Hydranten entnommenen<br />

Spülwasserstroms in der Spülstrecke, der da<strong>für</strong> entsprechend<br />

ausgewählt worden ist. Folglich lassen sich Spülzeiten<br />

verkürzen und somit <strong>die</strong> benötigten Mengen an<br />

Trinkwasser vermindern, was eine Steigerung der Effizienz<br />

der Rohrnetzreinigung bedeutet. So wird <strong>für</strong> <strong>die</strong><br />

Spülung einer 500 m langen DN 100-Leitung nach dem<br />

Verfahren des „Spülens mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ bei einem<br />

Volumenstrom von ca. 30 m³/h, einem Systemdruck von<br />

5 bar und einem Austrag über einen DN 80-Hydranten<br />

ein Mindestspülvolumen von 4 m³ <strong>für</strong> den einmaligen<br />

Austausch des Rohrvolumens benötigt. Die aus <strong>die</strong>sen<br />

Randbedingungen resultierende Spülgeschwindigkeit<br />

von 1,1 m/s und der einmalige Austausch des Rohrvolumens<br />

können als ausreichend <strong>für</strong> eine wirksame<br />

und effiziente Reinigung von Rohrleitungen in <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

angesehen werden.<br />

Im Vergleich dazu enthält das DVGW-Arbeitsblatt<br />

W 291 [11] Vorgaben <strong>für</strong> das Reinigen von neu in Betrieb<br />

zu nehmenden Leitungen, nach denen Spülgeschwindigkeiten<br />

von 2 bis 3 m/s und Spülwassermengen, <strong>die</strong><br />

dem 3- bis 5-fachen des Rohrvolumens entsprechen,<br />

erforderlich sind. Die hohen Austauschraten sind darauf<br />

zurückzuführen, dass davon auszugehen ist, dass bei der<br />

Spülung zunächst mobilisiertes Material aus vorgelagerten<br />

Netzabschnitten eingetragen wird, welches während<br />

der Spülung durch den zu reinigenden Rohrabschnitt<br />

hindurchströmt und ausgetragen werden muss. Folglich<br />

werden im Vergleich zum „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“<br />

deutlich höhere Spülwassermengen benötigt.<br />

Allerdings können bei einer <strong>Wasser</strong>spülung <strong>die</strong> vorgegebenen<br />

Spülgeschwindigkeiten von 2 bis 3 m/s bei<br />

5 bar Netzdruck und mit den üblicherweise vorhandenen<br />

September 2014<br />

980 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong><br />

Hydranten der Nennweite DN 80 nur sehr selten erreicht<br />

werden. Die Umsetzung der Empfehlungen des DVGW ist<br />

folglich nur mit einem sehr hohen Einsatz an Ressourcen<br />

(große <strong>Wasser</strong>mengen, zusätzliche Energie) möglich.<br />

Generell ist davon auszugehen, dass mit dem Verfahren<br />

des Spülens mit klarer <strong>Wasser</strong>front Leitungen mit<br />

einem Durchmesser bis 100 mm wirkungsvoll mit nur<br />

einem Hydranten von Ablagerungen befreit werden<br />

können. Bereits mit Volumenströmen von 10 m³/h werden<br />

Strömungsgeschwindigkeiten von 0,55 m/s erreicht,<br />

was <strong>für</strong> <strong>die</strong> Mobilisierung großer Anteile der partikulären<br />

Ablagerungen in <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen ausreicht.<br />

Dies lässt sich aus Bild 2 ableiten, da <strong>die</strong> Dicke der laminaren<br />

