Futterhygiene als Erfolgsfaktor

Bino15

02Z030068, P.b.b.

Verlagspostamt 1200 Wien, DVR-Nr.0956015

Ausgabe Österreich 1/2014

Futterhygiene als

Erfolgsfaktor

www.schweine.at


Ausgabe Österreich 1/2014

13

Eiweißalternativen

... Versuche zur Erhöhung des

Selbstversorgungsgrades mit

heimischen Alternativen ...

22

Futterhygiene

... Weltweit verderben jährlich

2 Milliarden Tonnen Getreide ...

03 Inhalt

04 Leitartikel

05 Kommentar

06 Interview BM Rupprechter

08 Marktanalyse

09 Mit dem Rüssel in Brüssel

10 Nachruf

11 Recht & Politik

13 Fütterung Eiweißalternativen

16 Schweinevermarktung

26

Elektronische Ohrmarke

... das Projekt „Elektronische Ohrmarke

in der Schweinehaltung““

zieht immer weitere Kreise ...

29

Afrikanische Schweinepest

... hat Ende Jänner Litauen und vor

wenigen Wochen nun auch Polen

erreicht ...

18 AMA

20 Management

NEU!

22 Futterhygiene

26 Elektronische Ohrmarke

28 Besamungsstationen

29 Afrikanische Schweinepest

32 Genial regional

34 Rezept-Tipp & Rätsel-Stall

35 Berichte

32

Genial regional

... eine Woche ausschließlich

regionale Lebensmittel essen ...

34

Rezept-Tipp

... Fleisch-Gemüsestrudel als

Kochtipp mit Mengenangaben

und Zubereitungsanleitung ...

IMPRESSUM

Herausgeber u. Verleger: Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/33417 21 DW31,

E-Mail: office@schweine.at - IBAN-Nr. AT 71 3200 0000 0384 2333, BIC-Nr.: RLNWATWW

Für den Inhalt verantwortlich: DI Alexandra Kreuzer, VÖS-Geschäftsführerin. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge

geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder der Herausgeber wieder.

Grafik und Satz, Layout: Mag. Heinz u. Susanne Ebner GmbH, Sandwirtgasse 9/6, 1060 Wien, E-Mail: ebner@fresco.at

Ständige Autoren: Dr. Peter Knapp, Dr. Johann Schlederer, DI Johann Stinglmayr, Hans Peter Bäck, Ing. Franz Strasser

Anzeigen: Regina Söncksen, Dresdnerstr. 89/ 5. Stock, 1200 Wien, Tel. 01/334 17 21 DW31

Druck: Leykam Druck GmbH&CoKG, Bickfordstr.21, 7201 Neudörfl

Titelfoto: EZG Gut Streitdorf

Mit freundlicher Unterstützung von

1 2014 | Inhalt | 3


Kurt Tauschmann

VÖS-ObmannStv.

Nichts ist so beständig

wie die Veränderung

Als Vorsitzender des VÖS Marketing Ausschusses ist es mir eine Freude,

Ihnen in dieser Ausgabe des VÖS Magazins unser neues VÖS Logo

sowie die Auffrischung unserer Zeitung vorstellen zu dürfen.

Schon lange haben wir überlegt dem VÖS

einen frischeren Auftritt zu verpassen

und somit wurde in den Ausschüssen

beratschlagt und Ende November über

ein neues Logo abgestimmt. Ebenso wurde

die Gestaltung des Magazins überarbeitet.

Ich hoffe sie können sich in dieser

Ausgabe davon überzeugen, dass sich

unsere Arbeit ausgezahlt und das Magazin

durch die Anpassungen nun ein frischeres

Aussehen erlangt hat.

Neues Logo und Homepage

Das neue Logo des VÖS soll für einen zeitgemäßen

Auftritt des Verbandes sorgen.

Die gewählten Farbkombinationen und

die Klarheit der Formen sollen eine aktive,

moderne und dennoch bodenständige

Interessensgemeinschaft aller österreichischen

Schweinebauern darstellen.

Auch die VÖS Homepage ist leider in die

Jahre gekommen und wird im Laufe des

Jahres neu gestaltet und mit aktuellen

Inhalten gefüllt werden.

Öffentlichkeitsarbeit

immer wichtiger

In der Vergangenheit haben wir uns ständig

an den Markt anpassen müssen. Auflagen

in Sachen Tierschutz und der ständige

Preisdruck haben nicht nur in Österreich

die Strukturen in der Schweinehaltung

massiv verändert. Kleinere Betriebe

schließen auf Grund ständig steigender

Auflagen ihre Stalltür für immer. Andere

Betriebe wachsen, und bekommen

dadurch gesellschaftlich sehr oft große

Probleme. In der Vergangenheit war es

aber der Öffentlichkeit relativ egal, wo

und wie wir Schweine gefüttert und

gehalten haben. Dies hat sich aber gerade

in letzter Zeit verändert. Von Tierschützern

werden Bilder gemacht und veröffentlicht,

die nicht den Tatsachen einer

modernen Nutztierhaltung entsprechen.

Aber sie haben es trotzdem erreicht, dass

über unsere Tierhaltung gesprochen und

diskutiert wird. Mittlerweile sind wir

schon so weit, dass sehr oft eine sachliche

4 | Leitartikel | 1 2014


Diskussion bzw. Berichterstattung gar

nicht mehr möglich ist. Wir brauchen aber

trotzdem die Öffentlichkeit, um die heutige

Form der modernen Landwirtschaft ins

richtige Licht zu rücken.

Für die Zukunft gibt es von uns Forderungen

an die Politik, vernünftige Rahmenbedingungen

zu schaffen, um die heimische

Versorgung an Schweinefleisch abzusichern.

Das sind zum einen klare Richtlinien

bei Baugenehmigungen. Mir sind

deutliche und zum Teil auch strengere

Richtlinien lieber, als welche die nur Geld,

Zeit und auch Nerven kosten.

Investitionsförderung

Im Zuge der Programmerstellung zur Ländlichen

Entwicklung 2014-2020 werden auch

die Rahmenbedingungen der Investitionsförderung

neu formuliert. Folgende Darstellung

der österreichischen Schweinebranche sowie

die Forderungen des VÖS in Bezug auf die

Investitionsförderung wurden den politischen

Entscheidungsträgern übermittelt.

Ausgangssituation

Wegen verpflichteter Umbaumaßnahmen in

Richtung mehr Tierschutz (Gruppenhaltung),

ständige Verunsicherung durch Tierschutzaktivisten

und zunehmend schwächer werdender

Rechtssicherheit bei der Errichtung und Betreibung

von Schweinestallungen, haben in den

letzten 3 Jahren mehr als 4.000 Betriebe mit

mehr als 30.000 Zuchtsauenplätzen und über

75.000 Mastplätzen die Stalltür für immer

geschlossen. Dieser Prozess setzt sich leider

nach wie vor fort.

Österreich hat eine gute Verarbeitungswirtschaft

und eine hohe Nachfrage nach regionalem

Schweinefleisch Mit der derzeitigen Entwicklung

laufen wir Gefahr, diesen heimischen

Erfolgsweg zu gefährden.

Unsere Schlachthöfe benötigen mehr Schweine

zur Abdeckung von Regionalprogrammen und

des AMA Gütesiegels bzw. SUS Programmes.

Notwendige Investitionen

Wegen immer höherer Ansprüche der Gesellschaft

in Richtung Tierwohl und Umweltschutz

müssen vermehrt Investitionen vorgenommen

werden. Um die Stallungen tierschutzkonform

und am letzten Stand der

Technik zu halten, müssen jährlich mind. 3%

bis 5% der Stallungen um- oder neu gebaut

werden. Das bedeutet, dass in Österreich jährlich

ca. 10.000 Zuchtsauenplätze und ca.

Zum anderen brauchen wir eine vernünftige

Investitionsförderung, um einen Anreiz

zu schaffen, nicht nur um zu wachsen,

sondern auch um zu modernisieren. (siehe

Kasten unten)

Wir müssen in Zukunft die Bevölkerung

davon überzeugen, dass moderne Landwirtschaft

und moderne Nutztierhaltung

keinen Widerspruch zum Tierschutz darstellen.

Wir Bauern gehen jeden Tag in

unseren Stall, und betreuen unsere Tiere

bestmöglich. Denn nur wenn sich unsere

Schweine im Stall wohlfühlen, bringen sie

uns auch wirtschaftlichen Erfolg.

50.000 Mastschweineplätze um- oder neugebaut

werden müssten.

Die besondere Unterstützung von bäuerlichen

Schweinebetrieben mit kleinerer Flächenausstattung

und von Jungunternehmern

ist ein Gebot der Stunde, um auch weiterhin

den Produktionsstandort und die Wertschöpfung

in Österreich abzusichern.

Investitionsförderung

• Der VÖS tritt für eine Förderung der bäuerlichen

Betriebe - egal welcher Rechtsform - ein.

• Die gesamten Investitionsfördermittel sollen

nach der Wertschöpfung der Sparten aliquot

aufgeteilt werden.

• Die Investitionsförderung muss die gesamte

Periode über zur Verfügung stehen.

• Keine Flächenbindung: geförderte Betriebe

können ihren Wirtschaftsdünger-Anfall

auch über Gülleverträge verwerten.

• Die max. förderbare Investitionssumme

muss mindestens € 400.000,— betragen.

• Bei Betriebsaussiedlungen entstehen enorme

Kosten. Für diese Fälle ist eine deutlich

höhere Investitionssumme vorzusehen.

• Die Höhe des Fördersatzes soll mind. 30%

betragen. Zuschläge sollen unter bestimmten

Voraussetzungen möglich sein:

- Zuschläge von mind. 5% für Jungübernehmer

- Zuschläge von mind. 5% bei emissionsmindernden

Maßnahmen

- Zuschläge von mind. 10% bei der Umsetzung

von besonders tierfreundlichen

Haltungen

• Die neuen Abferkelbuchten und das neue

Deckzentrum müssen als besonders tierfreundliche

Haltungen gelten.

• Bei der Ausarbeitung der von der EU geforderten

projektbezogenen Beurteilung von

Stallbauvorhaben müssen spezialisierte

Bauberater der Kammern und der VÖS eingebunden

werden.

• AIK Freigabe soll parallel mit der Projektfreigabe

erfolgen.

DI Alexandra Kreuzer

VÖS-Geschäftsführerin

LE2020- Schlussphase

Mitte Februar fand in Wien ein Dialogtag

zur Programmerstellung der Ländlichen

Entwicklung 2014-2020 statt.

Dabei wurde der aktuelle Stand des

Programmes sowie konkrete Maßnahmenbeschreibungen

von den Fachexperten

des Lebensministeriums und

Bundesminister Andrä Rupprechter

vorgestellt und diskutiert.

Ein wichtiges Ziel der LE wird die verstärkte

Förderung von Klimaschutzmaßnahmen

und Innovationen im

ländlichen Raum sein. Ebenso die

Unterstützung der Bergbauern durch

Ausgleichszahlungen für benachteiligte

Gebiete, das Agrarumweltprogramm

ÖPUL sowie Investitions- und Bildungsmaßnahmen

werden zentrale Elemente

darstellen.

Nach der Diskussion des Programmentwurfes

im Parlament und der voraussichtlichen

Fertigstellung im März,

muss der Entwurf der EU-Kommission

zur Genehmigung vorgelegt werden.

Dieser Prozess wird bis zum Herbst

abgeschlossen sein.

Lesen sie auf den folgenden Seiten das

Interview mit Bundesminister Rupprechter,

in dem er sich neben der Ländlichen

Entwicklung zu verschiedenen

Themen äußert.

©Foto Weinwurm

1 2014 | Kommentar | 5


Für ein intelligentes und

nachhaltiges Management

Andrä Rupprechter wurde am 31.05.1961 in Brandenberg, Tirol geboren. Er

gilt als Experte für landwirtschaftliche Belange und war im Agrarbereich

sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene langjährig in

leitenden Positionen tätig, ehe er im Dezember 2013 das Amt des Bundesministers

für Land-, Forst-, Umwelt und Wasserwirtschaft übernahm.

Im folgenden Interview steht uns der neue Bundesminster Rede und Antwort

zu wichtigen Fragestellungen rund um die Schweinebranche.

BM Andrä Rupprechter im Interview.

Foto: BMLFUW

Was sind Ihre Ziele und Arbeitsschwerpunkte

für diese Legislaturperiode?

Mein Ziel ist ein lebenswertes Österreich.

Das bedeutet reine Luft, sauberes Wasser

und sichere, qualitativ hochwertige, leistbare

Lebensmittel. Im Mittelpunkt meiner

Arbeit steht die Sicherung der Lebensgrundlagen

des Menschen. Der ländliche Raum ist

hier der entscheidende Impulsgeber. Österreich

braucht eine produzierende Landwirtschaft,

die flächendeckend und nachhaltig

arbeitet. Ihr Kern sind und bleiben unserer

bäuerlichen Familienbetriebe.

Untrennbar mit all dem verbunden ist auch

eine moderne Umweltpolitik. Dabei geht es

einerseits darum, unseren Lebensraum zu

schützen und zukunftsorientiert zu gestalten,

andererseits aber auch um wirtschaftliche

Vorteile. Industriezweige mit sauberen

Technologien werden immer wichtiger. Sie

fördern Beschäftigung, Export und Wachstum.

Nicht zuletzt ist der respektvolle

Umgang mit der Natur ist auch eine Verantwortung

den nächsten Generationen

gegenüber.

Die Umsetzung der Agrarreform wird ein

wesentlicher Arbeitsschwerpunkt für das

Lebensministerium sein. Wann werden im

Bereich der Ländlichen Entwicklung die

Programme der einzelnen Maßnahmen

fertig gestellt sein? Werden im Bereich

Tierschutzförderungen auch „besonders

tierfreundliche Haltungssysteme“ für

Schweine förderfähig sein?

Das Programm für die Ländliche Entwicklung

ist das zentrale Element für die Weiterentwicklung

unserer Landwirtschaft. Ich

habe hier einen straffen Zeitplan vorgegeben,

bis Ende März soll das Programm bei

der Europäischen Kommission eingereicht

werden. Bis dahin werden Feinabstimmungen

auf technischer, aber insbesondere auch

auf politischer Ebene durchgeführt.

Die Förderung von „besonders tierfreundlichen

Investitionen im Stallbau“ wird auch

zukünftig möglich sein. Allerdings haben die

Schweinehalter dies bisher nur zu einem

geringeren Teil in Anspruch genommen. Der

Grund dafür sind die hohen laufenden

Kosten. Es bestehen durchaus Forderungen

und Wünsche, für diese Kosten eine jährliche

Prämie als Tierschutzmaßnahme zu zahlen.

Das betrifft insbesondere die Haltung auf

Stroh. Die Diskussion dazu ist noch nicht

abgeschlossen.

Die Erzeugerorganisationen sind mit

ihrer Marktkompetenz oft Vorreiter und

ein wichtiger Partner für die bäuerlichen

Betriebe. Wie beurteile sie die Wertigkeit

von Erzeugerorganisationen und in welcher

Form wird das BMLFUW künftig die

Verbände im VÖS unterstützen?

Kompetente Ansprechpartner für die jeweilige

Branche sind mir sehr wichtig. Der

Schweinesektor hat die Erzeugerorganisationen

vor mehr als 20 Jahren gegründet

und damit absolut die richtigen Schritte

gesetzt. Bei kleinen Betriebsstrukturen ist

eine konzentrierte Vermarktung nach wie

vor unverzichtbar.

Die öffentliche Unterstützung - auch durch

das Landwirtschaftsressort - war dabei

immer gerechtfertigt. Die Erzeugergemeinschaften

erbringen wichtige Leistungen,

nicht nur für ihre direkten Mitglieder, sondern

für den ganzen Sektor. Eine rein nationale

Förderung wird jedoch immer schwieriger.

Zukünftig wird es daher die Aufgabe der

Verbände und Organisationen sein, die

Möglichkeiten im Rahmen des Programms

zur Ländlichen Entwicklung bestmöglich zu

nutzen.

6 | Interview | 1 2014


In den Bereichen Tierschutz oder Pflanzenschutz

gibt es immer wieder Vorwürfe

Richtung Landwirtschaft - zu

Unrecht, denn die Bäuerinnen und Bauern

gehen mit großer Sorgfalt und

Fachwissen ihrer Arbeit nach. Was kann

man tun, um das Image der Bauern in

der Öffentlichkeit zu verbessern?

Die Branche muss offensiv auf die Konsumentinnen

und Konsumenten zugehen.

