Bergsteiger Hüttenträume (Vorschau)

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10

Ran ans Eisen!

Die neuesten Klettersteige

Oberstdorf: Fotografieren mit Zak

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10 / Oktober Juli 2014 2013

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

Hüttenträume

Die himmlischsten Wolkenhäuser für den Herbst

IM TEST

12

isolierende

Westen für

Sie & Ihn

PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Ortlermassiv • Dolomiten • Berner Alpen • Stubaier Alpen

Bayerische

Schmankerl

Genussvoll wandern

im Allgäuer Wertachtal

+ über

60 Touren-

tipps

Psychologie:

Wem vertrauen

Sie am Berg?

Stubaier

Gipfelsturm

Goldene Wege auf

Habicht & Co.

Südtirol

Die besten Wanderungen

rund um Messners Museen

Aostatal

Trekkingerlebnis auf der

»Tour der Giganten«

David Lama

Gesäuse

Stille Bergpfade vor

erhabener Steinkulisse

Vom Karakorum

zurück in die Heimat


2 Bergsteiger 06⁄14

PERFEKT AUF ALLEN TOUREN UND STEIGEN.

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EDITORIAL

Hochh(in)aus

am Nebelhorn:

Fotoausstellung

und zugleich

Workshop beim

»Oberstdorfer

Fotogipfel«

Foto: Heinz Zak

Hütten

und Hiebe

Mit Fotograen verhält es sich ähnlich

wie mit Texten. Sind sie gut, fesseln

sie den Leser, beügeln die Phantasie.

Emotion in Bergbilder zu bringen,

ist gar nicht so einfach. Dazu passt ein Satz des Bergsteigers und Meteorologen

Charly Gabl, den er mir als Widmung in sein neues Buch »Bergwetter« geschrieben

hat: »Ein Himmel ohne Wolken ist fad.« Insofern fügte es sich gut,

dass sich beim Gipfelbiwak mit dem Kletterer und Bergfotografen Heinz Zak

als Lehrmeister die Wolken dramatisch türmten und die Himmelsstimmungen

im Minutentakt wechselten. Die Ergebnisse des Workshops können Sie auf den

Seiten 102–105 begutachten. Und sich dabei auch ein paar Fototipps holen.

Für Zaks Schüler (zu denen auch ich gehörte) war es übrigens äußerst angenehm,

dass der Meister den Schlüssel zum Nebelhornhaus dabei hatte. Denn

kurz vor Einbruch der Dunkelheit entlud sich ein Gewitter am Gipfel. Womit

wir beim Titelthema wären: Berghütten. Sie sind auch 200 Jahre nach den

Anfängen des Alpinismus noch Stützpunkt und Refugium für Bergsteiger.

Die Ansprüche haben sich aber fundamental verändert. Zum einen erwarten

Bergliebhaber heutzutage, dass Hütten umweltfreundlich betrieben werden.

Zum anderen stellt der Klimawandel gerade die hoch gelegenen Häuser vor

manchmal unlösbare Probleme – beispielsweise die Schwarzensteinhütte in

Südtirol, der das Fundament wegrutscht. Und im Hintergrund tobt der Streit

um moderne Architektur und Hightech versus Tradition. Wir verraten Ihnen

zudem unsere persönlichen Lieblinge unter den Hütten (S. 22–31).

Amicizia-Leitern

Foto: Hauser-Bergführer Alexander Römer

Klettersteige

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Die Top 5

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Was fremden Bergsteigern wie handfester Zwist vorkommt, ist in Slowenien

eine Art Initiierungsritual. Am Triglav setzt es Peitschenhiebe. Was es damit auf

sich hat, lesen Sie auf den Seiten 48–53. Viel Vergnügen dabei!

Michael Ruhland, Chefredakteur

hauser-exkursionen.de

Hauser Exkursionen int. GmbH,

Spiegelstraße 9, 81241 München


INHALT

22

Hüttenträume

Klimawandel und Komfortdenken

sind für Hütten eine

Zerreißprobe. Wie viel

Hightech braucht es, und wo

bleibt die Gemütlichkeit?

32

Bayerischer Herbst

Unbekannte Gipfel und schmackhafte

Regionalküche im Wertachtal genießen

TITELTHEMA

22 Das Los der Hütten

Viele Alpenhütten bieten seit Jahr hunderten

verlässlich Schutz. Gelingt ihnen auch der

Spagat zwischen Tradition und Moderne?

BERGSZENE

12 Neues aus der Welt der Berge

12 BERGSZENE Mehr Blockierungen:

DAV gibt jährliche Unfallstatistik heraus

17 UMWELT Mehr Tier-Attacken: Tirol emp-

ehlt »Kuh-Knigge« für Almwanderer

18 MEDIEN Mehr Stoff: Aktuelle Bücher, Filme,

Apps und Webtipps zum Thema Berg

82

Du darfst!

Um Verantwortung

und Gruppendynamik

geht’s in Teil 2

der Psycho-Serie.

AUF TOUR

32 Schwäbische Schmankerl

Herbsttouren in der Heimat des Käses:

Die Allgäuer Alpen sind ein Hochgenuss für

Wanderer – und ihre Gaumen.

36 Kick aus der Natur

Unser Autor Eugen E. Hüsler vermisst den

Kontakt zum Fels – und sinniert über

die Zukunft der Klettersteige. Ein Plädoyer

4 Bergsteiger 10⁄14


44

Stubaier Gipfelsturm

Der Habicht ist ein stolzer 3000er, aber

gar nicht so schwierig zu besteigen.

68

Leises Gesäuse

Im Wanderparadies locken stille

Bergpfade vor erhabener Kulisse

12 TOURENKARTEN ZUM MITNEHMEN

Sorgschrofen

Wertacher Hörnle

Saldurspitze

Grieskogel

Leitner Berg

Rund um den Lohner

Wörner

Hocheppan-Burgenrunde

Düsseldorfer Hütte

Pisciadù-Klettersteig

Via ferrata Cesco Tomaselli

Via ferrata Gianni Costantini

58

92

Westen

testen

Genau richtig

für die Übergangszeit

im

kühlen Herbst:

Wir haben die

neuesten Isolationswesten

getestet.

36

Ran ans Eisen

Quo vadis, Klettersteig?

Über den Kick an den Eisenwegen

Cover: Beim Ramolhaus (Rainer Mirau/LOOK-foto); weitere Fotos: SAC, M. Kostner, M. Pröttel, E. Kren, A. Strauß (2), Archiv Arnold, Hersteller

44 Die Beute des Habichts

Seit jeher ein Sehnsuchtsziel: Nahezu

ohne Schneekontakt gelangt man auf

einen der höchsten Stubaier Gipfel.

48 Pflicht für Patrioten

Der Triglav prangt auf Sloweniens

Wappen und Münzen. Muss man sich

deshalb oben auspeitschen lassen?

54 Mensch, Kunst, Eis

Messners Museen, Teil 1: Tour und

Kultur rund um Juval, Firmian und Sulden

68 Am Rande der Zeit

Im kleinen Johnsbach, im Herzen

Österreichs, liegt ein Wanderparadies,

das wie aus der Zeit gefallen scheint.

Familien-TIPP

72 Durchs Riesenreich

Im Aostatal passiert man Monte Rosa,

Matterhorn und Mont Blanc aus sicherer,

aber ungemein aussichtsreicher Distanz.

106 Serie: Aufs Dach der Alpen

Irgendwann legt jeder Wanderer die

Hände an den Fels. Für den ersten »Zweier«

sollte man allerdings gerüstet sein.

SERVICE

88 Serie: Hersteller im Profil

Zuletzt überraschte Salewa mit einem

neuen Firmenlogo, doch der Wandel bei

den Bozenern greift tiefer.

92 Warm ums Herz

Helferlein im Spätsommer: Neue Isolationswesten

im großen BERGSTEIGER-Test

100 Von den Socken

Funktions-, Stütz-, Woll- oder Komfortsocken?

Wir bringen Ordnung ins Chaos.

EVENT

78 Die Promi-Runde

Peak to Creek: ein alpines Staffelrennen

mit Sportstars von gestern und heute

102 Wolke 7, Blende 8

Mensch und Technik: Heinz Zaks Lehrstunde

beim 2. Oberstdorfer Fotogipfel

112 Klettern mit den Besten

Am Fels mit den Davids: Gewinnen Sie

einen Klettertag mit Lama und MacLeod

114 Die Kunst des

Kletterns: Bernd

Arnold im Porträt

Er ist »Mister Elbsandstein«:

Niemand hat

die Routen in

den Felsen an

der Elbe mehr

geprägt als

Bernd Arnold.

Ein Besuch in

der Wiege des

Freikletterns.

RUBRIKEN

Editorial 3

Bergbilder 6

TV-Programm 20

Davids Depeschen 86

Bergpredigt 120

Briefe/Impressum 121

Vorschau 122

10⁄14 Bergsteiger 5


BERGBILDER

Angeknipst

Wie Glühbirnen leuchten die Wollgrasbüschel im

Licht der untergehenden Sonne an einem kleinen

Schweizer Bergsee. Nicht mehr lange, dann werden

auch ihre Lichter erlöschen.

Sustenpass, Kanton Bern (Schweiz)

Fotos: Bernd Römmelt

6 Bergsteiger 10⁄14


Abgewartet

Drei Anläufe benötigte der Fotograf, um eine

klare Nacht zu erwischen. Sein Zelt steht vor der

unverkennbaren Silhouette des Matterhorns,

darüber wölbt sich ein prächtiger Sternenhimmel.

Riffelsee am Matterhorn, Kanton Wallis (Schweiz)

8 Bergsteiger 10⁄14


Im Herbst kann der Blick

vom Säntis weit über hundert

Kilometer reichen.

Wie die Tundra Alaskas:

herbstliche Heidelbeerbüsche

am Gipfel des Hochkeil.


Aufgehoben

Zum Greifen nah schieben sich die Bergketten

ineinander, jede Distanz scheint aufgehoben. Dabei

reicht der Blick vom Säntis bis zur Zimba, die bereits

zum Rätikon im österreichischen Vorarlberg gehört.

Blick vom Säntis (2501 m), Kanton Appenzell (Schweiz)

10 Bergsteiger 10⁄14


Sagenhafte Alpen

Ein Prachtband als Ergebnis einer

entbehrungsreichen Suche nach den

winterlichen Sagen der Alpen.

Mehr als zehn Jahre

lang tüftelte Bernd

Römmelt an seinem

Buchprojekt »Sagenhafte

Alpen«. Um die

Alpen so wild und

mystisch wie die Natur

Kanadas oder Alaskas

erscheinen zu lassen, arbeitete Römmelt

nur mit dem besten, dem »wildesten« Licht.

Rare Lichtstimmungen und unerklärliche

Naturphänomene sind auch der Ursprung

vieler uralter Bräuche in den Bergen. Römmelt

hat sich in seinem Bildband intensiv

mit dem Winterbrauchtum in den Alpen

beschäftigt – was gar nicht so einfach war.

Denn viele der Bräuche sind geheim, einige

gar nicht überliefert, andere nden nur

alle vier oder gar fünf Jahre statt. Auf der

Suche nach ihnen entstand eine Mischung

aus wilder Natur und

»vogelwilder« Kultur.

Bernd Römmelt:

»Sagenhafte Alpen«

224 Seiten, Knesebeck

Verlag, München 2014,

39,95 Euro

10⁄14 Bergsteiger 11


Bergsteiger

10/14 BERGSZENE

Hubschrauber im

Wetterstein:

Allein zum Jubiläumsgrat

zwischen

Zug- und Alpspitze

flog die Bergwacht

2013 30 Mal.

Viele Unfälle sind vermeidbar

DAV PRÄSENTIERT SEINE BERGUNFALLSTATISTIK

Foto: Thomas Ebert

Mehr Unfälle als im Vorjahr verzeichnet der Deutsche Alpenverein

in seiner Bergunfallstatistik 2013, die im August präsentiert wurde.

Erfasst wurden nur die Schadensmeldungen der etwa 1 Mio. DAV-

Mitglieder. Diesen 876 Meldungen stehen allein 8360 Einsätze der Bergwacht

Bayern gegenüber. Als Trend der letzten Jahre konstatiert Florian

Hellberg von der DAV-Sicherheitsforschung eine »Verzehnfachung der

Klettersteignot«. An Klettersteigen wurden 2013 erstmals weniger Stürze

als Blockierungen gemeldet, die fast immer Folge von Überforderung

waren. Auffällig sei laut Hellberg zudem, dass die meisten Not- und Unfälle

während der ersten 25 Tourentage auftreten. Die gesamte Statistik

und weitere Statements nden Sie unter www.bergsteiger.de –te–

Spaß trotz Regen beim Wanderevent: Wer einen

Goldschatz findet, dem ist das Wetter wurscht.

Aus Chile in die

Hohen Tauern

An alles hatten die Organisatoren gedacht:

Kinderprogramm, Streckenposten, Verpfl egungszelte,

riesige Pokale – nur das Wetter ließ sich

nicht planen. Egal, denn für die zwölf Wanderund

Laufevents beim 3. Hohe Tauern Wandermarathon

nahm mancher der 150 Teilnehmer

sogar die Anreise aus Chile in Kauf. Eine Dame

aus Russland versprach gar ihr Wiederkommen

im nächsten Jahr. Dann, so hoffte nicht nur

Organisatorin Renate Hörbiger, bei strahlendem

Sonnenschein.

–te–

Foto: Thomas Ebert

Foto: www.glowacz.de

2013 2012

Unfälle & Notfälle 876 770

Tödliche Unfälle 35 23

Wandern 220 226

Bergsteigen (inkl. Hochtouren, Klettersteige) 98 107

Klettern 130 106

MTB 24 25

Skitourengehen 107 71

Piste, Variante, Langlauf, Snowboard 275 206

Sonstiges / unbekannt 22 29

Zitat des Monats

»Der Reiz, das Risiko auf

ein Minimum zu reduzieren

– darin liegt die wahre Kunst

des Bergsteigens. Man

muss im richtigen Moment die richtigen

Entscheidungen treffen.«

Stefan Glowacz, 49, Kletterer und Abenteurer, bei seinem Vortrag in München

12 Bergsteiger 10⁄14


Fotos: ofp, Wurzrainer

Fünf Fragen an …

Toni Wurzrainer

hat den Bau

eines knapp

30 Meter hohen,

begehbaren

Gipfelkreuzes

über dem Pillerseetal

veranlasst.

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Halbpension auf

2000 Metern

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inkl. Fahrt mit der Nordkettenbahn

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… den Jakobskreuz-Initiator

Ein Gebäude in Form eines Gipfelkreuzes – wie kommt man

auf eine solche Idee?

Ich war 2001 auf dem Jakobsweg nach Santiago unterwegs.

Dort angekommen, wollte ich aus Dankbarkeit für dieses schöne

Erlebnis irgendetwas machen. Angeregt von den Gipfelkreuzen

auf unseren Bergen skizzierte ich ein begehbares, vierarmiges Kreuz

in mein Tagebuch, aus dem nun das Jakobskreuz geworden ist.

Muss man zum Jakobskreuz weit pilgern?

Je nachdem, welche Aufstiegsart man wählt: Man kommt mit

dem Sessellift, mit dem Mountainbike oder zu Fuß hoch auf

die 1456 Meter hohe Buchensteinwand. Wer wandert, braucht für

den kürzesten Weg aus dem Tal eine gute Stunde.

Gegner haben das Projekt in der Bauphase als »Monster«

bezeichnet. Konnten Sie sie mit dem Ergebnis nun umstimmen?

Man hört jetzt eigentlich gar nichts Negatives mehr über das

Jakobskreuz. Es fügt sich sehr harmonisch in die Landschaft ein.

Ich denke, die Leute hatten zuvor einfach keine Vorstellung davon,

wie ein 30 Meter hohes Kreuz auf einem Gipfel wirkt.

Was unterscheidet das begehbare Jakobskreuz von dem

alpinen Wettrüsten, wie es andere Gemeinden mit Flying Fox,

Sommerrodelbahnen und ähnlichem betreiben?

Beim Wettrüsten wollen wir nicht mitspielen. Wir sehen das Kreuz

eher als Kraftplatz, als ein Ort der Besinnung und inneren Einkehr.

Im Inneren sollen Lesungen, Seminare, Ausstellungen und Vorträge

stattfi nden. Der Ort ist für Leute gedacht, die Ruhe und Einsamkeit

suchen.

Widerspricht eine Attraktion wie das begehbare Kreuz dieser

Idee der Ruhe und Einsamkeit nicht eher?

Da müssen wir sehr aufpassen. Die Bergbahn hat keine übermäßig

großen Kapazitäten, es gibt auch keine Gastronomie im Kreuz,

obwohl das sicher rentabel wäre. Der Eintritt ins Gipfelkreuz ist auf

100 Personen limitiert. Aber natürlich zählt für uns auch der

wirtschaftliche Aspekt, um damit die Bergbahn samt Arbeitsplätzen

zu erhalten.

Interview: Dagmar Steigenberger

Hohe Berge. Starke Stadt

STADT ERLEBEN. LAND GENIESSEN.

Für die Hauptstadt der Alpen kann man beides einpacken:

High Heels und Wanderschuhe. Denn der pulsierende Lifestyle

der City und die faszinierende Welt der Berge sind hier seit jeher

engste Freunde. Das erlebt man nur in Innsbruck und seinen

Feriendörfern.

10⁄14 Bergsteiger 13

Innsbruck Tourismus: Burggraben 3, 6020 Innsbruck, Austria,

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Bergsteiger

12/11 10/14 AKTUELL

BERGSZENE

Notizen

Im Spotlight: Juliane

Wurm räumte vor ausverkauftem

Haus ab

Termine zum Almabtrieb

Im September und Oktober ziehen wieder allerorts

die Viehkarawanen von den Almen in die

Täler. Aufwändig geschmückt

sind sie nur,

wenn alle Tiere den

Sommer auf der Alm

unbeschadet überstanden

haben. Unter

www.bergsteiger.de

gibt’s eine Übersicht

über die Termine zu den

Almabtrieben. –dst–

Pierre Mazeaud wird 85

Er ist das »contraire« zum Kniebundhosen-

Klischee der 60er-Jahre: lässig, Gauloises in

den Mundwinkeln, Sportwagen, Frauenschwarm.

Später dann der elegante Herr im Anzug, Jurist,

Politiker, Präsident des französischen Verfassungsgerichts.

Als Bergsteiger eine lebende

Legende: 1959 Erstbegehung an der Westlichen

Zinne, 1961 mit Walter Bonatti am Frêneypfeiler,

1978 Mt. Everest. Am 24. August wurde Mazeaud

85 Jahre alt. Chapeau! –Uli Auffermann–

IMS Bergfestival

Der Kiku. International Mountain Summit hat

zum sechsten Mal seinen Programm-Rucksack

gepackt. Ab dem 16. Oktober stehen unter dem

Jahresthema »Willenskraft« in Brixen/Südtirol

Bergsteiger, Kletterer, Ärzte, Wissenschaftler,

Touristiker, insgesamt über 60 Akteure auf der

IMS Bühne. Der Ticketverkauf hat begonnen. –te–

Alpentestival Garmisch

Material testen, Natur erleben, Freunde

treffen: Das 3. AlpenTestival vom 1. bis zum 3.

August lockte mit 750 so viele Besucher wie

noch nie nach Garmisch. Das Zeltdorf musste

gar aufgestockt werden. Mit Alpspitzferrata,

Hausberg-Olympia-Trail, Sonnenaufgangswanderung,

Kräuterwanderung und Flying Fox war

für jeden etwas dabei.

–te–

alpinmesse Innsbruck 2014

Das Programm der alpinmesse 2014 steht:

Simone Moro, ein Freeride Camp, 160 Her- und

Aussteller, der BlocAlpin Bouldercup und 13

Workshops (u.a. ein Tierspurenkurs) kommen

am 15. und 16. November nach Tirol. –te–

Foto: pixelio.de / Kurt

Foto: DAV / Marco Kost; Elias Holzknecht/IFSC

Schon wieder Weltmeister

JULIANE WURM GEWINNT BEI DER BOULDER-WM IN MÜNCHEN

Bis zuletzt war es ein spannendes Kopf-an-Kopf Rennen bei der Boulder-

Weltmeisterschaft 2014 im Münchner Olympiastadion. Vor mehr als 5000

Zuschauern gaben die besten Boulderer der Welt drei Tage lang alles, um den

Weltmeistertitel mit nach Hause nehmen zu dürfen. Am Ende zog Juliane

Wurm vom DAV Wuppertal ganz knapp an ihrer schärfsten Konkurrentin, der

Amerikanerin Alex Puccio vorbei und sicherte sich damit die Spitzenposition.

Zum allerersten Mal geht damit der Weltmeistertitel nach Deutschland.

Weltcup-Gesamtsieger Jan Hojer aus Frankfurt holte sich Bronze hinter dem

Tschechen Adam Ondra und Jernej Kruder aus Slowenien. Die Münchner

Lokalmatadorin Monika Retschy schaffte es um Haaresbreite nicht ins Halbnale,

freute sich aber dennoch über einen siebten Platz.

–vhi–

Das andere Berglexikon

»Was Sie schon immer über die Welt der Berge wissen wollten…«

Ewie Egon

Kennen Sie Egon? Nein? Ist auch besser so. Denn wenn

Sie ihm beim Klettern begegnen, besser, wenn er Sie trifft,

hat der Spaß im Fels ein jähes Ende. Egon steht nämlich in

diesem Zusammenhang für Steinschlag und gilt als unverwechselbares

Bergsteiger-Warnsignal. Der Ausruf »Egon!« hatte sich

zu Zeiten der Bergvagabunden à la

Heckmair und Ertl in die Zunftsprache

der Alpinisten eingebürgert. Wenn

es laut »Egon« durch die Wände hallte,

war mit Sicherheit keine männliche

Person, sondern die Warnung,

dass Steine fl iegen, gemeint. Und

dann hoffte man, dass kein »Egon«

die »Egonbirne« (den Kopf) traf.

–Uli Auffermann–

Foto: Archiv Heckmair-Auffermann

14 Bergsteiger 10⁄14


Berg-Fundstück

Mit den Panoramen auf

Holzklötzen hat man mitsamt Brett

vorm Kopf eine fabelhafte Aussicht.

Bergsauger Panorama, 60 x 12 x 8 cm, www.bergsauger.de, Preis: 99,99 Euro

TAG DES BERGES

26. Oktober 2014

NEU

Kloster Andechs/Florian Stadl

Foto: AlpNet

Ausgezeichneter Tourismus

5 Finalisten beim Tourismuspreis. 30 Projekte zu digitalen Marketingkampagnen

im Alpentourismus haben sich für den theALPS Award 2014 beworben. Der Preisträger

des Awards, der von AlpNet, dem Verein zur Förderung des Alpentourismus

vergeben wird, wird am 16. September in Arosa bekanntgegeben. Gekürt werden

herausragende touristische Marktleistungen im Alpenraum. Zu den diesjährigen

Finalisten gehören ein Smartphone-basiertes Outdoor-Abenteuer auf der Grande

Traversée des Alpes, der Ferienshop von Davos Klosters, das Hüttenbuchungstool

der Peter-Habeler-Runde im Zillertal, ein Livechat-System für Alpendestinationen und ein digitales

Reisetagebuch für das Val Sugana.

–te–

Vorträge von Stefan Glowacz

und Bruno Baumann!

... Reisevorträge, Beratung zu

Ausrüstung und Bekleidung

sowie allen Berg- und Bikereisen.

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Bergauf, Film ab!

BERGFILM-FESTIVAL TEGERNSEE UND EUROPEAN OUTDOOR FILM TOUR

Der Blick auf den Tegernsee mit Wallberg und Fockenstein im goldgelben Licht ist längst

nicht alles, was die Region südlich von München im Herbst zu bieten hat. Spektakulär sind

auch die Bilder, die beim 12. Berglm-Festival in Tegernsee von 22. bis 26. Oktober über

die Leinwände der sechs Vorführsäle immern. Etwa 100 Filme aus der ganzen Welt treten

dann zum Wettbewerb um den Großen Preis der Stadt Tegernsee an. Informationen zu

den Filmen und zum Rahmenprogramm mit einer Ausstellung und Wanderungen stehen

unter www.berglm-festival-tegernsee.de. Kurz zuvor, am 11. Oktober, tritt außerdem

die European Outdoor Film Tour zum 14. Mal ihre Reise durch Europa an. Alle Termine zur

Show mit hochkarätigen Kurzlmen aus der Outdoor-Szene unter www.eoft.eu. –dst–

Programm/Tickets/Katalog:

info@top-mountain-tours.de

www.top-mountain-tours.de

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Premium-Reisen

zu den Bergen der Welt


Bergsteiger

12/11 10/14 AKTUELL

BERGSZENE

Bergtag im Seenland

4. TAG DES BERGES IM KLOSTER ANDECHS

Schweizer Skitourenfest

Sicher durch den Winter. Gemeinsam mit dem

Schweizer Bergsportausrüster Mammut veranstaltet

der BERGSTEIGER dieses Jahr ein Skitourencamp

im Schweizer Averstal. Vom 15. bis 18. Januar

2015 wird in drei verschiedenen Stärkeklassen

(gemütlich, fortgeschritten, anspruchsvoll) die

Kunst des Skitourengehens erlernt und vertieft.

Das schneesichere Hochtal in Graubünden

bietet Gipfelziele abseits des Pistenrummels, wie

Wengahorn (2849 m), Piz Surparé (3078 m),

Bödagrat (2952 m), Tscheisch Horn (3019 m).

Für die Sicherheit auf Tour sorgen die Bergführer

der Mammut Alpine School. Mit Technikkursen,

Lawinenkunde und Materialtests werden die

dreieinhalb Tage in Juppa wie im Flug vergehen.

Anmeldung und Infos ab sofort unter

www.alpineschool.mammut.ch oder Tel. 00 49/

(0) 83 34/3 62 03 62 –te–

Foto: Peter Mathis

Im Fünfseenland südlich von München ndet heuer der 4. Tag des Berges

des Bergreisespezialisten Top Mountain Tours statt. Der Florian-Stadl im

Kloster Andechs am Ammersee ist das »Basislager« für die hochkarätigen

Bergausüge: Günter Härter präsentiert »Top-Skitouren weltweit«, Reinhold

Rühl zeigt seinen neuen Film »Manaslu open«. Es folgen Vorträge zu

Besteigungen von Damavand (Iran), Kazbek

(Georgien), Putha Hiunchuli (Nepal), ein Expertentalk

zu Bergausrüstung, Wetterkunde von

Dr. Karl Gabl sowie der neue Vortrag »Himalaya,

Königreiche zwischen Himmel und Erde« von

Bruno Baumann.

Highlight des Bergtages am 26. Oktober ist

Stefan Glowacz’ Vortrag »Auf bruch ins

Abenteuer«. Tickets gibt es ab 15 Euro unter

www.top-mountain-tours.de/tagdesberges –te–

Neues aus Nepal

Erstbesteigung der Thamserku SW-Wand – Straße nach Lukla geplant

Tausende von Nepal-Trekkern haben die Wand schon mit eigenen Augen aus dem

Khumbu-Tal bewundert – nun ist den Russen Alexander Gukov und Alex Lochinsky

mit der Route »Shy Girl« die Erstbesteigung der Südwestwand des Thamserku

(6623 m) über dem Khumbutal gelungen. In Zukunft könnte sich der Andrang

im Tal unter der prominenten Wand noch erhöhen: Das nepalesische Tourismusministerium

erwägt den Bau einer Straße in die Everestregion. Endpunkt soll

Surkhe sein, das etwa zwei Fußstunden von Lukla entfernt liegt. Bisher wird das

Khumbutal fast ausschließlich über den Flughafen Lukla erreicht. –te–

Foto: Top Mountain Tours

+++ OUTDOOR-NEWS +++

+++ Die neue Marke

99percent hat es

sich zum Ziel gesetzt,

maximale Funktion mit

einem Preisniveau zu

verbinden, das für Jedermann

erschwinglich

ist. Trotz bester Materialien,

höchster Verarbeitungsqualität

und Fairwear-zertifi zierter

Produktion soll keine der Jacken mehr

als 200 Euro kosten. Was nur möglich ist,

weil auf eine eigene Vertriebsmannschaft,

den Zwischenhandel sowie auf klassische

Werbung verzichtet wird. Infos unter

www.99-percent.de +++

+++ Ein runder Geburtstag

in diesem Jahr gibt mehreren

Firmen aus der Bergsport-

Branche Anlass zum Feiern: Zu seinem

Zehnten radelte das Team von Maloja

vom gleichnamigen Dorf im Engadin bis

zum Firmensitz im bayerischen Rimsting.

Vaude beging die 40 ganz still, und

Haglöfs präsentiert zum 100. Jubiläum

den neuen Retro-Rucksack N:o 1. +++

+++ Mit Nano-Air bringt Patagonia

zum Herbst ein neues Konzept synthetischer

Isolierung auf den Markt. Die

Materialkombination vereint die Vorzüge

von Fleece, Softshell und Synthetikfüllung

mit einer FullRange-

Isolierung, die nicht

nur außergewöhnlich

warm, sondern

zudem elastisch

und dampfdurchlässig

ist. +++

+++ Der bayerische LVS-Geräte- und

Merino-Spezialist Ortovox ist seit Juli

Mitglied der European Outdoor Group

(EOG). Die im Jahr 2003 gegründete EOG

ist ein Zusammenschluss der wichtigsten

Unternehmen aus dem Bereich der Outdoorindustrie

und tritt als internationale

Vertretung der Branche auf. ++++++

Fotos: Hersteller

16 Bergsteiger 10⁄14


Umwelt und Nachhaltigkeit

Foto: Thomas Ebert; LK Tirol

Kuh-Knigge für Wanderer

TIROL REAGIERT AUF UNFÄLLE MIT TIEREN

Aug‘ in Aug‘: Wer Hektik und

Streichelversuche unterlässt, hat von

Bergkühen nichts zu befürchten.

Erlebnis

Reisen

Weltweit

Natur + Kultur + Abenteuer

Trekking

Bergwandern


Tiersafaris


»Die Alm ist kein Streichelzoo« – so lautet eine neue Broschüre der Landwirtschaftskammer

Tirol, herausgegeben in Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch und Holländisch.

Der comicartige Folder wird an den Tiroler Seilbahnbetrieben verteilt und steht auch zum

Download bereit. Die Broschüre informiert über den korrekten Umgang mit Weidevieh im

Gebirge. Erste Regel sei, Distanz zu wahren und auf den Wegen zu bleiben. Wanderer sollten

sich insbesondere von Kälbern fernhalten, um nicht den Schutzinstinkt der Mutterkühe

zu wecken. Hunde gehören an die Leine – außer jedoch, ein Angriff ist unmittelbar absehbar,

da sich der Besitzer sonst mit in Gefahr begibt.

Ende Juli war eine 45-jährige Deutsche im Tiroler Pinnistal tödlich von Kühen verletzt worden,

die zuvor ihren angeleinten Hund attackiert hatten. Am Watzmann wurde ein Wanderer

von einem Steinbock attackiert,

der es ebenfalls auf dessen Hund

abgesehen hatte – der Deutsche

wurde verletzt geborgen. Peter Kapelari,

Leiter der Abteilung Hütten,

beim Österreichischen Alpenverein,

stellte aber klar: »Eine tatsächliche

Trennung von Wanderern und

Weidevieh ist wohl nirgends machbar

und auch nicht sinnvoll – die

Tiere sind ja keine Ungeheuer.« –te–

Umwelt-Ticker

+++ Am 10. August hat sich die Interessensgemeinschaft DIMB

Bayerische Voralpen gegründet. Die IG vertritt die Anliegen

aller Mountainbiker zwischen Walchensee und Tegernsee und

beabsichtigt ein »respektvolles Miteinander« zwischen Wanderern

und Radlern. +++ Nun ist auch juristisch klar, dass es keinen

Baustopp am Sudelfeld geben wird. Die Beschwerde des DAV

gegen den Ausbau des Skigebiets wurde Ende August abgewiesen,

da das »öffentliche Interesse« am Skitourismus überwiege. +++

Das Gemeindenetzwerk Allianz in den Alpen traf sich Ende Juli

zu seiner Fachtagung in Tux im Zillertal. Die rund 300 Mitgliedergemeinden

beschlossen, sich bei Besucherlenkung, energieeffi

zientem Bauen und regionaler Wertschöpfung noch stärker

auszutauschen. +++ Der Verein zum Schutz der Bergwelt e.V.

kritisiert die von der EU geplante Alpenstrategie EUSALP.

Sie diene nicht dem Schutz der Berge, sondern sehe die Alpen

als »Batterie Europas« und sei nur wachstumsorientiert. Bis

15. Oktober können alle EU-Bürger die EUSALP online beurteilen.


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500 Traumzielen



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Bergsteiger

12/11 AKTUELL

10/14 BERGSZENE

Medien

BergBücher …

Steve House, Scott Johnston

»TRAINING FOR THE NEW ALPINISM«

A Manual for the Climber as Athlete,

464 Seiten, Vorwort von Mark Twight

26 × 19 cm, Broschur, Patagonia Books,

Ventura, Kalifornien 2014,

35,00 US$

Er wolle nicht der beste Bergsteiger der Welt werden, sondern

so gut wie möglich, hat Steve House einmal sinngemäß gesagt.

Wer dieses Motiv teilt, ist mit seiner Trainingsbibel für ernsthafte

Alpinisten bestens beraten. Ziele denieren, Schwächen

erkennen, Motivation aufbauen, Fehler minimieren, physisch

wie mental stärker werden (und es bleiben): Training ist mehr als

Knotenkunde und Gehschule, wie nicht nur die speziell für Bergsteiger

erstellten Übungspläne und Ernährungstabellen beweisen.

Die großen Stärken des bisher nur auf englisch erschienenen

Buches sind aber zweifellos der Einbezug der »mental tness«

und die Gastbeiträge namhafter Bergsteiger, allen voran Voytek

Kurtykas »Kunst des Leidens«. Ein Buch aus erster Hand. –te–

Janina und Markus Meier

»40 HÜTTENTOUREN –

ZUGSPITZE UND UMGEBUNG«

aus der Reihe Bruckmanns

Hüttentouren, 168 Seiten, 11,5 ×

17,5 cm, Bruckmann Verlag,

München 2014, 12,99 €

Bestes Essen und eine

phänomenale Aussicht:

Nach diesen Kriterien haben

Janina und Markus Meier

40 Hütten rund um die Zugspitze

ausgewählt, deren

Anstiege nicht allzu schwierig

und meistens gut mit öffentlichen

Verkehrsmitteln zu

erreichen sind. Zu jeder Hütte

gibt‘s außerdem mindestens

eine Gipfeltour. –dst–

Stephen E. Schmid,

Peter Reichenbach (Hrsg.)

»DIE PHILOSOPHIE DES KLETTERNS«

224 Seiten, Hardcover

mit Lesebändchen,

Mairisch Verlag, Hamburg 2014,

19,90 €

Ist Free-Solo-Klettern moralisch

vertretbar? Wieso klettern

Menschen überhaupt? Und

was bedeutet eigentlich Ethik?

Statt bloßen Antworten liefert

dieses Buch etwas viel Wichtigeres.

Denn genauso wie am

Fels geht es in der Philosophie

nicht um Wahrheiten oder

Gültigkeiten, sondern um:

neue Perspektiven. Lassen Sie

sich die Augen öffnen. –dp–

BergApp …

BergFilm …

BergWeb …

Foto: Renan Ozturk

»BLIPCARD«

Wofür? Für ungeduldige Romantiker. Liefert

analoge Grüße in digitaler Geschwindigkeit

Wie? Foto schießen, Text schreiben, abschicken.

Die Postkarte wird in Deutschland gedruckt und ist

am nächsten Tag beim Empfänger.

Warum? Klar, handgeschrieben ist noch schöner.

Aber bis die Karten aus Nepal zuhause ankommen,

ist man oft selbst schon wieder im Lande.

Wieviel? Für iOS; 0,99 EUR pro Karte –te–

»EL SENDERO LUMINOSO«

Mit perfekter Vorbereitung, höchster

Konzentration und vollstem Vertrauen

in die eigenen Fähigkeiten hat Alex Honnold

im Januar 2014 die Route »El Sendero

Luminoso« in Mexiko in Angriff genommen,

eine 762 Meter hohe Felswand

aus kompaktem Kalk. Der Film läuft

im Rahmen der European Outdoor Film

Tour, die ab 11. Oktober zum 14. Mal

durch Europa tourt: www.eoft.eu –sz–

Von: Renan Ozturk/Camp 4 Collective

Mit: Alex Honnold, Cedar Wright

Aus: USA

www.alpenverein.de/huettensuche

Bergfexe kennen das: Einmal im Jahr

kommen die alpin unbedarften Bekanntschaften

angekrochen. »Wir wollen auf so

eine Hütte in den Bergen.« Bewirtschaftet

soll sie sein. Duschen muss sie haben,

Zimmer sowieso. »Lecker« schmecken soll

es auf der Hütte, die aber (Höhenkrankheit!)

nicht über der Waldgrenze liegen

darf. »Und wir zahlen mit EC-Karte.

Kennste da wat?« Diese Fragen (und mehr)

beantwortet die rundum erneuerte

DAV-Hüttensuche. Und wer keine

Blipcards (siehe links) haben will, lässt

den Haken bei »WLAN« einfach weg. –te–

18 Bergsteiger 10⁄14


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** Ab Ausgabe 07/2010

Foto: Andreas Strauß

Buch »Bergparadiese«

Einzigartiger Prachtbildband

über sämtliche Nationalparks

der Alpen – mit Aufnahmen

von Spitzenfotograf Bernd

Ritschel sowie Texten und

Tourentipps von Eugen E.

Hüsler.

Bruckmann Verlag GmbH, Infanteriestraße 11a, 80797 München

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TV-Programm September / Oktober 2014

13.9. | 12.20 | S: Disc. Channel

Naturwunder der Erde

Grand Canyon

Dauer: 50 Min.

14.9. | 16.15 | BR

Fernweh

Osterinsel

Dauer: 30 Min.

14.9. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

15.9. | 14.00 | 3sat

Fernweh – In den Alpen

Von Berchtesgaden

zum Großglockner

Dauer: 45 Min.

17.9. | 15.15 | HR

Abenteuer Erde

Himalaya

Dauer: 45 Min.

J17.9. | 21.15 | Servus TV

Bergwelten Spezial

Der Grenzgänger –

Reinhold Messner

Dauer: 50 Min.

18.9. | 17.15 | DMAX

Ausgesetzt in der Wildnis

Allein in Fels und Eis

Dauer: 60 Min.

19.9. | 11.30 | N 3

Der Fjord in den Bergen

Ein Jahr am Vilsalpsee

Dauer: 45 Min.

AH

19.9. | 20.15 | Servus TV

Bergwelten

Ötscher – Majestät im Osten

Dauer: 50 Min.

19.9. | 21.15 | Servus TV

Retroalpin

Der leuchtende Berg

Dauer: 50 Min.

22.9. | 14.05 | 3sat

Fernweh – In den Alpen

Von Kärnten über Italien

nach Maribor

Dauer: 45 Min.

23.9. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa

Europas hoher Norden:

Island – Reich der Vulkane

Dauer: 42 Min.

25.9. | 13.55 | 3sat

Genpool der Alpen –

Alpenzoo Innsbruck

Dokureihe

Dauer: 50 Min.

J25.9. | 15.15 | N 3

Die letzten Bergbauern …

… der Karpaten

Dauer: 45 Min.

26.9. | 14.30 | 3sat

Verborgene Riesen der Meere

Seeberge im

Atlantischen Ozean

Dauer: 45 Min.

26.9. | 19.30 | Arte

Geheimnisse Asiens – AH

Die schönsten Nationalparks

Chinas wilde Berge

Dauer: 43 Min.

26.9. | 20.15 | Servus TV

Bergwelten

7 Tage im September

Dauer: 50 Min.

26.9. | 20.15 | HR

Paradiese – Urlaub in

europäischen Naturparks

Dauer: 45 Min.

27.9. | 12.30 | ORF 2

Reisezeit – Traumhafte Ziele

Piemont

Dauer: 30 Min.

27.9. | 17.00 | SWR

Meine Traumreise

nach Neuseeland

Leben wie die Maori

Dauer: 30 Min.

27.9. | 19.00 | BR

natur exclusiv

Europas wilder Osten:

Der Nationalpark Slitere

in Lettland

Dauer: 45 Min.

28.9. | 7.50 | WDR

Stratmann wandert

Von der Ville ins

Bergische Land

Dauer: 30 Min.

28.9. | 14.15 | Servus TV

Naturparadies

Wildnis Australiens

Dokureihe

Dauer: 28 Min.

28.9. | 15.15 | N24

Amerika – Wildes Land

Berge

Dokureihe

Dauer: 39 Min.

J28.9. | 19.00 | BR

Unter unserem Himmel

In der Hochsteiermark –

vom Erzgebirge ins Gesäuse

Dauer: 45 Min.

28.9. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

29.9. | 14.50 | 3sat

Meine Traumreise auf AH

den Kilimandscharo

Höllentrip durchs Paradies

Dauer: 30 Min.

30.9. | 15.45 | 3sat

Ballontrekking im Allgäu –

Himmel auf Erden

Dauer: 30 Min.

1.10. | 21.00 | alpha

Reisewege Schottland:

In den Lowlands

Reportagereihe

Dauer: 45 Min.

2.10. | 14.50 | 3sat

Die Alpen von oben

Von Salzburg zum Königssee

Dauer: 45 Min.

2.10. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa

Europas Hoher Norden

Westschweden und Vänersee

Dauer: 42 Min.

3.10. | 18.00 | HR

Urwald, Steppe,

Felsenmeer –

Naturschätze in Hessen

Dauer: 90 Min.

3.10. | 18.00 | BR

Gipfeltreffen

Werner Schmidbauer

trifft Claudia Roth

Dauer: 45 Min.

4.10. | 10.05 | Arte

Planet Gletscher

Alpen: Gletscher

unter Aufsicht

Dauer: 43 Min.

4.10. | 14.15 | Phoenix

Auf dem Dach Europas AH

Im Bann der Alpen

Dauer: 45 Min.

5.10. | 20.15 | Phoenix

Drama am Gipfel

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

5.10. | 23.10 | alpha

Fernweh –

Die Reisereportage

Kilimandscharo – Wilde Tiere,

ein tropischer Regenwald

und ewiges Eis

Dauer: 25 Min.

6.10. | 7.05 | 3sat

„Der Berg schläft nie” –

Naturpark Dobratsch

Reportagereihe

Dauer: 25 Min.

J8.10. | 15.15 | N 3

Reisen in ferne Welten

Kanada – Albertas

schönste Nationalparks

Dauer: 45 Min.

10.10. | 15.35 | 3sat

Australiens Nationalparks

Die australischen Alpen

Dauer: 45 Min.

Das tagesaktuelle

TV-Programm finden Sie

auf bergsteiger.de

20 Bergsteiger 10⁄14


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TITELTHEMA

Das Los

der Hütten

Wie viel Hightech braucht es,

und wo bleibt die Gemütlichkeit?

Futuristische Architektur, aber

ausgesprochen familienfreundlich:

die Capanna Corno Gries

(2338 m) in den Tessiner Alpen


Sie bieten seit oft mehr als 100 Jahren

Schutz. Als Stützpunkt ermöglichen sie der

Großzahl der Bergsteiger und Wanderer,

die Gipfel der Alpen zu erklimmen. Doch

gerade das größere Umweltbewusstsein und

der Klimawandel stellen die Berghütten

vor gewaltige Herausforderungen. Autorin

Sandra Zistl hat sich auf die Suche nach

den Antworten gemacht.

Monte Rosa Hütte Alarm« steht

im Betreff der Mail. Eine davon

hat der Hüttenwart in

seinem Postfach, eine Michael

Benz, der an der ETH Zürich

am Institut für Dynamische Systeme

und Regelungstechnik arbeitet. Das Gebäudemanagementsystem

der Schutzhütte auf

2883 Metern hat sie verschickt. Maximal 30

mal pro Woche tut es das. Der Grund diesmal:

»BHKW Störung«. Das Blockheizkraftwerk

ist nicht automatisch gestartet. Benz

liest die Mail zu statistischen Zwecken, der

Wirt muss nachsehen, was los ist.

Wenn bei Gottfried Leitgeb oder Anna

Pirpamer die Technik nicht funktioniert,

bekommen sie keine Mail. Die Wirtin des

Brandenburger Hauses (3277 m), der am

höchsten gelegenen DAV-Hütte, und der

Wirt der Rieserfernerhütte des Alpenvereins

Südtirol stellen das bei ihren täglichen

Kontrollgängen fest. »Man muss ein

guter Handwerker sein«, sagt auch Winfried

Studer, der die Neue Prager Hütte bewirtschaftet.

Die drei stehen beispielhaft

für etwa 99 Prozent der Hüttenwirte in

den Alpen. Die Monte-Rosa-Hütte ist die

Ausnahme.

Wie viel Hightech ist auf Berghütten notwendig?

Eine Grundsatzfrage, um die

gerne gestritten wird. Wer hat Recht? Diejenigen,

die sagen, es brauche technische

Neuerungen, um die Natur zu schützen?

Oder jene, die dadurch die Gemütlichkeit

zu Grabe getragen sehen? Und wie viel

Komfort braucht es eigentlich am Berg?

Foto: Schweizer Alpen Club

Exponiert und extrem gefordert

Die auf den ersten Blick gegensätzlichen

Beispiele aus dem Alltag von Hüttenwirten

sind bei genauem Betrachten sehr anschauliche

Beispiele dafür, dass das, was so unterschiedlich

wirkt, im Grunde auf ähnlichen

Technologien basiert. Denn wer Schutzhütten

in den Bergen unterhält, muss sich im

gesamten Alpenraum ähnlichen Herausforderungen

stellen. An exponierten Standorten

soll unter extremen Wetter- und Klimabedingungen

gewährleistet sein, dass

10⁄14 Bergsteiger 23


Links oben: Riesiger Bergkristall: die Neue Monte-Rosa-Hütte Rechts oben: Vom Land Südtirol gekürt: die Neue Schwarzenstein-Hütte

Unten: So ganz neu ist sie nicht mehr, die Neue Prager Hütte. Dafür frisch saniert. Seither ist es im Gastraum dank Kupferrohren angenehm warm.

24 Bergsteiger 10⁄14


»Der Urzweck von Hütten ist ihre

Schutzfunktion. Sie sollen einfache

Gebirgsunterkünfte sein und bleiben.«

Bruno Lüthi, Leiter Hütten-Marketing beim Schweizer Alpen-Club

Fotos: DAV, Helmut Stifter/Angelika Bachmann ,Peter Mathis, OeAV, SAC/Archiv Hüttenalbum, Monika Svetlikova

die Gäste in einer warmen Stube sitzen –

bei Licht, gutem Essen und manchmal sogar

frisch geduscht. Das gilt für die Monte-

Rosa-Hütte ebenso wie für alle anderen.

Die Hütten werden diesen Anforderungen

oft nicht mehr gerecht. Sie waren unter

anderen Vorzeichen errichtet worden: in

Zeiten, in denen man die Sonnen- und

Windenergie noch nicht zu nutzen wusste

und ein Dieselaggregat anwarf, wenn der

Strom aus Wasserkraft nicht ausreichte; in

denen man das Abwasser auch einfach mal

auf den Gletscher ausleitete, ohne damit einen

Skandal in den Medien zu ernten; und

in denen die Bergsteiger froh waren, wenn

sie sich nach der Ankunft zwei Handvoll

kaltes Wassers ins Gesicht werfen konnten

und danach im Massenlager einen halben

Meter Schlafplatz fanden.

Wandel im Umweltbewusstsein

Die Einstellung der Bergsteiger gegenüber

den Alpen als schützenswertem Naturraum

hat sich gewandelt. Dazu beigetragen hat

auch das Umweltgütesiegel, das DAV, AVS

und OEAV vergeben, und das Ver- und Entsorgung

sowie den Betrieb von Hütten regelt.

Die Wirte spüren die Auswirkungen.

»Das Umweltbewusstsein hat zugenommen«,

beobachten Charly Wehrle und Andy

Kiechle von der Frederic-Simms-Hütte. Die

beiden sind durch ihre vorherige Station bekannt

geworden – die Reintalangerhütte

auf dem Weg zur Zugspitze – und als zwei

der Hauptkritiker der neuen Höllentalangerhütte

(s. Kasten S. 26). »Wir werden oft

nach unserer Energieversorgung gefragt,

auch wo unser Wasser herkommt, wohin

wir unsere Schläuche verlegen müssen und

dergleichen«, erzählen sie. Und: »Die meisten

Besucher haben Verständnis, dass es bei

uns keine Duschen gibt.«

Doch es sind nicht nur die Erwartungen der

Gäste und der Anspruch, den Wirte und

Alpenvereine an sich selbst stellen, ihre

Hütten ressourcenschonend zu betreiben,

die zum Handeln zwingen. Hinzu kommt

die Klimaerwärmung, die dazu führt, dass

auf vielen Hütten neue Lösungen gefunden

werden müssen für die immer gleichen

zentralen Fragen: Wo kommt die notwendige

Energie her? Woher das Trinkwasser?