Grenzschicht bei <strong>die</strong>sen Randbedingungen nur<br />

noch etwa 1 mm beträgt. Für Leitungen bis 150 mm<br />

Durchmesser sind dann je nach Hydrantenkapazität bis<br />

zu zwei Hydranten erforderlich, um eine ausreichende<br />

Reinigungswirkung zu erzielen. Dies erfordert einen<br />

Durchfluss von 30 bis 40 m³/h. In Leitungen größer<br />

DN 200 sind sehr große Durchflüsse von 70 bis 80 m³/h<br />

erforderlich, <strong>die</strong> oft nur mit mehreren Hydranten und<br />

aufgrund des zu erwartenden Druckverlustes nur in leistungsfähigen<br />

Verteilungsnetzen erzielt werden können.<br />

Inkrustationen in metallischen, ungeschützten<br />

Leitungen können <strong>die</strong> Bewegung der Klarwasserfront<br />

bzw. <strong>die</strong> Reinigungswirkung verzögern, da es im Gegensatz<br />

zu glatten Rohrleitungen zu Verschleppungseffekten<br />

und dem Ausspülen von Senken zwischen<br />

„Rostbuckeln“ kommt.<br />

5. Überwachung und Protokollierung<br />

einer Spülung<br />

Vor Beginn der praktischen Spülarbeiten sind Kriterien<br />

zu definieren, anhand derer der Spülerfolg und <strong>die</strong><br />

korrekte Durchführung der Arbeiten durch das ausführende<br />

Personal vor Ort nachvollzogen werden können.<br />

Aus <strong>die</strong>sem Grund sollten Spülpläne Angaben<br />

••<br />

zum Mindestspülvolumen bzw. zur erwarteten<br />

Mindestspüldauer <strong>für</strong> jeden Spülschritt,<br />

••<br />

dem minimal erforderlichen Spülvolumenstrom<br />

jedes Spülschrittes sowie<br />

••<br />

eventuell vorhersehbare Besonderheiten im<br />

Spülablauf bzw. Spülgeschehen<br />

enthalten.<br />

Die Ermittlung des Mindestspülvolumens erfordert<br />

Kenntnisse zu Länge und Durchmesser aller im Vertei-<br />

LBL<br />

= 62,7 · D Pipe<br />

lungsnetz Revorhandenen 7/8<br />

Leitungen, da das erforderliche<br />

Mindestspülvolumen dem Rohrvolumen der Spülstrecke<br />

entspricht, also der Summe der Volumina der einzelnen<br />

zu reinigenden Rohrabschnitte, wie in Gl. (3) formuliert.<br />

( )<br />

n<br />

V Fl,min<br />

=<br />

π<br />

2<br />

· D Pipe,i · L Pipe, i<br />

(3)<br />

4<br />

t Fl ,min<br />

= V Fl,min<br />

Q Fl<br />

i=1<br />

Für eine möglichst genaue Berechnung des Mindestspülvolumens<br />

eines Leitungsabschnitts i der Länge L Pipe<br />

ist zu beachten, dass der tatsächliche innere (lichte)


<strong>Wasser</strong>versorgung n<br />

| FACHBERICHTE |<br />

( L Pipe, i )<br />

i=1<br />

V Fl,min<br />

=<br />

π<br />

2<br />

· D Pipe,i ·<br />

4<br />

Rohrdurchmesser D Pipe angesetzt wird und nicht <strong>die</strong><br />

Nennweite (DN). Dies gilt vor allem <strong>für</strong> Rohre, deren<br />

Durchmesser aufgrund von Korrosionsvorgängen verkleinert<br />

sind, was hauptsächlich ungeschützte Stahlleitungen<br />

und Graugussleitungen betrifft.<br />

Daten zu Länge und Durchmesser aller in einem<br />

Verteilungsnetz vorhandenen Rohrleitungen können<br />

GIS-Plänen oder Rohrnetzmodellen entnommen werden.<br />

Mittels hydraulischer Kalibrierung des Rohrnetzmodells<br />

lassen sich <strong>die</strong> Durchmesser der einzelnen Rohrleitungen<br />

derart anpassen, dass sie annähernd den tatsächlichen<br />

inneren Durchmessern entsprechen. Mit kalibrierten<br />

LBL<br />

= 62,7 · D<br />

Durchmessern Re 7/8 ist Pipe<br />

im Vergleich zur Verwendung von<br />

originalen Rohrdurchmessern eine höhere Genauigkeit<br />

bei der Berechnung des erforderlichen Mindestspülvolumens<br />

bei Stahl- und Graugussleitungen möglich.<br />

Trotzdem<br />

n<br />

ist davon auszugehen, dass <strong>die</strong> so<br />

theo V Fl,min retisch =<br />

π<br />

2<br />

ermittelten ·<br />

Werte nicht ganz der Realität<br />

4<br />

( D Pipe,i · L Pipe, i )<br />

i=1<br />

entsprechen.<br />

Die Mindestspüldauer t Fl, min kann aus dem Mindestspülvolumen<br />

V Fl, min und dem Spülvolumenstrom Q Fl<br />

berechnet werden (Gl. (4)).<br />

t Fl ,min<br />

= V Fl,min<br />

Q Fl<br />

Da der Spülvolumenstrom vor der Spülung nicht bekannt<br />

ist, kann <strong>die</strong> zu erwartende Mindestspüldauer<br />

erst mit Beginn der Spülung mittels Durchflussmessung<br />

am Hydranten bestimmt werden.<br />

s Fl<br />

(t Fl<br />

) = v Fl · t<br />

Ist statt des kalibrierten Fl<br />

nur der ursprüngliche Innendurchmesser<br />

bekannt, ergibt <strong>die</strong> Ermittlung von Mindestspülvolumen,<br />

Mindestspüldauer und Mindestspülgeschwindigkeit<br />

größere Werte als <strong>die</strong> korrekten. Für<br />

n<br />

<strong>die</strong><br />

s<br />

Spülung<br />

Fl<br />

(t Fl<br />

) = Σv bedeutet<br />

Fl,i · t<br />

das zunächst einmal eine etwas<br />

Fl<br />

größere Sicherheit, i=1 da <strong>die</strong> tatsächliche Mindestspüldauer<br />

bzw. das Mindestspülvolumen je nach Stärke der<br />

In krustationen deutlich kürzer ist. Andererseits können<br />

sich jedoch durch <strong>die</strong> Inkrustationen höhere Druckverluste<br />

ergeben, sodass der gewünschte Spülvolumenstrom<br />

nicht erreicht werden kann. Darüber hinaus ist bei<br />

starken Inkrustationen mit einem zeitverzögerten Austrag<br />

von Ablagerungen zu rechnen, was eine Anpassung der<br />

Spüldauer bedingt. Folglich gelten Gl. (3) und (4) <strong>für</strong><br />

glatte und schwach inkrustierte Rohrleitungen.<br />

Die Bestimmung und Überwachung von Reinigungsleistung<br />

und Spülungserfolg erfordern eine kontinuierliche<br />

Messung der <strong>Wasser</strong>trübung am Ende einer<br />

Spülstrecke (Hydranten). Die Trübung ist proportional<br />

zur Menge mobilisierter Ablagerungen. Mit Beginn<br />

der Spülung ist eine Zunahme der Trübungswerte,<br />

nach Erreichen des Mindestspülvolumens bzw. der<br />

Mindestspüldauer eine rasche Abnahme der Spülwassertrübung<br />

zu erwarten. Zu <strong>die</strong>sem Zeitpunkt sollte<br />

sauberes <strong>Wasser</strong> aus den vorgelagerten, bereits gereinigten<br />