Das ist sicher keine leichte Aufgabe, doch

es gibt ja gute Gründe für die heutigen

Systeme. Man muss klarstellen, dass sich

auch die Tierhaltung nicht der allgemeinen

Technisierung und Effizienzsteigerung

verschließen kann. Aber weder Technisierung

noch Größe schließen das Wohl

der Tiere aus. Ich erinnere mich an Ställe

aus der „guten alten Zeit“, da würden die

Tiere heute sicher nicht tauschen wollen.

Immer häufiger versuchen Tierschutz-

Aktivisten Schweinebauern als Tierquäler

darzustellen. In den vergangen Jahren

kam es häufig vor, dass fremde Personen

illegal in Stallungen eingedrungen

sind und dort fotografiert oder

gefilmt haben.

Was empfehlen sie den Bauern um sich

gegen diese nächtlichen Einbrüche zu

schützen bzw. was kann die Politik tun,

um diese Entwicklung zu stoppen?

Die Möglichkeiten der Politik sind hier

sehr begrenzt. Ich werde mich jedoch mit

Nachdruck dafür einsetzen, dass der Wert

der Landwirtschaft wieder verstärkt im

Bewusstsein der Menschen verankert

wird. Qualitätsprodukte aus der Region

sollen in der Region auch geschätzt und

genützt werden.

Mit Sorge verfolgen wir die rückläufige

Schweineproduktion in Österreich - die

Betriebe müssen wieder investieren,

um die Eigenversorgung nicht zu

gefährden. Wird es entsprechende

Anreize geben?

Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

im Ministerium arbeiten wie gesagt mit

Hochdruck an der Fertigstellung des neuen

Programms für die Entwicklung des

ländlichen Raums. Damit werden auch die

Bedingungen für die zukünftige Förderung

definiert. Schon bald wird es möglich

sein, bestimmte Maßnahmen zu beantragen.

Dieses Programm wird wichtige

Impulse für die Entwicklung der produzierenden

österreichischen Landwirtschaft

setzen.

Das Freihandelsabkommen mit den

USA wird von der Größenordnung rd.

die 10fache Dimension als das bereits

beschlossene Abkommen mit Kanada

darstellen. Die Schweinebauern in der

EU sind durch dieses Abkommen

benachteiligt worden, da die höheren

Fütterungs- und Tierschutzrichtlinien in

der EU nicht berücksichtigt worden

sind. Was können sie tun, damit die

Schweinebauern beim USA-Abkommen

nicht abermals benachteiligt werden?

Bzw. wie können die deutlich höheren

Standards in der EU berücksichtigt werden,

um Wettbewerbsnachteile vermeiden

zu können?

Ich werde nicht zulassen, dass unsere

Schweinebauern durch ein Freihandelsabkommen

mit den USA nur mit Nachteilen

zu kämpfen haben. Ganz im Gegenteil -

ich beabsichtige die österreichische Exportinitiative

auszubauen, um unsere

Exporte weiter zu steigern. Wir sind auf

einem guten Weg, die 10 Milliarden Euro

Grenze österreichischer Agrarexporte zu

durchbrechen. Unsere Handelspartner

schätzen die hohen Tierschutzbedingungen

und strengeren Fütterungsauflagen in

Österreich. Gerade dadurch sind wir auf

vielen internationalen Märkten, beispielsweise

in Russland, bereits sehr gut etabliert.

In Österreich selbst schätzen die Konsumentinnen

und Konsumenten regionale,

heimische Ware. Daher teile ich keinesfalls

die Angst, dass ein mit dem Masthormon

Ractopamin erzeugtes Billigfleisch österreichische

Qualitätsprodukte vom Markt

verdrängen wird. Die laufenden Initiativen

für eine umfassendere Herkunftskennzeichnung

werden unseren Produkten

weitere Wettbewerbsvorteile sichern.

Europa wird nicht von den etablierten

hohen Umwelt- und Gesundheitsstandards

abweichen.

In Deutschland setzen viele Schlachthöfe

Billigarbeitskräfte aus Osteuropa ein.

Durch dieses Lohndumping sichern sich

die deutschen Schlachtbetriebe Wettbewerbsvorteile

zu Lasten der heimischen

Bauern. Auch wenn jetzt von der

Einführung von Mindestlöhnen von

€8,50 in Deutschland die Rede ist,

haben heimische Schlachtbetriebe

auch weiterhin deutlich höhere Lohnkosten.

Welche Chancen sehen Sie, Herr

Minister, dass die Arbeits- und Sozialkosten

EU-weit vereinheitlicht werden?

Die Einführung eines Mindestlohnes in

Deutschland in Schlachtbetrieben ist ein

erster und wichtiger Schritt. Auf Seiten der

EU- Arbeits- und Sozialminister wurde im

Dezember eine Grundsatzentscheidung

für neue Regeln zur Entsendung von

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern

getroffen. Für Firmen, die Mitarbeiter ins

Ausland entsenden, sollen strengere

Dokumentationsvorschriften definiert

werden. So will man Mindeststandards für

Arbeits- und Ruhezeiten, Löhne oder

Sicherheit effektiver durchsetzen?

Die Minister einigten sich auch auf die

Stärkung nationaler Aufsichtsbehörden im

Kampf gegen Lohndumping und Schwarzarbeit.

Die Zuständigkeit in Österreich

liegt hier beim Bundesminister für Arbeit,

Soziales und Konsumentenschutz und

beim Bundesminister für Wissenschaft,

Forschung und Wirtschaft.

Laut UN-Bericht 2013 wird die Weltbevölkerung

bis 2050 von mehr als 7 Milliarden

auf über 9 Milliarden ansteigen.

Ebenso wird die wachsende Mittelschicht

in den Schwellenländern deutlich

mehr und höherwertige Lebensmittel

nachfragen. Welche Lösungsansätze

sehen sie für diese Herausforderung-

brauchen wir eine nachhaltige,

verantwortungsbewusste Intensivierung?

Wir brauchen ein intelligentes und nachhaltiges

Ressourcen- und Lebensraummanagement

- naturnah und innovativ.

Verantwortungsvolle Nutzung muss Vorrang

haben vor bloßem Verbrauch. Der

Schlüssel dazu liegt im bewussten Konsum

und hochwertigen Lebensmitteln.

Österreich hat bereits eine europaweite

Vorreiterrolle für biologische Landwirtschaft.

Mit diesem Erfolgsmodell sind wir

auch wirtschaftlich erfolgreich. Es nutzt

allerdings nichts, von Lebensmittelqualität

und biologischer Landwirtschaft zu

reden, aber Billig-Lebensmittel zu kaufen.

1 2014 | Interview | 7


Afrikanische Schweinepest vermiest

Start ins neue Schweinejahr

Seit den nachgewiesenen Fällen von Schweinepest bei Wildschweinen in Litauen und Polen blockiert Russland -

der größte Schweinefleischabnehmer der EU – die Abnahme von Schweinen und Schweineprodukten aus der EU.

Preiseinbußen und die Verhinderung der erwarteten Aufwärtsentwicklung waren die Folge. Auch wenn die Sperre

früher oder später aufgehoben wird, Leidtragende bzw. Geschädigte werden leider wieder einmal alle

Schweinebauern sein.

Dr. Johann Schlederer

Koordinator Ö-Börse

Ost-West Politikum spielt mit

In Fachkreisen wird das Embargo durch

Russland als eindeutig überzogen bewertet.

Zum einen gibt es bisher die Bestätigung

des Auftretens der ASP in Litauen

und Polen nur bei Wildschweinen, zum

anderen kam das Virus aus Russland, wo

man seit 2007 Probleme damit hat.

Daher dürften bei der russischen Entscheidung

primär politische Motive eine Rolle

gespielt haben. Mag sein, dass es eine

Retourkutsche wegen der jahrelangen

Vorwürfe der europäischen Veterinärbehörde

ist, Moskau würde nichts oder zu

wenig gegen die Ausrottung der Afrikanischen

Schweinepest tun.

Weiters kommt der Importstopp der russischen

Schweinewirtschaft beim Aufbau

einer nationalen Eigenversorgung entgegen.

Nichttarifäres Handelshemmnis

Die russische Schweinebauernorganisation

wettert ja seit dem WTO-Beitritt Russlands

vor gut einem Jahr gegen die damit

verbundene Liberalisierung des Marktes

bzw. den Abbau von Importzöllen.

Die vorläufige Totalsperre ist jedenfalls der

Höhepunkt einer Ausgrenzungs- oder

Abschottungspolitik gegenüber der EU,

die seit mehr als einem Jahr läuft. Denn

bereits letztes Jahr waren Deutschland,

Spanien und Holland von einer weitgehenden

Sperre betroffen.

Für diese Länder ist das aktuelle Embargo

nun weniger dramatisch. Österreich, das

sich letztes Jahr einen kleinen Vorteil –

weil nicht gesperrt – im Export mit Russland

erarbeiten konnte (immerhin konnte

man das Exportvolumen an Schweinefleisch

von 3.250 Tonnen auf 10.700 Tonnen

verdreifachen), würde eine längere

Sperre schmerzlicher treffen.

Stark betroffen ist Dänemark, das sich zum

Hauptexporteur nach Russland entwickelt

hat und mit 600% Eigenversorgungsgrad

voll exportabhängig ist.

Chefveterinäre am Zug

Veterinäre der GD Sanco aus Brüssel und

Moskau stehen in laufendem Kontakt bzw.

halten Verhandlungsrunden ab. Um den

Export möglichst schnell wieder in Gang

setzen zu können, versuchen einzelne Mitgliedsstaaten

wie z. B. Frankreich, Holland

und Dänemark bilateral Russland eine

Regionalisierung der EU schmackhaft zu

machen.

Auch die EU-Kommission versucht einzelne

Länder oder Ländergruppen, die nachweislich

seuchenfrei sind, wieder für den

Export nach Russland frei zu bekommen.

Umgekehrt würde die EU akzeptieren,

dass Lettland, Litauen und Teile Polens

vorläufig für Exporte gesperrt bleiben.

Diese potentiellen Sperrgebiete berechnen

zurzeit den Schaden, der daraus entstünde

und konfrontieren die EU-Kommission

mit der Forderung nach entsprechender

Entschädigung.

Es ist zu hoffen, dass die Regionalisierungsstrategie

aufgeht. Letztlich ist es

wichtig, dass wieder Ware fließt und der

EU-Markt entlastet werden kann.

Schaden geht in die Millionen

Nach einem holprigen Jahresbeginn

stimmte die Preis- und Markentwicklung

gegen Ende Jänner durchaus zuversichtlich.

Leider wurde diese positive Stimmung

zwischenzeitlich auf den Kopf

gestellt.

Ausgehend von den großen Vermarktern

in Deutschland, welche bereits wenige

Tage nach Bekanntwerden des russischen

Einfuhrstopps mit „Hauspreisen“ unter der

amtlichen Notierung agierten, verteilte

sich der Preis- und Angebotsdruck auf den

gesamten europäischen Schweinemarkt.

Die Österreichische Schweinebörse verzeichnete

ein Minus von 7 Cent, während

man kurz davor, bedingt durch ein rückläufiges

Angebot, von einem Aufwärtstrend

ausgegangen war. Allein den österreichischen

Schweinebauern entsteht

durch die ASP-Misere wöchentlich ein

Schaden von ca. 1 Million Euro.

Erfahrungsgemäß dauert es Wochen, bis

sich der Markt aus einer derartigen Verunsicherung

wieder erholt.

Trotzdem: Das Jahr hat 12 Monate und das

EU-weite Produktions-Minus sollte doch in

absehbarer Zeit mithelfen, die Preise wieder

ins Lot zu bekommen.

8 | Markt | 1 2014


Mit dem Rüssel in Brüssel

Kastrationsstudie mit

zweifelhaftem Ergebnis

In Vorbereitung auf die geplante Beendigung

der chirurgischen Kastration ohne

Schmerzausschaltung ab 2018 hat die

EU-Kommission GD Sanco eine europaweite

Studie in Auftrag gegeben. Untersuchungsgegenstand

war eine Kosten/

Nutzen Analyse für den Fall der Beendigung

der chirurgischen Kastration von

Schweinen.

Das Ergebnis der länger als ein Jahr

andauernden Studie wurde im Dezember

der Expertengruppe für Alternativen zur

chirurgischen Kastration präsentiert. Ob

die Studie den Anspruch auf Objektivität

und Unabhängigkeit erfüllt, wird allerdings

von vielen Seiten bezweifelt.

Zahlungsbereitschaft

ist frommer Wunsch

Die ziemlich optimistischen Schlussfolgerungen

der Studie basieren nämlich auf

der Annahme, dass die Verbraucher

bereit wären, Preisaufschläge für nicht

kastriertes bzw. schmerzfrei kastriertes

Fleisch in Kauf zu nehmen. Die errechneten

Mehrkosten erscheinen plausibel, sie

entstehen laut Studie u. a. durch

Schmerzmittelkosten, zusätzlicher Arbeit,

Überwachungskosten am Schlachthof

inkl. der Verwertung bzw. Entsorgung

von nicht für den menschlichen Konsum

geeignetem Fleisch.

Beim Durchlesen der Studie gewinnt

man den Eindruck, dass durch die Annahme

einer hohen Zahlungsbereitschaft der

Endverbraucher der in vielen Mitgliedsstaaten

bis dato nicht vorstellbaren Beendigung

der herkömmlichen Kastration

Vorschub geleistet werden soll. In einem

kritischen Schreiben der COPA an die

Kommission wird auch darauf hingewiesen,

dass in Drittstaaten wie z. B. Canada,

USA oder Brasilien, die zukünftig auch als

Schweinefleischlieferanten am EU Markt

präsent sein könnten, keinerlei Reglements

im Zusammenhang mit der Ferkelkastration

bestehen und daher allein aus

diesem Bereich Wettbewerbsnachteile

für die europäischen Schweinehalter entstehen

würden. Aus dem bisher vorgelegten

Ergebnisbericht geht jedenfalls

nicht hervor, mit welcher Methode die

Bereitschaft zum Mehrbezahlen getestet

wurde. Denn die theoretische Bereitschaft

mehr zu bezahlen, die bei Befragungen

von Verbrauchern erhoben wird,

entspricht bei weitem nicht der tatsächlichen

Bereitschaft am Regal im Supermarkt.

Wesentliche Fragen

nicht untersucht

Die COPA kritisiert weiters, dass substanzielle

Fragestellungen in der Studie nicht

berücksichtigt wurden. Beispielsweise ist

unklar, was passiert, wenn in den Ländern,

wo derzeit kastriert wird, plötzlich

unkastriertes Schweinefleisch mit unterschiedlichem

Geschmack auftaucht?

Wenn in Folge die Verbraucher das

Fleisch ablehnen? Wie groß ist dieses Risiko?

Wie sehr würde es den Konsum drücken?

Und welchen Einfluss hätte dies auf

den Schweinemarkt bzw. Schweinepreis?

Welche Konsequenzen sind beim Export

in Drittstaaten zu erwarten? Viele Abnehmer

haben bereits mitgeteilt, dass sie

nicht akzeptieren, Fleisch von nicht

kastrierten männlichen Schweinen zu

importieren.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kommission

die Einwände und zusätzlichen Fragestellungen

der COPA ernst nimmt, unabhängig

untersuchen lässt und ohne zu

beschönigen die Ergebnisse analysiert.

Dr. Johann Schlederer

Koordinator Ö-Börse

Die Objektivität und Unabhängigkeit einer Studie zur Beendigung der chirurgischen

Ferkelkastration wird allgemein bezweifelt. Foto: Exel

1 2014 | Markt | 9


Nachruf Ing. Griessler

Aus traurigem Anlass entfällt in dieser Ausgabe der Ferkelmarktbericht.

Unser geschätzter Kollege Ing. Gerhard Griessler ist am 05.03.2014 nach

schwerer Krankheit von uns gegangen.

Ing. Gerhard Griessler begann seine Laufbahn

1982 unter dem damaligen GF DI

Bösau. Die Geschäftsstelle befand sich

damals in Schwechat, die Vermarktungsmenge

betrug ca. 300.000 Ferkel pro Jahr.

Am Anfang seiner Tätigkeit war er für die

Durchführung von Ferkelübernahmen in

ganz NÖ zuständig, schwerpunktmäßig

natürlich in seinem Heimatgebiet St. Pölten

und Melk. Seine offene, freundliche

Art, gepaart mit Fachkompetenz und

Gestaltungswillen, trug wesentlich zur sukzessiven

Expansion der Sparte Ferkel bei

und machte ihn sowohl bei den Ferkelproduzenten

als auch bei den Mästern sehr

beliebt. Bald war sein Name weit über die

Grenzen Niederösterreichs in der Branche

bekannt.