Wohin mit dem Abwasser? Und wie viel

modernste Technik braucht es dafür?

»Der Urzweck von Hütten ist ihre Schutzfunktion.

Sie sollen einfache Gebirgsunterkünfte

sein und bleiben«, sagt Bruno Lüthi,

Leiter Hütten-Marketing beim Schweizer

Alpen-Club (SAC). Dem Verband, der mit

der Monte-Rosa-Hütte und der Cabane de

Tracuit zwei der modernsten Hütten der

Alpen betreibt. Ähnlich äußern sich auch

seine Kollegen aus Österreich, Südtirol,

Frankreich und Deutschland. »So wenig

wie möglich, so viel wie nötig«, fasst Robert

Kolbitsch, Ressortleiter Hütten, Wege und

Kletteranlagen beim Deutschen Alpenverein,

die Haltung des DAV zusammen. »Wir

setzen auf bewährte Systeme. Der Wirt soll

schließlich für die Gäste da sein und nicht

in erster Linie für die Haustechnik.«

Das Fundament rutscht weg

Der DAV kann sich dieses Bekenntnis zu

»Lowtech« leisten: Das, was Kolbitsch als

bewährt bezeichnet, ist bereits weit von

dem entfernt, wie Hütten ursprünglich

versorgt wurden. Stillstand herrscht in den

Alpen nämlich nur insofern, als keiner der

Andy Kiechle (l.) und Charly Wehrle,

Betreiber der Frederic-Simms-Hütte

Einst waren

auch sie einmal neu:

die Hofpürglhütte (historische

Aufnahme des OeAV) und

die Trifthütte des SAC (1906)

Alpenvereine neue Standorte für Schutzhütten

eröffnet. Abgesehen davon ist aktuell

sehr viel in Bewegung. Es wird saniert,

renoviert und zum Teil sogar neu gebaut –

wenn auch direkt bei den alten Standorten.

Die Gründe sind im Detail so vielfältig

wie die Standortbedingungen der Hütten.

Viele der Bergunterkünfte weisen Mängel

auf. Sei es, weil das Gemäuer schimmelt

oder Brandschutzvorschriften nicht mehr

erfüllt werden, wie beispielsweise bei der

Lamsenjochhütte im Karwendel. Oder sei

es, dass durch zahlreiche Umbauten über

die Jahrzehnte die Statik eines Gebäudes

gefährdet wurde wie bei der Oberlandhütte

in den Kitzbüheler Alpen. Die 118 Jahre

alte Schwarzensteinhütte des Südtiroler

Alpenvereins muss nicht nur neu gebaut,

sondern um etwa 100 Höhenmeter nach

oben verlegt werden. Der Hintergrund ist

fatal: Der Hütte rutscht das Fundament

weg, die Mauern haben bereits Risse.

Klimawandel: Neue Zielgruppen

Die Gründe können aber auch außerhalb

des Gebäudes liegen. »Einige Hütten sind

heute für Alpinisten kaum mehr interessant,

da die Touren drumherum zu gefährlich

geworden sind, seit der Permafrost auftaut«,

berichtet Bruno Lüthi vom SAC. Dort

seien die Besucherzahlen deutlich zurückgegangen.

In der Schweiz mussten sich

viele Unterkünfte zwischen 1500 und

10⁄14 Bergsteiger 25


Wirbel um die »Hölle«

Umstrittener Neubau der Höllentalangerhütte

Lawinenoptimiert: Modell der »Hölle«

»Müssen Hüttenneubauten immer futuristisch

sein?« Die Frage stammt von Charly

Wehrle und Andy Kiechle, Wirte auf der Frederic-Simms-Hütte,

zuvor legendäres Duo der

Reintalangerhütte und ihres Zeichens Hauptkritiker

der Neuen Höllentalangerhütte. Sie sprechen

etlichen Bergsteigern aus dem Herzen:

jener Fraktion, die in den Bergen lieber keine

moderne Architektur sieht und Gemütlichkeit

nur in herkömmlichen Hütten zu fi nden meint.

»Die Hütte wird saugemütlich werden, sie ist ja

aus Holz«, hält Thomas Gesell, Hüttenbetreuer

der Sektion München, dagegen. »Und anders

ausschauen muss sie, wenn sie wieder mindestens

100 Jahre halten soll.« Denn: »Die Hölle

bietet von zwei Seiten Angriffsfl äche für Lawinen:

Staublawinen von der Waxensteinseite,

Nassschneelawinen von der Alpspitzseite. Das

mussten wir in der Planung berücksichtigen.«

Die neue Hütte, die voraussichtlich fünf Millionen

Euro kosten wird, besteht aus drei Etagen

mit fl achem Dach, die treppenförmig in den

Hang integriert sind. Eine Lawine hätte da-

mit wenig Angriffsfl äche. Eröffnet werden soll

sie möglichst noch 2015. Bei den Innenräumen

wird auf die Bedürfnisse der Bergsteiger

und Wanderer eingegangen: Es gibt Vier- und

Sechs-Bett-Zimmer sowie zwei Matratzenlager

mit je 20 Schlafplätzen. Energetisch wird

die neue Hölle deutlich besser dastehen als

die alte. »Die brauchte in der Sommersaison

15 000 bis 18 000 Liter Diesel, die mit der

Materialseilbahn raufgefahren werden mussten«,

erzählt Gesell. Die Hütte wird künftig

durch ein Wasserkraftwerk mit elektrischer

Energie versorgt, gepuffert durch ein mit

Pfl anzenöl betriebenes Blockheizkraftwerk.

Auch bei der Abwasserentsorgung wird die

neue »Hölle« auf neuestem Stand der Technik

sein: Dank Wirbel-Schwebebett-Verfahren und

mehr Kapazität erbringe die neue Kläranlage

die vierfache Leistung der alten, sagt Gesell.

Kritisiert wurde auch immer wieder die Größe

der Hütte. »Die Schlafplatzkapazitäten werden

nicht erhöht«, betont jedoch Robert Kolbitsch,

Ressortleiter Hütten, Wege und Kletteranlagen

beim DAV. Es gebe ganz klare politische Vorgaben.

»Etwa 60 Prozent gehen allein dafür drauf,

dass wir die Aufl agen für den Innenbereich

erfüllen: Gangbreiten, Räume fürs Personal,

Kühl- und Lagerräume, etc.«, ergänzt Gesell.

Während die neue Hütte heranwächst, ist die

Urzelle der alten, 1893 erbaut, in Lenggries

»untergestellt«. Der DAV würde sie gerne auf

die Münchner Praterinsel stellen, in den Garten

des Alpinen Museums, neben die Biwakschachtel

vom Jubiläumsgrat. Derzeit laufen

die Genehmigungsverfahren für die »Ur-Hölle«.

1912 hat Rudolf Reschreiter

das Neue Brandenburger

Haus gemalt, im Hintergrund

der Kreuzkamm.

2500 Metern nach neuem Publikum umsehen.

Die Alpenvereine setzen deshalb –

auch zum Erschließen neuer Zielgruppen,

– auf unterschiedliche Marketingkonzepte.

Sei es das Gütesiegel »Mit Kindern auf

Hütten« von DAV, AVS und OeAV, Broschüren

für familienfreundliches Wandern,

Mehrtagespauschalen, Kooperationen mit

Tourismusverbänden, Versicherungsunternehmen

oder Jugendherbergen.

Mehr Leute bedeutet aber auch ein Mehr

bei allen heiklen Themen. Sorgen bereitet

den Alpenvereinen die Trinkwasserversorgung.

»Es gibt immer mehr Hütten, wo wir

das Wasser Hunderte Meter hinaufpumpen

müssen«, erzählt Peter Kapelari, Abteilungsleiter

Hütten beim Österreichischen

Alpenverein (OEAV). Bei der Bonn Matreier

Hütte ist das beispielsweise der Fall und

auch bei der Stüdlhütte. Ein Problem, das

den gesamten Alpenraum betrifft und das

noch größer werden wird, wie Robert Kolbitsch

vom DAV prophezeit. Deshalb ist das

zentrale Anliegen aller Hüttenbetreiber,

möglichst wenig zu verbrauchen. Und das

verbrauchte Wasser muss auch gereinigt

werden. 200 000 bis 350 000 Euro koste die

Installation einer zeitgemäßen Abwasserreinigung

einer Inselanlage, sagt Kapelari.

Die alte Höllentalangerhütte (Bild) wurde abgerissen, die »Ur-Hölle« aber erhalten.

Weg vom Dieselaggregat

Es sind vor allem diese Fragen – Energiemix,

Wasserver- und -entsorgung – die die

Alpenvereine zum Handeln zwingen. Ihre

Lösung wird umso knifiger, je höher eine

Hütte liegt und je extremer somit die Be-

26 Bergsteiger 10⁄14


»Wenn sich die Architektur nicht weiterentwickelt

hätte, würden wir noch in Höhlen wohnen.«

Georg Simeoni, Präsident des Südtiroler Alpenvereins

WIE

GEZWICKTE

MACHART

Fotos: DAV/Sektion München, DAV/Sektion Berlin/Reschreiter

dingungen sind. Alle ofziellen Verbände

im Alpenraum setzen bei Sanierung und

Neubau von Hütten auf dieselbe Mischung

für die Energieversorgung: Wasser, Sonne

und Wind, gepuffert durch Batterien und

Blockheizkraftwerke, die bereits bei der

Mehrzahl der Hütten mit Rapsöl betrieben

werden. Diese Mischung ist mittlerweile

Standard. Das Rapsöl muss zwar oft hinaufgeogen

werden, ist aber insgesamt

umweltschonender als seine Vorgänger.

Weg vom Dieselaggregat, hin zu Erneuerbaren

– auf diese Philosophie, die Technologie

betreffend, setzen alle Alpenvereine,

sei es nun in Deutschland, Österreich,

der Schweiz, Südtirol oder Frankreich. Mit

der Ausnahme, dass der Club Alpin Français

noch um eine Sondergenehmigung

kämpft, die es ihm erlaubt, Rapsöl auf

Hütten zu verwenden. Die französische

Gesetzgebung verbietet dessen Einsatz

für feststehende Gebäude. »Es ist absurd«,

sagt Raymond Courtial, Vizepräsident

des FFCAM, »alle haben uns für das tolle

Umwelt-Konzept des Refuge du Goûter

beglückwünscht, das auf fossile Energieträger

verzichtet. Aber jetzt dürfen wir das

Blockheizkraftwerk nicht so nutzen wie

geplant.« Er vermisst den Einsatz auf EU-

Ebene: »Das Engagement der Alpenvereine

für den Erhalt der Berglandschaften und

ihr Verdienst im Umweltschutz, das interessiert

die Volksvertreter nicht die Bohne.«

Sturmlauf gegen »Bunker«

Wer heute saniert oder neu baut, sieht

sich mit einem Potpourri an Auagen konfrontiert.

Das hat auch die Autonome Provinz

Bozen festgestellt, nachdem das Land

Südtirol mit der Weißkugel-, der Schwarzenstein-

und der Edelrauthütte drei alte

Hütten des Alpenvereins übernommen

hatte und diese nun neu bauen lässt. »Anfangs

waren wir recht ehrgeizig«, erzählt

Hans-Peter Santer. Der Geometer leitet den

Neubau der drei Hütten. »Wir wollten die

modernsten, schönsten, tollsten Hütten

mit der energetisch alternativsten Technik

bauen.« Das hat zunächst zu einer hitzigen

Architektur-Diskussion geführt. Die

Lokalzeitungen wurden mit Leserbriefen

überhäuft, auf Facebook entstand 2012

die Gruppe »Erhaltet die Südtiroler Schutzhütten

und Almen«. Von »Bunkern«, die in

den Bergen nichts zu suchen hätten, war da

die Rede. Doch auch die Gegenfraktion

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konsequent in „gezwickter Machart“

– vermutlich als einziger Hersteller

weltweit.

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Schuhwerks sind eine dauerhafte

Formstabilität, Langlebigkeit sowie

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»Das Engagement der Alpenvereine für den Erhalt der

Berglandschaften, das interessiert die EU nicht die Bohne.«

Raymond Courtial, Vizepräsident des französischen FFCAM

machte mobil, ironisch, unter dem Gruppennamen:

»Erhalten wir unsere Höhlen

– keine Naturverschandelung durch Häuser.«

Die Landesregierung bezog Stellung,

hielt aber an ihren Plänen fest. »Wenn sich

die Architektur nicht weiterentwickelt hätte,

würden wir noch in Höhlen wohnen«,

sagt auch AVS-Präsident Georg Simeoni

zum Thema. Die Diskussion sei sehr emotionsgeladen

gewesen, aber ausgestanden.

Der Bauherr, das Land, baut trotzdem.

Während die Menschen in Südtirol auf die

Barrikaden gingen, passierte in Frankreich

angesichts der Demontage des historischen

Refuge Félix Faure und eines modernen

Neubaus, der im Juni eröffnete wurde:

nichts. Der FFCAM hatte allerdings aus der

Erfahrung einer ähnlichen Debatte gelernt.

Er bietet Teile von Félix Faure zum Verkauf

an: »für Kunstliebhaber«, wie es Vizepräsident

Raymond Courtial formuliert.

Streit um die Monte-Rosa-Hütte

Das äußere Erscheinungsbild, das sich in

allen drei Südtiroler Fällen an der umgebenden

Landschaft orientiert – die Form

der neuen Schwarzensteinhütte beispielsweise

erinnert an die der sie umgebenden

Granitblöcke – ist das Eine. Das Innenleben

das Andere. Mit der Auseinandersetzung

mit den Details sei Ernüchterung eingetreten,

erzählt Hans-Peter Santer. Und

eine neue Einsicht, welche die Alpenvereine

auch schon hatten. »Die Technik und

die modernste Bauweise in Ehren – am

Berg oben ist je einfacher, desto sicherer.«

Auch die Gemeinde Zermatt ist Bauherr einer

Berghütte geworden. Obwohl die Kosten

für die neue Hörnlihütte mit geschätzten

acht Millionen Franken alles bisher

Dagewesene überschreiten, muss sich das

Projekt nicht den Vorwürfen aussetzen,

die fünf Jahre nach Eröffnung noch immer

an der Neuen Monte-Rosa-Hütte haften.

Zuviel Hightech sei das, hört, wer fragt,

allerorten. Der Wart könne das nicht leisten.

Zwischen Gorner, Grenz- und Monte-

Rosa-Gletscher auf 2883 Metern gelegen,

funkelt das fünfstöckige, mit Aluminium

verkleidete Gebäude wie ein Bergkristall in

der Sonne. Die Forschungshütte ist ein Gemeinschaftsprojekt

von ETH Zürich, SAC

und der Hochschule Luzern (s. BS 10/2013).

»Wir sind jetzt hauptsächlich noch beratend

tätig«, sagt Benz von der ETH Zürich.

»Der Wart braucht uns nicht.« Benz muss

Stabile Technik:

Ein sogenannter

Vertikalläufer …

es wissen, denn er ist

der letzte verbliebene

Monte-Rosa-Beauftragte

an der ETH Zürich. Das

Forschungsprojekt ist

beendet, die Doktorarbeit

geschrieben. Nicht

alles lief von Anfang an wie geplant. Weil

viel mehr Besucher kamen als angenommen,

musste nachgerüstet werden: bei der

Abwasserreinigung und der Photovoltaikanlage.

Die Ziele wurden laut Benz mittlerweile

erreicht: Wenn man die Küche außen

vor lässt, ist die Hütte zu 90 Prozent energieautark.

Rechnet man sie mit hinein, zu

70 Prozent. Benz verteidigt die Hütte gegenüber

dem Vorurteil, »zu hightech« zu

sein, um von einem normalen Hüttenwart

betreut zu werden.»Die Technik ist ähnlich

wie auf anderen Hütten.«

Wer schon früh als Technik-Pionier unterwegs

war, wie etwa der AVS mit der Rie-

Moderne Schutzhütte in den

Walliser Alpen: die Cabane de Tracuit

TIPP

Wir bauen uns eine Hütte

Was ist eine Berghütte? Ein Sammelbegriff

für Herbergen in den Bergen. Die Alpenvereine

haben sich damit beholfen, Kategorien einzuführen.

Denn es bedeutet natürlich etwas

vollkommen anderes, ob ein Gebäude an Verund

Entsorgung angeschlossen ist oder ob es

im Hochgebirge steht. Der italienische Architekt,

Autor und Bergsteiger Luca Gibello hat die

Geschichte des Hüttenbaus systematisch analysiert

– von 1750 bis heute; von den Anfängen

des Alpinismus bis zu den einfachen Schutzbauten

der Gipfelstürmer des 19. Jahrhunderts,

von den Observatorien bis zu den Berghotels,

vom Alpinismus und vom Wandern als Breitensport

bis hin zu den jüngsten Bauwerken,

die das Bild der traditionellen Hütte brechen.

Gibello bezieht auch gesellschaftliche und

politische Entwicklungen mit ein. »Hüttenbau im

Hochgebirge« ist ein spannender Streifzug durch

die Geschichte von 190 Hütten und 20 Biwaks

in Italien, Frankreich, der Schweiz, Deutschland,

Österreich und Slowenien. Ein Standardwerk,

das längst nicht nur Architekten begeistern dürfte.

Luca Gibello »Hüttenbau

im Hochgebirge«,

144 Seiten, SAC-Verlag

(mit Unterstützung von

DAV, OeAV, AVS und LAV),

Bern 2014, € 48,00

Fotos: SAC, Bernd Ritschel, DAV, Gottfried Leitgeb

28 Bergsteiger 10⁄14


… wird am Rotwandhaus

als neue

Windanlage getestet.

serfernerhütte, hat heute mit veralteten

Technologien zu kämpfen. Mit Sonne und

Wind hat Gottfried Leitgeb »die ideale Kombi«.

Allerdings ist seine Windanlage keine

jener Generation, wie sie der DAV gerade

am Rotwandhaus testet. Während dort ein

top-aktueller »Vertikalläufer« zum Einsatz

kommt, der weniger wartungsanfällig ist,

ist Leitgeb ganzjährig in Sorge um die Rotorblätter

seiner Anlage. Sogar im Winter

geht er regelmäßig mit den Ski nach oben,

um nachzusehen. Schließlich schickt ihm

die Anlage keine Mails, wenn Schnee und

Eis Unwuchten im Lager verursachen. Die

Anlage muss aber auch im Winter die Akkus

am Leben erhalten. »Nach drei Monaten

wären die am Boden«, sagt Leitgeb.

Gottfried Leitgeb, Rieserfernerhütten-Wirt

Wärme aus der Wand

Angesichts der Komplexität der Energieund

Wasserfrage wirkt eine andere relativ

junge Herausforderung für Hüttenwirte

beinahe banal: Der Wunsch der Gäste nach

mehr Komfort. Alle Alpenvereine gehen

bei Neu- oder Umbauten, die aus anderen

Gründen notwendig sind, darauf ein.

Sie verkleinern die Lager, manche bieten

sogar Doppelzimmer an. Wo sowieso saniert

wird, werden Waschräume nach Geschlechtern

getrennt und Duschen installiert.

Wenn das Wasser knapp ist, herrscht

jedoch Duschverbot.

Beim Essen scheinen nach Recherchen des

BERGSTEIGER die Gäste in der Schweiz am

anspruchsvollsten zu sein. »Drei Gänge –

das ist heute Standard«, sagt Bruno Lüthi.

Auch die klassische Stammkundschaft,

die Bergsteiger, erwarteten dies. Wer neu

baut, versucht auch, den Pächtern mehr

Privatsphäre zu verschaffen. Während in

manchen Hütten die Küche der einzige abgeschottete

Raum ist, werden ihnen jetzt

eigene Bereiche eingeplant.

»So ein bisserl Komfort ist schon sehr angenehm«,

gibt Wilfried Studer zu. Der

Bergführer und Schlossermeister aus Vorarlberg

bewirtschaftet mit seiner Familie

die Neue Prager Hütte des DAV. Durch die

Sanierung, die noch nicht ganz abgeschlossen

ist, hat sich einiges verändert. Neben

allen zeitgemäßen Technologien kann er

nun noch mit zwei besonderen Komfortangeboten

locken: einem Schuhtrockner und

einem neuen Raumklima. »Die Gaststuben

sind dieselben. Nur, wo die Leute früher in

Wolldecken gefroren haben, wenn wenig

los war, können sie heute im T-Shirt herumsitzen«,

schwärmt Studer. Der Grund: in

die Wand integrierte Kupferrohre, die den

Raum auf Fuß- und Sitzhöhe beheizen.

Eines eint all die unterschiedlichen Beispiele

aus dem gesamten Alpenraum: Eine

neue Technologie ist immer so lange fein,

wie sie nicht von der nächstbesten abgelöst

wird. Beziehungsweise: Bis sich diese

bewährt hat. Eine Erfahrung, die Gottfried

Leitgeb in den letzten Jahren auf der Rieserfernerhütte

machen durfte. Leitgeb ist

deshalb einer Philosophie treu geblieben,

die älter sein dürfte als das erste Wasserkraftwerk

auf einer Berghütte, und sich

noch immer bewährt hat. Er sagt: »Man

muss Kerzen haben!«


WIE LEICHT-

GEWICHT

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Extrem leichter, bedingt steigeisenfester

Stiefel für alpine Felstouren

mit kurzen Eispassagen.

Der Badile Combi GTX ® wird über

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UNTERKÜNFTE

Unsere Lieblinge

Die BERGSTEIGER-Redaktion präsentiert ihre Hütten-Highlights

Gesäuse

Mödlinger Hütte (1523 m)

Sinnesfreuden

Ein Fest für den Gaumen, ein Ohrenschmaus

und eine Augenweide:

Es gibt fast keinen Sinn, der auf der

Mödlinger Hütte nicht angesprochen

wird. Allein das Frühstücksbuffet ist

so bunt, dass man danach Mühe

hat, sich zur Tour auf den Reichenstein

zu motivieren. Wer es schafft,

genießt feinste IIIer-Kletterei in einem

Gesäuse-Klassiker. Faulenzen vor der

Hütte, hin und wieder begleitet von

Wallis

Mischabeljoch-Biwak (3851 m)

Alpine Raumstation

Die 1995 komplett neu errichtete

Raumstation auf Stelzen fällt in

den Bereich der SAC-Sektion Genf.

Das Matratzenlager bietet Platz für

24 Personen, Matterhornblick und

Luxusinterieur wie auf 2000 Meter

niedrigeren Hütten: Küche mit Holzofen,

Spülbecken, Styroporklobrille.

Lage: In der Scharte zwischen Alphubel

und Täschhorn, Walliser Alpen.

Zustieg: Von der Täschhütte (5 Std.)

über den Gipfel des Alphubel, um

sich für das Täschhorn zu akklimatisieren.

Oder von Ottavan/Täschalp

(4 Std.): Man verlässt den Weg

zur Täschhütte in der obersten Kehre

und steigt auf der Südseite des

Rotbaches hinauf bis zum Weingartengletscher.

Über Moränen und

einen Pass (Punkt 3481 m) ins obere

Becken und problemlos zum Biwak.

Der Zustieg über die Längfl ue aus

dem Saastal führt über zerrissene

Gletscher und ist kaum zu empfehlen.

Touren: Täschhorn (4491 m) über

den Südostgrat (III, 4-6 Std., 640 hm),

bei dem Fels (unten brüchig, im

Gipfelbereich fest) und Firnpassagen

abwechseln. Obacht vor Wächten.

Alphubel (4206 m) über den Nordgrat

(II-III, 1,5 Std., 350 hm, Felsen

im unteren Teil etwas brüchig und oft

vereist, oben Firn.)

Karte: Swisstopo 1:25 000,

Blatt Nr. 1328 »Randa« –te–

Livemusik, hat aber auch was.

Lage: Am lang gezogenen Rücken der

Treffneralm südlich der Gesäuse-

Berge, Mitte Mai bis Ende Oktober,

Tel. 00 43/(0) 36 11/2 65,

www.moedlingerhuette.at

Zustieg: Am schönsten durch die

wilde Klamm der Flitzenschlucht von

Gaishorn aus (2½ Std.), am kürzesten

von der Oberst-Klinke-Hütte

(1 Std.) und ganz klassisch vom Gasthof

Donner in Johnsbach (2 Std.)

Touren: Reichenstein über Normalweg

(Schlüsselstelle Herzmann-

Kupfer-Platte II, sonst I bis I+) oder

über Ostwand und Totenköpfl (III);

Spielkogel (1731 m, einfache Wanderung);

übers Kalblinggatterl zu den

Gipfeln Kalbling (2196 m), Sparafeld

(2247 m) und Riffel (2106 m),

siehe auch Tour auf S. 71 im Heft.

Literatur/Karte: Ernst Kren »Tourenbuch

Gesäuse«, Schall Verlag 2011;

Kompass 1:50 000, WK 206

»Nationalpark Gesäuse« –dst–

Karwendel

Hallerangeralm (1774 m)

Erste Wahl

Zwei Hütten in direkter Nachbarschaft?

Am Halleranger funktioniert’s. Allerdings

liegt die private Alm beneidenswert

schöner als das AV-eigene Haus:

freie Sicht auf die senkrechten Schnitlwände

der Speckkarspitze, dazu der

Blick hinein in die Abstürze des Kleinen

Lafatscher, alles in sattem Grün, das

von Shetlandponys angeknabbert wird.

Wirt Horst Schallhart hat für jeden

Gast den richtigen Spruch parat und

weiß mit jungen Tagesgästen genauso

umzugehen wie mit alten Kletterhasen.

Lage: Am Ende des Hinterautales,

geöffnet Anfang Juni bis Mitte Oktober,

Tel. 00 43/(0)6 64/1 05 59 55

Zustieg: Von Scharnitz durchs Hinterautal

(MTB bis zum Kasten); aus dem

Inntal (Absam) übers Lafatscher Joch

Touren: Speckkarspitze (2621 m)

sowie Kleiner und Großer Lafatscher

Karte: Kompass 1:50 000, Blatt 26

»Karwendelgebirge«

–te–

Dachsteingebirge

Adamekhütte (2196 m)

Zwischen Kalk und Gletscher

Schroffe Kalkzacken und massige

Gipfel knapp unter der 3000er-

Marke umgeben die Adamekhütte.

Nur wenige 100 Meter unterhalb des

Gosaugletschers gelegen, bekommt

das Hüttenambiente einen fast

hochalpinen Anstrich. Und wenn man

das Tourenangebot in seiner Vielfalt

betrachtet – von der einfachen

Gletscherwanderung über Klettersteige

bis zur Extremkletterei –, so bleibt

hier kein Tourenwunsch unerfüllt.

Für Schlechtwettertage gibt es sogar

eine Indoor-Kletterwand.

Lage: Unterhalb des Großen Gosaugletschers

zwischen Schneebergwand

und Schreiberwand, Mitte Mai bis

Ende September; Tel. 00 43/6 64/

5 47 34 81, www.adamek.at

Zustieg: Vom Vorderen Gosausee in

3–4 Std. über den »Gosauer Reitweg«

Touren: Hoher Dachstein (2996 m,

Westgrat-Klettersteig); Hoher Torstein

(2948 m, hochalpin); Hohes Kreuz,

Amon-Klettersteig (K 3/4), Gletscher-

Lehrpfad in Hüttennähe; zahlreiche

Klettertouren zwischen III und VIII

an Schreiberwand, Schneebergwand

und Hohem Kreuz

Literatur/Karte: Willi End »AVF-

Dachsteingebirge alpin«, Bergverlag

Rother, Oberhaching; Schall/Jeckel

»Dachsteingebirge und Gosaukamm«,

Verlag Kurt Schall, Wien;

AV-Karte 1:25 000, Blatt 14

»Dachsteingebirge« –pgk–

30 Bergsteiger 10⁄14


Kaisergebirge

Gruttenhütte (1620 m)

Traum-Alp

Die Gruttenhütte hat das Prädikat

»Aussichtsloge ersten Ranges«

verdient. Von der Almkanzel unter der

Ellmauer Halt (2344 m) reicht der

Blick nach Süden über die Kitzbüheler

bis zu den Zillertaler Alpen und

den Hohen Tauern mit Großvenediger

und Großglockner am Horizont. Im

Rücken hat man den höchsten Kaisergipfel,

die Ellmauer Halt mit ihrem

eineinhalb Kilometer langen Ostgrat,

dem legendären Kopftörlgrat.

Lage: Auf einem Geländevorsprung

unter der Ellmauer Halt, Pfi ngsten bis

Mitte Oktober; Tel. 00 43/53 58/

22 42, www.gruttenhuette.at

Zustieg: Von der Wochenbrunneralm

(hierher von Elmau auf Mautstraße)

auf gutem Weg in etwa 1½ Std.

Touren: Ellmauer Halt (2344 m,

teils Klettersteig), Kopftörlgrat (III,

lange klassische Gratkletterei auf die

Ellmauer Halt), Klamml-Klettersteig

(K 3/4), Jubiläumssteig ins Ellmauer

Tor (teils versichert) und Hintere

Goinger Halt (2192 m, mark. Steig),

diverse Kletterrouten an der Südwand

des Leuchsturms (zwischen V und VIII)

Literatur/Karte: Höfl er/Piepenstock

»AVF-Kaisergebirge alpin«, P. Schubert

»AVF-Kaisergebirge extrem«,

beide Bergverlag Rother; AV-Karte

1:25 000, Blatt 8 »Kaisergebirge« –pgk–

Tessiner Alpen

Capanna Borgna (1912 m)

Auf ins Abenteuer

Dass hier hoch über dem Verzasca tal

und unterhalb des Cima dell’ Uomo

(2390 m) Bergsteigern eine kleine,

feine Selbstversorgerhütte (18 Schlafplätze

+ 9 im Nebengebäude) zur

Verfügung steht, ist der »Società

Escursionistica Verzaschese« zu

verdanken. Vor 30 Jahren haben sich

einheimische Bergsteiger mit dem

Ziel zusammengetan, einen spektakulären

Höhenweg zu erschließen

– Ausgangspunkt ist die Capanna

Borgna. Auch an diesem abgelegenen

Standort gilt, was für die Schweiz

typisch ist: Die Hütte, obgleich nicht

bewirtschaftet, ist bestens ausgestattet.

Wasser, Bier, Wein und Grundnahrungsmittel

kann man erwerben.

Lage: Auf der Alpe Mognora (Hochtal);

Anfang Juni bis Ende Oktober,

Tel. 00 41/(0)9 17 43 59 27,

it.verzasca.net

Zustieg: Der schönste von Vogorno

(495 m) am Lago di Vogorna aus

führt zunächst durch mediterrane

Landschaft, später durch Haselnuss-

Wälder und wird fast die ganze Zeit

von Bächen mit einladenden Gumpen

begleitet (4-5 Std.); alternativer

Zustieg von Gordola oder Cugnasco

Touren: »Via Alta della Verzasca«,

großartige, herausfordernde 4-5-tägige

Grattour (Schwierigkeitsgrad T5 und

T6), die bis zum Rifugio Barone über

etliche Gipfel geht; Einzelne Gipfeltouren:

Pizzo Vogorno (2442 m) –

Madone (2395 m) – Cima dell’ Uomo

(2390 m) – Madonetto (2063 m)

Literatur/Karten: »La Via Alta della

Verzasca – Die Linie unter dem Blau

des Himmels«, Società Escursionistica

Verzaschese, Bellinzona 2013;

Schweizer Landeskarte 1:25 000,

Blatt 1313 »Bellinzona«; Kompass

1:50 000, Blatt 110 »Valle Maggia,

Val Verzasca«

–mr–

Fotos: Sebastian Schröferl, Michael Ruhland, Ernst Kren, wikipedia, gruttenhuette.at, Imst Tourismus

Lechtaler Alpen

Muttekopfhütte (1934 m)

Fels für alle

Hier stimmt neben der Aussicht auch

das Rahmenprogramm. Neben dem

fantastischen Frühstück gibt’s ein

noch besseres Abendessen (Halbpension

buchen!), dazu Klettergärten,

Klettersteige, alpine Klettereien und

Wanderwege. Allen, die es weniger

felsig möchten, werden Keramik-

Kurse, Songwriting-Workshops oder

das Nepalfest angeboten.

Lage: Oberhalb von Imst in den

Lechtaler Alpen, Anfang Juni bis

Anfang Oktober, Tel. 004/664/

123 69 28, www.muttekopf.at

Zustieg: von der Talstation der Imster

Bergbahnen 2 Std.

Touren: Imster Klettersteig auf den

Maldonkopf (2632 m, C/D), viele

leichtere Mehrsseillängentouren

wie Melzergratkante (V-/17 SL) oder

7x 20 (V-/8SL) an der Hinteren

Platteinspitze

Literatur/Karte: Durner/Gstettner

»Sportklettern – Klettersteige –

Eisklettern der Ferienregionen Imst,

Pitztal, Ötztal«, AM-Berg Verlag;

AV-Karte 1:25 000, Blatt Nr. 3/4

»Lechtaler Alpen – Heiterwand und

Muttekopfgebiet«

–dp–

Mont-Blanc-Massiv

Rifugio Bonatti (2025 m)

Das Haus des Padrone

Auf der einen Seite das Dach der

Alpen, auf der anderen eine Kette

von Grashügeln, die gerade mal halb

so hoch sind wie der Mont Blanc:

Das ist der Platz, an dem 1998 die

Hütte Walter Bonatti eröffnet wurde.

In den Schriften ihres berühmten

Namenspatrons kann man blättern,

während man im gemütlichen Speiseraum

auf die Minestrone wartet

oder draußen auf der Hausbank die

Abendstimmung über den Grandes

Jorasses genießt. Dass die Hütte

modernsten Umweltschutz-Anforderungen

gerecht wird, geht in diesem

Fall ganz sicher nicht auf Kosten der

Gemütlichkeit.

Lage: Auf dem Rücken der Malatrà

südlich des Mont Blanc, Anfang März

bis Ende September, Tel. 00 39/3 35/

68 48 57, www.rifugiobonatti.it

Zugang: Kürzester Weg von Lavachey

(1642 m) im Val Ferret 1 Std.;

Aufstieg von Courmayeur (1224 m)

über den Mont de la Saxe 4 Std.

Touren: Tête d’Entre Deux Sauts

(2729 m); die Hütte ist außerdem

Etappenziel der Tour du Mont Blanc.

Karte: Kompass 1:50 000,

Blatt 85 »Mont Blanc« –dst–

Berchtesgadener Alpen

Blaueishütte (1680 m)

Kuchen am Hochkalter

Berühmt ist die Blaueishütte für ihre

geradezu sagenhaften, weil stets

frisch gebackenen Kuchen. Wer sich

nach einem der großzügig geschnittenen

Stücke tatsächlich noch

aufraffen kann, muss unbedingt die

felsige Umgebung des Hochkaltermassivs

erkunden. Nicht umsonst

dient die Hütte auch als Stützpunkt

für Kletterkurse.

Lage: Oberhalb des Hintersees

im unteren Blaueiskar, Mai bis

Oktober, Tel. 0 86 57/2 71,

www.blaueishuette.de

Zugang: Vom Parkplatz Seeklause

am Hintersee über die Schärtenalm

in etwa 2 Std.

Touren: Hochkalter (2607 m/IIer

Stellen); Blaueisrumrahmung (ausgesetzte,

lange Tour, IVer-Stellen), Viele

kürzere und relativ gut abgesicherte

Routen wie der Klassiker Logic Line

(8SL/IV+) an der Schärtenspitze oder

Asterix (9 SL/VI+) am Kleinkalter.

Literatur/Karte: Kühberger/

Forchthammer »Auswahlführer Best

of Genuss Band 1 – Salzburger- &

Berchtesgadener Land«, Panico Alpinverlag;

AV-Karte 1:25 000, Blatt Nr.

20 »Lattengebirge / Reiteralm« –dp–

10⁄14 Bergsteiger 31


AUF TOUR

Luftig: Am Gipfel des

Sorgschrofen (1635 m)

sollte man seine Schritte

mit Bedacht setzen.

32 Bergsteiger 10⁄14


Ideale Herbsttouren im Wertachtal

Schwäbische

Schmankerl

Links und rechts der sprudelnden Wertach gibt es

unbekannte Gipfel und schmackhafte Molkereiprodukte

zu entdecken. Die Region bietet bis zum

Spätherbst überaus lohnende Touren – doppelter

Genuss also. Von Michael Pröttel (Text und Fotos)

Hand aufs Herz: Haben Sie schon

einmal etwas vom Sorgschrofen

oder von der Reuterwanne gehört?

Oder gar Ihre Füße auf

einen der beiden Berge gesetzt?

Sie verneinen? Gut, dann lautet der Auftrag

aus der BERGSTEIGER-Redaktion: Die

beiden Gipfel sollten in Ihrem Tourenbuch

noch in diesem Jahr auftauchen. Sie sind

ideale Herbstziele.

Der Weg ins obere Wertachtal führt am

gleichnamigen Ort vorbei, in dem es lohnt,

seine Gipfelbrotzeit mit frischen Molkereiprodukten

zu bereichern. Schließlich wurde

in der mit 915 Metern Seehöhe höchstgelegenen

Marktgemeinde Deutschlands

vor 140 Jahren der erste Käse der Welt patentiert.

Zugegeben: Die namensgebende,

lackartige Schmiere des »Weißlackers« ist

nicht jedermanns Sache. Im »Molkefässle«

oder in der »Bergbauernsennerei« wird

man aber mit Sicherheit auch eine große

Auswahl an anderen würzigen Bergkäsen

nden. Deren Milch stammt vom »Allgäuer

Braunvieh«, einer Kuhrasse, die sich auf

den Almwiesen entlang der sprudelnden

Wertach gewissermaßen sauwohl fühlt.

Die Grünlandwirtschaft zieht sich teilweise

bis zu den höchsten Kammlagen hinauf

und beschert somit Kühen wie Wanderern

eine tolle Aussicht. Eine solch bezaubernde

grüne Gipfelkuppe ist die wegen ihrer lediglich

1241 Meter Höhe bis in den November

hinein gut machbare Reuterwanne.

Das gilt vor allem dann, wenn man nicht

von der schattigen deutschen Nordseite her

aufsteigt, sondern den sanften Berg von

Süden, das heißt von der österreichischen

Enklave Jungholz aus angeht.

Nach einem waldreichen Start bietet der

freie Gipfelrücken ein Panorama, das vom

lieblichen Allgäuer Alpenvorland über die

Felszacken der Tannheimer Berge und der

dahinter aufragenden Zugspitze bis zu den

unzähligen Allgäuer Alpengipfeln reicht.

Und als Appetitanreger liegt das nächste unbekannte

Gipfelschmankerl direkt vis-à-vis.

Der Gipfel der vier Grenzen

Wer eins und eins zusammen zählen beziehungsweise

die vergleichsweise geringe

Horizontaldistanz zum ordentlichen Höhenunterschied

in Verhältnis setzen kann,

kommt sowohl beim Blick gen Süden als

auch auf die Karte zu dem Ergebnis, dass

es beim Anstieg zum gegenüberliegenden

Sorgschrofen deutlich steiler zur Sache geht.

Und das ist auch gut so. Wenn der Kreislauf

erst einmal in Gang gekommen ist, wird

man die Schlüsselstelle bestimmt nicht

10⁄14 Bergsteiger 33


Sonnenverwöhnt:

Die Grasbuckel

der Reuterwanne

bieten im Herbst

tolle Aussichten.

KOMPAKT

Ins Wertachtal

Anreise: Bus&Bahn: Mit dem Zug nach

Sonthofen und weiter mit Bus 9748 nach

Unterjoch/Obergschwend, bzw. Jungholz.

Auto: A96 bis »Jengen/Kaufbeuren« und

auf der B12 bis »Marktoberdorf West«. Hier

der Beschilderung zur B472 folgen. Dann

rechts und über Leuterschach zur Autobahn

Anschlussstelle »Nesselwang«. Auf der A7

bis »Oy-Mittelberg« und auf der B310 ins

Wertachtal

Fremdenverkehrsamt: Verkehrsverein

Oberjoch, Tel. 00 49/(0)83 24/77 09,

www.oberjoch.info

Beste Jahreszeit: September bis Ende

Oktober

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000,

BY 3 »Allgäuer Voralpen Ost«

Führer: M. Pröttel »Alpen für Anfänger –

Allgäu«, J.Berg Verlag, 2014

Hütten: Buchel-Alpe (1290 m), im Sommer

Di bis So, im Winter Sa und So geöffnet,

www.buchelalpe.de; Alpe Schnitzlertal

(1440 m), Alpe Untere Reuterwanne (1130

m); beide je nach Witterung von Mitte Mai

bis Mitte Oktober geöffnet. Bei allen dreien

keine Übernachtungsmöglichkeit.

verschlafen. Zu dieser mit Drahtseilen entschärften

Felspassage führt – Trittsicherheit

ist Picht – ein steiler Schrofenhang

hinauf. Wer sich gut konzentriert und keine

Steine auf Gleichgesinnte lostritt, wird

zuletzt mit einer kurzen Gratüberschreitung

belohnt, wie sie eindrucksvoller kaum

sein kann.

Der Gipfel selbst stellt übrigens die einzige

Landverbindung von Jungholz mit dem

restlichen Tirol dar. Dadurch besitzt der

Sorgschrofen die geograsche Besonderheit,

dass dort vier Grenzlinien je zweier

deutscher und österreichischer Gemeinden

– Bad Hindelang (D), Pfronten (D),

Jungholz (A) und Schattwald (A) – in einem

»Quasi-Vierländereck« zusammentreffen.

Sowohl vom Panorama als auch von den

Sitzgegebenheiten her ist eine längere Rast

in der »Schattwald-Ecke« zu empfehlen, zu

der von der anderen Talseite auch schon

der Dritte im Bunde, das Wertacher Hörnle,

hinüber lacht.

Nur Heimisches auf der Alpe

Den knapp 1700 Meter hohen Flysch-Berg

einen Geheimtipp zu nennen, wäre eine

glatte Lüge. Die auf dem sauren Sandstein-

Substrat bestens gedeihenden Alpenrosen

ziehen nämlich vor allem im Juni Scharen

von Bergblumenliebhabern an.

An einem klaren Herbsttag kommen wiederum

Wanderer mit Weitblick auf dem

Gipfelrücken voll auf ihre Kosten. Ob man

den idealen Aussichtspfad auch für den

Abstieg wählt oder den tief blau in einer

kraterartigen Mulde gelegenen Hörnlesee

umrundet, ist Geschmackssache. Welchen

Weg man auch wählt – auf der Buchel-

Alpe (1290 m) sollte man einen Stopp

einlegen. Schließlich trägt sie das Qualitätssiegel

»Allgäuer Alpgenuss« des gleichnamigen

Vereins. Dieses bürgt dafür, dass

alle Lebensmittel aus der Region stammen

oder sogar auf der jeweiligen Alpe direkt

hergestellt werden. Brot und Fleisch liefern

Betriebe aus Wertach und Unterjoch. Die

Getränke kommen von Allgäuer Mostereien,

Brauereien und Brennereien.

Frühmorgens und abends, wenn die Gäste

wieder abgestiegen sind, lässt sich Hüttenwirtin

Elke Gehring vom Berg- und Talpanorama

dazu inspirieren, Meditationstexte

zu Papier zu bringen. Darüber hinaus verkauft

sie im Talort Unterjoch leckeren Käse.

Wenn Sie also Ihre Vorräte aus Wertach

schon verdrückt haben, dann könnten

Sie hier für zu

Hause nochmals

nachlegen. ◀

INFO

Käse & Kräuter

im Wertachtal

Käseproben beziehungsweise Sennerei-

Führungen bieten in Wertach die Hofsennerei

s’ Molkefässle (www.allgaeuer-kaesespezialitaeten.de)

sowie die Bergbauernsennerei

Wertach (www.baurestube.de) an.

Wer sich besonders für Kräuter interessiert,

ist wiederum in Jungholz goldrichtig. Im

»einzigen Tiroler Alpenkräuterdorf« gedeihen

50 verschiedene, rein biologische Kräuter.

Von April bis November fi nden unterschiedliche

Veranstaltungen wie »Delikatessen

am Wegesrand«, »Löwenzahnhonig selbst

herstellen« oder »Kräuter-Brotbackkurse«

statt. Informationen unter www.tannheimertal.com/region-orte/jungholz.html

34 Bergsteiger 10⁄14


TOUREN

Herbstschmankerl im Oberallgäu

Darf’s gemütlich oder ein wenig ambitionierter sein?

Wir stellen Ihnen fünf ideale Touren für den Herbst vor.

1 Reuterwanne (1541 m)

▶ leicht 3½ Std.

500 Hm 500 Hm

Charakter: Waldreiche Vorgebirgstour

auf eher breiten Wegen. Zuletzt

traumhafter Anstieg über Wiesenpfade

zum höchsten Punkt

Ausgangspunkt: Jungholz/Gießenschwand

(1047 m)

Route: Jungholz – Obere Alpe Reuterwanne

– Reuterwanne – Obere Alpe

Reuterwanne – Jungholz

2 Sorgschrofen (1635 m)

▶ schwierig 3¾ Std.

850 Hm 850 Hm

Charakter: Abwechslungsreiche

Bergtour, die im letzten Teil Trittsicherheit

und beim Gipfelanstieg auch

Schwindelfreiheit erfordert.

Ausgangspunkt: Jungholz/Lift-Parkplatz

(1060 m)

Route: Jungholz – Älple-Alpe –

Sorgschrofen – Älple-

Alpe – Jungholz

Tourenkarte 1

Heftmitte

3 Wertacher Hörnle (1695 m)

▶ leicht 3½ Std.

650 Hm 650 Hm

Charakter: Die Hälfte des Anstiegs

verläuft auf Fahrwegen, was wegen der

sehr abwechslungsreichen Landschaft

keinen Abbruch tut.

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz

nördl. Gasthaus am Buchl (1050 m)

Route: Wanderparkplatz – Buchel-

Alpe – Wertacher

Hörnle – Buchel-Alpe

– Wanderparkplatz

4 Spieser (1651 m)

Premiumlage: der

Hörnlesee beim

Aufstieg zum

Wertacher Hörnle

Tourenkarte 2

Heftmitte

▶ mittel 4 Std.

700 Hm 700 Hm

Charakter: Äußerst abwechslungsreiche

Tour auf schönen Bergwegen mit

zumeist moderaten Anstiegen. Beim

Abstieg vom Spieser kurz Trittsicherheit

erforderlich

Ausgangspunkt: Großparkplatz

Oberjoch (1145 m)

Route: Oberjoch – Ornach – Spieser

– Klank Hütte – Hirschberg – Oberjoch

5 Um den Grüntensee aufs Elleg

(1064 m)

▶ leicht 4½ Std.

200 Hm 200 Hm

Charakter: Abwechslungsreiche

Runde mit tollem Berg- und Seeblick,

meist auf breiten Wanderwegen.

Am Elleg ist Orientierungsvermögen

hilfreich.

Ausgangspunkt: Kapelle St. Sebastian

östlich von Wertach (888 m)

Route: St. Sebastian – Grüntensee

Südostufer – Ostufer – Faitenoy –

Elleg – Westufer – St. Sebastian

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AUF TOUR

Dolomiten-Klettersteige

Kick aus

der Natur

Was sollen uns Klettersteige eigentlich bieten:

den reinen Adrenalinschub, wie er in neu

eingerichteten Eisenanlagen zu finden ist?

Oder bedeutet Fortschritt in diesem Falle

nicht eher einen Weg zurück zu den Anfängen?

Ein Plädoyer von Eugen E. Hüsler

Fridolin steigt voraus, sein Karabiner

macht klick, klick. Eine Seilschlinge,

um Bauch und Schulter

gelegt und vorne verknotet, dient

ihm als Sicherung, zusammen

mit dem Schraubkarabiner. Die Methode

würde Pit Schubert als anerkanntem Sicherheitsapostel

den Schweiß auf die Stirn

treiben, garantiert. Doch 1974 kennen die

beiden Schweizer, die fernab der Heimat

in der Schiara, am Südsaum der Dolomiten,

unterwegs sind, weder den Pit noch eine

ordentliche Selbstsicherung. Das Land

Wilhelm Tells ist ein weißer Flecken auf

36 Bergsteiger 10⁄14


Das Bivacco della Bernardina

am Gusela del Vescovà.

Foto: Manfred Kostner

der Klettersteigkarte, die Führerliteratur

beschränkt sich alpenweit auf einen einzigen

Titel, verfasst von der Südtirolerin

Hilde Frass: »Klettersteige der Dolomiten«.

Das ist kein Zufall, die Dolomiten liegen

sozusagen vor ihrer Haustür, und die »Bleichen

Berge« waren damals das Klettersteig-

Dorado schlechthin. Der älteste mit Baujahr

1903 führt über den Westgrat auf die

Marmolada; der Pößnecker im Sellamassiv

– eine schon legendäre Route – hat ähnlich

viele Sommer und Winter gesehen,

erlebt und überstanden. Klettersteiggehen

war Abenteuer kombiniert mit Landschaftsgenuss,

der Eisenanteil im Fels ein

Mittel zum Zweck. Und heute?

