DEGEMED News 49 Oktober 2014

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DEGEMED News 49 Oktober 2014

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Nr. 49 Oktober 2014

Sie wissen, was und warum sie es tun. DEGEMED-Mitarbeiterin Katharina Ruppelt und Turnweltmeister (1974) Eberhard Gienger

beim Tandemsprung. Beide unterstützen damit die Kampagne »Meine Reha – Mein Leben.«

Warum machst Du das?

Generation Y trifft Reha

Schwerpunktausgabe

»Junge Reha«

Berlin. Was sagen wir jungen Berufstätigen,

die uns fragen, warum wir in der Reha-

Branche arbeiten? Wie überzeugen wir sie,

sich auch darauf einzulassen und einen

Job bei uns anzufangen? Und vielleicht

sogar länger zu bleiben und Verantwortung

zu übernehmen?

Generation Y = Generation Why?

Junge Absolventen können heute beim

Eintritt ins Berufsleben wählerischer sein

als frühere Jahrgänge. Sie wissen das und

nähern sich der Arbeitswelt mit kritischer

Distanz. Sie haben auch allen Grund dazu.

Ihre Eltern und älteren Geschwister haben

ihnen von der Arbeitswelt der 80er, 90er

und der Folgejahre erzählt. Sie kennen

Arbeitslosigkeit und berufliche Umbrüche

ebenso aus der Nähe wie Selbstausbeutung

und gescheiterte Karrierepläne. Sie

kennen ihren Wert und fragen selbstbewusst

erst einmal nach, warum sie sich

für ein Unternehmen oder eine Branche

engagieren.

Beschäftigung ist mehr als Austausch

von Gehalt und Leistung

Und sie erwarten eine Antwort. Klare

Aussagen zum Geschäftsmodell, seinen

Marktchancen und -risiken, zu Sicherheit,

Weiterbildung und Vergütung sind heute

selbstverständlich. Wichtiger aber ist der

Sinn der Tätigkeit selbst. Sie wollen verstehen,

was ihr Beitrag zu einem bestimmten

unternehmerischen Erfolg ist. Und ob dieses

Ziel selbst Sinn macht. Dahinter steckt

eine ethische Haltung. Und die Überzeugung,

dass Beschäftigung mehr ist als

der Austausch von Gehalt und Leistung.

Schwerpunkt »Junge Reha«

Eigentlich gute Voraussetzungen für die

medizinische Rehabilitation. Ihr Ziel: Teilhabe

für Menschen herstellen, die durch Unfall

oder Krankheit aus der Bahn geworfen sind.

Dennoch muss jedes Reha-Unternehmen

darum kämpfen, dieses Ziel sichtbar zu

machen und die Sensibilität für die Frage

nach dem Sinn bewahren. Wahrscheinlich

gibt es darauf mindestens so viele Antworten

wie es Unternehmen gibt.

Degemed-Sommerakademie 2014

Wir haben die Teilnehmer der DEGEMED-

Sommerakademie gefragt, was ihnen an

der Reha wichtig ist. Herausgekommen sind

teilweise sehr persönliche Statements, die

wir unkommentiert veröffentlichen. Allen ist

gemeinsam: Es sind Aussagen von jungen

Berufstätigen, die »Ja« zur Reha sagen.

www.meinereha-meinleben.de


intern

Editorial

Liebe Kolleginnen

und Kollegen,

Norbert Glahn,

Vorstands–

vorsitzender

der DEGEMED

es gibt ihn noch in der Reha, den »Laudator

temporis acti«, den »Lobredner der vergangenen

Zeit« des römischen Dichters Horaz.

Er beschwört regelmäßig bei Kongressen

die Zeiten vor 1996, als die Reha noch »Kur«

war und wird nicht müde, eine Rückkehr

zu diesen vermeintlich goldenen Zeiten zu

fordern. Doch machen wir uns nichts vor: Die

Rehabilitation hat angesichts des demografischen

Wandels längst andere, erweiterte

Aufgaben und sie hat auch längst den »Laudator

sui temporis«, den Lobredner ihrer Zeit,

gefunden. In diesem Newsletter finden sie

solche Stimmen. Sie stammen von jungen

Menschen, die bei der Sommerakademie der

DEGEMED in Schloss Höhenried dabei waren

und sie zeichnen das Bild einer Rehabilitation,

die den Blick 20 Jahre nach vorn richtet,

offen für neue Entwicklungen, selbstkritisch

und innovativ. Wenn wir als DEGEMED in

unserer Kampagne fordern »Reha braucht

Dich«, dann meinen wir damit auch genau

diese angehenden Führungskräfte, die in

den nächsten Jahren in die Verantwortung

für eine Rehabilitation gehen werden, die

noch nie gekannte Herausforderungen

zu meistern hat. Die DEGEMED hat als

innovativer Verband ihre Türen weit offen

für die Zukunft und alle, die sich mit ihr

beschäftigen. Bei der Sommerakademie,

aber auch darüber hinaus in allen Gremien

und Arbeitskreisen, bieten wir darum

jungen Menschen ein Forum. Ich freue

mich darüber, dass wir hier Zuspruch

finden und kann nur alle einladen, mitzumachen

und die Zukunft der Rehabilitation

mit der DEGEMED aktiv zu gestalten.

Ihr Professor Bernd Petri

Vorstandsvorsitzender der DEGEMED

Aus dem Inhalt

Zuviel in digitalen Welten

2

Kampagne

Interview mit Dana Glöß 3

Im Zeichen des Apfels

Berichte zur Kampagne 4

Schwerpunkt Junge Reha

DEGEMED-Sommerakademie 6

• Was uns bewegt

Stimmen von Teilnehmern 7

Seltene Erkrankungen

Ice-Bucket-Challenge 10

NAKOS fördert Selbsthilfe 11

Projekte

Gut – besser – ausgezeichnet 11

Wissenschaft

Fehlzeiten-Report 2014 12

Reha in Zahlen 12

Aktionen

Bäder- und Reha-Radtour 13

Recht

»Forum E:« ist online 14

Initiativen

Wer macht Kinderreha? 15

Geriatrie in der Klemme 15

Termine 16

Gesichter der Reha 16

RHM rüttelt Mitarbeiter fit

Deidesheim. Die Beschäftigten in der

Hauptverwaltung der RHM Klinik- und

Pflegeheimgruppe in Deidesheim können

ab sofort bei der Arbeit mehr für die Fitness

tun. Nach dem Motto »Bewegung ist

die beste Medizin« stellte die Geschäftsführung

im Rahmen der betrieblichen

Gesundheitsförderung ein Galileo-

Trainingsgerät zur Verfügung – inklusive

Einweisung durch einen Fitness-Coach.

Die elektronisch vibrierende Trainingsinsel

beugt schon bei fünf Minuten Anwendung

am Tag Verspannungen und Rückenproblemen

vor. Künftig sollen ähnliche Geräte

auch in der stationären Physiotherapie

der RHM-Kliniken in Bad Mergentheim

und Dahlen-Schmannewitz eingesetzt

werden.

Berlin. Die Hälfte der Jugendlichen in

Deutschland ist nach Ansicht ihrer Eltern

zu viel online. Das geht aus einer repräsentativen

Umfrage hervor, für die das Meinungsforschungsinstitut

Forsa im Auftrag

der Techniker Krankenkasse (TK) 1.000

Eltern zum Mediennutzungsverhalten ihrer

12- bis 17-jährigen Kinder befragt hat. Die

Studie ist Teil einer neuen Kampagne der TK

zur Medienkompetenz, die im September in

Berlin vorgestellt wurde. Laut der TK-Studie

kontrollieren nur drei von zehn Elternteilen,

wo ihre Kinder im Internet unterwegs sind.

40 Prozent der Eltern geben keine Limits

vor, wie viel ihre Kinder online sind.

Betten-Tiefstand in

Baden-Württemberg

Stuttgart. Im Jahr 2013 waren nach

Angaben des Statistischen Landesamtes

Baden-Württemberg insgesamt 200 Vorsorge-

und Rehabilitationseinrichtungen

in Betrieb, so wenig wie noch nie seit Einführung

der bundeseinheitlichen Krankenhausstatistik

in den Jahren 1990/91. 1991

gab es mit 239 Einrichtungen rund 16

Prozent mehr Einrichtungen als heute. Auch

die Anzahl der aufgestellten Betten sank im

Vergleich zum Vorjahr um ca. 1,1 Prozent

auf nunmehr 25.962 Betten.


kampagne

Interview

»Die Reha hat noch sehr viel Potenzial«

In der Reha arbeiten völlig unterschiedliche Berufsgruppen eng zusammen. Multiprofessionalität

und Interdisziplinarität sind die Eigenschaften, die die medizinische Reha zur Komplexleistung

machen. Dana Glöß möchte, dass das so bleibt. Sie setzt sich deswegen für die Kampagne

»Meine Reha – Mein Leben.« ein.