Nach dem Geschäftsführerwechsel von DI

Bösau zu DI Liebscher und der damit verbundenen

Übersiedlung von Schwechat

nach Streitdorf stieg Ing. Griessler innerhalb

des Ferkelbereiches rasch zu einer

Führungspersönlichkeit auf, die von den

anderen Mitarbeitern wegen seiner

menschlichen Größe und seines Fachwissens

überaus geschätzt wurde.

Sein unermüdlicher Einsatz für die Ferkelproduktion

in NÖ führte dazu, dass die Vermarktungsmengen

stetig anstiegen und

sich auch die Ferkelqualität und die Qualifikation

der Mitgliedsbetriebe laufend verbesserten.

Nach dem Ausscheiden 1996 von DI Liebscher

aus der Geschäftsführung vertraute

der Vorstand Ing. Gerhard Griessler diese

Funktion an, welche er bis zuletzt mit vollem

Einsatz zum Wohle der NÖ Ferkelproduktion

ausübte.

Eine seiner ersten Herausforderungen als

Geschäftsführer war die Integration der

Porco-Gruppe in die EZG Gut Steitdorf, die

Anfang der 2000-er Jahre über die Bühne

ging. Seit der Gründung des Dachverbandes

VÖS arbeitete er an vorderster Front

mit, um die Interessen und Anliegen der

Schweinebauern österreichweit zu vertreten.

Federführend war Ing. Gerhard Griessler

auch bei der Forcierung von Netzwerken

und branchenübergreifenden Kooperationen.

Ebenso war er einer der treibenden

Kraefte, wenn es darum ging, flächendeckende

Impfstrategien oder Gesundheitsmonitorings

einzuführen, um die

Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen

Ferkelproduktion zu verbessern.

Im Jahr 2010 übernahm er auch die

Geschäftsführung der Besamungsstation

Hohenwarth, die in den letzten Jahren

trotz sinkender Schweinebestände laufend

die Verkaufszahlen steigern konnte. Mit

Ing. Gerhard Griessler verliert die österreichische

Schweineproduktion einen sehr

profilierten und engagierten Experten, der

auch auf Grund seiner menschlichen Art

eine große Lücke hinterlassen wird.

Unser besonderes Mitgefühl in dieser

schweren Zeit gilt seiner gesamten Familie.

Ing. Johann Nolz, Otto Auer, Josef Hieger, Josef Braunshofer, Ing. Gerhard Griessler.

Foto: VÖS

Für das gesamte Team des VÖS,

Obmann Josef Hieger &

Hans-Peter Bäck

Vorsitzender Ferkelausschuss

Koordinator Ferkelausschuss

10 | Nachruf | 1 2014


Foto:©agrarfoto.com

Aktuelles aus dem Ausschuss

Recht und Politik

DI Johann Stinglmayr

Koordinator Ausschuss Recht & Politik

Die drohende Gefahr, dass Antibiotika ihre Wirkung verlieren, ist ein weltweites Problem. Die oftmals in diesem

Zusammenhang sehr emotional geführte Diskussion mit gegenseitiger Schuldzuweisung zwischen Humanund

Veterinärmedizin muss zukünftig sachlich strategisch vorangetrieben werden.

Antibiotikastrategie

Letztendlich geht es darum, dass der

Erhalt der Wirksamkeit von Antibiotika für

Mensch und Tier abgesichert wird. Da

Mensch und Tier in derselben Umwelt

leben, müssen Human- und Veterinärmedizin

dieses Thema und insbesondere das

Ziel der Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes

gemeinsam lösen. Um dabei erfolgreich

sein zu können, muss jeder seinen

Teil dazu beitragen. Auch die Tierhaltung.

Hauptverantwortlich für die österreichische

Antibiotikastrategie zeichnet das

Gesundheitsministerium, das mit Hilfe von

verpflichtenden und freiwilligen Maßnahmen

versucht, die Zielerreichung voranzutreiben.

Mit Hilfe von neuen Systemen soll

der Antibiotikaeinsatz künftig besser

überwacht werden. Damit versucht man

eine detaillierte Übersicht über die Antibiotika-Mengenströme

in der Tierhaltung

zu erlangen.

Erst wenn man weiß was, warum, wann,

wo und in welchen Mengen eingesetzt

wird, kann man auch gezielte Handlungen,

Maßnahmen und Empfehlungen zur

Reduzierung setzen.

Antibiotika –

Mengenstromerfassung

Um flächendeckende Daten über die Mengen

der im Veterinärsektor angewendeten

antimikrobiellen Wirkstoffe zu erhalten,

hat sich das BMG für ein dreistufiges Verfahren

entschieden.

1. Stufe: Verkaufsdaten-Erfassung

Die Pharmaindustrie sowie der pharmazeutische

Großhandel werden dazu verpflichtet

ihre abgegebenen Mengen über

die Verkaufsdaten in eine elektronische

Datenbank zu melden. Zusätzlich sind die

beteiligten tierärztlichen Hausapotheken

zu erfassen.

Die Erhebung dieser Daten erfolgt seit

1.1.2014.

2. Stufe: Abgabedaten-Erfassung

Diese Stufe dient der Erfassung der Abgabemengen

an landwirtschaftliche Betriebe.

Dabei hat eine Erhebung und Meldung

der Abgänge von Antibiotika in den tierärztlichen

Hausapotheken zu erfolgen.

Jede abgegebene Menge des antimikrobiell

wirksamen Tierarzneimittels muss

unter Angabe des landwirtschaftlichen

Betriebes verpflichtend in die elektronische

Datenbank gemeldet werden. Die

Erhebung dieser Daten erfolgt ab

01.01.2015.

3. Stufe: Anwendungsdaten-Erfassung

In dieser Stufe wird die tatsächliche

Anwendung von Antibiotika im Nutztierbereich

elektronisch erfasst und an die

Datenbank weitergegeben.

Diese Stufe erfolgt grundsätzlich ohne

Vollerhebung und auf freiwilliger Basis,

1 2014 | Recht & Politik | 11


setzt jedoch voraus, dass alle Nutztiersparten

und maßgeblichen Produktionsbetriebe

mitmachen. Die Erfassung der Daten

soll in sogenannten „Bündler-Datenbanken“

erfolgen.

Die notwendigen Informationen leiten

sich aus den obligatorischen Abgabe- und

Anwendungsbelegen ab und werden mit

einem zusätzlichen Diagnoseschlüssel in

ein „elektronisches Medikamentenbuch“

eingetragen. Die Daten sind dann in regelmäßigen

Abständen in anonymisierter

Form an die Datenbank weiterzuleiten.

VÖS strebt Branchenlösung an

Die Gewährleistung der Nachvollziehbarkeit

des Antibiotika-Einsatzes bei Schweinen

ist zukünftig unerlässlich. Die Schweinebranche

steht noch am Anfang der Erarbeitung

einer umsetzbaren Strategie, ist

sich jedoch der Verantwortung bei der

Bewältigung dieser Herausforderung

bewusst. Der VÖS hat deshalb den Grundsatzbeschluss

gefasst, die „Bündler-Funktion“

für seine Mitgliedsbetriebe in ganz

Österreich zu übernehmen und gemeinsam

mit dem BMG und dem TGD ein

geeignetes Modell zu entwickeln.

Der „Online Sauen-und Mastplaner“ wird

dabei das Grundlagensystem darstellen,

auf das ein „elektronisches Medikamentenmodul“

aufgebaut werden soll.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Entwicklung

für eine konsequente Qualitätssicherung

in der heimischen Schweineproduktion

unerlässlich ist. Dadurch können

derzeitige Annahmen zukünftig mit

Fakten ersetzt werden.

Damit wird in der öffentlichen Diskussion

auch die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit

der heimischen Schweineproduktion

gestärkt.

Weiterentwicklung TGD

Die Zusammenarbeit von Schweinebauern

und Tierärzten im Zuge des Tiergesundheitsdienstes

ist zu einer echten

Erfolgsgeschichte geworden. Mit einer

beinahe 100%igen Teilnahmequote der

österreichischen schweinehaltenden

Betriebe, hebt man sich deutlich von

anderen Produktionssparten ab. Von

Anfang an ging es um die konsequente

Verfolgung von klaren Zielen:

• Verbesserung und Sicherung der Qualität

in der Produktionskette der Schweineproduktion

• Absicherung eines hohen Tiergesundheitsstatus

• Betreuung der Tierbestände zur Minimierung

des Einsatzes von Tierarzneimitteln

• Seuchenprophylaxe

• Erhöhung der Produktivität in den

schweinehaltenden Betrieben

• Konsequente Weiterbildung der Teilnehmer

Damit die Zielverfolgung auch weiterhin

bestmöglich und erfolgreich umgesetzt

werden kann, findet derzeit ein Weiterentwicklungsprozess

zwischen Tierärzten

und Landwirtschaft statt, in dem

Schwachstellen ausgemerzt und neue Anforderungen

umgesetzt werden sollen.

Über ein Mehrstufensystem versucht man

dabei, den unterschiedlichen Ansprüchen

gerecht werden zu können. Die derzeitige

Form soll weitgehend unverändert bleiben,

jedoch mit einem sogenannten

höherwertigen „TGD-Plus-Programm“

ergänzt werden.

TGD-plus-Programm

Mit Hilfe von definierten und objektiven

Produktionsdaten soll die konsequente

Verbesserung der Tiergesundheit und eine

Erhöhung des Tierwohls stattfinden.

Gleichzeitig wird damit eine kontinuierliche

Minimierung des Einsatzes von Tierarzneimitteln

angestrebt.

Die Teilnahme am „TGD-plus-Programm“

wird freiwillig sein. Bei der Teilnahme verpflichten

sich jedoch Tierhalter und Tierarzt,

alle definierten Inhalte und Vorgaben

innerhalb einer festgelegten Zeit umzusetzen.

Damit wird die Zusammenarbeit

für alle Beteiligten deutlich verbindlicher.

Die von den teilnehmenden Betrieben zur

Verfügung zu stellenden Produktionsdaten

müssen aus Managementsystemen,

wie dem Online-Sauenplaner oder Online-

Mastplaner stammen. Über diese Daten

werden die Betriebe in Kategorien eingestuft,

die dann je nach Einstufung zu

unterschiedlichen Handlungsanleitungen

führen. Der Erfolg von einzelbetrieblichen

Maßnahmen wird regelmäßig auch von

der TGD-Geschäftsstelle überprüft werden.

VÖS fordert mehr Rechte für

Schweinebauern

Der VÖS bekennt sich zur Notwendigkeit

einer ständigen Weiterentwicklung des

TGD als Qualitätssicherungsinstrument in

der heimischen Schweineproduktion. Wir

begrüßen die Spezialisierungsschritte, die

nun über ein freiwilliges TGD-plus-Programm

möglich erscheinen, aber auch die

höhere Verbindlichkeit und Erfolgskontrolle

von gesetzten Maßnahmen der

Betreuungstierärzte am Einzelbetrieb.

Die Teilnahme an diesem höherwertigen

Betreuungsprogramm darf jedoch nicht

nur neue Verpflichtungen für die teilnehmenden

Betriebe schaffen, sondern muss

vor allem zusätzliche Rechte und neue

Möglichkeiten für die Schweinebetriebe

bringen.

Die noch bessere Einbindung der Tierhalter

in die Behandlung ihrer Tiere mit höheren

Befugnissen als derzeit in der Durchführung,

muss für den Tierhalter im TGDplus-Programm

gewährleistet sein.

12 | Recht & Politik | 1 2014


© sima - Fotolia.com

Eiweißalternativen zu Sojaextraktionsschrot

in der Schweinefütterung

Der in den Futterrationen unserer Nutztiere in hohen Anteilen eingesetzte Sojaextraktionsschrot (SES) wird

vorwiegend aus USA, Argentinien oder Brasilien in die EU importiert. Die Reduktion von Importabhängigkeiten

sowie der Wunsch nach gentechnikfreien Fütterungsstrategien haben Versuche zur Erhöhung des Selbstversorgungsgrades

mit heimischen Alternativen angeregt.

Lokaler Sojaanbau und dessen Nutzung

setzt eine Verfügbarkeit von Infrastruktur

zur thermischen Behandlung des Sojaschrotes

oder –kuchens voraus, um dessen antinutritive

Faktoren zu inaktivieren.

Zur Schließung der Lücke stehen vor allem

traditionelle Leguminosen, (Extraktions-)

Schrote von Ölsaaten (v.a. Raps, Sonnenblume)

oder Nebenprodukte der Bioethanolherstellung

(distillers dried grains with solubles,

DDGS) zur Verfügung.

Im Folgenden sollen daher vor allem hofeigene

bzw. regionale Futtermittel bzw. Alternativen

vorgestellt werden, die eine Reduktion

bis hin zur Elimination von SES aus den

Futterrationen ohne Leistungseinbußen

ermöglichen.

Anforderungen an die Proteinqualität

für Schweine

Protein und Energie müssen in ausreichender

Menge und Qualität über die Nahrung

zugeführt werden. Für das Protein gilt:

Strenggenommen gibt es gar keinen Proteinstoffwechsel

per se, sondern einen quervernetzten

Stoffwechsel von 20 Aminosäuren.

Dieses Stoffwechselsystem wird vom

Futterprotein beliefert. In einer dem Nährstoffbedarf

entsprechenden Ration spielt

daher neben dem Lysin:Energie Verhältnis

die Relation der verschiedenen essentiellen

Aminosäuren zur erst-limitierenden Aminosäure

Lysin eine entscheidende Rolle. Diese

als Idealprotein bekannte Aminosäurerelation

ist jedoch keine konstante Größe sondern

variiert in den Empfehlungen von diversen

Tierernährungsgesellschaften so-wie

Aminosäureproduzenten. Wird die optimale

Relation der essentiellen Aminosäuren bei

1 2014 | Fütterung | 13


einem Austausch der Eiweißkomponenten

(z.B. Soja vs. Eiweißalternativen) oder bei

einer Reduzierung des Rohproteingehaltes

(XP) im Futter beibehalten, steht hohen Leistungen

nichts im Wege.

Das Futterprotein stellt normalerweise den

Hauptkostenfaktor der Futterration dar. Eine

Absenkung des XP-Gehaltes ermöglicht

zudem leichter den Einsatz von pflanzlichen

Eiweißalternativen, da diese meist einen

geringeren XP-Gehalt als SES aufweisen.

Durch eine Rohproteinabsenkung im Futter

wird überdies die Umwelt entlastet und

gleichzeitig die Abhängigkeit der „Hofmischer“

vom Zukauf teurer Proteinfuttermittel

wie SES verringert. Im Gegenzug können

somit Eiweißalternativen in hohen Anteilen

für die Schweinerationen herangezogen

werden. Ein erfolgreicher Einsatz dieser

Eiweißfuttermittel im Futter für unsere

Schweine wurde in zahlreichen Fütterungsversuchen

belegt.

In der konventionellen Fütterungspraxis

sowie in der „gentechnikfreien Schiene“ hat

sich die Verwendung reiner Aminosäuren in

Verbindung mit fortgeschrittenen Methoden

der Proteinbewertung schon seit langem

bewährt. Sie ist die Grundlage für die

Minimierung des Proteingehalts zum

Zweck einer effizienten und umweltschonenden

Fütterung (Minimierung der N-

Emissionen).

Grundvoraussetzung für den erfolgreichen

Einsatz von Eiweißalternativen beziehungsweise

einer XP-Absenkung ist eine bedarfsgerechte

Berechnung der Aminosäuregehalte

auf Basis der standardisierten ilealen

Verdaulichkeit (SID). Eine Berechnung der

Aminosäuregehalte auf Basis der Bruttoaminosäuren,

wie dies in der Praxis leider

immer noch gerne gemacht wird, sollte tunlichst

vermieden werden. Mit der letzten

Auflage der Versorgungsempfehlungen für

Schweine hat der Ausschuss für Bedarfsnormen

der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie

(GfE) sowie dessen amerikanisches

Gegenüber, das National Research Council

(NRC), ein System etabliert, in dem Futtermittelbewertung

einerseits und Versorgungsempfehlungen

andererseits auf Basis

der SID von Aminosäuren basieren. Eine

weitere geeignete Futtermitteltabelle für

unsere Nutztiere stellt das Buch „Tables of

composition and nutritional value of feed

materials“ (ISBN 2-7380-1046-6) dar.