Geschundene Muckis, strapazierte Psyche

Die Wand ist steil, sausteil und gut hundert

Meter hoch. Glatt wie eine Betonmauer,

kein Griff und kein Tritt. Ein Senkblei,

am Abbruch befestigt, würde am Wandfuß

glatt in der Luft baumeln, der beiden Überhänge

wegen. Sogar ein Alexander Huber

dürfte beim Anblick kurz ins Grübeln geraten.

Wir nicht, denn für uns Ferratisten

gibt es hier eine Route, ganz neu, der Einstieg

liegt fünf Minuten von der Liftstation

entfernt. Clap Varmost heißt der Felszahn,

an den eine Gänsehaut-Ferrata genagelt

wurde, Bügel über Bügel, himmelwärts.

Eine frei schwebende Leiter und eine wackelige

Hängebrücke machen den Auftakt,

lassen den Adrenalinspiegel schon mal etwas

ansteigen. Dann geht’s richtig zur Sache,

hat die Wand doch wenige Meter über

dem Einstieg in die Vertikale einen Bauch:

Da muss ich drüber!?

Beim zweiten Anlauf gelingt es mit viel

Einsatz, dann arbeitet man sich in der

Senkrechten nach oben, Meter um Meter.

Das geht trotz all des Eisens ordentlich

10⁄14 Bergsteiger 37


… man sich wie ein mehr oder weniger

begabter Artist an einem Gerüst vorkommt.

»Bergsteigen, auch

am Klettersteig,

ist viel mehr als ein

mit Technik möglich

gemachter Kraftakt

im Steilfels.«

Am Clap Varmost erinnert der Klettersteig eher an einen Hochseilgarten, wobei…

in die Arme, und den Blick in die Tiefe

erspart man sich besser gleich. Eine Diagonale,

die schräg hinaus zum (oberen!)

Ansatzpunkt eines mächtigen Überhangs

führt, bringt etwas Kraft zurück in die geschundenen

Muckis, strapaziert dafür die

Psyche ziemlich heftig. Ein zweiter Überhang

ganz hoch in der Mauer, dann senkrecht

zum Ausstieg: geschafft!

Am Gipfel zittern die Hände nicht mehr,

die Seele hat ihr Gleichgewicht wieder gefunden,

ein bisschen stolz auf unsere Leistung

sind wir auch. Es entspinnt sich ein

typischer Männerdialog.

»Wie war’s denn, Manni?«

»Heftig.«

Ein Schluck aus der Flasche.

»Hm.«

Die Tour hat mich beeindruckt, aber ich

habe so meine Zweifel, ob mir diese moderne

Art des »Bergsteigens« tatsächlich

gefällt, trotz des heftigen Kicks, den sie

vermittelt. Der übermäßige Einsatz von

eisernen Krücken vergrößert die Distanz

zwischen mir und der Natur, die so überdeutlich

zutage tretende Abhängigkeit von

Steighilfen ist irgendwie unangenehm.

Genussroute im Nebel

Das war an der Schiara, ein paar Tage zuvor,

ganz anders gewesen. Ein 2565 Meter

hoher Felsriegel, eine große Tour, eine fantastische

Kulisse – und drei Klettersteige

hintereinander: Zacchi, Berti und Marmol.

Übernachtet haben wir droben am

Grat, gleich neben dem größten Obelisken

des Massivs, der Gusela del Vescovà. Die

schlanke Nadel ist selbst von Belluno aus

mit bloßem Auge zu erkennen. Geologen

bezweifeln allerdings die Stabilität dieser

Sensation, längerfristig zumindest, steht

der Turm doch auf einem porösen Fundament

aus schräg gestellten Felsschichten.

Auch Berge sind halt nicht für alle Ewigkeit

gebaut.

Wir rechnen nicht mit Ewigkeiten, sondern

in Stunden. Knapp drei haben wir

bereits hinter uns, als wir beim Rifugio 7°

Alpini ankommen, geschätzte vier Stunden

sind es bis zu unserem Nachtquartier,

dem Bivacco della Bernardina. Das bleibt

uns noch verborgen, Herbstnebel hängen

in den Felsen – bis es kurz aufreißt.

Da ist sie, die Schiara, und wir müssen

den Kopf ganz ordentlich in den Nacken

legen, um den Gipfel, der hoch über den

Wolken im tief blauen Himmel schwebt,

zu betrachten. Wow!

Fotos: Manfred Kostner (4)

38 Bergsteiger 10⁄14


Ein Tag,

der bleibt.

Ist es nicht die Landschaft, auf die es ankommt? Die Aussicht vom Pisciadù-

Klettersteig, der Nummer eins in den Dolomiten, ist jedenfalls jeden Meter wert.

Die Vorstellung dauert keine Minute, dann

schließt sich der Vorhang wieder. Wir packen

unsere Rucksäcke und folgen der

Spur, die erst an einem licht bewaldeten

Hang, dann über Gras und Geröll zum

Wandfuß ansteigt. Der Nebel steigt mit

uns, macht aus mir kurz ein Brockengespenst;

er wabert in der Wand, lässt dann

etwas Blau aufscheinen. Wir gewinnen

zügig an Höhe, die Ferrata Zacchi, mit

Baujahr 1952 die älteste hier, gehört klar

in die Kategorie der Genussrouten. Dann

bleibt das Grau hinter uns, tut sich ein fantastisch

weiter Horizont auf.

Das Traumschiff

Wir genießen die Kletterei in der wärmenden

Nachmittagssonne. Eine letzte, sehr

luftige Querung leitet schließlich ins Schrofengelände

unter der Gusela del Vescovà.

Rechts daneben steht unser »Albergo«, der

Tisch ist zwar noch nicht gedeckt, dafür

bietet uns die Natur ein Amuse Gueule,

das ich nicht einmal gegen ein Diner bei einem

Sterne-TV-Koch tauschen würde: Das

ammende Rot verglüht an der Gusela;

spät in der Nacht taucht der Mond – eben

aufgegangen – den Felszahn vor unserer

Haustür in ein gespenstisch fahles Totenlicht.

Manni schläft, zersägt gelegentlich

ein paar (kleine) Hölzer, ich tu’s ihm

gleich. Das Biwak wird zum Traumschiff

für uns beide. Wir können doch iegen,

bis zum Horizont und darüber hinaus.

Gegen Morgen macht mich der Rücken auf

den eher bescheidenen Komfort unserer

Liegen aufmerksam; ich drehe mich hin

und her, eine bequemere Schlafposition

suchend, gebe aber bald auf und riskiere

einen Blick nach draußen: Nacht.

Mehr noch: stille Nacht. Kein Geräusch

dringt an mein Ohr; vielleicht ist die Welt

zum Stillstand gekommen und es wird nie

wieder Tag? Nebel liegt über den Tälern,

Bellunos Zivilisationslichter sind ausgelöscht.

Das Mondlicht reicht gerade, um

ein paar bizarre Schattenrisse zu zeichnen.

Ich überlass’ mich meinen Gedankenfäden,

bis mich die Kälte ins schützende

Refugium zurücktreibt. Manni ist aufgewacht,

schaut auf die Uhr. Wir knobeln,

wer sich zuerst ins Bad zurückziehen darf

(ha, ha!) und teilen dann ein belegtes Brot.

Der Hunger wird wohl erst später kommen;

da sind wir dann schon oben, am

Gipfel der Schiara, über den die Via Ferrata

Antonio Berti führt. Vor einem traumhaften

Südalpenpanorama.

Bergsteigen, auch am Klettersteig, ist halt

viel mehr als ein mit Technik möglich gemachter

Kraftakt im Steilfels. Es ist Naturerlebnis

und sportliche Leistung, es weckt

Emotionen, macht Freude. Am Clap Varmost

bin ich kein Bergsteiger, sondern ein

mehr oder weniger begabter Artist, und

die Wand ist ein simples Gerüst. Das ist zu

wenig, wird weder den Bergen noch meinen

Ambitionen gerecht. Vergesst also die

Akrobaten-Parcours mit all dem Schnickschnack.

Ein richtiger Klettersteig ist kein

Hochseilgarten, sondern ein Erlebnis. Und

was für eines! Zurück zu den Wurzeln! ◀

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TOUREN

Sechs Klettersteig-Klassiker in den Dolomiten

Es gibt Eisenwege in den Südalpen, die ins Tourenbuch jedes ambitionierten Klettersteiggehers gehören.

Das liegt nicht nur an der Routenführung und Kulisse, sondern auch an der Geschichte dieser Touren.

Kurzer Zustieg,

fantastische

Panoramen und

ein finaler Gag:

der Pisciadù

1 Pisciadù-Klettersteig

▶ K3 4 Std.

630 Hm 630 Hm

Charakter: Die Nummer eins unter

den Klettersteigen in den Dolomiten!

Er punktet mit kurzem Zustieg,

fantastischer Kulisse und einem

spannenden Verlauf mit fi nalem

Gag an der mittlerweile legendären

Hängebrücke. Auf der Terrasse der

Pisciadù-Hütte kann man dann auch

gleich auf die Tour anstoßen: salute!

Talort: Kolfuschg (1640 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz (1956 m)

an der Ostrampe der Grödner-Joch-

Straße

Gipfel/Hochpunkt: Pisciadù-Hütte

(2585 m)

Zu- und Abstieg: gut markiert, Einstieg

nicht zu verfehlen,

Abstieg alternativ

ins Val de Mesdì

Tourenkarte 10

Heftmitte

2 Via ferrata Cesco Tomaselli

▶ K5 6 Std.

940 Hm 940 Hm

Charakter: Klasse Ferrata in

toller Kulisse mit der berühmten

Schlüsselstelle gleich zum Auftakt.

Auch der Abstieg in die Selleta Fanis

ist gesichert. Nur Drahtseile, keine

künstlichen Tritte und Griffe, deshalb

gute Klettertechnik von Vorteil.

Talort: Cortina d’Ampezzo (1211 m)

Ausgangspunkt: Passo Falzárego

(2105 m), alternativ Kleiner Lagazuoi

(2752 m; Seilbahn)

Gipfel/Hochpunkt: Südliche Fanisspitze

(2980 m)

Zu- und Abstieg: ausreichend

markiert, Orientierung

problemlos

Tourenkarte 11

Heftmitte

3 Via ferrata Bolver-Lugli

▶ K3–4 5,5 Std.

1170 Hm 580 Hm

Charakter: Die schönste Ferrata

in der Pala, sehr lang, dabei nur sparsam

gesichert (wenige Eisenstifte),

der Fels bietet aber fast überall

ausreichend Tritte und Griffe. Große

Kulisse, Vorsicht im Frühsommer

beim Abstieg durch das Valle dei

Cantoni (Altschnee)!

Talort: San Martino di Castrozza

(1470 m)

Ausgangspunkt: Zwischenstation

Colverde (1965 m) der Rosetta-

Seilbahnen

Endpunkt: Rosetta-Seilbahn (2609 m)

Gipfel/Hochpunkt: Bivacco Fiamme

Gialle (3005 m)

Zu- und Abstieg: markiert, Abstieg

teilweise weglos

4 Via ferrata Giovanni Lipella

▶ K 3–4 7,5 Std.

1200 Hm 1200 Hm

Charakter: Ausgeprägt alpine Tour

in grandioser Kulisse; Zustieg über

einen Alpinistollen aus dem Ersten

Weltkrieg (Lampe!). Zwischenausstieg

bei den Tre Dita (2694 m), zweiter

Abschnitt anspruchsvoller

Talort: Cortina d’Ampezzo (1211 m)

Ausgangspunkt: Rifugio Dibona

(2037 m), Zufahrt von der Großen

Dolomitenstraße

Gipfel/Hochpunkt: Tofana di Rozes

(3225 m)

Zu- und Abstieg: markierte Wege

5 Via ferrata Gianni

Costantini

▶ K5–6 10 Std.

1400 Hm 1400 Hm

Charakter: Was das Anforderungsprofi

l betrifft, klar die Nummer eins

in den Dolomiten: extrem lang,

sehr schwierig und viel Felskontakt,

da kaum künstliche Tritte und Griffe.

Ohne Hüttenübernachtung ein echter

Hammer.

Talort: Ágordo (611 m) im Val

Cordévole

Ausgangspunkt: Passo Duràn

(1601 m), Übergang vom Agordino

ins Zoldano

Gipfel/Hochpunkt: Moiazza Sud

(2878 m)

Zu- und Abstieg: ausreichend

markierte

Wege

6 Schiara-Klettersteige

Tourenkarte 12

Heftmitte

▶ K3 12 Std.

1870 Hm 1870 Hm

Charakter: Landschaftlich einmalige

eiserne Runde an der Schiara;

Aufstieg über den Zacchi- und den

Berti-Steig, Abstieg über die Ferrata

Marmol. Übernachtung im Rifugio

7° Alpini, noch schöner im Bivacco

Bernardina an der Gusela del Vescovà

(alle drei Steige K3).

Talort: Belluno (390 m)

Ausgangspunkt: Case Bortot

(694 m), 7 km von Belluno;

Wanderparkplatz

Gipfel/Hochpunkt: Monte Schiara

(2565 m)

Zu- und Abstieg: markierte Wege

40 Bergsteiger 10⁄14


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KLETTERSTEIGE

Die neuen Klettersteige

Eisen am Fels

– ganz frisch geschmiedet!

Es wird immer noch gebaut, vor allem in Österreich, wo der Bedarf an Sportklettersteigen

unerschöpflich zu sein scheint. In der Schweiz und auch in den Französischen

Alpen ist der Boom fürs Erste vorbei. Schade? Oder vielleicht ganz gut, bei mehr als

1000 Eisenwegen alpenweit? Hier einige der jüngsten Eisen-Kreationen:

1 Widaschrofen-Klettersteige

K 5 / K 6–7 | 2 Std. | 100 Hm

Charakter: In die Kategorie »extrem« gehören die beiden brandneuen

Sportklettersteige im Bregenzerwald. Der »Wälder-Klettersteig« (K 5) ist

anhaltend schwierig, der »Abendrot-Klettersteig« noch einen ordentlichen Tick

anspruchsvoller (K 6–7). Ohne gute Technik (Reibung) und viel Kraftausdauer

ist da nichts zu reißen!

Talort: Schnepfau (734 m) im Bregenzerwald

Ausgangspunkt: Parkplatz östlich von Schnepfau an der Bizauer Straße

Gipfel/Hochpunkt: Widaschrofen (ca. 850 m)

Zu- und Abstieg: markiert, Wege und Forstpisten

2 Galugg-Klettersteig

K 3 | 1½ Std. | 180 Hm

Charakter: Mäßig schwieriger Sportklettersteig in Ortsnähe. Wenig zum

Naturerlebnis trägt die nahe Autobahn bei, geradezu ohrenbetäubend ist

der Krach anfl iegender Rettungshubschrauber. Kurzer Zustieg, im oberen

Wandteil zwei Varianten (beide K 3).

Talort: Zams (767 m) im Oberinntal

Ausgangspunkt: Parkplatz des Krankenhauses (!) in Zams

Gipfel/Hochpunkt: Galugg (ca. 950 m)

Zu- und Abstieg: markiert, Abstieg teilweise auf Straßen

Viel Natur bietet

der Obergurgler

Klettersteig.

3 Holderli-Seppl-Klettersteig

K 2–3 | 2 Std. | 120 Hm

Charakter: Man muss die brachialen Eingriffe in die Bergnatur im Bereich des

Kaunertaler Gletscherskigebietes (samt Zufahrt) nicht mögen, am Klammklettersteig

darf man sich trotzdem der Hochgebirgswelt nahe fühlen: ein tosender

Wildbach, zwei Hängebrücken und ein paar spannende Steilpassagen, dazu

schöne Aussicht auf den Kaunergrat.

Talort: Feichten (1287 m) im Kaunertal

Ausgangspunkt: Parkplatz Klettergarten Fernergries (1930 m)

Gipfel/Hochpunkt: Ausstieg zur Gletscherstraße (ca. 2150 m)

Zu- und Abstieg: 5 Min. vom Parkplatz zum Einstieg, Abstieg entlang der

Straße

4 Obergurgler Klettersteig

K 3–4 | 1½ Std. | 120 Hm

Charakter: Originell angelegter Klettersteig mit einigen recht spektakulären

Passagen und drei Seilbrücken, nur mäßig schwierig. Kleine Mutprobe:

die lange Seilbrücke über der rauschenden Gurgler Ache.

Talort: Obergurgl (1907 m) im innersten Ötztal

Ausgangspunkt: Obergurgl

Gipfel/Hochpunkt: Am Beil (2056 m)

Zu- und Abstieg: Zugang zum Einstieg unweit der Zirbenwaldhütte, 20 Min.,

Abstieg markiert

5 Klettersteig Lampskopf

K 2–3 | 6 Std. | 120 Hm

Charakter: Viel (Steil-)Gras, eine wilde Gebirgskulisse und ein paar nette

Klettersteigpassagen bietet diese Direttissima zur Tribulaunhütte (2368 m;

kleiner Abstecher vom Pfl erscher Höhenweg). Im Sommer sehr heiß und

trocken, deshalb ausreichend Getränke mitnehmen! Gesicherte Passagen

unterhalb des Lampskopfs (1995 m) und am Gogelberg

Talort: Innerpfl ersch (St. Anton, 1246 m), Anfahrt von Gossensaß

Ausgangspunkt: Parkplatz bei Hinterstein (ca. 1360 m)

Gipfel/Hochpunkt: Gogelberg (2276 m)

Zu- und Abstieg: Zustieg vom Parkplatz markiert, Abstieg über den

Wanderweg Nr. 8

42 Bergsteiger 10⁄14


Fotos: Ötztal Tourismus, Alpbachtal Seenland Tourismus

Hochgenuss mit

Tiefblick: am Klettersteig

Reintalersee

6 Klettersteig Reintalersee

K 3 | 2½ Std. | 390 Hm

Charakter: Idylle und Steilfels. Beides bietet der Reintalsee und seine

Umgebung, beides verbindet sich am neuen Klettersteig (Eröffnung Juli 2014)

zu einem schönen Erlebnis. Mäßig schwierige Route (K 3) mit einer knackigen

Variante (K 6).

Talort: Kramsach (520 m) im Inntal

Ausgangspunkt: Parkplatz (570 m) am Reintalersee

Gipfel/Hochpunkt: Bärengrube (ca. 960 m)

Zu- und Abstieg: Markierter Zustieg von der Seeuferstraße, Abstieg über den

bestehenden Wanderweg »Bärengrube« zum Krummsee

9 Klettersteigarena Höhenburg

K 2–3 / K 4 / K 6 | 1 Std. | 100 Hm

Charakter: Viel Technik und eine große, mit zwei (Stau-)Seen prunkende

Kulisse bietet der Ausfl ug hinauf zur Höhenburg. Da passen die Eisenhaken

und Drahtseile an dem Felsbuckel zwischen den beiden Staumauern

irgendwie ganz gut. Und bei den drei Routen ist für jede/n etwas dabei:

kindergeeignet der Limberg-Zwerg (K 2–3), spannend das Mooser-Mandl

(K 4), nur für gewiefte Klettersteigler die Drossen-Hex (Stelle K 6).

Talort: Kaprun (786 m), ab Parkhaus Kesselfall mit Bus und Schrägaufzug

zum Stausee Mooserboden

Ausgangspunkt: Staumauer Mooserboden (2038 m)

Gipfel/Hochpunkt: Höhenburg (2108 m)

Zu- und Abstieg: Zugang von der Staumauer markiert, Abstieg ebenfalls

7 Klamml-Klettersteig

K 4 | 2¾ Std. | 540 Hm

Charakter: Rund 100 Höhenmeter am Drahtseil, eine Zweiseilbrücke und

anschließend eine längere, senkrechte Felspassage – alles mit zahlreichen

Zuschauern, die auf dem Klammlweg zur Gruttenhütte unterwegs sind.

Zum »Eingewöhnen« gibt’s noch einen kleinen Übungsklettersteig oberhalb

der Gaudeamushütte.

Talort: Ellmau (820 m) am Wilden Kaiser

Ausgangspunkt: Parkplatz Wochenbrunner Alm (1080 m), mautpfl ichtige

Zufahrt von Ellmau

Gipfel/Hochpunkt: Gruttenhütte (1620 m)

Zu- und Abstieg: Zustieg via Gaudeamushütte (1263 m) zur Mündung des

Klamml, Abstieg zur Wochenbrunner Alm

8 Erlebnisgarten Riederklamm

K 2–3 / K 3–4 | 2 Std./1 Std. | 200 Hm

Charakter: Genau richtig für Familien und Einsteiger sind die drei kurzen

Klettersteige in der Klamm bei Gerlos: Riederklamm-Klettersteig (140 m lang,

K 2–3), Weiße-Wand-Klettersteig (60 m, K 3–4)

und Wasserfall-Klettersteig (60 m, K 2–3). Flying Fox nur mit Führer!

Talort: Gerlos (1246 m) an der Straße von Zell am Ziller zum Gerlospass

Ausgangspunkt: Ortsteil Ried

Gipfel/Hochpunkt: Ausstieg Riederklamm-Klettersteig (ca. 1440 m)

Zu- und Abstieg: Zustieg über Weg Nr. 9, Abstieg ebenfalls markiert

10 Klettersteige Beisteinmauer

K 3 bis K 7 | 1½ Std. | 120 Hm

Charakter: Das würde man am Rand der waldreichen Voralpen nicht unbedingt

erwarten: einen fantastischen Klettersteiggarten, gut 100 Meter hoch

mit 10 (!) gesicherten Routen, die sich fast beliebig kombinieren lassen: von

der Trainings-Ferrata bis zum extrem

schwierigen Mammut-Steig (K 7).

Besondere Gags: eine 60-Meter-

Seilbrücke und eine lange Leiter, die

unten schwer überhängt. Also erst

einmal ins Fitnessstudio und ran an

die Gewichte!

Talort: Ternberg (341 m) in den Oberösterreichischen

Voralpen, südlich

von Steyr an der Enns gelegen

Ausgangspunkt: Parkplatz (ca. 460 m)

am Südfuß der Beisteinmauer

Gipfel/Hochpunkt: Beisteinmauer

(632 m)

Zu- und Abstieg: Markierter Zustieg

(5 Min.) vom Parkplatz, Abstieg

über den gesicherten Steig (mehrere

Leitern, K 2)

10⁄14 Bergsteiger 43


AUF TOUR

Die Beute

des Habichts

Herbstgipfel im Stubai

Anfang des 19. Jahrhunderts galten die Alpengipfel vielen noch als Hort

von Hexen. Der Pfarrer Peter Carl Thurwieser sah das völlig anders.

Für ihn war Bergsteigen Hobby und wissenschaftliche Herausforderung.

Im Herbst 1836 stand er als erster Bergtourist auf dem Habicht.

Die Tour ist heute nicht minder lohnend. Von Andrea Strauß

44 Bergsteiger 10⁄14


»Der Hager in Gschnitz und der

Villerspitz und die Martinswand sind

die heachsten Jöcher im ganzen Land.«

Wer’s glaubt, wird selig. Sagt

der Volksmund, wenn die

Zweifel an einer Geschichte

überwiegen. Ob der Herr im

Frack wirklich geglaubt hat,

dass er auf einen der drei höchsten Gipfel

Tirols steigt? Vom Glauben verstand er etwas,

schon von Berufs wegen. Peter Carl

Thurwieser, geboren am 30. Mai 1789,

war der Sohn eines Müllers aus Kramsach,

in seiner Kindheit und Jugend aber zu

schwächlich, um den Beruf des Vaters zu

erlernen. So schickten die Eltern den Buben

aufs Priesterseminar. Peter Carl wurde Pfarrer,

später Professor am Lyzeum Salzburg

und schließlich Kustos der Universitätskirche,

die heute zum Weltkulturerbe »Historisches

Zentrum der Stadt Salzburg« gehört.

Zu viel Sitzen und Studieren über Büchern,

zu wenig Bewegung, klagt der junge

Mann. In seiner Freizeit geht er daher

zum Bergsteigen, es ist sein liebstes Hobby.

Das braucht er als Ausgleich. Gesund

sei es, ist er überzeugt. Und es macht dem

Würdenträger einen Heidenspaß: Er zündet

auf den Gipfeln selbstgebastelte Ra-

keten. Fun und Action um zwei Jahrhunderte

vorgezogen. Auch wenn Thurwieser

nicht von seinem Hobby spricht, sondern

von Bergfahrten in seiner »Vakanz«. Eine

schöne Herbsttour in den Stubaiern soll es

werden, als er am 1. September 1836 nach

Fulpmes kommt und als ortskundigen

Führer den Feilenhauer Ingenuin Krößbacher

engagiert.

Der erste Bergtourist im Stubai

Jäger, Bauernburschen und Handwerker

sind froh um den kleinen Zusatzverdienst

– Hobbybergsteiger kommen in der ersten

Hälfte des 19. Jahrhunderts eher selten ins

Stubaital. So ist Thurwieser sogar der erste

Tourist, der auf dem Hager, dem Habicht,

stehen wird. Bis die Erschließungswelle

der Stubaier Alpen anläuft, vergehen noch

mehr als fünfzig Jahre. Selbst die Schulbuben

aus Thurwiesers Zeit sitzen dann grauhaarig

vor ihrem Austragshäusl.

Weshalb es ausgerechnet der Habicht sein

muss, liegt auf der Hand: Er gilt als der

»heachste im ganzen Land«. Die mächtige

Berggestalt aus dunklem Glimmerschiefer

sticht ins Auge und hebt sich von den

vielen anderen Gipfeln ab. Der Habicht

wirkt besonders imposant. Vier Gletscher

und Firnfelder sind in den Hochkaren des

Bergstocks eingelagert und geben ihm eine

besondere alpine Note.

Auch wenn Thurwieser bereits mit Steigeisen

umzugehen versteht: Die vergletscherte

Nordseite ist nicht sein Ziel. Sie wird erst

1883 erstbegangen werden. Stattdessen

steigen die beiden auf jenem Weg auf, der

auch heute noch sehr beliebt ist bei Bergsteigern.

Durch das Pinnistal geht es zur

Pinnisalm. Nach einer Übernachtung im

Heu steuern sie das Pinnisjoch an, das sie

um acht Uhr morgens erreichen. Almmatten,

dann steile Schrofen erwarten sie auf

den nächsten 900 Höhenmetern. Geschickt

suchen sie den leichtesten Durchstieg, halten

sich an Grasrinnen und gewinnen so an

Höhe, bis sie die Vegetationsgrenze erreichen.

Über »lauter grobes Gestein, da fest,

dort locker« gelangen sie über eine Hangkante

zum Habichtferner. Das Firnfeld

kann heutzutage umgangen werden und

stellt kein wirkliches Hindernis mehr dar.

Nach 3:25 Stunden ist der höchste Punkt

(3277 m) erreicht. Man kann sicher sein,

dass es sich um eine exakte Zeitangabe

handelt, vermerkt Thurwieser doch auf

allen seinen Touren minutengenau, wann

ein Ziel erreicht ist, ja, dokumentiert sogar

die Trinkpause von drei Minuten. Es ist ein

strahlend blauer Herbsttag, die Sicht

Foto: Andreas Strauß (2), Google (2)

Priester, Professor, Alpinist: Peter Carl Thurwieser war

1836 erster »Bergtourist« auf dem Habicht (hist. Stich).

Die Innsbrucker Hütte (2369 m), deren Vorläufer bereits

1884 erbaut wurde, ist ideal für die Habicht-Besteigung.

10⁄14 Bergsteiger 45


Farb-Flash: der Grünausee mit Urfallspitze, Gamsspitzl, Wilder Freiger, rechts des Gletschers der Apere Freiger

ist fantastisch. Der Spaßfaktor ist gewiss

nicht zu kurz gekommen bei dieser ersten

touristischen Besteigung des Habichts.

Später veröffentlicht der Priester und

Wissenschaftler ein Buch über die Tour

gemeinsam mit der Besteigung des Fernerkogels.

Man kann das (über ein Google-Projekt

digitalisierte) Werk mit dem Titel »Die

Ersteigung und Messung des Fernerkogels

und der Habichtspitze im Jahre 1836« heute

im Internet kostenlos downloaden.

KOMPAKT

Stubai im Überblick

Anreise: Mit der Bahn nach Innsbruck und

weiter mit der Stubaitalbahn landschaftlich

sehr schön ins Stubaital. Mit dem Auto von

Norden über Innsbruck ins Stubaital oder

eines der Seitentäler.

Beste Reisezeit: Juni bis Oktober

Karten: AV-Karten 1:25 000, Nr. 31/1

»Stubaier Alpen, Hochstubai« und Nr. 31/2

»Stubaier Alpen, Sellrain«; AV-Karte 1:50 000,

31/5 »Innsbruck/Umgebung«; Kompass-

Karte 1:50 000, Nr. 83 »Stubaier Alpen«

Touristinfo: Tourismusverband Stubai

Tirol, A-6167 Neustift im Stubaital,

Tel. 00 43/(0)5 01 88 10, www.stubai.at

»Meine Absicht bei Bergreisen:

Mich gründlich aufzuheitern

und zu erholen.« Peter Carl Thurwieser

Der Schnabel des Greifvogels

21. Jahrhundert. Rot-weiß-rot leuchten

die Fensterläden an der Innsbrucker Hütte.

Vor der Eingangstür schnüren ein paar

Bergsteiger die Schuhe, von drinnen zieht

Kaffeeduft ins Freie. Es ist Anfang September,

ein strahlend blauer Herbsttag. Wer

nicht auf dem Stubaier Höhenweg unterwegs

ist, nutzt die guten Bedingungen für

die Besteigung des Habichts, wie der »Hager«

meist genannt wird. »Höchster Gipfel

im ganzen Land« ist er freilich längst nicht

mehr, selbst in den Stubaier Alpen musste

er im Zeitalter der Bergvermessungen den

Thron an das Zuckerhütl (3507 m) abtreten,

gefolgt von einer ganzen Reihe von

Gipfeln, die die Höhe von 3300 übersteigen.

Dann erst folgt der Habicht mit seinen

3277 Metern.

Von den vier Gletschern und Firnfeldern

ist heute nur noch der Mischbachferner

auf der Nordseite nennenswert. Ein Eiswulst

von gut 50 Grad Steilheit wölbt sich

hier wie der Schnabel eines Greifvogels

vor, wie ein Habichtschnabel eben. Der

Normalweg aber führt aus dem Pinnisjoch

hinauf. Nur ein paar Schritte sind es

aus dem Joch zur stattlichen Innsbrucker

Hütte auf 2369 Metern Höhe. Sie war eine

der ersten, die im Stubai gebaut wurde

(1884), um die Besteigung des Habichts zu

erleichtern. Wer nicht mit Unterstützung

des Lifts von Neustift aus durch das Pinnistal

aufsteigt, kommt aus dem Gschnitztal

und schwitzt über tausend Höhenmeter

auf den steilen südostseitigen Flanken.

Die Dienste des Feilenhauer Krößbacher

zur Wegndung brauchen die drei Bergsteiger,

die kurz vor acht Uhr an der Hütte

auf brechen, nicht mehr. Peter Carl Thurwiesers

Linienführung ist heute als Weg

gut markiert, im Gras ausgetreten und

später in den langen Felspassagen sogar

an einigen Stellen mit Drahtseil versichert.

Trotzdem: Ein »gewandter Steiger« sollte

man noch immer sein, also trittsicher und

schwindelfrei, und so wie bei Thurwieser

werden ab und an »doch die Hände aushelfen«.

Der Theologe, Meteorologe und

Alpinist war übrigens Erstbesteiger einiger

Gipfel in den österreichischen und bayerischen

Alpen, er gilt als der erste »Bergtourist«

auf dem Dachstein und auf der

Watzmann-Südspitze. In der westlichen

Ortlergruppe ist nach ihm die Thurwieserspitze

(3652 m) benannt.

Lohnt die Besteigung des Habichts noch,

obwohl er nicht der höchste Gipfel des Stubai

ist? Ja, auf alle Fälle! Der Weg ist schön,

die Aussicht nicht schlechter als vor 200

Jahren und an einem schönen Herbstwochenende

gibt es kein besseres Programm,

um sich »gründlich aufzuheitern und zu

erholen.«


46 Bergsteiger 10⁄14


TOUREN

Die schönsten Herbsttouren in den Stubaier Bergen

Von einfach bis anspruchsvoll: Wir haben fünf tolle Bergwanderungen zwischen den

Kalkkögeln und dem Wipptal nördlich des Brenners für Sie ausgesucht.

1 Grieskogel (2158 m)

▶ leicht 4–5 Std.

1100 Hm 1100 Hm

Charakter: Gemütliche Wanderung

aus dem Sellrain mit toller Aussicht

auf die Kalkkögel im oberen Teil

Ausgangspunkt: Grinzens im Sellrain,

Parkplatz am Sportplatz (1040 m)

Route: Vom Parkplatz auf einem markierten

Wanderweg durch die Waldfl

anke hinauf bis zur Waldgrenze und

über Wiesen zum Salfains (2000 m).

Nun gerade weiter am Rücken auf

den Grieskogel. Im Abstieg kann man

auch am Schönangerl nach Osten

hinabgehen ins Senderstal

und so zurück nach

Grinzens.

Tourenkarte 4

Heftmitte

2 Großer Trögler (2902 m)

▶ mittel 4 Std.

1300 Hm 1300 Hm

Charakter: Eisfreier Gipfel gegenüber

von Zuckerhütl, Pfaff und Freiger.

Einer der besten Hüttenberge der

Sulzenauhütte

Ausgangspunkt: Parkplatz Sulzenauhütte

(1590 m) im Unterbergtal

Hütte: Sulzenauhütte (2191 m), DAV,

Anfang Juni – Ende September, 140

Plätze, Tel. 00 43/(0) 52 26/24 32

Route: Vom Parkplatz über den

Grawa-Wasserfall oder direkt auf

dem Hüttenweg zur Sulzenauhütte,

2–2½ Std. Von der Hütte in westlicher

Richtung zu einer nahen Verzweigung,

hier rechts und über Moränengelände

zum Pfaffenlehner. Weiter steil und

teils versichert über den Kleinen

Trögler und über den Nordostgrat auf

den Großen Trögler.

3 Mairspitze (2780 m)

▶ mittel 4–5 Std.

1300 Hm 1300 Hm

Charakter: Aussichtsreiche Tour

auf den Hüttengipfel der Nürnberger

Hütte. Schöne Eingehtour

Ausgangspunkt: Parkplatz Sulzenauhütte

(1590 m) im Unterbergtal

Hütten: Sulzenauhütte (2191 m),

DAV, Anfang Juni – Ende September,

Tel. 00 43/(0)52 26/24 32; Nürnberger

Hütte (2278 m), DAV, Ende

Juni – Anfang Oktober, 136 Plätze,

Tel. 00 43/(0)6 64/4 03 21 88

Route: Vom Parkplatz links zum

Grawa-Wasserfall hinab (beschildert,

Weg 135) und an seiner rechten

Seite steil hinauf zum Hüttenweg.

Über die Sulzenaualm zur Sulzenauhütte,

2–2½ Std. Hier über den

Von der Sulzenauhütte (2191 m) lässt sich der Große Trögler besteigen.

Sulzenaubach und im leichten Auf

und Ab zum Grünausee, links Richtung

Niederl und an einer weiteren

Wegverzweigung links nach Nordosten

ins Schafgrüebl hinauf und in

eine Scharte (2742 m). Zuletzt

über kurze versicherte Stellen nach

Norden zum Gipfelkreuz. Absteigen

kann man auch zur Nürnberger Hütte

und von dort ins Tal.

4 Habicht (3277 m)

▶ schwierig 2 Tage

2000 Hm 2000 Hm

Charakter: Schöner Steig auf imposanten

Dreitausender, als Zweitagetour

über die Innsbrucker Hütte sehr

empfehlenswert

Ausgangspunkt: Parkplatz beim

Gasthof Feuerstein (1281 m) im

Talschluss des Gschnitztals

Hütte: Innsbrucker Hütte (2369 m),

ÖAV, Mitte Juni – Anfang Oktober geöffnet,

160 Plätze, Tel. 00 43/(0)52 76/

2 95, www.innsbrucker-huette.at

Route: Aus dem Gschnitztal (oder

durch das Pinnistal) auf dem

Hüttenweg zur Innsbrucker Hütte

nahe des Pinnisjochs (Dauer 3 Std.),

über einen Rücken nach Südwesten

zum Einstieg in die Schrofen- und

Felswand. Teils versichert, kurz auch

über ein Altschneefeld hinauf zum

Habichtferner und oberhalb desselben

auf den Gipfelgrat und versichert zum

höchsten Punkt (3 Std.)

5 Leitner Berg (2309 m)

▶ leicht 3–4 Std.

900 Hm 900 Hm

Charakter: Stille Herbstwanderung

zwischen Gschnitztal und Obernbergtal

Ausgangspunkt: Parkplatz Obernberger

See bei Obernberg am Brenner

(1380 m) im Obernbergtal

Route: Vom Parkplatz auf einer

Almstraße über den Waldbauer und

die Kastenalm nach Norden hinauf

Richtung Trunajoch und zum Lichtsee.

Hier nach Nordosten und über einen

weiten Rücken hinauf bis zum Leitner

Berg. Der Abstieg ist auch direkt

hinab über den Lichtsee

nach Obernberg

möglich.

Tourenkarte 5

Heftmitte

10⁄14 Bergsteiger 47


AUF TOUR

Pflicht für

Der Triglav in den Julischen Alpen

Patrioten

Für die Slowenen ist der Triglav

nicht einfach der höchste Gipfel

des Landes. Er ist ihr Nationalsymbol,

verewigt auf der Landesflagge.

Deshalb huldigen ihm

einheimische Wanderer auf eine

für die übrige Bergsteigerwelt

sehr sonderbare Weise.

Von Dagmar Steigenberger


Der höchste Berg

Sloweniens ist auf

Münzen, Briefmarken

und der Nationalflagge

verewigt.

Fotos: Dagmar Steigenberger, wikipedia, Länder-Lexikon, colnect.com

Slowenen steigen nicht auf den

Triglav. Sie pilgern. Einem Tausendfüßler

gleich, wälzt sich die

Schlange an diesem strahlenden

Spätsommertag schiebend, wartend

und drängend den seilversicherten

Ostgrat hinauf. Slawisches Geschnatter

und Lachen erfüllt die Luft. Männer in verwaschenen

Jogginghosen und ausgelatschten

Turnschuhen, dazwischen Sportler in

nagelneuer, grellfarbener Ausrüstung und

gestylte Mädchen auf unsicheren Beinen,

notdürftig gesichert mit einer Reepschnur

um die Brust. Alle haben sie nur ein Ziel:

den Aljažev Stolp, das Blechtürmchen, in

dem gerade mal zwei Personen stehend

Platz nden und das den höchsten slowenischen

Gipfel markiert.

Ein paar deutsche und österreichische

Bergsteiger erreichen den 2864 Meter hohen

Gipfel staufrei von der anderen Seite.

Der Aufstieg von Westen und Süden

entspricht mehr dem Naturgenuss, dem

Abenteuer, wie es der höchste Berg eines

Landes erwarten lässt. Einsamer ist es dort.

Und anspruchsvoller: Beim Bamberg-Weg

am Nordwestgrat hat man es immerhin

mit einem konditionell fordernden Klettersteig

mit schwindelerregenden Tiefblicken

in die mehr als 1000 Meter hohe

Nordwand zu tun. Vom Wocheiner See im

Süden marschiert man mindestens zwei

Tage lang durch Schluchten, über sonnenüberutete

Almen und vorbei an Seen, die

mal wie dunkle Löcher, mal wie türkisgrüne

Juwelen in der von Dolinen durchzogenen

Landschaft schimmern.

Über den einfachsten und schnellsten Anstieg,

auf dem sich von der Aljažev-Hütte

aus dem Vrata-Tal die bunte Masse hochschiebt,

sind noch mehr als 1800 Höhenmeter

bis zum Gipfel zu bewältigen. Die

meisten schaffen es am ersten Tag bis

10⁄14 Bergsteiger 49


zur Triglavski dom. Die höchstgelegene

Hütte am Triglav ist in der Hochsaison

meist überfüllt. An schönen Sommer-Wochenenden

beginnt der Stau gleich hinter

dem Haus am Einstieg zum Ostgrat, etwa

300 Höhenmeter unter dem Gipfel. Den

ganzen Tag über bis in die Abendstunden

drücken sich die Menschen im Zeitlupentempo

an der schmalen Eisenspur hinauf

und hinunter. Schlechte Laune kommt

trotzdem nicht auf.

Peitschenhiebe aufs Hinterteil

»Als Slowene musst du wenigstens einmal

im Leben auf dem Triglav gestanden

sein«, erklärt eine quirlige Dame in üssigem

Englisch. Sie hat es nach mehreren

Stunden geschafft, sich über den Ostgrat

bis zum höchsten Punkt durchzuarbeiten.

Ihr Funktionsshirt strahlt in nagelneuem

Pink. Für eine längere Unterhaltung hat sie

aber keine Zeit. Der Bergführer winkt sie zu

sich und macht mit ihr, was er schon zuvor

mit einigen anderen aus seiner Gruppe

gemacht hat: Er peitscht sie aus. Dreimal

lässt er das Seil in seiner Hand aufs Hinterteil

schnalzen. Bestrafung für beson-

KOMPAKT

Triglav Nationalpark – Sloweniens einziger

Anreise: Mit dem Zug von

München über Salzburg und

Jesenice bis Bohinjska Bistrica

und per Bus weiter bis zum

Wocheiner See. Mit dem Auto

via Tauernautobahn A10

bis Villach, weiter auf der A2

bis Ausfahrt »Slovenia« und

auf der B83, dann B109 der

Beschilderung nach Slowenien

folgen. Weiter auf der Bundesstraße

bis Wocheiner See.

Fremdenverkehrsamt:

TD Bohinj, Ribcev Laz 48,

SI-4265 Bohinjsko jezero,

Tel. 00 386/4/5 72 60 10,

www.bohinj-info.com

Beste Jahreszeit: Juli bis

Anfang Oktober

Triglav Nationalpark: Der

einzige Nationalpark Sloweniens

erstreckt sich auf 880

Quadratkilometern – das sind

drei Prozent der Landesfl äche

– rund um das Triglav-Massiv.

Die Landschaft ist geprägt

von Dolinen und Karren, durch

die Seen und Wasserläufe

auch unterirdisch miteinander

verbunden sind. In den Felsen,

Schluchten und Resten von

Urwäldern leben Gämsen,

Steinböcke, Rotwild, Bären

und Luchse sowie Steinadler.

Hütten: Dom Valentina

Stanica. (2332 m), Juli bis

September, 136 Schlafplätze,

Tel. 00 386/51/61 47 72;

Triglavski dom na Kredarici

(2515 m), Ende Mai bis Anfang

Oktober, 160 Schlafplätze,

Tel. 00 386/4/5 31 28 64;

Dom Planika (2401 m), Juli bis

September, 123 Schlafplätze,

Tel. 00 386/50/61 47 73;

Vodnikov dom (1817 m),

Mitte Juni bis Anfang Oktober,

63 Schlafplätze, Tel. 00 386/

51/60 72 11; Zasavska koca

(2071 m), Ende Juni bis Ende

ders widerspenstige Kunden? Die fremden

Wanderer – erkennbar in der Unterzahl

– beäugen verunsichert die Szenerie. Mit

den deutlichen Gebrauchsspuren an ihren

Klettersteigausrüstungen und Steinschlaghelmen

sowie den Bergstiefeln wirken sie

ohnehin wie Fremdkörper in der Masse der

einheimischen Turnschuh-Touristen.

Dann hebt die Geschlagene unter Gejohle

und Beifallklatschen die Arme. Ihr Gesicht

ziert ein glückseliges Lächeln. Also doch

keine Bestrafung. Eher eine Auszeichnung.

Für Slowenen ist die Triglav-Besteigung eine

patriotische Picht. Spätestens seit das

Land 1991 die Unabhängigkeit erreicht

hat, ist der dreigipige Berg Sloweniens

Nationalsymbol. Seine Silhouette prangt

auf dem Wappen der slowenischen Flagge:

drei weiße Zacken vor tiefblauem Sternenhimmel,

darunter schwappen die Wellen

der Adria – an klaren Tagen kann man

das Mittelmeer vom Triglav aus tatsächlich

erkennen. Mit diesem Wappen ist Slowenien

das einzige europäische Land, das sich

einen Berg auf die Fahne gezeichnet hat.

Keinen Adler, keinen Löwen oder sonst ein

kraftvolles, königliches Getier. Einen Berg.

September, 55 Schlafplätze,

Tel. 00 386/50/61 47 81;

Koca na Dolicu (2151 m),

Ende Juni bis Ende September,

144 Schlafplätze,

Tel. 00 386/50/61 47 80;

Koca na Planini pri Jezeru

(1453 m), Mitte Juni bis Ende

September, 86 Schlafplätze,

Tel. 00 386/51/63 27 38;

Koca pri Triglavskih jezerih

(1685 m), Ende Mai bis Anfang

Oktober, 200 Schlafplätze,

Tel. 00 386/51/2 31 26 45.

Auf www.slovenia.info fi ndet

man ausführliche Informationen

zu den Hütten auf Deutsch.

Karten: freytag & berndt

1:50 000, WK 141 »Julische

Alpen«

Literatur: Helmut Lang »Julische

Alpen. 53 ausgewählte

Wanderungen und Bergtouren«,

Rother Wanderführer,

Bergverlag Rother 2010

Slowenien hat

sich als einziges

Land Europas

einen Gipfel ins

Wappen geholt

Ein Steinbock mit goldenen Hörnern

1934 schuf der slowenische Architekt Jože

Plenik die Vorlage für dieses Wappen, als

er die Silhouette des Triglav in den Mantel

der Muttergottes-Figur vor der Pfarrkirche

in Bled im Osten des berühmten Berges

meißelte – als Zeichen für das Land Slowenien

zwischen dem serbischen Kreuz

und dem kroatischen Schachbrettmuster.

Die Legenden, die sich um den Triglav und

seine Macht ranken, sind noch älter. In

einer davon heißt es, der Triglav sei ein

dreiköpger Gott, der auf dem Berg wohne.

Mit einem Haupt beherrsche er den

Himmel, mit dem zweiten die Erde und

mit dem dritten die Unterwelt. Eine Sage

erzählt von Zlatorog, einem weißen Steinbock

mit goldenen Hörnern, der einst die

Herden der magischen Weißen Frauen auf

der Hochebene des Triglav beschützte, als

jene noch vor saftigem Gras und Blumen

strotzte. Als ein Mensch in seiner Goldgier

den Zlatorog töten wollte, verwandelte der

zornige Steinbock das ganze fruchtbare

Hochplateau in die karge Steinödnis, wie

man sie heute dort oben antrifft. Der Frevler

starb, der Steinbock überlebte; unter

anderem als Markenzeichen der slowenischen

Biermarke Laško Pivo.

Zlatorog hat nicht alles verwüstet. Unterhalb

der Planika-Hütte mischt sich das erste,

spärliche Grün zwischen die hellgrauen

Felsen. Noch weiter unten krallen Lärchen

ihre Wurzeln in die steinige Humusschicht.

Blaue Enzianblüten verleihen den

Wiesen ein paar bunte Tupfer. Eine Kuhherde

grast friedlich auf der Almweide. Für

die Tiere sind die letzten Almtage im Jahr

angebrochen; die Halme tragen an die-

Steinbock Zlatorog ist das

Markenzeichen der größten

slowenischen Brauerei.

Fotos: Dagmar Steigenberger (2), Hersteller

50 Bergsteiger 10⁄14


Der erste der sieben

Seen auf dem Weg von

der Savica zum Triglav.

An schönen Tagen pilgern

Massen von Slowenen auf

den 2864 Meter hohen Berg.

10⁄14 Bergsteiger 51


LITERRATUR

Julius Kugy –

Pionier der Julischen

Es gibt kaum ein Tal in den Julischen Alpen,

in dem nicht auf irgendeinen Gipfel ein

»Kugyweg« führt. Der Namenspatron dieser

Wege, Julius Kugy, war Schriftsteller und

Bergsteiger. Dank des väterlichen Handelsunternehmens

in Triest, das er übernommen

hatte, konnte er sich zu seinen Bergausfl ügen

immer die Begleitung durch einen Bergführer

leisten. Vor allem die Julischen Alpen hatten

es ihm angetan, dort realisierte er Ende des

19. und Anfang des 20. Jahrhunderts viele

Erstbesteigungen und Erstbegehungen. Unter

anderem eröffnete er 1881 den Weg vom

Trentatal durch die steile Westfl anke des

Triglav bis auf den Gipfel – den berühmtesten

unter den Kugywegen in den Juliern. 1895

oder 96 (die Chronisten sind sich nicht

sicher) schaffte er die

erste Winterbesteigung

des Triglav. Seine

Erinnerungen an diese

Abenteuer hat Kugy im

Buch »Aus dem Leben

eines Bergsteiger

festgehalten, das 1925

erstmals im Bergverlag

Rother erschienen ist.

sem Morgen Mitte September bereits eine

dünne Schicht Raureif. Die Sonne hat das

Gras auf dem einsamen Aussichtsberg Jezerski

Stog schon in – nein, nicht in Gold

– in Stroh verwandelt. Steil geht es auf

seiner Südseite hinunter, hinein in einen

wilden Nadelwald und der Krstenica-Alm

entgegen. Auf der Wiesenschulter haben

knapp ein Dutzend Hütten Platz gefunden,

deren Fassaden ordentlich mit Holztäfelchen

verschindelt sind. Die Fensterläden

sind geschlossen; alles scheint schon

für den Winter vorbereitet. Nur noch ein

paar Verwandte des Bauern genießen die

herbstlichen Sonnenstrahlen auf einer

der Hausbänke. Die Hüterbuben seien mit

dem Vieh längst ins Tal marschiert, geben

sie den Wanderern Auskunft. Aber auch

im Hochsommer herrsche hier nicht mehr

viel landwirtschaftlicher Betrieb – wer

wolle, könne eine Almhütte als einfache

Ferienunterkunft mieten. Hilfsbereit

schreiben sie einen Zettel mit der Telefonnummer

des Besitzers. Das Geschäft mit

den Touristen rentiert sich mittlerweile

mehr als die traditionelle, über Jahrhunderte

praktizierte Almwirtschaft. Darin

gleichen die Julischen Alpen vielen anderen

alpinen Regionen.