Netzbereichen den Spülhydranten erreichen.<br />

Die Spülung ist aber erst dann zu beenden, wenn <strong>die</strong><br />

(4)<br />

Trübung unter einen geforderten Zielwert von z. B.<br />

1 FNU (Grenzwert TrinkwV 2001 [12]) abgesunken ist.<br />

Unter LBL<br />

= 62,7 Annahme einer über <strong>die</strong> Spüldauer t Fl konstanten<br />

t Fl<br />

mittleren ,min<br />

= V · D<br />

Re 7/8 Pipe<br />

Fl,min<br />

Strömungsgeschwindigkeit v¯Fl kann anhand<br />

der kontinuierlichen<br />

Q Fl Trübungsmessungen bestimmt<br />

werden, welchen Weg S Fl das nach der Spül dauer t Fl am<br />

Hydranten analysierte Spülwasser in der Rohrleitung<br />

n<br />

zurückgelegt V hat (Gl. (5)).<br />

Fl,min<br />

=<br />

π<br />

2<br />

· D Pipe,i ·<br />

4<br />

s Fl<br />

(t Fl<br />

) = v Fl ·<br />

( L Pipe, i )<br />

i=1<br />

t Fl<br />

Das nach der Spülzeit t Fl ausgetragene Trübwasser resultiert<br />

folglich aus Ablagerungen, <strong>die</strong> im gereinigten<br />

Leitungsabschnitt t<br />

n in der Entfernung S Fl zum Hydranten<br />

s Fl ,min<br />

= V Fl,min<br />

Fl<br />

(t Fl<br />

) = Σv Fl,i<br />

mobilisiert Qworden Fl<br />

· t<br />

sind. Fl Besteht <strong>die</strong> Spülstrecke aus einer<br />

i=1<br />

Aneinanderreihung von Leitungen mit verschiedenen<br />

Rohrdurchmessern, muss <strong>für</strong> jeden einzelnen Leitungsabschnitt<br />

<strong>die</strong> Strömungsgeschwindigkeit berechnet<br />

werden. Die Entfernung S Fl zum Hydranten ergibt sich<br />

dann s Fl<br />

(tdurch Fl<br />

) = v Fl<strong>die</strong> · t Fl Ermittlung der nach der Spüldauer t Fl<br />

ausgehend vom Hydranten durchflossenen Leitungsabschnitten<br />

unter Berücksichtigung der individuellen<br />

Strömungsgeschwindigkeiten:<br />

n<br />

Σi=1<br />

s Fl<br />

(t Fl<br />

) = v Fl,i · t Fl<br />

Entspricht der tatsächliche Verlauf der Trübungswerte<br />

nicht dem theoretisch erwarteten, können folgende<br />

Gründe als Ursache vorliegen:<br />

••<br />

Durch Korrosion weichen Durchmesser in Leitungsabschnitte<br />

der Spülstrecke deutlich von dokumentierten<br />

oder berechneten Werten ab.<br />

••<br />

Verwendete Rohrnetzdaten sind nicht korrekt.<br />

••<br />

Die Spülstrecke wurde falsch geschiebert. Für<br />

<strong>die</strong>sen Fall wird eine Wiederholung der Spülung<br />

mit korrigierten Schieber-Stellungen empfohlen.<br />

••<br />

Schieber sind defekt, was eine Anpassung des<br />

Spülplans erfordert.<br />

Bild 5. Leitungsnetz<br />

eines Versorgungsgebietes<br />

(schwarz). Pfeile: Strömungsrichtung im täglichen<br />

Betrieb. Roter Punkt: <strong>Wasser</strong>werk. Orangefarbene Linie:<br />

aktuelle Spülstrecke mit Spülhydranten. Blaue Linien:<br />

bereits gereinigte Leitungen. Grüne Kreise: Position von zu öffnenden<br />

Schiebern. Rote Kreise mit Kreuz: zu schließende Schieber. Schwarze<br />

Kreise mit Kreuz: Schieber, <strong>die</strong> geschlossen werden.<br />

(5)<br />

(6)<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 981


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

<strong>Wasser</strong>versorgung<br />

Spülwas s ertrübung in F NU<br />

Straße 1<br />

PVC 99<br />

Neben den Durchfluss- und Trübungsmessungen bedarf<br />

es während der Spülung einer zusätzlichen Überwachung<br />

der Druckverhältnisse, da Mindestdrücke gemäß DVGW-<br />

Arbeitsblatt W 400-1 [8] einzuhalten sind.<br />

Die am Spülauslass (Hydranten) während einer<br />

Spülung messtechnisch erfassten Daten sollten nach<br />

Möglichkeit auf einem Computer aufgezeichnet und<br />

gespeichert werden. Auf <strong>die</strong>se Weise lässt sich eine Spülung<br />

detailliert protokollieren, was <strong>für</strong> spätere Analysen<br />

von großem Vorteil sein kann.<br />

Straße 2<br />

PVC 99<br />

Strömungsrichtung im täglichen Betrieb<br />

50<br />

45<br />

bereits<br />

40<br />

gereinigt<br />

35<br />

30<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

5<br />

0<br />

0 100 200 300 400 500 600<br />

Entfernung zum Spülhydranten in m<br />

Bild 6. Spülwassertrübung am Spülhydranten <strong>für</strong> den in Bild 5<br />

gekennzeichneten Spülschritt.<br />

Straße 3<br />

PE-HD 90<br />

6. Anwendungsbeispiel<br />

Für das in Bild 5 dargestellte Versorgungsgebiet wurde<br />

eine Reinigung mittels „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“<br />

durchgeführt. Das Ziel war eine effektive und effiziente<br />

Entfernung der im Leitungsnetz vorhandenen Ablagerungen,<br />

um gelegentlich auftretende Trübwasserereignisse<br />

bei Verbrauchern zu minimieren. Der <strong>für</strong> <strong>die</strong> Spülung<br />