Allgemeine Limitierungen der

Eiweißfuttermittel für Schwein

und Geflügel

Neben den Leguminosen zählen vor allem

die Nebenprodukte der Ölerzeugung oder

Bioethanolproduktion zu den traditionellen

Eiweißfuttermitteln. Eine mögliche Limitierung

beim Einsatz solcher pflanzlicher Proteinquellen

stellen deren sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe

und Nicht-Stärke-Polysaccharide

(NSP) dar. NSP sind überdies in

Getreidearten wie Roggen, Weizen und Gerste

anzutreffen. Leguminosen und Ölsaaten

enthalten eine Vielzahl sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe,

welche vielfältige Einflüsse

ausüben können.

Der Großteil davon, wird als antinutritive

Faktoren (ANF) bezeichnet, da sie die Leistungen

und auch die Gesundheit der Nutztiere

negativ beeinflussen können.

Aufgrund züchtungstechnischer Maßnahmen

konnten viele ANF minimiert werden,

wobei diesen Sorten in der Tierernährung

und hier vor allem bei der Ernährung monogastrischer

Nutztiere der Vorzug gegeben

werden soll. Darüber hinaus können verschiedene

physikalische, thermische und

biologische Verfahren deren Gehalt minimieren,

wodurch die Protein- und auch

Stärkeverdaulichkeit beim Schwein verbessert

wird.

Zusammenfassend kann festgehalten werden,

dass durch gezielte Sortenwahl und

den Einsatz geeigneter Behandlungsverfahren

die Einsatzmöglichkeiten und der Nährwert

pflanzlicher Proteinquellen erheblich

verbessert werden kann.

In weiterer Folge können die oben genannten

Futtermittel somit höhere Anteile an

Sojaschrot aus der Ration für Schweine verdrängen.

Heimische Eiweißalternativen

zum Sojaextraktionsschrot

Sojaextraktionsschrot liefert Schweine

Eiweiß mit einer hohen biologischen Wertigkeit.

Überdies sind die Aminosäuren des

SES sehr hoch verdaulich (SID) (Abbildung

1). Aus diesen Gründen sowie der guten

Verfügbarkeit stellt SES die traditionelle

proteinliefernde Komponente in Futterrationen

für Schweine dar. Jedoch bietet der

Markt auch andere Eiweißfuttermittel, welche

aus ökonomischer Sicht, beziehungsweise

im Rahmen von speziellen Fütterungsstrategien

wie zum Beispiel der „GMOfreien

Fütterung“, eine interessante Alternative

zum SES darstellen können.

Die traditionellen Körnerleguminosen wie

Erbsen, Ackerbohnen oder Lupinen fungieren

als Protein- und Energielieferant für

Schweine. Von diesen Körnerleguminosen

bietet sich vor allem die Körnererbse wegen

ihres hohen Energie- (15,1 MJ ME/kg TM)

und Lysingehaltes im Rohprotein (7%) für

die Schweinemast an.

Auch die Gehalte an ANF der Körnerleguminosen

wurden vor allem bei weißblühenden

Erbsensorten sehr stark reduziert,

wodurch einem Einsatz von bis zu 40% in

der Ration nichts im Wege steht. Im Gegensatz

dazu reichen die Einsatzempfehlungen

für Ackerbohnen und Lupinen aufgrund

des höheren Gehaltes an ANF nur von 15

bis 25%.

Abbildung 1: Gesamtgehalt an Lysin (g/kg, grau) sowie der Anteil an standardisiert

ileal verdaulichem (SID) Lysin am Gesamt- Lysin-Gehalt (schraffiert) von

heimischen Eiweißalternativen. Quelle: Schedle et al. 2013

Vor allem Raps- aber auch Sonnenblumenextraktionsschrot

besitzen die Fähigkeit SES

in Futterrationen für Schweine zu reduzieren

bzw. zu verdrängen. Rapsschrot liefert

im Vergleich zum SES um ein Viertel weniger

XP und ME.

14 | Fütterung | 1 2014


Versuche zeigen, dass Rapsextraktionsschrot

(RES) bis zu 20% bei bedarfsdeckender

Aminosäure- und Energieversorgung

ohne Leistungseinbußen eingesetzt werden

kann. Des Weiteren spielt natürlich der

Gehalt an ANF eine entscheidende Rolle bei

der Höhe der möglichen Einsatzmenge von

RES. Auch sollte in der Rationsberechnung

berücksichtigt werden, dass die SID des XP

nur 71% ausmacht. Ein entscheidender Faktor

bei der Einsatzmenge von Sonnenblumenextraktionsschrot

ist, ob der Schrot aus

geschälter oder ungeschälter Saat stammt,

da dies zu beträchtlichen Unterschieden im

XP und Energiegehalt führt. Der niedrige

Lysingehalt im Rohprotein (3,5%) verursacht

überdies bei hohen Einsatzmengen in

getreidereichen Rationen einen beachtlichen

Supplementationsbedarf an L-Lysin,

um so eine bedarfsgerechte Versorgung

dieser essentiellen Aminosäure sicherzustellen.

Neben den Extraktionsschroten von Soja,

Raps und Sonnenblumen befinden sich

auch die Kuchen bzw. Expeller dieser ölreichen

Samen am Markt. Der Restfettgehalt

dieser Produkte schwankt jedoch zwischen

8 und 15%. Beim Einsatz von Kuchen bzw.

Expeller sollte überdies immer die Fettqualität

des anfallenden Produktes im Hinterkopf

behalten werden.

Aufgrund der weltweit steigenden Produktion

von Biotreibstoff fallen auch große

Mengen an Nebenprodukten (Schlempen),

in getrockneter Form auch als „distillers

dried grains with solubles“ (DDGS) bzw. in

Österreich als Actiprot® bezeichnet, an. Produktvariationen

und die fehlenden Informationen

über die genaue Nährstoffzusammensetzung

der DDGS von unterschiedlichen

Ausgangsprodukten, sowie die durch

den Trocknungsprozess verursachte verringerte

Protein- und Aminosäureverdaulichkeit,

sind Gründe für den zögernden Einsatz

von DDGS als Futtermittel bei Schweinen.

Der niedrige Lysingehalt im Rohprotein

(1,6-2,8%), sowie die durch die thermische

Behandlung verursachte geringe Lysin-SID

von durchschnittlich 66%, verursachen wie

beim Sonnenblumenextraktionsschrot bei

hohen Einsatzmengen einen beachtlichen

Supplementationsbedarf an L-Lysin. Dennoch

enthält DDGS hohe Mengen an Energie,

XP, Aminosäuren sowie Nicht-Phytat-

Phosphor und bietet daher Potential für

den Einsatz in Futtermischungen für

Schweine.

Durch den Fermentationsprozess kommt es

neben einer Anreicherung von XP vor allem

auch zu einer Steigerung der NSP. Diese

haben zwar einen negativen Effekt auf die

Nährstoffverdaulichkeit können sich aber

günstig auf den Stickstoffstoffwechsel auswirken.

Studien zeigen, dass in Österreich

verfügbare DDGS (Actiprot®) ohne Leistungseinbußen

in Mastschweinerationen

bis zu 30% eingesetzt werden kann.

Auch Kürbiskernkuchen, welcher als Nebenprodukt

der Kürbiskernölproduktion

anfällt, stellt einen potentiellen Proteinlieferanten

dar. Hier muss jedoch beachtet werden,

dass dieser trotz eines Rohproteingehaltes

von über 50% im Vergleich zu SES

niedrigere Lysingehalte aufweist.

Schlussfolgerung

Allgemein kann gesagt werden, dass durch

züchterische und futtermitteltechnologische

Reduktion der antinutritiven Faktoren

und bei einer bedarfsdeckenden Kalkulation

der Aminosäuregehalt auf Basis der SID

Aminosäuren, hohen Einsatzmengen der

sogenannten Eiweißalternativen, die bis zu

einem kompletten Ersatz des SES führen,

nichts im Wege steht.

Dr. Karl Schedle

Dipl.-Ing. Elke Humer

Dr. Christiane Schwarz

Institut für Tierernährung

Universität für Bodenkultur Wien

1 2014 | Fütterung | 15


Schweinevermarktung: Potenziale

nutzen – nichts verschenken!

Mit einem durchdachten Vermarktungsmanagement lassen sich die Erlöse in der Mast steigern. Wie sich mit

Hilfe der Schlachtdatenanalyse der Schlachterlös verbessern lässt, erklären Lydia Krojnik und Johann

Schmutzer vom Beratungsteam Schweinehaltung anhand zweier Beispiele aus der Praxis.

Schlachtschweinehälften

Foto: Ing. Johann Schmutzer

In der Regel kann der Schweinemäster die

marktbedingte Erlössituation nicht beeinflussen.

Den Schlachtschweineverkauf und

vor allem die Sortierung hat der Mäster aber

selbst in der Hand. Bei der Vermarktung

ungleichmäßiger Schlachtschweinepartien

verliert der Landwirt bares Geld.

Alle zwei bis drei Jahre bildet die Schlachtdatenauswertung

einen fixen inhaltlichen

Schwerpunkt in der Arbeit der Mastarbeitskreise.

Für diese Auswertung werden aus der

ÖFK- Datenbank (www.oefk.at) die Klassifizierungsdaten

aller Schlachtungen eines

Betriebes herangezogen. Jeder Betrieb

erhält eine Auswertung über die Gewichtsund

Muskelfleischanteil (MFA)-Verteilung

seiner Schlachtungen und einen jahreszeitlichen

Verlauf der durchschnittlichen

Schlachtgewichte sowie des MFA.

Außerdem zeigt die Auswertung, ob im Einzelfall

ein Zusammenhang zwischen

Schlachtgewicht und MFA besteht. Zudem

können, soweit Speck- und Fleischmaße vorhanden

sind, Rückschlüsse auf die Fütterung

gezogen werden. Aufbauend auf diese Auswertungen

suchen Mäster und Berater Möglichkeiten,

das Verkaufsmanagement zu

optimieren.

Ziel dabei ist über eine gute Sortierung der

Schlachtpartien möglichst viele Tiere innerhalb

der Gewichtsmaske und dem Idealgewichtsbereich

zu verkaufen und damit

Abschläge für über- und untergewichtige

Schweine in Grenzen zu halten.

In Österreich wird ein Großteil der Mastschweine

über die genossenschaftlichen

Börsen wie die Schweinebörse in Niederösterreich

vermarktet. Dabei kommt eine

einheitliche Abrechnungsmaske zur Anwendung.

Europäische Nachbarländer beneiden

uns um diese österreichweit gleiche Preismaske,

da zum Beispiel in Deutschland zum

einen verschiedene Klassifizierungssysteme

(FOM, AutoFOM) zum Einsatz kommen und

gleichzeitig verschiedene Abrechnungsmasken

verwendet werden, was den Vergleich

von Schlachtabrechnungen schwierig

macht.

Abbildungen 1 und 2 zeigen die Kriterien

bei der Totvermarktung von Mastschweinen

über die Erzeugerorganisationen in Österreich.

Möglichst alle Schweine sollten sich

im Normgewichtsbereich (82 - 106 kg

Schlachtgewicht) befinden.

Die Abbildungen 3 und 4 zeigen am Beispiel

von zwei Betrieben, wie sich die Unterschiede

bei der Gewichtssortierung in der Praxis

auswirken. Beide Betriebe verkaufen etwa

2000 Mastschweine pro Jahr.

Bei Betrieb B liegen 8% der verkauften Mastschweine

außerhalb des Normalgewichtsbereiches,

während bei Betrieb A rund 60%

der Tiere im Idealgewichtsbereich von 87 –

96 kg Schlachtgewicht liegen.

Die genauere Gewichtssortierung (geringere

Abschläge) und das Ausnutzen des Idealgewichtszuschlages

bei Betrieb A bedingen

Abb. 1: Abrechnungsregulativ EZG

Gut Streitdorf, MFA. Daten: LK-NÖ

Abb. 2: Abrechnungsregulativ EZG Gut Streitdorf, Schlachtgewicht

Daten: LK-NÖ

16 | Vermarktung | 1 2014


einen jährlichen Vorteil von rund 1100

Euro bei 2000 verkauften Mastschweinen

gegenüber Betrieb B.

Aufgrund der großen Verkaufspartien

(durchschnittlich 65 Stück/Partie bei

Betrieb A und 82 Stück/Partie bei Betrieb

B) erzielen beide Betriebe einen Mehrerlös

von 2,85 Euro je verkauftes Mastschwein,

der auf die Größe der Mastpartie zurückzuführen

ist.

Um das sehr gute Ergebnis des Betriebes A

zu erreichen, muss bereits beim Einstallen

der Ferkel angesetzt werden. Um die Fütterung

optimal anzupassen, werden die

Ferkel nach Größe sortiert und in unterschiedlichen

Buchten aufgestallt. Alle

sechs Wochen wird das augenscheinlich

schwerste bzw. leichteste Tier aus jeder

Bucht verwogen und das Gewicht am Rücken

der Tiere vermerkt. Vor dem ersten

Verkaufstermin wird erneut das "augenscheinlich

passende" Tier jeder Bucht

gewogen und anschließend alle verkaufsfähigen

Tiere markiert und angemeldet.

Noch am Abend der Schlachtung kann der

Mäster die Schlachtdaten seiner verkauften

Tiere in der ÖFK-Datenbank kontrollieren

und sie daraufhin mit seinem Berater

analysieren.

Mastschweine zu leicht

- untergewichtig

Unter 82 kg Schlachtgewicht erfolgt ein

Abzug vom Basispreis von mindestens

0,02 Euro je kg. Die zu leichten Schweine

sollten nach einzelbetrieblicher Möglichkeit

(Nachmastabteil) noch ca. zwei

Wochen gemästet werden. Bei sogenannten

„Nachzüglern“ (Kümmerer, etc.) ist

aber im Einzelfall die Abgabe im untergewichtigen

Bereich auch aus Sicht der

Betriebshygiene unvermeidbar. Bei sehr

guter Gewichtssortierung liegt die Anzahl

der zu leicht vermarkteten Schweine unter

einem Prozent.

Mastschweine zu schwer

- übergewichtig

Der Erlös pro Mastschwein steigt mit dem

Schlachtgewicht. In der Preismaske gibt es

ab 106 kg Schlachtgewicht einen Abzug

vom Basispreis von ebenfalls mindestens

0,02 Euro je kg. Aus wirtschaftlicher Sicht

sind die Futterkosten je kg Zuwachs

neben dem Abzug für das Übergewicht zu

berücksichtigen. Diese setzen sich aus den

Kosten je kg Futter und der Futterverwertung

zusammen.

Wie Ergebnisse aus der LVFZ Schwarzenau

(Bayern) zeigen, verschlechtert sich die

Futterverwertung mit zunehmendem

Lebendgewicht. Zudem ist die Futterverwertung

stark abhängig vom Zunahmenniveau.

Bei etwa 700g Tageszunahmen in

der Mast liegt die Futterverwertung demnach

in der Endmast bei über 4 kg Futter

(bei 88% TS) je kg Zuwachs. Bei 800 g

Zunahmenniveau sind es etwa 3,5 kg Futter

je kg Zuwachs.

Über eine gute Sortierung der Mastpartien

können Schweinemäster einen Teil

des Schlachtschweineerlöses selbst beeinflussen.

Die Schlachtdatenauswertung

durch das Beratungsteam Schweinehaltung

bietet Betrieben ein Werkzeug, um

die Sortierung zu verbessern. Darüber hinaus

zeigt die biologische und ökonomische

Auswertung über das Online-Mastauswertungsprogramm,

ob bei den Leistungen,

bei der Tiergesundheit oder den

Futterkosten noch Reserven liegen.

Nähere Informationen zur Schlachtdatenbzw.

Mastauswertung und wie auch Sie

das Verkaufsmanagement ihres Betriebes

durchleuchten und verbessern können,

erfahren Sie von Lydia Krojnik und Johann

Schmutzer unter der Tel: 050 259 23214

bzw. 050 259 23215

Onlineabfrage der

Klassifizierungsdaten

unter

www.oefk.at

Login:

• mit dem vorhandenen Zugang zu

eAMA (ein fehlender AMA-Pincode kann

unter www.eama.at direkt angefordert

werden)

• Betriebsnummer sowie AMA-Pincode

eingeben und das Feld „anmelden“ anklicken

• Unter dem Menüpunkt „Schlachtdaten“

auf der linken Spalte --> alle Lieferungen

(unabhängige Klassifizierungs-

EDV)

• Im Feld „Lieferungen“ --> Suche nach

bestimmten Schlachtbetrieben, Lieferzeiträumen

möglich, ansonsten werden

alle Lieferungen des Betriebes angezeigt

Ing. Johann Schmutzer

Lydia Krojnik

LK-NÖ, Beratung Schweinehaltung

Abb. 3: Schlachtgewichtverteilung Betrieb A.