Der Ritterschlag für Bergsteiger

Karel Laznik lebt schon seit langem von

den Wanderern, zumindest im Sommer.

Seit mehreren Jahren bewirtschaftet der

muntere Slowene mit dem grauen Jägerbart

à la Henri VI. gemeinsam mit seiner

Frau die Hütte »Planini pri Jezeru«. Die

Touristen kommen von Stara Fuzina wegen

des kreisrunden Sees herauf, dessen

Wasser so geheimnisvoll dunkel schimmert

und dessen Ränder grüngelbe Algen

säumen. Auf der Hüttenterrasse mit Blick

auf den See und die tiefgrünen Wälder essen

sie Krautsuppe mit Bohnen oder auch

eine Gulaschsuppe – beides die Standardspeisen

auf den slowenischen Hütten, wie

es auf den österreichischen die Spaghetti

mit Bolognese sind.

Die Einheimischen kommen wegen Karel

und seiner Musik. Abends am Kachelofen

greift er zu seinem Akkordeon und spielt

für seine Gäste slowenische Volksmusik-

Klassiker. An den Wänden hängen Fotos

von Vereinen aus dem Tal, die Karel bereits

einen Besuch abgestattet haben. Dazwischen

eine Fotograe von Kindern, wie sie

lachend ein paar Peitschenhiebe vor der

Hütte entgegen nehmen. Da ist sie wieder,

die Szenerie vom Gipfel des Triglav!

Auf unsere neugierigen Fragen hin versucht

sich Karel an einer Erklärung. Er

Slowenische Volksmusik, präsentiert von Hüttenwirt Karel Laznik

Ein Gruß »Berg

Heil!« auf dem

Gipfel? Seltsam,

sagt der slowenische

Hüttenwirt.

deutet mit Händen und Füßen. Seine wenigen

Brocken Englisch reichen für so einen

komplizierten Sachverhalt nicht aus.

Ein freundlicher Gast bietet sich als Übersetzer

an: »Eigentlich ist es ein Ritual für

diejenigen, die das erste Mal den Triglav

bestiegen haben. Die Kindergartenkinder,

die einmal im Jahr die Hütte besuchen,

bekommen dieses Einweihungsritual

aber schon, wenn sie es schaffen, an der

Hauswand hochzuklettern.« Karel macht

in der Stube vor, wie man Hände und Füße

an den groben Steinen setzen muss

– selbstverständlich gesichert von den

Erwachsenen. Das Ritual am Triglav: eine

Art Ritterschlag für slowenische Bergsteiger

also? Der Gast übersetzt, Karel nickt

freudestrahlend. Dann lässt er fragen, was

denn die Deutschen und Österreicher so

auf ihren höchsten Gipfeln machen würden.

Eine nachdenkliche Pause. »Sie trinken

Gipfelschnaps und grüßen einander

mit ›Berg Heil‹.« Das mit dem Schnaps

gefällt dem Hüttenwirt. Aber dieser Gruß?

Seltsam, sehr seltsam.


Fotos: Rother; Dagmar Steigenberger (2)

52 Bergsteiger 10⁄14


Die drei Häupter des

Triglav ragen hinter der

Vodnikov-Hütte auf.

TOUREN

Triglav in vier Tagen

Natürlich können Konditionsstarke den Triglav auch in ein bis zwei Tagen besteigen. Doch so entgehen ihnen die

türkisgrün glitzernden Seen, die urigen Almen und die Dolinen zwischen den lichten Urwaldresten im Nationalpark.

1 Zasavska koca (2071 m)

▶ mittel 6½ Std.

1420 Hm 1420 Hm

Charakter: Das Tal der sieben Seen

wartet mit einer herrlichen Landschaft

auf, vor allem am Ledvica

See. Dafür lohnt sich der anfangs

extrem steile, teils seilversicherte

Aufstieg allemal. Vorsicht: Am Start

nicht den gebührenpfl ichtigen Weg

zum Wasserfall nehmen (Sackgasse),

sondern links davon über den Bach!

Die Zasavska koca ist eine sehr

kleine Hütte, also frühzeitig losmarschieren,

um sich einen bequemen

Schlafplatz zu sichern (Vorreservation

zwecklos). Wer zu spät kommt, muss

auf den harten Tischen in der Stube

übernachten.

Ausgangspunkt: Parkplatz an der

Dom Savica (653 m; gebührenpfl ichtig:

3 Euro pro Tag) westlich des

Wocheiner Sees

Hütten: Dom Savica (653 m), Koca

pri Triglavskih jezerih (1685 m),

Zasavska koca (2071 m)

Route: Dom Savica – Crno jezero

(1294 m) – Koca pri Triglavskih

jezerih – Jezero Ledvica (1800 m) –

Zasavska koca

2 Triglav (2864 m)

▶ mittel 5½ Std.

1060 Hm 1060 Hm

Charakter: Über Schotter, vom Militär

zurückgelassene Felsenwege und

schließlich über einen leichten Klettersteig

(K2) geht es auf den Gipfel des

Triglav. Der Abstieg über den seilversicherten

Ostgrat ist ebenfalls einfach,

kann aber bei großem Andrang dauern.

Eine Übernachtung in der Vodnikov

dom empfi ehlt sich nicht nur wegen

des schönen Blicks auf den abendlich

beleuchteten Triglav, sondern auch

wegen der hübschen Hütte.

Ausgangspunkt: Zasavska koca

(2071 m)

Hütten: Koca na Dolicu (2151 m),

Dom Planika (2401 m), Vodnikov

dom (1817 m)

Route: Zasavska koca – Zeleno

jezero (2000 m) – Hribarice (2350

m) – Koca na Dolicu – Triglav – Dom

Planika – Konjski preval (2020 m) –

Vodnikov dom

3 Jezerski Stog (2040 m)

▶ mittel 4½ Std.

450 Hm 450 Hm

Charakter: In stetem Auf und Ab geht

es durch verwachsene Almlandschaft

– teils durch Nadelwald, teils

über Wiesen und felsige Karren. Die

einzige kleine Herausforderung ist der

beinahe weglose, am Ende sehr steile

Aufstieg vom Sattel auf den Jezerski

Stog, von dem man eine herrliche

Aussicht auf den Triglav hat.

Ausgangspunkt: Vodnikov dom

(1817 m)

Hütte: Koca na Planini pri Jezeru

(1453 m)

Route: Vodnikov dom – Velo Polje

(1680 m) – Jezerski preval (1945 m)

– Jezerski Stog – Alm Krstenica (1640

m) – Alm V Lazu (1540 m) – Koca na

Planini pri Jezeru

4 Pršivec (1761 m)

▶ mittel 4 Std.

320 Hm 320 Hm

Charakter: Den einfachen Gipfel

mit hervorragender Aussicht über

den Wocheiner See kann man am

Abstieg zur Savica-Schlucht locker

mitnehmen. Wer nach der Steilwand

am Ende der Tour noch genügend

Kraft in den Waden hat, kann vom

Parkplatz aus den Ausfl ug zum Wasserfall

dranhängen (1/2 Std., kostet

allerdings Eintritt). Bei schönem

Wetter empfi ehlt sich ein Bad im

Wocheiner See.

Ausgangspunkt: Koca na Planini pri

Jezeru (1453 m)

Hütte: Dom Savica (653 m)

Route: Koca na Planini pri Jezeru

– Alm Viševnik (1615 m) – Pršivec

– Alm Viševnik – Crno jezero (1294) –

Dom Savica

10⁄14 Bergsteiger 53


AUF TOUR

1

Familien-TIPP

MMM – Messner Mountain Museum // Teil 1: Firmian, Juval, Ortles

Mensch, Kunst, Eis

2

3

54 Bergsteiger 10⁄14


Im kommenden Winter wird Reinhold Messners

sechstes Museum am Kronplatz fertig, nach Schloss

Juval, Firmian (Sigmundskron), Ortles (Sulden),

Dolomites (Monte Rite) und Ripa (Schloss Bruneck).

Erster Teil einer Bilanz Von Eugen E. Hüsler

4

5

Ein Mann und sechs Museen. Unmöglich!

»Ein Museum, das aus

sechs Teilen besteht«, korrigiert

Reinhold Messner. Halt so, wie

ein Buch mehrere Kapitel hat

und trotzdem eine Einheit bildet. Gerade

»schreiben« Handwerker am sechsten, letzten

Teil, der im Winter eröffnet wird, oben

am Kronplatz, wo Schnee eindeutig wichtiger

ist als Kultur. Ganz anders in Schloss

Sigmundskron – hier atmet jeder Stein

Geschichte. Um die Mitte des 10. Jahrhunderts

wird in den Urkunden erstmals ein

befestigter Platz erwähnt, später diente

die Burg Formigar den Bischöfen von

Trient als Stützpunkt. Von dieser alten

Feste sind neben einigen Grundmauern

die Kapellenruine und ein Viereckturm

der unteren Vorburg erhalten. 1473 kaufte

Erzherzog Sigmund »der Münzreiche« die

Burg und ließ sie als Bollwerk gegen die im

Etschtal vordringenden Venezianer großzügig

ausbauen. Weil ihm das Geld ausging,

musste er Sigmundskron allerdings

bald verpfänden. In der Folgezeit verel

die Anlage mehr und mehr, auch einige

Besitzerwechsel änderten nichts daran.

1957 machte Sigmundskron noch einmal

Schlagzeilen: Aus Protest gegen die Nichteinhaltung

der Pariser Verträge (»Los von

Trient!«) durch die italienische Regierung

versammelten sich in der Burg 30 000 Südtiroler,

angeführt vom Landeshauptmann

Silvius Magnago.

Heute ist die ausgedehnte Anlage das Herzstück

von Reinhold Messners Museum. Ein

Platz wie geschaffen für ein Museum, das

erinnern und zum Nachdenken anregen

will. Ob das Konzept dann auch funktioniert,

wisse man – sagt Messner selbst

– erst nach ein paar Jahren. Wenn man

an einem Frühlingstag im Hof des Schlosses

sitzt und sich umschaut, kommen da

kaum Zweifel auf. Besucher aus nah und

fern, jeder und jedem ist der Bergsteiger

aus dem Villnößtal ein Begriff.

Foto: xxxxxxxxxxxxxxxxxxx

1 Sigmundskron steht auf Bozner Porphyr

über dem Etschtal 2 Das erste der Messner

Museen thematisiert die Auseinandersetzung

des Menschen mit den Bergen.

3 Schloss Juval beherbergt vor allem die

Kunstgegenstände, die Reinhold Messner

von seinen Expeditionen mitgebracht hat.

4 Juval ist seit 1983 im Besitz von Messner.

5 Ortles, gebaut von dem Vinschger Architekten

Dr. Arnold Gapp, ist gänzlich unterirdisch

angelegt. Das Glasfenster in der

Decke hat die Form einer Gletscherspalte.

10⁄14 Bergsteiger 55


Freiheit. Vielleicht der Schlüsselbegriff für

einen, der ausziehen sollte in die weite Welt,

auf der Suche nach Herausforderungen

1

2

Wie es denn angefangen hat? »In Juval, da

wohne ich mit meiner Familie. Und irgendwann

stellte sich die Frage: Wohin mit all

den Sachen, die ich aus aller Welt mitgebracht

habe?« So wurde Juval zum Museum,

entstand in Sulden jener Museumsteil,

der ganz dem Eis gewidmet ist – durchaus

passend unter dem höchsten Berg Tirols,

der dem Museum auch seinen Namen gegeben

hat (Ortles). Und schließlich Firmian

(Sigmundskron), gegen zunächst heftigen

Widerstand aus Bozen. Schließlich siegte

die Hartnäckigkeit Messners, aber auch

sein Konzept, das sich als überlegen erwies.

Der Vinschgauer Architekt Werner Tscholl

lieferte die Pläne für das Museum, Messner

brachte über 2000 Exponate ein. Mitgebracht

aus den Bergen der Welt – Raubkunst,

wie in der Sammlung Gurlitt?

»Ich habe für jedes einzelne Stück ein amtliches

Dokument – sonst darf man überhaupt

keine Kunst außer Landes bringen,

nicht einmal in Nepal«, betont Messner.

Doch, so fügt er an, und seine Augen lachen,

wenn das Dokument nicht echt sei,

»wie soll ich das wissen?«

Ein Mann und sein Museum. Die Geschichte

des Reinhold Messner, sie hat hier ihren

Platz gefunden, zwischen all den Ausstellungsstücken,

von denen jedes auch seine

eigene Geschichte hat. Die Welt der Berge

– sie ndet sich in den Bergen Südtirols,

an sechs Plätzen. Und immer, wenn

du durch ein Fenster, über eine Mauer

schaust, stehen da Berge.

Zeit zu gehen. Ein Händedruck, ein Lächeln.

Routiniert, aber sympathisch. ◀

1 Im Museum Ortles in Sulden dreht sich

alles um die Themen Eis, Schnee, Gletscher

und Lawinen. 2 Tibetische Gebetsfahnen

in Sigmundskron/Firmian

Die Wiege in Villnöß

Das Motiv ist schon zigtausend Mal um die

Erde gereist, früher auf belichtetem Zelluloid,

heute digital winzig, es schmückt Kalender

und Bücher, die von Bergen und von

heiler Südtiroler Welt erzählen: ein Kirchlein

mit spitzem Turm, saftige Wiesen und

darüber die Geislerspitzen, in den blauen

Himmel stechend. Ein Bild wie gemalt, und

jedem, der im Alltag an den PC gefesselt ist

und Betontürme um sich hat, muss es wie

die perfekte Gegenwelt erscheinen.

Da wurde Reinhold Messner geboren, als

Sohn eines Lehrers vor sieben Jahrzehnten,

in eine Welt, in der die Kirche mitregierte

und der Horizont ein enger war, nicht nur

der Berge wegen. Hier galten feste Regeln,

hieß es vor allem: gehorchen. Die Gipfel

dagegen, sie versprachen Freiheit.

Freiheit. Vielleicht der Schlüsselbegriff

für einen, der später ausziehen sollte in

die weite Welt, immer auf der Suche nach

neuen Herausforderungen.

Das Erbe einbringen?

Und der als Gipfelstürmer und Weltbereisender

mehr mitbrachte als nur Eindrücke

und Erinnerungen. Der Wanderer hinter

dem Horizont, der Grenzgänger aus Passion,

er kam zurück, um mitten in Südtirol

seinen »15. Achttausender« zu besteigen.

So hat Reinhold Messner sein Museum

genannt, und vielleicht war’s ja sogar der

schwierigste, höchste Gipfel seines Lebens.

INFO

Die Öffnungszeiten

der Museen

▶ Firmian (Sigmundskron, bei Bozen):

Mensch und Berg. Geöffnet vom ersten

Sonntag im März bis zum dritten Sonntag

im November 10–18 Uhr (Einlass bis 17 Uhr);

Do geschlossen. Sonderausstellungen

▶ Juval (Vinschgau): Kunstsammlungen

aus fünf Kontinenten. Geöffnet vom vierten

Sonntag im März bis zum 30. Juni und

vom 1. September bis zum ersten Sonntag

im November 10–16 Uhr; Mi geschlossen

(Führungen). Zugang von Staben (Shuttlebus)

oder von Tschars über den Schnalswaal

▶ Ortles (Sulden): Eis. Geöffnet vom vierten

Sonntag im Mai bis zum zweiten Sonntag

im Oktober und vom zweiten Sonntag im

Dezember bis zum 1. Mai 14–18 Uhr,

Juli/August 13–19 Uhr; Di geschlossen

Fotos: Manfred Kostner (6), Dr. Arnold Gapp (2)

56 Bergsteiger 10⁄14


TOUREN

3 x 3 Touren nach einem Museumsbesuch

Wir haben für Sie schöne Wanderungen in Südtirol ausgesucht, die Sie ideal mit einem Ausflug

zu einem der Messner Mountain Museen verbinden können.

FIRMIAN

1 Überetscher Burgenrunde

▶ leicht 1¾ Std.

250 Hm 250 Hm

Charakter: Hocheppan zählt zu den

schönsten Burgen des Landes; vom

Bergfried der Ruine Boymont genießt

man einen herrlichen Blick über den

Bozner Talkessel bis zu den Dolomiten.

Ein Wanderklassiker für Jung und

Alt, Einkehr in beiden Burgen.

Talort: St. Pauls (394 m), Ortsteil der

Großgemeinde Eppan

Ausgangspunkt: Parkplatz (435 m)

bei Schloss Korb; Zufahrt von St. Pauls

Gipfel/Hochpunkt: Hocheppan

Wegverlauf: Parkplatz – Hocheppan

– Boymont (580 m) – Parkplatz

Markierungen:

12, 14

2 Girlan (434 m)

Tourenkarte 8

Heftmitte

▶ leicht 2½ Std.

240 Hm 240 Hm

Charakter: Von Reinhold Messners

großen Bergen ins Weinparadies des

Überetsch führt dieser ausgedehnte

Spaziergang mit Wendepunkt in

Girlan.

Talort: Frangart (246 m)

Ausgangspunkt: Parkplätze (330 m)

bei Schloss Sigmundskron

Gipfel/Hochpunkt: Marklhof (448 m)

Wegverlauf: Parkplatz – Marklhof –

Girlan – Parkplatz

Markierungen: 1, 2B, 2A, 2

3 Die Eppaner Eislöcher (560 m)

▶ leicht 1¾ Std.

180 Hm 180 Hm

Charakter: Oberhalb von St. Michael

versteckt sich in einer von Bergsturztrümmern

übersäten Mulde ein

besonderes Naturphänomen: die

Eislöcher. Und da ist es sogar mitten

im Sommer empfi ndlich kühl.

Talort: St. Michael (411 m), Zentrum

der Gemeinde Eppan

Ausgangspunkt: St. Michael

Gipfel/Hochpunkt: Eislöcher (560 m)

Wegverlauf: St. Michael – Gleifkapelle

(555 m) – Schloss Moos-Schulthaus

(530 m) – Eislöcher – Stroblhof

(512 m) – Pigeno – St. Michael

Markierungen: 8B, 15, 7A

JUVAL

4 Waalwanderung nach

Schloss Juval (927 m)

▶ leicht 2¾ Std.

330 Hm 330 Hm

Charakter: Der Schnalser Waal ist

der längste im Vinschgau; etwas

tiefer am Hang verläuft der Tarscher

Schnalswaal. Beide lassen sich

zu einer schönen Runde verbinden,

natürlich mit einem Abstecher zum

MMM auf Schloss Juval.

Talort: Tschars (598 m)

Ausgangspunkt: Bahnhalt Tschars

oder Parkplatz am Ortsrand

Gipfel/Hochpunkt: Schloss Juval

Wegverlauf: Tschars – Schnalser

Waal – Sonnenhof (830 m) – Schloss

Juval – Sonnenhof – Stabener

Schnalswaal – Tschars

Markierungen: 1A, 3, 1

5 Rundweg Katharinaberg

▶ leicht 2½ Std.

400 Hm 400 Hm

Charakter: Wenig anstrengende

Wanderrunde über dem untersten

Schnalstal mit Tiefblicken in die

Mündungsklamm des Tals. Mächtiges

Gegenüber: die Trumser Spitze

(2942 m) mit ausladenden Graten.

Talort: Staben (554 m) an der

Vinschgauer Straße

Ausgangspunkt: Katharinaberg

(1245 m)

Gipfel/Hochpunkt: Wand (1459 m)

Wegverlauf: Katharinaberg – Jausenstation

Kopfron (1445 m) – Wand –

Unter Perfl (1417 m) – Katharinaberg

Markierung: 24, 10A

6 Oberjuval (1316 m)

▶ mittel 4½ Std.

720 Hm 720 Hm

Charakter: Zuerst die Steppenlandschaft

des Vinschgauer Sonnenbergs –

einen ganz besonderen Lebensraum –

kennenlernen und dann Schloss Juval

besuchen. Ideal im Frühling und Herbst

– im Sommer sehr schweißtreibend.

Talort: Tschars (598 m)

Ausgangspunkt: Bahnhalt Tschars

oder Parkplatz am Ortsrand

Gipfel/Hochpunkt: Oberjuval

Wegverlauf: Tschars – Oberschönegg

(1044 m) – Oberjuval – Schloss Juval

(927 m) – Schnalser Waal – Tschars

Markierung: 1A, 1, 3

SULDEN

7 NATURAronda Sulden

▶ mittel 2½ Std.

200 Hm 200 Hm

Charakter: Origineller Erlebnispfad

mit sieben Stationen im Talschluss

von Sulden. Am Wendepunkt 44

Meter lange Hängebrücke, unweit der

Mündung des Rosimtals das Bärenbad

(Wasserfall, Tretbecken). Ideal für

die ganze Familie

Talort: Sulden (1860 m)

Ausgangspunkt: Talstation des

Kanzel-Liftes (1845 m)

Gipfel/Hochpunkt: Hängebrücke

(ca. 2080 m)

Wegverlauf: Liftstation – links des

Suldenbachs taleinwärts – Weg 2A –

Hängebrücke – Bärenbad – Sulden

Markierung: 7, 2A, 1

8 Düsseldorfer Hütte (2721 m)

▶ mittel 3½ Std.

330 Hm 810 Hm

Charakter: Die Hütte im Zaytal zählt

zu den beliebtesten Wanderzielen

von Sulden; in der näheren Umgebung

verstecken sich zwischen Bergsturztrümmern

zahlreiche kleine Lacken.

Großartig das Berghalbrund mit der

Vertainspitze (3545 m).

Talort: Sulden (1860 m)

Ausgangspunkt: Bergstation des

Kanzelliftes (2348 m)

Gipfel/Hochpunkt: Düsseldorfer

Hütte (2721 m)

Wegverlauf: Liftstation – Zaytal

– Düsseldorfer Hütte – Zaytal –

Sulden

Markierung: 12, 5

Tourenkarte 9

Heftmitte

9 Hintergrathütte (2661 m)

▶ mittel 3¼ Std.

350 Hm 820 Hm

Charakter: Der eisigen Hochgebirgswelt

des Ortlers kommt man auf

dieser Höhen- und Hüttenwanderung

ziemlich nahe. Grandios der Blick von

der Hintergrathütte auf den Suldenferner

und die Königsspitze (3851 m).

Und sogar das »End’ der Welt«

ist nicht fern: So heißt der kleine

Gletscher unter dem Ortler-Hintergrat.

Talort: Sulden (1860 m)

Ausgangspunkt: Bergstation des

Langensteinliftes (2330 m)

Gipfel/Hochpunkt: Hintergrathütte

Wegverlauf: Liftstation – Morosiniweg

– Hintergrathütte – Sulden

Markierung: 3, 2

Gipfelraten im MMM Firmian

10⁄14 Bergsteiger 57


TIPP

12 Tourenkarten zum Mitnehmen

Die besten Touren aus Bergsteiger 10/14

Dolomiten, Berner, Allgäuer, Stubaier,

Ötztaler Alpen, Karwendel

Abtrennen

Falten

Einstecken

2 Wertacher Hörnle, 1 Sorgschrofen, abwechslungsreiche

4 Grieskogel,

7 Wörner, lange,

5 Leitner Berg,

11 Ferrata Tomaselli,

gemütliche Wanderung

auf guten Wegen

Berg-

tour, teils ausgesetzt

leichte Wanderung mit

grandioser Aussicht

markierte Bergtour in

Schrofengelände

stille Wanderung auf

Almstraßen und Wegen

viel begangener,

schwieriger Klettersteig

6 Rund um den Lohner,

3 Saldurspitze,selten 9 Düsseldorfer

8 Hocheppan, leichte 10 Ferrata Pisciadù,

anspruchsvolle,

zweitägige Rundtour

durchgeführte Hochtour,

meist unmarkiert

Hütte, wenig anstrengende

Wanderung

Wanderung, ideal für

Familien mit Kindern

legendärer Klettersteig

mit Hängebrücke

12 Ferrata Costantini,

langer, technisch

schwieriger Klettersteig

GPS-Daten als Download unter www.bergsteiger.de, falls vorhanden

Tourenart

Schwierigkeit

Wandern Klettern Klettersteig Hochtour Skitour

Blau: leicht Rot: mittel Schwarz: schwierig


TIPP

Allgäuer Alpen Sorgschrofen (1636 m)

1

Mit kleiner Klettereinlage auf großartigen Felskamm

Zunächst ein teils schmaler Bergpfad, dann eine Drahtseil- gesicherte Kletterstelle und zuletzt

ein leicht ausgesetzter Gipfelkamm – auch Alpenrandgipfel können mitunter etwas alpinen Flair

verbreiten.

aus Bergsteiger 10/2014 – Seite 32

850 Hm | 3¾ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort/Ausgangs- und Endpunkt: Jungholz/

Lift-Parkplatz (1058 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug nach

Sonthofen und weiter mit Bus 9748 nach Jungholz

Gehzeiten: Jungholz – Älple-Alpe 1 Std. – Sorgschrofen

2 Std. – Älple-Alpe 3 Std. – Jungholz 3¾ Std.

Beste Jahreszeit: September/Oktober

Karte/Führer: AV-Karte 1:25 000,

BY 3 »Allgäuer Voralpen Ost«; M. Pröttel »Alpen für Anfänger –

Allgäu«, J. Berg Verlag

Fremdenverkehrsamt: Infobüro Jungholz,

Tel. 00 43/56 76/81 20,

www.tannheimertal.com/region-orte/jungholz.html

Einkehr: unterwegs keine; nach der Tour zahlreiche Möglichkeiten

in Jungholz

Charakter/Schwierigkeiten: Abwechslungsreiche Bergtour,

die im letzten Teil Trittsicherheit und zum Schluss auch Schwindelfreiheit

erfordert. Nicht bei Nässe!

TIPP

Allgäuer Alpen Wertacher Hörnle (1695 m)

2

Über sonnenverwöhnte Südosthänge zu beliebtem

Aussichtsberg

Eine gemütliche Hütte zur Einkehr, ein idyllischer Bergsee und

traumhafte Gipfelblicke – am Wertacher Hörnle bleiben so gut wie

keine Bergsteigerwünsche offen. Die Wege sind auch für Kinder

gut zu meistern: also eine typische Familientour.

650 Hm | 3½ Std.

aus Bergsteiger 10/2014 – Seite 32

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Unterjoch (1014 m)

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz nördlich des

»Gasthaus am Buchl« (1050 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug nach

Sonthofen und weiter mit Bus 9748 nach Unterjoch/

Obergschwend

Gehzeiten: Wanderparkplatz – Buchelalpe 45 Min. – Wertacher

Hörnle 1¼ Std. – Buchelalpe 1 Std. – Wanderparkplatz 30 Min.

Beste Jahreszeit: September und Oktober

Karte/Führer: AV-Karte 1:25 000, BY 3 »Allgäuer Voralpen

Ost«; M. Pröttel »Alpen für Anfänger – Allgäu« J. Berg Verlag

Fremdenverkehrsamt: Verkehrsverein Oberjoch,

Tel. 0 83 24/77 09, www.oberjoch.info

Einkehr: Buchelalpe (1241 m), Montag Ruhetag,

www.buchelalpe.de

Charakter/Schwierigkeiten: Die Hälfte des Anstiegs verläuft

auf Fahrwegen, was wegen der sehr abwechslungsreichen

Landschaft der Tour aber keinen Abbruch tut.

TIPP

Ötztaler Alpen Saldurspitze (3433 m)

3

Selten begangen, doch empfehlenswert

Im Gegensatz zu Similaun und Weißkugel sind an der Saldurspitze keine Massen von Bergsteigern

unterwegs. Die abwechslungsreiche Überschreitung führt meist weglos und steil über Schotter und

Gletscher. Sie endet in einem wilden Seitental mit mäandernden Bächen und Alpenrosen-Büscheln.

aus Bergsteiger 10/2014

1420 Hm | 8 Std.

Hochtouren-Ausrüstung

inkl. Helm, Seil, Steigeisen

Talort: Schnals (1290 m)

Ausgangspunkt: Kurzras (2011 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Zug bis Naturns, Linienbus

von Meran über Naturns bis Kurzras

Gehzeiten: Kurzras – Lazaunhütte 1 Std. – Lazaunferner

– Sattel (3¾ Std.) – Saldurspitze (4½ Std.) – Lagaunferner

– Lagauntal – Kurzras (8 Std.)

Beste Jahreszeit: Juli bis Mitte September

Karte: Kompass 1:25 000, Blatt 051 »Naturns – Latsch –

Schnalstal«; Tabacco 1:25 000, Blatt 04 »Schnalstal«

Führer: Walter Klier »Alpenvereinsführer Ötztaler Alpen«,

Bergverlag Rother, 2005

Fremdenverkehrsamt: Tourismusbüro Schnalstal, Karthaus

42, I-39020 Schnalstal, Tel. 00 39/04 73/67 91 48,

www.schnalstal.com, info@schnalstal.it

Einkehr: Lazaunhütte (2427 m), geöffnet Mitte Juni bis Anfang

Oktober, Hotels in Kurzras

Charakter/Schwierigkeiten: Die Tour zur Saldurspitze wird

selten begangen und ist ab der Lazaunhütte nicht mehr markiert.

Der steile Aufschwung über den Lazaunferner verlangt Trittsicherheit

(ideal bei viel Altschnee). Am Grat (I) klettert man durch

steinschlaggefährdetes, äußerst bröckeliges Gelände. Beim

ebenfalls unmarkierten Abstieg ins Lagauntal durch die steilen

Rinnen mit losem Schotter und Altschneeresten ist sehr gute

Orientierung gefragt.


TIPP

Allgäuer Alpen Sorgschrofen (1636 m)

TIPP

Aufstieg: Vom Parkplatz folgt man der Straße bis zum

Gebäude der Volksbank und wendet sich dahinter nach

links ab »Beschilderung Sorgschrofen 1¾ Std.«. Eine

steile Teerstraße führt in den Wald hinein und wird später

zu einer Schotterstraße. Dieser folgend erreicht man

wieder fl acher eine große Wiese, wo die Straße endet.

Man geht noch ein Stück geradeaus und wendet sich,

einem weiteren Wegweiser folgend, nach links. Der Wiesenpfad

führt steiler bergan und stößt auf einen Fahrweg.

Diesem folgt man nach rechts, durchquert ein Waldstück

und gelangt auf die Wiesenhänge der Älple-Alpe. An

dieser geht man links vorbei und auf einem Fußweg auf

die Bergstation des obersten Liftes zu. Hat man diesen

unterquert, wendet man sich nach rechts und folgt einem

teils erodierten Bergpfad bergan. Der Pfad erreicht einen

Rücken und wendet sich nach rechts. Bald sind schmale

Abschnitte einer Querung zu meistern, die Trittsicherheit

erfordern. Kurz darauf steht man unter einem steilen

Schrofenhang. Nahezu weglos zieht der Steig in wenig

ausgeprägten Serpentinen bergan.

Schließlich führt der Anstieg zu einer Scharte hinauf. Kurz

bevor man diese erreicht, wendet man sich nach rechts, wo man

ein Stahlseil erkennen kann. Dieses hilft über eine kurze, steilere

Felspassage, die nach rechts zum eigentlichen Gipfelgrat führt.

Zuletzt geht es über den Grat hinüber zum Hauptgipfel, wobei

ganz am Schluss noch einmal eine kleine, mit einem Drahtseil

gesicherte Kletterstelle zu meistern ist.

Abstieg: auf der gleichen Route

Michael Pröttel

Allgäuer Alpen Wertacher Hörnle (1695 m)

Der Sorgschrofen ist ein

kecker kleiner Felsgipfel.

Aufstieg: Am gebührenpfl ichtigen Wander-Parkplatz

wählt man nicht die an dessen Nordwestende beginnende

asphaltierte Almstraße, sondern folgt der Hauptstraße

nach Süden bis zum »Gasthaus am Buchl«. An diesem

geht man links vorbei und wendet sich gleich dahinter

nach rechts von dem Teerweg ab. Über einen Wiesenpfad

geht es zu einem Hof und an diesem nach rechts. Ganz

kurz folgt man einem Fahrweg, den man an einem Wegweiser

nach links gleich wieder verlässt. Ein Wiesenpfad führt

zu einem Waldstück, das durchquert wird, um sogleich

wieder in freiem Gelände anzusteigen. Schließlich wird

der Weg breiter und stößt auf den geteerten Fahrweg, der

zur Buchelalpe führt. Hinter dieser muss man ein längeres

Stück einer Teerstraße entlang bergan folgen. Ab dem

nächsten Waldrand wird die Straße wieder zum Erdweg

und ein Stück lang zum Pfad, bevor man nach einer Lichtung

wieder auf eine quer verlaufende Almstraße stößt.

Dieser folgt man fl ach nach links.

Der Fahrweg erreicht eine große Almwiese. Dort folgt man

dem Wegweiser »Wertacher Hörnle« nach rechts. Es geht

nun etwas steiler bergan, bis man auf einem Wiesen-Plateau

einen weiteren Wegweiser erreicht. Ab hier führt der Anstieg

als schmaler Bergweg nach links, auf einen langgezogenen Kamm

hinauf, dem man nach rechts zum Gipfel folgt.

Abstieg: auf der gleichen Route

Michael Pröttel

Ein kleiner Bergsee sorgt für

zusätzliche Abwechslung.

Foto: Michael Pröttel Foto: Michael Pröttel

TIPP

Ötztaler Alpen Saldurspitze (3433 m)

Aufstieg: Von der Talstation des Lazaunlifts führt der Weg

in weiten Kehren und markiert bis zur Lazaunhütte. Man

kann auch die steilere Direttissima über den Wiesenstreifen

der Piste nehmen, was zwar in die Waden geht, aber erheblich

kürzer ist. Auf der Schulter bei der Lazaunhütte

öffnet sich eine Ebene mit einem Hochmoor, hinter der

steiles Schottergelände in die Moränenkämme des Gletschers

übergeht. Nördlich des Baches folgt man spärlichen

Steinmännchen weglos aufwärts bis zum Moränenkamm,

auf dem man nach rechts/Norden bis in die breite

Rinne unterhalb der Gletscherzunge quert. Ist noch genug

Altschnee vorhanden, lässt sich der nun folgende, unbequeme

Anstieg durch steiles Schottergelände vermeiden.

Am Gletscher muss man sich entscheiden: entweder

rechts etwas sanfter, aber nahe den Steinschlagrinnen

aufwärts, oder links über den steilsten Teil des Gletschers

(bis 45 Grad). Am Joch geht es vom Eis in den äußerst

brüchigen Fels. Der Grat zum Gipfel bietet zwar keine allzu

großen technischen oder Orientierungs-Schwierigkeiten

(I), dafür extreme Steinschlaggefahr. Wer will, kann die

Tour über den Grat noch ein Stück verlängern bis zum

etwas höheren Nachbargipfel der Lagaunspitze (3439 m).

Abstieg: Von der Saldurspitze geht es am Grat wenige Meter

südwestwärts und dann durchs bröckelige, steile Gelände in den

Firn. Vorsicht beim Überwinden der (bei viel Altschnee unsichtbaren)

Randkluft! Bei Nebel beginnen die Orientierungsschwierigkeiten

bereits auf dem nun folgenden breiten und fl achen

Lagaunferner. Auf dem Eis geht es auf der rechten Seite des Gletschers

abwärts bis zur Zunge und weiter über diverse Altschneebzw.

Schotter-Rinnen (immer leicht nach rechts querend) dem

Talboden entgegen. Sobald der steile Schotter von sanften, grünen

Wiesenmatten zwischen dem mäandernden Wasser abgelöst

wird, liegen die größten Schwierigkeiten der Tour hinter einem.

Damit lässt sich der weitere Abstieg zwischen Alpenrosen-Büscheln,

Bacharmen und schließlich durch duftenden Lärchenwald zurück

nach Kurzras unbeschwert genießen. Dagmar Steigenberger

Rauschendes Wasser

begleitet den Aufstieg.

Foto: Joachim Stark


TIPP

Stubaier Alpen Grieskogel (2158 m)

4

Ruhige Wanderung mit Kalkkögelblick

Die Tour auf den Grieskogel führt zunächst auf den bekannteren Salfains, der den nördlichen

Eckpfeiler eines langen Höhenzugs bildet. Dieser Bergkamm zieht sich vom Salfains über den

Grieskogel weiter bis zu Breitschwemmkogel, Angerbergkopf und Schaflegerkogel.

aus Bergsteiger 10/2014 – Seite 44

1100 Hm | 5 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Grinzens (945 m) im Sellrain

Ausgangspunkt: Parkplatz am Sportplatz (1040 m)

in Grinzens

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahnverbindung nach

Innsbruck und weiter mit dem Bus durchs Sellrain nach

Grinzens

Gehzeiten: Anstieg 3 Std., Abstieg 2 Std.

Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober

Karte: Alpenvereinskarte 1:50 000, Nr. 31/5 »Innsbruck«;

Kompass-Karte 1:50 000, Nr. 83 »Stubaier Alpen«

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Stubai Tirol,

A-6167 Neustift im Stubaital, Tel. 00 43/(0)50 18 81-0,

www.stubai.at

Hütte: keine

Charakter/Schwierigkeiten: Gemütliche Wanderung aus

dem Sellrain mit toller Aussicht auf die Kalkkögel im oberen Teil.

Technisch ist die Tour nicht schwierig, man bleibt auf Wanderwegen

und Pfaden, und das Gelände ist kupiert. Wem es lediglich

um den einfachsten und schnellsten Weg zum Gipfel geht, kann

auch aus dem Senderstal starten und geht dann überwiegend auf

einer Almstraße. Für die Erweitung bis zum Schafl egerkogel sollte

man trittsicher sein und Orientierungsfähigkeiten mitbringen, da

hier teils nur Steigspuren vorhanden sind.

TIPP

Stubaier Alpen Leitner Berg (2309 m)

5

Aus dem Obernbergtal

Zwischen Gschnitztal und Obernbergtal liegt der sanfte Höhenrücken mit Kastner Berg, Leitner

Berg, Egger Berg und Nösslachjoch. Im Sommer kann man hier wunderbar wandern – abseits jeden

Trubels. Als Blickfang dienen die Tribulaune und natürlich der kleine Lichtsee.

aus Bergsteiger 10/2014– Seite 44

900 Hm | 5 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Obernberg am Brenner (1380 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz Obernberger See (1439 m)

im Obernbergtal

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahnverbindung bis

Steinach im Wipptal und weiter mit dem Bus nach

Obernberg

Gehzeiten: Anstieg 3 Std., Abstieg 2 Std.

Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober

Karte: Alpenvereinskarte 1:50 000, Nr. 31/3 »Brenner-

berge«; Kompass-Karte 1:50 000, Nr. 83 »Stubaier Alpen«

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Stubai Tirol,

A-6167 Neustift im Stubaital, Tel. 00 43/(0)50 18 81-0,

www.stubai.at

Hütten: keine

Charakter/Besonderheiten: Die Tour auf den Leitner Berg

ist eine einfache Wanderung, die anfangs auf Almstraßen verläuft

und erst kurz oberhalb der Kastenalm auf einen markierten

Wanderweg führt. Schön sind die Ausblicke über die drei begrenzenden

Täler: Gschnitztal, Wipptal und Obernbergtal sowie auf

die markanten Gipfel der Tribulaune, des Habichts und jenseits

des Wipptals der Zillertaler Berge.

TIPP

Berner Alpen Rund um den Lohner

6

Panoramawege der Extraklasse

Zwischen Kandersteg und Adelboden erhebt sich das mehrgipflige Lohner-Massiv. Eine Rundtour

über Üschene- und Engstligengrat, später quer durch den grimmigen Westabbruch und schließlich

über die Bunderchrinde vermittelt eine Fülle von Eindrücken und Emotionen.

aus Bergsteiger 10/2014

2400 Hm | 2 Tage

normale Bergausrüstung

(inklusive Übernachtung)

Talort: Kandersteg (1176 m) im Berner Oberland

Ausgangspunkt: Im Üschenetal, bei P. 1621 hinter

Usser Üschene

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Kandersteg,

Postauto bis Eggeschwand; Seilbahn nach Sunnbüel und

Aufstieg zum Üschenegrat möglich

Gehzeiten: 1. Tag Engstligenalp 6 Std.; 2. Tag 6½ Std.

Höhenmeter: 1. Tag 1200 Hm Aufstieg, 870 Hm

Abstieg; 2. Tag 1200 Hm Aufstieg, 1530 Hm Abstieg

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis Oktober, wenn schneefrei!

Karten/Literatur: Swisstopo, 1:50 000, Blatt 263 T »Wildstrubel«;

1:25 000, Blätter 1247 »Adelboden« und 1267 »Gemmi«;

Mark Zahel »Panoramawege Schweiz«, Bruckmann Verlag, 2012

Fremdenverkehrsamt: CH-3718 Kandersteg, Tel. 00 41/

(0)33/67 5 80 80

Hütten: Berghaus Bärtschi (1937 m), Tel. 00 41/(0)33/

6 73 13 73; Berghotel Engstligenalp (1952 m), Tel. 00 41/

(0)33/6 73 22 91; Lohnerhütte (2171 m), Tel. 00 41/

(0)33/67 3 04 87 oder 00 41/(0)79/4 31 54 25

Charakter/Schwierigkeiten: Großzügige zweitägige Wanderrunde,

zumeist auf mittelschweren Bergwegen, im Abschnitt quer

durch die Lohner-Westfl anke aber deutlich anspruchsvollere

alpine Route, die absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

verlangt und bei Nässe oder Schnee zu meiden ist (ab und zu

gesichert, jedoch längst nicht an allen heiklen Stellen).


TIPP

Stubaier Alpen Grieskogel (2158 m)

TIPP

Aufstieg: Vom Parkplatz geht man auf einem markierten

Wanderweg in etlichen Serpentinen durch die Waldfl anke

hinauf. Unterbrochen wird diese Passage durch die Lichtung

mit dem Jagdhaus Nederer Hütte (1633 m). Ab hier

geht man nochmals ca. eine Dreiviertelstunde bis zur

Waldgrenze und gelangt schließlich über Wiesengelände

zum Salfains (2000 m), mit schönem Ausblick auf die

Kalkkögel. (Hierher auch über die Mautstraße ins Senders -

tal und den Aufstieg über eine Almstraße zur Salfainsalm

und zum Salfains.)

Vom Salfains mit seinem schönen See, an dem es rechts

vorbeigeht, hält man sich weiter in südlicher Richtung.

Am Rücken entlang geht es kurz hinab, dann anfangs

mäßig, schließlich etwas steiler hinauf auf den Gipfel des

Grieskogels.

Wer noch weitergehen möchte, kann den Rücken weglos

und auf Steigspuren verfolgen und gelangt leicht steigend

auf den Breitschwemmkogel (2264 m). Von hier ist der

Weiterweg zum Angerbergkopf (2399 m) möglich (zusätzlicher

Zeitbedarf 1½–2 Std.). Der Abstieg erfolgt dann entweder

zwischen Angerbergkopf und Schafl egerkogel nach

Stubaier Alpen Leitner Berg (2309 m)

Aufstieg: Vom Parkplatz beim Gasthof Waldesruh geht

man auf einer gesperrten Almstraße nach Westen zum

Waldbauer. Hier biegt die Straße nach rechts um und

führt in ein paar großen Serpentinen hinauf zur (unbewirtschafteten)

Kastenalm (1734 m).

Kurz nach den Almgebäuden ändert das Sträßchen die

Richtung nochmals; in westlicher Richtung bleibt man

noch kurz auf der Straße und verlässt sie dann an einer

beschilderten Verzweigung, um auf einem Fußweg nach

rechts abzubiegen. Über Wiesengelände geht es nun

hinauf zum Lichtsee (2101 m), der in einer Senke nahe

des Trunajochs liegt. Dieses bildet den Übergang ins

Gschnitztal, von dem man ebenfalls zum Leitner Berg

aufsteigen kann.

Der Weiterweg ist durch den breiten Rücken vorgegeben,

der vom Lichtsee über den Leitner Berg bis zurm Egger

Berg führt. Oberhalb des Lichtsees hält man sich nach

Nordosten und wandert auf einem Pfad auf diesem

Rücken entlang und an einigen Moortümpeln vorbei bis

zum höchsten Punkt des Leitner Bergs.

Abstieg: Auf dem Anstiegsweg steigt man auch ab.

Westen zum Bergheim Fotsch oder nach dem Schafl egerkogel ins

Kreuzjöchl und nach Osten ins Senderstal und über die Kemater

Alm nach Grinzens.

Abstieg: Im Abstieg geht es vom Grieskogel zurück in den Sattel

zwischen Grieskogel und Salfains und nach Osten hinab ins Senderstal

und so zurück nach Grinzens.

Andrea Strauß

Blick auf die Kalkkögel

Alternativ kann man vom Lichtsee auch direkt nach Süden

absteigen. Anfangs hält man sich dazu nach Südosten, dann

geht es über teils steile (aber unschwierige) Flanken hinab und

durch Hochwald bis ins Wiesengelände über Außertal. Links

des Schmirnerbachs bleibend gelangt man zur Straße durchs

Obernbergtal. Dieser Alternativabstieg ist vor allem für jene interessant,

die mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind und

nicht zurück zum Ausgangspunkt müssen. Andrea Strauß

In Obernberg am Brenner startet die Tour.

Foto: Andreas Strauß Foto: Andreas Strauß

TIPP

Berner Alpen Rund um den Lohner

Route: Aus dem Üschene-Talgrund zu einer Alp am

linksseitigen Hang (P. 1730) und auf einem teils lehmigen

Steig über die Schafweiden von Gällenen zum Gratsattel

P. 2165, wo der Zugang von Sunnbüel mündet. Ein paar

Schritte weiter ist ein Abstecher auf das Gällihorn (2284

m) möglich. Der Höhenweg bleibt im Wesentlichen auf der

Westseite des Üschenegrats, tangiert zwischendurch aber

auch die Krete und steigt schließlich deutlicher zur Wyssi

Flue (2472 m) an. Über deren Plateau zum Schwarzgrätli

(2383 m) und einem massig-brüchigen Felsaufbau

nordseitig ausweichen. Es folgen die Passage quer durchs

vordere Tälli mit seinen Grasböden und der Gegenanstieg

auf die Höhe des Engstligengrats. Man überschreitet

die Kuppe P. 2659 und geht unmittelbar am Tschingellochtighorn

südlich vorbei auf den zur Engstligenalp

abstreichenden Ärtelengrat. Im Alpdorf befi nden sich zwei

Unterkünfte.

Am zweiten Tag zunächst vorn um den Ärtelengrat herum

in den Kessel der Hinder Engstligenalp, wo eine »blauweiße«

Route aufgenommen wird. Am grasigen Südhang

des Lusers kräftig empor, dann durch ein Gatter in die

äußerst abschüssige, schuttreiche Lohner-Flanke hinein. Nachdem

die erste Traverse noch einem passablen Pfad folgt, wird die

Trittspur später sehr dürftig. Man bewegt sich mitunter entlang

brüchiger Felsschichten und kreuzt wiederholt Muren und Rinnen.

Durch diverse Hangbuchten steigt die Route bis P. 2367 (Rastbank)

an und schwenkt dort in den wilden Nordhang ein. Im weiteren

Verlauf nicht mehr wie ehemals im großen Bogen auf etwa

gleicher Höhe (vermurt), sondern günstiger weiter vorn und tiefer

durch die Witi Chume queren. Die Markierung ist eindeutig. Mittels

Gegenanstieg gelangt man zur Geländerippe mit der Lohnerhütte

(2171 m). Dahinter wird die Tierchumi ausgegangen, ehe

ein kettengesicherter Felsriegel im Bergab bewältigt wird (schwierigste

Passage). Bei der Gabelung rechts und um die Kante zu

nochmaligen Ketten, die gegen die Bunderalp hinableiten. Man

wendet sich jedoch wieder aufwärts und absolviert auf einem

ordentlichen Bergweg 500 Höhenmeter bis zur Bunderchrinde

(2385 m), dem fi nalen Übergang ins Üschenetal. Auf der Ostseite

anfangs links haltend, dann rechts Richtung Alpschele (2089 m)

und kehrenreich zurück zum Ausgangspunkt im Hochtal.

Mark Zahel

An Sommerwochenenden bewartet: die Lohnerhütte

Foto: Mark Zahel


TIPP

Karwendelgebirge Wörner (2474 m)

7

Knackige Bergtour für Ausdauernde

Der Wörner ist zwischen der Soierngruppe und der Westlichen

Karwendelspitze der beherrschende Berg – ein Gipfel für Wanderer,

die einen gewissen alpinen Kick suchen.