erstellte Spülplan beinhaltete eine Einteilung des<br />

Versorgungsnetzes in einzelne Spülgebiete. In Bild 5<br />

sind zwei Spülschritte des Spülplans dargestellt. Dabei<br />

ist der im nächsten Spülschritt zu reinigende Netzabschnitt<br />

orangefarben markiert, während <strong>die</strong> im vorangegangenen<br />

Spülschritt gereinigten Leitungen blau<br />

gekennzeichnet sind.<br />

Die Einspeisung in das Versorgungsgebiet erfolgte<br />

aus dem <strong>Wasser</strong>werk (roter Punkt) über eine Leitung mit<br />

DN 200. Mit zunehmender Entfernung zu <strong>die</strong>ser Hauptversorgungsleitung<br />

war eine abnehmende Strömungsgeschwindigkeit<br />

aufgrund sinkender Volumenströme<br />

durch Verzweigungen und Verbraucher zu verzeichnen.<br />

Für <strong>die</strong>se Leitungen ist folglich mit einem höheren Potenzial<br />

<strong>für</strong> Ablagerungen partikulärer <strong>Wasser</strong>inhaltsstoffe<br />

zu rechnen.<br />

Da im Beispielnetz Rohrdurchmesser bis 253 mm auftraten,<br />

war fraglich, ob eine ausreichende Reinigungswirkung<br />

durch das „Spülen mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ erzielt<br />

werden konnte. Die bei den Spülungen erreichten<br />

Volumenströme waren jedoch ausreichend hoch, um<br />

<strong>die</strong> in den Rohrleitungen vorhandenen Ablagerungen<br />

zu entfernen. Dies kann exemplarisch an dem in Bild 6<br />

dargestellten Verlauf der Spülwassertrübung mit Bezug<br />

zum Ort der Mobilisierung gezeigt werden.<br />

Mit Beginn der Spülung wurde <strong>die</strong> Durchflussrate im<br />

zu reinigenden Abschnitt erhöht und betrug 41 m³/h, was<br />

einer Strömungsgeschwindigkeit von 1,4 m/s entsprach.<br />

Daraus resultierte eine Mobilisierung der in den Straßen<br />

1 und 2 befindlichen Ablagerungen. Da Straße 3<br />

bereits im vorangegangenen Spülschritt gereinigt<br />

worden war, wurden in <strong>die</strong>sem Bereich kaum noch<br />

Ablagerungen mobilisiert und über den Spülhydranten<br />

ausgetragen. Folglich sank <strong>die</strong> Spülwassertrübung kurz<br />

nach Erreichen der erwarteten Mindestspüldauer auf<br />

einen nicht mehr wahrnehmbaren Wert von < 5 FNU.<br />

Dass mit der erreichten Durchflussrate ein guter<br />

Reinigungserfolg erzielt werden konnte, ist nicht nur<br />

anhand des in Bild 6 dargestellten Verlaufs der Trübungswerte<br />

belegt, sondern lässt sich auch durch eine<br />

Betrachtung von Wandschubspannung und Dicke der<br />

laminaren Grenzschicht erkennen. So beträgt <strong>die</strong> Wandschubspannung<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> DN 100-Leitungen bei der täglichen<br />

maximalen hydraulischen Belastung von 1,0 m 3 /h<br />

unter der Annahme einer Oberflächenrauheit von 0,1 mm<br />

und einer <strong>Wasser</strong>temperatur von 10 °C nur 0,007 N/m 2 .<br />

An der Rohrwand beträgt <strong>die</strong> Dicke der laminaren<br />

Grenzschicht ca. 7 mm (vgl. Bild 2). Die während der<br />

Spülung erreichte Durchflussrate von etwa 40 m 3 /h<br />

resultiert dagegen in einer Wandschubspannung von<br />

5,5 N/m 2 . Bei <strong>die</strong>sen Strömungsbedingungen beträgt<br />

<strong>die</strong> Dicke der laminaren Grenzschicht lediglich 0,2 mm.<br />

D. h., dass partikuläre Ablagerungen mit einer Mächtigkeit<br />

von mehr als 0,2 mm während der Spülung mobilisiert<br />

werden und dass das minimale Ablagerungsniveau<br />

nur 0,2 mm beträgt. Wie anhand von Bild 2 zu erkennen,<br />

würde eine weitere Erhöhung der Durchflussrate<br />

zu keiner verbesserten Reinigungsleistung führen, da <strong>die</strong><br />

Dicke der laminaren Grenzschicht bei <strong>die</strong>sen Strömungsbedingungen<br />

kaum mehr mit zunehmendem Volumenstrom<br />

abnimmt. Durch <strong>die</strong> höhere Strömungsgeschwindigkeit<br />

käme es lediglich zu einer Verkürzung der Spüldauer.<br />

Die Spülwassermenge würde sich nicht ändern.<br />

In stärker inkrustierten Leitungen sind <strong>die</strong> hydraulischen<br />

Bedingungen durch <strong>die</strong> unregelmäßig geformte<br />

Oberfläche komplexer, als in <strong>die</strong>ser Modellvorstellung.<br />

Dennoch gilt, dass das potenziell <strong>für</strong> Ablagerungen zur<br />

Verfügung stehende Volumen an der Rohrwand, welches<br />

durch laminare oder stagnierende Bedingungen<br />

charakterisiert wird, mit Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit<br />

im Rohr deutlich abnimmt.<br />

Die Spülvolumenströme waren auch <strong>für</strong> alle anderen<br />

Leitungsabschnitte ausreichend hoch, um Ablagerungen<br />

zu mobilisieren und auszutragen. Die aus der Trübungs-<br />

September 2014<br />

982 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


<strong>Wasser</strong>versorgung | FACHBERICHTE |<br />

messung resultierende Spüldauer entsprach stets in etwa<br />

der erwarteten Mindestspüldauer, was als Nachweis <strong>für</strong><br />

eine korrekte Durchführung (Schieber stellungen) der Spülungen<br />

mit klarer <strong>Wasser</strong>front angesehen werden konnte.<br />

Für den Austrag der mobilisierten Ablagerungen war demzufolge<br />

das Mindestspülvolumen ausreichend, wodurch<br />

sich <strong>die</strong> Effizienz <strong>die</strong>ses Spül verfahrens bestätigen ließ.<br />