Daten: LK-NÖ

Abb. 4: Schlachtgewichtverteilung Betrieb B.

Daten: LK-NÖ

1 2014 | Vermarktung | 17


AMA-Gütesiegel Schweinehaltung:

Warum Kontrollen?

Kontrollen als Teil des

Qualitätssicherungssystems

Betriebskontrollen, sogenannte Vor-Ort-Kontrollen, sind Teil des Qualitätssicherungssystems. Die Kontrollen im

AMA-Gütesiegel-Programm verfolgen mehrere Ziele.

Einerseits sollen sie den Betrieb eventuelle

Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen.

Andererseits unterstützen sie das Vertrauen

des Handels als wichtigen Partner der

Erzeuger und fördern die Glaubwürdigkeit

des einzigen gesetzlichen Qualitätszeichens

für Lebensmittel bei den Konsumenten.

Wie oft wird kontrolliert?

Festlegen der Kontrollfrequenz. Daten: AMA

Das AMA-Gütesiegel Fachgremium Frischfleisch

hat im Oktober 2013 grundsätzlich

eine jährliche Kontrolle aller Schweinehalter

vorgesehen und sich dabei zu einem

risikobasierten Ansatz bekannt. In der

praktischen Umsetzung richtet sich daher

die Kontrollfrequenz nach den Ergebnissen

der letzten Routinekontrolle (siehe

Tabelle). Ein risikobasiertes Bonussystem

soll also die erfolgreiche Arbeit des Betriebes

honorieren. Es findet auch bei den

Abnehmern (Handel, Konsument) großes

Verständnis.

Wichtig: Stichprobenartige Kontrollen

außerhalb der Routinekontrollfrequenz

werden darüber hinaus durchgeführt.

Kontrollergebnisse der Schweinemastbetriebe von 2011 bis 2013. Daten: AMA

Betriebliche Anforderungen

bei der Kontrolle

Österreich zählt zu den Vorreitern, wenn

es um hohe Standards in der tierischen

Produktion geht. Denkt man aber z.B. an

das Thema Tierwohl, werden zukünftig die

Konsumentenerwartungen aber auch die

rechtlichen Anforderungen mehr und

mehr Herausforderungen beinhalten.

Die Gütesiegel-Landwirte sind darauf vorbereitet:

Sie halten nicht nur die gesetzlichen,

sondern freiwillig darüber hinaus

gehende höhere Auflagen ein. Diese sind

in den AMA-Richtlinien definiert.

Wesentlicher Bestandteil jeder Kontrolle

ist neben der Begehung der Stallungen

auch die Prüfung der Dokumentation.

Um im Sinne der Landwirte einen zügigen

Ablauf der Kontrolle zu ermöglichen, sollten

daher folgende Unterlagen bereitliegen:

18 | AMA | 1 2014


Allgemeine Dokumente

und Unterlagen

• AMA-Gütesiegel-Erzeugervertrag

• ausgefüllte, aktuelle AMA-Eigenkontrollcheckliste

• Bestätigungen der zuletzt besuchten

Schulungen

Futtermittel-Unterlagen

• aktuelle Futtermittel-Negativliste im

AMA-Gütesiegel-Programm

• Lieferscheine/Rechnungen zugekaufter

Futtermittel*

• Mischprotokolle/Rationsberechnungen

für selbst gemischte Futtermittel*

• Bestätigung, dass eingesetzte fahrbare

Mahl- u. Mischanlagen gemäß

System pastus+ zugelassen sind*

• Dokumentation über Schadnager- und

Schädlingsbefall*

Unterlagen zur Tierkennzeichnung

und Tierherkunft

• Bestandsverzeichnis - schriftlich oder

elektronisch

• Liefer-/Viehverkehrsscheine für den

Zukauf und Verkauf

Unterlagen für die

Tiergesundheit

• Vertrag mit dem Tiergesundheitsdienst

(TGD)

• letztes Protokoll der TGD – Betriebserhebung

• Belege der Tierkörperverwertung

(Mit * gekennzeichneten Bestätigungen

müssen nur im Bedarfsfall vorliegen)

Erzeugervertrag. Daten: AMA

Kontrolle schafft Vertrauen

Im AMA-Gütesiegelprogramm versuchen

wir seit Jahren durch konsequente gezielte

Kontrolle das Vertrauen der Konsumenten

zu stärken.

Die Kontrollen sind unabhängig, unangemeldet

und prüfen die strengen Anforderungen

der AMA-Gütesiegelproduktion.

Das neu beschlossene Kontrollsystem

sieht mehr Kontrollen auf Betrieben mit

Abweichungen vor und belohnt darüber

hinaus jene, die die Anforderungen strikt

einhalten.

Eigenkontrollcheckliste. Daten: AMA

1 2014 | AMA | 19


Was machen

erfolgreiche Mäster anders?

Bei den aktuell mageren Renditen in der Schweinemast ist es umso wichtiger, die Produktion gut im Griff zu

haben. Oft sind es oberflächlich betrachtet nur Kleinigkeiten, die es ausmachen, dass die Leistungen passen.

Franz Strasser Produktionsberater für Schweinemast an der BSP Wels hat die Arbeitsweise erfolgreicher Mäster

in 15 „Gute Regeln für die Schweinemast“ zusammengefasst.

Ing. Franz Strasser

ABL, Berater LK-OÖ

1. Verlasse nie den Stall mit schlechtem

Gewissen (ich sollte eigentlich noch von Box

14 ein „sitzendes“ Schwein heraus sperren,

aber der Maisdrescher ... wartet).

2. Bei jedem Stalldurchgang Viehzeichenstift

und Stallkalender mitnehmen.

3. Nimm dir für neu angekommene Ferkel

besonders Zeit zum Sortieren, Kontrollieren

und Stallklimaeinstellen. Ferkel dürfen nie

frieren.

4. Belege deine Ställe nicht höher als maximal

0,7 m2 (besser 0,75 m2) pro Mastschwein.

5. Krankenstall (vornehmer ausgedrückt

„Genesungsstall“) für vorzeitig abgesonderte

Schweine vermindern die Ausfälle und

spart die eigenen Nerven.

6. Lege großen Wert auf einwandfreie Futterkomponenten

(CCM, Getreide, Zukauffuttermittel).

7. Fixiere einen Tag in der Woche, wo du

Routinearbeiten konsequent durchführst

(vielleicht jeden Samstagvormittag). Folgende

Tätigkeiten werden ausgeführt:

• Güllestoppeln ziehen

• Flüssigfütterung gezielt reinigen

(Abwaschen – Säurezusatz)

• Eintragung auf Stallkalender überprüfen

• Einen Blick in den CCM-Silo werfen

(Entnahmefräse warten und Silagequalität

überprüfen)

• Verkaufs-, Einstall- und Futterplanung

für die kommende Woche durchführen

• Ventilatoren und Thermostate überprüfen

und säubern

WICHTIG: Alarmanlage testen (Stromkreis

trennen – AKKU des Gerätes muss

Hupe mindestens drei Minuten zum

Heulen bringen)

• Tränken stichprobenartig kontrollieren

8. Verkotete Tröge sind absolute Fresslustkiller,

da ein Trogputzen vor jeder Mahlzeit

unzumutbar ist. Versuche durch bauliche

Maßnahmen dieses Problem in den Griff zu

bekommen.

9. Infektionsketten kompromisslos trennen

und nie übriggebliebene Restpartien mit

frisch eingestallten Ferkeln in einem Abteil

mischen (Abteil - Rein Raus oder Betrieb -

Rein Raus).

10. Mindestens einmal, besser zweimal täglich,

die Schweine beim Füttern kontrollieren:

Das erste Mal vor dem Ausdosieren und das

zweite Mal nach dem Füttern, denn zu kränkeln

beginnende Schweine erkennt man frühzeitig

daran, dass sie früher abgedrängt werden

und den Fressplatz frühzeitig verlassen.

Schweine in Seitenlage fuhlen sich wohl.

Foto: Strasser

Schweine mit geseundheitlichen Probelmen werden leicht

abgedrangt. Foto: Strasser

20 | Management | 1 2014


11. Beachte das Liegeverhalten Deiner

Schweine – da erkennst Du genau ob es zu

warm oder kalt ist, oder ob es zieht.

12. Jedes verendete Mastschwein ist eines

zu viel. Daher alle Ausfallursachen feststellen

und Maßnahmen setzen!

13. Daten jedes Mastdurchganges auswerten

(tägliche Zunahmen, Ausfälle, Futterverbrauch,

MFA, Schlachtgewicht).

14. Organisiere dir die Ferkel zum Wiedereinstallen,

bevor du die Mastschweine dieses

Stalles verkaufst. Es reichen drei bis

vier Leertage zum Reinigen und Desinfizieren

- ungewollte Leerzeiten kosten

unnötig Geld.

15. Sei kein „Einzelkämpfer“ sondern vermarkte

Deine Schweine über VLV, Gut

Streitdorf oder Styriabrid, denn nur mit

einem gebündelten Angebot können

Mästerinteressen vertreten werden.

Gleichzeitig sicherst Du mit dem umfangreichen

Serviceangebot deine Produktion

ab. (Zahlungsgarantie, Solidarhaftung bei

Lüftungsausfällen, wichtige Informationen)

Sehen und Hören im Maststall

Trotz fortgeschrittener Technik ist die tägliche

Beobachtung der Tiere für jeden

Mäster notwendig. Gut wachsenden

Schweinen zuzusehen und zu betreuen

macht richtig Freude. Genauso müssen

schwächelnde und kränkelnde Tiere frühzeitig

über eine Betreuungsperson

erkannt werden. Oft entscheidet die

rasche Behandlung über Erfolg.

Merkmal normal auffällig

Liegeverhalten

Temperament, Aufmerksamkeit

Laufverhalten

Gliedmaßen

• gleichmäßig verteilt

• bequeme Seiten- oder Bauchlage

• lebhaft, aufmerksam,

• neugierig, Ferkel spielen

• flitzen durch die Bucht

• belasten alle vier Beine gleichmäßig

• Gelenke ohne Schwellung

• korrekte Stellung

• Klauen gleich groß und geschlossen

• eng bei- oder übereinander

• entlang der Wände

• Schweine stehen abseits oder bleiben

liegen, träge

• apathisch, teilnahmslos

• lahmen

• entlasten ein Bein

• ziehen ein Bein nach

• geschwollene Gelenke

• Fehlstellungen

• Spalten, Risse in den Klauen

• lange Klauen

Körperhaltung • gerade Rückenlinie • gekrümmter Rücken

• schiefer Kopf

Entwicklungszustand

Fressverhalten

Kot

Haare

Haut

Nase

Augen

Ohren

• Gruppe homogen

• Lebendgewicht entspricht Alter

• laufen bei rationierter Fütterung alle an

den Trog

• Trog blank gefressen

• fest, braun

• Schweine und Boden kaum verschmutzt

• kurz, enganliegend

• matt glänzend

• rosa-weiß

• glatt, straff

• Rüsselscheibe matt glänzend, rosa

• kein oder wenig klares Sekret

• klar, ungetrübt

• lebhaft

• frei von Sekret

• frei von Krusten

• rosa-weiß

• Auseinanderwachsen

• einzelne Schweine kümmern

• bleiben liegen oder legen sich schnell

wieder hin

• Futterreste im Trog

• dünnbreiig bis dünnflüssig

• Schleim- oder Blutbeimengungen

• Ferkel und Boden stark verschmutzt

• lang, abstehend

• stumpf

• haarlose Stellen

• blass oder gelblich

• Krusten, Borken

• punktförmige Rötungen

• Unterhaut-Blutungen

• schleimiges, eitriges oder blutiges Sekret

• Nasenkrümmung, Querfalten

• Bläschen

• trüb

• Ausfluss; dunkle Sekretspuren,

„Tränenrinnen“

• Bindehäute geschwollen, rot

• blau-grau verfärbte, angeknabberte,

blutig verkrustete Ohrränder

Atmung • ruhig • pumpend, kurzatmig

• Husten, Niesen, Geräusche

1 2014 | Management | 21


© Kybele - Fotolia.com

Ing. Hannes Priller

Beratung Schweineproduktion

BSP Wels, LK-OÖ

Gute Futterhygiene ist

der Schlüssel zum Erfolg

Die Bedeutung der Futterhygiene für die Welternährung ist enorm. Weltweit

verderben jährlich 2 Milliarden Tonnen Getreide, das sind 15% der Weltgetreideernte.

In Europa wird der Verderb auf rund 1% geschätzt, hauptsächlich

verursacht durch Getreideschädlinge.

Futterhygiene beeinflusst maßgeblich

die Futteraufnahme

Das Schwein hat einen ausgezeichneten

Geruchssinn, es besitzt rund 1000 mal mehr

Riechsinnenszellen als der Mensch. Auch der

Geschmacksinn ist um 50% besser ausgeprägt.

Es ist daher leicht erklärbar, warum

Schweine auf schlechte Futterhygiene mit

reduzierter Futteraufnahme reagieren.

Diese reduzierte Futteraufnahme führt zu

Leistungsdepressionen und in ausgeprägter

Form zu schweren gesundheitlichen Schäden.

Wie eng der Zusammenhang zwischen

Futteraufnahme und Leistung ist zeigt die

Graphik am Beispiel von laktierenden Zuchtsauen.

Reduziert sich die Futteraufnahme

um 7% (0,5 kg täglich), so erhöht sich der

Gewichtsverlust in der Säugephase, bei der

Annahme einer konstanten Milchleistung,

um bis zu 33 Prozent. Entsprechende Auswirkungen

auf die Fruchtbarkeit sind zu

erwarten.

Futteranalysen

bringen Sicherheit

Als wichtige Maßnahme zur Qualitätssicherung

zählt die Futteranalyse. Die Analyse auf

Rohnährstoffe und Energie bringt wertvolle

Informationen zur Rationsgestaltung, die

Untersuchung auf Mikrobiologie und Fusarientoxinen

hingegen eine Abschätzung

möglicher Risiken der Futterhygiene. Es geht

dabei immer um das Ziehen einer repräsentativen

Durchschnittsprobe. Diese ist in den

meisten Fällen nur bei der Ernte durch viele

22 | Futterhygiene | 1 2014


Einzelproben zu gewinnen, bereits eingelagert

meist ein Ding der Unmöglichkeit.

In diesem Fall ist die Untersuchung einer

fertigen Mischung sinnvoller als die punktuelle

Entnahme aus einer Getreidesiloanlage.

Das Futtermittellabor der LK NÖ ist

seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner

mit einem hohen Qualitätsstandard.

Bei der mikrobiologischen Untersuchung

werden die Keimzahlen von Bakterien,

Schimmelpilzen und Hefen ermittelt.

Zudem erfolgt eine Bestimmung der wichtigsten

Keime, handelt es sich um produkttypische

oder verderbanzeigende

Typen. Zusätzlich wird die Futterprobe

mikroskopisch untersucht. Aus diesen verschiedenen

Parametern beurteilt das

Labor die Futterqualität und mögliche

Risiken und Einsatzmöglichkeiten.

Schäden am Tier durch

Mikroorganismen im Futter

Bei schlechter Futterhygiene ist das

Immunsystem des Körper ständig gefordert

und verbraucht viel Energie, Aminosäuren

und Vitamine zur Krankheitsabwehr.

Nährstoffe die für Wachstum, Reproduktionsleistung

oder Milchleistung

abgehen.

Mikroorganismen im Futter können durch

die allergene Wirkung der Pilzsporen,

durch negative Abbauprodukte, durch

Endotoxine, Exotoxine und Mykotoxine

Krankheiten verursachen.

Pilzsporen haben eine allergene Wirkung

besonders auf die Schleimhäute der Lunge.

Endotoxine direkt in den Blutkreislauf ist

mit erheblichen negativen Auswirkungen

zu rechnen, wie Erbrechen, septischer

Schock, Kreislaufschäden, Temperaturerhöhung,

Entzündungskaskade u.a.

Beim Futterverderb können sich auch Exotoxine

bilden. Es handelt sich dabei um

giftige Stoffwechselprodukte von Bakterien,

besonders von Clostridien u.a.

In der Praxis haben aber Mykotoxine die

größte Bedeutung. Aufgrund der relativ

intensiven Aufarbeitung dieses Themas in

den letzten Jahren wird nicht näher darauf

eingegangen.