1789 Hm | 9 Std.

normale Wanderausrüstung,

Stöcke empfehlenswert

aus Bergsteiger 10/2014

Talort: Mittenwald (911 m)

Ausgangspunkt: P bei der Dammkarstraße (930 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt:

Breite N 47.441395° Länge E 011.274062°

Öffentliche Verkehrsmittel: Mittenwald ist Station

an der Bahnlinie München–Garmisch-Partenkirchen

Entfernung: 16,68 km

Gehzeiten: Aufstieg 5 Std.; Abstieg 4 Std.

Beste Jahreszeit: Sommer und zeitiger Herbst (schneefrei)

Karte: Alpenvereinskarte 1:25 000, Blatt BY 10 »Karwendelgebirge

Nordwest, Soierngruppe«; Topogr. Karte des Bayer. Landesamtes

für Vermessung 1:50 000, Blatt UK50-51 »Karwendel–

Garmisch-Partenkirchen–Murnau–Lenggries«

Informationen: Tourist-Information Mittenwald, D-82481

Mittenwald, Dammkarstr. 3, Tel. 00 49 (0)88 23/3 39 81,

www.alpenwelt-karwendel.de/touristinformation-mittenwald

Einkehr: Hochlandhütte (1623 m)

Charakter/Schwierigkeiten: Anspruchsvolle Wanderung

(I–II), für die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zwingende

Voraussetzung sind; desgleichen einwandfreie Kondition und

Ausdauer. Seit die Route zum Gipfel durchgehend markiert ist,

ist die Gefahr, sich in den unübersichtlichen Schrofenhängen

zu verirren, deutlich geringer geworden; leichter ist die Tour

dadurch nicht.

TIPP

Mendelkamm Hocheppan-Burgenrunde

8

aus Bergsteiger 10/2014 – Seite 54

Familienfreundliche Wanderrunde im Überetsch

Das Überetsch gilt als Südtiroler Adelsparadies: überall zwischen den Weinbergen stehen Schlösser

und Burgruinen. Zu den schönsten Burgen zählt Hocheppan mit seinen berühmten Fresken; vom Boymonter

Bergfried genießt man einen herrlichen Blick über den Bozner Talkessel bis zu den Dolomiten.

250 Hm | 1¾ Std.

normale Wanderausrüstung

Talort: St. Pauls (394 m), Ortsteil der Großgemeinde

Eppan

Ausgangspunkt: Parkplatz (435 m) unterhalb von

Schloss Korb; Zufahrt von St. Pauls

Öffentliche Verkehrsmittel: St. Pauls hat Busverbindung

mit Bozen.

Beste Jahreszeit: Fast das ganze Jahr über möglich,

am schönsten im Frühling und im Herbst

Karte/Führer: Tabacco 1:25 000, Blatt 049 »Südtiroler

Weinstraße«. Dumler/Hirtlreiter/Hüsler »Wanderführer Bozen –

Kaltern«, Bergverlag Rother

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverein Eppan,

Rathausplatz 1, I-39057 Eppan, Tel. 00 39/04 71/66 22 06,

www.eppan.com

Einkehr: Jausenstationen Hocheppan, Boymont, Unterhauser

Weinstadl

Charakter/Schwierigkeiten: Die kleine Runde im Norden

des Überetsch lässt sich bestens mit einem Besuch des Messner

Mountain Museums auf Schloss Sigmundskron verbinden. Steile

Stiege im Graben des Wieserbachs. Ideale Wanderung für Familien;

Kinder haben ihren besonderen Spaß an alten Burgmauern.

TIPP

Ortlermassiv Düsseldorfer Hütte (2721 m)

9

Klassische Hüttenwanderung mit Ortlerblick

Die hochgelegenen Schutzhäuser rund um Sulden sind beliebte Wanderziele, bieten sie doch Aussicht

auf die großen Gipfel des Ortlermassivs. Das gilt besonders für die Düsseldorfer Hütte im

innersten Zaytal. Monumentales Gegenüber und Blickfang par excellence ist der Ortler (3905 m).

aus Bergsteiger 10/2014– Seite 54

330 Hm | 3½ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Sulden (1861 m)

Ausgangspunkt: Bergstation des Kanzellifts (2348 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie Vinschgau –

Sulden

Gehzeiten: Aufstieg 1¾ Std., Abstieg 1¾ Std.

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis zum ersten Schnee

im Herbst

Karte: Tabacco 1:25 000, Blatt 08 »Ortlergebiet«

Fremdenverkehrsamt: Ferienregion Ortlergebiet,

I-39022 Sulden, Tel. 00 39/04 73/61 30 15,

www.ortlergebiet.it

Einkehr: Düsseldorfer Hütte, bew. Mitte Juni bis Anfang Oktober,

Tel. 00 39/04 73/61 31 15, www.duesseldorferhuette.com

Charakter/Schwierigkeiten: Grandiose Hochgebirgsbilder

prägen die wenig anstrengende Hüttenwanderung. Besonders

reizvoll: die nähere Umgebung der Düsseldorfer Hütte mit

zahlreichen winzigen Seen zwischen Felsbuckeln und Bergsturztrümmern.


TIPP

Karwendelgebirge Wörner (2474 m)

TIPP

Aufstieg: Vom Parkplatz auf der anfangs asphaltierten

Dammkarstraße bis zum Bankerl hinauf. Dort, bei der

Talstation der Materialseilbahn, links abbiegen und auf

dem Wanderweg im Wald, später durch ein weites Kar unter

dem Predigtstuhl zur Hochlandhütte (dort Übernachtungsmöglichkeit).

Von der Hütte auf schönem Weg nach Nordosten weiter,

anfangs fast eben und nach ein paar Reißen in Kehren zum

Wörnersattel hinauf. Aus dem breiten, aussichtsreichen

Sattel kurz über einen grasigen Kamm nach Süden und

dann wird es ernst. Man kraxelt über griffi gen Fels hinauf

und fi ndet bald wieder ein Weglein, das sich über Geröll

und Schutt nach links zum Grat hinauf wendet. Der weitere

Anstieg führt in eine stark abfallende Flanke unter dem Grat,

wobei man etliche Felshindernisse überwinden muss. Dann

geht es über einen felsigen Rücken hinüber, im Geröll ein

wenig bergab und zu einer steilen Rinne, die man an ihrem

unteren Rand quert. In diesem anspruchsvollen Bereich

fi nden sich rote Pfeile, die von der deutlichen Wegspur links

hinausweisen. Man folgt ihnen und kraxelt beherzt über

einen Felsen hinüber, ehe man sich auf der Südseite der

Mendelkamm Hocheppan-Burgenrunde

Route: Die Wanderung startet bei Schloss Korb, das

allerdings längst Hotel ist, mit vier Sternen und einem

entsprechend zahlungskräftigen Publikum. Auf der fast

eben verlaufenden Straße wandert man oberhalb

von Missian (383 m) in den Graben des Wieserbachs.

Dahinter geht’s bergan, aus der Asphaltunterlage wird

Sand, und nach einer Linkskurve beim Kreideturm

(520 m) peilt man Hocheppan (628 m) an. Mit ihrem

hohen, fünfeckigen Bergfried gilt sie als eine der

schönsten Burgen des Landes, auch als Ruine. Kunsthistorisch

interessant: die romanischen Fresken in der

Kapelle.

Der Weiterweg nach Boymont (580 m) führt erneut über

den Wiesergraben: erst bergab, dann über die steile

Rudi-Treppe hinauf zu einem Querweg. Nach leichtem

Abstieg unter Porphyrfelsen stößt man schließlich auf

das direkt von Schloss Korb heraufkommende schmale

Teersträßchen. Nun rechts hinauf zum Burghügel.

Auffallend ist der regelmäßige Grundriss von Boymont,

ein Rechteck mit Seitenlängen von 45 und 41 Metern,

aber auch das Fehlen eines Burggrabens. Die schönen

Rinne durch steiles Felsengelände hinaufarbeitet. Die Markierungszeichen

bringen uns unter der Gratschneide nach links, queren die

Rinne und leiten in einen breiten Riss hinein, ehe man nach Nordosten

zum Gipfelkreuz ansteigt.

Abstieg: Bis zur Hochlandhütte steigt man entlang der Aufstiegsroute

ab, geht aber von der Hütte nach Westen zur Oberen

Kälberalm und steil durch den Wald zu einem schmalen Sträßchen

hinunter. Auf diesem geht es durch den Kälberalpgraben hinab

und zu einem Wegweiser in Richtung Dammkarhütte. Ihm folgend

links abbiegen und auf einem Steg über den Bach, durch einen

Felsdurchschlupf und nach links zu einer Schlepperspur hinauf.

Dort nach links zur Unteren Kälberalm, von der man auf einem

gemütlichen Waldweg zur Dammkarstraße ansteigt, die zum Ausgangspunkt

zurückführt.

Siegfried Garnweidner

Die Hochlandhütte mit dem Wörner

Triforienfenster stammen aus romanischer Zeit, die Burg dürfte

im 13. Jahrhundert erbaut worden sein; möglicherweise wegen

Erbstreitigkeiten wurde sie 1423 in Brand gesteckt. Vom fünfgeschossigen

Bergfried (Plattform) genießt man einen bezaubernden

Rundblick.

Auf der recht steilen, asphaltierten Zufahrt steigt man ab zum

Sträßchen nach Hocheppan. Rechts zurück zum Parkplatz bei

Schloss Korb.

Eugen E. Hüsler

Blick von der Burg Hocheppan

über das Etschtal und Bozen zum Schlern

Foto: Manfred Kostner Foto: Siegfried Garnweidner

TIPP

Ortlermassiv Düsseldorfer Hütte (2721 m)

Aufstieg: Das Messner Mountain Museum Ortles ist

dem Thema Eis gewidmet, Aussicht auf Firn und Eis bietet

auch die schöne Hüttenwanderung zur Düsseldorfer Hütte.

Blickfang ist dabei das Dreigestirn Ortler – Zebrù – Königsspitze.

Gut die Hälfte des Anstiegs nimmt einem freundlicherweise

der Kanzel-Sessellift (2348 m) ab. Von der

Bergstation führt ein gut ausgebauter Weg fl ach ins Zaytal.

Im Vorblick hat man das Hintere Schöneck (3128 m),

doch der ganz große Berg hier ragt jenseits des Suldentals

in den Himmel: der Ortler (3905 m). An seine Ostabstürze

klammert sich der End’ der Welt-Ferner, als wüsste er um

sein nicht allzu fernes Ende. Er wird umrahmt vom Martlgrat

und dem hohen Hintergrat. Über letzteren verläuft einer

der beliebtesten Ortler-Anstiege. Der Normalweg folgt von

der Payerhütte (3029 m) dem Nordgrat; er ist – auch eine

Folge des Klimawandels – in den letzten Jahren deutlich

anspruchsvoller geworden.

Am Hüttenweg quert man beim Windeggen den Zaybach;

links mündet der direkte Zustieg von Sulden. Nun in einem

weiten Rechtsbogen und in Serpentinen über eine markante

Geländestufe hinauf zur prächtig gelegenen Düsseldorfer

Hütte. Vor sich hat man die eindrucksvolle Gipfelumrahmung

des inneren Zaytals mit der Tschenglser Hochwand (3375 m)

und der Vertainspitze (3545 m) als Eckpfeiler. Ganz in der Nähe

des Refugiums verstecken sich ein paar winzige Seeaugen zwischen

den Fels- und Grasbuckeln. Da kann man besonders schön

die Zeit verträumen – bis einen der Hunger zur Hütte zurücktreibt.

Wie wär’s mit einem Apfelstrudel, mit freier Sicht auf König Ortler?

Abstieg: Zurück zur Verzweigung am Windeggen (2391 m), dann

mit dem Zaybach hinunter in den weiten Talboden von Sulden.

Eugen E. Hüsler

Majestätisch thront der Ortler über Sulden

Foto: Manfred Kostner


TIPP

Dolomiten/Sellamassiv Pisciadù-Klettersteig

10

Nummer eins der Dolomiten-Klettersteige?

Eine Kiesgrube an der Ostrampe der Grödner-Joch-Straße ist total zugeparkt, sogar der Linienbus

hält an der Kehre! Den Grund (zumindest einen winzigen Teil davon) bekommt man auch zu Gesicht:

die berühmte Hängebrücke hoch oben am Exnerturm, finaler Gag des »Pisciadù-Klettersteigs«.

aus Bergsteiger 10/2014 – Seite 36

620 Hm | 4 Std.

K3; komplette Klettersteigausrüstung,

Helm

Talort: Kolfuschg (1645 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz (1956 m) in einer Schottergrube

an der Ostrampe der Grödner-Joch-Straße;

Anfahrt von Corvara bzw. vom Grödner Tal über den Pass

Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie Corvara –

Grödner Joch – Grödner Tal

Gehzeiten: Aufstieg 2¾ Std., Abstieg 1¼ Std.

Beste Jahreszeit: Mitte Juni bis zum ersten Schnee

im Herbst

Karte/Führer: Tabacco 1:25 000, Blatt 06 »Alta Badia –

Arabba – Marmolada«. Eugen E. Hüsler/Manfred Kostner

»Top-Klettersteige Dolomiten«, Bruckmann Verlag, München

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Alta Badia,

Col-Alt-Straße 36, I-39033 Corvara, Tel. 00 39/04 71/83 61 76,

www.altabadia.org

Hütte: Pisciadù-Hütte (2587 m), Ende Juni bis Ende September,

Tel. 04 71/83 62 92

Charakter/Schwierigkeiten: Absoluter Klettersteig-

Klassiker mit ganz kurzem Zustieg, nach oben hin zunehmenden

Anforderungen und fi nalem Gag: der legendären Hängebrücke.

Auch landschaftlich ist die Tour ein Hit: Dolomiten pur! Nach der

Einstiegswand und in der Karmulde unterhalb der Pisciadù-Hütte

kann man auf Bergwege ausqueren.

TIPP

Dolomiten/Fanes Via ferrata Cesco Tomaselli

11

Route mit Klasse im Fanesmassiv

Die »Tomaselli« gehört längst zum »eisernen Inventar« von Cortina d’Ampezzo. Zig Tausende

haben sich schon über die verwegen-luftige Schlüsselstelle gezittert, die fantastische Kulisse am

Faneskamm erlebt und das große Panorama vom Gipfel der Südlichen Fanesspitze (2980 m).

aus Bergsteiger 10/2014 – Seite 36

940 Hm | 6 Std.

K5; komplette Klettersteigausrüstung,

Helm

Talort: Cortina d’Ampezzo (1211 m)

Ausgangspunkt: Passo Falzárego (2105 m); alternativ

Bergstation der Lagazuoi-Seilbahn (2752 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Linienbusse Hochabtei –

Passo Falzárego und Cortina d’Ampezzo – Passo Falzárego

Gehzeiten: Zustieg 1¾ Std., Klettersteig 2 Std., Abstieg

2¼ Std.

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis zum ersten Schnee

im Herbst

Karte/Führer: Tabacco 1:25 000, Blatt 3 »Cortina d’Ampezzo«.

Eugen E. Hüsler/Manfred Kostner »Top-Klettersteige Dolomiten«,

Bruckmann Verlag, München

Fremdenverkehrsamt: Cortina Turismo, Via G. Marconi 15/b,

I-32023 Cortina d’Ampezzo, Tel. 00 39/04 36/86 62 52,

www.cortina.dolomiti.org

Hütte: keine Einkehr unterwegs

Charakter/Schwierigkeiten: Sehr anspruchsvolle, landschaftlich

großartige Route, lediglich mit Drahtseilen gesichert.

Schlüsselstelle gleich am Beginn der Route, auch Abstieg auf

etwa 140 Höhenmetern noch gesichert und ziemlich schwierig

(K 4). An den Wochenenden bei Schönwetter stets viel Betrieb,

weshalb es auch schon mal zu Staus kommen kann. Dadurch

erhöhtes Risiko von Steinschlag durch Voraussteigende!

TIPP

Dolomiten/Moiazza Via ferrata Gianni Costantini

12

Der Super-Klettersteig

La ferrata più difficile, lunga e faticosa delle Dolomiti – Nonplusultra

der Eisenwege. So und ähnlich wurde, wird sie immer noch gepriesen,

die »Via ferrata Costantini«, 1974 eröffnet und seither unbestritten die

Nummer eins unter den gesicherten Dolomitenrouten.

1400 Hm | 10 Std.

K5–6; komplette Klettersteigausrüstung,

Helm

aus Bergsteiger 10/2014 – Seite 36

Talort: Ágordo (611 m) im Val Cordévole

Ausgangspunkt: Passo Duràn (1601 m), Straßenübergang

vom Agordino ins Zoldano

Öffentliche Verkehrsmittel: Bus nur bis Ágordo bzw.

La Valle Agordina

Gehzeiten: Passo Duràn – Rifugio Carestiato 1 Std.,

»Costantini-Ostroute« 4¾ Std., Gipfelabstecher ¾ Std.,

»Costantini-Westroute« 2 Std., Rückweg 1½ Std.

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis Anfang Oktober

Karte/Führer: Tabacco 1:25 000, Blatt 025 »Dolomiti di Zoldo,

Cadorine e Agordine«. Eugen E. Hüsler/Manfred Kostner »Top-

Klettersteige Dolomiten«, Bruckmann Verlag München

Fremdenverkehrsamt: Uffi cio Turistico, Via XXVII Aprile 5/A,

I-32021 Ágordo, Tel. 00 39/04 37/52 33 33, www.infodolomiti.it

Hütte: Rif. Carestiato (1834 m), 20. 6. bis Ende Sept., Tel. 00 39/

04 37/6 29 49. Biv. Moiazza (2601 m), Notunterkunft, stets offen

Charakter/Schwierigkeiten: In jeder Beziehung anspruchsvolle

Tour, nur für erfahrene Bergsteiger! Neben absoluter

Top-Kondition werden an einigen Stellen auch Armkraft

und gute Technik verlangt. Wegen der Länge der Ferrata ist

der Wetterentwicklung besondere Beachtung zu schenken;

Zwischenabstieg gegebenenfalls von der Forcella delle Masenade.

Er ist allerdings im oberen Moiazzakar nur unzureichend

markiert (Vorsicht bei Nebel).


TIPP

Dolomiten/Sellamassiv Pisciadù-Klettersteig

Pisciadù-Klettersteig: Vom Parkplatz führt ein

deutlicher Steig links zum Felsfuß. Eisenklammern und

Drahtseile helfen über die erste 40-Meter-Stufe auf eine

von mächtigen Bergsturztrümmern übersäte Terrasse,

eine deutliche Spur leitet links mit kleinem Zwischenabstieg

weiter zum eigentlichen Einstieg. Durchlaufende

Drahtseile übernehmen die Führung in dem zunehmend

steileren Felsgelände; wo gute Griffe fehlen, sind einzelne

Eisenstifte gesetzt. Wer bereits hier an seine Grenzen

stößt, kann im Karwinkel unter dem Exnerturm (2586 m)

aussteigen (links Weg zur Pisciadù-Hütte).

Der zweite Abschnitt startet rasant; Drahtseile, Eisenklammern

und eine kurze Leiter sichern den luftig-verwegenen

Gang im Steilfels. Zwei-, dreimal wird man auf kräftigen

Armzug nicht verzichten können. Nach einer kurzen Linksquerung

folgt der fi nale Gag des »Pisciadù«: die berühmte

Hängebrücke im Rücken des Exnerturms, mit Tiefblick auf

die Grödner-Joch-Straße notabene. Eine leichte Felsstufe

noch, dann läuft die Ferrata auf dem mächtigen Sella-

Ringband aus. In weitem Linksbogen spaziert man hinüber

zum Rifugio Pisciadù (2587 m).

Abstieg: Der viel begangene Hüttenweg führt zunächst hinüber

zum Ansatzpunkt des Val Setùs. Mit Drahtseilhilfe steigt man über

leichte Felsstufen ab in den ummauerten Graben, hat dann eine

ordentliche Zickzackspur im Geröll (bis in den Hochsommer oft

Schnee). Man kreuzt den am Felsfuß verlaufenden Querweg, der

das Grödner Joch mit der Mündung des Val de Mesdì verbindet,

und steigt über den felsdurchsetzten Hang ab zum Parkplatz an

der Grödner-Joch-Straße.

Eugen E. Hüsler

Gesichert am Drahtseil, aber dennoch luftig

Foto: Manfred Kostner

TIPP

Dolomiten/Fanes Via ferrata Cesco Tomaselli

Zustieg: Vom Falzáregopass (2105 m) führt ein markierter

Weg, teilweise über Skipisten, hinauf in die Forcella

Travenanzes (2507 m). Rascher, dazu absteigend, kommt

man von der Bergstation der Lagazuoi-Seilbahn (2752

m) in das Joch. Nun auf deutlicher Geröllspur in nördlicher

Richtung fl ach zu einer winzigen Scharte und anschließend

kurz bergan in die Gran Forcela (2652 m).

Via ferrata Tomaselli: Nur wenig oberhalb der schönen

Aussichtsterrasse greift man zum Drahtseil. Es leitet kurz

aufwärts, dann nach links in die – längst legendäre – Querung

unter den Resten alter Holzleitern eines spektakulär

angelegten ehemaligen Kriegssteigs. Manch eine/r würde

sich hier auch ein paar künstliche Tritte wünschen, doch

neben dem fest verankerten Drahtseil hilft nur die richtige

Technik über diese Schlüsselstelle: nicht am Fels kleben,

sondern stemmen, auf Reibung gehen!

Nach dieser Nervenprobe ist Ausdauerkraft gefragt: etwa

sechzig Meter sehr steil, teilweise auch senkrecht aufwärts

zu einem Schuttband. Die »Tomaselli« wendet sich hier

nach links; mit Drahtseilsicherung steigt man diagonal

an gegen das Cengia Veronesi. Nun nicht der Geröllstraße

folgen, sondern gesichert über gestufte Felsen aufwärts und

rechts über ein bequemes Band zu einer Aussichtskanzel mit

packendem Blick zur Tofana di Rozes. An dem Eck startet der

fi nale Anstieg; in dem steilen, zweimal kurz senkrechten bis leicht

überhängenden, aber griffi gen Fels arbeitet man sich nach oben.

Eine 20-Meter-Verschneidung verlangt nochmals vollen Einsatz;

sie mündet auf den Gipfelgrat. Hier stellt sich den Ferratisten

als letztes Hindernis ein plattiger Aufschwung entgegen, dann ist

der Gipfel der Südlichen Fanesspitze (2980 m) gewonnen.

Abstieg: Knapp 200 Klettermeter am Drahtseil bietet auch der

Abstieg in die Selletta Fanis (2840 m). Er verläuft, durchgehend

gesichert, über die Nordostwand und weist drei kurze, senkrechte

Passagen auf, die vollen Einsatz verlangen. Aus der engen Scharte

rutscht man südseitig durch ein steiles Couloir ab bis zum Felsfuß.

Pfadspuren leiten nach rechts mit kurzem Gegenanstieg zurück

in die Gran Forcela. Auf dem Hinweg zurück zum Falzáregopass.

Eugen E. Hüsler

Das Drahtseil leitet steil von Band zu Band.

Foto: Manfred Kostner

TIPP

Dolomiten/Moiazza Via ferrata Gianni Costantini

Zustieg: Vom Passo Duràn führt ein markierter Weg

bergan zu einer Sandpiste, die vom Colle Duràn herüberkommt.

Man folgt ihr durch lichten Wald westwärts, hinüber

und hinauf zum Rifugio Carestiato (1834 m).

Via ferrata Costantini – Ostroute: Von der Hütte über

einen schmalen Latschenpfad zum Einstiegsband. Es

leitet mit einer Unterbrechungsstelle (kleine Brücke) zum

ersten, trittarmen Aufschwung, über den nur ein straff gespanntes

Drahtseil (stemmen!) hilft. Dann geht es weniger

anstrengend an der riesigen, teilweise begrünten und mit

kurzen Felsstufen durchsetzten Schräge unter der Pala del

Belia aufwärts, zuletzt über Geröll zur Schlüsselstelle. Das

in kurzen Abständen verankerte Drahtseil zieht diagonal

an der senkrechten Wandstufe (einige gemeißelte Tritte)

hinauf zu einem Überhang (Klammern). Steil aufwärts zur

Schotterterrasse der Pala del Belia (2295 m), dann durch

eine Schlucht auf ein markantes Geröllband und weiter

zur Cima della Masenade (2737 m). Nun am Grat westwärts

in die wenig ausgeprägte Senke der Forcella delle

Masenade (2650 m). Über eine kurze, aber knackige

Wandstufe zur Geröllschräge unter der Cima Moiazza Sud

und auf die Südostschulter des Gipfels (2784 m).

Gipfelferrata: An Drahtseilen zunächst schräg über eine

senkrechte Wandstufe, dann zwischen bizarren Felszacken hinauf

zum Gerölldach der Moiazza Sud (2878 m). Abstieg nur über die

Ferrata!

Via ferrata Costantini – Westroute: Teilweise extrem luftig

auf dem Engelsband (Cengia Angelini) quer durch die Südwestwand

des Berges, anschließend im Geröll hinab zur Forcella delle

Nevere (2601 m), in der das Bivacco Moiazza steht. Hier ist alternativ

ein Abstieg zum Rifugio Vazzoler (1714 m) möglich. Aus der

Scharte leiten die Drahtseile zunächst kurz aufwärts, dann über

plattige Felsen und Rippen hinunter zum Felsfuß an der Mündung

der Schlucht Van dei Cantôi.

Rückweg: Ein schmaler Weg schlängelt sich zwischen Latschen

weiter abwärts zum quer verlaufenden »Dolomiten-Höhenweg 1«.

Auf ihm wandert man hinüber zum Rifugio Carestiato (1834 m),

wo sich die Runde schließt. Auf dem Hinweg zurück zum Passo

Duràn.

Eugen E. Hüsler

Nicht jedermanns Sache: Quergänge

Fotos: Manfred Kostner


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AUF TOUR

Wanderparadies Gesäuse

Am Rande

der Zeit

Haindlmauer und Himbeerstein

bewachen den

Eingang ins Gesäuse.

68 Bergsteiger 10⁄14


Am südlichen Ende des Nationalparks

Gesäuse liegt der kleine Ort Johnsbach.

Im Schatten von Hochtor, Großer Ödstein

und Admonter Reichenstein scheint in

diesem Dorf die Zeit stehen geblieben

zu sein. Für einige Bergsteiger ist sie das

nicht nur metaphorisch – sie ruhen in

Johnsbach auf einem der ältesten Bergsteigerfriedhöfe

der Welt. Von Uli Ertle

Foto: Andreas Hollinger


Das Bergsteigerdorf Johnsbach hat vermutlich schon vor 100 Jahren so ausgesehen.

Letzte Sonnenstrahlen am Hochtor

Bürgermeister Ludwig Wolf hat

an diesem Nachmittag nicht

viel Zeit. Er muss die Terrasse

seiner Alm für das Musikfest

fertig machen und die frisch

geschnittenen Bäume aus dem Weg räumen.

Die Daxen müssen verbrannt und

die Stämme geschichtet werden. Aus dem

gewaltigen Findling vor der Hütte soll bis

zum Wochenende noch ein großer Tisch

werden. Außerdem wartet man unten in

seinem Hotel auf ihn. Doch Zeitdruck ist

in der 156-Seelengemeinde ein offenbar

sehr subjektiv interpretierter Begriff, und

so gerät Wolf – auf die hohen Gipfel und

die lange Johnsbacher Geschichte angesprochen

– ins Schwärmen.

Er zeigt auf die Spuren der Murenabgänge

im steilen Südhang hinter seiner Almhütte

INFO

Zwei Nationalparks auf einem Fleck

Nur acht Kilometer Luftlinie trennen die

beiden Nationalparks Gesäuse und Kalkalpen

voneinander. Das ist beachtlich, gibt es doch in

ganz Österreich nur sechs Schutzgebiete dieser

Kategorie. Während die Hügel des einen von

schier endlosem Wald bedeckt sind, prägen im

anderen schroffe Felsen das Landschaftsbild.

Der Nationalpark Gesäuse mit seinen 110

Quadratkilometern ist der jüngste seiner Art in

Österreich und wurde 2002 gegründet. Den beinahe

doppelt so großen Nationalpark Kalkalpen

gibt es bereits fünf Jahre länger. Auf den Wiesen

und erzählt von den Tricks der Alten beim

Transport der Stämme, die für die Erzverarbeitung

im Tal benötigt wurden. Seine Augen

leuchten, er gestikuliert ausladend. »Sie

haben sich damals die Lawinen zunutze gemacht«,

erklärt er. Die Holzknechte hätten

mit der Gewalt der Natur zusammengearbeitet,

statt sich davor zu fürchten. Unweit

seiner Terrasse seien die Bäume dann zum

Stehen gekommen. Ein spezieller Ort sei

das, auf dem seine Hütte vor Jahrhunderten

erbaut worden ist. Und noch heute gehe

von der Stelle eine besondere Energie aus.

der Kalkalpen und an den Ufern der reißenden

Flüsse im Gesäuse blühen büschelweise

seltene Orchideenarten wie der Frauenschuh

oder das Knabenkraut, wähend in den steilen

Flanken von Hochtor und Ödstein Adler und

Steinböcke hausen. Die Kalkalpen werden

inzwischen wieder von Luchsen besiedelt.

Wanderer fi nden in beiden Regionen herrliche

Wege durch die wilde Natur und gemütliche

Hütten zur Einkehr oder auch als Übernachtungsstation

auf den Weitwanderwegen, die

durch die Regionen führen.

Kletteruniversität Johnsbach

Mit seiner Liebe zu der Region im Allgemeinen

und der langgezogenen Ortschaft

unten im Tal im Besonderen ist Wolf nicht

allein. Johnsbach, eines von nur 20 ausgewiesenen

Bergsteigerdörfern in Österreich,

hat sich in den letzten 150 Jahren einen

Ruf als Klettermekka erarbeitet – und

erhalten. Nicht umsonst gilt das Gesäuse

als die Kletter-Universität der Berge – und

Johnsbach als sein Zentrum. Bergbegeisterte

aus aller Herren Länder strömten schon

Ende des 19. Jahrhunderts in Scharen in

die Gesäuse-Berge. Mit der Eröffnung der

Kronprinz-Rudolfs-Bahn im Jahre 1872

begann dann die tatsächliche touristische

Eroberung. Um dem Ansturm der Bergsteiger

gerecht zu werden, mussten an manchen

Tagen sogar Sonderzüge eingeschoben

werden.

Das Dorf hinterm Felsentor

Noch heute ist der Ort bei Kletterern berühmt,

von Massentourismus ist allerdings

wenig zu spüren. Dabei hätte die Region

durchaus das Potenzial dazu: Man betritt

den Ort im wahrsten Sinne des Wortes

durch ein in den Fels gehauenes Tor. Nur

wenige Meter danach weitet sich das Tal

unterhalb der Klettertürme. Vereinzelte

Weiler und Häuser, dazwischen viel Grün

und sanfte Wiesenhänge prägen das Bild.

Das dominierende Gefühl ist das Gefühl

der Ruhe. Ein Ort, in dem die Zeit stehen

geblieben zu sein scheint.

Entschleunigung und Naturgenuss sind

denn auch in der kleinen Gemeinde auf

der Südseite des Nationalparks Gesäuse

Programm: Statt Flying Fox und Rollercoaster

hat Johnsbach Kletterberge und

Routen, an denen sich schon so mancher

Kletterer die Zähne ausgebissen hat.

70 Bergsteiger 10⁄14


TOUREN

Wandern durch wilde Natur

Mal steil, mal sanft, mal Fels, mal Wald: Gesäuse und Kalkalpen bieten Wanderern viel Abwechslung auf engem Raum.

1 Alpstein (1443 m)

3 Großer Pyhrgas (2244 m)

▶ leicht 4 Std.

▶ mittel 7 Std.

800 Hm 11 km

1520 Hm 13 km

Charakter: Gemütliche Wiesenwanderung

über Almen zu den beiden

Aussichtsgipfeln Trämpl und Alpstein.

Ausgangspunkt: Parkplatz Jagahäusl

am Bodinggraben (641 m)

Einkehr: Ebenforstalm (1105 m)

Route: Jagahäusl – Schaumbergalm

(1110 m) – Trampl (1424 m) –

Luchsboden – Alpstein – Ebenforstalm

– Bodinggraben – Jagahäusl

2 Spitzmauer (2446 m)

▶ schwierig 8 Std.

1850 Hm 20 km

Charakter: Die alpine und lange Tour

mit kurzem, schönem Klettersteig auf

das »Matterhorn des Toten Gebirges«

lässt sich mit Übernachtung im

Priel-Schutzhaus einfacher meistern.

Ausgangspunkt: Parkplatz Polsterlucke

(612 m) in Hinterstoder

Hütte: Priel-Schutzhaus (1420 m)

Route: Polsterlucke – Brunnhäusl

– Priel-Schutzhaus – Klinserschlucht –

Spitzmauer – Polsterlucke

Charakter: Markanter Aussichtsgipfel

in der Kette der Haller Mauern

zwischen den beiden Nationalparks.

Der Weg durch die Klamm ist lohnenswert,

kann aber auch abgekürzt

werden, indem man am Parkplatz vor

der Bosruckhütte startet (1030 m).

Ausgangspunkt: Parkplatz Dr.-

Vogelgesang-Klamm (725 m), Spital

am Pyhrn

Hütte: Bosruckhütte (1043 m),

Rohrauerhaus (1308 m)

Route: Klamm – Bosruckhütte –

Hiaslalm – Großer Pyhrgas – Hofersteig

– Pyhrgasgatterl/Rohrauerhaus

– Bosruckhütte – Klamm

4 Kalbling (2196 m)

▶ mittel 4 Std.

820 Hm 8 km

Charakter: Rundtour über drei markante

Gipfel im Osten des Nationalparks

Gesäuse; der Abstieg über den

unmarkierten Rosskarsteig verlangt

guten Orientierungssinn.

Ausgangspunkt/Hütte: Oberst-

Klinke-Hütte (1486 m)

Route: Oberst-Klinke-Hütte – Kalbling

(2196 m) – Riffel (2106 m) –

Kreuzkogel (2011 m) – Scheiblegger

Hochalm (1660 m) – Rosskarsteig –

Oberst-Klinke-Hütte

5 Planspitze (2117 m)

▶ schwierig 8½ Std.

1500 Hm 21 km

Charakter: Abenteuerliche Rundtour

über den Peternpfad, bei dem

Schwindelfreiheit, ein wenig

Kletterfertigkeit und Orientierungsvermögen

gefragt sind. Rückweg

von der Kummerbrücke zum Parkplatz

am Haindlkar per Xeismobil,

Tel. 00 43/36 13/41 70 oder 2406

Ausgangspunkt: Parkplatz Haindlkar

(605 m) bei Gstatterboden

Hütten: Haindlkarhütte (1121 m),

Hesshütte (1699 m)

Route: Gstatterboden – Haindlkarhütte

– Peternpfad – Peternscharte –

Planspitze (2117 m) – evtl. Abstecher

zur Hesshütte über Roßkuppe –

Wasserfallweg – Parkplatz Kummer

Fotos: Daniela Kalss, Andreas Hollinger, Dagmar Steigenberger

Für den Österreichischen Alpenverein waren

das genügend Gründe, um Johnsbach

in seine Liste der 20 zertizierten Bergsteigerdörfer

aufzunehmen. Durch ihren

sanften und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten

Tourismus setzen diese Dörfer einen

Kontrapunkt zum Eventtourismus mit

einem auf Adrenalinkicks ausgerichteten

Funsport-Angebot.

Ein weiteres Gut hat Johnsbach, das in der

heutigen Zeit selten und extrem kostbar

geworden ist: Zeit. So legt Bürgermeister

Wolf den Gästen auch dringend ans Herz,

sich Zeit zu nehmen für den Besuch im

Tal. »In den Gaststätten trifft man immer

Bekannte oder Kameraden, die man schon

lange nicht mehr gesehen hat und bei der

ausgezeichneten Küche und Betreuung

durch die Gastwirte rennt der Schmäh.«

Der Schmäh ist der einzige, der rennt. Die

anderen bleiben bei Musik und Gesang sitzen,

gerne auch bis tief in die Nacht. ◀

KOMPAKT

Im Herzen

Österreichs

Anreise: Mit der Bahn über Selzthal nach

Admont. Mit dem Auto über die A8 nach

Österreich, weiter auf der A1. Am Autobahnknoten

Voralpenkreuz auf die A9 Richtung

Slowenien/Graz abbiegen, bei der Ausfahrt

Ardning Richtung Admont abfahren, weiter

nach Gstatterboden und Johnsbach.

Informationen: Alpenregion Nationalpark

Gesäuse, Hauptstraße 35, A-8911 Admont,

Tel. 00 43/(0) 36 13/2 11 60 -10

(Alpenregion) oder -20 (Nationalpark),

www.gesaeuse.at, www.nationalpark.co.at;

Nationalpark Kalkalpen, Nationalpark

Zentrum Molln, Nationalpark Allee 1,

A-4591 Molln, Tel. 00 43/(0) 75 84/36 51,

nationalpark@kalkalpen.at, www.kalkalpen.at

Karten: Kompass 1:50 000, WK 206

»Nationalpark Gesäuse«; Freizeitkarte

Alpenregion Nationalpark Gesäuse

Orchideen im

Nationalpark:

ein Frauenschuh

10⁄14 Bergsteiger 71


AUF TOUR

Durchs Höhenwege über dem Aostatal

Riesenreich

Großes Finale auf der

Alta Via Nr. 1: Mont-Blanc-

Massiv und Grandes

Jorasses beim Abstieg

ins Val Ferret.

72 Bergsteiger 10⁄14


Die »Tour der Giganten«

folgt den beiden Höhenwegen

Alta Via Nr. 1 und

Nr. 2 und umrundet das

gesamte Aostatal, zu

Füßen prominenter Bergriesen

wie Gran Paradiso,

Monte Rosa, Matterhorn

und Mont Blanc.

Von Franziska Baumann

(Text und Fotos)

Sie laufen Tag und Nacht, gönnen

sich kaum Schlaf. Ein kurzer

Stopp bei einer der Verpegungsstationen,

um eine kleine

Stärkung und vor allem viel Flüssigkeit

zu sich zu nehmen, dann geht es

weiter. Im Laufschritt erklimmen sie Pässe,

durchqueren Täler und Hochebenen, passieren

kleine Bergdörfer. 330 Kilometer

und 24 000 Höhenmeter müssen bewältigt

werden. Die besten werden dazu vier Tage

benötigen.

Am Fuß der Viertausender

Die »Tour des Géants« im Aostatal zählt

zu den härtesten Bergläufen. Jedes Jahr

im September treffen sich rund 500 Teilnehmer

in Courmayeur, am Fuß des Mont

Blanc, um auf der anspruchsvollen Strecke

ihre Grenzen auszutesten. »Einige schlafen

an den Tischen ein, den Kopf auf den

Armen«, erzählt Marina Petitjacques, Hüttenwirtin

des Rifugio Champillon. Wenn

die Läufer zu ihrer Hütte kommen, haben

sie einen Großteil des Weges bereits hinter

sich. Da werden viele von Müdigkeit übermannt.

Tour der Giganten – das trifft auf

die Läufer zu, die bei dem Wettbewerb fast

Übermenschliches leisten, vor allem aber

auch auf die Landschaft.

Die meisten jedoch, die auf diesen Wegen

von Hütte zu Hütte, von Tal zu Tal unterwegs

sind, erkunden die Region im äußersten

Nordwesten Italiens ohne Eile und

10⁄14 Bergsteiger 73


Anstieg zum Col Malatrà

(2928 m), dem höchsten

Punkt der Alta Via Nr. 1

ohne Rekordversuche. Dann bleibt Zeit für

Begegnungen mit den Menschen und Muße,

besondere Stimmungen zu genießen,

Momente wie den Sonnenuntergang auf

dem Rifugio Champillon hoch über dem

Ollomont-Tal, wenn die Schatten über die

Almwiesen hinaufzüngeln und der mächtige

Schneegrat des Grand Combin, ebenfalls

ein Gigant aus Fels und Eis, zu glühen

beginnt. Genügend Zeit auch, um den Geschichten

zuzuhören, die Bergführer Eddi

KOMPAKT

Wie komme ich ins Aostatal?

Anreise: Mit dem Auto führt

die kürzeste Strecke über Luzern

und durch den Gotthard-

Tunnel, alternativ auch Anreise

durch die Schweiz ins Rhonetal

und durch den Großen-St.-

Bernhard-Tunnel oder über den

Brenner, Mailand und Turin ins

Aostatal. Mit der Bahn oder

mit dem Flugzeug nach Turin,

von dort Bahnverbindung zum

Hauptort Aosta. In die Seitentäler

verkehren Busse.

Tourismusinformation:

Tourismusbüro der Region

Aosta, Piazza Porta Praetoria, 3,

I-11100 Aosta,

Tel. 00 39/01 65/23 66 27,

www.lovevda.it

Karten: Kompass-Karte

1:50 000, Nr. 85 »Mont

Blanc«, Nr. 86 »Gran Paradiso

– Valle d’Aosta« und Nr. 87

»Breuil-Cervinia, Zermatt«;

Wanderkarten im Maßstab

1:25 000 gibt es für das

erzählt. Er deutet hinauf zum Bergkamm,

über den die Grenze zur Schweiz verläuft.

Tief eingeschnitten ist dort der Pass Fenêtre

Durand. »Den Weg über den Pass hat man

Sentiero della Speranza, Weg der Hoffnung,

getauft«, erzählt er. Über ihn suchten

während des Zweiten Weltkriegs italienische

Partisanen Zuucht vor deutschen

Truppen. Der prominenteste sei Luigi

Einaudi gewesen, der 1948 italienischer

Staatspräsident wurde.

gesamte Aostatal beim Tourismusbüro

gegen eine Gebühr

von jeweils zwei Euro.

Führer: Johannes Führer

»Aostatal«, Bergverlag Rother;

Infos zu den Höhenwegen unter

www.regione.vda.it/altevie;

außerdem ist beim Tourismusbüro

eine englisch-deutsche

Broschüre über die beiden

Höhenwege Nr. 1 und Nr. 2

sowie über andere Trekkingmöglichkeiten

erhältlich.

Wer es eilig hat, dem wird auch manch

kulinarischer Genuss entgehen. Viele Hütten

kaufen bei Betrieben vor Ort ein und

tischen regionale Spezialitäten auf. In der

Gaststube des Rifugio Champillon duftet

es nach frischer Pasta, nach Polenta mit

Spezzatino (Gulasch) und Carbonata, klein

gehacktem Rindeisch. Als Digestif tränkt

Marina Petitjacques ein Zuckerstück mit

giftgrüner Flüssigkeit – Alkohol mit Minze

und Salbei. Es brennt, als würde man

Feuer schlucken. »Das gibt Energie«, versichert

die Hüttenwirtin.

Von der Weinrebe zum Gletschereis

Die autonome Provinz Aostatal an der Grenze

zu Frankreich und dem Schweizer Kanton

Wallis ist eine Region der Gegensätze.

Wie ein riesiges Amphitheater wird das Tal

von Drei- und Viertausendern eingerahmt.

An die 200 Gletscher trotzen noch der weltweiten

Erwärmung. Das Klima rund um

den Hauptort Aosta ist dagegen trocken

und warm mit reichlich Sonnenstunden –

beste Bedingungen für den Weinanbau. Die

Reben werden bis auf eine Höhe von 1200

Metern kultiviert – so hoch wie kaum irgendwo

anders in Europa.

Auf Höhenwegen erleben Wanderer einige

der berühmtesten Viertausender der West-

74 Bergsteiger 10⁄14


Man kann sportlich

laufen oder genussvoll

wandern: Die

Alta Via Nr. 1 ist ein

Höhenweg, bei dem

17 variable Tagesetappen

und insgesamt

14 000 Höhenmeter

unter die

Sohlen genommen

werden.

Das Rifugio Frassati wird

ehrenamtlich von Teams aus

Freiwilligen bewirtschaftet.

alpen aus nächster Nähe und müssen dennoch

kaum überlaufene Hütten und Wege

befürchten. Ein Klassiker ist die Alta Via Nr.

1, der »Höhenweg der Giganten« getauft

wurde. Er startet im Gressoney-Tal am Fuß

des Monte Rosa, einer Region, die von der

Kultur und Architektur der Walser geprägt

ist, und zieht sich über die gesamte Nordseite

des Aostatals. Seitentäler zweigen wie

die Adern eines Blattes vom Haupttal ab

und müssen gequert werden, ein beständiges

Bergauf und Bergab, das die Ausdauer

der Wanderer auf die Probe stellt.

Am Col Champillon über der gleichnamigen

Hütte beginnt das Finale der Alta Via

Nr. 1. Zum ersten Mal taucht die weiße

Firnkrone des Mont Blanc auf, die nun immer

näher rücken wird. Auch von diesem

Pass geht es wieder über 1000 Höhenmeter

bergab in das Gebiet unter dem Großen-

Sankt-Bernhard-Pass. Das Aostatal ist seit

Jahrtausenden Durchgangsstation auf

dem Weg vom Norden der Alpen in den

Süden und umgekehrt. Über den 2472 Meter

hohen Großen Sankt Bernhard zogen

bereits um Christi Geburt die Römer, Pilger

fanden ab dem 11. Jahrhundert in einem

Hospiz auf der Passhöhe eine Herberge

und Napoleon kommandierte eine ganze

Armee über das Gebirge. Mitte Mai des Jahres

1800 überquerte ein Tross von 40 000

Soldaten, 5000 Reitern und 50 Geschützen

den noch verschneiten Pass. Heute bohrt

sich ein knapp sechs Kilometer langer

Tunnel durch den Berg, so dass die Reise

ins benachbarte Wallis nur wenige Minuten

dauert.

Idealisten am Berg

Éternod, Laval, Couchepache – kleine

Dörfer nehmen den Wanderer mit auf eine

Zeitreise. Mit Schieferplatten gedeckte

Dächer glänzen in der Sonne, eine Katze

huscht über das Steinpflaster, der Geruch

von Holzfeuer liegt in der Luft. Ein

schmaler Pfad schlängelt sich durch ein

lang gestrecktes Hochtal zum höchsten

Punkt der Alta Via Nr. 1 hinauf, dem 2928

Meter hohen Col Malatrà. Aus einem farbenfrohen

Blütenteppich zirpt und summt

es vielstimmig. Darüber schneiden die Zacken

dunkelgrauer Granitberge in den

INFO

Agriturismo:

Adressen für Genießer

Im Aostatal lohnt es sich, auf kulinarische

Entdeckungsreise zu gehen. Eine gute

Adresse sind neben den Berghütten landwirtschaftliche

Betriebe mit Restaurant und

oft auch Zimmervermietung, sogenannte

Agriturismo, wo vorwiegend das auf den

Teller kommt, was selbst angebaut wird. Im

Agriturismo »La Vrille« in Verrayes kommen

Weinkenner und Feinschmecker auf ihre

Kosten. »La Vrille« entstand aus dem Traum

von Hervé de Guillaume, der nach seiner

Zeit als Matrose beim Militär sein eigenes

Land bewirtschaften und Wein anbauen

wollte. Gemeinsam mit seiner Frau Luciana

Neyroz begann er 1988, ein leer stehendes

Bauernhaus zu renovieren und Reben

anzupfl anzen. Heute steht das Agriturismo

an den Hängen über dem zentralen

Aostatal zwischen Weinbergen, Obstbäumen

und Gemüsegärten. In Gehegen haben

Kaninchen, Enten, Gänse und Hühner freien

Auslauf. Luciana Neyroz führt in der Küche

das Regiment. Sie kredenzt Fünf-Gänge-

Menüs mit Leckerbissen wie Kürbiscrêpes in

Lauchcreme, Kaninchen in Senfsauce oder

Pfi rsichsorbet mit Beeren in Rotwein und

interpretiert alte valdostanische Rezepte neu

mit allem, was rund um das Haus wächst.

Bei Kochwettbewerben hat sie bereits Preise

gewonnen und auch die Weine von Hervé de

Guillaume wurden mehrfach ausgezeichnet.

(www.lavrille.it, Tel. 00 39/01 66/54 30 18)

10⁄14 Bergsteiger 75


Vis-à-vis von Mont Blanc

und Grandes Jorasses

gischtet der Wildbach

durchs Val Ferret.

Die autonome Provinz

Aostatal an der Grenze

zu Frankreich und

dem Schweizer Kanton

Wallis ist eine Region

der Gegensätze.

Wie ein riesiges Amphitheater

wird das Tal

von Drei- und Viertausendern

eingerahmt.

Himmel. Auf den Almen weidet das Vieh

wie eh und je, wird die Milch zu Käse wie

dem rahmhaltigen Fontina, einer valdostanischen

Spezialität, verarbeitet. Das Rifugio

Frassati unterhalb des Col Malatrà holt

die Wanderer in die Gegenwart zurück.

Mit seiner verschachtelten Architektur

und der grauen Verkleidung erinnert das

2011 eröffnete Berghaus an eine Raumstation.