7. Zusammenfassung und Ausblick<br />

Für <strong>die</strong> Entfernung von Ablagerungen aus <strong>Wasser</strong>verteilungsnetzen<br />

wurde ein besonders effektives und<br />

effi zientes Verfahren zur Rohrnetzreinigung – das „Spülen<br />

mit klarer <strong>Wasser</strong>front“ – vorgestellt und erläutert. Es<br />

wurde gezeigt, wie Spülzeiten deutlich verkürzt, <strong>Wasser</strong>verbräuche<br />

gesenkt, Einträge mobilisierter Ablagerungen<br />

aus vorgelagerten Netzabschnitten vermieden, höhere<br />

Strömungsgeschwindigkeiten erzielt und folglich eine<br />

bessere Reinigungsleistung erreicht werden kann.<br />

Bedingt durch <strong>die</strong> hydraulischen Verhältnisse im<br />

Verteilungsnetz und durch <strong>die</strong> verschiedenen Pfade und<br />

Prozesse des Partikeleintrags bilden sich Ablagerungen<br />

jedoch räumlich verteilt unterschiedlich schnell und mit<br />

unterschiedlicher Mächtigkeit aus. Für Rohrnetzspülungen<br />

ist folglich zusätzlich zu berücksichtigen, dass ablagerungsanfällige<br />

Netzabschnitte häufiger gespült werden<br />

müssen als sich langsamer verschmutzende, um Mobilisierungen<br />

von Ablagerungen und daraus resultierende<br />

Braunwasserereignisse beim Verbraucher zu vermeiden.<br />

Jedoch basiert <strong>die</strong> Reinigung von Verteilungsnetzen<br />

in den meisten Versorgungsgebieten bislang hauptsächlich<br />

auf regelmäßigen Endstrangspülungen, da in<br />

<strong>die</strong>sen Leitungsabschnitten aufgrund niedriger Strömungsgeschwindigkeiten<br />

ein hohes Ablagerungspotenzial<br />

besteht. Bei <strong>die</strong>ser Vorgehensweise bleiben jedoch <strong>die</strong><br />

transportierten Frachten unberücksichtigt. Um Ort und<br />

Menge von Ablagerungen in Verteilungsnetzen genauer<br />

bestimmen und Aussagen darüber treffen zu können,<br />

welche Leitungsabschnitte häufiger (bei inten siver<br />

Ausbildung von Ablagerungen) und welche seltener (geringere<br />

Ausbildung von Ablagerungen) gespült werden<br />

müssen, bedarf es Kenntnissen zum Partikel transport<br />

und zur Ablagerungsbildung.<br />

In einer zweiten Veröffentlichung wird daher eine<br />

Stu<strong>die</strong> zur modellgestützten Untersuchung und Beschreibung<br />

von Partikeltransport und Ablagerungsbildung<br />

vorgestellt werden. Deren Ziel war, auf Grundlage der<br />

Erkenntnisse zu Partikeleintrag und transport sowie zur<br />

Ablagerungsbildung einen optimierten Spülplan zu erstellen,<br />

um <strong>die</strong> Ablagerungen durch gezielte Spülungen<br />

effektiv beseitigen und deren Mobilisierung vermeiden<br />

zu können und somit zur Verringerung potenzieller Risiken<br />

<strong>für</strong> <strong>die</strong> Trinkwasserqualität beizutragen.<br />

Literatur<br />

[1] Bollrich, G.: Technische Hydromechanik 1, 5. Auflage. Verlag<br />

Bauwesen, Berlin, 2000.<br />

[2] Boxall, J. B. and Saul, A. J.: Modeling Discoloration in Potable<br />

Water Distribution Systems. J. Environ. Eng. 131 (2005) No. 5,<br />

p. 716–725.<br />

[3] Ripl, K. und Uhl, W.: Minimierung sedimentbürtiger Gütebeeinträchtigungen<br />

durch modellgestützten Rohrnetzbetrieb.<br />

Entwicklung eines Transportmodells <strong>für</strong> amorphe Verbindungen.<br />

Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben 02WT0619<br />

des Bundesministeriums <strong>für</strong> Bildung und Forschung, 2010.<br />

[4] Bohl, W.: Technische Strömungslehre. 12. Ausgabe. Vogel<br />

Buchverlag, Würzburg, 2001.<br />

[5] Blokker, E. J. M., Vreeburg, J. H. G., Schaap, P. G. and van Dijk,<br />

J. C.: The self-cleaning velocity in practice. Proc. of conf. “<br />

Water Distribution System Analysis 2010”, Tucson, Arizona,<br />

Ver einigte Staaten, 12.–15. Sept., 2010.<br />

[6] Slaats, P. G. G., Rosenthal, L. P. M., Siegers, W. G., van den<br />

Boomen, M., Beuken, R. H. S. and Vreeburg, J. H. G.: Processes<br />

Involved in the Generation of Discolored Water. Am. Water<br />

Works Ass. Res. Found, 2003. Res. Rep. #90966F.<br />

[7] Vreeburg, J. H. G. and Boxall, J. B.: Discolouration in potable<br />

water distribution systems: A review. Wat. Res. 41 (2007) No. 3,<br />

p. 519–529.<br />

[8] W 400-1: Technische Regeln <strong>Wasser</strong>verteilungsanlagen<br />

(TRWV). Teil 1: Planung. Deutscher Verein des Gas- und<br />

<strong>Wasser</strong>faches, Bonn, 2004.<br />

[9] EPA: Water Distribution System Analysis: Field Stu<strong>die</strong>s,<br />