Erntefrisches Getreide lebt

Erntefrisches Getreide ist besonders in

den ersten 8 Wochen anfällig für beginnenden

Verderb. Ursache dafür sind Nachreifeprozesse.

Dabei wandert Feuchtigkeit

vom Korn nach außen, das Getreide

schwitzt. Dieser Prozess führt zu einem

Anstieg von „freiem Wasser“, welches die

Entwicklung von Mikroorganismen fördert.

Dieses freie Wasser spiegelt sich im

AW Wert wieder (=Wasseraktivität).

Haltbar ist Getreide bis zu einem AW Wert

von 0,65. Der AW Wert ist „der“ Messwert

zur Beurteilung der Lagerfähigkeit. Ein AW

Wert von 0,65 bedeutet, dass sich im Luftraum

eines Getreidelagers, durch den

Feuchtigkeitsaustausch eine relative Luftfeuchtigkeit

von 65% bildet.

Nachdem erntefrisches Getreide lebt,

atmet es auch. Bei der Atmung entsteht

aus Kohlenhydrate und Sauerstoff, CO 2 ,

Wasser und Wärme. Getreide neigt daher

in dieser Phase auch zur Selbsterwärmung.

Futterhygiene beginnt beim

scharfen Reinigen

Ausputz enthält viel abgestorbene Materie,

also den optimalen Nährboden für

Mikroorganismen. Durch scharfes Reinigen

kann der Keimgehalt im Getreide je

nach Ausgangssituation um bis zu 80%

reduziert werden. Ausputz enthält meist

viel Grünbesatz, was zu einem zusätzlichen

Feuchtigkeitseintrag führt.

Mikroorganismen können beim Abbau von

Eiweißstoffen giftige Abbauprodukte bilden,

wie biogene Amine z.B. Histamin u.a.

Ein zusätzliches Gesundheitsrisiko kann

durch Endotoxine verursacht werden. Diese

entstehen beim Zerfall bzw. beim

Wachstum von gramnegativen Mikroorganismen.

Endotoxine bilden sich besonders

bei Futtererwärmungen (Zwischenlagerung

von feuchtem Getreide und Mais

oder Silagen). Auch in den staubförmigen

Bestandteilen von Futtermitteln (Heu,

Stroh, Getreide…) findet man hohe Gehalte.

Scharfes Reinigen bei der Ernte und vor

dem Vermahlen reduziert auch den Endotoxingehalt

drastisch.

Erhöhtes Risiko der Endotoxinaufnahme

besteht bei Verletzungen im Magen-

Darmbereich (Geschwüre…). Gelangen

Graphik: Zusammenhang Futteraufnahme und Gewichtsverlust bei Zuchtsauen

(Wurfzuwachs 2,5 kg täglich, 240 kg LG) Daten: Priller

Tabelle: Lagerfähigkeit von Getreide nach Burghes und Burell 1964, abgewandelt.

Daten: Priller

1 2014 | Futterhygiene | 23


Der Vorgang der Trocknung und Belüftung

wird dadurch stark erschwert, Energie entsprechend

verschwendet.

Ausputz hat zudem ein deutlich anderes

Fließverhalten und Gewicht als Getreide,

es können sich beim Ablauf entsprechende

Schmutznester bilden.

Hier dringt die Luft beim Belüften und

Trocknen nur schwer durch, es bilden sich

Brutstätten für Mikroorganismen und

Getreideschädlingen.

In der Praxis bewähren sich Windsichteranlagen

zum Reinigen sehr gut. Im Gegenstromprinzip

werde alle leichteren

Bestandteile aus dem Getreide geblasen

und über einen Zyklon abgeschieden. Die

Leistung des Windsichters muss entsprechend

der Förderleistung angepasst sein.

Lagertemperatur von Getreide

ist entscheidend

Bereits 1964 definierten Burghes und

Burell den Zusammenhang zwischen Temperatur,

Feuchtigkeit und Lagerfähigkeit.

Mikroorganismen entwickeln sich temperatur-

und feuchtigkeitsabhängig. Je

höher die Lagertemperatur desto niedriger

muss die Produktfeuchte eingestellt

werden, oder umgekehrt Getreide ist auch

mit 17% Feuchtigkeit durch Kühlung auf

10°C über 24 Monate haltbar.

Betrachtet man aber die Entwicklung von

Lagerschädlingen, so ist weniger die

Feuchtigkeit sondern vielmehr die Temperatur

entscheidend.

Beispielsweise kann die Vermehrung des

Kornkäfer bei einer Lagertemperatur von

12°C effektiv verhindert werden.

Der Kornkäfer kommt

unbemerkt und verursacht

horrende Schäden

„Jahrelang kein Problem, plötzlich war er

da und viel zu spät bemerkt“, das sind typische

Äußerungen von betroffenen Landwirten.

Man erkennt meist erst die Spitze

des Eisbergs, wenn es am Getreidehaufen

wächst, dann ist der Schaden meist schon

enorm.

Der Kornkäfer zählt wohl zu den gefährlichsten

Getreideschädlingen, vermehrt

sich bei einer Temperatur von über 12°C,

fällt bei 5°C in Kältestarre überlebt dabei

aber noch rund 10 Wochen. Aus einem

Weibchen entwickeln sich bis zu 250.000

Nachkommen jährlich. Bei Temperaturen

von über 40°C tritt der Hitzetot ein.

Ausreichend

Belüften schützt

Getreide hat eine geringe Wärmeleitfähigkeit,

ohne Belüften dauert es Monate bis

der Getreidehaufen auskühlt. Belüften

reduziert das „freie“ Wasser im Getreide in

der Nachreifephase, senkt die Temperatur

und dadurch auch maßgeblich die

Atmungsverluste. Man geht davon aus,

dass Getreide bei einer Lagertemperatur

von 20°C monatlich rund 0,2-0,3% Substanz

veratmet, bei Temperaturen von

10°C hingegen nur 0,1%. Das sind immerhin

bei 100 t Getreide monatlich um 100-

200 kg weniger Verlust.

Bei kühler Außentemperatur kommt es

zudem im zu warmen Getreidelager zu

Kondensation im inneren Randbereich der

Siloanlage.

Auch im Flachlager gibt es Möglichkeiten

zur Belüftung, mit Wellblechkanälen,

Unterflourkanälen u.a. Alternativ kann

auch das Umziehen und Reinigen über

den Windsichter durchgeführt werden,

jedoch mit deutlich geringerem Effekt.

Grundsätze beim Belüften

Beim gängigen Verfahren der Minimalbelüftung,

sollte Getreide mit maximal 14,5%

Feuchtigkeit eingelagert werden.

Das Getreide muss schichtweise befüllt

werden und das Getreidelager muss eben

sein. Bei hohen Erntetemperaturen soll

die Belüftung sofort beginnen. In den

ersten Wochen muss die Temperatur täglich

überwacht werden.

Die notwendige Belüftungsdauer wird

nach einer Trocknung mit 10 Nächten zu

10 Stunden angegeben. Die anschließenden

Intervalle richten sich nach der Temperatur

im Getreidehaufen und der

Außentemperatur. Je schneller das Getreide

auf unter 12°C gebracht wird, umso

besser. Nach jedem Belüften soll die

Zuluftklappe geschlossen werden, damit

keine Luftzirkulation entsteht.

Ein Absenken der Temperatur um 10°C

bewirkt auch eine Reduktion der Kornfeuchte

um 0,5°C. Zum Beachten ist auch,

dass nur Außenluft angesaugt wird, es

darf kein Kurzschluss der Luft entstehen.

Belüftungstabellen helfen bei der Frage,

ab welcher rel. Luftfeuchte und Temperaturdifferenz

zwischen Außenluft und

Getreide belüftet werden kann, ohne dass

es zu einem Feuchtigkeitseintrag kommt.

Enthält das eingelagerte Getreide 13%

Feuchtigkeit so darf bei einer Temperaturdifferenz

von 5°C die maximale Luftfeuch-

Vorratsschädlinge im Getreide. Bild:

REICHMUTH, Ch., 1997: Th. Mann, 20ff

Tabelle 1: Belüftungstabelle für Getreide. Daten: Dr. Theimer

24 | Futterhygiene | 1 2014


tigkeit 84% betragen, bei einer Temperaturdifferenz

von 8°C wären sogar 100%

Luftfeuchtigkeit zulässig.

Als Grundsatz gilt, dass ab einer Temperaturdifferenz

von 5°C und einer rel. Luftfeuchtigkeit

von unter 80% Getreide

immer belüftet werden kann.

Technische Voraussetzungen

zum Belüften

Die Luftrate sollte rund 15-20m³ je m³

Getreide und Stunde betragen. Das Gebläse

sollte je Meter Schütthöhe 350 Pascal

leisten, die max. Luftgeschwindigkeit im

Belüftungskanal 10m/sec. nicht überschreiten,

im Getreidestapel 0,1- 0,2m.

Im Flachlager sollten 3 m Schütthöhe

nicht überschritten werden, der Abstand

der Belüftungsrohre zur Höhe im Verhältnis

0,6 bis max.0,9 stehen und die Kanallänge

max. 20m betragen.

Notwendige Messgeräte sind ein Luftfeuchtemessgerät

mit Thermometer und

eine Temperaturmesseinrichtung für das

Getreide. Die Messungen sollten im Abstand

oder Raster von 3m x 3m durchgeführt

werden.

Der richtige Lagerort

Grundsätzlich gelten beim Lagerort folgende

Grundsätze, möglichst glatte Wände,

keine Ritzen, Spalten oder Fugen und

möglichst wenig sonstiges Gerümpel in

der Umgebung, damit Schadnager keine

Rückzugsmöglichkeiten haben.

Vor dem Befüllen muss das Lager geleert

und gründlich gereinigt werden. Es darf

niemals frisches und altes Getreide vermischt

werden. Bei deckenlastiger oder

Hallenlagerung ist eine Dampfsperre bzw.

Feuchtigkeitssperre mit PE-Folie notwendig.

Zusätzlich bei Decklagerung auch

eine Wärmedämmung

Chemische Konservierung

bei suboptimalen Lagerungsbedingungen

Bei allen Lagerungsbedingungen ohne

Belüftungsmöglichkeit bietet sich die Säurekonservierung

mit nichtkorrosiver Ware

an. Meist wird zur Säure ein Insektizid beigemischt,

wodurch der perfekte Schutz

gegen alle Lagerschädling entsteht. Auch

bei der Säurekonservierung sollte das

Getreide vorher gereinigt werden. Vorteilhaft

wäre eine Zwischenlagerung der

benetzten Ware bis die Säure eingezogen

ist, um ein Zusammenklumpen am Endlager

zu verhindern. Weitere Voraussetzungen

sind die exakte Bestimmung der Erntefeuchtigkeit

mit mehrmaliger Messung

und die genaue Ausdosierung je nach Produktinformation

am Besten mit 10%igem

Sicherheitszuschlag und einer guten

Durchmischung. Konserviertes und nichtkonserviertes

Getreide darf nicht vermischt

werden.

Laufende Kontrolle

des Getreidelagers

Mikrobiologische Aktivität geht immer mit

einem Temperaturanstieg einher. Die laufende

Temperaturmessung ist daher die

wichtigste Maßnahme zur Qualitätssicherung,

in den ersten Wochen täglich, später

bei abgekühlter Ware wöchentlich bis zum

2 Wochen Intervall.

Mittel zur

Schädlingsbekämpfung

Die angeführte Tabelle bietet eine Übersicht

über die gängigsten Mitteln zur

Schädlingsbekämpfung. Zu beachten ist,

dass nicht alle Mittel für die Lagerraumbehandlung

bzw. für das Einmischen ins

Getreide zugelassen sind. Gerade bei der

Säurekonservierung wurde oft das Produkt

Actellic 50 zugemischt, es hat aber

seine Zulassung verloren. Alternativ bietet

sich das Produkt K-Obiol EC 25 an, welches

ebenso mit Säure gemischt werden kann,

jedoch mit einer anderen Dosierung (Achtung

Begleittext).

Lagerraumbehandlungen mit Produkten

aus Phosphorwasserstoffe sind für den

Menschen hochgiftig und dürfen nur von

sachkundigen, zugelassen Schädlingsbekämpfern

durchgeführt werden.

Fazit

Zusammengefasst bleibt festzuhalten,

dass zunehmende Betriebsgrößen und

Tierzahlen nach höheren Standards bei

der Qualitätssicherung und beim Risikomanagement

verlangen.

Für Betriebe mit knappen Arbeitsressourcen

tritt die Bedeutung einer möglichst

runden Produktion besonders in den

Vordergrund.

Die Futterhygiene ist ein Faktor von vielen,

der wesentlich die Gesundheit und Leistungsbereitschaft

beeinflusst. Nutzen wir

die Möglichkeiten, durch die überwiegende

eigene Produktion unserer Futtermittel,

hervorragenden Futterqualitäten zu

verfüttern.

Tabelle 2: Mittel zur Schädlingsbekämpfung und –Vorbeuge für Getreidelager

und Getreide. Daten: Tiefenthaller, Köppl, 2013 LKOÖ

1 2014 | Futterhygiene | 25


© Simone van den Berg - Fotolia.com

Projekt elektronische Ohrmarke: Erweiterung

unter VÖS-Schirmherrschaft

Das von der EZG Gut Streitdorf in Zusammenarbeit mit den Firmen SAPRO und ECMAS initiierte Projekt „Elektronische

Ohrmarke in der Schweinehaltung“, wurde nun österreichweit unter der Koordination des VÖS ausgeweitet.

Die Elektronische Ohrmarke soll die Selektion in der Schweinezucht, sowie die Identifikation der

Einzeltiere erleichtern. Ebenso soll eine Rückverfolgbarkeit vom Landwirt bis zum Schlachthof abgesichert

werden.

Abb. 1: Im weiblichen Teil der Ohrmarke

(Mitte und Rechts) wird der auf einer

Kupferfolie integrierte Chip eingeschweißt.

Foto: Krapf

Besonderheit der Ohrmarke

Die elektronische Ohrmarke (Abb. 1)

unterscheidet sich rein äußerlich nicht

von der bis jetzt verwendeten, beherbergt

aber in ihrem Inneren einen RFID-Chip,

der im UHF-Bereich arbeitet (868 MHZ)

und mit einem 24-stelligen Code programmiert

wird. In diesem Code sind die

Länder- und Bundesländernummer sowie

die LFBIS-Nummer des Herkunftsbetriebes

und eine laufende Nummer enthalten.

Diese laufende Nummer wird im Internetsauenplaner,

der Grundbedingung für

den Einsatz der elektronischen Ohrmarke

ist, vor dem Absetzen jedem Ferkel zugeordnet.

Nach Anpassungen während der Testserie

ist die Ohrmarke robust genug, um so

auch die speziell beim Schlachtprozess

sehr hohen Belastungen (Brühwasser,

Flämmmaschine) unbeschadet überstehen

zu können. Um eine 100% Ableserate

zu ermöglichen sind jedoch weitere Optimierungsschritte

notwendig.

Das Auslesen und die Einbindung der

Daten des Chips in die Software am

Schlachthof erfolgt vollkommen automatisch.

Das dazu benötigte technische

Equipment besteht aus speziellen RFID-

Leseantennen, die mit einem Reader verbunden

sind. Dieser verarbeitet die von

den Antennen empfangenen Daten und

schickt sie über eine Schnittstelle direkt an

die ÖFK-Schlachthofsoftware.

Der Zeitpunkt des Auslesevorganges bzw.

der Datenweiterleitung ist ident mit dem

Zeitpunkt des Verwiege- und Klassifizierungsprozesses

der einzelnen Schlachtschweine.

26 | Elektronische Ohrmarke | 1 2014


Projektplan

Nach den ersten zufriedenstellenden

Pilotversuchen in Niederösterreich wurde

mit Beginn 2014 das Projekt im Rahmen

des VÖS auf ganz Österreich ausgeweitet.

In dieser Testphase wurden vor ungefähr

eineinhalb Jahren 20 Ferkelerzeuger bzw.

kombinierte Betriebe mit elektronischen

Ohrmarken ausgerüstet.

Die Betriebe wurden nach bestimmten

Kriterien ausgewählt. Grundbedingungen

waren der Einsatz von 100 % ÖHYB-Genetik,

Verwendung des Internetsauenplaners

sowie Verkauf der Ferkel an Mäster im

Direktbezug, deren Schweine wiederum

über die Börse an die Schlachthöfe Dachsberger

und Gantner vermarktet werden.

Seit Beginn dieses Jahres sind auch jeweils

1 kombinierter Betrieb aus der Steiermark

und Oberösterreich in das Projekt eingestiegen.