DEGEMED-News: Frau Glöß, Sie haben sich

nach Ihrem Studium für eine Tätigkeit in der

medizinischen Reha entschieden. Warum?

Dana Glöß: Das Thema Gesundheit hatte

für mich als Sportlerin schon immer einen

besonders hohen Stellenwert. Da lag es

sehr nahe, dass ich mich in diesem Segment

auch nach dem Studium weiter entwickeln

wollte.

DEGEMED-News: Sie haben parallel zu

Ihrem Studium als Bahnradfahrerin Leistungssport

betrieben. Sie haben dort auf

extrem hohem Niveau gearbeitet und

waren deswegen international erfolgreich.

Was muss, was kann die Reha vom Leistungssport

noch lernen?

Dana Glöß: Im Leistungssport sowie in der

Reha gibt es grundsätzliche Prinzipien,

die Anwendung finden und den Erfolg entscheidend

beeinflussen. Im Leistungssport

gilt darüber hinaus, je höher der Anspruch

an den Erfolg, desto höher die Notwendig-

keit einer radikal individuellen Umsetzung

dieser Prinzipien. Kein Sportler trainiert wie

der andere, auch wenn sie am Ende den

gleichen Wettkampf bestreiten!

Hohen Erfolgsdruck gibt es auch in der

Reha. Die Behandlung richtet sich jedoch

vor allem nach straffen Richtlinien und

kaum nach den individuellen Bedürfnissen

und Möglichkeiten des einzelnen Patienten.

Das ist fast so, als würde man einen

100-m-Läufer zum Marathontraining schicken,

nur weil beides Laufdisziplinen sind.

Hier hat die Reha noch sehr viel Potenzial.

DEGEMED-News: Reha sichert Teilhabe von

Menschen, egal ob Leistungssportler oder

»normale« Menschen betroffen sind. Hat die

Reha Ihrer Meinung nach die Wertschätzung,

die sie verdient?

Dana Glöß: Die Erfolge jedes einzelnen

Patienten, der aufgrund einer Reha wieder

zurück in den Beruf oder in sein gewohntes

Umfeld kann, beeinflussen unsere gesamte

Gesellschaft nachhaltig. Vor diesem Hintergrund

wird dieses Konzept deutlich unterschätzt

und sollte natürlich weitaus mehr

Anerkennung seitens der Politik, aber auch

der Wirtschaft erfahren.

Dana Glöß feierte zahlreiche Erfolge im

Bahnradsport.

3

Zur Person

Dana Glöß

1982 in Werdau (Sachsen) geboren, wohnt

heute in Kempen. Die Diplom-Sportwissenschaftlerin

leitet den Bereich Projekt- und

Organisationsentwicklung der inoges ag

in Krefeld.

Dana Glöß Werdegang ist von Anfang an

auf den Sport ausgerichtet. Im Alter von

sechs Jahren beginnt sie eine Karriere im

Eisschnelllauf, die sie ab 1996 sogar in

den Nachwuchs-Bundeskader führt. 2001

macht sie in Chemnitz ihr Abitur an einem

Sportgymnasium. Danach studiert sie an

der Humboldt-Universität Berlin mit dem

Ziel, Diplom-Sportwissenschaftlerin zu

werden.

Schon nach dem ersten Studienjahr ist mit

dem Eisschnelllauf Schluss. Dana Glöß

wechselt in den Bahnradsport. Dort feiert

sie weiter Erfolge. Ab 2005 gehört sie zum

Elite-Bundeskader und bleibt als Sprinterin

fünf Jahre lang festes Mitglied der deutschen

Nationalmannschaft. Dann stürzt

sie beim Weltcup in Sydney. Die fünfmalige

deutsche Meisterin kämpft sich noch

einmal zurück, gewinnt 2008 die Bronze-

Medaille bei der Weltmeisterschaft im

Teamsprint. Als Dana Glöß im Alter von 27

Jahren ihre Radschuhe an den berühmten

Nagel hängt, blickt sie auf eine über 20

Jahre lange sportliche Laufbahn zurück.

Seit 2011 arbeitet Dana Glöß bei der inoges

ag, die deutschlandweit auch als

Gesellschafter für verschiedene Reha-

Einrichtungen agiert. Mit der Abteilung

Projekt- und Organisationsentwicklung

leitet sie Innovationsprojekte und begleitet

das Qualitätsmanagement sowie alle konzeptionellen

Weiterentwicklungen in den

Reha-Zentren.


kampagne

Aktionen zur Kampagne

Im Zeichen des Apfels

Die DEGEMED setzte ihre

Kampagne im Sommer erfolgreich

fort und verlängert sie bis

März 2015.

Mit zahlreichen Aktionen im ganzen

Bundesgebiet hat die DEGEMED im

Sommer ihre Kampagne »Meine Reha –

Mein Leben.« erfolgreich fortgeführt. Im

Mittelpunkt stand dabei die Forderung,

die Reha als einrichtungsgebundene

Komplexleistung zu erhalten. Im Rahmen

der zweiten Etappe fanden zentrale

und dezentrale Aktionen in den Kliniken,

in Berlin und auch auf politischer Ebene

statt. Eine Auswahl finden Sie hier auf

dieser Doppelseite. Um den Erfolg der

Kampagne weiter auszubauen und möglichst

vielen Kliniken und Akteuren die

Chance zum Mitmachen zu geben, hat

der Vorstand der DEGEMED in seiner Sitzung

vom 16. September beschlossen,

»Meine Reha – Mein Leben.« bis Ende

März 2015 zu verlängern. Wer sich ein

aktuelles Bild vom Verlauf der Kampagne

machen will, kann sich unter www.

meinereha-meinleben.de informieren

oder auf Facebook die Kampagnenseite

anwählen. Unterstützer sind herzlich

willkommen.

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»Den ganzen Apfel – und nicht nur ein Stück«, so

lautete die Botschaft der Aktivisten, die zusammen

mit Unterstützer Eberhard Gienger am 20.

August vor dem Reichstag auf diese Forderung

aufmerksam machten. Dazu übergaben die Mitarbeiter

der Geschäftsstelle grüne Äpfel – symbolisch

für das gesunde Potenzial der Rehabilitation

– an Passanten und erläuterten die bedrohte Lage

der Reha-Medizin in Deutschland.

Ein ganz besonderer Höhepunkt stand auf unserem

Programm der diesjährigen Reha- und Bäder-Radtour:

der Sprung ins Leben! Zwei junge ehemalige

Krebspatienten wagten einen Tandemsprung und

landeten auf dem Sportplatz in Krautheim. Dank

der Unterstützung von Fallschirmspringer Eberhard

Gienger konnten sie diesen Traum verwirklichen.

Eindrucksvoll zeigten beide, was es heißt, die

Krankheit zu überwinden und wieder positiv nach

vorne zu blicken.


kampagne

Mit einer ungewöhnlichen Aktion machte

am 26. Juni die Rehaklinik Heidelberg-

Königstuhl auf die Bedeutung der medizinischen

Rehabilitation aufmerksam.

Patienten und Mitarbeiter ließen vor der

Klinik die symbolische Zahl von 99 Luftballons

steigen. Befestigt daran war die Karte

»Meine Reha – Mein Leben.« mit der Bitte,

die Finder sollten sich damit fotografieren

und das Foto auf Facebook posten.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im BMAS, Gabriele Lösekrug-Möller, unterstützte

bei ihrem Gespräch mit Vertretern der DEGEMED am 3. September im Rahmen eines Besuchs

der Rehabilitationsklinik Bad Münder der AWO Gesundheitsdienste gGmbH in Bad

Münder die Zielsetzung der Kampagne. »An einem ganzheitlichen Rehabilitationsansatz

und einem einfacheren Zugang zu Rehaleistungen arbeitet auch das BMAS. Im Fokus der

Politik steht auch die Verantwortung der Arbeitgeber für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit«,

sagte sie. Im Bild (v. l.): Chefärztin Dr. Barbara Koller, DEGEMED-Geschäftsführer

Christof Lawall, Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller, Klinikgeschäftsführer und

DEGEMED-Vorstand Thomas Heiming.

5

»Bürokratie ist für die Tonne« – unter diesem

Motto landeten symbolisch die zu

komplizierten Rehabilitationsanträge in

großen roten Mülltonnen. Bereits am 27.

Juni setzte die Reha-Klinik Miriquidi Thermalbad

Wiesenbad in Sachsen mit der Aktion

ein Zeichen. Am 25. Juli machte auch

die Fachklinik Feldberg GmbH – Klinik am

Haussee mit. Beide Kliniken wollten darauf

hinweisen, dass der Zugang zur Reha für

Patienten immer noch durch bürokratische

Hürden erschwert ist.