Modeling and Management. United States Environmental<br />

Protection Agency, 2005. http://nepis.epa.gov/Adobe/<br />

PDF/2000D2C2.pdf (getestet am 24.02.2013).<br />

[10] W 400-3: Technische Regeln <strong>Wasser</strong>verteilungsanlagen<br />

(TRWV). Teil 3: Betrieb und Instandhaltung. Deutscher Verein<br />

des Gas- und <strong>Wasser</strong>faches, Bonn, 2006.<br />

[11] W 291: Reinigung und Desinfektion von <strong>Wasser</strong>verteilungsanlagen.<br />

Deutscher Verein des Gas- und <strong>Wasser</strong>faches, Bonn,<br />

2000.<br />

[12] TrinkwV 2001: Verordnung über <strong>die</strong> Qualität von <strong>Wasser</strong> <strong>für</strong> den<br />

menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung – TrinkwV<br />

2001). Bundesgesetzblatt 61 (2011) Nr. 1, S. 2370–2396.<br />

Autoren<br />

Dr.-Ing. Irene Slavik |<br />

Korrespondenzautorin |<br />

E-Mail: irene.slavik@tu-dresden.de |<br />

Dipl.-Ing. Klaus Ripl<br />

E-Mail: klaus.ripl@web.de |<br />

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Uhl<br />

E-Mail: wolfgang.uhl@tu-dresden.de |<br />

Professur <strong>Wasser</strong>versorgung |<br />

Institut <strong>für</strong> Siedlungs- und<br />

Industriewasserwirtschaft |<br />

Technische Universität Dresden |<br />

D-01062 Dresden<br />

Eingereicht: 23.04.2014<br />

Korrektur: 14.07.2014<br />

Im Peer-Review-Verfahren begutachtet<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 983


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

Trinkwasserversorgung<br />

Bewertung von Trinkwasserversorgungsnetzen<br />

– neue Kennzahlen:<br />

Systemindex Trinkwassernetz (SIT)<br />

und Nachhaltigkeitsindex (I N )<br />

Trinkwasserversorgung, Trinkwasserversorgungsnetz, Kennzahl, Bewertung, Nachhaltigkeit<br />

Lars Tennhardt<br />

Die nachhaltige Bewirtschaftung von Versorgungsnetzen<br />

spielt unter dem zunehmenden Kostendruck auf<br />

<strong>die</strong> Versorgungswirtschaft eine essenzielle Rolle. Eine<br />

fehlerhafte Einschätzung des Netzzustandes und unzureichende<br />

Investitionen werden durch <strong>die</strong> Langlebigkeit<br />

der Netze erst in der Zukunft sichtbar. Ein<br />

aufgelaufener Investitionsstau bei einem schlechteren<br />

Netzzustand führt zu erhöhten Betriebskosten,<br />

Qualitätsbeeinträchtigungen bis hin zur Gefährdung<br />

der Versorgungssicherheit und ist nur mittelfristig<br />

mit hohem finanziellen Aufwand zu beheben. Die<br />

hier vorgestellte, neue Methode ermöglicht es,<br />

1. den Netzzustand anhand etablierter Kennzahlen<br />

zu beschreiben, um<br />

2. mit den aktuellen Rehabilitationsraten <strong>die</strong> Nachhaltigkeit<br />

bzw. mittelfristige Entwicklung des<br />

Netzzustandes beurteilen zu können, damit<br />

3. in Abhängigkeit von der zukünftigen, gewünschten<br />

Entwicklung des Netzzustandes das benötigte<br />

Investitionsbudget abgeschätzt werden kann.<br />

Assessment of Drinking Water Distribution Networks<br />

– new Performance Indicators: System Index “Drinking<br />

Water Distribution Network” (SIT) and “Sustain ability<br />

Index” (I N )<br />

The sustainable management of Drinking Water Distribution<br />

Networks (DN) is of utmost importance especially<br />

due to today’s increasing cost pressure. Since<br />

the DN have a long life cycle, mistakes in estimation<br />

of the networks’ state and under investment will only<br />

be recognized in the future. Insufficient investment<br />

in a deficient network will cause increased costs of<br />

operation, deterioration of water quality and increased<br />

risks for the water supply. Such a situation is only<br />

remediable in the long or medium-term and through<br />

large expenditures. The new procedure proposed in<br />

this paper makes it possible<br />

1. to describe the current state of the DN using established<br />

performance indicators<br />

2. in order to use the current condition and rehabilitation<br />

rates to forecast the medium-term sustainability<br />

3. to then be able estimating the investment budget<br />

required to meet the target development of the<br />

state of the network.<br />

1. Beschreibung des Netzzustandes –<br />

Systemindex Trinkwassernetz (SIT)<br />

Der Systemindex Trinkwassernetz (SIT) als eine neue,<br />

aggregierte Kennzahl beschreibt den Zustand eines<br />

Trinkwassernetzes mittels einiger bereits etablierter<br />

Kennzahlen (hier: Teilkennzahlen) und kann bei einer<br />

netzübergreifenden Festlegung der Gewichtungsfaktoren<br />

und bei Anerkennung einheitlicher Definitionen <strong>für</strong><br />

einen Vergleich des Anlagegutes „Trinkwassernetz“ zwischen<br />

unterschiedlichen Versorgern genutzt werden. Er<br />

bietet ebenso <strong>die</strong> Möglichkeit, ein auf das spezielle<br />

Versorgungsgebiet samt gegebenen Randbedingungen<br />

angepasstes Monitoring aufzubauen, gegebenenfalls<br />

unter Nutzung von unternehmensindividuellen Gewichtungsfaktoren.<br />

Innerhalb des Monitorings kann ein<br />

Trend zur Netzzustandsveränderung schnell erkannt<br />

und darauf reagiert werden. Für eine Ursachenermittlung<br />

sind jedoch stets <strong>die</strong> <strong>für</strong> den Trend verantwortlichen<br />