Im Laufe dieses Versuchs wurden

durch ständige Beobachtungen auf den

Betrieben selbst, sowie auf den Schlachthöfen

laufend Optimierungen im Herstellungs-,

Einsatz- und Ausleseprozess vorgenommen.

Folgende weitere Vorgangsweise ist

geplant:

a) Verstärkter Einsatz von elektronischen

Ohrmarken in der Praxis

b) Nach erfolgreich absolvierter Testphase

verbreiteter Einsatz von

eigens für dieses Projekt konstruierten

mobilen Erfassungs- und

Eingabegeräten

c) Installation der benötigten Hardund

Software auf den strategisch

wichtigsten Schlachthöfen

d) Fachliche Begleitung sowie entsprechende

Auswertung und Aufbereitung

der Daten durch die

Österreichische Schweineprüfanstalt

in Streitdorf

Um dem Landwirt die Zuordnung der

elektronischen Ohrmarken zu den einzelnen

Ferkeln und ihren Elterntieren zu

erleichtern sowie die allgemeine Datenerfassung

fast komplett vom Büro in den

Stall verlagern zu können, hat die EZG Gut

Streitdorf mit den Firmen ECMAS und

INTELICON ein spezielles mobiles Eingabegerät

entwickelt (siehe Foto).

Auf der Rückseite eines herkömmlichen

Tablet-PC’s ist eine spezielle RFID-Leseeinheit

angebaut, welche die Chip-Ohrmarke

identifiziert und die sofortige Weiterverarbeitung

über eigens dafür programmierte

Apps (siehe Screenshots) mit dem Tablet

ermöglicht.

Die Lesereichweite der Antenne ist stufenlos

verstellbar, derartige Geräte werden in

den nächsten Monaten 10 in der Praxis auf

Herz und Nieren getestet.

Zusammenfassung

Durch den Einsatz der elektronischen Ohrmarke

wird mit Hilfe der in die Zuchtwertschätzung

einfließenden zusätzlichen

Felddaten die Selektion unterstützt und so

der Zuchtfortschritt beschleunigt. Jeder

Ferkelproduzent bzw. kombinierte

Betrieb, der in Zukunft mit der elektronischen

Ohrmarke arbeitet, bekommt natürlich

auch wertvolle Rückmeldungen für

seinen eigenen Betrieb.

Ing. Robert Krapf

Projektkoordinator, EZG Gut Streitdorf

Eingabegerät für die mobile Datenerfassung.

Foto: Krapf

Mobile Datenerfassung

mit Spezialtablet

Screenshot 1. Foto: Graf

Screenshot 2. Foto: Graf

1 2014 | Elektronische Ohrmarke | 27


Erfolgreiches Qualitätsmonitoring

der Besamungsstationen

Die Besamungsstationen Steinhaus (OÖ), Hohenwarth (NÖ) und Gleisdorf (STMK) sind seit einigen Jahren Mitglied

des internationalen Fördervereins Biotechnologieforschung (FBF).

Dr. Peter Knapp

Koordinator VÖS-Zuchtausschuss

Neben der gemeinsamen Finanzierung praxisrelevanter

Forschungsarbeit unterziehen

sich die Besamungsstationen des FBF auch

einem regelmäßigen externen Qualitätsmonitoring.

Überwachung der gesamten

Produktionskette

Dabei wird von den Experten des Instituts für

Fortpflanzung landwirtschaftlicher Nutztiere

(IFN) in Schönow bei Berlin der gesamte Prozess

bei der Spermaproduktion unter die

Lupe genommen. Der Schwerpunkt liegt in

der Überwachung der kritischen Punkte Biosicherheit,

Absamung und Spermaverarbeitung.

Gleichzeitig werden stichprobenweise

Spermatuben aus der Produktion genommen

und hinsichtlich der Spermaqualitätskriterien

Dichte, Motilität, Spermienmenge

pro Tube und Haltbarkeit nach dem FBF

Standard überprüft. Bei den diesjährigen Stationsbesuchen

standen die Optimierung der

Abkühlungs- und Verdünnungsschritte

sowie die Überprüfung der Hygiene im Labor

im Mittelpunkt. Beide Faktoren haben auch

Einfluss auf die Haltbarkeit des Spermas.

Praktische Ratschläge

Dr. Martin Schulze vom IFN, der über 30

Besamungsstationen im deutschsprachigen

Raum jährlich überprüft, gibt auch im Rahmen

von Mitarbeiterschulungen wertvolle

praktische Ratschläge zur Optimierung der

Produktionsabläufe in allen Bereichen der

Besamungsstation. Das positive Resümee

seines Österreichbesuches: „Die Hygieneund

Qualitätsstandards der österreichischen

Besamungsstationen liegen auf internationalem

Spitzenniveau, die durch unser Qualitätsmonitoring

bestätigt werden können.“

Dr. Martin Schulze und Fr. Karin Rüdiger vom IFM Schönow

nehmen Stichproben aus der Spermaproduktion und prüfen

Hygiene, Spermaqualität, Spermienmenge und Haltbarkeit.

Foto: Knapp

Das Einhalten einer optimalen Temperaturkurve bei der

Verarbeitung des Spermas ist wesentlich für die Haltbarkeit.

Foto: Knapp

28 | Besamungsstationen | 1 2014


© zolastro - Fotolia.com

Afrikanische Schweinepest

– eine reale Bedrohung

Univ.Prof. Dr. Isabel Hennig-Pauka

Vetmed Uni Wien

Die anzeigepflichtige Afrikanische Schweinepest hat Ende Jänner Litauen und vor wenigen Wochen nun auch

Polen erreicht und Behörden und Schweinehalter sind in Alarmbereitschaft. Die Erkrankung wird durch das

Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP-Virus) ausgelöst, das zur Familie der Asfarviridae gehört und eine

lipidhaltige Hülle besitzt.

Es kann Haus-, Wild- und Warzenschweine

jeden Alters, sowie Lederzecken (Ornithodorus)

infizieren, stellt jedoch keine

Gefahr für den Menschen oder andere

Tierarten dar.

Symptome und

Infektion der ASP

Afrikanische Schweinepest unterscheidet

sich klinisch nicht von der Klassischen

Schweinepest. Bei Hausschweinen dominieren

hohes Fieber, Schwäche, Durchfall,

Atembeschwerden, Fressunlust und Hautverfärbungen,

während beim Schwarzwild

eher eine verringerte Fluchtbereitsschaft,

Bewegungsunlust und Orientierungs

losigkeit im Vordergrund stehen.

Es tritt vermehrt Fallwild auf, da etwa 95%

aller infizierten Wildschweine verenden

(Meindl-Böhmer und Blome 2013). Auch

Aborte können auftreten.

Die Infektion erfolgt direkt über Tierkontakte

oder die Aufnahme von infektiösem

Material, Schweine können sich jedoch

auch indirekt durch unbelebte, kontaminierte

Gegenstände anstecken. Die Verbreitung

des Erregers wird durch seine

sehr hohe Stabilität in der Umwelt, in

Fleisch und in Körperflüssigkeiten begünstigt.

So bleibt das Virus im Blut bei Raumtemperatur

etwa 70 Tage lang infektiös,

kann sich viele Jahre in gefrorenen

Schlachtkörpern und etwa sechs Monate

in konserviertem Schinken halten. Eine

Stabilität auch bei extremen pH-Werten

(3,9-11,5) und bei Wärme (60°C, 20 Minuten)

sind beschrieben worden. Als geeignete

Desinfektionsmittel gelten NaOH,

Formalin und Phenol.

Aufgrund der Haltbarkeit des Virus in

Fleisch- und Wurstwaren wird befürchtet,

dass Personen aus infizierten Gebieten Teile

ihrer aus dem Heimatland mitgebrachten

Verpflegung so entsorgen, dass sie für

Schweine erreichbar sind (Mülleimer im

Wald, an Parkplätzen) und so die Krankheit

in zuvor freie Gebiete eingeschleppt werden

könnte.

Verbreitung der ASP

Die Erkrankung wurde 1921 in Kenia nachgewiesen

und gilt in Gebieten in Afrika

südlich der Sahara als endemisch (Callaway

2012). Latente Virusträger sind hier

vor allem Warzenschweine und Lederzecken.

1957 trat ASP in Portugal auf, dann

später in Spanien, Frankreich, Italien, auf

Malta, in Belgien und den Niederlanden.

Als Hauptursachen für eine Verbreitung

des Virus zwischen verschiedenen Regionen

wurden Speiseabfälle von Schiffen

und Flugzeugen verantwortlich gemacht.

In den 1980er Jahren galten auch Cuba,

Brasilien, die Dominikanische Republik

und Haiti als infiziert, das Virus wurde dort

aber ebenso wie in den Europäischen

1 2014 | Schweinepest | 29


Gebieten - mit Ausnahme von Sardinien -

erfolgreich bekämpft. Auf Sardinien ist die

Erkrankung seit 1978 endemisch. Das

Virus hält sich hier in Schweinen, die als

halbwild angesehen werden können und

bei denen sich Bekämpfungsmaßnahmen

als äußerst schwierig herausstellen. Einen

besonderen Risikofaktor für die Übertragung

stellt seit jeher der Tourismus dar.

Seit 2007 kommt es ausgehend von Georgien

in der Kaukasusregion zu Ausbrüchen,

seit 2013 in Russland und Weißrussland,

wo zuletzt Ausbrüche in Hausschweinebeständen

40 km vor der Litauischen

Grenze auftraten. Viruspositive

Wildschweine wurden in den letzten

Wochen in Litauen entdeckt. Hauptgefahrenquellen

für eine Weiterverbreitung des

Erregers sind die Verschleppung durch

Transportfahrzeuge, illegal importierte

Lebensmittel tierischen Ursprungs, Wanderungsbewegungen

von infiziertem

Schwarzwild und Jagdtourismus.

Nach Einschätzung von Experten ist eine

Weiterverbreitung des Erregers entweder

über eine nördliche Ausbreitungsroute

(Weißrussland, Baltikum, Polen, Deutschland),

bzw. eine südliche Route (Ukraine,

Rumänien, Österreich) nicht ausgeschlossen.

Vor allem die unzureichenden

Bekämpfungsmaßnahmen gegenüber der

Schwarzwildverbreitung in Weißrussland

stellen einen Risikofaktor da. Eine

Bekämpfung des ASP-Virus beim Schwarzwild

erscheint derzeit nicht möglich, da –

anders als gegen die Klassische Schweinepest-

kein Impfstoff existiert und auf lange

Sicht auch nicht in Aussicht ist. Eine alleinige

Fallwildbeseitigung mit Beprobung

reicht zur Eindämmung der Virusverbreitung

nicht aus. Hausschweine bestände

sollten abgeschirmt werden (verstärkte

Biosicherheits maßnahmen) und alle

Bevölkerungsanteile müssen über die

Bedeutung von Hygienemaßnahmen und

die ordnungsgemäße Entsorgung von

Abfällen aufgeklärt werden.

In Österreich ist Untersuchungsmaterial

nach Absprache mit den Tierärzten und

amtlichen Tierärzten an die AGES-Institut

für veterinärmedizinische Untersuchungen

in Mödling zu geben.

Wichtigste Maßnahmen in der Europäischen

Union zur Abwehr der Seuche sind

das Verbot der Einfuhr von lebenden

Schweinen und Schweinefleischerzeugnissen

aus den betroffenen Staaten, verstärkte

Personengepäckkontrollen, Probentestung

auf ASP in Gebieten, die für

die Klassische Schweinepest positiv sind,

und möglicherweise auch ein Versuch des

Zurückdrängens von Wildschweinen

durch Repellentien. Außerdem besteht die

Verpflichtung, Transportfahrzeuge, die aus

betroffenen Gebieten kommen, zu reinigen

und zu desinfizieren und dieses zu

dokumentieren (KOM 5.8.2013,

2013/426/EU). Dies gestaltet sich vor

allem in den kalten Wintermonaten

schwierig.

Erforschung des ASP-Virus

Experimentelle Arbeiten zur Erforschung

des ASP-Virus werden aufgrund der nötigen

hohen Sicherheiststufe nur an einigen,

wenigen Forschungsstätten in Europa

durchgeführt. Im Friedrich-Löffler-Institut

auf der Insel Riems werden anhand

experimenteller Infektionen die Eigenschaften

des Erreger untersucht. Es konnte

gezeigt werden, dass sich bei sehr niedrigen

Infektionsdosen vor allem

geschwächte Tiere anstecken, die dann

später weitere Tiere infizieren können, so

dass ein Viruseintrag nicht immer gleich

offensichtlich seuchenhaft erfolgt. Ausgehend

von einem Einzeltier kann es

geschätzt etwa zwei Wochen dauern, bis

ein Bestand als verdächtig erkannt wird,

da die unspezifischen Symptome und

Sekundärinfektionen das Krankheitsbild

der ASP verschleiern (Blome und Beer,

2014).

Beim Krankheitsverlauf nach einer experimentellen

Infektion zeigten die Tiere

bereits am dritten Tag nach der Infektion

hohes Fieber (>41°C), ab dem 5. Tag dann

eine verminderte Futteraufnahme, Abgeschlagenheit,

erhöhte Atemfrequenz,

Durchfall und Lidbindehautentzündungen.

Ab dem 6. Tag nach Infektion traten

Blauverfärbungen an der Körperperipherie

auf, sobald sich die Tiere aufregten, ab

dem 8. Tag konnten zentralnervöse Krankheitserscheinungen,

wie Ataxien, später

auch Ruderbewegungen und Somnolenz

beobachtet werden. Die Tiere verendeten

zwischen dem 6. und 10. Tag nach der

Infektion (Versuchsbeschreibung nach

Aussagen von Sandra Blohme, FLI Riems,

Deutschland).

Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest

zieht die unverzügliche Tötung und

unschädliche Beseitigung betroffener

Hausschweinebestände nach sich. In den

dann einzurichtenden Sperr- und Überwachungsgebieten

kommt der Handel mit

Schweinen und Schweinefleischprodukten

zum Erliegen.

Für weitere Informationen besuchen sie

bitte die Homepage der AGES

http://www.ages.at/ages/gesundheit/ti

er/afrikanische-schweinepest/

Autorin:

Univ.Prof. Dr. Isabel Hennig-Pauka

Leitung der Schweineklinik, Vetmed Uni

Wien

Referenzen:

Blome S., Beer, M. (2013): Afrikanische

Schweinepest - eine hochgefährliche Tierseuche

auf dem Vormarsch. Berichte aus der

Forschung/ASP. FoRep 2/2013

Calaway, E. (2012): Pig fever sweeps across

Russia. Nature, 488, 565-566.

Die Erkrankung ist auf Basis klinischer Symptome nicht von der Klassischen

Schweinepest und anderen schweren Krankheitsverläufen zu unterscheiden.

Foto: FLI

Meindl-Bömer, A., Blome, S. (2013): Afrikanische

Schweinepest-Dunkle Wolken am Horizont.

Jägermagazin 4, 42-45.

Weitere Literatur bei der Verfasserin.

30 | Schweinepest | 1 2014


Foto: FLI

Was unternimmt die Interessenvertretung

im Hinblick auf den

ASP-Ausbruch in

Litauen und Polen?

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen

ist es vorerst erforderlich, die

Aufklärungsarbeit zu dieser gefährlichen

Tierseuche zu verstärken, um die Personenkreise,

die beruflich, gewerblich oder

auch hobbymäßig mit lebenden Schweinen,

Schweinefleisch bzw. Schweinefleischerzeugnissen

oder –zubereitungen

oder mit Wildschweinen umgehen, zu

sensibilisieren.

Was müssen die Landwirte in

Bezug auf die ASP beachten?

Wie generell bei der Seuchenvorsorge ist

auch bei der ASP größtes Augenmerk auf

die allgemeinen Biosicherheitsmaßnahmen

in schweinehaltenden Betrieben zu

legen. Dazu gehören Vorsichtsmaßnahmen

beim Personen-, Waren- und Tierverkehr

in den Betrieben, die Verwendung

betriebseigener Schutzkleidung, wenn

betriebsfremde Personen den Stall betreten,

sowie die Reinigung und Desinfektion

der Transportfahrzeuge. Die Organisation

und Logistik der Abholung verendeter

Tiere vom Hof durch Tierkörperverwertungen

ist von ganz besonderer Bedeutung.

Bei Freilandhaltung von Hausschweinen

muss ein möglicher Kontakt

dieser Tiere mit Wildschweinen unbedingt

verhindert werden. Sollten gehäufte

Krankheits- und Todesfälle im Bestand

auftreten, die nicht klar einer anderen

Erkrankung zugeordnet werden können,

muss sofort der Betreuungstierarzt zugezogen

werden.