Seine Form sei dem Bergmassiv

hinter der Hütte nachempfunden, erzählt

Enrico Soleti, der an der Theke die Gäste

bewirtet. An den Wänden des Gastraums

dokumentieren Fotos die Baugeschichte.

Abgebildet sind junge Leute, die auf ihrem

Rücken Zementsäcke und große Kanister

transportieren. Sie haben als Freiwillige

die Hütte in unzähligen unbezahlten Arbeitsstunden

erbaut. Das Rifugio Frassati

steht unter der Leitung der Organisation

Mato Grosso, einer sozialen Vereinigung,

die mit ihren Einnahmen Projekte in Südamerika

unterstützt. Auch Enrico Soleti

arbeitet ehrenamtlich. Teams aus Freiwilligen

bewirtschaften die Hütte jeweils für

eine Woche. »Die Idee ist, seine Zeit für

andere zu schenken.«

Das Rifugio Bonatti bietet herrliche Blicke

auf das Massiv der Aiguille de Leschaux.

Grandioses Finale

Der kleine Felsdurchschlupf des Col Malatrà

ist für die Bergläufer die letzte Herausforderung

auf der »Tour des Géants« und

für Trekker noch einmal ein echtes Highlight.

Mont Blanc und Grandes Jorasses

scheinen beim Abstieg ins Val Ferret zum

Greifen nah. Gletscherspalten grinsen aus

der grauen Felsmasse, ein Gewirr aus Granitzacken

und -türmen formt eine Bastion,

angesichts derer man sich winzig klein

fühlt. Atemberaubende Ausblicke – da

tut es gut, auf der Terrasse des Rifugio Bonatti,

vis-à-vis der Granitkolosse, tief Luft

zu holen, bevor es nach Courmayeur hinunter

geht.

Der zweitgrößte Ort des Aostatals, das italienische

Pendant zu Chamonix, ist wegen

seiner prominenten Bergkulisse und seiner

heilkräftigen Thermalquellen seit langem

ein Anziehungspunkt für Touristen. »Courmayeur

hat zwei Seelen«, sagt Cecilia Malfa

von der Gemeinde. Das Zentrum gibt sich

mondän mit teuren Läden und schicken Restaurants.

Gleich nebenan haben alte Ortsteile

noch Bergdorfcharakter. Alpinismus

hat in Courmayeur Tradition. Die seit 1850

bestehende Bergführervereinigung ist die

zweitälteste nach Chamonix. Bergführer

aus dem Dorf unter dem Mont Blanc bestiegen

gemeinsam mit einem Engländer im

August 1863 den höchsten Gipfel Europas

zum ersten Mal von italienischer Seite. Sie

waren bereits 1899 am Mount Kenia und

1900 in der Arktis unterwegs. Auch 1954

bei der italienischen Expedition auf den K2

nahmen zwei Bergführer aus Courmayeur

teil. Für die Bergläufer ist Courmayeur ein

Ort großer Emotionen. Sie sind am Ziel, die

Strapazen haben ein Ende. Hinter den Weitwanderern

liegt eine Traumtour – und vor

ihnen der nächste Höhenweg im Angesicht

eines Viertausenders: Die Alta Via Nr. 2

führt mitten hinein in den Nationalpark

Gran Paradiso. Ein Grund, ins Tal unter den

Berggiganten zurückzukehren.


76 Bergsteiger 10⁄14


TOUREN

Trekking auf der Alta Via Nr. 1

Die Alta Via Nr. 1 ist ein Klassiker unter

den Höhenwegen. Wegen der beeindruckenden

Kulisse wird diese Weitwanderroute

auch »Höhenweg der Giganten« genannt.

wege sind

abenteuer und

▶ mittel 17 Tage

14000 Hm 96 km

Ausgangsort: Donnas (330 m)

am Eingang des Aostatals

Endpunkt: Courmayeur (1223 m)

im Aostatal

Information: www.regione.vda.

it/altevie

Charakter: Weitwanderweg mit

17 meist gut markierten Tagesetappen

zwischen 2½ und 6 Std.,

eine längere Etappe mit 7½ Std.,

insgesamt 14 000 Hm, unterwegs

zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten,

so dass sich die

Länge der Etappen oft variieren

lässt. Es werden mehrere Talorte

mit Busverbindungen berührt.

Ein beliebter Startpunkt ist auch

Gressoney-St.-Jean (10–12

Etappen bis Courmayeur). Der

Höhenweg verläuft auf guten

Steigen und Wegen, Ausdauer

für die langen An- und Abstiege

sowie Trittsicherheit erforderlich.

Wegverlauf: Donnas – Santa

Margherita (5¼ Std., Aufstieg

1310 Hm, Abstieg 210 Hm,

Übernachtung z. Zt. in Sassa,

30 Min. zusätzl.) – Rif. Coda

(4¾ Std., Aufstieg 1100 Hm,

Abstieg 100 Hm) – Rif. della

Barma (in Bau, Eröffnung noch

nicht absehbar, 3¼ Std., Aufstieg

650 Hm, Abstieg 760 Hm) –

Niel (5¼ Std., Aufstieg 550 Hm,

Abstieg 1140 Hm) – Gressoney-

Saint-Jean (7½ Std., Aufstieg

1120 Hm, Abstieg 1080 Hm) –

Rif. Vieux Crest (5¼ Std., Aufstieg

1470 Hm, Abstieg 810 Hm)

– Rif. Grand Tournalin (4¼ Std.,

Aufstieg 1050 Hm, Abstieg

480 Hm) – Crétaz (3 Std., Aufstieg

280 Hm, Abstieg 1310 Hm)

– Rif. Barmasse (2½ Std.,

Aufstieg 690 Hm, Abstieg 30

Hm) – Rif. Cuney (6 Std., Aufstieg

1020 Hm, Abstieg 700 Hm) –

Bionaz (5 Std., Aufstieg 580 Hm,

Abstieg 1680 Hm) – Rey (5 Std.,

Aufstieg 1030 Hm, Abstieg

1260 Hm) – Rif. Champillon

(2¾ Std., Aufstieg 1040 Hm) –

Saint-Rhémy (4¾ Std., Aufstieg

500 Hm, Abstieg 1340 Hm) –

Rif. Frassati (3¾ Std., Aufstieg

1050 Hm, Abstieg 20 Hm) –

Rif. Walter Bonatti (3 Std., Aufstieg

400 Hm, Abstieg 900 Hm)

– Courmayeur (3¾ Std., Aufstieg

230 Hm, Abstieg 1040 Hm)

oft Anders

ABENTEUER

Wege

ALPEN extrem

DOLOMITEN

Auf dem Höhenweg 1

MILITÄRPISTEN

Wege aus dem Ersten Weltkrieg

NATUR KULTUR HISTORIE ERLEBEN

Ausgabe 2/2014

Herbst / Winter

D 7,50 € · A 7,80 € · CHF 14,50

BeNeLux 8,00 € · Italien 8,20 €

Abenteuer WEGE 2/2014 IRON CURTAIN TRAIL PFALZ & VOGESEN ALPEN ANTARKTIS

KORSIKA

Canyoning & Flusswandern

NORDSEE

Küstentour Emden–Skagen

ABENTEUER

DAS Magazin für

menschen In Bewegung

Das Magazin für Menschen in Bewegung

NECKARSTEIG Zu Fuß und per Bike

ULTRALEICHT Hinterm Haus losfliegen

UM DIE WELT 1956 mit Lloyd Alexander

VERRÜCKT Frankreich–Istanbul im Kanu


EVENT

Ein Zeitpolster für Jan Ullrich:

Martin Schidlowski zieht

an der Engelswand durch

Über Stock und Stein:

Das Ötztal führt auch

Trailrunner an ihre Grenzen.

78 Bergsteiger 10⁄14


Die Promi-

Runde

Die Peak to Creek – vom Gipfel zum Bach – Veranstaltung

im Ötztal ist ein Szenetreff der Bergsportpromis.

In wenigen Stunden wird hier demonstriert,

wofür sich normale Bergsportler mehrere Jahre

aufheben. Von Julian Galinski

Foto: Peak to Creek / Ulrich Grill (li.), zooom.at / Markus Berger (re.)

Barbara Bacher hat sich die Kletterschuhe

unter die Jacke gesteckt.

»Die Finger werden schon

irgendwie warm, das Problem

sind die Zehen«, sagt sie. Gerade

einmal drei Grad hat es an diesem Morgen

an der Engelswand im Ötztal. Der Wind

pfeift eisig, immerhin hält er so den Regen

einigermaßen vom Fels fern. Es hat

die ganze Nacht geschüttet, braune Pfützen

liegen im Gras vor der Wand. Aber

Bacher, 31, Europacup-Gesamtsiegerin

von 1998 und 1999, zieht sich die Kapuze

ins Gesicht, tänzelt auf den Fußspitzen

und lacht. Sie und die anderen sind froh,

dass die Bedingungen den fünften Peak to

Creek überhaupt zulassen. Sechs Routen

sind vorbereitet. Sobald die Bergläufer ankommen,

starten die Kletterer. Ein Sprint

am Fels: Rauf, abseilen, an die Rennradfahrer

übergeben.

Am Abend zuvor sitzen die Teilnehmer des

Extremsportrennens durch das gesamte

Ötztal (siehe Infokasten) zum ersten Mal

im Outdoor-Zentrum Area 47 zusammen.

Helden dieser und vergangener Tage:

Frank Wörndl etwa, der Slalom-Weltmeister

von 1987, der mit seiner abgewetzten

Lederjacke aussieht, als käme er gerade

aus einem Indie-Club. Oder Jan Ullrich,

Tour-de-France-Sieger und des Dopings

überführt, mit gemütlichem Bäuchlein,

einem Weißbier auf dem Tisch und schelmischem

Gesicht. »Ruhe«, schreit Rennleiter

Ernst Lorenzi. Im Zelt geht es zu wie

auf einem Schulausug. Keiner ist ruhig,

alle gackern durcheinander. »Es geht darum,

dass sich bekannte Sportler treffen,

einander kennenlernen und Freundschaften

entstehen«, sagt Lorenzi. Das auch,

vornehmlich aber präsentiert die Tourismusregion

Ötztal ihr Programm: Von den

Gipfeln bis ins Tal hinab.

85 Kilometer sind das insgesamt, den Kletterern

gehören davon knapp 30 Meter. Mit

dabei sind Lokalmatador Hansjörg Auer,

der Deutsche Martin Schidlowski, Großbritanniens

Stew Watson sowie die Österreicher

Lukas Ennemoser, Mario Lechner

und Barbara Bacher, aufgeteilt in sechs

Teams. An der Engelswand hat Red Bull

inzwischen einen fahrenden Subwoofer

hingestellt, aus den Boxen wummert eine

Playlist mit allem, was der Mainstream-

Rock der 80er und 90er hergibt. Aber niemand

springt, auch wenn van Halen das

gerne so hätte. Bacher, Lechner und Auer

verstecken sich auf der Ladeäche eines

Kombis, Auer massiert seine Zehen, als ob

er nicht wenige Kilometer von Zuhause

entfernt wäre, sondern schon auf seiner

nächsten Tour im Karakorum.

Die ersten Zuschauer stapfen durch den

Matsch: Immerhin wird die Peak-to-

10⁄14 Bergsteiger 79


Alle in einem Boot: Bei der Schlussdisziplin des Staffelrennens stemmen

sich alle Athleten nochmals gemeinsam gegen die Ötztaler Ache.

Creek-Challenge beim Klettern auch greifbar.

Das ist bei den anderen Disziplinen

schwierig. »Wenn man alles sehen wollen

würde, müsste man ständig mit dem Auto

hin- und herfahren. Was eigentlich schade

ist, weil es ein gewaltiger Wettbewerb ist«,

sagt Schidlowski. »Teilweise wussten auch

wir nicht die Zwischenstände, wer denn

jetzt eigentlich vorne liegt.« Dann allerdings

kommt die Nachricht an: Die Bergläufer

sind gleich da! Schidlowski ist der

erste, der sich die starre Kälte abschüttelt

und seine Route noch einmal im Schnelldurchgang

abspult.

Ulle feiert in der Disko

Sein Teamkollege Helmut Schiessl, derzeit

führend und nass von oben bis unten,

Erste Etappe: Die Skibergsteiger starten

ihr Rennen am Rettenbachferner

erreicht kurz darauf die Engelswand. Skibergsteigen,

Skifahren, Mountainbike und

Berglauf haben die Teams schon hinter

sich gebracht. Es wird hektisch, die Athleten

müssen einander eine Uhr übergeben.

Schidlowski rast zur Wand, wechselt die

Schuhe, bindet sich ein und springt hinauf.

»Das war richtiges Wettkampffeeling«,

sagt er. »Ich habe mir gedacht: Ein bisschen

ein Polster musst du dem Jan Ullrich schon

mit auf dem Weg geben.« Einen guten siebten

Grad klettert er. »Die Anforderungen

waren für uns Kletterer recht ungewohnt:

Du gehst ja nicht in den Klettergarten und

kletterst eine Route, die drei, vier Grade

unter deinem Limit liegt – aber dafür auf

Zeit«, sagt Schidlowski, der beim Fotoshooting

am Tag vor dem Wettbewerb noch

T-Shirt getragen hat. Er weiß: Das Allstar-

Team 3 liegt nur knapp hinter ihnen. Wieder

auf dem Boden angekommen, sprintet

Schidlowski in Kletterschuhen zu seinem

Rennradfahrer. Jan Ullrich reißt ihm die

Uhr vom Handgelenk und schießt über

den Feldweg auf seine Etappe.

Einige Minuten später läuft Markus Kröll

ein. Hansjörg Auer, durch seine Free-Solo-

Begehung der »Weg durch den Fisch« (9-)

in der Marmolada-Südwand berühmt geworden,

eilt durch seine Route. Er springt

die Griffe an wie ein Raubtier und schickt

nach dem Abseilen Tobias Rohregger auf

den Weg. Auf den anstehenden 36 Kilometern

nimmt Rohregger Ullrich und

dem ebenfalls vor ihm liegenden Antonio

Corradini 15 Minuten ab und geht in Führung.

Seine exklusive Taktik: Früh ins Bett

INFO

Kleine Ötztalrunde

Peak to Creek führt über knapp 85 Kilometer

und 7800 Höhenmeter von Sölden

ins Inntal. Die Skibergsteiger beginnen:

Vom Skiweltcup-Stadion aus (2670 Meter)

geht es auf die Schwarze Schneide, dem

höchsten Punkt des Rennens. (3340

Meter). Dort übernehmen die Skifahrer, die

über Seiterjöchl bis zur Mautstelle abfahren

und an die Mountainbiker übergeben, die

über Granstein weiter ins Tal rollen. In Dorf

bei Längenfeld warten die Bergläufer, die

am Stuibenfall Tirols höchsten Wasserfall

passieren und an der Engelswand bei Tumpen

(942 m) auf die Kletterer treffen. Nach

deren Routen geht es auf dem Rennrad

knapp zehn Kilometer bergauf zum Haiminger

Sattele und hinab nach Ötz zu den

Kajakfahrern, die sich durch die Ötztaler

Ache kämpfen. Wiederum in Ötz steigen

dann alle Sportler gemeinsam ins Rafting-

Boot. Ziel ist nach 6,8 Kilometern die Area

47. Das Allstar-Team 1 mit Alex Fasser, Axel

Naglich, Daniel Federspiel, Markus Kröll,

Hansjörg Auer, Thomas Rohregger und Sven

Lämmler (Reihenfolge von Start bis Ziel)

bewältigte die Strecke in 5:05:50 Stunden.

gehen. »Der ist ja schon um zehn schlafen

gegangen, während wir noch in der Disko

waren«, sagt Ullrich.

Nach den Rennradlern werfen sich die Kajakfahrer

in die wilde Ache, die sich bis Ötz

ziemlich giftig wehrt. Die letzte Disziplin

ist Rafting, für alle Teammitglieder zusammen,

weiter auf der Ache bis in die Area

47 im Tal. Am Ende sind es die Allstars 1

mit Hansjörg Auer, die völlig durchnässt

als Erste ins Ziel rudern.

Eine Antrittsgage haben die Teilnehmer

nicht bekommen, insgesamt sind 10 000

Euro Preisgeld ausgeschrieben. »Das Siegerteam

gewinnt besten Südtiroler Wein

und 5000 Euro. Der zweite 3000 Euro,

der dritte 2000 Euro. Sie müssen sich das

Geld aber redlich teilen!«, sagt Rennleiter

Lorenzi. Für die Kletterer geht es auch

darum, dass sie ihre Sponsoren auf den

Hochglanz-Aufnahmen der Veranstaltung

zeigen können. »Tolle Unterkunft, ein bisschen

zusammen weggehen, klettern –

passt«, sagt Martin Schidlowski. Er möchte

2015 auf jeden Fall wieder mitmachen.

Auch wenn die Kletterroute eigentlich zu

einfach, der Fels zu nass und die Ache ganz

fürchterlich kalt war.


Foto: Peak to Creek (2), Ulrich Grill (re.), Markus Berger ( ganz re.)

80 Bergsteiger 10⁄14


Peak to Creek-Teilnehmer Hansjörg Auer im Interview

»Ich glaube, dass der Bergsport

wieder schlichter wird«

Peak to Creek ist auch ein Beispiel dafür:

Die Berge werden zur Extremsport-Kulisse,

um der Action willen. Ist das der Weg des

Bergsports in die Zukunft, Herr Auer? Oder

ist es Zeit für eine Besinnung zurück zu

den Wurzeln?

Hansjörg Auer: Ich glaube, dass der Bergsport

in den kommenden Jahren wieder

zur Schlichtheit zurückkehren wird.

Schließlich sind die Abenteuer am coolsten,

die am meisten Fragezeichen haben

– und die gleichzeitig vom Projekt her am

simpelsten sind. Die Menschen gehen wieder

mehr Alpinklettern, und auch nicht

unbedingt nur die Genussrouten. Ich sehe

immer mehr Kletterer in den Dolomiten,

die mit Hammer und Haken unterwegs

sind. Das setzt aber voraus, dass ich mich

ernsthaft mit dem Bergsteigen auseinandergesetzt

habe. Für viele Hobbysportler

ist es zur reinen Fitnessaktivität geworden.

Hier müsste man den Hebel ansetzen: Den

Leuten klar zu machen, dass es eben nicht

nur um Fitness geht. Sondern um Verantwortung,

auch mental bereit zu sein.

Gerade Klettersteige sind zum Trend geworden,

weil die Hürde zum Erlebnis in

den Bergen sehr niedrig ist.

Das hat derart geboomt, dass sie in den

letzten Jahren überall Klettersteige gebaut

haben. Jetzt mag es Trend sein, aber was

ist in 50 Jahren? Dann hängt der Stahlmüll

herum. Verstehen Sie mich nicht falsch.

Klettersteige haben ihre Daseinsberechtigung:

für Menschen, die nicht zum Klettern

kommen, aber die Höhe, die Ausgesetztheit

erleben wollen – wie für meine

Mutter zum Beispiel, die macht das sehr

gerne. Aber es braucht nicht an jeder Felswand

einen Klettersteig.

Ihr großes Sommer-Projekt, zusammen

mit David Lama und Peter Ortner, war die

Masherbrum Nordostwand im Karakorum.

Inwieweit sind Profi-Alpinisten frei, ihre

Projekte selbst auszuwählen – und wieviel

sprechen Sponsoren mit?

Mir hat jedenfalls noch keiner reingeredet.

Natürlich vertreten wir unsere Sponsoren

auf Veranstaltungen und Events, aber die

großen Vorhaben, die wählen wir schon

selbst aus.

Sie sind eine etablierte Größe. Aber kann

es nicht vorkommen, dass Sponsoren junge

Kletterer, die auf das Geld noch mehr angewiesen

sind, zu gefährlichen Projekten

zu überreden versuchen?

Mir sind keine Fälle bekannt, wo jemand

verheizt wurde. Es ist eher so, dass die Jungen

oft zu ambitioniert sind, dass sie zu

früh zu viel wollen, anstatt eine natürliche

Entwicklung zu gehen. Dann wird es

gefährlich: Wenn die Zusammenarbeit

zum Druck ausartet, wenn man für die

Unterstützung eine größtmögliche Gegenleistung

bringen will. Ganz grundsätzlich

bin ich der Meinung, dass Bergsteigen kein

Wettkampf ist. Warum wird ein Piolet d’Or

verliehen, warum ist der Preis so wichtig?

Es gibt keine Gewinner – genauso wie es

keine Verlierer gibt.

Sie selbst sind mit dem Masherbrum nun

selbst ein durchaus großes Risiko eingegangen.

Warum?

Weil mir das Projekt das wert ist, weil ich

hundertprozentig dahinter stehe. Grundsätzlich

bin ich eine Person, die gerne auch

ein Risiko eingeht. Aber auch wenn wir

vermeintlich unvernünftigere Dinge tun,

als jemand, der meinetwegen in der Bank

arbeitet: Das Wichtigste ist, dass wir mit

allen Fingern und Zehen wieder zurückkommen.


Hansjörg Auers

Traum vom

Masherbrum

(7821 m) platzte

im Sommer –

zu viel Schnee,

zu viele Lawinen

10⁄14 Bergsteiger 81


ALPINISMUS

Psychologie-Serie: Berge im Kopf

Ein gemeinsames Ziel

verbindet, sofern jeder

in der Gruppe bereit

ist, verantwortlich dazu

beizutragen.

82 Bergsteiger 10⁄14


Teil 2: Verantwortung & Gruppendynamik

Du darfst!

Bergführer tragen nicht nur einen

Rucksack, sondern auch die Hauptverantwortung.

Das bedeutet aber

nicht, dass der Rest der Gruppe völlig

unbedarft hinterher stapfen soll.

Der zweite Teil unserer Psychologie-

Serie beschäftigt sich mit Gruppendynamik

und selbstverantwortlichem

Handeln am Berg. Von Uli Auffermann

Radikal eigenverantwortlich:

Hansjörg Auer im

»Weg durch den Fisch«

Fotos: Archiv Weikert (links), Heiko Wilhelm

Der Atem wird ruhig, und jeder

Muskel im Körper arbeitet auf

Hochtouren. Die folgende Sequenz

fordert eine besonders

feine Fußtechnik, gepaart mit

vollster Entschlossenheit. Den linken Fuß

hoch auf Reibung, Zeige- und Ringnger

verkrallen sich in den kleinen Schlitz weit

oberhalb. Spannung auf bauen – eindrehen

– die linke Hand schnellt weit hinauf.

Erst als ich das gute Loch mit links erreicht

habe, weiß ich, die vermeintliche Schlüsselstelle

gemeistert zu haben. (...) Im oberen

Teil lassen die Schwierigkeiten merklich

nach, und in einer unvorstellbaren

Ekstase laufe ich förmlich die Ausstiegsrisse

hinaus und erreiche exakt um 11:55

Uhr den letzen Stand vom ›Weg durch den

Fisch‹.«

Hansjörg Auers Momentaufnahmen seines

legendären Free-Solos in der Marmolada-

Südwand sind nicht nur Zeugnis einer

klettersportlichen Sternstunde, sondern

vor allem auch ein Sinnbild für Verant-

wortung in reinster Form – der absoluten

Eigenverantwortung. In der glatten Mauer

des »Fisch« war er auf sich allein gestellt,

sein Leben hing einzig von seinem Tun, seinen

Entscheidungen ab. Niemand konnte

ihm beistehen, ihm gar abnehmen, ob die

nächste Bewegung Weiterkommen oder

Untergang bedeutet.

»Grundlage jeder

wahren Verantwortung

(...) bleibt es,

sich darüber klar

zu werden, was das,

was man tut, wirklich

bedeutet.« MAX

STEENBECK (PHYSIKER)

Bewusstsein fürs Risiko

Verantwortung beinhaltet die Fähigkeit,

Risiken und Gefahren richtig einschätzen

zu können. Voraussetzung dafür ist,

dass ein Bewusstsein für die eigenen Möglichkeiten

und Grenzen am Berg entwickelt

wurde. Einerlei nun, ob wir es für

uns allein oder auch für andere tun. Die

Richtschnur für die höchstmögliche Verantwortung

gibt immer noch die Maxime

von Paul Preuß vor: »Das Können ist des

Dürfens Maß.« Auch Pauli Trenkwalder,

Bergführer und Diplom-Psychologe aus

Südtirol (www.mersch-trenkwalder.com)

sagt: »Es geht beim Bergsteigen vor allem

um die fachsportliche Kompetenz.« Auf

dieser Basis der Selbsteinschätzung und

Fähigkeit zur Beurteilung der jeweiligen

Situation fallen Entscheidungen. Warnsignale

wie Unsicherheit oder Angst zeigen,

was geht und was nicht. Alles andere ist

am Berg verantwortungslos. Trenkwalder

erzählt von einem kürzlich beobachteten

Ereignis auf einem Klettersteig: »Zwei

10⁄14 Bergsteiger 83


»Es ist so bequem,

unmündig zu sein.

Habe ich ein Buch,

das für mich Verstand

hat, (...) undsoweiter,

so brauche

ich mich ja nicht

selbst zu bemühen.«

IMMANUEL KANT

Eine Gruppentour ist Gemeinschaftsaufgabe:

Bergführer-Ausbilder Peter Geyer

Klare Verhältnisse: Beim Klettern trägt

jeder für den anderen Verantwortung.

Familien waren, was Ausrüstung, Uhrzeit,

Sicherung der Kinder undsoweiter betraf,

völlig hanebüchen unterwegs. Und weil

sie gar nicht wussten, in welcher möglichen

Gefahr sie sich befanden, machten

sie einen ganz beruhigten Eindruck auf

mich.«

Verantwortung heißt also auch, die entsprechenden

Kenntnisse für die jeweilige

Tour zu haben, ihr psychisch und physisch

gewachsen zu sein. Da hilft es nicht, sich

einer geführten Gruppe anzuschließen in

dem Glauben, die Verantwortung komplett

loszuwerden. Im Gegenteil! Der Bergund

Skiführer Peter Geyer sagt: »Natürlich

hat der Bergführer den größten Part der

Verantwortung, doch jeder Einzelne einer

Gruppe muss nach seinen Möglichkeiten

zur Risikominimierung beitragen, denn

das ist eine Gemeinschaftsaufgabe.«

Leserumfrage: Wem vertraue ich am Berg?

Wem vertraue ich?

Das ist die zentrale

Frage für Wanderer

und Bergsteiger,

wenn sie zu einer

Tour aufbrechen,

bei der es ans

Eingemachte geht.

Hier die Ergebnisse

unserer Umfrage

unter den Lesern

(Mehrfachnennungen

waren möglich):

5 %

23 %

44 %

48 %

65 %

GPS-Gerät/

Karte

Ratschlägen von

Einheimischen

Bergführer

Mir selbst

erfahrenen

Bergkameraden

Geyer ist führender Kopf in der Bergführerausbildung

und im Unfallmanagement, er

gilt als Vorreiter bei der Vermittlung von

Sicherheits- und Risikobewusstsein. Zur

Rolle des Bergführers sagt er: »Man muss

immer wissen, was sich in der Gruppe tut;

eine Mordsgaudi ist eine gute Sache, aber

in bestimmten Situationen ist es wichtig

einzugreifen, damit alle wieder konzentriert

sind.« Bei größeren Gruppen schleiche

sich eben leicht der Gedanke ein:

Wenn etwas passiert, warum soll es gerade

mich treffen?

Gruppenzwang schafft Gefahren

In einer Zweier-Seilschaft – vor allem

beim Klettern – ist die Situation in punkto

Verantwortung am deutlichsten: Beide

Partner sind aufeinander angewiesen,

übernehmen wechselseitig füreinander

Verantwortung und müssen über Weitergehen

oder Umkehren offen kommunizieren.

In einer mehrköpgen Gruppe entsteht

darüber hinaus eine besondere Dynamik,

die sich nicht immer auf den ersten Blick

erschließt und die ein gewisses psychologisches

Gespür verlangt. Gudrun Weikert,

die erste deutsche Frau im Bergführer-Beruf,

Diplom-Sportlehrerin und Dozentin

an der TU München, weiß aus der Praxis

zu berichten: »Die Problematik, dass sich

Leute durch die Gruppe viel mehr zutrauen,

als sie eigentlich möchten, und die

dadurch entstehenden Risiken sind mehr

84 Bergsteiger 10⁄14


Fotos: Archiv Geyer, Andreas Strauß, Archiv Weikert

oder weniger Alltag.« Und sie ergänzt: »Die

›Schwächeren‹ wollen meist die Gruppe

nicht aufhalten und muten sich mehr

zu als gewollt, oder sie werden von den

›Stärkeren‹ überstimmt.« Seien mehrere

Leute gemeinsam unterwegs, werde man

abgelenkt, und manch einer verhalte sich

unter Beobachtung durch die Gruppe anders.

»Die Schere geht weit auseinander

zwischen denen, die sich mit der Tour auseinandersetzen,

und denen, die die Bergtour

kaufen wie ein Produkt; besonders bei

TIPP

Leitfaden für

Teamleader

Die Psychologen Oliver König und

Karl Schattenhofer geben mit diesem

kompakten, 125 Seiten zählenden Werk

einen Überblick zu relevanten Konzepten

und Sichtweisen der Gruppendynamik

und deren praktischer Bedeutung. Das

Buch zeigt, wie in

Trainingsgruppen

soziale Kompetenzen en

erworben werden

können, die für das

Steuern und Leiten

von Gruppen und

Teams notwendig

und hilfreich sind.

Carl Auer Verlag

2012

Bergsteigen in der Gruppe kann motivieren,

aber auch unter Druck setzen.

bergsteigerischen ›Aushängeschildern‹ wie

beispielsweise dem Matterhorn«, ist sich

Weikert sicher.

Gemeinsame Ziele verbinden

Unterwegssein in der Gruppe birgt aber

auch die große Chance, die Vorteile dieser

Gemeinschaft optimal zu nutzen. Oftmals

entwickelt sich dadurch ein Teamgeist mit

einem starken Wir-Gefühl, orientiert auf

das gemeinsame Ziel. »Ist der Gast mehr

eingebunden in die Entscheidungsfindung,

fühlt er sich als wichtiger Teil der

Gruppe, und das erhöht sowohl das Gemeinschaftsgefühl

als auch das Erfolgserlebnis,

weil es mit erarbeitet wurde«,

erläutert Geyer.

In die Ausbildung der Bergführer ießt

bereits viel psychologisches Wissen ein.

Doch es ist gut, wenn auch alle anderen,

die gern in die Berge gehen, für das Thema

sensibilisiert werden – vor allem, um gesund

und unversehrt wieder heimzukehren.

Wer Verantwortung übernimmt, sich

einbringt, wird starke Erlebnisse haben

und erfahren, wie schön und bereichernd

es sein kann, sich unterstützend und austauschend

in einer Gruppe die ganze Faszination

der Bergwelt zu erleben. ◀

VORSCHAU: Nehmen Sie an der nächsten Leserumfrage

Mitte September auf www.bergsteiger.de

teil und lesen Sie anschließend in Heft 12/2014,

was Männer und Frauen am Berg unterscheidet.

INFO

Was bedeutet

Verantwortung?

Eine klar umrissene Defi nition für Verantwortung

gibt es wohl nicht. Es geht dabei

um grundlegende Bezüge zwischen dem

Einzelnen und der Gesellschaft, der Natur

und sich selbst. Der Begriff Verantwortung

weist einer Person bestimmte Merkmale

oder Fähigkeiten zu, wie beispielsweise über

Verantwortungsbewusstsein zu verfügen. Er

meint aber zugleich auch einen sozialen Kontext,

eine bestimmte Position oder Rolle, die

sich durch einen großen Handlungsspielraum

mit hohen Anforderungen an das selbständige

Entscheiden und entsprechend hohem

Folgerisiko auszeichnet.

Fragt man, wer wem wofür verantwortlich ist,

so geht es um das sogenannte deskriptive

(beschreibende) Verständnis von Verantwortung.

Bei normativer Verantwortung,

ob die handelnde Person beispielsweise

sozialen Regeln, ethischen Werten, Gesetzen

oder eigenen verinnerlichten Pfl ichten bzw.

Prinzipien folgt, geht es zudem um die

ethisch-moralische Einordnung. So auch

beim Bergsteigen: Verantwortung sich selbst,

dem Partner, einer Gruppe gegenüber, aber

ebenso für die Natur und die Werte des

Alpinismus. Was als verantwortungsvolles

Handeln verstanden wird, defi niert sich durch

die Wertvorstellungen der Gesellschaft, der

Kultur oder einer bestimmten Gruppe.

Das Wort Gruppendynamik prägte der Psychologe

Kurt Lewin 1939. Gruppendynamik

meint bestimmte Muster, die man bei Vorgängen

in einer Gruppe erkennen kann, aber

auch die Methode der Erforschung dieser

Abläufe. Es geht um die Eigenschaften und

Befähigungen der Gruppe als Ganzes wie die

der einzelnen Individuen. In der Gesamtgruppe

läuft nach einem bestimmten Schema

– in sogenannten Phasen – ein Entwicklungsprozess

ab. Dabei werden unter anderem

Ziele, Regeln und Normen defi niert, und es

bilden sich innerhalb der Gruppe beispielsweise

Rollen der einzelnen Mitglieder aus.

10⁄14 Bergsteiger 85


KOLUMNE

Im

falschen

Film

Stefan Glowacz

jagt den Augenblick

am Roraima.

Das geht doch nicht!

DAVIDS DEPESCHEN (8)

Geschichten aus dem Basislager

Ein neuer Bergsteiger-Film kommt

in die Kinos. Ich bin gespannt,

weil es natürlich mein Metier

ist und ich es immer wieder aufschlussreich

nde, wie die Filme

gemacht sind, wie sie ankommen. Zudem

habe ich ein Interesse daran, weil es die

Aufnahmen eines befreundeten Bergsteigers

sind. Umso mehr freut es mich zu

hören, dass aus dem breiten Publikum ein

überwiegend gutes Feedback zu vernehmen

ist.

Aus der so genannten »Szene«, dem kleinen

Kreis der eingeeischten Bergsteiger,

muss ich jedoch hören:

»Allein der Filmtitel! Kann nichts sein! Viel

zu reißerisch!«

Oder: »Und dann im Vorfeld dauernd der

Name in allen Magazinen, auf allen Kanälen.

Das nervt doch ganz schön!«

Natürlich ist solch ein Film ein Produkt,

das durch einen Titel Aufmerksamkeit erregen

muss und beworben wird. Warum

aber, frage ich mich, freuen wir uns nicht

für den Protagonisten, in diesem Fall Stefan

Glowacz, dass er einen Film wie »Jäger des

Inzwischen sind manche

Bergsteiger mehr

damit beschäftigt, die

Leistungen der Kollegen

nach einem Makel zu

untersuchen als selbst

in die Berge zu gehen.

Muss das eigentlich sein?

Von David Göttler

Augenblicks« gemacht hat, der unsere Leidenschaft

für die steilen Berge dieser Welt

auch einem Herrn Schmid aus Bielefeld in

seinem Ohrensessel zu vermitteln weiß?

Hat das wirklich rein fachliche Gründe?

Auch ich selbst musste mich schon mal

wundern, warum es in der Szene nicht

entspannter zugeht. Vor meiner Abreise

zu einer 8000er-Expedition erhielt ich eine

E-Mail von einem anderen Probergsteiger.

Er machte mich auf den Inhalt einer

Pressemitteilung über die bevorstehende

Expedition aufmerksam. Sie war vorab von

der Agentur eines Teammitglieds verfasst

worden. Im Wesentlichen lautete sein Vorwurf,

dass unsere geplante Besteigung als

große Premiere verkauft wurde, was seiner

Meinung nach nicht stimmte. Zugegeben:

Die Pressemitteilung war in der üblichen,

stets leicht reißerischen Marketingsprache

verfasst und daher etwas überzogen formuliert.

Doch hatten weder mein Kollege

und noch viel weniger ich diese Zeilen geschrieben.

Wer ein wenig Einblick in die

Szene hat, weiß, wie so etwas funktioniert.

Irgendwann verwandelte sich mein Ärger

in Mitleid. Denn ich persönlich hätte die

Zeit, eine detaillierte Beschwerde-Mail zu

schreiben, viel eher dazu genutzt, selbst

loszuziehen, um eine Runde laufen oder

klettern zu gehen.

Im Gegensatz zum Ärger hat mich etwas

anderes nicht losgelassen: das unschöne

Gefühl, dass jede Leistung danach untersucht

wird, ob nicht irgendwo ein Makel zu

nden ist. Ich frage mich, warum wir uns

von den Kollegen nicht begeistern lassen

und deren Abenteuer als Ansporn betrachten.

Ist nicht jede positive Publicity für den

Fotos: Klaus Fengler, Lincoln Else / Red Bull Content Pool

86 Bergsteiger 10⁄14


Noch so ein Typ mit Helm! David Lama sucht seine Chance im Film »Cerro Torre«.

Bergsport auch gut für all jene, die davon

zu leben versuchen, egal ob Bergführer,

Probergsteiger oder Jackenverkäufer?

Und ist es nicht das Wunderbare des Bergsports,

dass er für jeden einen Spielplatz

bereithält? Dem einem gefällt es, sich an

der Geschwindigkeit von A nach B zu berauschen,

andere suchen die Einsamkeit

eines Berges mit einem möglichst geringen

Einsatz an Hilfsmitteln und wieder anderen

ist es völlig egal, wie sie den Gipfel

erreichen. Und so lange jeder offen und

ehrlich mit der Wahl seiner Mittel umgeht,

sehe ich darin auch kein Problem. Am Ende

können wir noch immer entscheiden,

ob wir dieses oder jenes Abenteuer lesen,

konsumieren, uns dafür begeistern wollen.

Natürlich stellt sich die Frage: Reicht das

bloße Pochen auf Ehrlichkeit und Ehre,

wenn Ruhm und Geld in Aussicht stehen?

Vielleicht sollten wir deshalb gleich ein

Komitee zur Bewertung und Analyse bergsteigerischer

Leistungen gründen. Unter

der Schirmherrschaft eines namhaften

Sponsors ließen sich beispielsweise ganz

einfach Regeln aufstellen, wie viele Tweets

und Posts pro geschafftem Höhenmeter

abzusetzen sind – oder auch nicht. Außerdem

sind die per GPS gesicherten Koordinaten

im Stundenrhythmus auf eine

allgemein zugängliche Webseite (www.

honestmountaineers.com) zu senden. Am

Ende führt eine Oberaufseherin – eine Art

Kreuzung zwischen Sherlock Holmes und

Miss Hawley – eine detaillierte Befragung

mit Lügendetektor durch. Somit könnten

wir am Ende alles in ein Korsett zwängen,

um die Leistungen wirklich zu vergleichen

wie die Zeiten eines Hundert-Meter-Laufes.

Ist es das, was Menschen inspiriert und was

ein Abenteuer ausmacht? Und vor allem:

Ist es das, was wir Bergsteiger wollen? ◀

David Göttler, Jahrgang 1978, teilte sein

Zelt an den Steilwänden und Achttausen -

dern dieser Welt unter anderem schon

mit Gerlinde Kaltenbrunner, Stefan

Glowacz und Simone Moro. Der staatlich

geprüfte Berg- und Skiführer sowie

Trainer des DAV-Expedkaders schreibt

exklusiv für den BERGSTEIGER

über seine Erlebnisse auf Expedition.

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SERVICE

Hersteller im Profil

Salewa

Voll auf Kante

Firmen-Steckbrief

Gegründet: 1935

Hauptsitz: Bozen, Italien

Produktionsorte: u.a. China, Indonesien,

Vietnam, Italien

Geschäftsführer: Massimo Baratto (CEO)

Mitarbeiter: 550 weltweit

Umsatz: 194 Millionen Euro (2013;

gesamter Konzern Oberalp AG)

Wenn sich eine Firma ein neues Logo gibt,

will sie auch die Unternehmenskultur ändern.

Die Bozener Bergsportmarke Salewa präsentiert

sich fortan technischer, alpinistischer. Eines

soll nach dem Wunsch des Unternehmenschefs

Heiner Oberrauch aber unangetastet bleiben:

die familiäre Atmosphäre im Betrieb.

Von Michael Ruhland

88 Bergsteiger 10⁄14


Rotpunkt: die Salewa-

Athleten Roger Schäli

und David Hefti bei der

ersten freien Begehung

der Route »Golden Gate«

im Yosemite Park

Fotos: SALEWA / Frank Kretschmann, SALEWA / Cino Zucchi

Firmensitz mit kantigem

Profil: das Salewa-

Headquarter in Bozen

Wer die Lobby des vor drei Jahren

eröffneten Hauptquartiers

der Firma Salewa in

Bozen betritt, kann es sich

in einer im Halbrund angeordneten,

weißen Couchgarnitur bequem

machen und die Wartezeit mit einem

Imagelm verkürzen. In Überlebensgröße

kommen Führungskräfte, Mitarbeiter und

Kletterer zu Wort. Sie bringen das Besondere

der Bergsportmarke zum Ausdruck,

das, was ein Coach als »Spirit« bezeichnen

würde. So eine Multivisionsshow kann an

einem vorbeiplätschern, doch an einer

Filmsequenz bleibt der Reporter hängen.

Es zeigt den Eigentümer und Präsidenten

der Oberalp AG (unter der Salewa, Dynat,

Silvretta, Pomoca und Wild Country rmieren),

Heiner Oberrauch, beim Gärtnern.

Das Bild, das haften bleibt, wirkt nicht

konstruiert. Es zeigt einen bodenständigen

Mann Mitte 50, den man sich gut als

netten Nachbarn vorstellen kann, mit dem

man gemeinsam über die Schneckenplage

schimpfen und über Apfelsorten diskutieren

kann.

Später, in seinem Büro im sechsten Stock

des Beton-Glas-Kolosses, wird Oberrauch

sagen, dass er sich allmählich »aus dem

operativen Geschäft herausnehmen«

möchte. »Ich bin begeisterter Gärtner

und will einen Hof betreiben, wo ich alles

selbst anbaue. Zweimal pro Woche will ich

dann in einem Restaurant aufkochen.«

INFO

Preisgekrönter Bau

Von der Brenner-Autobahn wirkt das

kantige Gebäude eher abweisend. Steht der

Betrachter vor dem Salewa-Hauptquartier,

übt die polygonale Struktur des Komplexes –

an Felsformationen angelehnt – durchaus

Faszination aus. Es ist das einzige Gebäude

Italiens, das zweimal für die Architekturbiennale

in Venedig nominiert wurde. Es gewann

sowohl den »Investment Award Südtirol« als

auch den zweiten Preis des US-Architektur

Awards 2011. Zudem wurde das Hauptquartier

durch die »KlimaHaus Agentur« mit

dem Zertifi kat »Work&Life« ausgezeichnet.

Architekten: Cino Zucchi & Filippo Pagliani

aus Mailand

Kosten: 30 Millionen Euro, davon 9 Millionen

für den Roboter des Logistikzentrums

Volumen: 170 000 Kubikmeter

Fläche: 18 000 Quadratmeter

Baufirmen: 90 Prozent aus Südtirol

Fotovoltaikanlage: 520 000 Kilowattstunden

im Jahr – mehr, als verbraucht wird

Logistikzentrum: bearbeitet vollautomatisch

30 000 Artikel am Tag

Mitarbeiter im Firmensitz: 180

Integrierte Kletterhalle mit 11 000 Klettergriffen

und 2140 Quadratmetern Kletterfl

äche (Öffnungszeiten: täglich 9–23 Uhr)

Kindertagesstätte: für bis zu 15 Kinder

Geschäft Salewa World: 10–19 Uhr

Denken in Generationen

Dieses Bild des Gärtners sagt mehr aus

über den Mann, als es die nackten Zahlen

eines Unternehmens mit weltweit 550 Mitarbeitern

und einem Umsatz von etwa 200

Millionen Euro (2013) tun können. Heiner

Oberrauch hat Salewa 1990 übernommen

und in den folgenden zwei Jahrzehnten zu

einem weltweit agierenden Konzern entwickelt.

2003 gründet er Salewa France,

ein Jahr später ist Spanien dran, 2007 die

USA, 2008 Polen, 2012 Asien und Tschechien.

Zwischen zehn und 15 Prozent ist

der Bergsportausrüster seither jährlich

10⁄14 Bergsteiger 89


Viel Luft in der Lobby des Firmensitzes

Die hauseigene Kita hat Platz für 15 Kinder.

Heiner Oberrauch hat Salewa groß gemacht.

»Man arbeitet dann gut, wenn man

gerne arbeitet. Das neue Headquarter

war deshalb die beste Investition,

die ich je gemacht habe.« FIRMENCHEF HEINER OBERRAUCH

CEO M. Baratto stellt das neue Logo vor.

gewachsen, und das ohne große Kreditaufnahme.

»Wir versuchen, möglichst autonom

von Banken zu sein«, sagt der Südtiroler

selbstbewusst, dessen Familie schon

im 19. Jahrhundert mit Stoffen handelte.

»Größe ist nie ein Ziel, sondern eher eine

Notwendigkeit«, antwortet Oberrauch auf

die Frage, ob das Wachstum auch Grenzen

habe. Die Oberalp AG mit Salewa als Flaggschiff

sei ein Management-geführtes Familienunternehmen.

Die Familie sehe sich als

Hüter der Marke und der Unternehmenskultur.

»Wir denken in Generationen, nicht

in Börsenzyklen.« Bedient sich da einer der

Schlagworte, die gerade en vogue sind? Mit

dem überstrapazierten Begriff der Nachhaltigkeit

kann Heiner Oberrauch nicht

viel anfangen. »Lieber spreche ich von gesamtunternehmerischer

Verantwortung.«

Er habe sich vorgestellt, erklärt Oberrauch,

mit 70 auf einer Bank vor seinem Hof zu

sitzen und sich rückblickend die Frage zu

stellen: Was war sinnvoll als Unternehmer?

Er habe nicht lange nachdenken müssen:

»Sinnvoll war, dass wir einen Kindergarten

im Unternehmen haben, dass wir auf den

Dächern mehr Strom erzeugen, als wir verbrauchen,

dass wir einen Fitnessraum für

Mitarbeiter haben, dass unsere Küche ein

bewusst regionales Essen anbietet.« Bei der

Planung des neuen Headquarters habe man

sich auch die Frage nach der Anordnung

der Stellplätze gestellt. Ergebnis: »Bei uns

stehen die Fahrräder ganz vorne, nicht die

Autos der Chefs.« Der 56-Jährige glaubt fest

an einen Grundsatz: »Man arbeitet dann

gut, wenn man gerne arbeitet. Das neue Gebäude

war deshalb die beste Investition, die

ich je gemacht habe.« (siehe Kasten S. 89)

Heiner Oberrauch hat sich inzwischen

warm geredet. Die Debatte um schadstofffreie

Textilien bringt ihn in Rage. »Ich ärgere

mich, wie viele Lügen in der Branche

verbreitet werden«, sagt er. Zu 90 Prozent

sei entscheidend, dass man langlebige Produkte

herstelle. Doch viele machten um

die restlichen zehn Prozent einen großen

PR-Rummel. Nachhaltigkeit heißt für den

Oberalp-Präsidenten auch Verzicht. So

habe er sich entschieden, die Raumtemperatur

im Gebäude nicht übers ganze Jahr

hinweg konstant zu halten. »Das hätte

insgesamt 30 Prozent mehr Energie verschlungen«,

rechnet Oberrauch vor. Für

die Mitarbeiter heißt das an den wenigen

sehr heißen oder außergewöhnlich kalten

Tagen: Kleidung anpassen.

Vier Jahre, fünf Designer, 200 Adler

Anpassen ist auch das Stichwort, das der Firmenchef

als Hauptgrund dafür nennt, warum

sich Salewa entschlossen habe, nach

mehr als 30 Jahren ein neues Logo zu entwickeln.

»Die Zeit von Gold und Glamour

ist vorbei. Der Bergsteiger will’s ja einfach«,

begründet Oberrauch den Schritt. Der naturalistische

Adler, der mit dem Markenwort

verknüpft ist, ist nun einem abstrahierten

Modell des Greifvogels gewichen. Vier Jahre

lang feilten fünf international tätige Designer

am neuen Logo und präsentierten

insgesamt 200 Adler-Vorschläge. Herausgekommen

ist ein abstraktes, minimalistisches

Motiv, das im Wesentlichen zwei große

Schwingen zeigt. »Der Adler bleibt der

Held der Lüfte, und wir bleiben zu hundert

Prozent eine Bergsportrma«, sagt Oberrauch.

Das Logo selbst sei nur die Spitze des

Eisbergs. »Es geht um eine Kulturänderung:

Foto: SALEWA / Jens Ellensohn (1) / A. Martiradonna (2) / Claudia Ziegler (1), SALEWA

90 Bergsteiger 10⁄14


immer unterwegs

Offen in Richtung Berge: Die Kletterhalle »Salewa Cube« ist Teil des Headquarters.

Wir wollen uns am Markt noch viel technischer

positionieren«, erklärt er. Letztlich

habe man die kantige, eckige Grundstruktur

des Headquarters nun auch im Logo

aufgegriffen. Seit 80 Jahren sei Salewa als

Bergsportmarke in der Vertikalen unterwegs.