Teilkennzahlen zu untersuchen, da <strong>die</strong> Ursachen<br />

unter Umständen auch außerhalb des eigentlichen<br />

Netzzustandes liegen können.<br />

1.1 Teilkennzahlen des Systemindexes<br />

Trinkwassernetz<br />

Der Systemindex Trinkwassernetz setzt sich aus<br />

folgenden, <strong>für</strong> den Zustand bzw. <strong>die</strong> Qualität<br />

September 2014<br />

984 <strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong>


Trinkwasserversorgung | FACHBERICHTE |<br />

eines Trinkwassernetzes relevanten Teilkennzahlen<br />

zusammen:<br />

a. <strong>Wasser</strong>verluste (beschrieben durch den<br />

Infra structure Leakage Index (ILI))<br />

b. Schadensrate an Transport-, Haupt- und<br />

Versorgungsleitungen (THuVL)<br />

c. Schadensrate an Anschlussleitungen (AL)<br />

d. Schadensrate an Armaturen (AR)<br />

e. Braunwasserrate (Braunwassermeldungen<br />

je 100 km Gesamtnetz)<br />

f. Grenzwertüberschreitungen nach Trinkwasserverordnung<br />

Auf <strong>die</strong> Implementierung von Druckmangel als Teilkennzahl<br />

zur Beschreibung des Netzzustandes wurde<br />

verzichtet, da <strong>die</strong>s lediglich den Komfort der Benutzung<br />

einschränkt. Bei der Bereitstellung von Löschwasser<br />

über das Trinkwassernetz wäre Druckmangel relevant,<br />

wird aber hier wegen der sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen<br />

bei den einzelnen Versorgern nicht<br />

betrachtet.<br />

Die Datenerhebung und Berechnung der Kennzahlen<br />

erfolgt bezogen auf ein Jahr – i. d. R. das Kalenderjahr.<br />

Tabelle 1. Bewertung des ILI-Äquivalenzwertes nach<br />

neuem DVGW-Arbeitsblatt W 392 ([1], Tabelle 2).<br />

ILI äq<br />

Bewertung<br />

< 1,0 gering (Daten prüfen)<br />

< 1,5 gering<br />

1,5 bis < 2,5 mittel<br />

2,5 bis < 3,5 hoch<br />

≥ 3,5<br />

sehr hoch<br />

1.1.1 <strong>Wasser</strong>verluste<br />

Die realen <strong>Wasser</strong>verluste werden nach dem neuen<br />

DVGW-Arbeitsblatt W 392 (Gelbdruck, vgl. [1]) über eine<br />

<strong>Wasser</strong>verlustbilanzierung ermittelt und anhand der relevanten<br />

Netzparameter (Anzahl und Länge der Anschlussleitungen,<br />

mittlerer Netzdruck) als Infrastructure<br />

Leakage Index (ILI) beschrieben. Um <strong>die</strong> Vergleichbarkeit<br />

von Versorgern auch mit unterschiedlich hohen<br />

Netzeinspeisemengen herzustellen, wird <strong>für</strong> <strong>die</strong> Ermittlung<br />

des SIT der normierte ILI als ILI-Äquivalenzwert<br />

(ILI äq ) in <strong>die</strong> Berechnung eingebracht [1]. Hierbei ist von<br />

jedem Anwender je nach den im Versorgungsgebiet<br />

gegebenen Verhältnissen entweder der ILI oder bei<br />

schnell sichtbar werdenden Schäden (schnelles „Hochkommen“<br />

des <strong>Wasser</strong>s bei z. B. Sandboden) der spezielle<br />

ILI (ILI spez ) anzuwenden.<br />

Eine Bewertung mit dem Äquivalenzwert des spe zifischen<br />

realen <strong>Wasser</strong>verlustes (q VR,äq ) wäre ebenfalls<br />

möglich. Aufgrund der Berücksichtigung von mehr<br />

netzspezifischen Strukturparametern und der damit<br />

besseren Eignung des ILI als Kennzahl <strong>für</strong> <strong>die</strong> <strong>Wasser</strong>verluste,<br />

wird <strong>die</strong>se Variante aber nicht weiter verfolgt.<br />

Die Bewertung des ILI-Äquivalenzwertes erfolgt<br />

nach Tabelle 2 des neuen DVGW-Arbeitsblattes W 392<br />

(Gelbdruck, [1]) und ist in Tabelle 1 dargestellt.<br />

1.1.2 Schadensrate an Transport-, Haupt- und<br />

Versorgungsleitungen (SR THuVL )<br />

Die Schadensrate an Transport-, Haupt- und Versorgungsleitungen<br />

(SR THuVL ) ist definiert als Anzahl der Schäden an<br />

Transport-, Haupt- und Versorgungsleitungen geteilt durch<br />

<strong>die</strong> Gesamtlänge <strong>die</strong>ser Leitungen. Da Transportleitungen<br />

i. d. R. außerhalb des Versorgungsgebietes liegen, wird<br />

empfohlen, sie nur dann zu berücksichtigen, wenn <strong>die</strong>se<br />

in Analogie zum neuen DVGW-Arbeitsblatt W 392 [1]<br />

zum Bilanzierungsgebiet des Trinkwassernetzes gehören.<br />

Die Bewertung der Schadensrate ist aus Tabelle 2 ersichtlich<br />

und erfolgt nach DVGW-Arbeitsblatt W 400-3 [2].<br />

Ungenauigkeiten bei der Zustandsbewertung über<br />

<strong>die</strong> Schadensrate ergeben sich einerseits durch <strong>die</strong> typische<br />