Viel Interesse und Aufgeschlossenheit für die Belange der Reha zeigte die Staatssekretärin

im BMG, Annette Widmann-Mauz, gegenüber der DEGEMED im gemeinsamen

Gespräch am 13. August. Die Staatssekretärin reagierte positiv auf die Forderung der

Kampagne »Meine Reha – Mein Leben.«, den Zugang in die medizinische Reha einfacher

zu gestalten. Die Verbesserung des Antragsverfahrens der Krankenkassen liege vor allem

in der Verantwortung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Das BMG könne

diesen Prozess unterstützen. Im Bild (v. l.): Christof Lawall, Annette Widmann-Mauz, Dr.

Constanze Schaal, Prof. Bernd Petri.

Gegen komplexe Genehmigungsverfahren,

die Rehabilitanden eher abschrecken als

sie in eine erforderliche Reha-Maßnahme

zu leiten, wendeten sich im Juli die Klinik

Höhenried in Bernried (Foto oben) und die

AWO Gesundheitsdienste gGmbH (AWO

GSD) in Bad Münder. Sie zeigten der Bürokratie

symbolisch die »Rote Karte«.

Großen Reformbedarf machte der CDU-Bundestagsabgeordnete Roy Kühne beim

DEGEMED-Dialog am 09.09 im Quadriga-Forum in Berlin aus. In den kommenden Jahren

würden sich die von Reha-Einrichtungen erbrachten Komplexleistungen deutlich ändern.

Er glaube nicht, dass die Reha-Anbieter im Jahr 2020 noch so arbeiten könnten wie heute,

sagte Kühne, der auch Mitglied im Bundestags-Gesundheitsausschuss ist. Die Kombination

verschiedener Reha-Leistungen müsse sich »ganz deutlich individualisieren«. Das

Bild zeigt v. l. Moderator Stephan Pregizer, BamR-Vorstand Joscha Brunssen, Dr. Manju

Guha (Präsidentin DGPR), Dana Glöß (inoges AG) und Dr. Roy Kühne (MdB, CDU).


schwerpunkt

Position

DEGEMED-Sommerakademie:

Voneinander lernen – neue Wege gehen

Ein Beitrag von Dr. Constanze Schaal,

Erste stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DEGEMED

6

Nie war die Arbeitswelt spannender als

heute. Sie ist durch eine extreme Vielfalt gekennzeichnet.

In den Unternehmen, und die

Rehabranche gehört dazu, arbeiten zum

ersten Mal mehrere Generationen Seite an

Seite: Nachkriegsgeneration, Babyboomer,

Generation X, Golfer, Generation Y. Hinter

diesen soziologischen Begriffen verbergen

sich Arbeitnehmer der Jahrgänge 1950

bis 1996. Ein buntes Potpourri, denn jede

Generation hat ihre arbeitsbezogenen Verhaltensweisen,

Fähigkeiten, Wertesysteme

und Bedürfnisse an den Arbeitsplatz, an

die Kollegen und an die Vorgesetzten. Hinzu

kommen Faktoren wie die angeborene

Affinität zur digitalen Welt oder der später

erlernte Umgang damit.

Potenzial der Mitarbeiter erkennen

Im Sinne eines nachhaltigen Diversity

Managements geht es in einem Unternehmen

darum, diese Verschiedenheit und

Vielfältigkeit für das Unternehmen nutzbar

zu machen. Denn durch den demografischen

Wandel ist es wichtiger denn je

geworden, das Potenzial der Mitarbeiter zu

erkennen und adäquat einzusetzen. Stimmt

in einem Betrieb das Klima und stiftet die

Arbeit Sinn, klappt die Zusammenarbeit

unter den Mitarbeitern auch unterschiedlichen

Alters und verlaufen die Prozesse

reibungslos, dann werden Know-how und

Erfahrung automatisch – und als Selbstverständlichkeit

– an die nächste Generation

weitergeleitet und gemeinsame neue Wege

implementiert. Hier sind die Unternehmen

gefragt. Speziell zu diesem Zweck und als

Unterstützung seiner Mitglieder hat die DE-

GEMED im Juli 2014 die Sommerakademie

ins Leben gerufen. Sie ist Kommunikations-,

Austausch- und Experimentierplattform,

hier wird Wissen vermittelt, werden Erfahrungen

ausgetauscht, wird Innovatives

ausprobiert.

Fortbildung, Austausch und Dialog –

nicht Erziehung

In der Sommerakademie bereiten sich junge

Leute aus der medizinischen Rehabilitation

auf die zukünftigen Aufgaben vor. Dabei

geht es um Fortbildung, Austausch und

Dialog und nicht um Erziehung. Nach einer

verkürzten, straffen, aber sehr verschulten

Lernzeit kommen die Nachwuchskräfte

zwischen 17 und 21 Jahren auf den Arbeitsmarkt.

Sie verfügen über ein großes, in

kurzer Zeit erworbenes Wissen, haben wenig

Führungserfahrung und kaum Reife und

manchmal andere Vorstellungen von der

Arbeitswelt. Die Unternehmen sind daher

in einer privilegierten Rolle: Sie können den

Entwicklungsprozess der Mitarbeiter aktiv

mitgestalten, sie coachen. Diese phantastische

Chance und Herausforderung

haben wir in der DEGEMED erkannt und angenommen.

Wir wenden uns explizit an die

Nachwuchsführungskräfte und wollen sie

für die täglichen und zukünftigen Aufgaben

vorbereiten und ihnen neue Möglichkeiten

einräumen. Die Sommerakademie ist eine

nachhaltige Plattform. Der Fokus ist zukunftsorientiert

und im Sinne eines vorgelebten,

positiven Diversity Managements.

Für uns Vorgesetzte bedeutet dies, einen

diversifizierten Führungsstil anzuwenden

und in diese jungen Mitarbeiter zu investieren,

ohne die »alten« zu vernachlässigen. Die Sommerakademie

ist eine Chance, voneinander

zu lernen und Neues auszuprobieren.

Zur Person

Dr. Constanze Schaal

Nach dem wirtschaftswissenschaftlichen

Studium an der Universität Trier und an der

Business School of Economics/University

Warwick [GB] promovierte Frau Dr. Schaal

berufsbegleitend. lm Anschluss war sie u.

a. als Referentin für Qualitätsmanagement

am St. Josef Hospital Wiesbaden tätig.

Nach ihrem Wechsel zu einer süddeutschen

Klinikgruppe war Frau Dr. Schaal verantwortlich

für die Einführung des Qualitätsmanagements

zahlreicher Kliniken, hinzu

kam die Federführung beim Aufbau eines

Kommunikationsmanagements sowie die

Verantwortung für die medizinische Produktentwicklung

von Rehabilitations- und

Akutkliniken. Frau Dr. Schaal war Geschäftsbereichsleiterin

Produkt und Qualität und

trug außerdem als Klinikdirektorin Verantwortung

für 851 Betten. Seit Juli 2010 ist

Frau Dr. Schaal Geschäftsführerin der Reha-

Zentren der Deutschen Rentenversicherung

Baden-Württemberg. Frau Dr. Schaal ist

Erste stellvertretende Vorstandsvorsitzende

der DEGEMED.

Die Teilnehmer der DEGEMED Sommerakademie

gemeinsam mit Dr. Constanze Schaal (4. v. l.)


schwerpunkt

Junge Reha

Was uns bewegt

Die Idee entstand bei der DEGEMED-Sommerakademie vom

01. bis 04.07. in Schloss Höhenried: Junge Führungskräfte

beziehen Position. Was verbindet uns mit der Reha, warum

arbeiten wir dort gern?

Meine Reha spart und ist umweltfreundlich!

von Nadine Immich

Die Konkurrenz schläft nicht: Reha-Kliniken,

die sich heute am Markt gut positionieren

und langfristig »top« bleiben wollen, müssen

eine überdurchschnittliche Qualität

liefern, ohne dafür ihre Preise anheben zu

können. Das heißt, sie müssen vor allem

ständig das Management ihrer eigenen

Ressourcen verbessern. Wir bei RHM in

Deidesheim schauen daher auf neue

innovative Wege, um gerade unsere Fixkosten

ohne Qualitätseinschränkungen zu

optimieren. So erarbeiten wir uns Investitionsspielräume

für die weitere Entwicklung

der Versorgungsqualität. Ein Sparen,

das Leistungen reduziert, kann jeder. Wir

wollen sparen und dabei gleichzeitig kontinuierlich

immer besser werden. Eine der

besten Lösungen heißt hier »Ökologie«. Wir

haben für die Park-Klinik in Bad Dürkheim

beispielhaft ausgerechnet, was die Umstellung

der gesamten Klinik auf LED-Leuchtmittel

kostet und dabei festgestellt, dass

sich die Ausgaben für die neue Technik

schon nach 15 Monaten amortisieren. Insgesamt

werden die gesamten Stromkosten

der Klinik um über 15 Prozent gesenkt und

auf die Lebenszeit der Lampen gerechnet

kommen wir auf eine Ersparnis von über

einer Viertelmillion Euro. Das sind Ideen,

die nicht nur der Geschäftsführung gefallen,

sondern die auch unsere Patienten und

Mitarbeiter gut finden. Die Ergebnisse sollen

demnächst in Arbeitskreisen der DEGEMED

vorgestellt werden, damit alle Mitglieder

davon lernen und profitieren können.