Was fordert die Interessenvertretung,

um das Risiko der Einschleppung

in Österreich so

gering als möglich zu halten?

Es gilt alles zu unternehmen, um eine weitere

Ausbreitung der ASP innerhalb der

EU zu verhindern. Eine europaweit abgestimmte

Vorgehensweise aller Veterinärverwaltungen

der Mitgliedsländer untereinander

und mit den Behörden in Russland

und Weißrussland ist ein Gebot der

Stunde. Gemeinsam ist an effizienten

Maßnahmen zur Unterbrechung der

möglichen Infektionswege zu arbeiten.

Das große Risiko der weiteren Verschleppung

der ASP nach Westen durch das

Schwarzwild muss von allen Beteiligten

ernst genommen werden. Dies bedarf

auch einer engen Abstimmung mit der

Jägerschaft, die aufgerufen wird, ein vermehrtes

Auftreten von gefallenem

Schwarzwild der zuständigen Behörde zu

melden und entsprechende Proben amtlich

abklären zu lassen. Nach eventuellen

Jagdausflügen in die derzeit betroffenen

Regionen sind die notwendigen Hygienemaßnahmen

bei Gerätschaften und

Bekleidung vorzunehmen. Aufklärungsarbeit

ist auch bei Reisenden und LKW-Fahrern,

die in das Baltikum reisen, zu leisten.

Es dürfen keine Lebensmittel von dort

mitgenommen und bei uns weggeworfen

werden. So könnten zum Beispiel auf

Autobahnraststätten entsorgte Fleischund

Wurstwaren zur Infektion heimischer

Wildschweine führen, die solche Mülleimer

plündern.

Das Krisenmanagement der Veterinärverwaltungen

in den Ländern der EU und

somit auch in Österreich ist gerade jetzt

zu hinterfragen, zu analysieren und wenn

notwendig auch anzupassen, um eine

konsequente Tierseuchenprophylaxe

aber auch eine rasche Tierseuchenbekämpfung

unter den gegebenen Umständen

gewährleisten zu können. Es muss

von allen Beteiligten ständig hinterfragt

werden, ob die Vorbereitungen ausreichend

sind. Dies um so mehr, wenn man

weiß mit welch enormen wirtschaftlichen

Schäden die Tierhalter und die gesamte

nachgelagerte Wirtschaft beim Ausbruch

der ASP zu rechnen hätte.

DI Johann Stinglmayr

Koordinator Ausschuss Recht & Politik

1 2014 | Schweinepest | 31


Wie genial ist regional?

Eine Woche ausschließlich regionale Lebensmittel essen – funktioniert

das? Ein Selbstexperiment sollte die Antwort geben – mit überraschenden

Ergebnissen!

MONIKA LANGTHALER

ist geschäftsführende Gesellschafterin

der Beratungsfirma brainbows Informationsmanagement

GmbH. Das Unternehmen,

das sie gemeinsam mit ihrem

Geschäftspartner Christian Nohel 2000

gegründet hat, ist spezialisiert auf die

Bereiche Energie & Klimaschutz, Nachhaltigkeit,

strategische Beratung sowie

Events und Stakeholderkommunikation.

Zuvor war sie von 1990 bis 1999 Nationalratsabgeordnete.

Unsere Lebensmittel stehen immer und

überall zur Verfügung – egal zu welcher

Jahreszeit und aus welchem Erdteil sie

kommen. Doch geht es auch anders?

Kann man sich ausschließlich mit Produkten

ernähren, die direkt vor meiner

Haustüre wachsen?

Ich wollte dieser Frage auf den Grund

gehen und startete einen Selbstversuch!

Ich wollte eine Woche lang wirklich nur

das essen, was bei uns wächst und produziert

wird – und zwar im Umkreis von 50

km. Das bedeutet: Es gab keine importierten

Genüsse wie Kaffee oder Schokolade,

keine E-Nummern, keine exotischen

Gewürze oder Früchte.

Einkaufen nach Saison

Schon seit Jahren frage ich mich, warum

essen wir im Winter Früchte aus Übersee,

die zuerst tausende Kilometer transportiert

werden und dann ohnehin nach

nichts schmecken? Alleine wenn man ein

Kilo eingeflogene Trauben aus Chile im

Winter isst, werden damit über 7 kg CO 2

verursacht! Wenn wir also über Klimawandel

sprechen und konkret CO 2 einsparen

wollen, dann müssen wir vor allem eines:

Unsere Ernährung und das Einkaufsverhalten

ändern.

Mein eigenes Experiment

Zuerst einmal muss ich vorausschicken:

für meinen Versuch wählte ich die bestmöglichen

Voraussetzungen. Der Zeitraum

war lediglich mit sieben Tagen

anberaumt und das im Weinviertel mitten

im Sommer, wenn alles rundherum

wächst und gedeiht. Trotzdem war der

Selbstversuch doch eine echte Herausforderung,

der nicht nur ich mich stellen

wollte. Denn offenbar fanden viele in meinem

Bekanntenkreis meine Erzählungen

über das Selbstexperiment so spannend,

dass sie unbedingt mitmachen wollten!

Und nicht nur das!

Auch das Land Niederösterreich beteiligte

sich und überlegt nun als Konsequenz,

wie man regionale Versorgungsstrukturen

noch besser fördern kann. Damit habe ich

also bereits das erreicht, was am wichtigsten

ist: Aufmerksamkeit. Diese Bewusstseinsmachung

stärkt schließlich auch die

lokale und regionale Wirtschaft.

Monika Langthaler mit ihren regionalen Produzenten, Fleischhauer Reinhard

Hiess und Bäcker Philipp Stoiber. Foto: © www.sebastianfreiler.com

32 | Regionalität | 1 2014


Anleitung zur Regionalität

Unbedingt notwendig ist eine gute Vorbereitung,

da man wohl sonst eher eine

Fasten- denn eine Regional-Woche absolviert.

Welche Lebensmittel sind für mich

unbedingt notwendig? Was brauche ich

fürs Frühstück, welche Lebensmittel sind

fürs Kochen unverzichtbar? Diese Fragen

müssen unbedingt vorab geklärt sein!

Es geht um die Wurst!

Brot, Butter, Käse, Gemüse, Milch - alles

Produkte, die ansonsten auf dem Speiseplan

ganz selbstverständlich sind. Doch

funktioniert das auch mit dem regionalen

Anspruch? Nie habe ich mehr über meine

Region, die Bauern und Selbstvermarkter

und die zum Teil unglaublich engagierten

kleinen Produktionsbetriebe gelernt wie

in diesen sieben Tagen! Mein Fleischhauer

im Ort, Reinhard Hiess, führt ein Familienund

Traditionsunternehmen in vierter

Generation. Schon bisher wusste ich, dass

seine Produkte ehrlich und regional sind.

Trotzdem - damit ich bei meinem Regional-Experiment

seine Wurst wirklich essen

konnte, musste er mir eine Spezialanfertigung

machen. Der Kochschinken wurde

sogar mit Sägespänen aus der Umgebung

geräuchert.

Kulinarische Entdeckungen

Leicht war es für mich mit dem Brot: Was

für ein Glück, dass das zertifizierte Weinviertler

Brot garantiert nur aus regionalem

Roggen- und Weizenmehl, Sauerteig, Salz,

Hefe und Wasser besteht. Sicherheitshalber

habe ich alles trotzdem genau mit

dem jungen, engagierten Bäcker Philipp

Stoiber aus Laa überprüft, sogar die kleine

Mühle, aus der das dafür verwendete Mehl

kommt, habe ich besucht. Gemüse, Eier,

Milch - das war ebenfalls einfach und

gleich beim Bauern ums Eck zu bekommen.

Käse, Topfen, Molke und herrliche

Butter bekam ich allerdings erst 20 km

entfernt aus Oberndorf bei Wolkersdorf

bei der Familie Rögner.

Öl war ebenfalls kein Problem, doch beim

Essig brauchte es schon mehr Recherche.

Schließlich fand ich etwas ganz Besonderes:

Weinviertler Kiwi-Essig und Himbeer-

Essig - beides zwar teuer, aber nicht nur

regional, sondern sehr schmackhaft. Unser

Speiseplan für diese Woche wurde dann

noch von den lokalen Jägern abgerundet,

die uns mit Spezialitäten vom Wildschwein

und Reh versorgten.

Möglich, aber zeitaufwendig

Fazit meines Selbstversuchs: ich konnte

wunderbar essen und hatte nicht das

Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen.

Selbst meine geliebte Tasse Kaffee am

Morgen ging mir nach einigen Tagen nicht

mehr ab. Nur: es braucht für alles viel mehr

Zeit. Zeit, die Produkte zu finden und

abzuholen, vor allem aber Zeit, alles selbst

zu kochen. Denn Fertiggerichte und auch

Restaurants waren in dieser Phase tabu.

Aber wirklich schwierig ist das Ganze mit

Kindern durchzuziehen: Eis, Schokolade,

die vielen bunten Verführungen, die die

Kleinen aus dem Supermarkt und der Werbung

schon mit vier Jahren nachplappern

können. Da braucht man nicht nur

Geduld, sondern viel Überredungskunst!

Für mich persönlich war das die größte

Herausforderung!

Appetit auf

Herkunftskennzeichnung

Beim Essen gibt es zwei Trends: Immer

weniger Menschen schwingen regelmäßig

den Kochlöffel. Besonders den

Fleischhunger stillen die Österreicher

gerne auswärts. Mehr als die Hälfte aller

Fleischmahlzeiten werden bereits außer

Haus eingenommen. Der Beliebtheit von

Kochshows tut dies freilich keinen

Abbruch. Nur: Das Bewusstsein für Qualität

und Herkunft steigt. Wer nicht selber

einkauft und zubereitet, will oft umso

mehr wissen, was er isst. Zu Recht.

Auch die EU-Politik will mehr Transparenz

bei der Kennzeichnung: Schon bisher

waren Frischfleisch von Rind und Kalb

mit einem sogenannten ‚Place of Farming’-Label

versehen. Die Kennzeichnung

gilt im Sinne von geboren, gemästet

und geschlachtet im jeweiligen Land.

Laut Neuregelung der EU-Verbraucherinformation

sollen ab Dezember 2014 auch

die Fleischsorten Schwein, Schaf, Ziege

und Geflügel eine Herkunftskennzeichnung

ausweisen.

Trend zu mehr Regionalität

Damit kommen wir zum zweiten Trend:

Der Appetit auf Regionalität steigt. Die

Konsumenten wollen wissen, wo ihr

Lieblingsschnitzel herkommt, daher

müssen europäische Produkte entsprechend

gekennzeichnet sein. Ich setze

mich für eine verpflichtende Angabe des

Geburts-, Mast- und Schlachtorts ein.

Parallel dazu müssen wir berücksichtigen,

dass die Kennzeichnungsvorgaben

auch für die Betriebe umsetzbar und

wirtschaftlich sind.

Elisabeth Köstinger

Abgeordnete zum EU-Parlament

Die Frischfleisch-Kennzeichnung ist ein

Muss. Geht aber zu wenig weit: Geburtsort,

Mastort und Schlachtort gehören

nämlich auch bei Fleisch gekennzeichnet,

das verarbeitet ist oder nur ein

Bestandteil eines Fertiggerichts ist. Auch

wenn die eigene Küche immer öfter kalt

bleibt. Umso nachgefragter sind plötzlich

Infos darüber, was uns der Wirt auf den

Teller legt. Wir brauchen neue, EU-weit

einheitliche Herkunftsangaben entlang

der gesamten Handels- und Verarbeitungskette.

Das bezieht den Gastro-Sektor

und die heiße Theke im Supermarkt

mit ein. Konsumenten, die heimisch kaufen

und essen wollen und den regionalen

Produzenten treu sein wollen, muss man

auch eine echte Chance dazu geben.

Nicht irreführender Etikettenschwindel,

sondern klare Herkunftsangaben sind

das Gebot der Stunde. Kontrollierte Herkunft

ist eben appetitlicher!

1 2014 | Kennzeichnungsverordnung | 33


Rezept-Tipp

Fleisch-Gemüsestrudel

Zubereitung

Zutaten für 4 Portionen

Foto: AMA

Faschiertes und das in Wasser eingeweichte,

gut ausgedrückte Toastbrot in eine Schüssel

geben. Eier, Gewürze, gehackte Kräuter,

Knoblauch und Brösel dazugeben. Die Zutaten

locker miteinander verrühren.

Fein geschnittene Zwiebel in heißen Fett

goldbraun rösten, abkühlen lassen und

dazugeben. Kleinwürfelig geschnittenes,

blanchiertes Gemüse mit dem Faschierten

vermischen. Blätterteig auf ein bemehltes

Brett legen. Fleisch-Gemüsemasse zu einer

Rolle formen, auf den Blätterteig legen und

einrollen.

Die Enden einschlagen und gut andrücken.

Strudel auf ein mit Öl bestrichenes Blech

legen, mit den verquirlten Eidotter dünn

bestreichen und mehrmals einstechen. Den

Strudel im vorgeheizten Backrohr bei ca.

220°C 10 Minuten und weitere 30 Minuten

bei 109°C goldbraun backen.

Für die Joghurt-Kräuter-Sauce das Joghurt

mit Zitronensaft, Salz, weißem Pfeffer und

einer Prise Zucker abschmecken und fein

gehackte Kräuter unterrühren.

70 dag Faschiertes

4 Scheiben Toastbrot

3 Eier

6 dag Brösel

1 Zwiebel

3 Knoblauchzehen

Salz und Pfeffer

2 EL Kräuter (Majoran, Petersilie)

20 dag Gemüse (Mais, Erbsen, Karotten,

Kohlrabi,…)

1 Pkg. Blätterteig

Fett oder Öl

1 Dotter (zum Bestreichen)

Joghurt-Kräuter-Sauce

1 Becher Joghurt

2 EL Zitronensaft

Salz, weißer Pfeffer

Zucker

1 Bund Kräuter (Schnittlauch,

Petersilie, Kerbel,…)

... im VÖS Rätsel-Stall

34 | Rezept & Rätsel | 1 2014


Wechsel an der Spitze

der Landwirtschaftskammer

Österreich

Bundesminister Rupprechter gratuliert

Schultes, Dank an Wlodkowski.

Bundesminister Andrä Rupprechter

gratuliert Hermann Schultes zur Wahl

zum neuen Präsidenten der Landwirtschaftskammer

Österreich. Schultes

wurde am 27.02.2014 einstimmig von

der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer

gewählt. Er löst damit

Gerhard Wlodkowski ab, der sich nach

erfolgreichen Jahren an der Spitze der

Kammer aus der aktiven Politik zurückzieht.

Rupprechter: „Hermann Schultes ist mit

Sicherheit der richtige Mann für diese

verantwortungsvolle Position. Er verfügt

über außergewöhnliche Erfahrung

und Expertise. Gleichzeitig möchte ich

Gerhard Wlodkowski für seinen langjährigen

Einsatz und seine großen Verdienste

für die österreichische Landwirtschaft

danken.“

(27.02.2014, Presseaussendung

Lebensministerium)

Grüner Bericht zeigt

Einkommensverluste

durch Wetterkatastrophen

Schultes: Verstärkter Schutz der bäuerlichen

Betriebe notwendiger denn je.

Der Grüne Bericht (http://www.gruenerbericht.at/)

mit den landwirtschaftlichen

Daten für 2012 zeigt auf, wie Wetterrisiken

auf die landwirtschaftlichen Einkommen

durchschlagen. Extreme wie Dürre,

Starkregen, Hagel, Sturm und Hochwasser

hatten in den vergangenen beiden

Jahren schmerzliche Ertragsverluste für

die heimische Landwirtschaft zur Folge.

Gedämpft werden diese durch die Flächenprämien

aus der europäischen

Marktordnung und die Ausgleichszahlungen.

„Mit der Umstellung auf die neue Periode

der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)

geht auch eine Verlagerung der Ausgleichszahlungen

von produktionsintensiven

zu extensiveren Betrieben einher.

Das macht jene Höfe, an denen der größte

Teil der Marktversorgung hängt, verwundbarer,

weil nun sowohl wetter- als

auch marktbedingte Schwankungen

sofort auf die bäuerlichen Einnahmen

durchschlagen und kräftige Einbußen

verursachen“, betonte ÖVP-Abgeordneter

Hermann Schultes heute anlässlich

der Diskussion zum Grünen Bericht im

Nationalrat. (AIZ.info)

© pictureguy32 - Fotolia.com

1 2014 | Berichte | 35