Badewannenkurve der Schadensentwicklung an<br />

jungen Leitungen bedingt durch Einbau- oder Materialfehler<br />

und andererseits durch <strong>die</strong> unterschiedlichen<br />

Schadensraten an Transport- und Hauptleitungen<br />

(TuHL), <strong>die</strong> gewöhnlich deutlich weniger Schäden<br />

aufweisen als <strong>die</strong> Versorgungsleitungen (VL). Für eine<br />

Fortentwicklung des SIT wäre eine Differenzierung<br />

zwischen TuHL und VL sinnvoll, wenn zukünftig auch im<br />

DVGW-Regelwerk bei Schadensraten zwischen TuHL<br />

und VL differenziert werden würde. Da einige Versorger<br />

bisher nicht zwischen Schäden an TuHL und VL unterscheiden,<br />

wird vorerst nur <strong>die</strong> Gesamtschadensrate an<br />

THuVL in den SIT implementiert.<br />

Tabelle 2. Bewertung von Schadensraten an Haupt- und Versorgungsleitungen in Rohrnetzen nach DVGW-Arbeitsblatt<br />

W 400-3 [2].<br />

Bereiche<br />

Schadensraten (Schäden mit <strong>Wasser</strong>austritt; ohne Armaturen)<br />

Haupt- und Versorgungsleitungen (Schäden<br />

je km und Jahr)<br />

Niedrige Schadensrate ≤ 0,1 ≤ 5<br />

Mittlere Schadensrate > 0,1 bis ≤ 0,5 > 5 bis ≤ 10<br />

Hohe Schadensrate > 0,5 > 10<br />

Anschlussleitungen (Schäden je<br />

1000 Anschlüsse und Jahr)<br />

September 2014<br />

<strong>gwf</strong>-<strong>Wasser</strong> <strong>Abwasser</strong> 985


| FACHBERICHTE<br />

|<br />

Trinkwasserversorgung<br />

1.1.3 Schadensrate an Anschlussleitungen (SR AL )<br />

Die Schadensrate an (Haus-) Anschlussleitungen (SR AL )<br />

ist definiert als Anzahl der Schäden an Anschlussleitungen<br />

je 1000 Anschlussleitungen.<br />

Die Bewertung der Schadensrate an Anschlussleitungen<br />

erfolgt ebenfalls nach DVGW-Arbeitsblatt<br />

W 400-3 [2] (vgl. Tabelle 2).<br />

Ungenauigkeiten beim Vergleich verschiedener Versorger<br />

können sich durch unterschiedliche Eigentumsverhältnisse<br />

und Entscheidungsbefugnisse ergeben.<br />

Liegt <strong>die</strong> gesamte Anschlussleitung im Eigentum bzw.<br />

der Entscheidungsbefugnis zur Rehabilitation beim Versorger,<br />

ergibt sich nur eine Schadens- und Rehabilitationsrate.<br />

Ist der Versorger nur im öffentlichen Straßenland<br />

Eigentümer bzw. zur Rehabilitation entscheidungsbefugt<br />

und liegt der Anteil der Anschlussleitung auf<br />

Privatgrund in der Verantwortung des Kunden, ergeben<br />

sich i. d. R. unterschiedliche Schadens- und Rehabilitationsraten.<br />

Der Versorger hat hierbei nur <strong>für</strong> den Anteil<br />

im öffentlichen Straßenland <strong>die</strong> Möglichkeit, den Netzzustand<br />

durch Rehabilitation entscheidend zu verbessern.<br />

Für den Anteil auf Privatgrund wird der Kunde eher<br />

eine Reparatur als eine kostspieligere Rehabilitation<br />

bevorzugen. Deutlich wird <strong>die</strong>ses Verhalten z. B. beim<br />

Austausch von alten Bleihausanschlüssen.<br />

Da beim SIT der Fokus auf den Netzzustand gelegt<br />

wird (unabhängig der Entscheidungsbefugnis des Versorgers),<br />

sollte <strong>die</strong> Schadensrate der gesamten Anschlussleitung<br />

bei der Berechnung verwendet werden.<br />

1.1.4 Schadensrate an Armaturen (SR AR )<br />

Die Schadensrate an Armaturen (SR AR ) ist definiert als<br />

Anzahl der Schäden an Absperrarmaturen und Hydranten<br />

je 1000 Stück und wird nach neuem Beiblatt<br />

W 400-3-B1 (Gelbdruck, vgl. [3]) zum DVGW-Arbeitsblatt<br />

W 400-3 [2] bewertet (siehe Tabelle 3).<br />

Tabelle 3. Bewertung von Schadensraten an Absperrarmaturen<br />

nach Beiblatt W 400-3-B1 [3] zum DVGW-<br />

Arbeitsblatt W 400-3 [2].<br />

Bereiche<br />

niedrig ≤ 5<br />

mittel > 5 bis ≤ 15<br />

hoch/<br />

unbekannt<br />

Schadensrate an Absperrarmaturen und<br />

Hydranten (Schäden je 1000 Stück und Jahr)<br />

> 15<br />

Tabelle 4. Bewertung der Braunwasserrate.<br />