Zur Person

Nadine Immich

36 Jahre

gelernte Hotelfachfrau

seit Dezember 2008 bei den RHM Kliniken

und Pflegeheimen in Deidesheim (Rheinland-Pfalz)

im zentralen Einkauf, seit

Sommer 2011 Abteilungsleiterin Einkauf

Was man einen Rehamediziner

fragen will und nicht wagt

von Dr. Myrsini Griva

Da kommt wieder die Frage: Rehamedizin? Ist

es überhaupt ein Facharzt? Aber mittlerweile

rege ich mich nicht mehr auf. Ich lächele nett

und ich sage mein Gedicht, das mühelos

– wie diktiert – rauskommt. Jawohl! (süßes

Lächeln), es ist, und zwar heißt es »Facharzt

für Physikalische und Rehabilitative Medizin«

und besteht bereits seit mehreren Jahren!

Aha (nicht überzeugt), und was macht man?

Für welche Patienten ist man eigentlich zuständig?

Na, fast für jeden (enthusiastisches

– hochmotiviertes Lächeln)! Nur ein paar

Beispiele: Patienten nach Schlaganfällen,

nach größeren oder kleineren Unfällen, aber

auch Patienten nach Herzinfarkten oder

Krebserkrankungen. Aha … (verwirrt, immer

noch nicht überzeugt). Aber ist dafür nicht

bereits der jeweilige Neurologe, Orthopäde,

Kardiologe, Onkologe zuständig? Jein … Wer

ist zuständig für die Patienten, wenn sie aus

dem Akuthaus entlassen werden? Ein Patient

nach Schenkelhalsfraktur ist nicht nur eine

Hüfte und andersrum, der Patient nach Herzinfarkt,

der hat vielleicht zwei kranke Hüften,

mit denen der Kardiologe nicht so viel am Hut

hat. Und dann komme ich (Superman-Musik

im Hintergrund) und lasse die Lupe weg von

der kranken Hüfte, dem betroffenen Gehirn

oder dem Tumor im Bauch und betrachte den

Mensch als Einheit. Und mit Einheit meine ich

nicht nur den ganzen Körper, sondern die psychischen

und die sozialen Aspekte kommen

mit dazu – gratis. Weil – was man nicht immer

realisiert – der soziale und der psychische

Hintergrund so unterschiedlich sein können,

dass der Rehaverlauf beim gleichen primären

Krankheitsbild ganz anders gestaltet werden

kann. Aber unter uns beiden … (hustet, guckt

weg, wird rot): Hast du nicht Angst, dass ein

Neurochirurg mehr respektiert wird als ein

Rehamediziner? Da lächele ich wieder und

erwidere: Geschmackssache … Wird jemand,

der eine zweite Sprache als Muttersprache

beherrscht, mehr respektiert als jemand, der

sechs oder sieben Sprachen gut kann?

Zur Person

Dr. Myrsini Griva

30 Jahre

Fachärztin für Physikalische und rehabilitative

Medizin, seit 2013 in der Rehaklinik am

Berger See in Gelsenkirchen tätig

7


schwerpunkt

Die Y-Generation in der Gesundheitsbranche

8

von Luisa Kürschner

Immer wieder hört man von Generation X

und Y. Ich selbst gehöre aufgrund meines

Geburtsjahres zur Y-Generation. Uns wird

oft nachgesagt, dass wir uns selbst nicht

hinterfragen, oft überschätzen und schnell

keine Antwort mehr auf Fragen haben,

wenn der Akku unseres Smartphones

leer ist. Aber so sind wir nicht. Wir wollen

arbeiten und etwas erreichen. Nur eben

manchmal etwas anders. Wenn wir von

einer Sache überzeugt sind, sind wir bereit,

150 Prozent zu geben. Allerdings sehen wir

auch oft die Auswirkungen bei der Generation

unserer Eltern, die immer wieder Familie

und Freizeit weit hinter dem Beruf auf

ihrer Prioritätenliste stehen hat. Leistung

wird heute noch oft von Führungskräften

an der erbrachten Stundenzahl bemessen.

Wäre es nicht besser, Leistung anhand des

Endergebnisses zu messen?

Man wird oft gefragt, warum man denn

überhaupt in der Gesundheitsbranche tätig

ist, wenn doch das Gehalt in anderen Bereichen

höher ist. Ich kann diese Frage ganz

einfach beantworten: Das Gesundheitswesen

reizt mich und seit ich denken kann,

möchte ich damit etwas zu tun haben. Bei

der Y-Generation treten materialistische Anreize

nach dem Motto » Geld schlägt Glück«

in den Hintergrund.

Darum frage ich die Generation X: Warum

kann Leistung und Lebensgenuss

nicht zusammengehören? Würde dies

euch nicht auch gut tun? Die »alten« mit

den »jungen« Sichten zu vereinen, kann ein

Erfolgsmodell in der Gesundheitsbranche

und der Berufswelt werden. Um Synergieeffekte

nutzen zu können, muss man dies nur

zulassen und vor allem miteinander vereinen.

Und liebe Generation X, bitte vergesst

nicht: Der Trumpf der Demografie, den wir

als Y-Generation in den Händen halten,

kann uns gemeinsam helfen, Ziele durchzusetzen,

die man sich früher vielleicht gar

nicht getraut hat zu formulieren.

Zur Person

Luisa Kürschner

25 Jahre

BA Gesundheitsmanagement

tätig in der Reha seit 2008

Patientenmanagerin

Kur- und Klinikverwaltung Bad Rappenau

Rehabilitation als Gesundheitsstrategie?!

Zur Person

Dr. P.H. Monika Schwarze

Diplom-Psychologin

Promotion im Bereich Gesundheitswissenschaften

zum Thema Nachsorge

seit 18 Jahren in der Rehabilitation tätig

Wissenschaftliche und geschäftsführende

Leiterin der Koordinierungsstelle

Angewandte Rehabilitationsforschung

(KoReFo)

von Dr. P.H. Monika Schwarze

Die demografische Entwicklung, verbunden

mit einer längeren Lebensarbeitszeit, dem

Fachkräftemangel und der Zunahme chronischer

Krankheiten steht bereits derzeit

verstärkt im Mittelpunkt der öffentlichen

Diskussion. Diese wird sich zukünftig noch

verschärfen. Die Bundesregierung reagierte

hierauf mit Initiativen wie z. B.: »Gesund

motiviert und qualifiziert älter werden«.

Darüber hinaus wurden im Koalitionsvertrag

zur 18. Legislaturperiode unter Nr. 2.3

folgende Punkte festgeschrieben: »Reha-

Budget demografiefest auszugestalten« …

»Schnittstellen der verschiedenen Sozialgesetzbücher

zueinander sollen systematisch

aufgearbeitet und besser miteinander

verzahnt werden«.

In Hannover beschäftigt sich seit längerem

eine Expertengruppe aus Rehabilitationsforschung,

Rehabilitationsmedizin und

einem regionalen Rentenversicherungsträger

mit der Frage: Wie kann eine zukünftige

Strategie zur Rückkehr und zum Verbleib

im Arbeitsleben vor dem Hintergrund des

demografischen Wandels aussehen?

Hierzu wurde ein strategisches Konzept

(Schwarze et al. 2014) entwickelt, welches

ein sektor- und akteursübergreifendes

Modell zu Ansätzen und Interventionen

im gesundheitlichen Versorgungssystem

beinhaltet. Die Strategie umfasst

Lösungsansätze und Praxisbeispiele für

die Bereiche Prävention, Gesundheit im

Betrieb, Kuration, medizinische und berufliche

Rehabilitation sowie die Rückkehr

aus Erwerbsminderungsrente. Vorgestellt

wurde das strategische Konzept auf dem

Sommersymposium 2014, initiiert von der

KoReFo und kann dort eingesehen werden

(www.mh-hannover.de/korefo.html).

Was ist eigentlich die KoReFo?

Die Koordinierungsstelle Angewandte Rehabilitationsforschung

(KoReFo) ist eine

gemeinsame Einrichtung der Medizinischen

Hochschule Hannover und der Deutschen

Rentenversicherung Braunschweig-Hannover.

2004 wurde sie ins Leben gerufen.

Dr. M. Schwarze hat sie auf- und ausgebaut

und seit 2009 die wissenschaftliche und

geschäftsführende Leitung inne.


schwerpunkt

Reha auf der grünen Wiese – ein Modell mit Zukunft?

von Hendrik Hillebrand

Viele Rehakliniken liegen in eher entlegenen

Regionen Deutschlands, in denen

die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz

zumeist ausbaufähig ist. Für die

An- und Abreise ist häufig der eigene Pkw

oder der klinikeigene Fahrservice das Mittel

der Wahl. Die Regionen haben sich auf die

Bedürfnisse der zumeist älteren Rehabilitanden

eingestellt. Viele von ihnen kommen

gerne in diese Kliniken und die nicht selten

landschaftlich attraktiven Regionen.