»Das wollen wir unterstreichen und

uns aufs Wesentliche konzentrieren.« Deshalb

investiere Salewa Millionenbeträge in

die Entwicklung technischer Hardware wie

etwa in Karabiner, Klettergurte und Helme.

Gemeinsam mit dem Schuhsektor macht

die Hardware etwa 60 Prozent des Umsatzes

aus, 40 Prozent kommen aus dem Textilsektor.

Mit dem neuen Logo frischt Salewa sein

Corporate Design auf. »Das Logo zieht sich

durch alle Produkte und ndet sich im

Schnitt und in den Accessoires wieder«,

erklärt Reiner Gerstner, Marketing-Chef

der Oberalp-Gruppe. Das Zauberwort

heißt »polygonal«, weshalb Salewa sich

auch in die dritte Dimension vorwagt und

auf Kleidungsstücken der Frühjahrs- und

Sommerkollektion Logos in 3-D aufbringt,

von Lasern geschnitten. Insgesamt ist die

Kollektion im Vergleich zu früher deutlich

bunter und jünger gehalten. Das neue Logo

wird ab 2015 auf den neuen Produkten

zu sehen sein. Bis das alte vom Markt verschwunden

ist, vergehen nach Einschätzung

Reiner Gerstners drei bis fünf Jahre.

Schrecksekunde beim Shooting

Um ein Haar hätte der im Mai vor 500 Salewa-Händlern

feierlich zelebrierte Logo-Relaunch

einen herben Dämpfer bekommen.

Die beiden Top-Athleten Roger Schäli und

David Hefti kletterten wenige Tage zuvor

mit dem neu designten Equipment – auch

um spektakuläre Bilder zu liefern – am El

Capitan die Route »Golden Gate« erstmals

»Rotpunkt«, also ohne die Sicherungen zu

belasten. Schäli hätte sich dabei beinahe

ernsthaft verletzt. »Ich el zehn Meter tief

ins Seil, das war ein Schock«, berichtet er.

Vor dem Salewa-Publikum breitete er grinsend

und offensichtlich unversehrt die

Arme aus, und hinter ihm leuchteten die

Schwingen des neuen Logo-Adlers. ◀


KAUFBERATUNG

DIE ZWÖLF TESTMODELLE

IM ÜBERBLICK

BERGHAUS Scafell Down Vest

HAGLÖFS Essens II Down Vest

LA SPORTIVA Climate Primaloft Vest

MAMMUT Broad Peak Vest

MARMOT Variant Vest

MOUNTAIN EQUIPMENT Compressor Vest

NORRÖNA Warm1 Svalbard Vest

OUTDOOR RESEARCH Transcendent Vest

RAB Strata Vest

SIR JOSEPH Eiger II

VAUDE Sesvenna Vest

YETI Solace

STOFF

Das Obermaterial sollte

stark windresistent

und dauerhaft wasserresistent

sein.

TASCHEN

Zwei voluminöse Einschubtaschen

taugen nicht

nur zum Verstauen von kleinen

Gegenständen, sondern

halten auch die

Hände warm.

FÜLLUNG

Daune ist warm und leicht,

Isolationsfaser hält ebenfalls

relativ warm und ist zugleich

robust, Fleecefaser punktet

mit extremer Dampfdurchlässigkeit.

92 Bergsteiger 10⁄14


Isolierende Westen

Warm umsHerz

Kühles Herbstwetter lässt Bergsteiger tief im

Kleiderschrank wühlen. Für Daunenjacken ist es

noch zu warm. Abhilfe schaffen Westen, die den

Körper dort wärmen, wo er es am nötigsten hat.

Von Christian Schneeweiß

Foto: Maygutyak/fotolia.com

Die Sonne scheint vom wolkenlosen

Himmel, der Aufstieg treibt

den Schweiß aus den Poren.

Kurze Pause: Die wärmende

Jacke wandert in den Rucksack.

Weiter geht’s. Erst jetzt macht sich

durch den luftigen Stoff des Shirts der kalte

Herbstwind bemerkbar, der hartnäckig

über den Bergrücken bläst. Erneute Pause,

Kramen im Rucksack. Die Entscheidung

fürs kleinere Übel fällt schwer: Schwitzen

unter der Isolationsschicht oder Frieren im

dünnen Funktionsshirt?

Halt! Es gibt noch eine dritte Möglichkeit:

eine Weste aus dünnem Isolationsmaterial,

die den Torso vor Auskühlung schützt, während

der Schweiß an Schultern und Armen

nahezu ungehindert verdampfen kann.

Die optimale Allroundweste besitzt eine

dünne Isolierung, sodass sie neben

ihrer Funktion als Windschutz zugleich

wärmt, ohne den Körper zu überhitzen.

Die Isolierungen reichen von Daunen

unterschiedlicher Bauschkraft und damit

Wärmeefzienz über diverse künstliche

Isolationsfasern – wie etwa Primaloft und

Polartec Alpha – bis zu dampfdurchlässigen

Woll-Isolierungen (Merino wolle,

Swisswool) und feuchtesaugendem Stretch-

eece für intensive Aktivitäten oder Übergangszeiten.

▶ Gewicht, Volumen und Preis

Der Vorteil liegt nicht nur im Komfort:

Isolierende Westen fallen mit 240 bis 300

Gramm weniger ins Gewicht als Jacken.

10⁄14 Bergsteiger 93


»Die hohe Dampfdurchlässigkeit

von Kunstfaser ist kein Versprechen

mehr, sondern Realität.«

Christian Schneeweiß, Tester

Ultraleichtgewichte wie die Daunenwesten

von Yeti und Haglöfs bringen sogar nur 170

bzw. 180 Gramm auf die Waage. Im Prinzip

lassen sich alle Westen in einer ihrer Taschen

verpacken (Sir Joseph mit wasserresistentem

Packbeutel inklusive Hängeschlaufe);

aber nur wenige Modelle besitzen den

sinnvollen doppelten Zipper für einfachen

Verschluss. Die Packvolumina reichen von

stark komprimierten zirka 1,3 Litern bis zu

lagerungsfähigen 3,5 Litern (Daunenwesten

Mammut bzw. Berghaus). Marken-Isolationswesten

kosten normalerweise um die 130 €,

hochwertige Daunenwesten bis 200 €. Yeti

toppt seine Mitbewerber nicht nur im Gewicht,

sondern auch im Preis: 270 €.

▶ Wärme, Komfort und Dampfdurchlass

Die Daunenwesten punkten mit sehr gutem

bis hervorragendem Wärme-Gewichts-

Verhältnis. Dem gegenüber haben die Westen

mit Kunstfaser-Wattierung den Vorteil,

dass sie auch bei Durchfeuchtung noch

optimal warmhalten. Wer seinen Körper

wärmen und sich gleichzeitig bewegen will,

der sollte zu den neuen Westen mit luftiger

Füllung aus dem neuartigen Polartec

Alpha (Rab) oder aus Wolle greifen – oder

zu kühleren Hybriden. Letztere schützen

an empndlichen Zonen, besonders am

Brustbereich vor der Witterung und leiten

durch feuchtesaugende oder -durchlässige

Stretcheece-Einsätze am Rücken (Marmot)

oder an den Seiten (Vaude) mehr Schweißdampf

ab. Die dünne Weste von Norröna ist

rundherum extrem dampfdurchlässig.

Als zweite Bekleidungsschicht brauchen

Isolations-Westen kein Kuschel-Futter, der

möglichst kinnhohe Kragen aber schon.

Während die Kinnpatte am Front-Reißverschluss

(RV) zum Standard gehört, besit-

▶ Die Westen im Vergleich …

BERGHAUS

Scafell Down Vest

Info: www.berghaus.com

Preis: 200 €

Gewicht: 310 g (Gr. XL)

Isolation: nässeabweisende Hydro Down

Komfort: Die warme Weste mit 600 cuin

90/10er-Daune besitzt Daunenkragen und

verlängerten Rücken.

Schutz: windresistenter RV innen isoliert

abgedeckt, vorn eingehängter Zusatzstoff,

Rumpf-Zug, Ärmel Gummibündchen

Taschen: 2 große Einschubtaschen +

Werttasche, Verpackung in Taschen möglich

(lagerungsfähig, ca. 3,5 l).

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

HAGLÖFS

Essens II Down Vest

Info: www.haglofs.se

Preis: 170,- €

Gewicht: 185 g in XL

Isolation: Gänsedaune Bluesign-zertifi ziert

Komfort: Die weniger warme Daunenweste

mit extremer Bauschkraft (800 cuin, 90/10)

besitzt einen hohen Daunenkragen.

Schutz: Lycra-Bündchen an Saum und

Armansatz ergänzen den klemmfrei hinterlegten

Front-RV.

Taschen: große Einschubtaschen hochgesetzt,

eine für Westenverpackung mit Hängschlaufe/

Clip (lagerungsfähig).

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

LA SPORTIVA

Climate Primaloft Vest

Info: www.lasportiva.com

Preis: 159,95 €

Gewicht: 265 g in L

Isolation: Primaloft One

Komfort: Die weniger warme Isolationsfaserweste

besitzt Trikot-Kragen und innen eine

lagerungsfähige Stautasche mit Schlaufe.

Schutz: Die Weste mit hinterlegtem leichtgängigem

RV und nicht anpassbaren Lycrabündchen

ist winddicht und stark wasserresistent.

Taschen: Einschubtaschen etwas hochgesetzt,

Napoleontasche, innen Wäschefach und

Playerfach mit Kabelausgang.

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

▶ FAZIT: Daunenweste mit Maximalschutz

Die voluminöse Daunenweste ist kaum

spürbar und wegen nässeresistenter Daune

auch bei feuchtem Schneefall oder Nieseln

als Oberschicht tragbar. Zudem bietet sie

super Wetterschutz und leichtgängige RVs.

Weste trägt auf, Zweihand-Einzelzug sehr lang,

Kragen etwas weit. Refl ektoren.

▶ FAZIT: Ultraleichte Daunenweste

Federleichte Daunenweste für gemäßigte

Aktivität oder Übergangszeiten. Wegen

schwacher Imprägnierung nichts für feuchtes

Wetter. Kleiner Refl ektor, kein Doppelzipper

an Stautasche. Komplett Bluesign-zertifi zierte

Weste: umweltfreundlich produziert, Daunen

ethisch korrekt gewonnen.

▶ FAZIT: Wettersicheres Taschenwunder

Die schlank geschnittene Weste ist stark

wasserresistent, wärmt auch bei Durchfeuchtung

noch und trocknet schnell. Sie bietet

auch bei Nieselregen und feuchtem

Schneetreiben vollen Wetterschutz. Angenehmer

Kragen, Außentaschen kleiner. Großer

Refl ektor hinten.

94 Bergsteiger 10⁄14


INFO

Was die Füllung kann

▶ Daunen

Daune von Ente oder Gans bietet nach wie vor das

beste Verhältnis von Wärme zu Gewicht und komprimiertem

Packvolumen, zumal ihre Bauschkraft

(Loft) immens zugenommen hat. Sie bezeichnet

das Volumen einer Unze (28,35 g) Daunen in

cuin (cubic inches). Bei 750 cuin würde sich

diese Daunenmenge bei freier Entfaltung auf 12,3

Liter bauschen. Kein anderes Isolationsmaterial

desselben Gewichts bindet so viel Luft und isoliert

damit so gut. Hochwertige Daune bauscht 600 bis

über 800 cuin auf und besitzt ein Daunen-Feder-

Verhältnis von mindestens 90:10. In Kombination

mit Kammerkonstruktion und Daunenverteilung

ergibt dies die Wärmeleistung einer Daunenweste.

Tendenziell gilt: Je höher die Bauschung, desto

wärmer die Weste.

▶ Isolationsfaser

Künstliche Isolationsfüllungen

bestehen aus Polyester in Form

von Hohlfasern, daunenartigen

Fasern oder heute üblicherweise

einem Vlies aus feinsten Fasern.

Letztere binden im Vergleich zum

Gewicht am meisten Luft, sind sehr robust,

ebenfalls komprimierbar und relativ dünn. Sie

werden hauptsächlich für gering bis mäßig

isolierende Westen eingesetzt, wo sie ihre

Stärken ausspielen können: Absolut gleichmäßige

Isolationsverteilung, kaum Volumen, hohe

Nässeresistenz, gleich bleibende Wärmeleistung

auch bei Durchfeuchtung und günstigerer Preis.

▶ Wattierung

Da die Dampfdurchlässigkeit traditioneller Isolationen

eher gering ist, wurden vor einigen Jahren

Wollfasern und vor kurzem Polyesterfasern in

Wärmeisolation aus der Natur: neben

Daune neuerdings auch Merinowolle

fl eeceartiger Form in den Füllraum zwischen

Obermaterial und Innenfutter gesteckt. Diese

Wattierungen tragen mehr auf als Isolationsfasern,

sind aber dampfdurchlässiger als diese oder

klassische Daunen und somit auch für intensive

Aktivitäten statt nur für Ruhepausen oder gemütliche

Wanderungen einsetzbar. Wollwattierungen

nehmen Feuchtigkeit eher auf, als sie abzuleiten

und sollten daher mit Polyester durchmischt sein.

Fotos: pixelio

TIPP

Allround

MAMMUT

Broad Peak Vest

Info: www.mammut.ch

Preis: 180,- €

Gewicht: 310 g in L

Isolation: Gänsedaune

Komfort: Die warme Daunenweste mit hoher

Bauschkraft (750 cuin, 90/10) und verlängertem

Rücken besitzt einen hohen Kragen.

Schutz: Die Weste ist mit vorn eingehängtem

Zusatzstoff isoliert, hinterlegtem Front-RV

und Gummizügen am Rumpf gut ausgestattet.

Taschen: Einschubtaschen etwas schmal,

darunter eine Stautasche mit Schlaufe (nicht

zur Lagerung!).

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

MARMOT

Variant Vest

Info: www.marmot.com

Preis: 130 € Gewicht: 320 g in XL

Isolation: Thermal r Eco +

Polartec Power Stretch

Komfort: Der Hybrid mit wärmender

Isolationsfaser vorn und stark feuchtesaugendem

Stretchfl eece hinten hat einen hohen

Fleecekragen.

Schutz: Zwar hat die Jacke einen hinterlegten

Front-RV, aber anstatt eines Kordelzugs am

Saum nur Lycra-Abschlüsse.

Taschen: Kuschelige Einschubtaschen und

große Werttasche innen (Verpackung möglich).

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

MOUNTAIN

EQUIPMENT

Compressor Vest

Info: www.mountain-equipment.co.uk

Preis: 119,- € Gewicht: 245 g in XL

Isolation: Primaloft One

Komfort: Die mäßig wärmende Isolationsweste

ist seitlich etwas dünner isoliert, der Kragen

verstellbar.

Schutz: Der winddichte Zwei-Wege-Front-RV ist

hinterlegt, Rumpf und Hals lassen sich perfekt

abdichten.

Taschen: Große Einschubtaschen leicht

hochgesetzt, davon eine Stautasche mit

Schlaufe, plus Napoleontasche

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

▶ FAZIT: Kälteschutz mit Minipackmaß

Die Daunenweste mit gut befüllten Daunenkammern,

Mikro-Abdeckung des Front-RVs

und Frontfutter bietet effi zienten Schutz nicht

nur vor Kälte, sondern auch vor Wind.

Kleinste Packtasche (ca. 1,3 l) mühsam zu

stopfen, refl ektierende Zipper, Fairwear- und

Bluesign-zertifi ziert

▶ FAZIT: Hybridweste für Aktive

Die voluminöse Hybridweste für intensive

Aktivitäten bietet gemäßigten Wetter- und

Kälteschutz auch bei Durchfeuchtung.

An Rücken und Seiten wärmt sie kaum, leitet

dafür aber extrem gut Dampf ab. Dünnerer

Kragen, Rumpfabschluss nicht anpassbar,

kein Aufhänger, gute Refl ektoren.

▶ FAZIT: Aktiv-Weste mit Top-Schutz

Die Isolationsweste eignet sich für Aktivitäten

mit Klettergurt, wärmt auch bei Durchfeuchtung

und trocknet schnell. Sie ist an den Seiten

dampfdurchlässig. Ein perfekter Windschutz

wird durch den Kragen mit Verstellzug, die

doppelten Rumpfzüge und den dichten und

doch leichtgängigen Front-RV erreicht

10⁄14 Bergsteiger 95


KLIMAZONEN

Westen für aktive

Sportarten besitzen oft

neben dem üblichen glatten

Innenfutter aus Nylon besonders

dampfdurchlässige

Zonen

Foto: Maygutyak/fotolia.com

NORRÖNA

Warm1 Svalbard Vest

Info: www.norrona.no Preis: 89,- €

Gewicht: 320 g in L

Isolation: elastisches Polyester-Softshell, innen

aufgeraut

Komfort: Die dehnbare, hinten verlängerte

Weste besitzt einen hohen Trikotkragen und ist

extrem dampfdurchlässig.

Schutz: Die Weste bietet dafür kaum Wärmung

und Wasserabweisung. Sie hat Gummibündchen

an allen Abschlüssen.

Taschen: Kuschelige Einschubtaschen, aus

denen leicht etwas rausfällt, große Napoleontasche

als Stautasche nutzbar.

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

OUTDOOR

RESEARCH

Transcendent Vest

Info: www.outdoorresearch.com

Preis: 145,- € Gewicht: 300 g in XL

Isolation: Daune

Komfort: Die Westenfüllung hat 90/10

Daunen/Feder-Verhältnis und 650 cuin

Bauschkraft, der Kragen ist mit Trikot gefüttert.

Schutz: Mit innen abgedecktem, windresistentem

Front-RV, Einhand-Zügen am Rumpfsaum

und Lycrabündchen an den Armlöchern

Taschen: Kuschelige Einschubtaschen,

davon eine zum Verpacken mit Schlaufe/Clip,

Napoleontasche, große Innenfächer

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

RAB

Strata Vest

Info: www.rab.uk.com

Preis: 129,95 €

Gewicht: 290 g in L

Isolation: Polartec Alpha Fleecefaser

Komfort: Die mäßig wärmende Weste mit

fl eeceartiger Isolation und Meshfutter sowie

Trikotkragen ist extrem dampfdurchlässig.

Schutz: Der hinterlegte resistente Front-RV

wird durch Gummibündchen an den Armlöchern

und Gummizüge am Rumpf ergänzt.

Taschen: Kuschelige Einschubtaschen

plus große Napoleontasche als Packsack

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

▶ FAZIT: Dampfdurchlässigste Weste

Die dünne Drei-Jahreszeiten-Weste für intensive

Aktivitäten ist übers Gesäß verlängert und

sehr kuschelig inkl. schweißabsorbierendem

Kragen. Obwohl extrem dampfdurchlässig und

recht luftig dank der Taschen mit Lüftungsnetz,

hält sie Feuchtigkeit und Wind ab.

▶ FAZIT: Daunenweste mit viel Stauraum

Die voluminöse, sehr dampfdurchlässige

Daunenweste mit Außenstoff aus schnelltrocknendem

Polyester ist weniger warm, als

sie erscheint, und hinten relativ kurz

geschnitten. Die Außentaschen und

Innenfächer bieten viel Stauraum, der weite

Kragen reduziert den Windschutz.

▶ FAZIT: Luftige Weste für Aktive

Die schnelltrocknende Weste für schweißtreibende

Aktivitäten ist die perfekte Kom–

bination von Wetterschutz, Isolation und

Dampfdurchlass. Die Fleecefüllung und das

funktionale Innenfutter sorgen für schnellen

Feuchtigkeitstransport nach außen. Kragen

kuschelig, RV leichtgängig, kleiner Refl ektor.

96 Bergsteiger 10⁄14


zen einige Westen mit Kunstfaserisolation

auschig gebürstetes Trikotfutter; ebenso

die Taschen einiger Modelle.

Die meisten Kunstfaserwesten sind auch

wegen der dünnen Füllung inzwischen

erstaunlich dampfdurchlässig (außer La

Sportiva). Daunenwesten lassen an den

Kältebrücken der Nähte viel Dampf durch:

Vor allem bei hoher Aktivität kann dieser

unfreiwillige Kühlungseffekt durchaus von

Vorteil sein. Dass es aber auch anders geht,

zeigen die Westen von Berghaus und Outdoor

Research mit beabsichtigt hohem Dampfdurchlass

selbst der Daunen. Yeti hingegen

setzt auf nahezu undurchlässigen Stoff.

▶ Taschen und Abschlüsse

Die klassische Weste für Rasten und Hüttenaufenthalte

ist primär eine Komfortbekleidung,

die vor Auskühlung schützen soll.

Da kommen voluminöse Einschubtaschen

für die Hände oder für kälte-empndliche

Geräte, wie sie alle vorgestellten Westen

besitzen, gerade recht. Bei Mammut und La

Sportiva fallen diese etwas kleiner aus. Bei

kletter- und hochtourentauglichen Westen

mit Zwei-Wege-RV sollten die Taschen wegen

des Hüftgurts hochgesetzt sein. Eine innere

Wert- oder äußere Napoleontasche für

Kleinkram oder zum Schutz elektronischer

Geräte ergänzt den Komfort.

Um efzient zu wärmen, benötigt eine

Weste gute Abdichtungen gegen Entweichen

der Wärme oder Eindringen von

Wind. Die Armlöcher sind standardmäßig

mit elastischen Lycra-Bündchen eingefasst.

Da Westen außer bei Nässe normalerweise

als oberste Schicht eingesetzt werden,

sollte der Saum mit zusätzlichen Bekleidungsschichten

ebenso gut abdichten wie

nur über ein Shirt getragen. Gummizüge,

idealerweise innen angebracht, sind hier

sinnvoll. Der Kragen sollte zum Abdichten

am Hals eng anliegen oder verstellbar

TIPP

Welche Weste für

welchen Zweck?

• Der bei Westen neuralgische Kragen sollte

hoch und anliegend am Hals abschließen,

besser aber weitenverstellbar sein.

• Für maximale Federentfaltung sollte man

eine verpackte Daunenweste zwischen

Auspacken und Anziehen kurz aufschütteln.

Nicht in enger Verpackung lagern!

• Isolationsfasern wärmen zwar weniger als

Daunen und sind weniger komprimierbar,

tragen aber bei Verwendung weniger auf,

isolieren auch bei Durchfeuchtung und

trocknen ohne Folgeschäden.

• Westen für (Eis-)Klettern oder (Ski-)Hochtouren

sollten stark dampfdurchlässig sein

sowie Zwei-Wege-Front-RV und hochgesetzte

Einschubtaschen besitzen.

TIPP

Preis/Leistung

TIPP

Preis/Leistung

TIPP

Wärme/Gewicht

SIR JOSEPH

Eiger II

Info: www.xtrym.de Preis: 135,- €

Gewicht: 285 g in L Isolation: Daune

Komfort: Die mittel geschnittene, warme

Daunenweste (90/10, 650 cuin) mit

verlängertem Rücken besitzt einen hohen

Wärmekragen.

Schutz: Resistenter hinterlegter Zweiwege-RV,

Armsäume aus elastischem Trikot und

effi zienteste Rumpf-Gummizüge sorgen für

variablen Schutz.

Taschen: Sehr große, hochgesetzte Einschubtaschen

und eine Werttasche mit Packbeutel

innen

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

VAUDE

Sesvenna Vest

Info: www.vaude.com

Preis: 100,- €

Gewicht: 300 g in XL

Isolation: Primaloft Eco (teils recycled) +

Stretchfl eece

Komfort: Die mäßig warme Hybridweste ist

vorn und hinten isoliert und besitzt seitlich

dampfdurchlässiges Stretchfl eece.

Schutz: Die seitlich etwas winddurchlässige

Weste besitzt einen hinterlegten 2-Wege-Front-

RV, hohen Kragen und elastische Lycra-Säume.

Taschen: Trikot-gefütterte Einschubtaschen und

eine kleine Napoleontasche.

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

YETI

Solace

Info: www.yetiworld.com

Preis: 269,95 €

Gewicht/Paar: 175 g in XL

Isolation: Hochleistungs-Daune

Komfort: Die Weste hat ein Daunen/

Feder-Verhältnis von 95/5 und Bauschkraft von

800+ cuin (strengere europäische Norm).

Schutz: Der hinterlegte Reißverschluss ist

außen dünn abgedeckt. Gummizüge am Rumpf,

Lycrabündchen an den Armlöchern, Daunenkragen

am Hals

Taschen: Große Einschubtaschen, davon eine

Packtasche mit Schlaufe, zwei Innenfächer

WÄRME

WINDRESISTENZ

WASSERRESISTENZ

DAMPFDURCHLASS

▶ FAZIT: Wärmeweste für Touren mit Gurt

Die Daunenweste für (Ski-)Hochtouren oder

Eisklettern besticht mit Details wie innen

angebrachten Rumpfzügen, gurttauglichem

Front-RV und Packbeutel zum Anhängen.

Riesentaschen mit falscher RV-Zugrichtung,

Kragen sehr weit, trägt auf.

▶ FAZIT: Vielseitige Hybridweste

Die vielseitige Hybridweste mit schweißsaugendem

Material an den Seiten eignet sich

wegen ihres hohen Dampfdurchlasses ideal

für intensive Aktivitäten oder Übergangszeiten

sowie Touren mit Gurt. Stoff Bluesign-zertifi -

ziert.

▶ FAZIT: Ultraleichte Wärmeweste

Eine ultraleichte Daunenweste mit unglaublichem

Wärme-/Gewichts-Verhältnis! Der Front-

RV kombiniert eine gute äußere Mikroabdeckung

mit klemmfreier Innenabdeckung, der

Kragen liegt angenehm an. Allerdings lässt die

Weste kaum Dampf durch und ist sehr teuer.

Die Daune wurde ethisch korrekt gewonnen.

10⁄14 Bergsteiger 97


▶ So testet der Bergsteiger

Die Windresistenz wurde mit einem Fön plus

Durchatmen mit dem Mund geprüft. Es konnte

letztlich nur zwischen praktisch winddicht

und windresistent unterschieden werden, da

die Füllung eine evtl. geringere Winddichte

des Außenmaterials auffi ng. Der Käufer muss

entscheiden, ob ihm hoher Windschutz oder

hoher Dampfdurchlass (v. a. Stretchfl eece)

wichtiger ist.

Die Wasserresistenz wurde mit einer Brause

vor dem ersten Waschen getestet.

Bei den Abschlüssen wurde die Effektivität der

Abdichtung an den Rumpfsäumen und Kragen

in Augenschein genommen.

sein – wie es bei den vorgestellten Modellen

allerdings nur Mountain Equipment

handhabt.

▶ Wind- und Wasserresistenz

Eine Weste für den Outdoor-Gebrauch

sollte zumindest windresistent sein. Die

meisten der vorgestellten Westen schützen

auch bei Sturm – nicht nur wegen dichtem

Stoff, sondern auch wegen der Füllung,

die zusätzlich Wind abhält. Westen,

die für intensive Aktivität oder Übergangszeiten

konstruiert sind, lassen dagegen als

Resultat ihrer hohen Dampfdurchlässigkeit

etwas Wind auch zum Kühlen durch.

Westen sollten zusätzlich so weit wasserabweisend

sein, dass sie bei Schneefall

Bei den Taschen wurden Volumen, Kuscheligkeit

und zusätzliche Verstaumöglichkeiten

sowie evtl. Lüftung oder hochgesetzte Reißverschlüsse

positiv bewertet – fehlender Steg,

falsche RV-Richtung oder hakelige Bedienung

dagegen negativ.

Der Dampfdurchlass wurde grob durch Legen

der Westeninnenseite über einen Becher

50° warmen Wassers geschätzt, über den ein

Spiegel gehalten wurde, dessen Anlaufzeit

gemessen wurde. Mit der überhöhten Temperatur

konnten die Unterschiede, nicht aber

die konkrete Intensität der Verdampfung bei

Körpertemperatur festgestellt werden.

oder Nieseln dicht halten. Bei Regen oder

feuchtem Schneetreiben hilft sowieso nur

ein dichtes Hardshell mit Kapuze. Außer

den Westen für hohe Aktivität sind die

meisten Modelle ziemlich wasserresistent.

Bei Haglöfs fällt die Imprägnierung auch an

den Nähten deutlich ab, vermutlich weil

keine umwelt- und gesundheitsschädlichen

Peruoride verwendet wurden. Die

Essens II Down Vest ist übrigens als einzige

Weste komplett bluesign-zertiziert.

Bei Durchfeuchtung bleibt die Wärmewirkung

von Isolationsfasern weitgehend

erhalten, und sie trocknen relativ schnell

wieder. Daunen dagegen verklumpen dann

und verlieren einen Großteil ihrer phänomenalen

Isolierung. Während die Weste

trocknet – was viel Zeit in Anspruch nehmen

kann –, muss sie immer wieder aufgeschüttelt

werden, um Klumpen zu lösen.

Deswegen lassen einige Markenhersteller

ihre Daunen imprägnieren, so dass diese

auch bei leichter Durchfeuchtung immer

luftig bleiben (Beispiel: Berghaus). ◀

▶ Resümee

Isolationsmaterialien werden permanent

weiterentwickelt: Die Daunen bieten

immer höhere Bauschkraft, die Isolationsfasern

werden effektiver und dampfdurchlässiger.

Beides wird bei gleichbleibender

Wärmeleistung immer leichter. Schließlich

geht es nicht um maximale, sondern um

optimale Wärme, und die sollte nicht zum

Extrem der Überhitzung führen – egal ob im

Winter, während der Übergangszeiten oder

bei intensiveren Aktivitäten. Hybride mit

zonal differenzierter Wärmeleistung oder

Dampfdurchlässigkeit sind ebenso eine

sinnvolle Neuerung wie Westen mit imprägnierter

Daune, der im hochwertigen Bereich

wohl die Zukunft gehört. Seit kurzem gibt

es fl eeceartige Isolations-Materialien aus

Wolle oder Polyester, die weniger dicht und

deutlich dampfableitender sind als die üblichen

Isolations-Vliese. Sie sind bei gleicher

Wärmeleistung kaum teurer als konventionelle

Wärmewesten und werden wohl einen

zunehmenden Anteil der verkauften Modelle

stellen. Die hohe Dampfdurchlässigkeit

aller Arten von Kunstfaserfüllungen ist kein

Versprechen mehr, sondern Realität.

Fotos: Christian Schneeweiß (4)

Zweiwege-RV: Da man den Zweiwege-RV sowohl

oben als auch unten öffnen kann, lässt

sich diese Lüftung nach Wunsch dosieren

und obendrein eine Hüftgurtsicherung problemlos

bedienen (Mountain Equipment).

Das Einsetzen der Zipper ist aber oft fieselig.

Innenzug: Die elastischen Seitzüge am

Rumpfabschluss können sich bei Aktivitäten

aller Art außen verhängen. Stattdessen

ließe sich ein mäßig anpassendes Lycrabündchen

einsetzen – oder der Zug verschwindet

im Innern der Weste (gut bei Sir Joseph).

Taschen: Die seitlichen Einschubtaschen

von Bergwesten sind meist weich gefüttert

und fast durchwegs groß. In diese hier passt

nicht nur problemlos eine Trinkflasche, sondern

auch ein Set großer Überhandschuhe

plus die Hand zum Wärmen (Haglöfs).

98 Bergsteiger 10⁄14


Im nächsten Heft: Die neueste

Ausrüstung für den Winter

FASZINIERT DICH.

- Größtes Gletscherskigebiet Österreichs mit 35 Abfahrten

- Schneesicherste Region der Alpen, von Oktober – Juni

- Snowparks und Powder Department

- 4 Skigebiete mit Charakter

- Kinder unter 10 Jahren fahren frei

- Grösste Rodelarena Tirols

- Nur 20 Minuten von Innsbruck

STUBAI PACKAGE

7 Übernachtungen inkl. Frühstück und

6 Tage Stubaier Super Skipass

ab EUR 439,00

Innovationen am Markt: Wir stellen

Ihnen die neuesten Ausrüstungsgegenstände

der kommenden Saison

für Winterwanderer, Skitourengeher

und Eiskletterer vor.

Foto: Andreas Strauß

Kragen: Der Westenkragen sollte hoch und

anliegend (besser verstellbar) abschließen

sowie am besten kuschelig und schweißabsorbierend

mit gebürstetem Trikot gefüttert

sein (wie dünnes Fleece, aber ohne Pilling;

La Sportiva).

www.stubai.at


SERVICE

Pippi Langstrumpf

am Berg: Merinosocken

sind nicht

so kratzbürstig wie

gewöhnliche Wolle.

Funktionelle Bergstrümpfe

Von den

Socken

Bodymapping-Strickmuster, anatomische Schnitte

und die raffiniertesten Materialkombinationen:

Bergsocken sind eine Wissenschaft für sich.

Wir sagen Ihnen, welche Materialien und Konstruktionen

für welchen Einsatzzweck passen.

Von Christian Schneeweiß

Das Socken-Regal im Sportfachgeschäft

ist voll von Hiking-, Biking-,

Trailrunning-, Trekking- und anderen

Socken. Für jeden Zweck

scheint es das passende Paar zu geben. Doch

was macht den feinen Unterschied aus?

Strümpfe für Bergsteiger sollten so gut

polstern, dass Druckstellen vermieden,

Stöße abgefangen und Hohlräume zwischen

Schuh und Fuß ausgefüllt werden.

Bergstrümpfe sollten straff und faltenfrei

sitzen, um Blasen zu vermeiden. Deshalb

gilt die Faustregel, bei Grenzgrößen eher

zum kleineren Paar zu greifen. Aufgrund

der unterschiedlichen Physiognomie von

Männern und Frauen sind die Socken geschlechterspezisch

geformt; einige Hersteller

bieten sogar asymmetrische Socken

für linke und rechte Füße an.

Um eine optimale »Betriebstemperatur« zu

gewährleisten, also an den richtigen Stellen

zu wärmen oder zu kühlen und Dampf

abzuleiten, setzen die meisten Hersteller

auf einen rafnierten Kunstfaser-Materialmix.

Denn Feuchtigkeit ist die Hauptursache

von schmerzhaften Blasen.

Wundermittel Wolle

Den besten Trocknungseffekt am Fuß erzielt

das zu 100 Prozent hydrophobe Polypropylen.

Polyester ist zwar günstiger,

flauschiger und nimmt außerdem viel

Feuchtigkeit auf. Doch wegen seiner Geruchsbildung

ist es nur für Tagestouren

geeignet. Nanopartikel aus Silber schaffen

Abhilfe bei Geruchsbildung, waschen sich

allerdings nach längerem Gebrauch aus.

Relativ exotisch ist kühlende Seide. Das beliebte

Nylon verbindet Robustheit mit relativ

guter Dampfableitung und einer hohen

Dehnbarkeit, sofern es mit Gummifasern

kombiniert ist. Häug wird es bei Wollsocken

verwendet, die den Fuß warm halten

und dank mikrobenabweisender Oberäche

kaum üble Gerüche annehmen.

Die feine Merinowolle hat außerdem den

Vorteil, dass sie nicht kratzt wie herkömmliche

Wollsocken. Dank ihrer Absorptionsfähigkeit

ist Wolle heute Bestandteil der

meisten Bergstrümpfe und wegen ihrer

wärmenden Eigenschaften Hauptbestandteil

von Winterstrümpfen. Auch wer Wanderschuhe

mit wasserdicht-atmungsaktiver

Membran wie Gore-Tex oder gar reine Lederschuhe

trägt, sollte Funktionssocken

mit hohem Wollanteil verwenden.

Komfort oder Funktion?

Grundsätzlich lassen sich Bergsocken in

weiche Komfortmodelle und streng sit-

100 Bergsteiger 10⁄14


INFO

Wann Kompression

sinnvoll ist

Ein Kompressionsstrumpf wirkt am effektivsten

in der Erholungsphase nach der Tour,

wenn die Venen Stoffwechselreste wie Laktat

ohne Muskeldruck abführen. Auf langen

Touren verhindert er Muskelzittern und stützt

den ermüdeten Fuß. Eine leistungssteigernde

Wirkung während der Anstrengung konnte

allerdings lange nicht nachgewiesen werden,

bis 2009 eine Studie herausfand, dass sich

bei gleichmäßigem Unterschenkeldruck eine

Leistungssteigerung von 2–6% ergibt. Die

Erklärung dafür lieferte die verbesserte arterielle

Durchblutung. Älteren Bergsteigern mit

verminderter Beindurchblutung sind daher

komprimierende Strümpfe zu empfehlen.

Hohe Kompressionsstrümpfe

fördern die

Blutzirkulation

in

den Venen.

Fotos: Joachim Stark, Hersteller

zende Funktionsmodelle einteilen. Komfortmodelle

sind speziell vorgeformt und

je nach Fußzone in unterschiedlichen

Strickmustern gehalten. Deshalb braucht

es meist nur im Fersen-Rist-Bereich Gummifasern

(1-2% Anteil), um Verrutschen

zu vermeiden. Von den Zehen über die

Fußsohle bis zur Ferse geplüschte Socken

oder Strümpfe eignen sich besonders gut

für robustere Trekkingschuhe oder harte

Hochtourenstiefel. Sie sind zudem in den

Übergangszeiten oder als dickere Modelle

im Winter die am besten wärmende Option.

Skitourenstrümpfe sollten dagegen

nur am Unterschenkel dick geplüscht sein.

Funktionelle Socken leiten Dampf noch

besser ab, stützen den Knöchel oder sorgen

für Kompression. Gummifasern wie

Elasthan spielen hier eine wichtige Rolle

bei der Vorformung des Fußbereichs

und – im Fall von hohen Modellen wie

Skitouren- oder Laufstrümpfen – bei der

Kompression des Wadenbereichs. Solche

Modelle kühlen den Fuß bei Aktivität und

unterstützen besonders als lange Strümpfe

die Muskulatur, indem sie die Blutzirkulation

in den Venen fördern. Der Gummifaser-Anteil

(5-10%) stabilisiert nicht nur

Knöchel und Mittelfuß, sondern übt auch

Druck aufs Bein aus.


Vier Paare für einen guten Lauf:

CEP

Icebreaker

Outdoor Merino Socks Ski Cushion Over

the Calf

Smartwool

PhD Outdoor Light

Crew

X-Socks

Trekking Extreme

Light W

Info: www.cep-sports.de

Preis: 24,90 €

Info: www.icebreaker.com

Preis: 27,95 €

Info: www.smartwool.de

Preis: 21,95 €

Info: www.x-socks.de

Preis: 29,- €

Material: 60 % Nylon,

20 % Wolle, 12 % Elasthan,

8 % Seide

Material: 77% Wolle,

19% Nylon, 4% Elasthan

Material: 68% Wolle,

29% Nylon, 3% Elasthan

Material: 45% Nylon,

38% Polyester, 13%

Propylen, 4% Elasthan

Kompressionsstrümpfe

mit optimaler Funktion,

guter Klimaregulierung,

Polsterung, festem Sitz,

kaum Geruchsbildung;

als Long Socks 49,90 €,

made in Germany

Warme Winterwander- und

Skitourenstrümpfe mit

dehnbarer und weicher

Wolle; Dampf- und

Polsterzonen am fest

umschlossenen Fuß, wärmender

Wadenbereich

Funktionelle Wollsocken

mit straffem Sitz am

Mittelfuß und überm

Knöchel, etwas Druck

am Unterschenkel und

Polsterungen an Ferse

und Zehen bis Ballen

Anliegende dünne

Socken mit extremem

Dampfdurchlass dank

spezieller Kanäle, dünne

Innenseiten; Schutzpolsterung

u. a. an Knöchel

und Zehen


EVENT

Oberstdorfer Fotogipfel

Wolke 7, Blende 8

Was brauchen Bergbilder, damit sie den Betrachter fesseln?

Wie nutzt man Licht optimal? Beim 2. Oberstdorfer Fotogipfel

im Juni 2014 zeigte Extrem-Kletterer und Profi-Fotograf

Heinz Zak bei einem Gipfelbiwak am Nebelhorn, was wichtig ist.

Der BERGSTEIGER war dabei. Von Michael Ruhland

Foto: Uta Philipp

2

Foto: Rainer Strauß

Foto: Heinz Zak

102 Bergsteiger 10⁄14


Der Meister in Aktion: Heinz Zak (oben li.,

unten liegend) ist immer nah am Objekt.

Fotos: Uta Philipp (oben), Hans-Joachim Heismann

1

3

Von Heinz Zak lernen, heißt

zunächst einmal: die Scheu

ablegen. Weniger die vor den

technischen Raffinessen moderner

Digitalkameras, deren

Menü-Optionen selbst den Pro bisweilen

überfordern und, wenn man so will, mit

dem Ofenrohr ins Gebirge schauen lassen.

Sondern die vor den Menschen. Der Scharnitzer

Extrem-Kletterer und Bergfotograf

geht mit einer Lockerheit auf Wildfremde

zu, die im Ergebnis das bringt, wovon

Hobbyfotografen oft nur träumen können:

glückliche »Models« mit natürlichen Posen,

die im Ergebnis tolle Porträts liefern

– was bei bezahlten Fotomodellen beileibe

nicht immer der Fall ist.

»Entschuldigen‘S, wir würden von Ihnen

und Ihren Kindern gerne Bilder machen.

Sie kriegen die Fotos auch – verlässlich!«,

spricht Zak eine vierköpge Familie an, die

gerade vom Fellhorngipfel absteigt. »Ist da

ein Haken dabei«, erkundigt sich der Vater

vorsichtig. »Nein, gar nicht! Wir sind ein Fotokurs.

Sie sind so schön bunt angezogen,

ideale Models«, erklärt Zak. Mit seinem Filzhut

mit breiter Krempe, an der eine Ad-

10⁄14 Bergsteiger 103


4

Foto: Stefan Blawath

BILDER UND IHRE

GESCHICHTEN

Foto: Markus Meier

lerfeder steckt, stellt er selbst ein lohnenswertes

Motiv dar. Was sich dann abspielt,

wird zur Regel an diesen zwei Tagen im Juni

beim »Oberstdorfer Fotogipfel«: Die Familie

lässt sich bereitwillig von den Zak-Schülern

ablichten und vom Meister dirigieren. »Jetzt

lehn‘ dich noch mal zur Mama«, sagt Zak

und setzt ein breites Lächeln auf. Der dreijährige

Felix tut, wie ihm befohlen.

Kaum dass die Gruppe alle erdenklichen

Perspektiven und Belichtungen ausprobiert

hat, da ist Heinz Zak schon der nächste

Coup gelungen. Er hat Jennifer Juchheim,

ein echtes »California girl« für sich und

seinen Kurs gewonnen. Jennifer schwingt

ihren Sonnenhut auf der Gipfelbühne des

Fellhorns und lacht dabei so unwiderstehlich,

als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes

gemacht, als vor der Kamera gestanden.

Sie streckt die Arme weit aus, das Hutband

attert im Wind. Es ist eine Pose, die zum

Augenblick passt: Die Welt der Berge ist

schön, gerade gehört sie mir!

Ach ja, es gab auch viele technische Tipps.

Dass man dem Wolkenhimmel mehr Dramatik

verleiht, indem man eine Blende

unterbelichtet. Dass man zur Kontrolle

immer das Histogramm begutachten sollte,

auf dem die Helligkeitswerte aufscheinen.

»Das reißt rechts aus, da hast du keine

Zeichnung mehr drinnen«, bendet Zak

bei einem Teilnehmer, der das Gipfelkreuz

in Szene setzen soll. »Ja, jetzt passt‘s, voll

lässiges Bild«, sagt der Pro später. Spät am

Abend beim Biwak am Nebelhorn verrät er

auch seine Philosophie des Fotograerens.

»Bevor ich die Kamera in der Hand habe,

habe ich das Bild im Kopf.« Voll lässig. ◀

1 Herbeigesehnt: Der Sonnenaufgang

auf dem Gipfel des Nebelhorns

ist eine schöne Belohnung nach der

kurzen Biwak-Nacht.

2 Hoffnungsschimmer: Schafft es

die Sonne oder schafft sie es nicht,

sich hinter den Nebelschleiern durchzukämpfen?

Für die Teilnehmer des

Foto-Workshops ergeben sich tolle

Wolkenstimmungen.

3 Die Welt gehört mir: Wer so natürlich

lacht, kann alles haben und ist

gerade sehr glücklich und zufrieden

– da ist man auch gerne mit dabei,

wenn auch nur mit der Kamera…

4 Oben geht‘s noch weiter: Ein

Gipfelkreuz – hier am Fellhorn – ist

immer ein Zeichen. Die Wolken

bringen Dramatik ins Bild, gerade

weil die Sonne immer mal dahinter

verschwindet.

5 Gratwanderung: Das saftige Grün,

der ausgesetzte Grat vom Fellhorn

zum Schlappoltkopf, die düsteren

Wolken – ein spannender Augenblick,

den der Fotograf gut mit der Kamera

umgesetzt hat.

6 Augenblicke festhalten: Fotografi

eren heißt immer, sich auf den

Augenblick einzulassen, offen sein für

alles, was rundherum passiert. Die

Geschwister Dana (3) und Tom (5)

hatten offensichtlich ihren Gipfelspaß.

Foto: Uta Philipp

104 Bergsteiger 10⁄14


Die Gruppe auf zwei Gipfeln: unten am

Fotos: Heinz Zak (2)

Fellhorn, oben beim Nebelhorn-Biwak,

unterstützt von Mountain Equipment

5

6

10⁄14 Bergsteiger 105


AUF TOUR

SERIE:

Von Null aufs Dach der Alpen

Flotter

Zweier

Die Wege auf viele Gipfel führen durch den Fels – weil sie aber nicht immer

abgesichert sind, sollte man sich mit dem Gedanken und der Praxis vertraut

machen, leichte Klettereien frei zu bestehen. Von Moritz Baumstieger

106 Bergsteiger 10⁄14


Wenn die Hände aus

den Taschen müssen,

ist der zweite

Grad oft nicht weit.

Geneigte Plattenschüsse

sind das

klassische Zweiergelände

der Kalkalpen.

EINE INITIATIVE VON +

Foto: Archiv Mammut / Bray/Schmid, Mark Zahel

Natürlich steigt jeder am liebsten

gut gesichert. Auf dem Klettersteig

zum Beispiel am Stahlseil

entlang, die Arme des Sets stets

eingehängt. Oder beim Sportklettern,

wenn der Partner das Seil durchs

Sicherungsgerät führt und achtgibt. Doch

nicht immer ist das möglich: Die Wege auf

hochalpine Gipfel erreichen nur selten

den Sicherungsstandard, den der Klettersteig-Boom

in Hütten- oder Bergbahn-

Nähe etabliert hat. Den Komfort der Absicherungen,

der in Kletterhalle oder -garten

herrscht, bieten sie so gut wie nie. Andererseits:

Braucht es Standards, wenn man

den II. Grad sicher beherrscht? Der Zweier

ist die Grenze zwischen Wandern und

Bergsteigen. Wer sie passiert, dem öffnet

sich eine unendliche Tourenvielfalt abseits

der Wege, Massen und Markierungen.

Kurze Wandstücke, ausgesetzte Gipfelgrate,

schroge Stufen – wer ganz nach

oben will, muss ab und zu leichtere Felspassagen,

etwa im Schwierigkeitsgrad II,

wo es noch nicht ganz senkrecht hinauf

geht, auch ohne Sicherung bestehen können.

Denn auf solchen Kraxeltouren fehlt

neben der Infrastruktur auch meist die

Zeit, jeden Kletterabschnitt abzusichern,

wenn man vor Einbruch der Dunkelheit

auf den Gipfel und wieder zurück zur Hütte

oder ins Tal will. Das Beherrschen des

»Zweiergeländes« ist also eine der alpinen

Grundtugenden – und nicht zuletzt auch

am Mont Blanc gefordert.

▶ Drei Tricks für den Zweier

Peter Albert, 45, Mitglied im Vorstand des

Bergführerverbands VDBS und dort unter

anderem in der Ausbildung engagiert,

nennt vor allem drei Punkte, wenn es darum

geht, ungesichert und trotzdem möglichst

sicher zu klettern: Technik, die Kraft

spart, den richtigen Umgang mit der

Teil 1 – Gehschule

Teil 2 – Leichter Klettersteig

Teil 3 – Berglauf

Teil 4 – Erste leichte Hochtour

Teil 5 – Erster »Zweier«

Teil 6 – Ausrüstung

Teil 7 – Ernährung

Teil 8 – Schneeschuhtour

Teil 9 – Erst Halle, dann Fels

Teil 10 – Hochtourentechnik

Teil 11 – Wetterkunde

Teil 12 – Hochtourentaktik

10⁄14 Bergsteiger 107


TRAININGSPLAN

von der Mammut Alpine School

Oft erfordert ein felsiger Gipfelaufbau

Schwindelfreiheit.

1 Auf die Beine kommen I

Ziel: Die Füße belasten, die Arme entlasten

Umsetzung: Um sich gar nicht erst anzugewöhnen,

zu sehr auf die Kraft der Arme zu setzen,

greifen Sie zu einem kleinen Trick: Suchen Sie

sich ein kurzes, nicht allzu steiles Felsstück

und zwei kleine Steinchen. Nehmen Sie in jede

Hand Steinchen und klettern Sie los.

Besonders beachten: Wenn Ihnen eines der

Steinchen runterfällt, benutzen Sie wohl Ihre

Hände zu stark. Zurück auf Start!