Aber ist dieses Modell der Rehaklinik auf

der grünen Wiese auch noch ein Modell der

Zukunft; insbesondere für die nachkommenden

Generationen der Rehabilitanden?

Ist der Ausblick, mehrere Wochen in diesen

Kliniken und Regionen zu verbringen, für

jüngere, in pulsierenden Städten lebende

Menschen noch verlockend und attraktiv?

Die moderne Rehabilitation ist vielfältig,

überwiegend ganzheitlich orientiert und

betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit.

Der Mensch soll sich gerade während

seiner Reha wohlfühlen. Darauf haben

die Kliniken und insbesondere die Regionen

einen entscheidenden Einfluss.

Als Dreißigjähriger frage ich mich:

Entspricht das Modell der Reha auf der

grünen Wiese noch dem Lebensgefühl

der jüngeren Rehabilitanden? Falls nein,

was heißt das für die Zukunft der Reha in

Deutschland? Insbesondere: Welche Risiken

ergeben sich für die Rehakliniken und

wie können bestehende Risiken in Chancen

verwandelt werden? Für die Zukunftssicherung

der Reha in Deutschland dürfte es

sich lohnen, diesen Fragen nachzugehen

und vorbereitet in die Zukunft zu ziehen.

Mit der Sommerakademie 2014 hat

die DEGEMED das Thema »Junge Reha«

bereits erfolgreich aufgegriffen. Jetzt heißt

es, hierauf aufzubauen und ihre Mitglieder

mitzunehmen.

Zur Person

Hendrik Hillebrand

30 Jahre

Master in Verwaltungswissenschaften

(Public Policy and Management)

seit Juni 2012 Referent der Geschäftsführung

bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft

(VBG)

beschäftigt sich mit den berufsgenossenschaftlichen

Akut- und Rehakliniken

9

Warum in der Rehabilitation arbeiten?

Zur Person

Silvia Siegert

35 Jahre

Ausbildung: Fachwirt im Sozialund

Gesundheitswesen

seit 2009 Verwaltungsleitung Ambulantes

Rehazentrum Wöhrderwiese

von Silvia Siegert

Die Rehabilitation ist ein vielseitiger und

spannender Tätigkeitsbereich, der unterschiedliche

Berufszweige vereint. Eines

jedoch ist in allen Bereichen der Rehabilitation

gleich und zeichnet dadurch dieses

besondere Tätigkeitsfeld aus: Reha ist

Teamarbeit. Sie hat ein gemeinsames Ziel:

die Gesundheit des Patienten sowie dessen

Verbleib im Arbeitsleben und der Erhalt

der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.

Dies allein stellt schon einen hohen Wert

dar. Darüber hinaus bietet sich durch die interdisziplinäre

Arbeit die Chance, den Blick

weit über den eigenen Fachbereich hinaus

zu richten und sich so fachlich und auch

menschlich stetig weiterzuentwickeln. Eine

weitere für mich ausschlaggebende Besonderheit:

Durch die am Beginn der Maßnahme

gemeinsam mit dem Rehabilitanden

festgelegten individuellen Reha-Ziele wird

der Patient aktiv in den Reha-Prozess mit

eingebunden.

Bei der DEGEMED-Sommerakademie

zeigte sich: Trotz aller Unterschiede in der

alltäglichen Arbeit wird uns die Zukunft alle

vor ähnliche Herausforderungen stellen.

Insbesondere werden sich aufgrund der

alternden Gesellschaft und der verlängerten

Lebensarbeitszeit sowohl die Rehabilitandenstruktur

als auch die Anforderungen

der einzelnen Rehabilitanden an die Reha-

Einrichtung ändern. Herausforderung ist es,

trotz steigenden Kostendrucks die Arbeitsbedingungen

in der Reha-Einrichtung so zu

gestalten, dass qualifizierte und engagierte

Mitarbeiter/-innen auch zukünftig ihr berufliches

Tätigkeitsfeld langfristig in der Reha

sehen. Im Rahmen der Vorstellungsrunde

der Sommerakademie wurde die Frage gestellt:

»Wie sind Sie zur Reha gekommen?«

Bei mir war es ein zufälliger Quereinstieg

– doch nach fast sechs Jahren zähle ich

mich jetzt zu den absoluten Überzeugungstätern.


initiativen

Ice Bucket Challenge

Mit Eiswasser gegen unheilbare Erkrankungen

Bei seltenen Erkrankungen ist

eine hochwertige medizinische

Reha unverzichtbar. Das unterstrich

die DEGEMED bei ihrer

Teilnahme an der Ice Bucket

Challenge.

Berlin/Osnabrück. Immer mehr

Menschen nehmen seit Mitte Juli

weltweit an der Ice Bucket Challenge

(deutsch: Eiskübelherausforderung)

teil. Sie machen damit auf die

seltene und kaum bekannte Erkrankung

ALS (Amyotrophe Lateralsklerose)

aufmerksam und fordern andere

auf, sich ebenfalls für die Kampagne

zu engagieren. Die Ice Bucket

Challenge ist eine als Spendenkampagne

gedachte Aktion. Ihre Herausforderung besteht

darin, sich einen Eimer kaltes Wasser

10

über den Kopf zu gießen und danach drei

oder mehr Personen zu nominieren, es

einem binnen 24 Stunden

gleichzutun, sowie zehn

US-Dollar oder Euro an die

ALS Association zu spenden.

Will man sich keinen

Eimer Wasser über den

Kopf gießen, soll man 100

Christof Lawall bei der

US-Dollar/Euro an die ALS

Ice Bucket Challenge.

Association spenden. Der

genaue Ursprung der Aktion ist unbekannt.

Bekannt wurde sie in ihrer heutigen Form

durch eine Live-Ausstrahlung der Golf

Channel Morning Show in den USA am 30.

Juni 2014. Durch soziale Netzwerke wie

Twitter und Facebook wurde die Aktion

weiter verbreitet. Neben Sportlern und

anderen Prominenten nehmen auch zahlreiche

Beteiligte aus dem Gesundheitswesen

die Challenge mit dem Eiswasserkübel

an. Nachdem am 21.08. das Neurologenteam

der Paracelsus-Klinik Osnabrück

bereits eine kalte Dusche abbekam, wurde

die DEGEMED von der Klinik nominiert.

Geschäftsführer Christof Lawall nahm die

Herausforderung an und stellte am 22.

August die Bedeutung einer hochwertigen

medizinischen Versorgung auch für sel-

Verwaltungsdirektor Dr. Frank Wellmann, Pflegedienstleiter Hans-Wilhelm Robben sowie

die Neurologen Chefarzt PD Dr. Cornelius Bachmann und Dr. Ulrike Prange (v. l. n. r.) ließen

sich mit Eiswasser übergießen – stellvertretend für die Paracelsus-Klinik Osnabrück. Diese

wurde von der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke nominiert.

Die Paracelsus-Klinik Osnabrück spendete an die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke

und nominierte ihrerseits Marvin Waldrich vom Medien-Service MSO der Neuen Osnabrücker

Zeitung, den Osnabrücker Künstler Volker Trieb sowie Christof Lawall, Geschäftsführer

der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation e.V. Alle Nominierten

erfüllten ihre Pflicht – Eiswasser über den Kopf – und gespendet haben natürlich auch alle.

tene und wenig bekannte Erkrankungen in

den Mittelpunkt seiner Eiskübel-Botschaft.

»Menschen mit einer seltenen Erkrankung

wie ALS benötigen ebenso wie alle anderen

Zugang zu kompetenter, schneller Hilfe und

Was ist eigentlich »Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)«?

Die Amyotrophe Lateralsklerose (Abkürzung:

ALS) ist eine degenerative Erkrankung

des motorischen Nervensystems.

Bei ALS kommt es zu einer fortschreitenden

und irreversiblen Schädigung

oder Degeneration der Nervenzellen

(Neuronen), die für die Muskelbewegungen

verantwortlich sind. Durch die

Degeneration entstehen zunehmend

Muskelschwäche und Muskelschwund.

Die Folgen sind Gang-, Sprech- und

Schluckstörungen, eingeschränkte

Koordination und Schwäche der Arm-

qualitativ hochwertiger Versorgung. Die

Rehabilitation ist ein zentrales Element dabei«,

so Lawall. In Deutschland behandeln

nach Schätzungen rund 40 Rehakliniken

ALS.

und Handmuskulatur und dadurch eine

zunehmende Einschränkung bei den Aktivitäten

des täglichen Lebens. Die Amyotrophe

Lateralsklerose ist nicht heilbar.

Der Schwerpunkt der Therapie liegt auf

einer Linderung der Symptome und psychologischer

Betreuung. Die Überlebenszeit

beträgt im Mittel etwa drei bis fünf

Jahre. ALS ist eine weltweit auftretende

und insgesamt seltene Erkrankung. Von

100.000 Menschen erkranken pro Jahr

etwa ein bis drei neu an ALS.


projekte

Seltene Erkrankungen

Informationen zur Selbsthilfe aus erster Hand

NAKOS unterstützt Selbsthilfegruppen und Austauschnetze

Berlin. »Isolation durchbrechen, Verbindungen

schaffen, Bindungen festigen.

Menschen mit seltenen

Erkrankungen und Problemen

zur Bildung von

Selbsthilfegruppen und

Austauschnetzen aktivieren

und begleiten«, das ist

das Ziel eines Projekts der

Nationalen Kontakt- und Informationsstelle

zur Anregung

und Unterstützung von Selbsthilfegruppen

(NAKOS) mit

Unterstützung der Barmer GEK.

Darin soll u. a. für das Kontaktvermittlungsangebot

BLAUE ADRES-

SEN der NAKOS eine größere öffentliche

Aufmerksamkeit erreicht werden.

In der Datenbank BLAUE ADRESSEN lassen

sich alle eintragen, die bundesweit Kontakt

zu Menschen suchen, mit denen sie sich

zu einem seltenen medizinischen oder psy-

Selbsthilfe

Gut – besser – ausgezeichnet!

Das Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit macht fit für die Selbsthilfe.

Antje Liesener, Diplom-Sozialpädagogin

und Gesundheitswissenschaftlerin, leitet

seit Februar 2014 die Bundeskoordinationsstelle

des Netzwerks Selbsthilfefreundlichkeit

in Berlin.

chosozialen Problem austauschen wollen.

Künftig sollen hier noch mehr Menschen

erreicht und die Bildung von Gruppen bzw.

Austauschnetzen aktiviert werden.

Mit der »Betroffenensuche des Monats«

bietet die NAKOS seit Anfang 2014 im

Rahmen des Projekts auch ein neues Ver-

Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle

zur Anregung und Unterstützung

von Selbsthilfegruppen (NAKOS) ist die

bundesweite Aufklärungs-, Service- und

Netzwerkeinrichtung im Feld der Selbsthilfe.

Sie hat ihren Sitz in Berlin und ist

eine Einrichtung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft

Selbsthilfegruppen e.V.

(DAG SHG). Die DAG SHG ist eine der vier

maßgeblichen Spitzenorganisationen

der Selbsthilfe und anerkannter Vertreterverband

der Patienteninteressen.

Die NAKOS, die im September seit 30

Berlin. Selbsthilfegruppen leisten einen

entscheidenden Beitrag zur Verbesserung

der Lebensqualität chronisch kranker und

behinderter Menschen und tragen dazu

bei, den Rehabilitationserfolg nachhaltig

zu sichern. Viele Rehakliniken arbeiten

daher seit Jahren eng mit der Selbsthilfe

zusammen – aber tun sie dies auch erfolgreich?

Antje Liesener, Koordinatorin des

Netzwerks Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung

im Gesundheitswesen,

ist überzeugt: »Das geht in vielen Fällen

noch besser! Oft fehlen einfach nur konkrete

Ideen, wie dies vor Ort möglich wäre.«

Das Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit

bietet hier mit seinem innovativen

Konzept »Selbsthilfefreundlichkeit als

Qualitätsmerkmal« eine Vielzahl an Ideen

und Impulsen für ein besseres Miteinander.

Auf der Basis von Qualitätskriterien

knüpfungsangebot auf ihrer Internetseite

www.nakos.de. Menschen mit seltenen

Erkrankungen oder Problemen stellen ihr

Anliegen in einem persönlichen Artikel vor

und suchen bundesweit nach Gleichbetroffenen.

In Deutschland engagieren sich

rund 3,5 Millionen Menschen in 70.000 bis

100.000 Selbsthilfegruppen.

Was ist eigentlich die »NAKOS«?

Jahren besteht, leistet generelle Aufklärungsarbeit

über Möglichkeiten der

Selbsthilfe für Betroffene und Angehörige.

Dafür werden Informationen über

Möglichkeiten und Nutzen von Selbsthilfegruppen

(Aufklärungsbroschüren, Informationsblätter,

Arbeitshilfen, Plakate)

entwickelt und publiziert. Eine zentrale

Anlaufstelle ist der Internetauftritt www.

nakos.de. Unter der Telefonnummer 030

31018960 oder per E-Mail an selbsthilfe@nakos.de

informiert und berät die

NAKOS kostenlos.

lernen Gesundheitseinrichtungen, wie sie

selbsthilfefreundliche Strukturen schaffen

können. Schritt für Schritt werden sie darin

unterstützt, die auch gesetzlich geforderte

Einbindung der Selbsthilfe systematisch

und ressourcenschonend zu gestalten

und institutionell zu verankern. Das Ziel

ist eine verlässlich gestaltete, tragfähige

Kooperation auf Augenhöhe. Bei erfolgreicher

Umsetzung der Kriterien winkt die

Auszeichnung als »selbsthilfefreundliche

Rehabilitationsklinik«.

Alle Infos zum Netzwerk, der kostenlosen

Mitgliedschaft und zur Auszeichnung gibt

es unter www.selbsthilfefreundlichkeit.de

11


innovationen

Prävention

Psychische Erkrankungen verursachen längste Ausfallzeiten

Fälle je 100 AOK-Mitglieder

Tage je Fall

Herz/Kreislauf

7,8

20,0

Psyche

9,8

25,2

Verletzungen

16,4

17,4

Verdauung

19,7

6,8

Muskel/Skelett

33,2

16,5

Atemwege

51

6,6

Arbeitsunfähigkeitsfälle und Dauer, AOK-Mitglieder 2013

Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Fehlzeiten-Report 2014

Berlin 2014; 575 Seiten; broschiert,

54,99 Euro; ISBN 978-3-662-43530-4

Nach wie vor sind psychische Erkrankungen ein ernst zu nehmendes Thema, wenn es um

die Arbeitsunfähigkeit Erwerbstätiger geht. Nach dem Fehlzeiten-Report 2014, der vom

Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) und der Universität Bielefeld herausgegeben

wird, verursachen sie mit 25,2 Tagen je Fall die längsten Ausfallzeiten. Häufigster Grund für

Krankschreibungen sind danach Atemwegserkrankungen. Diese allerdings sorgen mit nur

6,6 Krankheitstagen je Fall für den kürzesten Ausfall. Der Fehlzeiten-Report liefert jedes Jahr

umfassende Daten und Analysen zu den krankheitsbedingten Fehlzeiten in der deutschen

Wirtschaft.

Die Reha-Welt in Zahlen

Zahlen helfen uns, die Wirklichkeit zu erkennen.

Wenn wir etwas wiegen, messen

oder zählen können, entsteht dabei ein Bild

im Kopf und wir trauen uns ein Urteil zu.

Nicht immer liegen wir dabei richtig. Das

liegt nur zum Teil an den Zahlen selbst. Unsere

Rubrik »Die Reha-Welt in Zahlen« stellt

Zahlen ohne Kommentar zusammen, die

uns in den letzten Wochen begegnet sind.

Manche Zahlen verblüffen oder ärgern,

andere erregen Widerspruch. Allen ist aber

gemeinsam: Sie haben etwas mit Reha zu

tun und wurden bereits veröffentlicht.

• Anzahl der Menschen mit Schwerbehinderung 2013 (Quelle: Statistisches Bundesamt)

• Anzahl der in der Gesundheitswirtschaft Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2012 (Quelle: WifOR-Institut,

zum Vergleich: 2005 5,3 Mio.)

• Neue Auszubildende zur Fachkraft für Altenpflege 2014 (Quelle: Arbeitgeberverband Pflege, zum Vergleich

2013: 21.500)

• Anteil der Betriebe, die bereits Maßnahmen eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) durchführen

(Quelle: Humboldt-Universität Berlin)

• Rehabilitanden in stationären Reha-Einrichtungen 2013 (Quelle: Statistisches Bundesamt)

7,5 Mio.

6 Mio.

25.000

43,5 %

1,96 Mio.

• Durchschnittliche Bettenauslastung stationärer Reha-Einrichtungen 2013 (Quelle: Statistisches Bundesamt) 81,2 %

• Durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei psychischen Erkrankungen 2013 (Quelle: WIdO)

25,2 Tage


aktionen

Bäder- und Rehatour

Radelnde Reha-Botschafter

Mit Fahrrad, Handbike und

Trike ging es Ende August zum

siebten Mal für Behinderte und

Nicht-Behinderte zur »Bäderund

Rehatour«.