2 Auf die Beine kommen II

Ziel: Die Füße belasten – jetzt aber richtig

Umsetzung: Auf Reibung kann man nur mit

Kletterschuhen richtig stehen? Wirklich? Probieren

Sie es im einfachen Fels aus. Suchen

Sie sich zwei sichere Griffe und spielen Sie

mit Ihren Füßen: Mit wie wenig Sohlenfl äche

auf dem Fels halten Sie noch? Wie viel Kraft

brauchen Sie dafür? Lösen Sie sich nun aus

der starren Postition und versuchen Sie kleine

Quergänge. Nutzen Sie auch kleine Tritte,

verschieben Sie Ihren Schwerpunkt bewusst.

Besonders beachten: Merken Sie beim

Reibungstreten einen Unterschied? Mit hängender

Ferse geht es einfacher? Richtig!

3 Von nun an geht’s bergab

Ziel: Sicherheit beim Absteigen gewinnen

Umsetzung: Klettern Sie ein kurzes Felsstück

erst mit dem Gesicht zur Wand ab. Geht, ist

aber schwierig, weil Sie nur wenig sehen?

Probieren Sie es nun seitwärts. Der Wechsel

klappt? Prima, nun probieren Sie es

taloffen! Besonders beachten:

Horchen Sie beim Abklettern in

sich hinein: Sind Sie der Unerschrockene,

Taloffene?

Oder fühlen Sie sich

seitwärts doch

sicherer?

COUPON 5

Steinschlag-Gefahr und ein Bewusstsein

dafür, dass man alles irgendwann wieder

hinunter muss, was man hochgeklettert

ist – was für viele oft schwieriger ist als

der Aufstieg.

Wenn das Gelände steiler und felsiger

wird, wenn aus dem Gehen also Klettern

wird, kommen auch die Hände ins Spiel:

Grundsätzlich sollte man nun – im Gegensatz

zu Zügen beim artistischen, aber

gesicherten Sportklettern – immer über

drei Haltepunkte verfügen (beide Hände

und einen Fuß oder beide Füße sowie eine

Hand). »Wenn man von einem Griff oder

Tritt abrutscht, sind immer noch zwei Kontaktpunkte

zum Fels da«, erklärt Peter Albert,

»ein Sturz wird unwahrscheinlicher.«

Also wird immer nur eine Hand oder ein

Fuß vorgesetzt, während die anderen am

Fels verbleiben – und nie Hände und Füße

gleichzeitig.

▶ Auf Schwerpunktsuche

Wie stets sollten beim Steigen die Beine

die Hauptlast tragen. Weil aber auch deren

Kraft nicht endlos ist, empehlt er,

kleine Schritte zu machen. Die sind kraftsparender,

erfordern aber den Mut, die

Füße auf kleinere Leisten zu setzen und

nicht nur auf große und offensichtliche

Absätze. »Man sollte lernen, den Füßen

zu vertrauen.« Auch mit schweren Bergschuhen

kann man etwa in kleine Dellen

auf Reibung treten oder Risse und Löcher

geschickt nutzen. »Dabei sollte man auf

eine ›tiefe Ferse‹ achten« – wenn das obere

Sprunggelenk etwas mehr als 90 Grad

gebeugt ist, erzeugt man mehr Druck auf

der Fußspitze.

Tritte sucht man am besten nicht zu weit

links und nicht zu weit rechts: »Trete unter

dir!«, fasst Albert zusammen. Wer sich

ständig weit verschiebt, verschleudert

Kraft. Nun mag manchmal ein weiter

entfernter Tritt sicherer erscheinen, doch

Klettern ist im Idealfall ein kontinuierlicher

Bewegungsuss, bei dem der Körperschwerpunkt

lotrecht über den Füßen

bleibt. »Wer sich ständig in gespreizte Stellungen

wuchtet, steht vielleicht bombenstabil

– hat es aber auch schwieriger, wieder

aus dieser Position herauszukommen.«

Im Idealfall ist Klettern

ein Bewegungsfluss.

Der Schwerpunkt

bleibt lotrecht über

den Füßen.

Während man Absturzgefahr durch sicheres

Steigen bannen kann, lässt sich

das Thema Steinschlag weniger beeinussen.

Peter Albert hat jedoch einen überraschend

einfachen Rat: »Früh aufstehen!«

Wer morgens als erster auf dem Weg ist,

vermeidet zumindest die Gefahr, Steine

auf den Kopf zu bekommen, die Bergsteiger

über ihm ausgelöst haben. Weil man

aber nicht immer gleich gut aus dem Bett

kommt und sich zum Beispiel Gämsen nur

selten an unseren Schlafgewohnheiten

orientieren, sollte man trotzdem im Auge

haben, wer sich wo über einem bendet.

Wenn man hört, dass es kräftig zu rumpeln

beginnt, sollte man einen Reflex

vermeiden: »Nicht den Kopf recken, um

nachzuschauen.« Sondern im Gegenteil

den Körper möglichst nah an die Wand

bringen, um so wenig Trefferäche wie

möglich zu bieten, den Kopf einziehen.

»Und wer keinen Ersatzkopf mit sich führt,

der schützt seinen Schädel am schlauesten

durch einen Helm«, so Albert.

Das große 4000er-Gewinnspiel

Ausschneiden, sammeln und mit

allen 12 Coupons eine Besteigung

des Mont Blanc mit der Mammut

Alpine School gewinnen.


TOUR

Fotos: Mark Zahel, Sebastian Schels, Grafik: Georg Sojer

▶ Die Kunst des Abstiegs

Natürlich sollte man auch selbst darauf

achten, keine Steine ins Tal zu befördern.

Und in brüchigem Gestein gut prüfen, bevor

man Tritte oder Griffe belastet. »Zum

Beispiel kann es sinnvoll sein, kurz mit

der Fußspitze gegen den Tritt zu treten.« Je

dumpfer der Klang, desto höher die Wahrscheinlichkeit,

dass dort etwas rausbrechen

kann. Tritte, auf denen Schotter liegt,

sollten vermieden werden – besonders

gefährlich sind hier Bänder, die mit losem

Schotter belegt sind. »Auf genau solchen

Bändern quert man aber oft – hier sollte

man sich wirklich Zeit lassen und vorsichtig

sein, vor allem wenn sich unter einem

weitere Personen benden.«

Denn oft lässt es sich nicht vermeiden,

gleichzeitig mit anderen in einem Wandstück

zu klettern, zum Beispiel, wenn man

in einer Gruppe unterwegs ist. »Um auch

dann möglichst hohe Sicherheit zu erreichen,

empehlt es sich, diagonal versetzt

hintereinander her zu steigen, so dass niemand

in der Falllinie des anderen ist«, rät

Albert.

Ist der Gipfel erreicht, heißt es zunächst:

Glückwunsch, Schokolade, ein Schluck

aus der Flasche. Dann aber geht es früher

oder später an den Abstieg, »den würde

ich immer taloffen beginnen«, sagt Albert,

»mit dem Hintern zum Berg und dem Gesicht

zum Tal«. So hat man den besseren

Überblick, wohin die Route gehen soll.

Die Abstiegsfrage im Zweiergelände:

Taloffen oder Gesicht zur Wand?

Wird das zu unsicher, kann man es seitwärts

versuchen – »so hat man immer

noch alles im Blick, kann sich aber schnell

zur Wand drehen, wenn es schwierig

wird«. Denn frontal zur Wand hat man immer

noch besten Stand, nur ist das Blickfeld

eben sehr beengt. »Grundsätzlich gilt

aber: Die Abstiegsart, bei der man sich am

sichersten fühlt, ist die beste« – und Anfänger

fühlen sich meist mit dem Gesicht

zur Wand am wohlsten.

▶ Wie man Blockaden vermeidet

Nicht nur die objektive Sicherheit von

Griffen und Tritten entscheidet darüber,

ob man es erst auf den Gipfel und dann

wieder hinunter schafft, sondern auch das

subjektive Sicherheitsgefühl. Gerade bei

Neulingen, die Situationen und ihr Können

noch nicht so gut einschätzen können,

kann im Anblick schwindelnder Abgründe

plötzlich gar nichts mehr gehen. Dann, rät

Albert, sollte man versuchen, die Angst

durch bewusstes Handeln in den Griff zu

bekommen. Erst einmal ruhig zu atmen,

sich völlig darauf konzentrieren. Dann ist

oft ein fester Rhythmus hilfreich: Gucken

– einatmen – Griff fassen – ausatmen.

Gucken – einatmen – Tritt antreten –

ausatmen. »Und wenn jemand anderes bei

einem bleibt und einen anweist – ›Hier

kannst Du hingreifen! Und guck mal, dort

ist ein bombenguter Tritt‹ – hilft das natürlich

noch viel mehr.«


TOURENTIPP zum Nachgehen

Hoher Gaif (2288 m),

Wetterstein

▶ schwer 5,5 Std.

750 Hm 750 Hm

Charakter: Potenzieller »erster Zweier«

mit Seilbahnanschluss. Klassisches

Kraxelgelände am Ausläufer des

Blassengrats, ausgesetzte Kletterei, aber

griffi ger Fels, Stellen II. Für Wettersteinverhältnisse

recht einsam.

Anfahrt: Von München über A95 und

B2 nach Garmisch, Talstation Osterfelderbahn

/ Kreuzeck.

Ausgangspunkt: Bergstation Osterfelderkopf

(2033 m), Berg- und Talfahrt

25 €, Bergfahrt 17 €. Ticket gilt auch für

Talfahrt mit Kreuzeckbahn.

Verlauf: Vom Osterfelderkopf über den

Nordwandsteig oder vom Kreuzeck über

die Schöngänge (jeweils gesicherte Steige)

ins Oberkar unterhalb der Alpspitze.

Von hier über die grasige Südseite hinab

zum Stuibensee. Direkt am Westufer

entlang zur Kreuzung des Grießkarsteigs,

weiter in Südrichtung auf den Hohen

Gaif zu. Über eine kleine Schuttreiße

linkshaltend auf brauchbaren Spuren

über Schrofengelände empor und zum

Ostgrat, der vom Mauerschartenkopf

herauf zieht. Entlang des Grates nun in

klassischem Zweiergelände zum Gipfel.

Abstieg: Zurück zum Stuibensee und

kurz nördlich davon den Weg 835a entlang

der Bernadeinwände einschlagen.

Über den leichten, aber langen Bernadeinsteig

zum Kreuzeckhaus (1650 m).

Einkehr: Kreuzeckhaus, Mitte Mai bis

Anfang November, Tel. 0 88 21/22 02.

Karte: AV-Karte 1:25 000,

BY8 »Wettersteingebirge, Zugspitze«

Führer: Mark Zahel »Alpine Bergtouren:

Wetterstein und Karwendel«,

Bruckmann 2014

10⁄14 Bergsteiger 109


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10⁄14 Bergsteiger 111


EVENT

IMS Climbing Day mit Lama und MacLeod

mit den Besten

Klettern

Kehrt aus der

Welt der Achttausender

an den

steilen Fels zurück:

Alleskönner

David Lama

Fotos: visual impact.ch / Rainer Eder (li.)

112 Bergsteiger 10⁄14


Ein Wochenende mit David Lama und Dave Mac-

Leod abhängen? Zwei Leserinnen und Leser haben

die Chance, beim »Kiku International Mountain

Summit« mit den beiden Ausnahmekönnern durch

die Südtiroler Felswelt zu turnen: beim »IMS Climbing

Day by GORE-TEX®« vom 18. bis 20. Oktober.

Von Thomas Ebert

David Lama ist kein Mensch, der

gerne still hält. Nicht nur, dass

er mit seinen 24 Jahren bereits

reihenweise Titel, Erstbesteigungen

und Einträge in die Geschichtsbücher

abgeräumt hat. Er gönnt

sich überhaupt wenig Pausen. Im Juli erst

kam er von einer Expedition zur noch

unbestiegenen Nordostwand des Masherbrum

zurück, einem 7821 Meter hohen

Gipfel in Pakistan, dessen avisierte Flanke

Lama als »eine Eiger-Nordwand mit einem

Cerro Torre obendrauf« charakterisierte.

Geglückt ist die Durchsteigung aufgrund

zahlreicher Lawinen zwar nicht. Das hält

Lama aber nicht davon ab, im Sommer ein

paar Projekte im Fels abzuhaken und im

Herbst beim International Mountain Summit

in Brixen mit den Teilnehmern des

»Climbing Day« an den Leisten zu zerren.

David Lama

Sein Coup am Cerro Torre in Patagonien, als

er Anfang 2012 die »Kompressorroute« ohne

künstliche Hilfsmittel durchstieg, gilt schon

jetzt als Meilenstein des Alpinismus. Dabei

ist David noch jung – er wurde am 4. August

1990 als Sohn einer Tirolerin und eines

nepalesischen Sherpas in Innsbruck geboren.

Dave MacLeod

Der waschechte Highlander aus dem schottischen

Letterfi nlay (geb. 17. Juli 1978) zählt

zu den weltbesten Trad-Climbern – jener

Spezies, die beim Sportklettern auf Bohrhaken

verzichtet. Berühmt wurde er 2006

für »Rhapsody« (E11, 7a). Manche seiner

Touren werden live auf BBC übertragen.

Kaum anders verhält es sich mit Dave

Mac-Leod. Der Schotte scheut sich als

waschechter Highlander nicht davor, im

Stile eines Trad-Climbers seine Erstbegehungen

auch noch selbst abzusichern,

etwa im Jahr 2006, als er die berühmte

schottische Sport-Kletterroute »Requiem«

um die Risslinie »Rhapsody« (E11, 7a) erweiterte.

Weil diese sich ohne Bohrhaken

kaum absichern ließ, nahm MacLeod sogar

Runout-Stürze von über 20 Metern

in Kauf (zu bewundern auf youtube). Die

IMS-Teilnehmer sollte das jedoch nicht

verunsichern: Normalerweise ist MacLeod

besonders gut darin, Fehler zu vermeiden.

Er hat sogar ein Werk dazu veröffentlicht:

»9 von 10 Kletterern machen die gleichen

Fehler« lautet der Titel des Buches, das als

Anleitung für die Mehrzahl der Kletterer

gedacht ist, die ohne Coach trainieren.

Den elften Grad werden die beiden Ausnahmekönner

beim »Climbing Day by GO-

RE- TEX®« in Südtirol ohnehin nicht einfordern.

Ausgehend vom Hotel Millander Hof

in Brixen, in dem die Gewinner nächtigen

werden, wird je nach Wetterlage entschieden,

ob im Umkreis von St. Lorenzen im

Pustertal oder im Klettergarten »Morderplotta«

in Kurtasch im Süden Südtirols geklettert

wird. Das untere Ende der Schwierigkeiten

liegt in beiden Gebieten etwa bei

5c, der VI. Grad sollte also greifbar sein. ◀

Jetzt heißt es nur noch: bewerben!

Der BERGSTEIGER zieht aus den Einsendungen

der Kandidat(inn)en, die sich den »Climbing Day«

nicht entgehen lassen wollen, die zwei Glücklichen.

Einsendeschluss ist der 01. Oktober 2014.

Anmeldungen per E-Mail an redaktion@

bergsteiger.de oder per Post an BERGSTEIGER,

Postfach 40 02 09, 80 702 München.

Top-Kletterer und Lehrbuch-

Autor: der Schotte Dave MacLeod

DAS PAKET

CLIMBING DAY

Samstag, 18.10.2014

20-22 Uhr: Teilnahme an der Abenddiskussion

»Wille zur KRAFT zum Willen«.

Der Höhenbergsteiger Mark Inglis,

der Psychologe Georg Fraberger und

der Musiker und Unternehmer Philipp

Burger erzählen, wie eng Wunsch und

Wirklichkeit zusammenrücken können,

wenn der Wille da ist, Ziele zu erreichen.

Sonntag, 19.10.2014

9-16:30 Uhr »IMS Climbing Day by

GORE-TEX®«

Klettertag mit David Lama und Dave

Mac Leod beim Kiku. International

Mountain Summit. Unterstützt wird die

Tour von Hanspeter Eisendle und

seinem Team Rock. Snow & Ice(endle).

18-20 Uhr Teilnahme an Abendveranstaltungen,

z.B. KiKu Photo Award

Montag, 20.10.2014

Vormittag Abreise aus dem Hotel Millander

Hof in Brixen

Der BERGSTEIGER verlost zwei Plätze

für den »IMS Climbing Day by GORE-

TEX®«. Die Teilnehmer müssen lediglich

die Anreise selbst zahlen, alles weitere

ist Bestandteil des Rundum-Sorglos-

Paketes.

Was man draufhaben muss

▪ Selbstständiger Vorstieg

▪ Kenntnisse: mind. Schwierigkeitsgrad

6

▪ Selbstständiges Sichern

▪ Mitzubringen sind: Klettergurt,

Sicherungsgerät, Kletterschuhe

▪ ACHTUNG: eigenverantwortliches

Klettern und Sichern

10⁄14 Bergsteiger 113


PORTRÄT

Bernd Arnold klettert

gerne barfuß und

free solo wie hier an der

Großen Hunskirche.

114 Bergsteiger 10⁄14


Bergsteiger-Porträt: Bernd Arnold

Die Kunst

des Kletterns

Wer sich mit Bernd Arnold durch den Sandstein

der Sächsischen Schweiz bewegt, bekommt

den Eindruck vermittelt, die Felsen wären ein

großes Freilichtmuseum. Nach diesem Herbst

möchte die Kletterlegende in Rente gehen.

Von Dominik Prantl

Das Herz in der Hose:

Am Anfang steht die Angst.

Fotos: Archiv Arnold (2)

Manchmal, wenn Bernd Arnold

in seinem ruhigen

Schritt an einen der Sandsteintürme

läuft, die nicht

weniger als die Welt bedeuten,

bleibt er unvermittelt stehen. So

kurz, dass es manche Begleiter gar nicht

merken. Er bückt sich, greift nach einem

Stein, der Stein verschwindet in der Hosentasche.

Wahrscheinlich gibt es durchaus

größere Macken, als Steine in der Sächsischen

Schweiz aufzuklauben. Aber Arnold

schaut wie ein Kletterer, der bei einem Rotpunktversuch

gerade auf den Bohrhaken

tritt, und er sagt, fast entschuldigend: »Ich

habe Steine gern. Ich fasse sie einfach gerne

an.«

Auf dem Schreibtisch, an der Badewanne,

in der Küche; die kleinen Steine liegen

überall in Arnolds Haus, im Grunde

baut sein ganzes Leben auf den Brocken

des Elbsandsteingebirges auf. Von ihm

stammt der Satz: »Jetzt muss man die Türe

hinter sich schließen und rausgehen. Einfach

rausgehen. Und schauen und klettern

und klettern und spüren. Und wissen. Und

wissen, dass man hier genau richtig ist.«

Die Natur als Spielplatz

Der Kletterer Arnold ist nicht ohne das

Elbsandsteingebirge da draußen vor der

Tür zu verstehen. Er nennt es gerne sein

»Schneckenhaus«, weil die Heimat Geborgenheit

bietet, aber in ihrer Begrenztheit

beengend wirken kann. Sedimente, Druck

und Erosion haben unter Mithilfe von viel,

viel Zeit eine Welt aus Türmen, Tafeln und

Tälern entstehen lassen. Wenn tatsächlich

eine höhere Macht Hand bei der Schöpfung

dieser auf merkwürdige Weise so

schroffen wie gleichzeitig lieblichen Landschaft

angelegt hat, so muss diese Macht

im Herzen auch ein bisschen Kletterer gewesen

sein. Es gibt Risse und Kanten und

Verschneidungen und Wände. Je näher

man hingeht an diese Felsen, desto besser

sind die feinen Strukturen zu sehen, wie

sie kein Kletterhallenbauer der Welt, sondern

nur die Natur in den Stein meißelt.

Schon lange bevor die Kletterer das Elbsandsteingebirge

als Spielplatz entdeckten,

zog es die Menschen in ihren Bann.

Im Mittelalter dienten die Felsen als solide

Basis für Burgenwarten, später übertrugen

die Zeichner der Romantik die Land-

schaft auf die Leinwand; Natur wurde

Kunst. Der Bekannteste der romantischen

Stimmungsfänger war der schwermütige

Caspar David Friedrich. Arnold gefällt das

Werk des malernden Naturphilosophen

und Universalgelehrten Karl-Gustav Carus

jedoch besser. »Weil er ein lebensbejahender

Mensch war.« Es ist ein typischer

Arnold-Satz.

Als fünf Turner vor 150 Jahren den Falkenstein

bestiegen, was zuletzt immer wieder

gerne als Geburtsstunde des Kletterns

Vor 150 Jahren

bestiegen fünf Turner

den Falkenstein.

Heute wird das gerne

als Geburtsstunde

des Kletterns verkauft.

10⁄14 Bergsteiger 115


Wo steckt hier die

letzte Sicherung?

Arnold am Basteischluchtturm.

INFO

Der Tradition verpichtet

Bereits im Jahre 1913 veröffentlichte der Jurist

und Kletterer Rudolf Fehrmann die Sächsischen

Kletterregeln. Sie basieren im Wesentlichen auf

der Idee, den Einsatz künstlicher Hilfsmittel am

Fels zu beschränken. Die Regeln wurden bis

heute nur geringfügig verändert und sogar in die

Nationalparkverordnung – ein Großteil der Felsen

liegt auf dem Gebiet des Sächsischen

Nationalparks – aufgenommen. So darf

beispielsweise ausschließlich an frei stehenden

Türmen geklettert werden, ganz im Sinne des

Grundsatzes, dass zu jeder Tour ein Gipfel gehört.

Die Verwendung von Magnesia, Keilen und

Friends ist verboten. Neben – sehr sparsam – im

Fels verankerten Ringen werden Schlingen zum

Anbringen von Sicherungen gelegt. Selbst

erfahrene Kletterer haben wegen der ungewöhnlichen

Sicherungsmethoden Respekt vor den

Sandsteinfelsen an der Elbe. Eine weitere

Besonderheit liegt darin, dass auch heute noch

oft barfuß geklettert wird.

Traditionell verlangt das Klettern in der

Sächsischen Schweiz eine gute Psyche und ist

eher mit alpinem Klettern als reinem Sportklettern

zu vergleichen. »Wenn du woanders eine 6b

kletterst, dann ist die gleich vergessen. Aber hier

bleibt sie dir im Kopf«, meint Bernd Arnold.

Anfänger und Gebietsneulinge sind daher gut

beraten, erst einmal ein bis zwei Schwierigkeitsgrade

unter ihrem Leistungsstand einzusteigen.

Inzwischen mehren sich die Stimmen, die Regeln

zu lockern, ohne dabei zwingend die Traditionen

aufzugeben. Ein Vorschlag lautet, einige für das

Klettern unattraktive Gipfel der Natur zurückzugeben

und dafür bestimmte Felswände für die eher

spaßorientierte und weniger risikofreudige Masse

der Sportkletterer zu erschließen. Auch Arnold

sagt: »Dogmen sind nichts für die Ewigkeit.«

Foto: TVB Sächsiche Schweiz / Frank Richter

im Elbsandsteingebirge verkauft wurde,

erhielten die Felsen eine weitere Bedeutung:

Aus Burgfundament und Künstlermotiv

wurden Abenteuerspielplätze. Für

einen wie Arnold, der über die Wandkante

hinaussieht, lassen sich die verschiedenen

Funktionen nicht so einfach voneinander

trennen. Natur, Kultur und Klettern verschmelzen

bei Arnold. Es kann gut sein,

dass er Journalisten bei einer ersten Begegnung

erst einmal an einen Aussichtspunkt

führt, von dem sich die Sächsische Schweiz

überblicken lässt. Nicht zufällig sind viele

Kletterfotografen der Sächsischen Schweiz

auch gleichzeitig Landschaftsfotografen.

Arnold sagt: »Die Landschaft beeinusst

das Klettererlebnis.«

Wer mit ihm den Falkenstein umrundet

und seinen Erzählungen zuhört, bekommt

den Eindruck, es handele sich hier um ein

Museum. Jede Route gleicht einem Gemälde,

von dem manche beispielhaft für eine

Epoche und den Künstler stehen. Denn

nach den Turnern im Jahre 1864 besuchten

die jeweils Besten ihrer Zeit das kolossale

Hundert-Meter-Massiv. Schuster, Fehrmann,

Strubich, Brandler – alle haben sie

sich in diesem Gesamtkunstwerk als Erstbesteiger

auf einer der inzwischen fast 150

Routen verewigt. Und kein Name taucht

so häug auf wie Bernd Arnold. Er führte

das Klettern in eine neue Dimension, ob

am Falkenstein oder im Elbsandsteingebirge

allgemein, ob nun in »Buntschillernde

Seifenblasen« (IXc) oder »Vakuum« (Xb).

Besuch aus Amerika

Arnold ist inzwischen 67 und der Karl-Gustav

Carus seiner Zunft. Genauso wie das Elbsandsteingebirge

Arnold geprägt hat, einen

schmalen Mann mit kräftigen Händen und

Furchen im Künstlergesicht, hat Arnold

seine Spuren an den Felstürmen hinterlassen.

900 Erstbegehungen werden ihm zugeschrieben,

die meisten davon stammen aus

seiner großen Zeit in den 1970er und 80er

Jahren. Das Online-Lexikon Wikipedia hat

in einem breit angelegten Eintrag zur »Geschichte

des Kletterns in der Sächsischen

Schweiz« der »Ära Bernd Arnold (1966 –

1986)« ein eigenes Kapitel gewidmet.

Wenn Kletterer wie der US-Amerikaner

Henry Barber während der Ära Arnold ins

116 Bergsteiger 10⁄14


Fotos: TVB Sächsiche Schweiz / Frank Exß, Sammlung Joachim Schindler Dresden

Klettern im Elbsandsteingebirge einst (re., 1895) und in der Gegenwart. Ein Abenteuer sind die Felsen geblieben.

Elbsandsteingebirge reisten, das damals in

der DDR lag und wirklich noch ein Abenteuer

war, besuchten sie nicht einfach

nur die Kletterfelsen. Sie besuchten auch

Bernd Arnold. Er wurde zum Zentrum einer

einzigartigen Insel, deren spezieller

Charakter bis heute durch die Sächsischen

Kletterregeln gewahrt wird (siehe Kasten).

Als Wolfgang Güllich Anfang der 80er das

Elbsandsteingebirge besuchte, überraschte

und entsetzte der genialisch veranlagte

Pfälzer mit seiner Leistungsstärke den bis

dato unangefochtenen Platzhirschen. Einer

von Arnolds Weggefährten schrieb einmal:

»Der Meister konnte ungehalten sein, wenn

man seine Kreise störte.« Arnold freundete

sich mit Güllich schließlich ebenso an wie

mit dem 2010 verstorbenen Kurt Albert.

Damals, vor der Wende, arbeitete Arnold

als Buchdrucker, 20 Jahre lang. »Ne schöne

Zeit« sei das damals gewesen. Und da

er nur selten so einfach in die Welt hinaus

durfte, kam die Welt zu ihm. Dabei spielte

auch er durchaus mit dem Gedanken, einmal

wegzulaufen, raus aus dem Elbsandsteingebirge,

das trotz oder gerade wegen

seiner mehr als tausend Türme eine gewisse

Enge ausstrahlt, hinüber in den Westen.

»Aber das hätte mir mein Vater nicht verziehen.«

Er lernte die Welt dennoch kennen,

zuerst den Osten von der Tschechoslowakei

über die UdSSR bis Nordkorea,

dann den Rest, aber vor allem ihre Höhen

und ihre Abgründe. Unzählige Male og

er aus der Wand. Einen 25-Meter-Sturz in

der algerischen Sahara überlebte er mit kaputten

Wirbeln, die noch heute Probleme

bereiten; am Trango Tower im Pakistan el

er 1988 in eine Gletscherspalte. »Da war

ich ziemlich hinüber.« Ein Jahr brauchte

er, um wieder auf die Beine zu kommen.

Laut Wikipedia ging die Ära Arnold 1986

zu Ende. Vielleicht hat er der Ära aber einfach

noch ein paar Facetten hinzugefügt.

Seit der Wende 1990 leitet Arnold zwei

Bergsportläden in seiner Heimatstadt

Hohnstein. Vor allem im Winter, wenn die

Kälte den heimischen Sandstein besetzt,

sucht er die Wärme anderer Kontinente,

besteigt Wände in Mali, Tasmanien, Venezuela.

Allein Patagonien bereiste er 14

Er lernt die Welt

kennen, ihre Höhen

und ihre Abgründe,

von Tasmanien

bis Patagonien.

Weggefährten: Arnold mit Henry Barber (li., 1979) und am Fels mit Günter Lamm.

Als besten Freund bezeichnet er den 2010 verstorbenen Kurt Albert (re.).

Fotos: Archiv Arnold (3)

10⁄14 Bergsteiger 117


Mal. Er hat mehrere Bücher geschrieben,

darunter »Zwischen Schneckenhaus und

Dom«, eine durchaus bemerkenswerte

Liebeserklärung an die Fähigkeit, jenseits

der eigenen Grenzen zu blicken. Zuletzt

hat er für ein Buchprojekt einen Aufsatz

über das »Erleben der Landschaft« verfasst.

Seine Tochter – »mit der kann man in

jede Wand der Welt einsteigen« – ist inzwischen

Mutter, weshalb Arnold mit der

Opa-Rolle fertig werden muss. Menschen,

die sich bei einem seiner Programme kennenlernten,

trifft er heute noch manchmal

an den Felsen – samt deren Kindern. Arnold

ndet: »Die Menschen sind mir bei

meinen Kursen ja viel wichtiger als das

Klettern.« 2008 wurde er zum Ehrenbürger

von Hohnstein ernannt.

Wann ist eine Ära beendet? Nach diesem

Herbst möchte er jedenfalls in Rente gehen,

sofern man dies bei einem Kletterer

sagen kann. Er will in Zukunft während

der warmen Jahreszeit, die er in der Vergangenheit

meist arbeitend in der Heimat

verbrachte, die Felsen der Welt erkunden,

»so lange ich das noch kann«. Im Elbsandsteingebirge

kennt er schon jedes Massiv,

jede Wand, jede Kante.

Er sagt: »Ohne Fortgang keine Sehnsucht

nach Zuhause.«

Er wird auch weiter in dem Haus wohnen,

in dem er geboren wurde. Er wird weiterhin

rausgehen, die Türe hinter sich schließen

und einfach klettern, ganz sicher.

Aber manchmal, wenn er so ruhig auf einem

der Türme sitzt, die nicht weniger als

die Welt bedeuten, macht er den Eindruck,

dass er jetzt gerne wo anders wäre. ◀

Im Winter fühlt sich Arnold in der gesamten

Welt – wie hier in Tasmanien – zuhause.

Fotos: Archiv Arnold (2)

TOUREN

Einstieg in den Elbsandstein

Mehr als 20 000 Kletterrouten gibt es in der Sächsischen Schweiz. Wir haben fünf relativ

einfache Routen in fünf der zehn Klettergebiete rund um die Elbe für Sie ausgesucht.

Kommt mit an den Fels!

wie Pfeilerweg (V) und Ostkante (VI)

probieren.

2 BROSINNADEL

(Gebiet: Affensteine)

Alter Weg (IV) und Ostweg (V)

Die Brosinnadel ist mit einer Wandhöhe

von 30 bis 80 Metern etwas

für Allrounder. Die leichteste Route

ist der alte Weg (3 Seillängen). Wer

es etwas schwieriger will, wählt die

schwer abzusichernde und durchaus

knackige Ostkante (V). Dafür zählt

dieser Weg mit zum Besten, was

das Elbsandsteingebirge in diesem

Schwierigkeitsbereich zu bieten hat.

4 FALKENSTEIN

(Gebiet: Schrammsteine)

Schusterweg (IV)

Der historisch interessante Falkenstein

bietet Routen in allen Schwierigkeitsgraden.

Weil 1864 fünf Turner

über den nach ihnen benannten

Turnerweg (III) zum Gipfel stiegen, gilt

der Falkenstein als die Geburtsstätte

des Kletterns. Am Schusterweg (IV),

der 1892 durch Oscar Schuster

erstbegangen wurde, stehen selbst

an weniger schönen Tagen die Seilschaften

Schlange. Die Rinnen und

Rippen des Weges gelten als Stück

klettersportliche Allgemeinbildung.

5 GROSSE HUNSKIRCHE

(Gebiet der Steine)

Südkante (V)

Die Große Hunskirche ist ein Turm an

der Nordseite des Papststeines und

bietet vor allem Wandklettereien mit

großen Griffen. Zudem lassen sich

viele Routen – für Elbsandsteinverhältnisse

– relativ leicht absichern.

Gerade an der Südseite versprechen

Sanduhren einigermaßen sichere

Verhältnisse. Empfehlenswert ist für

Einsteiger in die Sächsische Schweiz

die Südkante (V), während »Verlorene

Illusion« (VI+) schon weit mehr

Kletterkönnen erfordert.

1 TALWÄCHTER

(Rathener Gebiet)

Schusterweg (III) und

Pfeilerweg (V)

Das Rathener Gebiet strotzt nur so

vor wunderbaren Felsen wie Höllenhund,

Mönchstein, Gansfelsen – oder

Talwächter. Dort kommen vor allem

Kletterer von leichten und mittelschweren

Wegen auf ihre Kosten. Am

einfachsten geht es über den Schusterweg

(III) auf den Gipfel, wobei man

dabei recht abenteuerlich durch das

Massiv von der Ost- auf die Westseite

klettert. Kletterer mit etwas mehr

Erfahrung können sich an Klassikern

3 RAUSCHENSTEIN

(Schmilkaer Gebiet)

Alter Südweg (III) und

Neuberweg (V)

Der Rauschenstein ist als gewaltiger

Brocken einer der besten Aussichtsberge

in der Sächsischen Schweiz.

Gleichzeitig fi ndet dort fast jeder Kletterer

eine passende Route. Einfach

geht es in mehreren Seillängen über

den Alten Südweg (III), wobei einer

kurzen Verschneidung eine Rinne

folgt, in der sich der Kletterer wie in

einer Murmelbahn fühlt. Ein langer

Klassiker mit mehr als 100 Klettermetern

ist der Neuberweg (V).

118 Bergsteiger 10⁄14


Bruckmann Verlag GmbH, Infanteriestraße 11a, 80797 München

Ein aussichtsreiches Jahr.

Ein Kalender der Zeitschrift

Zweiwöchiges Kalendarium

mit 27 Motiven und den

schönsten Touren auf den

Kalenderblattrückseiten

Bergsteiger Kalender 2015

Das gesamte Spektrum des Alpinismus

in einem faszinierenden Kalender mit den

leuchtenden Farben des Sommers und

dem glitzernden Weiß des Winters – wunderschöne,

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von Bernd Ritschel und Xandi Kreuzeder.

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Wandkalender »Alpen 2015«

Die Alpen sind groß, stark und schön. Lassen Sie sich einladen zu

einem optischen Ausflug in die gewaltigen Gebirgskulissen des

gesamten Alpenraums.

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KOLUMNE

Helfende Hände

Der Everest hat keinen guten Leumund. Seit dem jüngsten

Unglück im Khumbu-Eisfall noch weniger. Doch die große

Solidarität am Berg gerät dabei völlig in den Hintergrund.

Foto: privat; Illustration: Max Baitinger

Billi Bierling

ist 1967 in Garmisch-Partenkirchen

geboren und aufgewachsen.

Im Himalaya, wo sie seit

2004 lebt, kletterte sie erstmals

im Jahr 1998. Die Höhenbergsteigerin

arbeitet für die Himalaya-

Chronistin Elizabeth Hawley.

Sie schreibt im Wechsel mit Axel

Klemmer, Sandra Zistl und

Eugen E. Hüsler über das aktuelle

Geschehen in den Bergen.

Wir alle haben es verfolgt. Die

Lawine, die am 18. April 2014

am Mount Everest 16 Sherpas

aus dem Leben riss, schockierte

nicht nur die Bergsteigerwelt. Die Tragödie

war gefundenes Fressen für die Medien,

die Besteigungsethik am höchsten Berg der

Welt in Frage zu stellen. Die herausragenden

Rettungsbemühungen, die ich selbst

am Everest-Basislager miterlebte, bleiben

dabei fast unerwähnt. »Es war unheimlich

anstrengend – körperlich und emotional«,

erzählt mir der neuseeländische

Helikopterpilot Jason Laing, nachdem er

23 Mal in den Khumbu-Eisbruch geogen

war, um mehr als ein Dutzend Menschen

– tot und lebendig – zu bergen. »Das

Teamwork am Berg war beeindruckend«,

bilanziert er. Da gebe ich ihm vollkommen

recht; wie schnell vergisst man die vielen

helfenden Hände, die gemeinsam Verletzte

retten und Tote bergen.

Der Hang zum Negativen

Der Mount Everest gerät immer wieder in

die Schlagzeilen, jedoch unterstreichen

die meisten mit Vorliebe die negativen

Aspekte und ignorieren dabei die positiven

News. Zeitungen und Bergsteiger-Zeitschriften

sind voll mit Schlagwörtern, wie

»Tod«, »verweigerte Hilfe«, »Erfrierungen«,

»Ausbeutung der Sherpas«, »Schlägerei am

Everest«, »unerfahrene Bergsteiger« oder

»der höchstgelegene Müllberg der Welt«.

Als Journalistin kann ich den Hang zum

Negativen nachvollziehen; als Himalaya-

Bergsteigerin habe ich jedoch auch viel

Positives miterlebt.

Lawinen im Khumbu Eisbruch sind nichts

Ungewöhnliches – fast jedes Jahr donnert

ein gewaltiges Stück Eis, das bedrohlich

über dem Gletscher hängt, hinunter.

Im Jahr 2009 kam dabei ein Sherpa ums

Leben; zwei westeuropäische Bergsteiger

konnten gerettet werden. Schon damals

war ich von den vielen helfenden Händen

beeindruckt. Jeder wollte seinen Teil zur

Rettung beitragen; die Funkgeräte liefen

heiß, und egal, ob man – wie manche indische

Expeditionen – nur kleine Walkie

Talkies mit einer Reichweite von wenigen

Metern besaß oder eine regelrechte Militärausrüstung

hatte: Es wurde koordiniert,

geschaufelt, geschleppt und gerettet.

Das Prinzip des Miteinanders

An jenem Karfreitag ist es nicht anders.

Als die Basislagerbewohner – sei es

Kunde, Bergführer oder Sherpa – um

sechs Uhr morgens die Lawine in den

Khumbu Eisbruch donnern hören, setzt

man alle Hebel in Bewegung, um den

Menschen zu helfen. Jason, der bereits

um 8.45 Uhr mit seinem Helikopter am

Unfallort ankommt, sagt: »Es erinnert

mich fast an die Erstbesteigung von

Edmund Hillary und Sherpa Tenzing

Norgay. Alle halfen zusammen und irgendwie

schafften wir es.«

Sir Edmund hätte ohne Sherpa Tenzing

Norgay sicherlich niemals auf dem höchsten

Punkt der Erde gestanden; es ist jedoch

auch eher unwahrscheinlich, dass Sherpa

Tenzing 1953 ohne die Unterstützung der

britischen Expedition die Welt von dort

oben hätte sehen können.


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Oberstdorf: Fotografieren mit Zak

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Die himmlischsten Wolkenhäuser für den Herbst

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BERGSTEIGER unter der Lupe: Leserbrief des Monats

Sehr geehrte Redaktion,

Die neue Möglichkeit für

Abonnenten, auch das ePaper

zu lesen, nde ich klasse. Wäre

es möglich, die Tourenkarten

auch als pdf-Datei zur Verfügung

zu stellen?

Matthias Prell, per eMail

Lieber Herr Prell, die gesammelten

Tourenkarten der letzten sieben

Jahre nden Sie kostenlos als PDF

auf www.bergsteiger.de (links in

der Navigation unter »Premiuminhalte«).

Viel Spaß beim Nachgehen!

Die Redaktion

Fehlerteufel

Die Bilder zur Titelgeschichte

in Heft 07/14

(»Völlig losgelöst«) stammen von

Monika Hippe, nicht Claudia Hippe.

Wer über die Lage der »Locatellihütte«

rätselte: Bekannter ist sie als »Drei-

Zinnen-Hütte«. Im Folgeheft (»Schneller!

Fitter! Höher!«, S. 93) ließen wir

beim Berglauf Kohlenmonoxid entstehen

– Kohlendioxid war natürlich

gemeint. In Heft 09/14 sind gleich

vier Fehler unterlaufen: Der Salewa

MTN Trainer GTX (S. 108) kostet nur

159,99 €, die »Sir Joseph Mera Jacket«

(S. 99) misst verpackt nur 0,66

statt 2 Liter, und die Wanderer auf

S. 78–79 blicken zwar auf den Tegelberg,

stehen aber am Branderschrofen

(1880 m). Die Oso Sandals

von Luna (S.107) kosten nur 125 €

und fi nden sich unter luna-sandals.de.

Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum BERGSTEIGER, wir freuen uns über jede Zuschrift!

Je kürzer ein Leserbrief, desto größer die Chance auf Veröffentlichung. Alle Zuschriften bitte an

BERGSTEIGER, Postfach 40 02 09, D-80702 München oder E-Mail: bergsteiger@bruckmann.de

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die abgedruckten Leserbriefe nicht die Meinung der Redaktion,

sondern die der Unterzeichnenden wiedergeben. Wir behalten uns vor, Briefe vor Abdruck zu kürzen.

10/14 | 81. Jahrgang

Internet: www.bergsteiger.de

Redaktionsanschrift

BERGSTEIGER

Postfach 40 02 09, 80702 München

Tel. +49 (0) 89.13 06 99.658

Fax +49 (0) 89.13 06 99.690

bergsteiger@bruckmann.de

Chefredakteur Michael Ruhland

Redaktion Thomas Ebert, Petra Gössl-Kubin,

Dominik Prantl, Dagmar Steigenberger

Assistenz Thomas Ebert

Layout Tanja Beyerle, Susanne Bukvic,

Melanie Dietlinger

Kartographie Heidi Schmalfuß, München

Illustrationen Max Baitinger

Aboservice/Leserservice

BERGSTEIGER-Aboservice, Postfach 1280,

82197 Gilching, DEUTSCHLAND

Tel. 01 80-5 32 16 17*

Fax 01 80-5 32 16 20*

(* 14 Cent pro Minute)

leserservice@bergsteiger.de

Anzeigenleitung

Rudolf Gruber, Tel. +49 (0) 89.13 06 99.527,

rudolf.gruber@verlagshaus.de

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90 59 75, medienservice@schachtl.de

Tourismus-Marketing

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Anzeigendisposition

Johanna Eppert, Tel. +49 (0) 89.13 06 99.130

johanna.eppert@verlagshaus.de

Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 50, ab

1. Januar 2014, www.verlagshaus-media.de

Repro ludwig:media, Zell am See

Druck Stürtz, Würzburg

Fotos: Wikipedia, banknotenews.com, privat



MITARBEITERIN DES MONATS

AUFSTEIGER DES MONATS

ABSTEIGER DES MONATS

Billi Bierling

Sie ist bereits auf vier Achttausendern gestanden: Billi Bierling ist Höhenbergsteigerin

und Journalistin. Die gebürtige Garmischerin, die in Kathmandu lebt,

arbeitet seit zehn Jahren ehrenamtlich für die Everest-Chronistin Liz Hawley.

Von dieser Ausgabe an löst Billi Caroline Fink als Bergpredigt-Kolumnistin ab.

Ein Dankeschön an Caroline für ihre tollen Kolumnen und ein Willkommen für Billi!

Weihnachtsmärchen

Verfrühtes Weihnachtsmärchen: In einer Hirtenhütte brachte die Wirtin der

Filmoor-Standschützenhütte wenig unterhalb ihres Schutzhauses Mitte August

einen Jungen zur Welt. Drei Könige – nein: Ärzte leisteten ihr während der Geburt

in der 25. Schwangerschaftswoche Beistand, da der Hubschrauber sie aufgrund

Schlechtwetters nicht holen konnte. Ochs und Esel waren diesmal nicht dabei.

Kanadische Stilblüten

Die Kanadische Zentralbank hatte bis vor kurem auf Ihrer Webseite erklärt,

dass der Mount Edith Cavell aus den kanadischen Rocky Mountains auf den

Zehn-Dollar-Scheinen abgebildet sein soll. Ein Architekturprofessor aus Edmonton

schaute jedoch genau hin und sah zwar Berge, aber keinen Mount Edith Cavelll.

Die Moral: Berge sind nicht dafür geschaffen, um damit Geld zu machen.

Verlag Bruckmann Verlag GmbH,

Infanteriestraße 11a, 80797 München

www.bruckmann.de

Geschäftsführer Clemens Schüssler

Herstellungsleitung Sandra Kho

Leitung Marketing und Sales Zeitschriften

Andreas Thorey

Vertriebsleitung Dr. Regine Hahn

Vertrieb/Auslieferung

Bahnhofsbuchhandel, Zeitschriftenhandel

MZV, Unterschleißheim

Preise Einzelheft ¤ 5,90 (D), ¤ 6,50 (A),

sfr 9,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Versandkosten;

Jahresabonnement (12 Hefte) ¤ 63,72 (D)

inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten.

Für Studenten mit Bescheinigung ¤ 49,56 inkl.

Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten.

Die Abogebühren werden unter der Gläubiger-

Identifi kationsnummer DE63ZZZ00000314764

des GeraNova Bruckmann Verlagshauses eingezogen.

Der Einzug erfolgt jeweils zum Erscheinungstermin

der Ausgabe, der mit der Vorausgabe

ankündigt wird. Der aktuelle Abopreis ist hier im

Impressum angegeben. Die Mandatsreferenznummer

ist die auf dem Adressetikett eingedruckte

Kundennummer.

ISSN 1435–8905 • 1681

Erscheinen und Bezug BERGSTEIGER erscheint

monatlich. Erhältlich in Deutschland, Österreich

und in der Schweiz im Bahnhofsbuchhandel,

an gut sortierten Zeitschriftenkiosken, im Fachhandel

sowie direkt beim Verlag.

© 2014 by Bruckmann Verlag GmbH

Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge

und Abbildungen sind urheberrechtlich

geschützt. Durch Annahme eines Manuskripts

erwirbt der Verlag das ausschließliche Recht

zur Veröffentlichung. Für unverlangt eingesandte

Fotos und Manuskripte wird keine Haftung

übernommen. Gerichtstand ist München.

Verantwort lich für den redak tionellen Inhalt

Michael Ruhland, Infanteriestraße 11a,

80797 München.

Verantwort lich für Anzeigen

Rudolf Gruber, Infanteriestraße

11a, 80797 München

10⁄14 Bergsteiger 121


VORSCHAU NOVEMBER 2014

Bayerns Kraftorte

Sie leben auf Almen

und im Tal, sie sind

Schafzüchter, Sennerin

und Alpenschamane:

Fünf Bergmenschen

aus Bayern verraten ihre

Lieblingstouren im Herbst.

AUF TOUR

Walliser Fluchten

Über Pässe zogen Menschen seit jeher

vom Wallis in die umliegenden Gebiete

und zurück. Wir präsentieren Ihnen

vier Vorschläge, wie Sie das Wallis auch

heute am Schönsten hinter sich lassen.

&

AUF

REPORTAGE

Wo ist Heidiland?

Erst die Bergbauern machen mit ihrer

Arbeit die Alpen schön – so haben es

bergsteigende Umweltfreunde gelernt.

Aber gilt das noch? Eindrücke von einer

Reise in den komplizierten Alpen-Alltag.

TOUR Schermberg – Geheimtipp im Toten Gebirge

INTERVIEW Alex Honnold – Free Solo durch große Wände

ALPINISMUS Kalymnos – kleines Paradies für Kletterer

Der nächste Bergsteiger erscheint am 18. Oktober 2014

SERVICE

Der große Ausrüstungsberater

für den Winter

Der Kälte des

Winters trotzt der

Mensch seit jeher,

indem er sich nach

dem Zwiebelprinzip

in zusätzliche Häute

hüllt. Neben den

ausgeklügelten Isolationsschichten

zählt aber auch das Gewicht der

Ausrüstung und – gerade im Winter

– die Sicherheit auf Touren im

verschneiten Gelände. Lesen Sie im

nächsten Heft, was der Markt

dazu an Innovationen bereithält.

SERIE

Was muss in den Rucksack?

Mit Löchern in den Stiefeln kommt

man am Mont Blanc nicht weit.

Teil 6 der Serie »Von Null auf‘s

Dach der Alpen« zeigt, was man

braucht – und was entbehrlich ist.

Fotos: Andreas Strauß, Campomalo / pixelio.de, Hersteller

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Plattformen sind in Vorbereitung – wir bitten

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Foto: Andreas Strauß


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erdmannpeisker / Robert Bösch

PRÜFSTEIN.

Je spektakulärer der Plan, desto wichtiger die Qualität der Ausrüstung. 28 Top-Alpinisten wurden eingeladen,

am Ago del Torrone das Equipment live zu prüfen. Fazit: Qualität und Funktionalität top. Selbst unter härtesten

Bedingungen vereint das umfangreiche alpine Angebot von Mammut Sicherheit und maximalen Komfort.

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124 Bergsteiger 06⁄14

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