Berlin. Die Tour führte in diesem Jahr über

zwei Strecken nach Berlin und unterstützte

auch die DEGEMED-Kampagne »Meine

Reha – Mein Leben.« Von Baden-Württemberg

und Nordrhein-Westfalen aus fuhren

rund 70 gesunde, chronisch kranke und

behinderte Teilnehmer binnen einer Woche

per Fahrrad nach Berlin. Gruppe eins startete

unter Leitung von Tour-Initiator Hubert

Seiter, Erster Direktor der DRV Baden-

Würt temberg, in Bad Friedrichshall und

besuchte auf ihrem Weg nach Berlin die

Kurstadt Karlsbad in Tschechien. In Münster

(Westfalen) machte sich eine zweite

Gruppe unter der Leitung von Thomas

Keck, Erster Direktor der DRV Westfalen,

mit dem Rad auf den Weg nach Berlin. Gemeinsam

wollten sie »zeigen, was möglich

ist«. Die Schirmherrschaft hatte erneut der

Krebsverband Baden-Württemberg übernommen.

Unterstützung für DEGEMED-Kampagne

Aufsehen erregten am Starttag in Krautheim

zwei Tandemfallschirmsprünge mit dem

Bundestagsabgeordneten Eberhard Gienger:

Unter dem Motto »Sprung zurück ins Leben«

demonstrierten zwei junge ehemalige

Endlich am Ziel: die Tourteilnehmer in den grünen T-Shirts der DEGEMED-Kampagne »Meine

Reha – Mein Leben.« am 6. September vor dem Brandenburger Tor.

Rehabilitanden mit einem Sprung aus 4.000

Metern Höhe was nach einer Rehabilitation

auch mit körperlichen Behinderungen und

Handicaps möglich ist. Die Aktion war von

der DEGEMED im Rahmen ihrer Kampagne

»Meine Reha – Mein Leben.« initiiert worden.

Auch sonst war die DEGEMED tatkräftig

dabei. Katharina Ruppelt, Öffentlichkeitsbeauftragte

des Verbands, trat selbst bei der

Nord-Tour in die Pedale. Bis zu 189 Kilometer

galt es am Tag zu bewältigen.

Zieleinlauf in Berlin

Doch weder das noch Regen und Nebel

konnten die Fahrer auf ihrem Weg aufhalten.

Unterwegs machten die Gruppen unter

anderem Halt an Reha-Kliniken. Die letzte

Etappe am 6. September von Erkner nach

Berlin war mit nur 36 Kilometern eher eine

gemütliche Spazierfahrt. Bei schönem Wetter

ließen sich die Tourteilnehmer am Brandenburger

Tor in den grünen Kampagnen-T-

Shirts der DEGEMED feiern.

13

Auf der Süd-Tour machten die Teilnehmer auch Station in Bad

Windsheim an der Kiliani-Klinik der Dr. Becker Gruppe.

Die Nord-Tour versammelte sich trotz anstrengender Etappen gut

gelaunt zum Gruppenfoto am Lübecker Holsten-Tor.


echt

Neuer Themenschwerpunkt

»Forum E:« ist seit September online

Recht der Dienste und Einrichtungen

bekommt eigenes Forum

bei reha-recht.de

14

Heidelberg. Das Diskussionsforum Rehabilitations-

und Teilhaberecht unter www.

reha-recht.de bietet mit dem neuen »Forum

E: Recht der Dienste und Einrichtungen«

seit September erstmals eine Plattform

für Streitfragen zu den unterschiedlichen

Rechtsbeziehungen zwischen Erbringern,

Empfängern und Kostenträgern von Reha-

Leistungen. Die Fachbeiträge des neuen

Forums können kostenlos abgerufen und

kommentiert werden.

Streitfragen aus der Praxis

Das neue Forum hat einen praktischen

Hintergrund: Zwar hat der Gesetzgeber

festgelegt, dass die Rehabilitationsträger

gemeinsam für ein in Qualität und Menge

ausreichendes Angebot an Rehabilitationsdiensten

und -einrichtungen sorgen müssen.

In der konkreten Organisation dieser

Versorgung ergeben sich aber regelmäßig

Streitfragen zum Qualitätsmanagement,

dem Vertrags- und Vergaberecht, der Vergütung

und nicht zu den Interessen der

betroffenen Patienten. Diese werden

nicht immer gerichtlich geklärt.

Genau für solche Fälle hat nun die

Deutsche Vereinigung für Rehabilitation

e.V. (DVfR) gemeinsam mit

ihren Partnern und Experten des

Sozialrechts das neue Forum eingerichtet.

Folgende Themen sollen

dort unter anderem verstärkt aufgegriffen

werden:

• Schiedsstellenverfahren bei

Vertragsverhandlungen

• Abrechnung von Leistungen

• Auswirkungen von Qualitätsanforderungen

• Fragen des Verbraucherschutzes

• Fragen der Bedarfsplanung

• Heim- und Einrichtungsrecht (z. B. Heimbegriff

und Folgen, Aufsichtsrecht)

In den ersten Beiträgen im »Forum E:« ging

es bereits um die Zulässigkeit von Qualitätsprüfungen

in Pflegeeinrichtungen, um

Unter www.reha-recht.de ist das neue »Forum E:

Recht der Dienste und Einrichtungen« zu finden.

die Abgrenzung zwischen den Pflichten

von gesetzlichen Betreuern und denjenigen

der Erbringer von Leistungen zur Teilhabe,

um Mängel bei der Regelung des Rechtsverhältnisses

von Teilnehmenden zu Einrichtungen

und Diensten nach §§ 35, 38a

SGB IX und um Praxiserfahrungen mit dem

Werkstattbudget.

Literatur

Rechtsinformationen zur Inklusion behinderter Arbeitnehmer

Frankfurt a.M. Die Umsetzung

der UN-Behindertenrechtskonvention

in Deutschland mit dem

neuen zentralen Ansatz

der »Inklusion« wirkt

sich besonders auf die

berufliche Integration

und Rehabilitation von

behinderten und von

Behinderung bedrohten

Menschen aus. Die

»Inklusion« im Bereich der Arbeitswelt wird

von zahlreichen komplexen sozial- und

arbeitsrechtlichen Vorschriften zugleich geregelt.

Erstmalig werden diese zusammen

in einem Handbuch dargestellt und erläutert

– inklusive Rechtsprechung, Praxistipps

und Arbeitshilfen.

Herausgeber ist Dr. Thomas P. Stähler,

Justiziar der Bundesarbeitsgemeinschaft

für Rehabilitation (BAR) e.V.

Aus dem Inhalt:

• Behinderung und Arbeitsverhältnis

• Leistungen an Arbeitgeber

• Leistungen an behinderte Menschen

• Integrationsvereinbarungen

• Werkstätten für behinderte Menschen

• Außerbetriebliche Unterstützungs stellen

• Fallbeispiele und Mustervorlagen

Das Buch kostet 45 Euro und ist über den

Buchhandel zu beziehen.

Stähler, Inklusion behinderter Arbeitnehmer

– Rechtliche Grundlagen für Arbeitgeber,

Personalabteilungen, Schwerbehindertenverteter

und Betriebsräte

Der vorliegende Band beinhaltet alle wichtigen

Rechtsinformationen zum Thema

Arbeit und Inklusion.

Luchterhand Verlag

Auflage 2013

ISBN: 978-3-472-07868-5


initiativen

Grundsatzentscheidung

Wer macht künftig Kinderreha?

Diskussion über Zuständigkeit von DRV und Krankenkassen

Berlin. Beim Reha-Forum der DRV im

Oktober 2012 sprach es die damalige

Staatssekretärin im BMAS, Niederfranke,

aus: Die gleichrangige Zuständigkeit von

Rentenversicherung und Krankenkassen

für die medizinische Rehabilitation von

Kindern und Jugendlichen sei kein Tabu.

Viele Kinderreha-Kliniken fordern seitdem

die Abschaffung der formellen Gleichrangigkeit.

Sie hat sich nach ihrer Ansicht nicht

bewährt. Vor allem Krankenkassen seien

nicht bereit, in die Gesundheit und die medizinische

Rehabilitation von Kindern und

Jugendlichen zu investieren. Sie leiteten

entsprechende Anträge ihrer Versicherten

einfach an die DRV weiter. Die vorrangige

oder alleinige Zuständigkeit der DRV sei

daher nur konsequent.

Einzelne Reha-Träger sehr engagiert

Einzelne Reha-Träger zeigen deutliches Engagement

für die Gesundheit von Kindern

und Jugendlichen. Sie kümmern sich aktiv

um deren Zugang zu Reha-Leistungen. So

geht etwa die DRV Mitteldeutschland seit

einiger Zeit aktiv auf Betroffene zu und klärt

direkt mit deren Ärzten die Situation. Der Erfolg:

Die Bewilligungsquote stieg auf 75 %.

Sie liegt damit deutlich über dem Niveau

anderer Träger.

BMAS weiter aufgeschlossen

Das BMAS zeigt sich offen für eine gesetzliche

Verlagerung der Zuständigkeit hin zur

DRV. In einem Gespräch mit Vertretern des

Bündnisses für Kinder- und Jugendreha am

22.08. in Berlin unterstrich das Ministerium

seine Gesprächsbereitschaft. Notwendig

sei aber auch eine eindeutige Positionierung

der DRV. Die steht bislang noch aus.

Bündnis für Kinder- und

Jugendreha

Gegründet 2013

Teilnehmer:

• Arbeitsgemeinschaft Kinder- und

Jugendrehabilitation e.V.

• Bundesverband Katholischer

Vorsorge- und Rehabilitations kliniken

für Kinder und Jugendliche e.V.

• Bundesverband Deutscher

Privatkliniken e.V. BDPK

• Deutsche Gesellschaft für

Medizinische Rehabilitation e.V.

• Deutsche Gesellschaft für

Pädiatrische Prävention

und Rehabilitation e.V.

• Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie

und Jugendmedizin e.V.

• Diakonie Deutschland e.V.

15

Geriatrie Nordrhein-Westfalen

Noch immer in der Klemme

Bundesverband Geriatrie: Gespräche konsequent und zielorientiert führen

Berlin. Ein Jahr nach der Kündigung ihrer

Vergütungsvereinbarungen gegenüber

den Krankenkassen hat sich an der dramatischen

finanziellen Situation der Einrichtungen

der geriatrischen Rehabilitation in

Nordrhein-Westfalen kaum etwas geändert.

»Wir haben die konzertierte Aktion als Signal

an die Kostenträger gesehen, um darauf

hinzuweisen, dass viele Einrichtungen

mit dem Rücken zur Wand stehen«, so der

Geschäftsführer des Bundesverbandes

Geriatrie, Dirk van den Heuvel, im August

in Berlin. »Ein Jahr nach der Aufkündigung

hat die Politik das Thema aufgenommen

und es gab erste Gespräche am sogenannten

runden Tisch. Dies sind grundsätzlich

positive Schritte, aber die Krankenkassen

verzögern diesen Prozess, wo sie nur

können. Somit sind wir auch heute noch

weit von einem Ergebnis, das die Existenz

der Einrichtungen mittel- und langfristig

sichern kann, entfernt. Und die Zeit arbeitet

gegen die geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen.«

Ende Juli 2013 hatte die Mehrheit der

im Landesverband Geriatrie organisierten

Einrichtungen der geriatrischen Rehabilitation

in Nordrhein-Westfalen in einer

abgestimmten Aktion gegenüber den

Krankenkassen in NRW ihre jeweiligen

Vergütungsvereinbarungen gekündigt

und damit auch ein großes Medienecho

hervorgerufen. Hintergrund der konzertierten

Aktion war die dramatische wirtschaftliche

Situation der Einrichtungen.

Die strukturelle Unterfinanzierung der

letzten Jahre hatte zu einem finanziellen

»Ausbluten« der Häuser geführt. In NRW

wollte man die Entwicklung anderer Bundesländer

– in denen es zu Schließungen

von Geriatrien gekommen war – vermeiden

und rechtzeitig gegensteuern. Dieses

Ziel sei aktuell nicht erreicht worden, so

der Bundesverband Geriatrie e.V.

www.bv-geriatrie.de


AG MedReha

Broschüre zeigt Gesichter der Reha

Ende August hat die Arbeitsgemeinschaft

Medizinische

Rehabilitation (AG MedReha)

ihre neue Informationsbroschüre

»Reha zeigt Gesicht« vorgestellt.

Sie enthält eine Auswahl

an wahren Patientengeschichten.

Berlin. Mit den zusammengetragenen

Beiträgen sollen die unterschiedlichen

Facetten medizinischer Rehabilitation

lebendig gemacht und ihre Wirkung auf

bzw. für die Lebensqualität der betroffenen

Menschen veranschaulicht werden. Die

Broschüre dokumentiert, dass die medizinische

Rehabilitation eine unentbehrliche

Leistung im System der sozialen Sicherung

ist, die den einzelnen betroffenen Menschen

sowohl vor dem Ausscheiden aus

dem Erwerbsleben als auch vor vermeidbarer

Pflegebedürftigkeit schützt. Zudem

profitiert die Gesellschaft gleichermaßen

von den Leistungen der medizinischen

Rehabilitation, da nicht nur die Kosten im

Sozialwesen, sondern auch die Kosten für

die Arbeitgeber langfristig und nachhaltig

gesenkt werden. Die Broschüre wendet

sich insbesondere an Multiplikatoren und

politische Entscheidungsträger. Sie kann

bei der AG MedReha bestellt werden und

steht im Internet unter www.agmedreha.de

als Download zur Verfügung.

Veranstaltungen der DEGEMED

Know-how aus der Praxis für die Praxis

Seminar: In Verhandlungen führen

am 16. und 17.10.2014 in Berlin

Führungskräfte in Rehabilitationseinrichtungen

verhandeln täglich mit Mitarbeitern,

externen Partnern oder Kostenträgern. Viel

hängt dabei vom individuellen Verhandlungsgeschick

ab. Wer die hohe Kunst einer guten

Verhandlung beherrscht, der bringt die eigenen

Anliegen in der Verhandlung so ein, dass

das Ergebnis auch für den Verhandlungspartner

stimmig ist. In dem zweitägigen Seminar

erlernen und erproben die Teilnehmer Verhandlungstechniken

und -instrumente sowie

Kompetenzen, um sich optimal auf schwierige

Verhandlungssituationen vorzubereiten.

Das Seminar richtet sich insbesondere an

Führungskräfte und Führungskräftenachwuchs

in Reha-Einrichtungen.

DEGEMED-Mitgliederversammlung

am 05.11.2014 in Berlin

Workshop: Sozialrecht im Reha-

Management am 21. und 22.11.2014

in Köln

Das Sozialrecht bildet die gesetzliche Grundlage

für alle Maßnahmen und Verfahren der

medizinischen, beruflichen und sozialen

Rehabilitation im Rahmen des Reha-Managements.

In diesem zweitägigen Workshop werden

die aufeinander aufbauende Struktur der

Sozialgesetzbücher vorgestellt, Ansprüche

und Handlungskonzepte erarbeitet, die sich

daraus ableiten lassen, und Praxisbeispiele

vorgestellt. Die Teilnehmer sind eingeladen,

Fälle aus ihrer Alltags-Praxis mitzubringen,

um diese im Rahmen des Workshops zu

diskutieren.

Veranstalter sind Deutsche Gesellschaft für

Medizinische Rehabilitation e.V. (DEGEMED)

und die Deutsche Vereinigung für Soziale

Arbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG) in

Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft der

privaten Rehabilitationsdienste (ARGE Rehabilitation).

Augsburg, 16.–18. März 2015

24. Reha-Kolloquium 2015

Das Reha-Kolloquium 2015 veranstaltet

die DRV Bund gemeinsam mit der DRV

Schwaben und der Deutschen Gesellschaft

für Rehabilitationswissenschaften

(DGRW) zum Thema »Psychische

Störungen – Herausforderungen für

Prävention und Rehabilitation«. Das

Reha-Kolloquium ist als Deutscher Kongress

für Rehabilitationsforschung das

wichtigste Forum für praxisrelevante

Ergebnisse zur Rehabilitation.

Wiss. Leitung: Dr. R. Buschmann-Steinhage,

Dr. H.-G. Haaf, Prof. Dr. Dr. U. Koch

Infos: DRV Bund Berlin

Tel. 030 865-39336

E-Mail: kolloquium@drv-bund.de

Internet: www.reha-kolloquium.de

Impressum

DEGEMED

Deutsche Gesellschaft für

Medizinische Rehabilitation e.V.

Vorstand:

Prof. Bernd Petri (Vorsitzender)

Dr. Constanze Schaal

(1. stellv. Vorsitzende)

Petra Schraml-Dussle

Horst Gollée

Thomas Bold

Thomas Heiming

Geschäftsführer:

Christof Lawall (V.i.S.d.P.)

Fasanenstraße 5, 10623 Berlin

Tel.: 030 284496-6

Fax: 030 284496-70

E-Mail: degemed@degemed.de

Internet: www.degemed.de

Realisation und Verlag:

müller:kommunikation,

Eichhoffstr. 36, 44229 Dortmund

Tel.: 0231 477988-30

www.muellerkom.de

Redaktionsschluss: 19.09.2014

Fotos:

S. 1: TAKE-OFF Karin Meißner; S. 2: RHM

Karin Joa; S. 3: privat; S. 4: DEGEMED, S. 5:

Rehaklinik Heidelberg-Königstuhl, Reha-Klinik

Miriquidi, AWO Gesundheitsdienste gGmbH,

DEGEMED; S. 7: RHM, DEGEMED; S. 8/9: privat;

S.10: Paracelsus-Kliniken; S. 13: DRV Baden-

Würt temberg, DEGEMED, Dr. Becker-Kliniken

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben

die Meinung der Autoren wieder.

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